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Full text of "Zeitschrift des Vereins für Lübeckische Geschichte und Altertumskunde"

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fteitfätift 


bes 


laein*  für  ^Süßccftifcßc  $efdjid>fe 


unb 


^Crfert^nm^fiunk 


»an*  3» 


JWt  einer  ^bbiUtung. 


■  I  iaOci  I 


8«berf. 

tJerbinanb    ©rautoff. 
1876. 


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$)em  §errn 


f)«(liirDrj0!IIJatl|.lttr!ltt[f| 

12.  §  et  o0  et  1876, 

als 

bem  SuMtage 
im  $itnßt  ber  Btrd)f  unb  $djuU, 


mit  ^erjli^etn  3)anfe 
für 

jahrelang*  treue  ttnterftäftttna 

auf 

äffe»  0*ßui«i  b*t  <£ft0if4ett  #£ 


gettrtbtnet 


l 


vom 


Seretn  für  tfifiediftye  QefdjMjte  nnb  Kltertynartfoitbe. 


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I 


/1 


«Inhalt. 


@eite 
I.   $R\ttf)tUungen   über  ba*  ehemalige  2übetfifd)e  IDomfapitel.    Sßon 

€>taat*at<Mt>at  ©entmann l 

\\.    fcübetf    al«    Hüterin  be«   Sanbs  unb   Seefrieben«   im   brel Junten 

Satjt^unbert.     33on  $rofeffor  SRantel« ~    120 

UL   edjiüet  auf  ber  Sübetfer  JBüljne.    *öon  Dr.  SR.  gunf .    .    .    .     164 

IT.    Steaela,rab  bei  5Bea>I«borf.    5öon  (5.  3.  SEilbe 185 

V.    Sonnte«  (Steine.  (Sine  SJlittbeifong  von  ©taat«ard)ioar  ©entmann    1 90 
VL    S|ket«aufaabe,  gejiettt  am  funfbunberriäljrigen  ©ebenffefie  be*  grie* 

ben«  ju  <8tralfunb.  1870  9Rai  24 192 

VII.     5Me  ©laoend^ronif  Slrnolb*  »on  Wbtd.  93on  Dr.  9tub.  2>amu*.    195 
VIII.     ©«träge  jur  @efd)id)te  ber  erften  ©udjbrutferei  in  «übetf.    *8on 

DberaWeflation«rattj  Dr.  $ault 254 

IX.     Beitrage  gur  ®ef*i<fete  be«  Srrenbaufe*  in  gfibetf.     33on  Ober-. 

appeUarion^ratb  Dr.  $auli 270 

X.     Ueber  ba«  Sübetfiföe  SRangelb.    #on  £)b*raW>eUation«rat!)  Dr. 

$auli *. 279 

XI.     2)a«  $»rger»ogelfd)legen  im  ©täbtaVn  Sraoemünbe.     33 on  Dr. 

jur.  8Uol*>b  £ad} 329 

XII.     3u>fi  allere  $rojecte  gur  Sßerbinbung  be*  @d)aifee  mit  bem  Sfcafre* 

burger  @ee  unb  mit  ber  <5lbe.  Jßon  @taai«ard)foar  SBebrmann    844 

XIII.  $a*  Sübetfer  SUdji».    95on  @taat6ar$ioar  SBe^rmann.    .    .    349 

XIV.  ©efanbtfdjaftebrrity  über  bie  Sljeilnaljme  ber  «öanfefläbte  an  ben 
griebenfljerftanblungen  ju  SJrömfebro  im  3a$re  1645.  SJfcftgetljeflt 

ücn  @taat$ard)toar  ffle^rmann  .    .    , 407 

XV.     93«id)t  über  bie  ®efanbtfd?aft  ber  «öanfefläbte  nadj  ©torf^olm  jur 
35eglütfwfinf$ung  ber  Königin  (IljrijHne  im  3afae  1645.    SRit* 

geseilt  von  ©taat$ard)i»ar  Söeljrmann    .    . 476 

XVL     £einrid)  99re$mer,  b.  9t.  Dr.,  Senator  ber  freien  «fcanfeftabt 

fcfcbetf.    SBon  €taat«ar*ioar  SDebrmann 489 

XVIL     fkfWg»«8  an«  bem  3atyre  1542.    fWftgetyeüt   oon   ^rofeffor 

9RantrU 562 


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sScite. 
XVIII.    9*ieberfäd)fifd)e    gei(Uid)e    ®ebtd)te.     9RitgeH>eilt   tton    ^rofeffor 

SRantel* 568 

XIX.    <$in  oerf  Wollener  Sü&etfer  gefhag.    93on  ©irector  äraufe  in 

Äoftotf 591 

XX.    ^Beiträge  $ur  S£ibecftfd)cn  ©locfenfunbe.   23on  Dr.  jur.  Xfceobor 

<&a* 593 

XXI.    kleine  SWirtfjeilungen.    Söon  <Siaat*ard)f»ar  SBeljrmann. 

1.  3ur  ®efd)f  d)te  beä  33ud)ljanbel$  in  Sübecf 6oo 

2.  2>ie  ffintyrüuitg  bcr  <2taM  fiübecf  in  üter  Ctuartiere     .    .    601 

3.  (Sin  gericbtlfdie*  ^ulf^fdiveibcn  ans  bem  3aljre  1502.     .    .    C04 

4.  3ur  (Srinnentug  an  ba$  3aljr  1806 605 

XXII.    ^Beitrag  jur   3eitbejtimmnng  bcr  ^übifßen   auf  Seinen   getieften 

SUtarbecfe  au«  bem   u.  3atyr$unbert.    ÜWügetljetU  &on  ^rofeffor 
SWantei« 608 

XXIII.  $ret*aufgabe.    ®  uralten  ber  $rei*rid)ter 61  o 

XXIV.  2>er  herein  für  fcübetfifdK  ®efd)id)te  unb  9tttertyum6funbe  toä^renb 

ber  3a&re  1867—1876 613 

XXV.    Söerjeidinig  ber  SWUglieber  be«  herein*  für  Sübecfifdbc  ®efd)id)te 

unb  SUtertljumafunbe.    1876 635 


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fWttt&eüungcn 
über  ba$  ehemalige  £ubecfif$e  ©omcapüeL 

93on  ©taat«atd)foar  Seemann. 


1. 

Jie  Perfaffuttg  be*  Jtomcapitete. 

33or&emerfung. 

Von  ben  btei  t>on  £einridj  bem  Söwen  gegrünbeten  norbelbifd&en 
»tötyümern,  Stafceburg,  Sübed  unb  gdjwerin,  l)at  baS  Stibecfifd&e 
feine  ßpiftenj  am  längften  behauptet  unb  ift  unter  ben  wenigen  prote* 
/Jantifd^eit  35omcapiteln  $)eutf<§lanb£,  bie  über  bm  weftptyälifctyen 
^rieben  IjinauS  bis  in  ben  Anfang  beS  gegenwärtigen  Sa^r^unbertö 
fortbeftanben  §aben,  baS  widfjtigfte  unb  bebeutenbfte.  ©djjon  au£ 
biefem  ©runbe  wirb  eä  intereffant  fein,  feine  ßinrid&tung  fcnnen  ju 
lernen.  Unb  ba  bie  3Serfaffung,  bie  e3  bei  feinem  2lufljören  §atte, 
auö  berjenigen  ^erporgegangen  mar,  bie  e£  bei  feiner  ©rünbung 
empfing,  fo  gewährt  eine  SarfieHung  berfelben  jugleidj  baä  ^ntereffe, 
böfc  fie  jeigt,  weld&e  ©eftalt  ©inrid)tungen  aUmä^tid^  angenommen 
Ratten,  bie  urfprüngli<§  auf  ganj  anbere  $erf)ältniffe  beregnet  unb 
unter  ganj  anbem  Umftänben  gegeben  waren.  @&  mufc  inbeffen 
gum  uorauä  bemerft  werben,  ba&  bie  2)arfteUung  auf  Soflftänbigteit 
feinen  Änfprud)  mad&en  fann,  ba  bie  bem  SSerfaffer  ju  ©ebote  fielen* 
ben  4?ü(f$mittel  ^ju  nid^t  überall  ausreisten. 

3n  einer  Urfunbe  über  bie  Stiftung  beg  93i£tf)um3  ©djwerin 
wirb  unter  anbem  beftimmt,  ba|  baS  bortige  3)omcapitel,  gteid) 
bem  fiübedifdjen,  aus  groölf  Sßerfonen  mit  einem  Sßropji  unb  SDecan 
(duodecim  personis  cum  praeposito  et  decano)  befielen  foß.  SHJir 
erholten  auf  biefe  SBetfe  inbirect  eine,  fonft  fe&lenbe,  urfunbtid&e 
9ta$tid>t  üb**  We  anfängliche  3a$l  ber  3)omI)errnjleBen  (?ßraeben* 

gritför.  I  *Ä*.  ®efa.  ©t.  3  $rft  1.  1 


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ben,  praebendae)  in  Sübed  vlxOs  trtfrfett'  bie  3ßad)ric$t  für  juoerläffig 
Ratten,  obwohl  fte  einer  ttjeiUfleife  gefaxten  Urfunbe  entnommen 
ifi *)  ©8  bleibt  babei  jwar  unentfd&tcben,  ob  ber  ^ropft  unb  ber 
S3ecan  in  bie  3roölfja$l  eingefroren  waren,  unb  man  möd&te  ge> 
neigt  fein,  na$  Analogie  ber  ©mridjtung  beä  9ta$eburger  S)om* 
capitete,  weldje£  einer  auSbrüditd&en  Sfagabe  jufotge  aus  breije^n 
SOTttgliebern  befianb,2)  anjunetymen,  bafc  in  fiübed  baffclbe  ber  gaß 
gewefen  fei  aber  ber  SBortlaut  ber  oben  angeführten  ©teile  fprid&t 
bodj  me^r  bafür,  eine  anfängttd&e  ©efammtja^l  x>on  tuerjeljn  Sßer* 
fönen  anjuneljmen,  unb  biefe  Slnna^me  wirb  burdj  ben  Qn^alt  einer 
Urfunbe  t>om  Qa^re  1263  wefenttidj  unterftüfct  unb  beftätigt.  3)ie 
Sßraebenben  waren  nämttd)  urfprüngiid)  gteid>  botirt;  ber  ©efammt* 
ijeit  waren  gewiffe  (Sinfünf te  jugewiefen,  weldje,  abgefe^en  t>on  einem 
einigen  berfetben  gemährten  Sßraecipuum,  ju  gleiten  Steilen  t>er* 
tfjeilt  mürben.3)  Qm  Saufe  beg  erften  Qa^rljunbertö  aber  mar  biefe 
©teid^eit  aufgegeben.  Qn  bem  genannten  3a$rc  gab  e3  größere 
^raebenben  (majores,  integratae)  unb  fleinere,  bie  nur  Ijatbfouiel 
©infünfte  gemährten,  ate  bie  größeren  (minores,  semi-integratae), 
Don  jenen  elf,  von  biefen  fed$,  im  ©anjen  fiebjeljn. 4)  ipieburd) 
wirb  bestätigt,  bag  urfprüngtidj  oterje^n  Sßraebenben  beftanben,  x>on 
benen  brei  in  je  jwei  fleinere  geteilt  waren.  Stufeerbem  beftanben 
im  ^afjre  1263  nod>  jwei  Sßraebenben,  bie  an  ben  für  bie  übrigen 
©teilen  befttmmten  ©nfünften  feinen  Slnt^eil,  fonbem  \fyct  eigne 
Dotation  Ratten  unb  bal)er  abgefonberte  (distinctae,  privatae)  Riegen. 
@ine  berfelben  ift  1197  geftiftet,6)  über  bie  Stiftung  ber  anbem 
giebt  e£  feine  urfunblidje  -ftadjridjt  Sie  ©efammtja^l  ber  Sßraeben* 
ben  betrug  alfo  neunjeljn.  S5er  bamalige  Sifdjof,  3ol)ann  III. 
(t)on  ftrafom),  fegte  feft,  bajj  biefe  Sfaja^l  niemals  überschritten 
werben  folle,  aber  er  felbfi  §anbelte  juerft  wiber  biefe  SJorfd&rift,  in* 
bem  er  wenige  Qafjre  fpäter  bie  Stiftung  ber  jwanjigften  unb  ber 
einunbjwanjigfien  Sßraebenbe  julieg,6)  unb  fte  ift  aud[>  in  ber  gotge* 


»)  2Sgl.  feicrüberStf*,  SMecf lenb. Urf unben 3$. 3  @.3ff.  SReeflenb.  Urf  unben* 
bud)  X$.  l  ©.  98.  Söigger,  SJerno,  ber  erfte  SBffdjof  von  @d)toerin,  in  ben  3a$r* 
bü*ern  bc«  «Berein«  für  SWetflenb.  ®efd)id)te  3al)tg.  28  @.  231. 

»)  Urf.*$u<f)  ber  @tabt  Sübetf  53b.  l  @.  3. 

8)  Urf.*SBu(t)  be«  ©ietyum*  «übe*  £1).  l  ©.  9. 

*)  (Sbenb.  ©.  152. 

*J  (Sbenb.  ©.  21. 

6)  (Sbenb.  <S.  169.  174. 


Digiti 


zedby  G00gk 


jtit  unbecu^tet  geblieben.  3)ie  grömmigfeit  betätigte  fidj  gern  bur<$ 
<j&itttä)t  Stiftungen  unb  e^  ftnb  bemnadjj  audfj  nodf)  triete  ©omprae* 
benben  cjefüftet7)  S)ie  3al)l  ber  3)om^etren  war  im  3-  1525  bis 
auf  adjtunbbteifeig  gejliegen. 8)  2Benn  bie  neuen  ©teilen  xtifylxä) 
botixt  würben,  fo  würben  jxe  mit  ben  fdEjon  twrtyanbenen  Dereinigt, 
(incotportrt,  praebendae  incorporatae);9)  Ratten  fte  nur  geringe 
ßinfwifte,  So  blieben  fte  für  ftäj  (abgefonberte,  distihctae).  S)ie 
Cumarinen  bet  einjeinen  2)om£erren  waren  urfprünglid),  in  Heber* 
einfKmtming  mit  ben  ©efefcen  ber  Äir<$e,  ttid^t  reidjlid)  bemejfen 
unb  würben  fpater  bei  fi$  fteigemben  SBebürfniffen  nid)t  ausgereicht 
Soften,  wenn  nic&t  ttyeils  aus  immer  neuen  äJermädjtniffen  neue 
©nnaijmequellen  entjtanben  mären,  t^eils  bei  ber  fteigenben  ßultur 
3e^nten  unb  Sobenrente  größeren  ©rtrag  geliefert  Ratten. 

9iad6  ber  Sieformotion  trat  ofjne  3*wtfel  fogleid)  ein  wefentlid&er 
auSfaH  in  ben  einnahmen  ein,  unb  aermutljttd)  mar  eS  bicfer  Um* 
ftmib,  bet  eS  bem  5Domcapitet  not^roenbig  erfdjeinen  ließ,  bie  älnja^l 
ferner  SRitglieber  roieberum  ju  befd&ränfen.  ©S  ging  ba^er  auf  bie 
Seiügiutg  beS  »tfdjofS  3ot>ann  III.  jurüd,  unb  fe|te  im  &  iö97, 
unter  ©eneljmigung  unb  mit  3ufilmT^wng  beS  SBifdjofS  Qo^ann 
Xbolpt),10)  abermals  fefi,  baß  bie  Slnja^l  ber  incorporirten  £)oml)errn* 
fieflen  niemals  größer  fein  folle  als  neunjeljn.  3)ie  eigentliche  S3e* 
beutung  beS  S3ef$luf[eS  mürbe  unter  bem  2IuSbru<f  »erborgen,  baß 
nufct  mttyc  als  neun^n  ©omljerren  jugleidE)  jur  Sfteftbenj,  b.  %.  ju 
©ifc  unb  ©ttmme  im  Kapitel  jugelaffen  werben  foHten.  ©S  waren, 
wie  früher,  fec&S  ©emiintegraten  unb  breije^n  Qntegraten,  ^inftd^ttid^ 
ber  festeren  aber  beftanb  ein  Unterjdtfeb.  SRur  jeljn  von  tljnen  Ratten 
an  einer  im  3.  1278  aon  SHföof  SBurdjarb  angeorbneten,  fpater  in 
eine  baare  einnähme  t>ermanbelten  Srobuert^eilung  ")  änt^eil  unb 
fließen  ba^er  panistae;  fte  Ratten  aud)  anberweitig  größere  ©infiinfte 
als  Ke  übrigen  Qntegraten.  9tebtn  ben  neun  jet)n  ©ifc  unb  Stimme 
in  ©apttel,  fowie  audj  ©innaljme  gewäfjrenbeu  ©teilen,  gab  eS  nodj 


*)  Gbeub.  €>.  202.  203.  216.  319.  354.  375  tt.  f.  tö. 
•)  (Sbtnb.  ©.  832  5lnm. 

•)  ffin  ©elfpiel  baöon  ebenb.  <S.  753.    Sifäof  «&einti*   »on  33otf$oü  »et* 
fcefrrte  eine  »cn  Hjm  gejiiftete  5Di{lmctprae6enbe  unb  incorporirte  pe  mit  (Genehmigung 
M  3)oMcapitel6  ben  übrigen.    Gin  gang  tynlity*  3Beift>f?l  f.  ebenb.  ©.  195. 
*•)  tfbenb.  @.  169  Slnm.  l. 

u)  (fbenb.  ©.  261.    2)ie  SJertycüung  »at  urforünglid)  fftr  bie  elf  gtoferen 
9sat*enbeii  angrorbnet. 


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zedby  G00gk 


fteben  3fomartfd)aft*fiellen  ober  ©jpectan  jen,  beten  Orabet  canonici 
in  herbis  —  im  ©egenfofc  ju  canonicis  in  floribus  —  gießen.  Slu<& 
bie«  entfpradfc  einer  feljlr  alten  ©nru$tung.12)  333er  in  baS  Sapttel 
auf  genommen  nmrbe,  trat  juerfi  in  bie  unterfle  ber  StomartföaftS* 
Pellen,  bie  fe^äunbjroanjigffe  im  Gapitel,  ein  unb  tonnte  nur  burdj 
Sbifrüdten  (8tecenbtren,  ascensio)  bei  eintretenben  SBacanjfällen  all* 
mtylify  in  bie  befferen  ©teilen  gelangen.  SSon  biefer  Drbnung  mürbe 
niemal«  abgemtdjen.  äu§er  ben  fedjäunbjmanjig  incorporirten  ©teilen 
gab  t&  nod)  trier  abgefonberte  (ftiftincten*)  Sßraebenben,  auä  meldten 
man  nidjt  in  bie  übrigen  ©teilen  einlüden  tonnte.  Unb  enbUdfc  be* 
fianben  nodj,  alä  jum  (Sapitel  gehörig,  aber  bod)  ntdjt  eigentlid^ 
2$etf  beffelben,  jmei  3)ifiinctenpraebenben,  metdje  1293  burd)  tefta* 
mentarifdjeSBerfügung  be«  S)e<$anten  3oI>anne$  fiioo  gefttftet  roaren 
unb  berenQn^aber  ba^er  canonici  Li vonistae18)  gießen.  3Jtan  tonnte 
eine  biefer  ©teilen  juglei<$  mit  einer  anbern  beftfcen. 

S)a«  Gapitel  befianb  bemnad)  auä  breifeig  ^erfonen;  e8  maren 
je^n  panistae,  brei  integrati,  fe<$3  semi-integrati,  fteben  canonici 
in  herbis,  trier  distincti.  ©inige8  SKäljere  über  bie  einjelnen  ©teilen 
wirb  weiter  unten  no<$  bemertt  werben. 

§  2.   Die  $rae(aturen. 

Unter  ben  Sßraebenben  maren  einige  burdj  eine  größere  SBfirbe, 
meldte  i^nen  beigelegt  mar,  unb  burdfc  eine  größere  ©nnatjme,  meldje 
fte  gemährten,  oor  ben  übrigen  au3gejeid)ttet  ©ie  gießen  dignitates 
ober  praelaturae,  iljre  3n^aber  dignitarii  ober  praelati  (bieSJeoor* 
jugten).  ©djon  bei  ber  ©rünbung  be«  3)omcapitete  merben  trier 
$raelaten  genannt,  ber  praepositus  (Sßropfi),  ber  decanus  (S)ecan), 
ber  custos  ober  thesaurarius,  ber  scholasticus;14)  fpäter  tarnen  nod) 
^tttju  ber  cantor,  ber  cellerarius,  ber  structuarius. 

©er^ropfi  mar  in  ber  tat^olifd^en  3eit  ber  erfte  unb  oomeljmjie 
unter  ben  Domherren.  @r  fianb  näd&fi  bem  SJifdjof  an  ber  ©pifce  be« 
©apitel«,  leitete  bie  ©efd&äfte  unb  führte  in  ©teile  beä  Siföof«,  wenn 
biefer  abroefenb  ober  bie  ©teile  oacant  mar,  ben  SJorftfc  in  ben  SSerfamm* 
lungen.  Qn  Urtunben,  meldje  ba$  ©omcapitel  o^ne  ben  ©ifdjof  aus* 


M)  (Wenb.  &  1*5.  ajfll.  <5id)$orn,  £ir*ented>t  $b.  *  6.  605.  SÄejer, 
Snftitutionen  M  gemeinen  beutfdjen  jtträ)enred)t«  ©.  342/ 
M)  (Wenb.  ©.  854. 
")  <5&enb.  <S.  5.  9. 


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fteHte,  wirb  fein  9tome  immer  juerfi  genannt.  SSon  bem  eigentlidfjen 
Äird&enbienfi  war  er  feiner  melfadfjen  anbem  ©efd&äfte  wegen  befreit 
unb  burfte  iljn,  nad&  einer  Seflimmung,  bie  1263  ermahnt  wirb,15) 
burdjj  einen  ©teDfoertreter  (93icar,  vicarius)  oerridfitett  laffen.  S)a 
mit  bet  ©teile  jugletd[)  ba$  2lmt  be3  SlrdfjtbiaconuS  oerbunben  mar,16) 
lag  iljm  audfj  bie  Ausübung  ber  geijllid&en  ©erid&tSbarleit  ob,  unb 
bie£  braute  ben  Sßropft  in  tnelfad&e  SBejiefjungen  ju  ben  JBemo^nern 
ber  ©tabt,  ba  bie  Sürger  nad&  einem  i^nen  com  Zapfte  Sttejanber  IV. 
im  3.  1257  wriiefienen  ^ritntegium17)  einer  SSorlabung  vor  au3* 
roarttge  geifllic^e  ©erid&te  nidjt  golge  gu  leiften  brausten,  roenn  fie 
bereit  roaren,  uor  bem  2lrd)ibiacomi$  ju  Sübedt  Stecfjt  ju  nehmen. 
UeberbieS  fyxtte  ber  Sßropfi,  vermöge  feiner  geifilic&en  ©eridEjtögeroatt, 
an$  bie  Cognition  in  ©jjefadjjen.  Unter  folgen  Umfiänben  mar 
t§>  natürlich,  bafj  ber  9tat§  ftdj)  einen  bestimmten  ©influfe  auf  bie 
öefefcung  ber  ©teile  ju  fiebern  fudjte.  Sine  ©elegentjeit  baju  fanb 
er,  wie  e$  fdf>eütt,  ju  anfange  be£  fedfjjeljnten  ^ö^r^unbertö,  al« 
ber  beseitige  Sßropfi  über  bie  Unjulängli^feit  feiner  Einnahme  flagte. 
SDerSaty  erbot  fid),  fie  um  funfjeljn  3JlarI@itber  jä^rlid^  ju  vermehren, 
unb  erlangte  baburdjj  von  bem  Zapfte  SuliuS  II.  burdj  eine  SButte 
vom  13.  Qanuar  1505  für  alle  3eiten  bcu3  Sßatronat  ober  Sßraefen* 
tationSredjt  über  bie  Sßraepofitur.  SDodj)  fjat  er  t>or  ber  ^Reformation 
nur  einmal  uon  feiner  SBefugnifc  ©ebraudj)  machen  fönnen,  inbem 
er  feinem  Sßrotonotar  ipenning  Dftyufen  bie  ©teile  nerfd&affte.  9tad& 
ber  Sieformation  mar  baä  ßapitet,  meines  früher  ben  Sßropft  felbft 
gemault  Ijatte,  burdfjauä  nidf)t  geneigt,  aus  ©e^orfam  gegen  eine 
Autorität,  bie  e£  nid^t  meljr  anerfannte,  auf  fein  Siedet  ju  t>erjidf)ten, 
unb  mottte  Ijöd&ftenä  fo  triel  jugefte^en,  bafe  e$  bieg  Siedet  mit  bem 
Satfje  teilte,  mie  eS  baffetbe  früher  in  genriffer  äöeife  mit  bem 
Sßapfie  Ijatte  teilen  muffen.  ©8  fam  ju  langen  unb  fd&nrierigen 
Serljanblungen  unb  julefct  ju  einem  Vertrage  00m  25.  Quli  1595, 
in  meld&em  fefigefefct  mürbe,  bafe  bei  ©rlebigung  ber  Sßraepofttur 
abwed&felnb  einmal  ber  3tat$  unb  einmal  ba«  ßapitet  baS  Stedjt 
^ben  foHte,  ben  tropft  ju  ernennen,  roeldfoen  ber  93ifdE)of  bann  ju 
betätigen  oerfpradf).  £>ie  näd&fte  (Ernennung  mürbe  bem  Statte  ju* 
jeftanben  unb  er  metytte  1607  feinen  fd&on  bejahrten  ©ecretair  30* 


M)  (Jbenb.  @.  168.  169. 

»•)  (Jbenb.  6.  310  »nm.  84,  ©.  588  (Dir.  481). 

")  Urf.*$.  bet  6tabt  Sfibetf  8b.  1  (9for.  SS6|. 


k. 


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zedby  G00gle 


6 

fymn  93rambadj,  roetdöen  et  jugtei<$,  um  allerlei  ©^lüierlgfeiten  itt 
Sejug  auf  Stangwtjältniffe  oorjubeugen,  jum  ©pnbtcu«  ernannte. 
3n  fpäterer  &tit  fyat  ber  3iat§,  wenn  bte  Steige  if>n  traf,  immer 
einen  ©gnbicuä  jum  Sßropfi  ernannt,  unb  jwar  immer  ben  ättefien. 
SRur  ba$  lefcte  2M,  176 if  überging  er  ben  älteften  ©gnbtcuä, 
SrofeS,  mit  beffen  Sufiimmung,  unb  gab  bie  ©teile  bem  jüngeren, 
©reger,  weldjer  fiel)  bagegen  fdjriftltd)  aerpfttdjtete,  fein  Seben  lang 
im  ©ienfte  beS  StatfyS  ju  bleiben,  menigften«  niemals  eine  SlnfleHung 
im  SHenfte  eines  anbern  ©taateS,  ju  melier  er  etwa  berufen  wer* 
ben  möd&te,  anjunefjmen.  ©arauf  legte  ber  SRatl)  ben  bamaligen 
Umflänben  nadj  SBertfj.  SMe  ©teile  mar  übrigens  feit  ber  Sfteforma* 
tion  gänjlidj  bebeutungStoS,  nur  eine  @infommen  gemä^renbe  Sßfrünbe. 
9ta<f)  bem  Sertrage  t)on  1595  mußte  ber  tropft  als  folget  fid) 
nidjt  nur  aller  SuriSbiction,  fonbem  überhaupt  aller  capitutarifd&en 
$anbtungen  enthalten.  ©er  oom  Statte  gemähte  Sßropjt  fam  batyer 
nur  einmal  in  bie  SSerfammlung  beS  (SapttelS,  nemttdj  wenn  it)m 
bie  Sweftitur  erteilt  mürbe;  fpäter  rourbe  er  nie  mteber  eingelaben 
unb  fo  wenig  als  3Ritglieb  beS  (SapitelS  betrautet,  baß  fein  -Name 
ni(%t  einmal  in  bem  Serjeidjnifi  ber  ©omtjerren  genannt  mürbe. 

SBenn  baS  Sapitel  ben  $ropjl  toaste,  fo  mar  eS  babei  nid)t 
an  eine  gemiffe  ßlaffe  von  ©om^erren  gebunben,  fonbern  Ijatte  in 
biefer  Sejie^ung  uöttige  greiljeit.  ©ie  3Bal)t  traf  1616  fogar  einen 
canonicus  in  herbis,  2IegibiuS  t)on  ber  Saufen,  ber  alfo  nod>  nidfjt 
einmal  ©i$  unb  Stimme  im  Kapitel  §atte.  SCber  ber  @rmäl)lte  burfte 
aus  feiner  Söaljl  feine  9tangerl}öf)ung  ableiten,  er  faß  unb  jlimmte 
in  ber  Drbnung,  bie  iljm  na$  ber  2inciennität  jufam,  unb  fonnte 
nur  burdj  SlScenfion,  mie  bie  übrigen  ©omljerren,  attmä^lid)  eine 
Ijötfere  ©teile  erlangen. 

S)er  ©ecan  ober  ©ecfiant  führte  urfprünglid)  bie  2luffidf}t  über 
ben  ©otteSbienfl  unb  über  baS  Seben  ber  ©eifttid^en.  SRad)  ben 
älteflen  Statuten  foHte  er  fomo^t  im  Sf)or  als  im  ©d^lafjimmer  ber 
erfte  unb  ber  le|te  fein/8)  §atte  alfo  ein  fe^r  befdjroerUdjeS  2lmt 
©omo^l  bie  ©omfjerren  als  bieSHcare  waren  tf)m©etjorfam  fdjulbig 
unb  eS  ftanb  iljm  ju,  wenn  fie  ibre  5pplidf)tcn  gegen  bie  Äir$e  »er* 
fäumten  ober  fWj  in  i^rem  Seben  etwas  juSdjulben  fommen  ließen, 
©trafen  ju  verlangen,  inSbefonbere  tynen  SSermeife  uor  bem  oer* 


ls)  Urf.*33.  be*  JBtetyum«  Hbcd  6.  169. 


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farmnetten  ©apitel  ju  geben,  Mafien  unb  Keine  ©etbftrafen  aufjuer* 
legen.  StlS  33ifd>of  Surdjarb  1294  eS  für  nottjwenbig  l)ielt,  für  bie 
ja^lreü^en  ©eiftlidjen  in  ber  ©tobt19)  ein  eignes  ©efangnife  ju  er* 
rieten,  würbe  il>m  bie  Sluffidjt  über  baffelbe  übergeben.20)  ©d&ulb* 
flogen  gegen  ©eifilM&e  würben  bei  Üjm  angebracht21),  ©eine  ©traf* 
befugmfc,  bie  na<f)  ben  älteren  Statuten  nodj  jiemlidj  befd&ränft 
Toorf  erweiterte  fidj  fpoter,  fo  bofe  er  unter  Umftänben  fogor  einen 
©omljerrn  feiner  Sßroebenbe  entfefeen  lonnte.  ©08  wiberful>r  1366 
bem  3)om^errn  ärnolb  Sßape,  ber  in  betrügerifdjer  SBeife  Urfunben 
gefolgt  f)otte.22)  3tad)  ber  Sfteformotton  Ijörten  biefe  Functionen 
jroor  grSfjtentljeite  auf,  ober  bie  ©teile  gewann  in  onberer  SBeife 
in  bemfelben  9Jtafce  on  Sebeutung,  in  welkem  bie  be$  $Propfie$  tyre 
Sebeutung  verlor.  S)er  ©edjont  ftonb  nun  on  ber  ©pifce  be$  6a* 
pitete  unb  uertrat  baffelbe  nodj  oufcen.  Sin  i^n  gelangten  olle  für 
baS  ©apitel  beflimmten  3Rittf)eilungen ;  er  leitete  bie  ©efdjäfte  unb 
bie  SJerfatnmtungen,  bewahrte  bie  ©iegel  unb  [teilte  nebft  ben  alte* 
Sien  2)oml)erren,  ben  ©enioren,  bie  Urfunben  au&  an  ttjn  mufeten 
au$  atte  ttrloubägefudje  ber  ©om^erren  gerietet  werben.  S)er  großen 
SBw^tigfeit  ber  ©teile  entfprodjen  bie  einnahmen,  weldje  bie  aller 
onbern  SDomtjerren  weit  übertrafen.  S)er  ©edjant  würbe  uon  SHterS 
$er  unb  bis  in  bie  lefete  Seit  immer  vom  ßapitel  gewählt. 

S)er  scholasticus  führte  bie  2luffid)t  über  bie  Spulen  in  33e§ug 
ouf  S)teciplin,  Setragen  unb  Unterrtdjt,  unb  forgte  für  Aufteilung 
gefdfrüfter  Selber,  bereu  für  je  60  ©d)filer  minbeftenS  einer  oor^on* 
ben  fein  foHte.28)  2)ie£  galt  junädjjl  von  ber©djule,  bie  not^wenbig 
mit  bem  ßapitel  felbft  üerbunben  fein  mufcte,  um  bie  ange^enben 
©eiftltt&en  ouf  bie  SJerrtd&tungen  iljreä  3lmte$  twrjuberetten  unb  in 
ben  boju  gehörigen  Äenntniffen  ju  unterrichten,  ©leufje  Siebte  ^atte 
er  aber  aud)  in  Sejug  auf  bie  übrigen  Spulen  in  ber  ©tabt,  in 
beuen  me^r  ate  Sefen  unb  ©djreiben  gelehrt  würbe, *4)  unb  c£  gab 
fotd^e  Spulen  o^ne  B^eifel  tu  SJerbtnbung  mit  jeber  Sßfarrfird&e  in 
ber  ©tobt    Ueber  bie  Stiftung  ber  Qacobi'Sd&ute  ift  bie  Urfunbe 


*•)  öbenb.  €>.  366 :  cum  ecclesia  nostra  habnndet  mnltitudine  personarum. 

"•)  CFftenb.  €>.  364 ;  judex  sceleratorum   toirb    er  In  ber  Urfunbe  genannt. 

»)  Urf.ffBudj  ber  (Stab*  fcübecf  33b.  III.  «Rr.345,  S3b.  IV.  !Rr.  94. 

»)  (Shtnl.  ©b.  III.  ©.719  ff. 

»)  Urf.49.  brf  Sittyum*  fcü&ec!  Xlj.  I.  6.  170. 

")  «benb.  6.  434, 


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8 

(oom  11.  SJtai  1262)  nodj  üor^anben'5)  unb  jeigt,  bafc  bcr  3tat§ 
bie  SRed^te  be£  ©d&olafticuS  t>öQig  anerfonntc.  Stuten  in  SBerbtnbung 
mit  ber  afiarien^  unb  ber  5ßctri^it(^e  werben  etwas  fpäter  ermähnt.20) 
2)ie  Spulen  würben  t)on  ben  ©ö^nen  ber  Sürger  jal)lreid)  befugt 
unb  ber  6d)olafticu3  tyatte,  ba  er  einen  Sljeit  beS  SdjulgelbeS  be* 
tarn,  eine  reid)Ud&e  (Sinnatyme.  S)ie  ßrrid&tung  von  ©ementarfdjuten 
würbe  von  bem  ßapitet  jwar  ntd&t  gerabeju  getyinbert,  aber  au<$  nidjt 
gern  gefe^en.  Qm  &  1418  geftatteten  ber  $Bifd)of  Qo^ann  unb  ba« 
S)omcapitel  ba«  gortbefleljen  von  tner  neu  erröteten  ©djreibföulen 
unter  gewiffen  Sebingungen,  jebod)  nur  ju  bem  3weäe,  ba&  barin 
Unterricht  im  S)eutfd^lefen  unb  S)eutfdjfd)reiben  erteilt  werbe,  unb 


25 )  Urf. *&ud)  bcr  <Stabt  tübed  93b.  I.  <S.  240.  S3on  bem  in  ber  ©dmle 
gebrausten  @erätbe  ift  »or  Äurgem  einige«  wieber  gum  5Borfd)ein  gekommen,  ©ei 
Sin  legung  eine«  ^Brunnen«  in  ber  9läbe  ber  3acobi;£ird)e,  im  ©ommer  be«  3aljre« 
1866,  flieg  man  auf  eine  alte  ©enfgrube,  bie  man,  um  reine«  5Baffer  gu  erlangen, 
ödllig  au«räumen  mugte.  Sei  tiefer  Arbeit  fanben  ffd>  in  bem  in  eine  fdjwarge 
gälje  SRaffe  fcerwanbelten  JDünger  auger  mehreren  anberen  ©egenffönben  aud)  foldje, 
bie  offenbar  gu  bem  ©djulgerätty  in  ber  ehemaligen  3acobi*@dmle  gehört  hatten. 
3n«befonbere  würbe  eine  Slngatjl  <Sd)reibtafeln  roon  £olg  gefunben,  bie  gum  $$eil 
auf  teiben  (Seiten,  gum  X^eil  auf  einer  ©eite  mit  einer  fdjwargen  SWaffc  belrgt 
waren.  $ie  tafeln  waren  etwa«  au«getieft  gur  (Hufnafyme  biefer  Waffe,  bie  ftd>  bei 
einer  djemifdjen  Unterfudjung  al«  faft  gang  reine«  9öad>«  berau«fleUte,  fo  bag  bie 
fd)Warge  gläcfce  wie  von  einem  <&olgraf>men  umfagt  erfd)ien.  Sodjer  in  bem  SRanbe 
ber  Raffln  (äffen  »ermutigen,  bag  mehrere  berfelben  gu  einer  2Ut  93ua>  gufaramen* 
gebunben  gewefen  waren,  unb  r«  fanben  fia>  in  ber  Xfyat  mehrere  üon  genau 
gleicher  ®röge.  3)ie  einfeitigen  Xafeln  bilbeten  bemnadj  mit  ben  unbelegten  (Seiten 
ben  dinbanb  be«  93ud)e«.  $ie  Safein  ftnb  grögtentl)eil«  8—9  3oll  lang  unb  3—4 
3oU  breit,  einige  finb  Keiner.  3n  ba«  2Bad>«  ber  Safein  finb  mit  einem  foifcen 
Snfirument  ©d)riften  eingegraben,  beten  3üge  bem  u.  3abrljunbert  angehören, 
offenbar  ©ä)reibübungen  brr  ©djüler,  jebod)  jefct  nur  nod»  tljeilweife  gu  lefen,  g.  93. 
eine  mefyrmal«  gefdjriebene  3eile:  prineipium  lauda,  consequitur  bona  cauda. 
^Daneben  flnben  ftd)  aud)  ©toieiereien  eingefrafct,  wie  e«  in  einer  9(rt  Jtlabbebud» 
für  ©d)ülcr  überall  ber  Sali  fein  wirb.  93ei  einigen  Xafeln  fanb  ftä>  auf  einer 
©eite  be«  Stammen«,  »ermutfylid)  innerhalb  be«  93ud?e«,  eine  Vertiefung  angebracht, 
waljrfdjeiniid)  um  ben  ©ttft  aufgubewaljren,  ber  gum  ©tbreiben  gebraud)t  würbe. 
Slud)  ein  fold)er  ©tift  ift  gefunben,  er  ift  von  SKetall  unb  fyat  einen  fyölgernen 
(Stiel.  (Jnblid)  finb  aud)  brri  SMntenfäffer  gefunben,  ein«  üon  «&orn,  weld)e«  man 
»ielleidjt  bei  ftd)  gu  tragen  pflegte,  gwei  giemlid)  rof)  au«  Äalfftelu  gefdjnittrn;  ein« 
ber  letzteren  geigt  einige  robe  SQergierungen  oon  Sfcofen  uub  Milien.  Qublid)  fanben 
fid)  aud)  nod)  fedj«  böfgerne  Snfirumente,  bie  man  für  $ritfd)f>ölger  gu  galten 
oerfudjt  i%  mit  benen  ben  <Sd)ülern  «Sd>ldge  iu  bie  <§anb  gegeben  würben. 

»)  öbenb.  93b.  II.  (S.  661,  Job.  in.  @.  45. 


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Tm 


gegen  ba&  aSerfpredjen  be*  9tatf}S,  bie  <Srtl>ettung  anbem  Unterrid)t8 
unb  bie  @rri<$tung  onberer  Spulen  nidjt  ju  geftatten.  9tadj  ben 
Statuten  oon  1263  waren  bem  ®d)olafticu£  aud)  bie  ©efd^äfte  eines 
gecretairS  unb  eines  23ibltotl)efar3  be£  @apitel£  übertragen.  9tadj 
ber  Sieformation  war  bie  ©teile  nur  eine  Sßfrünbe,  bie  ber  Sifdfjof 
oergab  unb  bie  einige  ©infünfte  gewährte. 

Skr  custos,  ebenfalls  f<$on  1163  genannt,  war  ber  8eroa$tet 
ber  ^Reliquien  ber  Äirdje,  beS  ^eiligen  DelS  unb  ber  juni  ©otteäbienjt 
gehörigen  ©erätlje  unb  Apparate.  S)a  aUe£  S)ieS  ben  ©djafc  ber 
fiird)e  ausmachte,  tyiefe  er  auü)  thesaurarius.  ©in  sacrista  war  fein 
Stellvertreter  unb  ©efjülfe.  Slu&erbem  t>em)altete  er  au$  gewiffe, 
Dauptfäd&lid),  wie  es  fdjeint,  burd&  bie  ©ebüfjren,  weld&e  beim  antritt 
einer  Sßraebenbe  bejaht  werben  mußten,  aber  audjj  burdfj  Segate  unb 
anbere  ©inftüffe  gebilbete  Kapitalien  be£  SapitelS27)  unb  nad&  ber 
Seformation  mar  baS  2lmt  hierauf  beföränft.  SDie  Sßraelatur  nmrbe 
VA  ju  Anfang  be^  ad&tjefjnten  ^atjvljunbcrts  oom  ßapitel,  fpäter 
m  Sifdjof  allein  pergeben.  @£  waren  }iemlid&  bebeutenbe  Ein* 
nahmen,  na^e  an  tyunbert  Spater,  mit  itjr  üerbunben,  audj)  baS  3ted)t, 
in  Semeinfdjaft  mit  bem  93ifd)of  unb  ben  beiben  älteften  Sürger* 
meiflern  ber  ©tabt  ben  äBerfmetfter  ber  2)omftrdje  ju  wählen. 

3)ie  SBürbe  eine«  cantor  würbe  1248  oon  bem  beseitigen  33er* 
roefer  be£  SiStljumS,  bem  ©rjbifd&of  Sllbert  oonfiiolanb,  eingeführt,28) 
welcher  jugleid)  anorbnete,  bafe  bie  ©teile  immer  oom  33ijd&of  befegt 
werben  fotte.  eine  nähere  Slngabe  feiner  Obliegenheiten  ftnbet  fid) 
in  einer  Urfunbe  oon  1259.20)  3n  ber  fpäteren  ßeit  §atte  er  feine 
anbere  $fli<I)t,  als  jä^rli^  am  Sage  oor  Dftern  eine  SßaffionSmuftl 
in  ber  SDomfirdf>e  aufführen  ju  laffen.  2luc^  fam  eS  i^m  ju,  bie 
©teile  beS  Drganifien  an  ber  Stomfird&e  ju  befe|en,  unb  jmar  bis 
1652  Ujm  allein,  uon  ba  an  abwed&fclnb  mit  bem  älteflen  Bürger* 
meiftet  ber  ©tabt.  2)ie  mit  ber  ©teile  t>erbunbenen  ©infünfte  waren 
nur  gering. 

©inen  cellerarius  (Äellner)  fegte  juerft  33ifdjof  JBurdfjarb  im 
&  1278  ein30)  unb  übertrug  il)m  bie  Ausführung  ber  SBtaorbnungen, 
Me  er  tynftdjtlidj  einer  täglid&en  33ertljeilung  oon  Sroben  unter  bie 


•*)  Urf.rSB.  be<  Wittum*  «übeef  ©.  170.  175. 
*»)  «eob.  ©.  94. 
M)  «tattb.  e.  188. 
**)  •&€•*.  $.  261. 


L 


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zedby  G00gle 


10 

Domherren  getroffen  $atte.  SHe  SBfirbe  $at,  nrte  c«  fd&ehtt,  nid&t 
lange  bejtanben,  fie  wirb  m  fpäterer  Seit  nit^t  met)r  erwähnt 

SDer  structuarius,  ber  von  bem  2JifdE)ofe  in  ©emeinfd&aft  mit 
bem  Sekanten  ermctylt  würbe,  war  in  ber  protefianttfd&en  3ett  ber 
S3erwalter  ber  @tructur*taffe,  bie  von  ber  SBerffaffe  unterfd&ieben 
war.  2lu3  lefeterer  würbe  bie  Unterhaltung  berÄird&eunbberÄird&en* 
gebäube  beftrittcn  f  bie  ©tructurfaffe  gab  baju  feinen  »eitrag,  weil 
bie  Äird&e  nicfct  unter  ber  auSfd&liefjlid&en  Seitung  beS  ©omcapttelS 
fianb,  fonbern  audE)  bie  beiben  ältejlen  SMrgermeifler  3Ritoorfie$er 
waren.  2)od&  würben  au$  btcfer  ftaffe  3uf<Pffe  au  ben  ©ehalten  be« 
ÄüfierS  imb  berße^rer  an  ber  Stomfdfjule,  anä)  bie  Sofien  be$  beim 
2lbenbmal)l  gebrausten  3t|einweinS  bejaht  S>ie  ©infünfte  be$ 
©tructuartu«  bettefen  fid&  auf  etwa  32  SD&afer,  aud&  jlanb  i§m  ba« 
Stecht  ju,  bie  ©ubalternbeamten  ber  ©omfirdje,  ben  ©argträger  unb 
bie  ©lodfenläuter,  ju  ermäßen. 

Sei  ber  geringen  Sebeutung,  weld&e  in  ber  fpateren  3*Ü  te* 
S)omcapitel£  bie  Sßraelaturen,  mit  9to3naljme  be$  3)ecanatö,  Ratten, 
fomtte  es  lein  SBebenfen  tyaben,  mehrere  berfelben  in  einer  Sßerfon 
ju  Bereinigen.  1803  toar  ein  unb  berfelbe  35omljerr  jugleuij  $>edjani, 
©dfjolafiicu«  unb  Gantor,  ein  anberer  jugleidj  £t>efaurariu3  unb 
©tructuariu«. 

§  3.   3Me  ©etlei^Htig  ber  «Praefcenben. 

3>ie  Slufna&me  in  ba$  ©omcapitel  gefd&a^  im  allgemeinen  unb 
ber  Siegel  nadf)  buxty  boS  Sopitel  felbft.  ftxoax  pflegten  ^Diejenigen, 
bie  eine  ©teile  grünbeten,  ba3  $raefentation$red&t,  b.  \.  baS  SRed&t 
beS  SSorfd&tagS  §ur  Sefefcung  berfelben  (jus  patronatus),  fid)  felbft 
auf  tyre  Seben^jeit  unb  aud(j  Ujren  @rben  bis  in  bie  §weite  ober 
brüte  ©eneration  sorjube^alten,  bann  aber  ging  bied  Sftedjt  reget* 
mäfeig  auf  ba8  Sapitel  über  unb  S)a$  mu&te  in  allen  ©tiftungSurhm* 
ben  auSbrü<fltc!>  auSgefptod&en  werben,  einem  einzelnen  gegenüber 
ging  ba$  Sapitel  von  biefem  ©runbfafce  woljl  niemals  ab,  bennod^ 
tyttte  es  fdfjon  wffl&renb  ber  fat&olijd&en  3*ü  nid^t  ^inbern  lönnen, 
bafe  fein  2Bal)lredfjt  in  anberer  Sßeife  fe§r  er^blid&e  ©infd&rättfungen 
erlitt.  3unä($ft  bur$  M*  ?äpfte/  Mc  eine  SBefefcung  ber  S)om^errn* 
fieUett  für  ftd&  felbft  in  2lnfprud>  nahmen.  S)ieS  gefd&al),  wäljrenb  fte 
ju  Stoignon  refibirten,  juerft  in  granfretdj),  bann  in  Italien,  enblid) 
aud&  in  3)eutjd)tanb.  £>a$  Gonctltum  ju  93afel  erHärte  jwar  ben 
2ln?prud&  für  unbered&tigt,  aber  Sßapji  SlicolauS  V.  wufcte  eS  bur$ 


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zedby  G00gk 


I 


11 

einen  1448  mit bem  Jtaifer  abgefd&toffenen  unb  üon  bett  größeren  beutfdfjert 

ptjlen  anettanttten  Vertrag  (baS  SBtener  (Soncorbat)  ju  erreidfjen, 

tau  atte  in  ben  SBtonaten  Januar,  SJtärj,  SWai,  Suli,  ©eptember  unb 

Jtowmbex  (menses  inaeqaales)  jur  (Srlebtgung  fommenben  ©teilen  von 

bcn^&#en  fattten  wteberbefefct  werben  bürfen.  2)aS  SübedKfdfje  Ea* 

ptel  mufete  ftdj  biefem  «ertrage  fügen.    2llS  er  in  $olge  ber  3te* 

formattoti  mm  felbft  ertofd^,  Dergltdf)  eS  fid&  1593  mit  bem  SBifdE>of 

bdjrn,  ba&  bie  in  ben  päpfilid&en  3Äonaten  erlebigten  ©teilen  ab* 

wedtfelnb  einmal  von  bem  33ifd&of,  einmal  t>on  bem  ßapitet  befefct 

wexben  Rollten.    (Sine  anbere  @infd(jranfung  beS  SBafjlred&tS  beS  6a* 

?Ud£  lag  batin,  baß  ber  Äaifer  baS  9te<f)t  fyatte,  bei  ober  furj  nadfj 

feiner  Äronung  für  jebeS  S)omcapitel  in  3)eutfdjlanb,  wem  er  wollte, 

bie  Stawattfd)aft  auf  bie  erfle  jur  ©rlebigung  fommenbe  ©teile  ju 

geben.    35urd>  ben  weftpliälifdtjen  ^rieben  ju  DSnabrüdf  mürbe  it»m 

bteS  Sed&t   aud&  in  SBejug  auf  bie  proteftantif<$en  SBiStljümer  aus* 

btidü$  jugefprod&en,  jebod^  bie  Slaufel  fjinjugefügt,  baß  er  eS  fjutftd&t' 

\i$  bei  luttjetifdfjen  ©teilen  nur  ju  ©unften  eine«  SutljeranerS  aus* 

fiben  bfafc.31)  @S  l)ieß  bie  erfie  Sitte  beS  ÄaiferS  (primae  preces), 

xrad  mm  bem  lateinifd&en  SHuSbrudf  berjenige,  ber  bie  Sfnwartfd&aft 

in  fiom  eines  faifetrtid^en  gürfd&reibenS  erhielt,  ber  Sßrecift    3)er 

fireeift  mußte  baS  3)ocument  innerhalb  trier  SSodfjen  nadf)  einer  ein* 

getretenen  @rlebigung  bem  (Sapitel  probuciren,  trat  bann  freiltdfj  nidfjt 

in  bie  erlebigte  ©teile  unmittelbar  ein,  fonbern  lonnte  immer  nur 

betunterfte,  ber  fed&Sunbjroanaigfie,  werben  unb  mußte  baS  aHmäljtid&e 

SufrMen  erwarten.  ©S  fianbtym  frei,  wenn  junäd^ft  eine  SHfÜncten* 

ober  eine  £u>oniften*$raebenbe  erlebigt  warb,  feine  SWelbung  ju  t>er* 

Rieben,  weiter  aber  fonnte  er  nid&tS  tljun ;  alle  3terfud&e,  bie  einige 

SRale  gemalt  würben,  einen  5ßrecifien  fogleidf)  in  bie  erlebigte  ©teile 

ju  bringen,  wies  baS  Sapitel  mit  Sonfequenj  jurüd.  ©leid&eS  Siedet, 

»iebemÄaifer,  ftanb  audfj  bem  93i?d&of  nadf)  feinem  Amtsantritt  ju,82) 

wb  cS  würbe  babei  äUeS  in  berfelben  SBeife  beobadfjtet,  wie  bei  ber 

afien  Sitte  beS  ÄaiferS.  ©nb(id&  §atte  audfj  jeber  einjelne  ©omljerr 

iaS  9te$t,  auf  feine  ©teile  ju  ©unflen  eines  Sfaberu  ju  rertgniren. 

»er  W&  ttfun  wottte,  mußte  feine  SKbftdfjt  bem  Sapitel  anjeigen, 

<w#  benjtniQen   benennen,  ju  beffen  ©unften  bie  Steftgnation  ge* 


n)  9tt  5  5   18-   %*•  ®&üiant>,  bfolomatifAf*  ^anbBud)  %%.  \  6.  27. 
srj  e*cn  unter  S3»f*cf  53ur*arb  um  ba«  3. 1280  toirb  Med  9trd)t  uutfrbcm 
HB  primi&*o  precura  rtto&^ut.  ttt!.^ö.  brt  S3i«^«m«  WUd  @.  394. 


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12 

föeljen  f ollte,  unb  ba«  ßapitel  um  feine  ©inmittigung  erfu<$en,  metdje 
inbeffen,  menn  eine  persona  idonoa  üorgefd&lagen  würbe,  b.  t).  eine 
Sßerfon,  meldfje  bie  gefefclidf)  erforberlidjen  ©genfdjjaften  befafc,  nur 
aus  erheblichen  Urfadjen  t>ermeigert  roerben  burfte.  3)er  gaH  fam 
häufig  vor,  unb  e3  gefdjaf)  me^rentljeilS,  entmeber  weil  Qemanb 
bie  SäuSftdfjt  Ijatte,  in  einem  onbem  Stift  ober  fonfhme  eine  beffere 
SBerforgung  ju  erlangen,  ober  weil  er  nidjt  lange  metjr  ju  leben 
glaubte ;  in  bem  einen  mie  in  bem  anbern  galle  aber  mürbe  bie 
Siefignation  bcjaljtt,  bie  ©teilen  maren  alfo  fäufttdf).  SSon  bem 
Eapitel  felbft  mürbe  fotdjeä  SSerfatyren  unter  llmftänben  ganj  gern 
gefe^en,  benn  alle,  bie  unter  bem  SRefignirenbcn  ftanben,  rücften  bann 
auf.  3ur  ©ültigfeit  ber  Siefignation  gehörte  jebodjj,  bafe  ber  9tefig* 
nirenbe  nidjt  auf  bem  Sterbebette  (in  agone  mortis)  tyonble, 
fonbern  mmbeftenä  no<$  21  £age  lebte.  3)iefe  £age  Riegen  dies 
fatales.  SEBaren  fic  aerfloffen  unb  mürbe  bann  ba$  3)ocument  von 
bem  3uf)aber  nebft  einem  SebenSatteft  be$  Steftgmrenben  probucirt, 
fo  fanb  feine  2Bat)l  meiter  Statt,  er  rüäte  in  bie  unterfte  Stelle  ein. 
SBBie  fjäuftg  biefer  §aH  üorfam  unb  mie  bie  Stellen  bejaht  mürben, 
läfet  t\d)  aus  jroei  S3efd)lüffen  beS  3)omcapitel3,  bie  biefen  ©cgeiiftanb 
betreffen,  abnehmen.  Sttm  15.  Januar  1765  mürbe  feftgefefct,  bajs 
jeber  0lefignirenbe  für  btc  jur  formellen  ©ültigfeit  feiner  Steftgnatton 
erforberlidEje  ©inmiHigung  beä  ©apitcfe  1000  mfc  an  ben  ßapitete* 
fd(ja|  (ad  thesaurum)  bejahen  foHc,  um  biefen  f<$ulbenfrei  ju 
machen.  SKm  1.  aJlärj  1779  mürbe  ber  Sefdjtufe  mieber  aufgehoben, 
meil  ber  Sd&afc  fäulbenfrei  gemorbeu  mar. 

iptemad)  fam  es  ju  einer  Sffia^l  twn  Seiten  be8  SapitelS  nid&t 
gar  puftg.  Ram  e£  aber  baju,  fo  mahlte  bo<^  nid^t  baS  Sapitel  in 
feiner  ©efammtljeU,  fonbern  bie  SBaljl  gefdjal)  in  einer  Reihenfolge 
(per  tamum)  oon  ben  einzelnen  2)omt)erren,  meldte  Si|  unb  Stimme 
im  Kapitel  Ratten,  fo  bafc  ber  ©ecan  anfing  unb  bei  jebem  f olgenben 
$aUe  ber  nadfjftältefte  an  bie  Steige  fam.  Unb  jroar  gab  es  eine 
hoppelte  Reihenfolge,  eine  für  bie  SRonate,  in  melden  bie  SBaljl 
von  jeljer  bem  ßapitel  jugeftänben  fjatte,  eine  für  bie  3Ronate,  in 
benen  bie  SSefefcung  ber  Stellen  früher  uom  Sßapft  ge^e^en  mar. 
@rfiere  l)ief}  ber  turnus  Ordinarius,  leitete  ber  turnus  extraordina- 
rius.  ^Derjenige,  bem  in  ber  Reihenfolge  bie  SSerlei^ung  jufianb, 
^iefe  ber  Tumarius.  33on  ben  trier  SHftinctenfteHen  mürben  brei  tmn 
bem  SBifdjof  vergeben,  über  bie  Serlei^ung  (ßoUation,  collatio)  ber 
vierten  mirb  weiter  unten  (§  8)  bog  Rädere  bemerft  merben.    ©ie 


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13 

betben  StooniftenflcDcn  »erlief  bcr  3>ecan,  fie  fonnten  jur  proteftan» 
ttfd&en  3eü,  wie  bemerft,  aud&  mit  anbetn  ©omfyerrnftetten  oerbun* 
ben  fein. 

$  4.    (Srforbetniffe  für  ben  (Sintritt  in  ba«  (Sapltel. 
ÄatljoUfdje  (Stellen. 

2Ber  in  ba«  (Sapitel  aufgenommen  werben  wollte,  mufcte  nad) 
ben  älteren  ©efefcen  t)on  eljelidjer  ©eburt  fein,  ein  Sttlter  oon  20 
3a^ren  erreicht  unb  bereit«  jwei  Satjre  mit  geiftltdien  Uebungen 
unb  anberen  Vorbereitungen  auf  ben  SSeruf  eine«  ©eifilteljen  &uge* 
brad&t  §aben.33)  SBei  bem  tyeftgen  StStyum,  wie  bei  allen  norb* 
beuten,  f)at  ^infid^tlic^  ber  ©eburt  immer  eine  eljelidje  2lb* 
ftammung  genügt,  abetidjer  Slang,  wie  in  fübbeutfd&en  SiSt^ümem, 
ift  niemal«  geforbert  worben.  %n  biefer  ©ejie^ung  braute  aud)  bie 
3eit  nad)  ber  ^Reformation  feine  Seränberung  in  ben  Statuten  f)er* 
oor.  Dbwotyl  e«  im  ad)tjet)nten  iga^unbert  ju  einer  gewöfjnltdjen 
^raji«  würbe,  nur2tt>eli<$e  aufjunetjmen,  wobei  ütbeffen  promoflirte 
S&octotett  al«  bem  2lbel  an  Sftange  gleidtftetyenb  galten,  unb  obwohl 
e«  meljrfadj  jur  %ta%t  fam,  ob  man  ntdjt  biefe  $ra£i«  jum  ©efe$ 
ettjeben  motte,  fo  ift  e«  bod)  ju  einem  folgen  Sefdijluffe  niemals 
gefommen.34)  Uebrigen«  geftattete  fid^na^ber9leformationaRan(§e8 
anber«.  35a«  ßeben«atter  würbe  Ijerabgefefct  auf  ba«  fiebente  Saljr 
unb  biefe«  mürbe,  mnn  e«  nur  angefangen  mar,  f$on  al«  floHenbet 
angefetyen.  6«  mufete  atfo  ein  £aufi$ein  beigebracht  werben,  au« 
weldjem  erbeute,  bafe  ber  erwählte  ba«  feiste  2eben«jaf)r  wirfttdf) 
furiUlgelegt  Ijabe.  3)a«  Sluffallenbe  biefer  JBefiimmung  oerliert  ftdfj, 
wenn  man  erwägt,  bafeSeber  oljne  2lu«naf)me  in  bie  unterfte  ©teile 
eintrat,  alfo  erft  bur$  fieben  3lnwartfd)aft«'  ober  ©jpectantenflellen, 
bann  burdf)  fedj«  gering  botirte,  bann  nod&  burdf)  brei  etwa«  beffer 
botitte  ©teilen  $inbur$gel}en  mufete,  um  eine  ber  je&n  guten  gu  er* 
reuten.  Da  mufcte  er  freiließ  frül)  anfangen,  wenn  er  bie  2lu«ftd>t, 
m  fpateren  £eben«jal>ren  ein  einträgliche«  Ganonicat  ju  befifcen  unb 
in  folgern  Sefife  gntfdjäbigung  für  bie  in  ber  Sieget  bafür  gebrauten 
Opfer  §u  fmben,  nidjt  twn  oorne  herein  aufgeben  wollte,  unb  wo« 
(Snex  felbfi  Ijatte  teiften  unb  leiben  muffen,  verlangte  er  gewiß  in  gteidjer 
Seife  tum  2lnbern.  ©o  würbe  aftegelmäfcigfeit  be«  Slufrüden«,  wobei 


")  Wcstphalen,  Monumenta  inedita.  T.  II.  p.  2434. 
M)  didjfcotn,  Ätrtfcenrety  SBb.  s  @.  609.  610. 


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_J4 

Äeiner  einen  SBorjug  vox  bem  Slnbern  ^aben  burfte,  einer  ber  we* 
fentlid&ften  ©runbfäfce  beS  ßapitete;36)  bie«  beruhte  übrigens  auf 
einer  uralten  (Sinrid&tung,  benn  fd&on  ber  Siföof  Surd&arb  $at 
im  3.  1285  baS  2Tuf rürfcit ,  bie  SlScenfion,  angeorbnet. 36)  ®a* 
mala  freiltd)  war  unter  bem  9tufrücfen  Ijauptfädjlid)  ber  Uebergang 
au3  ben  Heineren  ©teilen  in  bie  größeren  gemeint,  unb  ba£  fjatte 
feinen  guten  ©runb.  £>ie  Snfjaber  ber  Heineren  ©teilen  waren 
nu$t  ?ßriefier,  fonbem  diaconi  unb  subdiaconi,  aber  fie  Ratten  bie 
befdjwertidje  Slrbeit,  unb  ber  SBifc^of  wollte  uerfjinbem,  baß  iljnen 
bei  93efefeung  ber  befferen  ©teilen  grembe  twrgejogen  mürben.  9la* 
türtid)  fonnte  einer  in  bem  jugenblidjen  Sitter,  in  bem  er  eintrat, 
nur  nominell  SBUtglieb  be«  Gapttefe  fein,  ©ifc  unb  ©timme  (votum 
et  sessionem  in  capitulo)  erlangte  er  erfl,  wenn  er  münbig  mürbe, 
mit  SSoüenbung  be£  fünfunbjmanjigften  Qa^reS.  33i$  ba^in  vertrat 
ityn  im  Kapitel  ein  SBepoHmädfctigter  (procurator),  ber  audj  für  iljn 
gleid)  ju  Anfang  ben  ®ib  be£  @el)orfam3  leifiete.  ©tefen  6ib  mußte 
er  aber  felbfl,  wenn  er  münbig  geworben  mar,  perfönlidj  unb  münb* 
li<$  wiebertjolen. 

3)ie  ältere  SSorfdjrift,  baß  jweijctyrige  Vorbereitung  311  bem 
geifitidjen  Stmte  bem  Eintritt  in  ba£  <£apttet  norangetjen  muffe,  mürbe 
nadj  ber  Sieformation  baljin  geänbert,  baß  man  von  bem  ©mtreten* 
ben  ein  Seugnift  ß&er  ununterbrochenen  jwetjä^rigen  Stufentfjalt  auf 
einer  beutfdjen  Unfoerfität  (biennium  academicum)  »erlangte.37) 
Äonnte  er  ein  foldje«  nid)t  beibringen,  fo  btöpenfirte  ba$  ©apitet 
tyn  jmar  t)on  ber  erfüCung  biefcr  »ebingung,  aber  nur  gegen  @r* 
legung  einer  ©elbfumme,  bie  jebeSmal  befonbetö  beftimmt  mürbe, 
in  ber  Siegel  200  Stljlr.  betrug,  unter  Umfiänben  aber  audj  me^r. 
©in  2)ifünctu3  bejahte,  weil  er  eine  geringere  Sßraebenbe  §atte,  nur 
150  $I}lr.  gerner  mürbe  au$  einer  üom  Sifdiof  SBur^arb  getroffen 
nen  Seftimmung,38)  baS  ®rforberniß  abgeleitet,  baß  jeber  neue  2)om* 
§err  bieSBürbe  eine«  subdiaconus  ^aben  muffe,  unb  biefe  gorberung 
behielt  man  auffallenber  SBeife  nad)  ber  Sieformation  bei,  obgleid) 
e«  in  ber  protejlanttfd>en  Äirdje,  bie  befanntttd)  nur  eine  Drbination 


85j  «&infid)tlid)  ber  ätynlidjen  (5iniid)tuug,en   in   bem   (Sqbiöt^um    (Sein  Der» 
aUi*e  man  ©alter,  ba*  altf  drjftift  unb  bie  9teid)SfiaM  Göln  %f>.  1  ©.57.  58. 
w)  Utf.*8.  M  93i«i!jum«  Sü&ecf  ©.  329. 
8T)  <5id)1jorn,  JttraVnredjt  S3b.  2  ©.  609  Slnm.  28. 
w)  VLxl&.  M  S9i*tyum*  «übt*  @.  867,  (Si^ffQtn  a.  a.  £>.  6.  605  ff. 


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15 

leimt,  fotdje  ffifirbe  gar  nu$t  giebt.  5Die  golge  baüon  war,  baf$  von 
bet  (SrfüHung  biefer  Sebingung  jebeSmat  biSpenfirt  werben  mujjte. 
3>er  Sifd^of  gab  vermöge  feiner  3Jla^tüoHfommen^eit  einem  Q[eben 
&t  feinem  wirflid&en  eintritt  in  ba£  Kapitel  eine  litera  clericatus, 
Ut  aber  mit  60  23jlr.  bejaht  werben  mufcte. 

Sdeformirte  fonnten  niemals  in  baS  2)omcapitel  aufgenommen 
werben,  woljl  aber  fiat^olifen,  unb  bamit  rerljielt  eS  fi<$  fotgenber* 
mafeen.  ©aS  ßapitel  blieb  noc&  längere  3eit  fatfjolifdj),  als  bie  ©tabt 
fdjon  proteftantifd^  geworben  mar.  (Srft  ßb erwarb  poii  §olle, 
3Kf$of  oon  1561  bi$  1686,  führte  bie  Sieformation  ein.  @r  fonnte 
a6er  bie  einjelnen  fatljoüfd&en  2)omljerren  nidf)t  jwingen,  protefiantifdjj 
ju  werben,  au$,  wegen  beS  SBaljtmobuS,  nidfjt  oer^inbem,  bafe 
neue  fatljoltfdje  eintraten,  ©ben  fo  wenig  fonnten  eS  feine  9tod&' 
folger.  @rfi  1668  empfanb  man  ein  ©ebürfnijg,  biefe  Angelegenheit 
für  immer  ju  orbnen,  unb  ba  ging  man  auf  bie  Seftimmung  beS 
wejipljalifdjen  griebenS  jurüä,  vermöge  beren  bie  beutfdjen  2)om* 
ftifter  in  bem  3uflanbe  bleiben  follten,  in  welkem  fte  ftdf)  am  l. 
SSfttmac  1624  befunben  Ratten. s9)  Slngefiellte  SRad;forfd)ungen  er* 
gaben,  bafc  bamals  t)ier  3)om§erren  fatfjolifdfj  gewefen  waren  unb 
eS  wuröe  alfo  feftgefe|t,  bafj  nun  immer  Pier  ©teilen,  nidfjt  me^r, 
nid&t  weniger,  t>on  Äat^olifen  eingenommen  werben  foHten.  ©o  ift 
eS  audfj  bid  in  bie  lefcte  3*ü  geblieben.  S)en  fatyotifdjen  3)om!)erren 
fonnte  man  bie  Ausübung  iljreS  ©otteSbienfteS  nid^t  wrfagen  unb 
bie  8nwefenl>eit  eine«  fatljoltfd&en  SßrieflerS,  fpäter  jweier  —  eS  waren 
bis  $ur»uf Hebung  beS  DrbenS  ber^efuiten  immer  ^efuiten  —  mu&te 
man  ba^er  bulben.  S)arauf  aber  würbe  von  ©eiten  beS  9tat§S  jirenge 
gelten,  bafe  biefer  ©otteSbienft  nur  ein  SßrioatgotteSbienft  fein,  in 
feiner  SBeife  ben  S&arafter  ber  Deffentlid&feit  annehmen  burfte.  $>ie 
fatyoliföe  ÄapeHe  befanb  pdf)  im  $aufe  eines  Stornier™  unb  nur 
bie  fatljoftfdjen  3)om^erren  unb  i§re  £auSgenoffen  fottten  bem  ©otteS* 
bienfte  beiwohnen.  Auf  bie  SBefd&merbe  beS  3BinifteriumS  bafe  grembe 
unb  fogar  Ijiefige  »ürger  baran  SQjeil  nähmen,  Pellte  ber  SRaty,  wenn 
SBefiegefefen  würbe,  eineSBad&eoor  baS$auS,  wel<$e#efel)l  ^atte,  ^ieftge 
taäjoftföe  Sürger  unb  etwa  fid&  fter  auf ^altenbe  frembe  Äat&olifen  nid&t 
$biein  »Stoffen.  5ßaro^ial^anblungen  ju  oerrid&ten,  war  ben  fatfjolifd&en 
GWPß^enunbebingt  unterfagt,  unb  ber  9tat&  lief*  lange  3eit  feinen  gatt, 
in  weWjcm  eS  bennodj)  gefd&efjen  war,  twriibergeljen,  o$ne  baS  SSerbot 


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_J6 

ju  erneuern.  @rji  allmäljUd)  bradj  größere  ©ulbfamfeit  ft<$  Stofyt. 
3m  Safjre  1755  gefd^a^  e«,  baß  bie  Surie  baufällig  würbe  unb  eine« 
völligen  Umbaue«  beburfte,  fo  baß  ber  ©otte«btenft  jebenfaflte  eine 
3eitlang  au«  berfelben  t>erlegt  werben  mußte.  S)iefen  Umftanb  be* 
nufcten  bie  Sßriefier,  um  eine  bleibenbe  unb  fixere  ©teile  in  ber 
©tabt  ju  gewinnen.  $n  ber  Sßfaffenfiraße  befanb  fid>  ein  Qatö, 
wel<§e«  bem  au«  jefjn  Sßerfonen  befieljenben  ßoflegtum  ber  ©omoicare 
gehörte  unb  ebenfall«  fo  baufällig  mar,  baß  e«  eine«  Umbaue«  be* 
burfte.  £>ie  ?ßriefier  erboten  ftdj,  ben  S3au  ju  übernehmen,  wenn  tlmen 
bie  ©enufcung  be«  Jpaufe«  gegen  Sntrtdjtung  einer  mäßigen  SDlict^e 
für  alle  Bufunft  gefid&ert  mürbe,  @ot<$e«  anerbieten  mar  bem  ber* 
zeitigen  SJtufcmeßer,  bere«fonft  auf  eigene  Äofien  fjätte  bauen  muffen, 
fefjr  mißfommen  unb  audj  bie  übrigen  2)oimncare  nahmen  e«  gern 
an.  ©ie  fd&loffen  einen  förmtid&en  Vertrag  mit  ben  Sßrieftem,  in 
meinem  fie  i^nen  ba«  Qavß  jum  Umbau  unb  jur  fünftigen  beftän* 
bigen  äBofjmmg  unb  Senufcung  für  ben  ©otte«bienft  überließen,  unb 
nur  jur  Sebingung  matten,  baß  ba«  neue  ©ebäube,  um  aBen  2ln* 
ftoß  ju  üermeiben,  roieber  bie  gorm  eine«  ipaufe«  §aben  muffe  unb 
baß  bie  ßapeBe  fo  weit  at«  möglidj  nadj  hinten  angelegt  werbe. 
S)a  bie  ©auloften  auf  1200  £!)tr.  angefdjlagen  maren,  mürbe  bie 
jäljrUdje  3Jliet^e  auf  24  $l)lr.  =  72  rr$  feftgefefet.  S)ie  Sßriefter 
t>erpfli<f)teten  fu$,  alle  Keinen  Reparaturen  felbft  gu  beföaffen,  audj 
ba«  feavß,  menn  e«  mieberum  baufällig  werben  foHte,  jum  jmeiten  9ttat 
auf  eigene  Äoften  ju  erbauen,  wofür  bann  nur  bie  2Riet$e  üerringert 
werben  foHte.  SMefer  ©ontract,  am  1.  ©eptember  1755  abgefcfjtoffen 
unb  ju  mehrerer  ©id&er&eit  am  2.  Dctobcr  twm  öifd&of  beftättgt, 
blieb  bei  ber  Sluflöfung  be«  ©omcapitel«  in  ßraft,  bie  ©tabt  Sübecl 
würbe,  al«  9ted>t«na<*)folgerin  be«Si«t^um«,  au«brüdfti$  »erpflidjtet, 
in  benfelben  einzutreten.  %n  neuefter  3eit  &aben  bie  SSerljättmffe  ftdj 
geänbert  SJtan  fcat  1865  auf  bie  geringe  SUliet^e  ganj  Derjtd&tet  unb 
ber  fatyoliföen  ©emexnbe  ba«  ©ebäube  uneutgelblufc  al«  ©gentium 
überlaffen. 

Jßinfufctltd)  ber  @rforberniffe  für  ben  ©intritt  in  ba«  Sapitel  ju 
©ifc  unb  ©timme  ifl  nodj  ju  bemerfen,  baß  e«  aud)  notymenbig  war, 
gewiffe  ©ebü^ren  ju  bejahten  (praestanda  praestare).  2lud)  bie« 
beruhte  auf  einer  alten  Sßorfd&rift  »ifd&of  ijjeinrid)  verfügte  1333 i0),  baß 
jebet  S)om^err  nad)  @rlangung  feiner  erfien  5ßraebenbe  innerhalb 


40)  Urf.»©.  be«  SBiltywn*  £überf  ©.  726. 


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17  . 

typ  Rottete  eilte  ffappe  ober  bafüt  jeljn  SWorf  jum  SBeflen  bet 
Ärtfatgerätlje  geben  foHe.  S)a  ber  Sßertf)  be«  gemannten  ©etbe« 
f$  me&r  unb  me$r  tierringerte,  würben  1496  bte  ©efiimmung  ge* 
toffen,  bafe  entweber  bte  Äappe  einen  SBBert^  t>on  breifjig  2Jtarf  Ijaben, 
ober  anfiatt  berfelben  bie  ©umme  von  breiig  rljeinifd&en  ©olbgulben 
gegeben  werben  muffe,  unb  baS  ßapitel  .fügte  1525  no$  §tnju,  bafc 
bie@utben  in  auro  et  non  in  moneta  gegeben  werben  fottten.  2Bie 
ftdj  bie  ©ebüfcren  fpäter  gefalteten,  erfreut  man  au«  ber  SRedjnung, 
wtfy  bem  ^ropji  ©reger  bei  feiner  ©infü^rung  überreizt  mürbe ; 
t&  war  folgenbe: 

loco  20  florenorum  aureorum 70  mfi  —  ff 

loco  litterarum41) 30    „     15   „ 

pro  conservatione  jurium 15    „     —   « 

pro  eboralibus 1     „      8   „ 

pro  introitu  curiae  in  memoriam  antecessoris     100    „     —    „ 

loco  vinalium 8    „      3    „ 

domino  decano 24    „    —    „ 

pro  kistrumento 42) 18    „    —    „ 

notario  et  testibus 8    „    —    „ 

275  rrfy  10  9 
»u&erbem  würbe  nodj  bie  Urfunbe,  weldje  bie  bifd^öfCid^e  8e* 
Wtigung  ber  SBaljl  be«  3iat§«  enthielt,  mit  39  *f  24  jJ  (=  118  $  8  p) 
bejaht 

S  5.    ©ebtäudje  bei  bet  aufnähme. 

S)ie  3tufna§me  fetbft  gefdjal)  immer  bur<§  ben  S)ecan  in  einer 
Skrfammlung  be«  Gapitel«,  unb  es  würben  babei  gewiffe  ©ebräud&e 
beoba^tet,  au«  benen  B^eierlei  at«  ba«  2Btd)tigfle  &en)orju!jebett  \% 
$a*  (Srfie  ift  bie  Slbleifhmg  eine«  (Sibe«,  mit  bem  ber  ©intretenbe 
gelobte,  bafc  er  bie  ©efefce  unb  ©ebräudje  (statuta  et  consuetudines) 
fcft  €apitel«  beobadjten,  bem  33ifd)of,  bem  2)ecan  unb  bem  Gapitet 
letue  unb  ©e^orfam  beweisen  unb  bie  ©eljeunmffe  be«  Sapttet« 
siemal«  offenbaren  motte.  3>ie  bafür  übli<$e  formet  war  1595,  unb 
pm  gfcu&lautenb  für  protejtantiföe  unb  fatyolifäe  2)om§erren,  feft* 


tt)  Beil.  clerioatas,  bie  f.  g.  ©ubbiaconategelber,  l)infld)tli<&  beten  bei  bem 
Uflr0ta$e  erwählten  $roj>ji  eine  Ermäßigung  eintrat. 

*•)  SciL  daiae  possessionis,  ba«  9totariat*infttument  übet  bie  gefdje^ene  <5iru 

Bfttf^r.  f  S#(.  0ef(*.  S8*.  3  «eft  1.  2 


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18 

gefefct48)  SRad&bem  biefer  ®ib  geleiflet  mar,  tioUjog  bet  S)ecan  bte 
aufnähme,  inbem  er  bcm  3lufjuneijmettben  bcn  grieben^fufe  gab  unb 
ifytt  fein  SBatett  auffegte  (per  osculum  pacis  et  pilei  sui  capiti 
ipsius  impositionera).  9laä)  SBeenbtgung  beS  (SapitelS  würbe  i^tn  ein 
©ifc  im  Gfyox  angemiefen,  unb  xotnn  mit  ber  Sßraebenbe  jugleidj  bie 
SJenufcung  einer  SBo^nung  oerbunben  war,  mürbe  er  ba^in  t>on  ben 
fceiben  jüngjlen  S)om|erren  geführt,  meldte  i^n  ben  S^ürring  an* 
rühren  tiefen  unb  iljm  bie  ©dfjlüffel  übergaben  unb  i^n  f o  per  tactum 
annuli  januae  et  traditionem  claviura  in  ben  SBeftfe  ber  2Bo§nung 
einfetten. 

©röjjere  görmlid&f  eüen  mürben  beobachtet,  menn  ein  oom  Statte 
ermäljlter  tropft  eingeführt  mürbe.  9la$  bem  älteren  (SeremonieU  f ül)r* 
ten  ber  jüngfte  Sürgermeifter  unb  ber  ältefie  Senator  perfönlid)  i|n 
bei  bem  t>erfammelten  Sapitel  ein  unb  fieBten  ifjn  t>or.  Später  gefdjal) 
bie  Sßraefentation  burdj  ein  ©djreiben  an  ben  SHfdjof,  unb  biefer 
fanbte  mit  einem  Sfotmortfdjreiben  bie  S3eftätigung3urtunbe  ein.  S)aS 
Original  biefeS  3)ocumentö  überreichte  ber  Sßropft  bem  ©ecan,  bem 
er  ju  biefem  Qxotät  einen  S3efu<$  mad&te,  unb  es  mürbe  bann  für 
bie  ©infffl&rung  eine  ©tunbe  nerabrebet.  S)er  Sßropft  begab  fxd^  in 
bie  SapttelSjimmer,  mürbe  unten  an  ber  Steppe  mm  bem  ßamera* 
riuS  empfangen,  oben  an  ber  £t)ür  be£  erften  gimmetö  x>on  bem 
©ecretariuS,  ber  i^n  in  ben  ©aal  einführte,  in  meinem  baS  Kapitel 
nerfammelt  mar.  $>ort  ging  tym  ber  35ecan  einige  Stritte  ent* 
gegen  unb  führte  if)n  ju  einem  für  iljn  bereit  gehaltenen  ©effel.  @r 
Ijiett  eine  SKnrebe  an  bad  ßapitel,  inbem  er  bie  Seranlaffung  feines 
(Srfd&emenS  barlegte.  SDer  SDecan  §ielt  eine  f)öfüd>e  ©egenrebe,  tiefe 
bie  bifdjöflidje  SeftätigungSurfunbe  oerlefen  unb  gab  bemSßropjl  ba8 
Original  jurüd.  SSor  ber  eibeSleijiung  erflärte  ber  tropft,  bafc  et 
bem  Statte  ber  ©tabt  Sübed  bereit«  einen  ®ib  geleiftet  f)abe,  unb 
ben  neuen  @ib  nur  unter  ber  Sebingung  unb  SSorauSfefcung  ablegen 
fönne,  bafe  baburdj  bem  älteren  fein  ©ntrag  gefd>e&e.  S)ie  Semerfung 


48)  ©ie  lautete:  Ego  juro,  me  fidelem  et  obedientem  fore  domino  Epis- 
copo  necnon  dominis  meis  Decano  et  capitulo  Lubecensi,  privilegia,  rationa- 
biles  oonsuetudines  et  statuta,  quae  per  Decanum  et  oapitulum  Lubecense 
condita  saut  et  in  posterum  condentur,  observatnram,  in  licitis  et  honestis 
rebus  non  revelaturam  sccreta,  honorem  et  commoduni  Lubecensis  ecclcsiae 
et  capituli  capitulariumque  personarum  pro  virili  procuraturum,  incom- 
modum  aatcra  et  injuriam  propulsaturum.    Ita  me  Deus  adjuret. 


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19 


ww*e  ju  SßrotoloH  genommen;  fie  mar  bebeutungSto«,  ba  ber  tropft 
an  ben  ©efd^äften  beä  Gapttelä  niemals  3lnttjeU  nafjm.  £)ann  Hin*« 
gelte  ber  SDecan  unb  liefe  jwei  3eu9*n  eintreten,  gewötjnlidf)  ben 
Samttaxiui  unb  ben  Unteroogt.  SBä^renb  ber  $ßropji  ben  Gib  ab* 
legte,  ben  if>m  ber  S)ecan  oorlaS,  f niete  er  oor  biefem  auf  einem 
Äiffen  unb  leiftete  ü)n  in  bie  §änbe  beS  2)ecan8.  SHefer  faß,  fo 
wie  aud)  bie  ganje  übrige  33erfammlung.  S)ann  gab  itjm  ber  £)ecan 
ben  ßu&  beS  griebenS  unb  fefete  iljm  im  tarnen  be$  SSaterS,  be« 
So&neS  unb  be$  ^eiligen  ©cifteS  ba$  ©arett  auf.  -Kun  erljob  jidf) 
bie  SJerfammlung,  bie  beiben  jfingftcn  S)om^erren  traten  tycrju  unb 
beBeibeten  i$u  mit  bem  (Sapitetemantet.  Gfotn  biefelben  führten  tyn, 
nad&bem  er  bie  ©lüdtwünfd&e  aller  2lnwefenben  empfangen  tyatte,  an 
bie  SJjür  beg  $Propftetgebäube$,  liefen  tljn  ben  ^ürring  anrühren 
unb  überreizten  iljm  mit  gewiffen  feftfieljenben  SBorten  ben  ©d&lüffel 
beS  §aufe&  S)amit  mar  bie  ©inweiljung  in  ben  23ejt&  gefd&etjen. 
£er  Secretair  fertigte  über  ben  ganjen  SSorgang  ein  ©ocument  au£. 

%  6.    Untrrfd)feb  jtoffdjen  Slntoefenben  unb  Slbtoefenben. 

ffiar  nun  bie  ginwei&ung  in  ein  ©anonicat  gefdjjeljen,  fo  folgte 
boS  f.  g.  SReftbenjjatyr,  annus  residentiae  et  disciplinae,  ein  lieber* 
reji  oon  ben  älteren  Statuten  beö  GapitelS.  S3ei  ben  Äatyottfen 
würbe  unb  wirb  nod^  jefct  großes  ©ewidjjt  barauf  gelegt,  baß  ber 
6eifttU$e  fi$  aus  feiner  SBo^nung  möglid^fi  wenig  entferne,  unb  in 
ben  älteren  3citenf  a^  man  auf  bie  bloß  liturgifdjen  Verrichtungen 
»ett  größeres  ©ewid&t  legte  als  jefet,  finbet  fid&  bie  Sorfd&rift,  baß 
bie  @eijUi<Ijen  bei  bem  G^orbienft  wirflid)  gegenwärtig  fein  unb  an 
bemfelben  roirflid^  regelmäßig  Slnt^eil  nehmen  foUcn,  feljr  fjäufig  au3* 
gejprodjen.  Um  biefer  33orjdf)rift  SRadfjbruct  ju  geben  unb  eine  2Mig* 
fett  jur  Befolgung  berfelben  ju  med en  unb  ju  ermatten,  matten  be* 
gitterte  Seute  Ijäufig  Stiftungen,  wonadf)  an  bestimmten  Sagen  Heine, 
jebodf)  für  bie  bamalige  Qüt  immer  nidjjt  unwichtige  Spenben,  j.  33. 
8  Pfennig  ober  ein  ©d&tHing  ober  53rob  na#  Seenbtgung  be«  ßbor* 
i*et2Reßbtenjie«  an  bie  babei  anwejenb  ©ewefenen  oertyeitt  werben 
Wten  (^raefenjbenare).  ©oldfjer  Stiftungen  gab  e$  fo  oiele,  baß  jie 
w  üirer  ©efammt^eit  bebeutenb  waren.  SDie  älteren  ©efefce  beS 
Stowapitefe  erlaubten  einem  Qeben,  außer  oorüberge&enben  @nt* 
fcnmngen  in  befonberen  mistigen  Angelegenheiten,  nur  einmal  in 
feinem  Seben  eine  Slbwefentyeit  oon  jwei  3a|)ren,  bie  er  in  gJaria 
Wbriugen  burfte,  um  bort  ju  fiubiren.    Unb  bamit  i^m  biefe  Seit 


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20 

für  fein  ©tubutm  unperf ürjt  bleibe,  mürben  no$  fe<$g  2Bo<$en  tyinjugeffigt, 
brei  für  bie  fcinreife,  brei  für  bie  9WidCreife.4A)  ©in  Ueberbteibfel  biefer 
alten  Einrichtung  befianb  nun  in  ber,  übrigen«  geroii  berechtigten  gor* 
berung,  baß  jeber  ©omljerr  ein  Satjr  naä)  feiner  Einführung  in  baS 
Gapitel  Ijier  in  ber  ©tabt  feine  Sßoljming  ^aben,  ben  SJerfammtungen 
beS  Gapitete  beiwohnen  unb  an  ben  ©efdjäften  SHnt^eil  nehmen  fotte. 
S)ie8  mürbe  fet)r  ftrenge  gehalten.  6r  burfte  nidjt  eine  einige  9lac$t 
oljne  befonbere  ©rtaubnifc  beS  S)ecan$  außerhalb  ber  ©tabt  jubrin* 
gen,  unb  ber  S)ecan  burfte  folc^e  ©rlaubnifc  nur  au«  ertyeblidjen 
©rünben  unb  ^ödjftenS  brei  h\&  tner  3Kal  im  ftcfyx  erteilen.  2Bet 
ftdj  oljne  (Srlaubnife  entfernte,  bem  mürbe  bie  3*ü/  bie  er  $ier  fdjon 
jugebradjt  §atte,  nic^t  angerechnet  unb  er  muffte  baS  9tefibenjia^r 
roieber  von  t>orne  anfangen.  Unb  bodj  §atte  er  in  ben  erjlen  brei 
SDlonaten  gar  feine  Einnahme  (menses  carentiae)  unb  in  ben  übt** 
gen  neun  nid)t  bie  PoQe.  ©8  mar  alfo  roirflid)  ein  annus  diseiplinae. 
Äonnte  Qemanb  es  mit  anbermeitigen  SSer^ältniffen  gar  nic^t  per* 
einigen,  baS  3at»r  §ier  jujubringen,  fo  mußte  er  bei  bem  ßapitel 
um  ©töpenfatton  nadjfudEjen,  bie  audj  rtid^t  oermeigert  mürbe,  menn 
er  fidj  baju  serftanb,  ben  geforberten  $rei$  ju  bejahen,  in  ber 
Siegel  200  £f)lr.,  unter  Umfiänben,  menn  ba£  (Sapitel  bie  angegebenen 
©rfinbe  nidjt  für  feljr  triftig  unb  bringenb  tyelt,  aud)  300,  fogar 
400  2$lr. 

SGBenn  ba«  SRefibenjia^r  uerfloffen  ober  ©iSpenS  belegen  erteilt 
mar,  fofianb  t&  einem  Seben  frei,  ob  er  feinen  Aufenthalt  ^ier  ober 
anbergmo  nehmen,  anmefenb  ober  abmefenb,  praesens  ober  absens 
fein  moHte,  nur  ^atte  3)ie3  auf  feine  ©tnfünfte  einen  großen  @mflu&. 
Eine  SWenge  einjelner  einnahmen,  inSbefonbere  atteSRaturaltieferungen, 
aber  audj  tuele  baare  Hebungen,  maren,  mie  in  älterer  unb  älteper, 
fo  audj  in  fpäterer  3*ü  nur  für  bie  SBfamefenben  beftimmt,  bie  216* 
roefenben  Ratten  feinen  23)eil  baran,  von  anbern  Hebungen  Ratten 
fie  nur  eine  Heinere  Portion.  933er  alfo  ben  redjten  SSort^eil  von 
feiner  ©teile  $aben  moUte,  mußte  jidj  in  Sübed  aufhalten,  gactifd) 
inbeffen  mar  immer  eine  2lnjal)l  von  S)omf)erren  abmefenb,  meil  jte 
entmeber  nodj  eine  anbere  ©omtjerrenfteHe  befaßen,  bie  fie  t>orjogen, 
ober,  häufiger,  an  einem  fürjili<$en  §ofe  ein  2tmt  befleibeten,  meldte« 
fie  nötigte,  bort  iljren  regelmäßigen  Slufenttjalt  ju  nehmen,    ©anj 


«*)  (J&enb.  6.  173.   9lu*  ben  fedjö  2öp$en  madjte  man  fpbttx  jtoei  SRonate. 


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21 

alneBetbinbung  mit  bem&apitel  blieben  au$  bie  Slbwefenben  nt<$t, 
fie  mußten  befiänbig  einen  JBeoollmäd&ttgten  (procurator)  bei  bem 
ftrpitel  $aben  unb  biefem  ber  33orf$rift  nad&  alle  fed&3  SWonate  von 
tfrem  Aufenthalte  9todjrid)t  geben.  2lud)  würben  fie  ju  ben  f.  g. 
6ettetalcont)enten  be*  ©apttete  jebeSmal  fämmtlicfc  eingelaben.  ©otdje 
fanben©tatt,  wenn  entmeber  über  einen  wid&tigen  ©egenflanb  ju  be* 
fliegen,  ober  eine  wid&ttge  Söa^t,  inSbefonbere  bie  eine*  SBifdjof«, 
€oabjutor3,  5Decan$  ober  SßropßeS  üorjune^men  war.  Sei  ben  2Ba$len 
burften  jie  i^te  Stimmen  oerftegelt  einferiben,  bie  bann  in  berfelben 
Reihenfolge  eröffnet  würben,  in  weiter  fie  geftimmt  Ijaben  würben, 
wenn  fie  gegenwärtig  gewefen  wären.  SBei  SBcfd^tüffen  waren  fie  felbfi* 
perftönbK$  an  bie  ber  Slnwefenben  gebunben,  unb  ju  ber  3Re§rjal)t 
ber  (Sonoente,  ben  5ßarticularcont)enten,  würben  fie  gar  nt<$t  ge< 
laben. 

SSBer  nun  na<$  t>erfloffenem  3teRbenjja$r  als  l)ier  anwefenb,  in 

bem  officiellen  ©inne  beS  SBorteS,  gelten  wollte,  mußte  fi<$  juoörberjl 

W&S  Stoßen  na<$  einanber  Ijier  aufgehalten  $aben  unb  bann  feine 

9n»e{eit|eit  (praesentia)  bem  S)ecan  fdjriftlidj  anjeigen.  Siefer  orb* 

nett  bann  an,  baß  er  bei  SSert^eilung  ber  Hebungen  mit  berfidjidjtigt 

unb  ju  allen  SSerfammlungen  be«  ©apitete  eingelaben  werbe.    3Wit 

ber  befiänbigen  ©egenmart  würbe  es  nun  nWf)t  me$r  fo  ftrenge  ge* 

mannten,  wie  in  bem  SReftbenjjaljr;  jeber  burfte  attjä^rlid)  x>ierje$n 

Sage  abwefenb  fein,  unb  babei  würbe  ber  Sag  ber  Slbreife  unb  ber 

Snfunft  nidjt  mitgerechnet,  weil  er  an  beiben  Sagen  au<$  anwefenb 

war.  S)o<$  mußte  er  von  bem  SDecan  Urlaub  nehmen,  ©n  3^oum 

wi  üierje^n  Sagen  Reifet  auf  lateinifdj  quindena,  unb  wie  bo« 

Copttel  überhaupt  oiel  in  lateiniföen  StuSbrfiden  t>erfe^rte,  fo  fagte 

«an  aud)  anfiatt  Urlaub  nehmen  eine  Quinbene  nehmen.    35er  la* 

teimf<$e  ÄuSbrud  aber  trübte  bie  Ätartjeit  ber  SSorjieHung.    5Die 

üainbenen  würben  länger  unb  länger  unb  umfaßten  jute|t  einen 

^itraum  oon  f  ünfte^n  SBod&en,  fo  baß,  wer  ni<$t  fo  lange  fort  fein 

•Ate,  audj  eine  $albe  Quinbene  na^m.  Ueberbieä  fonnten  fie  unter 

lefonbern  Umfiänben  auÄna^mSweife  nodj  oerlängert  werben.    SRur 

$tf  würbe  immer  beobachtet,  baß  jebe  Quinbene,  fie  motzte  ange* 

tagen  Ijabcn,  wann  fie  wollte,  mit  Ablauf  be$  QaljreS  ju  ©nbe 

pty.   S)ann  waren  alfo  alle  anwefenben  ©apitutaren  Jjier  wirfttd) 

mummelt,  wenn  nidjt  einer  e«  erteilt  $atte,  baß  i$m,  unb  bann 

tag  einen  ©cföluß  be«  Gapitete,  eine  neue  non  Anfang  be«  fol* 

0m  3afpce&  ange^enbe  Ouinbene  bewilligt  war. 


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Sine  anbete  SluSnafyne  fanb  nod&  babutdfj  Statt,  ba&  bet  Sifd&of 
ba$  SRed^t  tyatte,  einen  bet  Sapitulate  ju  feinem  commensalis,  b.  I). 
eigentlidEj  £ifdf)genoffen,  ju  ernennen.  @t  ttjat  e$,  roenn  et  tf)n  in  feine 
befonbeten  35ienfte  nehmen  wollte,  ©iefet  butfte  bann  feinen  beftänbtgen 
2Öo$nftfcin6utin  ^aben,  audfj  ftdfj  an  einem  beliebigen  Dtte  innetljalb 
bet  SHöcefe  aufhalten  unb  galt  bod)  als  infiübedt  anroefenb.  SBietriete 
S)omI?etten  il)te  SRefibenj  in  Sübedt  ju  galten  pflegten,  etfie^t  man  au$ 
ben  SJJtotofollen,  in  benen  immet  bie  2tnroefenben  namentlich  genannt 
roetben.  2)ie  3af}l  medftfelte  geroöfmtidf)  jtmfd&en  neun  unb  bteijefjn  unb 
umt,  tote  man  au«  Utfunben  etfielit,  aud&  in  ältetet  gelt  nid&t  gtöfcet. 
SDie  ©ültigfeit  bet  SBefd&tüffe  roat  non  bet  2tnja#  bet  SSetfammelten 
nid&t  abhängig;  e$  genügte,  bafe  alle  Stnroefenben  gelaben  maten. 
S)ie8  toirb  in  ben  Utfunben,  roetdfje  baS  ©apitel  auäfteQte,  immet 
^etnotge^oben,  inbem  fte  anfangen:  Praesentibus  (folgen  bie  Tanten 
bet  Slnmefenben)  capitulariter  congregatis  äc  capitulum  constituen- 
tibus  ac  repraesentantibus. 

$iet  pnbet  u>of)l  am  beften  bie  SBemetfung  eine  ©teile,  baß  bet 
SBifdfjof  t)on  ben  anroefenben  ©omljetten  einen,  ju  meinem  et  ein 
BefonbeteS  SJetttauen  jjatte,  ju  feinem  Officialis  etnannte.  SDiefet 
fjatte  bann  bem  ©apitel  gegenübet  bie  Sfted&te  be3  33ifd()of8  ma^tju^ 
nehmen,  mad&te  tym  Slnjeige,  wenn  ein  SobeSfaH  einttat,  unb  in«* 
befonbete,  wenn  ben  $ifdjt>f  bie  Steige  ttaf,  eine  erlebigte  ©teile 
triebet  ju  befefeen.  3>n  einigen  SBejieljungen  Derttat  et  getabesu  bie 
©teile  be£  33ifd&of$,  j.  SB.  in  SBejug  auf  bie  SDomfttdfje,  übet  beten 
SSetmaltung  et  bie  SHuffid&t  führte,  fo  baß  bet  SBetfmeiftet  tym 
jebe  2Bo<$e  übet  (Sinnaljme  unb  2lu3gabe  Sftedfjnung  ablegen  mufete. 
3fjm  fam  e8  au<$  ju,  ben  neu  einttetenben  £)omljetten  bie  t>ot§m 
ernannte  littera  clericatus  ju  übetgeben,  bie  et  in  eigenem  9?amen 
auSjteQte,  unb  eben  fo  audf)  ein  littera  testandi,  von  bet  notf)  bie 
SRebe  fein  nntb.  6in  teid&lidjet  ©ebüfjtenbejug  mutbe  tf)m  füt  feine 
nidfjt  fd&nrietige  3Rü$roaltung  ju  2^eil. 

§.  7.    5Die  Stcare. 

©8  iji  nun  nodfj  eine  anbete  (Slaffe  von  ?JJetfonen  ju  etmä^nen, 
bie  fdjjon  jut  fatljolifdfjen  3^W,  meljt  nodf)  nad(j  bet  Stefotmatton, 
immet  al«  jum  (Sapitel  gehörig  angefeljen  nmtben,  bie  Skate. 
Vicarius  Reifet  ©telfoetttetet.  ©obalb  bet  SBitfungäfteiä  einegSDom* 
capitete  jWj  ausbeute,  Ruften  fidfj  bie  ©efdfjäfte  bet  einzelnen  3)om* 
fetten,  f<$on  wegen  iljret  feelfotgettfd&en  2^dtigfeit,  fo  fef)t,  baß  e£ 


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zedby  G00gk 


tynett  nidjt  immer  möglich  mar,  bem  (S^orbienfi  regelmäßig  objutte* 
gen,  tmb  ba  biefer  S^eit  i§rer  SKmtöoerrid&tungen  am  teidjtefien  t>on 
einem  3fabem  wahrgenommen  werben  fonnte,  fo  mar  e«  natürtidf>, 
fc$  er  am  e^ejlen  einem  SteHoertreter  übertragen  mürbe.  SRament* 
Ixäf  mar  bie«  ber  %aU  bei  bem  $ropfi,  ber  bie  meinen  ©efc^äfte  be« 
ßaptteö  ju  beforgen  ^atte  unb  bem  baljer  fdEjon  na<$  einem  1263 
aufgemalten  JBerjetd&ntfj  regelmäßig  ein  SBicar,  fojufagen,  jujtanb.46) 
öeberbie«  mar  ber  ß^orbienfi  ungemein  befdfjmerlidj).  3fm  SBtnter 
um  5  ttljr,  Im  ©ommer  um  4  Vfyx  SDtorgen«  fingen  bie  ju  fteben 
aerfd&iebenen  Reiten  am  2^ge  ^erjulefenben  ober  ju  fingenben  ®ebete 
an,  gfinf  biefer  Seiten  fielen  in  ben  Sormlttag,  eine  in  ben  SRad}* 
mittag,  eine  auf  ben  abenb.  S)a8  um  1280  erridjtete  Eejtament 
be«  SDom^erm  Stteyanber  fe$t  ein  Segat  für  bie  armen  ©d&üter  au«, 
bie  Jag  unb  SRadfjt  auf  bem  (S&or  bienen.46)  8fo<J)  hierin  lag  bemt 
ein  ©runb,  meä^alb  bie  S)omIjerren  ftdfj  biefer  Serridjjtungen  na$ 
unb  ttadj  ju  entlebigen  fugten.  SDie  bafür  angepeilten  brausten 
rat  ®eifltid>e  ju  fein,  nid^t  notljmenbig  $riejter,  unb  maren  e«  aud& 
m  ber  Segel  ntdfjt,  fonbem  mürben  e«  erft  fpäter,  wenn  fte  etma 
ööfopettane  an  einer  Äird^e  angepeilt  mürben.  S)ie3#  berSJicare 
narrte  ftd&  im  Saufe  ber  3*ü  au&erorbentlid&.  S)urd&  ba«  ganje 
SRtttelatter  bi«  jur  SFlef ormation  §in  ging  ein  immer  fleigenber  Xrieb, 
ben©otte«bienfl  §u  Beratenen,  unb  man  fal)  in  Stiftungen  jubiefem 
3wede  fo  feljr  ein  ©ott  wohlgefällige«  2Berf,  bafc  nid&t  tetdfjt  ein 
begüterter  %Rann  ein  Sefiament  madfjte,  o^ne  ein  Segat  bafür  au«* 
iufefcen.  Stop  fam  bie  SSorflettung,  ba&  ba«  ©ebet  be«  5ßriefier8r 
jumat  ba«  mit  ber  Sßeffe  üerbunbene,  jur@eligfeit  ber  Serftorbenen 
Diel  beitragen  fönne.  6«  gehörte  nun  nid&t  gerabe  fe$r  x>iet  baju, 
einen  eignen  Sßriefter  ju  unterhalten.  (Sine  jätyrltdfje  ©inna^me  von 
U  m#,  bie  burdf>  ein  ©apital  oon  400  bi«  600  rnfi  gemomten 
»erben  tonnte,  mürbe  al«  ^tnlänglidf)  angefe^en.  (Sine  fotdfje  Summe 
wabe  üon  oieten  Beuten  au«gefe|t,  um  bamit  ©eiftlid&e  ju  befolben, 
beten  urid&tigfie«  ©eföäft  barin  beftanb,  täglt<$  ober  mtnbefien« 
»e^rere  SRale  bie  2Bod&e  äReffe  ju  iefen,  unb  in«befonbere  an  ben 
tebeStagen  ber  Stifter  feierliche ©eelenmeffen  für  fte  unb.  il)re  ange- 
legen ju  galten.  2)a«  mufcten  benn  Sßrtejter  fein,  ©eelforge  übten  fte 


<*)  Urf.^.  be*  m$t1)m$  UU<t  6.  168. 
*)  (fttitb.  6.  283. 


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24 

gar  nidfjt  unb  butften  fie  in  ber  Siegel  ntdfjt  üben,  wo$l  aber  waren 
fie  x>erpftid^tetf  am  Styorbienft  t^eiljune^men.  SBon  biefer  S3errid&tung 
unb  in  ftortfefcung  ber  alteren  6um<$tung  behielten  fie  fortmäfjrenb 
ben  Tanten  SMcare,  Riegen  jebod^f  weil  fie  eine  fefie  Aufteilung  Ratten 
unb  weil  tyre  einnahmen  unb  bamit  jugleidj  ba«  3mt  fid&ergeftellt 
waren,  vicarii  perpetui.  S)ie  Std&erftellung  gefd&a$  baburdf),  bafc  ber 
Stifter  einer  SBicarie  ben  ertrag  eine«  ©runbftücte«,  me^rent^eite 
eine«  ©orfe«,  ganj  ober  t&eilmeife  von  bem  SBefifcer  laufte  unb  bem 
Sifdfjofe  ju  geiftU<$em  SdE)u{}  unb  3tedj>t  überwies,    änbere  Arten 
ber  ©infünfte  Üefj  ber  5Bifd&of,  beffen  Sefiätigung  für  alle  geiftlid&e 
Stiftungen  nadfoufud&en  war,  in  ber  Siegel  mdfjt  ju  unb  begnügte 
fid&  nur  in  einjelnen  fjätten  bamit,  bafc  §.  83.  eine  ßorporation  fid> 
tferpfttdjtete,  eine  befttmmte  Summe  jctyrlidf)  au&  üjren  regelmäßigen 
einfünften  ^erjugeben.  e«  mar  aber  bie  fo  funbirte  einnähme  nid&t  bie 
einsige,  weld&e  bie  SSicare  Ratten.  3fa«  trielen  Keinen  Stiftungen  unb 
au«  gjermä^tniffen,  bie  für  bie  SSicare  einer  Äirdfje  im  allgemeinen 
gemalt  umreit,  empfingen  fie  einen  3uf$ufe  ju  tyrer  eigentlichen  33e* 
folbung  unb  famen  baburdjj  unb  burd&  forgfältige  Verwaltung  na<$ 
unb  na<$  in  ben  33efifc  von  Kapitalien,  bie  fie  wieber  jum  Stnfauf 
von  Sftenten  oerwanbten,  fo  baf$  fie  bie  SSefifcer  von  ganjen  Dörfern 
würben,   gut  Seit  ber  Deformation  gab  e«  eine  gro&e  3Renge  t>on 
SBicaren  in  ber  Stabt,  in  ber  ©omfirdje  66,  in  ber  3Äarten*Ätrd&e 
68,  in  Jßetri  29,  in  Qacobi  21,  in  Aegtbien  19;  au&erbem  no$ 
einige  in  ben  SRebenfirdfjen  unb  ftapellen,  fo  nrie  in  ben  größeren 
milben  Stiftungen.  S)ie  Deformation  $ob  jwar  bie  amtlid&e  2$ättg* 
feit  ber  SBicare  ganjlidfj  auf,  §atte  aber  auf  t&re  äußere  Stettung 
unb  auf  ba«  93efte$en  ber  SSicarien  felbfi  feine«weg«  einen  fo  burdf>* 
greifenben  etnflug,  al«  man  Ijätte  benfen  fotten.    3^ar  mad&te  ber 
Statj)  einen  $Berfud&,  ba«  Vermögen  ber  SSicarien  mit  bem  Ätrd&en* 
vermögen  ju  uerf^meljen,  unb  fd&lofc  fowo$l  mit  ben  Sicaren  felbft 
al«  mit  bem  ©omcapitel  baljtn  geljenbe  Vereinbarungen,  aber  biefe 
finb  nur  fe$r  umwttfiänbig  jur  3lu«fü^rung  gefommen.  S)a«  Sapttel 
gab  nid^t  alle  SRad&wetfungen  Ijerau«,  befaß  fie  au<$  otyne  3***^ 
nid&t  alle,  unb  ber  3tat$  mag  twn  Sern,  n>a«  er  empfing,  in  ber 
3fa>tl)  ber  3eit  wo$l  9Rand&e«  auf  eine  ber  urfprüngltd&en  »epimmung 
nidjt  entfpred&enbe  SQBeife  üerwanbt  Ijaben.  SKanclje  Sorporation  $ob 
$re  Stiftung  etgenmäd&tig  auf  unb  aerwanbelte  fie  j.  33.  in  Stipenbien. 
Sit«  enbli$  1595  bie  SSer^ältniffe  mit  bem  injwifäen  audf)  pwte* 
ftonttfd&  geworbenen  Kapitel  nad&  langen  SJer^anblungen  beftnitto 


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25 

jewfcitet  würben,  blieb  $injt<$tttd)  be*  SermögenS  urtb  ber  ©teilen 
be?  Sicore  SRid&tS  übrig,  als  baSjenige,  waS  bamatS  t^atfäc^lid^  be* 
ffarab,  als  red^tlid^  anjuerfennen,  utib  fo  ifl  cS  bis  jur  Sluflöfung 
ie$  CapttelS  geblieben.  (Sine  große  2tnjal)l  t)on  SJicarien  bejtanb 
bemnadj  bem  9tomen  na<$  fort  unb  baS  3)omcapitel  befehle  fie  in 
jebem@WebtgungSfalIe  twn  SReuem.  $>abet  nmrbe  in  äljnttdfjer  SBeife 
»erfahren,  wie  bei  ber  Sefefcung  ber  ©ompraebenben.  S)ie  2Ba$l 
gefd^a^  nidjt  oon  bem  Sapitel  als  ßolleguim,  fonbern  von  ben  ein* 
jelnen  ßapttularen  in  einer  Speisenfolge.  9hir  fing  Ijier  bie  Steige  bei 
bem  jungfien,  unterfkn  SJom^erm  an  unb  flieg  bis  jum  erflen,  bem 
$ecan,  hinauf.  £>a§er  f)ieß  biefe  Sfteiljenfolge  ber  turnus  ascendens, 
tofifjrenb  biejenige,  in  welker  bie  35oml)erren  gewählt  würben,  ber 
turnus  descendens  Ijieß.  2)te  ©teilen,  bie  in  foldjer  SBetfe  t>om  6a* 
pitel  befe$t  würben,  nannte  man  beneficia  turnabilia;  es  gab  aber 
<m$  mehrere,  bie  in  golge  einer  bei  ifjrer  Stiftung  getroffenen  unb 
wm  SJifdjof  genehmigten  Seftimmung  immer  uon  einer  beftimmten 
WWf  bemSDecan  ober  fonft  Qemanb,  pergeben  würben;  biefe  gießen 
inturnabilia. 


$  8.    IDie  (Sinfünfte  ber  iDom^etrcn. 

SSrwenben  uns  je|t  jufcem,  wotwn  man  annehmen  barf,  baß 
t&  bei  allen  ©inrid&tungen  beS  SapitetS  wäfjrenb  ber  proteftanttföen 
3^*  bie  £auptfa<$e  mar  unb  immer  im  Jßintergrunbe  ftanb,  ben 
Srnnatynen.  ©ie  jerjtelen  in  außerorbenttidfje  unb  orbentti^e,  ledere 
uneber  in  baare  Einnahmen  unb  anberweitige  ©molumente.  ©ie 
foaten  einnahmen  floffen  aus  39  t>erf$iebenen,  tyeilS  größeren, 
tWfe  Beineren,  jum  £ljeU  unbebeutenben  Sßofttionen.  ©ie  beftanben 
fä|er  jum  geringeren  S^eite  in  baarem  Selbe,  sunt  größeren  in 
SatutttHieferungen  ober  in  3)ienfileiftungen ;  oon  biefen  waren  aber 
Mt  nadj  unb  nadjj  in  eine  ©elbabgabe  wrwanbelt.  %\xvx  23)eit 
ttfk^t  man  bie  frühere  Sieferung  ober  Seiflung  nod)  aus  bem  9la* 
•tu  ber  ©nna^me,  twn  anbern  läßt  fidj  bie  S3ebeutung  fonft  na<§* 
•#en,  über  man<$e  weiß  iä)  feine  SluSfunft  ju  geben.  35ie  Ferren 
ekelten  §.  8.  Sammergelb,  Slalgelb,  ©änfe*  unb  $afergelb,  §ül)ner> 
9*>  ©elb  für  Dfiereier,  für  Sf)arfreitagS§edjte.  3Jtoftgclb  würbe  für 
Üt^rfaubniß  bejaht,  weldje  bie  Untertanen  bitten,  ©djjweme  in 
ÜPSRafi  ju  treiben,  ©ine  äfjnlid&e  Sewanbtniß  $atte  es,  wie  tdfj 
«kbenfe,  tnit  bem  Stetljgetb  unb  Sorfgelb.  ^antSgetb  würbe  für 
gelieferte*  SSrob  gegeben,   ©n  Zfytil  ber  ©inna^me  floß  au« 


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26 

her  ©aline  in  Smteburg,  beten  @rtrag  großenteils  *on  ben  bena<$* 
barten  geiftltdjen  Stiftern  burd)  Äauf  ate  ©gentium  erroorben  mar. 
S)ie  Seftfcungen  auf  ber  Snfel  Sßoel  bei  SBtömar,  reelle  ba«  ßapitel 
früher  gehabt  batte,  ^atte  e£,  um  t>iclfa<^en  Errungen  mit  ben  fcerjo* 
gen  uon  SWedtenburg  ju  entgegen,  1598  an  bie  &erjoge  Ulrid)  unb 
©iegmunb  äuguft  für  37,000  wfl  verlauft.   S)ie  Stnfen  biefe«  6a* 
pital«  bilbeten  bie  f.  g.  spöbliföe  ©ifttibution.  Sie  einjetnen  Keinen 
©aben,  meiere  früher  au«  ben  baju  befUmmten  SSermäcbtniffen  an 
einzelnen  S^gen  ben  beim  ß^orbienft  anmefenben  ©eiftltdjen  in  bie 
$anb  gebrüdft  waren  unb  baljer  SDtanualgelber  Riegen,  mürben  fpfttcr 
am  @nbe  jebe«  SKonatS  oerttjeilt  unb  gießen  3Kenfengetb  (mensis, 
ber  SJlonat);  ber  ©efammtbetrag  biefer  S3ertl)eilung  mar  2817  rr$  iö  ft. 
Sei  ber  Seftätigung  neu  gegrünbeter  SSicarien  ^atte  ebemal«  ber 
Sifdjof  regelmäßig  bie  SBebingung  gefreut,  baß  ber  SBicar  iäljrltd) 
ju  3Kartini  eine  SKbgabe  von  4  mjt  an  ba«  3)omcapitel  entridjten 
muffe.47)    2lu<$  biefe  ©nnabme,  bie  ben  SJlamen  residuum  Martini 
führte,  befianb  fort  unb  fam  jur  SSerttjeilung.  Um  fie  ju  uergrö&ern, 
Ijob  ba«  Sapitet  1597  eine  Stnjaljt  von  SSicarien,  bie  nur  geringe 
Einnahmen  gemährten,  ganj  auf  unb  30g  bie  ©innabmen  ganj  unb 
gar  in  ba«  residuum  Martini  hinein,    ©enug  biefer  (Sinjet^eiten. 
3)ie  ©efammtfumme  be«  baaxtn  ©elbe«,  meines  bie  ©omfjerren  al« 
©innabme  bejogen,  belief  fidj  auf  38,795  mfc  21  fJ.    Sie  rourbe  in* 
beffen  fetjr  ungleidj  uertbeilt.    Um  bie«  im  ©njelnen   anjugeben, 
imrb  e«  jmedmäfeig  fein,  im  turnus  ascendens  ju  t>erfaf)ren,  alfo  mit 
ben  unterften  anjufangen,  ben  beiben  Stooniften. 

S)te  ©innabmen  berfelben  waren  nid&t  groß,  ber  erfle  uon  i^nen 
erhielt  jäbrltd)  230  $  15  9,  ber  jmeite  109  /;  13  U,  größtenteils  au«  ben 
©alinengelbern  unb  bem  ÜKenfenbud).  1554  fam  eine  bebeutenbe 
85erbefferung  ber  ©teilen  baburdj  l^ingu,  baß  ba«  ©omcapitel  jeber 
berfelben  ein  §au«  in  ber  iperjogengrube  beilegte,  rooju  bie  beiben 
bamaligen  Qfnbaber  ber  ©teilen  jelbfl  einen  Sljetl  ber  Äoften  l>er* 
gaben,  ©ie  mußten  biefe  Käufer  felbfi  unterhalten,  fonnten  fie  übrigen« 

47)  3)er  fftatl)  befdjtoerte  fld)  barüber  bei  bem  $atofte  (lugen  iv.  unb  erfelrfte 
eine  p&pfUid)e  ©ulle  »cm  20.  September  1434,  burd)  »eldje  bie  Siebte  öon  fcüne* 
bürg  unb  SÄelnfclb  beauftragt  würben,  ju  betoirfen,  baß  bat  (Safcitel  biefe  conöue- 
tudinem,  quae  dissuetudo  habenda  est,  aufgebe.  !Daä  (Sapitel  aber  behielt  bie 
(Semcbnfyeit  bei  unb  »erorbnete  1591  normal*,  baß  »on  jeber  93icarie,  beren  <S\n-. 
natyme  bie  ©umme  »on  15  «#  überfleige,  iäljrlid)  4  w#  ad  residuum  Martini 
bejaht  »erben  füllten,  »on  ben  SBicarien  am  JDom  jeboa)  nur  2  mjt. 


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zedby  G00gk 


in 

feftft  beroofmen  ober  üermtetljen.  %\ivx  ©omcopttel  gehörten  fie,  genau 
genommen,  gar  nid&t,  ba  fie  niemals  Stfc  unb  Stimme  in  bemfelben 
erfmigcn  f onnten  unb  ba  ein  roirflidfjer  Domherr  neben  feiner  eignen 
IJfcaebcnbe  audf)  eine  Siooniftenfielle  bcfi^cit  fonnte.  Sie  würben 
bo^er  audf),  wie  ber  Dom  SRattje  erroätjlte  tropft,  in  bem  SSerjeid&niß 
her  {Domherren  nic^t  mit  genannt 

63  folgen  bie  canonici  distineti,  an  ber  ftatjl  oier.  Qfjrc  Stellung 
war  ctgentljümlid&.  ©ne  Släcenfton  fanb  bei  iljnen  nidEjt  eigentlich  Statt, 
jeber  behielt  bie  Stelle,  bie  ifjm  einmal  t>erlic^en  mar,  fonnte  au<$ 
niemals  etroaS  2lnbere3  werben  als  ®tftinctu3,  niemals  in  eine  ber 
anberen  Jflaffen  ber  2)omt)erren  eintreten.  35ennod(j  rüdften  fie  mit 
ben  übrigen  Domherren  in  Sejug  auf  ben  Slang  bem  Sllter  na<$ 
auf  unb  Ratten  aud&fonft,  abgefefjen  mm  ben  einnahmen,  gleite  Siebte 
mit  ifpten.  S)ie  Seftimmung,  baß  baS  Kapitel  au£  l|öd)ftem8  neun je^n 
?etfonen  befielen  foflte,  fanb  auf  fte  ferne  Slnroenbung.  3Bcr  von 
fynen  ba§  fünfunbjroanjigpe  Safjr  twUenbet  fjatte  unb  bie  Borge* 
fötiebenen  S3ebingungen  erfüllte,  fonnte  Stfc  unb  Stimme  im  Eapitel 
falbem  35ie  £>tfiincten  fonnten  Nebenämter  ober  5ßraelaturen  er» 
langen,  bie  etroaS  einbrachten,  felbft  bie  Sßraepofttur,  fte  tonnten 
Senioren  werben  unb  bann  in  SKbroefenfieU  be£  3)ecan£  ober  bei 
Sacanj  biefer  Stelle  ben  SSorftfc  im  (Sapitel  führen,  fte  l)attenf  wenn 
bie  Steiljenfolge  fte  traf,  baS  Siedet,  Sanonicate  unb  93icariate  ju  oer* 
leiten,  aud&  Ratten  fie  Slntljeil  an  ben  außerotbentlid&cn  Einnahmen. 
S)tei  biefer  Stellen  oergab  ber  SBifdfjof  nadf)  feiner  2Bal)l  unb  fonnte 
alfo  in  ©rlebigungSfäHen  bem  vierten  ©iftinctuS  bie  britte,  bem 
britten  bie  jroeite  oerlei^en;  fte  roaren  in  tyren  regelmäßigen  ©in* 
nahmen  unbebeutenb,  ba  jebe  nur  45  ™y.  eintrug.  SDodfj  mar  mit 
einer  berfelben  eine  Gurie  auf  bem  ?ßferbemarft  (jefct  ba«  §av& 
*t  949)  Derbunben,  metd&eS  in  gfolge  teftamentarifdfjer  SBeftimmung 
hti  ganonicuS  SHfttnctuS  Ximmo  Softe  im  $.  157 1  eben  biefer 
tfeHe  beigelegt  mar.  ©ie  erfle  ©ifltnctenfielle  ftanb  nid&t  jur 
ßttation  be£  Sif^ofS,  fonbern  mit  tljr  l;atte  e$  folgenbe  Seroanbtnifc. 
Reben  ber  ©omfird&e  ftanb,  auf  bem  jefcigen  Sauf)ofe,  eine  von 
8*tttt^  bem  Samen  1175  gegrünbete,  bem  Coangeliften  Cannes 
flaWbmete  Sapelle.48)  £>a£  ^ßatronatSredfjt  über  biefelbe  erroarb  bann 
Iwf  Hbotpl)  III.  t>on  fcolftetn  unb  Sdfjauenburg  unb  befttmmte 
J897,  ba&  ber  an  biefer  ßapelle  angepeilte  5ßriefler,  als  jum  Dom* 

*)  Urf.^odj  brt  23tetyum*  Sü&etf  S.  15. 


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zedby  G00gk 


capttel  gehörig,  feine  ©teile  als  eine  S)oml)errenpraebenbe,  jebod^ 
als  eine  twn  ben  übrigen  ©teilen  abgefonberte,  ba^er  btfiincte  am 
gelegen  merben  Jolle.49)  Um  bie  ©teile  ju  üerbeffern,  fd&enfte  er  i^r 
einige  3»af)re  fpäter  einen  an  ber  Xraoe  in  ber  SRäfje  von  Dl* 
besloe  gelegenen  SBalb.50)  3>er  2Batb  würbe  gelittet  unb  bie  @e* 
genb  angebaut,  eö  entfianb  bort  ein  ©orf  Serijla  ober  ©erSlam, 
unb  aus  btefem  einen  S)orfe  finb  fpäter  bie  jefcigen  pei  2)örfer 
©rofe  unb  Älein  JBarntfc  entftanben.51)  $>aS  ?ßatronatSre<$t  über  bie 
©teile  behielt  ©raf  SKbotpij  ftd)  felbft  unb  feinen  9ta<$fommen  vor, 
wrorbnete  audj,  bafe  ber  Qnfyxbtt  betreiben  immer  in  befonberen 
föienften  ber  ©rafen  uon  Jpolflein  als  beren  9iotar  ober  ©ecretair 
flehen  folle.  ©erwarb  III.  aber  überliefe  eS  1324  nebfi  bem  gleiten 
Steckte  über  brei  anbere  S3eneftcten  unb  einer  ©elbfumme  bem  Sifdjof 
ipeinridj  *on  Sfibecf,  als  (Srfafc  für  Sef^äbigungen,  bie  er  in  einer 
geljbe  ben  bifd^öflic^en  ßärtbereten  jugefügt  $atte.52)  Gin  folgenber 
SKfd&of,  9licolauö  ©ad&om,  gab  es  1446  ben  ©rafen  von  jQolftein 
jurücf.  ©raf  äbolpfj  übertrug  tym  bagegen  für  1350  $  bie  ©eridjtS* 
barfeit  über  bie  SDörfer  ©enin,  Ober*  unb  SRieberbüffau  auf  fedfoig 
igaljre.  2llS  bann  fpäter  baS  £olfteintfdje,  auf  ben  2^ron  von  ©äne* 
marf  gefommene  §auS  ftd)  in  bie  Äömgltd)e  unb  bie  jQerjogli<$ 
§olftein*©ottorpif(§e  Sinie  teilte,  medjfelte  bie  Sefefeung  ber  ©teile 
permöge  einer  unter  ifjnen  getroffenen  Vereinbarung  jmifdjen  bei* 
ben  Sinien  unb  mürbe,  als  1773  ber  Äönig  t>on  $)änemarf  in 
ben  SBeftfc  t>on  ganj  £olftem  fam,  btefem  allein  überlaffen.  3Ran 
fteljt,  mie  Diel  SBertf)  auf  baS  Stedjt,  fol<$e  ©teilen  ju  befefeen, 
gelegt  mürbe.  3>te  ©teile  führte  übrigens  bis  in  bie  legte  Seit  ben 
Flamen  ber  @$auenburgtfd)en  ober  ©rafen^raebenbe  (praebenda 
comitis).  3)ie  ©t  QotjanntS^Äapelle,  ber  fte  U>ren  Urfprung  vtx* 
banft,  ^at  bis  in  bie  SJUtte  beS  jtebje^nten  ^a^unberts  beftanben, 
mar  aber  julefct  ganj  baufällig;  1648  ftürgte  ber  ©iebel  ein,  1652 
mürbe  fte  ganj  abgebro<$en,  unb  baS  ©apitel  überliefe  ben  Sßlafe  bem 
Statte,  um  33au$olj  barauf  ju  legen. 

Sie  fteben  f.  g.  canonici  in  herbis  Ratten  als  blofee  Syfpectanten 
gar  feine  ©infünfte.  S)a  fte  fafl  bur<$roeg  Änaben  maren,  fo  fam 
au<§  nid)tS  barauf  an.  S)ie  5  #  4  f ,  bie  in  fpäterer  £eü  einmal 
jeber  ©teile  beigelegt  mürben,  erhielten  bie  Sßrocuratoren,  bie  fte,  mie 


«•)  (Sbenb.  ©.  21.  **)  Gbenb.  ©.  72.  73.  161. 

*°;  (Wenb.  ©.  25.  **)  Gbenb.  <S.  630.  633. 


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29 

jefct  öfooejenbe  ©omljerr,  bei  bem  (Sapitel  fjaben  mufcten.  ©8  burfte 

der  nur  ein  25otn$err  Sßrocurator  fein  unb  fanb  audj  baburdj  ©e* 

(egeit^eit  ju  fleinen  9tebeneinnaljmen. 

Sei  ben  nun  f olgenben  ©teilen  ^atte  ti  auf  ben  ©rtrag  ©nflufe, 
06  me$r  ober  weniger  abmefenb  waren,  gür  bie  fed^S  semi  integrati, 
für  bie  brei  integrati  unb  für  bie  jetyn  panistae  toaren  gewiffe 
Qvmmtn  bejiimmt,  bie  Slbwefenben  erhielten  nur  wenig  baoon,  baS 
Ucbrige  würbe  unter  bie  Slnwefenben  oert^eitt;  natürlid)  war  ber 
Anteil  jebe«  (Sinjelnen  um  fo  grö&er,  je  geringer  bie  2lnjaljl  ber 
$articipirenbcn  war.  ©enau  glet<$  war  bie  ©Umarme  eines  Sfaljre« 
ber  beä  anbem  aus  bem  ©runbe  nidjt,  weil  mandje  SÄubrifen  oer* 
i#ebene  Erträge  lieferten,  bo<$  fonnte  ber  Unterfd&ieb  wotyt  nid^t 
ct§eWi<$  fein.  9tadj  ber  bei  ber  ©ecularifation  be$  2)omcapttet3  ben 
fcmmuffarien  be«  9tatfy3  übergebenen,  fef)r  betaillirt  unb  oijne  3n>etfel 
jwjffiliig  aufgemalten  Ueberjidjt  erhielt  im  3. 1802  jeber  ber  tuer 
abwejenben  ©emiintegraten  83  rn$  8  9,  ieber  ber  beiben  anwefenben 
66$t$f,  |eber  ber  jwei  abwefenbenSntegraten  350  mfl  8  jJ,  ber 
txn  anwefenbe  943  w#,  jeber  ber  beiben  abwefenben  Sßaniften 

U9*t  8  ß,  jeber  ber  adjt*  anwefenben  3818  rr$.  £)iefe  leitete 
®tom§me  war  bemtba«3tel,  ba8  man  na$  langem  Söarten  bur#  all* 
mä^Gi^ed  ÄScenbirenju  erreichen  fudjte,  unb  fie  war  gewife,  fd&on  an 
nobffirftd^,  bei  bamaligen  greifen  ber  SebenSbebürfniffe  genügend  um 
We  SRttelju  einem  beljaglidjen  Seben  ju  gewähren.  (SS  fam  übrigen« 
iuh&  3Rand>etlet  für  -KandEje  ober  für  Sitte  ^inju.  SMe  glänjenbfte  hieben* 
einnähme  ijatte  ber  3)edjant,  ber  oon  fielen  SRubrifen  einen  S^eil  beS 
(Ertrags  als  Sßraecipuum  oorauS  erhielt,  anbere  einnahmen  ganj 
aQem  bejog.  3ftm  allein  fam  unter  anbem  bie  $a<$t  für  bie  f.  g. 
$e<&anten*9Biefe  bei  £anfelbe  ju,  bie  210  inft  betrug,  150  n$  als 
?a$t  für  einen  flrug  in  ©enin,  150  rr#L  jur  Unterhaltung  feiner  Gurie, 
830  wf  als  9teifefuljrgelb,  478  it#  15  f>  als  ©almengefäfle.  3)ie 
€jrorme  beffen,  was  iljm  auf  biefe  äBeife  no<§  juflofc  betrug  2962  rrifc 
i  f.  S)ie  ©infünfte  beS  SßropfieS  betrugen,  wenn  er  nid^t  jugleidj 
Äw^ertv  war,  428  ##  2  U.68)  2>asu  fam  immer  nodj  baS  3ted)t 
kt  Cewtfcung  einer  Surie,  bie  er  aud&  oermiet^en  burfte. 

Ratten  nun  bie  Ferren  auf  bie  ootte  (Sinnaljme  lange  warten  muffen, 
kkfrfttn  fie,  gewiffermagen  als@rfafc  bafür,  baS3ted[)t,  fienodj  jwei 

*)  10  mf.  ftnb  Qlfid)  4  Sljaift  ^reufifd)  Mourant.   (Sin  bamaUget  Sübetflföer 
S|*t»ar  ftfety  i1/.  ^  *t. 


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30 

3o$re  nati)  intern  Sobc  ben  S^rigen  ju  erholten.  €ie  Ratten  jwei 
©nabenjatyre  unb  erhielten  burd)  bie  littora  testandi,  bie  man  itynen 
bei  tyrem  eintritt  gab,  bie  Sefugnifc,  barüber  teftamentarifdfj  burdj 
ein  f.  g.  Sanonical^eftament  ju  verfügen,  fei  e£  ju  ©unften  iljret 
nädfjfien  @rben  ober  britter  Sßerfonen.  ©in  fold^eö  SÜeftament  mufcten 
jie  mad&en,  fonft  fiel  bet  ©enujj  ber  ©nabenjaljre  für  bießrben  $üt* 
weg,  ben  übrigen  Som^erren  ju,  unb  bilbete  bann  für  biefe  eine 
aufcerorbentlid&e  Einnahme,  häufig  tarn  biefer  gaD  freiließ  nid&t 
oor,  ba  e3  in  ber  Siegel  nidfjt  unterlaffen  würbe,  red&tjeitig  ein  Sa* 
nonical^eflament  ju  errieten.  SBCuf  biefe  £efiamente  fanben  bie 
fonfi  für  2lbfajfung  von  £efiamenten  befte^enben  SSotfd^riften  feine 
änmenbung,  UtSbefonbere  beburfte  t&  baju  feiner  3eugen.  <£&  §t* 
nügte,  bafc  jeber  S)oml>err  e$  na<$  einem  gormular,  wetd&eS  Ujtn 
mitgeteilt  mürbe,  eigen^änbig  fd&rieb,  unterfdfjrteb  unb  unterftegelte, 
barauf  ba£  Rapier  einfiegelte  unb  baS  Sonoolut  mit  ber  2luff$rtf  t  • 
„hierin  ift  mein  ßanonical*£eftament,"  aerfal)  unb  audj  biefe  2luf* 
fd&rift  nochmals  unterfd&rieb  unb  unterjiegelte.  2)a3  Seftament  mürbe 
bann  bem  Gapitel  überreizt,  weld&eä  einen  2)epofttion3fd&ein  barüber 
aufteilte.  3U*  ©ültigfeit  beä  XeftamentS  gehörte  e$,  ftrenge  $> 
nommen,  bafe  barin  150  rr$  2Jlemoriengelber  unb  50  rnfi  für  bie 
armen  t>ermad&t  waren ;  maren  inbeffen  biefe  ßegate  überfein,  fo 
üermetgerte  ba3  Sapitel  barum  bie  Slnerfennung  be8  fteftaments 
ntdjjt,  fonbem  jog  beibe  Summen  t)on  bem  ©rtrage  ber  ©nabenjafcre 
ab.  &ux  2luSfü£rung  be«  SefiamentS  mußten  in  bemfelben  jwei 
©omljerren  unb  jroar  au«  eben  berfelben  Älaffe,  melier  ber  £efiator 
angehörte,  benannt  unb  jebem  berfelben  minbeftenS  ein  Sftofenobel54) 
für  feine  SJemü^ung  auSgefefct  werben. 

©S  gab  aber  no<$  mand&e  anbere  au&erorbentUdjje  Einnahmen. 
SBenn  einer  ber  Ferren  fein  3leftbenjja§r  md&t  galten  wollte,  ober 
nidfjt  einen  UninerfitätScurfuS  gemalt  Ijatte,  fo  fud^te  er  S)töpen3 
nad&,  unb  biefer  würbe  tym  gegen  ©riegung,  wie  oor^in  erwähnt, 
einer  Summe  gewährt.  So  einge&enbe  ©eiber  nannte  man,  weil  fte 
jebeämal  befonbetö  vereinbart  würben,  mit  einem  fe^r  bejetd&nenben 
Sfatmen  Slb^anblung^gelber.  Sie  betrugen  in  ber  Sftegel  200  *p,  nadj 
Umfiänben  weniger,  100  ober  150,  naü)  Umfiänben  nufyt,  300  au^ 


M)  Stofenobel  ift  eine  ältere  engttfebe  ©olbmünje  (nobile),  bie  eilte  SRofe  in 
intern  ©e^rdae  fat.  2>et  ©elbtoertfc  fft  bem  eine«  JDucatcn  jlemli*  ßlei$.  SBgl. 
Sttyltx,  SRünjbelulligung,  $$.  VI.  ©.  328. 


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31 

400  4»  unb  würben  immer  unter  bie  anroefenben  ©omtierren  ner* 
t^eitt.  ©ttbci  galt  als  SertljeilungSmafeflab,  bafe,  wenn  ber  panista 
10#et(jtelt,  ber  integratus8,  ber  semi  integratus6,  ber  distinctus 
4  ehielt  Slm  reichlichen  hoffen  bie  äb^anblungSgelber  ju  3*^ 
ta$  ben  ©ifd&of  felbfL  6r  rourbe  nämlidd,  aud&  atsS  baS  ©tift 
langfi  protejlantifdfj  war,  immer  nod&  als  ©eiftlid^er  angefefjen  unb 
raufte  bei  feiner  @rn>äf>lung  t>erfpre<$en,  niemals  ben  geiftlid&en 
Staub  §u  uerlajfen,  fotgttdO  audf)  niemals  ju  Ijeiratyen.  2>te  ©om* 
Ferren  erfreuten  fidj  in  biefer  SJejie^ung  größerer  gretyett,  natürlidf) 
mit  ausnähme  ber  fatijolifd&en.  @S  mar  iljnen  bur<§  einen  @rla& 
kS  »tfd&ofs  3o$amt  2tbotp&  oom  7.  SRonember  1594  auSbrüdfttdf)  bie 
Serfxd^erung  gegeben,  bafe  für  fie  ber  (S&eftanb  niemals  ein  $mber* 
n$  in  bemSefifc  ber  ^raebenben  fein  fotte.  S5a  aber  aud&  ber  Sifdfjof 
in  ber  Siegel  einmal  Ijeiratfjen  mottle,  mu&te  er  bei  bem  ßapttel 
umSDiSpenfatton  nad&fud&en  unb  bejahte  eine  genriffe  ©umme  bafür, 
bet  Diföof  ftriebrtdf>  Slugufi  im  &  1774  4000  •#.  ferner  fiel  bei 
bem  Stobe  eines  ®if<$of«,  in  golge  einer  Sebingung,  bie  feit  1642 
te  fcta  grroäljlung  gemalt  mürbe,  bem  Gapttel  bie  Slbmuuftration 
k*  StfflS  unb  folglich  ber  ©enufc  ber  bifdjöflid&en  ©infünfte  auf 
im  3a^re  ju.  2)aS  Gapitel  unterlieg  ba^er  nid&t,  alsbatb  nad& 
ka  2obe  eine«  StfdfjofS  SDeputtrte  nadjj  ber  bifd&öffid&en  Sftefibenj 
SttÖa  ju  fdfjtdfen  unb  bie  Regierung  ju  übernehmen,  gab  fte  aber 
fofllety  jurüd,  menn  berSHfdjjof  erttärte,  bafe  er  in  bie  SHegierung  ein* 
taten  unb  fi<$  mit  bem  Kapitel  wegen  einer  bafür  ju  jafjlenben 
Summe  pergletd&en  motte.55)  ©te  betrug  16—18,000  3$aler.  ®nbti<ij 
mu&ttrt  bie  33if<$öfe,  fo  lange  fie  aus  bem  £olftein*©ottorpifdf)en 
Öauje  genommen  mürben,  aud&  wrfpred&en,  ju  refigniren,  fall«  fie 
jur  Regierung  eines  roeltlid&en  gürftentfjumS  gelangen  fottten.  6m 
Wfct  Satt  iP  jmeimal  oorgefommen.  S)er  JBtfc&of  2lbo(pf)  grtebrtdj) 
f«b  1743  jum  S^ronfolger  von  ©dfjroeben  beftimmt  unb  refignirte 
ijw,  in  golge  feiner  äßa^lcapitulation,  e§e  er  bie  Regierung  roitf  * 
%  antrat  ©ein  3tod&fotger,  ber  SBifd^of  grtebrtdfj  Sluguft,  erhielt 
fitfotge  ber  Skr^anblungen  jurifd&en  SDänemarf  unb  3tu&tanb,  burdjj 
*ä$e  erjierer  firone  bie  fämmtlid&en  ©ottorpifdfjen  Sauber  überlaffen 
mbm,  im  &  1773  bie  ©raffd&aften  Dlbenburg  unb  2)elmenl)orji 
^4  würbe  bann  oom  Äaifer  jum  fcerjog  erhoben.   3#n  biSpenfirte 

*  *J  dhie  genaue  SBefdjretbung  ber  $$6rmlid)feften,  ttjfldje  bei  ber  93eftyergreifung 
■•  tft  bft  »ficfgabc  ber  aRfgieruttg  beobadjtet  tomtben,  jie^t  in  öetfer,  ©efc^. 
«t  «tot  W*&,  Z1).  m  S.  256. 


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zedby  GoOgle 


32 

auf  fein  Sfofudjen  ba&  ©omcapitel  von  bet  33etpfttd&tung,  auf  ba8 
5Bi8tt)um  iu  teftgniten,  unb  et  bejahte  bafür  4000  •#.  S)iefe  Summe 
tarn,  nebft  18,000  •#  SlbminifttationSgelbet,  im  &  1774  sut  Set* 
Teilung,  unb  gletdj  im  f  olgenben  Qa^te  4000  <$,  bie  bet  Jöifdjof  für 
bie  ©ttaubnifc,  ftdf)  ju  t>etf}eitatfjen,  bejahte.  SBei  bet  Stettljeilung 
bet  SttbminifttationSgetbet  routben  aud)  bie  abroefenben  ißantften  unb 
Sntegtaten  bebaut,  fo  rote  aud)  bie  fünf  tjotnetjmjten  Beamten  be3 
EapitetS,  bet  Stjnbicu«,  Sectetatiu«,  Snfpectot,  Unterzogt  unb  £a* 
metatiu3,  audj  gab  man  50  «#  in  bie  Sttmencaffe.  S)ie  beiben  an* 
betn  Summen  routben  nut  untet  bie  Staroefenben  Dettljetlt  §tetna<§ 
fcatte  jebet  anroefenbe  ^Janift  in  ben  beiben  genannten  Qa^ten  eine 
@£tta*@innaljme  von  2600  «f  unb  einigen  Spillingen,  gut  ben 
JDecan  fam  nodj  ein  Sßtaecipuum  t>on  1063  *$>  $inju.  9to<$  teidfj* 
Udjet  floffen  biefe  ©elbet  füt  biejenigen,  bie  \fyct  Stellen  1726  unb 
1727  befa&en.  1726  ftatb  bet  Stföof  O^riftian  äugufl,  fein  So§n 
unb  9to$folget  Gati  fdtjon  im  nädErfien  Qa^te,  fogat  elje  et  nod>  bie 
bifd^öfCid^e  SRegietung  angetreten  fjatte.  S3eibe  SRate  mußten  bie 
2Ibminijltation8gelbet  bejaht  roetben,  nut  begnügte  ftdj  baS  (Sapitel 
baS  jroette3M  mit  einet  etroaS  getingeten  Summe,  ©inen  geringen 
@tfa|  füt  bie  bei  ben  genannten  2lnläffen  ju  jaljtenben  ©elbet  fanb 
bet  SBifc^of  battn,  bafc  ba«  ©apitet  fte  but$  fteiroillige  ©efd&enfe 
(®t)atttatto*@elbet)  ju  etroiebetn  pflegte.  SHefe  routben  inäbefonbete 
J[ebem  2Hf$of  bei  feinem  3iegtetung$anttttte  gegeben,  um  bamit  bie 
ftoften  bet  faifetlidfjen  Seftätigung  bet  SDäa^l  ju  beftteiten. 

©ine  etl)ebli<$e  SRebeneinnalpe  Ijatte  enbtidj  betSinjelnenodf)  bann, 
roenn  i^n  bie  Sftei^e  traf,  eine  3)om^ettnftette  ju  uetgeben.  S)et  SBetfaffet 
eine«  gegen  bie  2)tttte  be$  zotigen  Qa^unbettö  gefd&tiebenen  auf* 
fafce«  übet  baä  SJomcapitel,  bet  offenbat  felbft  ein  ©omljett  roat, 
t>etfi$ett,  bafc  man,  roenn  man  fte  nt<$t  einem  na^en  33etu>anbten 
fd&enfen  rooQe,  lobte  18,000  »#fbafüt  etljalten  fönne,  unb  nmnbett 
fi$  felbft  übet  ben  §otyen  $retö,  ba  man  bo<$  nodj  vov  20  Sagten 
nut  7 -8000.&  bejaht  \)abi.5G)  Ungefaßt  eben  fotnel  roitb  atfoaud) 
betjemge  ehalten  tjaben,  bet  auf  feine  Stelle  ju  ©unften  eine«  Sin* 
betn  tejtgnitte. 

3u  ben  ©nnatjmen  an  baatem  ©elbe  fam  nun  nod)  eine 
SKenge  3latutattiefetungen  Ijinju,  bie  nidjt  abgelöfl  roaten,  nämtid) 
»efen,  ©änfe,  $üt)ttet,  ®tet,  giföe,  SQBilb,  SBadft  Salj,  Stof  unb 

M)  galef ,  Sammlungen  $ut  nieten  Äunbe  bet  SBaterlanbe*,  33b.  s  €>.  108. 144. 


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zedby  G00gk 


§4  ftud)  \n  Öejug  ouf  biefe  Sieferungen  war  bet  ®ecan  vox 
dm  torigen  Teid>li<$  bebadjt 

Sefen  erhielt  jeber  Sapitutar,  ber  eine  eigne  Gurte  fjatte,  jäl)rltö& 
pt&  SBui*.  SW^t  ®änfe,  28  fcityner  unb  200  ©et  Ijatte  bie  ©orf* 
Waft®tömifc  bem  5Decan  ju  liefern,  ber  au&erbem  no<§  xä^rli<^  eine 
fette  ©ans  abmedrfelnb  von  ben  ©örfern  ©r.*$arin,  $orjlorf, 
*o$torf  unb  Sed^au  erhielt  864  $funb  gtfdje  lieferten  bie  gtfd&er 
wwn  £immeÖborfer  See,  bie  §älfte  bem  S)ecan,  ein  drittel  bem 
Senior,  ein  ©edj&el  bem  ©ubfemor.  SBtlb  würbe  je  nad)  bem  @r* 
trage  ber^agb,  fomte  bie  Sapttelsforjten  e«  lieferten,  Ijieljfcr  gefanbt 
mtb  unter  bie  anmejenben  $aniflen,  uom  ©ecan  anfangenb,  wrtyetlt 
8Ba<$*  erhielt  ber  3>ecan  16  Sßfunb,  von  ben  tuer  älteften  Sapitu* 
taren  jeber  5  $funb,  ber  ©truetuarta«  6  Sßfunb,  jeber  anbere  2)om* 
$err,  ber  ©i$  unb  Stimme  im  Sapitel  Ijatte,  audj  ein  SHjtmctu«, 
l\  $funb.  ©al§,  fiftneburger,  erhielt  ber  3)ecan  6  Sonnen,  uon  btn 
uäd#en  fflttfse|rn  gapttularen  jeber  jtoei  Sonnen,  ber  fed&Sjeljnte 
t»e.  torf  ehielt  ber  S)ecatt  12,000  ©oben,  ber  ©enior  unb  ber 
&*N«  jeher  6000.  £olj  enblid)  unb  Äom.  Qeber  anmefenbe  Jßamft 
väßx  iej  gaben  Sudjert&olj,  jeber  SntegratuS  13  gaben,  jeber 
SemüntegtatuS  6i  gaben,  aufeerbem  ate  ^raeeipuum  ber  Sßropji  8 
gfebea,  ber  5Decan  43  gaben.  2ln  Äorn  enblidj  erhielt  ber  anroefenbe 
¥anift  42  ©djeffel  Stoggen  unb  60  ©djeffel  #afer,  ber  SntegratuS 
12  ©d&effel  Joggen,  ber  ©emiintegratu«  6  ©djeffel  unb  audj  ber 
canooieus  in  berbis  fe<$$  ©djeffel,  bie  aber,  tbtn  fo  roie  bie  geringe 
Selbehmaljme,  ber  ^rocurator,  ber  fte  für  if>n  in  empfang  naljm, 
ffe  fidj  behielt  3)er  S)ecan  empfing,  oljne  baß  bie  iljm  als  S)om* 
fym  jutommenbe  Portion  barum  gefönt  mürbe,  als  Jßraecipuum 
67  ©djeffel  SRoggen  unb  102  ©djeffel  §afer.  ®er  ©efammtgelb* 
«aty  aller  btefer  SlaturaDieferungen  mürbe  1803  nad)  ben  bamali* 
gut  greifen  auf  12,341  ^3f9  beredjnet 

5E)ie  baare  ©mtafyne  betrug,  wie  aorljin  bemerft,  38,795  n$ 
H  9,  bie  aKcarien  Ratten  eine  ©efammteinnatyme  oon  n,40i  n$( 
H*.  Sta*  etgiebt  ffir  alle  jum  ©omcapitel  ge^örenben  Sßraebenben 
tb*  ©efammtfumme  oon  62,537  n$  15  0. 

(Sublim  Ratten  audj  ber  Sßropft  unb  bie  elf  folgenben  &om* 
%tttn  nod>  eigne  SBo^nungen,  f.  g.  Surien.  3U*  fat^olifd^en  3eit 
■tten  e*  außer  ber  ^ropftei  jmölf,  eine  aber  naljm  1530  ber  Statfj 
fc^efölag  unb  bejtimmte  fte  für  baS  Sßafiorat  an  ber  ©omfirtlje, 
I*  md&m  fie  fettbem  geblieben  tft 

Zdxfäx.  f.  Süh.  ©cf<^.  SB*.  3  ^eft  1.  3 


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34 

S  9.    ®ef«&ft*!reit  be*  $omcal>ltel«. 

©o«  ©omcapttel  ^atte  fd&on  jur  fat§olifd&en  Seit  neben  ben 
geiftUd&en  SSerrid&tungen,  ju  weld&en  egeigentltdjj  benimmt  roat,  oiele 
weltltd&e  ©efd&äfte  ju  Morgen.  @«  bitbete  gewiffermafcen  aud&  einen 
großen  $au«§alt,  für  beffen  JBebfirfntffe  geformt  werben  mufete  unb 
beff en  SBer^altniffe  um  fo  complicfcter  würben,  je  mifyc  bie  3#  ber 
SDtttglteber  juna^m  unb  je  weiter  fid)  ber  ©ruttbbefifc  au«be$nte, 
au«  weld&em  ber  Unterhalt  gewonnen  würbe.  Unb  ba  im  aKittel- 
alter  bei  bem  SSerfauf  von  ©runbbeftfc  bie  3furi«biction  faft  immer 
jugleidfj  mit  t>erfauft,  bei  bem  SBerfauf  an  Bürger  unb  an  ©eifUid&e 
gewöi)ttttd&  aud&  ba«  2el>n«oerf)altntj$  ju  bem  faserigen  2anbe«l)errn 
gelöji  mürbe,  fo  $atte  ber  (Srwerb  eine«  ©ompleje«  oon  ©runbbeftfc 
bie  SBilbung  eines  eigenen  Staate«  leidet  jur  natfirltdfjen  golge.  3n 
fold&er  Steife  mürben  bie  ©i«t$ümer  §u  Staaten,  £>a  ferner  bie* 
jenigen  ©fiter  unb  Sförfer,  au«  benen  ber  33tfd&of  feine  einnahmen 
bejog,  t)on  ben  jum  Unterhalt  ber  Stom&erren  unb  Sföcare  befiimm* 
ten  fd&on  frfi§  getrennt  waren,  fo  jetfiel  ba«  8i«t$um  von  felbfi 
in  jwei  Steile,  unb  au«  biefen  beiben  Steilen  waren  im  ©i«t^um 
ßübedf  im  ad&tjefytten  3$$>unbert  jwei  getrennte,  nur  in  lofem  gu* 
fammen^ange  mit  einanber  fle^enbe  Staaten  geworben,  gwar  ftanfe 
ber  8if$of  an  ber  Spi|e  beiber,  unb  bem  9tet$«oberi)aupte  gegen« 
Aber  war  ba«  9i«tt)um  nur  ein  Staat,  ^inftdjtUdfj  ber  auf  ba«9tetd& 
bejftgttd&en  SSerptauffe,  3. 33.  ber  3Jeid&8fieuern,  ftanben  beibe  in  93er« 
binbung  mit  einanber,  übrigen«  aber  $atte  ber  33ifd>of  auf  bie  Jßer* 
toaltung  ber  6apitel«güter  feinen  Sinflufc.  2)a«  $erf>altni&  ju  ben 
Untertanen  dfjarafteriftrt  fid&am  beuttirfrften  baburd^,  ba&  bie$ufen* 
beftfcer  beim  antritt  iljrer  ©teilen  an  @tbe«ftatt  gelobten,  Ginem 
Ijod&wfirbigen  ©omcapttel  ju  Sfibedf,  al«  ber  t)on  ©oft  ilpien  t>orge* 
festen  Öbrigfeit,  f)db,  treu  unb  ge^orfam  ju  fein.  S)abei  gefd&afc 
be«  83ifd&of«  feine  @rwä$mmg. 

S)ie«  Territorium  beftanb  avß  jweiuntwierjig  Dörfern,  ®nunb* 
jwanjig  berfelben  bilbeten  einen  3uri«biction&  unb  SbmtntftrationS* 
bejtrf,  an  beffen  Spifte  ein  ©rofrwgt  flanb  unb  weld&er  be«^alb  ben 
9lamtn  ©ro&oogtei  führte.  5Der  ©rofpogt  würbe  von  bem  Sapitel 
aUjä$rtt$,  in  ber  aßargaret^en^aSerfammlung,  au«  feiner  3Ritte  ent* 
weber  neu  gewä|lt  ober  in  feinem  Slmte  betätigt,  in  ber  StegeX 
ba«  Sefctere.  Sßan  natyn  uorjugSweife  einen  red&tsfunbigen  2>om* 
fierm,  ba  er  in  erfter  Snftanj  9ted&t  ju  fpred&en  $atte,  bie  jroeite 
3nflanj  bitbete  ba«  Gapitel  felbfi.  S)ie  öconomifäen  ®ef<$äfte  ww> 


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35 

bcn  gröfctentyeite  von  einem  Unterzogt  beforgt.  1719  Ijob  man  bie 
Stete  be4  ©ro&wgts,  mannet  SRifebräud&e  wegen,  bie  ft$  einge* 
f#i<$en  Ratten,  ganj  auf,  fe$te  ein  f.  g.  @rofjoogtei*©eridjt  ein,  weldjeS 
«tf  jflei  Stomljerren  beftanb,  unb  tollte  jur  SJeforgung  ber  öcono* 
mifdjen  $et$ältniffe  einen  Slmtainfpector,  ber  jebo$  au<$  bei  ben 
®erf$gftfcungen  gegenwärtig  fein  unb  barin  ba3  5ßrotofott  führen 
wußte,  ginen  von  ber  ©ro&oogtei  getrennten  SSerwaliungSbejirf 
bilbete  ber  ipof  JpobberSborf  nebft  ben  oier  baju  gehörigen  Dörfern 
%ttym,  ©rofe  Sßarin,  &orftorf  unb  Sfto^lftorf.  ©iefer  S)iftrict  gehörte 
nämlidfr  nidjt  §u  ben  älteren  ©apitelägütern.  @rfi  Qofjann  2lbotp$, 
ber  erfie  in  ber  Steige  ber  Stfdjöfe  au«  bem  Jpaufe  $olftein*@ottorp, 
überliefe  i§n  bei  feiner  2öal)t  im  3.  1586  auf  jwanjig  Satire  bem 
CapiteL  S)ie«  warb  mehrere  SRale  in  gleid&er  3GBeife  wteberljolt,  bis 
ber  9ifd^>f  Stugufl  f^riebric^  it)n  bem  ßapitel  1676  auf  feine  SebenSjeit 
jujejtanb.  Son  ba  an  bilbete  bie  fortgefefcte  Ueberlaffung  ber  ©üter 
einen  bejtönMcjen  »rtifel  in  allen  2Ba#capttulationen,  welche  bie  S3i* 
We  W  iljret  ermä^lung  untertreiben  mußten.  SBBleber  in  einem 
etotf  anbern  3SerI)ältm&  fianben  bie  f.  g.  SSicarienbörfer,  b.  $.  bie* 
fafyto  JDflrfer,  weldje  urfprfinglidj)  bie  Dotation  —  ba«  corpus  — 
«m§efe*r  SJUarien  bUbeten.  3»n  tynen  Ratten  bie  SStcare  felbft  bie 
Senoatamg  unb  alfo  inSbefonbere  für  bie  (Srljebung  ber  abgaben  ju 
feigen.  Sud)  Ratten  fte  bie  ©erid&tebarfett  in  erfter  Qnftanj,  boc^ 
nxrr  bie  gognttion  in  ©(je*,  Äirdjeu*,  ßrtminal*  unb  ©renjfa^en  bem 
ganjen  Sapitel  vorbehalten  unb  ftanb  ben  SSicaren  nifyt  ju.  33er* 
wbnungen,  toeld^e  ba«  ßapitet  für  äße  feine  Untertanen  erliefe, 
Rotten  audjfür  bieSJicarienbörfer@filtigfeit;  fte  mürben  benSSicaren 
mitgeteilt  unb  biefe  waren  oetpflufctet,  fte  in  iljren  Dörfern  ju 
pnMiciren  unb  auf  bie  ©efolgung  berfelben  ju  galten. 

gür  bie  ©debigung  ber  ©eföäfte,  welche  bem  ©apitel  in  feiner 
Gefammtljeit  oblagen,  genügte  e£  in  ber  Siegel,  jweimal  monatti<$ 
<me  Serfammlung  ju  galten.  S)aS  gefd>a§,  einer  alten  ©ewoljn^eit 
§naa&,  in  ber  Siegel  an  einem  greüag  2ttorgen.  2)er  S)ecan  führte 
tat  »orfi|  unb  leitete  bie  SSer^anblungen.  Sin  tyn  würben  bie  für 
fco«  Kapitel  befHmmten  eingaben  abrefftrt,  bod^  burfte  er  ©riefe  oon 
«««artigen  gürfien  unb  ^Regierungen  nM&t  anberS  als  in  einer 
Äerfammlung  be*  ßapitete  erbred&en.  %&x  bie  Sßrotocottfüljrung 
tar  ein  ©ecretair  angeftellt,  für  bie  Ausarbeitung  oon  ©utadfjten 
«4  anbern  -f^riftlid^en  arbeiten  ein  ©ijnbicuS,  melier  jugleidf)  ber 
Sttytteißanb  be3  ßapüetö  mar. 


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86 

2)te  fetertid&jte  biefer  Serfammlungen  fanb  am  grettag  na$ 
3Rargaretl)e57)  ftatt  unb^iefc  btäfyalb  ba«  9Kargaret&en>gapUel  $er 
Samerariu«  liefe  jucor  ba«  flimtm  befonber«  reinigen,  fteEte  ba« 
©itbergerätlj  be«$apttet«  auf  unb  in  jmei  ©dualen  fo  tneleÄlumen* 
bouquet«  auf  ben  £if$,  ba&  jebet  Slnmefenbe  jmet  baaon  mitnehmen 
tonnte.    SHe  ftenfier  mürben  mit  mof)lriedj)enben  Kräutern  befireut, 
au<$  bie  ©tube,  ungead&tet  be«  ©ommer«,  gezeigt    pr  äße  biefe 
©eforgungen  erhielt  bet  SametariuS  16  mfi.  öefonbere  ©inlabungen 
ergingen  nidjt  ju  ber  SSerfammlung,  fonbem  ber  S)ecan  jeigte  in 
berflorljerge^enbenSufammenfunft  an,  ba&  er  fie  galten  werbe,  unb 
ber  ©amerariuS  forgte  nur  bafür,  ba£  biejenigen,  bie  ntdjt  gegen* 
märtig  gemefen  waren,  Sfauä&rid&t  betonen,    gilt  bie  2$eilnal>me  an 
biefer  SSerfammlung  erhielt  jeber  Storoefenbe.  au«  bem  ®d&a|e  be« 
©apiiel«  von  bem  2$efaurariu«  einen  @pe$ie«t$aler  (3  nty  12  18), 
au«  ber  SRenfen*Äaffe  von  bem  Distributor  'frensium  einen  bäntfd&en 
Äronent&aler  (3  mfi  —  jJ),  au«  ber  Äaffe  be«  Sfotöinfpector«  fünf 
©djillinge  unb  jeber  anmefenbe  5ßraelat  no$  befonber«  fünf  ©djiUhtge. 
Severe  mürben  abgefonbert  in  ein  Rapier  emgeroidett  unb  mit  ben 
Sudjftaben  P.  P.  ($raelaten*$femtig)  beseitetet,    gerner  t>ert$eilte 
no<$  ber  S)ecan  au«  ber  ©altnen*Äaffe  3  ntfl  unter  fämmttufce 
Slnmefenbe,  4  infi  unter  bie  anmefenben  ^raelaten  unb  3  m$L  — 
pro  more,  ber  ©Ute  gemäfc  —  jur  Hälfte  unter  bie  Sßraelaten,  jur 
Jpälfte  unter  fämmtUdje  anmefenbe.    3lu«  jeber  Portion  machte  er 
ein  eigene«  Sßadet  unb  bejeid&nete  bie  badete  ber  Sßraelaten  eben* 
faDtö  mit  P.  P.    S)er  3roedf  ber  SBerfammtung  mar  ein  boppelter : 
9tedjnung«ablage  unb  neue  SSertljeilung  ber  Stemter.  ®ie  JBermatter 
atter  einjetnen  Äaffen  legten  üjre  ©üdjer  t)or  unb  mürben,  nadjbem 
bie  Sftedjnung  richtig  bcfüfnben  mar,  megen  Ujrer  SJermaltung  quittirt 
3Ke|rent^eU«  mürben  fie  bann  aud)  für  ba«  f  otgenbe  Saljr  mit  ber* 
fetten  SSermaltung  beauftragt,  bod)  mar  baju  ein  befonberer  J8ef<$lu& 
be«  Sapitet«  erforberlid),  benn  e«  galt  al«  ©runbfa|,  baf?  nur  bte 
Sßraetaturen  auf  Sebettfjeit  t>erltel)en  feien,  jebe  anbere  SBermaltung 
nur  auf  ein  3a$r,  unb  biefer  Umftanb  begrünbete  ben  Unterfdtfeb 
jmifdjen  praelatura  unb  officium.  6«  galt  femer  al«  (Srunbfafc,  bafc  man 
Don  Sftiemanben  eine  SJHtyroaltung  umfonfi  ©erlangen  fönne,  fonbern 
mit  jebem  Officium  ein  ©molument  (beneflciuro)  wrbunben  fein  muffe. 

")  aRargaret&e,  Jefrt  ber  I3.3ult,  toat  im  SMMelaltet  unb  nad)  bet  Obfertxnij 
M  (Sapitel*  ber  12.  3uli. 


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37 

Kit  feinen  Untertanen  befanb  baS  fcomcapttet  ftd>  wäljrenb 
W  jrt&ten  S&etteS  beS  a$tjel)ttten  3a^unbet*8  in  einem  qjroceffe. 
3*wr  ft$  fteigembe  anforberungen  in  »ejug  auf  abgaben  unb 
Äfaiße  Ratten  fie  veranlagt ,  33ef  dfjwerbe  beim  föetd&Sf  ammergerW&t 
ß  ergeben,  tmb  nafy  einigen  anbeutungen,  weldje  bet  SBerfoffer  bet 
föon  etwäljnten  9iad>rid>t  tum  bem  ßuftanbe  beS  ijjodpftS  Sübed 
jiefo,  batf  man  woi/L  annehmen,  bafc  bie  SBefd&werben  begrfinbet 
«weit  ®r  berietet  unter  anbern,58)  eS^abe  Vergeben,  bafcmand&er 
Storniere  wo$l  jwanjig  bis  bretfcigmal  unb  fogar  nodf)  häufiger  in 
ßaem  3a^re  t>on  ben  Untertanen  Sruljren,  nämltd»  unentgeltUd&e, 
gefotbett  ^labe,  es  fei  ba^er  für  not||wenbig  gehalten,  folgern  SRifr» 
hmu$e  entgegen jutreten,  unb  fefigefefet,  baß  fein  S)om^err  meljr  als 
|»Stf  gurten  jpQJrlid)  in  anforudj  ju  nehmen  $abe,  aud)  eine  ein* 
»eine  Steife  ft$  ni$t  weiter  als  bis  auf  eine  Sntfemung  oon  jroölf 
Reuen  erflretf en  bürfe,  ba&  femer  berjentge,  welker  eine  fJM&re  w> 
lange,  ben  gfufjrmann  unterwegs  unterhalten  unb  i^m  na<$  geenbigter 
%$t  ein  gutes  Xrinfgelb  geben  foOe.  ©ewifj  mar  fetbft  ber  in 
W^tc  Steife  auf  ein  befHmmteS  SWafc  jurttdöefü&rte  ©ienft  nodfr 
tö%  S«mg.  @8  gehörte  ju  ben  amtSgefd&äften  beS  UnteroogtS, 
Ke  wdangtett  gurren  ju  beftetten  unb  bafär  ju  forgen,  ba&  fie  ge* 
teifiet  würben.  $ie  ganje  Säuberung  beS  SferfafferS  jener  $Rad&ru$t, 
bet  ju$  felbft  einen  8te#t  unb  SBa&r&eit  liebenben  ©Triften  nennt59) 
tob  offenbar  ein  S)om^err  mar,  madjt  ben  @inbrud,  bog  bie  ®er* 
wttamg  e£  fu$  jut  aufgäbe  fleHte,  bie  ©teilen  ber  2)omt)erren  mbg* 
Ktft  einträglich  ju  nta^en,  unb  ba&  bie  Beamten  bur$  ©portein 
mtb  3Rebeneinnafymen  ftd>  für  bie  Ätein^ett  tyreS  ©e^altS  ju  ent* 
tyibigen  mußten.  8tod>  fdjeint  baS  5Domcapitet  felbji  in  bem  Sßroceffe 
■it  ben  Untertf>anf n  lein  grofceS  SSertrauen  auf  bie  @ere<$tig?ett 
ferner  Sad&e  gehabt  ju  $aben,  bemt  es  erwartete  bie  rtd&terlidje  @nt* 
ifcütong  nidfo  fonbern  beenbigte  Ü>n  bur<$  einen  33erglei$,  ben  es 
«ter  Sermittelung  beSSHfd&ofS  am  2i.Dctober  1793  mit  ben  Unter* 
Inen  abfäjlofj.  3n  biefem  3Serglet$e  werben  bie  ben  Untertanen 
Äegenben  Seifhtngen  genau  beftimmt,  unb  baS  ©apitel  übernimmt 
«tter&olt  bie  Serpfttd&tung,  für  ftdf>  fetbfi  ein  3Re|tereS  niemals 
»  «dangen;  nur  für  ben  gaH,  ba&  von  bem  beutfd&en  SRetö&e  er* 

w)  Saltf ,  a.  a.  O.  @.  130. 

*)  9to*  ber  9Rrinung  fjolrf«  ift  unter  bem  «u^btudP  wein  ß&tifc  ber  «e^t 
■»Sa^r^fft  tleH*  bet  Warne  brt  ©etfaffer«  »erborgen,  nftmU^  enhwber  (S^rl^lan 
*•  Ü>enborf  ober  <S^r^fan  »on  SßebberfoV. 


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38 

pljte  Sfafotberungen  geftettt  werben  foHten,  behält  e8  ftdfj  bie  @r» 
Jjebung  au&etotbentUd&et  abgaben  vox.  2fod>  nrirb  ben  Untertanen 
ba«  ©olle  @igent§UTn8ted&t  auf  i$te  §ufen  jugeftonben,  fo  wie  bie 
SBefugnifc,  fte  nadjj  eigenem  Srmeffen,  nrie  e&tynen  jtoedfmäfeig  fd&eitte, 
ju  beroittyfd&aften.  5Die  einzelnen  ©efHmmungen  be«  Serglei^  taflen 
in  fo  manhigfad&etSBejiefymg  bamaltge  Sier^ältniff e  erf ennen  unb  auf 
frühere  ptttdtfd&Uefeen,  bafc  e«  ^edm&fcig  erfd&ien,  i^n  (aU  Seitage  2) 
#er  Dottfiänbig  tnttjutljeilen. 


»eUage  t 

ierjeüfynifi 
ber  Pitgürter  be*  fUbekifffcen  Pomraptttlf  bei  ber  llupfung  beffelbrn. 

(*Rad>  bem  ©ffööfRd)  Sü&edHfdjen  <Staat«falenbet  »cm  3.  1803.) 

******  pcÄn*. 

gtiebti^  ßubrotg,  ©raf  t>on  SRottfe,  ßön.  S>äntfd&er 
©eljeimer  SRatl),  be«  S)atmebtog*Drben«  Stifter,  ©edjant, 
Officialis  be3  8if<$of£,  Cantor  et  Scholasticus    .    .    .      1756 

Dtto Don Slonte, Äön.S)äntfd&er ©eljetmet 9tot^f  Äammer* 
&err,  ©eneralabjutant  unb  Dberfi,  be3  ©ep^anten^Drben* 
Sftitter,  erbtjert  auf  §eiligenflfibten,  Jöedhnünbe,  Sed^of, 
Santpen  unb  »fittel 1743 

Soljann  Subung,  9leid^taf  aon3Batlinoben'@tm* 
born,  Äön.  ©rofjbritannifdjer  unb  e^urbraunf^ioeig* 
£ttneburgtfdj>er  getbmatfd&aH ,  6$ef  be«  Seibgarbetegi* 
ment«  unb  Dberjtollmetfier 175 1 

G^rijtopl)  von  8ud&n>alb,  Äön.  Dänifd&et  Äammer^err, 
Commensalis  be8  SBifdf)of$,  Thesaurarius  et  Structuarius 

Ecclesiae,  ©rb^err  auf  #etmjtorf 1758 

@rjtet  Distinctus:  Slbotp^  grtebrid&t>on2Bitien* 
borf,  Äön.S)änif$erftammet^etrf  ©ompropji,  6rb» 
§err  auf  Sßefienbrügge  unb  ©reffoto 1760 

äbolpfc  @l)tiftian,  Stetc&Sgraf  aon  Saffetoifc,  §er* 

jogtid^  SRedftenb.  Sd&raermifd&et  Äammerljerr   ....      1764 

aRajimilian  2Ue?anber  3ofep§,  gfreü&err  non  Äurj* 
rocE,  gfirft4Bifd&öfIid&er  ©<$lof#auptmann,  etflet  Catho- 
licus 1765 


Digiti 


zedby  G00gk 


39 


Tempni 
possessionis. 


granj  Subtotg,  ^rei^err  t>on  ipitoelt,  Äött  Sßmt&ifdjer 
Jtamnetfjett 1765 

fjani  da&pat  von  %ülowt&atibqföfc§tfyn*<£afid\tyx 
Äaatmerijetr,  (grWjetr  auf  Äugten 1766 

Otto  6^tiftiottf  greifen:  *on  ©tengltn,  ^etjoglid) 
9WHenburg*©^ioeri«if^er  Äammer^etr 1771 

Scotg  Sontab  von  SBebberfop 1774 

IntegratL 
SBiUjelm  6arl  ftetbtnanb,  ©raf  aon  SK^tefelb    .    .      1775 
Otto  3oa$im,    ©taf  von   2Rottfe,    Äön.  S)antfd>et 
Äaimnerljerr,  ©tiftöamtmann  ju  ©jrifiianfanb  in  9fcoi> 

toegen 1776 

Kagnu«,  ©raf  Don  ©etnati),  Äön.  ©änifd^et  Äammeti&etr     1777 

Semi-IntegratL 
^weiter  Distinctus:  Sodann  Steigert  von  SWcfl* 
madjet,  8btffi{$  Äaifettt$et  ©efjexmet  9tat!)  .    .      1777 
5ö5ann  «aptifi  »topfiu«,  8*ei<$8gtaf  t>on  @bttng, 
^#$t$^9fingiföet@e tftli$er 9toty;  jtoettet  Catho- 

licus 1779 

Stogujt  SBitljelm  gtanj,  Stetd&Sgraf  auSftanfcoro,  fjftrft» 
Stfdjöflid)  öfibetfifäet  Sanbtaty  unb  Sfaitmann  be«  Statte« 

Äaltenljof 1784 

3ol>atm  ©eotg  Sttnolb  von  StofeS 1785 

WagnuS  fjfttebtid),  Steid&Sgtaf  t>on  Volmer  ....  1786 
Garl  Äugufi  @^ri^ianf  ?ßrinj  von  2Re<fienbutg*©d>tüerin  1789 
Seotg  SBil^elm  ®tnji  »ugujl  non  bem  SBu«fd)e  .      1794 

Canonici  in  herbiß. 
Ibolpt)  ß^riflian  Ultidj,  3tei<$8gtaf  non  Safferoifc  .      1795 
t|tiflop$,  ftttfyttt  *on@tmenborf,  btitter  Catholicus      1795 
latcell  von  bet  S)e<Ien,  vierter  Catholicus     .    .    .      1797 

Stiebti^  äuguft  ££eobor  von  Äodfj 1797 

dritter  Distinctus:  Gontab  SRein^arb  von  Stofy, 
be*  fctt.  mm  3teM&S  Stittet,  $od&fürfHü$  »ifööf* 
lidjet  «mflü^et  ßonfetenjratl)  unb  betJoHmädjtigtet 
SRittijlet  am  SfWmifd)  Äatfcrli^en  $ofe  unb  bei  bet 
StoidjSperfammlung  in  9tegcn^burg 1797 


Digiti 


zedby  G00gk 


40 


Tempus 
possessionis. 


SWartin,  gretljerr  von  (Selfing 1801 

©^riftopf)  Qtinxiä),  ©raf  t>on  $olflein     ....  1801 

Gatt  SBolf  Ulridfj,  gteüjerr  t>on  ©tenglin     ....  1802 
SSiertet  Distinctus:  vacat. 


»cttagc  2. 

Mergtetd)  be*  Jtomcapitels  mit  be«  Untertanen 
oorn  21.  «rtober  1793. 

©emnad)  jTüi^en  @inetn  §od)n)firbigen  £>ot)m*@apitul  ju  Sübed 
unb  bcffert  Untertanen  in  ben  ©apitute*  unb  5ßicarien*S)örfettt  lange 
Saljre  jjmburd)  t)erfdöiebener  fünfte  falber  Surtfi  unb  Srrungen  nor* 
gehaltet,  roeldje  aud)  an  ©in  ijöd&fipreiSlidje«  föeid»3*<Sammergeridjt 
gebieten ,  hierauf  ber  ^odjroürbigfte  unb  3)ur<$(au<$ttgfie  gürjt  unb 
§err,  £err  $eter  griebridf)  £ubtoigf  33ifd)of  ju  Sübed,  <£rbe 
ju  3fom>egen,  £erjog  ju  ©djteSmig,  $oljtein,  ©iormarn  unb  ber 
2)Uf)marfd)en,  £erjog  unb  9iegierenber  2lbminiftrator  ju  Dlbenburg  2c 
bem  a  Reverendo  Capitulo  nadj  bem  enttoorfenen  $tan  Sr.  6? cettence 
unb  £odEjnriirben  beä  §errn  ©efjeimen  9latf)eS  unb  Decani  griebricfc 
Subroig,  ©rafen  von  SDloltf ef  be£  2)annebrogg OrbenS*9Utter  ic. 
gefaxten  unb  mehrmals  geäu&erten  feften  33orfafce,  alle  t>on  ben  SSor* 
fahren  Ijinterlaffene  innere  ©treitigfeiten  burd)  Verträge  ju  been- 
bigen,  unb  ben  gefatnmten  Untertanen  9lu$e  unb  Rieben  ju  fd^en* 
fen,  burc$  ^ulbreidöfte  Sttnorbnung  einer  igodfrftirftUdjen  ßommiffiott 
gnäbigfi  ju  ftatten  ju  fommen,  geruhet  traben ;  at£  finb  in  Verfolg 
betreiben  unb  bur<§  bie  unermübeten  Semüljungen  be3  genannten 
Jperrn  ©efjeimen 9tat^e$  unb  Decani  ©rafen  Don  WloltU  (Sjceflence 
unb  £od)nmrben  alle  unb  jebe  Errungen  gehoben,  unb  ift  ba3,  u>a8 
jimfdjen  ben  Ferren  £>eputirten  @ine£  §od>rofirbigen  ©omcapttelS, 
$erm Capitulari Dtto  ßljriftian  greil)errn  t>on  Siengltn,  &etr 
Syndico  ©eorg  griebri<$  $u$f}olt}  ^U. D.  unb  &etr  3fufK^ 
atmtmann  griebrid)  ©ort  6d)noor  für  jeftige  Ferren ©apitutaren 
unb  beren  Ferren  Successores  an  einem  —  unb  ben  SDorffd^aftcn 
Qawtn,  Probten,  ©rammelftorff,  Eötenborf,  SBarnfiorff,  SRtenborff, 
©neoerftorff,  3foenborff,  £ed>au,  £orfiorff,  9lol>tfiorff,  großen  Sßarin, 
groß  unb  Kein  Siramenborff,  #eramelftorff,  Sßanfiorff,  SBeffefe,  £e<$el* 


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zedby  G00gk 


41 

wfc  &f$enborff,  StelHn,  £amberge,  £an«felbe,  Hein  $artn,  SBulf* 
Nf,  6at4nri|  unb  ©d&firftorff  burd)  Ujre  legitimirte  ©enolhnäd&ttgte 
JtojjntettS:  §inridj  griebridj  ©rammer  jlorff  für  HeinSßarin, 
-pm#arffr  SButfflorff  unb  brei  §ufener  au«  ^o^nftorff,  i$tt  fclbfi  mit 
emgef^loffen, 
Srenb  SBerner,  für  Probten,  SRienborff  unb  SUmuS  Ära^n 

{um  §amn, 
$eter  2e|mfu$t,  für@rammelflorff,  Oneoerjlorff  unb  SSarnftorff, 
»renb  SBeutfcten  für  $ötenborff, 
SoljannSlöderfür  grofc  unb  Hein  Ximmenborff ,  $emmeljiorff 

unb  ^anftorff, 
$etleo  griebr.  Äodj   für  9teltin,  SBeffecf,  £e<$eluri&  unb 

Sefcfjtnborff, 
$an$  #inrid>  Satenborff  für  Xed&au,  für  9to#ftorff,  grofjen 

$arin,  #amberge,  $an$felbe, 
»tttcu*  @t>er«  für  Soenborff, 
§attS  e^riflop^  ©dfjltdjting  für  bie  35icarien*2eute  in  2Bulf* 

Nf  unb  für  ©ardn>t| 
a»  AHiern  Steile  enblidj  feftgefefct  unb  vereinbart  roorben  ift,  in 
m<#e$enben  feften  unb  unabänberltdfjen  Sergleic^  wrfafct  roorben. 

I.  fiagettteittt  Ranfte« 

§  i. 

(Sontributiond'^unct. 

©ne  jebe  Jpufe,  bie  bteljer  afe  eine  noUe  &ufe  gefteuert  fyrt, 
työljlt  ©nem  &o<$n>ürbigen  2)ol>m*©apitut  ^infüfiro  aUjäljrlid)  ftatt 
bet  bisherigen  orbinairen  unb  Sogenannten  ejtraorbinairen  Gontri* 
dttian  ad&tjeljn  9tei<$$tf>aler  gangbarer  SDtfinje,  bie  als  breitriertel, 
Wk,  triertet  unb  a<$tet  $ufen  bid^er  contribuiret  $aben,  bejahten 
tri}  biefer  Proportion. 

-  $iefe  ©umme  ber  ad&tjetin  9tei<$8tl)aler  fann  ju  ewigen  Seiten 
*fy  oeränbert  unb  erl)öl}et  werben. 

Segen  ©mpfang  biefer  Kontribution  werben  von  6.  §o<$n>firbi* 
WÄo^Capitul  äße  unb  jebe  öffentliche  btötyer  non  ber  orbinairen 
«Sogenannten  ejtraotiinairen  Kontribution  abgehaltene  ausgaben, 
tifefft  Stammen  tytixn  unb  erhalten  mögen,  ofjne  einige  Ausnahme 
Mhtoen  unb  abgehalten. 
\^u^  übernimmt  @.  £o<$n>ürbige*  ©ofyiuKapitul  alle  auf  ber 


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4& 

SonttibutUm»'6affe  ^oftenbe  ©Bulben  unb  bejaht  fold^e  ofcne  einige« 
3ut^un  ber  Untertanen  au«  eigenen  ÜRttteltt 

S)a«  bisherige  Stentegetb  ber  t)let  9teid>«tl)aler  per  $ufe,  wo 
unb  t)on  wett&en  fold>e«  bejaht  worben,  ift  unter  ber  vereinbarten 
Summe  ber  18  *?  ebenfall«  mit  begriffen,  unb  ber  $unct  ber 
§au£briefe,  baß  @.  £od)würbige«  2)ot)m*Gapttul  in  ben  Srben  200  n$ 
fielen  $abe,  für  immer  aufgehoben  unb  abgejtefft  9ttd&t  weniger  ifl 
unter  obiger  ©umme  ber  18  *fi  baSjenig^  wo«  bisher  non  @ine£ 
§o^tüürbigen®of^^gapttul2anbe^3lnt^eto  wegen  etwa  ju  gewöhn* 
liefen  9tei<$«*  unb  flrei8*©teuern  erlegt  wirb,  namentlich  mit  einbe* 
griffen. 

©outen  aber  neue  unb  aufjerorbentUd&e  Sfteid)«*  unb  Ärei* 
Steuern  ober  93ifd)öftic^e  ®^aritatio*®elber  aufgetrieben  werben; 
©o  wollen  jwar  bie  Untertanen  fid>  be«  SJettrag«  nü$t  entlegen, 
e«  witt  aber  @.  $od)würbtge«  S)o^m^@apitut  ben  Untert&anen  bie 
(grforberni«  unb  bog  befttmmte  SRaa«  eigentfüfc  unb  au£brü<fi$ 
funb*  unb  nafynljaft  mad&en. 

©ie  auf  befonberer  SSerabrebung  beru^enbe  unb  bie  reitenben 
görfter  betreffenbe  abgäbe  oon  einem  falben  9tei<$«t!jater  ifl  in  bie 
©umme  ber  18  *P  ntdjt  mit  einbegriffen. 

©ie  Entrüstung  ber  18  *$  per  §ufe  gefaxt  ja^rtid^  in  jtoei 
Terminen,  nemß<$  ÜRa^tag  unb  äBeÜjnad&ien,  unb  wirb  mit  ber  8e> 
jaljlung  in  bem  erften  SRaptagS^  unb  SSBei^na^tÄ^termine  nadj  ge* 
fdjloffenem  unb  a  Roverendo  Capitulo  rattyabtrten  gegenwärtigen 
Stergletdje  ber  Sfafang  gemalt. 

S  2- 

Gigent^um  ber  Rufern 

®tt  #od>würbige«  2>o§m*gapttul  gefielt  ben  in  biefem  SSergleW&e 
begriffenen  Untertanen  ba«  nu|bare  ©gentium  i&rer  #ufen,  unb 
ifl  fettige«  nugbare  ©gentium  ben  Untertanen,  tywx  erben  unb 
9ta$folgern  ate  ein  für  allemal  aufgetragen  unb  überlaffen  anju* 
fe^en. 

®rt  jeber  £au«wirtl)  &at  freie  3Ra$t  unb  ©ewalt,  feine  #ufe 
ju  oerfaufen,  ju  oerpfänben  unb  barüber  unter  ben  ßebenbigen  unb 
auf  ben  $obe«fall  ju  galten  unb  gu  walten,  bo$  lönnen  bie$ufen 
an  feine  Sbtidje,  in  STOilitairbienfien  ober  in  einem  fremben  ©ärger 
nexu  fxd>  beftnbenben  Seute  oeräufcert  werben. 

3tod&  foOen  alle  Veräußerungen,  fo  wie  SJerpfänbungen  (wenn 


Digiti 


zedby  G00gk 


43 

&&teebe*8orre<$t8  eines  gertd&ttofcnUnterpfonbe«  getüe&en  foOen) 
®nem  §o<$würbigen  ©obm*@apitul  ober  ber  untergeorbneten  Dbrtg* 
feit  jox  Konfirmation  vorgelegt  werben,  roeldje  jebod>,  wenn  bie 
^mtong  foitfi  redjtabejiänbig  ifi  unb  von  feinem  ©ritten  SJÖiber* 

!>rud)  eingelegt  wirb,  ben  gonfen*  unb  bie  Veftätigung  nie  ver* 

weigern  woEen. 

S  3. 
Erbfolge  in  ben  f  ufen. 

fcamlt  and)  bei  ben  Vererbungen  bet  #ufen  bie  Untertanen 
eineStljeite  wiber  atte  wittfü&rtidje  Verfügungen  für  alle  3ufunft  in 
Sidjerijeit  gefe$t,  anbemt^eite  fie  unter  fid)  foviel  als  möglich  für 
Streitigfeiten  bewahret  werben,  f  o  wirb  feftgefefct : 

1)  S)er  Vater  $at  ba«  3ted>t,  unter  mehreren  ©ötyten,  ober, 
wm  lerne  ©öfyte  vor&anben  finb,  unter  mehreren  $öd)tem  ju  be* 
itanen,  wer  t>on  ttmen  bie  §ufe  übernehmen  foH. 

2)  SBa«  <w$  ber  Vater  in  Stnfeljung  ber  Slbfinbung  ber  übri* 
jtn  Änber  av&  ber  #ufe  verorbnet,  babei  fyxt  e«  fein  Verbleiben. 

>)Sud>  fjat,  wenn  ber  Vater  verftorben  fein  fottte,  eine  3Jtutter, 
m  wdfyx  bie  Jpufe  ^errfifjret,  in  «nfeljung  ber  beSfallftgen  Ver* 
wimung  mit  bem  Vater  gleite  Siebte. 

4)  Söenn  ber  Vater  ntd&tö  verorbnet  l>at,  fo  verbleibt  bie  $ufe 
ber  bisherigen  Dbfetoanj  na<$  bem  jüngften  Soljn,  ober,  wenn  feine 
68§ne  vorfjanben  finb,  ber  jüngften  Softer. 

5)  SBorüber  ftdjj  alsbann  bie  Äinber  unb  ber  unmünbigen  Ätn* 
ber  Sormünber  ber  Slbfinbung  falber  vergletd&en,  babei  ^at  e$  fein 
Skwenben. 

6)  Äönnen  fte  ftdfj  ni$t  vereinigen,  fo  übernimmt  ber  änne^mer 
jafSrberjl  bie  $ätfte  aller  auf  bem  (Srbe  baftenben  ©Bulben. 

7)  atebamt  werben  ©ebäube,  Viel)  unb  gfa^rntfc,  ade«  Sder* 
pit|e,  wie  aud)  Sinti,  Äupfer  unb  SKeffing,  fo  jur  §au$b<rftung 
ftfeig,  tayirt,  unb  bie  anbere  $älfte  ber  auf  bem  <£rbe  baftenben 
6|rib  wirb  von  biefer  Xayation  abgezogen. 

8)  Von  bem,  wag  ben  Velang  ber  Sajatton  nad&  foldjergeftalt 
#|ogenen  &atfte  aller  ©djulbcn  auSmad&t,  befommt  ber  Slnne^mer 
frtÄe«  SJjeil  gleid>  ben  übrigen  Äinbem. 

***)  88cnn  außer  ber  $ufe  baareä  ©elb  unb  belegte  Sapitalien 
*|wben  finb,  fo  verbleiben  biefe  Vaarfäaften  unb  belegte  (Selber 
te»  ttrigen  Äinbem  fo  lange  attein,  afe  fte  nid&t  bie  Jpälfte  ber 
**&m  be«  ®rbe«  überleiten. 


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zedby  G00gle 


44 

10)  ©tob  aber  meljr  baare  Selber  uttb  auSfteljertbe  Kapitalien 
oorljanben,  al«  bie  $ätfte  ber  Station  ausmalt,  fo  befommt  ber 
änneljmer  von  biefett  übrigen  an$  feinen  &inbe*t$eil. 

11)  33on  ben  ÄletbungSftfiden  unb  übrigen  SReublen,  fo  nidjt 
jur  Haushaltung  gehören,  unb  t>on  bem  eingebrad&ten  ober  ererbten 
Oute  ber  ÜRutter,  befommi  ber  Snnetyner  iebe^eit  feinen  gebfiljrem 
ben  Snt^eiL 

12)  SBenn  audj  nad>  ber  (Sltern  Sobe  ber  jttngjie  ©oljn  uer* 
ftirbt,  e^e  i^m  bie  ©teile  übergeben  warben  unb  er  fle  würflig 
angetreten,  fo  tritt  ber  unmittelbar  oorljergeljenbe  Stuber  in  be$ 
t>er{lorbenen  Sterte.  SBenn  (eine  ©ruber  wr^anben  finb,  wirb  eS 
mit  ben  Softem  eben  alfo  gehalten. 

13)  5Da  audj  ber  jüngfle  ©o^n,  ober,  wenn  feine  ©ö$ne  m* 
Rauben,  bie  jttngjie  Softer  ba«  @rbe  nidjt  annehmen  wollte,  fo  tritt 
ber  nädtftjüngfte  Sofcn,  ober,  wenn  feine  ©ö&ne  uorfymben,  bie 
näd&ftiüngfle  £od)ter  in  bie  ©teBe,  unb  finb  fettige  afebann  befugt, 
unter  gleiten  Sebingungen  ba*  @rbe  ju  übernehmen.  SBenn  bemt 
überall  fein*  uon  ben  ©efötoißern  ba«  @rbe  antreten  miß,  fo  fötnmt 
bajfelbe  jum  öffentlichen  SSerfauf. 

14)  6in  ©tiefoater,  bem  ein  ®rbe  auf  gemiffe  ^a^re  eingetjw 
wirb,  mufe  baffelbe  na<$  bem  aufoune&menben  ^noentario  unb  bet 
Station  übernehmen,  unb  ftöfj  wegen  feiner  SSoIpijaljre  unb  jälft< 
li$en  Slbgaben  mit  ber  Äinber  SJormünbern  uereinbaren. 

15)  Qn  ermangelung  gtttlidjer  SSereinbarung  ijl  ein  ©tiefoater 
bie  jQätfte  beffen,  wo*  bie  $ufe  iä&rlid)  na<$3lbjug  atter  Saften  ein* 
bringt,  nad)  unpartljeiifd)er  SDtänner  Ration  abjugeben  fdjulbig. 

16)  äöenn  bie  3Bol>njal>re  be$  ©tiefoater*  um  fmb,  fo  wirb 
aUe*  oon  neuem  tajrtrt,  unb  ift  er  aisbann  bie  ftd)  befinbenbe  SSer* 
ringerung  au«  eignen  3Ritteln  ju  bejahen  fdjulbtg,  ober,  wenn  er 
fonft  feine  bittet  $at,  wirb  if>m  ber  »bgang  an  feinem  «ttent&eil 
becurtiret 

17)  Sei  einer  ooHen  $ufe  ift  ber  ©ttefoater  200  $  einjulegen 
fd&ulbig.  SSerbeRerung  an  ©ebäuben,  bie  jtd>  bei  feinem  Slbjuge  be* 
finbet,  wirb  tf)m  nidjt  gut  getrau,  hingegen  bie  an  S8ie|  ober 
fonfiigen  ^noentario  fxd)  fmbenbe  SSerbefferung  witb  i&m  mäf  ber 
Sajatiou  vergütet,  wogegen  er  benn  au$  in  feinen  legten  SBoIpt' 
jähren  fi#  einer  SBeräufcerung  ber  befien  3nnentarien*@tüdten  ent* 
galten  mufe. 

18)  3lu<$  ift  fein  ©tiefoater  beredjtigt,  ofote  ber  ajormitobet 


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46 

Sonwffm  unbSJenrittigung  me^r^olj  ju  flauen  oberSorf  jufted&en, 
ctt  er  jum  3aunen  unb  jur  Deutung  nötfjig  Ijat 

19)  SBei  oorfotnmenben  Stationen  ftctjt  bie  2ßaf)l  bcr  unpar* 
#mföen  äRanner  lebiglity  bei  ben  Sßartljeien. 

Skid  in  biefem  paragrapho  t>on  bem  jüngfien  @of)ne  unb  ber 
jüngfien  Softer  gefagt  roorben,  ift  an  ben  Drtfd&aften,  n>o  na<$  btS* 
^ctiger  Dbferoanj  ber  öltefte  ba«  6rbe  erhält,  Ijliernadf)  ju  mobifU 
ctctn. 

§4. 

93enufcung  bet  <&ufen. 

6mem  jeben  $auSn>irtf}  fte^t  aufs  uoflenfommenjte  freg,  eine 
§ufe  mit  aßem  3ubef)öc  nad&  allen  SBortljeilen,  bie  iljm  bie  SRatur 
unb  bie  Sage  anbietet,  ju  nu|en  unb  ju  gebrauten,  aud&  fo  wie 
bie  SBnrt^ftöart  fidfj  nadf)  unb  nadf)  Deranbert,  afle  beliebige  33er* 
änbetungen  n)üBü^rli^  unb  o^ne  ©ntgelb  üorjuneljmen. 

8ur  grletd&terung  biefer  Senufcung  t>erfprid&t  ®.  §od&roürbige$ 
^»4apitutf  ba£  auf  ben  SldEern  unb  SBiefen  aud)  in  ben  Änidfen 
taÄatatffanen  nodfj  jerftreut  befmblidjje  §arte  $olj,  fobalb  eS  itgenb 
tywtfidjifi,  DöDig  tyinroeg  ju  räumen,  benfieuten,  bie  ein,  jroep  ober 
##en*  breg  einjelne  Waumt  o§ne  Unterbufö  auf  tyren  2ldern  unb 
SHejen  fielen  tyaben,  nadjj  äBegfdfjaffung  berfelben  ben  $lafc  unent* 
8*Wid>  ju  fibertaffen,  mit  ben  übrigen  aber  fidf)  beS  ben  $ufen  ba- 
tet^ jutoadfrfenben  2anbe8  falber  ju  oergleid&en,  unb  benen,  mit 
weiden  e$  be$  greife«  wegen  einig  werben  f ann,  baffelbe  Ijarte  ipolj 
tu  verlaufen. 

SRäd&ji  biefem  ift  ein  jeber,  ber  entroeber  gar  fein  Sufdfjlanb* 
rtatt,  ober  beSljalb  ftd&  bereit«  t>ergtidfjen  f)at,  ober  nodf)  oereinbaren 
*W>,  befugt,  auf  feinem  ©rttnb  unb  Soben  ju  feinem  9tu^en  partes 
fytl  nadf>  ©efatten  aufjujieljen ;  6$  ift  mithin  aud&  ein  jeber,  ber 
ta*  «uf  feinen  Sänberepen  befinblid&e  ijarte  $olj  auf  bem  Stamme 
«t  fu&  fauft,  baffelbe  flehen  ju  laffen  berechtigt. 

SDiejentgen,  bie  bis  jefct  fein  partes  Jpolj  in  i$ren  Änidfen  fielen 
Wim  ober  fein  Änidfengelb  geben,  finb  in  ber  golge  Änidfengelb  ju 
v&tyx  nid&t  föulbig. 

;.  Semt  jemanb  neue  Äatljen  auf  bem  Seinigen  anbauen  miß, 
fc$$  er  bauon  bem  ©erid&te  9tod&rid&t  ju  geben  fdfjulbig,  unb  fott 
4||sp  erhaltener,  unb  o&ne  bie  er^eblid&fien  Urfadfjen  nid&t  ju 
MMgeatber  unentgelbltd&en  @rlaubni$  t>on  ben  2Rtetfy8teuten  nur 
t£N$$*fe*  mb  Sertittetegelb  erlegt  u>erben. 


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46 

UebrigenS  Rotten  jeboc^  ine  Jpufen  in  intern  je^igen  SBefen  Wei* 
ben,  unb  ot>ne  befonbem  ©onfenS  @.  §od&toürbigen  5)ol>m*6apttute 
nid^t  geteilt  unb  jerflüdEelt  tuetbett. 

abgaben,  ©elbabgaben. 

S)ie  büS^er  non  jeber  $ufe  abfonberlidfc  jä^rlid^  gereiften  ®elb* 
Säbgaben  bleiben  nadf)  toie  oor,  bod^  tonnen  fetbige  ju  enrigen  3riten 
nid&t  t>ermel>ret,  neränbert  nodf)  erljötyet  werben.  2lu<^  fott  einem 
jeben,  xoaS  er  jctyrtid)  non  feinen  ßänberepen  ju  entrüsten  £at,  in 
feinem  £au$briefe  eingerücft  toerben. 

S  e. 

Abgaben.    Naturalabgaben. 
3n  $infid&t  ber  bte  jefct  oon  ben  Untertanen  in  natura  ge* 
lieferten  ©änfe,  &i$ner,  6ier,  SButtcr  nnb  $afem  fjoben  bie  jubiefcn 
Slbgoben  Sßfltd&tige: 

für  ben  ©Reffet  Jpabern 24  |S 

für  bie  ©an« 16  „ 

für  baä  Qvfyn 8  „ 

für  jebeö  $funb  »utter 5  „ 

für  4  6ier l  „ 

geboten  unb  ifi  biefe«  oblatum  von  einem  $od&nmrbigen  2)oljm< 
ßapitul  angenommen,  anbeg  aber  fefigefefet  toorben,  baft  biefer  Sßretö 
nur  für  bie  nädrften  50  $afyct  beibehalten  werben  foD,  unb  bafj 
fobann,  toenn  bie  Untertanen  bie  genannten  Praestanda  ntd&t  roieber 
in  natura  liefern  wollen  (in  welchem  gofle  ber  ipafern  bod&  mdjjt 
anbete  atö  nad&  richtiger  Sübedfiföer  SDta&e  geliefert  wirb)  ein  neuer 
SßreiS  unb  jroar  nad)  bem  5)urd&fd&nitte  be3  in  ben  legten  10  3atpen 
getoefenen  2Rarftpreife«  ober  fonfi  nertragSioeife  ju  beftimmen  ifi. 

S  7. 
5D  i  e  n  ft  e. 

$>ie  bisherigen  SHenfte  toerben  ofyte  Unterfdfjteb  aufgehoben 
unb  ^infü^ro  ju  eioigen  3*itai  unb  unter  roeld&en  ^Benennungen 
e$  au$  fei,  leine  SHenfie  roieber  eingeführt. 

©teidfc  toie  nun  bie  2lrt  unb  2Beife,  wie  bie  S)ienfte  abgemalt 
roorben  unb  xoaS  bafür  erlegt  wirb,  im  näd&fien  SBbfd&nttt  begriffen 
iß,  au$  bie  SHenfte,  bie  bisher  ju  ber  ^ubberßorffer  2Wü#e  foroo^l 


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47 


ab  tot  Hein  SSrnmenborffer  2Rfil>len  unb  gif$ereien  geleitet  morben, 
unter  biefer  SUmtadjung  mit  befangen  finb,  alfo  tyxt  @.  $odjioüTbig. 
2)o$m4apitul,  in  specie  mit  ben  SRüEent  unb  giföern,  aud)  ben 
fiörfan,  wegen  be«  fünftigen  Stögangg  ber  3)ienfie,  in  fofeme  fotd^ed 
ni$t  bereits  gefd^e^en,  fu$  ju  üereinbaren. 

2)o<$  jmb  biejenigen  SHenjie,  bie  bep  attgemeiner  Sanbe«  SRofy 
fimftig  erforberlidj  fein  mögten,  unb  bie  unmittelbar  tum  eignen 
8ejten  ber  2)örffd>aften  gereuten,  als  S)ienfte  ju  SBegebefferungen, 
ioo§u  bod&  gurren  ju  SBegebeftd^tigungen  nid^t  ju  rennen,  £)ienfle 
ju  Äirdjen*,  Sßfarr*  unb  ©<#ulgebäuben,  roenn,  roo  unb  wie  fol$e 
Malier  fiatt  gefunben  tyaben,  in  biefen  Sergleidj  ni$t  -mit  einbegriffen 
unb  bleibt  e*  o^ne  Steuerung  unb  SBeränberung  barinnen,  nrte  eS 
bep  jebcr  einjelnen  Drtfd&aft  bisher  gemefen,  eS  miH  aber  @.  §0$* 
wifcbigeS  S)o^nt*6apitul  baS  jur  Unterhaltung  ber  öffentlid&en  SBege 
tatJtyijjte  Ijarte  §ol$  nod)  weiter  ju  reiben,  ftdj  nid&t  entlegen. 

ffier  in  feinen  $ßrtoat*Sad)en  unb  ©treitigfeiten  ber  ®eri$t8* 
kirnen  bebarf,  if*  aus  eigenen  Mitteln  für  bie  gurren  ju  forgen 
galten. 

S  8 

6in  $od)tofirbige$  S5oljm*®apitul  übernimmt  bie  Srhninal* 
Unfoffen,  ober  bie  bep  SRalepj'gällen  attertep  ärt,  tobt  gefunbenen 
Äfopern,  Ärreftationen  u.  f.  f.  t>orfattenben  Äoften  in  tyrem  ganjen 
Umfange  auf  immer  unb  befltänbig,  unb  giebt  ben  Untertanen  bie 
SetfW&enmg ,  baf?  üjnen  nie  beStyalb  etwas  angemutet  unb  abge* 
fwbert  werben  foHe.  $>od)  wollen  bie  Untertanen  ben  Transport 
kt  arretirten  Sßerfonen  nadj  ©enin  ober  fonft  einem  ©efängniffe  in 
«taem  6apitulS  2)orfe  für  16  ©djUlinge  per  äReiie  wranfialten,  aud& 
te8ewad>ung  na$  geföe&ener  änjeige  beS  Vorfalls  ju  ad&t  ©djilUnge 
fyjelo()n  für  jeben  3Rann  beforgen.  2)ie  Erlegung  beS  2Bad)t>®elbeS 
l*ita<$  t>erftoffenen  breimal  24  ©tunben,  nad&bem  bie  Sfojeige  ge* 
fWen,  ben  Anfang  nehmen. 

abjug«*@flb. 

«•StaSÄedjt  beS  3lbjugS*®elbeS,  ober  beS  3e§nten  ^Pfenning»  will 
•%$würbige3  S)o$m»eapitut  nid^t  anberS  als  gegen  biejenigen 
fil^etten  ttben,  bie  bergleW&en  von  ben  irrigen  fid&  in  beS  SapitulS 


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48 

©ebiet  SJegebenben  nehmen,  %u$  will  @.  Jpod&wttfbige*  ©oljnt* 
Sapitul  mit  ben  benachbarten,  fo  Diel  tyunlidf),  bie  gänjlid&e  wed&fel* 
fettige  Slufyebung  be3  3lb}uga>©elbe3  auSjumadden  fud)en,  unb  auf 
atten  gatt  foU  ben  oh*  unb  jujieljenben  2JUetlj$leuten  niemal«  ein 
2lbfdjofe  abgeforbert  werben.  Uebertyaupt  fott  e$  mit  bem  StöjugSgelbe 
beij  bem  £erfommen  gelaffen,  unb  über  baffelbe  nid^tö  neues  einge* 
führet  werben. 

S  10. 

@emein*2Beiben.    SDotfpläfre. 

S3on  ben  ju  jebem  3)orfe  gehörigen  gemeinen  SBepben  unb  freien 
ptöfcen  fott  ijmfü&ro  oljne  ber  ©orffd&aften  3ufrieben§eit  unb  8e* 
wittigung  nid&tö  weiter  entjogen  unb  veräußert  ober  anbete  angewanbt 
werben.  SHe  übrigen  beS  ©ergangenen  falber  hierunter  twrgebradjten 
SBefdfjwerben  finb  von  ben  Untertanen  jurfidfgenommen,  bod&  wirb 
baS,  wa«  6.  £od&würbige$  3)oljm'Gapttul  ben  ©ingefeffenen  in  9lien» 
borff  unb  Sßanftorff  aufliegen  laffen,  unten  vorfommen. 

S  11. 

SWonopclien^b  Teilung. 

©leid)  wie  6.  ipodfjmürbigeS  $ol)ttu@apUut  fid)  baS  obrigfeittidje 
Sfled^t  Privilegia  ju  erteilen  vorbehält ,  atfo  will  baffelbe  bodj  bei 
beren  ©rt^eilung  auf  ba£  allgemeine  SBefte  feigen  unb  felbige  nid^t 
in  monopolia  unb  >  jur  Sefd&rcmfung  bittiger  natürlicher  $ret$eit 
ausarten  laffen,  unb  fotten  bur<$  beren  ©rt^eilung  bie  Untertanen 
nid&t  befd&meret  unb  gebunben,  ober  fold&e  mit  feinem  Zwange  Plt 
ledere  vergefettfd&afat  fein. 

Qnfonber^ett  fott  ben  Untertanen  frct)  unb  unverwelpet  fein, 
jum  93ebürfni£  ifjrer  eigenen  §au«^altungen  Sier  ju  brauen,  audj 
für  ü)re  Haushaltung  ftdfj  baS  ffiorn  auf  einer  üuerre  ju  mahlen. 

3n  fo  weit  biefe  SSefugniffe  aber  anbem  fd&on  vorhin  erteilten 
Verlegungen  wiberfpredfjen  (von  weldjen  ben  Untertanen  bie  @j* 
tracte  mitgeteilt  werben  fotten),  muffen  ledere  fid&  bis  jur  @rlöfd&ung 
biefer  Privilegien  gebulben.  ^tbo6)  fotten  felbige  Privilegia  aisbann 
aud&  nid^t  verlängert,  nodj  von  neuen  ausgeweitet  werben,  fonbern 
bie  natürltdfje  gretyeit ,  ftdj  ber  Querre  jum  eigenen  §auSl)altungS* 
©ebraudfje  ju  bebienen  unb  SBier  jum  eigenen  ©ebraud&e  ju  brauen, 
unentgelblidj  an  bie  ©teile  treten. 

3Kit  benSWüttem  fott  regulirt,  unbtljnen  eine  SSorf d^rift  gegeben 


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49 

fie  an  ©elbe  ober  an  2Jtatten  von  jebem  Steffel 

bisherigen  SWufifanten  unb  ©djweinfdjneiber  Sßrurilegia 
^ifl  nid^t  von  neuem  wieber  ausgeteilt  werben, 
eil  permöge  biefeS  Paragraphi  bie  9tufcung  ber  Äruggeredjttgf  eit 
für  bfebamit  verliehenen  öauertwgte  geringer  wirb,  foift  abgemalt, 
bafc  "bie  Skmenrögte,  fo  bisher  jwet)  SReid&Stljaler  ober  weniger  für 
bic  Äruggered&tigfeit  erlegen,  von  biefer  abgäbe  befreiet  fein,  benen 
aber,  fo  me$r  geben,  jweg  3teidf)St§aler  erlajfen  werben  foHen. 

S  12. 

Untert1?anriu<5ib. 

Sei  SJeränberungen  ber  $ufen*93efifcer  fott  ber  neue  Slnnetjmer 
fty  o^ne  feierliche  eibeSteifiung,  mittelft  §anbfd)lageS  nadfj  folgenber 
Jotmel  unb  nid&t  anberS  wrpflid&ten : 

3$  gelobe  an  ©ibeS  ©tatt  Sinem  $odjwürbtgen  3)ol)m*©ayitul 
ju  Sübedf,  als  ber  uon  ©Ott  mir  oorgefcfcten  Dbrigfeit,  Ijolb,  treu 
unb  je^orfem  ju  fein. 

S   13. 
Stbgabf  für  ben  3)ed}ant0-'«&afer. 

Statt  beS  bisherigen  bem  jebcSmaligcn  £errn  Decano  beg 
bellen  Antritte  gelieferten  $aferS  bejahet  eine  jebc  £ufe,  bie  bisher 
ja  biefer  Naturalabgabe  oerpPid&tet  gewefen,  jweij  StcidjSttyaler. 

S  H. 

9ntritt*'<$flb. 

8ep  SScranberungen  .ber  £ufen*8efifcer,  ber  neue  Sfanetjmer  fei 
mm  ©o|n,  ober  Xodjterntann,  ober  entfernter  ßrbe,  ober  eine  ganj 
fewbe  ^erfon,  foD  oon  bemfelben  an  Laudemio,  2lntrittSgelb  ober 
fte  fuSlöfung  beS  £auSbriefeS  nidf)t  me^r  als  fünf  SReid&Stfjaler  er* 
Ifc  unb  biefe  äuSgabe  ju  ewigen  Seiten  ntd&t  mcl)r  er^öfjet  werben. 
Ä  falben,  viertel  unb  achtel  ipufen  bejafjlen  naty  Proportion. 

§  15. 

*  «tn  ben  3tltentf)eitS*Äat$en ,  wenn  fie  oon  ben  2tttentf)eitS* 
%•»  Wbft  bewohnt  werben,  werben  jäf}rlid&  nidjt  met)r  als  8  f* 
«Afc  wöbe?  biefen  Seuten  freij  bleibt,  no$  eine  $artf)ei  bei  fid& 
friwljiuui,  otyte  bafe  felbige  eine  Abgabe  ju  bejahten  fdjulbig  fetm  foD. 

3<Uf*t.  f  «üb.  ©ef4>.  ©*.  3  $rft  1.  4 


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50 

2Benn  bie  2Htent§eite*Äatljen  von  fremben  3JHetf)8teuten  bewohnt 
werben,  werben  überhaupt  nid^t  meljr  afe  1  *$  8  <5  ©d&u|*  unb 
33erbittel&@elb,  ein  Sflaud^^u^n  unb  fünf  ©ier  baoon  entartet. 
2Bo  twn  ben  5Ütentf)eU$*8euten,  bie  ben  Äatljen  bewohnen,  ntdOtS 
gegeben  wirb,  ober  wo  von  ben  3JMetl)8leuten  weniger  al«  l  *f  8  jS 
entrichtet  werben,  l>at  e8  babei  fein  Verbleiben. 

SBann  mehrere  Äatljen  auf  einer  ©teile  twrfjanben  finb,  ober 
angebauet  werben,  bie  feine  SHtent^eUa^at^en  finb,  fo  foll  eine  jebe 
in  benfelben  wotjnenbe  Sßartljei  l  «?  8  fS  ©d&ufc;  unb  Verbittet«* 
©elb,  ein  SRaudJtöufm  unb  fünf  ©ier  geben.  3m  %aü,  ba&  biefe 
Äatljen  lebig  fielen,  werben  feine  JQerren*©efäHe  twn  benfelben  be* 
8a$tt. 

S   16. 

Abgabe  für  Xraufdjefn. 

@o  ift  auä)  wegen  ber  £raufd&eine  feftgefefet,  bafe  für  felbige 
überhaupt  nid&t  me^r  als  12  |J  geforbert  werben  foD. 

$  17. 
in  specie   bie  33 f carten*2)örfer  betreffend 

3IHe8  nun,  was  in  oorftefjenben  16  §phis  enthalten  ift,  ba« 
erftreät  ft$  namentlich  audf)  auf  bie  in  biefem  SBergleidf)  mit  einbe* 
griffenen  33icarien*$Dörfer.  3)odj)  finb  biejenigen  biefer  2)orffdfjaften, 
bie  Ujren  @erid(jt$l)erren  bisher  SDienfte  geleistet,  wegen  beren  3Uif- 
Hebung  fidfj  abfonberltdjj  mit  i^nen  abjufinben  fd&ulbig. 

2öa$  biefer  SDienfte  falber  ober  audj  fonft  t>on  ben  Untertanen 
in  ben  SSicarien*3)örfern  mit  i^ren  ©ertd)t$l)erren  ober  beren  Ferren 
Antecessoribus  bereite  t>erglid(jen  worben  ober  oergUdfjen  werben  wirb, 
wiH  6.  £od(j  würbiges  3)om>@apitul,  wenn  biefe  Verträge  ben  allge* 
meinen  Siebten  unb  ben  befonbern  ©tiftS*$Berfaffungen  nid&t  juwiber, 
ju  betätigen  ftd(j  nidtjt  entlegen. 

IL  »icnffc»erölei*. 

S  i. 
3n  33ejie$ung  auf  ben  7  §phura  voriger  Ableitung  ftnb  bie 
bisherigen  ftreitig  ober  unftreitig  gewefenen,  in  ben  twrljerigen  33et* 
gleid&S*93erljanblungen  erweljnten  ober  nid&t  erwe^nten  iäfpltdjj  $u 
gewiffen  wieberfetjrenben  3eiten  ober  nadjj  SRaaS  ber  jebeSmaligen 
©rforbernifc  geleifteten  Sttenfte,  nad&bem  man  voxtyx  von  beiben 


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51 

Seifen  einen  fpecieDen  tteberfölag  gemalt,  unb  bcrtfelben  einiger* 
mafetn  fi<$  sur  Orunblage  bienen  laffen ,  fotgenbcrgeftalt  abgemalt 
trab  ja  @elb  gefefct  morben. 

§  *. 

^Dörfer  im  £rat>emünber  SBtnfet. 

$te$5rfer9Uenborff,  Stuten,  Seutenborff,  Söarnftorff,  ©ram* 
»eljtotff  unb  $foen  jaulen  für  bie  Befreiung  von  allen  Natural* 
JKenftei!,  tote  fte  Stammen  Ijaben  unb  erbaut  werben  fönnen,  ja&tlidfj 
te  §ufe  je&n  9teufy8tl>aler. 

§3. 

3agb;®elber. 

Sfafjer  biefem  war  fdjon  t)orf>in  ber  Sttenft  ber  Sagben  oer* 
jli^en  ju  oiet  unb  jroanaig  Shilling,  toobet  e8  fein  Verbleiben  ^at. 

$  *. 

9Ra9<S<fid)ti0un0. 

®er  Dienfl  ber  aBajl^efi^tigung8>gu^ren  unb  fonfiigen  Soften 
tw  Staocmfiuber  SBinfel  lag  oormalä  allem  ben  £ufen  ju  Probten,  ben 
beibcii  #ufen  jum  igät>en  unb  bem  33eft$er  ber£ufe  be3  SfömuS  Äröger 
}tt  Slienborff  ob,  unb  ba  audfj  biefer  3)ienfi  fd&on  oormafe  mit  biefen 
|u  cm  SRei$3ttyaler  fe^Sjetjn  Shilling  per  ipufe  t>erglid>en  morben, 
N  e$  babei  ebenfalls  fein  unabänberli^e«  Verbleiben. 

8  s. 

Säfte  £ufe  ju  »tobten. 

2)ie  (Sigentltftmer  ber  einigen  roüflen  $ufe  ju  SBrobten  jaulen 
J««t  für  biefe  §ufe  bie  solle  Kontribution  ber  18  »f\  an  SHenftgelb 
«kr  geben  fte  für  biefe  §ufe  mit  Inbegriff  ber  Vorjagb  itic^t  met)r 
*  jc$rli$  brep  9teidj«tt>aler  fedjSje^n  Shilling,  tooju  benn  aber 
fc  bie  !Dtaft*8efidjttgung  nod&  l  *f  16  j!  ^injufommen. 

S  6. 
Jtlftne  ©teilen  gu  SMenbotff. 

SHc  Seinen  Seute  ju  SRienborff  ftnb  ju  nic^t  mehreren  als  fot* 
ffeit  S)tenften  gehalten  geroefen,  jur  SDlitöffnung  ber  Stalbecf  bep 
to*  Äetfj  unb  bep  ber  33röfe ,  unb  jaulen  bafür  jeber  fedfjS  unb 
*»&  @$UIing. 


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52 

S  7. 

®ne*etftotff.  3»enbotff. 

$)ie  benben  S3icarien*©örfer  ©neoerflorff  unb  Qoenborff  jagten 
für  bie  2Witylenbienfie  unb  £>tenfte  am  SRienborffer  Stamm  unb  im 
Dffenbroof,  als  bie  einzigen,  ju  melden  fie  GL  Jpo<$wfirbtgen  S)ol|m* 
©apitul  gehalten  gewefen,  \tifyd\a)  breiig  Shilling.  SBaS  fie  wegen 
etwaniger  anbeten  ©ienfte  ober  fonfien  mit  i^ten  fetten  SSicariiä 
x>erg(eidfjen,  werben  fte  ©.  $od&würblgen  S)o£m*©apitul  jur  ßonftr* 
mation  vorlegen,  wetdfje«  in  fold&er  83efiätigung  aBe  billige  2Bi& 
fa^rung  wrljeifjet. 

§8. 
aufgehobene  JDtenfte  an  ber  93räfe. 

2Benn  binnen  Qaljr  unb  Sag  a  dato  ber  33oDjte§ung  beS  gegen* 
wärttgen  SSergleid&eS  @.  §o<ijwfirbtge3  S)ot}m*6apituI  fid)  entfd&Uejjen 
follte,  bie  gänjlidj  über  fxd^  genommenen  $)ienfte  ber  SSröfe  burdj) 
Anlegung  einer  ©dfjleufe  ftdfj  ju  erleid&tern,  fo  wollen  biejentgen 
2>orffdS)aften,  bie  norfjer  jur  JBröfe  ©pann*S)ienfte  getyan,  jur  6* 
rid&tung  einer  folgen  ©d^Ieufe  eine  jebe  £ufe  bret)  gurren  unent* 
getbti$  t^un.  9tad(j  Verlauf  3a$re8  unb  $age$  a  dato  be8  DoUjoge* 
nen  93ergletd&3  ftnb  bemelbete  ©orffd&aften  aud(j  bieferwegen  ju 
nid(jt8  weiter  gehalten. 

S  9. 

SWuljlen*  unb  8if«f rel^SMenfU. 

38a3  mit  bem  SWuHer  ber  Simmenborfer  2Küf)len  unb  ben 
gifd&ern  ber  §emmeiftorfer  ©ee  jur  Vergütung  ber  bisher  in  natura 
genoffenen  9Jiiiljlen*  unb  gifd&eren*2)ienße  oergtidjen  worben,  wirb 
benfelben  oon  6.  ipocijwfirbigen  $)ot)m*Sapitul  entrichtet,  o§ne  bajj 
bie  Untertanen  bamit  in  geringfien  weiter  ju  fd&affen  $aben. 

§  10. 
Äufräumung  bet  9Rü$len'®r6Ben  unb  Auen. 

In  specie  muffen  bie  Kein  Sammenborffer  3RüI)(en*3luen  unb 
3RiU>ien*@räben  jeberjeit  in  fold&em  ©tanbe  unterhatten  werben,  bafc 
niemanb  von  ben  Slntiegenben  baburdf)  Stäben  jugeffigt  werbe, 
wibrigenfatts  @.  £od&würbige3  S)oljm*6apitttl  entweber  ben  SRütter 
ju  foldfjer  aufräumung  anhalten,  ober  biefelbe  felbfi  befdjjaffen  foffen 
wirb,  fo  bafe  bie  Untertanen  ieberjeit  Rag*  unb  fdfjabto«  gehalten 
werben. 


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ir 


53 


%  11. 

$ienftgelb  ber  betyben  Xlmmenbotffer  unb  «gemmelflorffet. 

$ie  Storfföoft  ©rofe  Ximmenborff  erlegt  für  bie  gänjtidje  33e* 
frcümg  D*m  allen  Staturalbienften  jä^rlic^  bie  $ufe  neun  9teid)3* 
$aler.  Die  ©orffd&aften  Kein  Ximmenborff  unb  §emmelftorff  geben 
bierfür  jäfytlidj  ad&t  9teidj$tf)aler  per  §ufe.  $ür  bie  3agb*2)ienfie 
bejahten  fettige  jd^rlid^  nier  unb  iroanjig  ©d&iHing  per  $ufe.  gür 
We  SRafibeftdjtigung  erlegen  genannte  breg  3)orffdjaften  jufammen 
bie  ©umme  von  fieben  Steid&St&aler.  Qn  ^infid^t  tt)re$  btöljer  ge> 
gebenen  $$nU  ober  SBrofyafem,  gilt  für  bie  Sepfommenben  ba3, 
was  im  erflten  Slbfönttte  §  6  von  ben  9tatural*2lbgaben  gefefet  roor« 
ben  ifl 

S  1«. 
3>ie  5>otffd)afteii  ©ulfflotff,  C*tttflotff  unb  6arcftoifr. 

SBenn  bie  ©orfföaften  SBulf jtorff,  ©aräroifc  unb  ©djürftorff  fW> 
fctcÜS  b.  31.  Sanuar  1793  unb  nadfter  mit  6.  ^odjroürbigen 
$#MSapitul  abfonberltd)  nerglid&en,  fo  fjat  e£  babep  fein  Semen* 
ben  fö  miH  aber  baffelbe  biefen  brep  ©orffdjaften  bie  ©ienfie  für 
benfelben  Sßrei«  unb  unter  benfelben  Sebingungen  ertaffen,  als  fte 
ben  Untertanen  im  Sraoemünber  SBinfel  ertaffen  morben  fmb. 

SHe  SBulfflorffer  unb  ©djürftorffer,  als  meldte  an  bie  ßtein 
35mmenborffer  SJMtyten  bienftpflid&tig  fmb,  bejahen  alfo  für  bie  @r* 
laffung  aller  SHenjie  iffl&rlidj  10  Sfteid&Stljater  per  §ufe;  bie  ©arcl* 
nrifcer  aber,  bie  jur  ^anßorffer  SWityle  gehören,  erlegen  bi«  bal)in, 
ba&  biefe  SHenfte  abgefjanbelt  werben  fönnen,  jä&rlid)  neun  unb 
einen  falben  Sftei^St^aler  per  $ufe. 

$>ie  SBulfflorffer  unb  ©aräroifcer  fogenannten  93icarien*2eute, 
We  bisher  ju  ben  Sfleife^gu^ren  t>erpflid)tet  geroefen,  finb  in  biefem 
Sergleid)  mit  einbegriffen,  unb  fte  bejahen  für  bie  Befreiung  von 
tfen  JlaturatSHenften  jä^rlid)  respective  je^n  ober  neun  unb  einen 
litten  9teu$$tljaler. 

$  18. 

JDorffdjaft  $anflorff. 

•  SWit  ber  ©orfföaft  Sßanfiorff  ifl  bie  gänjtidje  Sluftebung  aller 
Ättfle  bebungen  §u  neun  5Reid#tI>aler  trier  unb  jmanjig  ©d&UIing, 
frfc  mit  «uSfölufe  ber  3agb>@elber  unb  aWaftbefi^tißungS^Äoflen 


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54 

§  14. 
$anflorffer  9tüf>ten*$itnfie. 

gfir  bie  äbmadjung  bet  2Rü§len*S)tettfie  legen  bie  5ßanftorffer 
bem  eben  flenannten  ®tenjigelbe  nod)  einen  galten  Stadialer  gu, 
roenn  unb  fo  batb  eS  Reverendo  Capitulo  mögtid)  fein  wirb,  biefe 
Stenße  mit  bem  9Rüffer  abjul>anbetn. 

©benfo  fmb  in  $mfidjt  ber  übrigen  an  bie  ^anftorffer  2Rül)len 
bienfibaren  Storffdfjaften,  bie  an  biefe  Stühlen  ju  leiftenben  SHenfie 
in  biefem  Vergleich  nidjt  mit  einbegriffen. 

S  15. 
^ubbetfiorffer  Dörfer. 

SJtit  ben  tuer  &ubberftorffer  Dörfern  ifl  bie  allgemeine  2luf* 
Hebung  affer  9tatural*S)tenfle  mit  2tuSf<$ttefmng  ber  3agb*©elber 
unb  3Jtoftbeftd>tigunga*Äo|ien  bebungen  §u  neun  9lei$8t|alerf  fo 
ittyrtid)  t>on  ber  bienfipflid&tigen  ipufe  erlegt  werben. 

SBenn  aber  bie  ©orffd&aften  großen  Sßarin  unb  %t$au  bisset 
feine  3Wafibefi<$tigung&©elber,  erfiere  aud)  feine  3agb*Äoften,  erlegt 
§at,  fo  ^at  eS  au%  femer  babei  fein  Verbleiben. 

S    16. 
tfubberftorffer  3Wü$len*5)Unflf. 

3n  befagtem  Quanto  J>er  9  *#  ftnb  audj  bie  ber  ipubberftorffer 
SRüljle  biSljer  geleiteten  SHenfie  mit  einbegriffen  unb  wirb  6. 
$od)ttMrbtge3  S)o^m*6apitul  biefe  Sttenfle  entmeber  bem  3Rüfler 
contractmäfeig  leiflen  laffen  ober  ftd^  beÄ&alb  mit  tym  oereinbaren. 

$  17. 
JDorffcftaft  ^Mnflorff. 

SHe  brep  in  biefem  Sfergleid)  begriffenen  ipufner  ju  ?ßo§nfiorff, 
£inrtdj  griebridj  ©rammerjlorff,  2Broe.  ©rammer|lorff 
unb  Slämuä  %\&  erlegen  für  bie  2lufi)ebung  ber  9leife*gu$ren,  gu 
melden  fte  verpflichtet  getoefen,  ober  mie  üjre  SHenfte  fonfl  Stammen 
gehabt  Ijaben  fönnten,  iäl)rlid)  bie  §ufe  neun  9teid)3tl)aler  t)ier  unb 
jmanjig  Shilling. 

$  id. 

@.  $od)n>ürbtge$  S)o^m-®apitul  wirb  ferner  angemanbt  fein, 
mit  bem^anfiorfferSMüffer,  an  beffen  unterften  SKü^le  bie  ^oljnftorffer 


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66 

Weiten,  bie  btÄljet  in  natura  genoffenen  SHenjie  abju^anbetn  uttb 
e5  legen  naü)  getroffenem  $ergletd&e  bie  ?ßo^nflorffcr  für  bie  £t> 
laffmig  ber  9Jtttylen*2)ienfte  bem  im  oorigen  §pho  17  erwähnten 
Sfeitjlgelbe  jäfjrlid)  nodj  tner  uttb  jtoanjig  Shilling  per  $ufe  ju. 

S  19. 
$arafcergf  unb  -&an$felbe. 

3Äit  bett  ©ngefeffenen  ju  £amberge  unb  £an*fetbe  tß  bie  2tuf> 
Hebung  ber  9teife>$ul)ren  unb  ber  SHenfie  an  ben  2)ed>antö*2Btefen 
unb  ber  Unteroogt&SBiefe  ju  jel>n  Sfteid&Stljaler  jäljrtidf)  per  $ufe 
a6gel>anbelt  unb  eS  fmb  au<$  ber  (SrbjtnSmann  SJlarj  Soft  ju 
^omberge  unb  ber  <£rbpä<$ter  (StauS  ©djroarfe  in  biefe  Sbfymblung 
mit  einbegriffen. 

S  20. 

S5ie  t>ergttd>ene  allgemeine  Sluföebung  aller  ©ienfie  erflredt  ftdj 
««$  auf  bie  SBeftfcer  ber  eigenen  Äatfjen  unb  3JKett)$leute,  als  toeld&e 
ftnfityro  nidjt  weiter  ju  SBttbtragen,  SWüffe  unb  ©rbbeeremSammlen 
unb  wie  betgleid&en  SHenfte  weiter  üRaljmen  Ijaben,  angehalten  wer* 
ben.  3hir  ifl  beliebet,  bafe  bie  Änüppet*9leifen  beibehalten  werben 
foflen,  bodj  fallen,  um  audj  babeg  bie  Seute  gegen  allen  SJttSbraudfj 
jn  fWjern,  benfelben  feine  anbere  als  offene  SBriefe  mitgegeben  wer* 
ben.  S)ie  $of>njlorffer  Änüppel*3teife ,  vermöge  weldjer  alle  ©onn* 
abenb  ein  SBote  jur  Stabt  geföuft  worben,  fällt  ganj  ijinweg. 

$21. 

53eftfebigung  ber  ®el)egf. 

3)ie  ©efriebigung  ber  ©e^ege  gegen  bie  berrfd&aftlidjen  §ötjungen 
«nb  3uf^ge  ip  als  feilt  SHenft  anjufeljen,  unb  bleibt  c3  biefer 
Defriebigung  Ijalbet,  wie  eS  bisher  gehalten  worben,  unb  nrirb  feinem 
jtmal*  ein  größerer  änttjeil  ber  3wfc§läge  SBefriebigung  angemutet, 
«te  et  gegenwärtig  ju  unterhalten  l)at,  audj  foll  baS  Ijerrfdjaftltd&e 
Wi  jeberjeit  bis  auf  foldje  Entfernung  von  ben  Änidfen,  bafc  e« 
Äijjm  feinen  Stäben  tfjun  fann,  aufgeräumt  unb  l>inweggenom' 
w»  wetoett 


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56 

HL  Cittgelite  Stegulata  uuh  öergiitungem 

$1. 

itl.  Ximmcnborffer  SRüfjlensSRatten. 

S)a  jur  (Srjietung  eines  93erglei$eS  über  bie  Hein  Timmen* 
borffer  3RiU)lett*9JtaUen  vorläufig  erforberlid)  gewefen,  bag  ber  bor* 
tige  SfftüHer  fowofjl,  als  bie  3Kü^ten^Pi^tigen  bem  wegen  ber 
2Biubmül)le,  ü)tüf)len*9Katten  u.  f.  f.  obgewalteten  unb  an  bie  Ijödrfien 
3tei<$Sgerid)te  getriebenen  ^Jroccffe  freiwillig  ju  entfagen  fid)  Dereini* 
gen  muffen,  fo  ift  biefeS  audj  gefdjef)en  unb  t>on  beiben  Seiten  liti 
et  causae  an  gehörigen  Orten  renuneiiret  worben. 

9tä<$ft  biefen  §aben  bie  bi^tjer  ju  ben  Kein  Simmenborffer 
SBaffermü^ten  gelegt  gewesenen  SDorffc&aften  freiwillig  ftd>  Derftanben, 
l)infiUjro  mit  tyrem  3Kaf>len  aud)  an  bie  Hein  SXmmenborffer  SBinb* 
müfjte  gehalten  ju  fein. 

Unb  hierauf  ift  benn  ber  üRatten  falber  regulirt  unb  ju  eroigen 
ßeiten  feftgefefct,  bafc  felbige  hatten  auf  ben  bepben  SBaffermü&len 
ben  jwölften  unb  auf  ber  Sßmbmüljle  ben  fünf jc^nten  23>eil  be* 
Roms  betragen  f ollen,  unb  ber  SDiütter  ein  meljrereS  nid^t  fürjen 
unb  ftd)  beilegen  barf. 

SSon  ber  ©rüfee  unb  bem  3Mje  werben,  fo  wie  bisheriger  Db* 
feroanj  nadj,  alfo  audj  Ijinfüljro,  bieigälfte  ber  Äornmatten  gegeben, 
unb  betragen  alfo  fünftig  auf  ben  SßaffermiUjlen  ben  t>ier  unb 
jwanjigflen  unb  auf  ber  SQBinbmü^le  ben  bret&igften  XljeiL 

$  «. 

Jßobnfiorffer  eigene  Statten. 

Sie  brep  @<f)üUnge,  fo  bie  tuer  eignen  Äatfjen  unter  bem  3lafy> 
men  von  Kontribution  twn  jebem  9tei<$3tf)aler  erlegt  b<*ben,  fallen, 
wie  e£  oorfjin  gehalten  worben,  ben  SJSofjnftorffer  §ufncm  jur  @r* 
leid)terung  beren  Kontribution  wieber  anfyeim. 

S  3. 

3Uettt$etl0'£at$en  in  ben  ^ubbtrflerffer  $otff<ftaften. 

SHe  Dier  §ubberfiorfer  2)orff<fyaften  bejahen  ^tnfü^ro  x>on  beit 
Slltentljcil&Äatyen,  fie  mögen  bewohnt  fein  ober  nidjt,  ober  aud) 
von  fremben  3Jttet$8teuten  bewohnt  werben,  jctyrlidj  a<$tunbjwan$ig 
Spillinge  unb  ba£  Stoudjljuljn  cefftrt 


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57 

$4. 
9!rrgftang  bcr  gr.  Mariner. 

3)ie  Khtgefeffenen  ju  ©rofc  Sßarin  ftnb  jufolge  einet  befonbern, 
mit  km  bortigen  Ärüger  $an£  $tnrid)  %id  getroffenen  herein* 
barung  von  bem  bisherigen  Sterjroange  ganjtid)  unb  auf  immer 
befreit,  baS  bem  Ärfiger  gtdt  t>erttel)ene  ^rioitegium  unb  bie  fonften 
biejer  ©a<^e  falber  nortjanbenen  Konventionen  bleiben  aber  in  aütn 
übrigen  fünften  unb  Klaufutn  bet)  3Jtad>t  unb  SBürben. 

§5. 

9U  fit  bcr  ff  er  $an$XB\xtf)t  Vergütung. 

Sto  bie  SRienborffer  igauSnnrtfie  roegen  fjiebeoottgen  großen  5Kb* 
gang*  an  Sänbereien  Älage  gefaltet,  rooburd)  fie  angeblich  aufeer 
Stanbe  gefe|t  morben,  ftd)  ben  übrigen  in  ber  Kontribution  glei<$ 
$u  fteBen,  fo  ifi  oon  6.  $odjn>ürbigen  ©oljtmKapitul  jur  SlbfleUung 
aller  etnxmigen  ©eföroerben,  unb  in  $inftd)t  ber  ni<f)t  ergiebigen 
iMtabereien,  audj  Krmägung  einiger  anbern  Umftänbe  ben  Ktnge* 
Kienen  ja  SUenborff  jugejlanben  roorben,  bafe  bie  bortigen  Sott* 
tyitm  ftatt  18  «f  Kontribution  Ijinfütyro  unb  auf  beftänbig  non 
frier  §ufe  nur  jroölf  SJjaler,  unb  bie  l>alb  unb  mertel  $ufner 
na$  Wefer  Proportion,  alfo  6  unb  3  *$  erlegen  f ollen,  bie  foge* 
nannten  §aibt)ufner  ©tau«  ©d^ütt  unb  $inrtd)  ©gröber,  bie 
bei  ber  Kontribution  immer  nur  als  triertel  §ufner  geregnet  mor* 
ben,  geben  jeber  nur  bretj  9teid)St!jaler. 

5Den  15  Sttenborffer  fogenannten  fleinen  ipufenern,  bie  bisher 
als  9eft|er  von  eben  fo  tnel  achtel  &ufen  angefeljen  warben,  unb 
mufc  biefem  3Ser$ältniffe  l  <*p  24  fJ  Kontribution  erlegen  follten, 
wirb  bie  jä^rlid^e  Kontribution  ju  ein  3tetd)Stl)ater  fe<$S§e$n  6#iDütg 

<8ten  biefen  15  Keinen  Seuten,  bie  bisher  jä^rlid^  l  *# 
Ti  ft  ein  jeber  an  anbern  abgaben  bejaht  fjaben,  nrirb  fotd&e  2lb* 
gäbe  {jmfüijro  unb  auf  beflanbig  ju  einem  SReidjStljater  jäljrUd)  er* 


S&fettborffer  $ff*er  Praestanda. 

SKejenigen  5JMenborffer,  bie  fidj  mit  ber  fttföerep  befaffen,  erle* 
9«  für  biefen  SRaljrungSbetrieb  K.  ipotömürbigen  ©o^nuKapitut 
et««  für  alles  ein  jebroeber  jä&rltdj  einen  3teid)Styaler  unb  ftnb  ba* 
fa  oon  allen  bisherigen  S)orfd>*  unb  anberen  $if<$*£ieferungen  an 


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b$ 

£errfdfjaft  ober  Dfftcianten  gänjlidfj  befreiet,  hingegen  werben 
Ü)tten  ^infü^ro  audfj  feine  3Rafd(jop*2täume  von  ©.  £od&würbigen 
S)oljm*6apUul  weiter  gereift,  aud&  fällt  baS  ga&  2Ker  hinweg,  wo* 
mit  fte  iätjrUd)  befd^enft  ju  werben  pflegen. 

2öiÄ  jemanb  oon  ben  jefcigen  gifdjern  ober  beffen  Srben  unb 
Sttadftfolgem  bie  gifd&eretj  auffagen  ,  fo  ifb  U)m  fold&e«  uroerroeJjrt, 
unb  wirb  aisbann,  fo  lange  bis  er  wieber  eintritt,  von  ifjm  ober 
feinem  §aufe  ber  jä^rlid^e  eine  S^aler  ntd&t  entrtd&tet.  Serfauft 
einer  feinen  gifd&er'Äatyen,  fo  ftefjt  e£  bei  bem  neuen  eigner,  ob  er 
bie  gifäierei)  treiben  will,  unb  bleibt  e3  afebann  bei  ber  jäjjrtid&en 
Erlegung  oon  einem  9tetd(j£tf)aler. 

aiufeer  ben  jefctgen  fünf  SDtofdfjoppen  ifi  @.  JpodEjwürbtgen  3)o^m= 
Gapitul  unter  gefälligen  S3ebingungen  nodfj  anbere  ^ifd&er  anjufefcen 
unbenommen. 

S  7. 
Sfrgütung  an  bie  £orff*aft  ^anfiorff. 

2)en  Sßanftorffern,  bie  gleichfalls  über  angeblid&e  vormalige  @nt* 
jiefjung  t>erfd(jiebener  Sänberepen  33efdf)werbe  gefffl&ret,  Ijat  @.  §odf|* 
würbiges  3)o^m^apitul  ju  beren  SHbfiellung  gemattet,  baß  ber  Stauer* 
oogt  ^oljann  Jürgen  £repfau  unb  ber  $ufher  ©iebertdj 
2Bilt)elm  SBeftpfjal  bte  Hälfte  ber  jefct  auf  ifjren  $etbern  uor^anbenen 
Sufdf^fiänberepen  nadfj  SBiHfüljr  unb  ofme  ©ntgelb  benufeen  mögen, 
bagegen  aber  bie  anbere  ipälfte  an  (5.  £od&würbigeS  $>ol)m*(Sapitul 
bergeftalt  jum  ^äge^olj  abgeben,  bafe  fte  weber  SBetbe  nod&  Unter* 
bufd)  weiter  verlangen,  audfj  fünftigfjin  bie  Unterhaltung  ber  neuen 
©räben,  ju  beren  erften  Verfertigung  bie  §errfdjaft  bie  $älfte  ber 
Äofien  {(ergeben  will,  allein  übernehmen  foHen  unb  wollen.  $)en 
übrigen  ©ingefeffenen  ju  ?ßanflorff  finb  jwep  ©rittljetle  tyrer  jefcigen 
Sufd^Sänberegen  jur  wiMüfjrlidEjen  SBenufcung  überlaffen,  unb  fte 
bejahten  für  jebe  [>9lutf)e  beS  legten  S)rittyeilS  einen  ©ed&Sling. 

S  s. 

@o  wie  alle  bisher  genannte  unb  in  biefem  2Jergteid&  einbe* 
griffenen  ©orffd&aften  iljre  @pecial*33ef djwerben  jurücf genommen,  fo 
ift  infonberfjeit  biefeS  audlj  oon  ben  $)orffd&aften  gr.  unb  fl  %\m* 
menborff,  £emmelftorff,  gr.  Sßarin  u.  f.  w.  gefdjefjen. 

©tetdlj  wie  nun  (S.  JpodfjwürbigeS  2)ol)m*&apttul  nadfj  forgfältiger 
Erwägung  gegenwärtigen  SSergteid^  in  allen  feinen  fünften  unb 
6laufuln  burdjj  unterm  4.  Dctbr.  in  Pleno  gefaxten,  bem  heutigen 


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wr 


59 


fommflfcö^rotofoa  einverleibten  »efdfjtufe  genehmiget  unb  jur 
ttntofljwt beffelben  ben  $erm  Syndicum  unb  Drew  ©eorg  griebrid) 
8it<$$0l$  unb  ben  #errn  3uftij*2lmtmann  grtebrid)  (Sari 
6$noor  bevollmächtiget  §at,  bie  Sevoßmädjttgten  ber  Untertanen 
«i4  na$  mit  U)ren  SWanbanten  genommener  9iücffpradje  ben  25er* 
gleidjj  in  allen  feinen  ^Juncten  unb  ßlaufuln  genehmiget  tyaben;  als 
gelobet  unb  verfpridjt  6.  $odf)würbigeS  2)of)m*Gapitul  für  ©i<$  unb 
®efjen  Successores,  folgen  Sergteid)  ju  ewigen  Seiten  fefi  unb  un* 
mbrüdjUd>  ju  galten  unb  nid^tö  vorjuneljmen,  ober  burdj  anbere 
wtneftnen  ju  laffen,  woburdj  biefem  SSergleic^  auf  einige  SBeife  ju^ 
wiber  gefymbelt  würbe;  gteidjerweife  geloben  unb  verfpred&en  bie 
Untertanen ,  fxd^  unb  bie  irrigen  ber  ipulb  unb  väterlichen  33op 
iwjje  (£  ijjodjwürbigen  2)oljm*Gapitul£  mit  ehrerbietigem  Vertrauen 
empfe^lenb,  für  ftd),  iljre  9la<$fommen  unb  fünftigen  SBefifcer  tyrer 
§ufen,  ben  33erglei<$  jeberjeit  fejl  unb  unverbrüdjjlidj  ju  galten  unb 
iöqä  iljrer  ©eüS  barin  jugefagt  worben,  getreulidj  ju  erfüflen. 

Qu  befio  mehrerer  33erfi<$erung  entfagen  beibe  Steile  wiffentlid) 
tmb  *o()lbebää)iltd)  aßen  biefem  SSergletdj  entgegenfieberen  SIuS* 
Wtef  mtb  ©inrebcn,  als  ber  2lu$fIu<J)t  be3  SrrtljumS,  liftiger 
B&mbung,  ber  SBerlefcung  über  ober  unter  ber  £älfte,  anberS  ge* 
Wfciebener  als  oerljanbelter  ©adje,  namentlid)  aud)  ber  Ätage  ober 
fitatbe  ber  SSieberetnfefcung  in  ben  vorigen  ©tanb,  ber  nid)t  beob* 
«fyetat  jum  SranSact  über  geiftlidfje  ©üter  ober  beren  SJeräu&erung 
etfwbertid>en  ©olemnien,  ber  Siegel,  bafc  in  jweifeltjaften  gätten  bie 
ÄÄegung  loiber  ben  ober  biejenigen  ju  machen  fei,  von  weldfjen 
tili  3nftrument  entworfen  ober  coneipiret  worben,  furj  allen  <£in» 
•enbungen  unb  Se^elfen,  wie  fie  tarnen  l>aben  unb  erbaut  unb 
wi  bem  weltli^en  unb  jumal  geiftltdjen  3te$te,  gegenwärtigem  33er* 
jfeu$  jum  SRod^l^eil  hergenommen  werben  mögen,  alfo  audjj  in  specie 
tet  Sed&tSregel,  bafe  ein  allgemeiner  33erjid)t  nid^t  gelte,  wenn  nidjt 
Wrbefonbere  vorhergegangen. 

Damit  auä)  bie  Untertanen  barüber  beruhigt  fein  mögen,  bafc 
fcfctten  beij  unverhofft  entfietjenben  Ortungen  über  biefen  33ergleid> 
*a«teburd^benentgegengefe^tenSWangel  ber  SBevolImädjttgung  auf*» 
litten  unb  benachteiliget  werben  foden,  will  6.  £od&w.  2)ol>m*6apitul 
tafclben  vergönnen,  bafe  fie  nad)  bem  Abgang  ifyrer  jefcigen  Sevolk 
*£6flten  Ijinfüljro  jwep  ober  metyr  S)eputirte  ernennen,  unb  was 
MfegtftaU  von  biefen  Deputirten  in  S3etrad)t  be£  SBergteid&S  ge* 
Me%  9$anbelt  unb  vorgetragen  werben  wirb,  will  6.  $o<f)würbigeS 


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60 


S)of)m;SapituI  fo  anfeuert ,  als  ob  c8  von  ben  in  biegen  SSergleid) 
begriffenen  gejubelt  unb  oorgetragen  morben. 

©letd&nrie  enblidf)  audj  6.  $od&mürbige8  2)ol>m*<£apitul  ben  Unter* 
tränen  gejtatten  tritt,  ©r.  ipodfjfürfHidfje  Sifd^öfCid^e  2)urd&(audfjt  um 
f)öd&fie  gnäbigfte  Konfirmation  gegenwärtigen  2$erglei<f)Ä  untertfjänigft 
anjurufen;  2Ufo  ift  baS  hierüber  aufgemalte  Qnflrument  trierfadf) 
originaliter  auSgefertiget  unb  oon  bem  $errn  Syndico  unb  Dr. 
SBud&fjolfc  unb  t>on  bem  $erm  ^uftij 'Startmann  ©dfjnoor  in 
Soßmad^t  @.  ^od^roürbigen  S)o^m*6apitute  an  einem  unb  ben  JBewH* 
mädjtigten  ber  Untertanen  am  anbem  23>etf  unterfdfjrieben  unb  be* 
flegelt  roorben. 

So  gefdfjel>en  @utin  b.  21.  Dctober  1793. 


Gt  S) 


ftesrg  frie&ridj  ?udjlpll|  Dr. 

3n  9ÖoKmad)t  Q.  $od)to.  $om>(5at>ltal«. 
frtrfcridj  Cffarl  Bdjnoor. 
3n  9oUmad)t  (Sinrö  $od)to.  $om  »Genital«. 


Dinridj  friefrriii)  6rammtrfUrff. 

>ren&  ferner. 

{Trier  JHjmlmljL 

iofjann  Plödier. 

Hans  $inrtdj  £aten5orflT. 

fttarcu«  Gners. 

|jans  Ct)riftopt)tr  ÄdjltdjthtQ. 

Sofyann  Hinridj  JJedtelljojT. 

Pattljias  Jriebridj  JjarM. 

^ans  frte&ridj  Jrafdj. 

JNIjann  Äo^hn  JflBeftpljal. 

1 1  f  »*n  linridj  Ädjser,  bet  be*  Sdjreibenö  unfunbia,,  eigtn^änbig  ge Joanne  Ätmje. 


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61 


2. 

JHe  Sccularifation  bes  lübedufdjen  ftomcapitel«. 

Sin  £>omcapitel  in  ber  SBeife,  mte  t$>  gegrünbet  mürbe,  iji  eine 
efcnofirbige  ©rföeutung.  Ueberatt  mar  t&  ein  fefler  Sßunft,  von  roo 
aus  ba$6$rifientl)um  in  bie  umliegenben  Sanbe  einbrang  unb  feine 
Segnungen  verbreitete.  S)aS  aflmctyltge  Vorbringen  ber  ©omcapitel 
wn  ®bbtn  naä)  Sorben  bejeid&net  ju  gleicher  3eit  ba8  aUmctylidje 
gortföreiten  ber  Givilifation  eben  baljin.60)  @ine  leiste  Slrbeit  war 
ö  frfcer  triebt,  bie  beffere  ©rfenntnifc  @otte£  ju  verbreiten,  unb 
barum  fnfipft  fidj  für  immer  eine  banfbare  ©rinnerung  an  bie  me* 
mg^n  euijelnen  9iamen  3)erer,  bie  un$  bie  ©efd)i<$te  als  unevfdjrocfene 
imb  unermüfcete  SSerfünber  be«  6l>riftentf)umS  fennen  letyrt  unb  bie 
<jw£entf)eite  i^ren  £ob  in  tyrer  Slrbeit  fanben.  Vergeben  finb  bie 
Jlamen  von  Jpunberten,  bie  nid&t  blo$  bur$  Sßrebigen,  fonbern  burdfj 
eine  lange  Steige  von  SBerfen  ber  Siebe  unb  Sarmljerjigfeit  in 
Xreue  unb  2Iu8bauer,  unter  (Sntbeljrungen  unb  Sfoftrengungen  bem 
©pijtentyum  öatjn  brauen.  Unb  als  ba«  2Berl  gelungen  mar,  als 
bie  ©oten  beä  (gvangeUumS  nidjt  mel;r  §inau3  ju  ge^en  brausten, 
um  bießeute  aufjufudjen,  fonbern  felbft  aufgefud&t  mürben,  unb  man 
j»  i^nen  tarn,  um  in  ben  flirren  bem  ©ottegbienfte  beizuwohnen, 
bei  immer  häufiger  unb  glänjenber  mürbe,  audj  ba  blieb  nodj  ba£ 
fiomcapitel  eine  eljrroürbige  ©rfdjeinung.  @3  mar  geroifj  ein  rüfjren* 
ber©ebanfe,  ber  im  SRittelalter  jeben  (Sinjelnen  burdjbrang:  £afc 


•»)  öinen  anfd)aulid)en  SBeleg  bajtt  gleBt  bie  im  Urfunbenbudj  ber  ©tabt  Sübetf 
ty.  IV  9lr.  139  abgebrutfte  Urfunbe,  in  toeldjet  gefagt  toirb,  ba§  nad)  örbauung 
Wi  Jttrdje  in  @$*nn>a(be  (bei  (Jutin)  bie  SWenfaen  burd)  bie  9ttye  be*  (Statte** 
Mnjbt  »eraulafj  t  »erben  feien,  ben  »ctljer  unbewohnten  unb  unbewohnbaren  SBalb 
lAtt  |n  madjen,  anzubauen  unb  )u  bewohnen,  (quam,  ut  liomines  ad  exstir- 
P*dam,  colendam  ac  inhabitandam  ailvam  ante  desertam,  iucultam  et  in- 
htbitlbitem  facilius  propter  viciuiUtem  et  commoditatera  divini  servieii  pro- 
mutatui,  construximus.  JDo*  SÖort  aute  geigt  an,  tag  nid)t  ein  9Bunf$, 
fwfct»  eine  gefäe$ene  !tyatfaä)e  auflgebrütft  wirb.) 


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62 

ttur  in  bcn  Äird&en  redfjt  t>iel  gelungen  unb  gebetet  werben,  boS 
fommt  auä)  uns  ju  ©ute,  unb  eS  war  bie  aufridjtige  2Weinung,  ein 
gutes  unb  frommes  Sßerf  ju  tljun,  bie  Diele  2Bol)lf)abenbe  bemog, 
ju  biefem  3^ecfe  Stiftungen  ju  madljen.  2ludj  ging  man  tyäufig  in 
bie  Äirdje  unb  wohnte  bem  unoerftanbenen  unb  unt>erftänblid&en 
©otteSbienfte  mit  Slnbac^t  bei.  SBir  fönnen  baS  nidfjt  meljr,  wir 
moHen  üerfiefjen.  S)ie  3*iten  finb  tbtn  anberS  geworben.  Unb  e$ 
ift  allerbingS  mafjr,  bafc  gegen  @nbe  beS  3JUttelalterS  bie  redete 
©renje  überfd&ritten  mürbe,  bie  Äirdfjlid&feit  jur  Dftentation  warb 
unb  bamit  aufhörte,  grömmtgfett  ju  fein. 

2>ie  Stellung  unb  SBefd&äftigung  ber  S)om^erren  mürbe  ebenfall* 
nadj  unb  nai)  eine  anbere,  als  fie  urfprfinglidfj  gemefen  war.  Stet 
eigen  tlid&e  Ätrd&enbienft  mürbe  meljr  unb  meljr,  unb  fdfjon  jiemlid^ 
balb,  faft  auSföliefttid)  von  Sicaren  t)errid^tet.  S)ie  S)om^erren 
felbft  fanben  tyre  S^attgfeit  tfjeilS  burdf)  bie  Sßraetaturen,  bie  fie 
befleibetcn,  ttyeils  burclj  bie  Stermaltung  ber  ©üter  unb  Dörfer,  bie 
fomofjl  burdfj  Äauf  als  burdfj  ©dEjenfung  in  großer  SDtenge  in  ©eftfc 
ber  Äirdfjen  tarnen,  ©ie  ftanben  femer  Ijaufig  in  SHenften  tum  gut* 
ften  unb  ©täbten  als  beren  33eamte,  ba  fie  vermöge  itjrer  Äenntnifc 
beS  SRedfjtS  jur  Seforgung  t>on  ©taatSgefdtjäftcn  fefjr  geeignet  waren, 
unb  öfters  finben  mir  f)ier  in  Sübedf  aud&  bie  tarnen  $)erer,  bie 
anfangs  als  Notare  ober  ©Treiber  beS  3tatf)S  üorfommen,  foäter 
als  3)omf)erren  genannt.  Unb  menn  audjj  Dermutl)li<ij  tyer,  wie 
in  anbern  ©omcapiteln ,  bie  SJerteifjung  einer  folgen  ©teile  häufig 
eine  Selo^nung  für  geleiftete  ©ienfie,  eine  2lrt  t)on  Sßenftonirung 
mar61),  fo  mar  SKaudljem  bie  Stulje,  bie  er  bann  fanb,  als  eine 
SRutie  nad&  angeftrengter  unb  befd^merlid^er  Slrbeit,  mof)l  ju  gönnen. 
S)aS  SlDeS  fdfjliefjt  nid&t  aus,  bafc  fd^on  mäfjrenb  ber  fat$olifd(jen 


61)  ©erwarb  ».  £od»em  war  1328  ©tynbicu«  unb  procura  tot  ber  ©tabt 
Subecf  r  fV^tec  Styefanraciu*  ber  $omfirtt>e,  and)  eine  3citlang  £ed)ant.  Utf.**8. 
ber  ©tabt  Sfibecf  93b.  111.  DU.  489,  beö  S3i*t&um*  IBb.  I.  6.  827  Slnm. 

^inrtd)  ».  93 entern  aar  ^rocurator  be$  diatty  in  Sfcom,  fd)on  vor  1341 
unb  gewijj  bi«  1345,  foäter  (Sanonicu*  unb  San  tot  ber  $omfirdje.  Urf.*5Bud)  ber 
©tabt  Subetf  93b.  III.  ©.  1079  «nm.  86,  $b.  IV.  Sfcr.  37.  50. 

Sei  ber  BnßeUung  be*  ©ecretair«  3ofyanne«  Stöbe  im  3.  1500  öerforad) 
ber  Sfcatlj,  ifym,  wenn  er  alt  ober  fvanf  unb  babued)  gum  JDienfl  untauglid)  werben 
foUte,  ein  geifttfdje«  fielen  $u  »erfAaffen.  dagegen  »erfprad)  JRobe,  nid)t  anber« 
aU  mit  3ufilmmun9  be0  9tatf)0  ^rieflet  ju  werben.  1514  war  er  JDomljetr  unb 
^rotonotar. 


? 


{ 


63 

3ot  bie  ©teilen  ber  Somljerren  in  vielen  gätten  bloße  Sßfrünben 
wb  ©teilen  beS  SRüffiggangS  gewefen  finb.  ©ie  würben  bieö  aber 
noä)  mel  meljr,  wo  fte  nodfj  fortbeftanben,  als  bie  Steformation  ein* 
gttekn  war. 

din  ©omcapitel  in  ber  proteftanttfdfjen  Äirdlje,  wenigjienS  in 
Seutfcljtanb,  l>atte  feinen  ftxotd  unb  feine  Sebeutung  meljr.62)  S)ie 
geijUidjen  Serridjtungen  ber  ©om^erren  unb  ityrer  ©teEfoertreter 
ober  Sicare  befriebigten  ntd&t  mel>r  unb  waren  abgefdjjafft,  was  an 
bie  ©teile  berfelben  trat,  mußte  von  anbern  unb  anber«  gebilbeten 
$erfonen  geleiftet  werben,  jene  waren  baju  nidfjt  geeignet.  SBeftanben 
bemtodü  bie  Stomcapitel  nod&  immerfort  unb  würben  bie  ©teilen  bei 
jeber  ©rlebigung  von  -Jieuem  befefct,  fo  gefd&al)  ba£  nur,  weil  fie 
bequeme  ©umarmen  gewährten,  bie  bamit  t>erbunbenen  ©efdfjäfte 
waren  rein  weltltd&er  Slrt,  ber  urfprünglidfje  Gtjaracter  eines  2)om* 
capttels  fcatte  fi$  gänjlidfj  verloren.  3Jlan  wirb  barum  ba3  StefHtu* 
twmäebict  nidjt  billigen,  burd&  weld&e«  Äaifer  gerbinanb  IL  eine 
proteßantifdfjer  ©omcapitel  aufgeben  wollte,  jumal  ba  feinem 
jte  au  vernid&ten,  ganj  anbere  SRottoe  jum  ©vunbc  lagen.63) 
$o»  aber  war  gewiß  na^eliegenb  unb  natürlich,  baß  man  beim 
loe^älifd^en  ^benSfd&luß  bie  2tuf(jebung  (©ecularifation)  einer 
änjaty  wrn  SDomcapiteln  als  ein  juläffigeS  3lu8funftßmittet  anfa$, 
um  mehrere  dürften  für  bie  SJerlüfte,  bie  fic  erteiben  mußten,  ju 
entKdäbigen.  SDieS  ©djuffal  traf  nebft  trielen  anbern  audj  bie  beiben 
ungefähr  gleidfoeitig  mit  Siibed  geftifteten,  beuad^barten  SSiöt^ümet 
Safeeburg  unb  ©d&merin.  3)a3  ötötljum  ßübeef  entging  bem  gleiten 
ßoofe  bamatö  nur  burd&  befonbere  Umftänbe.  3)er  Sßrinj  griebridfj 
von  3>anemarf,  jweiter  ©otjn  be£  ÄönigS  ßljriftian  IV.,  war  feit 
1634  Srjbifd&of  von  SBremen,  aber  1644  burdfj  bie  ©$ weben,  bie 
fä  mit  SDanemart  im  firiege  befanben,  avß  feinem  ©tifte  vertrieben. 
Sei  ben  griebenÄoer^anblungen  ju  DSnabrüdE  forberte  er ,  entweber 
frfcin  SKStfcum  wieber  eingefefct  ju  werben  ober  eine  anberweitige 
Äiföäbigung  ju  erhalten.  (Srjtereg  war  untfjunlidj),  ba  bie  ©d&weben 
batauf  befianben,  bie  Sänber  Bremen  unb  Serben  als  ein  £erjog* 
t^im  ju  behalten;  e$  würbe  bat>er  xwrgefd&tagen,  üjm  ba3  Stötbum 
äled  als  erblic^eß  gfirftentljum  ju  geben.    (§t)t  inbeffen  bie  beS* 


*^*flL3>0t>e,  *rt.  Seculatifation  in  tferjog  9?ra(«(SiK^rlo^äbif  für  ?rote* 

tfyoloQit  unb  Jtirdje  ob.  u  <S.  187. 
")  1t  enget,  ®ef<fe.  M  brHjiigjäljiigen  ärifge*  33b.  2  ©.  180. 


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zedby  G00gk 


64 

fattftgen  $Berl)anblungen  beenbigt  waren,  fiarb  unerwartet  tyfc 
jiianS  IV.  ältefter  ©ofyt  unh  baburdjj  eröffnete  fid&  für  ben  Sßrmjen 
3friebri$  bie  2luSftd&t,  auf  ben  bänifd&en  2$ron  ju  gelangen,  ben 
er  audj  fd&on  im  3.  1648  beftieg.  (Sr  trat  baljer  t)on  feinen  Sin* 
fprüdEjen  auf  baS  SiStljum  Sübedf  jurüdf  unb  biefeS  blieb  üorlauftg 
nodjj  erhalten.  3)er  berjeitige  33tfdf)of  aber,  3<>$<uMr  <*uS  bem  $aufe 
$olftein*®ottorp,  unb  ber  regierenbe  igerjog  von  ij)oljlem;©ottorp, 
griebridj),  rou&ten  bem  $)omcapitel  bie  93erbienfte,  bie  fie  jid&  um  bie 
©rljaltung  beS  99iStl)umS  erworben  Ratten,  als  fo  bebeutenb  barju* 
ftellen,  ba&  baS  (Sapitel,  jum  S)an!  bafür,  in  einer  am  6. 3uli  1647 
ausgestellten  Urfunbe  ftd&  t>erpfti<$tete,  aufeer  bem  bamats  fd&on  er* 
mahlten  Stadjrfotger  beS  StfdfjofS,  ber  ebenfalls  ein  Sßrinj  von  ißolfiein- 
©ottorp  war,  nodjj  jedesmal  hinter  einanber  33ifcpfe  aus  tbtn  biefem 
Jjjaufe  ju  wählen.  ©S  mad&te  inbeffen  babei  bie  Sebingung,  ba&  ber 
33tfdE)of  feine  SBürbe  nieberlegen  muffe,  roenn  er  baju  fommen  foHte, 
iur  {Regierung  eines  roettlid&en  gürftentfiumS  berufen  ju  werben, 
gactifdjj  l>at  eS  feitbem  nur  nodf)  auS  biefem  £aufe  33ifd^öfe  t>on 
Sübed!  gegeben,  beim  baS  einjige  3M,  in  toeld&em  baS  ©apitel,  um 
feine  gretljeit  ju  magren,  einen  $rinjen  pon  3)änemarf  jum  ©oab* 
jutor,  b.  jj.  jum  fünftigen  öifd&of  ermatte,  fam  biefe  äöa^l  nid&t 
jum  SBoUjuge,  Da  ber  ©rroctylte  refiguirte,  e^e  er  jum  nrirttid&m 
Slntritt  ber  SifdjjofSroürbe  gelangte.64) 

gür  bie  ©tabt  Sübed  unb  ben  Sftaty  Ijatte  baS  Sefie^en  be£ 
©omcapitelS  äße  bie  Saften  unb  Unbequemltdjtfeiten,  bie  baS  SBefte&en 
eines  Staates  im  Staate  immer  §at  unb  bie  ber  Statur  ber  ©ad&e 
nad;  um  fo  flärfer  hervortreten,  je  me^r  bie  beiben  Staaten  an 
SBebeutung  einanber  gleidf)  unb  je  Heiner  fie  beibe  finb.  3)ie  83e* 
fifcungen  beS  SapitelS  lagen  gum  2^eil  in  unmittelbarer  Sftälje,  ber 
gelbmarf,  ber  ©tabt,  jum  Streit  -  bie  Äird&e,  bie  (Surien  ber  S)om* 
Ferren  mit  tyren  ©arten,  bie  SBoljnungen  ber  Beamten  unb  eine 
Stnjaljl  SSicarien^äufer  — innerhalb  ber  ©tabt  felbft.  2lud&  für  biefe, 
tute  für  feine  übrigen  SBejtfeungen,  naljm  eS  bie  Sted&te  einer  SanbeS* 
obrigfeit  in  vollem  Umfange  in  2lnfprudf).    SRun  geftanb  jwar  ber 


M)  5>er  $rinj  8tiebri<fe,  itodter  (Soljn  be*  Ädmg«  griebri*  IV.  »on  2)&ne* 
matf,  geb.  1753,  tomrbe  am  4.  Octcber  1756  jum  (Soabjutor  getoäljli.  5Dte  33e* 
müljungen  beä  «Saufe«  ® ottoxp  »ermodjten  e«  bamal*  nidjt  bieffiafyl  ju  »erftinbern, 
aber  fie  erteilten  feine  SRejignaiion  1773  bei  ben  SJertyanblungen,  burd)  )oeld)e  ber 
©ottorpifd)e  Slnt^eil  von  ^oifleiu  gegen  91  umlaufet)  von  JDlbenburg  unb  ^elmen^orß 
ber  Jlrone  !Cänemarf  überloffen  n?urbe. 


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zedby  G0ÖgIe 


65 

M)  tot  $\tmlgericljtöbarfett  über  bie  ©om^etrett,  beten  Familien 
rafoSattietfäjaft,  über  bie  (Sapitetöbeamten  unb  bie  SSicarien  bem 
Sapitel  Döttig  ju,  aber  biefeS  beanfprudfjte  audfj  eine  jurisdictio  fun- 
dalis,  ti  tooate  nidjt  jugeben,  bafe  bie  ftäbtifd^e  ©efefcgebung  in  ben 
bem  Sapitet  gehörigen  ©runbftüdfen  (in  area  capituli)  SUntücnbung 
fmbe,  unb  wollte  audjj  feine  2hntöoerridS)tung  einer  fiäbtifd^en  @e* 
rid}t&  ober  $olijeibel)örbe  auf  tiefen  ©runbftüdfen  bulben.  (Sin  fo 
weit  geljenbeS  Sfted&t  etfannte  ber  9tatlj  nidfjt  an.  @r  ging  von  ber 
Sfoftd&t  aus,  bafe  bie  Stabt  Sfibedf  für  ftd&  fetbft  ein  9teidf)$fknb  fei, 
ba3  2>omcapitel  bagegen  nur  in  SSerbinbung  mit  bem  93ifd^off  bafe 
i^m  baljer  ooQe  £erritorial{)ol)ett  juftefje  unb  bie  Ueberlaffung  eines 
2^eilS  ber  QuriSbiction  an  ba$  2)omcapitet  ein  3ugeftänbmfe  fei, 
<ru$  weldfjem  weitere  Folgerungen  nid&t  gebogen  werben  bürften. 
Starauä  entftanben  man<$e  3JUfet)ettigfeiten,  größere  nodfj  barauS,  ba% 
baä  Sapitel  aud&  bie  (kimtnal'3uri£biction  über  feine  SKitglieber  in 
Sitfptudf  na^tn,  mel^e  ber  Statl)  i^m  nod)  Diel  weniger  jugefte^en 
wtttt  liebet  biefen  $unft  fonnte  man  fid(j  gar  nid^t  einigen;  ber 
ÄaÜ)  $elt  eS  für  unvereinbar  mit  feinen  obrigfeitlidfjen  5ßflidjten, 
kttin  nadfougeben,  unb  ba$  ©apitel  liefe  t)on  feinem  2tnfpru<$  nidjt 
öS.  Sud)  bem  SBifd^of  ^ofjann  8lbotpl),  §erjog  t>on  ©ottorp,  burdfj 
beffen  Sermittelung  im  $.  1595  l)inft<f)tlid)  aller  übrigen  ftreitigen 
©egettfiditbe  ein  Vertrag  abgefdfjloffen  würbe,  gelang  e3  nid&t,  einen 
ber  beiben  Steile  jum  SRad&geben  ju  bewegen,  (jemals  fal)  jebe  San^ 
beStegierung  bie  3uriSbtctton,  meldte  jefct  überall  befonberen  SBepr* 
ben  überladen  wirb,  ate  tljr  widfjttgfteS  Sßraerogatio  an  unb  mehrte 
jeben  ©mgtiff  in  bie  StuSübung  beffelben  ak  3Jlan  fam  baljer 
ibetein,  biefen  $unft  ber  rid&terlid&en  ©ntfd&eibung  ju  überlaffen. 
8*  geföal>  aber  9tidfjtö,  um  biefelbe  fjerbetjufüfjren,  unb  injmtfdjen 
behafteten  fowo^l  ber  Slatlj  alg  baS  ©omcapitel  fidjj  als  im  SBefxfe 
btf  Sterte«  beftnblidfj  unb  beibe  übten  es  au«.  @rft  ein  ftaH,  ber 
fi|  1776  jutrug,  würbe  SJeranlaffung,  bie  faifertid&e  ©ntfd^eibung 
«jwufen.  ©?  fanb  ein  SJueD  jwifdfjen  jwei  2)omfyerren  ftatt,  in 
veUjjem  ehter  ber  beiben  getöbtet  würbe.  $>a  ber  9tatl)  gegen  ben 
JttW&tig  geworbenen  Ueberlebenben  fogteidfj  eine  ©bictalcitation  erliefe, 
etjmrtte  ba3  ©apitel,  bafe  ber  Äaifer  für  biefen  befonbem  gall  baS 
H$tetttmt  bem  $erjog  pon  9Jtedtlenburg*©treUfc  übertrug,  auf  beffen 
•Akt  baSSHiett  vorgefallen  war.65)  Stabei  {am  es  aud)  wegen  be£ 

*)  (Sine  genaue JDatftettung  oe«  ganjen  Sorgang^  von  $errn  $af)or  Äiu^, 
«Htften  bie  ftenen  Wberfifd)fn  IBIättrt  3a^rg.  1858  !»r.  21—24. 
dcttf^t.  f.  8ub.  «ef*.  »>.  3  J&<ft  1.  5 


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zedby  G00gk 


66 

firettigen  Siebte«  fetbjt  ju  einem  Sßrocefc,  bet  aber  unentfd&teben 
blieb. 

Slufjer  bet  3uriSbiction  gab  es  nod&  eine  ganje  Steige  anbetet 
SSet^attniffe  unb  ©egenftänbe,  über  roetdf)e  ber  9tat!j  unb  bei«  6apitel 
ju  3^ten  in  Uneinigfeit  gerieten:  bie  SJet^ättniffe  ber  S)omfttd)e, 
ingbefonbere  bie  Aufteilung  ber  Beamten  an  betreiben,  ber  Umfang 
ber  ben  S)omljerren  unb  tyren  Gurten  jufte&enben  Slbgabefreiljeit, 
betö  StedEjt  ber  Untertanen,  felbfl  ju  bxawn  unb  SBier,  audjj  frembe£, 
auSjufdfjenfen,  Sagbüerljättmffe,  9langt)et^ältniffe  unb  bergtetd&en 
meljr.  3Jlan<§e3  mürbe  jroar  t>ertrag$mäfeig  feflgejiellt,  aber  e£  blieb 
bo<$  immer  eine  SKenge  ftreitiger  fünfte.  Ä)a&  SJet^ältnife  roat  ein 
unfreunblidfjeS  unb  rourbe  e3  immer  mefcr.  S)a3  SapiteX  mar  bet 
SfafidEjt,  bafc  ber  9taty  barauf  ausgebe,  i&m  feine  Stedjte  ju  nehmen, 
ber  Sfatl)  bagegen  fanb,  melleidjt  mit  me&r  9ted&t,  bafc  ba3  ßapitel 
in  feinen  Slnmafeungen  immer  weiter  ge^e. 

3u  Anfang  beS  gegenwärtigen  Qa^unbertö  mürbe  biefent  3u* 
ftanbe  ein  Gtiot  gemalt,  ©d&on  in  bem  grieben  ju  Sampo  ftormio, 
am  17.  Dctober  1797,  ber  ben  Ärieg  jroifd&en  granfreidf)  unb  Deftet* 
reidj  beenbigte,  mar  feflgefefct,  bafe  ba8  linfe  SUjeinufer  an  granfretdj 
abgetreten  roerben,  jeber  einjelne  gürft  aber,  ber  babei  £anb  oet> 
liere,  eine  Sntföäbigung  am  regten  SfUjetnufer  erhalten  folle,  S)aä 
beutfe^e  Steidj  mar  in  feiner  traurigen  3^AÄeIung  f o  mad&tloä,  bafe 
t&  fi<$  eine  foldfje  Seftimmung,  audj)  ungefragt,  gefallen  lajfen  mufjte* 
Napoleon  befianb  barauf,  bafe  ber  Äaifer  grana,  ber  bamal«  nodj 
beutfdfjer  Äaifer  mar,  feine  3ufHmmung  ju  biefer  gorberung  gum 
33orau3  gebe.  S)a3  SKittet,  foldEje  @ntfd(jäbigung  ju  gewähren,  rourbe 
in  ben  jafjlreidfjen,  bamate  nod&  t)or^anbenen  geiftUdEjen  ©ütern  unb 
Stiftern  erblidt,  über  meldte  man  üerfügen  ?u  fönnen  glaubte,  o&ue 
SemanbeS  SRed^te  ju  üerteften,  xomn  man  nur  ben  beseitigen  3u* 
tyabern  bie  (Sinfünfte,  meldte  fie  bis  baljm  bejogen  Ratten,  auf  iljte 
2eben$jeit  beliefe.  Um  bie  SRaferegel  in  Ausführung  ju  bringen,  Der* 
fammette  fid^  fdEjon  im  S)ecember  beffelben  3al)re3  in  Staftabt  eine 
ju  biefem  3wedfe  tiQin&  gemalte  Deputation  be3  3teid&3tag$,  bie 
SSerljanblungen  mürben  aber  burdjj  ben  2BieberauSbrud&  beä  Kriege« 
unterbrochen,  e$e  fie  ju  ®nbe  gekommen  maren.  ©er  nun  folgenbe 
grieben3fd&tuf$  ju  Süneoitte  am  9.  gebruar  1801  mieberljolte  bie 
frühere  Sefiimmung,  unb  eine  aus  Dier  SRitgliebern  beö  Äurfürften* 
coJlegtumS  unb  trier  SRitgliebem  be£  prftenratfys  gebilbete  9teid&S* 
beputation  follte  tyre  arbeit  oon  Steuern  beginnen.    3ftr  roirfttd&er 


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zedby  G00gk 


67 

Sufanunentritt  in  RegenSburg  verjögerte  jtd)  aber  bt«  jum  24.  Stuguft 
1802.  Sft&roifdjen  Rotten  ftd>  üiele  beutfdje  gürften  nad>  SßariS  ge* 
TOonbt,  um  bei  bem  (&ttf(l)äbigiing$gefd)äft  burcf)  SSerwenbung  unb 
Sermittelung  ber  franjöfifc^cn  Regierung  redjt  reidjltdj  bebaut  ju 
werben,  unb  fo  würbe  biefe  —  leiber  —  burd)  bie  beutfdjen  dürften 
fetbfl  aufgeforbert  unb  veranlaßt,  einen  voUftänbigen  Sßlan  über  bie 
8änben)ert|eitung  in  S5eutfd>lanb  in  5ßariS  aufarbeiten  unb  ber 
ReidjStagSbeputation  formell  jwar  ganj  Ijöflldj  nur  als  SSorfdfjtag, 
fadjlidj)  aber  gebteterifdj  als  33efet)l  jur  2lnnaf)me  vorliegen.  £>ie 
rufftfcfc  Regierung  Ijatte  ftd)  ebenfalls  in  bie  Angelegenheit  einge* 
tmfdft,  unb  ben  beiben  Regierungen  von  granfceidj  unb  Rußtanb 
nmrbe  von  ber  Rei<$8bej>utation  formell  unb  offtciett  ber  Sfjaraftcr 
unb  ber  Rame  ber  vermittelnben  3Jtädf)te  beigelegt,  in  fold&er  Söeife, 
bafc  fie  an  bem  tljr  vorgelegten  Sßrojecte  feine  SSeränberung  vor* 
nehmen  ju  bürfen  glaubte,  oljne  vorder  bie  3uftimmung  biefer  bei* 
ben  aJtöc^te  ermirft  ju  baben. 

$S  mar  natfirlid^,  baß  bie  ben  einzelnen  vertterenben  gürften 
ju  geroaJjrenbe  ©ntföäbtgung  mefir  ober  weniger  retdjlid)  ausfallen 
tonnte,  unb  baß  barauf  bie  ©unft  ber  franjöftfdjen  Regierung  großen 
©foffuß  ^atte.  @S  war  thtn  fo  natürlid),  baß  bie  großen  territorial* 
veranberungen ,  meldte  nun  in  $>eut?d)lanb  vorgenommen  mürben, 
eine  bequeme  ©elegenljett  boten,  aud)  anberweittge,  mit  bem  9tuS* 
gleiäjungSgefdjäft  ntd#  unmittelbar  jufammenbcingenbe  Sßünfdje  vor* 
jubringen,  unb  baß  bie  ©rfftHung  fotdjer  Sffiünfdje  ftd)  wotyl  erreichen 
liefe,  wenn  man  bie  ©unft  ber  franjöftfdfjen  Regierung  befaß.  35ie 
^xmfeftäbte  unb  tnSbefonbere  Sübed  fianben  bei  tyr  in  großer  ©unft. 
Seit  langer  &it  Ratten  fie  eS  ju  bewirf  en  gewußt,  baß  felbft  bei 
ÄeWfjöfriegen  mit  granftetd)  tfmen  Neutralität  jugeftanben  war,  fo 
bafi  fie  i^ren  für  granfreid^  vorteilhaften  £anbelSvcrfef)r  aud)  ju 
fttiegpSjelten  Ratten  fortfefcen  bürfen.  Unb  was  bie  6täbte  leiften 
formten,  tyatte  baS  franjöfifdje  SHrectorium  im  3.  1798  erfahren. 
&  fotberte  von  ifynen  eine  Anleihe  von  18  SJliUionen  grancS,  von 
QmbntQ  unb  öremen  je  7,  von  2üUd  4,  unb  erhielt  in  bcrifyat, 
jnwr  ttidjt  biefe  ganje  ©umme  —  baS  mo$te  aud)  wollt  laum  er* 
wartet  fein  —  aber  bod)  von  Hamburg  4  SJUHionen,  von  Sübed  1}, 
yjTtveifi  ntcljt  wie  viel  von  Bremen.06)  Unb  ba  war  es  ja  jtemlid) 


••)  ®al(oi*  ©efdiidjte  brt  <Sfabt  £am*utg  €.  445  ff. 

5* 


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68 

gteid&gfitttg,  ob  bie  3<ri)fang  bett  Steinen  eine«  ©eföenfeS  ober  einer 
Slnlei^e  l)atte.  ©te  würbe  als  ©efdjenf  gegeben,  ©otdjeS  Dpfer 
war  vooty,  eine«  2)anfeS  werttj,  unb  wenn  bie  ©tabte  ted^t  pro* 
fperirten,  fonnte  man  ja  t>ietteü$t  einen  ä^nlid&en  Sewei«  t)on  S)anf* 
barfeit  nodj  einmal  forbern,  wenn  man  ft$  ifjrer  redjt  fräftig  an* 
naljm.  ©8  war  baljer  in  bem  fran}öfifd>en  Sorfdfjlage 67)  unter 
anbem  feftgefefct,  ba&  bie  ©täbte,  felbfi  in  allen  9leid)3frtegen,  für 
immer  neutral  bleiben  unb  innerhalb  i^rer  Serritorten  bie  ooHe 
SanbeSljoljett  unb  atte  ©ertdjtöbarfeit  otyne  SfaSnaljme  unb  Sorbe* 
tyalt  ausüben  foflten.  ©arauS  folgte  für  Sübed,  bafc  jebe  igerrföaft 
be£  ©omcapttel«  in  ber  ©tabt  unb  beren  ©ebiet  aufhören  mufete. 
Slber  Sübed  erhielt  audj  burdfj  einen  anbern  ttmftanb  einen  birecten 
Slnfprudj  auf  ®ntfdf)äbtgung.  3tl2  ber  &erjog  oon  3Re<flenburg  im 
wefipl)älifd}en  ^rieben  bie  ©tabt  SBiSmar  ber  Ärone  ©djweben  ^atte 
überlaffen  muffen,  waren  i^m  unb  feiner  gamilie  bie  ©nfünfte  aus 
jwei  $>oml)errenfletten  im  93iStt)um  ©trafeburg  jugefprodfjen.68)  SHefe 
mufete  er  jefet  verlieren  unb  erhielt  bafür  mehrere  2)örfer,  bie  ba« 
^eilige  ©eifWgoSpital  in  9Re<flenburg  befafc,  SBarnefenljagen,  2tlt* 
SJufow  unb  Ärumbrood  unb  bie  fämmtti^en  ©örfer,  wetdjje  auf  ber 
Qnfel  5ßoel  ©gentium  biefer  Stiftung  waren  unb  bei  ber  Abtretung 
ber  ganjen  Snfel  an  ©djweben  im  weflpljäUfdjen  ^rieben  auäge* 
nommen  waren.69)  S)afür  muffte  nun  nrieber  Sübedt  entfdjäbigt 
werben  unb  e8  fottte  bafür  erhalten  ben  ganjen  Sanbbejirf  beS  93iS* 
tljumÄ  unb  ©omcapitel«  mit  allen  unb  jeben  Siebten,  ©ebauben, 
©gentium  unb  ©infünften,  jwifdjen  ber  £raoe,  ber  Djlfee  unb  bem 
^immeteborfer  ©ee,  jwifdfjen  einer  von  ha  ab  in  einer  Entfernung 
von  wenigften«  600  franjöfxfd)en  £oifen70)  von  berSraoe  gezogenen 
Sinie,  unb  swiföen  bem  bänifd&en  §otftein  unb  bem  l>annooerfdfjen 
©ebiet  Unter  teuerem  ©ebiet  ift  Sauenburg  ju  oerftetyen ,  meines 
bamal«  ju  $annooer  gehörte.  ©iefe  DrtSbejeidjnung  ift  wEfornmen 
oerftänbtid)  unb  Rar  mit  ber  einigen  2tuSnaf)me,  ba&  nid&t  ange* 
geben  ift,  wo  bie  t>om  #immelSborfer  ©ee  an  ju  jiefjenbe  Sinie  auf* 
^ören  fottte;  inbeffen  ergänjte  ba«  ^ier  ge^lenbe  fid>  oon  felbfi,  benn  fie 


et)  ($  27)  $totofott  ber  aufjerorbentlifrn  flfri<&*beimfation  §u  Hegeirtburg. 
ftegentfburg  1803  ©.  595. 

•*)  @$Ulan$  a.  a.  £>.  <5.  54. 

w)  ©^iUan^  6.  46. 

f0)  Vfnr  SCoffe  ifl  glfty  fe$«  gufj. 


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69 

l>6rte  natürlich  ba  auf,  wo  baS  ©ebiet  be«  (SapitelS  aufhörte.  S)ie 
Stimmung  ging  ba^tn,  bafc  t>on  biefem  ©ebtete  (bem  be»Gapttel«) 
bet  wm  ber  Sraue  unb  einer  in  einet  (Entfernung  t)on  500  £oifen 
von  berfelben  gejogenen  Sinte  etngefdjtoffene  2^eil  ber  ©tabt  Sttbed 
jiifallen  foffte.  6«  war  üp  bemnad)  im  ©anjen  ein  fe^r  bebeutenber 
SanbjWdj  juget^eilt  ©8  war  ober,  wie  fd>on  bemerft,  bie  ganje 
^nberoert^ei(ung  in  2)eutfd)tanb  in  ?ßari«  abgemalt,  alfo  urfprüng* 
Kdj  franjöfffdj  gefdjrteben,  ber  franjöfifäe  Pan  würbe  nadj  Stegen«* 
tetg  getieft  unb  bort  erfi  in«  SDeutfd)e  übertragen.  $)abei  aber 
gef<$a!>  bie  Uebetfefcung  ber  Sfibed  betreffenben  ©teile  fo  ftüdjtig  unb 
na^läfftg,  mit  fo  gänjttdjer  9Hdf)tbeac$tung  ber  geograp^ifdjen  33er* 
llätatiffe,  bafc  fte  baburd)  t>öUig  unt>erftänbüdj  würbe.71)  Sitte  Se* 
müdungen  be£  2fibe<fif<$en  Slbgefanbten  auf  bem  SleüfyStage,  beS 
Senator  Stobbe,  eine  Slenberung  ju  bewirf en,  blieben  frud>tlo& 
£aS  würbe  für  Sttbed  fpater  fetjr  nadjfyetlig. 


")  tca»|6flf4a  Xni : 

Tont  le  territoire  de  l'Evecbe'  et  Grand-Chapitre  de  Lübeck  avec  lettre 
droits,  b&timens,  proprie'te's  et  revenus  quelconques,  compris  entre  la  Trave, 
I«  Btltique,  le  lac  de  Himmelsdorf,  une  ligne  tire*e  de  la  au-dessus  de  S  war  tau 
»  nne  distance  de  cinq  cents  toises  francaisos  au  moins  de  la  Trave,  le  Hol- 
stein Danois  et  le  Hanovre. 
5>roifd>er  Xnt: 
$enjenigen  gangen  Sanbetbegirt  M  ©fctyum*  unb  $omcal>Ueto  gu  Sftbecf, 
•tt  afleu  nnb  jebe n  Sterten,  (Bebauben,  Gigenüjum  unb  dfnfünften,  toeldjer  gttifdjen 
bet  Xraw,  ber  Oftfee,  bem  «&immel«borfer  ©ee  unb  einer  Sinie  begriffen  t|i,  bie 
»w  ba  oberhalb  <8d)roartau  in  einer  (Entfernung  von  roenigflen*  500  frangöfl* 
föei  Xoifeu  »en  ber  Xxave,  bem  $>änifd)en  £olflein  unb  bem  «8antorifd)en  gegogen 
toirb. 

$le  Sfonloftgfeit  be*  beutfdjen  Herten  liegt  auf  ber  £anb.  9lu$  bem  fran* 
IPÜfdien  Xezt  »erfänoinbet  jebe  Unbeutlidtfeit ,  bie  etwa  barin  liegen  mottete,  foenn 
mn  folgenbennafeu  abheilt: 

Tont  le  territoire  de  rEveche*  et  Grand-Chapitre  de  Lübeck  avec  leurs 
droits,  batimens,  proprie'te's  et  revenus  quelconques  compris  entre 
la  Trave, 
la  mer  Baltique, 
le  lac  de  Himmelsdorf, 
nae  ligne   tirec  de  1k  au-dessus  de  S wartau  k  une  distance  de  cinq  cents 

toises  francaises   au  moins  de  la  Trave, 
h  Holstein  Danob 

et 
k  Hanovre. 


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zedby  G00gle 


70 

@o  aufrieben  man  in  Sübed  mit  ben  SBefHmmungen  be«  Steid&fc 
beputatton$*©c!)luffe$  war,  fo  unjufrieben  war  ber  £erjog  ^Peter 
griebridfc  Subwig  von  Dlbenburg  unb  SSifd^of  t>ou  Sübed.72)  2fof 
Setrieb  ber  franjöjifdfjen  ^Regierung,  bie  t>ermutl)Üd(>  ber  ©tabt  33re* 
men  einen  ©egenbienfi  erweifen  wollte,  war  bie  SBefttmmung  aufge* 
nommen,  ba&  ber  ßlsflet&er  ßott  aufhören  fotte,  unb  jur  (Sntfd&äbigung 
für  ben  #erjog  x>on  Dlbenburg,  ber  iljn  erljob,  war  femer  fefigefefet, 
ba&  i&m  baS  SiStljum  2übe<f  als  erWid&er  ©efife  jufatten  fotte.  SDem 
&erjog  aber  war  baS  ©ine  fo  unangenehm  als  baS  anbete.  3)en 
3oH  befafc  er  uermöge  fatferltd&er  93erleif)ung ,  unb  baljer  Ijatte  nadfj 
feiner  SWeinung  fein  2Renf<$  baS  9ted&t,  iljm  bie  miHfommene  @in* 
na^me  p  entjie^en.  Slud)  war  in  bem  grtebenSfd&lufe  aon  ßünemlle 
fein  $unft  ju  finben,  ber  bie  Sluf (jebung  beS  3oIIeS  jur  golge  ijätte 
tyaben  muffen.  S)ie  iljm  jugebad&te  ©ntfd&äbigung  ^ielt  er  für  gar 
feine,  benn  33ifdfjof  mar  er  ja  fd&on  unb  baS  ©apitel  Ijatte  tym  1799 
bie  3ufidjerung  gegeben,  ba£  na$  feinem  Sobe  nod(j  breimal  hinter 
einanber  ein  SBifdfjof  aus  feinem  £aufe  gemäht  werben  foHe.  $>er 
Seftfc  beS  twUftänbigen  ungeteilten  23tStl)umS  war  alfo  nad&  menfdfj* 
Ud&er  Sered&nung  etwa  für  bie  nädtften  ^unbert  Qa^re  fo  gut  wie 
ein  erblicher  Sefifc,  unb  barauf  verliefe  er  ft$  um  fo  me^r,  ba  er 
ju  mehrerer  ©id&erljett  ftd&  fowot)l  tum  bem  Äatfer  als  oon  bem 
Äönig  t>on  ©änemarf  eine  Seftätigung  beS  Sefd&luffeS  beS  ßapitel« 
aerfdfjafft  Ijatte.  UeberbieS  foHte  er,  faDtö  ba«  33tSt&um  fecularifirt 
würbe,  einen  erl)eblid(jen  S^eil  an  bie  ©tabt  abtreten,  weldjer  für 
ba«,  was  fte  in  3Redflenburg  oerlor,  baburdf)  eine  nadf)  feiner  anfügt 
überreid&lidjje ,  fogar  unoer^ältnifemäfeige  (Sntfd&äbtgung  jugefproc&en 
war.  SefetereS  war  allerbingS  naä)  bem  Söortlaut  beS  SßrotofoBS 
rid&tig,  nur  war  eS  ntd&t  bie  3Mnung,  bajj  bie  ber  ©tabt  }uge* 
fprod^ene  Srweiterung  nid&tS  anberS  als  eine  ßntfd&äbigung  feinfoBe; 
man  wollte  eS  btn  ©tftbten  überhaupt  möglidf)  ma$en,  tyre  Unab* 
^ängigfeit  unb  SJleutralität  ju  behaupten.  S)er  Jßerjog  proteftirte 
alfo  gegen  alle  ityx  betreffenben  Steile  beS  S)eputattonSf<f)luffeS  als 
eine  Sßerlefcung  feiner  unoeräufcerltd&en ,  jum  £f)eil  vertragsmäßigen 
Siebte,  unb  fanb  babei  Unterftüfcung  nidjt  btoS  an  bem  Äönig  von 
SDänemarf,  ber  bie  2Iuff)ebung  beS  2JiStl)umS  Sübedf,  no$  me^r  frei* 


,2)  dx  toar  eigentltd»  nur  regferettber  Slbmtnlflrator  Ut  8anbe#  in  ©fette  bf« 
gemüt^franfen  unb  be*f)alb  jur  Regierung  unfähigen  ^ergog«  fetex  grirbridj 
3öil^elm,  ber  erfl  1823  flarb. 


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zedby  G00gk 


71 

lä(j  bie  beS  Jtomcapitete  ju  Hamburg  ebenfaDtö  ungern  falj,  fonbern 
aud)  an  bem  ©l)ef  beS  §oljlem*©ottorpifd()en  $aufe$,  bem  Äaifer 
wm  Su&lanb.  S)urdf)  biefe  Tlnterftü|ung  braute  er  e8  in  ber  3$at 
bnjtfn,  ba§  bie  oermittelnben  -äJtäd&te  unter  §injutritt  be$  vom  Äaifer 
wm  SRufclanb  baju  eingelabenen  Äönigä  t>on  Sßreufeen  am  6.  Stpril  1803 
einen  eignen  Vertrag  mit  i^m  abfdfjloffen  unb  barin,  um  Ü>n  ju 
befriebigen  f  if>m  jugeftauben,  bafc  er  ben  @teflett)er  &oU  no<§  jeljn 
3al>re  lang  bis  jum  l.  Januar  1813  in  ber  bisherigen  SEBeife  fort^ 
ergeben  möge.78)  $)afür  ernannte  er  benn  jroar  alle  ba«  ©töt^um 
Sübedf  betreffenben  Sefdfjlüffe  als  tyn  binbenb  an,  aber  fel)r  ungern. 
Seiner  formellen  Sfaerfennung  fügte  er  bie  Semerfung  bei,  ba&  er 
in  Änfe^ung  beSjemgen,  roa«  wegen  be£  Signum«  fiübedf  unb  be* 
tonber«  beffen  Umfd&affung  in  ein  roetttid&eS  von  ü)m  unb  feiner 
Sadjfommenfd&aft  fernerhin  ju  befifcenbeS  gürftentyum  beliebt  unb 
feftgefefct  roorben  fei,  lebigltdjj  ber  ©eroalt  ber  Umflänbe  roeid&e,  bie 
et  itid)t  änbem  fönne.74) 

§ür  bie  Stabt  ßfibcd  entpanb  au«  biefen  Serfjättntffen  eine 
äujjctft  unangenehme  Säerjögerung  in  ber  (Srlebigung  ber  ganjen 
Sfogelegentyett  %n  bem  urfprfingltd&  fdf)on  am  23.  SRooember  1802 
etlaffenen  ^jwtationSfd&luf*  mar  (§  43)76)  ber  l.  ©ecember  al«  ber 
Sag  be§eidfjnet,  an  meinem  ber  ©enufe  ber  jur  ®ntfdf)äbtgung  an* 
geuriefenen  ©ntfdjäbtgten  feinen  2lnfang  nehmen,  mit  ber  ferneren 
SefHmmung,  ba&  ber  Sit)ilbefi^  noefj  a<f)t  Sage  frfitjer  angeben  fotte. 
£er  §er§og  von  SDtedflenburg  §atte  nid&t  gefäumt,  biefen  Termin 
tone  §u  galten,  unb  auf  eine  f  örmltd&e  Uebergabe  t>on  Seiten  Sübedte 
gar  nicf)t  einmal  geroartet,  um  bie  tym  bur<$  ben  ©eputattonafd&lujj 
§ugefpro<f>enen  ©fiter  in  33ejtfc  ju  nehmen,  fonbern  bem  Senate  nur 
angejeigt,  bafe  er  biefen  Stritt  t&un  roerbe,  unb  itym  an^eimgefteBt, 
einen  (Sommiffar  babei  gegenroärtig  fein  ju  laffen.  S)er  33erfud(>, 
einen  Sluffd&ub  ju  beroirfen,  fjatte  feinen  ©rfolg.  3)er  Senat  befafc 
«W&t  bie  SDtadjjt,  in  gletdfjer  SBeife  gegen  ben  £er}og  uon  Dlbenburg 
Ja  flerfaljren,  unb  fonnte  niä)t&  t&un,  al«  am  li.  ©ecember  ein 


")  Saetifa  fcat  bie  (Srtjebung  betf  (Itejleiljer  3oU«  no«  länger  gebauert.  ö« 
ta  batüber  ju  einem  Streit  gtoifdjen  Olben&urg  unb  Söremen ,  treiben  bie  93un* 
fcherfammtung  »ermittelte.    9lm  7.  SWai  1820  l)drte  er  auf. 

H)  Beilage  ju  bem  $rotototIe  ber  auf  erorbentlldjen  SReid^bejmtation  ju  (Regen** 
lv|  9b.  IV.  6.  3S4. 

»)  f rotofoa  ©.  602. 


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72 

SKattifefi  ettaffen,  in  melden  et  feietlidjj  etfldtte,  bag  et  bie  bet 
©tabt  jugetljcilten  ©egenjiänbe  annehme  unb  ben  93eftfe  betfelben 
il)t  aneigne.  Slbet  biefe  Aneignung  ftanb  nut  auf  bem  ^Japiet.  Site 
et  fid)  bann  an  ben  £etjog  mit  bet  Sitte  um  Uebetgabe  bet  abju* 
ttetenben  ©egenftänbe  unb  um  Ginleitung  bet  baju  etfotbetttd&en 
SSet^anbtungen  roanbte,  erhielt  et  jut  Slntroott,  bag  bet  SfoSfitytung 
be3  3lei(§8beputation8f^luffe^  nodj  ©djnrietigfeiten  entgegenfiebert, 
bie  etft  beseitigt  roetben  mü&ten,  ba  feine  Siebte  but$  bie  9letd>8* 
beputation  auf  empftnblidje  Sßeife  t>ette$t  feien.  SKbet  audj  als  biefe 
©d&roietigfeiten  in  bet  eben  bemetften  SSeife  befeitigt  maten,  be* 
burfte  e8  einet  etneuetten  Slnforbetung  von  Seiten  beS  Senat*  unb 
einet  eignen  ©enbung  be$©enatot  Stobbe  na$  Dlbenbutg,  um  Ujn 
jum  ©inttitt  in  bie  Set^anblungen  ju  befttmmen.  Unb  felbjl  ba 
x>erurfadjten  anfangs  bie  nodf)  nid)t  eingegangene  (Genehmigung 
beä  Vertrag«  oom  6.  SKptil  butdj  ben  Äaifet  von  SRu&lanb,  bann 
bie  allgemeinen  polUifdjen  gtetgniffe  unb  enbUdfj  mehrere  nad)  beö 
£etjog3  Se^auptung  twgängig  mit  bem  ©apttel  §u  tteffenbe  33et* 
einbatungen  eine  lange  3<>getung.  @tft  am  16.  Sfaroembet  1803 
routben  bet  ^Eufiijrat^  6fd>en  unb  bet  StomfynbicuS  Südpol} 
von  bem  $etjog  ju  ßommiffatien  befteHt,  von  ßübed  w>at  bet  ©e* 
natot  Stobbe  etnannt  ©ie  SSet^anblungen  fanben  in  @utm  ©tatt, 
mo  bet  ipetjog  petfönlidj  anroefenb  mar,  um  fte  §u  befdjteunigen. 

$a  in  bem  9fei$£beputation$fd)tu§  aud)  beftimmt  roat,  bajj  bie 
©tabt  Sübed  fid^  mit  bem  ipetjog  von  Dlbenbutg  übet  einige  in  fei* 
nemfianbe  gelegene  t>on  Uit  abhängige  SBefifcungen  gütlidj  aetetnigen 
folle,  Ratten  bie  Setljanblungen  einen  jrotefadjen  ©egenftanb,  für 
meinen  man  bie  2lu8btüde  gebrauchte  Sßetmutatüm  (SluStaufdj)  unb 
Snbemnifation  (@ntfä)äbigung).  SDet  §etjog  liefe  atebalb  etfläten, 
bafe  e$  feine  Slbfid^t  fei,  übet  ben  5ttu$taufd(j  einiget  SJanbeteien  ju 
üetljanbeln,  jcbodj  erjt  bann,  wenn  übet  bie  ©egenftänbe  bet  <£nt- 
fdjäbtgung  ein  (Süwerflänbmfj  herbeigeführt  fei.  liebet  biefe  würbe 
alfo  (am  25.  unb  26.  SRoDembet)  junä<^ft  t>etf)anbelt,  unb  man  ging 
babei  Dlbenbutgifdjet  ©eitS  von  bet  2lnftd)t  au8,  bet  ateufy&beputa* 
tton£fdjlu&  enthalte  tyeits  üetjtönbltc&e,  t^eite  unpetjtänblU&e  f&t* 
ftimmungen,  bie  leiteten  fönnten  nid^t  betüdfftdjttgt  roetben,  tbtn 
weil  fie  unoetfiänblid)  feien  unb  e«  nMjjt  jiatt^aft  fein  fönne,  fte 
willf ütlWf)  anzulegen ;  übetbieS  fei  bet  Siw* ,  ju  meinem  Steile 
be«  33i3t$um«  an  bie  ©tabt  abgetreten  werben  fottten,  ganj  beutltd& 
unb  beftimmt  auSgebtüdt,  nämlu$  um  il)t  eine  @ntfd)äbiguttg  für 


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73 

ben  SJertuft  einiget  Sfötfet  in  3Jte<flenburg  §u  geben.  Qitxnati)  war 
ta  £etjog  etbötig,  innerhalb  ber  ©tabt  (intra  muros)  bie  bem 
ßapitel  gehörigen  ©runbftücEe  unb  ©ebäube  abzutreten,  aufeetljalb 
ber  Stabt  (extra  muros)  bie  jnrifdjen  bem  £immel«borfer  See ,  ber 
Ofijee  unb  bem  Sübediföen  ©ebiet  belegenen  ©apitetebörfer.  3Son 
leiteten  naf>m  er  jebodj  ein«,  SRienborf,  au«,  weil  e«  tbeitweife  jen* 
feit«  be«  §immel«borfer  ©ee«  liege  unb  bie  2)orflänbereten  nidjt 
geteilt  werben  fönnten.  5Die  Abtretungen  in  ber  ©tabt  fnüpfte  er 
an  jum  S^eil  läfHge  Sebingungen,  wobei  er  fidj  audj,  gegen  ben 
Raren  Au«fprud>  be«  9teu$«beputation«fcf)iuffe«,  bie  2lu«übung  ber 
gefammten  ©iuil*  unb  Srimmaljurtöbiction  über  alle  jum  ©apitel 
gehörige  Sßerfonen  unb  beren  gamitien  üorbetjielt.  ©r  beregnete, 
ba&  bie  ©tabt  burd>  feine  3lnerbietungen  me^r  al«  ba«  Stoppelte 
tum  S)em  empfange,  nm«  fie  in  SJledtenburg  verliere. 

8n  Sfibed  ging  man  t)on  ganj  anberen  Anftd&ten  au«.  SJtan 
hoffte,  burdj  ben  9teid^«beputation«f$lug  enblidj  einmal  in  ein  ftare« 
unb  befKmmte«  Serbältnifc  ju  ben  bena^barten  Regierungen  ju 
Immnen  unb  ber  beftänbigen  ©treitigfeiten  mit  i^nen  enthoben  ju 
fein  bw#  mtyt  bie  ©tabt  in  eine  Steige  t>on  Sßroceffen  beim  3tei$«* 
femmergerM&t  oerwidelt  unb  ju  mehreren  äufcerft  nad&tljeiligen  S3er* 
trägen  genötigt  worben  mar.  @«  mar  (in  §  27)  $inR$tli$  fämmt* 
lidjer,  in  ifjrer  SSerfaffung  erhaltenen  3ktd)«fläbte  beflimmt:  „Sie 
genießen  in  bem  ganjen  Umfange  ityrer  refpectipen  ©ebiete  bie  trotte 
2onbe*l)ol>eit  unb  alle  ®eri<$t«barfeit  obne  Au«na$me  unb  SJorbe* 
balt"7*)  5Rut  bie  Appellation  an  bie  Itfdtften  91eid)«geridjte  blieb 
Wbftoerftänblid)  uorbefjalten.  S)ie  gorberung  be«  $erjog« ,  ba&  et 
ibet  bie  Angehörigen  be«  Sapitel«  bie  Quti«biction  ausüben  molle, 
jtonb  alfo  mit  ben  jum  JReid^gefefe  geworbenen  unb  von  iljm  felbft 
anetfannten  »efHmmungen  in  offenem  SBtberfprudj.  @«  mar  femer 
be»  $erjog,  offenbar  in  Sufammenbang  mit  biefen  SSefHmmungen, 
kk  Abtretung  ber  Ü)m  unb  bem  fcomcapitel  juftanbigen  Siebte  unb 
Deutungen  in  ber  ©tabt  auferlegt  unb  baftir,  wie  für  ba«  Auf* 
Ifcen  be«  ©«ffetber  Soll«,  tym  ber  größere  2$etl  be«  »i«tf)um« 
»den  einigen  anberen  Sanbfirtdjen  al«  ©ntfdjäbtgung  jugefprodjen.77) 
&mx  alfo  ganj  wtfe^rt,  biefe  Abtretung  al«  eine  ber  ©tabt  ßübed 
tgtftanbene  ©ntfd&äbigung  anjufeben  unb  ben  2Sertl)  berfetben  ju 


*•»  flrtcfctl  ©.  885. 
'  ")  ftctcteVi  6.  882. 


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zedby  G00gk 


14 

fcered&nen;  trielme&r  war  baS,  wo«  bie  ©tabt  als  (Sntfd&äbigung 
für  bcn  9Serluft  von  Dörfern  in  3ßecflenburg  erholten  foUte,  anbete 
toeitig  unb  beutlidf)  begcid&net 78)  @8  tarn  nod&  fyinju,  bafe  ber  &erjog 
txm  2Re<flenburg  fid&  in  ber  Gotwention  nom  6.  Sprit  t>crpflid&tet 
§atte,  bic  ©tabt  ßübedf  in  ben  S3efi5  unb  ©enufe  ber  i&r  jugejprod&e* 
nen  ©ebtetSt&ette  be3  2}iSt&um£  imb  Sapttete  mit  ben  baju  gehörigen 
Sterten,  ©ebäuben,  eigent^um^Der^ältniffen  unb  einfünften  fogleid& 
eintreten  ju  laffcnf  oljne  einen  (Srfafc  bafür  in  2tafprud&  ju  nehmen. 
Unb  enbüd&  wäre  es,  fetbji  ben  bereits  funb  gegebenen  2infidjten 
gegenüber,  nidfjt  ju  uerantmorten  gewefen,  wenn  man  nid^t  wenig* 
jienä  btn  SSerfnd^  gemalt  Ijcitte,  bie  günftigen  Seftimmungen  be£ 
9tei<fy&beputatton#djluffeS  ljinfid)tU$  ber  Slbrunbung  be3  ©ebiet«  jur 
©ettung  ju  bringen.  S)ie  £übecfifd)en,  in  einer  9lote  oom  l.  S)e» 
cember  übergebenen  unb  in  einer  ßonferenj  am  folgenben  $age 
nä^er  begrünbeten  ftorberungen  umfaßten  ba^er:  1.  £>ie  bereite 
angebotenen  ©egenftänbe  innerhalb  ber  ©tabt  unter  Sorbeljalt  me^» 
rerer  nodf)  ju  treffenben  näheren  Seftimmungen.  2.  2>ie  adjt  ©a* 
pitetebörfer  jwifdEjen  bem  ipimmefeborfer  ©ee,  ber  Dftfee  unb  ber 
£raoe  (9iienborf  eingeid&Ioffen).  3-  JDic  uier  Dörfer  ©enin,  SJorrabe, 
Dberbüffau  unb  SRieberbüffau  nebft  einigen  Heineren  ©runbftücfen  in« 
ner&albber&mbweljr.  4.  SDle  betben$Dörfer£amberge  unb£anfelbe, 
bie  jwiidjen  ber  $rat>e  unb  &otftein  liegen.  5.  S)en  Inbegriff  einer 
Stnie,  bie  nad)  einem  00m  £immeteborfer  See  anjufangenben  unb 
na<$  ben  Krümmungen  ber  Xxaw  in  einer  ©reite  von  wenigstens 
500  franjöfifd&en  Soifen  oberhalb  ©d&wartau  gegen  bie  fiübedfifdje 
©renje  etwa  bei  SJorwerf  fortgeljenben  SKafee  abjufledten  fein  würbe, 
2)a&  fold^e  gorberungen  einem  entfd&iebenen  äöiberfprudj  be* 
gegnen  mürben,  war  twrauSjufefyen  unb  man  mar  wotyt  gefaxt  bar* 
auf.  SXe  Ijerjoglidfjen  Gommiffarien  gingen  aber  nodjj  weiter,  ©ie 
Ratten  fdjjon  bei  ber  erften  Slnbeutung  jener  gforberungen  erflärt, 
bafe  biefelben,  wenn  fie  noä)  femer  ate  ©runbtage  ber  fortjufefcenben 
SScrfjanbtung  behauptet  werben  jollten  f  jeben  weiteren  SBerfudf)  eine« 
glüälid&en  Vereins  rüdfgängig  madjjen  würben.  Site  bann  bie  er* 
wttynte  9tote  übergeben  war,  tieften  fie  ftdj  jwar,  in  ber  Sonferenj 
am  2.  ©ecember,  auf  eine  äBiberlegung  be$  franjöfifd&en  $ejteS  ein, 
uerweigerten  aber  jebe  weitere  Siftcuffum  barüber  mit  ber  wieber* 
polten  erflärung,  bag  es  au&ertyatb  ber  burdf)  i^re^nftruetion  iljnen 


TO)  ftotofoS  6.  886. 


\ 


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76 

wrgefd&riebenen  ©renjen  liege,  ft<$  in  tegenb  eine  weitere  Unter* 
Ipnbtmtg  einplanen,  wenn  ber  gegenseitige  (SommiffariuS  bei  feinen 
aettfeenrngen  beharre  unb  md&t  in  bie  von  tynen  bereit«  ju  ^rotof ott 
gegebenen  ©runbfäfce  eingeben  fönne.  2lu<$  weigerten  fie  fiü),  bie- 
jenigen  ©egenfiänbe,  weldje  ber  $erjog  im  Sßege  beS  StuStaufd&eS 
ja  erroerfcen  unb  wegzugeben  wünfd&e,  wenigflen«  fo  weit  ju  nennen, 
bafe  man  ben  ganjen  3(nljatt  ber  Berbanblung  auf  einmal  überfein 
fönne,  fanbern  beflanben  barauf,  bafe  man  juoörberfi  wegen  ber 
3nbemnifation  ganj  im  Steinen  fein  muffe.  Dbwofjl  nun  ber  Senator 
Äobbe  atebalb  ermutigt  mürbe,  bie  Sfafprüdfre  auf  §amberge  unb 
§anfelbe,  fo  wie  aud&  bie  auf  einen  Sanbftrtdfj  uon  fünf&unbert  Xoifen 
»reite  fatten  §u  laffen,  fanb  bod)  ein  äljnlid&eÄ  Gntgegenfommen 
Seitens  ber  l>erjogU<ijen  Sommiffarien  nidfjt  Statt;  fie  begnügten  ft$ 
(am  6.  ©ecember)  mit  einer  allgemeinen  Berwaljrung  gegen  bie 
aufgeteilten  Behauptungen  unb  ©runbfäfce  unb  wieberljolten  bie  ©r* 
H&rung,  bie  Unterljanblung  fönne  feinen  Fortgang  {jaben,  roennauf 
ten  aufgefüllten  gorberungen  be^arrt  werbe.  9lm  -Jlacbmittag  bef- 
Wben  XageS  fpra<$en  fie  nodjj  entfd&tebener  auS:  wenn  bie  ©tabt 
äW  iti^t  Don  ber  gorberung  ber  Sunt*  unb  6riminal*3uri«biction 
fifer  fämmtlidfje  Sapitulare,  Bicare  unb  Beamte  be«  StomcapitetS 
abfiele,  unbnid&t  ^inft(§tli^bert)onbem$erjog  abjutretenben  ©egen* 
ftänbe  innerhalb  unb  aufcerfjalb  ber  ©tabt  eine  mit  ben  am  26. 
Stowraber  gemalten  Borfd&lägen  übereinftimmenbe  unb  ityten  bei* 
fceteube  GrHarung  fogleidf),  fdfjtiefcltcl)  unb  unwiberrufUdjj  erteilen 
pt  fömten  oermeine,  fo  fei  e«  burd&auS  untljunlid&,  ftdfj  auf  weitere 
cmmmffarifdje  Betfjanblungen  einjulaffen,  fonbern  e3  fei  notymenbig 
|ie  abjubredjjen ;  ber  £erjog,  welker  nie  gefonnen  fei,  ftd&  bem 
te#lid>en  SuSfprud&e  ber  beif  ommenben  Beljörbe  ju  entjieljen,  werbe 
bie  £ntf$eibung  ber  ©adfje  ba$in  gern  uerftetten. 

Unter  fold&en  Umftönbeu  blieb  bem  Senator  SRobbe  fein  2faS* 
»eg.  &  war  für  ben  nun  eingetretenen  gatt  mit  einer  beftimmten 
3»fttuction  nid&t  aerfeljen  unb  burfte  bie  Berantmorttid&feit,  ben 
itötudfr  ber  Berfanblungen  herbeigeführt  ju  $aben,  nid&t  übernehmen; 
«ri  geföefjen  foHte,  mufete  x>om  Senate  felbfi  befiimmt  werben.  @r 
Vi,  jebod&  unter  äuänaljme  ber  (Sriminal^rtebiction  in  ibrem 
|*ten  Umfange  unb  ber  ©pil^rtöbktion  über  bie  Bicare  (weld&e 
Jttfentfjeite  £fibedfifd&e  Bürger  waren),  fo  wie  unter  §injufügung 
enriflee  nertrauenSnoEen  ©rwartungen  I)inftdf)tli<i)  ber  weiteren  Ber* 
Managen,  bie  perlangte  ©rflärung  ab  unb  behielt  bem  Senate 


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76 

bte  Stotiftcation  vot.  Sag«  barauf  würbe  nod&  bie  aSerftd&erung  ge* 
geben,  bafe,  fall«  bei  Stof jäljlung  ber  innerhalb  ber  ©tabt  abjutreten* 
ben  ©egenftänbe  trrtyümtidfjer  SBetfe  @twa«  überfein  fein  foUte, 
wo«  ben  ^rincipien  na<$  baju  gehöre,  man  nid&t  anfielen  werbe, 
e«  ebenfalte  ju  überliefern.  3ugleidfj  würbe  bie  9Rittf)etfung  gemalt, 
ba§  ber  iperjog  bie  oicr  Dörfer,  9töbel,  Äeäborf,  ©lefdfjenborf,  fo 
weit  e«  Sübedftfdj}  feif  unb  ©djjarbeufc  nebji  ben  S3efi|ungen  ber 
©tabt  in  ©d&wartau  §u  erhalten  wfinfdfje  unb  bagegen  taufdEjweife 
bie  S)örfer  ©enin,  Sßieberbüffau  unb  Sorrabe  anbiete. 

Qn  Sübecf  würbe,  obwohl  bie  3eit  brängte  unb  ein  raf<$er 
@ntfd^lu6  gefaxt  werben  mu^te,  bie  ganje  Angelegenheit  bodj  jutwr 
forgfältig  erwogen.  S)abei  würbe  ba£  geringere  ©ewid&t  auf  btn 
au&erorbentlid)  großen  Unterfd&ieb  jwifd&en  ben  Slnerbietungen  be« 
$erjog«  unb  ben  gorberungen  ber  ©tabt  in  33ejug  auf  bie  ©ebiet«* 
abtretungen  gelegt.  SJtan  fal)  ein,  bajj  man  in  biefer  SJejteljung 
t)on  ben  urfprünglidfjen  gorberungen  weit  jurüdfgeljen  müfle.  SKber 
bodfj  erfdfjien  es  felbfi  von  bem  ©tanbpunlte  be«  &erjog3  au«  ate 
reine  2Bilttür,  bafc  SHenborf  au«  bem  ©runbe  nid&t  mit  abgetreten 
werben  foHe,  weil  ein  %f)nl  ber  ©orflänbercien  jenfeit«  be«  §tmmel«* 
borfer  ©ee«  lag.  @«  gab  bafür  me^r  als  Sin  2lu«hmft«imttel.  lln» 
möglidfj  fonnte  man  bie  SSer^aublung  barüber  fd&on  aufgeben,  ferner 
war  in  Sejug  auf  bai  ©gentium  beö  Gapitel«  in  ber  ©tabt  lein 
@uu>erftänbm&  tynfid&ttidf)  ber  3Robalttät  be«  Uebergang«  twrljanben. 
Ueber  bie  3eit,  wann  er  erfolgen  foDe,  über  bie  ben  ©runbftüdten 
unb  U)ren  S3ewo^nem  ju  gebenbe  Stellung  unb  mand&e«  ba^in  @e* 
porige  waren  jwar  3Keinungen  au«getaufd(}t,  aber  fetne«weg«  aße« 
©rforberlidfje  feftgefefct  unb  abgemalt  9Ran  fonnte  nidf)t  burdjj  un* 
bebingte  Annahme  ber  gemalten  SBorf^läge  ftd&  für  alle«  nodf)  gefi* 
jufe&enbe  bie  $änbe  binben.  §mftdf)tUdfj  ber  Surtöbiction,  auf  weldlje 
von  ©eiten  ber  ©tabt  mit  Sled&t  tnel  2Bertl)  ju  legen  war,  Ijatte 
ber  Senator  SRobbe  feine  83eitritt8erKärung  nur  mit  33orbeI)att  unb 
ausnahmen  gegeben;  e«  war  ntdfjt  gewiß,  ob  ber^erjog  fid&mit  ber 
^Ratification  foldEjer  @rftärung  aufrieben  geben  würbe.  SSon  ben 
SßünfdEjen  unb  planen  be«  $erjog«  in  Sejug  auf  ben  2faStaufd& 
oon  ßänbereien,  worüber  bie  SBerljaublungen  nodjj  beoorfianben,  f>atte 
man  gar  feine  ooBfiänbige  Äenntnife;  benn  wa«  barüber  am  7.  S)e* 
cember  bem  Senator  Stobbe  von  ben  ©ommiffarien  mitgeteilt  war, 
war  erfi  in  allgemeinen  Umriffeh  nadjj  SübedE  berietet,  au<$  barüber 
blieben  eine  3RengeS)etaite  nodj  ju  orbnen.  2Wan  ftanb  alfo  burdfjau* 


\ 


77 

no$  mitten  in  ber  SSer^onblung  unb  e8  mufete  unjutöfftg  erfd&einen, 
eine  beftnittt>e  ©rflarung  fd&on  jefct  ju  f  orbern,  unb  bebenftt<i),  fie 
ja  geben.  Unb  enblidjj  fanb  man  e3  mit  ber  S^re  unb  ber  Sßflid^t 
m#  pereinbar,  int  ©efü^t  beS  SRedfjtö  unb  geflfifct  auf  bie  Karen 
STitfjprüdje  eines  mit  faiferlid^er  Seftättgung  i>erfeljenen  SfteidfjStagS* 
befd^üiff eS  f  ber  für  ben  einen  9teuf>3fianb  eben  fo  febr  eine  9tid&t» 
föttur  fein  foUte,  ate  für  ben  anbern,  fxd&  ber  SffiiEfür  ju  beugen. 
Star  ©enat  oerbeljlte  ftdfj  bie  folgen  nidf)t,  meldte  ber  3tbbrudj  ber 
Ser^anblungen  $aben  fönnte.  63  mar  nid^t  ftar,  mer  bie  „betfom* 
wenbe  Seprbe"  fei,  melier  ber  §erjog  bie  SntfdEjelbung  anleint 
fidlen  wollte.  ©8  formte  barunter  eine  etma  anjuorbnenbe  9tei<$8* 
§ptuti(m3*eommiffion,  ober  eine  nadjj  Anleitung  ber  9lei<i)8fammer* 
9*rid)t£orbnung  ju  bitbenbe  SlufirägakSnftanj  wrfianben  roerben, 
e$  tonnte  aud&  eine  burdfj  ben  SReid^tag  felbft  ju  gebenbe  antuen* 
tii^e  3nterpretatton  ber  betreffenben  ©teilen  be$  9teid&äbeputation& 
jtyuffeä  gemeint  fein.  ©er  eine  biefer  SBege  erfdfjien  faft  fo  enblo« 
unb  auäfid&tSloS  nrie  ber  anbere.  fcennodjj  befdfjloji  ber  ©enat,  ju 
tJjun,  tdq8  ©fjre  unb  Sßfttd&t  ü»m  ju  erforbem  fd&ienen.  (Sr  t>erfagte 
We  wtfre$altene  Ratification,  tjalb  jmar  in  ber  Hoffnung,  bag  bem 
4*i?og  jeibfi  oiel  baran  Hegen  muffe,  bie  äferljanblungen  ju  ®nbe 
}u  bringen  unb  er  fte  batyer  nidjt  fogleidfj  abbred&en  werbe,  aber 
bo<$  awb  entfd&loffen ,  feinen  SEBeg  unoerfud&t  ju  laffen ,  um  fein 
Sed&t  jur  änerfennung  ju  bringen. 

S)er  abbrudjj  ber  35er^anblungen  erfolgte  nun  atterbütgS.  S)ie 
fctjoglicfcen  ©ommiffarien  erflärten  fogletdj)  i^re  SMmadjt  für  er* 
loj^en,  ber  iperjog  wrroeigerte  bem  Senator  SRobbe  eine  Slbfdfjieb«* 
aubien},  unb  als  ber  Senat  nun  bitect  an  iijn  fd&rieb  unb  unter 
Sqcugung  be3  9Bunfd&e£,  bie  ©ad&e  im  SBege  freunbfd&aftltd&er  85er* 
^wblung  beenbigt  ju  fe^en,  bie  Sereitroittigfeit  auSfprad^,  gegen  tfjn 
W$  ober  eine  oon  tljm  ju  benennenbe  JBeljörbe  ftd&  nä^er  ju  er* 
fiten,  emneberte  er,  ba&  nad&  bem  unter  unabhängigen  Staaten 
kfefcnben  ©ebraud&e  Don  SSer^anbtungen  nun  nidf)t  elier  roieber 
KeÄebe  fein  fönne,  ci&  btö  er  ©enugttjuung  ermatten  §abe.  (Sr 
»•r  nadj  feiner  3lnftdf)t  getauf<$t  roorben  unb  erblidfte  bemnadEj  in 
b«  SSerfaljren  be3  ©enatö  eine  perfönli^e  SSeleibigung. 
-<  $cr  $erjog  mürbe  mo^l  nidjjt  fo  Ijolje  gorberungen  gepellt  unb 
•ttjaupt  ein  anbere«  SSerfa^ren  beobad^tet  ^aben,  menn  er  nid&t 
«wet  Wpanbigen  Slfidf^alt  an  bem  Äaifer  oon  Shifelanb  gehabt  §ätte, 
^  fr^  auf  ba«  2ebi>aftefie  für  i^n  interefPrte  unb,  wie  er  felbfi, 


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7g 

odtttg  ber  Sbtftd^t  war,  bafe  baS  ganje  öi«tl>um  t$m,  bem  $erjog, 
jufomme  unb  ba&SlffeS,  wo«  ber  Stabt  bat)on  etwa  jufatten  möchte, 
x\)xa  entjogen  werbe.  $>ie  ruP#e  Regierung  miföte  ft<&  baljer  fort* 
wfifpenb  in  ben  »erlauf  bet  Angelegenheit    S$on  im  Sftooember 
1802,  e^e  no<§  ber  ©eputationSfd&lufj  wtrKt<$  gefaßt  war,  würbe  ber 
rttffif$e  ©efanbte  in  Jpamburg  oeranlafet,  ben  Senat  oor  3Rafjregeln 
ju  warnen ,  bie  unangenehme  folgen  fyxbm  fönnten.    5Da8  patent 
oom  11.  ©ebr.  erfd&ten  bem  Äaifer  fdjon  al*  ein  Singriff  in  bie  3te$te 
beS  JeerjogS,  unb  ber  tyieftge  rufflfd^e  Sonfnl,  t>on  Saponif<£f oxof 
mu&te  bem  Senate  eine  SWote  jufteDen,  in  ber  e3  tyefc:  2Ran  £abe 
mit  großer  SSerwunberung  bie  ungejiemenben  (Singriffe  vernommen, 
toetd^e  ber  Sfibedifdje  SKagiftrat  fu§  in  bie  SJefifcungen  Seiner  $ur$* 
laud&t  erlaubt  t>abe.  SHefe*  jubrmglid&e  ©erfahren,  baS  eine  petfött* 
li<|e  Seteibigung  beS  $errn  gfirftbifc^of«  fei,  $abe  ben  geregten 
Unwillen  beS  ÄatferS  um  fo  meljr  erregt,  je  weniger  er  na<$  ben 
vorausgegangenen  äBamungen  einen  folgen  Stritt  fyibt  erwarten 
fönnen;  wenn  ber  SWagiftrat  nid^t  o&ne  3eitoertuii  jene  eigenmödjttfje 
Verfügung  abänbere  unb  oon  aller  ungerechten  3ueignung  besten* 
ifpuvx&  be«  gürpbif^of«  abfiele,  mürbe  ber  Äaifer  genug  gejnwngen 
werben,  jur  Sbmenbung  aller  3ubringlid)feit  ber  Stabt  Sübedt  unb 
jut  S3ef$tt|ung  ber  Siebte  be«  ftttrflbifd&of«  bie  wirlfamfien  2Rafc 
regeln  ju  ergreifen.    3n  äijnli<fcer  SBeife  fpradj  ber  rufpfd^e  9tei$8* 
fanjler,  ®raf  SBoronjoro,  mit  bemßfibcdftfäjenSlgentert  in  Sßeterfi* 
bürg,  $erm  SßtggerS;  er  nannte  ba8,  wo*  in  SfcegenSburg  norge* 
gangen  fei,  eine  bävue,  unb  als  iperr  SBtggerS  bemerfte,  bann  fei 
eS  au$  eine  tavue,  bajs  ber£erjog  von  SRedKenburg  bieSfibedifd^cn 
fcörfer  in  9eft$  genommen  fjabe,  enoieberte  ber  Äanjter,  ba«  fei 
feine  golge.    Um  ben  SSerijanblungen  in  @utin,  gewiffermafeen  ate 
brttter  23>eUnel>mer,  mit  gug  beiwohnen  ju  fönnen,  würbe  bet 
ruffifd&e  ©efanbte  in  Berlin,  ®ef>.9tatl>  oon  »lopäuS,  jugleid^  bei 
bem  Sfäeberfädjjftfdfcn  Äreife  aecrebitirt  unb  oermieb  es,  inbem  er 
auf  SJefe^l  beS  Äaifer«  baljin  reifte,  auf  bem  2Bege  Sfibecf  ju  be* 
rühren.    Sr  rebete  bem  Senator  SÄobbe  bejianbig  ju,  man  muffe 
ftdfjf  bem  i&erjog  willfährig  jeigen,  bie  Stabt  irre,  wenn  fie  glaube, 
mit  i&m  ju  unter^anbetn,  eigentlich  gefd&elje  eS  mit  bem  Äaifer  von 
Stufelanb,  ber  als  @$ef  beS  Kaufes  feine  3uftimmung  ju  bem  ju 
tteffenben  Arrangement  ju  geben  ^abe  unb  e«  nie  buiben  werbe, 
ba§  feinem  natpn  SSerwanbten  ein  Unred^t  jugefügt  ober  iljm  <Stwa« 
wiber/ feinen  Sitten  entjogen  werbe.  3ugtei^  brannte  er,  ba  feine  »n* 


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79 

wfat^ett  in  ©erlitt  ber  SBer^ältniffe  wegen  not&roenbig  mar,  beflänbig 
p  raidjer  ©ntfcijeibung  unb  reifte  ab ,  unmittelbar  nad)bem  ber  Se* 
uatotÄobbe  bie  iljm  abgebrungene,  bodj  immer  nur  perfönltd&e 
S0mmm\%  ju  i)tn  33orfdfjlägen  be«  ^erjogS  auägefprod&en  Ijatte, 
in  ber  SReinung,  bafe  nun  Sitten  beenbigt  fei;  befto  gröfeer  tuar  feine 
Htberrafd&ung  unb  fein  UnraiHe,  ate  e«  tfym  befannt  mürbe,  bafe  ber 
Senat  bie  von  bem  Senator  Stobbe  abgegebene  ©rflärung  nic^t 
genehmigt  ty&t.  Er  liefe  ben  2Beinjettel,  ber  iljm  nad&  bamatö  üb* 
li^er  SBeife  bei  Ueberrei^ung  feine«  ßrebitit)«  eingejjänbigt  mar, 
bem  Senate  jurüdtfteßen  ,  meil  er  nidjjt  bie  geringfte  äufmertfamleit 
mm  einer  Regierung  annehmen  fönne,  meldte  burd)  tt)r  betragen 
aQe  ädjtung  gegen  feinen  gnäbigften  ßaifer  au«  ben  2lugen  gefegt 
fabe.  $luä)  in  $eter£burg  erregte  ba«  Serfaljren  be«  Senat«  grofee« 
SÄifefaßen  unb  e«  mürbe  bie  ^eftigfie  Spraye  geführt  ©er  $Uiäfö* 
fanjlet  liefe  ben  Sübetf ifd&en  Agenten  ju  fid;  rufen  unb  la«  U>m  eine 
3lott  wt,  in  ber  e«  unter  anbern  fyiefe :  2)er  Äanjler  fei  autortfirt, 
bem  §errn  Slgenten  ben  Auftrag  ju  geben,  feinen  Kommittenten  bie 
9md)te  Unjufrieben^eit  be«  Äaifer«  mit  einem  eben  fo  fonberbaren 
unb  TD'Mu\)üid)cn  r  al«  ben  bem  Äaifer  fd&ulbigen  Sftüäftcfcten  menig 
eÄ^re($enbett  ^Betragen  ju  beseugen  unb  ifpten  jugteiefy  ju  erfennen 
}u  geben,  bafe,  menn  fte  nid&t  um>ermeilt  auf  SKittel  bähten,  ba« 
Sefd&e&ene  ju  rebreffiren,  fte  bie  unangenehmen  folgen,  bie  barau« 
entfielen  mürben,  fW&  felbft  jufc&reiben  müfeten,  t>on  melden  bie  erfle 
in  beut  SSerbot  ajler  &anbet«t>erbinbungen  jmtfc&en  SübcdE  unb  Sftufe* 
lanb  befielen  mürbe.  2Benn  man  fi$  auf  bie  in  9tegen«burg  feft* 
9eje$te,  fel>r  ungenaue,  ©renjlime  berufe,  fo  merbe  ber  Äaifer  alle 
SRittel,  bie  er  in  feiner  3Rad)t  Ijabe,  anmenben,  um  ba«  feinem  SSer* 
flanbten  zugefügte  Unredjt  mieber  gut  ju  mad&en.  S)er  Äanjler  uer* 
langte  auf  Jöefeljl  be«  Äaifer«  eine  rafdfje  unb  fategorifd&e  Slntmort 
batiiber,  ob  ber  Senat  tum  feiner  SSerirrung  jurüdfgefommen  fei 
*#  bie  tum  feinem  2lbgeorbneten  gegebene  (Srftärung  genehmigen 
osde,  fonft  merbe  ber  ßaifer  baäjemge  SSerfa^ren  einfd&lagen,  meldte« 
fei*  9Radjt  unb  ba«  Sntereffe,  ba«  er  an  bem  $erjoge  neunte,  tym 
Wj$retbc  6«  mirft  ein  munberbare«  £id&t  auf  ba«  $erl)ältnife,  in 
»e^em  bie  beiben  f.  g.  t>ermittelnben  SHäd&te  ju  einanber  ftanben,  bafe 
%tme  berfelben  2)a«,  roaä  mit  i^rer  erflärten  Suftimmung  gefdijeljett 
W*f  nic^t  fproo^l  ignorirte,  al«  nielme^r  ableugnete  unb  gerabeju 
ttffaktt,  55te  au«füt)rlid&e,  franjöfifd^  gefd&riebene  9lote  mürbe  am 
2^3<muar  1804  im  Renate  beriefen;  eine  rafdfje  Slntmort  mufete  , 


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80 

gegeben  werben.  Stoß  fte  in  wttrblgen  unb  gemeffenen  «u^brüdeit 
abgefaßt  n>arf  war  ba«  Serbienfl  be«  Spnbicu«  ßurtiu«,  eine« 
SRanneS,  bem  HareS  unb  entfdfjiebene«  9ted&tögefül>l  eine  perföntic&e 
SBürbe  gab,  bie  an  Stärfe  unb  SSemußtfein  no<$  gewann ,  wenn  er 
ba*  9ted&t  burdfr  ©ewalt  gebeugt  unb  gebrod&en  falj.  @r  l)at  in  ben 
balb  f otgenben  unglüdflid&en  Sagten,  in  benen  man  burdfr  franjöftfd(jen 
Uebetmutl)  fo  Diel  ju  leiben  l>atte,  burd&  feine  $od&ad&tung  ein* 
flößenbe  Stufce  unb  SBürbe  wefentttd&e  SHenfte  geletjtet  $offentftd& 
fommen  fold&e  Reiten  niemals  mieber,  aber  e«  tjt  gut,  baß  man  fte 
einmal  t>or  fid&  fte^t  unb  betrachtet,  um  ftd&  über  S)a3,  wo«  notlj 
tljut,  Kar  )u  werben. 

3n  ber  Sad&e  felbfl  blieb  freili<&  9üd&t8  übrig,  al«  ft<$  in  bog 
ttnoermeiblid&e  ju  fügen  unb  ber  Oewalt  ju  weiden.    Skrö  $atte 
ber  Senat  bereits  felbfl  eingefefpn  unb  bie  ©nleitung  baju  getroffen. 
@r  Ijatte  mehrere  ©riefe  an  ben  iperjog  gefd&rieben  unb  oon  biefem 
wenigfienS  immer  Antwort  erhalten,  fo  baß  bie  SBerbinbung  ntdjt 
ganj  abgebrochen  war.    3e|$t  befd&loß  er,  in  golge  ber  Sflote  be8 
rufftfd&en  Äanjler8,  nod&  eine  eigne  Deputation  an  ben  ^erjog  ab* 
jufenben,  weld&e  um  bie  SBteberaufnaljme  ber  SSerljanblungen  nafy 
fud&en  fotte,  unb  wählte  baju  bie  Senatoren  Sftobbe  unb  SCeäborpf. 
SSeibe  iperren  mögen  ftd&  mit  nid&t  ganj  leidstem  §erjen  auf  ben 
SBeg  gemad&t  Ijaben,  allein  baS  Sd&werfle  war  bteftnal  bie  Steife 
felbfl,  in  ber  SWitte  be«  ftebruar,  bei  äußerjl  rauher  SBitterung,  auf 
ben  faß  unwegfamen  Sanbffcaßen.    9tt&  fte  nad&  Hamburg  tarnen, 
fanben  fte  bie  Serbinbung  mit  Harburg  burd&  XreibeiS  unterbrod&en 
unb  ben  Uebergang  unmöglid^.    Sie  nahmen  baljer  üjren  SBeg  über 
JBergeborf  nadfj  bem  3<>üenfpielerf  in  ber  $offmmg,  bort  nod&  feffe« 
©«  }u  treffen.    Mein  au$  Ijier  f>atte  e«  tfdj)  eben  in  Bewegung 
gefegt  unb  fte  mußten  brei  ooDe  Jage  warten ,  bis  ber  Uebergang 
möglidj)  würbe.    3n  Dlbenburg  würben  fte  äußerfl  freunblid&  unb 
jworfommenb  empfangen.  S)er$erjog  oerflattete  i^nen  fogteidfc  ehte 
Sfobienj  unb  unterbradfj  if>re  Wnrebe,  inbem  er  felbfl  ba*  SBort  na&m 
unb  äußerte,  baS3H>bred&en  ber  Unter^anblungen  fei  aus  einem  SRifc 
t>erflfinbniß  ^eroorgegangen;  e«  fei  t$m  felbfl,  inSbefonbere  mttSiüdf* 
fu^t  auf  bie  oon  Ujm  fe$r  gefd&äfete  $erfon  be«  Senator  9tobbef 
fefjr  leib,  baß  er  fo  fcabe  ©erfahren  muffen,  wie  er  oerfa^ren  $abe, 
er  fei  e«  feiner  ©&re  fd&ulbig  gewefen;  jefct,  ba  bie  Stabt  ßfibedf 
ben  i$m  fo  angenehmen  Sd&ritt  getrau  tyxbt ,  bie  beiben  Ferren  ju  j 
ityn  $u  fenben,  werbe  e*  ba«  ©efie  fein,  aBe*  Sergangene  ju  *er*  ' 


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81 

geffen  unb  nidjt  weitet  booon  ju  fprec^ert.  lieber  bie  ©ad&e  fetbft 
äußerte  er  bann  im  weiteren  Verläufe  be«  ®efprä$«,  er  t>ert)anble 
in  breifadjcr  @igenfd&aft  mit  ber  ©tobt  Sfibedf ,  für  ftdf)  felbft  Ijabe 
er  imr  über  ben  3Jifdf)of«f)of  ju  oerfügen  unb  werbe  barin  ber  ©tabt 
gern  willfährig  fein;  alle«  Uebrige  aber  in  ber  ©tabt  gehöre  bem 
Jtomcapitel,  unb  er  bürfe  ben  9te<§ten  ber  ©omtjerren  —  gegen* 
weld&e  er  fidfj  wal)rfdf)einUdf)  burd)  befttmmte  Serfpredfjungen  gebunben 
tytitt  —  nid&t«  ©ergeben;  f)infidf)tlidj  ber  ©egenftänbe  außerhalb  ber 
©tabt  Ijabe  er  beftimmte  SSorfdfjriften  von  bem  Äaifer  von  Sftußlanb, 
bem  (Hjef  feine«  §aufe«,  bie  er  befolgen  muffe.  9Bie  weit  er  inbeffen 
bicfe  SJorfdfjriften  felbft  veranlaßt  t>atte,  unb  wie  weit  er,  wenn  er 
gewollt  Ijatte,  aud)  2tbänberungen  berfelben  tjätte  bewirfen  fönnen, 
muß  unentfd&ieben  bleiben,  am  folgenben  Sage  übergab  er  ben 
beibcn  S)eputirten  ein  Sfatwortfdfireiben  an  ben  ©enat,  in  welkem  er 
webetljotte,  baß  burdf)  bie  ©enbung  berfelben,  bie  iljm  ni<$t  anber« 
ate  angenehm  tyxbt  fein  ttmten,  2lfle«,  wa«  bie  gortfcfcung  ber 
tMtrenjen  gef)inbert  t>abe,  ju  feiner  3ufricbent)eit  befeitigt  fei,  audf) 
fetit  ättjümmung  baju  gab,  baß  fie  in  ßutin  wieber  aufgenommen 
Wärter.  gjJünbUdf)  t>erfprad&  er,  fid)  perf  anlief}  ba^in  ju  begeben, 
um  bie  aSerfjanbtungen  ju  befd&leunigen. 

3n  ber  SDtitte  be«  3Ronat«  SRärj  gingen  benn  bie  Stibecfifdtjen 
©ammiffarieit  wieber  nadf>  ©utin.  S)em  Senator  9tobbe  würbe  ber 
Senator  Xeäborpf  nun  beigeorbnet  unb  tfjnen  eine  fefjr  betaillirte 
Snpruction  mitgegeben.  S)er  $erjog  war  ebenfalls  anwefenb.  9tn* 
fang«  pertartgte  er  $mar,  baß  ber  ©enat  nunmehr  hie  früher  t>er* 
weigerte  Statiftcation  juerft  nadf$otcu  foHe,  inbeffen  liefe  er  ftdf)  bodf) 
fott$  münblidje  SorfteHungen  bewegen,  barauf  nid&t  ju  beftetyen, 
fwbern  jujugeben,  baß  bie  beiberfeitigen  ßommiffarien  bie  ganje 
fcgelegen^eit  in  nertraulid&en  (Sonferenjen,  bei  benen  fein  5ßrotofoll 
jtfWpt  würbe,  nocij  einmal  burdfjifpraefcen,  um  ftefj  über  bie  einer 
Wattierung  no<$  bebürfenben  fünfte  wecfrfelfeitig  ju  oerftänbigen 
Mb  einanber  von  ber  9te(Jjtmäßigfeit  Seffen,  wa«  von  bem  einen 
«febein  anbem  Steile  geforbert  werbe,  burd&  ©rünbe  ju  überjeugen. 
SMtei  gelang  e«,  bieQurtöbictionSoerljältniffe  einigermaßen  nadfj  ben 
Sfaföen  be8  ©enat«  ju  orbneiu  3)er  ^erjog  ließ  von  ber  gorberung 
l*4rtinittaliuriabiction  ganj  ab  unb  begab  jidf)  au$  ber  Stoitjuri«* 
Wttn  übet  bie  Sttenfiboten  ber  SRitglieber  be«  Sapitet«  unb  ber 
%ttte*,  f owie  über  biejenigen  SHcare,  bie  nid^t  jugteidf)  SDomfjerren, 
^  -40*  entroeber  Sübedfifd^e  Sürger  ober  frembe  Untertanen  waren. 


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88 

UebtigenS  würbe  feine  wefentlid&e  83etänbetung  bewirft,  nur  fo  triet 
erteilt,  baft  mand&et  einjelne  Sßunft  etwa«  günfHget  für  bie  ©tobt 
fcftgefteßt  unb  mand&e«  Unbefttmmte  (tatet  auSgebtüdEt  wutbe.  5Det 
$erjog  lieg  ab  von  bet  gotbetung,  bafc  bie  ©tabt  fi<$  nu^t  felbfi 
in  ben  SSejtft  einet  Ü)t  jufaffenben  8Bol)nung  fefcen,  fonbetn  warten 
falle,  bi«  fie  tyt  butd)  einen  ffitfili^en  GommiffatiuS  überliefert 
werbe.  ®t  gab  ju,  bafj  jebe  Sutie  eutwebet  in  baulid&em  ©tanbe 
überliefert  ober  für  33aumängel  in  ber  biÄ&et  üblichen  SBeife  <£r* 
fafe  geleiftet  werben  folle,  t>etfptad&  audf>,  bie  ipäufet  ber  ^tarnten 
felbft  beftänbig  in  gutem  ©tanbe  ju  ermatten.  ©8  würbe  erreicht, 
baf?  3Ran^e«f  was  bie  ©tabt  fotbetn  ju  fönnen  glaubte  unb  ju 
§aben  wünfdfjte,  üjt,  wenn  audfj  ntd&t  aü  ^Bewilligung,  bodfj  als  @e* 
genftanb  be«  3lu$taufd&e3  jugeftanben  würbe.  5)ie  SSet^anblungeii 
wägten  fo  lange,  bis  bie  Ijetjoglid&en  eommtffatien  auf  ba«  83e* 
ftimmtefie  etftätten,  ba&  fie,  etwa«  SßeiteteS  nadfjjugeben,  ftd&  nidjt 
ermächtigt  gelten.  Sarin  modjten  benn  bie  fi&btifd^en  «bgeorbneten 
wenigsten«  bie  ©erufcigung  finben,  baft  fie  baS  SJWglid&e  getrau  unb 
erteilt  Ratten,  ©ie  fonnten  es  aber  nid&t  t*tmeiben,  allen  Sit* 
fptüd&en  auf  SRienbotf  gänjlidfj  entfagen  ju  muffen;  bet  SSotfd&lag, 
baf;  bet  $etjog  es  abtreten  möge,  fo  weit  es  bteffeitS  beS  iQtmmeto 
botfet  ©eeS  liege,  unb  eS  nadlet  im  SBege  beS  SfoStaufd&eS  wieber 
etwetben  f önne,  fanb  feinen  ©ingang.  Sie  mußten  fetnet  jugefW>en, 
bafe  ed  &infidfjtli<$  bet  fämmtltd&en  QnbemnifatümSgegenjiänbe  inner« 
tjalb  unb  aufeet^alb  bet  ©tabt,  fo  weit  nid&t  butd&  bie  legten  S3e* 
fpted&ungen  eine  Slbanbetung  getroffen  fei,  bei  ben  anfänglichen  83ot* 
f^lägen  ber  Ijetjogtid&en  ©ommiffatien  fein  SSetbleiben  l>abe,  unb 
bafe  bie  SReid&Sjtabt  fiübedt  il>te  SBibetfptüd&e  bagegen  jutüdtaeljme. 
©ine  beSfaUjige  ©tttätung  würbe  binnen  btei  Sagen  erwartet  (Sä 
blieb  alfo  bem  ©enate  nidfjt  erfpart,  baS  fd&tte&ltd(j  äjun  ju  muffen, 
was  er  ftft^et  fo  ftanb^aft  abgewehrt  &atte,  inmitten  einet  SBer* 
l>anblung  einen  S^eil  berfelben  unabänberlidfj  fefljufietten  unb  baburdfr 
iiä)  für  ben  übrigen  2$eil  in  eine  nad&tyeilige  Sage  ju  aerfefcen. 
S)et  ©enat  gab  bie  @tflätung,  bet  ©abläge  entfpted&enb,  ba  fie 
nidfjt  füt  ben  i&etjog  unmittelbat,  fonbetn  nut  fite  commiffattföe 
SSet^anblungen  beftimmt  wat,  in  gotm  eine«  SßtotofoHauSjugS. 
liefet  tarn  abet  bennodfj  bem  Jpetjog  ju  ©efid&t,  bet  fowotjl  bie 
gotm  als  bie  gebtaudE>ten  StuSbtüdfe  beleibigenb  fanb  unb  wieberum 
aufwerte,  er  fei  bereit,  bie  ttntetljanbtung  gang  abjubted&en  unb  bie 
Angelegenheit  ju  tid&tetlid&et  entfd^eibung  ju  pellen.    9tur  bie  2tof 


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83 

fWfottg,  bie  i$m,  au<$  Dort  Seiten  feiner  Stätte,  gemadjt  nntrbe,  bafj 
taS  ©ocument  nur  als  ein  norläufigeS  fitr  ben  ©ebraud)  bei  ben 
8crljanbtungen  benimmt  gewefen  fei,  oermodfjte  i^n  ju  beruhigen, 
ßne  in  gorm  unb  StuSbrucf  tym  genehme  ^Ratification  würbe  t§m 
jioei  Sage  fpäter  überreizt 

Storauf  ging  eS  an  bie  SSerljanblungen  über  ben  2luStauf<I> 
mehrerer  ßanbereieu.  Stabei  war  ber  ©enat  wegen  ber  oier  Dörfer 
6enin,  SJorrabe,  SRieberbüffau  unb  Dberbüffau  in  Rollern  ©rabe  be* 
tljeiligt  Sie  waren  gutSfjerrltdfjeS  ©gentium  beS  (SapitelS,  bie 
2anbeSljol>ett  na§m  ber  Senat  wenigftenS  über  brei  berfelben,  ©enin, 
Sorrabe  unb  SRieberbüjfau ,  aus  betn  ©runbe  in  3lnfpru<$,  weil  fie 
irmer^alb  ber  Sanbwefjr,  ber  ftelbmarf  SübedS,  lagen,  bie  er  als  ein 
unmittelbares  ^ertinenj  ber  ©tabt  anfalj.  ®r  Ijatte  aber  fdjjon  bisher 
m  Ausübung  ber  j0oI)eitSred[)te  man<$e  ©<§wierigfeit  gefunben  unb 
roait^eSefd^ränfung  ftd)  gefallen  lajfen  muffen  unb  es  toar  oorauS* 
juie^en,  baß  bie  ©djwierigfeiten  unb  ©efdjjränfungen  ftd)  bebeutenb 
leigem  mürben,  wenn  beriperjog  t>on  Dlbenburg  an  bie  ©teile  beS 
Wapitete  trat.  UeberbieS  ging  bie  ©tednifc,  bamatS  eine  ber 
»tyigjlen  3Serfe$r8ftra§en  für  \kix  2fibe<fifd)en  $anbet,  Ijmburdf). 
&  war  baEjer  pon  äu&erfter  SBidjtigfeit,  gewiffermaffen  eine  ßebenS* 
frage,  biefe  3>örfer  unb  audj  Dberbüffau  ju  unetngefd)ränftem  unb 
wfteftrittencni  ©gentium  ju  gewinnen,  gerner  befafe  baS  3)om* 
wpitel  mit  3*rrttorialf)ol>eit  nodf)  ein  Keines,  an  unb  für  ftd)  uube* 
beutenbeS,  aber  feiner  Sage  wegen  widriges  ©eljöft,  $)anifd)burg. 
8*  liegt  n&mlidj  ebenfalls  in  ber  9täl>e  ber  ©tabt  unb  unmittelbar 
an  ber  Xraoe.78)  SBar  eS  im  93efift  eines  fremben  SanbeS^erm,  fo 
tonnten  üoh  bort  aus  SJerfudje  gemalt  werben,  ©djifffaljrt  ju  tret* 
bw  unb  fid>  eingriffe  in  bie  fterrfdfjaft  ber  ©tabt  über  bie  Jraoe 
in  erlauben.  Serartige  S3erfu$e  waren  bereits  gemalt  worben  unb 
Ritten  gu  ßontejtationen  mit  bem  Kapitel  geführt.  3e|t  mu&te  bie 
•fegen&ett  benufct  werben,  biefen  einigen  5ßunft  an  bem  linfen 
fifer  ber  unteren  £raoe,  welker  ber  ©tabt  nid&t  gehörte,  ju  gewin* 
ul  Dtjne  Steifet  Ijatte  ber  §erjog  eben  fo  uoUftänbige  Äcnntnife 
4tt  bietet  8Serl#ttnijfe  als  ber  ©enat,  unb  war  bemnadj  jwar  bereit, 
ber  ©tabt  bie  für  fie  in  fo  Ijofjem  ©rabe  wichtigen  SBefifcungen,  bie 


n)  JDet  Warne  erinnert  ncd)  tjeute  an  einen  feflen  Xfyurm,  ben  Söalbemar  II., 
Jtäftift  »on  IDänemarf,  im  Ariele  mit  fcubfcf  1234  bort  erbauen  tiejj.  JDeecfe, 
•rffWf  bei  €ta*t  «ibetf  8b.  t  6.  67. 


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84 

für  if)n  weit  geringem  SBertl)  Ratten,  ab  jutreten,  ober  nidfjt  o^ne 
bag  fte  i^rerfcitö  bafür  red&t  grofje  Opfer  J6rädf)te.  ^nSbefonbere 
war  e8  feine  StbftdOt,  Don  benjenigen  Sänbereien  am  £immetftorfer 
©ee,  weldfje  er  bereit«  abgetreten  fjatte,  einen  Sljeil  wteber  ju  er* 
werben,  unb  aufcerbem  wollte  er  ein  $aar  fruchtbare  unb  walbreid&e 
SHftricte  in  $olftein  gewinnen,  ißinftd&tlidf)  btefer  leiteten  fonnte  e« 
ftdf)  nur  um  gutö^errlid^e«  ©igent^um  lianbeln.  $)enn  bie  territorial* 
tjotyeit  ftanb,  mit  ausnähme  eines  $)orfe£,  bem  Äönige  oon  2)äne* 
marf  su.  2hid&  gehörte  bie  ©uteljerrfdjaft  nid^t  einmal  ber  ©tabt 
tetbft,  fonbern  einigen  milben  Stiftungen  in  ber  ©tabt,  bem  ©t  igo* 
lianni&Älofter,  bem  £o3pital  jum  ^eiligen  ©eift  unb  ber  $etri* 
Äirdfje.  liefen  Umftanb  berücfftd&tigte  ber  £erjog  nidf)t.  ®t  tjatte 
Dortjer  alle«  mit  feinen  Stätten  genau  überlegt  unb  ein  tjottftänbiger 
Sßlan  über  ben  ganzen  Sluätaufdf)  mar  ausgearbeitet.  3)ie  Unter* 
fjanblungen  Ratten  nun  benfelben  ßljarafter  unb  nahmen  benfelben 
©ang,  wie  bie  twr&erigen  über  bie  @ntf<pbigung;  ber  ?JJlart  mürbe 
vorgelegt  unb  bie  Slnna^me  verlangt.  2)er  principalen  Don  ber 
großen  3$erfdfnebent;ctt  be$  IBkxtiß  ber  gegen  einanber  auSjutaufd&en* 
ben  Dbjecte  hergenommenen  ©inmenbung  warb  entgegengehalten,  bafc 
bie  Stabt  über  alle  i\)t  jufaüenben  Sänbereien  jugteidf)  bie  £oljeit 
erwerbe,  wctyrenb  ber  $erjog  bie  in  $olftein  belegenen,  ü)m  ju  übet* 
lajfenben  Drtfd&aften  nur  als  gutatyerrlicjjeg  ©gentium  beftfcen  fönne. 
S)em  SSorfd^lage,  ben  bie  jtäbttfd&en  3lbgeorbneten  matten,  jur  beffem 
5lu3gleidf)ung  be£  SSert^eS  no<$  bie  SDörfer  £amberge  unb  §anfetbe 
ber  ©tabt  ju  überlaffen,  mürbe  bie  ©enetymigung  verfagt;  bem  @e* 
genoorfd&lage,  melden  bie  fyerjoglid&en  ©ommiffarien  matten,  baß 
bie  ©tabt  bie  §otycit  über  bie  brei  Sanbweljrbörfer  unb  Dberbttffau 
bem  &erjoge  lajfen  möge  unb  bafür  einen  größeren  Sanbbejirf  am 
§immet£borfer  ©ee  erhalten  fönne,  tonnten  bie  ftäbtifdfjen  äbgeorb* 
neten  auö  ben  angegebenen  ©rünben  ntdf)t  juftimmen.  ©o  blieb 
benn  nidfjtS  übrig,  ate  ben  vorgelegten  $tan  anjune^men  unb  ftdf> 
mit  ber  Don  bem  §erjoge  jur  2luSgteidf)ung  beS  SSert^unterfd^iebe« 
angebotenen  einmaligen  ©etbjatylung  ju  begnügen.  2lud(j  nad&bem 
bie«  gefc&eljen  mar,  foftete  e$  grofce  3Jtüt)e,  alle  @injell)eiten  fefiju* 
fteHen,  namentlich  fidtj  über  bie  Slrt,  mie  ber  Söertf)  ber  SBalbungen 
ermittelt  werben  foUc,  311  aerftänbigcn.  3n  leitetet  S3e jie^ung  mufete 
ben  beftimmt  auSgefprodjjenen  Stafid&ten  bc3  JQerjogS  nadEjgcgeben 
werben,  in  einigen  anbern  fünften  würben  bie  SBünfd&e  ber  ftäbti* 
fdfjen  Slbgeorbneten  berücfjtdf)tigt.  £>ie  Slnwefen^eit  be«  ^erjogS  war 


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85 

bet$ej<$leuntgung  her  Serljanblungen  feljr  förberlidf},  eS  würbe  von 
beiben  ©eitert  mel>rfad>  auf  feine  perföntidje  ©ntfdjeibung  recurrirt 
unb  Mefelbe  eingeholt  9ta$bem  bie  beiberfeitigen  (Sommiffarien  vom 
11 K5  §um  31.  SRärj  ununterbrochen  unb  mit  großer  Sfaftrengung 
wrljanbelt  Ratten,  fonnte  am  2.  2tpril  ber  f.  g.  3>nbemmfationS* 
unb  $ermutation&$Bertrag  unter§eiddnet  werben. 

2>er  3n^alt  war  im  SBefenttidjen  folgenber. 

2)ie  ©tobt  Sübed  erhielt  ben  2lntl)eil  beS  S)omcapitel$  an  ber 
S5omfird&e  nebft  ber  ©tructur*  unb  SBerfmeifierfaffe,  bie  Gapitete* 
jimmer,  bie  <&pUelSbibliotl>ef,80)  ben  SHföofS^of,  bie  ©ompropfiei, 
elf  J)om^erren=»6urienf  eine  £>iftincten*Surie,  jroei  Stooniften*@urien  unb 
a$tonb§manjig  anbere  Käufer  unb  SBoljnuugen,  tyeitS  9iebenl)äufer 
cmjeüier  Gurien,  tfceite  Käufer,  bie  ju  einjetnen  Sicarien  gehörten, 
tyeite  SBoljnungeu  für  Beamte  unb  5Beamten*3BUtroen.  ©ie  fonnte  jebod> 
in  ben  roirtttdjen  33eftfc  biefer  ®eboube  nur  in  fo  weit  fogleid)  ein- 
treten, als  nidjt  bie  9Ritglieber  ober  Beamten  beä  ©apitefe  perfön* 
%  3to$ung3red>te  befafeen,  unb  ba3  mar  bei  ben  meiften  ber  gatt 
twbwufcte,  ba  bie  3töcenfion  fortbauerte,  als  ob  baS  (Sapitet  nodj 
kfiänbt,  üotauSftdjtlidj  auf  lange  3*ü  $in  ber  gall  fein.  3n  ber 
Somfir^e  blieb  bie  bifööfüdje  Segräbniftfapette  bem  &erjoge  unb 
feinem  §aufe  jum  befiänbigen  ©gentium  uorbe^atten.  S)ie  ©tructur* 
laße  mufete,  fattä  nic^t  etma  feit  bem  i.S)ecemberi802beputattonS* 
tecefonbrige  SJeranberungen  bamit  vorgegangen  fein  fottten,  oljne 
Äonitur  angenommen  merben.  S)ic  ©tabt  üerpfüdjtete  fid},  ben  fa* 
t^olifd^en  ©otteSbienfi  in  feiner  bermatigen  SBefd&affen^eit  ju  betajfen.81) 
$nr  ein  SHcarienljau$,  roeldjeä  bem  Sßafiorat  in  §amberge  afe  ©igen* 
tfam  beigelegt  mar,  mußten  800  Spater  befonberS  vergütet  merben. 
Sto&rjog  verljiefj,  ben  jeweiligen  ftn^abern  berßurien  bie  ftatuten* 
«äfeige  Unterhaltung  berfelben  jur  $flid)t  ju  madjen,  geplattete  audj, 
ba|  bie  ©tabt,  fobalb  fte  proxima  ad  curiam  fei  r  eine  SefWfjtigung 
iwne^men  laffe.  S)ie  ©inftinfte  ber  ©ttabenja^re  foHten  für  etmanige 
Itatmängel  haften.  SMe  Käufer  ber  Seamten  verliefe  ber  £erjog 
Wft  in  unterhalten.  Er  t>crpfftd)tete  ftd>  audj,  für  bie  ©ebäube,  bie 


£.«•)  $ie  gMbliofyf  war  früher  ff^r  bebeutenb  getoefen,  war  aber  fett  langer 
Sf  gdnjlidj  OTttairloft  unb  beflanb  Bei  i^rer  Ablieferung  nur  au«  ärmlidjen 
*•&    ©gl.  Url.^wd)  bc*  $i«tf>um«  Sübecf  @.  390  ff.   ©rautoff,  ^iftorifd)e 

StiHftfH  ©*.   1    €.  351. 
•*)  6.  otf«   $.   16. 


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86 

fämmtU$  in  bet  ©egebetget  Stanbfaffe  t*tfid)ett  waren,  We  fflfe* 
cutanjptämten  fottjujal)len.  SHe  ©tabt  t>etpfli<$tete  fu$,  alle  S)ont- 
Ferren,  SSicate  unb  öeamte  bei  t^ren  blutigen  Privilegien,  Siebten, 
greiften  unb  ©jemtionen  ju  laffen.  ©te  gefianb  bem  $etjog  bie 
SimljutiSbiction  übet  bie  S)oml)etten  unb  ©apitefebeamten,  beten 
gamilien  unb  §au8genoffen  mit  2lu$nabme  bet  SMeuetfdjaft  ju.  5E)ei: 
$etjog  oetjptadfj,  iljnen  ein  ftotum  aufeetl)alb  bet  ©tabt  anjuroetfeit, 
auti)  ju  uetffigen,  bafe  bie  SSeifomtnenben  fufc  itt  fol<$en  $olijeifa<$en, 
metöjeble  öffentlM&e  ©idjet^eit  unb  8tul>e  betreffen,  ben  ©tabt  Sfibecft* 
fdjjen  SSetotbnungen  confotm  bejeigen  unb  namentlich  feine  $fufd?er 
unb  JBiM&afen  bei  ftdj  $egeu  unb  galten  fottten.  S)ie  ©tabt  etfatmte 
an,  bafe  bie  bem  ©omcapitel  in  feinet  ©efammtbeit,  nid^t  ben  einjet* 
nen  SMitgliebetn,  jufleljienben  Hebungen  unb  ©etedfjtigungen,  na* 
mentlidf}  bie  von  bemfetben  belegten  Kapitalien,  auf  ben  iperjog  über* 
gingen,  au<$  bie  au*  ßapitetefaffen  an  2übecftfd&e  (Sorporatiotteu 
bisher  geleiteten  3ö^tingen,  fomeit  ni$t  eine  befonbete  gunbation 
bafür  nad&gewtefen  werben  ttnne,  fogleufc,  bergleifl^en  galjlungen  im 
spttoate  na<$  bem  £obe  bet  ©eneftciaten  aufsötten.  2>et  §etjog 
ttat  bet  ©tabt  Sübecf  bieSfötfet  ©tobten,  $äoen,  ©atnjlotf,  ©tarn» 
metftotf,  2^utenbotf,  fo  weit  es  bem  Sapitel  gehörte,  Qfoenbwf, 
Doenbotf  mit  bem  SSotwetf  gleichen  SRamen*  ab.  Site  ©tabt  t*t* 
pflichtete  fW),  na$  8Setl)ältnife  bet  ©ntünfte  wn  biefen  $)ötfetn 
jowofjl  ju  bem  Untet&alte  fämmtlid&et  ©apiteteangebötigen  biS  ju 
beten  Stuäfletben,  atö  aufy  ju  ben  SReidj«*  unb  ÄteiSlaften  bei§u* 
ttagen,  aud>  alle  übetge^enbe(Singefeffene  bei  iljtet  SSetf affung,  ü)ten 
Steckten  unb  greiften  ju  laffen,  tyre  abgaben  nl$t  ju  er$öt>en 
unb  tnSbefonbere  ben  jwifd&en  ben  ©örfetn  unb  bem  ©omcapitel 
gefäloffenen  ©etttag  00m  21.  Detobet  1793  ju  galten.  $)ie  ©tabt 
entfagte  au8btü<fltdj  allen  weiteten  2lnfptü<$en,  ütöbefonbete  audj 
bem  3Infptu<I>  auf  fünföunbett  Soifen  in  bem  angegebenen  Inbegriff 
einet  Sinie. 

^m  äBege  be8  SluStauftlje«  gab  bie  ©tabt  vtm  ben  eben  emp* 
fangenen  Dttföaften  bem  Jpetjoge  #äoen,  SBatnftotf,  (Stammet* 
ftorf  unb  Dwnbotf  mit  bem  Sotwetf  jutfidf  unb  überliefe  tym  fetner 
bie  Dörfer  SBilmSbotf,  3töbel,  ÄeSborf,  tljten  Hnt^eil  an  ©leföen* 
borf,  baS®orf©d&arbeufe,  eine$ufe  in  SBulfSborf  unb  bie  ber©tabt 
gehörigen  ^arcelen  nebfl  bem  ©ied&entyaufe  in  ©d&wartau.  3)afüt 
überliefe  ü)t  bet  &etjog  bie  S)ötfet  ©enin,  SBottabe,  Dbetbüffau  unb 
SKiebetbüffau,  einige  ^ateeten  in  StonSf otbe,  ba«  ©e^öft  ©dnii#utg 


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87 

mit  einer  baju  gelegten  §ufe  in  ©erefc,  fonrie  aud>  einige  SSeftfeungen 
in  ber  Sanbroe^t.  6r  oerjidjtete  auf  ben  gortgenufc  be3  tym  bis 
ba|m  $ufte§enben  S^ten,  gab  §u,  bafe  bie  3>ompropftei  ttad)  bem 
HWeben  beä  berjeitigen  Sßropfie«  in  33eftfc  genommen  werben  föune, 
unb  behielt  fid>  eine  ßompenfation  wegen  ber  unmittelbaren  lieber* 
ttagung  beS  33ifdjofat)ofe£  oor.  S)er  3*§nte  war  feit  unoorbenf* 
lid>en3eiten  in  einer  Sfoerfionatfumme  uon  ber©tabt  begabt  morben, 
feit  1726  mit  600  n$  für  3eljnten  oor  bem  3JHÜ)lentI)or  unb2i## 
für  3e^nten  oor  bem  $olftentyor.  ©inen  »nfprudj  auf  @rfafc  bafür 
begrünbete  ber  §erjog  barauf,  bafc  ba«  gefammte  ©omcapitet  mit 
feinen  ©eftfcungen,  Sapitalien  unb  Hebungen  auf  tyn  übergebe,  roooon 
mir  bie  befonber«  benannten,  ber  ©tabt  ßübed  überlaffenen  Steile 
eine  äuSna&me  feien.  ©ammtlt<$e.©egenftänbe  mürben  gegenfeitig 
mit  allen  i^nen  jufte^enben  Siebten  unb  gretyeiten  unb  ofyte  <&ä)uV 
ben  übertragen  unb  angenommen.  S)ie  für  bie  Abtretung  uon  2öilm& 
borf  erfotbertM&e  eimoittigung  beS  Äönigä  oon  S)änemarf  übernahm 
ta  &WJ  P  ermirfen.82)  So  meit  eine  gleid&e  einmittigung  für 
Wt  ^Übertragung  ber  gut«&errlid)en  Siebte  an  bie  in  ^olflein  bele* 
genen  SJeftfcungen  erforbertid)  fein  fottte,  blieb  e«  ber  ©tabt  über* 
fallen,  baä  Jlöt^ige  ju  iljun.  3ftan  oerfpradj  fidf}  gegenfeitig,  bie 
Hebungen  a\ß  ben  au3§utaufd>enben  ©egenftänben  genau  unb  bona 
öde  anjugeben  unb  gu  geroäljrleiften ,  eben  fo  bie  ju  liefemben 
SRaturaiien,  meldte  nad>  einem  befiimmten,  t>erabrebeten  greife  be* 
rennet  werben  foDten.  gür  bie  ©rmittetung  beS  SBertljeS  ber 
jungen  foQte  ber  wafpe  nad^atttge  @rtrag  berfelben  naä)  came* 
taltftif^en  forftmä&tgen  ©runbfäfcen  gefdjäfct  werben,  älabann  follte 
ber  fidj  ergebenbe  ©efammtertrag  ber  fämmtlidjen  ©egenfiänbe  als 
bie  oierprocentige  3tofe  eine«  ÄapitatS  angefe^en  unb  biefeS  Äapital 
auägered&net  werben,  gür  bengatt,  ba&  bie  an  bie  ©tabt  übergeben* 
ben  (Segenftänbe  ben  3Rel)rroertl>  f>aben  follten,  üerfpradj  ber  $erjog, 
wn  ber  ©tabt  für  baÄ  SWeljr  geroö&ntid&e  merprocentige  Obligationen 
«it  ^albiä^rlid^erÄünbigung  anjune^men.  gälte  jeboc^  —  wie  vox* 


•*)  Dur4)  einen  Vertrag  mit  bem  Ädnige  »on  $änemarf  vom  14.  gebruar 
IM  $at  ber  ©rcg^erjog  von  JDlbenburg  oud»  bie  Souveränität  über  Stöbet, 
•efoenborf.  ©Aarbeufc  nnb  bie  eine  «Jmfe  in  5öulf*borf  erworben,  bagegeu  auf 
tat  fltti«$mlid>e  ©gentium  von  Jte«borf  fcerjfdjtet  unb  £amberge  unb  £anfelbe 
*  triftet!  abgetreten.  @.  93erorbnung«*@ammIung  für  ba*  görftent^um  Hbtd 
UXL  fettcT.  9ta*gegcben  ben  l.  Oclobtr  1849. 


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zedby  G00gk 


88 

auSjufelieu  mar  —  bet  £erjog  einen  3Ref)rmert!)  an  ©egenftänben 
empfangen  follte,  üerfpradj  er,  nadf)  3Baljl  ber  ©tabt,  entmeber  ba3 
9Metyr  bis  jur  ©umme  t)on  100,000  Jätern  entmeber  im  näd&ften 
Äieler  Umfdfjlage  (Januar  1805)  baar  auSjujalilen  unb  bis  ba^in 
mit  4  pct.  ju  t>er§infen,  ober*  barüber  Obligationen  mit  ^albjäljrltd&er 
Äünbigung  auSjufteHen.  pr  baS  ftber  100,000  Sljaler  etroa  §in* 
auSgel*enbe  oerfpradf)  bie  ©tabt  fi$  jebenfallS  mit  einer  Obligation 
ju  begnügen.  @S  mürbe  ferner  fejigefefet,  ba&,  mie  in  ben  abgetreten 
nen,  fo  audj  in  ben  übergetjenben  3)iftricten  bie  SSer^ältniffe  bcr 
©ngefeffenen  unoeränbert  bleiben  fottten.  ©d&lie&lid)  mürben  nodjj 
SBeftimmungen  über  Slbfdfjofe,  über  Beibehaltung  ber  bisherigen  3^ 
freifjeit,  über  aufhören  ber  gegenfeitigen  ftagbbefugniffe,  über  t>orju* 
neljmenbe  genaue  ©renjregulirung  getroffen,  ftfir  bie  äuSmedfjfelung 
ber  SRatificationen  mürbe  eine  grift  von  t>ierjet)n  Sagen,  für  bie 
Xrabition  eine  grifl  von  jmei  3Konaten  fttpulirt. 

Slufcer  bem  §auptoertrage  mürbe  no<$  ein  aus  je^n  Slrtifeln 
beftcl)cnber  SRebenüertrag  gefd&loffen.  S)a  nämlic^  twrauSjufeljen  mar, 
bafj  bie  ©tabt  erft  aHmäf)lidf>  unb  in  unabfetybar  langer  3eit  in  ben 
mirflidfjen  SBefife  ber  Surien  gelangen  fonnte,  unb  bis  ba^in  manche 
Unanneljmttdftfeit  unb  ^rbrie&Üdfjfett  mit  ben  einer  fremben  3urtS* 
biction  untergebenen  Beninern  ju  besorgen  mar,  mad&te  bie  ©tabt 
ben  9Sorfd&lag,  fie  motte  ben  2)omI)erren,  roenn  fie  tyre  SKufcungS» 
redjte  aufjugeben  bereit  feien,  eine  jä^rlidje  SRiet^eocrgütung  oon 
400  S&alern  bejahen  unb  tljnen  aud&  bie  2Bietlje,  meldte  einzelne 
aus  itjren  Jtebenljäufern  bejogen,  erfe|en.  S)ie  angebotene  ©umme 
mar  für  bie  bamaligen  SBol&nungSpreife  fe§r  anfetynltdf).  3)er  $erjog 
liefe  fid&  ben  93orfdf>lag  gefallen,  madf>te  jebod^  bie  2lnnaf)me  oon  ber 
freien  3uftimmung  ber  berjeit  Berechtigten  abhängig.  ®r  üerfpradf), 
fie  befragen  ju  laffen  unb  im  IrabittonStemune  ijjren  ©ntfdfjlufe  mit* 
juttieileu.  Sluf  feinen  befonbern  SBunfdf)  bemittigte  bie  ©tabt  bem 
SDecan,  ©rafen  oon  9Koltfe,  fogar  600  Süjaler,  verpflichtete  fid& 
audjj,  biejenigen  S)oml)crren,  meldte  jmar  bie  Benufcung  Ü)rer@urien 
aufgeben,  bennodfj  aber  in  ber  ©tabt  itjre  SBo^nung  behalten  mürben, 
bei  iljven  Sftedtjten  unb  grei&eiten  ju  laffen,  unb  —  maS  baS  Sd&limmfie 
mar  —  in  befte^enbe  SäRiet&contracte  einzutreten.  Stagegen  gefianb 
ber  §erjog  ju,  nid&t  nur,  ba&  feine  neue  3Rietf)contracte  gefd&loffen 
merben  burften,  fonbcni  autf)f  bafc  biejenigen  ©omljerren,  bie  nid&t 
bereits  im  Befifc  einer  Surie  feien,  fonbern  erft  burdj  SttScenfion 
baju  gelangen  mürben,  jebenfallS  anftatt  berfelben  bie  3Riett>eüer* 


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zedby  G00gk 


89 

gütung  annehmen  fotttctt.  ®ann  formte  bte  Stabt  nadf)  Verlauf  be<8 
9W)jai)r£  —  für  bcn  Skfife  einer  ßutic  gab  e£  nur  ein  SRactyjatjr  — 
bie  6urie  übernehmen.  Stadlern  in  fol^cr  Sffieife  ber  Vertrag  ab* 
^efd^Ioffen  mar,  jog  bie  ©tabt,  nodf)  int  £rabition$termin,  il>r  Sfaer* 
Wefen  IjinftdfjtÜdf)  ber  Sßropftei  jurüdt ,  ba  eS  befannt  geworben  mar, 
ba§  ber  ^ropji  injnnfdijen  feine  Surie  auf  SebenäjeU  für  500  rr$ 
wrmiet^et  Ijatte.  SRadfj  feinem  £obe  nämlidf)  war  bte  Stabt,  ba  fein 
neuer  tropft  roieber  gemäht  mürbe  f  o^ne^in  Sefi&nadjtfotgerin. 
3)ic  Ijerjoglid&en  (Sommiffartcn  gaben  ju,  baß  bie  Stabt  im  SRed&t 
fei,  unb  erbaten  nur  für  ben  Sßropft ,  um  ftd)  mit  feinem  9Jttetf)er 
abjuftnben,  eine  93ebenf  jeit  von  jmei  SRonaten,  bie  jroar  jugeftanben 
würbe,  aber  feine  SKenberung  §ert>orbrad)te. 

9tod&  ber  Unterjeid&nung  be$  Vertrags  mußte,  ba  für  bie  $ra* 
bition  ber  ju  überliefernben  ©cgenftänbe  eine  oerfjättnißmäßig  furje 
Stiflbefiimmt  mar,  atöbalb  mit  ben  baju  erforberlidien  Vorbereitungen 
ber  Stnfang  gemalt  werben,  £>ie  größte  ScJjnrierigfeit  oerurfad&te 
bicSd)äfeung  ber  SBalbungen.  S)er  §erjog  I;atte  feine  beiben  Ober* 
fafctfcafe  unb  Sftüber  ju  Sadjjperftänbigen  gcroäfjlt  unb  für  baä 
6e$ift  ber  ©d&äfcung  iljrea  tym  geleiftctcn  @ibe£  entbunben.  S)er 
Senat  [jatte  feinen  Beamten,  bem  er  bie  Sdf)äfcung  anvertrauen  f onnte 
ober  modjte ,  unb  es  mar  iljm  audb  fein  auswärtiger  geeigneter  be* 
tonnt  gs  mußten  batyer  erft  ©rfunbigungen  eingesogen  unb  an  bie 
Empfohlenen  anfragen,  ob  fie  bereit  feien,  gerietet  werben.  S3on 
mehreren  Seiten  gingen  abfdfjlägige ,  burdf)  bie  3eitoerl)ältniffe  leidet 
gerechtfertigte  Antworten  ein,  unb  ben  erften,  ber  fidj  bereit  erflärte, 
Dberförfter  oon  UStar  in  Harburg,  verbat  ber  §erjog.  Sulefet 
übernahmen  ber  Dberförfter  oon  Sobedfer  ju  Sorftel  im  Slmte 
Smfen  an  ber  Sulje  unb  ber  Dberförfter  3Hepenberg  ju  ßfd&ebe 
($orf  in  £annot>er  in  ber  9Mf>e  von  Seile)  ba«  ©efd&äft.  Güten 
Obmann  für  ben  gaB,  baß  bie  beiberfeitigen  SadEjoerftänbigen  fidfj 
nu&t  einigen  fönnten,  xou^tc  ber  Senat  gar  nidf)t  ju  nennen;  e£ 
würbe  batyet  bet  SluSroeg  getroffen,  baß  ber  £er3og  brei  5ßerfonen 
wt^lagen  unb  ber  Senat  eine  rollen  foHe.  SDcr  §erjog  fdf)tug 
bemadjj  ben  Sauenburgifc&en  Oberforflmeifler  dou  Döring,  ben 
Bfcerforfimeifiet  t>on  3aftroro  in  Harburg  unb  ben Dberforftmeifter 
HiSRalorit  in  §annot>er  t)or.  S)er  Scfctgenannte  mürbe  Dorn 
6«We  gemault  unb  erflärte  fidf)  audf)  bereit,  ba$  il;m  übertragene 
Wttertd&terUdjje  Slmt  ju  übernehmen.  ©3  fam  aber  nidf)t  baju,  ba 
bie  6üdjr*rfianbigen  fidf)  foroofyi  über  bie  ©runbfäfce,  nadf)  meldten 


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zedby  G00gk 


90 

bie  Station  vorgenommen  werben  fottte,  ate  au%  übet  bie  3fo* 
wenbung  berfelbeu  einigten  unb  ba&er  ju  einem  übereinfttmmenben 
SRefultate  famen. 

ferner  mußten  bie  ben  abjutretenben  S)orffd&aften  obliegenben 
abgaben  an  ©elb,  Stenften  unb  Naturalien  genau  jufammengeflefit 
unb  beregnet  werben,  unb  ba  jwifd&cn  ber  SJorfit^erfd^ft  ber^etrt? 
Äird&e  unb  bem  ber  Äird&e  gehörigen  S)orfe  SRöbel,  eben  fo  au$ 
jwifc&en  bem  ©t.  3obanni$*Älojter  unb  bem  bemfelben  gehörigen 
5Dorfe  2Bilm«borf,  ©treitigfeiten  über  mehrere  Seiftungen  obwalteten 
mar  e3  nötyig,  biefelben  vorder  auäjugleid&en  unb  alle  Seifhingen 
genau  fefljufteHen.  2ludf)  bie  ju  übertiefernben  Slcten  waren  auSju* 
fonbern  unb  ju  wrjeid&nen.  SStteS  würbe  jebod)  redfjtjeitig  noUenbet, 
man  fonnte  mit  ben  l)ier  eingetroffenen  ^erjogli^en  ©ommiffarien 
oor^ex  über  atte  im  ©injelnen  nod&  ju  erlebigenben  fünfte,  beren 
bei  einem  fo  umfangreidf>en  unb  oerwüfelten  ©efd&äfte  notywenbig 
eine  grofee  3al)l  fein  mußte,  nertrautid&e  Sftüdtfpracfye  nehmen  unb 
nodf)  oor  bem  als  lefetem  Termin  angenommenen  Sage,  bem  3. 3(uli, 
mit  ber  wirftid&en  Uebergabe  beginnen.  Sie  na^m  brei  Sage  in 
3tnfprud&. 

©ie  erfte  Sufammenfunft  ßefc^af)  auf  bem  ®ifd(>of$l>ofe.  Wton 
überlieferte  fid&  gegenfeitig  bie  aufgemalten  ^Beregnungen  über  toe 
Hebungen  an  ©elb  unb  Naturalien,  jebod&  ber  uerwidfelten  Ser^alt- 
niffe  wegen  beiberfeitö  salvo  errore  calculi  salvisque  erroribus  in 
facto  (mit  JBorbe^alt  eine«  3rrtl)um$  in  berSted&nung  unb  factifd&er 
3rrt^timer).  ®ie  ^erjoglid&en  ßommiffarien  übergaben  ben  ©albo 
ber  ©trueturfaffe  unb  bie  Obligationen  berfetben,  bie  3>omfirdje,  bie 
2)tfHncten*ßurie,  Die  ©apiteläbibtiotyef  unb  ba«  bis  ba^in  bem  ?ßa> 
ftorat  in  $amberge  gehörige  SJicarienljauÄ,  für  welche*  bie  ©tobt 
ben  ©elbmertl)  bejahte,  audfj  bie  fdjjriftlk&e  ©rflärung  ber  5Dom* 
Ferren  tyinjtdfjtltcij  ber  fünftigen  SJenufcung  i^rer  Kurien,  am  folgen* 
ben  Säge  gefd&ab  in  3»oenborf  bie  $rabition  ber  an  bie  ©tabt  übet* 
gebenben  Sförfer  im  Sraoemünber  SBinfel  unb  in  Xraüemünbe  ©eiten* 
ber  ftäbtifd&en  Slbgeorbneten  bie  Uebergabe  ber  an  ben  $erjog  übet* 
geljenben  ©eftfcungen.  5Die  Ijerjoglidljen  Commiffarien  begaben  fu$  au$ 
nod&  nadfj  SßilmSborf,  um  bort  bie  $utbtgung  entgegenjuneDmen,  Um 
6.  Suli  fanb  wieber  eine  3ufammenfunft  auf  bem  S9if<$of3l)ofie  ©tott 
S)ort  gefd&ab  namentlid&  bie  Uebergabe  ber  Sanbmefjrbörfer  unb  ber  fibti* 
gen  Seftfcuugen  in  ber  Sanbroebr.  S)er$erjog  lieg  einen  beglaubigten 
äuSjug  aus  einer  Sfcote  be«  bänifd&en  ©efanbten  überreifen,  axß 


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zedby  G00gk 


91 

toel^er  bie  eimoiHtgung  befi  ÄönigS  von  Stänemarf  in  bie  lieber- 

gpfce  be«  SDorfea  SBÜmSborf  fjeroorging,  unb  liefe  fcbüefeUdf)  erttären, 

bofe  et  bem  2Bunf$e  ber  ©tabt  jufolge  fidlj  cntfd^loffcn  fjabe,  il>r 

tat  ÄfäjofStjof  fogleid)  unb  otjne  Eompenfation  ju  fiberlaffen. 

Die  Sfledjnung  fiettte  fid)  In  tyren  £aupt§tigen  f olgenbermafcen : 

Die  jfi!>rlid>e  einnähme  au%  ben  an  bie  ©tabt  taufdjmeife  über* 

gelben  Sförfern  unb  einzelnen  Orunbftüden  betrug    1 1 , 46 1  mfc   8  U 

ihrige  \fyc  jufaDenbe  Hebungen  be8  ehemaligen 

Domcapitete 255   „  —  „ 

tk  biÄ&er  an  ben  SHföof  bejahte  ^^^tabgabe  .        621   „   —  „ 

5Dic  ©utume  Don    12,337  w//   8  P 
wt  glcid)  ju   a$tcn  ber  merprocentigen  3wfe  eine*  Äapitate  uon 

308,437  "#    8  IS 
ferner  erhielt  bie  ©tabt  ein  kfonbcrS  ju  wr* 

gfitenbeS  SSicaricn&auS 2,400  „   —  „ 

SitÄapitalien  be$  (Sicd^cti^aufcö  m@d)n)artau       12,700  „  —  „ 
®n\9t2egate      1,893   „   12  „ 

#emacl)  repräfentirte  bie  Summe  üon  .  325,431  n$  4|! 
toiSBertf}  beSjenigen,  toaä  bie  Stobt  von  bem  $erjog  im  SBege 
be*  9Ui$taufc^eS  empfing. 

Dagegen  empfing  ber  $erjog  an  jäl)tlid&en  Hebungen  15,709  n$ 
4  *\  jlrt^  ber  trierprocentigen  ginfe  eine*  fiapitate  pon 

392,731  rrüfl   4  j? 
8*b  an  SBaÖmngen  einen  SDletjrroertl)  t)on  .    .     180,631   „  —  „ 
fr  vergütete  ber  ©tabt  au*  bem  ertrage  oon 
Openborf 6,890  „     9  „ 

6r  Ijatte  alfo  ju  jagten    580,252  m#  13  ß 
9Ja^  Slbjug  uon    325,431   „     4  „ 

254,821  w#    9|8 

Sun  !>atte  i^m  bie  ©tabt  wegen  ber  2)orff$aft  ße«borf  no<$ 
*ie  Vergütung  von  568  mfi  ju  leiften,  roeld&e  abjujie^en  n>ar,  unb 
ültenb  ber  XrabititmUoer^anbCungen  mürbe  ein  Sfted&nenfeJjter  be* 
tWt  unb  uerbeffert,  ber  bie  ©d&ulb  be$  ^erjog«  wieber  um  1837  mfl 
*•  erfüllte ,  fo  bafe  fdfliefclicl)  bie  von  tym  ju  berid&tigenbe  ©djulb 
•liaf  256,091  w#  l  0  belief.  3)iefe  ©umme  l>at  er  feinem  9Ser* 
gemäft  im  Januar  beä  folgenben  3»af)reÄ  baar  entrid&tet. 

Um  ben  Settrag  fefijujieflen,  toetd&en  bie  ©tabt  bü&  jum  8luS* 


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zedby  G00gk 


92 

jierben  bet  fämmtlidjen  5Doml)erren  unb  SSicare  jur  Suftentation 
berfelben  su  Ictftcn  baben  würbe,  legten  bie  IjerjogtW&en  (Som* 
miffarien  eine  Ucberfidjt  ber  bisher  von  ben  genannten  Verfemen 
genoffenen  einnahmen  oor.  2>er  ©efammtbetrag  war,  wie  fd)ott 
bemerft,  62,537  w#  13  f\  3)aoon  fiel  ber  ©tabt  jefet  bie  Summe 
von  3996  7?#  7|  ß  311  unb  nad)  $Berf)ä(tm&  biefeä  anleite  be* 
ftimmte  fieb  iljr  f  ünftiger  Seitrag  jur  ©uftentatüm.  ®ie  legten  femer 
eine  33ere$nung  ber  ©efammteinnaljmcn  be«  (SapitelS  oor,  weW&e 
ftd)  auf  83,445  ?7%&r  0  ß  beliefen,  mit  ber  Semerfung,  bafe  bie  6inna^ 
men  be$  SifdfjofS  eben  fo  ^0$  anjufdjlagen  feien,  bie  einnahmen  be« 
gefammten  ©tifteS  atfo  auf  166,890  rnft  10  (5  ju  fd&äfcen.  2)atwn 
mar  ber  ©tabt,  abgefc^en  oon  bem  fpäter  erfolgten  2lu3taufdf),  burdj 
bie  Abtretung  oon  fieben  J)orffcf)aften  bie  Summe  oon  12,459  mfliVL* 
gefallen,  unb  l)icrnad^  beftimmte  ft$  ber  Seitrag,  ben  bie  ©tabt  in 
3ufunft  ju  ben  9teid)3*  unb  Äretölaften  ju  teiften  Ijatte.  Qnbeffen 
ift  fold&er  wegen  ber  Sßeränberung  ber  politifeben  SBertyältniffe,  bie 
gleid)  barauf  oorging,  nid^t  in  grage  gefommen. 

9tad()bem  alle  Angelegenheiten  mit  bem  iperjog  geotbnet  waren, 
muffte  ber  Senat  barauf  ©ebadjt  nehmen,  fidfj  mit  ben  Sorfteljer* 
fd^aften  be£  ©t  Qo^anniß^lofierö ,  ber  $etrt*Äird)e  unb  be$  £eili> 
gen  @eift*£o3pital<8  abjufinbeu,  bereu  SBefifcungen  er  genötigt  wor> 
ben  mar  abzutreten,  otyne  oor^er  barüber  mit  tynen  t)erf)anbeln  ju 
fönnen.  2)a£  ©t.  So^anni&Ätofter  empfing  für  äßilmSborf  11437  rnft 
8  f?.  9Rit  ber  $etrt*£ird()e  mürbe  man  na<$  längeren  3Serl)anbtungen 
wegen  Sftöbel  um  32,000  rr$  einig,  von  benen  aber  nur  3000  mfr  baar 
bejaht  würben,  gür  ba$  Uebrige  nabm  bie  Ätrdje  eine  breiprocen* 
tige  Obligation  über  20,000  m}/,  bie  nad&  jroanjig  Rafften  eutgetöfl 
werben  fottte,  unb  einen  ^Jfanbpoften  dou  9000  wi$£  in  einer  in* 
jwifdjen  oerfauften  S)omcurie.  An  beiben  ©ummen  §at  fie  fpäter 
SJerluft  erlitten.  Aufjerbem  übernahm  bie  ©tabt  bie  (Sntfd&äbigung 
eine£  ehemaligen  reitenbeii  Wieners,  be3  f.  g.  SSogtö  von  Stöbel,  ber 
bie  einfünfte  abgeholt  Ijatte,  mit  jäbrlidj)  272  n$.  Unüberwinbli<$e 
©djwierigfeitcn  fdfjien  e3  ju  f)dbtn,  ba«  ^eilige  @eift*£o$pttal  ju 
entföäbigen,  weldjcS  fetjr  beträd&tlid&e  einbüßen  erlitten  §atte.  2He 
©nfünfte  aus  ben  von  bem  £crjog  von  -JReälenburg  in  33efifc  ge* 
nommenen  ©orffäaften  betrugen  über  6000  n$,  bie  auä  ben  je&t 
an  ben  ^erjog  oon  Dlbcnburg  abgetretenen  meljr  ate  3500  rn#f 
ber  Äapttalroertlj  ber  SBalbungen  bei©(barbeufc  war  ju  252,000  w# 
•gef<Pfet    £ätte  biefer  SBertl)  unb  jugleidj  ber  fapitalifirte  betrag 


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93 

tet  ©mtaljmen  au$  ben  t>etloretten  Dörfern  cr^e^t  werben  Rollen, 
\otoutbe  bie  ganje  oon  bem  £erjog  gejagte  Summe  nidjt  ausgereicht 
fabelt,  unb  bie  Stabt  möchte  rooljl  in  recfit  grofje  3Serfcgenl)eit  ge* 
ratzen  fein.  Qn  6rfenntni&  unb  richtiger  SBürbigung  bcr  SScr^ält* 
m'ffe  aber  beftanb  bie  33orfte§erfdjaft  ntdfjt  batauf.  Sie  begnügte  fid>, 
bie  Hoffnung  auSjufpredien,  bafe  e8  ifjr  gelingen  werbe,  mit  ben  i\)t 
nodj  gebliebenen  SOlitteln  bie  Qmdt  ber  Stiftung  ju  erteilen,  unb 
ba§,  fatt3  bteS  ntd&t  ber  gatt  fein  f oDtte  f  ifjr  eine  £ülfe  au3  öffent* 
iufcn  Mitteln  nidjt  entfielen  werbe.  Sine  batyn  gefymbe  ßuftdjerung 
würbe  ber  Sorfteljerfdjaft  burdf)  9tatfc  unb  SBürgerfdfjlufc  uom  10. 
September  1806  „unter  banlbarer  Slnerfennung  ber  bem  ©emein* 
loejen  betätigten  patriotifdjen  SBereitroiUigfett"  gegeben,  ©lücflid&er 
Seife  ift  bie  Slnftalt  btö  jefct  nid^t  in  bie  Sage  gekommen,  auf  biefe 
M^etang  jurüdgeljen  gu  muffen. 

3)a£  Anerbieten  ber  Stabt  I)inftdjtU(§  ber  ßurien  mürbe  von 
adjt  ©omljerren  angenommen,  brei  jogen  c£  vor,  im  SBeftfc  tyrer 
Bofyrongen  3U  bleiben.  SHe  nrirflidje  ©eft$naf)me  evforberte  iebo<§ 
ebenfalls  nod>  eine  bebeutenbe  ausgäbe.  ®£  mar  fiatutcnmä&tg,  bafj 
jcber^n^aber  einer  Surie  fte  in  3)ad£)  unb  %aä)  unterhatten  mufete. 
Sei  jebem  Uebcrgange  an  einen  neuen  ^nljaber  ftellteu  bie  Kelter* 
leiite  ber  SJtaurer  unb  3lwtnerleute  eine  33eftd)tigung  an,  um  ju 
Wen,  ob  biefer  ?ßfltd)t  hinlänglich  genügt  fei.  $>ie  oorgefunbenen 
Saumfingel  mürben  oon  tynen  tajrirt  unb  mußten  oon  ben  @rben 
brtSerflorbenen  bem  ©eftfcnadtf olger  Dergütet  roerben.  2lnbere  Sadfj* 
mftänbige  tajirten  biejenigen  ©egenftänbe,  bie,  ftvenq  genommen, 
vM)t  jur  SBo^nung  gehörten,  aber  bod)  bafcei  gelaffen  ju  werben 
?>flegten.  S)a3  waren  Defcn,  Jßoljbetteibung  bcr  äöänbe,  Tapeten, 
ÄtySbetfen,  SSanbfpieget,  unb  bergleidjcn.  35ie|e  ©egenftänbe  gießen 
ferSeilafc  unb  bafür  mürbe  oon  bem  neu  eintretenben  SBeftfcer  ben 
Wen  be$  S3orgänger£  @rfa&  geleifiet.  3U3  mit  ben  jefct  übergeben* 
Wir  (Serien  bie  fibttd)e  Scfidjjtigung  oon  bcn  aus  Eutin  l>ergefomme* 
wnSadj&erftänbigen  oorgenommen  würbe,  ergab  fid),  bafj  bie  Stabt 
ftetküafe  10,961  n$i  8  1J  ju  bejahten  f)atte.  3f)r  felbft  bagegen 
wribt  leine  Vergütung  für  SBaumänget  gegeben,  weil  fie  ft<§  wx* 
fW&tei  Ijatte,  bie  Surien  o^ne  STOonitur  anjunefimen. 
l"iSeimix$  wäre  bie  Uebereinfunft  ganj  oort^eilfjaft  für  bie  Stabt 
johfen,  wenn  fte  nur  bie  ßurien  fogleid)  Ijätte  in  wirflid^en  Sejtfc 
»$*en  (onnen.  Slber  für  fünf  beftanben  no<$  auf  fürjere  ober 
titytt&it  Sttiet&contracte,  in  bie  fie  eintreten  mufete,  unb  baburdj) 


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94 

ifi  ber  ©emmn,  ben  fte  non  ilpem  anerbieten  ju  §aben  hoffte,  für 
äße  biefe  ßurien  iQufoarifd^  unb  ber  ©eparatoertrag  ju  einer  großen 
Saft  geworben.  5Rur  brei  gurten  ^atte  fie  foglei<$  ju  freier  33er< 
fügung.  SJttt  biefen  breien  §at  fte  gute  ©efdfjafte  gemalt.  @S  war 
bie  3eit  ber  Gonttnentalfperre,  ber  &anbel  ft&nb  in  $ö$fier  SBlät^e, 
©runbbeftfc  in  fyotym  SBcrt^e.  3)ie  ©foeffd&e  Surie  —  je|t  eigen* 
t^urn  be«  ©rafen  t>on  Stanfeau,  Sßarabe  Str.  950  —  würbe  für 
37,050  ruft  an  ben  Sßrotonotar  oon  @x>erS  nerfauft;  bte  Sfitowld&e 
Gurte  —  Sßarabe  9tr.  955  -  für  42,000  ##  an  ben  Äammerljerm 
Sari  £artwidf)  von  Sßleffen,  ber  fie,  ba  er  felbfi  als  grember 
nadjj  bamaligen  @efe|en  ntdjt  ftabtbud&mäßtger  (Sigentbümer  eine« 
$aufeS  fein  fonnte,  auf  ben  tarnen  beS  ÄaufmannS  fieuenrotl) 
in  bie  ipppotbefbüdfjer  eintragen  liefe.  $)ie  ©tenglin'fdjje  ©urie  enbli^ 
an  ber  ©de  beS  gegefeuerS  unb  beS  5)omfir<$bofS  faufte  ber  Äauf< 
mann  ®fcJ)enburg  für  31,850  mß.  2ludj  baS  mit  2400  mfi  be* 
jaulte  SSicarienfjauS  im  Fegefeuer  würbe  fogletdfj  für  4600  w#  wie* 
ber  perfauft.  33on  ben  Äaufgelbem  blieben  jwar  vorläufig  nodfj  an* 
fe^nlic^e  Summen  als  Sßfanbpofien  in  ben  Käufern  fielen,  fte  fmb 
aber  fpäter,  als  bie  ©tabt  bei  eintretenbem  SBebfirfniß  fie  fünbigte, 
fämmtltdj)  ridjtig  bejaht  worben.  9lur  an  ben  in  bem  igaufe  be* 
$errn  von  Steffen  fielen  gebliebenen  ©etbem  ifi  ein  $erluft 
erlitten. 

S)efio  fdjlimmer  ging  es  mit  allen  übrigen  ©ebäuben,  wel$e 
ber  ©tabt  fpäter  jufteten,  aud)  mit  bem  SBtfd&ofSljofe,  welker  3Rid)aeli$ 
1804  abgetreten  würbe. 

3)er  SUfdjjofSbof  lag  am  S)omftr<$)ofe  jwifd&en  ber  @tenglin'fd[>en 
©urie  unb  ber  ehemaligen  tropftet.  @S  war  ein  jwetftödtgeS,  au« 
jwei  Käufern  befteljenbeS  ©ebäube  mit  einem  großen  bis  an  bie 
3Jtüt)lenftraße  tyinuutergetyenbcn  ©arten.  $)a  ba«  ©ebäube  unbraudj' 
bar  unb  baufällig  war,  befd&loß  man,  eS  abjubred&en  unb  ben  Sfcaum 
ju  (leinen  äBolptungen  ju  benufcen,  an  benen  bamals  großer  SDtangel 
fi(§  jeigte,  wottte  aber  ju  einem  SJerfaufe  ntd>t  e^er  f<$reiten,  als 
bis  au<$  bie  benachbarte  ^ropftei,  ju  welker  ebenfalls  ein  große« 
Slreal  gehörte,  ftäbtifd&eS  ©gentium  geworben  unb  bann  gugleid)  ein 
auSgebe^nter  Bauplan  mögltd)  fein  würbe.  9Ran  Ijalf  ftd&bal)er  bur$ 
Setmietyen,  unb  beS  ©artenS  wegen,  ber  f<$öneS  Dbft  enthielt,  gab 
ber  Dbftyänbler  33ru§nS  eine  jäjjrlidjje  SRietye  non  1400  w#. 
S)a  gefd&ab  am  6. 9tot>.  1806  bie  (Sroberung  Sübedte  burd)  bie  granjofcn 
unb  nun  mußten  bie  ©ebäube  lange  $eit  ju  ipoSpttälem  bleuen. 


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96 

Ä8  enbfidj  bcr  gricbe  wiebertyergefHUt  war,  trat  bie  traurige  ?ßeriobe 
emy  in  weld&er  ©runbftiufe  faum  einen  äBertl)  Ratten,  aud)  faum 
p  letmietljen  waren.  &alb  au£  ©efäßigfeit  gab  ber  Dbftyänbler 
ÄrufrnS  für  ben  ©arten  nod)  150  mjji  SRiet^e,  bie  faum  nodf)  be* 
na$6aren  Skwlid&feiten  würben  für  ft$  um  unbebeutenbe  Summen 
öermiet^et  6«  würbe  meljr  unb  meljr  eine  bringenbe  SRotywenbig* 
fett  für  bie  ©tabt,  fi$  ber  Dielen  ©ebäube,  bie  fie  befag  unb  beren  nur 
natybürftige  Unterhaltung  fdjon  groge  Äoften  oerurfa<$te,  ju  entäugern. 
SRan  entj<&log  ftd)  baljer  1819,  ben  ganjen  2Kfd)of«l)off  ba  nidjt 
weljr  bafür  ju  befommen  mar,  für  ben  Sßrei«  oon  6000  n$  an  ben 
Senator  SRenfce  ju  oerfaufen,  ber  bie  ©ebäube  ganj  abbrechen  unb 
tarn  ein  neue«  fd)öne3  $au«  in  ber  aRü&tenftrage  —  jefct  9tr.  873  — 
aufbauen  lieg. 

2)a&  bie  ©tabt  für  bie  Sßropfiei  feine  SSergütung  geben  wollte, 
weil  ber  $topß  fie  auf  feine  Sebenäjeit  oermiettiet  §atte  unb  fie  ber 
Stobt  nad&  feinem  £obe  oon  felbft  jufaDen  mugte,  ift  vorder  bemertt 
U*  «ber  ber  SRiettjer,  Äaufmann  S)ee|,  1807  in  frühem  2eben8* 
etat  «»erwartet  fiarb,  wenbete  ftdj  ber  Sßropfi  oon  äöifcenborf, 
thafä  bänifd&er  Äammer^err,  an  ben  Senat,  fud)te  ftd)  wegen  be« 
früher  abgefd&toffenen  SDWet^contractö  ju  rechtfertigen  unb  bat  brin* 
gtsfe,  ein  Sbfommen  mit  iljm  ju  treffen.  S)a  eS  unter  ben  gänjlidf) 
oedmberten  SSerljäfaUffen  burd&au«  unt&untidfj  war,  auf  folgen 
Smtfö  einjuge^en,  überlieg  er  ba«  ©ebäube  ber  ©tabt  fd)tieglidf) 
1810  dpte  alle  SSergütung,  wogegen  bie  ©tabt  au$  auf  Srfafc  für 
Skutmängel  oerjid&tete.  9hm  aber  war  bcr  groge  SJJlafc,  ber  ftd) 
fiü^er  ]tfyc  jwerfmägig  tyätte  oermertljen  unb  oerroenben  laffen,  wertt)* 
lad  geworben.  S)ie  ©ebäube  würben  ju  ^o^pitaljwedcn  benufct. 
1820  würbe  bie  gange  Sßropfiei  für  8000  w^  an  ben  GoHaborator 
Xiburtiu*  oerfauft,  ber  feine  $ßenfton«anftatt  für  ßnaben  ba&in 
Betlegte.  1850  $at  bie  ©tabt  bie  ©ebäube  für  30,000  vrijl  wieber 
yfauft  unb  bie  2)omfdf>ule  hineingelegt,  al«  bie  ehemaligen,  in 
glfigelgebäube  ber  2)omfird&e  beftnblidjen  ©apiteljimmer,  weld&e 

biefer  ©d&ule  b\&  ba^in  benufet  waren,  bem  Äranfenfjaufe  über* 
•Wen  würben. 

.  S)ie  Stednutei  würbe  1805  ben  SSorftetiern  be«  Söaifen^aufe«, 
Ht  bi$  baljm  ben  9fegibien^om>ent,  je|t  ba«  freiwillige  arbeite 
Im,  inne  gehabt  Ratten,  ba  bie«  ©ebäube  burd&auS  ungenügenb 
WC,  für  30,000  rnfL  oerfauft,  bie  ganje  fiauffumme  aber  ate^fanb* 
V$ett  }u  3  ^rocent  3infen  in  ba&  ©runbftüdt  eingetrieben.    911« 


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96 

bic  3tofat  Dftetn  1807  iwn  erfien  9M  bejaht  werben  fottten,  be* 
fanb  baS  SBJaifen^aiiö  fidj  nid^t  in  ber  Sage,  e3  ju  fönnen,  fte  mur* 
bcn  if)tu  ba^er  erraffen ,  Oftern  1808  normal«  unb  1809  nrieberum 
unb  jugteidfj  für  bie  folgenben  jeljn  Safjre.  216er  ba£  SBatfen^auä 
Ijatte  ba$  ©ebäube  au<$  nod)  gar  ni6)t  benufcen  fönnen.  6f)e  ber 
notfjroenbige  Umbau  im  Qnnem  twDenbet  war,  trat  aud)  §ier  ber 
6. SRoüember  mit  feinen  cntfefcltdfjen  folgen  bajmifdjen,  ba3  ©ebäube 
mürbe  ebenfalte  als  £o£pital  in  Slnfprucfc  genommen  unb  btö  jum 
Stuguft  bcä  SatyreS  1809  für  biefen  3roecf  benufct.  äte  e$  geleert 
mürbe,  maren  mieberum  große  Sermenbungen  erforberltdf),  um  bie 
©puren  ber  bisherigen  Senufcung  ju  t>ermifdf)en  unb  eS  für  bie  9fof* 
naljme  von  etma  100  Äinbern  in  ©tanb  ju  fe|en,  fo  baß  bteJJor* 
ftel;er  bie  ©efammtfumme  iljrer  MvßQabtn  für  ba3  neue  ©ebäube, 
mit  einfd&tuß  be£  Äaufpretfeä  auf  100,000  n$  beregneten.  ©8 
Ratten  fid^  aber  bie  3Jiittct  ber  Slnftalt,  namentltdj  bie  tfjr  aufließen* 
ben  fretroittigeu  Beiträge  wä^renb  ber  unljetfooUen  Qaljre  ber  fran> 
jöfifdjen  Dccupation  fe^r  perminbert  unb  mehrten  fi<§  nad^  SBteber* 
fyerftettung  ber  früheren  93erf)ältniffe  nid^t  merfUd&.  S)a  nun  anberer* 
fettS  Ujre  SBirffamfeit  mefjr  aU  früher  in  2tnfprud)  genommen  würbe, 
fo  baß  ber  ©taat  iljr  eine  Unterftüfcung,  bie  bisher  nid&t  begebt 
mar,  nid&t  ^ätte  perjagen  fönnen,  fo  mürbe  1818  auf  3in^^lung 
für  immer  Derjid&tet  unb  audj)  bie  8al)üutg  beS  ÄaufpretfeS  gänaltd) 
ertaffen. 

Sieben  ber  S5ed&anei  lag  an  ber  Sßarabe  bie  Äur jrocFfdfje 
(Surie,  bie  berStabt  1807  na«$  bem  £obe  be3  gretyerrn  von  Aura* 
r od  in  ©cmäßtyett  ber  Stefiimmungen  be$  Vertrag«  jufiel.  Sie 
empfing  bei  ber  Uebematyme  2400  mfc  für  SBaumängel,  mäljrenb 
fte  für  SBeilaß  700  rr$  ju  jaulen  Ijatte.  (£8  mar  em'alteS,  bau- 
fällige^  unb  unbraud()barc£  ©ebäube,  aber  t)on  einem  fdfjönen,  223 
guß  langen  unb  137  guß  breiten  ©arten  umgeben,  liefen  münfd&ten 
1815  bie  SSorfte^er  beä  93aifenl}aufe$  ju  ^aben,  um  if)n  mit  bem 
©arten  ber  «nftalt  ju  vereinigen,  unb  man  gab  U>nen  ben  größten 
SCfjeil  beffelben  für  jäfjrltdje  60  rnfr  in  Sßad&t.  $)ann  aber  nerfaufte 
man  i^nen  1823  ba£  ganje  ©runbjiüdt  nebfi  ben®ebäuben,  bie  b# 
hatyn  für  einen  geringen  Sßreig  Bermietfjet  gemefen  maren,  für 
4000  rr$.  $)ie  ©ebäube  mürben  nun  ganj  abgebrod&en.  SJton  er* 
fennt  an  ber  langen  3Kauer  noefy  je&t  leidet  ben  $lafc,  wo  bie  6urie 
e^emafe  geftanben  Ijat 

S)ie  aäJebberfop'fd&e  ßurie  (^faffenfiraße  9tr.  917)  gehörte  ju 


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97 

bencn,  in  33ejug  ouf  meldje  bie  ©tabt  1804  in  einen  3Wiet|conttact 
eintreten  mufcte,  ber  SDtid&aeltö  1807  ablief.  $>a  mar  bie  ©elcgen* 
Wt  p  einem  Dott^eil^af ten  Verlaufe  vorüber,  obwohl  biefe  ©urie  leib* 
IM)  ehalten  mar.  Wtan  muffte  fid)  lange  3eü  nttt  ®ermietf)en 
Reifen  unb  fanb  erfi  1820  an  bem  Äaufmann  93öfe  einen  Ääufer, 
welker  10,000  n$t  bejahte.  3)aS  ©ebäube  ifl  feitbem  mehrere 
Stale  üetfauft  unb  julefct  1865  für  22,500  m$  in  ben  SJefifc  ber 
@efeQfd^aft  jur  Seförberung  gemeinnütziger  Xfjätigfeit  übergegangen. 
3«|t  beftnbet  ftd^  bie  ©emerbeföule  barin. 

3fo$  bie  übrigen  ©urien,  bie  ber  ©tabt  na<$  unb  na<§  jufielen, 
finb  fammtlid)  ju  niebrigen  greifen  verlauft.  SDtefirere  t)on  itjnen 
njaten  fo  baufällig,  bafc  fie  fogletdj  abgebrod&en  werben  mu&ten,  unb 
<m  Üper  ©teile  fteljen  jefct  neue  unb  fdjönere  ©ebäube. 

®ie  8lI)Ufelb'fd)ie  ©urie  (Sßarabe  SRr.  953)  war  1804  an  bie 
Stäfin  von  SJafferoifc  t>ermtetl)et,  tarn  1814  nadj  bem  $obe  ber* 
Wien  in  ben  ©eftfc  ber  ©tabt  unb  mürbe  1819  für  9600  n&  an 
tanStajor  JBacmeifter  uerfauft. 

5&ie  3Koltfe'fd)e  ©urie  (^ferbemarft  SRr.  958)  bewohnte  1804 
te  ÄomtynbicuS  aSud^olj  mtetljmeife;  bie  ©tobt  erlaugte  fie  nadj 
km  2obe  beffetben  unb  wrfaufte  fte  1820  für  5000  rr$  an  ben 

3Rit  ber  SJaffemifc'fd&en  ©urie  ($arabe  9tr.  956)  empfing  bie 
6tabt  1822  5500##ate  SSergüturfg  für  Saumängel  unb  t)erfaufte 
fiegl^baTauf  für  anberroeitige  5500 mfc  an  ben  Sßarttculier Äoofcn. 

S)ie  SBalmoben'fd&e  ©urie  (Sßferbemarft  9tr.  957)  mürbe  1804 
wn  bem  Slffeffor  ©u^l  als  3Kiet^er  beroofjnt.  SKadjbem  fie  nad) 
itffen  £obe  1819  ber  ©tabt  jugefaUen  mar,  mürbe  fie  1824  für 
1<W50  n#  an  ben  2lpotf)efer  $örd)er  wrfauft. 

SHe  lefcte  unter  ben  ©urien,  meldje  t)on  einem  ©omljerrn  felbft 
fcwoljnt  mürbe,  mar  bie  be£  Äammerljerrn  Don  Sudjmatb  (Sßarabe 
St.  951).  9lad)bem  $obe  beffelben,  melier  1828  erfolgte,  wrfaufte 
te  ©tabt  bie  ©urie  für  1 5,250  mjfi  an  ben  ©enator  ©tinfclng. 

5Die  übrigen  ehemaligen  ©apttelljäufer  famen  nur  fetyr  alImäf)Udj 
fei  ben  »eftfc  ber  ©tabt.  S)aS  lefcte  im  Qaljre  1864.  SDlau  fu$te  fie 
Wmtdglidjft  ju  Deräufcern,  feine«  ^atte  einen  erfjeblidjen  2Berttj. 
*  5Der  Beitrag,  meld&en  bie  ©tabt  jur  ©ufientation  be8  35omcapt* 
Äftt  leifien  ^atte,  betrug  urfprünglidj  3996  rrifi  8  %  2)aju  fam 
w$bie  ©ntfdjäbigung,  bie  ben  jenigen  ©omljerren  bejaht  mürbe,  metd&e 
%e  Atrien  ber  ©tabt  fogleidj  überlaffen  Ratten,  bie  f.  g.  ©urienmietlje, 

3«ttfat.  f.  8Ü*.  ©ffa.  »t.  3  $eft  1  1 


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98 

anfangs  9932  n$.  S)tefe  leitete  ©umme  flieg  fpäter  no$,  als  bei 
bem  $obe  berjenigen  ßapttulare,  meiere  fortfuhren,  tyre  Surien 
fetbfl  ju  bewohnen,  ben  Seftfcnadtfolgem  bie  3Jttet§e  bejaht  werben 
muffte,  unb  betrug  in  tyrem  l>ödjfien  Seiauf  13,982  ##.     S)ie 
3a#ung  gef$al>  na<$6utin,  wo  ber  iperjog  eine  eigne  ©ufientationS* 
caffe  beS  ©omcapitels  eingefefct  Ijatte,  na<$  ben  Aufgaben,  weldje  btefe 
©äffe  ^ie^er  machte,  ©te  unterblieb  wä^renb  ber  jweiten  $älfte  be* 
SaljreS  I8ii  unb  beS  ganjen  QaljreS  1812,  weil  bie  franjöftfdje 
Regierung  fte  gerabeju  unterfagte,  eStft  aberinbenfolgenbenSfaljren 
alle«  rfidffiänbig  ©ebltebene  na<$bejal)lt  worben.  3n  bem  Slecefe  ^atte 
ber  §erjog  ber  ©tabt  jugefagt,  baj$  t$r  ju  Anfang  eines  jeberi  Saljre* 
ein  SerjeW&mfe  ber  im  uerfloffenen  Qa^re  eingetretenen  ©terbefälle 
ber  Gapttulare  unb  fonftigen  Seneftciaten  jugefiettt  werben  fofle, 
bamit  fte  genriffe  Ueberjeugung  erhalten  möge,  wie  ber  übernommene 
Seitrag  ftdj)  aUmd^lig  oerminbere.  S)ie  (SrfüHung  biefer  Bufage  mürbe 
ju  ®nbe  beS  Saures  1819  in  Slnfpruc^  genommen,  weil  es  auf* 
fiel,  bafc  in  fünf  Sauren  feine  Serminberung  eingetreten  war, 
unb  e«  mürbe  benn  aud&,  freiließ  erji  nad)bem  ber  Senat  fi(&  bittet 
an  ben  #erjog  geroanbt  §atte,  im  $erbfi  1821  unb   tum  ba  au 
regelmäßig  alljätirlid)  ein  SJet^eid^nife  ber  eingetretenen  ©terbefälfe 
nebft  einer  genauen  ©peeipeation  ber  baburd)  oacant   geworbenen 
Hebungen  eingefanbt.    Sei  ber  ungläubig  complictrten  Sered&nung 
waren  etnjelne  3rrtt)fimer  woljt  ftnoermetbtWJr,  fte  würben  aber,  wemt 
fte  Ijierbemerft  würben,  tum@uttn  bereitwillig  anerfannt  unb,  wenn 
man  fte  in  Sutin  felbft  juerft  entbedte,  oljne  ©äumen  Ijieljer  mitge* 
tyettt  unb  berichtigt.    SHe  ©umme  beS  ganjen  ©uftentationSbetragÄ 
fonnte  ni$t  anberS   als  fe^r  aümäljlidj  Rdj  wrminbern,  ba  bie 
2lScenfton  fortbauerte,  als  ob  baS  Sapttel  nod)  in  feiner  früheren 
©nrid&tung  beftänbe.*  @rft  nad)  jwanjig  Sauren,  1824,  waren  bie 
©teilen  ber  fteben  Canonici  in  herbis  ertofd&en ,  naö)  elf  ^ofyctn, 
1835,  bie  ber  fedjS  Semi-Integrati.  SiS  1842  ift  ber  twlle,  nur  feit 
bem  £obe  beS  2)ed>anten,  ber  am  22. 3uni  1824  flarb,  um  baS  t&m 
perfönltd)  jugeftanbene  Sßraecipuum  oermtnberte  Setrag  ber  Surfen* 
mtetlje  mit  12,782  tf#  bejaht  worben.  @rfi  twn  ba  an  trat  eine  attmä^ 
lidje  Serminberung  ein.  ©o  ift  atterbingS  bie  SerpflM&tung,  weldjje  bie 
©tabt  in  bemSKccefc  oon  1804  übernommen  Ijat,  burd^  bie  Sänge  ber 
3aljre  ju  einer  redjt  bebeutenben  Saft  geworben.  SHe  Summe  aller  fett 
ber  Sluflöfung  beS  35omcapitelS  geleifteten  Seiträge  gef)t  weit  über 
200,000  Später  ItfnauS. 


-  Digitizedby  Vj( 


99 


Sei  lagt. 


Vertrag 

jtmfdjen  bem  Herforj  oon  GHbenburrj  unb  ber  Stobt  fiibetb. 


Äunb  unb  ju  trugen  fet)  hiermit 
Allen,  fo  baran  gelegen. 

2Bamt  in  golge  be£  von  ©r.  SHömi^  Äaiferl  SRajeftät  unb 
bem  gefammten  beulen  9teid)e  genehmigten  9teid)&2)eputattong* 
§üupt*5Receffe3  oom  25.  gebruar  1803  unb  einer  oon  bem  S)urc^ 
foudjtigfiett  gürften  unb  §crtn,  §emt  Peter  Friedrich  Ludwig, 
6tben  ju  SRorroegen,  £erjog  ju  ©d)le3ung,  Jpolftein,  ©tormarn 
unb  ber  SMt^marfdjen,  gürften  ju  Sübed,  £erjog  unb  regierenben 
Sbmmifirator  ju  Dlbenburg  2c.  am  6.  April  1803  mit  ben  Der* 
mittrfnben  9Jtäd)ten  §u  SRegenSburg  ponogenen  befonberen  Soiroen* 
twn  nuitme^ro  mit  ber  Äaiferl  freien  9tet<p*@tabt  Lübeck  über  xxx* 
föiebene  SnbemnifationS*  unb  anbere  ©egenflänbe  eine  Vereinbarung, 
SuSgleiebung  unb  3tu«einanberfefeung  not^toenbig  geworben;  unb 
9*ba<$te  Sftro  ipodtffirftl  $erjogi.  5Durd)tau<f)t  ben  3fufHj  *  9tatf) 
3acob  §ugo  ßf<$en,  unb  ben  bisherigen  ®otym*@9nbicu$,  ©octor 
®eorg  3friebri<§  SBu^olj  f  fo  urie  bie  9tet<pjiabt  Sfibed  bie  ©ena* 
toten  3Ratt^äuS  3tobbe  unb  Qo^ann  2Jtot«>äuS  SEeSborpf,  J.  V. 
Ltum.,  specialiter  beuoUmäd)tiget  Ijaben,  um  bie*  ©efdjaft  ju  ©tanbe 
ju  bringen,  unb  einen  förmüdjen  Sftecefe  beSfjalb  ju  errieten,  unb 
sub  spe  rati  ju  fd&Ueffen;  fo  ftnb  beiberfeitige  Comraissarii  ju* 
fammen  getreten,  unb  l>aben  nad>  auSgeroedjfetten  3Mma<$ten,  ge* 
fattenen  6onferenjen  unb  gepflogenen  Unterljanbtungen  über  nadj* 
fte&cnbe  Sßunfte  fid)  vereiniget,  unb  folgenben  SRecefe  bt«  jur  9tati* 
fkatum  gefd&loffen  unb  wttjogen. 

2lrt.  1. 

©e.  $o$fürjHid)e  &erjogttd)e  £>ur$taud)t  aU  iefctger  (Stbfürfi  unb 
faecutarifirten  ißod&jUfteS  Sübed  cediren  unb  übertragen  nact; 
9b$gabe  beS  oben   erwähnten  $ei<§3*$eputation3*<Qauptf$luffc£ 
«üb  gebauter  ©onoentton  t>om  G.2tyril  1803  für  ©idj  unb  §Ödjftbero 


Digiti 


zedby  G00gk 


100 

©rben  unb  Successores  im  gürflent^um  unter  ben  roeiter  unten 
oorfommenben  33eftimmungen  unb  Steferoationen  an  bie  SteidjSfiabt 
Sübeä  ju  ewigen  Sagen  nadjfteljenbe  innerhalb  ber  ©tabt  belegene 
§o$ftiftUdE>e  Seftfcungen: 

1)  ben  S3ifdjof3*£of, 

2)  ben  ipodjjiiftttd)en  ätat^ett  an  ber  3)ol>m  Äirdje  nebft  ber  ©tructur* 
unb  SBerfmeifter  ©äffe, 

3)  bis  13)  ©ilf  $)ol)m  Ferren  ©urien  mit  Inbegriff  ber  ©edjanet, 

14)  bie  £>o$m  Sßrobftei, 

15)  eine  ©ifttncten  ©urie, 

K>.  17)  jroei  Kurien,  ben  Canonicis  Lyvonistis  jujlcmbig  in  ber 
igerjogen  ©rube, 

18)  bo£  ©opitute*9tegijlratur*  unb  2trdjit>*3immer,  unb  ba«  baju 
ge^örenbe  ©ebäube, 

19)  bie  ©apttul&33ibtiotyef. 

2tn  SReben^äufern  unb  SBo^nungen,  ju  ben  ©urien  gehörig : 
20.  21)  jroep  Käufer  jur  ©edjanet)  gehörig,  im  gegefeuer, 

22)  eine  SBoljnung  auf  ber  Sßarabe  ju  ber  oben  ber  £erjogen  ©rube 
belegenen,  jefct  t)on  Stylefetbföen  ©urie  gehörig, 

23)  ein  $au$  in  ber  Sßfaffenftrafce,  ju  ber  bafetbft  norbroärtS  beftnb* 
UdEjen,  jefct  von  2Bebberfopfd)en  ©urie  gehörig, 

24)  ein  §au8  in  ber  StanfoärtS  ©rube,  ju  ber  norbmärtö  an  ber 
©de  gelegenen,  jefct  von  SßaHmobenfd&en  ©urie  gehörig, 

25)  ein  Sqclvi&  im  gfegefeuer,  ju  ber  bafelbft  befinblid&en,  unb  eigentlich 
aus  jmep  Käufern  befteljenben  non  ©tenglinfdjen  ©urie  gehörig, 

26)  eine  SBoljming  am  SRü^len  SJjore  jur  ©ofyn  Sßrobflei  gehörig. 
SHn  Officianten  unb  SBebtenten  Käufern  unb  äöofytungen: 

27)  ®a82lmt§au«  be«  QufH^ämtmannS  ©djnoor  nebft  einer  Webtn* 
SBotjnung  für  ben  3lmt3boten  beftimmt,  unb  einem  befonberä 
belegenen  Stalle, 

28.  29)  ba£  S)eputat*£au8  be£  Secretarii  unb  Camerarii  neben 

einanber  bep  ber  ©agfu^le, 
30)  bog  Jpaug  beS  normaligen  UnteroogteS  am  Sau^ofe,  bem  Came- 

rario  Junge  für  100  3Jtf.  jä^rlid^er  SJttetlje  eingetjjan, 
31.  32)  bie  SQBittroen Käufer  be«  Secretarii   unb  Camerarii,  nalje 

beg  bem  §aufe  be$  ©argträgerS,  roooon  bei«  erfiere  bem  9tadjt* 

matter  &arm£  jur  freien  SBofjmmg  etnget§an  ift, 
33)  eine  Söofjnung  ad   officium   Camerarii  gehörig ,  unter  bem 

©apitul&@ebäube, 


Digiti 


zedby  G00gk 


101 

B4)  ein  £au£,  bem  p.  t.  Struciuario  juftänbtg,  auf  bem  2Bege  nad^ 

bem  Wifykn&axnm ,  neben  bem  $aufe  beS  SBerfmetfierS  be* 

fatblidj, 
36)  bieäöoljnung  be8  9tad}troä<$ter3  Krahtz,  auf  bem  alten  Sapitute* 

6tuben*©aale. 

3fa  9Sicarien*#aufern.  A)  bem  Collegio  Vicariorum  jufiänbig : 

36)  ein  §auS  in  ber  Jperjogen  ®rube  neben  bem  2lmtt)aufe.  <S8  ift 
ba$  S)eputafc$au8  beS  Syndici,  unb  bie  SRiet^e  beSfelben,  bie 
Rev.  Capitulum  bejaht,  gehöret  ad  reditus  Collegii, 

37)  ein  Sfravß  in  ber  $faffen*@traf$e,  in  roeldjem  ber  (Sat^olijd^e 
®otte$bienft  gehalten  wirb, 

38)  ein  $au*  tbtn  bafelbfi,  neben  ber  6atf)oltfd)en  Gapelle, 

39)  ein  $auS  in  ber  SRüljlenftrafee. 

B)  ©njelnen  Vicariis  ratione  beneficiorum  jufiänbig: 

40)  ein  §au$  am  SBau^ofe.    Possossor  Christ.  Wilb.  von  Magius, 

41)  ein  SQavß  auf  bem  S)o^m*  Ätrdjl>ofe.  Possessor  Christ.  Wilh. 
von  Magius, 

42)  ein  #au8  in  ber  3Rfi$lenjiraf$e.  Poss.  Conrad  Ignat.  Chauwo, 

43)  titi  §au$  im  Fegefeuer.  Poss.  Ludwig  Herrn.  Roeck, 

44)  ein  §au$  eben  bafelbft.  Poss.  F.  M.  E.  von  Clausenheim. 

45)  ein  $au8  eben  bafelbfi.  Possossor  Christ.  Wilhelm  von  Magius, 

46)  ein  §OUd  bei  St.  Johannis*Älofter.  Possessor  Alex.  Maxim. 
Jos.  gre^err  von  Kurzrock, 

47)  ein  DormaligeS  2Hcarien>#au3  im  gfegefeuer,  bem  Sßafiorate  fa 
$amberge  beigelegt 

48)  Sollte  fidj  ergeben,  baf$  ba$  eine  ober  anbere,  uon  bem  faecula* 
rifirten  $odjjKfte  Gapttulariföen  äntljeite  an  ©c  $o$fürftli$e 
£er$oglid>e  Stord&laud&t  übergegangene  ßapitat  ju  3wclen  be* 
jtünmt  fep,  bie  nur  innerhalb  ber  ©tabt  Sübed  erreicht  werben 
tonnen,  fo  gehören  aud>  biefe  ßapitalien  ju  ben  abjutretenben 
©egenftänben,  unb  wollen  Se.  ^eräogtic^c  S)ur<$laud)t  @t<$ 
nidjt  entlegen,  auf  beäfaUfige  SRadjmetfung  fie  ber  Steic^Äflabt 
2äbe<f  ju  äberlaffen. 

*rt.  2. 

Die  Ferren  Capitulares  unb  fonfhgen  Bcneflciati  be«  faeculari* 
ta»  §od>fHfte$  Sfibed  behalten  mjnrifdjen  nidjt  nur  ben  lebend 
JfcgRtf&en  @enufe  tyrer  ©urien  unb  2Bol>nungen,  unb  ber  ju  {eibigen 
tftfotibcn  SRebentyäufer,  mit  allen  bisher  genofcenen  Sterten,  %xty* 
Wen  unb  (gjemttonen,  audj  in  specie  bem  Jure  sublocandi  unb 


Digiti 


zedby  G00gk 


102 

bem  Sorbette,  bafc  etwanige  aSeränberungen  beS  SBoljnorteS,  unb 
?ßraefenj  ober  2U>fenj  auf  tyre  Siebte  unb  JBefugniffe  feinen  @influ& 
Ijabcn  Jollen;  fonbern  es  werben  eben  biefe  Siebte  aud&  ben  iunioribus 
beneficiatis,  bie  aUmäl)lig  unb  successive  in  eben  ber  Drbnung  ^in* 
auf  rüden,  als  wenn  baS  ipod&ftift  in  feiner  bisherigen  SSerfajfung 
t>erbüeben  wäre,  auSbrfidttid(>  vorbehalten •,  weSfallS  benn  bie  Slrt  l 
sub  No.  3  bi8  13  inclusive,  No.  20  big  25  inclusive,  (wetdfje  SReben* 
Käufer  unb  2Bot)nungen  bem  ©d&icffale  ber  (Surien,  ju  weldfjen  fae 
gehören,  in  allen  ©tüdfen  folgen)  aud&  No.  36,  38  unb  39  genannt 
ten  ©ebäube  nidftf  etyer  als  feiner  faxt,  bis  bie  ju  ben  Kurien  unb 
SBoljnungen  berechtigten  Sßerfonen  auSgejiorben  feijn  werben,  unb 
bie  3a#  ber  lederen  Reiner  fein  wirb,  als  bie  ber  ßurien  unb 
3Bol)nungen,  ber  SftetdjjSftabt  Sübeä  anleint  fallen  fönnen  unb  f ollen ; 
in  weld&em  ©rlebtgungS*$afle  bann  felbige,  na<$  vorder  gegangener 
$ö$fien  S3efanntma<$ung,  bafc  eine  Surie,  §auS  ober  SBoljmmg  er* 
lebiget  fep,  unb  iljr  nadf>  verfloffenem  IjerfömmÜd&en  unb  ftatuten* 
mäßigen  $Radfjjal>re,  unb  gegen  ©rftattung  gletd&faHS  ^erfömtnlid^er 
unb  ftatutenmäfeiger  Praestandorum,  wooon  fo  wie  von  ben  annis 
gratiae  bie  2lnlagen  sub  Litt.  A.  B.  et  C.  nähere  SRad&rid&t  geben, 
ju  £f)ett  werben  folle,  berechtiget  ift,  ftdj)  mit  ben  ©rben  beS  Ultimi 
defuneti,  ober  fonftigen  SJegfornmenben  gütU<$  aus  einanber  ju  fefcen, 
unb  baS  erlebigte  ©ebäube  praestitis  praestandis  entgegen  ju  nehmen. 
3m  gatt  eine«  Sföberfprud&S  ober  gar  entpe^enber  ©tretttgfeiten 
aber  bleibt  bie  @a$e  ber  ®ntfd&eibung  Sr.  $erjogl.  $urd&lau(f)t  unb 
£öc()jtbero  SRad^f olger  im  prjienttyume,  auf  wetd&e  bie  9teu$Sfiabt 
hiermit  compromittirt,  vorbehalten,  unb  foll  bis  batyn,  bafj  felbige 
erfolgt  ift,  ber  @rbe  ober  öefi&er  ber  Gurte  ober  2Bo$romg  ntd&t 
fd&ulbig  fepn,  felbige  ju  räumen. 

m.  s. 

2>eS  StfdfjofeS  £ofeS,  (Slrt.  l  No.  i)  wirb,  wann  von  ben 
permutirten  ©egenftänben  bie  Siebe  fegn  wirb,  erwähnet  werben. 
SDie  beiben  ßiooniften  ßurien  (Hrt.  l  No.  16,  17),  bie  ben  ©eamten 
unb  Dfficianten  unb  beren  SBittwen  beigelegten  (8rt  l.  No.  27  bis 
35  incl.),  fo  Wie  bie  einjelnen  Vicariis  ratione  beneficiorum  jujlättbi* 
gen  ©ebäube  (3lrt.  l.  No.  40  bis  46  incl.)  verbleiben  ben  jefcigen 
(Sinfjabern  auf  SebenSjeit,  unb  nad&  bem  Slbleben  beS  Secretarii 
unb  Camerarü  respective  beren  etwanigen  SBittwen  gleid^faHS  auf 
SebenSjeit,  unb  jwar  nadfj  Qn^att  beS  vorigen  3lrtifetS  mit  aDen 


^  Digitizedby  GoOgle 


103 

Seiten,  gretjljeiten  unb  ©jemttonen,  aud)  in  spocie  bem  iure 
suMocandi.  ©o  wie  ber  eine  ober  artbere  33et)f  ommenbe,  ober  respective 
branSBitwe  aerfttrbt,  foH  nadj  oerfloffenem  9iac^ja^re  unb  praestitis 
praestandis  ba£  erlebigte  ©ebeiube,  wie  im  oorigen  Articulo  »er* 
mimet  warben,  ber  SReid&gjtobt  ßübed  anleint  fallen. 

S5a3  feiner  6rtyöl>ung  unterworfene  jäfjrUd&e  locarium  ber 
100  Sßf.  grob  ©ourant,  wctdjea  ber  Camerarius  Junge  für  ba£ 
iljm  ad  dies  vitae  ju  belaffenbe  ^iebeoorige  Unteroogtö^auS  (Slrt.  i. 
No.  30)  erlegt,  wirb  oon  üjm  Ijinfülpo  an  bie  ©tabt  bejaht 

9lrt.  4. 

3)er$o^jiiftli^eant^eil  an  ber  S)otym*Äird[)e  nebft  ber©truclur* 
unb3Berfmeifier^affe(2lrt  iNo.  2),  bie  ju  ber  erlebigten  SDifiincten* 
^raebenbe  geljörenben  ßurie  (ibid.  No.  15),  fo  wie  bie  (Sapitute* 
SiWiotljef  (ibid.  No.  19)  fotten  ber  ©tabt  innerhalb  jwei  9Jtonate 
na$  auSgewe^felter  Ratification  biefeS  9tcceffe$  übertragen  werben; 
bod)  mrb  in  ber  2)oljm*Äirdje  baSSegräbnife  ber33ifd)öfe  oonSübccf 
6t§odprfÜ.  igerjogl.  ®urd)lau<$t  unb  $öd)ftbero  gürfiltd&em  §aufe 
pm  fcjtänbigen  6igentf)ume  auSbrücfHd)  refertrirt.  QmgleWfjen  wer* 
k&  bk  bem  $)ol)m*ßapitul  in  berfelben  juftänbigen  Gapellen,  bis 
<äk  Furien  ber  ©tabt  anleint  gefallen  finbf  jum  eigenen  @ebrau<§ 
ober  Vermieten  oorbeljalten,  fo  wie  wo«  fonft  ber  @ine  ober  Stnbere 
qua  Dignitarius,  ober  ratione  officii  befifct,  unb  wol)tn,  oorjügtid) 
Ne  Capella  Dni.  Decani,  Cantoris,  Scholastici  et  Structuarii  ge* 
llfeen,  berfelbe  ad  dies  vitae  behält. 

3n  SJnfe^ung  ber  2)iftincten>6urie  ift  ausgemalt  worben,  bafc 
•egen  ber  Slnfpriidje,  bie  ber  §err  Capitularis  oon  SBebberlop  als 
feiger  S5efi|er  ber  an  felbige  ftoftenben  <£anonicat*eurie  bereit«  t>or* 
langft  an  einige  Steile  ber  ©ifitneten  <£urie  gemalt  fjat,  unb  oor* 
juglid)  ben  ^ofraum  unb  Sftemifen  betreffen,  if)tn  unb  feinen  Succes- 
soren  in  Curia  bie  benfommenben  ©eredjtfame  oorbefjalten  bleiben 
Weit  aud)  fann  bie  jur  3eit  nermietete  3)iftincten  Surte  nur  f>atb* 
jtytig,  jur  regten  ga^rjeit,  auf  Oftern  unb  3Wid^aeltö  gelofet  werben, 
wb  foll  bie  3Riete  btö  Rannte  bem  SBermieter  oerbleiben. 

tlebrigenS  wirb  bie  ©tructur*£affe ,  fo  wie  mit  iljren  Siebten, 
#•  aud>  mit  i^ren  Saften,  SSerbinblidifeiten  unb  SBeftimmungcn,  aud) 
%j&  ferne  mit  berfelben  feit  bem  l.  Decbr.  1802  feine  2)eputation& 
*lfeoibrige  unerwartete  SSeränberungen  ober  Steuerungen  oorge* 
tfitytxi,  in  ünrem  gegenwärtigen  3uftanbe,  ofyne  alle  Sßonitur  über* 


Digiti 


zedby  G00gk 


104 

8rt.  5. 

2)ie  GapUul&SRegiftratur*  unb  3lr^iD*3iwimcr  nebft  bcnt  baju 
geljörenben  ©ebäube  («rt  1.  No.  18)  foHen  ber  ©tabt  trabtet 
werben,  fobatb  bie  Siegiftratur  unb  ba£  Strd&io  weggerafft  feqn 
wirb,  worauf  ©e.  $erjogl.  ©urd&laud&t  um>erweüten  $ebadf)t  nehmen 
werben. 

ad.  e. 

5He  3dei(^«flabt  f)at  fid&  t>erpftt<$tet,  ben  Äatyolifäen  ©otteSbienft 
in  bem  in  ber  Sßfaffenftrafee  belegenen  33icarien*£aufe  (Slrt.  l.No.  37) 
in  feiner  jefcigen  SBefd^affen^eit  ju  belaffen.  ®ie  jäljrUdf)  auf  72  3JM. 
fid&  belaufenbe  SWietfje  biefe«  &aufe3  gehöret  einem  ber  Senioren 
be<3  Collegii  Vicariorum  in  summo,  unb  fällt  biefe  9Jtietl)e  feiner 
Seit,  wenn  ba8  Collcgium  fo  weit  auSgeftorben  ift,  bafe  fein  53e* 
red&tigter  weiter  twrljanben,  ber  ©tabt  nadj  Verlauf  beS  9la<i)jaf)rc3 
unb  @rftattung  ftatutenmäfetger  Praestandorum  anljeim,  fann  aber 
contractu  ntdfjt  er^ö^et  werben. 

m.  7. 

SDaS  Sicarien^au^  im  gegefeucr,  weld&eS  bem  Sßaftorate  in 
§amberge  beigelegt  ift  (Slrt.  l.  No.  47),  geljt  an  bie  9ieid)Sjtabt 
Sübccf  gegen  ßrlegung  oon  ad&tf)unbert  9lei^3tl)aler  grob  Mourant 
über,  ber  9Jiietljer  wirb  aber  bep  feinem  etwanigen  3Jüetlj*ßontracte 
belaffen. 

«rt.  8. 

2IHe3,  wa«  in  bem  gegenwärtigen  Sleceffe  von  ben  ©urlen  ber 
Canonicorum  wrgtidfjen  unb  wrorbnet  worben,  gilt  aud&  in  fo  weit 
es  anwenbbar  ift,  oon  allen  übrigen,  unb  infonber^eit  ben  SBicarten* 
©ebäuben  unb  33eamtcn*£äufem  unb  SBoljnungen. 

Brt.  9. 

©e.  §odE)fürftl.  §erjogl.  2)ur<$lau<$t  üerfjeifcen,  einem  jeben  mit 
SBofjnungen  nerfefyenen  Beneficiato  bie  ftatutenmäfnge  Unterhaltung 
ber  im  SefttJ  fjabenben  ©ebäube  jur  auSbrüdflid&en  $flidf)t  ju  madfjen. 
2tudf)  wollen  §öd)ftbiefelben,  falte  eine  wefenttid&e  33erfäummfe  biefer 
Obliegenheit  na<$gewiefen  werben  foDte,  bie  erforberlid&e  SRemebur 
treffen,  anbei  ©t<$  au<§  nidfjt  entlegen,  wenn  unb  fobalb  bie  ©tabt 
proxima  ad  Curiam  feijn  wirb,  auf  Verlangen  berfelben  eine  93e* 
fid)tigung  ber  jum  £eimfaD  ftetyenben  SBoljnungen  unb  ©ebäube  twr* 
nehmen  ju  laffen.  Uebrigenä  foH  nadfj  bem  Slbteben  beS  Ultimi 
possessoris  einer  Gurie,  §aufe$  ober  2Bo()nung  beren  JöefM&Ugung, 


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105 

fo  wie  bx&tyt,  von  ben  geföwomen  SDtourer  unb  3«nmetleute  ®tte=» 
fan  fleföefjen,  unb  bie  ftatutenmäfcigen  SDtängel  von  tynen  angegeben 
unb  tapret  werben,  audj  bep  beten  $a?e  es  fein  Sewenben  fjaben, 
fa  wie  md)t  weniger  für  biefe  £a?e,  wicrooljl  mit  Sorbeljalt  ber 
ßatutenmafeig,  unb  na<§  SDtaSgabe  beS  §.  52  beS  5teicI)S*$)eputationS~ 
$aiq)tfd)tuffeS  ben  Erben  beS  ultimi  possessoris  3U  leiftenben  33er* 
ßutungen  unb  Praestandorum,  bie  ©naben*3al)re  bisheriger  55er* 
faffung  nad>  haften  foQen. 

5lrt.  10. 

S5ie  Unterhaltung  ber  Käufer  unb  SBoljnungen  ber  Beamten 
l^aben  ©r.  £er§ogl.  2)urd)Iau^t  übernommen,  wogegen  bie  ©tabt 
üetljeiffet,  felbige  feiner  3eit  ^ne  SBiberrebe  unb  Erinnerung  in 
statu  quo,  jebod)  praestitis  praestandis  an  bie  Erben  beS  dofuncti, 
annehmen  ju  wollen. 

«rt.  11. 

$en  bisherigen  Beitrag  ju  ber  ©egeberger  Sranb^ßaffe,  für  bie 
®eW«k  in  ber  ©tabt,  wollen  ©e.  £erjogl.  ®urd)taucl)t  gletdjfals 
fernerhin  teifien  taffen;  bod)  verfielt  es  ftd)  von  felbft,  bafc  bie  ©e* 
bäsbt,  bie  jefct  gteid)  abgeliefert  werben,  ober  fo  wie  fte  abgeliefert 
wetben,  entweber  bep  ber  Sranb*6affe  auSgefdjrieben  werben,  ober 
bafe  bie  ©tabt  ben  erforberlidjen  Seitrag  baju  tetftet.  ©oHte  bie 
SReidjSfiabt  Sttbedt  eine  anberweitige  Serfic^erung  nehmen  wollen,  fo 
ifi  fclbiger  biefeS  unbenommen,  unb  werben  ©e.  iperjogl.  3)urcf)taudjt 
fö  bem  bisherigen  Seitrage  nid)t  entjiefjen.  ©0  wie  aber  £ö$ft* 
btefetben  im  unverhofften  UnglüdSfatte  ju  neuen  Sauten  felbftoer* 
ftänbltdj  nid&t  verpflichtet  ftnb,  fo  l)at  bie  9tei<$Sftabt  Sübed  verljeiffen, 
bcm  Possessori  einer  abgebranbten  Surie  entweber  ungefäumt  ein 
neues  §auS  wieber  erbauen  ju  taffen  r  ober  aber  ifjm  unb  beffen 
Successoribus  in  Curia  ein  jctyrtW&eS  locarium  von  400  9ttf)lm. 
grob  Eourant  ju  bejahten.  Unb  fo  wie  bie  3Baljl  beS  einen  ober 
unbeten  ber  Steid&Sftabt  überlaffen  bleibt,  fo  fallen  fclbiger  in  jebem 
gaDe  bie  Sranb*$erftd)erungS*@etber,  unb  wenn  fte  fid)  jur  2luS* 
|0$bmg  beS  locarii  annui  entfdfjltefct,  ber  Sßlafc  an^eim. 

Hrt.  12. 

'  JHe  SReidjSflabt  Sfibecf  fjat  fi<3^  auSbrüd ti$  verpflichtet,  fämmtUdfje 
IM  &qritularen,  Sicarien  unb  fonfiige  Seneftciaten,  aud)  Seamte 
wfc  Uebiente  beS  EapitulS,  unb  beren  bei?  fid&  tyabenbe  2lngef)örige 
*«J  tytcu  bisherigen  Privilegien,  Siebten,  greiften,  Exemtionen, 


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106 

wie  bie  <mdj  -Kamen  labert  mögen,  ju  belaffen,  tfjnen  feine  Abgabe, 
wie  fte  audf)  Riffen  mag,  jujumutljen,  audf)  Umen  unb  nad&  intern 
£obe  ben  Qftrigen,  feinen  3^^te^5?Pf^"i«9  ober  fonftige  Ausgabe 
jujumutljen. 

5lrt.  13. 

@e.  £odjfütfil.  ^erjogl  ©urd&taud^t  flerfjeifcen,  ba§  nad&  abge* 
fd&toffenem  ratificirtcn  33erglei($e  ba£  SDofyncapitutartfdfje  ©crid^t  au« 
ber  9tetd)3ftabt  Sfibedf,  fobalb  eS  tyuntid)  ift,  entfernt  werben  fott. 
@3  ift  aber  anbei  nerabrebet  unb  befd&loffen  morben,  bafc  bie  6ü>il* 
Surtöbiction  über  gefammte  Canonicos  tarn  curiatos  quam  non 
curiatos,  fo  tote  über  fämmttid&e  bi^bcrige  6apitulS*33eamte  unb 
SBebiente,  fowotyl  in  erfier  als  jwettcr  Snftanj  ©r.  §er jogUdjen  5)urdfj> 
laudjt  oorbefjalten  fegn,  unb  bajj  alle  biefe  genannten  ^erfoneu,  unb 
beren  ^anritten  unb  $au$genoffen ,  mit  alleiniger  SHuSnafyme  be« 
famulitii,  fo  wie  nadf)  beren  Ableben  iljre  SBittwen  unb  Äinber, 
wenn  unb  fo  lange  biefe  in  area  capitulari  wohnen,  unter  ben 
$nen  auffer^alb  ber  ©tabt  anjuweifenben  JßodfjfürftUdfjen  ©engten 
fielen  foHen.  Unb  fo  wie  alfo  bie  SRei^Sftabt  ßübedt  nid&t  befugt 
fegn  will,  irgenb  eine  ©crtd&tebarfeit  biefer  SHrt  über  erwähnte  Qn* 
biüibuen,  beren  famuliüum  aflein  aufgenommen,  auSjuüben,  fo  wollen 
Q^ro  Jßerjogl.  2)urdf)laud&t  injwifdjen  perfügen,  bafe  bie  SBepfommen* 
ben  fidf)  in  folgen  ^ßolicep  ©adfjen,  bie  bie  öffcntlid^e  ©id&ert)eit  unb 
Stutye  betreffen,  ben  ©tabt^SübedEifd^cu  SBerorbnungen  conform  bejet* 
gen,  aud&  namentlich  feine  Sßfufdjer  unb  SSö^n^afen  bet)  fid&  §egen 
unb  galten  fotten.  ©twanige  Sublocatores,  bie  ju  ben  in  biefem2lr* 
tifel  genannten  ^nbioibuen  nidfjt  gehören,  finb  ber  ©eridjtöbarfeit 
ber  ©tabt  unterworfen. 

»tt.  14. 

3)a  iurd&  bie  ©ifpofttion  beS  $)eputatton8<$aupt*5fteceffeS  aQe 
beweglid&e  ©üter  be£  bisherigen  $od&ftifte3  Sapitularifd&en  2lntl)eite, 
tnäbefonbere  aud&  bie  baaren  unb  belegten  Kapitalien,  mit  alleiniger 
Ausnahme  ber  Sttrt  l.  No.  48  —  erwähnten,  audfj  bie  Hebungen 
unb  33ered&tigungen ,  biefe  befielen  in  Bellten,  ober  wie  fie  fonjl 
SRamen  tyaben,  unb  werben  gehoben,  geleiftet  ober  bejahtet,  oon  wem, 
unb  an  wen  fie  wollen,  e£  fetj  ba«  beneficium,  bem  biefe  Hebungen 
unb  83ercd&tigungen  aufleben,  bereits  erlebiget,  ober  werbe  l>mfüto 
erlebiget,  an  i>a&  gürftentfjum  übergeben,  fo  finb  bodf)  unter  bem 
Sluäbrudfe:  Berechtigungen,  feine  fold&e  Jura  oerftanben,  bie  tyret 


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107 

Statur  nadj  nur  bie  ^erfonen  ber  Ferren  ©apitularen  unb  Seite* 
fatoten  angeben,  mit  beren  Sfofentyalt  in  üübeef  nerbunben  finb, 
mit  8}tem  £obe  oon  fetbft  wegfallen,  unb  wrjfiglid)  in  Articulo  12 
erahnet  worben  finb. 

»rt.  15. 

Sdle  QiuS  ben  £odfjfliftli<$en  ©äffen  capitutarifd&cn  SHntyetta  an 
Sfei^flabt-Sübedifd&e  Stiftungen,  SBebiente  u.  f.  w.  jäfjrlid)  btöljer  ge* 
leiflete  3al)lungen,  in  fo  weit  nid&t  bie  einen  ober  anberen  Pracstanda 
ouf  befonberen  nadEjjuweifenben  gunbationen  berufen,  Ijören  respective 
ex  nunc  ober  mit  bem  äbleben  ber  Sßrotnbirten  gänjU(§  auf. 

Slrt.  16 

SBaS  biefemnä<$ft  bie  Objecta  extra  muros  betrifft,  bie  nad) 
Sterbe  beS  ©ingangS  gebauten  9teidf^$eputationg^aupt*5Receffe3 
berSteid^flabt  Sübedf  anljeim  fallen  f ollen,  fo  cebiren  unb  übertragen 
Se.  fyxprftf .  $erjogt  ©utd&taudfot  für  6id)  unb  £ödf)ftbero  (Srben 
wfo  Saccessores  im  gürftentljum  genannter  9ieidf)3ftabt  ju  ewigen 
&&»,  bodfj  gleid&fallä  unter  ben  unten  weiter  betriebenen  Stefer* 
wtone«  unb  Seftimmungen,  nadftfolgenbe  jwifd&en  ber  Sraoe,  ber 
OWce  unb  bem  ^immeljlorfer  ©ee  belegenen  ftorffdjaften,  nämtt<$: 

1)  «robten, 

2)  ^aeoen, 

3)  Skmtjiorf, 

4)  ©nenetftorf, 

5)  Jobtenbotf,  in  fo  weit  fetbigeS  jum  §odfoftifte  gehöret, 

6)  ©rammerftotf, 

7)  gnenborf, 

8)  Doenborf,  fo  wie 

9)  baS  SBotwerf  Dnenborf 

wft  allen  Steckten  unb  3ugeftänbniffen,  unb  fo  wie  @e.  J&erjogl. 
fcut$taud&t  als  normaliger  SHfdjof  unb  ba$  Gapitul  felbige  befeffen, 
Ab  foDen  biefe  ©egenftänbe  gteidrfaHS  innerhalb  jwei  SWonaten  naä) 
jWjjcroedjfelter  ^Ratification  biefe«  9ieceffe$  übertragen  werben. 

Vkxt  17. 

■fciß&woljl  nadjj  3nl)alt  be«  oft  ermahnten  9teicfy8*2)eputation$* 
$i#4Receffe$  ben  2>ol)m  ßapitularen  nebft  tyren  2Bol>nungen  nur 
#^tet  ©infünfte,  wenn  biefe  800  fr  übersteigen,  gelaffen  werben 
Ifeii^  bie  Vicarii  hingegen  bo«  ®anje  behalten;  fo  $at  benno$  in 


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108 

Betraft,  ba§  auf  bie  abjutretenben  Objecte  webet  ©Bulben  nodfr 
Sßenjtonen  §aften;  unb  in  fernerem  33etra$t,  bafe  ber  äbjug  wenige 
Sßerfonen,  etwa  nur  bie  anwefenben  residirenben  Sßaniften  treffen 
würbe,  audj  bie  SfaSmtttelung  be$  etwanigen  SbjugeS  von  -fo  wegen 
ber  befiänbigen  SBeränberungen  für  bie  SSeijfommenben  mit  gro&en 
©<$wierigfeiten  wrfnüpft  fcpn  würbe,  bie  SfteidjSflabt  Sübtd,  auf  be** 
falte  geföetyene  SSorfteHung,  bem  in  anrege  ftefjenben  Stbjuge  willig 
entfaget,  unb  t|t  bemnadj  üerabrebet,  bafc  ber  ©rtrag  ber  im  vorigen 
Brttfet  genannten  fieben  ©apitute  unb  Sicarien  3)orff(^aften,  93robten, 
ipaeoen,  SBamftorf,  @net>erfiorf,  Jöbtenborf  pro  parte,  ©rammet* 
florf  unb  3t>enborf,  welker  nad>  ber  bereits  mitgeteilten  allenfalls 
in  termino  traditionis  ju  rectificirenben  Anlage  5596  3Wf.  7£  6. 
beträgt,  (von  weldjer  Summe  injmifdjen  bie  jctyrUd&e  berStabt  t>et* 
bleibcnbe  Kontribution  t>on  14  Sttytr.  pr.  $ufe  abgebt)  jur  Spaltung 
ber  ©ujtentationS4toft  unb  jwar,  in  oierteljctyrtgen  ratis,  unb,  ba  ge* 
nommener  Slbrebe  jufolge  ber  ©enufe  ber  in  anrege  ftetjenben  ©üter 
tjon  Qo^annte  1804  an  für  bie©tabt  feinen  Anfang  nehmen  unb  be* 
rennet  werben  foH,  juerft  8  Sage  twr  9Jttdjaeli3  1804  an  ©r.  iperjogL 
®urd>laud)t  9lente*Äammer  in  Eutin,  ober  wen  $ödf)fibiefelben  fonß 
baju  ernennen  bürften,  t>on  berSlcid^ftabtßübed  prompt  au3bej#rt 
werben  foH. 

S)amit  aber  bie  9teid)$ftabt  Sfibed  t>on  ber  von  üjr  ju  über* 
netymenben  ©uftentationS  üuote  fowoljl,  ate  batwn,  wie  ftdfj  biefe 
Saft;  aümälig  t>erminbem  wirb,  gewiffe  Ueberjeugung  ermatten  möge, 
fo  t>erljeif$en  @e.  $erjogl  S)urdjlaud&t,  felbiger  einen  ©tat  fämmtlidjer 
Sapitute  SReoenüen  förberfamft  mitreiten,  au<$  bep  bem  Slnfang 
eine«  jeben  Saljre«  bie  ©terbfäHe  ber  Canonicorum  unb  fonftigen 
33eneftciaten  beS  abgewichenen  3a^re«  anjeigen  ju  laffen. 

®a  e*  ber  t>on  felbft  rebenben  Sifligfeit  gemäfc  ifi,  unb  bet 
3lei(§**S)eputationS^auptf^lufe  e8  audj)  nerorbnet,  bafj  SUemanb 
an  feinen  Siebten  unb  öefugniffen  gefranft  werbe,  fo  l>at  bie  9kid)8* 
ftabt  ßübed  airöbrüdli^  t>etf)eiffen : 

l)  fämmtUdje  an  fettige  fibergcljenbe  Singefeffene  bep  i^ren 
SSerfaffungen,  Werten  unb  greiljeUen  }u  fdjfifcen  unb  ju  ehalten, 
tyre  abgaben  unb  Praestanda  nidjt  ju  erltfljen  ober  ju  erföweren, 
unb  oorjüglicfc  ben  Untertanen,  bie  ftd>  vvt  einigen  Sauren  unter 
§o$für{U.  Autorität  wrgli^en  tydxn,  ben  SBergteid),  ber  ber  SReid>«* 


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109 

Wbt  gfifaf  in   beglaubter  »bfd&rift  mitgetljeilet  werben  fottf  )u 
galten 

l)  ben  etwa  mit  überge^enben  Sebienten,  unb  infonber^ett  ben 
6$öftefoenten  baäjenige  ju  laffen,  wo«  fie  btÄ&er  an  Naturalien 
obet  0elb  erhalten  fcaben, 

3)  bie  bereite  gefdjloffenen  @rbpad)t&  ober  $pa<$t*Gontrafte  ober 
fonjUge  übernommene  red&tiid&e  SerbmbUd&fetten  otjne  2lu8na§me  )U 
erfüllen,  mithin  aud)  in  specie  ben  Doenborfer  $a<$t*6ontract  ju 
polten,  fo  wie  audj 

4)  anbere  ©rbpädfjter,  ?ßädf>ter  ober  fonfi  berechtigte  Sßerfonen, 
ate  j.  6.  3MIer  ac  bep  i^ren  erlangten  ©ere<$tfamen  gegen  bie 
äbetge^enben  Untertanen  ju  fd&üfcen,  audf) 

5)  |ur  Seitreibung  etwa  nodj  rüdfiänbiger  ©efäDe  unb  SKbgaben, 
md>  in  specie  aud>  ber  §um  3^eit  nod&  rfidfjiänbigen  ÄriegSfieuer 
auf  Serlangen  plfreidfje  §anb  ju  leiflen. 

9lrt.  19. 

^Diejenigen  Urfunben,  bie  bie  an  bie  9tei<fy8flabtßübecf  übergeben* 
bcaDfejede  privative  angeben,  foHen  betreiben  bona  fido  in  originali 
W&#mfid>ft  jugefieUet  werben.    2)ie  ©ocumente  aber,  bie  fid[j  }u* 

gftäj  über  mehrere  ©egenftänbe  erftredfen,   follen  in  begtaubten 

Gjtracten  mitget^eilet  werben. 

9lrt.  20. 

6oEte  wiber  Erwarten  ein  S)ritter  bie  ©egenfiänbe,  bie  ber 
6tabt  im  obenfteljenben  SReceffe  cediret  worben,  in  Slnfprad&e  nehmen, 
fo  $at  e$  in  einem  folgen  $aQe  bep  ber  SHSpofitum  ber  ©onoention 
i  6.  Hpril  1803  2lrt  2  fein  Sewenben. 

9rt.  21. 

JHe  5Rei<fy8fiabt  Siibedt  §at  fd^UejsUd^  oer^etffen,  ju  allen  unb 
jcben  9teid&&  unb  Äretölaflen  nad&  bem  Ser^ältniffe  ber  ©infünfte 
ta8  ganjen  bisherigen  $o<$fttftö  unb  beS  iljr  baoon  jugef  attenen  2an* 
ktattyeileS  ben  Seitrag  übernehmen  unb  §inftt§ro  für  fidfj  ab* 
f^tttt  ju  wollen ,  aud)  f  ogleidj)  nadf)  auSgemittelter  üuote  t>on  ber 
jettoffenen  Uebereinfunft  bep  bem  9tei<Jj&Äammergerid()t  fofort  Sin* 
ffe  ju  tfyxa. 

SM.  22. 

JHe  Äei^Äflabt  fiübed  erflärt  mit  oben  befd&riebener  Cession 
«*  Uebertragung  ber  ityr  na<$  Snljalt  be«  9teid[)3*£)eputation8* 
•«qpWleceffeS  jugebad&ten  3nbemnifaUon£*@egenftänbe  tam  intra 


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110 

quam  extra  muros,  unb  mit  ben  bobeg  wrabtebeten  öebingungeit 
aölltg  jufrieben  ju  fepn,  unb  entfagt  anbep  aßen  weiteten  gemad&ten 
ober  ju  mad&enben  3lnfprttd&en  fowo^t  im  allgemeinen,  olä  au<$  in* 
fonbet^eit  benen  wegen  Abtretung  eine«  Statten* Ufers  unb  wegen 
500  ftan jöjtfdfjer  Seifen  in  einem  angegebenen  Inbegriffe  einer  Sinie 
hiermit  auf«  feierliche  unb  red&töoerbinblid&fie;  bo<$  ift  babep  an* 
no<$  auSbrüdfttdf)  fefigefefct  worben,  bafi,  wenn  bie  in  obigen  Slrttfeln 
enthaltenen  faftifdfjien  angaben  wiber33ermuti>en  $ier  unb  ba  unootl* 
jlänbig  ober  gar  irrig  fegn  foDten,  bie  Seridjttgung  nadfj  ben  tum 
©runbe  Uegenben  ©runbfäfeen  gefdije^en,  unb  biefe  als  bem  gegen* 
wärtigen  Steceffe  einverleibt  angefe^en  werben  fott. 

23amt  biefemnäd&fl,  nad&bem  alles  Obige  befd&riebenetmafien 
t>etabrebet  unb  befd&loffen  worben,  oon  einer  gütigen  ^Bereinigung 
na<$  ÜRafegabe  beS  ofterwäljnten  9teid^*5DeputationS*.!oaupt*9leceffe8 
§  11  in  betreff  einiger  in  ben  ipodjfiirfU.  Sanben  eingefd&loffenen, 
t)on  ber  Sfteidjäftabt  Sübedt  abhängigen  ©tficfe,  fo  wie  audjj  von  enb* 
tidfjer  SRegulirung  oerfdjjiebener  fünfte,  bie  ju  Qrrungen  älnlag  ge* 
geben  fiaben,  ober  geben  fönnen,  bie  Siebe  geworben,  unb  au<$  biefer 
©egenftanbe  falber,  nad£)  befettigten  ocrfdfjiebenen  ©dfjwierigfeiten 
enblidj)  eine  Vereinbarung  getroffen  worben,  fo  ifi  t>erabrebet  unb 
gefdjjloffen,  wie  folget: 

9lrt.  23. 

3l)ro  §odprftt  £erjogt.  2)urd&laud&t  übertaffen  für  ©i<$  unb 
§ödp>ero  @rben  unb  9tadf)folger  im  prftent&um  ber  SReid&Sftabt 
Sübedt  auf  immer  unb  ju  ewigen  Sagen  bie  t>on  berfelben  gewünfdj* 
ten  Dörfer  unb  ©egenftanbe  gegen  baS  weiter  unten  bemerfte  ©ut* 
rogat,  als 

1)  ©enin, 

2)  33orrabe, 

3)  Dber*$üffau, 

4)  $Rebber*S3üffau, 

5)  bie  §o$ftiftUd&en  Sßarcelen  in  SronSforbe, 

6)  bie  ©teile  ©änifd&enburg  nebfi  einer  baju  gelegten  ©erejet 
§ufe,  in  fo  ferne  beibe  ber  $errfd&aft  gebären, 

7)  bie  in  ber  Sübetfföen  Sanbwelpe  belegenen  §o#iftlid&en 
Seftfcungen, 

8)  ben  Bebten  oor  bem  2Rü#en*23jore, 

9)  ben  Sehnten  oor  bem  §otfien*£l)ore, 


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111 

10)  bett  8if$ofS*£of  itt  ßfibetf, 

11)  bie  $o$m*^robfte9  nad)  bem  21  Weben  be8  |e|igen  ieerrn 
©o(jm^8robften. 

«ft.  24. 

5Die  5Rei<$$fiabt  Süberf  leifiet  bagegen  auf  immer  Serjidjt  auf 
n«|fleljenbe,  oben  Slrtifel,  16  fettiger  jur  3ftbemmfatUm  angenriefenen 
Ortföaften,  afe: 

i)  §aeoen, 

2)  SBarnfiorf, 

3)  ©rammerfiorf, 

4)  Düenborf, 

5)  ba$  SSormert  Ouenborf,  unb  überlädt  bemnadf)  femer  ©r. 
§odtfürfiUd>en  ^erjogt  $)urd)lau<f)t  unb  $ö<$ftbero  @rben  unb 
Nachfolgern  im  gttrftentfjum  ju  ewigen  Sagen  bie  Dörfer 

6)  SBilmftorf, 

7)  Stöbet, 

8)  JleSborf, 

9)  Ä«W>enborf,  in  fo  weit  e8  ber  9tei<§Sftabt  Sübecf  gehöret, 
Jö)  ©dfrorbeuj, 

U)  bie  ber  ?Reid>3fiabt  Sübed  ge^örenbe  eine  §ufe  in  SBulfSborf, 

12)  bie  eben  berfelben  jujleljenben  Marcelen  in  ©djroartau,  nebfi 
ben  fiäbtifdjen  2fafprüd)en  an  bie  untere  Äue  bafelbft,  bis  an 
bie  ber  ©tabt  ge^örenben  SBiefen,  aud)  aßen  übrigen  berfelben 
in  ©d&roartau  cum  pertinentiis  juftänbigen  Sterten  unb  @e* 
re^tigfeiten  ofyte  »uSnaljme  unb  33orbel)alt 

$rt.  25. 

SBe  bie  in  ben  ärtifetn  23  unb  24  obengenannten  ©egenftänbe 
werben  hinc  inde  mit  allen  bem  einen  ober  anberen  Steile  baran 
jajte^enben  #errlid>feiten,  Siebten,  ©eredjtigfeiten  unb  Sefugniffen, 
and)  otjne  bie  minbefte  barauf  Ijaftenbe  ©djulbentaft  ccdiret  unb 
fibertragen,  unb  fotten  fettige  fo  abgeliefert  unb  angenommen  wer* 
btÄ,  afe  fie  biÄ&er  benufcet  unb  befeffen  roorben. 

Seil  na$  ber  Angabe  ber  9tei$gftabt  ßfibed  jur  SSeräufferung 
*§-$orfeS  SBUmflorf  mit  ber  Sanbe3f)o§eit  (ärt  24.  No.  6)  ber 
fafa*  6r.  SJtajefiät  be«  Äöntg«  von  SDänemar!  erforberlid)  ift, 
fr  Iden  ©e.  §od^fürfiL  Jperjogt.  ©urdjl.  übernommen,  benfetten  ju 
fcwfatm.  £)ie  öewfirfung  ber  SUler^ö^ften  ÄönigL  SemUUgung  ju 


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11& 

Uebctttagung  ber  gutÄ&errtidjen  Sichte  von  Stöbet,  Äeftorf,  ©teföen* 
borf  pro  parte,  ©dfjorbeuj  unb  bcr  einen  jQufe  in  2Bulf8borf  (Sri 
24.  No.  7  btö  11)  bleibt,  falte  fte  notyroenblg  feijn  fottte,  bet  3teW&& 
ftabt  ßübedt  überlaffen,  mobep  e3  fid)  t>on  felbft  t>erftel>t,  bafc  bie 
Dualität  ber  in  biefem  Slrtifel  genannten  Dbjecte,  in  fo  ferne  fie 
frommen  Stiftungen  juftänbig  finb,  gänjlid)  aufhöret,  unb  bie  Sftett&& 
ftabt  Sfibed  beSfalte  bie  ©ernähr  übernimmt. 

Slrt.  27. 

35ie  SteidjSfiabt  Sübed  überträgt  jtoar  nur  i§re  Slnfprüd&e  an 
bie  untere  2lue  in  ©djroartau,  namentlidj  au<$  mit  ber  gifd&ereij, 
biÄ  an  bie  ber  ©tabt  ge&örenben  liefen  (2lrt.  24  9io.  12).  ©ie  will 
fi$  aber  nufct  entlegen,  wenn  beren  äufmad&ung,  Säuberung  unb 
bergl.  jnnfdjen  ben  fiäbtifdjen  SDBiefen  nöt^ig  fepn  unb  fürftttdjet 
Seit«  verlanget  werben  foQte,  felbige  ungefäumt  ju  verfügen. 

2)a«  ©iedjenfywS  in  ©<$n>artau  fällt  mit  allen  Siebten  av$ 
etroanigen  ßapitalicn  @r.  §erjogl.  SDurdjl.  anleint  unb  übernehmen 
$ödjftbiefelben  bie  Verpflegung  ber  armen  btö  ju  beren  attmä&Ugem 
SluSfterben.  ©0  nrie  auf  ber  einen  ©eite  bie  bisherige  ftäbtifd&e 
©ollation  ceffiret,  fo  ccffiret  auf  ber  anbern  ©eite  bie  fonfi  x>on  ben 
armen  genoffene  ©ammlung  in  ber  ©tabt 

©ie  Unterhaltung  ber  Srüde  in  ©<$roartau  über  bie  3lue  über* 
nehmen  3§ro  $erjogL  3)urd)laudjt  tynfüljro  allein,  unb  alle  jiäbtifdje 
SBJege^efferung«*S3erpfli^tung  Ijöret  bafelbft  auf. 

«tt.  28. 

®ie  Hebungen,  bie  bie  auSjutaufdjenben  ©egenfiänbe  tragen, 
fotten  Uy  ber  £rabition  gegenfeitig  bona  fide  speciflce  aufgegeben, 
ebenfo  angenommen,  unb  hinc  inde  gewähret  werben.  Siegen  eimS 
compensandi  für  bie  frühere  Uebertragung  beS  Sifd&of&ißofeS  toirb 
man  fid)  in  termino  traditionis  nä^er  bereben. 

«tt.  29. 

©benfo  foHen  bie  SRaturalien  nad)  einem  genriffen  greife,  unb 
jmar 

a)  boS  Äorn  nadj  einem  jeljnjä^rigen  Stordjf<$nitt&?ßreife,  ben 
eS  in  Sübed  gegolten, 

b)  jebe  ®an&  ju  16  ©d)iH. 

c)  ba«  $uljn  ju  12  fei. 

d)  jebe«  ®9  ju  3  $f. 


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113 

e)  bo«  $funb  93utter  ju  8  fei 

0  bo«  SieSpfunb  gladja  ju  i  Sftt&tr.  32  fei. 

&)  ber  Steffel  ©rüfce  ju  l  Ätljlr.  unb 

b)  bo«  guber  ©trol)  ju  3  9tt$lr. 
jete^net,  bona  fide  wedtfelfeitig  aufgegeben,  angenommen  unb  ge* 
mtycü  werben.  S)a  bie  ©ienfte  ber  üormatigen  Gapüul&Untertljanen 
bereits  twrlängft  burdj  3Sergteid)e  abge^anbelt  finb,  fo  wollen  6e. 
§o$fürfil  §erjogl.  2)urdjlaud)t  ©id)  bie  in  termino  traditionis 
specific*  aufjugebenben  unb  ju  gewätjrenben  3)ienfte  ber  übergeben* 
ben  jtäbttfd&en  Untertanen  ju  bem  greife  anrennen  laffen,  für  ben 
Me  bisherigen  @apitul$*Untertl)anen  fie  in  bem  SBergleidje  t>om  21. 
October  1793  abgeljanbelt  Ijaben.  SMenfle  wegen  ber  Sanbfolge  finb 
öuf  feiner  ©eite  in  9lnfdjtag  ober  in  Stedjnung  ju  bringen. 

«rt.  so. 

$ie  §öljungen  antangenb,  bie  ju  ben  t)on  beiben  ©eiten  gegen 
«mwber  aiuSjutaufdjenben  Objecten  gehören,  fo  ift  wegen  ber  2IuS* 
«tiWwig  itycti  SBerttjeS  üerglt<$en: 

«)  toji  ein  jeber  Jfjeit  fpäteftenS  bep  2tuSwed)felung  ber  Statifica* 
tum  biefe^  SteceffeS  jwet)  ©a$t>erftänbige  ernennen  will,  bie, 
wenn  fie  93eamte  finb,  ifjre«  6ibe3  entlaffen  werben  fotten. 

b)  68  fott  ben  ©a^erftänbigen  beg  ber  (Ernennung  aufgegeben 
werben,  bie  in  Slnrege  lommenben^öljungen,  nemlidj  auf  prfiUd&er 
Seite. ben  ^genannten  Äie8  bep  $änfd&enburg ,  ben  ©roß  unb 
Äleinen  ©linbbrud),  ben  ©d&ierbrud)  unb  ben  ©djaar  in  ber 
2anbwel>r,  auf  ftäbtifd^er  Seite  bie  Stöbeier  unb  bie  ©djarbeufcer 
§öljung  nad>  cameraliftifd&en  forflmäfetgen  ©runbfäfcen,  mithin 
nadj  i()rem  wahren  nachhaltigen  ertrage  als  3tafen,  bie  ju  33ier 
pro  Cent  baS  Capital  beflimmen  fotten,  innerhalb  14  Sagen 
abjufdjäfcen. 

c)  5Da3,  worüber  beiberfeitige  ©adjoerftänbige  fi<$  pereinigen,  wollen 
beibe  Steile,  fowo^l  ©e.  $od)fürftl.  $erjogt.  £)urd)l.  als  bie 
«eic^jiabt  Sfibed  ft$  gefallen  laffen. 

d)  ©oute  leine  ^Bereinigung  fiatt  finben,  fo  fotten  bie  ©adjoerflän* 
bigen  innerhalb  8  Sagen  tyre  3Keinung  mit  ben  i^nen  bei* 
wofyienben  ßntf<^ibung&®rünben  an  ben  #errn  Dberforfimet* 
fter  von  ÜRalorti  in  §annowr,  als  gemeinfdjaftlid)  ernannten 
Dbmamt,  fdjrtftltdj  abgeben,  unb  foU  biefer  gleidfj  na$  auSge* 
«geltet  Ratification  t)on  beiben  ©eiten  erfudjt  werben,  nid^t 

äcitför.  f.  **&.  $cfd>.  <8*.  3  ftcft  1.  8 


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114 

nur  bai  in  anrege  jie^enbe  ©efdfjäft  anjune^men,  fonbern  audj 
in  casum  casus  fpäteftenS  innerhalb  vier  SBodjen  ju  entfiel* 
ben.  ©en  SluSfprudf)  biefe«  DbnumnS  wollen  fretbe  Steile  aö 
lefcte  Sntfdjetbung  olpte  SBeitere«  annehmen. 

9lrt.  81. 
UeBerljaupt  foBL  in  termino  tradiiionis  eine  allgemeine  Liqui- 
dation angeleget  unb  befdjaffet,  unb  bei)  felbiger  ber  SfteidjSfiabt  Sübed 
eines  $af)Tt8  Sfteoenücn  von  Öwnborf  unb  bemSJorwerf  Doenborf  ju  gut 
getrieben  werben.  2)er  bep  bcr  Stquibatton  auf  ber  einen  ober  anbem 
©ette  fi$  ergebenbe  Excedent  foll  mit  SSier  pro  Cent  ju  Sapital  ge* 
földgen  unb  beredjnet  werben,  wobei)  ©e.  £odE)fürftl.  £er jogl.  $)ur<§t 
eS  ber  Sieidfjgftabt,  falLS  ber  Excedent  auf  if)re  Seite  fallen  follte, 
jur  freien  SBaljl  fletlen,  ob  fte  baS  ftd)  etwa  ergebenbe  Kapital  gegen 
gewötjnÜdje  Vertreibung  ju  4  pro  Cent  3wfett  fafyn  laffen,  ober 
felbige«,  wenn  e3  bie  Summe  oon  100,000  9ttl)tr.,  fdjreibe:  einmal 
tjunbert  taufenb  SKeid&Stfialer  ©d)le3wig*$olft.  grob.  Mourant  ntdjt 
überleitet,  im  Umfd&lage  1805  ergeben  will.  Sie  9teid)2ftabt  fiübed 
will  ficlj  hierüber  in  termino  liquidationis  erfiären,  unb  fo  wie  fte, 
be8  etwa  über  100,000  Sflt^tr.  f)inau3get)enben  Excedenten  falber 
eine  gewöljnltd&e  SSerfd&retbung  ju  4  pro  Cent  annehmen  wiß,  fo 
wollen  @e.  §od)fürfil.  £erjogl.  S)urd&lau$t  auf  ben  gaU,  ba&  bet 
Excedent  ftd)  auf  $ö<$jl*:3#ro  ©eite  ergeben  follte,  ©i<§  an  einer 
gewöljnltd&en  von  ber  9leid^5Sftabt  ausgefeilten  Obligation,  worin 
bepben  feilen  halbjährige  So^fünbigung  oorjubeljatten ,  mit  4  pro 
Cent  jäfirlidjer  &in\tn  begnügen. 

«rt.  32. 
3BaS  oben  in  bem  2lrt  18  be$  Snbemnifation&SfteceffeS  baüon, 
bafe  bie  ©ingefeffenen  bep  iljren  SRed&ten  unb  grei^eiten  ju  belaffen, 
bie  übergefjenben,  in  termino  traditionis  naljmljaft  ju  mad&enbe  93e* 
biente  mit  Beibehaltung  iljreS  bisherigen,  gtetd&fallS  aufjugebenben 
©enuffeS  ju  übernehmen,  bie  ber  überge^enben  ©runbjiüdte  falber 
gefd&toffene  ßontracte  unb  übernommene  aSetbinbUd^feiten  ju  erfüllen, 
aud)  anbete  oorlangfi  berechtigte  ^erfonen  gegen  bie  übergefcenben 
Untertanen  ju  fcpfcen  unb  rttcfflänbige  ©efälle  bet^utreiben  n.  f.  xo., 
t>ergli<$en  worben,  fott  audfj  hinc  inde  in  Jpinftd&t  bet  $emmtation3* 
©egenftänbe  gelten.  Unb  wann  bie  StetdjSjtabt  Sfibed  anbei)  anzeigen 
laffen,  bafe  baS  bie«jäl)rtge  ©eputat*  unb  anberweitig  gefällte«  #err* 
föaftti<$e«  §olj  bereits  auf  bem  ©dfjatbeufcet  gelbe  jtefo  au&  ba& 


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116 

aui  ber  3töbe(er  $öljung  ben  5.  Septbr.  1803  für  ungefaßt  20,000 
3R£  aerfauft,  mdjt  weniger,  bafc  mit  ben  Säuern  ju  fieftorf  neultdf) 
ein  9$a$t*@ontract,  ben  Ujnen  oermieteten  £oljboben  betreffenb,  ge* 
fötojfen  worben,  ber  mit  äÄaptag  1806  anhebe,  unb  enbltdf),  ba& 
ben  Säuern  ju  Äeftorf  unb  ©lefd&enborf  ba$  £olj  auf  iljren 
gelbem  fäufti<$  überlaffen  worben,  unb  bafe  bie  ÄeSborfer  taut  SSer* 
gleidjeS,  meinem  jebod)  jwep  £au$leute  nodj  nid^t  beigetreten,  im 
3<*l>te  1805  ungefähr  13  b&  15,000  ÜÄf.  bafür  ju  bebten  l)aben, 
fo  ift  jum  Ueberffufc  auSbrficflidj  füpulirt,  bafc  ni$t  nur  baS  er* 
wähnte  Deputat*  unb  anberweitig  gefäKete  iQcrrid&aftlidfje  £olj  ber 
SRei^ftabt  oerbteibt,  fonbem  aud),  bafc  bie  Wobeier  §olj*©elber,  fo 
wie  bie  z>on  ben  ÄeSborfer  ipauäleuten  ju  bejaljlenbe  ©umme  ber 
©iabt  gehören,  bie,  ber  in  biefem  SKrtiful  erwähnten  ©egenftänbe 
fjalber,  gefd&loffenen  ßontracte  unb  SSergleid&e  aber  in  termino  tradi- 
tionis  originaliter  ediret ,  aud)  bie  beiben  Äeftorfer  ipauälcute  otyne 
6r.  £od)fürftl.  §erjogL  3)urdfjtaud&t  (SinwUIigung  nid&t  in  ben  3$er* 
9)Leic^  aufgenommen  werben  fotten. 

«rt.  33. 

3Jlit  ben  Urfunben,  bie  bie  hinc  inde  überge^enben  Sßermutationä* 
©egenftänbe  angeben,  foU  e3  gehalten  werben,  wie  e8  oben  SBCrt.  19 
feftgejefcet  worben  ift. 

Slrt.  34. 

3>ie  nad)  SDtafcgabe  be£  obigen  3nbemnifation«*9leceffe8  von  beiben 
Steilen  ju  fibeme^menbe  ©uftentatum&üuote ,  fo  wie  audf)  bie  ber 
9teid)&  unb  ÄreiS*2aften  foU  bur<$  bie  nunmehr  gu  ©tanbe  gefönt' 
mtnc  Sßermutation  weber  uermetyret  nodfj  »erminbert,  fonbem  fo  ge* 
tragen  werben,  al£  §ätte  überhaupt  fein  SEaufd^  ftatt  geljabt  Eben 
fo  foU  bie  nad)  Snljalt  ber  (Sonuention  uom  6ten  Slprit  1803  ftipu* 
Hrte  Slbftnbung  im  unverhofften  (McüonS^alle  eines  britten,  na<$ 
bem  SRafeftabe  ber  3nbemmfation3*©egenftänbe  beregnet,  unb  bie 
©ewa^r  fo  geleiftet  werben,  oX&  wäre  feine  Sßermutatton  oorljanben. 

Slrt.  35. 

3n  Änfefymg  ber  wed&felfeüig,  fowotjt  naefj  ^nljalt  beS  Snbem* 
HiJatümS*  ate  ^rmutaiion$*3teceffe3  überge^enben  JDrtfdfjaften  unb 
Stanbftfide  fott  eS  bid  weiter  bep  bem  1784  errichteten  Sergteid&e, 
mtottä)  ber  8ibf<$o3  von  ben  auä  wrmatS  £od)ftiftltdf)en  nad)  ber 
Seu^Jftabt  fifibed  geljörenben  Dörfern  et  vice  versa  jie^enben  ©in* 
geWfenen  aufgehoben  worben,  f)inffi§ro  fein  Verbleiben  Ijaben. 


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116 
9trt.  86. 

SHe  9tetc$Sfiabt  Sfibed  agnoscirt  bie  3onfrepl)ett,  bic  @e.  §oty 
fürfit.  ißetjogl  SDurd&l.  als  Sifdjof  genofeen,  unb  fte  fott  auf  &ö#* 
biefelben  als  ©rbffirften  übergeben.  Ueberljaupt  foO  eS  bep  ber  bis* 
$erigen  unb  infonberljeit  aud^  bep  ber  ben  ^ädjtero  bct  gttrfUid&ea 
$öfe  unb  SSorwerfe  feit  1762  jugefianbenen  BöHfte^it,  fo  wie  bep 
bem  bisherigen  8)rüc!en*  unb  S5amm*®elbe  verbleiben. 

«rt.  37. 

Sitte  unb  jebe  Sagbbefugntffe,  fie  mögen  9tamen  Ijaben,  wie  fte 
wollen,  foHen  tynfüljro  in  ben  xoed^fclfeitigcn  territoriis  fdjlec^terbtngS 
aufhören. 

«tt.  38. 

S3ep  ber  Srabttton  f ollen  au$  bie  ßanbe&Oränjen  mttSujieljttng 
ber  beiberfeittgen  Beamten  unb  imllffiljrttdjen  2lb§ibirung  eines  ßanb* 
mefferS  von  ber  einen  unb  anbern  ©eite  berichtiget,  unb  bep  biefer 
©etegen^eit  inf onbertjeit  aud&  bie  ©iemfer  ©ränje,  f o  nne  bie  SBaffer* 
jlauung  unb  Sfto^rwinbung  am  Sremfer  £eic$e  regulirt  werben. 

*rt.  39. 

®ie  Srabition  fowotyl  ber  3nbemmfationS*@egenftänbe,  in  fo 
ferne  felbige  9teceSmä&ig  gteidj  übergeben,  als  ber  $ermutation£ 
©egenjlänbe  foll,  fobalb  ber  oben  ärt  26  ermähnte  Sltter^ödjfie  Äo* 
mglid&e  GonfenS  wegen  SSitmflorf  erfolget,  au<$  bie  $otj*2lbfc§ä|tutg 
eingegangen  fein  wirb,  na$  angelegter  unb  berichtigter  Siquibation, 
aud)  regulirter  2anbeS^©ränje,  fpäteftenS  aber  binnen  jwep  SKonaten 
na<$  ausgeweiteten  SRatififationen  gefdje^en. 

«rt.  40. 

S)er  obenfteljenbe  SRecefe  unb  33ergleld>  foll  von  beiben  pacis- 
cirenher^jcfertt.in  8eit  t>on  u  Sagen  ratificirt  unb  bie  Sftatiftca* 
tite  übergefjenbcn,  in  termino  ^werben, 
biente  mit  ^Beibehaltung  ityreS  btSljei^ 

©enujfeS  ju  übernehmen,  bie  ber  überg^egenwärtigen  Sfteceffe  unb 
gefdjloffene  ©ontracte  unb  übernommene  33ev$gefertiget,  unb  ein  jebeS 
auc£  anbere  twrlängfi  berechtigte  ^erfonen  gtfjtigten  Coramissarien 
Untertanen  ju  fdtfifcen  unb  rücfftänbige  ©efälte  lewedjfett  worben. 
verglichen  worben,  foll  auc$  hinc  inde  in  $tnftd)t . 
©egenfiänbe  gelten.  Unb  wann  bie  StetdjSjtabt  Sübi 
laffen,  bafe  baS  bieSjäljrtge  S)eputat*  unb  anberweitig:  Tesdorpf. 
f<$aftlic$eS  §olj  bereits  auf  bem  ©d&arbeufcer  gelbe  jtef.  s.) 


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117 

©e*>arat*«ttifel. 
l. 
5Xe  Steid&S  ©tabt  Lübeck  oetpfltdjtet  fid)f  für  eine  jebe  ber  eilf 
Csnooical-Sutien,  fo  lange  beten  fetten  93efifcet  leben,  unb  nadj 
tipm  $obe  beten  ©tben  u>äl>tenb  be«  fiatutenmafHgen  9tadjja§te8, 
fo  wie  nW&t  toeniget  beten  Successoribus,  obet  fo  lange  no$  ju 
ben  6utien  berechtigte  Sßetfonen  uot&anben  feyn  toetben,  unb  beten 
Srben  durante  anno  gratiae,  jctytUdj  SSier  Ijunbett  8fteid)8tl)atet  gtob 
Courant  unb  jroat  in  trietteljä^tigen  auf  Oftetn,  Rannte,  ÜJlW&aeltö 
unb  SBetynadfjten  fälligen  ratis  an  @t.  $oc§fütfilid)e  &etjogl.  2)utd[)- 
laudjjt  9tente*£ammet,  obet  an  ben,  ben  £ö<pbiefelben  baju  et* 
nennen  roetben,  ju  bejahten,  unb  bamit  auf  SBeiljnad&ten  biefe«  3a§* 
w*  ben  Anfang  ju  matten. 

5Dem  $ettn  Decano  ©tafen  t)on  Moltke  will  bie  9tei<$&©tabt 
WMt  |um  SBetoeife  bet  befonbeten  bemfetben  geroibmeten  SHd&tung, 
wf  bejjen  SebenSjeit  unb  durante  anno  gratiae  füt  beffen  ©edjanep 
S^unbett  2$alet  jäl)tUdj  auf  eben  betriebene  SBeife  bejahen. 

Sie  9lei<^«^©tabt  Sübedf  oetpfltd&tet  fid)  übetbie«,  füt  ein  jebe« 
jtt  ben  6utien  getiötenbe«  9teben*£auS  obet  Söoljnung,  bie  3JHetlje, 
bte  je§t  bafüt  etlcgt  roitb,  obet  julefct  gegeben  rootben  ift,  unb  jruat 
jkidftate  in  tnetteljä^tigen  ratis  füt  bie  Seplommenben  unb  -ftad)* 
folget  unb  resp.  beten  (Stben,  roäljtenb  beS  9tod)ja§t$,  wie  im  t)ott* 
jen  §pho.  erwähnet  tootben,  ju  bejahen. 

3. 

Slud)  toitt  fettige  füt  bie  ^ßropflep  unb  beten  5Rebemoolmung, 
fo  lange- bet  jefeige  &ctt  ©o^m^topft  lebt,  resp.  400  Slt^lt.  unb 
öie  jefcige  3Riet^e  auf  rotangefttfjtte  SBeife  i&^rtu^  etlegen. 

4. 

68  bleibt  bet  ftepen  SBBa^l  bet  mit  (Sutien  oetfe^enen  fetten 
lapüulaten,  fotoiebeS^ettnSJom^topjienübetlaffen,  bieg  Oblatum 
«Wine^men  obet  ju  oetroeigetn. 

5. 

Stfejenigen,  bie  bo8  änetbieten  ju  acceptiren  füt  gut  finben, 
statten  Ujte  Sutien  unb  SReben^äufet  tuet  2Bod)en  nati)  Michaelis 
tefoiga^tea  1804-  Sie  toetben  bet  ©tabt  übetimefen,  bie  biefetten 
•fae  3Ronitut  in  bem  $uftonbe,  in  bem  fie  ft<$  beftaben  roetben, 


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118 

annehmen,  utib  bem  abjic^enben  §errn  Capitulari  ben  ber  Srabüton 
baSjenige,  was  feinen  ©rben  von  bem  Successore  in  Curia  ftatuten* 
mä&lg  vergütet  werben  mufc,  bejahen  will. 


diejenigen  Ferren  Capitulares,  bie  Ujre  ©urien  unb  etroanige 
Siebenter  abgeben  ju  rooHen  ftd)  erflären,  unb  in  Sübed  Üjr 
Domicilium  betjalten,  follen  ad  dies  vitae  bei)  iljren  bisherigen 
Siebten,  gret)f)etten  unb  Exemtionen  oljne  ausnähme  betaffen,  aud) 
Unten  feine  Abgabe  irgenb  einer  3trt  zugemutet,  unb  tynen  unb  na$ 
i^rem  £obe  ben  3t)rigen  bet)  einem  etmanigen  »bjuge  fein  jeljnter 
Pfenning  ober  fonfKge  ausgäbe  angefonnen  werben. 

©8  §aben  biefelben  [\ä)  aber  feiner  3uri3biction^gte^iten  unb 
©jemtionen  ju  erfreuen,  fonbern  treten  unter  bie  ©eridjtsbarfeit  ber 
SRei^Stabt  Sübecf. 


diejenigen  Ferren  Capitulares,  bie  meljrermäljnteS  Oblatum 
annehmen,  unb  ibre  ©urien  unb  etwanige  SWebenljäufer  oermietbet 
Ijaben,  erhalten  bemungea<$tet  bie  oben  flipulirten  400  9ttf)lr.  unb 
ba8  locarium  für  baä  -JlebenljauS.  S)ie  2JUettyer  bleiben  ben  iljren 
©ontracten,  bejahten  aber  ba£,  feiner  ©rl)öt)ung- unterworfene  loca- 
rium an  bie  9teid)g*@tabt  Sfibedf,  wogegen  eS  ftdj  aber  oon  felbft 
oerfiefiet,  bafe  weber  neue  SDliet^Sontracte  gesoffen  no<$  prolongirt 
werben  fönnen.  $)er  20.  2Jtär}  biefeS  ^aljreg  wirb  für  bie  Eon* 
tracte  ate  9tormal*!£ag  angenommen,  bod)  unbefd&abet  ber,  biefeS 
@eparat*$Bergleicfy8  unbewußt  bona  fide  gefdtfoffenen  ©ontracte.  S)ie 
grau  @el>ehne4Rätf)in  unb  ©edjantm,  ©räfin  von  Bassewitz,  ber 
©ijnbtcuS  Buchholz  unb  ber  Assessor  Suhl  behalten  bie  oon  i^nen 
gemieteten  ©urien  für  bie  in  tyren  bisherigen  3Jliet^6ontracten  fii* 
pulirte  3JUetf)e  auf  tyre  SebenSjeit  unb  fann  nadj  beren  £obe  iljren 
©rben  nur  jur  gewitynUdjen  gabrjett  auf  Dftern  unb  SDUdjaeluS  ge* 
fünbiget  werben. 

S)ie  Civil-Jurisdiction  über  obengenannte  grau  ©räfin  von 
Bassewitz  unb  beren  ben  ftdj  Ijabenben  gamtlie  fjaben  ©e.  ^erjog^ 
Ud&e  $)urdjL  Sid)  auÄbrüdUdj  vorbehalten,  unb  bleiben  berfetben 
aud)  ber  Syndicus  Buchholz  unb  Assessor  Suhl  al£  bisherige  $0$* 
ftiftltd^e  Beamte  na$  Snljait  be«  mit  ber  3fctdj*flabt  Lübeck  ge* 
^(offenen  Steceffeä  unterworfen. 


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zedby  G00gk 


119 


diejenigen  Ferren  Capitulares,  bie  ba3  obige  Slnerbieten  anju* 
nehmen  rtid^t  für  gut  finben,  werben  nid&t  nur  beg  ben  im  §pho  6 
txwtipxttn  gftet^eiten  unb  Exemtionen  ad  dies  vitae  belaffen,  fon* 
bm  bleiben  aud)  ber  Stotl*©erid)tSbarfeit  @r.  £erjoglid)en  3)ur<$* 
fou&t  unterworfen.  3laä)  tyrem  Ableben  unb  nadj  oerflofeenem 
Starre  werben  tyre  Surien  aber  im  fta  tuten  mäßigen  ^ufianbe 
praestitis  praestandis  an  bie  9teid)8*Stabt  abgeliefert,  unb  l)aben 
Johann  bie  Successores  in  Curia  bie  meljrerwäfinten  400SRtl)lr.  gr. 
Court,  nebfl  ber  etwanigen  3iebenmiet^e  jäljrlidj  ju  genießen. 

9. 

6e.  §o^fftrftli^e  $erjogl  S)urd)lau<$t  &aben  gnäbigfl  über* 
wmmen,  bie@rffärung  ber  Ferren  Sapitularen  fpäteften«  in  termino 
traditionis  ber  an  bie  9teidj&6tabt  Sübedf  übergeljenben  ^odjfltft* 
luden  2JjeUe  felbtger  mitteilen  laffen  ju  motten. 

10. 

3n  allem  übrigen  oben  ni<$t  benannten  $at  t&  bep  bem  mit 
ber  8eu&£*©tabt  Lübeck  abgeflogenen  SSergleid^e  unb  Steceffe  fein 
J^ioeidjlid&eS  SBerbleiben,  unb  follen  obenpe^enbe  2trtifel  U;re  33oH* 
Jiefomg  erhalten,  menn  ©e.  £o$fürfilid)e  £erjogl.  S)ur$laud)t  bie 
im  Sri  9  ßnäbigft  oerfjeiffene  (Srflärung  ber  Ferren  Capitularen 
ber  Seid^jiabt  Sübed  mitteilen  (äffen  werben. 

Urf  unblid)  finb  biefe  feiner  $eU  bep  ber  Srabition  ju  ratificirenbe 
6eparat*2lrtifel  boppelt  ausgefertigt,  uon  begberfeitigen  Gommiffarien 
wttrfd&rieben  unb  befiegelt,  au<§  fotd&ergeftalt  gegen  einanber  au*ge* 
iDedjfelt  worben. 

So  gefäetjen  Eutin,  ben  2.  April  1804. 
(unterjeidjnet:) 

J.  H.  Eschen,  G.  F.  Buchholz,   M.  Kodde,  J.  M.  Tesdorpf. 
(US.)  (L.S.)  (L.S.)  (L.S.) 


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zedby  G00gk 


120 


IL 

8übt&  als  $üUrin  Ui  Sanb-  unb  ®eefrwfrett* 
im  brennten  Sa^unbert1) 

SBon  2Bil$.  ÜRanteU. 


Cladj  betn  Vorgänge  eines  f)od)T)eref)rten  ÄennerS  unferer  §ei* 
mifdjen  @efdn$te  *)  $abe  id)  es  unternommen ,  3$nen  ,  t).  31. ,  ein 
©Üb  lübedtföer  3uftänbe  aus  bem  jtoeiten  ^a^unbert  unferer  ©tobt 
ju  entwerfen.  ©s  fott  bie  bamalige  Stellung  SübedfS  nadj  äugen  $in 
fennjeidjnen,  unb  gittern,  wie  bieStabt  fdjon  frfil>  ©orge  trug,  in 
unruhiger,  fiürmifdjer  Qdt  einen  oft  bur<$  ro^e  ©eroalt  geftörten 
gefefclidjen  3uflcmb  aufregt  ju  galten,  ben  ju  freiem  $anbelSüerteljr 
fo  nötigen  ^rieben  ju  fdjtanen  unb  ju  uertyeibigen.  liefen  Qmd 
Ijaben  freiltdj  äße  ftäbtifd^en  ©emeinroefen  im  SJtittelalter  ©erfolgt, 
aber  wenige  traten  eS  glel^wnSlnfanganmitberföaftanjkengung, 
roeldje  unfreStabt  beroieS.  3tor  barauS  erÄfirt  fid),  wie  jie  fo  batb 
erreichte,  roaS  mandjer  ©d&roefier  Saljrljunberte  gefojlet,  unb  toie 
fief  üerfjältntfcmäfng  bie  jüngflte,  an  bie  ©pifee  Bieter  älteren  be* 
rufen  roarb.  3^r  Stuf  muß  rafdj  weithin  erfd&oüen  fein  als  einer 
83ef)üterin  beS  fianbfriebenS ,  als  einer  JBefrieberin  ber  See.  2tlS 
fotdje  toarb  fie  aber  eine  parte  Vormauer  für  bie  norbbeutfdjen 


*)  5>en  nadjfolgenben  »uffafr  bilben  jtoei  SBortefttngen ,  toelAe  im  ©intet 
1862/63  »or  einem  gemifcfyten  $ub(ifum  »on  mit  gehalten  tourben.  3<ft  tyabe  im 
©anjen  nidjt*  batan  geänbert,  nur  einzelne  ©eleajtellen  bfnjugefügt  33 on  3nterefFe 
wirb  e*  fein,  ju  meinen  partikularen  9Cu«fü^rungen  bie  JDeutfdje  ®efa>icfcte  »ouD. 
fcorenj  ju  »etgleitfcen,  ber  an  mehreren  ©teüen  bei  2.  SBanbe*  com  ©tanbpunfte 
M  SReidje«  au*  ba*  JBrr^ältnif  Äaifer  Sfabolf«  gu  fcübecf  befpri*t. 

*)  ?auli,  Sübfcftf^e  3ufWnbe  ju  Anfang  be6  »terje$nten  3a$r$unbert*. 


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zedby  G00gk 


121 

Watfett  unb  Äfiften,  unb,  fd&neff  t>om  3teid(>  faft  unabhängig  {finge* 
fteBt,  oerwud&S  fte  tnit  betreiben  bod&  unauflöSlidE)  burdf)  oenoanbte 
SBefttebmtgen  unb  vergalt  bic  von  btn  $errfd&ern  beS  SftetdfjS  ge* 
n»$tte  gfretljeit  baburdj),  baß  fte  bejfen  Sinken  bis  in  bcn  fernen 
Sorten  ausbreitete.  SHe  erften  anfange  einer  folgen  Stellung 
Efibwte  fallen  aber  in  baS  fogenannte  große  Rrotftynmä),  baS  über* 
faupt  bie  flabtifc^en  ®emeinn>efen  burdfj  fräftigen  Sfotfprucfc  <nt  Üjren 
jetyen  SBiberfionb  ju  fd&nellem  SBad&Stljum  emportrieb,  —  unb  fo 
Wien  eS  mir  ttid&t  ungeeignet,  StibedES  gerabe  nad>  bem  Interregnum 
fMj  ftaftig  entf altenbe  SRaßregeln  fftr  bie  &ut  beS  ftriebenS  ju  Sanbe 
unb  jirr  ©ee  anjute^nen  an  ben  beutfd&en  ßöntg,  ber  bamats  ein 
Steige«  t^at  im  Steid),  ber  unferer  ©tabt  ftdfj  befonberS  f)olb  bewies, 
bei  bleibenb  im  ©ebad&tniß  unfereS  SSolfeS  als  ber  gteid&fam  per* 
fomjtjtrte  Sanbfriebe  leben  nrirb,  an  Sftubotf  oon  §absburg. 

6ein  2$ilb,  baS  eine  &tit  lang  oon  unfern  ©efd&idfjtfd&reibern 
ber  glanjenberen  §o$enfkufen<$eriobe  ju  Siebe  ungebührlich  in 
Statten  geflettt  marb,  tritt  auf  ©runb  f  orgfältiger  $orf  d&ung  gerabe 
ftt  Dttber  immer  Sarer  ^eroor  als  baS  eine*  fiarlen,  tyatfräftigen 
W^tf #  ber  jugleidj)  feine  Aufgabe  ibeal  faßte  unb  babei  bod&  bem 
öiri^aren  juerft  nadjrfirebte,  ber  getragen  mar  non  bem  nodfj  aus 
bem  vorigen  Qa^unbert  fortlebenben  poetifc&en  ©dfjnwnge  unb  ftdfj 
ber  profatföen  ®efunb|eit  unb  SRüd&tern^eit,  roeld&e  baS  erroadjenbe 
fÄqjertlfum  xwronegenb  vertrat,  nidfjt  oerfd&loß,  ber  im  ootten  S3e* 
flwßtjein  feiner  §o$en  Stellung  Unge^orfam  unb  SBiberfefelid&feit  audf> 
an  ben  §fidf#en  feiner  Untergebenen  fttenge  ju  a^nen  mußte  unb 
Metig  mit  gutem  jßumor  bem  gemeinen  Stoße  felbfi  Ungebührlich 
Wen  gegen  feine  lönigttd&e  $erfon  oerjie§. 

(Sc  ift  fomit  ber  ed&te  SRepräfentant  feiner  3*it  unb  u>ol)l  ge* 
eignet,  uns  in  biefelbe  ju  t>erfe|en. 

3n  beme  jare  Slirifll  1273,  er§äl>tt  unfere  ®&ronif,3)  bo  roarbe 
tote«  ber  Äomere  foning  SRobolf  trnn  $aoefeSbord().  #e  roaS  en 
eß  toi«  $ere  unbe  fat  in  beme  rtfe  bi  ad&tein  jaren.  S)at  rile  §e 
fat  bag^e  in  bubefd&en  lanbe  oromeltfen  oorpunt 

Äner  ber  genannteren  SHtyter  beS  breijeljnten  3a§rl)unbertS, 
Iwtab  *on  SBfirjburg,  fingt  t>on  Äönig  töubolf4): 


•)  ©rantoff,  I.,  150.  166. 

*)*  *.  Qü^tn,  »Knneflnget  IL, -334. 


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zedby  G00gk 


122 

Dem  ebtrtt  9or  »on  SRom  ift'tf  tourbigli*  gelungen. 

9tod)trauböögel  am  n  bei  bar  Ijat  feine  Äraft  bedungen, 

Ör  l)at  $rete  errungen 

Durd)fld)ttg,  (auter  unb  rein. 

galf  unb  £abfd)t  &toang  et  in  Xfoüringen  unb  ©teier, 

Da6  mag  erfdjredfen  Stallen*  9tabeu  unb  ®eier. 

©eine«  ©lege«  geier 

3iemt  tooljl  ein  Äranj  öon  Öbeljiein. 

©einem  ®lücf  unb  feiner  Äraft  mufj  alle«  ffiilb  ftd)  geben, 

SRag'ä  geilen,  fdjnMmmen,  fdjweben; 

<Bx  fann'*  tooljl  überfliegen, 

Äetn  Sogel  au*  allem  £anb  fann  toiber  tyn  je(t  Wegen. 

©elbjl  SBö&eim$  2eu  mußt'  unter  feine  Älau'n  jid)  fdjmiegen. 

(St  iß  cljne  Kriegen, 

©tarf  unb  feft  in  Ijoljer  dfyren  ©aVin. 

Unb  Äonrab'S  ebenbürtiger  Sängergenoft,  grauentob,  fagt 
von  Stubolf,  beffen  £ob  er  beflagt,  er  fei  geroefen 

De*  £eil«.  ber  (ttyre  ein  3eiger, 
Der  faljen  Surften  ein  Steiget.*) 

Unb  ein  britter  SH#ter,  ber  Unüerjagte  genannt,  n>etdjer, 
wie  zriele  feinet  ©teilen,  bem  gegen  bie  Unga^l  fa^renber  ©änget 
ntdjt  tbtn  aDju  freigebigen  Äönig  eins  anhängen  nnll,  tnu|  bod^ 
von  ü>m  räumen:6) 

Der  Äönig  ftubolf  minnet  Qfott  unb  ift  an  freuen  ftäte, 

Der  Äönig  SXubclf  Ijat  ftd)  mannen  ©<foanben  tool  »erfaget, 

Der  Äönig  Stubclf  rietet  »et  unb  Raffet  falfa>  Sfätlje, 

Der  Äönig  lÄubolf  ifi  ein  «&elb  an  $ugenben  un&erjaget. 

Der  Äönig  ftnbolf  e^ret  ®ort  unb  alle  werben  grauen, 

Der  Äönig  ftubolf  lägt  flcfa  »iel  in  Rolfen  fc&ren  flauen. 

3<f)  gönn*  i&m  topljl,  baf  i&m  nad)  feiner  9Wilbe  $ett  gefaxt: 

Der  Sänger  ©ingen,  ©eigen,  ©agen  (fort  er  gern,  bod)  jaljlt  fein  Sieb. 

$n  fold^  geraber,  aufridjtiger  £ugenb,  burdjfid&tig,  Kar  unb 
rein,  in  Ijo^en  ©Ejrcn,  nrie  bie  ©idjter  fagen,  füfjrt  bie  ©efdjidjte  baS 
Seben  be3  ÄönigS  an  nn&  vorüber,  an  bem  nid&tö  üermifjt  wirb, 
ate  biefelben  ©rfotge  in  ber  jroetten  §älfte  feiner  SRegterungSperiobe, 
nrie  fie  bie  erfte  aufroeifi.  SBäljrenb  bet  lefeten  $o$enfiaufenjeit 
unb  im  unfeligen  Interregnum  war  „ein  neue*  ©efötedjt  §eran* 
geroac^fen,  xotlä)t&  nur  nodj  bie  3errüttung  beä  SfteidjeS  fannte  unb 
wollte,  nidjt  meljr  bie  fatferlid&e  3Jtad)t."7)  ,3ln  ber  fdjon  faftijdjjen 


*)  dbenb.  III.,  45. 

•)  Gbenb.  Iü.,  133. 

')  Sbtymtt,  »egeften  Sflttbolf«  ©.54. 


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128 

ttnafcljärtjjigfeit  ber  3fftrften,  an  ben  fogenamtten  Siebten  be«  2öa#* 
firftencottegium«,  non  betten  nor  bem  Interregnum  9Uemanb  etroa« 
wufcte,  bradfj  jtd&  felbft  Stubolf«  (Snergie.  @r  l>at  feine  ©djulb  baran, 
er  $  ftdjj  gleidjj  geblieben  bid  ju  feinem  legten  Sltyemjuge.  Sftodj 
aniert^alb  3a\)xt  t>or  feinem  £obe  l)telt  er  ju  @rfurt  ba«  befannte 
jfeenge  ©erid&t  über  bie  29  bei  Ilmenau  gefangenen  Staubritter. 
Unb  wen  ergreift  nid^t  bie  Sage  von  feinem  ©rabaSrttt !  81«  bet 
greife  Äöntg  ju  ©ermeräljeim  be«  (>erannal)enben  £obe«  genrifc  würbe, 
tagte  er,  nadj  ben  marfigen  Sßorten  be«  (SJjroniften:  äSotauf  §inj 
Speier,  ba  meljr  meiner  SSorfa^ren  jinb,  bie  aud>  Äönige  waren  l 
®afe  niemanb  mi$  f>injufiü)ren  brauet,  will  id>  fetber  ju  tyntn 
reiten!8) 

SBarcal«  n>ar  er  73  Sa^re  alt,  nur  7  3a$re  t>or$er  fyatte  er 
fidj  in  jtoeiter  Gfyt  mit  ber  ganj  jugenblidjen  §erjogin  Qfabefla  von 
Surgunb  ©ermaßt  ©leW&e  ©efunbfjett  be«  ßetbe«  unb  ber  ©eete 
Spiegelt  ftd^  in  att  ben  Seinen  anefbotenljaften  3ügen  ab,  bie  uu* 
m  üjm  mitgeteilt  werben.  @r  blieb  ate  Äönig  Ärieger,  feilte 
«ü  {einen  ©ölbnern  ©trapajen  unb  Äoft,  fftdte  fein  Sffiam«  felbjl 
w»b  »ärmte  ftd)  beim  nädfjfien  33ä<fer.  6r  mar  ben  ©ängew  nid&t 
<#>fc,  liebte  aber  au<$  Papageien  unb  ßatnele.9)  Unb  wie  twlfö* 
t|fimlidS>  ift  bie  ©efdjidjte  von  jenem  tyn  fd&impfenben  unb  begießen* 
benJSeibe,  bie  U>n  für  einen  gemeinen  Ärieger  Ijtelt,  unb  bie  er  jur 
Strafe  nur  jwang,  vox  wrfammeltem  §ofe  bie  ©ctytmpfreben  ju  wie* 
ber^olen;  ober  t)on  bem  nafemeifen  Äerl  ju  ©felingen,  melier,  al« 
baSSJolf  \\<fy,  wie  immer,  um  benÄönig  brängte,  aufrief,  be«  Äönig« 
ürofcablemafe  f)tnbere  iljn  oarbeijuge^en*,  worauf  SRubolf  feine  9tafe 
auf  bie  anbere  Seite  breite  unb  fagte:  Sefct  gel)'  oorbei,  meine  SRafe 
foB  btr  feinen  Siegel  r>orf<$teben.  S)enn,  fefcte  er  ^inju,  in  einer 
freien  ©tabt  mufc  audjj  ber  ©tnn  unb  bie  3un9c  ber  Seute 
frei  fein. 

S)af$  ein  fo  geregter  unb  grabfinniger  Äönig  ju  einer  freien 
SW^Sjiabt,  nrie  unfer  ßfibed  e«  bamat«  balb  50  Saljre  fd&on  mar, 
w  ber  er  nur  eine  rege  ftörberin  feiner  abfluten  finben  fonnte,  in 
fwmbUdje*  SJeme^men  trat,  unb  bafe  bie«  ©noerfietabnifc  fo  lange 
bwern  mufcte,  als  bie  ©tobt  niefct  burdf)  Ueberfd&reitung  ber  i§r  ju* 
fcltnben  Sefugniffe  be«  ÄSnig«  Unwillen  auf  fi^  jog,  ba«  bfirften 


")  (Sbtnb.  ©.  t55. 
*)  dleib.  G.  5*. 


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124 

vok  ftifijtyweigenb  annehmen,  aud>  wenn  ftdj  feine  &**$*$*  W»** 
©eflunung  gegen  uns  erhalten  Ratten.  9hm  Zweigen  unfete  tyto* 
ntfen,  bie  au£  btefet  3ett  mc^t  SluSjüge  ftembet  ©efdjtdjten,  als 
etnfdjlagenbe«  ©nljeimtföe,  berieten,  übet  fein  3Setljfiltni&  jutStabt 
fteiti<$  t)olRommen.  2lbet  in  unfetem  St#toe  liegen  26  @rfaffe  imb 
8u*fd>teiben  be*  ÄitaigS  an  bieStabt,  ungetedjnet  bie  »tiefe,  toett&e 
et  in  unfern  Angelegenheiten  an  auslänbiföe  gürften  ttö&tete,  unb 
bie  3Jtadjtbefel)U,  bie  t>on  feinen  Beamten  unb  ben  \m&  benad>b«tten 
prften  imSufttageSRubolf«  anSttbed  ergingen.  Sud  ifcnen  ergiebt 
ftdj,  bafe  bet  Äöntg  nid^t  nut  unfete  ftü^eten  Steilheiten  betätigt, 
fonbern  neue  hinzugefügt  Ijat.  6t  ^at  bie  Stellung  bet  Stabt  jum 
Steige  mefentlid)  gehoben,  iljt  in  tyten  9Wt^en  butdj  SBetmitteUing 
befteunbetet  9tad)batftttflen  unb  ©ebtoljung  etnf>etmif($et  ©etgemalti* 
get  ftäfttg  betgeftenben  unb  fldfj  bei  äuÄwättigen  meljtfadj  ffit  fbt 
aetwanbt.  Qn  leitetet  $inft<&t  roltb  fW>  fyätet  no<$  ©elegenfceit 
finben,  bet  $ülfe  StubolfS  ju  gebenden;  jum  SSetpänbnife  be3  (Stfie* 
ten  wirb  e$  nöt^ig  fein,  mit  ein  paat  ©orten  bie  tedjtlldje  unb 
potitifdje  Sage  anjugeben,  bie  Sftbecf  bei  SRubolf*  3%tonbejteigung 
bereit«  inne  $atte. 

Sübedt  fianb  bamal*  an  feinet  heutigen  Stelle  getabe  130  Qa^ 
©&  wat  eine  fädjfifdje,  b.  f).  nieberbeutfdfje  ©tünbung  in  utfptttttgp^ 
flatnfcfcem  Sanbe.  3)amit  tyatte  e$  in  mannet  §infid)t  ben  ©^atalter 
einet  ©olonie  bet  fpäteten  3eit  obet  etwa  einet  heutigen  Slnfieblung 
in  Sftotbtoeftamettfa.  @&  roat  Ü)tn  unmittelbat  butdj  feine  SPffanjung 
bie  Stuf  gäbe  be«  SSotfdjteiten*  geftettt,  e*  mat  t)on  wtn  |etein  auf 
ätbeit  unb  ßampf  mit  na^en  menbif$en  unb  fetnen  notbtfäjen  9foK$' 
batn  angemiefen.  S)a8  mufften  bie  fteien  meftfälifdjen,  frieftfd&en 
unb  Ijoflänbifäpn  SRänner,  meldte  bet  gtofee  ©adjfenljetäog,  §etntid> 
bet  Säwe,  in  unfet  walbbebecfte«  unb  unangebauete*  Sanb  betief. 
5Dabei  gab  i^nen  ba8  ®&tiftentl)um  gegenübet  ben  Ijeibntfdjen  9tadj* 
batn  einen  mäßigen  SInttieb,  bte  allgewaltige  eine  Ältere  bot  öjnen 
ftatfen  SWfidljalt,  olel  oetbanlte  unfet  SJteutftbetf  in  Jpanbel  unb 
©anbei  fdjon  feinet  SSotgängetin  an  bet  ©«jfrmattau,  unb  übetfcaupt 
tarn  iljm  bet  Umftonb  ju  ©ute,  bafe  e£  getabe  am  6aum  bet  fdjon 
fett  ben  älteften  Seiten  bteffeits  bet  @lbe  anfäfftgen  fädjftfdjen  JBe* 
tflKetung  auf  einem  ©oben  angelegt  watb,  bet  beteit*  butdj  bie 
vorausgegangene  lefcte  ^riftlic^e  ©laoenljettfdjaft  in  unfetet  Sanb« 
föaft  SBagtien  bet  ©ultut  gewonnen  roat.  ©nbtid)  fiel  bie  ©tünbung 
unfet*  ©emeimoefen«  getabe  in  bie  fftt  2lu«bilbung  unb  taf(^e®nt* 


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125 

Mhmg  beutfd&er  ©tobtenerfaffung  günftigfie  3eit,  unb  bie  balb  batauf 
«ntatenben  SBorgänge  in  unfern  Sanben  färberten  bie  junge  fyflan* 
irajj  rat  um  fo  fd&nettet  empor. 

Sit  mad&en  und  Subedtö  2Bad&3t$um  am  lei^teften  anfd&auli<$, 

warn  mit  un*  erinnern,  bafe  ber  nod)  ^eute  in  engtifd&en  ©tabten 

wtf>  ©raf^aften  aber  in  ben  nadj)  engtiföem  SDtuftet  auSgebilbeten 

nwbametüanif^en  Staaten   uns  eutgegentretenbe  ©runbfafc   be* 

aeifgoverament,  ber  ©elbfiregierung  unb  ©elbftbefUmmung  in  allen 

fament  ©tmeinbeangelegenfieiten,  ein  altgermauif<f>er  mar,  ber  in 

triefet  gett  traftig  wirfte  unb  norjfiglid>  in  fägfiföen  Sanben  ftd& 

jeüeitb  madjjte.    S5a8  Sfted&t  $atte  überhaupt  bamate  einen  me^t 

perfönlid&en  S^arafter:  nidj>t  nur  regelten  bie  bäuerlichen  ©emeinben, 

wA  tift  Stotfeigent^um  anging ,  unter  fid&,  fonbern  au$  t&nen  unb 

tawfrjie  mitgewählte  ©Söffen  legten  ate  8eifi|er  be«  lanbeäljerrlid&en 

8*#et3  ba£  in  lebenbiger  Ueberlieferung  forttebenbe  ©efefc  au& 

5fte  ©töbte  aber,  meldfje  no$  in  ber  3cit  ber  fäd&ftfd(jen  Äaifer  als 

Wntamgen  ber£anbedfflrftenin$olijeif  Seauffid&tigung  be$  9farft8, 

jaWfcjtin  SJerwaltung  be8  ©tabtoermögen*  trtelfadf)  von  UjtenSan* 

teäfcmn  unb  beten  Beamten  abhängig  waren,  nahmen  mit  ber 

&nfc$m%  einer  eigenen  StotfySbetyörbe  ntd&t  blofe  bie  ^ßrtoatgefefc 

gefang  aEmäi)li$  ganj  in  üpe  $anb,  fonbern  au#  bie  SÜmuniftra* 

tum,  ^öHjei,  öffentliche  ©efefcgebung  unb  fogar  ben  JBtutbanu,  info^ 

fem  ber  oom  Äaifer  bamit  belehnte  SSogt  an  bie  2JUtmirfung  von 

Xafynäimern  gebunben  mar. 

©otd&e  fiäbtifd&e  atatignerfaffung  erhielt  Sfibedt  aber  fd&on 
{aanftg  Sofyct  nad>  feiner  erßen  ©rttnbung  burdfc  ben  J&erjog  ipein* 
t$  ben  ßöwen,  weld&er  mit  fd&arfem  ©tief  bie  Sebeutung  beS  Don 
Käem  Seemann,  bem  ©rafen  Sfoolf  tum  ipolftetn  aus  bem  ipaufe 
S^auenburg,  angelegten  ^anbeteplafte«  etfannte  unb  bie  Abtretung 
«jaang.  SBieber  smanjig^re  oerfloffen,  unb  ber  mädfjtige  ©ad&fen* 
fapg  §rfnti4  ber  bei  ©lapen  unb  $)änen  faft  als  unabhängiger 
Mieter  mattete,  erlag  ber  Steu&Sac&t.  SHe@tabt,  tyrem  ääo&ttyäter 
i»,  tö8  fte  ftd)  bem  eignen  Aufgebot  be«  Äaifer  SRotybart  ergeben 
wffc,  warb  in  gleiten  Siebten  oon  biefem  betätigt,  ber  nun  tyr 
Qhtyetr  warb,  aber  burdj  bie  an  §emrid)  bem  ßöroen  aottjogene 
Ifc  mt  ber  ftart e  ©d&ufc  be£  9teid[}8,  ba*  gtofce  norbbeutfd&e  ©ad&fen* 
fqpityum,  jerfprengt,  unb  als  ma^renb  beS  ©oppetfömgreid&eS  in 
ftftfjijlanb  ber  bis  ba^in  im  &a\m\  gehaltene  $)änenfürft  gegen  bie 
DpWänber  porbrang,  mar  feiner  ber  au«  #einrid&«  ©turj  fceroor* 


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126 

gegangenen  Steid&Sfflrfteu  mistig  genug,  tijm  §att  ju  gebieten.  Sübedt 
fyilbigte  bem  neuen  $errn  t>on  SRorbalbtngten,  2Balbemar  bem  ©ie* 
ger,  t>on  bem  feine  ©fifienj,  fein  ©ee&anbel  abging,  unb  biefe  6nt> 
frembung  t>om  Steige  f>at  fogar  im  ©ränge  ber  Umftänbe  ber  junge 
Äönig  griebrld&  II.  1214  von  3Re|  au&  gut  Reiften  muffen,  äbet 
©eroalt  ruft  ©eroalt  lieroor,  unb  fo  na^m  audj  SBalbemarS  $err> 
fd&aft  nadfj  25  $atyctn  ein  6nbe.  ®ie  Sübedter  Ratten  oljne  fremben 
Seiftanb  bie  ©änen  t>on  tyrer  Surg  nertrieben  ,  fie  Ratten  felbji* 
ftänbtgen  8fatf)eil  an  aßen  SDtoferegeln  jur  völligen  SSerjagung  ber 
fremben  aus  SRorbalbtngien  genommen,  unb  bie  ©ntf^eibungÄf^la^t 
auf  ber  &etbe  von  93ornt)öt>b  am  St  9ttarien*3Ragbalenentage  1227 
Ratten  fie  mitgekämpft.  Sie  Ratten  alfo  trollen  Snfprudf)  barauf,  ftd) 
ben  roieber&otten  3umutl)ungen  ber  fd&auenburger  ©rafen  $u  eht* 
jie&en,  meldte  mit  $etnridE)S  %att  in  tyre  alten  SRed&te  roieber  eiitge* 
treten  ju  fein  meinten,  aber  roeber  fiarf  genug  geroefen  waren,  bie 
©tabt  gegen  bie  S)anen  ju  fd&ü$en,  nod&  überhaupt  als  Dber^erren 
für  ben  ©eftd&tSfceiS  ber  bereit«  me&r  als  gräflld&en  ©tabt  taugten, 
©dljon  t>or  ber  ©d&lad&t  Ratten,  wie  unfere  ß^ronil  fagt,  bie  vm 
Sfibedf  tyre  Soten  über  SBerg  na<J>  Italien  jum  Äaifer  gefanbt,  ben 
Ifibedftfdfjen  ©omljerrn  Sodann  SSolquarbS  @ol)n,  unb  bie  SRat^mo«' 
ner  SBBil^elm  SertljotbS  ©o^n  unb  Qo^ann  von  SBremen.10)  3frw 
betätigte  Äaifer  3>riebrid(j  II.  ju  $arma  ben  i^m  norgewiefenen  gtei' 
brief  feine«  ©rofcoaterS,  unb  einen  SRonat  fpäter,  im  Sunt  1226/ 
folgte  biefer  Seftätigung  bie  9teid>Sfreiljeit 

9118  freie  Sfreid&Sftabt  ftanb  Sftberf  unmittelbar  unter  bem  flauet, 
wie  bie  Steid&Sfürften.  ©o  lange  ber  Äaifer  feine  3ufage  f>iett,  M* 
©tabt  nid&t  t>om  Sleidfj  weg  ju  aerpfänben,  was  freilidd  mit  9tei<$& 
päbten  bisweilen  bo<$  gef<$a$  —  unb  mit  fiftbedt  aud&  üerfud&t  warb  u) 
—  fo  lange  fonnten  mir  nid)t  wteber  in  fttrfittd&e  äbftfngigfeit  &> 
ratzen,  aber  ganj  fo  unumfd&ränft ,  mie  ein  SReidjSffirfl,  roox 
bie  SReidfjSftabt  bodfj  nid&t.  ©er  Äaifer  fefcte  i$r  einen  SBormunb,  einen 
SÄeid&Stwgt,  um  feine  ©eredfjtfame  in  tyr  wa$rjunel>men,  einen  abe* 
tigen,  aud&woljl  einen  ffirftttdjen  SRann.  3n  füb*unbmittelbeutf<$en 
©tfibten,  in  benen  faiferltd&e  fefle  Sßfaljen  unb  SSurgen  lagen,  fannte 
ein  fold&er  Burggraf  ,  SJurgmann,  ober  mie  er  fonft  Ijtefj,  ber  ttnab' 
#togtgfeü  ber  ©tabt  ntd&t  weniger  gefä|riid^  werben,  als  eto#ei# 


w)  «üb.  Urf.*©.  I.  ©.  44. 

")  Writb.  II.  ©.  5t  «.  2.,  I.  @.  533  ff. 


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127 

fßrfi:  bei  uns  braute  baS  ntitibetc  ©cfa^r.  ©inmat  war  wegen  un* 
feret  ßntfemung  oom  SRittelpunfte  beS  Stetd&SregimentS,  unb  weil 
bie  Stobt  nid&t  junadjjft  um  eine  9ietcbSpfal§  aufgemachten  toat,  fein 
©runb,  eine  faldfje  fcietjer  ju  verlegen.  3)ann  ober  traten  alSbalb 
beS  ÄaiferS  Äämpfe  in  Italien,  ber  äbfatt  Dieler  gürften  von  iljm 
in  Sfcutfdjjlanb  unb  fpäter  baS  Interregnum  bajwtfd&en,  um  biefer 
$et<$St>ogtei  einen  ganj  anbem  Gljarafter  ju  geben.  SSenn  griebridf) 
IL  befKmmte,  biefer  oom  Steige  gefegte  Somtunb  foße  nur  qua  ben 
benad&barten  ©egenben  SfibedES  genommen  werben  unb  jugletd)  baS 
6<$lo&  Xraoemünbe  uerwalten,  fo  tyat  er  ftd&  ifjn  audf)  offenbar  im 
Sefifce  ber  ©tabtburg  gebaut.  2Bir  wiffen  aber  nid&t,  ba§  nad(j 
SSertreibung  ber  3)änen  ein  grember  unfereSurg  inne  gehabt  fmbe. 
S)ie  S^ätigfeit  beS  9tetd&$*  ober  ©dEjirmoogteS,  meldten  ber  Äaifer 
aus  ben  benad&barten  gürfien  ber  Stabt  fefcte,  befd&räntte  fid&  baljer, 
wie  fein  Siatne  befagt,  auf  ben  @<$irm  ober  ©<$ufc,  ben  er  ber  ©tobt 
na$  äugen  uerliel).  @S  befianb  bemnadj)  beS  Äaifer«  (£influ&  auf 
unfer  Regiment  nur  noä)  barin,  bafe  feine  Beamten  für  il)n  bie  i^m 
plpmmenben  einnahmen  aus  ©runbjinS,  2Rünge,  3oü,  ©erid&tu.a. 
«loben,  unb  bafe  fein  ©erid&tSoogt  baS  ©erid&t  f»elt.  ©d^on  ju 
&bjeiten  griebrid&S  warb  biefer  Stifter  aber  burdfc  jwei  beififcenbe 
Sat^inänner  beaufftdfjtigt,  unb  nofy  wetyrenb  beS  Interregnums  ober 
balb  nadlet  würben  bie  meiften  faiferlid&en  einnahmen,  aud&  bie 
Setid&tSgefälle,  auf  befiimmte  Summen  feftgefefct,  bie  in  33aufd(j  unb 
Sogen  einmal  jäfjrlicl)  bejaht  mürben,  wie  griebrieb  eS  ftd^  für  bie 
3Run|e  j$on  auSbebungen  ^atte.  @S  madfjte  ft<$  baS  um  fo  leidster, 
als  geroö^nti^  bie  Beamten  auf  bie  abgäbe  ober  einen  3$eil  ber* 
fetten  als  ©eljalt  angemiefen  waren.  SÖlit  ber  3a^ung  in  einer 
Summe  fiel  aber  bie  Aufteilung  ber  Beamten  von  felber  weg,  unb 
nur  berf  übrigens  emflu&lofe,  ®eridf>tSoogt  blieb,  benn  an  feiner 
$erfon  haftete  bie  Qbee,  bafc  er  ben  fiaifer,  ben  Stifter  über  Selb 
unb  Seben,  vertrete. 

flömg  Sdubolf  fnüpfte  in  allen  feinen  SftegierungS^anbtungen 
unmittelbar  an  griebri<$  II.  an,  ben  er  als  feinen  legten  gefefc* 
naftgen  Vorgänger  betrachtete.  2BaS  griebridfj  II.  nad&wetSlidfr  oer* 
tiefen  babe,  erflarte  9hibolf  überall  betätigen  ju  wollen.  21m  mei* 
to  Ratten  bie  geiftlidjen  gürflen  unb  bie  ©täbte  bei  bem  gefefclofen 
3#anbe  beS  9teid(jeS  gelitten;  bie  lederen,  namentlich  bie  rljeimfd&en, 
(lütten  ju  wieber^olten  3Men  auf  einen  einmütig  gewallten  Äönig 
gebrungen.    8n  fie  ergeben  ba^er  oorjügtidd  beS  neuen  Siegenten 


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128 

austreiben.    ©a&  neben  ben   altem  norbbeutfd&en  SReid&Sftäbten, 
©oSlar,  aRfifclljaufen,  SRorbljaufen,  baS  jüngere  ££übed  bereits  eben* 
bürttg  bajlanb,  mufcte  Äönig  9tubolf  balb  funb  werben.    @S  tonnte 
ü)m  baS  fd&on  $erjog  3lbred>t  II.  non  ©ad&fen*9Btttenberg  fagen, 
beffen  gleichnamiger  Sater  SübedtS  ©d&trmoogt  gewefen  war,  unb 
ben  ber  Äönig  nod)  in  Slawen  unmittelbar  na<$  feiner  Ärönung 
burdfr  bie  ipanb  feiner  £od&ter  %teS  ju  feinem  ©d&wiegerfofyt  ge> 
mad&t  $atte.    2lm  28.  «April  1274,  ein  falbes  3a$r  na$  feiner 
Ärönung,  forbert  ba&er9tubolf  Sübedf  jur  §uttogung  auf,  benn  na<$ 
Äaifer  gtiebrid&S  Sßrurilegium  foHte  bie  SieidfjSftabt  feine  ©eifceln  für 
tyren  ©efcorfam  ftellen,  wie  fie  nocfc  gegen  Äönig  SBalbemar  gefym 
fyrtte,  fonbern  ber  bloße  @ib  ber  Xreue  foOte  genügen.    S)en  ©rief 
überbringt  beS  Äönig«  Setter,  ©raf  §einri$  non  gttrftenberg.  2)aS 
©d&reiben  enthält  jugteidSi  bie  gorberung  einer  befonbem ,  au$  wm 
anbern  9teid&Sfiäbten  geleiteten,  jur  (Spaltung  beS  SRetd&Sregiment* 
auferlegten  SBebe,  I)ter  wo#  einer  ÄriegSjleuer,  unb  fagt,  falls  biefe 
gejault  unb  bie  §utbigung  gefd&efjen  würbe,  SJeftätigung  aller  frülje< 
ren  grei^eiten  ju.  @S  erfolgt  bann  balb  eine  ©nlabung  $m  erften 
$oftage  beS  Äönig«  auf  3Rartini  in  Nürnberg  famt  einem  ©<Wp 
unb  ©eleitbriefe  für  bie  batyn  Slbjuorbnenben.12)    Stte  ©tabt  etf' 
fanbte  jwei  gewiegte  alte  Sftat&männer,  £errn  fyixvAä)  ©tenefe,  ben 
triel  toeifen  2Jtann,  wie  Ü>n  unfre  Sftat^matrifel  nennt,  unb^o^awi 
SRöndjj,  beibe  audj)  fonfl  in  auswärtigen  ®efd>äften  oielfac^  gebraust 
SBon  bem  ©rfieren,  $inrid^  ©tenefe,  jie^t  ftd&  ba^er  bie  ©age  butdjj 
unfere  Gtyronifen,  bafe  er  fd&on  weilanb  als  SJote  ber  ©tabt  §u  Äaijer 
griebrid&  II.  gefanbt  unb  barum  fpäter,  als  ft$  in  ben  3a$ren  ber 
Unjufrieben&ett  mit  ShtbotfS  ^Regiment  audfc  in  Sübedf  ein  Setrftger 
für  ben  wiebererftanbenen  Äaifer  griebrid^  ausgab,  im  ©tanbe  %t* 
wefen  wäre,  na<$  feiner  Äenntnife  uon  beS  verdorbenen  Ättifer« 
©eftd&tSjttgen  ben  gälfdf>er  ju  entlaroen.    3Uif  ben  von  ber  ©tobt 
Stoten  bem  ntntn  Aönige  geleiteten  $ulbtgungSetb  verbrieft  er  auf« 
neue  U)re  9ted&te  unb  gretyeiten  am  9teid&,  namentlich  bie  S^f^ 
fie  niemals  oom  Sdeid^  ju  entäußern  ober  ju  oerpfänben,  unb  jid&etf 
\fyc  aus  befonbern  ©naben  ju,  baß  ber  ©d&mmwgt  tyr  nur  mit  tyrem 
SBeirat^e  gefegt  werben  foße.13)    @S  ift  baS  nun  fretfufc  wo$t  ni# 
als  befiimmteS  SSerfpredjfen  ju  nehmen,  baß  ber  Äönig  ftd&  <m  ben 


")  öbenb.  I.  ©.  325  fg. 
")  9btnh.  I.  6.  381  fg. 


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129 

Staubet  ©tobt  hinten  will,  aber  t&  erljettt  bodfj  einmal  barauS,  rote  frei 

&6ientmaber©tabttn}roifdf)en  geworben  war,  unb  anbererfeit«,  rote 

SWWf  audj  Ijier  oerftönbtg  unb  einfid&täooll  junäd&fi  ba«  erregbare 

afagte.  (§x  fal)  in  ben  ©tobten  eine  ©tüfce  feiner  föniglid&en  2Jtod&t, 

mrnnävS)  aud&,  infofem  fte  Ujm  jur  Sfteid&Soerroaltung  unb  SfteW&S* 

befriebung  bie  nötigen  ©inna&mequellen  boten ,  roetd&e  t>on  anber** 

wfyx  bem  SReid&äoberfyropte  nur  nod>  fparlidE)  jufloffen.  2Btr  roiffen, 

tafc  er  mele  Stabte  burdfj  ftarfe  auflagen  in  9tnfpru$  genommen 

\#f  ae&Iplb  au<$  gegen  ba«  @nbe  feiner  Stegierung  gerabe  in  ben 

Starten  feine  Popularität  abnahm,  unb  mandfje,  roie  Solmar  u.  a., 

14  bem  falfdjen  griebri^  juneigten,    erfahren  mir  bod^  fogar  aus 

fehen  eignen  ©tiefen,  bafi  er  £  be8  $anbel$capital«  oon  ben  Äauf* 

fatten,  ^V  ber  ipabe  oon  ben  ©ärgern  ber  SReü^fläbte  geforbert  Ijabe. 

6elbjl  in  norbbeutfd&en  9teid^ftäbten ,  j.  33.  in  SWü^aufen  unb 

Stttyaufen,  ftanben  barum  bie  SBürger  auf  unb  brauen  bie  Steidfja* 

tau«.  3«  fiäbed  mar  nadjj  bem  ftrüljergefagten  feine  f  öniglidjje  93urg 

PIBftfeen.  SBir  finben  audjfonfi  feine  ©pur  irgenb  eine«  3erroürf > 

»HJttiiiferer  ©tobt  mit  Stubbtf,  obfd&on  fte  bie  ftarfe  SSfofpannung 

iorfefcfrafte  ferner  empfunben  fjat.14)  ®a«  ift  o&ne  grage  jum 

m  mtferet  eigent&ümltdjjen  jiäbtifd&en  ©ntroidtelung  unb  unferer 

ftfommg  pijufd&reiben,  —  Stubolf  bejeid&net  unfere  ©tobt  felbft 

foul,  ba  er  fte  bem  weiteren  ©d&ufc  be$  Äönig«  SÄagnu«  oon 

Xmiegen  empfiehlt,  ate  eine  t>om@d(joße  be&  SRetd&e«  abgelegene15) 

— ,  «ber  es  bejeugt  bod&  aud&  ba«  gute  @im>eme$men  unfere«  ©tabt« 

«9taent£  mit  bem  Äönige  unb  bie  3Räfjtgung,  weld&e  er  bem  für 

ta  Korben  be«  9tetd&8  fo  bebeutenben  ©emetnroefen  gegenüber  fid& 

«Wegte.   ©o  l>at  er  benn,  roa*  auf  Orunb  früherer  ^rei^eitöbriefe 

ty  bur^  ba«  #erfommen  bei  un«  in  ben  oovaufgegangenen  Safjr* 

Jurten  au$gebilbet  ijatte,  burdf)  feine  ©eftätigung  fanetionirt,  .roie 

wwfcnltdj  bie  tunbe  SW<^lag«ja^lung  ber9tet<fy8gefäHe  mit  750  ## 

H  jifclid),  etroa  10,000  n#  nadjj  heutigem  ©elbe,  eine  für  ba* 

*nffi|e  immerhin  bebeutenbe  Summe;  Slnbere«,  roa«  bie 

äRadfrifieflttng  Sübedte  ju  forbem  fd&ien,  $at  er  §injuge* 

{■&  wt  allem  bie  Berufung  ßftbedte  ju  ben  Stetd&Stagen,  bie  bei 


■)  (t&eub.  I.  @.  499.  —  O.  fcotenj  IL  ©.  392  fte&t  in  bem  auftreten  eine« 
MPt*  Sriebrid)  and)  in  Sfibetf,  getoifj  mit  SRed>t,  eine  fBtrflimmung  bet  niebern 
VhptMaft  gegen  »nbolf«  SRajjregfln. 

*>  Hb.  tttf.'©.  L  6.  331.  497. 

Seittot.  f.  SÄ*,  öcfdj.  8*.  3  $eft  1  9 


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130 

tym  mehrmals,  bei  bcn  folgenben  Äatfem  immer  häufiger  twrfommt. 
Uttb  fdjließlid&  bttrfen  wir  unter  biefen  Seweifen  föniglid)er  9luS* 
jeidjnung  bod)  gewifc  aud)  benun«  Itferbefonber«  interefftrenben  Uw 
ftanb  ermahnen,  bafe  er  ben  am  24.  SRärj  1287  ju  bem  offenen  $ofe  in 
ber  9teid&«t>erfammlung  ju  SBürjburg  auf  brei  3a$re  neu  befötoore* 
nen  Sanbfrieben  auä)  nad&Sübeä  jur  Sftadjad&tung  fanbte.  ©elbfi^ 
t)erftänblid&  ftnb  bie  Ausfertigungen  beffelben  an  triele  9tetd&«fürften 
unb  auä)  9tet<i)«fiäbte  ergangen;  djarafterifUfdj  bleibt  e«  aber  bodj 
immer,  bafc  bie  beiben  einzigen  Originale? emplare  biefe«  Sanbfrieben« 
fidj  nur  nod)  in  Söln  unb  in  Sübed  finben.16) 

©o  mar  ßübed  benn  burd)  feine  ©efd^te  ni$t  minber,  al« 
burdjj  grei^eiten  unb  Verleihungen  be«  3tetdj«oberljaupte«,  bie  be* 
fonbere  aufgäbe  gejieHt,  an  feinem  3$eit  jur  Slufre^t^altung  ber 
Drbnung  unb  be«  ^rieben«  mttjuwirten.  ©eljen  mir,  mie  eS  biefe 
Slufgabe  töfte. 

Sübeä  trug  natürlid)  juerfi  ©orge,  bie  eigene  ©tabt,  ba«  ©ebiet 
berfelben  ober,  mie  man  bamat«  fagte,  bie  ©tabtmarl  ober  gelbmarf 
ber  ©tabt  unb  bie  fdjtffbaren  glüffe,  an  benen  fte  fag,  ju  befrieben. 
£)er  erfle  Stritt  baju  mar,  fidt)  ben  uneingefd&ränften  SSefife  be« 
©ebiet«  ju  ftd&ern,  biefe«  möglid&fi  ju  erroeitem  unb  abjurunben, 
bie  ©d&iffatjrt  oberwärt«  unb  unterhalb  ber  ©tobt  frei  ju  erhalten 
unb  allein  ju  be^errfdjen.  SSottfiänbig  unb  bauernb  erreid&t  ^at 
ßfibedf  ba«  alle«  erft  im  folgenben  3faljrf)unbert,  aber  in  ben  ©runb* 
jttgen  finben  mir  e«  fd&on  in  ben  älteflen  Sßritrilegien  angebeutet 

Unfer  ©ebiet  ift  freiließ  feit  jtemlidf)  alter  3*ü  baffelbe  geblie* 
btxif  Ijat  aber  bod>  nidfjt  gleich  bie  ooHe  3lu«be^nung  gehabt.  SJei 
ber  natürlichen  Stiftung  Sübecf«  auf  bie  ©ee  finben  mir  e$  nadfj 
Sorben  juerfi  erweitert,  mo  iperjog  §einri<^  e«  bis  ©ämfd&burg 
au«beljnt,  wä&renb  Slltlauerljof  unb  QfraelSborf  ©örfer  im  SSefifce 
lübedftfdfjer  ©ürger  ftnb.  9la$  ©üben  bagegen  enbigt  e$  bamal« 
beim  iporgenberg,  nalje  an  aWarty.  SRad»  äßeften  ifl  bie  ©renje  faft 
am  £olfleintl)ore,  mo  Äönig  SBalbemar  bid&t  an  ber  $olfieinbrü<fe 
Sänbereien  anweifi,17)  bie  für  bie  heutige  Sftobbenfoppet  gelten.  @rjt 
burdjj  griebridj  IL  erhielt  bie  ©tabt  ^ier  bie  ©tredfe  oon  ettoa  Sßabe* 
lügge  bi«  £rem«.  S)od^  fd&on  1230  werben  bie  ©renjen  gegen  ba« 
bamalige  93i«t§um,  jefct  prjUntijum  SRafceburg  auf  ber  2Bafenifcfeite 


")  Sommer,  [Reg.  fftuhotft  ©.  135. 
")  2&fc.  Urf.*©.  I.  @.  32. 


Digiti 


zedby  G00gk 


131 

fo  fejigefefct,  wie  fie  nodfj  jefct  ftnb,  unb  in  ber  3eit  Stubotf«  von 
£ab£burg  fxnben  wir  fafl  bie  fämmtlid&en  ©tabtbörfer  genannt,  bie 
Ijeute  innerhalb  unterer  £anbwel)r  liegen.  2öa3  ber  ©tobt  nidjt 
gehörte,  war  bifd&öjlidfj,  unb  über  unfer  SBeid&bitb  hinaus  befa&en 
ber  Sifd&of  ober  lübedtifd&e  Stiftungen  unb  balb  aud&  Sßrioatleute 
naf>e  angrenjenbeS  ©ebiet,  ba£,  obfd&on  nidfjt  eigentlich  ftäbtifd&eä 
©gentium,  bo<$  in  natjer  SBejietjung  jur  ©tabt  ftanb  unb  benjelben 
red&tltd&en  3Serf>ältniffen  unterlag.  @o  fjat  au£  ber  aUernädjften  9läl)e 
unterer  ©tabt,  bie  ofinebieS  audfj  walbbebedft  war  unb  erft  burd)  bie 
fleißigen  ipänbe  ber  fädjfifd&en  unb  friejifd&en  Slnfiebler  bebaut  warb, 
ber  befifcenbe  Slbcl  weisen  müjfen.  Äaum  nodj?  tauten  tarnen 
ritterlidjer  gamilien  auf,  bie  fidfj  nadj  ©rempelsborf,  nadfj  sJQ?oi£ling 
nennen,  länger  erfdjeinen  Ferren  t>on  ^abelügge,  bie  aber  fdjon 
1247,  als  Sßabelügge  unb  SrempelSborf,  beibe  je  ein  fädjftfd&eS  unb 
ein  flauifd&eS  S)orf,  von  ben  ©rafen  von  ipolftein  ber  ©tabt  uerfauft 
werben,  bort  nid&t  meljr  anf äfcig  ftnb.  SDaS  faifertidEje  Sßrttrilegium 
verbietet,  im  ©tabtgebiet  Stürme  unb  S3efeftigungen  ber  2trt  anju* 
Uyn,  unb  nur  eine  bunfle  Äunbe  rebet  oon  ßerftörung  einer  folgen 
ge}U  ber  aon  Sßabelügge.18) 

öegretflic&erweife  mufften  bie  Sübedfer  früfje  für  bie  Befreiung 
üjrerglüffe  audl)  au&er&alb  tfjreä  ©ebieteS  forgen.  Sftodjj  t>or  SÄubolfö 
Zote  erwarben  fie  baS  ganje  glufc  unb  Ufergebiet  ber  äöafnifc, 
bie  i^nen  für  i^ren  3Rülj{enbebarf  fo  wtd&tig  war.19)  S)a8  Ufer  ber 
Xxavt  t>on  ber  olbeSloer  33rüdte  bis  jur  3Münbung  fid&erte  litten 
Äaifer  griebridf)  Stot^bart,  fein  ©nfel  fügte  ber  SBeftätigurtg  bie 
ßlaufel  ^inju,  ba&  oom  Urfprung  ber  SEraoe  bi£  jur  SWünbung 
auf  jmci  SReilen  von  iljren  Ufern  feine  93urg  gebaut  werben  fofle, 
unb  gab  ber  ©tabt  ben  Sßriwatt,  bamate  nodf)  eine  SnfeL  3)erfelbe 
wollte,  toie  wir  por^in  fatyen,  ba&  im©df)loffe  £rat>emünbe  nur  ber 
©djimwogt  walten  fotte,  ber  über  Sübedt  felbfl  t>om  SHeid^e  gefefet 
wäre.  2113  bie  Sübedfcr  1247  bei  juneljmenber  Verwirrung  im  9teid& 
bwcä)  einen  förmlichen  Vertrag  ben  ^otfteinifd^en  ©rafen  biefen  ©d&irm 
©ertrugen,  ließen  fie  ftd&  bie  bciben  gäfjren  über  bie  £rat>e,  ju 
Xaroemfinbe  unb  jur  $errenfä$re,  bamalS  mit  gletd&bebeutenbem 
Sternen  @obemann£lju£  genannt,  fowie  ©tabt  unb  ©djlofc  SCraoe* 
«btbe  verlaufen  auf  fo  lange,  atö  bie  ©rafen  ©d&irmoögte  fein 


M)  «fcenb.  I.  e.  121,  IL  ©.  4. 
w)  (Sbtnb.  I.  ©.  520  ff. 

9« 


Digiti 


zedby  G00gle 


132 

würben.*0)  2113  ft$  bie  ©tobt  um  bcn  griebenSbrudfj  be3  ©rufen 
Qo^ann  beim  furnier  ju  Sßettjnadjten  1261  mit  ^otftein  erjürnte, 
verlor  fte  Xravemfinbe  tvieber.21) 

Sfter  bie  ßfibedfer  verfolgten  bel>arrltd(>  i^ren  Qxotd  unb  ge> 
langten  enblidfj  im  anfange  be3  näd&fien  Sa^unbert«  ju  bauembem 
SBefxfee  be«  ©täbtd&en«,  be8  £ljurm$  unb  ber  p^ren  unb  matten 
bamit  audfj  ben  nrieberfjolten  SSerfud^en  meflenburgifd&er  unb  l>ok 
jieimfdfjer  Ferren  unb  Sftttter,  vom  spritvall  au$  bie  ftravenmünbung 
ju  fperren  unb  §u  befd)a$en,  ein  @nbe.  3**  gfeidfjem  3roe*e  Ratten 
fte  fd&on  roäbrenb  be«  Interregnum«  bie3erpörung  ber  33urg  Stoff  oto 
burdjgefefct") 

SHeS  tfjr  ©ebiet  befriebeten  benn  bie  Sfibedfer  von  Anfang  an 
mit  aller  ©nergie  fraft  be£  tljnen  fd&on  von  Äaifer  SRotybart  gegebenen 
SledfjteS,  jeben,  ber  tyre  ©tabt  innerhalb  ober  tyre  SWarf  aufeer^alb 
ber  S^ore  in  tljren  ©renjen  mit  ©dtföffern  ober  gfeften  ju  fperren 
ftcf)  Herausnahme,  getvattfam  ju  vertreiben  unb  i^rc  3Warf  ju  be* 
freien.  @£  gefdfjat)  ba$  freilidj  nodfj  lange  unter  Autorität  be£  ben 
Slutbann  unb  bie  Äönig^ad^t  vertretenben  fatferltd&en  ©erid&t$vogt& 
3)a  aber  biefer,  wie  gejeigt,  balb  gan§  vom  SBiUen  beä  Statte«  ab* 
&ing,  fo  finb  bieienigen,  tveldfje  bie  SWarf  fäubern  unb  fd&onungSlo* 
jcben  $riebebred&er  vor  ba«  ©eridjt  be«  Sogt«  jiefien,  eben  nur  bie 
Statljmänner  unb  beren  Beamten.  Sßie  ber  faiferlid&e  Stifter  SJogt 
Reifet,  fo  führen  audfj  bie  beiben  beiftfcenben  9tat§männer  ben  %itd 
©erid&tövögte,  b.  i.  Ferren  be£  ©eridfjt«.  Unb  bie  fpäter  fogenannten 
9ttarjlallsl)erren  ober  Ferren  be«  SanbgertdfjtS  ^eifeen  3Jtarhnefter 
ober  SRarfvögte,  weil  fie  für  bie  ©idfjerung  ber  ©tabtmar!  forgten. 
3a,  bei  ber  SBetveglidfjfeit  be8  SRamen«  Sogt,  f)it$  audf)  ber  anführet 
ber  ftöbtifd&en  ©ölbner,  ber  fpätere  3Karfd&att,  Sogt,  tttriberooget, 
nad&  feinem  2lmte,  mit  ben  SReifigen  bie  3Jtarf  ju  bereiten.  S)cnn 
fdfjon  frity  brauste  bie  ©tabt  ju  biefem  ©efdfjäfte  einen  ritterttd&en 
2Wann,  ben  fte  gut  befolbete,  ba|er  benadfjbarte  Stbettge  ftdfj  gern 
baju  melbeten.  @r  erhielt  80  rnfc  lüb.  Pfennige,  nadfj  unferm 
©elbe  bamal«  nod&  über  1000  n$,  aufcerbem  Äleibung  unb  83er* 
gütung  für  feine  SBo^nung.  SBenn  bie  teuere  nur  auf  io  mfc 
jä^rlid^  augefd&lagen  wirb,  fo  betveift  ba*  fd&on  bie  $itye  beS  @e* 


*>)  (5&enb.  I.  ©.  120.    fflgl.  @.  66. 

")  ©rautoff  I,  140. 

»)  «üb.  Url.^.  I.  ®.  245  fg. 


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zedby  ObOgle 


133 

$altS,  roeldje«  unfer  Äanaler  Sltbred&t  oon  »arberoif  mit  Orunb 

teilen  6olb  nennt,  benn  her  Äanjler  felber  erhielt  nur  bie  &älfte, 

40  w#.23)     „$e  $ooetman  bct  folbere,"  jagt  er,  „be  nm$  miS, 

Eütabl$  unbe  föne,  §e  Ijeet  Sroan  t>an   betne  ©rummenbpfe  ut 

btm  lanbe  t$o  $olften,  beme  gaf  be  ftat  t^o  ßubefe  rtfen  folt"24) 

Sie  bie  ß&ronif  biefen  ^olfteiner  als  führten  Wann  oeraeidfjnet 

Ijat,  fo  berietet  fie  ein  3a$r  por^er  von  einem  „frommen",  — 

wir  mürben  fagen,  modern  —  Sogt  ber  ©tabt,  Stau«  ßinboro,  melier, 

ate  er  im  äBenbenlanbe  ju  fteinben  ber  ©tabt  ritt,  im  2)orf  ßuboro 

beim  @ffen  burd^  einen  tü<f  ifd&en  Äned&t  oerratyen  warb.    „S)e  oianbe 

guemen  eme  bar  fiarfe  uppe  bat  lif  unbe  flogen  ben  oog^et  unbe 

enen  finer  brober,  barto  mol  16   orome  fnapen."25)  ebenso  fiel 

ßrummenbgfö  SRadrfolger,  ein  3Reftenburger  oon  ber  nodj  iebenben 

gamitte  £al)tt,  irier  Sa&re  fpäter,  1301,  als  er  in  ber  ge^be  mit 

fcerjog  Otto  oon  ßttneburg  bie  im  lübedtf<$en  ©ebiete  raubenben 

unb  brennenben  Süneburger  mit  lübeder  bürgern  ju  Sßferbe  unb  ju 

güfe  oor  Stetnfelb  ereilete.    „2)o  be$  l»ertogl)en  manne  quemen  bi 

Smbbenborpe  (auf  ber  DlbcÄloer  ©trage),  bo  wart  en  to  roeten,  bat 

be  €tou>el*brug$e  roa$  toroorpen,  bar  fe  ooer  fdjotben  (an  ber 

SWnbung  ber  #eil8au  in  bie  ftraoe).    S)ar  morpen  fe  umme,  bo 

fe  ni$t  ane  fif  funben  fomen  uter  bmeng^e."    S)er  Sogt,  mit  ben 

SWfigen  t>orau£,  wartete  bo«  na^Iommenbe  gufjoolf  nidjt  ab  unb 

roarb  mit  änbern  erfragen.26)    2)er  nä<$fte  Sogt  mar  gletdtfattä 

ein  mettenburger  Änappe,  9Ucolau3  von  §arfenfe.27)     Ueber  feine« 

9to#>lger3,  Satte  Sonrab,  2$ätigfett,  finbet  ftdj  eine  alte  2tofjeid)* 

mmg,  weldje  ein  anfd>auU$e8  SJilb  von  bem  raftlofen  Umtyerreiten 

beÄSogtö  jur  Säuberung  ber  ßanbftrafcen  unboon  ber  furjen  ejem* 

plariföen  3ufltj  giebt28)    ©8  Ijeifct  in  berfelben:  3m  erften  Qa^re, 

ba  ber  Heine  (Sonrab  ju  3of)anni8  Sogt  warb,  würben  ju  Sacobi 

taei  Uebelt^ater  bei  ßangenfee  (b.  i.  bei  bem  ©^roarjmitytenteid) 

na|e  6$lutup)  getöbtet.    S)arauf  a$t  $age  nad)  3Kariä  §immel* 

Wrt  (15.  2lug.)  erfcfjlug  er  jroei  beim  ©d&mertn,  bie  jur  9ta<i)tjeit 

ein  $ferb  auf  ber  Söeibe  geflogen.    3u  SWid^aelia  warb  ein  93öfe- 


")  «benb.  IL  6.  1077  fg. 

*)  Örauioff  L  413. 

*)  Gbenb.  L,  171. 

n)  (tbenb.  L,  17  fg. 

")  Mb.  Urf.*8.  IL  6.  163. 

*)  «tob.  IL  6.  351  fg. 


Digiti 


zedby  G00gle 


134 

roüfjt  ju  ®$lulup  erfdjlagen,  ju  SßeÜjnadjten  in  ben  3wölften  jtoei 
bei  bcr  3Wartin£müf)te,  ebenfalls  an  ber  meflenburger  ©renje.  3U 
gaftnadfjt  barauf  warb  einer  beim  ©d&roertn  erfölagen,  ju  ^flngfien 
ein  3ube  beim  $org$enbamm  (bei  SRarlt)).  darauf  im  jroeiten  3a^t 
adjt  Sage  vox  2Wt<f)aeli«  töbtete  et  brei  beim  fleinen  ©<$roerin  (roo 
jefct  bie  £armonia  liegt).  S5iefe  Ratten  brei  Sßferbe  jur  SRad&tjett 
t>on  bcr  fd)önböfener  2Beibe  geftotylen  unb  waren  beim  $aufe  be* 
©reimten  (beim  ©nfebet)  über  (bie  Sraoe)  gef<$roommen.  ©ie  waren 
ScgteUcr  be8  Sofjann,  genannt  Äerl.  gu  gaftnaäjt  äroei  beim  §ofe 
be«  aftönd)  SubertuS  jenfeit  ©trefeni|  (roaltfdjemlid)  3Jtönfl)of  ge* 
meint).  ©iner  t>on  tyntn  mar  ber  ©djenfroirtf)  von  ga^renborf 
(gafjrenfrug  bei  ©egeberg),  ber  jroeite  Äebing.  9ldjt  Sage  *>or$alm* 
fonntag  warb  barauf  einer  beim  fieinemen  Ärcuj  erfragen.  3m 
britten  Sahire,  acfjt  Sage  nadj  SßatpurgiS,  jroei  bei  ber  Sergerntüljle 
(hinter  ©todfetSborf).  ©iner  mar  ber  ©djenfroirtt)  non  ©arau.  5Der 
britte,  Sßuffabe,  entlief  unb  warb  in  @utin  gelängt.  Sierjefin  Sage 
nad)  Qacobi  (Anfang  Slugufi)  roarb  in  ©erlin  (an  ber  ©egebetg* 
eutiner  Sanbfirafee)  Jpinridj  ©min  getöbtet,  uierje^n  Sage  nad> 
SWid^aeltö  jroei  bei  $an3felbe,  tnerjefjn  Sage  nadj  SWartini  n>atb 
Äempe  in  Gurau  erfragen.  3)ie  nä<$jte  gafinadjt  roarb  Sofymn  Ättf 
felber  mit  einem  ©efetyrten  am  Sa<$  ©trefentfc  erfragen.  5Datau$ 
über«  3>a§r  ju  gaftna<f)t  erfölug  ber  Sogt  brei  beim  ©d&toerta. 
9lu<f)  ritt  er  an  ben  $of  be8  ^ermann  t>on  2Bter$robe  unb  na^m 
jenen  SRaubem,  roeldje  auf  ber  Sraoe  raubten,  bie  ©tiefel  unb  Akt* 
ber  roieber  ab,  unb  jroei  mürben  bei  SremSbüttel  erfragen,  Seien* 
fCet  unb  fein  ©enoffe.  Slud^  naljm  er  ifjnen  brei  ^Jferbe.  5De8gleid>en 
warb  einer  in  iperrenrotf  erfragen,  einer  auf  bem  SorneteSftlb 
(vox  bem  Surgtf)ore  beim  Sreibetftteg),  ber  Ijief*  ©unne,  unb  feine 
grau  warb  in  ber  ©tobt  getöbtet,  brei  entliefen,  Äleiber  unb  ®db 
warb  in  ber  ©tabt  roieber  genommen,  lieber  ben  gebauten  $ermamt 
von  2öier3robe  Reifet  eS,  ber  Sogt  fyabe  fu$  noi)  nid^t  roieber  mit 
ii)m  gefügt.  ©8  roar  bieg  aber  ein  angefe^ener  Slbliger  ber  gamilie 
Sratau,  bei  Otbeöloe  angefeffen  unb  ein  l»en>orragenber  SRann  in 
bcr  SajaHenfdjaft  ber  ©rafen  t>on  <polftein*$ßlön.  9Wo$te  er  nun 
9ted)t  ^aben,  über  ben  Sogt  fi$  ju  befdjroeren:  jebenfafl«  gehörte 
ber  getöbtete  in  SremSbüttel  anfäffige  Seienflet  bemfelben  HbelSfretfe 
an,  unb  aud)  ©roin  ifi  ber  9tame  einer  ritterlichen  gamilie  §oV 
fteinS,  für  beren  Serroanbte  bie  nod>  jefct  lebenben  v.  dualen  gelten 
bie  einen  ®<$roem&  ober  Sberfopf  im  Sappen  führen. 


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135 

®8  fxmbelt  fiä)  bei  btefem  Scripte  übet  bie  2$ätigfett  be« 
SogteS  Sütfe,  wie  man  fte^t,  nur  um  einfache  Räubereien,  $ferbe* 
WÄjtai)l  u.  bgt.  ©Flimmer  warb  bie  Sage  ber  ©täbter,  wenn  fid) 
ni#  nur,  wie  §ier,  einzelne  Slbeltge  babei  beseitigten  ober  bie 
£ejjfer  abgaben,  inbem  fie  ü>re  geften  ben  gtüdjtigen  öffneten,  fem* 
bent  wenn  ein  angesehener  ritterlid&er  SWann  ber  p^rer  warb,  eine 
ganje  gamtlie  ber  ©tabt  abjagte,  ober  ber  umliegenbe  Sttbel  ftd)  ju 
Seiottttt^atigfeiten  oerbanb.  2Btr  werben  un8  aber  bod^  tyüten  muffen, 
Wejeä  alles,  etwanadj  bem  geläufigen  2tu8brude  beS  Slaubrittert^um^, 
unter  einen  ©eftdjtöpunft  ju  bringen.  S)a  ber  äbel  ba«  äBaffen* 
re$t  ^atte,  fo  galt  au<$  bie  gef)be  in  ben  gefefcmäfcigen  formen  für 
leine  Stedjtöüberföreitung,  nur  für  eine  anbre  ärt  Ärieg.  @rfi  mit 
Stdefcung  jener  formen,  alfo  j.  S3.  burdj  plöfelid&en  Slnfatt  oljne 
Sfriage,  burefc  9lü^tein^altung  ber  von  Sftubolf  wieber  erneuten  33or* 
förift,  brei  Sage  bis  jum  beginn  ber  wirftid&en  geinbfeligfeit  ju 
warten,  burd>  9ttdjtbead)tung  oon  SEBaffenftiUftänben  ober  befonberen 
ättoetträgen  warb  ©ewatttyätigfeit  jum  griebew&brud)  unb  rief  Sltjn* 
to»8  fcroor.  gatt«  ©enugtyuung  uerweigert  toarb,  brauten  bie  39e* 
tarnen  ben  §anbel  oor  baö  6riminatgertdjt,  unb  ber  griebens* 
fotjer  warb  geästet,  b.  1).  innerhalb  beS  ©eridjtöbejirteS,  in  unfe* 
«m  gatt  alfo  in  Sübed  unb  ber  ©tabtmarf ,  friebeloS  gelegt.  2Bir 
Wi|en  nod)  mehrere  fotcfjer  2led)tung3auf  jeid&nungen  aiu8  ben  legten 
Soften  von  Äaifer  griebridjs  IL  Regierung  unb  au8  bem  Interregnum, 
w  benen  unter  Sorjifc  beä  Sogt«  unb  S3eiftfe  ber  beiben  Rat^männer 
«n  öffentlid^er  ©ingftätte  im  Seifein  be«  Äläger«  unb  feiner  33or* 
forafen  (ober  Sboocaten)  unb  twr  namenttid)  als  3*ugen  aufgefüllt 
tei  bürgern  eine  ganje  Steige  Slbetiger  unb  i^rer  Segleiter  wegen 
jnoaltt^atiger  ^Beraubung  unb  £obtf#lag  in  bie  2ldjt  getrau  wer* 
tat'*)  äufeer  oielen  auSgeftorbenen  ©efd&tedfjternamen,  oon  giffau, 
*m  6egeberg,  von  ^oggewifd),  twn  £ralau  u.  21.,  werben  ein  9te* 
fcntloro,  &ilbeleo  SJrofborf,  oor  allen  3)etlet>  unb  $tmmo  SBudjwalb 
wti>  tyre  SBerwanbten  aufgejagt  Begleiter  fmb  if)re  ©orffdjutjen, 
togwHrt^e  unb  Änedjte,  bie  jum  2$eil  als  ben  Sürgem  nur  ju 
Wwmte  Äerle  mit  üjiren  ©pifcnamen  auftreten :  ber  Äaljle,  ber  ein* 
fcgiae  ©ifk  (©iftu8),  ber  fdjwarje  $elmretd>.30)    ®btn  fo  malertfö 


*)  «taub,  in.  6.  3  ff. 

*)  3«  ioo  3afcr  foäter  aufgemalten  ©ergefdjnlffen  au«  ber  3eit  ber  ftoW 
*%»  Serben  mit  Qraf  ©erwarb«  bet  ©regen  §tynen  femmen  nodj  anfd^auli^ere 


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zedby  G00gk 


136 

fhtb  bie  Sflegifter  bcr  geraubten  ©adjjen,  roeldfje  in  intern  bunten 
©urdfjeinanber  ben  plö|Udf>en  Stafatt,  ba3  9liebern>erfen,  ba3  ©idfj* 
wehren  ber  bewaffneten  Bürger  unb  tyrer  ©icner,  baS  Sluffd&lagen 
ber  fiiflen  unb  Äaften,  2)urd(jftöbem  ber  gelietfen,  ja  baä  ©urdf)* 
wühlen  ber  £ofentafd()en  un&  t>or  bie  Äugen  bringen.  Stte  Seraubten 
geben  als  geflogen  ju  Sßrotofoß:  einen  2Bagen,  Sßferbe  mit  Sattel 
unb  $avmt  ©d&tad&ttriel),  gleifdf),  $üt)ner,  ©er,  £äute,  fed&äjeljn 
©Linien,  ad^t  ©pedfeiten,  ein  ©d&iffpfunb  ©etf  e,  brei  Siegpfunb  ©d&weme* 
fd&malj,  Äietber  aller  2lrt,  Äapujen,  grobem  %u$t  Ärämergut,  ©erofirje, 
filberne  ©pangen,  ßleinobien,  ©ürtel,  Sanjen,  ©djjroerter,  3Keffer, 
Seile,  ©d&Utffel,  Surfen f  §anbfd&ul)e,  Rauben,  Sinnentüd&er,  83ett* 
tüd&er,  93abetüd&er,  ©tiefet ,  Äifien  unb  ßoffer,  Sinen  unb  £öpfe. 
S)en  SftatljSljerren  2töplan  unb  ^orban  nehmen  fie  tyre  SWarberpelje 
unb  jroei  SRegenfleiber  unb  gelle,  bem  ©teuer  beS  ©d(ju>iegerfol>nS 
be£  &erm  $oijer  von  SBarbenrif,  ber  eine  Äul)  treibt,  biefe  unb  bem 
SHener  2  (i;  bei  3oenborf  nimmt  £>etlet>  von  Sudjroalb  tner  Safi 
gering  unb  bem  SHener  be£  ÄaufmannS  l  fJ  unb  für  einen  ©d&itting 
Sßerty,  baju  ^olfier,  Äiffen  u.  f.  ro. 

2)aS  33erjeidj)nij$  fdjlie&t  mit  einer  Angabe  ber  jurüdtgejaljtten 
SBerttrfummen  für  bie  geraubten  ©egenftänbe,  unb  ma£  ein  jeber 
Bürger  bat>on  auf  bie  eibltdfje  ©rljärtung  feine«  SJertufie«  als  ©df>a* 
benSerfafc  erhalten  §abe. 

Sur  Seiftung  beffelben  mufcte  SKitter  ©etlet)  t>on  Sudfjroalb  aber 
erft  von  feinen  redfjtmäfeigen  Sanbeafürften  gejmungen  werben.  SHefe, 
bie  beiben  ©ruber  ©rafen  3ol)ann  unb  ©erwarb  t>on  £olflein,  bamaö 
bie  von  Sübedt  roäljrenb  ber  faiferlofen  3eü  felbftgeroä^lten  ©dEprm* 
Ferren  im  SRamen  be8  SHeid^eä,  famen  ber  ifjreäRad&t  erft  entfalten* 
ben  ©tabt  gegen  ba£  übermütige  ©efd&led&t  ju  §ülfe.  3tm  ägatijeti' 
tage  (5.gebruar)  1256  fd&loffen  fte  mit  ßübedt  einSünbnife  jur  8e* 
lämpfung  S)etleo3  unb  feiner  33rüber,  fonrie  be«  SUtterS  Otto  von 
Sßabeltigge.31)  ipaben  mir  uns  bie  ©cn>alttf)ätigfeUen  be£  Sbela 
netter  angefeljen,  fo  forbert  bie  ©ered&tigfeit,  au<$  ju  berieten,  maä 
bie  natürlichen  93efdf)üfcer  beS  fianbfriebenS  jur  ©ti^nung  be*  grie* 


Q3e$eid)nungen   &or.    $>a  Ijeifjt  einer  @<foe&emunb,  ein  anberer  «Öennefe  <Striffjofe. 
33ucf  be  Äröger  »cn  .Rampen,  SRafelforn  be  9)tdflet  t»an  «öclenbef,  be  junge  Stlerycs 
fabel,  be  ?atriard)enfön  van  £afenborp,  ©cratjiefd},  Xunnenbanb,  S3ür  u.  f.  tx>. 
Sgl.  Öbenb.  IL  ©.  700  ff.  US4  fg. 
")  (Sbenb.  I.  @.  197. 


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137 

beuS&rud&eS  unb  jur  ®enugtl»uung  Ujrer  gefränlten  Bürger  traten. 
Sie  beföliefcett,  3)etleoS  Slaubneft  ©ofeoelbe  mit  ©eroalt  §u  bredfjen 
wfo,  falls  fie  bie  SHittct  fangen ,  nad&  lübtfddem  ©tabtredfjte  an 
ehwn  ben  Sübedtern  unb  i^nen  gleid^  anpaffenben  Orte  fie  §u  rieten, 
gnißmen  fie  aus  intern  ©d&loffe  unb  entrollen  etroa  auSbemfianbe, 
fo  wollen  bie  ©rafen  jene  nid&t  anberS  ins  Sanb  urieber  aufnehmen 
unb  fidji  mit  tf)nen  wrtragen ,  als  roenn  bie  Stibedter  einwilligen. 
Stimmt  fie  ein  $err  ober  gürft  bteffeit  ber  6lbe  jum  9tad&tf>eil  ber 
Srafen  unb  Sii&eäS  auf,  fo  werben  bie  ©rafen  ber  ©tabt  gegen 
benfetten  Seifianb  leijien.  SBirb  eS  nötl)ig,  oor  ©ofeoelbe  eine  ©e* 
fe^igung  jum  3roede  ber  ©nfd&lie&ung  aufjubauen,  fo  wollen  bie 
©rafen  baju  bie  100  ™p  $f.,  metd&e  Sübedf  ifinen  binnen  SötonatS* 
W*  jugefagt  $at,  nad&  ber  ©tabt  ©utbünfen  oerroenben.  $>en  33er* 
trag  befc&rooren  bie  beibett  ©rafen  unb  fieben  iljrer  angefefjenften 
Samten,  jeber  in  bie  iganbe  eines  einzelnen  lübedter  Stahmanns, 
w*  rcrpfftd&teten  fidf),  falte  er  burä)  fie  ober  einen  ber  3Jjrcn  oer* 
W  werbe,  jum  ©inlager  in  Sfibedt,  bis  ber  ©tabt  t>olle  ©enug* 
t|wg*  geroorben  fei 

ik  Shtdjuwlb  ftnb  als  näd^fle  norbroeftltd&e  Slnroo^ner  tübedft* 
ffc»  (SebietS  über  100  3»a^re  lang  unfere  fdfjttmmften  9tad&barn 
jewfm.  Sott  ^roljnSborf  an,  welches  itjnen  bamalS  au<§  gehörte, 
Wter  in  bie  ipänbe  ber  Stylefelb  fam,  aber  1488  burdf)  §eirat§ 
ixt  tfrmüie  urteber  juftet  f  bie  eS  nod&  beft&t,  Ratten  fie  eine  Steige 
Wter  Styöffet  über  ben  tymunelSborfer  ©ee  unb  ben  traoemünber 
Stafel  hinauf  an  ber  Sud&t  bis  ©ronenberg.  ©rft  als  bie  Sübcder 
ta  ber  grofeen  geljbe  üom  3afjre  1366  fedjS  bud&roalbf d^e  SRaubnefter 
jährten:  ijjtmmelSborf,  ©mfrobe,  ©df>nuenfuf>len ,  SBoböl,  ©d&ön* 
bnp  unb  StoberSborf,  prten  bie  Sßladtereten  auf.  9tur  t)on  ein 
WbieferSd&löffer,  meiere  bei  StyrenSbödt,  ©urau,  ipafffrug,  ©ronen* 
bog  unb  am  IjimmelSborfer  ©ee  lagen ,  l>aben  ftd&  bie  3lamen  in 
bm  anliegenben  ©tefem  erhalten,  bie  anbern  ftnb,  nrie  alle  biefe 
Stegen  unferer  ©egenb,  welche  aus  gad&roerf  unb  gebrannten  ©tei* 
«w  erbaut  waren,  namen*  unb  faji  fpurloS  uerfdfjnmnben.  Sffienn 
etaBabegafi  uon  SRienborf  nad(j$ctoen  hinauf roanbert,  jetgt  il)m  ber 
<WüAU<^e§ufnerÄraf|nnod&  einen  fd&road&en  39urgroatt  hinter  feinem 
•law,  too  einft  ber  2$urm  SBoböl  fianb,  unb  in  bem  üon  ipäoen 
Jfofer  SUenborf  ftdd  tynjiredtenben  ©e^ölje  erfennt  man  in  einer 
Ne  „Äauberfufjte"  genannten  Vertiefung  bie  gefte  ©ofeoelbe,  auf 
»%ber  Jtameber ^öljung^ÖooSnefl"  unb  be$93ad&eS  „©öfebef/' 


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138 

mit  metd&em  ber  IjjimmelSborfer  ©ee  in  bie  93ud(jt  münbet,  ebenfalls 
Anbeuten. 

2)er  Vertrag  mit  ben  fjolfteinifdjen  ©rafen  fü^rt  uns  auf  baS 
3meite,  2Bid&tigere,  toaS  bie  Sübedter  von  früljefter  3ei*  ¥x  erfolg* 
ten,  um  nidjt  nur  bid&t  an  ifjrer  ©tabt,  fonbem  batb  in  weiterem, 
immer  roadjfenbem  Umfreife  eines  befriebeten  ßufianbeS  pdf)  ju  oer* 
fid&ern  unb  für  bie  Störung  beffelben  nad&brfitf lid&e  ätynbung  forbem 
gu  fönnen.    ©ie  mußten  fidfj  ja  burdf)  bie  tagüdje  ©rfaljrung  beffen 
benm&t  werben,  bafe,  wie  f)od)  fie  oerljältm&mct&ig  audf)  iljre  ÜRa<$t 
fietgerten,  biefe  boä)  wefenttid&  auf  ber  2lnertennung  ber  tyntn  *et* 
Keinen  Siebte  beruhte,  baf$  fie  babei  oon  bcm  guten  SBiDen  ber 
9taä)barn  abgingen,  unb  bafc  es  fd&limm  um  fie  auSfal),  xotnn  fte 
mit  ber  blofeen  ©eroalt  burd&jubrmgen  oerfudfjt  Ratten.  $)a§er  laffen 
fie  fid)  immer  mieber  unb  mieber  iljre  gretfjeiten  oerbriefen  oon 
Äaifer  unb  SRetdf),  oon  ©rofjen  unb  Äleinen,  von  SRad&barn  unb 
gremben.    3unäd&fi  für  t&re  ^erfon  ben  freien  SRed&tSftanb ,  ben 
i&nen  fd&on  Äaifer  Sftotljbart  im  gangen  Steid&Sgebtet  oerftd&ert  l>atte 
b.  I).  bafe  fte  überall  vox  feinem  fremben  ©erid&t  ju  Siedet  flehen 
foDen,  roeber  geiftlid&em  nod&  meltlid&em,  fürfitid&em  ober  ©rafengerid&t, 
fonbem  nur  oor  Ujrem  9Jogt  ober  bcS  ÄaiferS  pd&ftem  ®erid&t  ferner 
freies  ©eteite  im  ungemeinen  unb  in  befonbern  gäDen.    ©o  Ijaben 
mir  oorfjin  gehört,  bafe  fiöuig  Slubolf  ben  ©efanbten  freies  ©eteite 
nadf)  Nürnberg  jur  Jpulbigung  pfagt,  unb  in  einem  fpätern  ©djtei* 
ben,  ba  er  fid&  1290  faft  ein  ftcfyx  lang  in  Erfurt  aufhält,  fidjett 
er  flir  £m*  unb  $erretfe  nadjj  unb  oon  bort  feinen  unb  beS  Steu&eö 
©d&ufc.8*)    2)a&  baS  nötyig  mar,  unb  ba&  felbft  bieS  3tei<$Sgeleite 
nic&t  immer  unoerbrfid&lidfj  gehalten  warb,  ifl  ja  fonft  befannt  genug. 
gür  Sübedf  genügt  eS,  einen  namhaften  gaH  anjufüfjren.  Site  bem 
fiönig  Subtoig,  bem  Saiern,  nad>  feiner  2Bat)t  bie  öoten  ber  ©tabt 
geljulbigt  Ratten,  mürben  fte  auf  tyrer  ipeimfeljr,  ein  Stahmann  unb 
ber  ©tabt  ©Treiber,  1318,  oon  bem  fränfifd&en  ©rafen  ßonrab  dou 
ftruljenbtngen  gefangen  genommen  unb  fafl  brei  ^fce  festgehalten, 
bis  fie  bur<$  33ermittelung  beS  ©rafen  Sertyolb  oon  #ennebetfl  füx 
200  rn$  Silbers,  alfo  für  6400  rr$  nad&  unferm  ©elbe,  ftd&  löften, 
toeWje  ©umme  Äönig  Submtg  f olgertd&tig ,  ba  er  für  ben  33rud)  befl 
griebenS,  melden  er  jugefagt,  auffommen  mufcte,  auf  feine  StetdfjS* 
einnähme  aus  ber  ©tabt  ßübedf  anroieS.33) 

M)  öbrnb.  I.  §.  4*8. 

M)  ®  taut  off  I.,  209.   fcfib.  Urf.*$.  II.  C  348  fä.  367  fg. 


Digitized  by  VjOOQlC 


139 

$ie«  freie  ©eteite  warb  nun  für  alle  Staatsangehörigen,  für 

bie  fytt;  unb  ^crjiefienbett  Äaufleute,  für  grad)tful)ren  unb  SBaaren* 

Sfyt  erworben.    2Ran  bebang  fid&  ntd&t  nur  ©d&ufc  t>or  offenbarer 

8ewita$at  auä,  fonbem  au$  vor  folgen  Se^inberungen  unb  33e* 

foudungen,  weldje  mit  einem  ©djeine  beS  9ted(jtS  aus  ber  £ol>eit 

be$  ÄmbeSljerrn  über  baS  ju  pafftrenbe  Territorium  ober  mit  meljr 

6ntnb  aus  ben  auf  Srüdfen,  p&ren,  ©trafeenaniagen  wrwanbtett 

Äoften  hergeleitet  würben  unb  in  ben  üerfdfjiebenartigften  abgaben 

bcjtanben,  bie  tljeils  unfere  tarnen  SQBegjoU  f  Srfidfengelb  u.  f.  w. 

fügten,  tlpitS  mit  älteren  £anfa,  Ungelb  *c.  feigen.    6S  wirb  ge* 

nagen,  an  ein  paar  Seifpielen  ju  jeigen,  wie  ßübedf  fidj  oon  vorn 

letein  in  feiner  unmittelbaren  5Rä^e  Suft  Raffen  mußte.  2öaS  $alf 

&t  baß  überall  bie  faiferltdfjen  ßonftitutionen  neue  3ollanlagen  als 

Angriffe  in  bie  Steid&Sredjte  verboten,  bafe  felbfi  nodfj  StubolfS  Sanb* 

fwbe  oorfd&rieb,  für  freies  ©eleite  ftdfj  nid^t  bejahen  ju  laffen,  ba 

tone  unb  SSermögenbe  gleidfjcrma&en  in  beS  Sfteid&eS  ©eleite  frei  ju 

Stojft  unb  ju  ßanbe  fahren  follten :  bie  gürften  nahmen  bie  Qoü* 

**#  unb  baS  ©eleite  als  ein  von  früheren  Äaifem  tynen  fd&on 

ja»  %tl  überwtefeneS  lanbeS&errlid&eS  SRedfjt  in  2lnfprud&,  bie  abe* 

%a  8runbbefi|er  traten  balb   ein  ©leidjeS,  unb,  wo   fidf)  baS 

&$  nid&t  nad&weifen  lieg,  ba  ging  eben  ©eroalt  t>or  SRed&t.    2)afc 

«an  babei  aber  baS  Sewufctfetn  beS  SRedfjtS  nidfjt  oerloren  Ijatte 

mtb  bieS  genau  von  unred&tmä&tgen  änforberungen  unterfd&ieb,  baS 

8$  föon  aus  ben  SRamen  ber  Auflagen  Ijeroor.    8Utyerfömmli(i>e 

wb  fold^e  ,  bie  meift  bur<$  bie  fo  eben  ermähnten  StedjtSanfprüd&e 

ober  SfcrfeljrSerleid&terungen  bebingt  waren,  nannte  man  mit  bem 

<%memen  9iamen  3°0  (teloneum) ,  bie  anbern  bagegen  exaetio 

(Sorberung)    ober,   roo  fie  fdfjärfer  gelennjetd&net  werben  follten, 

ntorsio  (grpreffung).    60  Berjidfjteten  bie  ©rafen  oon  S)anneberg 

«Wie  im  fübroefUid&en  SReflenburg  unb  anftofeenben  ^annöoerfd^en 

m  beiben  ©eiteit  ber  @lbe  fafeen,  1237  auf  jebe  exaetio  in  Staune* 

tag,  Stämifc,  Senjen,  ju  ©unflen  ber  Sübedfer,  roenn  biefe  nur  ben 

Htymafeigen  3°B  (justum  theloneum)    bejahen.34)    Obwohl  nun 

te  Sfibedfer  fd&on  burcij  bie  erfien  faiferlid&en  ©nabenbriefe  nid&t 

Ä&  ©Ott  fold&en  abnormen  ©elaftungen,  fonbern  audf)  oon  ben  Sranfü* 

flfca,  bie  3lnbere  jaulen  mu&ten,  roie  j.  23.  in  OlbeSloe,  burdj)  baS 

8^C*rjogtl>um6adrfen  befreit  waren,  fafcen  fie  fid&  bod&  genötigt, 


*)  «üb.  Urf.*Q3.  1.  <§.  85. 


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140 


i 


»Ott  ben  Stonnebergern  ftdfj  biefe  Sered&ttgung  fäwarj  auf  weife  wie* 
berljolen  ju  laffen.  3a  12 10  Derbriefen  tfjnen  fogar  biederten  t)on 
öarfentien  in  bem  gleichnamigen  $orfe  an  ber  ©tedfnifc  freien 
©urdfjgang  für  ben  Ujnen  jufommenbcn  änti&eil  ber  Hamburger  Strafte 
unb  freie  gäfjre  über  bie  ©tedfui$.35)  SBBie  in  ben  burdj  biefe  bei* 
ben  ^Befreiungen  angebeuteten  Stiftungen  bie  Straften  lagen,  weldjje 
Sttbedfö  SSerbinbungen  nadfj  Süben  mit  bem  Steidje,  nadfj  Sßeflen 
mit  ber  @lbe  unb  ben  9torbfeegegenben  bebmgen,  fo  trugen  fie  für 
bie  öftlidje  Strafte  burdf)  -JBeftenburg  fcfyon  unter  ber  5Dänent)err* 
fd&aft  ©orge.  S)er  33rüdfenjott  ju  $>affow,  melden  ftd^  ber  Stfdjof 
üon  Stafceburg  unb  bie  meflenburger  durften  feilten,  warb  bamald 
für  bie  Sübedfer  befetttgt,  unb  nad&  ber  fdjon  non  mir  ermähnten 
3erftörung  ber  Surg  2)affom  warb  feftgefefct,  baft  Ijtnfort  fein  ©d&loft 
jwifd&en  S)affow  unb  ©reo$müf)len  angelegt  werben  folle.36) 

3n  Sejug  auf  ben  Serfe^r  mit  Hamburg,  ber  wegen  feiner 
fpätern  JBebeutung  am  meinen  üon  ftdfj  reben  madfjt,  will  idj  nur 
ermähnt  Ijaben,  baft  Ijier  bie  ©traftenfidfjerung  juerft  ben  nad>u>ei$Üd& 
folibefien  ßljarafter  annahm  burd)  fefte  Serträge  beiber  ©tobte  über 
SBeftrafung  ber  ©traftenrfiuber,  ßerfiörung  ber  ©urgen  unb  glaub* 
nefler,  Staorbnung  eine«  gewaffneten  ©eletteS,  ba8  Sübed  ju  |, 
Hamburg  ju  ±  fteHte,  unb  Siegelung  ber  ©dfjufcabgabe  ,  l  ntfl  wm 
jebem  äBagen,  jur  Unterhaltung  be£  ©eleiteä.  3ebe3  3M,  wenn 
bie  lanbe$fürftlidf>e  SRegicrung  e$  mangeln  läftt  an  ber  nötigen 
iput,  toenn  fein  na^er  ©dfjirmfjerr  Dor^anben  ift,  wenn  bie  Sanbfd&aft 
felbfi  burdj  ben  ftant  ber  regierenben  Käufer  in  ftdf)  geseilt  wirb 
unb  mit  einanber  friegt,  treten  biefe  ©täbteuerbinbungen  fenntlidfj 
l)en>or,  fo  1241  (weldjeS  Satyr  man  batyer  als  Anfang  ber  £aufe 
fefct),  elje  bie  ©tabt  bei  griebrid&$  H-  abnefjmenbem  SletdfjSregunent 
ben  ©dfjirm  ber  Ijolftetner  ©rafen  erlangte,  fo  am  6nbe  be$  3at>r* 
ljunbertS  unb  beim  Beginn  beä  14.  Sa^unbertS,  als  bie  Ijolfletner 
©rafen  in  un^eilnoller  langjähriger  $ef)be  M  trennen. 

3m  Uebrigen  aber  muftte  öttbeef  nidfjt  bloft  nad(j  gröfterer  35er* 
einigung  ber  ©täbte,  fonbern  audf)  ber  dürften  unb  Ferren  jur 
Sfofred&ttyaltung  beS  SanbfriebenS  trad&ten,  um  fo  baS  lefcte  ©ttbjtel 
feiner  griebenäbeftrebungen  ju  erreidfjen.  2Benn  9iotf)ftanb  war,  ma<$te 
fidf)  ba$  ganj  natürlidfj,  bie  prfien  fonnten  felbft  fein  ©efalien 
baran  finben,  baft  üjr  auf  fähiger  äbel  baS  Sanb  ruinirte,  jumat  fte 

w)  Gbenb.  I.  @.  91. 
**)  Gbenb.  I.  @.  24.  26. 


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141 

immer  meljr  mit  ber  Skrritoriatgewalt  audf)  ba8  ©efüljl  tyrer  lanbe3* 
Witten  SRed&te  unb  $ftid()ten  fidf)  ju  eigen  matten  unb  in  ben 
ja  ttgeeifenben  äRa&regeln  auf  intern  engern  ©ebiet  weniger  ftdf) 
freujenöe  Qnteiefjen  oorfanben,  als  bie  ßaifer  im  $eid&.  Sie  liefen 
/tdj  jufcem  bte  beffer  gefüllten  ©tabtf äffen,  bie  fr iegerifd&en  Bürger  unb 
gaii  feja&lten  jiäbtifd&en  ©ölbner  unb  bie  früf)  Deroollfommten  33etage* 
twtjjgwerfjeuge  ber  ©täbter,  Gliben,  Äafcen,  tretbenbe  SBerfe,  unb  wie 
fie  fonfl  feigen,  fpäter  ba£  3feuergefd(jü|5,  gern  ju  ifjren  3wedf  en  bienen. 
Unb  wenn  ein  Sonbe^err  baju  oermoc&t  werben  fonnte,  feine 
Sitter  im  Sunbe  mit  ber  ©tabt  ju  befampfen,  wie  1255  bie  $ol* 
itäniföen  ©rafen  bie  SBudfjmalb,  fo  waren  nidfjt  fd&wteriger  mel)* 
me  ju  Dereinen,  wo  eS  galt,  ein  eingenifteteS  abeligeS  ge^bet^um 
pt  Sc&roeigen  ju  bringen,  ba8  ben  grieben  ber  anftofeenben  ßanb* 
Wen  ftorte.  3$  will  au8  Dielen  SSerbinbungen  ber  2lrt  nur  an 
tai Vertrag  dou  2)ujow  erinnern,  melier  freiü<$  ber  3*ü  na# 
ipitet  fällt,  als  ber  erfte,  nodfj  näljer  ju  erwäljnenbe  roftodfer  ßanb* 
fwbe  (1283),  aber  gerabe  ein  feljr  auföaulidfjeS  SJeifpiei  bietet.  3n 
StteAurg  war  au3  ber  $mrid(>tung  eine«  angebttdj  ju  fiübedf  ge* 
#»()ta  9iaulmtter$  Sßeter  SRibe  eine  meljr  unb  meljr  wad&fenbe 
ötotemng  be3  2lbel£  entftanben.  £>ie  igerjöge  waren  mutberjäljrig, 
ijir  Sormunb,  $erjog  SUbredjt  II.  oon  ©adj)ien*2Bittenberg,  war  Diel 
wfeer  SanbeS,  fein  Statthalter  Hermann  9übe,  be£  ©rmorbeten  93er* 
wmbter,  ^egte  baS  Slaubrittert^um.  ©o  traten  fiel)  bie  wenbtfd&en  unb 
'fäßfyxi  gütften  Don  SBerle,  ©d&werin,  SMlenburg,  SJanneberg 
mt&ükä  jur  SJefämpfung  jufammen,  biä  1291  auf  beuSompromife 
k*  §erjog£  Dtto  Don  Süneburg,  ber  ©rafen  Don  £olftein  unb  be* 
Safen  9ticolau£  non  ©d&merin,  unter  ©inwilligung  be£  fäd&fifd&en 
fcWft  befd&loffen  warb,  je^n  Slaubfd&löjfer,  barunter  5Dujow  felbft, 
ju  Ktftören.37)  ©old&e  auf  bejonbere  SBeranlaffung  gesoffene  SSer* 
Wje  enthielten  in  ber  Siegel  audf)  3ufagen  für  bie  3ufunft,  SBe^ 
tonmungen  einer  gewiffen  3*übauer  für  ben  neu  fcergcfteUten  $rie* 
ten  xl  bgl  Ober,  um  ä&nlid&en  Vorfällen  Dorjubeugen,  einigte  man 
fy  bei  3eiten  jur  (Spaltung  ber  ©id&erljeit  unb  bcö  groben«  im 
Sorte,  unb  fo  fam  man  flufenweife  ganj  na<$  ber  Sinologie  von 
ÄAr  unb  9lei^  erft  }u  Vereinbarungen  über  einen  zeitweilig  auf* 
Wpi  1)ciknbtn  gtiebettöjianb,  enblid;  ju  formten  mehrjährigen 

")  9btn\>.  I.  ©.  5H  fg.,  IL  ©.  1086. 


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142 


2. 

„S)iefe  ©afcungen  bc8  fianbfrtebenS  Ijaben  mir  Sftubolf  f  ein  rö* 
mifdfjerßönig  unb  einSWeljrer  beSSfteidjg,  mit  ©unft  unb  mit  9tot§e 
ber  ehrbaren  Herten,  be3  (Sarbinakfiegaten  (beä  SBifdfjofS  Sodann 
Don  ftuSculum),  unb  ber  gttrflen  unb  Ferren ,  geifttid^cr  unb  weit* 
lid&er,  gefefcet  ju  SBürjburg  auf  bem  gelabenen  £oftag,  roie  fte  na$ 
gefc^rieben  fielen." 

2ltfo  beginnt  ber  Sanbfriebe  beS  ÄönigS  SRubotf  von  ipabSburg 
Dom  Qatyre  1287.38)  @3  finb  biefe  SanbfrtebenSfafcungen  aber  feine 
neue  ©efefcgebung  beS  Äönigä,  e8  ift  jum  größten  3$eil  eine  3Bie* 
ber^olung  früherer  Steid&Sirorfd&riften ,  roeldfje  Äaifer  griebridjj  II.  52 
3a^re  Borger  ju  9Wainj  über  ben  Sanbfrieben  gegeben  ^atte.S9)  ®S 
mar  ba«  atterbingS  nötyig  geworben  burdfj  3Jeranberungen  im  9tei<$8* 
regiment,  rote  bur<$  bie  (Srctgniffe  ju  anfange  be3i3.3^t!|unbertö. 
©o  lange  bie  Joerjöge  afe  bie  großen  SfteidfjSbeamten  beftanben,  lag 
ifjnen  juglei<$  mit  ber  Sorge  für  ben  Heerbann  ober  bem  9tet<$& 
auf  gebot,  audj  bie  Slufred&tljaltung  be3  SanbfriebenS  ob,  ben  fte  in 
beS  ÄaiferS  Flamen  fo  gut  gegen  33ifd&öfe,  ©rafen  unb  Ferren  inner* 
Ijatb  tyreS  großen  §erjogtl)um8 ,  roie  gegen  bie  anbern  freien,  ju 
fäüfcen  Ratten.  SHe  übergroße  ©eroalt  biefer  Beamten  mad&te  Re 
aber  bem  9teidfj8ober£aupte  felber  gefctyrlic!) ,  jumal  unfere  Äönige 
ni^t  erblid&e,  fonbern  28a$fönige  roaren.  2)ie  Äönige  felber  unter- 
gruben alfo  bie  Stellung  ber  £erjöge,  größtenteils  mit  SBetyütfe 
unb  jum  SRufcen  ber  ben  ißerjögen  bisher  untergebenen  roeltlid&en 
unb  geiftlid&en  Ferren,  von  melden  bie  lefctern  am  frü&eften  üon  ber 
Ijerjoglidjen  §o^eit  befreit  rourben.  2Ba8  mit  iperjog  jQemridj  bem 
ßöroen  in  unfern  Sanben  gefd&al),  Ijatte  fid&  anberSroo  fd&on  früher 
üottjogen,  ber  ©turj  biefeg  großen  §erjog8  soffenbete  bie  Shiflöfung 
ber  iperjogtfifimer.  2Bir  begegnen  freiließ  auc§  fpäter  ben  Flamen 
§erjog  t)on  Saufen,  t>on  93aiern,  x>on  Sot^ringen,  aber  bie  Sebeutung 
ifi  eine  anbre  geroorben:  fle  fxnb  fortan  nur  fürftfidfje  Ferren  in 
Upem  eigenen  SanbeSgebiete,  bie  fi<$  faum  no<$  burdfj  irgenb  roetd&e 
W&nSljerrUd&e  Siebte  von  ben  übrigen  dürften  unterfdfjeiben.  SWe 
$erjog8roürbe  roarb  ein  erblicher  Sitel  für  größere  dürften,  ein 


*)  «bgebtf.  Pertz,  Mon.  IV.,  448  ff. 
w)  «tonb.  IV.,  313  ff.  571  ff. 


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143 

Xitel,  na<$  bem  bie  angefeiltem  Serritoriatyerren  fiteben,  fo  bafe 

^on  im  Saufe  biefeS  unb  beS  folgenben  SatjrljunbertS  bie  3a^  ^er 

^erjoge  beträchtlich  vtvmityct  wirb,  roie  wir  benn  in  unferet  SRätje 

JeqSge  von  Sraunfdjroeig,  von  5Weflenburg  u.  a.  erhalten.    2tber 

bit  ßertriimmerung  ber  großen  $erjogtl)ümer  führte  in  S>eutf<$lanb 

nidjt  ba&  Jicrbei,  xocß  burd)  fte  beabfidfjtigt  war:  eine  33erftärfung 

ber  tönigtidfjen  SWadjt.  SDenn  roäljrenb  nid^t  nur  bie  JQerjöge,  fonbern 

aud)  alle  ©rafen  unb  gürfien  in  ben  erblidjen  93cfife  üjrer  Sauber 

unb  fonbeafierrtidjen  Siebte  gelangten,  unb  bie  geifllid&en  £errf$aften, 

bereu  2Hfd)öfe  unb  Äebte  nid&t  uom  Äömge  gewählt  unb  eingefejjt 

würben,  eine  gleite  3uftdfjcrung  erhielten,  gelang  eS  ben  beutfdfjen 

flonigen  nid&t,  bie  gleite  ßrblid&feU  für  baS  Äönigttyum  burd&ju* 

führen.  Der  Äönig  ftanb  oon  nun  an  mit  wtminberter  3Jtad(jt,  mit 

gcfd&mälerten  Siebten  unb  ©nfünften  an  ber  ©pifce  uon  na^eju  200 

na$  U>rer  innern  SSerroaltung  unabhängigen  Territorien,  ungeredfjnet 

ÜeSeid^üogteien,  beren  Beamte  ber  Äönig  einfette,  unb  bie  Sfteid&S* 

ftfibte.  allgemeine  53eflimmungen  für  baS  SReidfj  in  SBejug  auf  SftetdEjS* 

jfcfce,  Ärieg,  grieben  unb  öünbniffe  Ijatte  allerbingS  nod)  ber  Äönig 

ß  treffen ,  war  aber  babei  an  ben  9tatlj  unb  bie  6innriHigung  ber 

Skid^fürpen  gebunben,  mcldfje  in  biefer  ^infidjt  als  9teidj)$jfänbe 

auf  ben  9ieidfj8tagen  mtttmrften. 

Sttefe  Umge}ialtung  be£  Steid&äregimentS  i)at  fi<$,  natfirltdfj  nidfjt 
ofyte  grofee  Äämpfe  unb  ©türme,  nrie  fie  eine  jebe  UebergangSpertobe 
mit  fid)  ftiljrt,  in  ber  erften  $älfte  beS  13.  Sa^r^unbettö  xjolljogen. 
S)ie  unglüdlid^e  Doppelfteßung  ber  beutfd&en  Äaifer  bieffeit  unb  jen* 
feit  ber  älpen,  fo  feljr  fte  in  ben  früheren  O^^unberten  eine«  fefteren 
StegierungäorganiSmuS  audf)  in  2)eutfd(jlanb  tyrem  Äönigt^ume  ben. 
®tanj  ber  fjödfjften  roeltlid&en  SBürbe  in  ber  6f)riftenf)cit  jubradjte, 
&at  in  biefer  3*it,  n>o  ba3  unmittelbarfle  perfönltd&e  ©innnrfen  3loÜ) 
tfctt,  nid&t  wenig  baju  beigetragen,  ba£  einheitliche  unb  jufammen* 
fcutgetibe  fömglid&e  ©alten  ju  f>emmen,  jumal  feit  Äaifer  $einrid&  VI. 
bai  ßcbfönigreicfc  SReapel  unb  ©icilien  fid&  erroarb.  SßcrfönÜdjeS 
Vhfßd  tarn  baju.  2ll£  §einrid&  VI.  in  ber  ©lütlje  feiner  3Ranne& 
ftre  im  fernen  Palermo  ftarb,  mar  fein  erwählter  9tad^f olger,  fein 
allein  griebridlj  IL,  no<$  ntd&t  brci  Qa^re  alt  S)ie  beutfd&e 
IUg#toaI)l  fpaltete  fid&  jimfd&en  bem  D&eim  be«  Äinbe«,  $l)ttipp 
m  ©dfamben,  unb  bem  SBelfen  Otto.  3*^  un^eitoolle  gel)bejai>re 
Wflflt  5Da8  ijt  benn  bie  traurige  Qtit,  von  meldfjer  unfer  großer 
Salier  twm  ber  SSogeboeibe  fingt: 


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144 

Sie  3itfel  (bie  gürflenfronen)  ffob  ju  Ijeljre; 

bcr  er  jürnenb  oorfjält,  wie  freilid(j  alle«,  wa«  friedet  unb  wo« 
flieget  unb  Sein  jur  Erbe  bieget,  nid&t  ol)ne  §a&  unb  Ärieg«fiurm 
lebe,  aber  bodfj  barin  einig  fei,  ba§  e«  ftarfe«  ©ertdfjt  unter  fidfj 
föajfe,  Äönige  unb  Stedfct  fiefe,  Ferren  unb  Anette  fefce;  —  unb 
bann  in  ben  unwilligen  9luf  au«brtdfjt: 

<So  toelj  bir  beutfdje  Bunge, 

SBic  fleljt  bein  ©rbenunge, 

3)afj  nun  bie  SRöcT  tyren  Äönifl  fjat, 

Unb  baf  beln  ©tyr'  alfo  gergat! 

$>a«  ift  bie  Seit,  von  ber  er  fagt: 

Untreue  ift  in  ber  €affe. 
®eto>alt  fäfyrt  auf  ber  ©träfe, 
triebe  unb  (Red)t  ftnb  feljre  k»unb. 

211«  $f)ilipp  baran  war,  über  Dtto  ben  ©ieg  baüon  ju  tragen, 
fiel  er  uon  meudfjlerifdfjer  $ubenf)anb  auf  ber  Sabenburg.  S)ie  gih> 
ften  einigten  U)re  SBaI)l  auf  Dtto,  aber  Dtto  war  rol)  unb  unge* 
fd&lad&t,  trat  Ijetmifdfje«  unb  frembe«  atcd&t  mit  gü&en.  @o  warb 
mit  ©inwitttgung  be«  grofcen  Sßapfte«  Qnnocenj  III.  ber  tyo&enjlaufifd&e 
Erbe,  griebriety  IL,  gegen  i^n  berufen,  um  —  in  einem  Seben  oolltr 
Äämpfe  ben  unheilvollen  Sonflicten,  in  meldte  bie  ©taufer  burdfr 
i^re  getrennten  9tegierung«pfti<$tcn ,  burdf)  bie  fi<^  freujenben  9lm 
fprfid&e  faiferlid&er  unb  päpftlid&er  ÜJtad&tuoHfommenljeit  t>eroridfelt 
waren,  ju  erliegen  unb  jugletd)  mit  bem  SSerluftc  Italien«  bie  3er* 
ftörung  altföniglidjer  9Jta<$t  in  2)eutfd(jlanb  fjerbeijufülpen.  2Bie 
ba«  fo  fommen  mu&te,  ergiebt  fdfjon  ein  Slicf  auf  bie  3a$re  feiner 
Slnmefenljeit  in  SDcutfd&lanb.  @«  |inb  faum  10  3a$re  wä&renb  eine« 
38jäl)rigen  Stegtment«.  Staüon  fönnen  bie  8  feine«  erfien  8luf* 
treten«  in  3)eutf$lanb  $m  faum  al«  ooHe  9legierung«ia^re  guge* 
rennet  werben.  1212  in  ©eutfdfjlanb  erfdfjienen,  ein  I8jä^riger 
Jüngling,  wirb  er  erft  1215  in  Stocken  gefrönt  unb  vertreibt  Dtto 
au«  Göln  unb  uom  SRieberrfjein,  ber,  freilidf)  julefct  faft  ganj  per* 
laffen,  nod&  bi«  1218  lebte.  ©<§on  1220  aber  uerlä&t  griebrid& 
aJeutfd^lanb  wieber  unb  bleibt  15  Qa^re  fern  bi«  1235,  weilt  bann 
ein  reid&lid&e«  Saljr  bei  un«  unb  feljrt  nad&  einem  erfien  3uge 
gegen  bie  Sombarbei  jurüdE,  um  abermal«  ad&t  SWonate  in  ©eutfdfc 
lanb  ju  bleiben,  ba«  er  feit  September  1238  wä^renb  feiner  12 
legten  Seben«jal>re  nid^t  wiebergefe^en  $at  ©eine  Steid^oicare  waren 
feine  ©öt)ne,  erft  $emridE)  unb  bann  ßonrab,  jener  1220,  ba 
griebridf)  tyn  jum  römifd&en  Äönig  ernennen  liefe,  a^tjä^rig,  ßonrab 


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145 

in  gleidjem  $aHe  1237  neunjährig,    Salier  mußten  für  93eibe  93or* 

munbfcfjaften  eingefe^t  werben,  bie  fidj  nidfjt  immer  treu  ernriefen; 

to&3ugeffönbmß  ber  dürften  unb  if)r  ©efjorfam  roarb  gerabe  unter 

Wen  Serljaltniffen  oon  griebric^  burdf)  35erleit)ung  ber  £anbe£t)of)eit 

fln  (5e  erfauft.  £einridf),  in  f<$le<$ter  ©efeüfd^aft  entartet  unb  fopf* 

H  fiel  nodfj  baju  pon  feinem  Sater  ab.  2)e3t)alb  erfd^ien  griebridjj 

1235  lieber  in  Seutfdfjlanb,   £einrid&  warb  ju  2öorm£  gefangen 

genommen  unb  na6)  Italien  abgeführt  ßonrab  trat  an  feine  ©teile. 

3n  Sßormg  feierte  griebrid)  audE)  feine  britte  93ermä§tung  mit  Slifa* 

bctl^on  ßnglanb,  ber  @d>n>cftcr  Äönig  ipemrtdjS  III.    Sinen  9Konat 

nobler  Ijielt  er  ju  9Mn§  einen  großen  SRcid^ö^of  unb  gab  baS 

wtyin  ermähnte  5tei<$£gefet5  jur  SBäieberfierfteHung  be3  9ted)tääuftanbe£. 

6r  oerfünbet  barin,  er  fyabi  in  ber  Ueberjeugung,  baß  er  an  feiner 

erhabenen  ©teile  bie  Regierung  fui)  jum  SRuljm  unb  feinen  Untertanen 

jiim  §eil  auf  griebe  unb  9ie<J)t  ftüfcen  muffe,  obwohl  bie  2)eutfd&en  in 

Üften  $rioatüerf)ältmffen  nadjj  altem  §erfommen  unb  ungefd&riebenen 

Steffen  lebten,  mit  Sftatl)  ber  dürften,  ©beln  unb  Jfteid&Sgetreuen, 

wfäicbene  ©efefce  nötf)ig  befunben,  roetdfje  bie  ©efammtoerfaffung 

itö  ten  9teidfj£frieben  beträfen.  2)iefe  fjanbeln  t>on  ber  ^Beobachtung 

SäfBfcjjer  Urt^eitefprüd^e,  uon  bem  ©dfjufce  geifilidfjer  ©titer,  Sluf* 

Jehmg  ungef  efctid&er  3öHe,  ©idfjerftellung  ber  9ieid&£ftraßen,  ^Belegung 

be$  &mbfrieben3brudfje$  mit  ber  2W)t,  Verbot  ber  ©elbftfjülfe  unb 

Snotbimng  ber  nötigen  ©eridjjte.  (Sin  fe§r  umfangreicher  2lbfd&mtt, 

WeSö^ne,   meld&e  berartigen  ftriebenäbrudf)  an  itjren  Settern  be* 

f$en,  betreff enb,  meiftunSauf  bie  näd^fie  perfönlid^eSSerantaffung 

Wefcö  Keid&SgebotS  l)in.    ©ie  fadfjUdfje  bejeidjnet  ber  Äaifer  felbfl 

in  ben  tbtn  angeführten  (SingangSroorten.    Qe  mefir  baa  9tei<$  in 

Jötennte  felbfiftänbige  Territorien  aus  einanber  ju  fallen  bro^te,  ein 

FfcS  mit  feinem  befonbem  Sftedfjteijerfommen,  befto  mel)r  tljat  eine 

&WWhmg  aller  gemeingültigen  9ted£jt3grunbfäfce  9lotl).    ©3  fam 

toju,  baß  bie  gefeHfdfjaftlid&e  ©lieberung,  nrie  mir  jte  Ijerfömmlid) 

&  bie  beS  SDlittelatterö  anjufeljen  pflegen,  in  dürften,  3tbel,  Bürger, 

ftötott,  pdf)  erfi  bamate  burdfouarbeiten   anfing,  baß  gegen  ben 

«i#ti0  emporgehobenen  gürftenfianb  ber   ifyn  ebenbürtige,  alte, 

^8fceie  äbel  ftd(j  mehrte,  baß  mit  biefem  nrieber  ber  neue,  ur* 

b**$\ä)  unfreie  SHenftabel  rioalifirte,  feit  aus  i^m  Dormiegenb  ber 

•Itottagenbe  unb  friegfüljrenbe  £ljetl  ber  Nation  beftanb,  unb  baß 

fcft*  neue  Sftetter*  ober  SRitterftanb,  wie  er  einerseits  burd^  gemein* 

tae  SebenStoeife,  burdf)  flxettg  auSgebitbete  friegerifdfje  unb  ßljren* 

ieltfdjt.  f.  Mb.  ®<f$.  m.  3  $<ft  i.  10 


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146 

fofcungen  Big  in  bie  Ijödjften  Äreife  abeligen  unb  fftr&Ud&en  geben« 
ijuteinragte,  fo  bafc  berßatfer  felber  fidf)  eS  für  entehre  anregte, 
bet  erfie  Äitter  ju  $etfeen,  anbrerfetts  auf  ben  ©tanb  ber  ©erneut* 
freien  brfidfte,  roeld&e  ate  Sanbbewoljner  entweber  in  gleite  Stt* 
fcängigfett  mit  ben  porigen  ober  Seibeigenen  gerieten  ober  ate  freie 
Sauernfd&aften  u>affen*  unb  geftnnung8tüd(jtig  t&re  ©elbfiftänbigfett 
wahrten,  ate  ©täbter  bagegen,  tote  mir  an Sü6e<£S S3eifpiet  fa§en,  in 
golge  tyrer  junelpnenben  Sßol^abenljett  fd&nett  in  ben  Seft|  au& 
gebeerter  faiferttd&er  unb  ffirfilid&er  Sßrtoitegten  gelangten,  toeld&e  fte 
hinter  too^lgefefteten  3Wauern  unter  bem  ©d&ufee  eine«  gut  organi-- 
prten  ©tabtregiment«  mit  ttmjtdf)t  unb  6rfolg  oertljetbigten. 

Senft  man  ftd&  ba«  äße«  nun  no$  fo  tedfjt  im  erften  glufie, 
fo  erhält  man  ein  freiließ  Ijöd&jl  tebenbigeS,  aber  au<$  fe$r  im* 
ruhige«  Stlb-  Sllletn  bie Äreujungen  fo  uerfd&iebenartiger  StedjW* 
anfpriid&e  mufften  bog  feljbeoottfle  treiben  hervorrufen.  Um  biefc* 
eben  anna^emb  ftar  ju  mad&en  unb  ntd&t  einer  Sorjtettung  SRaum  ju 
geben,  meldte  avä  früher  ©efagtem  folgern  tonnte,  eS  $atte  in 
ber  gebadeten  ^eriobe  nur  SRed&tloftgfett  unb  ©eroalt  geljerrfdjt,  ^abe 
td&  mir  erlaubt,  auä)  uon  biefer  ©eite  $er  nod&mate  eine  allgemeine 
©djjtlberung  ber  3*ü  iu  geben,  auf  beren  ©runbe  Sfibedte  ©onba> 
geftatt  ftdj)  um  f o  befUmmter  jeid&nen  (äffen  roirb.  %&x  unfern  Motten 
trifft  aber  biefe  ©arjiettung  einer  Uebergang8jeit  lim  fo  völliger  )u, 
ate  bei  und  alle«  nod)  me$r  in  ben  anfangen,  frifd&er,  neuer  war, 
ba  bad  fäd&fifd&e  Sott  ftd^  erft  eben  $ier  fefftaft  gemadfjt  ^atte.  2)aljer 
mar  einmal  bie@ntrotdfelung  ber  ©rfdfjetttungen  be*  öffentlid&en  fiebert* 
nodj  jurfidt  hinter  2JKtiel*  unb  ©übbeutfd&lanb.  SBä&renb  bort  »bei 
unb  Sauer  ftdf)  fd&on  fd&arf  trennen,  treten  bie  ttnterfd&iebe  ber  Sank 
berooljner  bei  uns  langfamer  Ijeroor,  ber  Sauer  bleibt  freiet  unb  eben* 
bürtiget,  ber  Sftitter  fi|t  mitten  in  feinem  S)orfe  auf  einem  $ofe,  ber 
fid&  uieEeid&t  nur  in  ber  Sefefiigung,  fonfi  ftxum  oor  ben  Sauer* 
Käufern  auSjetd&net  Stauer  fielen  ipofmann  unb  §au8mamt,  wie  fte 
feigen,  ftdf)  nodf)  na^er.  Site  1306  ©raf  ©erwarb  IL  von  £olfiein 
mit  feinem  Slbel  in  Ärieg  gerätlf,  ber  bei  Sttbedf  Unterftü^ung  ftnbet, 
ba  t>erbinben  ftdjj  mit  ben  Gittern  unb  knappen  nidfjt  nur  bie  Sit« 
marfd&en,  bie  bamate  gar  nidfjt  ju  §oljiein  gehörten,  fonbem  au$ 
bie  £auSleute  (bie  Sauem)  $olftein3.40)  Stte  Säuern  $egen  bei 
ftdf)  gei)bere$t,  Slutrad&e  unbSBeljrgelb:  ba«  roirb  tynen  nodfj  1392 


*°)  Orautoff  i.f  186. 


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147 

>wtafa5tr  utä  auf  Sobtfdfjlag  bie  ©träfe  be«  SRabeS  gefe|t  ffit  ben 
Bauer  unb  igauSmann,  roätyrenb  „ber  £ofmann  ju  bcn  SBaffen 
9*oten/'  toie  eg  Reifet,  ben  Stobtfd&lag  mit  Sßefjrgelb  büfcen  fofl.41) 
9itbterfeitö  ober  treten  manche  gerabe  bamate  eben  entftanbene  po* 
föiföe  Sieubübungen  bei  unä  fogleidE)  fräftiger  auf,  weil  fie  in  ben 
Wdjenben  SSer^ältniffcn  nidfjt  bie  $inberniffe  ftnben,  roie  im  übrigen 
$emf#anb.  $>a3  gilt  von  ber  neuen  3ßadf)t  ber  gürften,  bie  ben 
Bienftabel,  roeldfjer  mit  Ujnen  in$  2anb  eingesogen  ift,  leidster  unter 
iijre  Sotmä&igfeit  brauten ,  ate  roenn  er  ein  uralt  freier  geroefen 
roare;  e3  gilt  von  ben  ©täbten,  mmbeftenS  von  ben  größeren,  wie 
Sübed,  bie,  oom  äbet  nid&t  mit  gegrünbet,  roie  mand&e  fübbeutfd&e,42) 
Mefen  grunbfä^lid^  tum  Dornljerein  au«  i^ren  SÖtouew  auSfd&toffen 
imb  fo  ben  bürgerlichen  ©tanbeSgegenfafe  gleich  fd^arf  l)Srt)orf)oben. 

Sei  fo  entfdE)icbenen  unb  bodf)  in  fid)  nodfj  unflaren  ©egenfäfcen 
mad^tc  fxd)  überall  ba$  Sebürfnife  nad&  Säufjeid&nung  beS  9ted&t$  in 
ber  3Rutterfprad&e  geltenb,  beren  $rofa  gerabe  bamalS  ftdlj  fdtjrift* 
wäfcg  gu  bilben  anfängt.  3$  erinnere  nur  an  bie  älteften  &anb* 
Utiftea  be£  lübifdfjen  9tedfjtö,  an  ben  ©ad&fenfpiegel.  %n  aufjer* 
ia^|en  Sanben  gefd&af)  Sle^nlid^e«.  9Jlan  roiberfefcte  ftdlj  bamit 
»ttjt  nur  ber  ^errfd^aft  ber  römifd&en  ©pradfje,  auä)  fdEjon  bem  ein* 
Wngenben  römifd&en  Sfted&te,  roel<$e$  ttaliemfdfce  Sledfjtölelper  als 
taS  gemeine  fatfertid&e  unb  fomit  als  baS  ^ödfjfte  Ijmjiellten,  unb 
fefien  ßeljren  bie  Äaifer  mit  Vorliebe  auf  ba3  einl^eimtfdfje  Siedet  ju 
übertragen  fudfjten,  ba  fie  burdjj  biefetben  eine  unbedingt  monardjifc&e 
SRad&tooHIouimenljeit  ftdfj  juetgnen  fonnten,  roie  fie  bie  Äaifer  be3 
alten  Slom  befejfen  Ratten,  ©runb  genug,  bei  ber  ganj  entgegen* 
jefe|ten  SRaiur  be3  beutfdjen  $Kattonalredf)t$l)erfommen$  fidf)  einer 
tejerlid^en  ®efe|gebung  abgeneigt  ju  jcigen,  unb  ein  neue*  $emmni& 
für  eine  uom  Äaifer  au£gef>enbe  attgemeine  SKeidjjäcoitftitution. 

griebtid)  II.  £at  feinen  Seruf  jur  ©efefcgebung  baburdf)  beroctyrt, 
bog  er  eine  fold&e  in  feinem  apulifd&en  Steige  burd^fü^rte  in  ftreng 
wwar^ifd^er  SEBetfe.  ©in  ctynlid&er  93erfudf)  fjätte  bei  bem  Unab* 
IfeigiflleitSfinne  ber  S)eutfd()en  unb  bei  ber  ganj  anbern  Stellung  beä 
tWg$  in  ©eutfd&lanb  gar  nid&t  gemalt  werben  fönnen.  aber 
*#  wate  griebri$3  Regierung  no$  ber  3^itpunft  geroefen,  aus 


•*)  dbenb.  I.,  358.  ©<J)le<Jtt>.s£clMauenb.  ttrf.«€ammi.  53b.  II.  ®.  367  ffl. 
*)  Set  jtfr!*  ©rünbung  toirfte  bei  8anbe«abel  mit,  f (einerer  ©tftbte  iiid)t  ju 
Irterfem. 

10* 


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zedby  G00gk 


148 

bot  in  ftdfj  t>erwanbten,  nadf>  $erf  ommen  unb  ®ebraudf>  jebod^  immer 
meljr  au&  emanber  getjenben  $articularredf)ten  ber  S)eutfd&en  ba«  all* 
gemein  ©üttige  jum  5Reid&«gefe6e  ju  ergeben,  wie  §riebrid&  e«  als 
feine  9X6flc^t  auSfpridjt.  @«  blieb  aber  bei  ben  wenigen  angegebenen 
©ejiunmungen,  unb  fetbfi  tiefe,  obwohl  von  ben  gttrflen  angenont* 
menf  fmb  faum  ausgeführt  worben.  griebrtd&§atte§ttrlleberroa<$ung 
ber  ©erid^te  über  ben  Sanbfrieben  einen  ^ofridjter  eingefe$t:  feit 
ber  Äatfer  S)eutfd&lanb  nerläfct,  ift  t)on  biefem  nid^t  mel)r  bie  Sftebe. 
S>er  Sanbfriebe  unb  bie  Sorge  für  i$n  blieb  ben  gfirften  überlaffen; 
in  bet  faiferlofen  3eit  firebten  für  tyn  nur  nodfj  bie  ©täbte  unb  auf 
iljren  betrieb  einjelne  Sanbe«l)erren. 

@o  mu&te  SRubolf  non  §ab«burg  begreifen,  bafc  mit  3Wa<$tgeboten, 
oljne  ben  guten  SBitten  ber  Sanbe«fürfien,  für  feine  emeueten  grieben& 
befhebungen  auf  bie  Stauer  nic^tö  ju  erreidfjen  mar.  ®r  ging  ba^ct 
attmä^li^  unb  ftufenweife  ju  SDBerfc.  SRad&bem  er  in  ben  feinem 
ipaufe  erworbenen  ©rblänbern  Deftreid&  unb  ©teiermarf  unb  ben 
9to<$barfiaaten  ben  Sanbfrieben  gefefcttdf)  befefHgt,  liefe  er  griebri^ 
9teidf)«gefefc  in  Satern,  granfen,  ©d&maben  Unb  am  9tf>ein  non  ben 
bortigen  gürften  befd&wören,  unb  erfl  julefct,  nad&bem  alle  biefelanb* 
fdfjaftttd&en  Suftimmungen  twraufgegangen ,  erfolgte  bie  allgemeine 
annähme  beffelben  ju  SBürjburg.  3lud(j  biefe  gunädtfi  nur  für  eine 
befttmmte  Steige  von  Sauren,  mit  ber  3Sorau3fe|ungf  ba&  nadf)  Sk 
lauf  berfelben  eine  fiete  ©meuerung  erfolgen  fotte,  wie  benn  Stubolf 
felbfl  1291  nod&  eine  fold&e  wranftaltet  unb  ein  gleiche«  Stbolf  uon 
SRaffau  unb  Sllbredjt  I.  getrau  fytben. 

S)en  ©afcungen  an  ftdfj  foHte  bamit  nid&t  tyre  allgemeingültig* 
feit  genommen  werben,  woi>l  aber  fottte  ber  perfönlid&e  @ibf<$wur, 
ber  bie  ©tänbe  jur  2tofred&tf)altung  be«  grieben«  nerpflid&tete,  unb 
beffen  Sftudjj  über  fte  gleiche  Seftrafung  mit  anbem  Sanbfrieben«» 
bred&ern  herbeiführte,  als  für  fte  tn«befonbere  unb  auf  bie  befdf>worene 
3eit  binbenb  erfreuten.  2)enn  fo  Reifet  e«  am  ©d&tuffe  be«  SBütjbur* 
ger  Sanbfrieben« :  „SHefe  ©afcungen  be«  ^rieben«  unb  Sfted&t«  foE  man 
jwar  ju  allen  Seiten  ftete  galten  unb  foH  audfj  bamad^  rieten,  ba 
fte  t)on  alter«  Ijerfommen  unb  mit  9te#t  unb  ©unft  unb  Stoty 
ber  gürfien  gefefet  fmb.  @«  wrbmbet  ftd&  aber  ju  biefem  3Wale  jtt 
biefem  Sanbfrieben  mit  @iben  Sfttemanb,  al«  nur  non  jefct  büS  3°* 
$anni«,  unb  twn  ba  über  brei  3al>r." 

@«  war  alfo  fomit,  bei  ber  maugelnben  Stögewalt  ber  3teid^ 
regierung,  bie  $ut  be«  Sanbfrieben«  in  bie  $anbe  ber  perfönttdü 


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zedby  G00gk 


149 

boju  BetpfKdjteien  Sanbe«!>erren  gelegt  Stafe  e«  bamit  nid^t  ab* 
jjefym,  fonbem  auf  größere  Äräftigung  be«  9tetdj«frieben«  non  ben 
tuqtfnen  ©ebieten  au«  abgeben  mar,  bemeifi  no<$  folgenberßufafc: 
„SHeö,  toa«  aud>  bie  gürjlen  ober  bie  Sanbe«f)erren  in  tyrem&mbe 
mit  ber  Ferren  Statte  fefcen  unb  madjen  biefem  Sanbfrieben  jur 
Sefferung  unb  jur  StfHgung,  ba«  mögen  fie  moljl  t^un,  unb  bamit 
faed&en  fie  ben  Sanbfrieben  nidjt" 

3Rit  ber  Ferren  Statte,  b.l).  mit  bem  Seiratye  tyrer  Sanb* 
fänbe,  unb  bamit  ifi  eine  neue  Sicherung  be«  SanbfriebenäinfUtut« 
gegeben.  6#on  unter  griebrid)  IT.  urirb  e«,  gleufcjeitig  mit  ber 
Uebertragung  ber  lanbe«berrlidjen  ®eroatt  an  bie  dürften,  ate  ein 
8ei$«grunbfa|  au«gef proben,  bafe  bie  gürflen  feine  anbete  9Ser* 
wtomngen  unb  neue  Stedjte  machen  fömten,  oljne  t>orgängige  $u* 
jtiwmng  ber  ©röfeeren  unb  Sefferen  be«  Sanbe«,  unb  formt  wirb 
ber  imlBfirUd&en  Uebermadjt  ber  ftürfien,  bei  3erfptitterung  ber 
SWdj8gewalt,  in  ben  Sanbftänben  ein  S)amm  gefegt  Qn  gleicher 
fiajt  werben  nun  audj  bie  Sanbflänbe  jur  2JHtbefdjirmung  be« 
Satfikben«  aufgerufen.  2)te  gürfien  hielten  auf  ben  Sanbfrieben 
ft«,  «o  er  Ujnen  jur  Soncentrirung  tyre«  Regimentes  bem  2lbel 
gt§m&tx  btente,  ber  lanbjtönbifdje  Slbet  aber  foBte  in  gtetdjer  2Beife 
ernteten,  mo  etwa  ber  Sanbfriebe  ben  gürften  unbequem  unb  im 
Sege  ©ar.  Unb  roo  SBeibe  jufolge  ber  näheren  @tanbe£t>erroanbt* 
k$«ft,  unb  äljttttdjen  Sebertöanfdjauung  gemeinfame  @a$e  matten, 
Wugen  ftd)  bie  6täbte  in«  3JUttel,  in  fpaterer  Seit  ate  SDtitftänbe 
auf  ben  3teid>$*  unb  Sanbtagen,  junädjfi  bur<$  bie  fpecieEen  Sanb* 
friefcen«bünbniffe. 

SDiefe  werben  ganj  na<$  bem  Vorgänge  ber  5fteu$«tanbfrieben 

auf  befHmmte  Qofyct  unb  mit  befHmmter  perfönli^er  SJerpfttd&tung 

abje^oRen,  nur  faffen  fie  bie  Aufgabe  im  engem  ©efidjtefreife 

ra&fter  unb  nehmen  namentlich  gleidj  im  SSorau«  ©ebadjt  auf 

tet  gtttt  eine«  roirfli^  ebttretenben  Sanbfrieben«bru<$e«,  für  melden 

be»a$  bie  Art  unb  SBetfe  ber  abhülfe  unb  ber  t>on  jebem  babei 

itk$tnbe  StntlpU  fepgepellt  nrirb.  Unfre  norbbeutfdjen  Sanbfrieben 

iripR  fübtm,  ber  Stellung  unferer  (Segenben  jum  Sfteid&e  gemäß,  eine 

fpreSelbfiftänbigfeü  unb  ttnabbangigfeit,  a(«  äfjntW&e  mittet*  unb 

I^Mföe  Serbinbungen.   Sei  ben  lefctern  wirb  alle«  fäjlte&Ud)  von 

htiene^migung  be«  Äaifer«  abhängig  gemalt,  bei  un«  ftnbet  ftd> 

KflUKttitffefcung  nu$t,  be«  Äaifer«  gefaxt  gar  feine  erroäljnung, 

ifctftt  nid^t  au«  3Ranget  an  ttntertyänigfeü  gegen  tyn,  fonbem 


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150 

roett  o^ne  Üjn  ftd&  alles,  unb  oljne  bai  geringjte  3u$un  Wner" 
fettö  gemad&t  §atte.    Sßären  SRubolfS  2lbftdf)ten  üöttig  geglüdft,  fo 
mürbe  trieHeid&t  audf)  bei  un$  ber  concentrircnbc  9teid&ÄeinfIu&  fd^arfer 
fidj  gejeigt  liaben:  fo  aber  blieben  unfere  Sanbe  meljr  tyrer  eigenen 
Äraft  unb  ifjrer  eigenen  -Notf),  reo  Unfriebe  xoaxr  übertaten,  unb 
griffen  beSljalb  i^re  Aufgabe  um  fo  energifdfjer  an.    $)ie  ©täbte 
Ijaben  ftdf)  nun  jum  ßroec!  be£  Sanbfrieben«  mit  anbem  ©täbten, 
mit  2lbel  unb  gürften  wrbunben:  bei  juneljmenber  gürftengeroalt 
tritt  ber  3lbel  meljr  jurücf;  aber  roo  biegürften  bie©df)ulb  bergefybe 
Ijaben,  fefjen  mir  Sübedf  audfj  im  8unbe  mit  ben  2anbe£untertl>anen, 
rote  i<$  uorljin  ein  Seifpiel  ber  3lrt  au8  ^olfiein  t>om  Satire  1306 
anführte,    @lei<$  in  bem  erften  gaHe  eines  roirftidljen  SanbfriebenS, 
ber  in  unferm  -Korben  tjorfommt,  in  bem  9i  oft  od  er  Sanbfriebcn 
t>on  1283,43)  finben  fidE)  bie  fämmtlidjjen  ftänbifdfjen  Qntcrcffen  jura 
3roedfe    ber    SBefriebung  be£   ßanbeS   Dereinigt.     @r   tft   barum 
Dorjüglidfj  belefircnb,  roeil  er  un$  jugteidjj  bie  SSerantaffung,  nrie 
mati  ju  folgen  befonbem  23ünbniffen  fam,  aufroeift  unb  unabhängig 
baoon  eine  weitere  Vereinbarung  jum  griebenäfd&ufce  auf  10  S^re 
enthält.  $)ann  aber  bemerfen  mir  l)ier  gleid&mäfeig  tfjätig  bie  ©täbte, 
—   ßübedf  tror  allen,  roeldljeS  ftdf)  am  SSorabenb  feinet  erfien  grofje* 
ÄrtcgeS  mit  Sftorroegen  befanb,  —  unb  ben  Äönig  3iubolf,  ber  offenbat 
bamate  fdfjon,  t)ier  Satjre  t)or  ©rlafc  beS  mel)rerroä§nten  Stetd&Stanb* 
ftiebenS,  in  gleichem  Sinne,  roie  in  ©übbeutfd&tanb,  auf  unfre  ©e* 
genben   Dom  SReidfje  aus    etnjuroirfen  fudEjte.    Dfjne  biefe  beiben 
gactoren  mären  fdfjroerlidE)  bie  gürften  fo  jafytrcidE)  unb  fo  energifd> 
juiammengetreten. 

35ie  SSeranlaffung  fam  non  langjährigen  gelben  ber  branben* 
burger  SDlarfgrafen.  SHefe,  bamafö  ad&t  ritterliche  Settern,  unter* 
ftüfeten  ttjeite  ben  SBötjmen  Dttofar,  tl)eil3  fud&ten  fte  einen  iljxer 
gamilie,  ßrtdf),  gegen  braunfd&roeigtfd&e  Snfprüd&e  auf  ben  erjbifd>öf* 
liefen  ©tuf)l  t>on  3Jtagbeburg  ju  fegen,  tfjeitö  breiteten  fie  ftd)  burd) 
Äauf  unb  ©eroalt  jum  ©d&aben  ber  pommerfdfjen  gürflen  in  Sßom* 
mern  au£  unb  fugten  biefeS  in  2el)n3abl)ängigfeit  üon  fidf)  ju  brin* 
gen;  unb  roäfyrenb  fo  r>erfdfjiebene  Sßrätenftonen  itjnen  jatylretdje 
©egner  auf  ben  ipals  jogen,  benufcten  mieberum  bie  ben  Sßommer* 
nafjcftetyenben  £erjoge  von  ©rofjpolen  bie  ©elegen&eit,  i^re  ^errfc^aft 
ju  erroeitern.  Äein  prp  bieffeit  unb  jenfeit  berßlbe  mar  bei  foldjet 


*8)  Hb.  VLxl'fQ.  I.  6.  400  ff. 


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151 

^Jjbe  unbeteiligt  2tud&  Äönig  Stubolf  behielt  fte  im  Sluge.  3u 
Sufong  ^cme*  ^Regiment«  bejaht  bie  ©tobt  Sübedf  bic  föniglid&en 
8ef5fle  auf  StubolfS  Slnroeifung  an  33ranbenburg3  2Rarfgrafen  Otto 
ben  8cngen.  3Ü&  aber  biefer  aud&  na  $  bcr  ©d&tad&t  auf  bem  aRardfj> 
Wbe  Ottofat«  Sntereffen  gegen  ben  Äönig  perfekten  roottte,  entjog 
Äriurff  il>m  bie  lübifdje  Steid^Sfteuer  unb  übertrug  fie  bem  $erjoge 
«ttredtf  pon  ©ad&fen,  wetzen  er  überhaupt  als  SBaljrer  ber  9ieid£)8* 
atye  in  ben  ©täbten  Sübedf,  ©oStar,  2JHU>lf>aufen,  SRorb^aufen  unb 
(janjSad&fen,  SJjüringen  unb  ©lapien,  juglei<§  mit  bem  braunfdfjmei* 
§eriQer}oge3nbred&tfaufgeftelIt  fjatte.  darüber  befefjben  bie  Sranben* 
burger  <m$  Sfibedf  eine  Steige  von  ^a&ren  §tnbur4  greifen  lübifd&e 
ftmfleute  auf  ben  märtifd&en  ©trafjen  beiUfermünbe  unb  anberSroo, 
ptotbern  bie  SBaarenjüge  u.  f.  f.  Äönig  Sftubolf,  meiner  ber  ©in* 
«tjtymg  Sranbenburgä  in  bie  böljmifdfjen  Jpänbel  fd&nett  ein  (Snbe 
gemalt  $atte,  nrirft  fidf)  audfj  in  9torbbeutfdf)lanb  burdfj  ©riefe  unb 
Sefanbtfc^aften  in$  SWittel.  @r  orbnet  ben  ©rafen  ©untrer  von 
äfcoorjburg  ate  Dbmawn  (©d&iebSrid&ter)  ab,  melier  einen  SBaffen* 
Wfrmb  permittelt,  unb  labet  enblid&,  ba  bie  por  Ü)in  ju  Safet  er* 
W»cnen  öoten  ber  ©ranbenburger  foldfje  gorberungen  geflettt  Ijaben, 
Ütuif  ©raf  ©untrer*  Urteil  für  bie  ©tabt  nad^eilig  fmb,  bie 
Ägtjanbten  beiber  Steile  auf  Sßfingften  vox  feinen  $of,  ben  er 
»o$im  Saufe  biefeß  3a$reS,  1283,  meljr  in  üjre  3lätyt  an  ben 
S&betrf)ein ,  ju  perlegen  Ijoffe.44)  Slber  um  bie  anberaumte  Seit 
Re$t  ber  Äönig  gegen  p&Utpp,  ©rafen  pon  ©apopen,  ber  fidfj  un* 
tetymä&ig  in  2hirgunb  auSjubeljnen  fudfjte,  gerabe  am  entgegengefefcten 
tobe  beö  SReid&S  im  gelbe.  S)ie  Sübedfer  aber  Ijaben  fidfj  au<$  für 
Mcjen  goß  porgefe^en:  am  13.  Sunt  1283  fc^licfeen  ber  ßerjog  pon 
6<u$fen,  bie  gürjien  pon  Sommern  unb  SReHenburg  famt  i^ren 
Sajatten  unb  bie  ©tobte  Sfibedf,  SSHSmar,  Jtoftodf,  ©tralfunb,  ©reif«* 
■alb,  Stettin,  SDcmmin  unb  SlnHam  ju  SRoftodf  ein  ©d&ufc*  unb 
&tt|jbünbni&  gegen  bie  SWarfgrafen  pon  SBranbenburg,  ba«  fie  jum 
Sofern  be«  Sanbfriebenä  auf  io  3a§re  ausbeuten,  liefern  großen 
Ambe  traten  nadjj  unb  na<$  and)  ber  Slbel  $olflein$,  bie  ©täbte 
$amburg  unb  Äiel,  ber  J&erjog  Dtto  pon  Süneburg,  unb  bie  geifc 
Äjm  gfirften,  bie  2Kfdf)öfe  ponßübedf,  Siafceburg,  ©djjiperin  unb  ber 


u)  (Sbcnb.  I.  @.  398  fg.  S3gl.  überhaupt  bafelbfl  bic  »fiteren  ©elege  ju  ber 
Httlfft^rung. 


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152 

(Srjbtfd&of  oott  Bremen,  enbltdf>  bei  bem  beginnenben  ©eefrtege  mit 
ßrtdf)  5{Jtiefterfcinb  oon  SRorroegen  aud&  ber  bäntfd&e  Äöntg  ®rid^  bei. 

Stubotf  von  $absburg  fte^t  treult<$  bei  uttb  arbeitet  nid&t  mit 
auf  bie  ©eenbtgung  bet  branbenburger  gelobe  Ijm,  f  onbern  oertocnbet 
ftd&  audlj  für  bie  ©täbte  im  norroeger  Kriege  bei  ftönig  @buarb  L 
oon  (Snglanb.45)  ©o  erlangen  bie  ©täbte,  roaS  fte  gewollt,  nid&t 
bloß  ben  geroünfd&ten  ^rieben  im  Sanbe,  fonbem  audf)  eine  uöffige 
SDemtifyigung  beS  norbtfd&en  ÄönigS  ®rtdfj  Sßriejterfeinb,  ber,  bur$ 
©ntjie^ung  ber  Sufuljr  an  ben  nötigen  SebenSmittetn,  Äorn,  SRe^l 
unb  SHer,  gelungen  urirb,  t>on  feinen  ©emaltttyätigfeiten  gegen  bie 
Äaufleute  abjulaffen  unb  bie  alten  $anbet$freif>eitett  ju  betätigen. 

3n  bem  rofiodfer  SanbfriebenSbfinbniffe  wirb  alle«  (Sinjelne 
aufö  genauefie  t)orgefet>en,  mann  unb  wie  bie  gegenfeitige  £üife* 
leifhmg  gefd&eljen  fott:  bie  gürfien  unb  äbligen  fotten  mit  400  9tei* 
teru  erfd&einen,  bie  ©täbte  mit  200,  ober  entfpred&enbeS  ©elb  bafür 
jatjtcn  —  &übt&  j.  23.  ja^lt  allein  15,000  n$  —,  bie  Sauern  foflen  oon 
je  fedfjS  Jpufen  ein  5ßferb  unb  einen  gejiemenb  bewaffneten  SRann  fleDen; 
fommt  es  ju  ©eeuntcmeljmungen ,  fo  foflen  für  je  100  Steuer  200 
Seroaffnete  gefieBt  roerben  unb  bie  ©täbte  bie  ©dftffe  liefern.  Stä- 
ben roirbna<$a3erf)ältmf$  ber  Semaffneten  getragen,  Seute  in  gleicher 
SEBcifc  oertljeilt.  SBiberfefclidfjfeit  gegen  bie  SunbeSbeftimmungen  unter* 
liegt  einem  oorauSbeftimmten  ©d&iebSgericijt,  ebenfo  3wiftig!eiten  bet 
SunbeSglieber.  2)ie  iperren  unb  ©täbte  rieten  über  i^re  ängefcöri* 
gen.  S)er  aibel  ernennt  für  feine  SKitglieber  gefd&roorne  Dbmännet. 
Äein  SunbeSangetyöriger  barf  für  fid&  ^rieben  fd&liefcen. 

®in  ä&nttd&eS  grofceS  SanbfriebenSbünbntfj  ift  nun  in  ben  nad>* 
ften  50  Satiren  nid&t  roieber  ju  ©tanbe  gefommen,  aber  in  ben  ein* 
jelncn  Sanbfdfjaften  erneuern  fxd^  bie  SSerbinbungen  balb  l)ier,  balb 
ba  alljährlich,  breiten  ftd&  aus,  roadfjfen  gelegentUdfc  jufammen  unb 
nehmen  gar  leidet  bie  mit  ber  3eit  allbefamtten  formen  ax^  fo  ioie 
es  irgenbmo  SRotlj  tfjut.  ©0  geljt  eS  in  $olftetn,  ©adftfen,  aMlenbutß, 
Sommern,  Stanbenburg  bieffcit,  im  ©rjbtStyum  Bremen  unb  in 
JBraunfd&tt>eig*2tineburg  jenfeit  ber  Glbe.  ©rft  1338  oereint  ein  %u 
ßübedt  auf  fed&S  3a^re  geföloffener  Sanbfriebe 46)  bie  färnmtltdjen 
roeltlid&en  Ferren  ber  gebadbten  Sanbftrtdfje,  bie  ©täbte  unb  bie  JBüB* 
tfjümer  oon  Bremen  toeftlid^  bis  Sranbenburg  unb  §alberfiabt  öß* 


45)  öbenb.  @.  109. 
*•)  Gbenb.  II.  ©.619. 


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163 

tti|  ttttb  fübfidj;  citt  filjntt$er  wirb  1349  auf  brei  3af>re  in  unferct 
Stot  geföloffen,  ein  gletd&er  1353,  1354,  1356  u.  f.  f.  Unter  ben 
§wftai  betreibt  biefe  Serbinbungen  befonberS  eifrig  ber  erfte  §erjog 
ÄcflentergS,  Slbred&t,  ber  SJater  beS  ©d&roebenfönigS  Sllbredfjt, 
welfyx  bis  jum  Qa^re  1362  ben  Sanbfrieben  von  ber  Saufifc  bis 
ho4  Säncmarf ,  umt  Sßolen  bis  jum  £arj  ausgebreitet  fjatte.47) 
Unter  ben  ©tobten  ge^t  ßübedf  üoran,  roeldjjeS  tbtn  fo  fefjr  feinen 
un«n$gefe|ten  Senkungen  für  ben  Sanbfrieben  feine  Stellung  als 
gaupt  beS  großen  tyanfeatif<Jjen  ©täbtebunbeS  wrbanft,  als  biefe 
Äa^tfleDung  feinem  2$un  mit  ben  Sauren  einen  gesteigerten  $laä)> 
tarf  oerlie^. 

Sttefe  ©orge  SübedfS  für  ben  ßanbfrieben  nrirb  beun  enblidf) 
finnÜ$  oom  Steidje  fanetionirt,  als  Äaifer  Äart  IV.  1374  ben33ür* 
Sermetftern  ber  ©tabt  Sfibedf,  als  feinen  Sleid&Smcaren,  üoHe  SKadfjt 
wb  ©eioatt  gab,  in  aller  Ferren  ©ebieten  3Jtörber,  JBrcnner,  Sanb* 
wb  ffiajferräuber  unb  aBe  anbern  3JUffettyater  ju  fud&en,  ju  ergrei* 
faf  ju  fallen  unb  ju  fragen,  audf)  über  fte  ju  rieten  unb  mit 
tywi  {K  t£un,  wie  fte  nad&  Ujrer  ttebelttjat  pernrirft  Ratten,  in  golge 
wityx  Setgttnfiigung  bie  Sfibedfer  t?on  nun  an  nidfjt  blofc  ben 
Änftnm  mit  uotter  uneingefdfjränfter  faiferlid&er  Autorität  innerhalb 
i^oer  6tabt  übten ,  fonbem  audf)  als  bfe  gefe^lid^  befieHten  £ütcr 
be*  ftrabfriebenS  frei  fd&atteten.4*) 

Sber  bie  Sübedfer  würben  tyre  aufgäbe  nur  fjalb  gelöfi  Ijaben, 
ffltnn  fte  nidjt  in  gleicher  Sßeife,  wie  baS  £anb,  axify  bie  ©ee  be* 
Wxmt  unb  betriebet  Ratten.  Sie  fdfjalten  hierin  um  fo  freier,  ba 
fit  als  fiaufleute  einer  ©ee^anbetsftabt,  als  geroanbte  ©dEjiffer,  f)ier 
in  intern  eigentlichen  Elemente  finb,  uneingefdfjränft  burd&  lanbeS-- 
|eaK$e  Dbtnad&t  unb  unrftid&e  ober  üermetnte  9tedE)te  bis  baljin  be* 
wtjugterer  ©täube,  greilid^  pnben  fie  an  ben  fremben  Äüften  nodfj 
Wnfcltfjere  ©egner,  als  ba^eim,  unb  muffen  jeben  gufe  breit  beS 
8&$ttbeft$eS  ficfi  in  unauSgefefctem  SRingen  erfämpfen,  aber  fie  treten 
0ri$  mit  größerer  ©id&ertyeit  auf,  benn  in  ben  djriftlid&en  Sänbern 
%n*  §anbel«t>erfe&rS  ifi  i&nen  von  anbern  beutfd&en  Äaufleuten 
fe*  ««gearbeitet,  in  ben  tyeibmfdfjen  aber  bewegen  fie  fi<$  mit  bem 
fM|a  öenmfetfein,  baS  2idf)t  ber  Guttur  unb  baS  §eü  beS  Triften* 


■)  3&$l  Sif<&,  *&etjcg  2Ubred)t  II.  »on  SÄeftenburg  unb  bie  novbbeutfdjen 
fc*HAen. 

*>  Si*.  Urf.;S8.  IV.  6.  228  ff. 


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154 

tljumS  borttyn  ju  trogen,  ©ie  füllen  fidfj  ben  Reiben  gegenübet  als 
SSorfämpfer  ber  einen  großen  fatljolifd&en  Äirdfje,  unb  biefe  lagt  i&re 
©dfjüfcUnge  audfj  nidfjt  im  ©tidfje,  fonbern  oerfid^t  eifrig  i^re  Siebte. 
3)ie  gembfeligfetten,  weisen  bie  Äaufieute  auf  bem  SWeere  unb  an 
ben  fernen  Äüften  begegnen,  finb  im  allgemeinen  berfelben  9lotu& 
wie  wir  fie  bisher  in  ber  $eimatl>  gefd&ilbert  l)aben:  3kemträd>tigung, 
Ueberliflung,  9taub,  sptfinberung  unb  ©emaltÜKitigtett  jeber  3lrt 
S)ie  SBeife  ber  Slbweljr  bleibt  biefelbe:  burdfj  Älugtjett  unb  ©ntfd&loffen* 
Ijeit  fd&üfcen  fie  ftdfj  unb  baS  3J)re.  Offenbare  ©ewalt  galten  fie  mit 
geroaffneter  $anb  fem,  t>orjügltd(j  aber  flreben  fie  ba^in,  bieSBurjel 
ber  ©enmttt^ätigfeit  auszurotten,  inbem  fie  fid&  t>on  ben  SanbeS* 
Ferren  unb  ©inwolinern  Siebte  jufid&ern  unb  immer  aufs  neue  Der* 
briefen  laffen.    ©erabe  wie  in  ©eutfölanb  i^re  beoorjugte  Stellung 
auf  einer  jufammenljangenben  golge  von  gretyeitsbriefen  unb  Sßri* 
trilegien  aufgebaut  wirb,  gefd>ieljt  eS  audf>  im  SluSlanbe:  ungern* 
berteS  fiommen  unb  ®el>en,  freier  Serfe^r  in  £anbel  unb  äBanbel, 
freies  ©elette,  3^ttbefreiungf  ated&tsfdjufe  bei  oorfommenben  ©eleu 
bigungen  unb  bie  fetbftänbige  Sermaltung  U)rer  eigenen  angelegen* 
Reiten  —  baS  finb  bie  fünfte,  toetd^e  fie  fidfj  überall  juerfl  auSbe* 
bingen.  2)abei  finb  fie  fid&  beffen  flar  bewufet,  bafc  fief  weit  entfern* 
Dom  SBaterlanbe,  auf  beri  ©d&ufc  beffelben  nur  mittelbar  redeten 
fönnen,  baf*  fie  alfo  auf  ttyre  eigne  gefHgfeit,  ©inmüt^igleit  unb 
auf  bte  Stdfjtung,  bie  fie  ftd&  bei  ben  gremben  erwerben,  bauen  muffen, 
©o  bilben  ftdfj  in  ber  gerne  jene  eng  gefd&loffenen  ÄaufmamtSgenoffen* 
haften  au«,  bie  Jpöfe,  weldjefd&on  x>or  SübedF S  $injutritt,  imDfieu, 
Sorben  unb  SBeften  beftanben  bei  Steutfdfjen  in  SBiSbij,  SRowgorob, 
Sergen,  in  gtanbem  unb  (Snglanb.  9tod>  aufeen  ju  aUmäljUdfj  ganj 
unabhängig,  ja  mitunter  übermütig  frei,  finb  fie  im  Qnnern  unter 
ftrenge  Siegel  unb  3ud(jt  genommen.    SRan  $at  biefe  $öfe,  wo  bis 
ins  Äleinfie  hinein  alles  beaufftdjtigt  warb,  wo  bie  Unterfd^iebe  oon 
9Reifter,  ©efeff  unb  Se^rling  genau  abgegrenzt  waren,  wot>t  jünftig> 
möndjijd)  genannt,  man  fyxt  mit  moberner  ©elbftbefpiegelung  t>om 
\)o\)tn  ©tanbpunfte  beS  gretfjanbels  aus  über  ben  ftorren,  engunt* 
föränften  ©eifi  beS  aJUttelalterS  gelädfjelt,  ber  in  biefen  Suftituten 
ftd)  auSfpräd&e,  aber  —  man  l)at  wrgeffen,  bafj  foldfje  fönri^tungm 
notijwenbig  waren  ,  fo  lange  ber  ©eifi  ber  Unbänbigfeit  bie  3*ft  te 
bem  SWafce  regierte,  wie  wir  eS  bisher  ju  fe^en ©etegen^eit  Ratten, 
bafj  biefe  $anfeaten  in  Rollern  ©rabe  U)ren  Seruf  §um  Stegiment 
baburdfc  juerfi  befunbeten,  bafc  fie  fid&  felbfi  in  bie  ©d&ule  nahmen, 


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155 

unb  bo§  ftc  mit  richtiger  SOBeuS^eit  ifjre  ©fiflcnj  mitten  unter  ben 
fremben  nur  baburdf)  mögltdf)  matten,  bafe  fte  if)re  Reinen  ©erneut* 
wfeR  aufs  fdfjärffie  sufammenfd&loffen.  $on  allen  Seiten  beneibet 
unb  angefeinbet,  wären  bie  (Sinjetnen  unrettbar  oerlorcn  geroefen, 
wem  manfie  tyrer  roiHfürtic^en  Neigung  ju  ©eroaltttiätigfetten,  Un* 
trfjtfettigfeiten,  betrug  im  §anbel,  ober  audf)  nur  ber  oerfdfjiebenartigen 
Iu3beutung  ber  ,§anbete*  unb  ©eroerbäquetlen  überladen  f)ätte.  $>ie 
iwpofante  SWaffenfjaftigfett,  mit  ber  bie  beutfdfjen  ©täbte  in  ber  grembe 
auftreten,  beruht  ebtn  auf  bem  ©enridfjt  ber  (Korporation. 

So  fefjr  aber  Sübed  unb  feine  ^JUtfäroeflern  in  ben  faufmän* 
Hiftjen  $ejie!)ungcn,  roeldfje  über  ba3  ÜJlecr  Ijm  angefnüpft  mürben, 
Wfrftänbig  auftraten,  t>erfcf)mäl)ten  fie  bod^  audfj  Ijter  bie  ^ctmifd^e 
fcfüi^e Unterftüfcung  nid&t  2Bie  ber  £erjog  $einrid;  ber  fiöroe 
fr  feinen  neu  eröffneten  £afen  ßübedt  burdf)  nad&  bem  Sorben  ent* 
fwbtc  Soten  2)änen ,  ©darneben ,  Norweger  unb  Muffen  einlaben 
Ölt,  unter  Ser^eifeung  unge^inberten  SBerfefjrä,  fo  f)at  er,  ber 
fc  Sorben  weithin  Slngefeljene,  bie  Slnjtebelung  ber  bcutfd&en  ßauf* 
tak  auf  ©otljlanb  burdfj  £erfleHung  be£  grtebenS  jtmfdfjen  ©otl)* 
Örtern  unb  2)eutfdfjen  neu  gefeftigt,  ein  gletdf)  geredeter  SRid&ter  ben 
Ätfjfönbern,  mie  feinen  Sanbätcuten,  ben  3)eutf$en,  unb  bamit 
fot  er  gftbedfö  Jpanbel  fogleidf>  bie  beftimmte  Stiftung  nadj  biefem 
Äen  Serfefptömittelpunfte  be<8  DftfeefjanbelS,  bem  ©tapelplafce  juri* 
Wen  ben  notbifd^en  Äönigretd&en ,  SRorogorob  unb  S)eutfd)lanb,  ge* 
Jtben.  @r  ijat  r  foroeit  fein  mächtiger  9iame  erfdjoH ,  feiner  ©tabt 
&  erfien  ^anbelSjugeftänbniffe  oerfd&afft  S)afe  Äönig  2Balbemar$ 
wtfibergeljenbe  £errfd(jaft  über  uns  ber  ©tabt  Sflufcen  braute,  baoon 
iwfötm  bie  Siebe:  ifyc  Jpanbel  in  SDänemarf,  i^r  §ering£fang  in 
filmen,  be$gleid&en  in  Stügcn,  iljre  frühen  3oll*  un*>  ©tranb> 
*$t&efreimtgen  längs  ber  toenbifd&en ,  b.  I).  meftenburgtfdfj*pom* 
Wföen  Äüfte  batiren  fi<$  au«  2Batbemar$  3*tt-  ©$m  äBatbemar 
fefi  jurSermeibung  ber  ©eegefa^ren  auf  ber  langauSlaufenben  flauen 
Äpi$e  ©d&onen«  ju  galfierbo  ein  l)of)e£  tjötjerne*  9BaIjrjeidf)en  für 
fc ©Ziffer  ernteten,  ju  beffen  Qnftanbfjaltung  er  freien  ^olj^ieb 
Jjrfrhtem  Sanbe  gemattete.49)  ©leider  SBetfe  tjaben  bie  Sübedfer  be3 
rS  Autorität  benufct,  um  fid&  einerfeits  uon  ifjm,  ber  im  SKittet* 
ate  ber  §ödf)fte  Dber^err  aHer  weltlid&en  3Jlad^t  galt,  audfj  in 
d  ....  Sänbern  tfjr  Siedet  Derbriefen  ju  taffen,  bie  feinem  ©cepter 
^  tmiiittelbar  unterworfen  roaren,  anbrerfeitö,  um  bie  SRegenten 

*J  (Winb.  I.  <5.  27. 


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156 

triefet  Sauber  burdf>  bie  t>on  jenen  gefreute  fatferltdfje  ©eroatt  ju 
fd&redfcn.  Unb  ebenfo  benufcen  fie  jebe  potttifd&e  33ejie!)ung,  n>eld(>e 
tf>re  9iadf>barfürjien  ju  au$länbif<$en  $errfdjern  §aben.  SRod&mefct 
aber  als  bie  weltlid&e  9Ra<$t  biente  iljnen  bie  be«  ?ßapftcö,  be8 
anetfannten  £erm  über  bie  fiänbergebtete  beS  $eibentljum8.  ®ar 
mannigfaltig  finb  bie  SBege,  auf  meieren  ba«  politifdfje  Qnterejfe  ber 
©tabt,  ber  &anbet3oortl>eit  ber  Äaufteute  mit  ben  religtöfen  unb 
politifd&en  Sntereffen  ber  Äirc^e  jufammentreffen.  Stuf  bie  norbifd&e 
$eibenwelt  Ijaben  bie  Sßäpfte  ja  früf)  i&re  Äufmerffamtett  unb  enet* 
gifdfje  3$ättgfeit  gerietet  SHeSBege  ba&in  führten  alle  übet  S)eutfö* 
lanb.  9tomentlidfj  aber  ernue«  ftd(j  bie  fidjcre  lübifd&e  SBud&t,  au«  ber 
man  nadf>  bem  innerjlen  Sömtel  be«  finnifd&en  SKeerbufenS  fahren 
fonnte,  o^ne  bie  bajwifd&en  liegenben  bamate  nodfj  ^eibnifd&en  pom* 
merftfjen  unb  preufeifdfjen  Äüfien  ju  berühren,  als  befonberS  geeignet, 
um  über  fie  bie  Sahnen  ber  dfjrifltid&en  SRiffion  ju  tenfen.  Äaum 
$at  bafjer  nodfj  ju  griebridfj  SBarbaroffa'S  Sebjeiten  ber  äugujiinei> 
möndf)  3Reinljarb  mit  bremer  Äaufleuten  Stolanb  erreicht,  fo  läjjt 
Sßapft  Göteftm  III.  ba*  Äreuj  gegen  bie  Sioen  prebigen,  unb  balb 
fdfjiffen  ftd&  ©djaaren  oon  Äreujfa^rern  in  £übedte  $afen  ein.  8Uga  wirb 
gegrünbet  unb  ber  SRttterorben  ber  ©d&roertbrüber  aufgerichtet  Äteut 
unb  ©d&roert,  SRittertyum  unb  Äirdje,  &anbel  unb  Sßolittf  gefcen  $anb 
in  ißanb.  3n  nodj  j)ö!)erm  9Rafje  mar  bicS  ber  gaU,  afe,  nadfj  ben 
erfien  SSerfud^en  SßolenS,  bie  Sßreufeen  §u  unterwerfen,  na#  ber  et» 
folglofen  Sefe&rung  be«  pommerfd&eu  2Röndf)e3  S^riftian  unb  ua$ 
ber  SRieberlage  be3  ätteflen  preufeifd&en  DrbenS,  ber  ©ruber  von 
2)obrin,  SßolenS  Jperjog  ben  beutfd&en  Drben  au«  Sfien  ju  §filfe  rief, 
unb  ber  Sanbmeifter  ^ermann  SBatf  feine  SUtterfdfjaar  ins  Äulmer  Sanb 
führte,  63  war  ein  3at>r  nadfj  ber  ©djladfjt  bei  8ornl)ööb,  unb  fd&neD 
erweifi  baS  wieber  befreite  Sfibed  feinen  83eruf  in  ber  SRUantagc 
preufeifd&er  ©täbte,  au«  bereu  ©rünbung  fidfj  für  bie  näd&fie  3*U 
bie  erfolgreid&ficn  jjanfeattfc&en  S3e§ie^ungen  entwidEeln  foHten. 

2)od&  nid&t  nur  biefe  unmittelbaren  SBortfjeile  ewmd&fen  fftt 
Sübed  a\ß  fold&en  pottttfdE)  *  Rrd^tid^n  ©onfieHationen,  au$  fonjl 
warb  Ujm  ber  päpjttidfje  @mflu&  t)on  großem  SRufcen.  S)em  ^Japfie 
mußte  natürlid^  an  bem  ©ebenen  ber  ©tabt  liegen,  über  weldje 
feine  SBerbinbungen  mit  ber  neu  eroberten  $eibenroett  gingen,  $ei 
jeber  ©elegen^eit  na^m  er  ftdj  ba^er  Sübedfö  an  unb  oermenbete 
fein  anfe^en  für  beffen  aßo^lftanb,  rebete  feinen  3«tereffen  frfiftig 
ba«  S33ortf  fd^üftte  e*  gegen  weltliche  Sebrüdfung.  3n  einer §tafid(jt 


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157 

•tat  fefonbetg  uertraten  Ätrdfje  unb  Sßapft  bie  ÄaufmannSroett,  rote 
W  im$,  fo  überall,  nämlidE)  in  Sejug  auf  bic  barbarifdjjen  ©räudfje, 
«l^tben  ©cc^anbel  t>orsfigltd(j  flöttcit  f  ©eeraub  uttb  @tranbred)t 
Sfadj  on  unfern  Äüften  war  bie  rudfjtofe  ©Ute,  au«  bem  Unglüdfe 
ber  Seefahrer  für  bie  ©tranbanwoliner  ein  äBeftfcred&t  Ijerjuleiten, 
tief  ein^rourjelt  —  unb  bie  Stefte  berfelben  ftnb  ja  no<$  nidjt  au& 
getilgt  — ,  be$l>alb  verboten  audfj  ber  Äatfer  unb  bie  roeltli^en  ffit* 
ftra  auf*  fd&arffie  bie  2lu«übung  berfelben.  2>a  fte  aber  auf«  engfte 
»t  bem  §eibentf)um  wnoafykn  mar,  fo  ließen  ftdEj  bie  $apfle  dop 
ft$mti$  bie  einfdjjärfung  ber  tmber  fie  ergangenen  ÜÄadfjtgebote 
angelegen  fein.  Qeber  Segat,  ber  ju  uns  unb  nad)  bem  SRorben 
taropaS  entfanbt  warb,  fyat  ba^er  neben  anbem  auftragen  ftetö  bie 
feneuerung  ber  gegen  ba8  ©tranbredfjt  auSgefd&riebenen  päpftlid&en 
Sdafle  }u  wBjieljen;  bie  SBewad&ung  unb  gürforge  für  biefe  ©efe^le 
mb  ben  ßrjbifdfjöfen  ttbemriefen,  roetdfje  fie  nrieber  ben  2Kfdf)öfcn 
mb  Wefe  ben  Stejtrfögetftltdfjen  ju  be^änbigen  §aben.  2)te  Sübedter 
afct  gelten  getreulich  auf  unauSgefefcte  periobtfd&e  SBteberfjotung 
*fct  ßteanbted>tSbefreiungen,  wie  fie  von  geifllid&en  unb  meltltd&en 
£mw  gegeben  waren,  fo  baß  ein  großer  SCljetl  ityrer  öefriebung 
btt  6ee  in  biefer  2^atigfeit  jufammengefaßt  werben  fann.  Unb 
wo  Verlegungen  bagegen  oorfamen,  waren  fte  eifrig  baljtnter  tyer, 
ft$  bie  ndt^ige  ®enugt^uung  ju  &erfd(}affen  ober  ben  ftatt  an  ben 
$neben*bred>ern  jU  Q^nben.  $u  bem  lefeteren  Qxotd  unb  überhaupt, 
w  ilfre  flagge  por  Unbill  auf  bem  SKeere  ju  fd&ü$en  unb  jeber 
3*ft  %wc  geroaffneten  Stbweljr  bereit  ju  feinf  Ijabcn  fte  benn  fe^r 
ba&  nkf>t  bloß  i^re  $anbel8fd&iffe  mit  ©dlju&roaffen  wrfeljen,  fonbem 
eigene  ÄriegS*  ober  DrlogSfdjjiffe  erbaut,  mit  ^ofjem  hinter*  unb 
SoäercafteU  unb  roo^t  befe|t  mit  Ärteg$fnedf>ten.  llnfere  G^rontf 
«Itylt  un*  fäon  oon  einer  ©eefd&ladfjt  gegen  Äönig  SBalbemar,  ber 
iw$  ber  -Rieberlage  bei  33orn§öt>b  bie  Stabt  nodj  nid&t  aufgeben 
wüte  unb  uriebertyotte  Singriffe  auf  Sraoemünbe  mad&te.  S)ie  Sübedter, 
Wt  e$  bafelbft,  Ratten  gegen  bie  befonberS  großen  bämfdfjen  ©djjiffe 
Wfr  große  ©d&tffe  auägerüfiet,  mit  gutem  ÄriegSjeug  unb  wot)l  be* 
■ttttf  um  bie  £rat>emfinber  9tf>ebe  }u  fcpfcen.  ®a  fte  nun  be$ 
tagt  3fomejenJ>eit  uor  ber  3Barnow  erfahren,  fo  Ratten  fie  rafdfj 
tyfjfen,  baß  fie  auf  offener  ©ee  ein  t>icl  fadster  Streiten  Ratten, 
Ä  tfc  tyrem  $afen  ober  gar  auf  bem  Sanbe,  roo  ©raf  Slbolf  IV. 
W6^auenburg  bem  Äönig  Seifianb  geleiflet  fyc&tn  mürbe.  ,,©e 
to  ^elpe  gob  attmed^tig  unb  ere  redete  unbe  loggen  em  mit 


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158 

batben  mobe  na.  SSor  be  SBamome  bar  ftribben  fe  mit  em  san 
prime  bet  to  oe«pertib.  3)er  groteften  fdfjepe  nmnnen  fe  moe,  be 
faanben  fe  to  Ijant  S)at  aflergrotefte  fd&ip,  barinne  roeren  mer  ben 
ner^unbert  man  mit  willen  roapene,  bat  nmnnen  fc  lefi  mit  groter 
not;  barinne  fe  flößten  unbe  nengf>en  allet,  bat  bar  ma«.  SDetoitbtgl 
Dil  lume  untflod).  Sllbu«  g^af  en  gob  mit  finer  craft  nnütberltfen 
ben  feg!)e  van  beme  $emcle,  bat  fe  bleuen  fint  bt)  erer  arbeit;  bei 
mote  gob  fin  beneb^t  unbe  l>ebben  lof  unbe  ere  nu  unbe  jummet 
ahnen."50)  S)a6  fid)  nötigenfalls  bie  33ert§eibigung  balb  aud)  in 
Angriff  t>erroanbette,  ifi  fd&on  an  bem  Seifptele  be«  Äöntg«  6ci# 
Sßriefterfeutb  t)on  -Jtorroegen  -bargelegt  Unb  fo  oft  e«  auf  bem  HJteere 
unruhig  wirb,  fo  ba&  bem  $anbel  ©efaljr  brot)t,  Seeräuber  fid)  je** 
gen  u.  bgl,  fo  fdtfiefcen  ftd&  bie  ©tobte  gleidfj  jum  ©eefrteben«bfinb' 
niffe,  äljnltdf)  wie  ju  ben  Sanbf  rieben,  an  einanber,  namenttidfj  bie 
an  unferer  nafyen  Dfifeefüfte  gelegenen,  bie  fritye  bie  gemeinfame 
83ejeid&nung  ber  ftaoifd&en  ober  roenbifd&en  tyaben :  Sübed,  2Bi$mat, 
Sftoftodf,  @reif«roalbe,  ©tralfunb,  Stettin.  Samt  barf  fein  $anbe& 
fd&iff  allein  fahren,  jie  ge&en  alle  im  ©eleite  ber  ÄriegSfd&iffe,  unb 
bie  Srebeloggen  ber  ©eeftäbte  fäubern  ba$  3Reer. 

Sübedte  ättefte  ©tabtfiegei,  bereu  e«  fid^  bi«  jum  15.  ^rljunfcert 
allein  bebiente,  jeigen  befanntlid&  nid&t  ben  2lbler,  ba«  ©mnbilb  be$ 
Sfleid^eS,  f  onbern,  mie  bie  filtern  ©iegel  Bieter  n>eft*  unb  oftbeutfdfjen  See* 
ftäbte,  ein  ©d&tff.  2lm  Sorber*  unb  $htterbug  bodjj  mit  S^ierfopfen 
gejtert,  n>o$l  genietet  unb  gefugt  in  ©parren  unb  Sßlanfen,  mit 
Sauen  aufgemalt,  bie  geseilte  roetyenbe  flagge  am  3Äaft,  .ifi  eS 
ein  3™^  bw  fitiftxn  ©cefatyrt,  ber  foltben  SBefriebung  unb  $e< 
$errfd&ung  ber  ©ee.  2tm  ©teuer  tin!«  fifet  ein  2ilter,  ein  Jüngling 
fafct  fräftig  in«  Sau  unb  geigt  mit  ber  &anb  na$  oben-  äBeiÄ&eit 
unb  jugenblid&er  ättutl),  eigne«  rfifüge«  ©Raffen  unb  ©ottoertrauen 
leiten  ba«  ©djiff  unoerfe&rt  burd)  bie  f)od(jgel)enbett  äBeHen.  Ilttfete 
Säter  oerftanben  e«,  nid^t  blofc  in  ben  Sau  ifcrer  SRatl^aufer  unb 
Stürme  finnige  ©cbanfen  fjtneinjulegen,  fonbern  audfj  ein  fdjlidfjteS 
©iegel  jum  äBa^rjeid^en  beffen  ju  mad&en,  roaä  ber  Inbegriff  fytö 
SfyxnS  mar.  2)a«  Stüdffiegel  ju  biefem  ©d&tffe  ifi  aber  ba«  «Üb 
be«  ftfeenben -Äaifer«  mit©cepter  unb  SBeltfugel:  auf  bem8&r$äfo# 
ju  U>m  beruhte  ber  ©dfjirm  badetet,  ber  ßanbfriebe. 

SMcfe  geboppelte  S^ätigfeit  Sttbe<&  jur  $erjteOung  eine«  ge> 


MJ  ©tautoff,  I.  112  fe- 


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zedby  G00gk 


1S9 

R^erten  friebeaollen  Sufanbe«,  in  roeld&em  ber  93erfef)r  her  ©tabte 
jebeUjen  forme,  nid&t  minber  tttÄ  Steidfj  hinein,  alä  in  bie  See 
IjaMrö,  mufe  norroiegenb  als  bie  Urfadfje  angeben  werben,  meldte 
Sfibe&  Stebeutung  fo  fdfjnell  in  bie  ipölje  braute.  Sübecf  log  jur 
Serfrmbung  ber  biß  bo^in  vom  beutfd&en  ©anbei  attein  ausgebeuteten 
Rotbfee  mit  bet  nun  eröffneten  Dftfee  befonberS  günftig.  S)a£  trifft 
ja  nod>  Ijeute  ju,  unter  ganj  t>eränberten  93erfef)rgDert)ältniffen,  nrie 
wel  mefjr  mufete  e3  bamate  in  bie  SBagfd&ale  fallen.  3Rit  ber  SRorbfee 
but$  bie  @lbe  unb  Hamburg  auf  ber  ffirjejien  Sanbftredfe  oerbunben, 
gegen  bie  Oftfee  mit  feiner  $ud)t  jugleid)  nadfj  ben  brei  norbtfdfjen 
Reihen  unb  nad&  bem  fernen  SRorboflen  gerietet,  babei  geftd&ert 
im  3mtern  ber  Sudjjt,  jroei  SReilen  in«  2anb  hinein  an  bem  f$tff* 
taten,  aber  leidfit  $u  fperrenben  ftfafee,  auf  bem  ofyte  ©tranbung«* 
gefaxt  bie  See  fid>  fd&nett  erreid&en  tiefe,  mit  bem  Steige  burdf>  bie 
gaabeften,  bamate  t>om  Raubet  belebten  ©tragen  über  Sfineburg 
aaf  ©raunfd&meig,  über  ©aljroebel  auf  3Wagbeburg  in  regem  93er* 
Wjc,  nmfete  SübedE  bie  Sermittlerin  be$  flanbrif($  engUjc^^franjöfif^en 
&Öuß  unb  be&  ffanbinaoif<$*ruffifdf)en  SRorbenä  unb  -JiorboftenS 
wohn,  ber  Sanbt>erbinbung  mit  bem  ©üben  ©uropa'3  gar  nid^t 
ja  flebenfen.  ©enn  burd&  bie  ©ee  tjorjügtid^  l>at  eö  feine  2)ebeutung 
erlangt  SSie  triel  leistet  liefe  fi$  bie  ©ee  betrieben,  afe  ba3  Sanb, 
••  man  ba«  2lmt  ber  griebenSfdfjirmer  mit  fo  tnelen  feilen  mufete. 
SKe  ötel  bereuter  führte  man  bie  SBaaren  jur  ©ee  Ijer,  al«  auf 
ben  bamaKgen  Sanbjtrafeen.  S)a8  begriffen  audfj  bie  Stnnenfiäbte 
JDaitfölanbS,  unb  Sübecf  warb  balb  nid)t  nur  Ujre  SSertreterin  im 
fttflanbe,  fonbern  führte  fte  f eiber  in«  SluSlanb  ein:  fte  treiben 
b»  ©anbei  nidf>t  blofe  über  2übe<f  nadfj  bem  Sorben,  fonbern  unter 
btm  &fam  unfrer  ©tabt  treten  fte  mit  gleiten  9te<$ten  in  ber 
$ftmbe  «nf.  SBBir  befttjen  nodf>  ein  un$  hierüber  unterrid&tenbeS 
6^reiben  be$  SRat^eä  unfrer  ©tabt  an  ben  lübedfer  äeltermann  auf 
SH^anb  wm  Saljre  1273,  worin  ben  bortigen  Äaufleuten  mitgeteilt 
•*f  bafe  bie  Sübedter  bie  flaufleute  t>on  ©atjwebel  in  Ujre  ©ifee 
«*  fkttoffenfd&aft  §u  SBtöbp  aufgenommen  Ratten.51)  Stoma!« 
*fc  Sttecf  wo^l  angefeljen  auf  ©otljlanb,  aber  bie  ©efeHfd&aft 
*Jft|er  Jtoufleute  ju  SBiSbp,  weld&e  älter  mar,  als  fiübedt,  übte 
*|lfe  eigne  Autonomie  nid&t  blofe  über  ©ot^lanb,  fonbern  aud& 
feta  §of  ju  Stowgorob,  beffen  ©rünbung  oon  SBiSbp  ausgegangen 

■0  ***.  Urf.*fB.  UI.  6.  17. 


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zedby  G00gle 


160 

war.  Sßenige  3a^r}c^nbe  fpäter  fetyen  wir  Sübedf,  in  gfolge  feinet 
gehobenen  3Wad^t  feit  bem  Stojtodfer  Sanbfrieben  unb  ber  ftegteid^en 
norwegifdfjen  ©eefe^bc,  SBiSbij  t)om  Sßlafc  brängen.  $>urdf>  SJefdfjlufJ 
bet  angekauften  ©täbte  von  Göin  unb  SBefifaten  an  bis  Sßreufcen 
l)in  wirb  fefigefefct,  bafi  in  3*rtunft  bei  Älagen,  betreffenb  ben  £of 
ju  Stowgorob,  nid&t  me&r  nacfj  SBtöbt),  fonbern  nacij  Sübedf  Sefdjjwetbe 
eingelegt  werben  foße.62)  2)er  &of  ju  SRowgorob  warb  bamit  unter 
ba«  Dbergerid&t  be«  lübedfifdfjen  9tatbe3  gejieHt,  unb  biefer  |at  bie 
i&m  übertragene  SBefugnife  getreulich  ausgeübt,  inbent  er  nid&t  nur 
bie  ©eutfd&en  ju  SRowgorob  gegen  Unbill  fd&üfcte,  fonbern  audj  bie 
borten  tommenben  Äaufteute  gegen  ben  $of  fetter  im  gaD  ber 
Seeinträd&ttgung  ober  SBiDfür  t>ertf)etbigte,  unb  in  S3e§ug  auf  ©o* 
ttbität  ber  äöaaren,  auf  $reue  in  $anbel  unb  SBanbel  ein  fdfjarfeS 
Regiment  führte.  Qn  äfjntid&er  SKrt  treten  bie  anbem  Stnftebelungen 
beutfd&er  Äauffeute  ober  i^r  b*tfömmlid(jer  SSerfe^r  nadfj  gewtffen 
©egenben  ju  beftimmter  3af)re3jeit  ober  auf  Steffen  u.  bgt.  unter 
Sübecfö  Suprematie,  weld&eS  o§ne  förmlichen  Sefd&lufc  allmä^li^ 
in  ben  ehtjelnen  $anbetöregionen  baS  Uebergewtd&t  befommt  unb 
fdjUeftlicb  an  bie  ©pifce  aller  ©täbte  gefteflt  wirb.  2Bir  fönnen  na$ 
ber  einfadfjen  unb  natürlichen  ©ntwidfelung  aller  foldfjer  Suftänfce 
im  SWittelatter  nid&t  immer  mit  ©ewi&fjeit  3fa^r  unb  S)atum,  ge* 
nauen  Sorgang  unb  2lebnltdfje8  angeben,  aber  mir  bemerfen  e$  an 
ben  SRefultaten.  3n  bergen  l)atte  fiübedf  {ebenfalls  bie  p&rung 
feit  bem  @nbe  beS  norwegifd&en  ÄriegeS,  benn  unfre  Stabt  fjatte  bie 
(Spaltung  ber  borttgen  greüjetten  burdfjgefefct.  Qn  ©d&onen  rnufe 
wegen  ber  naljen  Weiterungen  Sübedfö  ju  ©änemarf  fd&on  non  ber 
frü^eften  Sei*  an  ein  ©leidfjeä  ber  ftaü  gemefen  fein.  %n  ©nglanb 
war  ßöln  als  bie  mädfjtigfte  r^einifd^e  ©tobt  fo  too^t  in  bem  Äauf* 
fymfe  ber  ffieutfd&en  ju  Sonbon  (©ilbeljaffe,  fpäter  ©tafcttjof),  als 
in  anbem  faufmännifd&en  SSerbinbungen  ju  SBofton  unb  Spttn, 
bisher  bie  Hüterin  beider  gretyeit  gewefen.  ©8  blieben  tiefe 
engltfd&en  Äauftöfe,  gerabc  wie  bie  flanbrifdjen,  ballet  auclj  fpäter 
in  tyrer  eigenen  SJerfaffung  unabhängiger  vorn  Statte  ju  ßübedt,  aB 
j.  8.  ber  aon  SRowgorob.  aber  ber  (8influ&  Sübedte  machte  fidf) 
audfj  f)ier  nod)  im  13.  3at)rf)unbert  geltenb,  unb  bie  gölner  Ijabe*, 
fo  weit  mir  e$  ©erfolgen  fönnen,  fdfjon  bamal«  bie  gityrung  ber 
©tobt  überlaffen  muffen,  roeld&e  ftd^,  na^  bem  Urteile  ber  Set^eitigten, 


nj  dbenb.  I.  ©.  553  ff. 


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Gpogle 


161 

beä  bctttfdjen  ^anbete  am   eifrigften  annahm,     3m  Sßrhnlegium 
Saijer  griebricfyo  II.  nrirb  unfrer  <Stabt  fd&on  jugefid&ert:  n>enn  itjre 
Sfagcr  bereinft  naö)  (Snglanb  gingen,  faßten  fie  frei  fein  von  bem 
Stade,  mit  welkem  iljnen  bie  von  6öln,  Siel  u.  2t.  gebroljt  Ratten, 
«nk  füllten  mit  tiefen  gleite  9tedf)te  gentefeen.    Sfteifeig  ftatyt  fpäter 
erfangen  bie  Sübeder  von  Äönig  ^einrid^  III.  t>on  ©ngtanb  befonbere 
Jretyeiten,  wir  fxnben  fie  auf  Sonbon  unb  anbete  $J5täfce  ^anbelnb,  unb 
#  lange,  fo  roanbern  bie  Betätigungen  ber  allgemeinen  Sfte^te  bet 
foufleute,  bie  jur  ©ilbefyatte  gehören  iu£  lübeder  %xö)iv  unb  Streitig* 
feiten  werben  jur  ©ntfdjeibung  nadj)  Sübed  berietet,    ©eitnf*  §ängt 
**  gtö&ete  Säufern  ber  Sübeder  in  ßnglanb  mit  i&rem  Derme^rten 
ßinflufe  in  gianbern  jufammen,  von  wo  ber  lebtyaftefte  Berfefjr  mit 
Snglanb  fiattfanb.    5Die  flanbrifd^en  $anbetepläfce,  ©lutö,  Stamm, 
^otout,  Siel,  Brügge,  2)pern,  ©ent,  Sßöperingen  u.  a.,  fann  man 
fcili<$  nid^t  eigentlich   als  frembe  betrauten,  aber  fie  finb  bodj 
wjen  ber  frül)  feljr  jelbftänbigen  Stellung  biefer  Sanbföaften,  unb 
ttölbie  ©rafen  oon  glanbem  jum  £(>etl  auä)  franjöftfd&e  SefjnSlierren 
«ran,  in  einer  ätynltd&en  Oppofition  gegen  baS  übrige  ®eutfd)lanb, 
•kftembe  $anbelSplä&e.    SDie  SDeutfdfjen  §aben  aljo  auä)  bort  jur 
äjttjme^r  i&re  eigenen  Sorporationen  unb  galten  mad&fam  über 
ijten  Siebten   gegenüber  Un  Blamlänbern.     Sübed  gewinnt  bie 
ttften  greibriefe  in  ben  Slieberlanben  burdjj  unb  unter  bem  ©rafen 
Sil^elm  von  $oIIanb,  ber  fpäter  jum  römifd&en  Äönige  gemault 
wirb.  9todj  ju  beffen  3^iten  1252  erhält  ber  Berein  ber  beulten 
ftwfleute,  toeld&e  ©otylanb  befugen,  Betätigung  ber  Befreiungen, 
wie  fie  btöl)er  für  SDeutfd&e  in  glanbern  gegolten,  unb  eine  fefte 
Mrolle.    ©ner  ber  äbgeorbneten,  bie  baS  in  Brügge  burd)fedf)ten, 
lein  Sübeder,  §erm.  Lopera,  ber  jroeite  ein  Hamburger,  Sorban.63) 
8te  aber  um  1280  Ijerum  nou  Dleuem  £lag:n  über  fcanbelSbeein* 
Wdjtigungen  in  Brügge  fidf)  Raufen,  aorjüglidE)  über  unrebltdfjeS  @e* 
rt^t,  ba  enttmdelt  Sübed  oolle  SEfjätigfeit.    S)urdö  gemeinsamen 
Scfölufe  nrirb  eine  3u>ang3ma&regel  gegen  Brügge  burdjgefefct,  ju 
kt  au$  bie  ferneren  beutfdfjen  Binnenftäbte  na<$  ber  Steige  üjre 
Mfemnung  geben.    S)er   ©tapel    mirb   nämlidf)  nadf>  Sttrbenborg 
fc  benad&barten  Seelanb  perlegt,  bort  foll  fortan  ber  beutfdEje  Äauf* 
**»  perfe^ren.    ©leidfjjeitig  aber  betreiben  bie  Sübeder,  in  Ber* 
fttang  mit  ben  fiaufleuten  anbrer  Stationen,  franjöfijdjen,  fpanifd^en, 

M)  dbenb.  I.  <&.  171  fg.  ©artoriu*,  Urf.  ®ef*.  IL,  54  ff. 
4<Uf$r.  f  Üb.  @f fa.  ÜJl.  3  J&eft  1  1 1 


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163 

noDattejtfd&en,  ptoDenjoUföen,  bie  SCuäföfjming  unb  llutet^anblung 
mit  ber  ©tabt,  bcm  ©rafen  von  glanbern  unb  bem  Ferren  oon 
©tjiet  in  33riigge«  unmittelbarer  §Rät)e.  6me  SBageorbnung  urirb 
gegeben  unb  ben  Sefd^merben  abgeholfen,54) 

{Derjenige,  weiset  biefeS  im  Wamtn  bet  ©tabt  Sfibedf  burd&fid&t, 
ifi  aufjer  bem  früher  genannten  Sodann  3Jtönd(j,  roeldfjen  wir  fdjon 
ate  biplomattfd&en  ttnter^änbler  Sübedfö  fennen  lernten,  ein  anbrer 
Stotfynann,  mettetdfjt  ein  geborener  gftamlänber,  mütbeften«  au«  baljet 
ftammenber  ftamtUe,  nrie  fein  SRame  befagt,  Öoljann  ©oroaie  ober 
t)on  S)ouap  im  franjöfifd&en  gtanbem.  ©enrifc  mahlte  man  ifyn, 
weil  er  ber  bortigen  83ert)älttttffe  funbig  mar,  aber  audfj  um  feiner 
9tül)rigfeit  unb  ttmfid&t  mitten,  benn  mir  fet>en  tyn  Seit  feine«  2*btn& 
aller  Orten  in  lübtfdfjen  SRiffionen  tljättg.  -3f)n  fdjiden  fte  nid>t 
nur  nad(j  glanbem,  au<$  burdj  ben  ganjen  -Korben,  na<$  ©darneben, 
S)änemarf,  SRormegen,  ©filjlanb,  unb  bie  midfjtigften  Verträge  roerben 
oon  i§m  abgefd&loffen.  Site  jtdfj  einmal  bie  ©efcljäfte  bei  foldjer 
©etegen^eit  fiarf  Raufen  unb  ein  9tatl)«befel)t  bem  anbern  folgt, 
fdfjreibt  er  au«  ©otylanb:55)  „$tyc  fytbt  mir  juerft  in  eurem  ©riefe 
befohlen,  ba  id)  au«  ©ft^lanb  tarn,  id)  fottte  fogteidf)  nrieber  baljitt 
umlegen,  bem  Slbgeorbneten  ber  bämfdjjen  Äönigin  (©ftylanb  war 
bamal«  bänifd&)  ju  begegnen,  darauf,  al«  id(>  fd&on  pr  Steife  fettig 
mar,  fd&riebt  Ujr  mir,  td(j  foHte  erft  in  ©otfjlanb  bie  obliegenben 
©efdjäfte  mit  2Rarquarb  beforgen.  S)a«  fyabt  tdE)  get^an,  ©Ott  toei& 
e«,  fo  gut  unb  ma^aftig  idfj  e«  tonnte,  unb  ^ier  folgt  ber  93rief, 
meldten  id)  (wa§rfd&eutttd&  in  ber  ootljtn  ermähnten  Angelegenheit 
mit  Stomgorob)  mit  einstigen  SDtönnern  au«  anbern  Stäbten  auf* 
gefegt  Ijabe.  Qefet  aber,  ba  tdfj  glaubte  oon  folgen  Sorgen  gän)lü$ 
befreit  ju  fein,  fdfjriebt  ifjr  mir,  id&  muffe  mit  ben  SBriefcn  be« 
Äönig«  unb  ber  Äöniginn  von  3)änemarf  (Slgne«  unb  il>r  So§n 
<Srid&  3Wem>eb)  abermal«  nad&  ©ftytanb  umlegen.  S)a«  iji  mit 
aber  fet>r  ferner,  rote  ein  Qeber  von  eudfj  leidet  abnehmen  tann. 
3)enn  idfj  fofl  mid)  unenbltd&en  2RüI)en  unterbieten  um  eine  mi&Ü$e 
©ac&e.  (@8  Rubelte  ftd(j  um  Srfafe  unb  SBiebererftattung  eine«  in  2öü> 
lanb  gepranbeten  lübifd&en  ©dfjtffe«,  unb  mar  fd&on  mel  $ht*  unb 
§erf$icfen  barum  gemefen.)  3$  färbte  nämlidd,  bafj  td&  ntd&t«  ober 
nur  menig  au«rid&ten  !ann,  ba«  (Sine  aber  roeifj  i<$,  ba&  tdf>  mit 


«*)  m.  Urf.  ©.  I.  ©.  370  ff. 
M)  (Jftenb.  I.  <S.  463  fg. 


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163 

mel  fteinbe  bamit  madfje.  Obwohl  mir  nun  aber  alle«  ©ebadfjte  fdfjmierig 
tmb  läjiig  ift  r  fann  idj  bod^  meber,  nodj  barf  unb  mtU  iü)  euren 
Stafdjen  entgegen  Ijanbetn,  fonbern  null  gteidjfam  mie  ein  Verbannter 
alte  erbulben.  SDodf)  bitte  idf)  @urc  2Bei3f)eiten,  bafe  i§r  meiner 
2W8mmerm&  ju  gebenfen  geruht,  unb  mir  namentlidf)  §urücf  melbet, 
wann  ber  banifd^e  Hauptmann  (in  SReüat)  hinüber  gefjt  (na<$  6ft^» 
Icnb).  Sterin  menn  ber  nid^t  nad&  SÄeuat  fommt,  fo  beforge  tdj, 
nujjtä  ausrichten  ju  fönnen. 

60  fölidjt  unb  einfach,  fajl  tote  ein  Äinb,  treibt  ein  SRann, 
ber  bamate  fiübedte  mtd&tigfte  ©efd^äftc  auf  §änben  Ijatte,  ber,  mie 
rntf  SUbred&t  von  Sarbemif  erjagt,  jugleidfj  Sübedtö  Ärtegäjeugmeifier 
war,  roenigften«  für  eine  3eit-5G)  @°  wie  er/  #  a&e*  &ie  9anJe 
3*1  Sie  nehmen  alle«  perfönlidE),  unb  orbnen  tyre  $erfon  bodfj 
mit  ber  größten  SereitroiDÜgfeit  ben  ©afcungen  unter,  bie  fte  felber 
werfennen,  fclbft  mit  befd^loffen  Ijaben.  3)aS  giebt  iljren  $anblungen 
&  ungemeine  £f)atfräftigfeit,  grifc^e  unb  Urfpriinglidftfeit,  baS 
ptägt  felbft  manchem  geroalttljättgen  unb  nnttfürlidien  Verfahren  ben 
öipcl  beS  Äedfjte  auf,  in  beffen  SBeroufctfein  bie  S^at  begangen 
wrtt  Stemmen  mir  baju,  bafe  fold^  Stingen  unb  Äämpfen  perfdfjiebener 
Sty&mfpriid&e  ben  SJerftanb  ftprfen,  ben  ßtyarafter  ftäljten,  bie 
Stydjaftigtcit  beförbem  mu&te,  fo  werben  mir  nid&t  ju  gering  von 
rätt&ü  wnb  einer  ©eneration  benfen  moHen,  ber  mir  im  2lu* 
HöiNidfe,  ba  ba&  9teid)  au«  einanber  ju  fallen  brofjte,  bie  Gattung 
ttfe*  beffen  wrbanfen,  ma«  Ijeute  nodf)  unfern  Sefifc  auSmadjt,  ber 
Mmenttöi)  nrir  Sfibedfer  ba«  Ijöd&fte  ©ut  banfen,  unfre  greüjett. 


Ä)  (Braut  off  I.,  413.:    $fr  3ef)an  »an  'Dotoatye  mibe  Ijtx  fXelf  ©clbcg^e 
fcfrfwawbfn  be*  ftabr*  armfccrjle  unbf  bat  fdjot  (1998). 


11« 


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164 


111. 

®$tttet  auf  ber  HüU&tt  33it$ne, 

SBotlefuttg  in  bem  fcübetfifdjen  Sweig^ereine  bet  $>eutfd)en  ©djiUetfiiftung, 
gehalten  »on  Dr.  SR.  gunf.1) 


2Mne  geehrten  3)amen  unb  Ferren! 

ie  legten  Qafjrjefinte  fabelt  uns  fo  ja^lreidEje  unb  treffltd&e  2tr* 
beiten  über  bie  Sßerfon  unb  Sßerfe  beg  SKanneä,  nadf)  wetd&em  unfer 
SSctein  feinen  Flamen  fü^rt,  geliefert,  bafe  eS  faum  gelingen  mödfjte, 
biefen  naty  allen  Seiten  Ijm  erfd&öpfenben  Sdfjitberungen    beffen, 
wag  ©djißer  unferem  SSolfe  gemefen  ift,  wef$alb  jktö  fein  Warnt 
mit  ©fjren  genannt  werben  wirb,  eine  t)on  neuen  ©ejtdfjtSpunften 
auÄge^enbe  anjuretyen,  ober  eine  £)arfielhmgSwetfe  ju  ftnben,  weldfre 
einen  Sorjug  oor  ben  bisher  gewählten  in  äfafprudj)  neunten  btirfte. 
2lber  jur  Beantwortung  ber  ^age:  wie  fjat  unfer  33olf  bie  ©aben 
aufgenommen,  bie  t$m  burd&  ©dritter  geboten  würben?  wie  §at  es 
ft<§  ben  SBerfen  feines  ©eifteS  gegenüber  »ermatten?  wäre  e«  im* 
merljin  trietteidfjt  möglich,  no<$  einen  Reinen  Seitrag  ju  liefern. 
3)ie  fürjefte  unb  befte  Antwort  auf  biefe  grage  ift  freittdfj   ber 
10.  3lot)ember  1859  unb  unfre  Stiftung;  ütbefe  t)erlo^nt  e3  fi$ 
wof)l  ber  SJKüfje,  audjj  nodfj  etwa«  mefjr  tng  ©injelne  ju  getyn,  unb 
ju  unterfudfjen,  wetdjje  Stellung  ju  ScfjtHer'S  SBerfen  fowoljl  bie* 
jenigen  einnahmen,   weldfje  ben  SBeruf   Ijabeu,   bie  bramattfdjen 
Sdfjöpfungen  ber  S)id&ter  bem  SSolfe  porjufüljren,  als  audj)   bie, 
weldfje  nid&t  nur  ein  ebleS  Vergnügen,  fonbem  SBetefjrung  unb  Sil* 
bung  aus  folgen  SJarjießungen  fd&öpfen  foDen.     Sft  es  bo<§  ein 
nidjt  unwichtiges  3Moment  für  bie  Beurteilung  ber  SKuffaffung, 
weld;e  Sdfjaufpieler  von  i^rer  Äunft  Ijaben,  wie  üon  ber  2lnftcj&t, 
weld&e  baS  Sßubtifum  oon  bem  3wedfe  unb  ber  Sebeutung    be$ 


')  Wllt  ©fncfjmigung  be*  JBerfaffer«  ifl  ber  Slbbrucf  biefe«  fflortrafl«  au«  ben 
S&brcfifäen  Rättern  3a$rg.  1868  .*J  8  ff.  tytx  tofebet$oU.  S)ie  9teb. 


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ii   1*1 


166 

Sweaters  Ijegt,  wenn  mit  wiffen,  wie  man  oon  beiben  Seiten  ben 
Serien  bcr  SRänner  begegnet,  weld&e  nidfjt  nur  3)id)ter  bebeutenber 
toamatifd&er  SBerfe  waren,  fonbern  burdj  bicfelben  gerabeju  epodje* 
matynb  würben.  Um  in  biefer  Sejiefjung  fowofjt  bie  Seiter  unferer 
8fi$ne,  wie  bie  Seoölferung  unferer  ©tabt  ju  prüfen,  werbe  \$ 
mir  erlauben,  3ftnen  furj  ba8  ©dfjidfal  Borjufüfjren,  wel<$e«  ©$tt* 
lert  S)ramen  biÄ&et  bei  un8  gehabt  fyabtn.  fieiber  fann  xi\  jebod) 
Faum  meljr  als  fragmentariföe  Zotigen  bieten,  ba  bie  SJtangeUjaftig* 
feit  her  Quellen  für  bie  ©efd&id&te  unfereS  Sweater«  etwa«  SSoHftän* 
bige$  ju  geben  unmögüd)  madfjt*) 

Site  ©d&itter'S  SRame  juerft  auf  ben  beutföen  ©ü^nen  genannt 
würbe,  Ijatte  Sübed  nod>  fein  fieljenbeä  Sweater.  SKlIerbingS  gab  e$ 
bereit«  feit  1756  in  ber  oberen  Sedergrube  Jß  158  ein  „©djaufpiet* 
faß,"  aud)  „Opernt)au8"  ober  „(Somöbien^au«"  genannt,  beffen 
9e|t&er,  bie  ©ebrüber  Jürgen  $inrtdf>  unb  Qo^ann  (Saäpar  ©dfjrö* 
bcr,  feit  1776  gfriebridj  äBttyelm  Qbbt,  ba3  flet«  nur  für  eine  getoiffe 
Sei|e  von  Sauren  tynen  erteilte  Privilegium  Ratten,  „bafc  alle 
%ttli<$en  6d)aufpiele,  welche  in  ^iefiger  ©tabt  gegeben  werben, 
«npbroo  anberS,  als  in  bem  gebauten  ©dfjaufpielfjaufe  aufgeführt 
wAen  bürfen,"  aber  nur  uorüberge^enb  würbe  feine  93ül;ne  geöff* 
nei,  wenn  eine  wanbernbe  Gruppe  ftdj  für  einige  Söodfjen  t)ier  nie* 
btrliefe,  um  ben  S)emof)nern  unferer  ©tabt  bie  ©rjeugmffe  ber  bra* 
mattfd^en  S)i<$tfunft  twrjufü^ren.  äBaren  eS  gleid)  jumeift  nur  8ujt* 
fjwele  ber  geroö^nli^en  2lrt,  wetdje  bie  3uf$auet  ergöfcten,  fo  fan* 
ben  biefe  fieifiungen  bod>  großen  Seifall,  unb  ber  Slnbrang  ju  beu 
SorfteBungen  war  ber  Slrt,  baß  „SBürgermeiflere  unb  9tat$"  fidfj 
wranlafjt  fallen,  jur  Slufredjtyattung  ber  Drbnung  eine  ftarfe  SBadfje 
ta  ba$  ©d&aufpiel  JU  fd&iden,  audfj  jirenge  SWanbate  jur  33erl>ütung 
oon  Unglücksfällen  ju  erlaffen.3) 


*)  $i$  in  bie  aHerneuejie  Seit  herein  fe^lt  e«  an  regelmäßigen  unb  feraud)* 
toten  1fyatet*<5ritffeu. 

$a«*tyneaen:  5Die  „SüBetfifäen  Singeigen"  feit  1780.  -  5Die  auf  ber  t}\t> 
Ig»  6tabU$ibiiot$ef  Befinblidje  Sammlung  »on  $$eater>3fiteln  unb  »erfdjiebenen 
*  tyeat«  Betreffenben  $rucff«rifteu  unb  2Ranufcrtyten.  -  93gl.  au*  £einri$ 
Wtrt,  bie  bramatffäe  Jtunjl  unb  ba«  Xtyeater  gu  ßü&ecf.    Sfibetf  1862. 

*)  SRanbat  »egen  ber  Drbnung  ber  tfutfdjen  vorm  @$auft>ieit)aufe  som 
H.3an.  1782;  unb  SWanbat  toegen  ber  Söorfetyrungen  toiber  bie  geuerlgcfa^r 
fc  64)4ttfpletyattfe,  twm  14.  3an.  1784,  reblb.  1.  $ecBr.  1798,  —  beibe  feieber* 
Mt  in  ben  E&Betfifd^en  ^ngeigen  afcgebnuft,  g.  33. 1784  ^  40,  1798  *W  92,  100. 


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zedby  G00gk 


166 

SRameittttdj  toar  e«  bie  @(§aufptele^©efell^aft  be$  Rian  %\ty, 
welche  feit  1782  faft  alljä&rliä)  für  längere  ober  lürjere  3eit  l)ier 
auftrat,  ©te  $atte  jeitroeiUg  ganj  tüd&tige  ßräfte  unter  i^ren  3Rit< 
gtiebern,4)  unb  war  jlet«  bemüht,  foroofjl  neuere  ©ad&en,  namentlich 
bie  SBerfe  ber  3eitgenoffen:  ßefftng,  Sfflanb,  unb  Äo&ebue,  jur 
SHuffü^rung  ju  bringen,  ate  au<§  namhafte  filtere  ©tüdfe  t)on  ©fjafe* 
fpeare,  ©orneifle,  unb  2tnberen  uuöergeffen  ju  erhalten.  6«  mödjte 
befföalb  faum  suläffig  fein,  au«  bem  geilen  von  Stadfjridfjten  über 
äuffü^rungen  ber  brei  erfien  ©d&aufpiele  SdfjiUer'«  balb  nad&  i^rem 
(Srfdjetnen  ju  fdfjlieften,  ba&  foldfje  in  jenen  Satyrn  §to  überall 
nidjt  fkttgefunben  Ratten.  2We  brei:  „35te  SRäuber,"  „gie«co," 
unb  „Äabale  unb  Siebe"  erregten  im  ganjen  3)eutfd&tanb  aufeer* 
orbentltd&e«  Sluffe^n,  namenttidj  „bte  Stäuber,"  roeld&e  balb  nad> 
ber  erfien  am  13.  3an.  1782  in  3Jtannljeim  ftattgetyabten  9hip$* 
rung  audfj  in  Hamburg  gegeben  mürben,  unb  mit  fo  großem  befolge, 
bafc  e«  faum  glaubtidf)  erfdjeint,  eine  Gruppe  wie  bie  SÜlij'fd&e  fottte 
fie  nidfjt  atebalb  cinftubirt,  ober  ©gröber,  melier  im  Jgerbft  1785 
mit  feiner  ©efeDf^aft  oon  Hamburg  au«  Ijter  SSorfieUungen  gab, 
unb  Sfflanb  al«  ©aft  auftreten  liefe5),  fte  nid&t  aud&  Ijier  aufgeführt 
fjaben,  um  fo  weniger,  als  mehrere  ber  fpäteren  ©tüdfe  ©(gittert 
oer^ältnifemäfeig  furje  $ett  nadf)  iljrem  erfreuten  aud&  $icr  jut 
Sluffü^rung  gelangten. 

S)a«  erfte,  von  bem  mir  bie«  rotffen,  ifi  ber  „$on  <£arlo«." 
©r  erfdfjien  befanntUd&  in  jmei  Bearbeitungen,  einer  in  $rofa,  ber 
anberen  in  Qamben.  ßefetere  mürbe  juerfi  auf  bem  Hamburger 
£ljeater  am  29.  Slugufl  1787  unter  ©d&röber'«  Seitung  aufgeführt,6) 
unb  erregte  aufcerorbentltd&e  ©enfation.  S)a«  Sßubtilum  forberte 
laut  bie  SBieberfjolung  für  ben  nädjften  Sag.  Unb  bereit«  am 
2.  gebr.  1788  wrfünbeten  bie  „Sübecfifdjjen  feigen"  tyren  fiefern: 
„9JUt  f)of)er  Dbrigf  eittidfjer  Bewilligung  mirb  Montag«  ^>tn  4.  gebr. 
auf  ber  Ijicftgen  ©d&aubü^ne  aufgeführt:    S)om  Sarlo«, 


\)  <5b.  $ebrient.  ©efd)id)te  ber  $eutfd>eu  Sc&cufoielfunfi.  Setyjig  1848. 
53b.  3,  ©.  U3;  »gl.  aud)  8übetfifd)f«  gcmeiunüfcige«  Sffiodjenblatt  für  ben  Stör* 
ger  unb  Sanbmaun.    3at>rg.  \7UU  ©.  273,  421. 

8)  g.  2.  SB.  SWetyer.  griebrid)  fcubtoig  ©(bräber.  Hamburg  1819.  3ty.  2 
erfte  m$.  <5.  3  ff. 

6)  fr  fc.  SB.  3Jleijer  l.  c.  <S.  29.  —  (5b.  $e»rfent  I.e.®.  165  unb  (5mil 
$atte«fe.  64fIIervt  ?eben  unb  SBerfe.  «Berlin  1859.  II.  ©.  55  gebe«  ben 
so.  fluguft  al«  £ag  ber  erften  Sluptyrung  be*  5)qu  (Sarlo*  au. 


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zedby  G00gk 


167 

Infant  von  Spanien,  ein  Xrauerfpiel  in  5  Stufoügen,  Don 
£rn.  6^iIIer,  fo  wie  e$  auf  ber  Hamburger  Süfjne  gegeben 
worben.  #err  Ä  l  i  n  g  m  a  n  n,  3JUtglieb  bet  Hamburger  Sityne, 
»irb  bie  ®$re  tjaben,  fünftige  SBod&e  5  ©aflroUen  ju  fpielen, 
worunter  $>om  garloS  bie  erfte  ift." 
Die  Sorfleflung,  weldfje  präctfe  5  Uljr  begann,  fanb  folgen 
B,  bafc  fte  fofort  am  greitag  ben  8.  gebr.  wieber^olt  würbe, 
aö  fe|te  ©afhwrfteHung  Älingmann'S  unb  ju  feinem  SSenefoe. 

Heber  bie  näd&ften  Qa^re  fehlen  un$  nun  leiber  genauere 
Stodjtidjten.  5Die  Siltyfd&e  ©efeßfcbaft  fetyrte  regelmäßig  für  einige 
Wonaie  wieber,  unb  fpielte  wäfjrenb  ityrer  3lnwefen^eit,  wie  e« 
iäjeint,  an  allen  SBod&entagen.  Qnbefe  finb  un«  nur  von  wenigen 
ber  aufgeführten  ©tfidfe  bie  Sitel  befannt  äudfj  anbre  Gruppen 
falten  ftd&  Dorübergeljenb  l)ter  auf,  unb  eine  von  i^nen  war  e«, 
bie  „@efellfd&aft  beutfd&er  ©d&aufpieler"  unter  S)irection  be«  $errn 
3.  SL  SReper,  weld&e  am  26.  Dctober  1795  „bie  Stäuber"  jur  Sluf* 
fifamtg  braute. 

3«>ei  Sa^re  fpäter,  am  4.  ©ecember  1797,  ftnben  wir  von 
b«  Jütyfdjen  ©efeUfdfjaft  „Äabale  unb  Siebe"  angefünbigt  SHe 
SWfe  ber  „Souife"  fpielte  3Rab.  »ärger,  SKitglieb  be«  Slltonaer 
JfcatetS,  roeWje  ^ier  anwefenb  war,  um  „eine  muftfaUfdje  befta* 
watorij^e  Stfabemie  ju  geben,"  biefetbe  aber  „wegen  GolUftonen" 
md)t  ftattfinben  laffen  lonnte.  ©8  war  bie«  bie  befannte  britte 
©attm  be«  2ttd>terS  ©ottfrieb  SKugufl  Sürger:  3Raria  GtirijHane 
®ifabet^  geb.  §al>n,  baS  „S$wabenmäbdjen,"  metöje,  nad&bem  fie 
jenem  1790  in  golge  eine«  von  fyx  verfaßten,  aber  von  Slnberen 
über  tyr  2Siffen  unb  SQSitten  oeröffentUd)ten  ©ebidfjte«  Dermalst 
tootben,  bereits  1792  gefdjieben  würbe,  unb  fpäter  auf  oerfdjiebenen 
Sitten  mit  gro&em  Seif  all  auftrat.7) 

9todf>  einmal  lehrte  biefetbe  ©efeflfd&aft  im  $erbfi  be«  folgenben 
3M)te8  ^ier^er  jurfidf,  um  in  bem  injwifdjen  umgebauten  ©d&au* 
foieünmfe  Upe  Storfiettungen  ju  beginnen.  Qnbefe  war  e3,  nad&bem 
ber  SJirector  im  3aljre  1795  wrftorben  war,  auf  bie  Sänge  nid&t 
«e|t  möglid&,  bie  ©efcßfdfjaft  in  bem  3uftanbe  ju  galten ,  baß  fie 
keu  an  fie  ju  mad&enben  änfprüd&en  genügen  tonnte.  3Rag  aud^ 
*e  6df>tlberung,  weldfje  ein  jeitweilig  I)ier  anwefenber  grember  von 


*)  8.  ®.  (Wriing.    SRofatf.    Älrine  ©Triften  $ur  (Öefäitye  unb  fcUerator. 

*W|  1867.     @.  223  ff. 


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zedby  G00gle 


168 

einer  SSorjteüung,  ber  er  beiwobnte,  giebt8):    „93or  einem  fd&laffen, 
unauföörlidE)  unb  laut   gäbnenben,  $ßubltfum,   meifientfyeite  von 
jQanblungSbienern  unb  ©cbiffern,   fpielten  wabre  Saftträger  unb 
SBafdfjweiber  in  abgehabten  Mitteln/'  übertrieben  bort  fein,  fo  war 
bodfj  ba£  33anb,  loetd^ed  bie  3Ritglieber  ber  ©efettfd&aft  vereinigte, 
bereits  gelodert,  unb  e£  gelang  benjenigen  93ewobnern  unferer 
©tabt,  weldfje  ben  Sßunfdf)  nadfj  einem  eigenen   ftebenben  Sweater 
begten,  unfd&wer,  eine  Slnjabl  von  SWitgliebern  jener  ©efellföaft 
baju  ju  bewegen,  fid)  von  berfelben  ju  trennen  unb  tytx  nieber* 
julaffen.    ®ie  Seitung  beS  neu  ju  grünbenben  %tyatcx&  übernabm 
ber  nodjj  febr  jugenblid&e,  aber  begabte  unb  beliebte  ©d&aufpieler 
griebrieb  Sluguft  Seopolb  Soewe  in   ©emeinfebaft  mit  &  S.  ©. 
DUemeter,  unb  nad^bem  bie  nötigen  ©inrid&tungen  getroffen  waren, 
tonnte  baffelbe  am  7.  Dctober  1799  mit  bem  Äofcebue'fd&en  ©<bau* 
fpiet:   „®aS  Epigramm  ober  ber  SHugeuarjt"  eröffnet  werben.    S)er 
SHrector  liefe  biefer  SSorfteßung  einige  mit  allgemeinem  SBcifaH  auf* 
genommene  ©inlettungemorte    an   bie   3ufcbauer  oorangeben,   in 
melden  er  unter  Staberem  fagte9):    „3$  ergreife  jwei  f<btt$enbe 
gübrer;  bie  mieb  nimmer  oerlaffen,  unb  mir  im  fdEjlünmfien  ftafle 
wenigftenS  ein  tröftenbeS  SSewufctfein  ermatten  foDen:  baS  ©efej 
ber  Drbnung  unb  baS  ©efej   ber  ©ittlidjfeit    9lur   bur$ 
ftrenge    Drbnung    wirb    bie    jarte    gerbreebttdje    2Raf<bme    be$ 
S^eaterS  in  fyumonifcbe  Bewegung  gebraut,  unb  nur  allein  bunb 
barmonifdben  ßufammenftang  beS  ©mjelnen  wirb  bie  magifdbe  £au* 
fd&ung,  mitbin  ber  reine  ©enufe  ber  fiunft  gewonnen;  fo  wie  bie 
©ütlidtfeit  ber  3)arflellung  ibn  abelt.    9iur  was  ftttlicb  fd&ön  unb 
gut  ift,  worüber  feine,  ette  SBange  erröten,  fein  etnfteS  Sluge  jür* 
nen  barf,  wrbient  allein  b^r  t)or  Sfontn  aufgeführt  ju  werben." 
®r  fd&lojj  mit  ber  Serfid&erung,  „feinen  eifrigften  glcife  unb  feine 
ganje  Äraft  für  eine  Slnftalt  ju  oerwenben,  bie  ber  Untergattung 
unb  bem  Vergnügen  feiner  äBobltbätcr  gewibmet  fei" 

3)afc  bei  foleber  ©eftnnung  Soewe  audfj  unfern  SMdjtcr  ju  wür> 
bigen  wufcte,  läßt  ft<b  erwarten.  Unter  feiner  Seitung,  über  toeldje 
nidfjt  nur  urteilsfähige   3eitgenoffen   ftdj  febr  anerfennenb   auS* 


»)  ©.  SWerfel  ©riefe  über  Hamburg  unb  Uhed.  Seipgi^  1801.  S.  419. 
@«  war  bie  «uffü^runö  be*  @d>aufpiel6  »om  $rof.  9touiba$:  „£er  große  <5$ur* 
fürft  »or  Sfatljenoto,"  am  28.  JDecbr.  1798. 

9)  Ufxdifät  Slnjeigen  1799,  M  82  *.  12.  Cctcber. 


Digiti 


zedby  G00gk 


169 

fyrm&en10),  fonbem  audj  nodj  bie  9tadjwelt  als  übet  bic  ©lanj* 
pcriobc  beS  Diepgen  S^eaterS  ifyc  So6  fpenbete")f  würben  jutn 
«fott  SRale  aufgeführt:  „2Jtaria  Stuart"  am  26.  Sfpril  1802, 
„fytajeffm  £uranbot  ober  S5te  brep  Stattet"  am  28.  2Rär$  1803, 
„2)ie  SJraut  von  -Dleffina  ober  S)ie  feinblidjen  Srfiber"  am 
4.  JJot)br.  1805. 

daneben  würben  bie  älteren  ©tiide  mebrfad)  wteberf)olt,  unb 
fanben  reichen  SBeifaH. 

Unter  ben  SWttgliebern  ber  ©itync,  meldte  bei  btefen  Sfafftif)* 
tragen  mitwirften,  wirb  uns  befonberS  ein  SUlann  genannt,  tum 
bem  ein  burd>auS  fadjfunbiger  ©ritifer  nod)  meljr  als  breifeig  %a!t)tt 
na$  feinem  £obe  fagen  fonnte1*),  ba&  er  „in  ber  S^eatergefäidjte 
&bedfe  fietS  als  unerreicht  baftefm  wirb."  @3  war  bicS  <£.  ©. 
SBggkKf  welker  nur  ju  balb  in  ber  Stütze  ber  ftaljre  einem 
8ctufe  entriffen  würbe,  in  bem  er  burd)  eifernen  gteife  unb  raft* 
Wts  Streben  erfefcte,  wo«  if)m  an  Talent  unb  Anlagen  fehlte.  6r 
Wte  in  ben  „SRäubern"  ben  „granj  3Koor,"  unb  bis  ju  welker 
W«  Soffenbung  er  es  in  biefer  SRoDe  gebraut  fjat,  bat>on  geben 
ptiHnecboten  Seugntfe,  welche  uns  von  i§m  aufbewahrt  ftnb. 

föneS  SlbenbS,  nad&bem  SEagS  jupor  „bie  9ftäuber"  aufgeführt 
wten,  trat  er  in  ben  9latt)Sfeller,  wo  mehrere  SBürger  beim  ©lafe 
8ein  beifammen  fafeen.  ßiner  berfelben  fijirte  ben  ©intretenben, 
unb  faum  tjatte  er  ifm  erfannt,  fo  fprang  er  entfefct  von  feinem 
$a|e  auf,  unb  fluttete  in  bie  entferntere  ©de  beS  SimmerS,  roo 
md)t  ber  änblid  beS  SBatermörberS  ifjm  ben  ©enufe  feines  2Beine& 
«tgättte.  —  3a,  fettfi  auf  SWitglieber  beS  SJjeaterS  wirfte  fein 
Spiel  fo  überroältigenb,  ba&  jie  ben  Schein  für  3Birftid)feit  nahmen. 
3»  ber  ©cene  beS  legten  StcteS,  wo  fein  ©<$lo&  in  SJranb  geftedtt 
Mb  „ftranj"  Don  ben  Stäubern  fortgefd&leppt  wirb,  erhielt  SRögglen 
önft  oon  hinten  einen  berben  gaujtfdjlag  in  ben  SRacfen.  Ueber* 
wföt  \af)  er  ftdj  um,  unb  erblirJte  einen  als  9täuber  coflumirten 


to)  «.  ©.  3fflanb,  atmana*  für  Sweater  unb  S&faterfreuubc.    53erlfn  1807. 

!l)  Kurze  Beschreibung  der  freien  Ilansc-Stadt  Lübeck.  Lübeck  1814. 
*164.  -  @.  gefr.  £>rfginalfen.  Hamburg  1818  *V  10.  -  H.  C.  Zietz.  An- 
Äen  der  freien  Hanaestadt  Lübeck.  Frankfurt  a.  M.  1822.  8.  457.  — 
fcfentt*  1.  c.  e.  106. 

**)  $•  5-  8-  $im)f,  in  ber  „Lübecker  Fremden-  und  Schiffs-Listc"  1837, 
&  189.     1839,  .*f  360. 


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170 

©tattfien,  au«  beffen  äugen  3<>™  unb  Sftad&e  {prüften.  2>er  3Renfd& 
war  oon  bem  erfcptternben  Spiele  SRögglen'S  fo  ergriffen,  bafe  er 
i$m,  fafl  oljne  e«  ju  wiffen,  in  ber  2Buty  beS  äugenblidf«  ben 
©d&lag  t>erfefct  fjatte,  wegen  bcffcn  er  fidf)  nadf)  JBeenbigung  be8 
©tüdfe«  bei  bem  ©irector  Soewe  felbft  entfdjulbigte. 

Sei  biefen  Aufführungen  ber  „Stäuber"  nmrbe  bie  von  ©Ritter 
für  ba$  SRannljeimer  Sweater  bearbeitete  3Jü§nenau$gabe  oon  1782 
jum  ©runbe  gelegt,  weldfje  von  ber  juerft  1781  mit  bem  Stauf* 
orte  „granffurt  unb  Seipjig"  erfd&ienenen  fog.  literarifd&en  ausgäbe 
toefcntlic^  abweist13),  @men  neuen  abbrucf  ber  lefcteren  besorgte 
©Ritter  felbft  nodj  furj  »or  feinem  SEobe,  unb  biefer  ift  o^ne  QrotVjd 
gemeint,  wenn  für  ben  14.  Dctbr.  1805  eine  Aufführung  na<$  „bet 
neuen  nerbefferten  Original*2luftage"  angefünbigt  würbe., 

3)iefelbe  fanb  unter  allfeitigem  SBeifaD  ftatt,  unb  üeranla&te 
eine  anfrage,  weld&e  jeigt,  mit  weld&em  Qntereffe  unb  SSerftäubnife 
man  bamatö  ben  SBerfen  be«  ©idfjter«  folgte,    ©ie  lautet: 

„anfrage! 

„(Sin  ©d&aufpielbid&ter  wie  ©filier  l)at  bie  ©efd^te  feine« 
2tufftreben«  unb  2Berben«  in  feinen  SBerfen  niebergelegt  ©eine 
emporftrebenbe  unb  ungejügclte  Äraft  watb  uns  in  biefen  Sagen 
buxti)  feinen  frühen  SJerfudfj  im  bramatifdfjen  gad&e  auf  ber  JBülme 
anfd&aulidS)  bargeftellt.  ©outen  ttid^t  rnele  mit  mir  münf<$en,  jefct 
mehrere  Sßrobucte  feine«  genialifd&en  ©etfle«  hinter  einanber,  ber 
%3*üf°l8*  na4  gemäht,  ju  fe^en?  - 

3n  2B.  SWeifler«  Se^rja^re  Reifet  e«  com  ©d&aufpiet:  3>et 
rofje  SDtenfdf)  ift  jufrieben,  u>enn  er  nur  etwa«  Borgern  fie^t  (piel 
ipanblung  aber  oljne  ©d&ilberung  magrer  ß^araftere  freut  if>n 
fd&on).  S)er  gebilbete  will  empfmben;  unb  9tad>benfen  ifi  nur  betn 
gang  auägebilbeten  angenehm. 

©oUte  fid^  in  ©d&iHer«  2to&bilbung  jum  ©d&aufpielbtd&ter  nu$t 
eben  biefer  ©tufengang  finben?  SJieDeid^t  fönnte  bie«  bie  3Bal>l 
ber  ju  gebenben  ©tüdfe  leiten!  —  *.* 

Dfjne  Steifet  wirb  Soewe  biefem  SBunfd&e  foweit  irgenb  t§unli<$ 
SBead&tung  gefd&enft  fjaben.  2Bu&te  er  bodf)  felbft  am  Soften  ©djiHer'a 
Sebeutung  für  bie  33ül)ne  ju  loürbigen,  unb  fianb  ni<$t  an,  fogar 


18 >  Uebet  beibe  ftutgaben  vgl.  Cfrmil  dauerte  i.  c.  1.  ©.  157. 


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171 

pecuniaire  Opfer  ju  britigen,  um  feine  SBerefirung  für  ben  3)idf>ter 
«i  ben  Züq  ju  legen: 

2m  9.  SJtoi  1805  mar  ©Ritter  geftorben.  SBenige  2So<$en 
Ipfter,  am  2.  Quli,  ueröffentUdEjte  ber  Herausgeber  beS  )u  ©otfja 
e#menben  „9ieid(jS*2In$eiger"  9L  3.  »edfer  in  biefem  Statte  Ji  176 
unter  ber  Ueberfd&rift  „SBoIIen  wir  ©Willem  nid&t  ein  2)enfmat)l 
fHften?"  ein  an  ifjn  anonym  gerid&teteS  Sdjreiben,  in  meinem  eS 
unter  Snberm  Reifet : 

„Stiller  ift  tobt,  unb  nodj  ift  nidf)tS  ©roßeS  gefdfjetyen,  maSbie 
tomfbarfeit  ber  Station  auSbrüdtte.  Unb  bodf)  Ijat  ©djiHer  triellcidfjt 
«el|r  als  irgenb  ein  anbrer  auf  fte  genrirft  ©ein  Einfluß  auf 
?wfa,  Sßoefte,  Sbeenftimmung,  2ebenSpl)ilofopl}ie,  3)toral,  2)ar* 
icüungSart  im  allgemeinen,  bie  Üföaffe  von  neuen  Slnfidjten  unb 
3**enf  bie  et  verarbeitet,  ifl  mein:  als  bcträd&tlidf).  Db  mand&eS 
towm  nidfjt  feinen  ©runb  in  Urfa<$en  tyatte,  bie  feinen  reinen  SBertb 
ate  £i<f)ter  Dielleid^t  fd&roäd&en,  ift  eine  anbre  $rage.  ©enug,  er 
ift  ein  großer,  fefjr  großer  9Kann,  unb  ©eutfd&lanb  !jat  ttyn  bet) 
föm»  Seben  berounbert  unb  nadEj  bem  £obe  betrauert,  —  baS  ift 
*H  m&  eä  für  tyn  tfjun  fann " 

ß$  roteb  bann  ber  SJorfdfjlag  gemad&t:  an  einem  befUmmtcn 
löge  foEten  alle  Sühnen  ©eutfölanbS  gleidfjjettig  eine  SorfleHung 
jtt&Per'S  2lnbenfen,  bei  ersten  greifen,  oeranftalten.  ©er  ertrag 
foffe  na$  ©otfja  eingefanbt  unb  jum  größten  Zueile  für  ©d&itter'S 
frtmUie  perrüanbt,  ber  Stefi  ju  einem  in  feiner  Saterfiabt  ij)m  ju 
errid^tenben  ©enfmate  befiimmt  werben.  2)aS  ©^reiben  fdfjlteßt  mit 
ben  »orten: 

„6in  jcber  2>eutfd(jer,  Untertan  ober  gttrfi,  mit  bem  Realer 
KAmtben  ober  außer  ber  SBfitjne,  ©eleljrter  ober  nidfjt,  retdf)  ober 
«m  muß  mittelfi  Journalen  unb  Seitungen  bis  ju  bem  feftgefefcten 
löge  ju  biefer  geper  aufgeforbert  werben  unb  aufforbern,  unb  miliig 
«mex  Unternehmung  beitreten,  2>eutfd&lanb  unb  bem  ©änger  ber 
9We  ein  fo  et)rem>oDeS  ©enfmatyl  ju  fe|en. 

„6S  fann  nidfjt  fd&aben,  wenn  bie  ©eutfdfjen  einmal  roieber  in 
6rt|nfiaSmuS  geraden.  3$ncn  eine  fo  rütjmltd&e  ©elegenljeit  baju 
^bieten,  ift  3{jr  SBerf.  Sftcljmcn  ©ie  fid)  ber  ©adlje  mit  Siebe 
•y  6ie  uerbient  eS.  Unb  —  fonberbar!  fie  ift  nur  in  SDeutfd&lanb, 
*•$  feiner  jefcigen  Stimmung  unb  ßultur,  ausführbar." 

$er  Herausgeber  beS  „3flei$S^3lnjeiger"  mar  fofort  bereit, 
tefer  »nrege  golge  au  geben,  unb  bie  Seitung  ber  Angelegenheit 


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172 

in  bie  £anb  ju  nehmen.  @r  erliefe  eine  entfpredjenbe  öffentliche 
Sufforbcrung,  unb  beflimmte  ben  10.  9tot>ember,  ©djitter'S  ©eburtö* 
tag,  für  bie  in  33orfdjlag  gebraute  Slup^rung.  Äurj  Dörfer,  unter 
bem  17.  Dctober,  geigte  er  no<§  an,  bafr  ber  $ßlan,  ©dritter  in  feinem 
©eburteorte  Maxbad)  ein  3)enfmal  ju  errieten,  aufgegeben,  unb 
fiatt  beffen  befdjlojfen  fei,  für  bie  31t  erjtetenbe  ©umtue  ein  £anb- 
gut  ju  faufen,  roeldjeS  unter  bem  SRantcn  „SdEjiHerSrulje"  „6djiller& 
tjapn"  ober  einem  ctynlidjen,  jum  gibeicommife  für  ©d&UIer'S  Wafy 
fommen  erhoben  werben  folle.  ©ine  über  bem  ^aupteingang  beä 
2Bof)nl)aufe$  anjubringenbe  Qnfd&rift  folle  bie  @ef#id)te  ber  Stiftung 
erjagen,  unb  bie  3tomen  ber  ®djaubüf)nen  nennen,  roetdje  fte 
grünbeten.  2ln  einem  pajfenben  Sßlafee  im  ©arten  folle  ©Ritter'« 
Süfte  Bon  Stannecfer  aufgeteilt  werben. 

2He$  HflcS  feilte  Soeroe  bem  Sßublifum  mit,  unb  htüpfte  baran 
bie  SBtajeige14),  bafe  „audj  baÄ  t)ieftge  Sweater  eine  banfbare  3?eifleuer 
ju  biefem  3Konument  ber  ©anfbarfcU  bringen  werbe."  „Sitte 
beutfdfjgefinnten  ©ürger  SübetfS,  fo  fügte  er  tyinju,  werben  eingelaben 
biefen  SlctuS  beutfdjer  9Rational*3)anf barfeit  butd)  U)re  ©egcnioart 
ju  unterftüfccn.  SSor  allen  ift  es  einer  alten  £anfe*©tabt  tnürbig 
$6)  gerbet)  t^ätig  ju  beroetfen.  S)enn  burd)  ben  großen  Serein  ber 
©täbte  im  Mittelalter  mürbe  bie  Sarbarep  vertrieben,  ba«  ftaujltedjt 
abgefdjafft  unb  bie  SWorgenrötljc  ber  Äünfte  unb  SBiffenfd&aften 
uraufgeführt,  bie  jefct  ba$  Seben  uerfdjönern." 

3lm  feftgefefcten  £age  begann  bie  geier  mit  einem  Prologe,  üon 
grau  33io  gefprod&en: 

SBoljcr  ber  büftre  Xrauerfon? 
JNagt  3$r  um  meinen  grofjen  ©etyn? 
2Ber  fagt,  ba«  (Sud)  ber  Xcb  ben  farbigen  entriffen? 
9iur  ba*  ®emeine,  foflt  3$r  Kiffen, 
Stirbt  ewig,  aber  ewig  lebt, 
9Ba6  in  be«  Siebter«  9ruft  jum  £immeWiä)te  ftrebt, 
Unb  u>a*,  burd)  SGBort  unb  Xcn  gebunben, 
3)en  ©eg  ju  jeber  eblen  Sßenfdjenbruft  gefunben. 
3a,  leben  wirb  ber  länger,  ben  3t)r  etyrt, 
60  lange  in  (SJermanien*  weiten  Greifen 
Gin  $axtrt  £>fjr  auf  SWufentöne  Ijört. 
33ett>unbernb  wirb  bie  Uladjttelt  greifen, 
Dag  (Sud)  ein  Sag  erfAienen  ift, 
Der  würbig  unb  geredet  ba«  Söürbige  ermijjt, 


u)  2ube<fifa>  Bnjeigen  1805,  »W  89  ».  6.  91c».,  M  90  t>   ».  9fo*br. 


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173 

Unb  butd)  bat  gange  fcanb,  too  dd)te  JDeutfdK  too^nen, 

SR»  tounberbarer  (Sinigfeit 

£eut  bem  93erbienfh  feine  Äroneu, 

(Jin  banfenb  Dpferfeft  bem  großen  $)eutfd)en  toeiljt.  — 

(Sin  finß'rer  ftebel  rufct  auf  $eutfd)(anb*  reiben  Sturen, 
Uneinigfeit  »erbeert  ben  mütterlichen  @d)ooß, 
©teilt  ftyn  ben  Surien  be«  toilbeu  ÄriegeS  bloß  — 
Söoii  SBlut  unb  $l)ränen  triefen  feilte  Spuren! 
$a«  fd)öne  Sanb!    3erftücft  Hegt  e$  in  großen  «Waffen, 
©a*  $ilft  ber  SKutlj,  wenn  2>eutfd)e  $>eutfd)e  Raffen ! 
(Jrfreuiid)  in  bem  JDunfel  ift  ba*  Sidjt, 
2>a«  &ell  an  biefem  gefl  etfdjeinet, 
$>a$  au«  bem  fcbönem  SWufen^immel  bridit 
Hub  £eutfd)lanb*  Jttnber  fanft  vereinet. 
Söenn  ber  gemeine  ®inn  in  fänöbem  £aß  entbrennt, 
Unb  5Öatjn  unb  $oiitif  bie  £erjen  Mutig  trennt  - 
$>a*  fdjöne  Äunjtgefülji  \>erfnupft  fie  r)ei(enb  »ieber, 
GHeidjförmig  fd)lagen  fie  bem  hänget  füger  Sieber, 
3)rum  foü  man  tyod)  ben  eblen  $id)ter  etjren ! 
£),  möchte  balb  bem  fd)öneu  großen  £anb, 
$a$  tjcnte  <5d)illeru  bie  verbleuten  äräuje  toaub. 
$er  golbne  Stiebe  toieberfetjren ! 

Wie  foll  ba«  $lmmel6finb  au*  2übecf'$  dauern  Hieben! 
«frier,  wo  bei  beutfcfoem  ©iun  unb  altem  beutfdjen  3Jlutt> 
©etoerb'  unb  Äünfle  iljre  frönen  Greife  ju*f)en, 
?ejt  auf  bem  Slbter  rage  (tet*  ber  Sreifyeitalj  ut! 

$em  Prologe  folgte  „S)ie  Staut  t>on  3Kefftna."  S)ie  gange 
ßhmaljme,  tüeldje  805  #  4  fl  betrug,  würbe  t>on  Soeroe  ju  bem 
angegebnen  Qmdt  wrroanbt,  unb  bilbete  einen,  wenn  audj  nur 
flehten,  Styeit  ber  Summe  oon  8000  <f,  meld&e  auf  biefe  Söeife  für 
Sdjifler'S  gamilie  jufammengebradjt  würben.  Seiber  gelang  e8  aber 
itify,  toa^renb  jener  unglücfUd&en  ÄriegSjaljre  biefeS  Kapital  feinem 
3w<fe  ju  erhalten;  e3  ifi  verloren  gegangen  unb  ©d&itter'«  iginter* 
Niebene  tyaben  nie  etwa«  batwn  miebergefe^en.15) 

3Hefe  SSorftettung  am  10.  9tot>.  1805  mar,  beiläufig  bemerft, 
fe  etfte  2^eater*aSorfießungf  roel<$e  an  einem  Sonntage  ftattfinben 
tottfte. 


u)  <S.  Ratterte  1.  c.  II.  ©.  4 iß.  Sind)  nod)  in  ben  nad)flen  Sauren  $at 
***  94  bemüht,  roenngieid)  »ergeblid),  für  ben  fei  ben  3wecf  tfyätig  ju  fein,  »gl. 
*  ®.  Sfflanb  Hlmanad)  für  Sweater  1807.    <S.  221  ff.    1808  €.  209  ff. 


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174 

3n  ben  näd&fien  Sagten  folgten  nun  neben  häufigen  SBieberfjolun* 
gen  ber  bereit«  früher  aufgeführten  bie  fämmtlid&en  übrigen  Dramen 
©djjtfler'S.  Socroe  ift  ber  ein  jtge  unferer  bisherigen  £ljeater*5Directo* 
ren,  welker  fie  äße  jur  Aufführung  gebraut  Ijat  ®ar\i  befonberen 
Seifafl  fanb  ber  SBaflenfiein.  2lm  27.  SJtörj  1806  würbe  jum 
erften  SKale  „SBaflenfteinS  Säger"  aufgeführt,  am  8.  äpril  folgte 
bajfelbe  nod&  einmal,  am  13.  Slpril  bie  pecolomini,  am  24.,  25. 
u.  27.  SKpril  bie  gange  Xrilogie  „SBaflenftetnS  Sager"  „bie  Sßicco* 
loimui"  „äBaflenfteinS  £ob,"  leitete  Slbt^eUung  mürbe  am  9.  SM 
nodjj  einmal  mieber^olt. 

SSon  Slup^rungen  aus  ben  folgenben  Qaljren  ifl  bie  beS 
gieSco  am  9.  Quni  1807  baburdf)  bemerfenSmert!),  bafj  e$  bid  etpe 
SSorfteflung  mar,  roetdje  wenigstens  tyeilmeife  franjöftfd>  angefünbigt 
mürbe.  S)ie  ©d&aufpieler,  ju  beren  SBeneftce  biefelbe  ftattfmben 
foflte,  fügten  bie  naioe  Slufforberung  ^inju: 

„Stte  ben  Siebter  fd&äfeen  unb  uns  lieben,  merben  ber  5Bor* 
fUßung  biefeS  ©d&ifler'fd&en  2ReiftermerfS  bie  @$re  tyrer  @egenmart 
ntd&t  aerfagen!" 

2lm  30.  2tpril  1809  mürbe  jum  erflen  2Me  „bie  Jungfrau 
oon  Orleans"  gegeben,  unb  jmar,  roie  Soeme  anjeigte:  „5Rad^  bem 
oon  bem  SJerfaffer  für  bie  Starfiefiung  bearbeiteten  SKanujcript" 
S)ie  XUelrofle  fpielte  griebertfe  Äridfeberg  geb.  Äodf>,  meld&e  bie 
©d&roeriner  Sityne  mit  ber  Diepgen  oertaufd&t  ^atte.  3^  lebenbigeS 
ma^reS  ©piel  Ijatte  fie  ju  einer  ber  bebeutenbfien  unb  gead&tetfien 
©d&aufpielerinnen  gemalt,  unb  fo  fonnte  e$  ntd&t  fehlen,  bafe  fie 
aud)  $ter  ben  oerbienten  SBeifaU  fanb.  „$ief  mürbe,  fo  fagt  eine 
gleid&jeiUge  Sritif  jener  Aufführung,  baS  anfd&auenbe  Jßublifum  er* 
griffen,  unb  mit  @nt§ujiaSm  jebe  Seele  erfüllt.  S)anf  unb  Gfytt 
ber  trefflichen  Äünftlerin,  meldte  für  uns  biefe  fd&öne  2)arfteflung 
möglid)  mad&te!  $$t  leiste«,  Ijtnfd&mebenbeS,  bepnafje  überirbifd&eä 
SBefen,  Ujre  garte  mit  £o!jett  gepaarte  ©d&märmereg,  \fyc  fo  jtd&re* 
unb  in  jebem  93ctrad^t  ooffifommneS  ©piel,  uergegenmfirtigte  un* 
bie  Sßropfjetinn  unb  $elbinn  Soljanna.  S)anf  aßen  ben 
Sfobem,  bie  fie  fo  gut  untersten!  —  bem  gebilbeten  Äüufiler, 
ber  ben  Äönig  mit  fo  feiner  SBttrbe  barftefite,  bem,  burd&  tiefe« 
©efttljl,  glüfjenbeS  geuer,  afleS*ermärmenben  2>unotS;  bem  roadtem, 
getfhsid&en  3Jtanne,  ber  jmep  heterogene  Stoßen  übernehmen  mußte. 
—  S)anf  audfj  ber  oerflänbigen  grau,  bie  afleS  mit  ©tan  ju  geben 
meife,   unb  bie  uns  bie  abfd&eulid&e  3fabeau  felbfl  intereffant 


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175 

m$U:  S)anf  enbti<$  ber  graciöfen  unb  rüljrenben  SlgneS,  bie 
au$  fettfi  $elbinn  unb  ©c^roärmerinn,  fid^  von  ber  Scannet, 
i«$  eine  getiefte  Srtuance,  fo  gut  ju  unterbleiben  mußte ;  (benn 
ja*ie5)unoi£  bie  männlic^rittertidje  firaft  in  bem  $rama,  fo 
W  tgne&  bie  bamalige  gcauen*änmutl)  unb  bie  Äraft  ber 
Kinne  bar).  —  S)ie  tyier  ntd&t  ©enannten  fjaben  gleiches  9te<$t 
auf  unfere  Sichtung.  S)ie  SJorfleUung  war  bur^auS  gut,  unb  jeber 
billigen  gorberung  (benn  wer  fann  einer  unbilligen  ©enüge 
Wften?)  entfpredjenb.  SJon  ©eiten  ber  3)irection  toar  fo  trtel  ge* 
ffcljen,  bafc  in  it>r  eine  brepfad&e  3ldjtung  für  bie  Äunft,  für  ben 
Jfctyer,  unb  für  ba8  Sßublifum  beutlid)  ju  erfennen  mar." 

Allein  nid&t  lange  metyr  war  e«  Soeroe  möglich  in  biefer  SCBeife 
Mne  ©irection  ju  führen.  3)a$  ttnglüd,  roetd&e«  bie  franjöftfdlje 
Stofcetung  über  unfere  ©tobt  gebraut,  laftete  fcfyroer  auf  iljr. 
&mbel  unb  Skrfeljr  ftodten,  aßer  SSerbienft  lag  barnieber.  Unb 
mn  au<§  bie  ausgaben  auf  baS  möglidjft  geringste  3Raafc  be* 
infinit  tmirben,  fo  fehlte  e3  benn  bod)  fdjUeftUd)  an  3Jtitteln  jur 
Skjtiebigung  auti)  nur  ber  notljtoenbigfien  Sebürfniffe.  Sftodf)  ein* 
»4  *rfudf)te  er  im  igerbfi  1809  burd^  ein  ©aftfptct  Sfflanb'S,  ber 
«*  19.  Detobet  im  „2Bilf)elm  Seil"  bie  Titelrolle  fpiclte,  ba«  ge* 
Wfate  3ntereffe  für  baS  Sweater  roieber  ju  beleben,  aber  im  SWärj 
1810  mufete  er  baffelbe  fd&Uefeen,  unb  bie  SHrection  nieberlegen. 

SBa^renb  ber  nadtften  fünf  Qaljre  nun  bot  unfre  33ti§ne  ein 
Älb  fortawtyrenben  3Be#fel&  Salb  üerfud^te  biefer,  balb  jener  bie 
Leitung  berfelben  ju  übernehmen.  2lber  wenn  audfj  SJlab.  6life 
Bfeget16)  roieber^olt  ©aft*3$orftellungen  gab,  unb  unter  änberm 

w)  3n  bea  $l>eater;9lnfünbigungen  toirb  fte  jW*  „2Rab.  (Slife  Bürger,"  in 
to  Sifte  ber  angefommenen  gremben  au*  bem  «fcötel  „güuf  Stürme" :  „grau 
Iwffjotiu  (Stife  33ürger"  genannt. 

diu  ZfftateX'ättUX  vom  27.  $ecbr.  1810,  an  tt>eld)em  Hage  fte  in  ber  „(Braut 
*a  Äefflna"  auftrat  ift  ber  dttefte  übet  ein  @d)iUer'fäea  $rama,  ben  iä)  tyabe 
«iffibfn  tonnen.    5Detfelbe  lautet  folgenbermajjen : 

9Wit  ^otyer  oorigfeitiidjer  S3e»iUigung 

toirb 
fDonnerjtag*  ben  27.  5>ecember  1810 
aufgeführt : 
»  $ie53raut»on2Weffina 

ober: 

«Die  feinbii*en  «rüber. 

Xrauerftrtel,  mit  (Stören,  iu  4  &ufeugeu, 

fcon  griebti*  ®$iüer. 


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176 

als  „SfabeOa"  in  ber  „Staut  von  2Reffina,"  unb  als  „Soljanna" 
in  ber  „Jungfrau  von  Orleans"  bur<$  t&re  „feelennoHe  Slntnuti)" 
unb  „bie  ^tnreifjenben  £öne  ber  bur<$  ©tärfe  forooljl  als  3ar^eit 
begeifternben  ©eflamajion"  bie  3uföauer  erfreute,  unb  „bie  Seiben 
beS  SebenS  ganj  t>ergeffen"  liefe,  ober  grau  Caroline  &olra,  „um 
betn  oere^runflSmürbigen  Sßublico  etwas  9ieueS  ju  liefern/'  für  i^re 
93enefice*33orfielIung  „$ßl)äbra"  erwählte,  \o  fehlten  bo<^  in  jenen 
fdjtoeren  Qtikn  ber  33et>öMerung  unferer  Stabt  foroo^l  ber  ©inn 
toie  bie  SDtittel  für  berartige  greuben,  unb  feinem  jener  Unterne^ 
mer  gelang  es,  fi<$  auf  bie  Sänge  Ijter  ju  galten. 

gaft  alle  aber  tjaben  toieber^olt  au<$  unfereS  2)i<$terS  SBerfe 
jur  2luffüljrung  gebraut,  roenngleidj)  nidjt,  o^ne  ba|  audj  t>ier  bie 
Politiken  ©retgniffe  ftörenb  eingriffen.    2)ie  franjöfifdjen  3Wa$t* 


^erfonen: 

JDonna  Sfabella,   gürflm   tjou  9Jlcfflna  * 

2)oii  SWanueL  i    „      _  „       * 
3>on  <5efar,     {    «*»  ®ol>n<>  - 

i             s 

i         t 

(Sccariu*. 

93eatiice,         *        *        *        * 

t          t 

2Kab.  ober«. 

JDievjo,           «        5        *       * 

s             % 

$cxx  Örljarb. 

33oten. 

(Srjter  SÄufüljrer  im  (5(;or,        * 

i            i 

£err  Weimer«. 

3»etyter  Slnfü^rer  im  (5l)or,    * 

i           s 

£err  Walter. 

ÜJiefyrere  ©predjer  im  (5l)or. 

5Die  Sleltcflcn  »ou  SWefftna. 

SNabame  (Slife  23ütger    . 

.    .    2>onna  3fabeUa. 

«&err  «&Cllffl 

.    .    3)ou  SRanueL 

Aujourd'hui  Juudi 

27  D^combre 

LES  FKERES  ENNEMIS, 

Tragödie 

cn  4  Actes. 

greife  ber  Pafre : 
(Jrjlc  Ranglogen  2  mf.    3u>etyte  Ranglogen  l  mf. 
Ratterte  l  mf.    Oallcrie  8  {IL 
JDufrenb  IBiüetä  auf    beu  erften  9tong ,  baä  3)ufcenb  ju  6  Ottfjlr. ,  unb   auf  ben 
itotyten  ftang  ba«  JDufrenb  ju  3  3ftf)lr.,  ftub  im  *anfe  ber  SRab.  2öia> 
mann,    gifdjergrube  9lr.   333,  von  SÖormittog*   )o  Ityr  bi«  9lad)mütaj« 
3  Uljr  ju  befommen. 

$>a«  6d)auft>iel$au$  wirb  um  5  Ufyr  geöffnet; 
ber  Anfang  ift  präeife  C  Ufyr. 

Qccariu*. 


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177 

faber  übten  eine  flrenge  £$eater*©enfur,  unb  verboten  bie  unvtt* 
ffittglfc&fiett  S)inge,  toeU  fte  tynen  unliebfame  (Erinnerungen  erroedf* 
tat;  fo  burfte  j.  93.  au«  Jgafj  gegen  bie  ©nglänber  fein  ©tfid  ge* 
jfte»  werben,  welkes  in  ©nglanb  fpiette.17)  SHefem  Umftanbe 
»We«  jujufdjreiben  fcinf  bofe  wir  in  jenen  Qaljren  am  meijien 
l*  „3ungfrau  non  Orleans"  aufgeführt  finben.  SBefonberen  S3eifatt 
fanben  jtoei  SSorfiettungen  berfelben  am  25.  unb  27.  ©ecember 
1812,  loetd^e  ber  DarfleBerin  ber  „Qofianna"  folgenben  poetiföen 
Stomf  „im  Stomen  einiger  greunbe  ber  Sffl&ne"  etnbrad&ten: 

9ln  SRabame  @*ulfre. 

©a«  adlige  warb  ©einem  8licf  enthüllet, 
©et  Äunft  Qe^eimnifj  warb  ©ir  offenbar, 
Unb  ©eine«  Opfert  reine  (Btuty  erfüllet 
SRit  feigem  £id)te  Sempel  unb  SUtar. 
©ie  ®öttin  blicft  »on  tyrem  ©onnentyrone 
«uf  ©i*,  o  tabeöofe  $rieflerinn ! 
Sie  Qättinn  fenbet  ©ir  bie  ffietyefrone; 
9Hmm  ben  befc&eibnen  ärang  aua)  (in! 

SBon  frommer  $anb  ifl  er  für  ©id>  getounben, 
3$n  toetyt*  ein  $erg,  ba*  ©eine  Odirinn  liebt; 
3$n  bringt  ein  flhreunb,  bem  felbft,  in  Ijeirgen  ©tunben, 
©er  Stufen  ®unft  ba«  ^o$e  3ela)en  giebt. 
SBfr  fallen  ©i$,  im  leben&ollen  epiele, 
33alb,  mit  S&alia'«  Orajien  vertraut, 
2Balb,  an  SRetyomene'a  erhabnem  3iele, 
3o$anna,  ©ld),  bie  $immel*braut. 

ffiir  fa$en  ©t*,  unb  fügten  lautre  aBonnen, 
©ie  ©a>$n$eit  nur  unb  &nmut(>  un*  gewährt, 
ffienn,  in  be*  Sbeale«  8id)t  jerronnen, 
©a*  geben  fid)  jur  $oefle  aerflärt. 
D  toanble,  Ä&nftlerinn,  im  Oötterlidjte, 
©em  reinen  lEempelbienjte  bleibe  treu, 
3um  golbnen  3iele  ber  SJoUenbung  rid)te 
©ie  ©liefe,  fro$  unb  fre$! 

6rp  mit  bem  Snbe  be«  Sa^reS  I8i5f  als  bie  SBogen  beS 
ft%S  fu$  Derlaufen  Ratten,  unb  ber  triebe  jurüdgefe^rt  mar, 
Ifcngte  awfy  unfer  2^eater  mieber  ju  einem  feiten  Seflanbe,  unb 
9  kübem  o$ne  Unterbrechung   fortgeführt  roorben.    3$  mürbe 

»)  %  8.  ffi.  3Re$er.    Sriebri*  Subwlg  gröber.    ST^t.  II.  ®.  287. 
3cUWjt.  f.  (ob.  Qteft.  SB*.  3  J&eft  t  12 


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178 

jebodf)  glauben,  Sljre  2tofmerffamfeit,  geehrte  SBfomefenbe!  ju  fe^t  in 
2tnfprud)  ju  nehmen,  wollte  td&  ^fjnen  jumutljen,  mid&  bei  ber 
SDtufierung  ber  fettbem  flattge^abten  Aufführungen  ©d&ÜIer'fd&er 
S)ramen  ju  begleiten.  $enn  wie  uerfd&teben  audf)  bie  SßerfönUdjj* 
feiten  geroefen  finb,  meld&e  in  ben  testen  fünfjig  Sauren  bie  Seitung 
unferer  35ti§ne  in  £änben  gehabt,  unb  wie  uerfdfKebne  ©runbfäfce 
fie  auü)  babei  befolgt  fjaben,  wir  fmben  Äeirten,  ber  geglaubt  ^ätte, 
©filier  entbehren  ju  fönnen.  9tur  biejenigen  Aufführungen,  meld&e 
in  irgenb  einer  Sejieljung  vox  anberen  93ead)tung  uerbienen,  roerbe 
i$  mir  bef#alb  erlauben,  3$nen  furj  in  baS  ®ebäd(jtm&  jurüd* 
jurufen. 

S)er  SBteberbegrünber  unferer  SBüljne,  §eimbert  $aul  griebridj 
§inje,  welker  bereit«  in  ben  früheren  Sauren  wieberljolt,  sulefct 
am  26.  gebruar  1815  afe  „Sari  SJtoor",  mit  SeifaU  f>ier  aufgetre* 
ten  war,  übernahm  bie  SHrection  mit  bem  SJorfafce,  ba3  Sweater 
„auf  eine  mefjr  als  geroö^nttdfje  Äunft*@tufe"  ju  ergeben.  6r 
fudjte  biefeS  Qid  unter  äfoberm  aud)  baburdf)  ju  erregen,  bafc  er 
bie  bebeutenbfien  Äünftler  ber  bamaltgen  3*ü  $*  ©aftfpielen  l>eran* 
jog.  ©ine«  ber  erften  mar  baS  beS  grl.  ßuife  SDiöHinger,  einer 
@<plerin  Sfflanb'S,  meld&e  bie  SHtelroHe  in  ber  „9Jtarta  Stuart" 
fptelte.  Salb  barauf  fam  Subroig  S)et>rient  nad&  Hamburg,  unb 
fofort  roanbte  £inje  ftd&  an  iljn,  mit  ber  Sitte  audj  f)ier  auf jutre* 
ttn.  ©etment  ging  bereitmittig(l  barauf  ein18),  unb  beftimmte  für 
fein  erfteS  auftreten  am  24.  3M  18 16  „bie  Sftöuber",  in  benen 
er  bie  SRolIe  beS  „granj  3Jtoor"  übernahm.  Senj,  SDUtglteb  beS 
Hamburger  ©tabttyeaterS  unter  bem  tarnen  Äüljne,  fpielte  „(Sari 
3)loor",  Äafdifc,  ättitglteb  be£  Äönigt.  SÖ&eaterS  in  Berlin,  ber  ben 
in  practtfdjen  SDingen  etroaS  nadjjläfftgen  S)et>rtent  gteid^fam  als 
§auS§ofmeifter  begleitete,  ben  alten  3Jtoor.  SSon  ben  aJlitgliebem 
ber  ^iefigen  Süljne  jeid&neten  ftd&  bejonberS  auS:  &injeTS  ältefte 
©tieftod&ter  als  „»matte",  unb  SKeifel,  melier  fidf)  als  „Daniel" 
bie  befonbre  3ufriebenfjeit  fcesrient'S  ermarb.  2)ie  gange  SBorftel* 
lung,  burdf)  2)et>rient'S  auSgejeid&neteS  ©piel  gehoben,  befriebigte 
in  jeber  £infi<ijt,  unb  aud&  ein  etroaS  tomifd&er  3nrif((enfall,  welker 
uns  auS  berfelben  berietet  wirb19),  mar  ntd&t  im  ©taube  biefen 
einbrudt  ju  fd&roädfjen.     2>te  2tuffüt)rung  fanb  nämlidj)  nad&  ber 


1B)  Lübecker  Fremden-  und  Schiffs-Liste.     1836  M  ö— 8. 

n)  X§eaUr*3ournal  be<  Stabtt^eoter«  iu  «überf.   1887  ©.  17.   1848  @.  11. 


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179 

Sftynenbearbeitung  ftott,  roeldje  ftdj  von  ber  Uterarifd&en  2lu«gabe 
unter  Slnberem  barin  unterfdjeibet,  bagf  roätpenb  naä)  ber  lefcteren 
im  fünften  2kt,  ©cene  l,  granj  3Koor  ftdj  felbft  erbroffelt,  in  jener 
(fünfter  Slufjug,  fester  auftritt)  er  von  ben  SRäubern,  welche  fein 
6d)fo&  in  Sranb  geftedft  §aben,  in  ben  2Balb  gesteppt,  unb  in  ben 
Sfyirm  geflogen  wirb,  aus  roeldjem  gart  9Roor  feinen  Sater  befreit 
fjat  ©ei  ber  (SenerakSßrobe  nun  bemühte  ft<$  2)et>rient  wrgeblidf, 
biefe  ©cene  ben  ©tauften,  als  toeldje,  toie  ba«  bamal«  ni<$t  feiten 
war,  ©tabtfolbaten  fungirten,  begreiflich  ju  madjen.  Um  fyn  ju 
fronen,  trat  Senj  nor,  unb  probirte  für  i^n  ba«  Jpinuntermerfen  in 
ben  2$urm,  bi«  e«  gelang.  S)iefe  $robe  aber  tyatte  ftd)  ben  be* 
t^eiligten  Stäubew  fo  gut  eingeprägt,  bafe  fte  be«  SSbenb«  bei  ber 
Suffüljrung  Senj  —  tyren  Hauptmann  —  ergriffen,  unb  trofe  alle« 
Sträuben«  in  ben  2J)urm  warfen,  inbem  fte  auf  ba«  abtoeljrenbe 
3urufen  ber  anberen  @<$aufpteler  feljr  entf Rieben  antworteten: 
„a$  toat,  nri  n>eten  rooH  toat  roi  to  boljn  §ebben." 

S)ie  ganje  fe^r  beträdjtlidje  einnähme  biefer  äiorfteflung  umrbe 
wtf  Setment'«  Söunfdj  ber  in  bürftigen  SJer^ättniffen  lebenben  gamtlie 
ft$l  fibemriefen,  toetdje  ftdj  feiner  roctyrenb  eine«  früheren  Stufend 
^alteS  in  3Jre«lau  befonber«  freunblüfj  angenommen  tyatte  —  eine« 
wn  uieleit  Seifpielen  ber  aufcerorbentUd)en  ©utmütytgfeit  unb 
ftteube  am  SBopfjun,  meldje  einen  $aupt*(ä&arafterjug  ©eDrient'« 
bilbete.20) 

6inige  3Ronate  fpäter  fpielten  grau  $enbel*@d)ütj  unb  xfyc 
@ema^l  ©cenen  au«  „SBallenjicin"  unb  ber  „Jungfrau  von  Orte* 
an«;"  bann  aber  trat  eine  $aufe  ein.  „©djUIer«  ©eifl  f<$reitet  nur 
feiten  über  bie  Süljne  —  fagt  ein  SBeridjterftatter  au8  bem  3»aljre 
18 18*1)  —  unb  läßt  er  fid)  einmal  blufen,  fo  erföeint  er  al« 
Sd&redbilb  ober  al«  gaftnadjtegefpenfl" 

6rfi  im  Jperbfi  1820  finben  mir  mieber  eine  ermäl)nen«n)ert$e 
Storflellung.  3m  Sluguft  biefe«  Satire«  ^atte  grau  Suife  ©djarpff 
bie  Seitung  ber  Sü^ne  übernommen,  unb  gab,  um  ftd)  bem  ^ßublt* 
tum  befannt  gu  mad>en,  am  29.  ©eptember  eine  „Sßrobe  'SBorfiel* 
Itttifl":  „$)ie  »raut  von  SReffina."  ©tefelbe  gelang  fo  gut,  bafe 
5e  auf  ben  SBunfö  mehrerer  3$eaterfreunbe  am  4.  Dctober  an 


*)  3.  Suncf.    %vti  bem  fcefcen  |toetrr  ©djaufoieler:     «.  ®.  Sfflanb'a  unb 
2.  $wient'a.    £rip|i3  1838.    ©.  25),  289. 
")  ©.  Sofr.    Oiiöinaüf«.    1818.  §.  83. 


12« 


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180 

©teile  einet  anbertÄSisttS  angefttnbigten  mieberljolt  werben  mußte. 
Snbeß  bie  fernere  2$ätigfeit  ber  grau  S)irectorin  fanb  weniger 
Seifall,  unb  bereit«  nadfj  einem  Qa^re  fa^  fte  fi$  genötigt,  biefelbe 
einjufieEen. 

3ljr  SRad&folger  Sari  $riebrid&  ®raf  non  £al)n*9fteu§au8,  meld&et 
feiner  Sweater  *2etbenf<ijaft  nid&t  nur  feine  ganje  gefellfdjaftlid&e 
Stellung,  fonbem  audj  einen  er^ebltd&en  2J)eil  feine«  Vermögen« 
§um  Opfer  braute,  legte  DorjugSmetfe  2öert§  auf  eine  glänjenbe 
äußere  SBfoSftattung,  in  meld&er  S3cjte^ung  er  mit  ben  bebeutenbjien 
Jßofbüljnen  ju  rioatifiren  fu#te.  ©aß  für  biefe  Steigung  ©Ritter'« 
©tüdfe  befonber«  geeignet  fein  mußten,  liegt  auf  ber  iganb,  unb  fo 
fann  e«  un3  benn  nidjt  munbern,  baß  er  biefelben  häufig,  unb  §um 
S^eil  mit  einer  &ier  unerhörten  Sßrad&t  über  bie  Sityne  ge$en  ließ. 
©o  mürben  j.  SB.  für  bie  Aufführung  ber  „Jungfrau  i>on  Driean«," 
meld&e  glet<$,  nad&bem  er  bie  3)irection  übernommen,  innerhalb  a<$t 
Sagen  mer  3Me  ftatt  fanb,  fämmtltd&e  ßoftüme  unb  ©ecorationen 
na<$  33ertiner  3Rujier  ^ergeflettt;  ber  ÄrönungSjug  aber  mürbe  in 
einer  2Beife  arrangirt,  mie  er  prad&tooller  faum  ju  benfen  mar  — 
nod)  bi«  in  unfere  Sage  l)at  jid&  bie  ©age  erhalten  von  bem  jUber* 
nen  £armfd(j,  mit  bem  bie  „3o$anna"  befleibet  gemefen.  Sßeniger 
bagegen  genügten  bie  Seijhingen  ber  äßttroirfenben.  Sie  waren 
ttjeü«  ber  S)arfteHung  „ber  fyntn  übertragenen  Stoßen  nid>t  ge* 
madftfen,  tljeit«  in  benjetben  nic^t  fefi,  fo  baß  biefer  innere  SDtangel 
nidtjt  burdfj  b^n  äußern  ®lanj  oerbedt  merben  fonnte."  SRamentli(§ 
ließ  audtj  ba«  ©piel  ber  SRabame  Stödfel  oom  flänbigen  Sweater 
in  $rag  ,  weld&e  an  einem  biefer  Abenbe  als  ®afi  bie  „^oljanna" 
fpielte,  unbefriedigt,  roätjrenb  fie  fur§  vorder  in  ber  „9Raria  Stuart" 
mit  großem  @rfolge  aufgetreten  mar.22) 

SBegen  ber  außerorbentlidjjen  Äofien,  weld&e  biefe  SJorftellungen 
t>erurfad&ten,  mürben  biefelben  ntdfjt  im  Abonnement  gegeben;  aber 
biefe«  Mittel  erwie«  fi$  ate  unjuretd&enb ,  unb  fo  mürbe  benn, 
um  etwa«  no$  nie  2>ageroefene«  ju  bieten,  bie  gerabe  anmefenbe 
ihmjfteüergefellfdfjaft  ©tepfjang  jur  SDUtwirfung  veranlaßt  Qu  ben 
„Siäubern"  unb  ber  „Jungfrau  von  Orleans"  mürben  bie  in  bieten 
©tüdfen  oorfommenben  ober  an  paffenben  ©teilen  befonber«  fcinju* 
gefügten  mititärifd&en  ©oolutionen,  ©efedfjte,  ©türm  be«  3Roor'fd&en 
©dfjloffe«  u.  f.  m.  möglid&ji  naturgetreu  ju  $ferbe  unb  ju  guß  Don 


M)  8.  5R.  Scfr.    dc^olungen.    «fiBerf  1821.    M  49,  4S. 


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zedby  G00gk 


181 

tat  ftmfltettettt  ausgeführt,  eine  ^Bereicherung,  bie  fdfjmerltdf)  im 
6ame  be«  2Hd^terS  geroefen  fein  bürfte.  Sludf)  ©raf  £al)n  mod&te 
etotö  Sel)nUdfje£  füllen,  benn  et  fügte  einer  Slnffinbigung,  tote  jur 
&rtföuß>igung,  bie  Semerfung  tynju,  bafe  t>on  mehreren  Sweater* 
fttwikn  ber  SßJunfd^  nadf>  „mtlttärifdjen  ©pectafelftüdfen"  geäußert 
fei,  cn|  bie  größten  Sühnen  S)eutf$tanb8  fidf)  jur  StuSfd&müdfung 
afattdjer  fcenif<$er  £ülf8mittel  ju  bebienen  genötigt  fefjen."  ®a 
ober  aud&  fle  i^ren  $mi  t>erfef)lten,  unb  baS  ^ubtifum  an  bem 
Alen  ©gießen  große«  SRifcf allen  fanb,  fo  t>erjidf)tete  er  auf  fl&re 
Sieber^oüing  unb  fe$r  balb  aud&  auf  bie  gefammte  Seitung  be£ 
Z^eatetd. 

3Uu8  btn  folgenben  3a§ren,  mäfjrenb  weiter  uerfd&iebene 
l&cater>SHrectoren  mityfam  um  Ü)re  ©fifienj  fämpften,  iji  nur  ju 
fonetfen:  grL  ©aroline  Äupfer,  wetd&e  fid&  nrieberl)olt  in  ©d&itter'* 
l$cn  Sollen,  namentttd)  als  „Qoljanna"  in  ber  „Jungfrau  t)on 
DdeanS"  auSjeid&nete,  forme  ein  ©ajifptel  t>on  Sari  SBolfgang  Un* 
$»m  als  „Garl  3Roor." 

feft  unter  3fo$ann  fjriebrid^  @ngel,  meld&er  mit  einem  benmn* 
ktitfmirbigen  ©efd&idf  fafl  25  Qaljre  lang  baS  2$caterfd(>tff 
ftfrr  burd[)  bie  gefa^rbro^enben  Älippen  ju  leiten  uerftanben  |iat, 
pnben  wir  nrieber  (läufigere  unb  bebeutenbere  SBorfteHungen. 
ffiieber^olt  traten  namhafte  auswärtige  Äünfller  als  ©äfte  auf, 
fo  SföUjelm  Äunfl  als  „6arl  SWoor"  unb  „Seil,"  ©teinmüffer 
in  betreiben  Stollen,  Sogumit  ©aroifon  als  „$)on  ßarloS," 
Sna  54r  als  „Suife  3Mer"  unb  3lnbre.  $n  gletdf>em  ©Urne 
wWften  audjj  3.  Steiner  unb  31.  33runner,  roeld&e  injroifd&en,  roä^ 
wib  beS  SBinterS  i849/50  bie  SHrection  führten.  ®ie  brauten  am 
18.  Qctober  jur  geier  beS  ©iegeS  bei  ßeipjig  „SHKtyelm  Seil,"  am 
11.  9tooember,  „jur  ©ebädjjtnifefeier  beS  9(Hä(jrigen  ©eburtStageS 
6$^$",  „bieSJerfd&mörung  beSgieSco"  jur  3lufffif)rung,23)  ließen 
tta<$  langer  3eit  anä)  einmal  mieber  ben  „$arajtt"  üorfüfjren,  unb 
wföafften  bem  spublifum  ©etegenljett,  SWoriß  SRott  unb  feine  grau 
te  „SaOenfteinS  £ob"  als  „SBaUenftein"  unb  „S^efla"  auftreten 
p  fc$n,  ein  ©enufj,  ber  nur  bur<$  eine  fe^r  unjroedfmäfnge  Äürjung 
*l  6tfide8  nidfjt  uner§eblid&  beetnträd&tigt  mürbe.34) 


*)  Ott  WolUbcU.    UUd  1849.    M  40. 
»*)  UkdtX  3etttW0.     1850.     M  53. 


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zedby  GoOgle 


182 

9le6en  biefen  ©äften  jeid&neten  fidfj  aber  audfj  mand&e  ber 
Ijiefigen  83ü!jnemmtglieber  oortljettyaft  aus.24)  ©o,  um  Sfabret  ju 
gefdfjwetgen,  in  ber  erwähnten  Sluffüljrung  beS  „Sßaraftt"  ©runner 
als  „9JUnijler",  Steiner  als  „©elicour",  ferner  §an?en  als  „©tobt* 
muftfuS  3JUtIer",  grau  ©d&inbelmeiffer  als  „Sab?  3»ilforb"  — 
welker  fogar  bie  bamals  ^ier  fettne  2luSjeidf)nung  eines  igertwrrufs 
bei  offner  ©cene  ju  S^eil  würbe,  —  %tl  ©eiffclbredjt  als  „Sutfe 
3Mer." 

Sudf)  als  im  §erbjt  1854  neben  (Sngel  SUhififbirector  $errmaun 
in  bie  SDirection  eintrat,  unb  nadf)  ber  t>on  beiben  SHrectoren  er* 
laffenen  93efannttnad)ung  ^infort  ber  Dper  eine  ganj  befonbere  85e^ 
rüdfftd&ttgung  jugewanbt  werben  foHte,  festen  es  anfängttd&  m$t,  als 
ob  baburdjj  ©filier  in  ben  Jpintergrunb  gebrängt  werben  würbe. 
2lm  12.  5Rod.  würbe  eine  befonbere  geier  feines  ©eburtStageS  oer* 
anflaltet:  SBeber'S  Qubel^Ouüerture  eröffnete  biefelbe,  ein  Sßrolog 
von  3$.  2L  ©gröber,  9Jtufif  von  31.  SBagner  würbe  oon  Jperrn 
$errmann  gefproeljen,  wäfjrenb  beffen  }ef>n  Hauptfiguren26)  aus 
©d&UIer'S  S)ramen  auftraten,  bann  folgte  SBallenfiein'S  Säger.27) 

Snbej?  wenige  2Bod&en  fpäter  erfd&ien  ©ignora  Pepita,  unb  nun 
war  eS  mit  bem  @mft  auf  unferer  33ü§ne  fürs  (Srjte  twrbet.  $inf  ort 
fonnte  fein  ©tüdf  aufgeführt  werben,  in  bem  nid&t  ein  „El  01el\ 
„pas  de  deu\u,  „ßigeunertanj",  „©looafifdfjer  %anf  u.  bgL  uorfam, 
ober  eingelegt  werben  fonnte.  Unb  fafi  jwei  Satire  bauerte  eS, 
bis  pdf)  Sweater  *2)irection  unb  ^ublifum  einigermaßen  von  jener 
@efdfjma<!S*a3erirrung  wieber  jured^t  gefunben,  erft  im  Dctober  1856 
badete  man  wieber  an  „S)on  ©arloS"  unb  „2Raria  Stuart".28) 
greittdf)  finben  wir  aud&  ba  nodjj  bie  Älagen,  baß  „bie  rü^renben 
$aupt*  unb  @taat8>3lftionen  ber  guten  SDhitter  83ird&"  —  wie  ein 
Stecenfent  fidf)  auSbrüdtt29)  —  me^r  SfajiefjungSifraft  ptten,  als 
bie  claffifdfjen  ÜDteifterwerfe  eines  ©filier  unb  ©ötlje,  ja  fetbjl  bei 

M)  Subecfet  JBürgerblatt.  1848  .V  13.  —  5>er  93olf*bote.  1849  .W  29.— 
Sübetfer  3ettung.  1850  *W  24,  53.  —  SBolfsb.  1852  .V  7,  Hb.  3tß.  1852 
M  21.  —  1853  M  21.  88.     93olf«b.     1853  M  31. 

M)  1.  SBaHenfhin.  2.  Sari  SKoor.  3.  gietfo.  4.  SRarqui«  $ofa.  5.  SRaria 
©tuart.  6.  Xeü.  7.  3o$anna  öon  Orleans  8.  £>on  (Sarlo«.  9.  Suife  flRiüer. 
10.    5>on  SWanuel  unb  3)on  Säfario. 

87)  2üb.  3e»tung    1854  M  264,  267. 

*8)  «Üb.  3tg.  1856  .*?  259.  291.     93olF«b.     1856  .V  81. 

*9)  S3olfeb.  1856  **2  100.  Süb.  3tg.  1856  J\t  294.  -  iteber  eine  fVätrre 
©orfletfong  »gl.  «üb.  3tg.    1858  *W  237.    ©olfeb.    1858  JW  81. 


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zedby  G00gk 


183 

bem  auSgejeidjneten  ©ptel  Slleyanber  ÄöferfS,  melier  u.  8L  im 
„SStyelm  5Eefl"  auftrat,  blieb  bet  erfte  Sftang  teer,  inbefe  war  bo<$ 
vmrifin  ein  Anfang  jur  Umtefp  gemalt. 

Unb  moljl  war  eS  Seit,  bafj  man  ftdj  mieberum  unferm  SHd&ter 
iumtütt,  naljte  bodfj  ber  3tog,  melier  für  unfer  gefammte«  ©aterlanb 
ein  gefltag  geworben  tfi,  mie  mir  nuf)t  Diele  aufjuroeifeu  §aben,  ber 
in  allen  beulen  ©auen  mit  einer  Ginmüt^igfeit  unb  Segeifierung 
gefeiert  ift,  bie  ba«  Staunen  unb  bie  Serounberung  be«  Sluälanbeä 
erregt  (at  Slud>  ba«  Sweater  burfte  felbftoerftänblidf)  ntd)t  fehlen, 
eä  fölofc  fid>  in  mfirbiger  äBeife  ber  geier  an,  meldje  in  unferer 
6tabt  ueranpaltet  umrbe.30)  35er  9.  SKoobr.  braute  jur  SJorfeter 
&ube'S  „ÄattSfdfjfiler.''  am  gefltage  felbft  bilbete  eine  $9tnne 
wn  Stojart  ben  (Singang,  meld&er  nati)  einer  Duoerture  von  ©pon* 
tini  ein  geflfpiel  wn  6rei§nad&  folgte.  S)en  jroetten  S^eil  ber 
?cM$orfteHung  eröffnete  SJteperbeer'ä  Duoerture  jum  „gelblager  in 
6#efien,"  bann  folgte  „2BaHenftem,S  Sager/'  eine  in  jeber  £infi<$t 
{jdtmgene  3fapl)rung,  roel<$e  allfeittg  ben  beflen  ©inbrud  madfjte. 

Xte  SRadtfeier  brauten  bie  nädtfien  S^eaterabenbe  jmei  auf* 
föfnagen  be«  „S)on  GartoS;"  eine  SSieberljotung  berfelben  fanb  am 
9.  Sroemfcer  1860  jum  Soften  ber  tyefigen  ©djülerfttftung  ftatt 

S)ie  SJegeifterung  ber  feftlüfcen  Sage  erhielt  auä)  nodj  in  ben 
Wgenben  3a$ren  ba8  Snterejfe  für  unferen  S)id&ter  rege,  unb  t>er* 
föaffte  unä  ja^lrei^e  unb  jum  2$eil  red^t  gelungene  Vorführungen 
feiner  SBerfe. 

SBenben  mir  nun  jum  ©djlujs  nodj  einmal  ben  93tt<f  jurüd 
flttf  ben  befprodjenen  3*ita*um,  f°  pnben  mir,  roie  fid)  baS  aßerbingg 
andj)  faum  anberS  erwarten  lä&t,  nidjt  alle  ©tüdfe  ©djiBer'g  glet<$> 
mäfjig  über  bie  metyrenb  beffelben  uorgefommenen  Aufführungen 
wttljeilt.  SBäfjrenb  einige  namentltdj  „bie  Stäuber/'  „bie  Jungfrau 
wn  DdeanS/'  „Äabale  unb  Siebe/'  SDtorta  Stuart/'  ftd)  ftete  auf 
bem  ^Repertoire  erhalten  Ijaben,  begegnen  mir  anberen, j.  JB.  „gieäco", 
„Sallenftein'a  Sager/'  „2BaHenflein'S  $ob,"  ju  ben  wrföiebenften 
3eitenf  atemur  feiten,  in  großen  S^if^enräumen;  nodjj  anbre  j.  23. 
.bie  Braut  oon  3Rejfina"  feljen  mir  in  früheren  Qa|ren  häufig, 
fciter  gar  nid&t  me^r  aufgeführt,  einige  enblid)  „Sßrin  jeffin  Suranbot," 
>t  Steffe  als  Dnfel,"  „^ß^dbra,"  Derfd^minben  mit  bem  ®nbe  be« 


")  3)a«  @4>iOetfefl  in  2Werf.  UUd  1659.  -  Uh.  3tg.  1859  M  264  {f. 


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184 

erflen  3a$rje$nte8  nadfj  ifjtem  erfdjeinen  t)on  ber  SMtyne.  ©8  mag 
ni<$t  unintereffant  fei«,  ben  ©rüttbcn  tyeftir  nad^ufpüren;  wo$l 
werben  bie  jeweilige  ©efömadteridjtung,  wie  bie  SKittet,  übet  meldte 
bie  ©irection  gerabe  ju  gebieten  ^atte,  trielfadj  beflunmenb  gewefen 
fein,  möglt$,  bafc  au$  baS  äJorfommen  t>on  Stollen,  weldje  fufc  t>or* 
jugSweife  ju  5ßarabe*9tolIen  eignen,  unb  be&ljalb  befonberS  flerne 
bei  ©ajlfpielen  benufet  werben,  ni$t  ofyte  ©nflufj  auf  bog  me§r 
ober  weniger  häufige  Stuffüfjren  be*  einen  ober  anbern  ©tfide«  gewefen 
ifl  —  inbefe  ju  bejtimmten  Pieren  SRefultatcn  fönnen  berartige 
Unterfud&ungen  jur  3*ü  nidjt  führen,  ba  bo8  baju  erforberlufce 
SRaterial  lüäenfcaft  ift;  fo  fe#t  e*  *or  SlHem  an  einem  DoDflänbigen 
SJerjeid&mffe  ber  Aufführungen  6<|)iller'f<|)er  SDramen  auf  ber  Ijieftgen 
93ü$ne.  $>ie  3<*#  berfelben  belauft  jid)  mutljmafelid)  auf  gegen 
300,  nur  221  ifl  e3  bi8  jefct  gelungen  na^uweifen.51)  darunter 
beftnben  fid)  „bie  SJtöuber"  41  mal,  bann  folgen:  „bie  Jungfrau 
non  Drtean«/1  „Äabale  unb  Siebe,"  „SRaria  Stuart;'1  *er$ältmfc 
mäßig  feiten,  auffaHenberweife,  „SBilljelm  Xett,"  obgleid>  biefe« 
©tttd  o^ne  3^eifel  eine«  ber  beliebteren ,  wo  ni^t  überhaupt  ba« 
beliebtere  t>on  allen  S)ramen  ©Ritter«  ifl  @8  ifl  bieS  eine  ©r* 
f Meinung,  bie  au$  an  anbeten  Orten  beobachtet  würbe.  6in 
neuerer  S3iograp^  ©Etiler'«  fagt  am  @<$luffe  einer  ©efpredjung 
jene«  ©Wide«32):     „SJttt  biefem  S)rama  $atte  ©dritter  fein  SBott 


•\)  3*  fca&e  «on  1788  bi«  }um  ®*lu§  ber  9öinter#©aifon  18«%,  im 
(Stangen  221  Aufführungen  €d)iüet,fd)ft  3) ramm  aufgefunben.  darunter  be* 
flnben  (ty: 

JDie  fRäubet 41  mal, 

5Die  Jungfrau  »on  JDrlean« 34    * 

Äabale  unb  Siebe 29    * 

SWaria  Stuart 23    * 

©ityelm  Hell 22    * 

£on  (Sarlo«      21    * 

ffiaüenftetmj  fcagrr 13    * 

SBaüenfWn«  $ob 11    * 

3Me  8erf*»8rung  be*  glcöfo 9    * 

$ie  Staut  »on  fWeffina 8    * 

Die  $iccclcmtni 3    * 

$er  $ara|H 3    * 

$rinjeffin  Sutanbot 2    * 

JDet  Stoffe  al*  Onfel l    * 

$&Äbra I    * 

w)  (5.  $aHerte  I.  c.  II.    <S.  393. 


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185 

9§en  Jtepoleon  gewaffnet,  fo  weit  ein  5Du$tet  e«  waffnen  fatttt. 
9m%t  3a$te  ita^er  flanb  e«  auf,  ©tetn  entfeffeltc  ble  SBolföftaft 
nb  tntflammte  bie  güttfen,  unb  ©d>ifl  unb  2)orf  Rubelten  o$ne 
Ättifcfepffe.  tlnb  bie  ewigen  9te$te,  bie  btoben  fangen?  ©d>on 
fak  fie  im  $etjen  bet  SSölfet  unb  fd^on  fügten  geregte  ptflen, 
ta§  ma  m  tynen  ber  SBaE  bet  Drbnung  tul)t  SBenn  aber  einmal 
bie  ^topljejetyung  Stting^aufen'«  für  2)eutfölanb  erfällt  iß,  bann 
wirb  man  au$  im  SSatetlanbe  ©djtttet'S  Stell  fo  in  fönten  galten, 
me  man  in  bet  ©dpoeij  fdjon  §eute  i$n  etytt." 

SRöge  fie  balb  etf^einen  bie  3eit,  ba  mit  nu$t  me$t  be« 
Mtynenben  Sutuf«  bebätfen: 

„IDrunt  galtet  feft  gufommen  —  fef*  unb  etoig  — 
Stein  Ott  bet  gteiljeit  fety  bem  anbetn  fremb  — 
£ed)ttmd}ten  fleüet  an*  auf  euren  JBergen, 
£>a§  04  ber  9unb  jum  SBunbe  rafd)  *erfamm(e  — 
ee$b  einig  —  einig  —  einig!" 


IV. 

Äegelgtab  bei  23e$el6borf* 

©on   (5.  3.   TOUbe. 
mit  einet  $affl. 


flm  Obetf ftjlet  $aug  ju  SBalbfcufen,  SRitglieb  unfer«  SSetem«, 
M  unftet  9tttett$um«famtnlung  bie  uon  \fym  etrootbene  ausbeute 
e»e*  Äegelgtabe«  bet  SRa^botf^aft  gütigft  einoetleibt  @t  $at  übet 
be»  fruib,  auf  ben  SBunfö  be«  Metern«,  fteunblMf)  berietet, 
rteWgt: 

„Stadlern  id>  am  8.  Suti  1869  erfaßten  Ijatte,  baß  bet  ipuf* 
«tt  809  in  bem  ca.  |  aReiten  ffibmeftUdj  t>on  ©djönbetg  im  %üx* 
hOpm  SÄofcebutg  belegenen  Sotfe  S5e<ä^et«botf  ein  gto&e«  Äegel* 
9ü  Vxc  SJerteffetung  einet  SBiefe  abttagen  laffe  unb  bereit«  einige 
&W|tfa<&en  gefunben  tyibt,  begab  i<$  mid>  fofott  anbeten  Siige« 
«*  Ott  unb  ©teile,  um  im  Snteteffe  bet  ätöfienföaft  ba«  (Stfot* 


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186 

berltdfje  malzunehmen  unb  etwaige  weitere  gunbe  für  biefelbe  mog* 
lidtft  ju  retten  unb  ju  erhalten. 

$)a«  fragUd&e  Äegelgrab  beftnbct  fidf)  in  ber  SRälje  be3  Sop'föen 
©e^öfteä  in  fübttd&er  Stiftung  00m  Sorfe,  Ijat  15  gufc  äd&fen$ölje 
unb  60  ftufc  3)urd)mejfer  auf  ber  Safte.  SBom  nörblid&en  unb  vom 
öjtlidjen  Steile  be«  ©rabljügel«  war  bereit«  ein  feljr  bebeutenbe« 
Quantum  ®rbe  bi«  auf  bie  ©o^te  beReiben  abgefahren,  fo  jn>ar, 
bafj  ber  $ügel  f)ier  fenfred&te  SBänbe  bilbetef  toeU^e  jjebo^  überall 
t>om  SRtttelpunfte  beffelben  no<§  mehrere  %u$  entfernt  waten. 
SEBie  ber  33oben  in  bortiger  ©egenb  im  Süllgemeinen  ein  me|r  ober 
minber  fernerer  Se^mboben  ifi,  fo  befielt  audfj  ber  fragliche  G&xab* 
^ttgel  au«  lehmiger  @rbe,  im  3>nnem  $te  unb  ba  Anhäufungen 
von  gelbfteingefdfjteben  entljaltenb,  in  benen  man  gewö^nltdf)  bie 
erhofften  Altertümer  ju  pnben  pflegt  3wtfdfjen  einer  foldjen  Sn* 
Häufung  von  größeren  unb  Heineren  fjelbfteinen  im  nörbltd^en 
Steile  be«  $ügel«  $atte  ber  £ufner  S3ot>  benn  aud&  bereite  bie 
33ru$ftüäe  eine«  frönen  SBronjefd&werte«,  eine*  2>oldf)e«  unb  me$* 
rere  Heine  SBronjefragmente  gefunben,  alle«  in  fefjr  ojpbtrtem  Qu* 
fianbe,  worau«  auf  ein  außerorbentUdf)  fjolje«  Alter  be«  ©rabeä  ju 
fd^tiejsen  fein  bürfte.  Sluf  mein  anfügen  überliefe  $09  mir  bie  gefwt* 
benen  Altertümer  mit  größter  SerettwUUgfeU;  bo^  bleibt  immerhin 
ju  fürdfjten,  baß  Heinere,  unfd&einbare,  für  bie  SOBiffenfc^aft  ntd&t 
minber  wertvolle  ©egenfiänbe  au«  Una^tfamteit  unb  Unfenntmß 
ber  Arbeiter  oerloren  gegangen  finb. 

Obgleich  eine  weitere  Unterfud&ung  bes  ©rabfctigel«  im  ^inblid 
auf  bie  ajtoffentyaftigfett  unb  SJobenbefd&affenljeit  beffelben,  fowie  auf 
bie  Äürje  ber  mir  jugemeffenen  3^it  unb  auf  ba«  überbie«  eingette* 
tene  Siegenwetter,  faft  unt^unltdf)  erfd&ien,  fo  fonnte  i<$  bod&  nüfct 
unterlaffen,  eine  mit  ber  ©onbirjiange  im  füböftttd&en  Steile  beft 
£figel«  eutbedte  gelbfteinanf)äufung  möglid(jft  blo«legen  unb  t>ot* 
jid&tig  aufnehmen  ju  laffen.  3)ie  aufgewanbte  9Rü$e  warb  ju  mei* 
ner  großen  greube  fiberretd&lidfj  belohnt,  inbem  id)  bei  festerer  3lr* 
beit  jwifd&en  ben  wenige  3ott  bi«  ju  li  guß  im  S)urd()meffet  §aU 
tenben  gelbfieinen  ein  gewiß  eben  fo  feltene«  al«  rätselhafte«  ®e» 
rätl>e  entbedte.  ©affelbe  ftcDte  ftdfj  anfang«  al«  eine  oon  tat 
Steinen  unb  ber  ßrbe  jufammengepreßte,  ca.  1  guß  lange,  unförnu 
tt<$e,  weid&e  SBaffe  bar,  auf  weld&e  meine  Aufmerffamfett  burdfc  bie 
t&eil«  baran  ^aftenben,  tyetl«  in  beren  unmittelbarer  9täl>e  beftnb* 
liefen  SBronjebefd&täge  unb  fpiralförmigen  Sronjejierrat^en  gelenft 


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187 

weben  mußte.  9K<$t  geringe  Sorgfalt  war  erforbertidj,  ben  t)iet> 
lei$t  feit  3tof>rtaufenben  jrotfd&en  Steinen  unb  feljr  feud&tem  2e$m* 
toten  eingepreßten  gunb  möglid&ft  üollftänbig  ju  erhalten,  ba  er  bei 
ber  kiiejten  53erü^rung  gänjlidE)  ju  jerfatleu  breite,  ©ennodb  getang 
mfr  nriber  ©nuarten  bie  Hebung  be3  ©d&atjeä  fo  nottf  ommen ,  als 
e*  unter  ben  obroattenben  Umftänben  überhaupt  möglidf)  mar. 

Sdjließlidfj  nodfj  folgenbe  Semerhmgen.  Qn  bem  fraglid&en 
§8gel  jeigten  fidfj  Ijtn  unb  nrieber  Äoljlenfpuren,  bodf)  ift  t>on  Urnen* 
Wjerben  unb  calcinirten  Anoden  in  bemfelben  bislang  ntd&tö  gefun* 
ien  roorben,  n>a$  ju  ber  33ermutljung  beredjjttgt,  baß  bie  eigentliche 
Srabjtötte  nodj  in  bem  bebeutenben  tiefte  be$  £figefe  verborgen 
Wn  burfte.  3lu<§  ty&t  i<$  ben  bie  meiften  Kegelgräber  ber  SBronje* 
petiobe  ^aracterifirenben  ©tetnring  nid&t  entbedten  fönnen,  welker 
aber  au<$  DieDeidfjt  fdfjon  früher  entfernt  unb  ju  SBaufteinen  benufct 
Wn  mag,  tote  e$  ja  fjäuftg  ju  gef$e!)en  pflegt.  2luf  ber  33ed(jete* 
bwfer  gelbmatf  flehten  mehrere  größere  unb  Heinere  Kegelgräber 
l)fe  unb  ba  früher  »or^anben  geroefen,  aber  bem  Pfluge  aflmät>Ud() 
gwwfcn  ju  fein;  nur  auf  bem  gelbe  be$  £ufnerS  ierocS  ergebt  fidEj 
w4  ein  fe^t  großer,  rooljl  erhaltener  ©rabfyügel,  roeld^er  bemjem* 
Jen  <raf  bem  gelbe  beS  £ufner$  $09  ooHfommen  ebenbürtig  erfdjeint 

60  weit  i<$  es  ermöglid&en  fann,  werbe  id(j  bie  etwaige  fernere 
Abtragung  be3  fragüd&en  Äegelgrabe«  im  Sluge  behalten,  unb  even- 
toaliter  »eridfjt  erftatten." 
ffialbljufen,  24.  Suli  1870.  S.  #.  #aug. 

8on  ben  gefunbenen  ©egenflänben  ifi  baS  burd&  $errn  &aug 
m  $erfon  aufgenommene  ©erätf)  ein  befonber«  felteneS  Stüdf  Sllter* 
tfcmt,  ba3  feine  ber  mir  befannten  Sammlungen  enthält  Um  fo 
«eljr  friert  bie  Slbbtlbung  beffelben  auf  ber  beigefügten  $afel  ge* 
wtyfertigt,  rodty  ber  nad^folgenben  Erläuterung  jum  Slnfjatt  bie* 
nen  mag. 

Stad&betn  bet  gunb  aDmä^lid^  getrodfnet  unb  erhärtet  mar, 
füllten  ft($  jwei  etn>a  einen  guß  lange  $oljftäbe  bar,  bie  t>on  eini* 
flm  liemlic^  großen  ©tüden  Seber  umfüllt  waren.  3)a8  £olj  ber 
6tibe  jeigte,  obwohl  nadfj  bem  Slbtrodtnen  no<$  feljr  mürbe,  ein 
Vtft&  ©effige  unb  mürbe  nadf)  genauer  mifroffoptfd&er  Unter* 
fcifcng  burdfj  $errn  Sttpot^efer  ©d&orer  ate  2Beiß6ud&enf)otä  erfannt. 
•*e  ©täbe  finb  unter  ftdf)  ganj  gleify  @ie  finb  in  i^rer  ganjen 
mit  einem  ßinfd&nitt  üerfe^en,  ber  bis  in  üpe  3Rttte  reicht 

fid)  $ier  ju  einer  runben  9lö^re  t)on  etma  boppeltem  S)ur4* 


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zedby  G00gk 


188 

meffer  be«  @inf<$nitte«  erweitert,  ©er  ©nfd&nitt  bient  jut  Stuf* 
nannte  eine«  Seber«,  meld&e«  am  Staube  burdfj  eine  ttmnäljung  t>on 
btdfem  SBntbfaben  ju  einem  runben  Säng«roulft  üerflarft  Ift,  ber 
augenfd(jeinltd()  baju  bienen  foHte,  ba«  Seber  in  unb  an  bem  ©tobe 
feflju^alten  (t>gl.  3)urdf)fd&nüt  d  unb  3*$mmg  e).  9tot&menbtget 
SEBeife  mufc  baffelbe  uon  ber  Seite  in  ben  ©tab  hinein  gehoben 
roorben  fein.  Sluf  beibe  ©nben  be«  ©tabe«  finb  Äapfeln  t>on  SJronje 
gehoben,  bie  oben  mit  einer  Meinen  Defe  t>erfe§en  finb  jur  Stuf* 
tttt^me  t>on  Seberriemen,  von  wetzen  einer  nod(j  an  feiner  ©teile 
Dor^anben  war.  2)ie  Äapfeln  finb  mit  jierUdfjen  Steifen  gefömütft 
unb  jeigen  au<$  auf  ber  Slufjenfläd&e  trei«förmtge  @rat»irungen. 
Um  ba«  §erau$$te$en  be«  Seber«  avß  bem  (SinfdpHtte  ber  ©tobe 
nod&  me^r  ju  erfd&toeren,  ifl  eine  anbere  merfroürbige  @inri$tung 
angebrad&t,  bie  roof)l  einjig  in  tyrer  3lrt  ifl  2Bie  bei  «  ju  fe^en 
ift,  wirb  nalje  ben  Snben  be«  ©tabe«  jeberfeit«  nad(>  unten  eine 
aflarttge  £ert)orragung  fid&tbar.  3n  red&tnrinfliger  SRidjtung  ju  bem 
©nfd&mtte  nämlidfj  ifl  fd^räg  gegen  bie  SKittelrinne  ju  unb  no$ 
etwa«  barüber  itfnau«  ein  Äeil  von  bemfelben  £olje  hineingetrieben, 
um  ben  uerflärften  Staub  be«  Seber«,  ber  in  ber  3Wittetröf)re  liegt, 
barin  feft  ju  preffen  unb  in  feiner  Sage  ju  erhalten.  ©er  $>ur<^ 
fd&nitt  d  unb  bie  3^nung  a  werben  bicfe  @inri<§tung  Kar  ma$en. 
3Ran  jtef)t  ben  Äeil  bei  a  von  ber  breiten,  bei  d  üon  ber  fd&maleu 
Seite  unb  erfennt,  bog  ber  untere  %f)txi  be«  2lfte«  eigenb«  ouf* 
gefe|t  ift  unb  mit  bem  Äeil  ein  ®an$e«  bilbet  2)ie  obere  ©eite 
ber  ipoljfläbe  ifl  burdfj  brei  fdfjnurartige  ^albfreiäförmig  er^ö^te 
Sronjeleiflen  unb  eine  ba§mifd^en  Uegenbe  fUi<$  eingelegte  Stonje* 
uerjterung  gefdfjmüdtt  3)a8  Seber  aber  ifl  an  bem  Ober*  unb  ©eiten* 
ranbe  mit  ©piratt>erjierungen  belegt;  lefctere  finb  burd&  jmei  nagel* 
artige  ©ptfcen  befeftigt,  bie  burd&  Söd&er  im  Seber  Itfnburd&geföoben 
unb  auf  ber  ^nnenfeite  umgebogen  finb  (fte^e  d  ber  Seid^nung). 
S)a«  Seber  ift  flarf,  fie&t  bunfelbraun  au«:  f)ie  unb  ba  ifl  inmenbtg 
furje«  glattes  $aar  erhalten.  SSteHeid&t  ifl  e«  Seber  uon  2Bilbr 
3te$  ober  §irfdf). 

5tad&  allem  biefen  fann  ba«  ®erätf>  nur  eine  Slrt  Sebettotdfc 
gemefen  fein,  bie  oben  jroet  §ötjeme  8ügel  Ijatte;  wie  tief  fle  to«, 
Ififct  ftdfj  nid&t  meljr  befttmmen.  £)a«  unter  c  abgebilbete  ©tM 
Seber  f^eint  ein  2^eit  be*  unteren  6nbe*  gemefen  §u  fein.  2Bie 
weit  ft$  bie  £>öljet  oben  ^aben  au«  einanber  gießen  laffen,  ifl  gleich 
fad«  ni$t  me^r  fefljufleBien,  bo<§  jeigt  ber  ©ettenranb  be«  Sehet« 


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zedby  G00gk 


189 

m  ber  Mty  ber  §oljfiäbe  ©puren  oon  einer  genähten  Sttatt),  fo 
ta|  minbeflenS  oben  eine  ©eitenioanb  anjunebmen  ifi  2lud)  bie 
SBeftmmung  ber  reid^  oerjierten  Sxifdje  mufc  oortäuftg  ba^in* 
pjlellt  Weiben;  unmittfürlid)  fallen  einem  jur  Sfcrgleid&ung  bie 
»*$  je|t  gebräud&lufcen  SßrooiftonSbeutet  ber  9tegerftämme  SEBefl^ 
afrifrö  ein. 

S)ie  Xafd>e  gehört  ol>ne  grage  ber  SJronjeperiobe  an:  ba8  be* 
arijen  bie  übrigen,  in  bemfelben  $figel  gefunbenen  ©egenftänbe,  na* 
»entlief)  ba£  SJronjefdjtoert  9tur  barau«,  bafc  ba3  ©erätt),  oon  ber 
ataw$$>arifd}en  Suft  völlig  abgefdjloffen,  f  o  tief  im  f eften  2$on  einge* 
jwjjt  gelegen  l>at,  fc^eiitt  e«  erflärlicfc,  baf*  fidj  #olj  unb  Seber  fo  lange 
}tfen  Ratten  fönnen.  Unfer  gunb  toirb  vielleicht  baju  bienen,  bie 
iö&et  rätselhafte  SJefWmmung  mandjeS  ^ie  unb  ba  gefunbenen 
Betaen  Srangefiüde«  aufjubelten,  ba$,  in  nid^t  fo  günfligen  SSerl>ält* 
«Jfcn  eingebettet,  wie  unfere  Safdje,  feine  fenntlid&e  ©eflalt  burd)* 
«ö  verloren  $at,  toeil  aUeä  an  Üjm,  |toa3  ntdjt  3RetaB  toar, 
wj^wunben  tfl. 

Sßglid&enoeife  toirb  ba£  nid)t  völlig  abgetragene  ßegelgrab 
jb  ft^eöborf  nod)  anbere  Slltertfjfimer  oon  Sntereffe  bieten.  85i* 
jt$  ^nb  in  unfern  SJefift  auger  ber  Safdfje  folgenbe  ©egenftänbe 
ttaDjegangen: 

l)  ©njelne  Steile  eine«  vietteid&t  ät}itli<$en  ©erät§8 ,  tvie  bie 
Wtytiebene  £af$e,  j.  8.  jtoet  93ron§ecapfeln,  benen  jebod)  bie  Defen 
festen;  babei  einfadje  ©tüäe  von  Seber  unb  ©roden  oon  $är* 
tetem  $olj. 

E)  3wei  Äapfetn,  glei^faltö  oljne  Defen,  aufeerorbentltd)  fauber 
wtjiert  unb  tljeittoetfe  jerbrod&en;  ein  t (einer  mit  einem  Strt  klaget» 
btopf  oerfe^ener  ©otjen  unb  einige  ganj  fleine  Sttnge,  alles  au8 
fe$r  feinem  toeifeen  gebrannten  (?)  $feifentf)on.  S)tefe 
Stöde  finb  oon  ©riinfpan  burd^ogen,  ein  Setoete,  ba&  fie  mit 
ötcmje  oerbunben  getoefen  finb.  SBoju  biefe  jerbredjlMfjen  ©ad^en 
gebieut  tyaben  mögen,  bleibt  einfltoetlen  unerflärt. 

3)  @tn  Sronjefd&toert  oon  febr  rauhem  Stofl  bebe*.  ©8  ifi 
£$($4  3^D  §amb.  2Wafc  lang,  fo  weit  e*  erhalten  ifi,  benn  bie 
tytye  feljlt.  2>er  $anbgriff  ifi  ganj  oon  Sronje,  ber  9taum  fftr 
fc.|anb  nur  2j  3ott  lang,  bie  klinge  fyat  ber  Sänge  nadj  beiber* 
frfc  einen  breiten  fhimpfen  ©rat,  ber  an  ben  Seiten  oon  einer 
fcgtifitnen  Sinie  begleitet  toirb.  SSon  ber  ©treibe  ifi  nur  ber 
tofc  Sefölag  ber  ©pifce  erhalten,    ©er  §anbgriff  fHmmt  in  ber 


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zedby  G00gk 


190 

gorm  am  tneiften  mit  ben  bei  Stnbenfdjmibt,  attert&fimer  ©b.  1 
$.  8  $af.  3  unter  J8  b  u.  ß  abgebtlbeten  Sronaefdfjmertern. 

4)  ©in  3)ol<$  nebft  feilen  ber  ©djetbe,  nur  fragmentarifä 
erhalten.  £)ie  ilUnge  ifi  auf  ben  glasen  mit  ä§nUd>em  ®rat  per* 
fe&en,  wie  bag  ©djwert. 


V. 


Qint  SWitt^eüunö  Dom  @taat$ar$toat  äöetyrmann. 


„wtttuf  §ij,  bat  na  ber  borb  ßrifii  tmfeä  $eren  bufenb  Deer^unbert 
barna  im  üifunbefoftigcften  jar  beS  bonrebage*  na  bem  fonbage 
©antäte  be  erfamen  $eren,  be  rab  beffer  pab  Subefe,  uppe  be  enen, 
unbe  be  merbige  §m  ijjtnrif,  bebeß^et  unbe  mejier  funte  Slntyoröi 
§ot>e«  to  £empfcin  im  tanbe  tfjo  3Refelnbor(&  belegen ,  uppe  be  an* 
bem  jtjben,  jint  eenS  geworben,  fo  bat  tor  tijb  $ir  binnen  ber  jiab 
ni^t  meer  mefen  fdjoten  ban  XX  tljonnpeS  fnrine  uppe  ben  jiraten 
lopenbe,  unbe  roenner  ber  frotjne  meer  }in  ban  XX,  benne  fdjal  be 
mefler  bestellen,  bat  meu  be  wtteflen  fmpne  utf)  ber  ftab  §alen  unbe 
benne  anbere  magrere  frope  in  be  flebe  lopen  latye,  fo  bat  ber 
fropne  tor  tijb  nid&t  meer  jij  ban  XX ;  unbe  fulfe  frotjne,  be  men  fo 
uppe  ber  [traten  in  funte  äfatljonU  ere  lopen  let,  ben  fdjat  mtn 
ene  Hoden  in  bat  ore  Mengen  unbe  barto  funte  Slntyonü  crufce, 
befdjebelifen  epn  tau,  uppe  ben  t>ot&  bernen  latyen.  ©cremen  uan 
bepele  be*  rabe«  Ijir  to  Subele." 

©o  lautet  eine  im  2Irdjtt>  befinblW&e  SKufjetdjnung,  ju  beren 
©rläuterung  unb  näherem  3kvjlanbnifc  bie  folgenben  öemerfungen 
bienen  mögen. 

3n  bem  heutigen  aRedlenburg^merinif^en  ätotte  Sempjin 
beponb  im  ÜRittelalter  eine  f.  g.  Sßraeceptorei  be3  SfatonUi&Öc* 
ben«,  ein  Höjierlid)e*,  §auptfädjlidj  jur  Äranfenpflege  beftttronte« 
©ttft,  meines  unter  ber  Seitung  eine«  Sßraeceptor*  (bebeg&er,  ®e* 
bietiger)  ftanb.  63  mar  im  Qaljre  1222  gegrflnbet  unb  fcatte  wn 
bem  Sßapjie  bie  (Srlaubnif?  erhalten,  außer  bem  Si&lptm  ©d&werin, 


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zedby  G00gk 


191 

in  welkem  eS  tag  r  audj  bic  t>ier  benadfjbarten  SBiStljfimer, 
ßübecf,  9ia|eburg,  $anelberg  unb  ßanim  jum  2llmofenfammeln 
burdjmanbern  ju  laffen.1)  SHefe  ©rlaubnift  benufcte  e$  in  Sübecf 
ta§u,  ©djroeine  auf  ben  ©trafen  umherlaufen  ju  laffen,  meldfje  bort 
reid&tidfje  9lal)rung  gefunben  ju  $aben  feinen.  2)er  Sftat^  bulbete 
bie  Spiere,  als  aber  ifjrer  attju  oicle  würben,  falj  er  ftdjj  genötigt, 
bem  Rlojter  eine  gemijfe  Sefd&ränfung  aufzuerlegen.  @r  erflärte 
bem  ^raeceptor  be3  $aufe«,  £inrid&  $agenom,  baS  Ätofter 
möge  nadfj  wie  por  feine  ©d&meine  §ier  umherlaufen  laffen,  aber 
triebt  meljr  als  jmanjig  jur  3eit>  vermehre  fid&  bie  Slnja^l  ber 
Spiere,  fo  muffe  baS  Älofter  juoor  bie  fetteflen  ljerau8nel)men 
laffen  unb  fönne  bann  ebenfooiel  magere  an  bie  ©teile  fefcen.  Um 
bie  SluÄfü&rung  biefer  SDiaftregel  ju  fid&ern,  üerorbnete  ber  Statf) 
femer,  baft  ben  bem  Älofter  gehörigen  ©dementen  eine  ©tode  in£ 
üift  gebunben  unb  ein  2lntoniu$freuj  (t)  auf  bie  güfte  gebrannt 
»erben  folle.  S)er  Sßraeceptor  oerfpradjj,  bie«  2We3  naclj  bem  SEBiUen 
be$  9totl)3  einjurid&ten. 

2lu£  bem  SSorfte^enben  barf  nid^t  gefd&loffen  werben,  baft  eS 
•Igetnem  erlaubt  mar,  ©d&meme  auf  ben  Straften  umherlaufen  ju 
laffen,  pielme^r  mar  es  nur  eine  befonbere  unb  auänafynäroeife 
Setgünfiigung,  baft  bied  bem  Älofter  nad&gefejjen  mürbe  (in  be 
ere  funte  änt&onii).  S)en  bürgern  mar  e£  jroar  erlaubt,  ©d&roeine 
ju  Ratten,2)  aber  oI)ne  3roeifel  perboten,  fie  auf  ben  ©trafen  ju  Ijaben. 
Shirbe  bie*  Verbot  übertreten,  mie  eS  buSmeilen  gefcfyeljen  fein  mag, 
fo  tourben  bie  auf  ben  Straften  angetroffenen  ©d&meine  von  ben 
aSettebeamten  meggenommen  unb  ärmen^äufern  gegeben,  ©agegen 
foflten  uermutfjlidE)  bie  bem  Älofter  gehörigen  ©dfjmetne  gefd&iifct  unb 
beft^alb  burdf)  beftimmte  3^id^en  fenntltd&  gemacht  werben.  Stte« 
Sad^wr^altnift  ergiebt  pdf)  jiemlidfj  beutltcfy  au«  fpäteren  SBerorbnun* 
gen.  2)te  ättefie  ift  oom  3af>re  1583  unb,  mie  e3  fd&eint,  in  ©er* 
anlaffung  einer  ber  im  Mittelalter  häufig  oorfommenbeu  pefiartigen 
ftrantyeiten  erlajfeit  ©3-  nrirb  barin  bemerft,  baft  ©djjmeine  in 
ftooett,  Äellern,  Suben  unb  an  anbern  ungehörigen  Dertern  gehalten 
•erben,  unb  meil  bie«  „to  allerlei  fiandt  unb  Vergiftung  ber  luft, 
ober  t$ot  pefi,  fud)t  unb  anbern  geferltd&en  franfyeiteu  nid&t  meinig 


*)  Sa^rBü^et  M  »nreln«  für  3Wtcrfenburflifd)e  ®ef«fd)tf  unb  «Itertyum* 
tafe.    Safag.  15.    @.  150  ff. 

*)  $ad>,  M  alte  «ftbifdje  ffttty.    ©.  354. 


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zedby  G00gle 


192 

orfafe"  gtebt,  oerorbnet  ber  3lat$,  „bat  ftcf  ein  ifcttdjer  f oller  ftmne 
br)  folgenber  maft  unb  fdjlad&t  tib  nerenfi  ben  faoen  unb  fletten 
antg  mafe  unb  afffdjaffe  unb  Ijenforber  ftdt  berfuloen  genfcluf  ent* 
$olbe."  3)a  ftd&  nun  aber  bie  Stääer  beförderten,  bafj  jie,  oljne  be* 
trä$tti<$en  Stäben  an  tyter  SRa^rung  §u  leiben,  ba*  9ßäften  ber 
©$meine  nid^t  unterlaffen  Knuten,  befahl  ber  9tatl)  „in  betrad>tung 
beffulmgen  unb  fünften  ut  anbem  ben>e<$ltfen  orfafen"  ben  SBette^ 
Ferren  1585,  bafc  fie  jeben  Säder  unb  anbem  Bürger,  „bem  fpn* 
oorber  nobig  fin  toart,  fnrine  tf)o  Ijolbenbe,"  einen.  Pafc  t>or  bem 
ipolftentyor,  bem  Surgtljor  unb  2Rül)lentl)or  amoeifen  fottten,  wo 
©djroeinSfooen  erbaut  werben  fönnten,  „umtne  be  fnrine  tl>o  wc* 
waren."  ©a*  galten  üon  ©djroemen  in  ber  ©tabt  warb  abermals 
unterfagt  S)a*  Verbot  tft  feitbem  ju  urieber^olten  SRalen  erneuert 
worben,  unter  anberm  1593,  1617,  1640  unb  nod>  1745. 


IX 

^veUttttfgttle, 

fleflettt 

am  fünf&unbertjä&rigen  ©cbentfeftc  be8  griebenS  ju  ©tralfunb, 

1870  3»ai  Ü. 


wie  unterjeid&neten  Vereine  forbern  hiermit  jur  «Umarbeitung  eine* 
©eföid)t3u>erfeS  auf  über  ba82J>ema:  S)ie  beutfd>en  §anfejifibte 
unb  Äönig  SBatbemar  t>on  Sänetnart 

©tnlettenb  ift  in  ber  Arbeit  einerfeit«  bie  attmffl&lidje  «uSbilbung 
beä  ijanfifdfjen  SBunbe*  bia  jum  3al>re  1361,  anbererfeit*  bie  wm 
SBalbemar  II.  unb  @rid>  3Rem>eb  gemalten  SSerfudje  jur  @rtangung 
ber  fcerrfdfjaft  Aber  bie  Dfifee,  fonrie  ber  tynen  von  fceutfölaify 
inäbefonbere  von  ben  ©d&auenburgern  unb  ben  §anfejtöbten  ent* 
gegengefefcte  SBtberjtanb  in  ber  Äürje  barjufletten,  unb  fobann  burdjj 
bie  ©dtflberung  oon  SBalbemar«  attmäljttd&em  (Smporfommen,  von 
feinen  anfänglichen  öejie^ungen  ju  ben  $awfeftäbten  unb  wn  feinem 


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zedby  G00gk 


193 

$erf»äfoti{j  ju  ©Sweben  unb  SRorwegen,  insoweit  baffelbe  auf  jene 
efagemirft  Ijlat,  in  baä  SJerjtänbmfc  ber  ©ntftel)ung  unb  ber  üoHcn 
Sebeutung  ber  barauf  folgenben  Äampfe  einjufityren. 

3)ie  ©efdfjid&te  biefer  Äämpfe  pi^en  ben  §anfeftäbten  unb 
Ä6nig  SBalbemar  von  Stänemarf  bilbet  ba<8  eigentliche  X^ema  ber 
Aufgabe.  S)ie  Arbeit  Ijat  bemnadfj  ntd&t  nur  auf  bie  ©efdfjidf)te  ber 
eigentlichen  Äriege  einjuge^en,  fonbem  foU  tJorjugSweife  auSeinanber* 
fe|en,  roetd&en  ©tnftufc  jene  Äämpfe  auf  ben  SBunb  ber  beutfd&en 
§<mfefläbte  ausgeübt  tyaben,  fotoo^l  in  Sejug  auf  feine  äufeere 
SRad&tfiellung,  a\&  audfj  auf  feine  innere  Kräftigung.  Qn  einem 
«ften  ^auptt^eU  etwa  wäre  alfo  bie  Sebeutung  ber  Äonföberation 
ju  ®reif«toalb,  ber  unglficfUd&e  ffriegSjug  gegen  SBatbemar  von 
Jfönemarf,  bie  folgen  ber  9tieberlage  unb  ba3  aUmäljtige  SBieber* 
«Harfen  beS  S3unbe3,  in  einem  jweiten  bagegen  bie  SBebeutung  ber 
Äöfoer  Äonföberation,  ber  fiegreid&e  gelbjug  gegen  ©änemarf 
tmb  ber  gfrtebe  ju  ©tralfunb  auf  ©runb  ber  nodfj  in  biefem  Qa^re 
wlljtönbig  erfd&einenben  £anfereceffe  unb  be£  fonft  an  Urfunben 
wib  üueBenfd^riften  gebrudtt  t>orl)anbenen  SWaterialS  ausführlich 
bß^ifleHen.  3n  wie  weit  ber  SSerfaffer  auefy  ben  ßroberungSfrieg 
^*  §etJog8  Sttbred&t  von  SWedflenburg  gegen  Äönig  9JJagnu$  t>on 
Sonoegen  unb  ©dfjweben  berüdfftdfjtigen  will,  wirb  ijjm  an^eimgefteüt. 
S)ie  Senufcung  ungebrudten  3Jtaterial£  wirb  nidf)t  jur  Sebingung 
gemalt  3m  Uebrigen  wirb  eine  auf  felbftänbige  ftorfdfjung  unb 
wifienf^aftUd^e  Prüfung  ber  Sfyitfadijen  gegrünbete,  jugteiefy  an* 
fptedjjenbe  35arfteflung  erwartet.  SHefelbe  mufe  in  beutfe^er  ©prad&e 
%fafet  fein. 

SHejenige  2lrbeit,  weld&e  binnen  5  3fa(jren  eingereiht  unb  t>on 
ben  $rei$rid)tew  für  bie  preis  würbigfte  erllärt  wirb,  erhält  einen 
km  SJerfaffer  oom  herein  für  igamburgifd&e  ©efdbid&te  im  9tamen 
bttunterjeid&neten  Vereine  §u  überretd&enbenSßrete  von  500  Zfya  i  ern. 
Sfa  ben  gatt  jebod&,  ba&  uon  ben  ^retörtdfjtern  jmei  arbeiten  als 
ttaanber  ebenbürtig  unb  pretöwfirbig  bejei^net  werben  fottten,  ift 
tat  Vereinen  eine  Teilung  be$  greife«  oorbe^alten.   ' 

SKe  Arbeit  ift  bis  1875  üRai  24.  einem  ber  unterjeidjjneten 
teilte  jujufenben,  mufj  leferltd&  gefd^rieben  unb  von  einem  ben 
*teen  be«  JBerfafferS  ent^altenben  gefctyloffenen  Eouoert  begleitet  fein. 

SHe  gefrönte  Srbeit  bleibt  ba«  ©gentium  beS  33erfaffer& 
Ä#t  gelrftnte  arbeiten  werben  ben  Tutoren  auf  beren  SBunfcfc 
WHtgefanbt 

3«tfd,r.  f.  8üfr.  ®cfa.  ©*.  3  $cft  1.  ,3 


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zedby  G00gk 


194 

2)a$  $rei$ricf)teramt  tyaben  bic  Herten  ^Jrof.  3Jtaniet*  in 
fitibed,  5ßrof.  ttfinger  in  fiiei  unb  Sßrof.  SBaifc  in  ©öttmgen 
übernommen. 

2)a«  ©rgebnife  biefc«  «uäföreibcn«  roirb  feiner  3eit  butd>  alle 
SBlätter  befannt  gemalt  werben,  in  benen  biefe  ^teidaulgabe 
mitgeteilt  ifl. 

Stralfunb,  1870  SDlai  24. 

Perein  für  Damburrjifdje  Gefdjtdjte. 

Perritt  fite  fUbe&ifdje  ßefdjidjte  uttb  lUtertljunwfeui&t« 

3Mrtljetlttng  bes  Bremer  ^ttnflleroereiHö  für  ßefd^i^ie 
unb  Iüterti)um*ku«be. 

JHtyifdj^ommerföe  Hbtljrilung  ber  (StfeUfd^aft  für  Jlotnm.  «eföi^t* 
unb  ^Itrrtljumrfuittbe. 


i 


\  _^ 


VII. 

Sie  ®fat>en4>rontf  SlrnolbS  »on  £üb«f. 

5Bon  Dr.   »üb.  Damu«. 


tt 


I.   petr  ^etrfaflTetr. 


ur  eine  geringe  ^njatyl  üereinjelter  -Jiadjridjten  über  bie  äußeren 
SebenSumflänbe  be3  SSerfafferS  ber  ^ier  gu  be^anbelnbcn  Chronica 
Slavorum  ifl  uns  erhalten  morben.  Einmal  war  er  feine  ^Jerfon 
»an  fold)er  politifdfjen  Sebeutung,  bafc  er  in  ^ifiorif^en  2tuf jeidjuungen 
feiner  3^^  ©rroa^nung  gefunben  ^ätte ,  bann  aber  beobachtet  er  ba, 
t»  am  elften  SluSfunft  über  tyn  ju  erwarten  wäre,  id)  meine  in 
fernem  eigenen  SBerfe,  eine  merlmürbige  3urö^attungf  ein  faft 
wflftänbigeS  ©ttUfd&roeigen  über  feine  eigne  Sßerfon.  SRur  in  ber 
feiner  6t)ronif  norauSgcljenben  SEJibmungö  *  ©piftel  an  ben  SBifdjof 
?§ttipp  von  Stafceburg  nennt  er  feinen  Flamen  Arnoldus  unb  beutet 
feinen  getfilidjen  ©tanb  burd)  ben  3u?afc  servorum  Dei  ultimus 
an.  3Bo  er  fonft  im  Saufe  feiner  ©rjctylung  feine  eigne  Sßerfon 
eroaljnt,  ba  gefdjieljt  eS  in  ber  britten  ^erfon,  mie  bei  jebem  2ln* 
bereit1)  eine  @rgan}ang  biefeS  geringen  3Jlaterial3  bieten  bie 
Ucberfdjriften  jroeter  nod)  erhaltener  §anbf<$rtften  feiner  ßljronif.2) 
fjafl  jeber  Herausgeber  ber  Chronica  Slavorum  !jat  es  fid> 
Angelegen  fein  laffen,  biefe  wenigen  Sftad&rid&ten  naö)  feinem  beften 
dafürhalten  ju  combiniren  unb  bie  fo  gewonnenen  9tefultate  in 
bie  bejfiglid&en  Einleitungen  aufjune^men,  fo  Sfteinecau«,3)  Sangert4) 

*)  Be  Lib.  II.  C.  21.  frei  feiner  Slnwefenljelt  im  faiferlidjen  Sager  öor  Subecf 
*.  U61 :  abbas  vero  monasteril  —  suseepit  de  manu  ejus  (sc.  imperatoris) 
«Utes  etc.  Lib.  III.  C.  3.  a.  1183  beim  £cbe  be<5  JBiföofe  $eiuri$:  ait  (sc. 
Hcnricog)  —  abbati  aasidenti  sibi. 

*)  1.  Lappenberg.  Praef.  ad  Arn.  Mon.  rer.  Germ.  XXI.  p.  111. 
•«  ?.*  sec.  exeunte  XIV.  vel  XV.  ineunte.  9.  Lappenberg,  Praef.  p.  106  ; 
1.  !.•  a.  1579. 

*)  Cbxon.  Slay.  ed.  R.  Reineccius.    Francf.  a/M.  1584.    p.  161. 

4)  Chron.  Slay.  ed.  H.  Bangertus.    Lubec.  1659.    Praef. 

1 


Digiti 


zedby  G00gk 


196 

imb  SeÜmife;6)  Sappenberg6)  $at  bann  bei  feinen  SSotatbeiten  jur 
$erau8gabe  Slmotb'a  für  bie  Mon.  rer.  Germ,  jid(j  ba$  Serbienji 
erworben,  biefe  5Rad&rtdf)ten  nodfjtnate  ju  prüfen  unb  fte  n>efentltd&  bur$ 
iptnjujie^ung  oon  Sübedfer  Urfunben,  in  benen  ber  3tutor  tljeilä 
felbp  urfunbet,  t^eitö  teftirt,  ju  ergänjcn.  auf  Sappenberg'* 
ftorfdjungen  beruht  aud&  ber  Slbfdfjmtt  über  Srnolb  bei  SBattenbadj}.7) 

SBäljrenb  ber  @d&riftfieHer  feinen  Atomen  in  bem  oben  bejeid&> 
neten  ©riefe  unS  felbft  überliefert,  ergiebt  jidj  9läf)ere8  über  feinen 
©tanb  erfi  au«  ben  beiben,  fd&on  erwähnten  SRanufcript*  lieber* 
fd&riften,  oon  benen  bie  ältere  i^n  auSfityrlidf)  Arnoldum,  tunc 
abbatem  monasterii  beati  Johannis  ewangelisto  in  Lubeke,  or- 
dinis  beati  Benedicti  nennt,  bie  jüngere  tyn  nur  allgemein  aU 
abbas  bejetd&net.  2)a  biefe  fpäten  3*uflniffe  baburdj)  geftü^t  werben, 
bag  ftd)  pon  1197  bi«  minbefienS  1210  urfunblidj  ein  Sbt  be8 
Rannte  *Älofter3  ju  Sfibedf  SRamenS  Amoldus  na<$n>etfen  läfct,8) 
au<$  fidfj  in  ber  G&ronif  ein  33eridf)t  ftnbet  über  bie  Xobeajhmbe 
be«  SBifd&of*  £cmridfj  oon  Sübed,  ber  in  feiner  2lu8füI)rUd)feü  nur 
von  bem  einjigen  Slugcnjeugen,  eben  biefem  3lbte,  ^erflammen  fann, 
fo  iji  biefe  Sluffiettung  als  genügcnb  begrünbet  anjufe^en.9) 

3)a&  Stotolb  feine  3ugenb*©rjie$ung  in  einer  ber  bamate 
blüljenben  fitofterfdfjulen  Sadrfcn'S  genoffen  Ijat,  roa3  fiappenberg 
aus  feinem  an  flaffif  d&en  unb  bibltfd&en  ©taten  reiben  ©tple  folgert,10) 
wirb  nod&  geflüfct  burdfc  Slmolb'S  Slngaben  über  feine  fd&on  in  früher 
Sugenb  getriebenen  ainbad&tßübungen;11)  an  roeld&e  ©d&ule  babei 
ju  benfen  iji,  lä&t  fidfj  nid^t  entfd&eiben,  mit  9Bal>rfd&einUd&fett  fann 
man  auf  §tlbeS§eim  ober  ©raunfd&roeig  fd&liefeen,  weil  ber  1182 


6)  Leibnitz:    SS.  rer.  Brunsw.  II.    p.  49  ff. 

6)  fcawenberg,  an  Bier  Orten,  aud)  mit  einigen  JBerfdjiebenljeiten  in  ber  Auf* 
faffung.  a.  galf,  «Wagajin  IX.  b.  ?erfc,  »r«i»  f.  alt.  beutfäe  ©efd).  VI. 
p.  566  ff.  o.  Einleitung  ju  Laurent'*  Ueberfefcung,  in:  ®efd)id)tefd)reiber  b. 
beutfd).  ©orjeit  XIII  bcc.  3.  Q3b.  d.  Praef.  ad  Arnoldum.  Mon.  rer.  Germ.  68. 
XXI.    p.  100  ff. 

')  äöattenbad).    $eutf*lanbs  ®efd)i*t«queUen  i.  5W.*«.    2.  «nf.  p.  452/3. 

8)  Urfbb.  be6  Sistfce.  Süberf,  n.  XVIII.  a.    1197    unter    ben  3engen:    Ar- 
noldus  abbas  Sti.  Johannis  ewangeliste  in  lub.,  n.  XX.  a.  1200:    Arnoldus 
abbas  lubicensis,  n.  XXI.  a.    1201:     Arnoldus  abbas  lubicensis,  n.   XXVI. 
a.  121 ..:  abbas  Arnoldus  de  saneto  Johanne. 
»)  «rn.  m.  8. 

10)  Lappenberg,  Praef.    p.  103. 

")  «nt.  V.  13.  Confcsaio. 


Digiti 


zedby  G00gle 


197 

fterbenbe  33i?d)of  £etnrid()  von  ßfibedf,  ju  weitem  2lrnolb  in  ben 
intimflen  Sejietyungen  ftanb,  SSorfteljer  erfi  bet  ©dfjule  in  £itbe$* 
fctm,  barm  in  Sraunföroeig  geroefen  ijt1*)  2Rit  §tlbcgljeim  l>at 
Jxnolb  nod&  fpätet  eine  SSerbinbung  aufregt  erhalten,  wenigftcnÄ 
erhält  er  einen  an  ben  bottigen  prepositus  gerichteten  ©rief.13) 
Ueber  bie  Stellung  be£  2lutor'$  in  ber  $t\t,  el)e  er  jum  erften  Slbt 
bc«  a.  1177  gejtifteten  ©t.  Soljanni&ÄlofterS  ernannt  nmrbe,  ift 
birect  nid&tö  überliefert;  Sappenberg  nimmt  nun,  roenigftenS  in 
{einen  Späteren  äuffäfcen,  an,  bafc  ber  2tbt  2lrnolb  ibcnttftfj  fei  mit 
einem  in  Sübedtifdfjen  Urfunben  big  jum  3al)re  in 7  nad&roeiSbaren 
custos  Arnoldus:  bie  Qbentität  biefer  beiben  Sßerfonen  fteHt  er  ba* 
burc^  nod)  als  um  fo  roaf)rfdf)einlid)er  l)tn,  bag  er  anführt,  bie  beiben 
(jier  in  grage  fommenben  firdfjtidfjen  Stifte  in  ßü6edt,  baS  btfd&öflid&e 
Gapitel,  bem  biefer  Arnoldus  custos  angehörte,  unb  ba$  Rannte* 
Bofler,  mären  beibe  ber  SRegel  be$  l)eil.  Senebict  unterworfen  ge* 
wejen.14)  S)od&  bärfte  bie  Siegel  ber  beiben  Stiftungen  nä^er  ju 
betrauten  fein. 

3n*tfeUo3  ifi  baS  6t.  3of)anni$flofler  in  Sübed  ein  Senebtctiner* 
Äfoftet  geroefen,  baS  fu$,  fo  lange  es  afe  3Kön^Hofier  beftanb, 
feiner  neueren,  prengeren  Stiftung  angefd&tojfen  f>at;  bie«  ergiebt  fid) 
am  beutlid&fien  au$  ber  Urfunbe  über  bie  Skrfefcung  biefer  SKönd&e 
nadj  ßa$mer  unb  bie  -Jteubefefcung  be$  JUofterS  bur<$  Giftercien* 
ferinnen.16)  STOe  fonfUgen  Angaben  ber  Urfunben  unb  ®&roniflen 
fftmmen  bamit  tiberein.16) 

9Udjt  mit  berfelben  ©idfjerljett  ifl  bie  Siegel  be$  bifd&öflidfjen 
gqntetö  überliefert,  nur  bafc  bie  $omt)erren  nid&t  nad&  ber  Siegel 


»)  «rn.  III.  3. 

**)  «r».   V.  19. 

**)  Lappenberg,   Praef.  100/101. 

u)  Urfbb.  b.  ©tabt  Ubtä  I.  n.  C1V.  2.  3an.  1245,  o*  flehen  gegenüber: 
abbas  et  nionacbi  predicti  (sc.  St  Job.)  raonasterii,  sab  regula  beati  Benedicti 
domino  senritori,  unb:  Sanctlmoniales  Cistercionsis  ordinis  .  .,  que  sub 
regola  Beati  Benedicti  etc. 

*•)  iSHftnngÄurfunbe  a.  1177.  Urfunben bud)  b.  Stabt  fcüberf  I.  n.  V.. 
flMBscbos  juxta  professionem  regule  beati  Benedicti.  Detmar:  ftoarte 
■nefe.  <5rjt  teuere  tyaben  aud  3)lifft>erfWnbnifj  bie  Angabe  gebracht,  baß  ba« 
Hkda  St  3of).*&lofltt  Don  feinet  ©r&nbung  an  mit  ßijtercienfern  befe&t  getoefen 
fei  «ab  Ijaben  bann  aud)  Slrnofo  für  einen  ßifteteienfer  angegeben,  fo:  £.  <§Hefe* 
Hc**,  ©fubifdje  OeföWtn  III.  p.  220.  £>.  »bei,  Äönig  %üfy)>.  p.  233. 
fr  «enter,  <0eft.  SUeranber1«  III.  p.  632. 


Digiti 


zedby  G00gk 


198 

bcr  Jprämonfiratenfer  gelebt  §aben,  ergiebt  fufj  au$  einet  ©teile 
SKrnolb'S,  in  bet  fie  einen  Sßrämonftratenfer  nid&t  jum  SHfd&of  an* 
nehmen  wollen,  fonbern  einen  ©eifllidjen  tf)re$  ordo  t)etlangen IT) 
Qt)re  $Bifd)of8reil)e  jeigt  für  biefe  3eit  ©eiftlidfje  oerfd&iebener  Drben, 
aud&  SBBeltgeifllid^e  f  fo  nritb  fd&on  ©erolb,  bet  ben  Sifd&offifc  t>on 
2ltbenbutg  nad)  Sübedt  perlegt,  t>on  £elmolb  sacerdos  genannt;18) 
bafc  et  feinem  3Jlön<porben  angehörte,  gef)t  bann  nod&  beutlidjet 
batau«  ijetpot,  bafe  £elmolb  fofott  etjat)lt,  et  $ätte  erft  bie  abfid&t 
gehabt,  in  ein  Ätoftet  ju  geljen:  nad&  tym  witb  fein  Stubet  Son« 
tab  SHfdjoff  roeld&et  bagegen  2lbt  be«  6iftetcienfet*Äloftetä  9tib* 
bagS^aufen  roat.ly)  3)et  Siföof  §eintid(j,  weiset  1182  fütbt,  roat 
äbt  beS  23enebictinet*ÄloftetS  @ti  (Sgibü  ju  Staunfd&toeig;20)  ü>m 
folgt  bet  SapeDan  be8  ÄaifetS  gtiebticfy  I.f  ßontab,  weiset  faum 
einem  SDlönc^Sorben  angehört  Ijaben  toitb.21)  Sägt  fid>  t)ietauS  feine 
genügenbe  ©id&etljeit  gewinnen,  fo  fann  man  bo<§  an&  ben  Utfunben 
be$  ©apitelS  ©imgcä  fotgetn,  wenn  man  fie  mit  benen  trctgteidjjt, 
meldte  für  bie  beiben  benachbarten  ©omcapitel  auSgefteßt  fmb- 
3)em  SSerfalle  be«  SebenS  bet  ©etftlid&en ,  übet  melden  fafl  alle 
(S&tomften  be8  12.  unb  I3.3a^unbett8,unb  nid)l  am  wenigften  2lt* 
nolb,  flogen,  t>etfu<$te  man  butdE)  bie  ßinfü&tung  fttengetet  Regeln, 
audfj  in  bie  bifdjöflidjen  (Sapitel,  abhelfen:  fo  fanben  bie  neuen 
Dtben:  bet  Gtftetcienfet,  befonbetS  abet  bet  ^tämonjitatenfer  übet* 
all  fd&nellen  (Singang,  au$  in  bie  ©ufftagan^J&tljfimet  bet  @tjbiö* 
cefe  §ambutg*93remen.  3)a£  SRafcebutget  ßapitel  beftanb  auS  Sftegulat* 
Ganonifetn  nad&  bet  Siegel  bet  Sßtämonjltatenfet  von  bet  gongte* 
gation  beS  Ijeil.  Slotbert,**)  in  ©dfjmetin  fyttte  bet  33ifd&of  öetno 
(Siftetcienfet  als  3legulat*Sanonifet  eingeführt/23)  von  bem  Sübecfet 
ßapitel  ift  uns  abet  eine  fold&e  Sftefonnation  butdf)  @infü^tung  einet 
neuen,  üetfc&ätften  Siegel  niefct  übetliefett,  unb  ba&et  j^igt  fid&  in 
ben  Utfunben,  meldte  bcu8  Sübecfet  ©omcapitel  betreffen,  fietS  nur 


11 J  9lrn.  III.  6. 

18>  «ßeimolb  I.  79.  in  Mon.  rer.  Germ.  XXI.  p.  1  ff. 

19)  $elm.  a.  a.  £). 

»°)  9lrn.  I.  13. 

81)  9lrn.  III.  6. 

M)  gr.  2Binier.  5Die  $rämonftratenfer  be6  12.  3a$r$unbfrt6.  öerL  1865. 
p.  168  ff.  über  (ffwmobua  öon  9tofceburg. 

M)  8fr.  aöiiiter.  3>ie  öiftercienfer  be*  norböfU.  5>euifd>lb«.  tiotyj  1868. 
3  9be.    I.  p.  87  ff.  über  Serno  $on  @<&»erin. 


Digiti 


zedby  G00gk 


199 

ein  STuSbtud,  wie  canonici,  canonice  viventes,24)  lüä^rcnb  bei 
einer  erwäljnung  ber  ßanonifer  SHafceburgS  ober  ©djwerin'S  bie 
Sejetdjnung  reguläres  ober  regularitcr  deo  frimulant.es  feiten  fef)lt 
^itrau«  mufc  gefdjloffen  werben,  bafc  bie  Sfibecfer  ©om^erren  bem 
Staube  ber  canonici  seculares  im  ©egenfafce  $U  ben  reguläres 
angehört  ffaben,  b.  I).  nad)  ber  Sieget  gelebt  fjaben,  wel$e  S&robe« 
gang  non  SRefc  für  bie  canonici  twrgefdjrieben,  bie  aßerbing«  als 
regula  Sti.  Benedicti  ju  bejeid)nen  tji,  aber  fid)  ganj  wefentlid) 
oon  ber  Senebictinerregel  be«  6t.  ^ofymni&ÄlofterS  untertreibet. 
Dieje  fiübeder  Ganonifer  waren  SBeltgeiftfidje,  bie  iljre  eignen  $ßrä* 
benben  Ratten,25)  wä&renb  bie  SBenebictiner  int  QoljanniS'Ätofter 
Stöm&e  waren.  @o  fjat  aud)  bereit«  Sagpegreä  bie  Serfaffung  be« 
Sübecfcr  gapitelS  aufgefaßt.26)  Sappenberg  fdjeint  mir  biefen  Untere 
Wdieb  ju  überfein:  ber  Arnoldus  custos,  welker  als  fold&er  nodj 
bie  ©tiftungSurfunbe  beS  Soljanni&ÄlofterS  als  3c^Öe  unterjeidjnet 
fat,*7)  &ätte,  um  bort  9tbt  ju  werben,  einen  Uebertritt  in  ben 
5tönd>S|ianb  unb  bann  minbeften«  nodj  eine  9tot>ijen'3*it  ttöt^ig 
9t^abt:  Srnolb  ifl  uns  aber  urhmblid)  als  erfter28)  Slbt  über* 
Wert,  es  ifi  bemnad>  faum  anjuneljmen,  baß  man  mit  ber  Slbt* 
waljl  Don  ber  Stiftung  unb  ®otirung  beS  ÄlofterS  an  nod)  fo  lange 
foBte  gewartet  tyaben,  bis  ber  Arnoldus  custos  bie  oben  angege* 
benen  Sebingungen  erfüllt  l)ätte ,  unb  baß  von  biefem  Vorgänge 
feine  Äunbe  auf  uns  gefommen  fein  foDtc. 

©rfd^eint  fd>on  von  biefer  Seite  Sappenberg'S  Sluffteßung  als 
wenig  waljtfdjeinlidd,  fo  flehen  berfelben  nodf)  ganj  beftimmte  2luf> 
jci^nungen  entgegen: 


*)  Urfmibenbud)  brt  #i«tyum«  Sübecf  n.  V.  p.  7,  n.  VI.  p.  8,  n.  VII. 
p.  10. 

w)  $elra.  I.  89,  bei  ber  Übertragung  be«  93tetfjum«  öcn  Sllbenburg  nad) 
^abfef :  et  statiierunt  Ulis  praebendas  duodoeim  clcricorum  canonice  viventium. 
Porro  tertia  deeima  prepositi  est. 

*)  ü.  Satye^re«.  $ie  33efe$rung  Wcrbalbingien'«.  93remen  1864  p.  21 1. 
dagegen  äufjetn  fld)  über  biefen  $unft  nid)t:  SBeljrmann,  in  b.  3eitfdjrift  b- 
$«efo«  für  «üb.  ©efd).  k.  33b.  3  $eft  1  p.  1—119.  öbenfotoenfg  3.  fR. 
*ftfet:  nmfi&nbl.  ®efd)id)te  ber  ©tabt  Sübetf.  3  $be.  1782-1H05.  Q.  $eecfe. 
•«f*.  b.  €tabt  Sübecf  1844. 

*)  Urfbb.  b.  6tabi  Sübetf  I.  n.  5.  a.  1177.  3eugen:  Odo  decanus,  Arnol- 
foi  custos,  Sibernus  .  .  .  canonici,  »gl.  Arn.  II.  5. 

*J  Urfbb.  b.  Statt  Sübed  I.  n.  9.  a.  1201:  Dominus  Arnoldus,  primus 
•onasterii  beati  Jobannis  in  Lubeke  vocatus  Abbas . . . 


Digiti 


zedby  G00gk 


800 

Sappenberg  fetbfl  madfjt  barauf  aufmerffam,  bafe  9Rönd&e  Dom 
JBraunfc^Tociger  ©gibien^Älofter  nadfj  SfibedE  jur  SBefefcung  be3  So* 
ljanni&ßtofterS  berufen  feien.29)  ©afür  fpridjjt  einmal,  bafe  ba8 
QoljannigsJUofter  fd&on  bei  feiner  ©rünbung  einen  geroiffen  $u* 
fammenljang  mit  bem  SBraunfd&roeiger  6gibien*£lofier  jeigt:  e3 
erhält  nämlidj)  neben  bem  Ijeil.  Qo^anne«  aud&  bie  Sßatrone  be$ 
@gibien*Älofter3,  ben  Ijeil.  Sluctor  unb  (SgibiuS  ju  Patronen  unb 
nrirb  am  £ageSti.  Egidii  (1.  September)  eingeweiht.30)  SRad&rid&ten  über 
eine  fold&e  Berufung  ftnben  fid[)  in  irier  Duellen,  in  ©etmar,*1) 
ber  S3remer  ß^ronit  von  9Un$berd&*@d[)ene,3'2)  ber  historia  de  duce 
Leone83)  unb  in  Solter'S  33remifdf)er  Storni,  meldte  ledere  jebodj) 
aus  ber  Sftinäb.'Sd&ene'fd&en  abgeleitet,  nid&t  in  SBctrac^t  ju  gießen 
ift.  3)etmar  unb  bie  9tin$berd&er  ßfyronif  pflegen  aud&  für  bie 
Sßartljicn  biefer  3*ü  auf  ber  gemeinfamen  ©runbtage  ber  ßübedfer 
6tabe$*Gl)romf  ju  berufen,  roai  unten  näljer  erörtert  werben  wirb: 
fo  bleiben  benn  jroei  Slngaben,  beren  3lb^ängigfeit  von  einanbet 
ni<f)t  na^juroeifen  ift,  für  biefe  SRad&ridfjt  befielen,  t>on  benen  aller* 
bing$  Sappenberg  bie  ber  historia  de  duce  Leone  nidfjt  ju  ben 
glaubmürbigen  rennet,34)  bie  erfiere  burdf)  &etmar*9lin8berd(j*@(I)ene 
gefid&erte  Ueberlieferung  aber  nid&t  angreift.  3u  &er  ^e^ei  W 
aufbrängenben  grage,  ob  nun  audfj  ber  5ttbt  eben  ba^er,  roo^er  bie 
2Jtöndf)e,  gefommen,  fletten  ftdf),  bie  brei  S3erid^te  wrfdfjieben.  2)ie 
fürjefle  gaffung  Ijat  S)etmar,36)  ber  ben  3tt>t  ämolb  ganj  uner* 
roätjnt  läfct,  bie  Historia  de  duce  bagegen  erjttylt  feine  Berufung 
aus  SBraunfd&roeig;  bie  9UnSb.  ©Ijron.  ermähnt  tyn  in  unbeftünmte* 
rer  SBeife: 


29 )  Lappenberg.     Praef.  p.  101. 

•°)  ©tiftg«.*Urfbe.  a.  a.  JD.  unb  Brn.  II.  5. 

M)  (S&rontf  be«  $ranjf«caner*Sef*n»*ifto  JDetmar  ed.  g.  «&.  ®rautcff. 
£am&.  1829. 

M)  ©.  9tf  n«ber<&  u.  $.  <S*ene,  Bremer  (Sfjronif,  in :  ®efd)iaV«q.  b.  Greift« 
K.  Bremen  ed.  3.  SW.  SaWenbrrg.    SBrem.  1841. 

83j  Historia  de  duce  Leone,  Hjefltoeife  ebiri  »cn  fcappeuberg  in  *ßerfr*  Slrdji« 
VI.  p.  657  (f.,  aufjerbem  1(1  mir  burd)  bie  ®üte  M  «&errn  ?rof.  O.  ».  «Seine* 
mann  ba*  SWanufcript  öen  ber  SJfbliotljef  ju  SBolfenbuttel  (mscr.  Heimst.  1049) 
jur  (Sinftdjt  jugegangen. 

M)  Hrd)to  a.  a.  £>. 

™)  (Srgänjt  bur*  «Rufu*,  über  »eldjen  O.  Sorenj,  ®efd)i<bfoquenen  i,  S».,5L 
p.  167  ju  »er gleiten  i% 


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201 


Detraar.    p.  56. 

Debiscop  hinric Buch- 
tete dat  closter  suntc 
iohannis  to  lubekc,  dar 
de  hertogbe  sin  ghud 
to  gaf,  undo  brachte 
darin  swarte  moneke  van 
snnte  ylien88)  to  bruns- 
wic. 
$a§tt:    Cbron.    Rufi: 

Dat  schach   in   deme 
jareW  hundert  LXX VII; 


aklar  is  ok  d«sulve  bis- 
cop  begraven. 


Rinsberch.     p.  64. 

Hie  (bc.  Hischof  Hein- 
rich) vogete  yt  my  t  deme 
hertoghen,  dat  hie  in 
der  stad  stichtete  in  die 
ere  Godcs  unde  des  gu- 
den  heren  sunte  Johan- 
nis  ewangelisten  eyn 
closter;  dar  au  sette  he 
moneke  van  sunte  Be- 
nedictes leuende ,  de 
qnemen  dar  to  conuente 
van  sunte  Egidio  to 
Brunsswyck  in  deme  jare 
desIIerenM°C0LXXVIl0 
unde  satten  dar  ei.en 
vromen  man  to  abbete, 
die  hete  Arnoldus,  de 
dat  closter  myt  dem 
bisscupe  vromeliken  vor- 
Y  stund.  Unde  die  Her- 
zoge gaff  en  vele  vry- 
heit  nnde  groto  rente 
unde  gude,  also  dar  ock 
desulve  bisscup  is  bo- 
graven. 


Historia  de  dnee. 

(9!rd)to)  p.  657. 
Post  hec  Hinricus,  ec- 
clesie  lubicensis  vencra- 
bilisantistes  supradictus, 
diuina  inflammatus  gra- 
tia,  intra  civitatem  lu- 
biecnsem  in  bonore  be- 
ste Marie  perpetue  Vir- 
ginia sanetiquo  Johan- 
nis  euangelistc  ao  bea- 
torum  patronorum  Au- 
toris  archiepiscopi  et 
beati  Egidii  confessoria 
oenobium  in  eadem  ci- 
vitate  lubicana  constrn- 
xit  et  dotavit.  Vocansque 
de  monasterio  ordinis 
saneti  Benedict!  in 
Brunswich  tanquam  de 
gremio  matris  dilectos 
filios  et  monachos,  Ar- 
noldum  abbatem  cum 
quibusdam  aliis  fra- 
tribus  cum  libris  et  re- 
liquiis,  collocavit  eos 
in  predtetura  cenobium, 
quod  construxerat,  do- 
mino  jugiter  servituros. 
Quibus  et  sanguinem 
domini  nostri  Jhesu 
Christi,  quem  ab  illustri 
principe  Hinrico,  duoe 
Saxonie,  de  Brunswich 
suseeperat:  neenonpre- 
dia  et  alia  bona  intra 
civitatem  et  extra  ad 
sustentationem  fratrum 
ibidem  degentium,  übe- 
rall tcrcontulit  et  deuote. 


ßoppenberg  in  feiner  Aufgabe  bet  9tin$b.  Gljrontf  Ijat  conjtotitt, 
bafe  biejetbe  bie  Sübedtet   6tabeS^ronif,  bie  alfo  tJOtattfllid)  in 


*•)  ylien,  ne*  ^ettte  bie  nlebetbeutfäe  gaffunfl  be*  Warnen«  ©gibien. 


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202 

fficttnar  überliefert  ifi,87)  benu£t.*8)  Sitte  SBergletdjung  für  biefe 
©teile  jeigt  benn  audj  eine  fo  üoßflänbige  Uebereinfttmmung  jnrifdjen 
biefen  beiben,  ba&  eine  gemeinfame  ©runblage  nid&t  ju  t>crfennen 
ift,  ba£  ©njige,  roaS,  abgeben  non  einer  etroaS  breiteren  @rjäl)lung, 
SiinSberdj  meljr  ate  S)etmar*9tufuS  l)at,  tft  jene  SRotij  über  bie 
(Sinfefcung  2Tmolb'&  Stuf  biefe  3Rotij  fann  ftd&  ba^er  Sappenberg  nur 
bejte^cn,  wenn  er  bei  öefpredjung  biefer  SRadjridjten  anführt,  baß 
9tin$ber$  bie  Historia  de  duce  vor  ft<5  gehabt  l)abe.39)  2ln  unb 
für  ftd)  fdjon  ift  bieg  in  ^oljem  ©rabe  unroaljrfd&einlid),  ba  9lin& 
berg  bereite  1406  flirbt,  unb  bie  Historia,  toie  fte  un«  augenbluf* 
1x6)  nortiegt,  roofjl  tUn  audj  erft  au«  biefer  3*tt  flammt.40)  3)ann  aber 
ftnb  aud)  bie  einjig  in  grage  fommenben  9tadjri<$ten  ganj  t>erTd&ie^ 
ben,  fo  baft  gar  nidjt  abgufefien,  nrie  bie  eine  aus  ber  anberen  ge* 
fdiöpft,  unb  warum  fte  bann  in  eine  fo  abroeid)enbe  gorm  gcbrad&t 
fein  follte.  2)er  ©djlufc  beiber  Angaben,  ber  non  Verlegungen 
fpridjt,  ift  fdjon  baburdj  ganj  uerfdjieben,  ba§  bei  9Un8berd)  ber 
£erjog,  bei  beut  SBeridit  ber  Historia  ber  33ifd)of  ber  33erletf)enbe 
ift.  @3  fdjeint  fein  ©runb  üorfyanben,  irgeub  melden  Suf0*11^**5 
l)ang  jroifd&en  biefen  beiben  Seridjten  anjuneljmen.  Stafc  gerabe 
bie  Verleihungen  weiter  bei  9tin3berdj  als  bei  S5etmar  aus* 
geführt  finb,  giebt  einen  gingerjeig,  rootyer  er  bie  SRotij  über  Stmolb, 
bie  man  bei  3)etmar  üermifet,  l;at:  foroie  irgenb  eine  Verleihung«* 
ober  33eftätigung3urfunbe  beS  ^erjogS  £emrid)  beS  Söroen  für  baS 
@t.  ^olianniS-ÄloPer  if)m  ju  Rauben  fam,  fonnte  er  eben  barau« 
erfefien,  bafc  Slrnolb  ber  erfte  2lbt  beg  Älofietö  war;  me^r  enthalt 
feine  SKotij  au<$  nidjt,  wenn  man  annimmt,  bafc  er  oon  ber  aUge* 
meinen  Siegel  für  bie  9lbtma^len  auSgeljenb,  bie  nad)  Äird)enredjt 
ben  9Rönd)en  juftanb,41)  ben  fpecieHen  gall  f)ier  barnadj  conflruirt  §abe. 
@o  bleibt  benn  für  bie  9tad)rtd()t,  mit  ber  es  ber  tefcte  3$eil 

37)  93gt.  93orrebe  ju  £etmar  ed.  ©rautoff  p.  VII,  bagu  St.  JtoWmann:  3ur 
©efd)id)tefd)reibung  ber  «ganfefläbte,  in:  «öanjifdje  ®efd>id)t*blätter  3a$rg.  1871, 
p.  79  ff.    £).  goreng.    <Deutf6lb*.  ®efd)i<bt«q.  i.  2R.*2l.  p.  167. 

88)  93gl.  93orrebe  «a^Penberg'«  gut  S^ronif  9Nn«berd)>©tyne'«  p.  XIX. 

39)  Praef.  ad  Am.  p.  101  9lnm.  14. 

40)  Die  «&anbfd)rift  bet  Historia  geigt  bie  Ueber^ange  ber  ©cfcrift  bed 
14.  3a^r^unbert«  in'«  15.  3a^r^unbert,  befonber«  beutli(ft  in  ben  gormen  be«  a, 
ben  bellten  ^inbeflrid)en  ir. 

41)  gr.  t).  Räumer,  ©efd).  b.  «6o^enSauffen  VI.  p.  364 :  De  jnre  communi 
omnis  congregatio  raonachorum  eligere  sibi  (lobet  Abbatcm.  Innoc  epist. 
XIf  205. 


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203 

btefer  Ttnterfud&ung  ju  tf)un  Ijatte,  nur  no<$  als  Duelle  bie  Historia 
de  dueo,  bereu  ©laubnmrbigfeit  Sappenberg  ftarf  in  3^eifel  jiet)t.42) 
$o<$  glaube  id(j,  bafe  man  audfj  biefe  üuette  nidjt  fo  ganj  nerwerfen 
batf  unb  gewinne  biefe  Slnfidjt  au3  einer  Setrad)tung  beS  ganjen 
§obey,  in  bem  fte  enthalten  ifi  $)erfelbe  ijl  ein  ju  uerfdfjiebener 
3eit  jufammengefd&riebener;  bodfj  ift  audfo  ber  erfle  $l)eil,  au3  38 
blättern  befleljenb,  nidfjt,  nrie  Sappenberg  meint,  au&  bem  6nbe  be3 
12.,  fonbern  aus  einem  fpäteren,  roaljrfdfjeinlidfj  atö  bem  14.  3>aljr* 
ljunbert.43)  9lodb  jünger  (ca.  1400)  ift  ber  ©d&luji:  alle  $artl)ien, 
bie  er  enthält,  flehen  in  fpecießer  #ejief)ung  ju  bem  ©gtbiemßlofter 
ju  Staun fdfjroeig;  bie  atterlc^ten  STbfd&nitte44)  jeigen  beutlidf),  nrie  eng 
ber  3ufammen$ang  ir0i^tn  bem  ©gibien^lofter  unb  bem  Rannte* 
Ätoftet  geroefen  fein  mufete,  ba  felbft  bie  Uebertragung  be$  Scheren 
na<f>  ©Srner  bie£  $anb  ni^t  jerrei&cn  fonnte.  ®erabe  l)ier  alfo 
Tollte  man  gute  9tod>rid)ten  über  bie  beiben  Stifte  ju  ftnben  meinen; 
allerbingS  ftnb  fte,  nrie  fte  unö  ljier  norliegen,  burd)  Sleliquienge^ 
föidjten  u.  bgl.  unterbrochen  unb  entfleflt,  trofcbem  aber  roof)l  ttid^t 
ju  Berroerfen,  roenn,  nrie  bei  biefer  SWadjridjt  über  bie  Berufung 
Jftnolb'S  oon  Sraunfdjjioeig  nad&  Sübecf,  eine  Steige  SBafjrfdfjeinrtd^ 
feüSgrfinbe  biefelbe  jlüfcen.  $)ie  ©teile,  meldte  Sappenberg*6)  als 
burdfjauS  non  einem  Augenzeugen  befd&rieben  ^infteUt,  entljaltenb 
bie  9Baf)foerf}anbtungen  mit  bem  SBraunfdfjweiger  8lbte  §einrid; 
H73,4*)  mag  benn  biefen  3eugen  in  &em  Sraunfdfjroeiger  9Rön$ 
ftatolb  finben,  ber  bem  3lbte  föeinridfj  fo  nafje  ftanb,  unb  ber  e£, 
wie  früher  fd&on  §ert>orgel)oben,  liebt,  feine  Sßerfon  ju  wrfd&roeigen.47) 


**)  «rd>to  VI.  p.  658. 

**)  Selbfl  brr  bem  (Jober  nod»  jefct  t>orge()eftete  urfprüng((d)f  Pergament* 
2)«fel  entölt  Sdjriftjü^e  M  14.  3a$r&unbert«. 

**)  a.  @tiftuug«beri<nt  be$  3  ob.  Softer«,  b.  üe  transitn  fratrum  in  Cis- 
mariaxn.  c.  De  incendio  cinitatis  Brunswickcensis.  d.  Selgt  33erid)t  ber 
Ueftertraguiig  einer  Reliquie  (fßlut  Gljrijii)  von  (Sibirier  nad)  53rannfd)tteig.  e. 
Miracolum. 

**)  Praef.  ad  Arn.  p.  10d.  9lrn.  I.  13  über  b.  ^Berufung  be*  9lbf«  $einrid) 
tto4>  Sübecf. 

*•)  »rn.  I.  13. 

4T)  Lappenberg  Praef.  p.  101  füijrt  nod)  an,  ba§  ber  SBerfaffer  ber  Chro* 
nica  Slavorum  SBenebictiner  getoefen  fein  mufj,  »eil  er  bei  ber  @d)ilberung 
brt  3uge#  £finrfd)'*  VI.  nad)  Stalten,  aii  er  ben  mons  Casinus  ju  ettoä> 
mei  ^a(,  bewerft:  „ibi  requieacere  boatum  Benedictnm."  9lrn.  V.  5.  $ie* 
f#  {ebeafa(U  bei  ber  großen  ©ebeutung  be«  l)ctl.  53enebict  für   alle  SWönd}öorben 


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804 

3m  3a$re  1177  alfo  fdjeint  bcr  8ifd>of  §einrid)  t>on  ßübeä  au« 
bem  ggibicn  Äfofler  ju  Sraunfdjmeig  mit  anbeten  9Jtönd)en  aud)  ben 
SBetfaffer  unferer  G&ronif  berufen  ju  Ijaben,  melier  bann  äbt  be« 
Qotjanni&Älofler«  in  Sübecf  würbe.  $)afe  ber  Slutor  Sübedf  al8 
feine  ipeimatl)  anfielt,  aud)  jur  3cit  ber  2lbfaffung  feinet  SBetfe« 
ftd)  bort  befunben,  ift  einmal  airö  ber  umfiänblidjen  ©enauigfcit 
ju  fd&lie&en,  mit  welcher  er  auf  Sübeder  6tabt*  unb  83tetl}um$*93er' 
^ättntffe  eingebt,  bann  aber  aud)  batauS,  bafc  er  Sübed  als  civitas 
oljne  jeben  weiteren  3ufafe  bejetdjnet,  wie  porljin  feine  eigne  ißerfon 
a\S  abbas  ot)ne  3ufafe,  einmal  audj  bie  ©ärger  oon  Sübecf  cives 
nostri  nennt.48)  SBenigeS  nur  Ijat  Slrnotb  über  fein  Seben  unb 
feine  £f)ätigfeit  als  äbt  überliefert,  er  jeigt  ftdj  in  ben  engften 
$ejiel)ungen  ju  bem  Sifdjof  ipeinrid),  beffen  Sebcn^gefd^id&te  et 
erjctylt;49)  aud)  mit  bem  folgenben  Sttfäof  2J)iberi(&  fcfcemt  er  in 
gutem  ©inoemeljmen  gelebt  ju  I>aben,  wenigfien«  lobt  er  tyn  au«* 
netynenb,60)  xoaS  er  burd&au«  nidjt  bei  aßen  Prälaten  ju  ttjun 
pflegt.61)  S)ie  6orge  für  fein  Ätofter  fd^eint  iljn  twrnef)mlid)  in 
9(nfpru$  genommen  ju  Ijaben,  baoon  jeugen  bie  un«  nod)  erhaltenen 
Urfunben,  in  benen  er  burdj  Äauf  unb  ©djenfung  bie  Stellungen 
be«  ©tifte«  auSbefjnt  ober  Sßrürilegien  erwirbt;6*)  bafe  biejen 
frommen  Seftrebungen  audj  Sßiberfad&er  in  ben  2Beg  traten,  ift 
wot)l  nidjt  auffällig.  2lmolb'S  Älagen,  bie  in  feinem  23erfe  nur 
leife  angebeutet  werben,  glaube  idj  al«  gegen  ba«  fiübeder  S)om* 
capitel  gerietet  bejeidjnen  ju  bürfenj  fo  ermähnt  er  bereit«  bei 
ber  Stiftung  be$  Älofter«,  bafe  Snftrengungen  gemalt  würben,  bie* 
fetbe  ju  hintertreiben.63)  SBon  weld&er  ©eite  fold>e  3lnfeinbungen 
be«  Älofter«  famen,  ge^t  bei  bem  Segräbniffe  be«  ^föof«  $einrtdj 
beutlidj  ^eroor:  man  wollte  ben  SJtöndjen  nidjt  geftatten,  iljn  im 
3oljanni«4llofter  ju  begraben,  fonbern  U)n  in  ber  ©omfirdje  bei* 

uiebt  jwingenb.  ©trhigenttr  rrftöetnt  mir  feben  eine  Folgerung,  bie  man  auf 
V.  13,  ber  Confcssio  scriptoris  unb  ber  örtoäljnung  be*  Ijeü.  9euebict't  bort 
^ir^en  föiutte. 

**)  9lrn.  II.  21,  V.  12. 

«*)  Slrn.  III.  3. 

50)  Slrn.  111.  II:  virum  jnstum,  mansuetura  et  pium.  »gl.  V.  11. 

ei)  <So  tabrtt  er  heftig  bie  CJrjb.  Stolbuin  unb  $art»id»  II..  fottie  <m$ 
ben  3Mf*ef  Ulrid»  »cn  £alberftabt. 

62 )  I.appenbcrg  Pracf.  101/2  ftellt  fle  jufammen. 

53)  9lrn.  II.  5:  non  sine  magna  emulationc  quorundain  qui  eins  (ac. 
Heinrici  epiacopi)  etudiis  inridebaut 


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205 

iefeen,  roaS  too^l  nur  dou  ben  ©omlierren  bettbfitfctigt  werben 
formte.")  Sie  waren  e3  ja  au<$  in  erfier  Cinie,  benen  eine  Slbtet, 
welche  in  i^rer  unmittelbaren  $lä\)t  üjre  SBeftfcungen  unb  SRedjte  gu 
erweitern  fudjte,  unbequem  werben  mu&te.  ®aß  SKrnolb  aber  eine 
Gjtmtion  von  ber  bifd&öfüdjen  ©eroalt  anftrebte,  ge&t  barauS  ljen>or, 
bajj  1191  $apfl  CoclefHn  III.  baS  Sojjanni&Älofter  auf  Sitte  be« 
Stbtö  unb  ©onpentö  in  feinen  befonberen  6d)ufc  nimmt.6*)  SBefifcun* 
gen  in  ber  ©tabt  unb  beren  Ut^ßebung  ^atte  ärnolb  fdjon  1181  bei 
betämüefenljeit  beSÄaiferS  in  ßübedt  non  beffen  £anb  genommen.50) 
Jhir  onnä^emb  beftimmter  ift  bie  XobeSjeit  2lrnolb'S:  jnrifdjen  ben 
3afcen  1211— 1214,67)  gefolgert  au«  feiner  unb  feine«  9ta$folgerS 
3euflenfdjaft  in  Sübecfer  Urfunben.*8) 

3Re^r  als  pon  feinen  äußeren  £eben8üerf)ältniffen,  ttyeitt  un« 
tat  SdjriftfieHer  uon  feinem  inneren  Seben,  Don  feinen  2tttftd)ten 
in  geijUid&en  unb  roetttidfien  SHngen  mit.  ©djon  oben  ijl  ermähnt 
werben,  bafe  Slmolb  mal)rfd)etnlid)  einer  ber  Älofterfdjulen  Saufen'« 
feine  &rjiet>ung  üerbanft,  unb  feine  S3ilbung  entfprtd^t  bem  ,  roaS 
m  oon  bem  guten  ©tanbe  biefer  ©d)ulen  ju  jener  &\t  weife: 
we  SMenge  oon  Zitaten  avß  römifc&en  ©intern,  SJirgil,  &oraj,  Ooib, 
6tatiuS,  gortunat  jeugen  oon  feiner  Selefen^cit  in  biefem  Sitcratur* 
J*%,59)  baneben  lennt  er  genau  bie  Vulgata,  wie  bie«  oon  einem 
Sciftli^en  oorauäjufefcen,  unb  eine  Steige  oon  £egenben*,no)  au<$  bie 
Dialogi  Gregor»  citirt  er.61)  SDttt  feiner  3*ü  t&eilt  er  au$ 
beren  Söunberglauben :    mit  größter   äuSfityrUdjfeit    Gilbert   er 

**)  9rn.  III.  3 :  Caius  corpus  io  eodem  monasterio,  quod  ipse  fundave- 
rat,  terre  rcconditum  est,  invitis  tarnen  quibusdam  et  contradicentibns,  qui 
«am  deferri  conabantar  in  majori  ecclesia  tnmulandum. 

»)  ttrfbb.  b.  Stabt  Süb.  I.  n.  VIII.  23.  SWai  1191. 

*)  *ru.  IL  21,  »gl.  Urfbb.  b.  ©tabt  «üb.  I.  n.  VI, 

&7)  Urfbb.  b.  $i*tb*.  «üb.  n.  XXVI.  nad)  1210.  3euge:  Abbas  arnoldns 
de  saneto  iohannc;   n.  XXVIII.   1214.*     Gerhardus  abbas  in  lubcke. 

**)  $af  Srnclb  ftd»  an  ber  $olitif  feiner  3eit  irgenbtoie  beteiligt  1)at, 
if  fann  anjunefymen:  toeber  in  ber  (J&ronif,  nod)  in  Urfunben  iß  er  außerhalb 
ta  engen  ©renjen  feine«  JNofler«  naebtoefobar;  nur  au«  einer  ©d)»eriner  Urfunbe 
*■  1195  (Sifd),  SReflenb.  Urfbb.  III.  p.  50,  18.  3uni  1 1 95)  erfahren  »fr,  ba§  er 
l*  Nn  €d)ieb«rid)tern  bei  einer  ftreitigen  $lfd>of«ma$i  gehört. 

*•)  Lappenberg  praef.  (teilt  bie  Qitate  gufammen  p.  104/5. 

*)  VI.  4  erttäfjnt  er  bie  X&ebaifd)e  Segfon,  bie  ^eiligen  (nooo)  3ung* 
frttes  ja  geelti,  ben  beil.  Huftor.     VI.  5 :   bie  snneta  virgo  et  martyr  Helena. 

">  IL  7.  citirt  er  bie  dialogi  unb  IL  14.  ben  ®regoriu«.  $>a«  Don  SaWenb. 
H-  L  Ämn.  angeführte  fflunber  in  ben  Dialogi,  JW  III.  23,  nid>t  22, 


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206 

einige  ber  ju  feiner  3*ü  gefd&eljenen  Söunber,  befonber«  u>enn 
fte  ficb  auf  iljm  ttycure  ^erfonen,  wie  ben  SBifdfjof  ^cinric^,  begießen;62) 
ja  er  fclbfl  t)at  balb  nadj  bem  $obe  bed  Sifd&ofä  ein  Xraumgeftdjt 
gehabt;  baju  fügt  er  berartige  SBetljeurungen  ber  Sßa^rfjeitäUebe, 
bafc  man  an  eine  abftd&tlidfje  $äufd&ung  unb  Unroa^eit  feinem 
feitö  nid&t  glauben  barf.63)  UeberaH  erfdfjeint  er  fromm  unb  gott* 
ergeben,  er  fielet  audfj  in  ben  einjclnen  ©^idffalen  ber  wm  tym  ge* 
fd&tlberten  Sßerfonen  bie  Seitung  GtytteS.  3)oc^  fd^eint  er  Don  fold&en 
Slnftd^ten  nidfjt  immer  erfüllt  geroefen  ju  fein,  e£  tjat  für  Um  eine 
Seit  gegeben,  in  raeldfjer  er  cor  9HIem  alle  mönd&ifdfjen  Hebungen 
u.  bgl.  penuarf;  erft  fpäter  l)at  er  fidfj  benfelben  nrieber  jugeunmbt 
unb  feinen  ^rieben  in  ber  Befolgung  ber  Siegel  beS  $eil.  SBenebict 
gefuuben.64)  Sei  einer  Sßerfönlid&feit,  roeld&e  fo  gewiffenljaft  unb 
oljne  £eud&elei  über  bie  Vorgänge  in  tyrem  Seelenleben  referirt, 
nrirb  man  SBa^rljeitöliebe  wrauäfeften  bürfen.  SHefe  befeuert  er 
an  wrfdjiebenen  ©teilen  fclbft;*6)  oon  größerem  ©enrid&t  aber  ift 
ba&  fein  SBerf  in  ben  einjelnen  Sßartljien  bie«  beftätigt,  wie  unten 
näfyer  ju  jeigen  fein  roirb;  Sappenberg  &at  feine  fides  benn  audj 
lobcnb  tjeruorgefyoben.66) 

Slrnolb  ift  in  erfter  Sinie  3Rönd&,  fo  I>at  er  auä)  t>on  bem 
SDiönd&Sleben,  nrie  e3  fein  foH  unb  roie  er  glaubt,  bafc  eö  in  ben 
frü^eften  Seiten  geroefen,  fef)r  ibeale  Slnfcfcauungen,67)  weit  ba^inter 
jurüdt  bleiben  anbere  geiftlid&e  SSerbänbc,  mie  bie  canonici  reguläres;68) 
unb  t)on  ben  3Kön^orben  ift  natürlich  berjenige,  bem  er  fid&  juge* 
roanbt  §at,  ber  üortrefflicijfte,  b.  fy.  ber  alte  23enebictinerorben. 
©iefer  fjat  fidf)  feit  ber  3*it  bem  SSerfaUc  jitgcneigt,  roo  man  9teue* 
rungen  in  bemfcl6en  vorgenommen:  worunter  rooljl  bie  SBegrünbung 
neuer  Kongregationen  mit  fd&ärferen  3Sorfd^riftenf  roie  beS  ßifier* 

«*)   III.  3.     V.   14.   15. 

6S)  III.  3.  Qaud  si  auetori  hujus  opeiis  minus  credi  poteat  quam  Ulis, 
immo  quia  verc  potest ,  ipso  cum  apostolo  testiinoniura  fidel  i  tat  is  in  bac 
parto  sibi  perliibet:  Quo  autem  sertbo  robis,  ecce  coram  Dco,  quia  non 
mentior ! 

64 )  9rn.  V.  13. 

65)  befenbertf  in  ber  Satisfaetio  scriptoris  VII.  20. 

**)  Lappcnb.  Pracf.  102:  Arnoldus  in  Universum  judicanti  inter  fide 
dignissiniüs  suac  »cutis  auetores  referendus  est. 

07j  Wxn.  III.  10.  Quid  euim  olim  erut  vita  monachorum,  nisi  puritas 
innocentic,  semita  justitie,  viveudi  forma,  paradisi  via?  etc. 

6fl)  9lrn.  II.  7. 


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207 

ciettfer^Orbett«  ju  Detftc^en  ifi.  SHe  einfad&e  93enebictiner*9tegel 
genüge.69)  ©et  einer  folgen  Stiftung  erfdljeint  e$  natürlich,  bafc 
et  ein  ganjeS  Sapitel  bcm  £abel  ^offärtigcr  3Jtönd(je  nribmet.70) 
Stobei  jeigt  er  fidjj  gegen  anbre  Drben  tolerant,  er  mag  nirgenbS 
Snflofc  burclj  feine  SBorte  erregen  unb  rüljmt  in  anerfennenber 
SBeife  audfj  bie  grömmigfeit  ber  ©iftercienfertnnen.71) 

9bxä)  mit  feinen  2lnfid)ten  über  ben  Sßapft,  über  Äirdjenfürfien, 
über  ba$  Serijältiufc  be3  geiftltdjen  unb  meltlid&en  ^Regiments  tyält 
er  nid)t  jurüdf  @r  ift  entf Rieben  päpflUdf)  geftnnt,  wie  bieö  and)  Stoed&e72) 
bemerft:  fd&on  oor  1177  fteljt  er  auf  Seiten  beS  anti*ftauffifd&en 
Jflefanbet  III.,78)  Urban  in  feinem  6treite  mit  griebridjj  I.  ift  iljm 
»flator  justitie,74)  3nnocen$  III.  in  ber  Unterftüfcung  Otto'«  IV 
bewegt  tyn  ju  ben  SBorten:  2lrn.  VII.  4:  in  omnibus  his  aposto- 
licus  ut  columpna  immobilis  a  suo  proposito  non  cessabat.  @r$* 
bijd&öfen  unb  $Mfdf)öfen  gegenüber  ifl  er  jiemlidSJ  freimütig,  neben 
|o§em  Sob  finbet  ftd&  f)ier  aud&  rool)l  fd&arfer  £abel.  ©eine  änfidfjt 
ftbet  bie  Stellung  ber  Sifdjöfe  in  Ujrem  SSex^ältnife  ju  Äaifer  unb  ^Japft 
fi^t  barauf  §inau«,  bafc  fie  ju  mel  ba3  roeltlid&e  ©d&roert  anroenben, 
wtf  erfi  gebraust  werben  foHte,  wenn  baä  geijUidf)e,  bie  Slnroenbung 
ber  djeommunication,  erfolglos  märe.76)  ©o  tabelt  er  ben  Sifd&of 
tUtic^  Don  &atberfiabt,76)  fo  ben  ©rjbifd&of  ${jilipp  t?on  Goetn 
wegen  feiner  SJermüftungöjüge  nadfj  ©ad^fen;77)  mobei  er  jeboclj  bie 
?etfon  be8  ©rjbifd&ofä  jule&t  mieber  in  ©<f)U&  nimmt  21m  roenigften 
gfinfHg  urteilt  er  über  fold&e  $Hfd[jöfe,  bie  tyre  Äird^e  in  S3erfatt 
bringen,  Äirdjengüter,  Äirdfjenleljne  fid^  entjteljen  laffen;  fo  ifl  er 
ben  Bremer  ©rjbifd&öfen  nid^t  jugetljan:  für  Salbemin  tyat  er  bei 


w)  5Mtf  au*  bem  jiemlid)  bunflen  C.  13,  Lib.  V,  bejfen  Ueberfefcung  Laurent 
totity  gelungen  \% 

n)  »tn.  III.  10. 

tl)  «rn.  III.  3. 

n)  $$.  Xoedje.    Äalfer  $einri*  VI.    Selty.  1867,  p.  85.  »nm.  l. 

*)  53tt  ber  9tucffe$t  Ultid)'«  na*  tfalberftabt  unb  bet  Vertreibung  @ero'« 
I»  Sdg*  bee  Srieben*  von  1177,  II.  3:  Mercenariis  itaque  ejeetis  veri  pa- 
äortt  rererai  sunt,  .  .  ecclesie,  quas  ille  (sc.  Qero)  non  consecraverat,  sed 
tu  exsecraverat,  clause  sunt. 

M)  Slni.  IIL  17. 

*)  *rn.  nr.  14. 

*)  «rn.  a.  a.  O. 

,t)*th.  n.  11. 


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bcr  @noäl>nung  feine«  Xobe«  nur  gerben  3^bel,T8)  ebenfo  für 
§artn>idf)  IL,  ate  er  ©itmarfd^en  an  ben  Sifdjof  Don  SdfjleSurig 
Derliert,70)  bem  er  aufeerbem  nodf)  feine  ttnbeftänbtgfcit  in  ber  greimb* 
fdjjaft  gegen  ipeinrtd)  ben  fiöroen  jum  SBorrourfe  madfjt80) 

SSon  ben  meltüd&en  gürpen  feiner  3*W  beljanbelt  ber  Stator 
mit  entfdfjiebencr  Sorliebe  ^einrid^  ben  fiöroen:  feine  SBerbicnfte  um 
bie  Äird&e  im  ©laoenlanbe  fd&ilbert  er  bereits  in  bem  einleitenben 
©rief  j  e£  folgt  nadffter  feine  Xrauer  über  bie  Verbannung  beffel* 
ben81)  unb  ba$  ferner jlid^e  SSermiffen  beS  gewohnten  ftarfen  Siegt* 
ments  in  ©ad&fen.82)  2luS  feiner  Verehrung  $etnridfj'S  be«  Söroen 
entmidfelt  fidfj  benn  auä)  nodf)  eine  gemiffe  Stnljängttd&feit  an  beffen 
©öfine,  namentlich  an  Otto ,  bodf)  tritt  biefe  nidjjt  meljr  fo  in  ben 
SJorbergrunb;  gtöebe  in  ©adftfen  unb  S)eutf<$lanb  ifl  U)m  ber  er* 
feinte  3uftanb,  er  giebt  feine  greube  ju  erfenneu,  fomie  berfelbe 
erreid&t  roirb;83)  oon  biefem  ©efidjjtSpunfte  ift  er  über  Dtto'ö 
enbgülttge  SQäa^l  freubig  erregt  unb  fdjilbert  nun  mit  einem 
gemiffen  SBetyagen  bie  geierlid^feiten,  weldje  mit  bem  ipoftage  ju 
grantfurt  1208  beginnen.84)  S)ie  ©taufer  beljanbelt  er  mit  toeni* 
ger  3uneigung,  aber  audf)  felbft  $l)iltpp  nid&t  mit  ungerechtfertigtem 
Säbel,  ©einriß  VI.  erfdjeint  bei  iljm  in  gaiij  t>erfdf)tebenem  £t$t: 
einmal  oergleid^t  er  tf)n  mit  3)eciuä,  bem  ©^riftenoerf olger,85) 
bann  nennt  er  iljn  pius  imperator;86)  er  fd&eint  fid^  über  oenfetben 
lein  eignes  Urteil  gebilbet  ju  tyaben  unb  un8  ^ier  jroei,  t§m  tum 
oerfd&iebenen  Seiten  jugegangene,  8erid>te  mit  tyrer  fpecietten  $ai> 
tljeifärbung  ju  geben,  worauf  idf)  unten  awfüljrttd&er  jurüdfornme- 


w)  9lrn.  II.  8:  mortuus  est  et  Baldcwinus  arebiepiscopus  Rremensia, 
qui  multum  ncglexit  ecclosiam  suam,  de  cujus  conversationc  melius  est 
silerc  quam  loqui. 

7d)  HI.  22:  demembrataquu  est  ecclesia  Bremensis  per  negligcntiam 
Hartwici  etc. 

80)  III.   13. 

81)  II.  22.  Hrnolb  ergebt  ftdj  babef  In  jiftlidjen  Werfen. 

Rl)  III.  l:  In  diebus  iüis  non  erat  rex  in  Israel,  sed  unusquisque 
quod  rectum  in  oculis  suis  videbatur  faciebat  etc. 

M)  VII.  15.  **)  VII.  M  ff. 

**)  III.  17.  W)  V.  25. 


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Hebe*  ba8  Inmbfd&tiftUd&e  SRatetial  bet  $iet  ju  befptedjenben 
5$nmtf  $at  Sappenbetfl  in  bet  (Einleitung  ju  bet  SluSgabe  füt  bie 
Hon.  rer.  Germ,  etfd&öpfenb  gejubelt.  ipetDOtljebett  roilX  idj  f)iet, 
tafe  au|cr  bet  $anbfd)tiftenfamiUe,  meldfje  ben  fctudten  f)auptfädf)Ud) 
}u  Sranbe  liegt,  unb  roeld&e  bie  SBibmung  an  ^Uipp  von  Stafee* 
bürg  enthält,  gtagmente  einet  ipanbfdfjtift  be«  13.  3a^unbettö  t>ot> 
Rauben  finb,  bie  in  ©d&aumbutg  aufbemaljtt  würbe  unb  maljtfdf>ein* 
lid&  ein  ©jemptat  bet  Qtytonif  batfteDt,  roeld&eS  ben  ©tafen  von 
©$aumbutg*§olflein  von  bem  Slutot  gennbmet  ijt.8T) 

3)ie  €$tonif  jetfättt  in  jteben  83fid&et  mit  ©apitel  *  Slbt^eilung, 
an  bet  oon  Sappenbetg  au8  3roedfmäjtfgfeit8gtttnben  gegen  bie 
früheren  Shi&gaben  ©nige«  geänbett  iß. 

5Den  $fon  be«  SBetfe«  fteDt  bet  SSetfaffet  in  bem  einleitenben 

»tiefe  felbfi  auf:   fein   8ud&   foD   eine  gottfefcung    bet   Gfyxonit 

$elmolb'3  fein,  alfo  vox  2IHent  bie  flamfdfjen  Setljättuiffe  unb  bie 

bet  flxtdje  9totbalbingien8  betttdfftd&tigen  unb  l>at  be^alb  junäd&ft 

anf  §eüttui»  ben  Söroen  unb  feine  2J)ätigfeit  ba,  roo  £elmolb  ab* 

Wtfjt,  einjuge^en.  3ltnolb  füljtt  bann  feine  Gt)tonif  Don  1171— 1209 

vnb  giebt   jum  ©d&luffe  eine  Satisfactio,  in  roeldjet  et  an  ben 

ffcafog  unb  ben  bott  angebeuteten  Sßlan  erinnert,  abet  neben  ben 

gesta  pontiflcutn,  bie  nad>  jenem  ben  ipauptgegenfianb  bilben  foflten, 

au4>  gesta  regum  txvofynt    St  fd&eint  roäljtenb  be8  ©d(>teiben8 

feinen  $tan  etmeitett  ju  liaben,  fo  bafc  et  gegen  @nbe  bet  (S&tontf 

ate  feine  Aufgabe  bie  narratio  regum,88)  ein  anbete«  SM  ganj 

allgemein  bie  historia89)  bejeid&net.    @o  jtnben  fidf)  benn  aud&  in 

fanet  €$tonif  gtofje  ^attljien,  bie  o&ne  3ufammenl|ang  mit  ben 

Set^ältniffen  SWotbalbtngien*  entroebet  allgemeine  9teidfj3gefd(>id[>te, 

obet  nodj>  fetnet  Uegenbe  ©teigniffe,  roie  bie  motgenlänbifd&en,  be* 

Rubeln.    Sud&  in  SSejug  auf  feinen  SefetlteiS  §at  2ltnolb  eine 

Setattgemetaetung  Abgenommen;  im  Sptotog  tidjjtet  et  feine  SBotte 

an  $fptipp  von  Stafcebutg,  nod&  I.  13  fdjjeint  et  ba3  SRämÜd&e  ju 

t|un  mit  ben  SBotten:   Nee  tediosum   sit  caritati  vestrae  audire, 

quid  .  .  .,  bagegen  in  bet  Satisfactio  menbet  et  fidjj  an  eine 

Ste^tja^t  oon  Sefetn:  Veniam  legentium  peto  ne  quis  .... 


•9  Ltppenberg  Praef.  106/8. 
■V  int  VIT.  1. 
•)  int  VH.  7. 


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310 

Sei  33ejttmmung  ber  2lbfaffung3jeit  für  bie  wrtiegenbe  9te* 
baction  ber  Gfyxonit  ift  ein  2lnfang8punft  burdfj  bie  äBibmung  an 
Philipp  tum  Stafeeburg  gegeben,  ber  i204  2Mfd(jof  würbe,  roaljrföemtt^ 
aber  fann  man  nodfj  minbeftenS  ein  Qafjr  weiter  getyen,  weil,  wie  Slrnolb 
fetbft  erjä^lt,  $f)ilipp  nadj  feiner  2Bal)t  erft  nodj  ein  3fa^r  bei  bem 
Sifd&of  Don  Utrecht  jubrad&te.90)  Sappenberg91)  meint  nun,  bie 
Sf)ronif  muffe  nor  1210  beenbigt  fein,  meil  Sfatolb  in  feinem  @?cur8 
über  Sfolanb9*)  bie  päpfttidfje  Urfunbe  t?on  1210,  20.  Dctbr.,98) 
meldte  ben  Streit  jroifd&en  •  bem  ©djroertorben  unb  bem  Signum 
9tiga  entf Reibet,  nodj  nic&t  fenne.  S)ieg  fd&eint  mir  nidfjt  ganj 
treffenb,  benn  bie  angebogene  Urlunbe  mürbe  erft  1211  t>on  ben 
33ifd&öfen  Don  SjJaberborn,  Serben  unb  9ta$eburg  publicirt:  oor 
1211  ift  fie  bei  Slrnolb  alfo  audf)  nid^t  al$  befannt  üorauSjufefcen. 
Ueberfjaupt  ift  e$  aber  unfid&er,  ob  2lrnolb  für  fo  entlegene  ©egen* 
ben  Jlad&ridfjten  btö  in  bie  lefete  3C^  \tint$  ©d&reibenS  gehabt  f>at. 
3Jteljr  ©enrid&t  fd&etut  mir  bie  5Wotij  2lmolb'$  ganj  am  ©d&luffe 
feine«  äßerfeS  bei  Dtto'ö  IV.  Äaiferfrönung  in  9iom  ju  wrbienen 
VII.  19:  Et  quia  ipse  (sc.  Otto)  summo  studio  semper  paci 
studobat,  speramus  ipsum  officium  pacis  et  unitatis  ecclesie 
Dei .  .  .  a  Deo  obtineic  solatium.  SMe3  fann  nur  gefdfjrieben  fein, 
al£  man  üon  geiubfeligfeiten  jrotfd&en  ffaifcr  unb  Sßapft  nod&  nichts 
mußte,  alfo  unmittelbar  nad)  ben  ©reigniffen  (2lnfg.  Dctbr.  1209). 
©ine  jroeite  grage  ift,  ob  einjclne  Steile  ber  Sljrontf  non  iljm  fdjjon 
früher,  twr  1204  (1205)  niebergefd&ricben  unb  etwa  erft  banadjj  in 
bie  Dorlicgenbe  SRebaction  gebraut  feien;  bod^  baju  ift  eine  5Betrad&* 
tung  beä  i^m  üorliegenben  fdfjriftlid&en  SDZaterialS  2c.  nötljig,  bie 
ben  fotgcnben  2lbfdf)mtt  bitben  mag. 


90)  Slrn.  VII.  9:  (Philippns)ad  episcopum  Trajcctcnsem  se  contulit,  ibiqne 
per  annam  consistenB,  domno  regi  Waldemaro  se  non  exhibuit 

91)  Lappenb.  praef.  p.  102.  OT)  2lrn.  V.  3t».  fin. 

")  ZM.  Urfbb.  I.  n.  XVI.  20.  Octbr.  1210.   SMe  2$erö(feiUH$una  n.  XVIII. 
a.  1211. 


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211 


II.    Quellen  hex  gfjromft  JUttoft'*. 

S)o  2lrnolb  bie  3^t,  welche  er  betreibt,  felbft  burdjlebt  fyat, 
)o  wirb  man  bic  2lufna&me  größerer  frember  Stüde  bei  tf)m  ntd^t 
erwarten,  fonbern  aon  üornfjcrein  geneigt  fein,  tf)n  als  2lugenjeugen 
für  bie  von  itjm  erjagten  ©reigniffe  ju  betrauten;  er  giebt  aber  in 
feiner  g^ronif  audj  33erid)te  von  33erl)ältniffen ,  über  bie  er  fid) 
nid&t  burd)  eigne  2lnfd)auung  l)at  informiren  fönnen,  unb  fogar 
feljr  eingeljenbe:  fo  unter  anberem  i>on  9teid$tagen,  auf  benen  feine 
3lnn>efenf)ett  fid)  nid)t  nadfjroeifen  lägt,94)  ober  non  ben  Äreujjügen 
ieiner  3cit>  in  wettern  §aHe  urfunblid)  nadjroetöbar  ift,  baft  er 
toenißffenS  an  bem  beä  3^te«  1197  nid)t  teilgenommen  ljat.9ft) 
gür  fold^e  $artt)ien  mufc  er  alfo  entroeber  fdjrifttid)e  2Iufjeid)nungen 
ober  münblid&e  23eridf)te  Don  ©eroäf)r£männern  tjabeu.  2Iuf  beibe 
madjt  Sappenberg  in  ber  Einleitung,  bodj  nur  ganj  im  allgemeinen, 
aufmertfam.90)  2lud)  Ijier  ift  bie  ungemeine  3wrüdB^attunfl  ju  er* 
tonnen,  welche  3lrnolb  flcta  beobachtet:  nirgenbS  oerroeifl  er  auf  be^ 
jtonmte  33eridf)terftatter,  nirgenbö  fityrt  er  f$rifttid&e8  SDtatcrial  für 
feine  SaTfteHung  an;  eine  2Iu£naf)me  mad)en  bie  roentgen  Briefe,  bie 
er  loörtltd)  in  feine  (Sfjronit  aufnimmt. 

1.    »riefe. 

3C13  roörtlidj)  eingefügt  laffen  ftd)  leicht  folgenbe  ©riefe  au& 
ber  6^roni!  l)erau$l)eben: 

a.  am.  1.  13.  $)er  33rief  be3  Sübeder  2)omcopitelS  an  ben 
fcmoent  be$  6t.  (Sgibienftoftera  ju  Sraunfdjroeig  über  bie  2Bal)l 
be$  ÄbtS  §einrid)  jum  83ifd^of  üon  ßübed.   a.  1173. 

6onjt  nid&t  erhalten;  root>l  tum  Slrnolb  als  Snwefenbem  bei  ber 
Berufung  felbft  oerjeid&net,  ebenfo  tuie  bic  barauf  folgenben  Sieben. 

b.  2lrn.  V.  19.  2)er  ©rief  beä  ÄanjlerS  Sonrab  an  §artbert, 
ben  SJkäpofituS  oon  ^ilbe^eim:  de  statu  Apulie  et  de  operibus 
▼el  artibus  Virgilii. 


•*)  a.  1184  SKet^ttag  ju  SWainj,  Slrn.   III.  9;  a.  1186  9Wd)«tafl  gu  ©ein. 
te»fa  Hrn.  III.  19. 

")  <ft  teflirt  1197,  Ur!bb.  b.  EMI),  «übeef.    n.  XVIII. 
w)  Lftppeoberg,  pra«;f.  102. 

2 


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212 

SfaberSroo  ebenfalls  nidjt  erhalten;  ridjtig  fefct  i^n  £oedje  in 
ba«  3at)r  1196.*7)  ©ein  Sn&att  tyat  cultur*  unb  literar*gef$t$t* 
liefen  2Bertl). 

c  d.  Strn.  VI.  19  unb  VI.  20.  3roei  SSriefe  Salbuin'«  üon 
gtanbem  über  bie  (Srrtdjtung  beS  lateinif^en  ÄaifertfjumS,  roeldje, 
ba  fie  au<§  anbernortö98)  unä  überliefert  finb,  unb  jroar  mit  bem 
3*?te  Strnolb'S  faft  ganj  fibereinjtimmenb,  für  feine  ©ermjfenfyiftig* 
feit  beim  aufnehmen  frember  S3ertd)te  fpredjen.  Sei  bem  erften  ©rief 
pnbet  fidj  eine  2lnbeutung,  rooljer  bem  SJerfaffer  biefe  ©riefe  famen, 
benn,  roäfjrenb  ber  betreffenbe  ©rief  fonfl  erhalten  ifi  mit  ber 
Sluffdjrift :  oninibus  Christi  fidelibus  etc.,  bringt  tyn  Slrnolb  in 
ber  gorm,  wie  er  an  ben  Äönig  Dtto  abreffirt  mar:  alfo  ifi  er  roo^l 
aus  ber  Umgebung  biefe*  ÄömgS  l>er  tym  jugegangen. 

e.  f.  ärn.  VII.  3  unb  VII.  7.  3mei  »riefe  Snnocena'  111. 
jur  Unterftüfcung  Dtto'3  IV. ;  ber  erfte  fpeaett  wegen  beä  SlbfaBtö 
beä  (SrjbtfcfcofS  von  ßoeln,  unb  in  bem  Registrum  de  negot.  imper. 
mit  bem  Statum  1205  2Rärj  13  erhalten.  2)aS  Registrum  de 
neg.  imp.99)  roeift  einen  fetyr  ftarfen  SBriefoerfe^r  beS  SßapfleS  mit 
einer  SReüje  gürfien  ju  ©unjlen  Otto'*  auf;  audj  ärnotb  wirb  nod> 
nteljr  Don  biefem  brieflid&en  SRateriat  gehabt  ljaben,  als  er  feiner 
(Sfyconxt  ju  inferiren  für  gut  ftnbet.110) 

g.  de  statu  Egypti  vel  Babylonii.  Steifeberidjt  be$  SJicebo* 
minu8  Gerardus  (rid&tiger  Burchardus)  über  eine  ©efanbtf<$aft8* 
reife  x>.  3.  1175,  aus  £agebud[)*3ftotijen  befle^enb.1) 


°7)  $er  Herausgeber  in  b.  Mon.  Germ.  bist,  fefct  Ujn  circa  annum  1195. 
Slbcl  (Äönfg  WliW,  p-  2*57)  fd)eint  iljn  fogar  in  ba«  3a$r  1 19  &  fefcen  ju 
»ollen,  toogegen  fi>rid)t,  baß  fld)  Sonrab  bereite  cancellarius  imperialia  aulae 
nennt  toeld)«  2Bürbe  er  erfl  1195  erlangte.  Abel  Ijält  ben  oon  Sonrab  befd)riebenen 
SBeg  burd)  Stalten  für  ben  nämlidjen,  »eldjen  Äaifer  «öeinrid)  1 194  jurücf  legte,  u>a* 
unhaltbar  toirb  burd)  einen  93ergleid)  ber  Drte,  »eldje  ber  Äalfer  unb  toeldp 
(Sonrab  berührt  Ijat:  Sonrab  getyt  über  bie  Silben  nad)  SKantua,  Sremona, 
Sftobena,  an  ben  Sfoibfro,  nad)  $efaro,  gano,  Gtyieti,  ben  Abrufen,  ©ulmone, 
Sänne,  ©iooena^o,  Salabrien,  ©fcUien.  $er  Äaffer  ifi  nad)»ei«bar  (Xoedje*  9te$. 
p.  668  ff.)  in  <£f>ur,  Sljiaöenna,  SWailanb,  $at>ia,  $iacenja,  ®enua,  $ifa,  nalp 
{Rom,  in  ber  Sampagna,  ©alerno,  93al  bi  Sontrone,  aReffina,  gaüara,  Palermo. 

98)  Mon.  Germ.  hist.  XXI.  p.  224  9nm.  18,  p.  226  9nm.  30. 

w)  ed.  Baluze  I.  p.  687  ff. 

10°)  5Me«  ftyinen  bie  ©orte  na*  bem  gtoeiten  ©rfefe  anjubeuten :  Brn.  VII.  4. 
Haec  de  constantia  domni  apostolici  circa  regem  Ottonem  dieta  sufficiant. 

>)  Mon.    Germ.    hist.  XXI.  p.  235  Slnm.  78,    »o  aud)    auf  Laurent, 
Serapeum  n.  X.  unb  n.  XI.  »ertoiefen  toirb. 


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213 


äud)  ein  a^eil  ber  anbermeitigen  SKadjridjten  Slrnotb'ä  föetnt 
mir  auf  brieflichen  Stofjeid&nungen  ju  berufen,  unb  id)  glaube,  bafc 
man  an  einigen  ©teilen  hierüber  ben  SJtodjjroeiS  fügten  fann: 

h.  3^tn  3>al)Te  1194  bringt  Slrnolb  eine  auSfüljrlidje  ©rjaljlung 
über  bie  Sanonifation  unb  JranSlation  beS  Sifdjofä  JBemroarb  von 
^ilbeSljetm.2)  Sei  ber  Qtnautn  Skrbinbung,  in  roeldjer  Slrnolb 
nad>roei£lidj  ju  £ilbe$ljeim  ftanbf3>  wirb  er  biefen  SBerid^t  rootyl 
aus  guter  Queue  Ijaben;  ja  er  wirb  bei  fetner  religiösen  ©inneS* 
ridjtung  metteidjt  felbft  jur  §eier  ber  Translation  in  ipilbe3^eim  an* 
roefenb  geroefen  fein  unb  ju  ben  viri  religiosi  gehört  ^aben,  bereu 
grofce  änja^l  er  bort  ermähnt:4)  ben  3^eit  ber  Stjäfylung  aber, 
welker  oon  ber  eigentlichen  ipeiUgfpredjung  burd)  ben  ißapft  Ijanbelt, 
Ijat  er,  atterbingS  tnbirect,  au«  einem  Sßapftbrtefe  geköpft.  3>n 
ber  narratio  de  Canonisatione  et  Translatione  Scti.  Bernwardi6) 
finbet  fWfj  nämlidj  C.  XI.6)  ber  Srief  6oeleftin'$  III.,  in  meinem 
er  bie  &etligfpred)ung  bem  $tlbe$l)eimer  ßapitel  anjeigt,7)  be* 
nufct;  tDörttW&e  2lnflänge  bemeifen  bie«.  S)iefer  3lbfd)nitt  ber  er* 
warnten  Narratio  muji  aber  bereit«  bem  33erfaffer  ber  ©laüend&ronif 
wrgelegen  §aben;  ba8  33ertyältnifj  ber  brei  in  grage  fommenben 
Stüde  ifi  fomit  ein  foldje«,  bafe  man  in  $itbe8ljeim  ben  Sßapftbrief 
p  einer  6rjäl)lung  über  bie  ©anonifation  verarbeitete,  unb  Slrnolb 
biefe(£r}ä^lung  benufcte;  ein  anbereä  S3erljältni{3  ift  nid>t  anjune^men, 
ba  Slrnolb'*  £eyt  bem  $ilbe«!>eimer  Diel  näljer  fleljt  al«  bem  ©riefe 
eodefUn'«: 


»rief. 

Cumaniversorum  con- 
ditor  et  Creator  mira- 
büis  et  gloriosnn  in 
■anetia  suis  freqnenter 
ippareat  — 


Narratio  etc. 
Bernwardi. 
Qui . . .  Deum ,  qni  in 
sanetis  suis  rairabilis 
et  gloriosns  est,  benedi- 
centes  faoilem  in  tarn  ra- 
tionabili  Deoque  aeeep- 
ta  petitione  praebnere 
assensam. 


Arnold. 

Cuius  dcYOtioni,  immo 
j  uste  petitioni  saneta 
Romana  coneurrens  ec- 
clesia,  que  omnibus 
rationabilia  postulanti- 
bus  pium  prebet  aasen- 
sum  — 


*)  in.  V.  23. 

*)  $en  unter  b,  oben  p.  17,  angeführten  JBrief  t>at  er  ebenfall«  »ou  «§übe«l>eim. 
4)  0.  a.  O. :  ßed  religiosis  viris,  quorum  illic  multitudo  confluxerat. 
s)  Leibn.   88.  rer.  Brnnsw.  I.    p.  469  ff.,    »gl.  SBattenb   p.  461. 
•)  o.  a.  O.   p.  474/5. 

')  Mabillon,  Acta  Sanctorom    ord.  8.  Bened.  saec.  VI.  P.   K    p.   251. 
**&,  reg.  Pont.  p.  893.  a.  1193  Jan.  8. 

2* 


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©tief. 

—  Bcrnwardo  quon- 
dam  llildencsheimensi 
episcopo  —  fpätft:  re- 
verendissimum  virum. 


et  venerandum  cius 
corpus  de  terrae  gremio 
crigendum  et  inter  Sanc- 
torum  reliquias  collo- 
candum. 


214 

Narratio    etc. 
Bern  w  ardi. 

—  venerabilcm  virum 
Bern  ward  um ,  quondam 
Hildensemensoni  episco- 
pum ,  coenobii  vestri 
fundatorom.  —  reve- 
rendissimum  virum. 

et  sacratissimum  eins 
corpus  de  terrae  gremio 
crigendum  et  inter  Sanc- 
torum  memoria*  —  col- 


Arnold. 

—  Berenwardus,  Hil- 
densemensis  ecclesic 
quondam  episcopus,  coe- 
nobii vero  beati  Micha- 
elis archangeli  primus 
fundator  — 

—  ut  cius  corpus  de 
sepulchro  levatum  in- 
ter memorias  veneretur 
sanetorum ecclesia. 


locandnm. 

i.  k.  Db  jroei  anbre  $artl)iett  bei  Slrnolb,  nämlidj  bie  conversio 
Livonie8)  unb  ein  2lbfd)Ttitt  grie$ifd)er  ©cfd^id^te  III.  8,  bie  Satire 
1180—1185  umfaffenb,  aud)  aus  ©riefen  flammen,  ift  ni$t  nadj* 
juroeifeu,  aber  iDa^rfd^cinlid^.  $)te  ßiolänber  9iad)rtd)ten  jeigen  ftdj 
burd)  eine  33ergletdjung  mit  na^e  fte^enben  Quellen9)  als  redjt 
gute,  wie  fie  rootjl  burd)  münbtidje  Strabition  allein  md)t  erhalten 
wären,  unb  ber  rege  äkrfefjr  befonberS  ätmfdjen  Sternen  unb  £ü>lanb 
lonnte  SIrnolb  leidet  gute  briefliche  -Jtod)rid)ten  bringen.  S)a$  jroeite 
©tücf  Ijat  weniger  fidjere  angaben:  bie  ann.  Col.  max.1")  §aben 
gerabe  an  ber  cntfpredjenben  ©teile  einen  2lbfdjmtt  ctynlid&en  3m 
IjattS,  leiten  tljn  aber  fe^r  bejetdjnenb  mit  „ferunt"  ein. 

Stuf  Briefe  unb  einjelne  Delationen  glaube  id)  einen  bebeuten* 
ben  Streit  ber  Sdnlberung  beS  Äreujjugö  griebrtep  jurücffüljten 
ju  fönnen;  bie  ©etradjtung  mag  ben  93erid)t  SIrnolb'ä  über  ben 
britten  Äreujjug  jufammenljcingeub  umf äffen: 

9iad)rid}tf n  über  ben  britten  jtreuggug. 

£>a3  inerte  Sud)  2lrnotb73,  tpeld&eS  bie  93ef<$reibung  ber  britten 
Äreujfaljrt  mit  einer  33orgefd)i#te  giebt,  läfet  ftd)  mtyaltUd)  in  fol^ 
genbe  2lbfdjnitte  jerlegen: 
6.  l.    Älage  be£  SkrfafferS. 
6.  2—5.  33orgefdjid)te;  beginnenb  mit  ber  3ei*  23album'3  IV.  son 

^crufalem,  geführt  bte  jur  Eroberung  Serufalem'S  1187. 
6.  6.    $)ie  päpftUdje  2lufforberung  jur  Äreujna^me. 
ß.  7.    £)ie  Vorbereitungen  jum  3^9e  *n  $eutfd)lanb. 

8)  Hrn.  V.  30. 

°)  3n  CBetradjt  fommt  bie  (5&ronif  £etari<f)'a  von  Bettlanb.   SS.  rer.  Livonie. 
I.  p.  50  ff. 

10)  Ann.  Colon,  max.,  in  Mon.  Germ,  hist  XVII.  p.  790  a,  1181. 


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215 

5.  8-13.    S)er   Ärcujjug    bis  jum   Sobe  §erjog   griebrid&'S 
von  ©d&roaben. 

6.  14,   15.  3>te  Äämpfe  t>or  2lccon   bis   jutu   Sobe  Sanbgraf 
Subnng'S  oon  Springen. 

6.  16.    S)ie  Äreujfafjrt  ber  Könige  von  ©nglanb  unb  granfteidj. 
Sn^  biefer  (Sintljeilung  ift  audf)  über  bic  Quellen  ju  Ijanbeln. 

5.  l  ift  oljne  gefd&tdfjtlidfjen  ^Inljalt,  jufammengefefct  aus  ©teilen 
ber  SMgata,  SRemintScenjen  aus  päpftlid&en  Briefen  u.  bgl. 

6.  2—5.  3>iefer  2lbfdf)nitt  läßt  ftd£)  in  jroei  Seftanbt^eite  ba* 
burdjj  jerlegen,  ba§  man  6.  4  als  einer  befonberen  Delation  ent* 
jiammenb  tjerauSljebt. 

2>er  bann  übrig  bteibenbe  Sljett,  von  Salbuin  IV.  bis  jur 
ßitmaljme  oon  3erufalem  unb  bem  ^rieben  mit  ©alabin,  fjat  eine 
partljeiifd&e  gärbung,  unb  jroar  ju  ©unften  ber  §ofpitaltter  unb 
mit  §intanfe$ung  ber  Sempter.  ©ie  Sßartfjeien  im  ÄönigreidE)  3fe* 
tufalem  Ratten  fidtj  bamalS  fo  gruppirt,  bag  bie  Sempier  auf  ©eüen 
be$  fiömgS  ©uibo  pon  Sufignan  ftanben,  mäljrenb  ber  if)m  fetjr  Der* 
fembetc  äJleifter  ber  Jpofpitaliter  9toger  be  SRoulin  mit  feinem  Drben 
bie  Slnfprüdje  beS  ©rafen  Statmunb  von  SripotiS  ftüfcte.11)  Qn 
bem  8erid)te  Slrnolb'S  tritt  nun  Sftoger  (Radgerus)  bebeutenb  in 
ben  Sorbergrunb:  er  bringt  burd)  längere  Unterfjanbtungen  ben 
^rieben  jroifd^en  bem  Äönige  unb  bem  ©rafen  ju  ©tanbe,1'2)  fein 
Dtben  oertritt  bie  als  geregt  f)ingefteHten  Slnfprüd&e  beS  ©rafen,13) 
bei  feinem  Sobe  am  gluffe  Äifdfjon  (l.  9Jlai  1187)  werben  felbft 
Sölabtn  bic  lobenbften  2luSbrüdfe  über  tyn  in  ben  3Jlunb  ge* 
legt14)  $n  Uebereinftimmung  bamit  wirb  Sftaimunb'S  Sünbnifc  mit 
Salabin  oljne  Säbel  ijingeftellt,15)  unb  ber  offenbare  Serraty,  ben  er 
butd)  jeine  glud&t  aus  ber  ©d&lacbt  bei  SiberiaS  oerübte,  baburdf) 
feljr  gemttbert,  bafe  er  nadf)  biefer  Sarftellung  fd&on  oor  ber  ©djjlacfyt 
fid)  oon  bem  dfjriftlidjen  £eere  getrennt  t)attef  roaS  nad)  ben  beften 
Sendeten  unhaltbar  ift.16)  SHe  Sempier  treten  ityrerfeitS  gauj 
m  ben  ipintergrunb.  Söei  ber  Ärönung  ©utbo'S,  bie  clausis  portis 
ju  3erufalem  ftattfanb,  werben  fie  nur  als  alii  qui  do  latoro  ipsias 
(sc.  Widonis)  erant  angebeutet ,  it)re  ©cfjidfiale  in  ber  ©djladEjt  am 

")  8-  SBilfen,  ®efdji«te  brr  flreimüöe.    III.  2.  p.  253  ff. 
,f)  Slrn.  IV.  3.  ,3)  iHni.  IV.  2  fin. 

Mi  9lrn.  IV.  4:  Nunc  conclusi  sunt  in  mnnibus  nostris,  quia  periit 
•onMlium  ab  eis,  quia  mortui^  est  duetor  corum. 

u)  «m.  IV.  3.  16)  9lrn.  IV.  4. 


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216 

Äiföon  gar  ntdjt  ermähnt.17)  ©affetbe  SBerpUntfe  bauett  fort 
nad)  ber  @djla$t  am  @ee  SiberiaS  (4.  5.  3uli  1187);  am 
auSfüljrlidtfien  unb  ju  ©unfien  ber  jQofpttaliter  wirb  von  ber  93e^ 
lagerung  2lgcalon'$,  roetdjeS  bie  #ofpitaliter  befefct  gelten,  ge^ 
f  proben.'8)  Ueber  bie  Belagerung  Serufalem'S  Ijat  Slrnolb  feine 
genauen  SRadjridjten,  nur  bie  SSerljanblungen  über  ben  ©elbfafc,  ber 
für  ben  ßoäfauf  ber  einrootyner  feftgefefct  mürbe,  bringt  er  eingetyenb; 
eS  fdjeint  mir,  bag  man  biefen  2lbfd)nitt  ber  nämlidjen  Quelle  mit  bem 
eben  befprodjenen  auftreiben  fann.  ©oldje  3üge,  nrie :  ba fc  ber  Simpel 
in  ^rufalem  oon  ©alabin  jum  SßferbejiaDe  benufct  fei,19)  gehörten 
rooljl  ben  aufreijenben  mfinblidjen  SBeridjten  an,  bie  im  Slbenblanbe 
über  bie  SBorfommmffe  ju  Serufalem  circulirten.20) 

©ie  ben  £ofpitalitern  günfiige  äuffaffung  biefcS  ganjen  Se* 
rtdjteS  fann  Slmolb  ttid^t  felbft  hineingelegt  tyaben,  fonbern  fte  mufe 
tf>m  fdjou  in  feiner  Vorlage  überliefert  fein;  ba  nun  ein  ftarfer  Brief* 
roedjfel  jroifdjen  ben  morgenlänbtfdjen  ©Triften  unb  bem  äbenblanbe 
auf  ©runb  ber  unglüdlidjen  ©reigniffe  im  ßömgreidj  Qerufalem 
ftattfanb,  jebe  ^artljei  bort  audj  Urfad&e  Ijatte,  if>r  25erfaf)ren  nor 
bem  ?ßapjie  unb  ben  Slbenblänbern  ju  rechtfertigen,  fo  liegt  bie  Sin* 
nannte  nafje,  bafc  ärnolb'S  SRatfjridjten  au«  Briefen  ber  $ofpitaltter 
tyeroorgegangen  finb,  bie  tfjm  über  9tom  jugefommen  fein  fönnen. 
35a§  bie  ^ofpitaliter  ©riefe  über  baS  Unglüd  be$  ^eiligen  SanbeS 
getrieben,  berietet  auäbrüäUd)  ber  fog.  Benedictus  Petroburgensis;*1) 
erhalten  baoon  ift  ein  ©rief,  ber  tyauptfäd)lid)  bie  ©d&lad&t  am 
©ee  Liberia«  fdjilbert.2*2)  Safe  anbrerfeitS  Slrnolb  ©riefe  benufct 
Ijat,  jeigt  ftd)  flar  in  bem  jefct  folgenben  Slbfdjmtte: 

6.  4.  $>ie  @<$lad)t  am  ©ee  Liberias.  —  £>te  ©dtflberung  biefer 
©djladjt  ifi  einem  nodj  jefct  erhaltenen   ©riefe  ©regor'S23)  ettt* 


,T)  »rn.  IV.  3.  fin.  unb  IV.  4.  init. 

lft)  9lrn.  IV.  5.  w)  9lrn.  a.  a.  £>. 

*°)  O.  Mejler,  b.  flreugjug  Äaifer  griebrid)'«  I.  in  b.  gorfebg.  j.  beutfeb. 
®efdj.  X.  p.  7.  9lnm.  3 :  fRad)  Bohadin  foll  ber  SHarfgraf  »on  SDlentferrat  nad) 
bem  Slbenblanbe  ein  ©emälbe  gcfd)itft  Ijaben  „mltott  »orftellte,  wie  ber  ?emptl 
ju  Serufalem  burdj  ba*  $ferb  eine«  Ungläubigen  verunreinigt  toirb." 

S1)  Benedictus  abbas  Petroburgensis  ed.  Th.  Heame.  Oxonii  1735. 
53b.  II.  p.  475,  bei  Bouquet,  Recueil  des  historiens  etc.  XVII.  p.  473. 

**)  53ei  9ln$bert  ed.  $aufd)fn*fi  unb  ^angerl,  in:  Pontes,  rer.  Austriac. 
Slbtlj.   l.  V.  p.  2  ff. 

»)  3n  9ln*bcrt  p.  6  ff.  unb  Bened.  Petrob.  cd.  £earne  p.  478  ff.  ed.  ©ou- 
quet  XVII.  p.  474  ff. 


Digiti 


—  >*mM 


217 


tumtmen.94)    S)ic  eingefd&attcten  Sieben  erfdjeinen  bann  al*  rljeto* 


rifd&er  Sd&mudf,  uon  Slrnolb  Ijt^ugetyan: 


Bened.  Petrob.  p.  474. 
(ed.  SJouquet.) 
Accessit  Saladinus  com  multitudine 
trmatornm  ad  partes  illas  et  oecur- 
rtotibus  rege  et  episcopis,  Templariis 
et  Hospitalariis,  baronibus  et  militibus 
cnm  populo  terrae  et  cruce  dominica, 
per  quam  .  . .  facta  estcongressio  in- 
tcr  eos, 


superata  parte  nostrorum,  capta 
est  crnx  dominica,  traeidati  episcopi, 
captns  est  Rex,  et  univerei  füre  aut 
occisi  gladio,  aut  hostilibus  manibus 
deprehensi,  ita  ut  paucissirai  per  fu- 
gtm  elapsi  sint. 


ipsi   quoque    Tcmplarii  et    Hospi- 
talares in  eins    oculis  dccollati  sunt. 


Hrnolb  IV.  6.  4. 


Appropiantc  igitur  parte  adversa, 
ordinata  est  acies  christianornra ,  et 
rex  erat  in  capitc  cum  episcopis  et 
victoriosissimo  ligno  doroinice  crucis, 
quam  sequebantar  Tcmplarii,  Hospi- 
talarii  cum  baronibus  ac  militibus  et 
populo  terrae.  Sicque  desiderata  con- 
gressione  facta,  confligunt  fideles  cum 
infidelibus.  %cl%t  ©djilberuno,  bet 
<Sd)la*t  in  ganj  allgemeinen  9fa«brfi(fen. 

praevaluit  pars  adversarioram ,  et 
captivatus  est  rex,  trueidati  episcopi  et 
crux  Domini  a  suis  hostibus  capta 
est,  omnesque  fere  aut  occisi  sunt 
gladio  aut  bostilibus  manibus  com- 
prebensi,  ita  ut  pauci  per  fagam 
elapsi  noscantur.  (5*  feigen  relfajöfe 
©efptädje  jtoifdjeu  ©alabfn  unb  feinen 
befangenen,  barauf: 

Ilis  dictis  omnes  de  conspectu  suo 
ciecti  sunt  et  altera  die  Templarii, 
Hospitalarii  decollati  sunt, 

Sfotolb  aeigt  boS  93eftreben,  ben  tljm  t>orliegenbcn  Seridjt  burd) 
allgemeine  ©djilberungen ,  vor  allem  burd)  Sieben,  auäjufömüden, 
baljer  tft  man  audj  roojjl  berechtigt,  an  anberen  ©teilen26)  bet* 
artige  Sieben  ganj  allein  auf  feine  Sfted&nung  ju  fefcen. 

2fatolb'$  -JJadjridjten  finb  in  Dielen  fünften  ungenau,  wie  bie« 
eine  SSerglctdjung  mit  näljer  ftetyenben  Duellen,  nrie  bem  33ud)e  beä 
Jacobus  de  Vitriaco20)  u.  a.  ergiebt,  bafjer  auf  9tad)ri<I)ten,  bie 
Stnolb  aDein  überliefert,27)  roofjl  fein  ©enridjt  su  legen  ifi.  SBetl  er 
eben  feine  georbnete,   jufammenf)ängenbe  ©rjctylung,  fonbem  ein* 


*)  Sawenberg.    Mon.  Germ.  bist.  XXI.  p.  167  9lnm.  99. 

*)  €o  ba*  ®eft>tä"d)  ber.  Königin  ©ifajlle  mit  bem  $atriard)en,  9lrn.  IV.  2., 
tffler'«  5Berfanbluiia,en,  9lrn.  IV.  3. 

u)  Jacobus  de  Vitriaco  ed.  Bongars:  Gesta  dei  per  Krancos.  II.   1047  jf. 

M)  $af>in  gebort  ber  JtrönunaMaa.  ©ulbo'*  (20.  3uli)  IV.  2;  bet  Uebertritt 
ta  teconiten  jur  ^attyei  be$  Äönig«  IV.  3,  bie  9teu*£rönung  ©atabin'«  in 
*erÄtu#  IV.  5. 


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218 

jelne  Briefe  oor  ft$  fyrtte,  ift  es  aud)  erftärlid),  ba&  er  £auptfa<$en 
ganj  mit  ©ttflfdjtoeigen  übergebt;  fo  ben  $riebenSbrud>  Sfteinalb'S 
oon  ß^atilton,28)  ben  $ob  3fohnunb'S  oon  Tripolis.*9)  ®a<S  2.  6ap. 
—  oon  93albuin  IV.  bis  jur  Krönung  ©uibo'S  -  fommt  an 
mehreren  ©teilen  bem  Serid&t  fetjr  natye,  welken  Jac  de  Vitr.30) 
unb  baS  Chronicon  Urspergense31)  geben;  in  ber  gaffung  etnjelner 
©teilen  jeigt  ftd)  Uebereinfttmmung  mit  bem  beutfdfjen  ®fcbid)t  beS  14. 
Qaljrtmnbert'S:  Subtoig'SbeS  grommen  Äreujfaljrt,  IjerauSgegeben  oon 
o.  b  §agen,32)  baS  für  biefe  $artl)ien  ganj  auf  baS  Chronicon  Ursper- 
gense jurüdjuge^en  fdr)eint  unb  oon  bem  nodj  weiter  unten  bei  6. 
14,  15  ju  tyanbeln  fein  wirb. 

6.  6  5Die  päpfttid&en  aflaferegeln.  —  2lrnolb  berietet  oon  ben 
©dritten,  bie  Sßapft  ©lernend  tljat,  um  einen  Äreujjug  ju  be< 
toerfftefligen.  ®er  oon  üjm  ermähnte  Srief  beS  ^iapfteS  ift 
nidjt  ermatten,  bagegen  ein  SJrief  ©regor'S,  ber  bem  Qntialte  nadj 
ungefähr  auf  bie  Angaben  pafct,  toeldje  «molb  oon  bem  ©riefe 
Siemens'  madjt;  eine  SBertoedjStung  2Irnolb'S  liegt  aber  trofcbem 
nidjt  oor,  weil  au$  bie  Annal.  Pee:av.33)  einen  folgen  Srief  beS 
SßapfteS  (Siemens  ermähnen,  aud)  feinen  bie  9lad)rid)ten  im  ©riefe 
©regor'S  nur  bis  jum  Ausgange  ber  ©d)(ad)t  oon  Liberias  ju  geljen; 
bie  @inna^me  ber  ©tabt  Qerufalem  wirb  barin  nidjt  erroäljnt;  nad) 
Slrnolb'S  Angaben  ioirb  in  ßlemenS  ©riefe  über  baS  Unglüdt  beS 
^eiligen  SanbeS  ausführlicher  gef proben  fein,  unb  otelletd)t  t)at 
biefer  ©rief  aud)  2lntl)etl  an  Slrnolb'S  ©erid&t  über  ben  ^rieben  oon 
Scrufalem.  $u  ben  genauen  gaflen*  unb  ©ebetbeftimmungen, 
toeld&e  ein  ©^reiben  beS  ^apfteS  Siemens  enthalten  tyaben  foH, 
ejtftirt  ebenfalls  ein  ©eitenftücf  in  einem  ©riefe  ©regor'S,34)  a^ 
mit  toeit  weniger  ausführlichen  Angaben. 


2R)  Narratio  brevis  etc.  ap.  Eccard.  Corp.  bist.  med.  aevi  II.  p.  1350. 
90)  ffiilfen,  III.  2  p.  294  Bnm.  80. 

30)  Jac.  de  Vitr.  p.   1116  ff. 

31)  $atf  Chronicon  Urspergense  (edit.  princ.  a.  1515)  giebt  Ijtfr.  eiuen 
Italien.  33erid)t,  tote  ba*  £>.  «bei  (2lrd)to  XI.  97  ff.)  uadweifl,  ber  al«  Historia 
brevis  oecupatinnis  et  amissionis  Terrae  Sanctae  bfi  Eccard.  Corpus  histo- 
ricor.  med.  aev.  II.  134  9  ff.  ebitt  ijl,  aud)  Im  Bernardus  Thesaurarius  tolebfr 
auftauet  unb  mit  Jacob,  de  Vitr.  »ertoanbt  ift. 

32)  ßubttig'ä  bea  grommen  tfteujfabrt  ed.  8.  £.  ».  b,  «&agen.   Setyj.  1854. 
3Ä)  Ann.  lYgav.  Mon.  Gerra.  bist.  XVI.  p.  266.  a.   1188. 

M)  Bened.  Petrob.  p.  475. 


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219 

6.  7.  $te  33orberettungen  in  $)eutfdf)lanb.  -  §ter  berietet  %x* 
nolb  nrieber  als  bcn  33erl)ältniffen  naljeftetyenber  QtxtQtnt^t,  alfo 
ofyie  ftdfj  auf  frembe  33eridf)te  ju  oerlaffen;  fo  ftityrt  er  rool)l  bie 
£auptfad&en  allein  auä  bem  ©ebädf)tniffe  an  unb  oerroeilt  nur  länger 
bcibem  §oftage  ju©o$lar,  ber  fonft  nod)  von  b.  Ann  Stederbur£.35) 
enoafint  wirb,  weil  er  für  feine  engere  §eimatt}  oon  bem  größten 
3ntereffe  mar;  e3  barf  beöfjalb  feine  $ad)rid(jt  über  bie  brei  bem 
§erjoge  oom  Äaifer  gemachten  aSorfdfolägc  audf)  nidfjt  bejroeifelt 
roerben.  SMe  3ufammenfteflung  ber  baljin  gehörigen  ©teilen  giebt 
$}ilippfon.36]  33oef)mer37)  roetft  ben  §erjog  am  25.  Quli  unb 
8.  äuguft  in  ®o$lar  nadfj. 

6.  8—13.  Äaifer  griebridfj'S  Äreujjug.  —  3)ie  eigentliche  Äreu^ 
faljtt,  roelcbe  mit  bem  auf  brücke  bc£  £ccre3  oon  9legen£burg 
beginnt  unb  mit  bem  Jobc  be3  ÄaiferS  unb  feinet  ©otjneS, 
$erjog  griebtid)'*,  cnbet,  fjat,  nadf)  SBilfen,38)  in  neuefter  3*ü  ^on 
Siejler39)  unb  gifdjer40)  eine  eingcfyenbe  Sefymblung  erfahren;  iljre 
Stiften  über  biefen  2lbfdf)nitt  2lrnolbT3  non  Sübecf  getyen  barin  aus* 
tinanber,  baft  gifdjer  if>m  fdjriftlicfje  39erirj)te  für  feine  $>arfteDung 
#tid)t,41)  Stiejler  eine  fdjriftlicfye  2lufäctd)nung,  bie  aber  uid^t 
witer  nad^uroeifen,  für  bie  loafjrfcfyeinltcfye  ©runblage  feiner  6r* 
$>lung  J)ält4'2;  5Der  SBertl)  ber  oon  ifjm  überlieferten  9tod£)rid[)tcn 
rottb  Irauptfäd^lid^  oon  ber  ^Beantwortung  ber  gragc  über  fein  fd&rift* 
Iid}e$  Material  abfangen.  $\\  feiner  SBürbigung  fdfjeint  ferner  eine  3Ser* 
gleid^ung  mit  ber  §auptqueüe  für  biefen  Äreujjug,  mit  ber  ausführlichen 
wb  glaubnmrbigen  ©rjäfjlung,  bie  unter  bem  3ßamen  be£  öfterrei* 
fyWien  ©cifHic^cn  Ansbertus43)  gcfjt,  geboten. 

®enaue  Stac^rid^tcn  bringen  beibe  für  bie  3C^/  ta  melier  ba$ 
Äteu^eer  oon  SRegen£burg  au$  Defterreid^  unb  Ungarn  burdf)jief)t'7 


K)  Mon.  Germ.  bist.  XVI.  p.  221. 

*)  W>üiW>fcn,  ®efd)id)te  $einri<&'«  brt  Sötten.  8eu>$.  1867.  II.  Stxit 
*wt.  II.  V.  1.  g. 

")  Boehmcr,  Regesta  chron.-dipl.  n.  2706—  2708. 

*)  %.  m\Un,  Oef*.  ber  Äreu^üae.    IV.  £fj.  Seity.  1826. 

*)  O.  Sttejler,  ber  Jtreugjug  griebrtd)'«  I.  Sorfdjg.  j.  beutfdj.  ®efd). 
1  M  ff. 

40 ,  Ä.  Sifäer,  ®ef*id)te  be*  £reii|$ua<J  fcriebrid)'«  I.    Setyj.  1870. 

4li  ?if*er  a.  a.  €>.  p    48.  49j  SNejler  a.  a.  O.  p.  104. 

tf)  Historia  de  expeditione  Friderici  imperatoris,  edita  a  qaodam  Austri- 
•*«  Clerico,  qni  eidem  interfuit,  nomine   Ansbertus,  cur.  Jos.  Dobrowsky. 


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220 

bei  benjenigen  ©rcigniffen  ober  ©egenftänben,  roeldje  ben  Äreuj- 
fairem  als  bie  urid&tigften  ober  merfmürbigften  erfahrnen  mu&ten, 
fo  bei  ber  ©rjätylung  von  iljrer  Stalunft  in  SBien,  üon  ber  freunb* 
liiert  aufnähme  beä  £eere3  in  Ungarn,  pon  ben  ©efdjenfen  be£  Äönig« 
S3ela  unb  ber  Königin  an  ben  Äaifer,  t>on  bem  grieben ,  ber  im  ipeere 
conftituirt  würbe,  begegnen  ftd^  bie  SBerid^te  ftetä,  aber  fo,  bafe  bie 
Säuberungen,  wie  von  jtuei  oottfommen  unabhängigen  SSlugenjeugen, 
ntUn  einanber  fielen.44)  Saneben  fjaben  beibe  tnandje«  ©igen* 
tijümlidje,  ol)ne  ftd)  jebod)  in  irgenbroeldjeu  $auptfadf)en  ju  tuiber* 
fpredjen;  fo  berietet  2lmolb  allein,  bag  ber  Äaifer  auf  Sitte  ber  fiönigin 
von  Ungarn  Don  bem  Äönige  S3ela  ben  S3ruber  beffelben,  ber  fünfjelin 
Qaljre  in  ©efangertfdfjaft  gehalten,  loSgebeten  l)abe;46)  SlnSbert  allein 
Ijat  eine  genaue  2lufjäl)lung  ber  angelegneren  Äreujfaljrer.4*)  3Rit 
Siedet  Ijat  man  für  2ln$bert  Ijier  ben  fdjriftttd)  fipirten  Steridjt  eines 
SUigenjeugen  als  Vorlage  in  Stafprud)  genommen;  biefelben  ©rfinbe, 
tueldje  Ijtefür  geltenb  ju  madjen  finb,  madjen  e$  notljroenbig,  au$ 
für  3trnolb  einen  fdjriftlidjen  33erid)t  über  biefe  Vorgänge  anjuneijmen, 
eine  StorfteUung  be$  ÄrcujjugeS  Ijätte  bemnad>  bie  Aufgabe,  beibe 
93ertd)te  über  ben  3ug  bis  jum  Serlaffen  Ungarn1«  als  ebenbürtige 
neben  einanber  ju  benufcen. 

©eringeren  Sßertlj  glaube  id&  ber  folgenben  ©rjätyfong  auftreiben 
ju  muffen.  ©afc  2lrnolb  aber  aud)  t)ier,  bis  §um  £obe  beS  ÄaiferS, 
nid)t  o^ne  fdjriftlidje  Vorlage  fdjrctbt,  fd^Uefee  idf)  mit  SRiejler  gegen 
3fifd)er  fd&on  aus  ben  genauen  ©aten,  bie  2lrnolb  notirt,  fo 

6.  9.  Igitur  in  nativitate  beati  Johannis  baptisto  exierunt 
Ungariam  et  intravorunt  Bulgariam.  In  qua  por  tres  dies  non  in- 
venientes  aquam  —  et  ita  in  festo  beati  Jacobi  tenuerunt  castrum 
Ravenelle  —  in  assumptione  beate  Virginis  — 

6.  10.  In  pascha  quod  eo  anno  in  annuntiatione  Domini 
celebraretur. 


?rag  1827.  SWeu  ebirt  al*  Codex  Strahovionsis  t>on  •&.  £aufd)in*fi  unb  3». 
$anger(,  in:  Fontes  rcr.  Austriac.  Slbtfy.  I.  33b.  V.  1863.  Ueber  ben  SBerty 
biefer  (Irrung  fyanbeln  elngefienber  fÄiegler  a.  a.  £).  p.  87  ff.,  «&.  ©übinger: 
3eiif*rift  f.  öflerr.  (Stymnaf.  X.  3aljrg.  a.  1859  p.  373  ff.,  St.  giftet  a.  a.  O. 
p.  16  ff. 

**)  9lrn.  IV.  8.  9ln*b.  ed.  ZauWnitl  u.  $angerl  p.  u  ff.  3>a§  bie  *o« 
beiben  angeführten  fünfte  nad)  bamaliger  Slnfdjauung  für  bie  toidjtigftfn  galten, 
ergiebt  ßd»  au*  barau«,  bajj  ber  viel  weniger  auflfüljrllaV  93erid)t  ber  Ann. 
Colon,  max.  Mon.  Germ.  hist.  XVII.  p.  797  faft  bie  ndmlldjen  betyanbelt. 

4Ö)  91m.  IV.  8.  «•)  3ln*b.  p.  15—18. 


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221 

6.  11.     Vcnerunt  igitur  in  pentecosten  Yconium. 

3lbcr  einmal  finb  feine  5Rad>rid)tett  l)ier  bei  weitem  weniger 
auSfityrltdj,  als  bie  2ln$berf3,  bann  ift  audj  bie  t>on  tym  gefd&ilberte 
Starföroute  mit  ber  be$  fpectelleren  3ln£bert*23erid)te$  nid)t  überaß 
übereinfitmmenb,47)  bieoon  ifjm  angeführten  tarnen  ni<$t  nad&roeiS* 
bar;48)  nor  allem  aber  tyaben  fagenl)afte  3üg*  bereit«  in  biefen 
JJjeil  feiner  ©rjäfjlung  ©ingang  gefunben:  ba^in  rechne  i<§  junädjft 
bie  ©efd)id>te  non  bem  einjelnen  ©elbftüd,  meines  ber  ffaifer  ben 
Surfen  angeboten  tjaben  foll,49)  bie  fidj  in  ber  expeditio  Asiatica 
Friderici  !.  urieberfinbet,50)  einer  Äreujjug&Sarftellung,  meldte  ft<$ 
burd)  anecbotenljafte  3üge  auSjeidjnet.61)  ©rabe  für  bie  ©agenbilbung 
djaracterijHfd)  ift  e£,  bafe  ftd)  biefe  ©pifobe,  roenn  aud)  unüerfennbar 
biefelbe,  fo  bod)  fdfjon  mit  einigen  SSeränberungen  unb  an  einer 
onberen  Stelle  bort  feftgefefct  i)at 

©egen  Slmolb'g  ©laubroürbigleit  in  biefem  2lbfdfjnitte  fpridjt 
aud>  feine  ©djüberung  uom  £obe  beS  ÄaiferS;  ein  unftreitig  glaub* 
iDürbigerer  33eridf)t  barüber  -cyiftirt  in  ber  opistola  de  morte  Fridi- 
rici  I.  imperatoris,**)  von  bem  SKrnolb  roefemlid)  abroeidjt.63) 

2)ie  wenigen  l)iftorifd>en  2)ata,  meldte  Slrnolb  für  bie  $eit  uom 
Jobe  be£  ÄatferS  btö  ju  bem  $erjog  griebrid)'3  t)on  6d>n>aben 
bringt,  weifen  auf  feinen  beftimmten  SBeridjt;  eS  finb  roofjl  eben  bie 
bantotö  aügemein  befannten  Stljatfadjen,  meldte  jebc  erjttylung  über 
triefe  3cü  berietet  tjaben  wirb;  fjat  Slmolb  ^ier  eine  fdjriftUdje  auf* 
jeitymng  benufct,  fo  bürfte  biefe  bie  Senbenj  gehabt  tyaben,  ba3 
ganje  Unternehmen  be$  ÄreujjugeS  ate  ein  perfekte«  barjuflellen; 

")  3ur  Gontroüe  birtit  ^fier  bie  »tyaublung  in  ben  Söiener  3aljrb.  ber 
Süer.  X.  42  über  bie  ©eograMie  biefe«  gelbjug«  bi«  (Scnflantinopel.  3fi  Sclan- 
kemunt  bfi  Slni.  gle  id)  ©lanfamen ,  fo  beutet  bie«  auf  eine  9Rarfd}route  für  ben 
$eti<bterftotter  8rndb'*,  bie  ba*  £auj>t$eer  nid)t  genommen. 

**)  2>er  glug  Eiza,  unb  b.  Ort  Listriz  finb  nidjt  uad)gutt)elfen ,  o$ne  eine 
fcerrumpirung  ber  Warnen  angunetymen. 

*0  5trn.  IV.  12. 

M)  Expeditio  Asiatica  Friderici  I.  seu  historia  Peregrinorum  ed.  Cani- 
fug, Lcct  antiq.  III.  p.  519. 

81 )  darüber  »gl.  SWejter  a.  a.  £>.  p.  99. 

M)  Mod.  Germ.  hist.  XX.  p.  494.  Ueber  i$re  ©laubttürbigfeit  »gl.  Sftejler 
*. «.  C.  p.  99/100  unb  p.  126  ff. 

tt)  $ie  Epint.  berietet,  ba§  ber  Äaifer  erft  bnrd)  ben  gtufj  fyfnburd)  ge* 
fofcemtnfn  fei  §um  anberen  Ufer,  foäter  gebabet  fyabe  unb  ertrun!en  fei.  ftrnclb: 
$«  Äaifer  Ijabe  fid)  baben  unb  erfrifdjen  ttotten  unb  fei  beim  $urd)fa)ttimmen 
k*  Stoffe«  untergegangen. 


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222 

fo  erffätt  ftdj  bei  if)m  auü)  bie  etngefyenbe  2Biber(egung  einer  foldjen 
äuffaffung.64)  Taft  e$  Slufjeidjnungen,  locld^e  biefe  2lnftc^t  oep 
traten,  bamate  gab,  jeigt  bie  entfpredjenbe  Sßattljie  in  ben  Am™!. 
Col.  nmx.,  bie  grabe  mit  einem  2luSfprudj  fdtfiefct,  wie  tyn  2Jrnolb 
ju  entfräften  fudEjt.06) 

<S.  u  unb  15.  3)ie  Äämpfe  x>ox  2(ccon  bis  jum  5Eobe 
fianbgraf  Cubroig'S.  —  3n  biefem  äbfdjnitte,  rocldjer  mit  ber  Sela- 
gerung  2lccon'3-  burd)  Äöntg  ©uibo  beginnt,  tritt  bie  ^erfon 
Sanbgraf  2ubroig'£  unb  ber  i£)m  nal)eftef)cnbe  3ttarfgraf  o.  9Wont* 
ferrat  fetjr  in  ben  Sorbergrunb;  biefer  wirb  felbft  bei  §anblungen 
entfd&ulbigt,  bie  an  93erratl)  ftretfen.fti)  ©n  nod)  erhaltener  93etid)t 
al£  ©runbfage  ber  Angaben  2lruolb'3  tft  aud)  I)ier  nid)t  aufjufinben. 
©d)on  SRtejler57)  fjat  auf  bie  Serroanbtfdjaft  bc$  oben  ermähnten 
©ebidjt'ä  über  Subroig'ä  be$  frommen  Äreujfat;rt  mit  3lmolb  auf* 
merffam  gemalt;  biefer  ßufammenfjang  ifl  ein  größerer,  al£  er 
nadjroeift:  eine  Steige  oon  ©in jel^eiten ,  meldte  3lrnolb  gerabc  in 
biefen  beiben  gapiteln  bringt,  finb  beiban  ^Relationen  gemeinfam.*8) 
SHiejler69)  nritt  bieS  burdt)  eine  Senkung  2lmoIb'3  in  bem  ©ebidjte 
etftärcii,  aber,  wie  fdjon  gtfdfjer60)  angeführt  fyat,  roof>(  mit  Unrecht;  bei 
einem  ßtublidte  in  bie  Ctyronif  3Irnolb'£  fonnten  aud)  uon  einem 
5Did;ter  ntdjt  fo  grobe  djronotogifdje  unb  anbre  geiler  gemadjt 
werben,  nrie  fie  in  biefem  ©ebidjtc  üorfommen,61)  beäfjatb  ifi  für 
bie  in  grage  fommenben  ^Jartljieu  roofjl  eine  gemeinfame  Duelle 


M)  91m.  IV,  13:  Und«  nonnulli  scandalutn  contra  oam  (sc.  expeditionem) 
habucrunt  etc. 

w)  9lrn.  IV.  13:  Sicquc  expeditio  illa  terminata  est,  ut  quasi  fere  adni- 
hilata  videretnr.  Ann.  Col.  max.  a.  1190:  Ita  expeditio  bare  nutu  Dei  — 
cassata  et  adnil.ilnta  est. 

66)  9lrn.  IV.  14 :  I'ost  etiam  multo  auro  pacem  a  marebione  mercatas 
est  (sc.  Paladinns).  Unde  quidam  cum  (sc.  inarchionem)  inßdclitatis  argnere 
conati  sunt,  qiiod  raunera  infidilium  aeeiperet.  Sic  ille  exspolians  Egyptos, 
ditavit  Hebrcos. 

M)  föiejler  ct.  a.  D.  p.  119  ff. 

5:)  JDafn'n  g*f)ört  unter  anberem  nodj:  2lrn.  IV.  6.  15:  5Me  burd»  einen 
SWaulefel  veranlagte  ^teberlac^e  b?r  (Stiften,  t>.  b.  #agfn  p.  190  ».  3910—3925; 
bann  ber  üöonmirf  ber  Jöefiedmng  gegen  ben  SMarfgrafen  (§onrab  ».  SRonferrat, 
9lrn.  (5.  14,  t>.  b.  £ag?n  j>.  84  ».  2505—2510  u.  a.  m. 

*»)  [Riejler  a.  a.  b.  60)  8ifa)er  a.  a.  O   p.  54. 

61)  JDiefe  3rrt^ümer  ftellt  t».  b.  £agen  jufammen:  Einleitung  p.  XX.  unb 
p.  XXII.,  fo  fommt  nadj  bem  ®ebid)t  ber  Äaifer  griebrld)  nad>  9Ucon,  ebenfo  ber 
«&od)tnei|ier  be«  $>eutfa>rben«  (Sonrab,  ber  1289—41  regierte. 


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223 

anjmteljmen.  2)aS  ©ebü$t  beruht  auf  älterer  Orunbtage  unb  ftef)t 
in  biefer  alteren  ©eftalt  ber  ßeit  Slrnotb'S  nid^t  feljr  fern,62)  außer* 
bem  Ijat  e3  profaifdje  Ijiftorifdje  2lufjeid)nungen  für  feine  erften 
$artl)ien  benufct,  wie  btö  fd;on  oben63)  angeführt  würbe.  @3  ifi 
aljo  lein  ©runb  oorljanben,  tyier  dou  üornfjerein  ein  ©leid^cS  ju 
bejmeifeln.  3u  fuc^en  wäre  ein  foldjer  Seridjt  junäd^ft  in  $f>tirin^ 
9iföen  Quellen,  roo  er  ftd>  aber  nidjt  nadjroetfen  läfet;64/  bie  anbre 
in  bem  ©ebtdjie  benufcte  Ijiftorifd&e  Slufjeidjnung,  bie  historia  brevis 
(Chronicon  Ursperg.),  ift  aEerbingS  in  bie  32)ürmgifdje  $ijiorio* 
grapste  etngebrungen.66)  S)aS  Sftefultat  wirb  f)ier  bemnadj  barauf 
^inauöfomtnen,  einen  oerloren  gegangenen  S3erid)t  ju  conftatiren. 

C.  16.  2>er  Äreujjug  ber  fiönige  von  ©nglanb  unb  granf* 
reid> rtö)  —  gür  biefe  5ßart^ie  ift  2lmolb  nur  üon  ganj  untergeorbnetem 
Berti)  unb  ijat  faum  Angaben,  bie  nid&t  audj  anberäroo  unb  ein* 
<$)enber  gebraut  werben,  namentlich  beftätigt  ba3  Itinerarium 
Peregrinorum  et  Gesta  regis  Ricardi67)  alle  feine  Angaben, 
wm  es  anä)  Slrnolb'3,  bem  englifdjen  Könige  feinbtid&e  ©efinnung,68) 
to  für  t&n  einen  beuten  ober  fran jöfifd^en  Serid^terftatter  erfennen 
W,  nidjt  tijcilt. 

Um  ju  ber  bei  2lrnolb  nacIjroetSbaren  SBrief Literatur  jurücf* 
^feilten,  mögen  bie  jenigen  ©teilen  ber  @taoendf)roni£  folgen,  in 
taten  ftd^  SBriefe  nur  erwähnt  finben: 

ö)  ö.  b.  ^ageu  p.  XVI  ff.  ftritt  bie  abfaffungfyeit  be$  »orliegenben  ®ebid)t« 
nnb  mit  tym  SMejler  p.  120  auf  a.  1301  —  1305;  bie  ältere  gaffung  gehört  in  bie 
5%?  furj  nad)  1228. 

*)  §0  bie  oben  erwähnte  historia  brevis  etc.  «gl.  oben  p.  24.  «fcier  toäre 
4lfc  ein«  ber  nad)  Öfterer  a.  a.  £>.  p.  121  feltenen  Seifpiele  gegeben,  baf  ein 
wittfli>c<t}beutfaVr  $>id)ter  einen  (Sfjronijtm  beutet  f>at. 

WJ  SRan  foflte  üjn  am  efyeften  in  einer  ber  beiben  historiac  lantgraviorum 
(etLEccard,  hist.  geneal.  princ.  Sax.  sup.  p.  351  u.  Pistorius,  rcr.  Germ.  SS.  I. 
P-  908)  »ermüden  ober  in  ben  beiben  (Sfyronifen:  Chron,  Sanipctr.  ed.  Stübel 
*»&  Annal.  Kcinhavdsbrunnenscs  cd.  O.  Lorenz  in:  ©efcbid)Wqucüen  b.  ?$roö. 
^adjfen  I.  *Bb.  £alle  1870,  bie  ja  geroiffen  3ufammenftang  geigen. 

tt)  Sßämlidj  in  bie  Historia  de  lantgraviis  Thnringiae  ap.  Eccard.  hist. 
goieal.  prineip.  Saxon.  sup.  p.  351  ff. 

*)  Und)  tyer  ift  feine  fdjtiftlidje  9luf jeio^nung  alt  0ueUe  für  Slrnolb  na$h>ei*bar. 
.  •*)  ap.  Bongars.  II.  p.  1150.  ff.  fragmentarifd)  ebirt  »on  W.  Stubbs  in: 
Chronic! es  and  roemorials  of  the  reign  of  Richard  I.  %f).  I. 

**)  9lru.  IV.  16:  Post  dies  illos  ooeisus  est  Conradns  rex  Iherosolinoo- 
i*b,  dolo  ut  dicitor  regia  Angliae  et  quoruudam  Tcmplariorum ;  bei  feiner 
•ffliigeiuiatyme:    Oura  ergo  sibi  preoavisaet  hnnc  laqncum,  ineidit  in  alium. 


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224 

II.  8.  fmb  scripta  be8  Sßopfte«  ju  ©unfien  ©ettolb'S,  be«  @t* 
mahlten  aon  Sternen,  angeführt,  bie  jnrifdjen  ben  Xob  Salberotn'S 
1178  unb  ba«  Satetanconcii  v.  5.  3ttät§  1179  fatten. 

III.  6.  nennt  ämolb  literae  Lucii,  beten  3n^alt  fibetein* 
ftimmt  mit  einet  Utfunbe  pom  3.  3<m.  1185,  SSetona.69) 

III.  13.  fmb  mehrmalige  ©Reiben  be$  ÄaifetS  an  £eintid) 
ben  Söroen  etroäfjnt,70)  bie,  gemäfe  bet  ©notbung  bei  ältnolb, 
nadj  feinet  9Wicffe§t  au$  ©nglanb  an  itjn  gerietet  fein  muffen; 
alfo  in  bie  ßeit  H85  Dctb.71)  b&  ju  feinet  »weiten  SSetbannung 
auf  bet  SUlainjet  ßutie  27.  SRät}  118872)  ju  fefcen  fmb.  galten 
fxnb  biefe  ©tiefe  md&t. 

III.  14.  $attnridj  IL,  ©tsbif^of  t)on  Sternen,  cititt  per  litteras 
bie  Sübedet  Canonici  auf  ben  6.  San.  1186  nadj  ipambutg  in 
©etteff  einet  neuen  $ifd)of«roaf)l;  bet  S3tief  ift  ebenfall«  nid&t 
etljalten. 

III.  19.  giebt  ätnolb  SRad&tid&t  von  bem  auf  bet  ßutie  §u 
©einkaufen  auSgefteDten  ©Reiben  be«  beutfäen  @pifcopat£  an  ben 
$apfi.  3)ie  ßutie  fiel  auf  ben  28.  5Rooembet  1186,  unb  bet  (5t* 
wählte  von  Sübed  Stybetidj  na^m  batan  %i)t\Vz) 

V.  n.  £attroidj  II.  von  Sternen  cititt  per  epistolas  ben 
SBtfdjof  von  Sübed  nad)  Sünebutg.  SHefet  Stief  fd&eint  in  bie  ßri* 
futj  pot  bet  einnähme  Sübed«  a.  1191  butd)  ben  ©tafen  Slbolf 
ju  geböten;  bet  ßatbinal  GentiuS,  meldet  ben  ©tteit  bet  beiben 
ÜSifdjöfe  beilegt,  beftnbet  fid^  beteitö  1192,  von  S)änematf  jutiidge* 
fe&tt,  in  ©adjfen.74) 

V.  21.  roetben  scripta  be«  ßoelnet  @tjbifd)ofS  ju  ^attand)'« 
Segünfiigung  etroäljnt.  ©ie  geböten  aud)  etwa  in1«  3aljt  1191, 
in  meinem  $attroid)  mit  ben  Stemetn  im  ©tteite  lag. 


«*)  Urfbb.  b.  öidtlj.  «übetf  n.  XII. 

,0)  Arn.  III.  13:  Imperator  vcro  verbis  bonis  et  consolatoriis  per  litte- 
ras suas  frcquenter  ei  (sc.  Heinrico  Leoni)  spem  bouam  faciebat. 

")  Annal.  Weingart.  Mon.  Germ.  bist.  XVII.  p.  309.  1185  post  festum 
b.   Michaelis. 

w)  Ätn.  IV.  7.  unb  Boehmer,  regest  dipl.-chronol.  p.  145. 

")  @d)effet*93oid)ot(l,  Äaifet  griebtld)'*  I.  Center  Streit  mit  bet  (Surie.  1866. 
^Beilage  X.  p.  239. 

'*)  »gl.  Uffnfler.  $eutfd)#bänif<be  ©efdjitye  p.  48.  3)ie  (^ronologie  Hellt  %$. 
Zotty:  Jtaifer  feindet)  VI.  Stift.  1867  p.  548/549,  fejt.  5Die  «ntoefen^eit  bH 
(Satblnate  fällt  in  ben  kommet  U92.    $oed)e  a.  a.  D.  p.  284. 


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225 

V.  25.  werben  ©riefe  beö  $apfi  SoelefHn  III.  für  bie  Äreuj* 
mftafy  genannt,  Don  benen  ber  an  ben  Äaifer  gerichtete  erhalten 
$  in  ber  Chron.  coli.  a.  Magnopresb.  contin.™)  3)ie  eben  ba  an* 
flefü^rten  literae  exhortatoriae  §aben  bann  rooljl  einen  Slufruf  jum 
Äwujjuge  enthalten,  ber  an  alle  ©^riflen  gerietet  war. 

VI.  i.  Smolb  fpridjt  von  einem  Slntroortfdjreiben  beS  ^apfte« 
auf  bie  üBtittfjeihmg  non  ber  SEBa^l  Otto'«,  gerietet  an  alle  Prälaten 
©rjbifd^öfe,  SBifd^öfe,  Siebte  k.  SDiefe«  gehört  rooljl  in  b.  fr  1201, 
wofür  bie  in  biefem  Satire  gepflogenen  UnterJ&anblungen  jroifd&en 
Otto  unb  ber  Surie  fpredjen.76) 

VII.  i.  erwähnt  Slrnolb  üerfd&iebene  ©riefe: 

a.  einen  ©rief  be8  ©rafen  SBityelm  t)on  Qülid^  an  ftönig 


b.  ©riefe  Dtto'ä,  be$  ©omeapitete  ju  6oeln  unb  ber  ©ürger 
wm  6oeln    an   ben  $apft  wegen  be^  Slbfatfe  be£  @rjbifd)of$. 

c.  Antwort  be«  ^apfie«  barauf. 

9tadj  »rnolb  fällt  bie  Ärönung  $f)ilipp'S  (6.  $an.  1205)77) 
5«%n  ben  erften  unb  bie  folgenben  ©riefe,  roonad)  fid)  bie  3ett 
ber  abfaffung  annäljernb  befiimmen  läfet. 

VII.  io.  fityrt  er  bie  ©jcommunicationSbutte  frmocenj  III.  gegen 
Sülbemar  uon  Sd)le3nrig*©remen  an  d.  3».  1208;  über  biefen 
Vorgang  finb  mehrere  ©riefe  erhalten.78) 

2.    Krhunfcen. 

2appenberg79)  ffi^rt  an,  bafe  2lrnolb  bie  Urfunbe  über  bie 
©tünbung  feine«  Äloper*  in  ben  S^yt  aufgenommen  fjabe.  Eljaracte* 
äfNfö  ifi  aber  gerabe  bie  Sttrt  unb  SDBeife  biefer  aufnähme:  er 
ffteibt  fie  nid^t  etwa  als  Urfunbe  abr  fonbem  flicht  fie  in  erjagten* 
bem  Zorn  in  feine  S)arfieUung  ein;  märe  fie  nid^t  fonft  erhalten, 
fo  fönnte  man  au8  ber  ©teile  2lrnolb'3  nid&t  mit  ©eftimmtljeU 

*)  Chron.  Magm  presbyteri.  Mon.  Germ.  bist.  XVII.  p.  523/24.  Jaffa 
reg.  pootif.    p.  900  (n.  10526).     27.  April  1195. 

H)  33gl.  Boehmer,  reg.  imp.  a.  1198  —  1254,  p.  33.  au«fü$rltd)e«  Re- 
gesfaun  »om  8.  3un.  1201. 

n)  ©oefynet  a.  a.  O.  p.  16. 

w)  Uflngcra.  a.  £).  p.  135  ~ 139;  bort  »erben  aud)  bie  ©riefe  unb  Urfunben  citirt. 

w)  Lappenberg,  Praef.  p.  103.  2)a$  „chartaa  praeter  monasterii  sui  ftin- 
^orUm  —  noYiase  non  videtur  "  ifi  tt>of)l  nur  ein  ungenauer  9lu$bnt(f.  3eben* 
W*  ffat  et  btejenigen  Urfunben  gefannt,  bie  er  felbf*  au«jieUt,  ober  in  benen  er 
*  3n%t  auftritt. 


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226 

fließen,  bafe  bcm  SSerfaffer  eine  Urfurtbe  vorgelegen.  SRun  ift  un$ 
aber  au£  ber  $eit  Slrnolb'S  nur  eine  geringe  2lnjal)l  Urfunben  er« 
galten,  roctyrenb  man  annehmen  rnufe,  bafc  beren  fe^r  Diel  mcljr 
auägefteHt  mürben,  aud&  fpcciett  in  Sübedt,  bei  beren  Ausfertigung 
ärnolb  t)äufig  genug  als  3eu9e  f)erange§ogen  fein  wirb;  roatyr* 
fd&einlidtj  tyat  er  fomit  nodj)  weiteres  urfunbltd&eä  BJtateriat  benufct; 
e$  folgen  Ijier  batjer  bie  ©teilen,  roeld&e  auf  verlorenen  Urfunben  §u 
berufen  f feinen:   . 

a)  211$  1181  ber  Äaifer  griebri<$  Sübed  belagerte,  erlangte 
er  non  ben  ©urgent  Eintritt  in  bie  ©tabt,  nadfjbem  er  itjnen  ge* 
nriffe  9ied)te  betätigt  fyatte;80)  audfj  Arnolb  roenbet  ftdf)  bamate  an 
ben  Äaifer  unb  nimmt  oon  ttjm  einige  £öfe;81)  ©raf  2lbolf  erhält 
ju  Sefjn  bie  £älfte  ber  Solle  oon  Sübed.82)  ©$  ift  rooljl  faum  an* 
berd  benfbar,  als  bafe  bicfer  ganje  Vorgang  urfunblid)  noUjogen  ift; 
Slrnolb  fyat  genaue  Äenntmfc  baoon,  ift  babei  felbft  intereffirt:  bafjer 
fd&eint  mir  bie  Sefjauptung  nidEjt  ju  weit  ju  gefjen,  bafj  er  für  biefe 
©teile  Urfunben  oom  Saljre  U8i  für  bie  ©tabt  Sübed,  ben 
©rafen  2lbolf83)  unb  für  fein  Älofter  gefannt  fjat. 

b)  2ln  berfelben  ©teile  a.  1181  fprid&t  Slrnolb  von  einer 
Verlobung  ber  Softer  Sßalbemar'S,  Äönig'S  von  3)änemarf ,  mit 
einem  ©o^ne  griebridfj'ä  I.;  fpäter  füljrt  er  bann  bie  pactio  despon- 
sationis  genau  an  unb  bemerft,  ba&  fie  urfunblid&  frtputirt  fei.84) 
S)ie  fpectetten  SBeftimmungen,  meldte  Slrnolb  au£  biefem  Vertrage 
überliefert,  fo  nrie  ber  Umftanb,  bafe  bie  einzelnen  Seftimmungcn  burd& 
SBergleid&ung  mit  bem  Saxo  Grammaticus  fidE)  al£  rid&tig  ergeben,85) 

80;  9lrn.  II.  21. 

8I)  a.  a.  D.  abbns  autem  —  suseepit  de  manu  ejus  (sc.  imperatoris)  enrtes 
quas  in  civitate  habebat  et  agros  quosdam  in  campo  cjusdein  civitatis,  me- 
diante  domno  Heinrico  episcopo,  qui  easdem  curtes  et  agros  denariis  sui* 
emerat  et  bcate  Dei  genetrici  Marie  sanctoqne  Johanni  ewangeliate 
in  eodem  rnonasterio  optulerat  .  .,  mit  beut  legten  3ufafce  tueift  Slrn.  auf  ein« 
t)on  itnn  felbft  auacjefteltte  Urfunbe  t>on  1183  tyn.  in  ber  er  über  biefelbe 
<&ütie  ä()nlid)e  guflbrficfe  braudjt  («üb.  Urfbb.  I.  n.  VI.). 

8S)  comiti ....  Adolfo  medietatera  tributorum  totius  civitatis  de  theloneis, 
de  molendinis,  de  trapezetis  in  beneficio  dedit  (sc.  iraperator),  tum  quia 
mnltum  imperio  servierst,  tum  quia  propter  ipsum  ad  teropus  exulaverat. 

M)  (Sine  @rtt)d^nung  Ijieöon  jinbet  fid)  nod)  9lrn.  III.  4.  9gl.  Uftn^er, 
3>eutf*.:bdn.  ©efd).  p.  41. 

**)  Hcn.  II.  21.,  III.  2. 

**)  a.  a.  O.  Hec  enim  pactio  desponsationis  fuerat  inter  iraperatorera 
et  regem  Dacie,  ut  quatuor  millia    marcarom  cum  filia  persolvcret,   librata 


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227 

madjen  e«  Ijödjfl  tt)a^rfd^eintid^ ,  bafe  9lmotb  aud)  f)ier  ben  urfunb* 
li$cn  Vertrag  gefannt  unb  beffen  Snljalt  überliefert  fjat. 

c)  SBon  einem  sprimlcgium  unb  beffen  SBeftimmungen  fpridjt 
Stnolb  III.  20,  weld&eS  ben  Särgern  von  griebrid)  üerüeljen,  be* 
fonberS  um  i&re  Siebte  unb  bie  be£  ©rafen  8lbolf  gu  einanber 
abjugrenjen.  Slrnolb  retf)t  ber  $eU  na$  bitftn  Sbfönitt  ein 
juriidjen  ben  Sob  Urban'3,  20.  Dctbr.  1187,  unb  bie  Serljanblung 
Jriebri^  mit  6anutf  ©ommer  H87.80)  2)anadj  foßte  man  Ijier 
eine  Urfunbe  be3  SaljreS  1187  als  ©runblage  für  feinen  SBeridEjt 
wmutljen;  2lmolb'3  ßfjronologie  ift  aber,  nrie  unten  gejeigt  wirb, 
nic^t  fo  flui^altig,  bafe  man  fid)  oljne  SBeitereö  auf  fte  uerlaffen  fann. 
^gro&eSßrfoileg  femer  für  bie  ©tabt  Sübed,  1188  6ept.  I9.,87)ljat 
einjelne  ber  üon  3lrnolb  angeführten  93ejHmmungen,  fo  fdjemt  mir 
fa  Slrnolb:  sie  a  mari  usque  Thodeslo  liboie  fruerentur  fluviis, 
paseuis,  silvis,  e\ceptis  his  que  ad  stipendia  monachorum 
in  Reynevelde  —  deputata  fuerant,  nur  ber  furjgefafete  Qnljalt 
bet  ausführlicheren  SSerlei^ung  in  ber  Urfunbe  ju  fein.  3)ie 
Sdbjaljlungen  ber  Bürger  aber  an  2lbolf  für  bie  Stuffjebung  bc$  3°^ 
w  ber  Ztavt  unb  für  bie  SBiefen  werben  in  ber  Urfunbe  ntdjt 
enodfyit;88)  audj  berietet  Slrnolb  allein  von  häufigen  SBerljanbtungen 
jroifc^cn  ben  jfteitenben  Sßartljeien  burd)  ©efanbte  Dom  £ofe;89)  mir 
Weint  nun  bie  erhaltene  Urfunbe  nur  ba$  enbgültige,  feierliche  tyxu 
wieg  für  bie  ©tabt  Sübed  ju  fein,  roetdjeä  n\6)t  aufliegt,  bafc 
übet  bie  3<*&fongen  u.  bgl.  fpccieHe  Verträge  jroifdjcn  ben  Sßartljeien 
gefc^loffen  ftnb.    2)en  Ort  ber  Serljanblungen  ber  faiferlidjen  ©e* 


poodere  publica,  quod  Karolug  Magnus  instituerat,  et  ut  in  ipso  tempore, 
H«o  filiam  representaret,  partera  peeunie,  prout  sibi  visum  fuisset,  persolveret, 
*  post  »ex  annos  desponsationig,  dum  nubilis  etns  advenisset  —  sex  bebdo- 
rotdibus  prius  peeunia  tota  ex  integro  solveretur.  Hcc  utrobique  privilegiis 
finnata  erant ,  ut  si  quid  horum  negligeretur ,  hec  pactio  sive  desponsatio 
«Tita  hsberetur.  93gL  Uftnger  a.  a.  £>.  p.  60,  p.  52.  Saxo  Grammat  ed. 
SteUcr  unb  9Belf<fcoto  p.  950  nennt  8000  SWarf;  fn  ber  9lnm.  j.  @.  950.  toirb 
fefe  €urame  alß  in  b&n.  SJlarf  angegeben  gffa§t,  unb  ber  9tod)»ef$  geführt, 
*J  8000  bdn.  IR.  ungefähr  ben  4000  3R.  Brnolb'a  entforedjen. 

*)  Ujtnger  p.  60  beredjnet  biefe  3eitbejiimmung  au6  ben  Angaben  be«  obigen 
*rtmge*. 

%1)  Urfbfc.  ber  <§tabt  Sübetf.    I.  n,  VII. 

w)  9tod)  Slrnolb  mußten  bie  ^Bürger  300  unb  200  2Jtorf  jaulen. 

*)  Cum  —  et  ipse  (sc.  imp.)  frequenter  suos  ad  pacem  inter  eos  refor- 
delegasset, . . . 


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228 

fanbten,  bcr  SBürger  unb  bcr  ©rafen  tyat  man  benn  rooljl  in  Sübed 
XU  fe^cn,  unb  2lrnolb  fdjöpft  aus  biefcn  Verträgen. 

d)  SHei;nUrf)e  SSetljanblungen  fdjeinen  1185  üon  Seiten  be£ 
ÄatferS  mit  bem  $erjog  SBernarb  einerseits,  ben  ©rafen  2tbotf 
üon  ©Naumburg,  Sernarb  tum  9iafceburg  unb  ©unjelin  oon 
6d)roerm,  bie  bem  föerjoge  Sauenburg  jerftört  Ratten,  anbrerieitö 
geführt  ju  fein,  um  biefelben  ju  wrföfjnen.  Slrnolb'S  einge^enbe 
Angabe  fann  roofjl  aud)  nur  auf  ber  Äenntnife  be3  Vertrags  berufen, 
ber  au$  biefem  2tnlaffe  tua^r^einlid^  in  Sübecf  gefäloffen  mürbe.90) 

e)  ©<$on  bie  beiben  kfyzn  Urfunbcn  jeigen  atö  beteiligten 
ben  ©rafen  ätbolf  von  ©d&aumburg.  2lud&  fonfi  finben  mir  bei 
ärnotb  über  tljn  eine  Steige  fpecießer  $ad)ri$ten;91)  Ijter  nrill  tdj 
nur  fünf  Verträge  Ijeroorfjeben,  bie  biefer  ©raf  eingebt,  ober  bie  U)n 
bodj  berühren,  unb  bei  beren  ßrroäfinung  älmolb  immer  genaue 
Sftadjridjten,  beftimmte  Summen  unb  bergteidjen  anführt,  fo  ba& 
itym  gerabe  üon  biefer  ©eite  urfunblidjeS  Material  jugefloffen  ju 
fein  fdfjeint: 

III.  13.  Qui  (sc.  Adolfus)  animadvertens  in  hac  posses- 
sione  causam  suam  non  satis  justam,  eandem  quidem  cometiam 
resignavit,  sed  ab  episcopo  (sc.  arciriepiscopo  Hartwico  II.)  ducentos 
modios  avene  Stadonsis  mensure  in  benefleio  stabili  aeeepit.92) 

V.  12.  Capta  autem  civitate  (sc.  Lubeca)  Adolphus  ad 
imperatorem  profectu3  est,  qui  pro  labore  suo  omnes  reditus 
civitatis  liberalissime  ei  permisit.93) 


M)  9lrn.  III,  7:  Discordantes  ctiam  a  duce  Bcrnardo,  Adolf  am  comitem, 
Bernaidura  et  Guncclinum  propter  causas  supra  dietas  ad  concordiara  refor- 
mavit,  ca  conditione,  ut  Adolfus  comes  septingentas  marcas  denariorum  ei 
persolveret,  et  sie  gratiam  ejus  pro  Castro  destrueto  inveniret  et  terram  quo 
Radecowc  attinet  cum  civitate  Todeslo,  quam  Bemardus  dux  requirebat, 
libere  obtineret;  Bemardus  vero  comes  trecentas  marcas  persolveret  et  toti- 
dem  Guncelinus;  omnes  tarnen  castrum  destruetum  reediiieare  studerent. 
Sögt.  Uftnger  p.  41/42.  3)a  bei  9lrn.  tiefet  SBergleid)  auf  bie  Seenbfgung  *on  (Sanuf* 
©la&enfrieg  folgt,  bet  nad)  Uftnger  p.  55  9lnm.  in'«  3al)r  1185  gehört,  fe  if* 
et  toefjl  aud)  nod)  in  eben  tiefe«  3afjr  ju  fefcen. 

91)  @o  befonberä  auf  bem  Äreu^uge  »on  1197  tritt  er  fefyr  in  ben  93orbergrunb. 

M)  3>iefer  ©ergleid)  geljort  in  bie  3eit  »om  25.  3an.— £>ctb.  1185;  toa^r= 
fdjelnlid)  folgt  er  fel)r  balb  bem  Regierungsantritt  $artn>id)*  II.,  25.  3an.  1185, 
er  getyt  nad)  2lrn.  a.  a.  O.  ber  Stütffeljr  £einrid)'«,  bea  8ön>en,  vorauf  (Dct. 
1185  ann.  Weingart.)  fcgl.  Uflnger  p.  44. 

M)  3)ie  3eit  ff*  nidjt  genau  ju  befiimmen.  Uflnger  p.  47  ff:  nad)  ber 
dinnaijme  Sübecf«  1191  unb   vor  bem  8.  3uli   1194  (Uflnger  p.  48  Änm.  l). 


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229 

V.  22.  Quo  (sc.  imperatore)  reverso  domnus  archiepiscopus 
(sc.  Hartwigus)  600tis  marcis  gratiam  ejus  meruit,  et  comes 
cometiam  Stadii  in  beneflcio  suscepit  cum  tertia  parte  redituum.94) 

VI.  12.  Postea  —  comes  Adolfus  ad  gratiam  palatini  venit 
et  facti  sunt  amicissimi,  ita  ut  dux  patrimonio  suo,  quod  circa 
fluviuni  qui  Gamme  dicitur  habebat,  eum  inbeneficiaret  et  comes 
septingentas  marcas  ei  persolveret.96) 

3Jon  bcn  Acuten  bc£  ©rafen  3lbolf  werben  $einrid/3  be$ 
SöToen  ipeerfityret,  bet  @raf  £elmotb  unb  ber  Studjfef*  ^orban 
gefangen  1190,  wa^tenb  SHbolf  auf  ber  5ßÜ9erfaf)rt  ift: 

V.  2.  Postea  vero  a  captivitate  soluti  sunt,  Uelmoldo  persol- 
vente trecentas  marcas  denariorum  et  Jordane,  quia  peeuniosus 
erat,  sexcentas  marcas  argenti.96) 

0  Ob  bie  genauen  Seftimmungen,  unter  benen  £einridj  ber 
Sötoe  mit  beut  Äönig  £eintid)  1190  in  gulba  grieben  fdjiiefjt, 
einer  Utfunbe  entnommen,  laffe  id)  bafyin  gefteUt;  roofyer  fie  bem 
Sutor  gefommen  fein  fönnten,  jeigt  bie  eine  93eftimmung,  weldje 
ttadj  iljm  audj  ju  bem  grieben^certrage  gehörte,  nämlidj  3lrn.  V.  3: 
Liubecam  vero  civitatem  dono  regis  dimidiam  haberet  (sc.  Hein- 
Heus  Leo),  dimidietatem  vero  comes  Adolfus  cum  omni  terra 
sua  quiete  possideret.97)  —  ©eroufct  §at  Slntotb  ober  bod)  beffen 
@eroa^rSmann ,  ber  93if<$of  §eintid)  pon  Sübecf,98,  auä)  von  ber 
no$  erhaltenen  ttrfunbe,  bie  Jpeinrid)  ber  ?öroe  in  Serufalem  au$* 
fteHte.99) 


Mon.  Germ.  List.  XXI.  p.  187  8nm.  40  jefgt,   bajj  Äbolf  am  28.  Sunt   1193 
Wm  Äaifet  in  SBorm«  fld>  aufhält.    (Sacomblet  9tiebetrftein.  Urfbb.  I.  377.) 

MJ  25.  Däbx.  1195  gu  ©einkaufen.  $amb.  Urfbb.  1. 307.  Uftnger  p.  49  2lnm.  4. 

*)  SBafjtfäeinli*  *•  1201  n*Ü  Ufinger  p.  95/6.  Slnui.  3. 

M)  Wut  eine,  jeitlia)  unb  crtlid)  entfernter  liegenbe  Urfunbe  fd)eiut  Slrnclb, 
totm'gften*  bem  Sntyalte  nadj,  gefannt  gu  ljaben;  bat  ift  bie  nicM  meljr  erhaltene 
Hrfimbe  übet  tun  Jtouf  ber  ©üter  fciänid)  unb  (Solbij  für  500  ättarf  ücm  ©rafen 
Äibobo  burd)  grlebr.  I.  9trn.  VII.  16.  9Kad)  einer  Urfunbe  in:  Orig.  Guelf.  III. 
P-  466  a.  U57  (bti  SJoetymer  %$.  p.  126,  a.  1158,  1.  San.)  überträgt  griebr.I. 
Wefe  ©fttet  toiebet  an  ba*  SReid),  erwähnt  audj  beä  früheren  flaufe$,  ofjne  aber  bie 
Summe  gu  nennen. 

•*)  Slud)  bem  Verträge  gteifa^en  Slbolf  unb  äöalbemar  a.  1203  toirb  ein 
$*>Um  }u  ©runbe  gelegt  fein,  unb  9lrnoIb'$  genaue  9lad)rid)ten  VI.  17  (grei; 
kffiwg  be*  trafen  nad)  ©eifeljteUung  ic.)  flnb  möglidjertveife  bemfelben  ents 
wwnen.    ©gl  Ufinger  p.  116/117,  ber  aud)  bie  3eit  betf  ©ertrage*  beftimmt. 

*•)  SBgl.  unten  p.  44. 

")  %xn.  L  7  unb  Orig.  Guelf.  III.  p.  76  u.  516. 

3* 


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230 

©rroctynt  werben  von  tfjm  nodj  privilogia  über  baS  Patrimonium 
ber  ©räftn  3Jtotf)tlbe  Don  SuScien,  bie  beibe  ^artfjeien  jur  Qx* 
Härtung  ifjrer  SHnfprüdje  beibringen100)  unb  ein  mandatum  impe- 
ratoris,1)  ben  SBremem  erteilt  in  Sejug  auf  ben  Streit  über  bie' 
SBefefcung  beS  ©rsftu^lc^- 

3.    Jiporifdjt  ^uf?tidjttungen. 

©<$n>ierigfeiten  mad)t  bie  Beantwortung  ber  grage,  ob  Sämolb 
Ijiftorifdje  Slufjeid&nungen  für  feine  Gfiromf  benufet  §at,  einmal 
weil  er  cS  mdjt  liebt,  ju  citiren,  bann  aber  aud),  weit  bie  äu&ere 
$orm,  ©tpl  unb  ©dfjreibroeife  feiner  ßljronif  oon  Anfang  biß  ju 
6nbe  gleichmäßig  i^m  felbft  angehören;  aud)  bie  bis  jefct  als  fremb 
nad&genriefenen  Steile  finb  in  ifjrer  gorm  nid^t  unoeränbert  in  fein 
23ud)  aufgenommen;2)  auf  wörtliche  2(nflänge  an  anbre  Slufjeid^ 
nungen  muß  man  ba^er  bei  iljm  fo  jtemlid)  t)crjid)ten. 

Sappenberg3)  mad)t  auf  Uebcreinftimmungen  mit  ben  animl. 
Colon,  max.  aufmerffam,  oljne  jcbod)  etwas  SBcttereS  barauS  ju 
folgern     $)aS  Serljältnijs  Strnolb'S  su  biefen  mag  folgen: 

Slrnolb    unb   bie   Annal.   Colon,    max.4) 

£)ie  annal.  Colon,  max.  Ijaben  ifjre  6ntftet)ung  ücrfdjiebenen 
ß^ronifien  ju  Derbanfen. 

Seemann5)  weift  ben  Xfjetl  für  bie  Satire  1176— 1203,6)  unb  ben 
für  1203- 12 167)  als  jwei  SScrfaffcm  jufommcnb  nadj.  dasjenige, 
waS  Sappenberg  für  wörtli$e#  Ucbereinfttmmung  genommen,  bejieljt 
fid^  nur  auf  bie  3af)re  1176—1203,  alfo  auf  ben  erften  2lbfd;nitt; 
baS  SBerljältnifj  ju  2lmolb  fönnte  alfo  nur  fo  fein,  baftärnolb  bie 


10°)  91t n.  HI.  1  ] :  Curaquc  in  argumentum  probandi  testamenti  ex 
utraque  parte  privilegia  porrigerentur,  .  . 

*)  Sltn.  V.  21 :  Civcs  vero,  qui  mandatum  cesaris  habebant  9lud)  V.  22 
fprid)t  Sltnolb  fcon  einem  mandatum  imperatoris,  nad)  fteldjem  Slbolf  bie  ®raf* 
fd>aft  (Stabe  unb  anbere  bifd)6fHd)en  SBefifcungen  inue  tjatte. 

*)  UnDeränbert  weniajien«  nur  bie  ©riefe,  bie  er  mit  voller  Ueberfdjrlft  bringt. 

8)   Lappenberg,  Praef.  p.  103. 

4)  Annales  Colonienses  max.  Mon.  Germ.  bist.  XVII.  p.  72Ä  f. 

R)  SW.  fceljmann.  De  nnnalibus  qui  vocantur  Colonienses  max  im  i  etc. 
Berlin  1867. 

e)  SR.  Seemann  a.  a.  D.  p.  51. 

7)  a.  a.  D.  p.  60. 


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231 


ßöfoer  3al)rbüd)er  bettu^t  fjat,  ober  beibe  einet  gemeinfamen 
©runblagc  genriffe  9?adf)ridjten  wrbanfen.  3)ie  einzelnen,  Don  Sappen- 
berg  audf)  fd&on  angemerften  ^Jartljien  finb  folgenbe: 

1.  $>ie  3Rainjer  ipodfjjeU  a.   ii84.    2>er  Serid&t  ber  beiben 
^ronifen  Ijat  fofgenbe  wörtliche  ÜebereinfHmmungen: 


Annal.  Colon,  max.  p.  791. 

a.  d.  1184  imperator  curiam  adeo 
eclebrem  et  famosaro-  omni  Romano 
orbi  babuit  in  civitate  Mogonticnsi, 
—  —  quod  filius  imperatoris  rex 
Heinricus  ense  miliciac  accingendus 
erat  ibi. 


9lrnolb  a.  Sübetf.  III.  9. 
In  illo  tempore  Frithericus  Impera- 
tor edixit  curiam  famosissimain  et 
celeberrimnm  apud  Moguntiam,  que 
celebrata  est  in  pentecosteu,  anno 
verbi  incarnati  11828)  — ,  ubi  filium 
suum  Hcnricum  regem  militem  de- 
clararet  et  gladium  militio  super 
femur  ejus  fortissimum  accingeret 

Seibe  fpred&en  fie  bann  uon  bet  gülle  bet  Sebengmittel  für 
bte  große  Slnja^l  ber  ©äfte  unb  uon  bem  (Sinfturj  eines  £oljge* 
bäube&  Simolb  ift  bei  weitem  au3füf)rlid|er,  Gilbert  äu^crfl  lebhaft. 
©eibe  ßrjäljlungen  mad&en  einen  burd)au$  oerfdjiebenen  Sinbrudt;  an 
einen  3ufammcnl)ang  fc^eint  mir  nid&t  ju  benfen  ju  fein:  bie  2Ui$brüdte 
celeber  unb  famosus  finb  ju  geroöljnlidf),  um  au$  i^rem  3?orfommeu 
bei  jroei  ©d&riftfteßem  auf  Serraanbtfd&aft  ju  fdjjlic&en;  cnso  militio 
aaingi  ober  gladium  militie  accingere  fd&eintber  tedfomfdfje  2tu$brud 
JU  fein,  auä)  bie  annal.  Pegav.  f)aben  f)ier  gladio  accingorc.9) 

2.  2lef)nUd()e3  erjagten  5Km.  u.  Ann.  Col.  max.  über  ba£  rüdt* 
fidjtalofe  SSorge^en  ipeinridE)^  VI.  gegen  bie  ©eiftUdftfeit,  aber  nur 
fo,  bafe  ann.  Col.  max.  fagen:  §einrid^  fei  rüdfftdf)t$lo£  vorgegangen,10) 
roäljrenb  Slrnolb  jroei  foldfje  gätte  anführt:11)  alfo  burdEjauS  nidfjtö  be* 
wifenb  für  einen  etmaigen  3ufammcnf)ang. 

3.  fcenfelben  päpfUidfjen  2Iu£fpru(Ij  bringen  beibe  jum  3.  1185: 


Ann.   Col.    max.   p.    79  1. 
Fertur   papa   respondisse    — ,    non 
esse    conveniens    duos    imperatores 
preessc  Romano  imperio. 


«rnolb  ».  «übeef.    III.  11. 
Diccbat  cniin  apostolicus,  non  posse 
simul  duos  imperatores  regnaro, . . 


")  2d)on  (Sotyn,  ®eztt.  fiel.  9lnj.  1866  p.  GOl  ff.,  nimmt  für  öigamamen  in 

*m.  an,  ba§  ber  Xert  an  mehreren  ©teilen  tterberbt  fei.     Qbenfo  batf  man    auf 

&rtoerberbuna.  tuetyl  berartuje  geljler,  wie  fie  l)ier  im  Datum  üorfommen,  fdjieben. 

*\  Ann.  Pegav.  a.  1184  Mon.  Germ.  hist.  XVI.  p.  265. 

w)  Ann.  Col.  max.  a.  1185  p.    791:    Filius    imperatoris    insolenter  agcre 

et  res  alienas  diripere  coepit. 

n)  Hin.  III.  n  :    <$.  tyabt  bie  Raufet  einiger  Domherrn  ju  (Soblen j  gerfiört. 
Ära.  III.  17;  •&.  Ijabe  einen  93ifa>f  burd)  feinen  Jftiety  fdjlagen  laffen. 


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232 

©djon  baS  „fortur"  bct  ann.  Colon,  jetgt,  ba&  bicS  SHctum 
rooljl  einem  mfinblicljen  SBerid^t  entflammt.  (Sin  betartiger  3tuSfpru$ 
mag  bamalS  oon  3Jhinbe  ju  SKunbe  gegangen  fein:  für  bie  gefi* 
fteflung  be£  SJer^ättniffcS  ber  beiben  ßfjrontfen  tji  er  irrelevant. 

4.     Ann.    Col.   max.  p.  791.         |  Slrnolb   ü.  Sübetf.    III.  13. 


a.  d.  1185.  Duz  Saxoniae  per- 
actis  exulationis  suao  annis  de  An- 
glia  rediit,  proprio  tan  tum  contentus 
patrimonio. 


III.  13:    Hac  serie  temporum  dux 
Heinricns  transactis  diobus   percgri- 
nationis   sue  reversus    est  in   terram 
patrum   suorum,  et  aedit  in  Bruncs- 
I   wich,  contentus  patrimonio  suo. 

Sine  2lef)nltd)feU  in  biefer  ©teile  ift  untrennbar,  bo<$  betfen 
fid)  bie  SBorte  mit  2lu£nal)me  ber  allerlefcten  burdjauS  nidjt,  unb 
fo  lange  nur  biefe  eine  ©teile  atiein  bafte^t  f  wirb  man  bie  Sle^n^ 
lidtfeit  auf  Äoften  be3  3ufa^  8U  f*|w  §aben. 

2)ie3  finb  btejentgen  ©teilen,  bie  eine  mörtlidje  Uebereinjiimmung 
ber  beiben  ßljronifen  ftii^en  mü&ten,  bie  aber  unmöglich  ju  btefem 
3medEe  ausreißen,  ©eroid^t  nrirb  bie  SBergleidjung  ber  beiben  (Sljro* 
ntfen  nadf)  ifjrer  ^artljeiridfjtung  unb  ben  gacten,  bie  tynen  eigene 
t^ümlid)  ftnb,  Ijaben. 

Seemann  §at  nad)geuriefen,  ba&  ber  §ier  in  ©etrad&t  ju  jief>enbe 
Slbfdjnitt  ber  annal.  Col.  max.  fein  unparttjeüfdjeä  ©epräge  $at, 
fonbern  ftarf  ju  ©unften  be$  2Hfd)of3  $ljitipp  gefärbt  ift;12)  gerabe 
2Imolb  ergänjt  ifjn  unb  ficHt  bie  Vorgänge  in  rtd)tige3  Sidfjt,  fo 
ücrfdjrocigt  ber  Soelner  E^ronifl  ben  ©treit  be$  ©rjbtfdjofs  $l)iüpp 
mit  bem  3lbte  üon  gulba;13)  ben  ©erbaut  beS  ÄatferS,  $f)itipp 
Ijabe  bei  feiner  ©cfanbfddaftSreife  nadj  (Snglanb  ftd)  mit  igeinrid) 
bem  Sömen  auSgefötjnt;14)  bie  ©efangennaljme  ber  £>utöburget 
Äaufleute;15)  ^fjiltpp'S  fortbleiben  oon  ber  ^od^jeit  ^einridj'S  VI.,16) 
aHc£  fünfte,  bie  ber  (Soelner  3e^genorfe  roiffen  muftte  unb  bie  gerabe 
3lrnolb  ermähnt;  man  fteljt  barauä,  ba&  3lrnolb  über  ben  Sifdjof  oon 
©oeln  fcljr  gut  unterrichtet  ift,  aber  md)t  burd)  bie  Soelner  Slnnalen 
biefer  Safjre.  ß3  erfdjeint  fo  rooljl  unmöglich,  einen  ßufammen« 
Ijang  ber  beiben  ßfjronifen  als  wa$rf$cintid)  aufregt  ju  erhalten. 


")  Seemann  a.  a.  O.  p.  52/3. 
")  s4rn.  III.  9. 
")  3tm.  III.  11. 
15)  Hrn.  III.  11. 

lä)  2lrn.  III.  u.    9tod>rid)ten ,  bie  in   eben  bie  3aljte  geboren,  au6  benen 
oben  Uebereinflimmung  angeführt  würbe. 


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233 

2lu£  Ueberetnfliimnungen  jrotfdjen  9trnolb  unb  beut  Chron. 
rythm.  Brunswicenso,  fcmrie  bcr  fäc^fifd^cn  Äaiferdjronif  be$  (Sife 
oon  SRepgoro  folgert  Sappenberg,  bafe  2lrnolb  eine  ©ac^fenc^tomf17) 
benu|t  Ijabe,  bie  von  ben  betben  anbeten  bann  aud)  gefannt  fein 


Slrnolb    unb    bie   23rannfd)toeiger   fftt imdjronif.18) 

$)ie  Sraunfdjroeiger  9teimd)romf,  ctroa  90  Seilte  nad)  2lmolb 
Derfafjt,'9)  fann  biefen  alfo  nnr  benufct  ober  gemeinfame  Quellen 
mit  $m  ljaben.  Sfjetlroeife  finb  bie  Quellen  ber  SReim^ronif  be* 
fannt;  fo  weift  ßofm  in  i^nen  bie  Steberburger  2lnnalen  nad)-,20) 
für  bie  t)ier  in  Setrad&t  lommenben  ^artfyien  ift  ein  fotd&er  9tod)* 
rocte  nodj  nid&t  geführt.  5Wur  jtuci  Stellen  jeigen  eine  geuriffe 
8el)nÜdjfeU  mit  Slrnolb :  bie  <Sd)ilberung  ber  Belagerung  93raun* 
fdjtoeig'S  a.  1200  unb  bie  be«  SReidjStag'a  ju  granffurt  1208. 

55on  1197  an  jeidjnet  ftd)  bie  ©raunfdjroetgifdje  Sfteimdjroni! 
butc§  eine  fe^r  geregelte  Senologie  au£;  roäljrenb  fte  bis  bafjin 
m  9anj  jerftreute  SafjreSbaten  Ijat,  fo  bringt  fie  1197—1209 
kbe§  3a^r  genau  t>er}eid)net,  nad$er  wirb  fie  nrieber  unreget* 
mäfeiger*,21)  biefeS  weift  f)icr  bei  iljr  auf  eine  annaliftifdje  Vorlage 
f>in,  bie  in  2lrnolb,  ber  in  prostaten  fefjr  unregelmäßig  ift,  nid^t 
}u  fudjen  ift;  in  biefem  2lbfd)nitte  ftnben  fid)  nun  audj  bie  beiben 
ernannten  Sßartljten. 

1.  35ie  Belagerung  33raunfdjroeig'8  1200.  ©cfjr  ausführlich 
Gilbert  ba$  Chron.  rythm.22)  ben  2lnjug  bcr  prften  gegen  bie 
Stobt,  ermähnt  ben  3?erfu$  be$  ^faljgrafen,  fi$  mit  bem  Äönig 
Wfyp  auäjuföfjnen  unb  mehrere«,  rooüon  bei  ärnolb  feine  ©pur 

")  Lappenb.  praef:  Chronico  quodam  ^axonum  usus  esse  videtur. 

,h)  SS.  rer.  Brunswic.  cd.  LeibniU.  III. 

19)  £>.  Seren*,  <Deutfd)lb'a  @efd)id)t*q.  i.  SR.-.«,  p.  155/6. 

*°)  A.  Cobn,  diss.:  de  rebus  intcr  Henricura  sextura  imperatorem  et 
Hmricum  Leonem  actis,  Bresl.  1856  p.  18-24,  »fl<t)f  3)ifffttation  tton  D. 
*wn$  nidrt  gefannt  toirb. 

,l)  Chron.  rythm.  Brunsw.  p.  K5  a.  1195,  p.  88  a.  1197  (bie  9lu*gabe  $at 
U98;  bü  e*  aber  ^elnrid)'«  VI.  $obe«jal>r  fein  foll,  fo  ift  ber  geiler  toolj! 
ton  Herausgeber  iu§ufd)reiben),  p.  88  a.  1198  (nur  angebeutet  gegenüber  bem 
»engen  3)atam  burd)  darna  to  mitfasten),  p.  94  a.  1198,  p.  96,  ber  ©inter 
I«.  a.  1199)  ertoätynt,  p.  96  a.  1800,  p.  101  a.  1201,  p.  102  a.  1202,  p.  103 
*.  1203,  p.  106  a.  1204,  p.  107  a.  1205,  p.  110  a.  1206,  p.  112,  to  den 
P**hen  over  eyn  jar  (a.  1207),  p.  113  a.  1208,  p.  117  a.  1209,  bann  1212, 
UU  K. 

ö)  p.  »8. 


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234 


ift  SRur  bei  bem  eigentlichen, 
©türm  auf  bie  ©tabt,  treffen 
nod)  fo,  bafc  fte  fefyr  rooljl  ate 
betrauten  ftnb: 

Chron.   rythm.  Brunsw. 
p.  99: 
Gewapent  wart  vil  mannich  man 
Unde  störmeden  de  veste 
de  wart  ervollet  leider  geste 
mit  einer  overgroten    rote 
nach  des  konings  geböte 
do  dar  vor  lag 
unde  vil  groter  Herschap   plach 


Don  bem  ?ßfaljgrafen  abgewiesenen 
fidf)  bie  Starftellungen  ,  bod)  immer 
felbflänbig  neben  einanber  ftefjenb  ju 


»tnolb   ü.   Sübetf.    VI.  4. 

Adversarii  tarnen  ipsam  civitatem 
circa  monasterium  beati  Egidii  intran- 
tes  et  pontem  oecupantes,  ipsam 
fere  civitatem  irrupörant 

golflt  ebenfalls  ba*  Slbweifen  be*  »ns 
fltiff«. 


@ef>r  ätjnlid)  bei  Hrn.  a  a  £). 


Der  stürm  wardt  so  kreftig  und  so 
lang 

dat  de  werden   helde   balt 

Qnemcn  mit  kraft  unde   gewalt 

wente  an  de  lange  brücke, 

dat  eo  wart  nicht  all  ör  glücke. 

(Si  folgt,  bafj  bie  Singreifer  lurücfge* 
fdjlcujen  »erben. 

p.  100.  $ie  (Sbronif  fd)reibt  bie  fRtU 
tuug  ber  ©tobt  bem  l>eil.  Sluctor  jn,  beflen 
Srandferirung  nad)  33raunfd)tt>etg  babei 
gefd)übert  wirb. 

yiäü)  biefer  Sefdjreibung  unb  bem  greife  beS  ^eiligen  gelten 
bie  SBeridjte  urieber  ganj  au£ctnanber.  Stmolb  fyat  l;auptfäd^lid^ 
bie  33ejugna^me  auf  ba$  ®gibtcn*$lofter  mef)r,  beffen  Sd)itffale  er 
bei  biefer  ^Belagerung  nod&  weiter  ausführt. 

2.  ©er  &oftag  ju  granffurt  a/3M.  1208.  2lud)  Ijier  ergiebt 
eine  SSerglei^ung  roieber  biefelben  SRefultate.  ßroei  unabhängige, 
felbfiönbige  Scripte  treffen  fid)  nur  in  ber  eigentlich  bramatifdjen 
©cene  be§  £oftag§,  um  fid)  bann  roieber  ju  trennen: 


Chron.    rythm.    Brunsw. 
p.   115:  —   ok   quam  dat  megetin 
Koning  Philippns  dochterlin 
darmtdden    an   den   ring: 
da  gegenwordig  was  de  konig 
unde  de  forsten  albedille 
an    einen   tuchtichliken   willen 
Leit  sok  Beatrix,  dat  megetin 


«molb   ö.   Sübetf.    VII.  14. 

Aderat  ibi  Beatrix,  filia  Phi- 
lippi  regis ,  cum  suis  submittens 
se  gratie  domni  regis.  Quam  pro- 
duxit  domnus  Spirensis.83)  Que  elc- 
vata  voce  cum  gemitu  et  suspiriis  et 
lacrimis  multis  conquesta  est  domno 
rcgi  et  prineipibus  presenübus  et  in 


*3)  2)en  flanjlet  von  <5peier  erwähnt  aud)  bie  fReimdjronif  p.  115 


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235 


commune  toto  orbi  Romano  de  im- 
pia  mortc  patris  sni  et  de  impia 
conspirationo  Ottonis  palatini,  qui 
enm  insidiose,  nil  tale  suspicantem, 
in  propria  domo  oeeidit.  Com  hec 
dicerentur,  facta  est  pressure  magna 
coram  rege  condolentium  querimo- 
niis  regine,  qui  omnes  obortis  la- 
crimis  tantain  miseriam  deflebant  et 
justitiam  regine  fieri  postulabant.  Cla- 
mabant  sane:  si  scelus  perpetratum 
inultum  maneret,  neque  rex  neque 
quilibet  prineipum  secureviveie  pos- 
set.  Ad  voluntatem  igitur  omnium 
domnus  rex  proscriptiono  publica 
dampnavit  homieidam  illum,  — 


dat  so  schoene  was  nnde  so   fin, 
Vor  des  konings  vote  neder, 
mit  grotem  tome  screig  se  seder, 
ondc  bntwrako  over  den  m Order, 
de  oren   vader    sonder  sake  unde 

werder 
Hedde  gemordet  unde  geslagen. 
Alle  de  dat  sagen, 
Beide  de  jungen  unde  de  alden 
Or  nu  neyn  sek  des  künden  enthalten 
8e   weynden   mit  der  junevrowen 
Dorch  dat  jamerlike  schowen 
Ek  wone,  dat  sulk  gebere 
Demc  koninge  neyn  froide  were. 
He  satte  sik  to  geriebte 
Na  königlicher  pflichte 
Mit  vil  groter  ere, 
unde  vorvestede  den  mordere 
unde  legede  al  sin  gut  fredelos, 
also   ek   an  der  Bcrift  kos. 

g$  folgt  bann  bie  ©efe^nung  be$  §erjog$  t>on  SBaiem  mit  ben 
®fitern  be$  2Bittel3badf)er  Sßfaljgrafen,  xoa&  2trnolb  fdfjon  nic^t  mcljr  l)at. 

Sie  Sraunfdjjmeiger  Steimdfjromf  fc^cint  am  ©bluffe  bet  Glxiäfy 
fong  auf  eine  fd&riftlidfie  Quelle  Ijinjuroeifen;  bod^  ftimmen  2lmolbunb 
kie  Sleimd&romf  nid&t  fo  übercin,  bajs  etwa  2lrnolb  biefe  Quelle  für  bie 
Sieim^tonif  ip ;  e$  märe  aud)  merf  roürbig,  wenn  bie  SRetmd&romf  Slmolb 
jjefannt  unb  nur  biefe  beiben  ©dfjilberungen  barauS  entlehnt  Ijätte. 
3n  beiben  gätten  f feinen  mir  anbre  Stufyeidfjnungen  oorjutiegen; 
über  bie  Belagerung  Sraunfdjroeig'S  mag  man  eine  eigne  Sfafjeidfj* 
wng  gemalt  —  man  Ijat  ja  bamalS  foldje  6pecial^®rjä^lungen  — ,24) 
unb  ämolb  biefe  bann  au«  bem  6gibien*Älofter  mit  §injufügung 
tmiger  für  ba$  Älofter  mistiger  ©reigniffe  erhalten  §aben.  3lu<$ 
in  Setreff  bc£  granffurter  ^ofs  glaube  i<$,  bafj  unter  ben  Dielen 
Jürften,  Gittern  unb  ©eiftüdjen,  bie  ftd&  bort  oerfammelten,  fidf)  ein 
getflli^er  ober  meltlid&er  §err  gefunben,  ber  bie  rüfjrenben  33or* 
flänge  in  Sßrofa  ober  fiiebeSform  ber  fWad^roelt  überlieferte;  eine 
K%  Raffung  fonnte  bann  leidjt  in  beibe  ©(jrontfen  Eingang 
ftnben.  am  aHerlefcten  mürbe  \ä)  aber  au$  ber  Uebereinftimmung 
jwj  oereinjelter  befdfjreibenber  ©teilen  auf  ein  chronioon  Saxonum 
«I*  ©runblage  fd&liefjen. 

*)  Sc  j.  SB.  ifr  ehalten  ein  X^cil  eine«  ©ebtdjte  im  Chron.  llalberstad.  über  ben 
Staat  «en$a(Mtafeta.  1179.   Chron.  Halberstadense  ed.  @d)dfr  1839  p.  60/61. 


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J36 

Sappenberg  ftüfct  feine  Slnftdjt  über  ba«  gu  ©runbe  liegenbe 
Chronicon  Saxonum  femer  auf  Stnflänge  an  bie  2lu3brucf£weife 
ber  Stepgo  w'föen  6f)ronif: 

Sltnolb  unb   bie  feg.   SKepgeto'fdje  (5  Ij  r  o  n  l  f  .*5) 

SDie  Sftepgow'fdje  ßljronif  fommt  Ijier  in  bem  Steile  btö  1204  in 
SBcttad^t20;  Qfjre  Quellen  nadf)  1173,  befonber3  für  bie  ausführlichen 
3>aljre  1179— 8 l,  finb  nid^t  na<$wetebar.2T)  ©ine  eingeljenbe  2$er* 
gleidfjung  mit  2Iruolb  jeigt,  bajj  beibe  unbeeinflußt  von  einanbet  be* 
rieten;  aUerbingS  finben  fidf)  fogenannteUebereinftimmungen,  bo$  fjnb 
biefetben  fefjr  gering  unb  feinen  mir  bei  ©d&riftftcllern,  weldje  bie- 
felben  33erf)ältniffe  f Silbern,  unocrmetbltdr,  bie3  jetgt  am  beften,  bafe 
man  aus  anberen  ßljronifen,  meldte  mit  einiger  2lu£füf)rlid}feit  fdrf>^ 
fifdfje  äJerljättniffe  fd&tlbern,  aud)  bei  genauem  ©ud&en  foldbe  Sle^n^ 
Udt)fciten  ^erau^jtnben  fann,  fo  au&  bem  Chronicon  Sampetrinum;*8) 
e$  mögen  einige  äljnlidje  Stellen  2trnolb'£  unb  ber  Äaiferd&rontf 
folgen: 

Ärnolb    *.    Sübccf.  |  Chron.    Repg. 

II.  4:    In  diebus  autem  Ulis  Hein-   j       p.  422:     Do    hertoge    Hinric    van 
ricus    dux    cum    gravi    expeditione   |   Brunswic  vor  to  Wcncdcn  vor  Damin. 
Sclaviam    intraverat    et    expugnabat 
castrum  Dymin. 

II.  13:  Tlures  tarnen  a  militibus 
in  capti vi tatem  dneti  sunt,  intcr  quos 
preeipuus  erat  coraes  Simon  de  Tc- 
keneburg. 

©erartige  geringe  8le$nli$feitcn  ließen  ftdfj  nodlj  weiter  oer^ 
folgen,  bagegen  finb  bie  2lbwetdjungen  überall  fo,  wie  in  jwei  un* 
abhängigen  SBerfen. 

2ludj  Don  anberen  früheren  ober  gleichseitigen  ßfjronifen  fdfjeint 
Slmotb  für  bie  ifyn  örtlid)  nalje  fiefjenben  Vorgänge  -Jttd&tS  entlehnt 
ju  Ijaben,  fid>  alfo  wollt  ba,  wo  er  nidjjt  gegenwärtig  war,  auf  Sc- 
ripte näljer  ftefjenbcr  $erfonen  ju  ocrlaffen. 

S)ie  au«  ben  ooraufgegangenen  Slbfdfjnitten  ju  jieljenben  9te* 
fultate  fmb  alfo:  .2lnnalen,  S^ronifen  feiner  eignen  ober  ber  üot* 


p.  426:  unde  vengen  grJlvcn  Si- 
mone von  Tokencburg  uude  wol  dre- 
hundert  ridderc. 


2Ö)  2)a«  3eitbud)  be«  öife  »on  JRfpgoto  ed.  «&.  g.  SWaffmann  1857. 

2«)  93gl.  SBaUenbad),  5).  ©.  p.  507. 

")  ®.  ffiaifc,  Ueber  eine  fädtf.  äaiferd)rontf.  (Bottt.  1863  p.  32;  6i6  1173 
Ijat  fle  bie  annal.  Palid.  benufct. 

*s)  Cbron.  Sampetr,  ed.  $runo  ©tübel  in :  ®efd)id)t^.  b.  $rct>.  ©a^fen  I. 
1870. 


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237 

Ijergelienbett  3eit  §ot  ätnolb  nid&t  benufet,  feine  9todfjtid(jten  fyit  et 
$um  Jljeil  au$  Briefen,  Urfunben  unb  ©njel*  Senaten  geköpft, 
aujjerbem  ftü^t  er  fidfj  auf  münblidfje  Srabition;  eine  Steige  feinet 
üladjrid&ten  taffen  fidf)  nut  bis  auf  genriffe  gleidfoetttge,  ben  33er* 
fpltmffen  na^e  fle^enbe  Sßerfonen  jurfidffüljren.  5)teS  wirb  no<$  im 
einjelnen  burdfc  eine  jufammenljängenbe  Betrachtung  feine«  2BerfS 
ju  chatten  fein. 

III.    ^fattBttmr&igfteit  bet  gflronift. 

1.  UmoW«  Jladjri^ttn  bis  fum  Sturze  Jjeforty's  Urs  foroen.    Lib.  I.  II. 

§cintic§  ber  Söroe  ifl  in  jeber  SBeife  3Jttttelpuuct  ber  ©rjä^tung. 
Sie  beginnt  mit  einer  ©d&ilberung  beS  griebenä,  wie  er  unter  feiner 
Nietung  a.  1171  in  ben  fäd^fifc^en  SMöcefen  tjerrfd&te;29)  bie 
tawuf  folgenben  Vorbereitungen  jur  Äreujfaljrt  igeinrid&'a  muffen 
jebcnfaDS  nadf)  1191  aufgejeid&net  fein,  weil  bie  angebeutete  $e* 
ftxafung  gdfbert'ä  von  SGBotfcnbüttct  erfl  in  biefem  Qa^re  ooßjogen 
Mb.*)  3)ic  eigentlid&e  Pilgerfahrt  erfüllt  bie  6.  2—12.  SJUrgenbS 
#  iiefelbe  audfj  nur  annäljernb  fo  auSfü^rlid^  betyanbelt,  unb 
teuere  Ijaben  nidjjt  anbetö  gefonnt,  at8  in  i^ren  Supern  ben  Sin* 
gaben  8rnolb'g  ju  folgen;  fo  Soettiger,31)  ^ilippfon,32)  Sßrufc.33) 
$tö  SRaterial  §ur  ßontrofle  ifl  ein  fefjr  geringes ;  anbre  fadfjfifdfje 
ätofjeid&Tumgen  ^aben  nur  furjeSKotijen,  fo  bie  Ann.  Palid.,34)  Steder- 
burg.,w)  Pegav.,36}  Stadens.;37)  für  bie  tarnen  ber  Segleiter  ift  eine 
Utfunbe,  bie  ^einrid^  in  Serufatem  au^fteUt,  von  2BtdE)tfgfeit,38)  au$ 
ta  ^  ergiebt,  bafe  ärnolb'«  Angaben  über  bie  fäd&fifd&en  Segleitet 


*)  Prolog,  fin.,  bie  brei  bert  angeführten  *Bifd)öfe  fominen  iu  tiefet  Redens 
f%  in  riner  Urf unbe  £e inrid)'«  b.  Sötten  (Urfbb.  b.  23iSÜ).  Übt rf  n.  8.)  ».  1 1 70  vor. 

*°)  8rn  I.  1.  unde  graviter  muletatus  est  (sc.  Eckbertus).  Annal.  Ste- 
4-rb.  M.  Germ,  bist  XVI.  p.  226  a.  1J91  :  ©oifenbüttel  »irb  wbrannt,  weil 
&ft*t  von  SBelfenbütttl  bie  ®üter  be«  äerjog'«  (^einrieb'«  b.  Soften)  »ertoüftete. 

I!)  <L  90.  SJoeUiger.  $elnri<b  bet  Stoe.    $ann.  1819  p.  279-294. 

M)  ft.  3tyiliwfon,  ©efd)id)te  $einri<b'«  be*  Sötten.  Seity.  1867  II.  p.  171—180. 

M)  $.  Sntfc,  £einrid)  b.  Sötte.    Setyg.  1865  p.  265-275. 

u)  Mon.  Germ,  bist  XVI.  p.  94. 

")  Mon.  Germ,  bist  XVI.  p.  210. 

*)  Mon.  Germ,  hist  XVI.  p.  260. 

n)  Mon.  Genn.  bist   XVI.  p.  347  ff. 

")  Orig.  Guelf.  111.  p.  515.  516. 


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238 

fiid$alttg  fmb,  für  bie  bairifdEjen  berid^tigt  ifjn  ßof)n39)  unb  nimmt 
an,  ba&  ber  un£  oorliegenbe  £ejt  be£  SIrnolb  an  einigen  ©teilen 
üerberbt  fei.  555a^  ftaljr  be$  3uge$  fü^rt  SIrnolb  nidfjt  an;  ba£ 
berfclbe  in  ba8  Qatyr  1172  au  fefeen,  erroeift  ^ilippfon  auä  einer 
3ufammenftellung  aller  9tad)rid)ten  barüber.40)  3m  Uebrigen  f)at 
SIrnolb  Ijier,  wie  nur  in  wenigen  Sßartljien,  genaue  2)aten*3lngaben, 
roa$  auf  eine  juoerläffige  Quelle  fdfjliefeen  läfet.41)  2>ie  @eograpl>ie 
erroeift  ftd)  als  jiemlid^  rid&ttg,  wenn  man  fte  mit  §ülfe  ber  fdjon 
oben  ermähnten  Slbfjanblung  in  ben  SBiener  Saljrbüdfjern  prüft, 
meldte  bie  -äJtarfdfjroute  griebridEj'S  I.  btö  jum  llebergange  über  ben 
JpeDeSpont  unterfud&t.42)  Sie  fortlaufenbe  (Srjäljlung  roirb  burdj 
jwei  ©pifoben  unterbrochen:  einen  StüdEblidt  auf  ben  Untergang 
be8  $reu$eere8  unter  Äönig  Gonrab43)  unb  einen  fagen&aften 
3toeifampf  oor  Slnifo,44)  ber  fidf),  als  münblid&er  £rabition  ent* 
nommen,  babur<$  bocumentirt,  bafe,  nrie  oft  in  ber  ®age,  3*ü*3roifd)en* 
räume  überfein  unb  oerfdfjiebene  ^tftorifdfje  Sßerfönlid&feiten  in  eine 
mijtliifdfje  jufammengebrängt  werben.  Sefjr  gut  fann  biefe  Sage 
aud&  bereite  in  ein  ©ebidjt  verarbeitet  geroefen  fein.46)  9lud>  bie 
erfie  (Spifobe  gehört  roof)l  ju  ben  SRemintöcenjen,  bie  fid)  ben  $il* 
gern  ftetö  aufbrängen  mu&ten,  wenn  fte  ©tätten  betraten,  auf  benen 
üor  itynen  ein  Äreujljeer  oiel  gelitten. 

Sdfjon  lange  ift  aU  ©croäfjrSmann  für  biefen  Seridfjt  ber  93ifdf)of 
©einriß  oon  Sübedf,  bamals  nodE)  Slbt  be§  ©gibien  *  ÄloflerS  su 
Sraunfdfjroeig,  ber  unter  ben  Begleitern  be£  £erjog'£  einen  Ijeroor* 
ragenben  Pa§  einnimmt,46)  IjingeflcHt.47)  Slmolb  f)ätte  alfo  ben 
Seridjt  na#  ^einridf)^  Angaben  unb  9tottjen  oerfafct.  SDa  Slrnolb'3 
93udf)  in  einer  Sftebaction  oorliegt,  bie  oon  ber  3eü  beS  5ßilgerjuge§ 


3Ö)  (Sofyn,    ©i?ett.  gel.   9ln$.    1866   p.    608,   in  ber  Jtrittf  be*  SBudje*    »en 

40)  $tyliwfcn  $b.  II.    Stxit.  Erörterungen  III.  VIII.  d. 

41)  81m.  I.  (5.  2:  post  ocUvam  epiphanie,  13.  Jan.  (iiera  purificationis, 
2.  Febr.  (5.  3:  in  die  resurrectiunis,  16.  Apr.  (5.  12:  revoluto  autem 
anno  roversns  est. 

«)  aßiener  3aljrb.  b.  Literatur.    £f).  42.  a.  1828. 

4a)  Hrn.  I.  (5.  10.  ")  Slrn.  I.  (§.  u. 

**)  93gl.  SS.  rcr.  (ierm.  XXI.  p.  123  9lnm.  84,  p.  124  »nui.  86. 

46)  Slrn.  bringt  ein  eigne«  CSapitel  (I.  5)  »on  ber  2)i*putatien  biefe«  Äbte« 
mit  griedilfdjen  X^eolcgen  über  bie  Unterfdjeibuugabljre  ber  »ejts  unb  ojtrfonifdjen 
Jtiräe. 

«)  9tyiliWfon  a.  a.  O. 


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239 

bereits  jiemtidf)  weit  entfernt  ift,  ferner  and)  ba8  vorauf gef>enbe 
Bopitel  eine  Slngabe  enthält,  bie  erft  20  Satire  nadj  bem  3u9e  unb 
10  ^aljre  nad&  bcm  £obe  be£  ©ifdjofS  ipeinrid)  fid)  madjen  liefe,48) 
fo  ift  roofyl  anjuneljmen,  bafe  bie  ©efdjidjte  biefc^  3ugeS  f<$on 
früher,  jebenfaUä  bei  Sebjeiten  be£  SBifäofS  &einrid),  Tüa^rf^einlic^ 
bölb  nadj  ber  SRticffeljr  im  Sfaljre  1173,  aufgejeidjnet  mürbe.  Strnolb 
ielbfl  mag  fdjon  bamate,  al8  er  nod)  in  Sraunfdjroeig  mit  bem  Slbte 
6emrid>  lebte,  alfo  1173—1177,  bie  Shifjeid&nung  Dorgenommen 
foben,  vitMfy  im  Slnfölufe  an  bie  Sfteliquienföenfung,  bie  £crjog 
(Yürndj  ben  Skaunfd&roeiger  Äirdjen  madjte*,49)  merfroürbig  fiidjt 
ie  mit  tyren  genauen  3äge$baten  gegen  ben  folgenben  djronologifö 
wrnrirrten  £f)eil  ber  Sljrontf  ab.  3fa<$  in  fpäteren  (S&ronifen  fhtbet 
ftd)bie  ©cfd^id^te  biefe«  3u9e^  ™3>  ^r  Delation  2lrnolb'3,  fogar 
bei  foldjen,  bie  im  llebrigen  ärnolb  nid)t  benu&en,*')  maS  roo^l  ein 
itibfiänbigeS  93orfommen  biefc^  SBerid^t^  inoolmrt. 

Son  U73  —  1177  giebt  Slrnolb  bie  fpectellc  ©rjä^lung  ber 
8^f*ma^l  iQeinridj'S,  für  bie  er  ate  äugen jeuge  ju  betrauten  ift,61) 
fo  Passio  be£  (Srjbifd&ofS  Stomas  t>on  Santerburt),  ein  fafi  in  allen 
taflflligen  ßljronifen  ermähnte«  (Sreignife,  für  ba$  er  ftd)  auf  2lugen* 
pgen  bejiefyt,62)  unb  bie  3ufammenfunft  be$  ÄaiferS  mit  £einrid) 
ton  Jörnen  a.  1176,  mit  allgemeineren  Semetfungen  übet  bie  @t* 
Wge  be§  JtatferS  in  Stauen.*3)  ßfjronologifdje.  angaben  Ijat  er  für 
bkfqi  legten  2lbfönitt  gar  nidjt,  bagegen  üermifdfjt  er  bie  (Sreigniffe 
m  ii62  unb  1176.  $)er  Drt  ber  ßufammenfunft  wirb  ebenfalls 
ntc^t  benimmt  angegeben,54)  bie  ©reigniffe  bei  berjelben,  cor  allem 
tagufcfatt  entmint  unb  burd)  längere  Sieben  eingeleitet.    <Sti)on 


4si  Sgl.  oben  p.  48  unb  9lnm.  30. 

*)  $gi.  »rn.  I.  (5.  12. 

*°)  Heimat  ed.  ©rautojf  p.  55.-  9tin«berd)s@d)ene  cd.  Sappenberg  p.  64 
W«  ffirjere  33eriä)te,  bie  aber  mit  bem  $rnolb'«  übereinjufommen  fdjeinen. 

§I)  »tn.  I.  (5.  13  mit  »riefen  (vgl.  oben  p.  17)  unb  Deeben. 

tt)  Bo  ebenfall«  in  ben  ann.  Pegav.  8tad.  Kgmund.  Colon,  max.  Brn.  fagt 
w*  fctf  ^eiligen  SBunbcMirfung:  sicut  etiam  testantur  hi,  qui  ad  monumentum 
»Po«*  fuerunt  £&oma$  iji  im  9Rdr$  1173  canonifirt,  banad)  mag  bie  Gins 
täjttg  bei  ben  Vorgängen  bfefed  3aljre$  (Idj  rechtfertigen ;  t>gl.  über  bie  (SanonU 
W*  ?-  3.  ©ufj,  2).  I).  $$oma$,  (Srgb.  ».  (Santerburty.    1856. 

*)  Hrn.  II.  I.  2. 

H)  Arn.  a.  a.  £).:  venit  (sc.  imp.)  in  partes  Teutonicas,  loa«  nid)t  falfd) 
fc  *fW  man  aud)  (S^iaoenna  ald  ben  Ort  ber  3ufammen!unft  feftyält,  rote  (Iol)ii 
fa  *wtt.  gel.  9toj.  1866  p.  608  (f.  jeigt. 


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240 

SJMjUtppfon  fyit  biefe  Sieben  für  ©tylübungen  gehalten;55)  audj  im 
SSorigen  Ijabe  id)  bereits  nad&geunefen,  ba&  2trnolb  es  liebt,  fotd^e 
in  bie  6rjäf)lung  jur  SfoSfd&müdung  einjufled&ten.60)  5RirgenbS 
läßt  fi$  atfo  für  biefen  Stbfd&nitt  ein  georbneter  Seric^t  nad&nmfen 
unb  feine  ©laubroürbigfeit  wirb  nur  foroeit  jitjugeben  fein,  als  mir 
fie  burdf)  anbre  Slufjetd&nungen  fluten  fönnen. 

SJon  U77  bis  jur  Verbannung  ^einric^S  beS  Söroen67)  tyit 
Slrnolb  auSfü^rlid&ere  -Jtod&ridfjtenj  fjier  liegt  ber  ©d&auplafc  ber 
(Sreigniffe  in  feiner  unmittelbaren  Sttälje,  er  ift  Slugenjeuge  unb 
giebt  als  fol<$cr  bie  örtlich  entfernten  Vorgänge  audf)  nur  in  foroeü, 
als  fte  ©adjfen  unb  ben  Äampf  jnrifd&en  griebridf)  I.  unb  £einri<$, 
bem  Söroen,  berühren,  $)en  grieben  von  1177  erwähnt  er  nur  im 
3ufammen^ange  mit  ber  Stüdffefjr  Ulrid&'S  von  §alberftabt,68)  baS 
Concil  von  1179  befdf>äfttgt  iljn  nur  roegen  einiger  fäd&ftfd&er  $er* 
fönlidftfeiten,  bie  baran  t§etlnef)men,  beS  2lbteS  von  ^Ifenburg  unb 
beS  SifdfjofS  »ertolb  oon  ©remen;69)  am  ausführlichen  tfl  er  ba, 
too  feine  $eimatlj  Sübed  in  ben  Streit  gebogen  nrirb.  ©d&on  oben 
ift  nad&gemiefen,  bafc  Slrnolb  für  biefe  Sßartljie  audf)  einige  Urfunben 
gefannt  l)at.ö°)  Sagenhafte  ©teilen  finb  bann  ebenfalls  in  biefelbe 
eingebrungen;  ba^in  ju  rennen  ifl  bie  (Sr&äljtung,  bie  er  an  ben 
SBieberaufbau  ber  ^arjburg  fnüpft,"1)  ferner  bie  ©d&ilberung  beS 
©ranbeS  oon  $alberfiabt,ft*)  oon  bem  mir  nad^ioeifen  fönnen,  bafe 
er  ju  einem  ©ebid&te  ben  Stoff  gegeben,  von  roeld&em  aber  nur  #ber 
Slnfang  erhalten  ift,63)  f^liefeli^  aud&  ber  ftu&faU,  ben  $einrid()  #ber 
Söwe  oor  Ulridj  von  ipalberftabt  getyan  Ijaben  foH,64)  unb  ben 
äBeilanb  roo^l  mit  9te$t  als  unglaubmürbig  oemnrft.66)   Ungenau, 


M;  $i)iUW>fon  a.  a.  £>.:  Äritifdjc  (Sröttcrungen  IV.  I.  (Sap.  a.  p.  443  ff. 

M)  SBfil.  oben  p.  23. 

M)  «rn.  II.  G.  3-22. 

*8)  ©a^enb  j.  SB.  b.  Chron.  Samp.  ju  a.  1177  bie  SMtffe^r  Ulrid)'*,  ba* 
neben  aber  aud)  bie  2öieber«(Sinfefcuiig  be*  JBifdjof  *  (Sonrab  in  SRaing  unb  bie 
Vertreibung  SUbert'«  ertoätynt,  ijat  Hrn.  nur  ben  fäd>fifd)en  »ifdjof.  »rn.  IL  6.  3. 

M)  9lrn.  II.  9. 

00)  «gl.  oben  p.  31  ff. 

61)  »rn.  II.  18. 

62)  »rn.  II.  14. 

63)  3n  Chron.  Ilalbcratadcnse  ed.  ©djafc.    p.  60/61. 
M)  Hrn.  II.  12. 

")  ©eitanb,  gorföungen  j.  beutfd).  ®efä.  VII.  p.  181,  ftüfrt  fty  auf  ba* 
Chron.  8ampetr.  a.  1179. 


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241 

rote  gröfitentfieilS  bei  Slrnolb,  ift  bic  <§ronotogif<§e  Seite;  nidjt  nur, 
bafj  feine  3eitangaben  ftd)  in  ben  aHgemeinften  SluSbrticfen  bewegen,06) 
er  rei^t  audj  einsclne  Vorgänge  an  falfdjcn  Stellen  ein,  fo  baS 
Sateranconcil  von  1179  jmifdjen  ben  £ob  beS  ©rjbijd^of^  SJatbemin 
1178  unb  ben  3U9  ¥&ilipp'*  wn  Soetn  bis  nad)  Hameln  1178; 
unb  wirft  SHnge,  bie  jeitUd)  getrennt  jtnb,  jufammen;  fo  Derbinbet 
er  bie  Belagerung  £albenSleben'S  oon  1179  gleich  mit  ber  Srobe* 
tuitg  von  H8i.67)  @S  ift  aufjer  ben  neueren  Bearbeitern  von 
öeinridi'S  beS  Söroen  ©efd&idjte  Goljn'S  3Serbienft,  bie  Chronologie 
in  biejer  Sßartljie  feftgejkflt  ju  §aben.68)  SttuS  Stafceburg  fdjeinen 
Smolb  etnge^enbe  SRadjridjten  gefommen  §u  fein;60)  eine  Skrbmbung 
mit  einem  ©eiftlidjen  biefeö  SiStljumS  mar  ja  aud)  bereits  aus  bem 
Umftanbe  ju  folgern,  bafe  er  fein  %uä)  bem  93ifd)of  oon  9ta|eburg 
roibmet,  ber  ftd)  Dor  feiner  SBafjl  jum  Sifdjof  1204  als  capellanus 
tä  Dor^ergc^enben  SHfd&ofS  bort  aufgehalten.70)  9JUt  StuSfd^eibung 
kr  fagenfjaften  ^ßartljien  unb  nadj  Seridjttgung  feiner  djronologifdjen 
?t|ler  fmb  Slrnolb'S  Jtod&rid&ten  als  genaue  unb  glaubmürbige  ju 
karten.  ®ieS  wirb  aus  einer  Sefpredjung  beS  ^roceffeS  &ehtrid)'S 
teöroen  erhellen,  mo  anbereS,  aud)  utfunbltd)eS  Material  eine 
Kontrolle  ennögUd&t. 

JDer  $roce§   «&einriaV«  be«   Söroen. 

35er  Serid&t  2lrnolb'S  ift  folgenber:  S)er  Äaifer  beftagt  fi<$ 
wr  ben  tjerfammetten  gürften;  barauf  aeeepta  occasione  Ilagen 
fa  Surften  über  ©einrieb  unb  urteilen,  bafe  er  jeber  @^re  ju 
entKetben  feiT1j    Sarauf  fefjrt  ber  Äaifer  nad)  S)eutfd>lanb  jurücf, 

M)  9lrn.  II.  4 :  in  diebus  autem  illis.  7 :  tuue  etiam  temporis.  8 :  circa 
Wem  teoipus.  9:  in  ipso  autem  tempore.  10:  in  illo  tempore.  II:  ex  eo 
'tptor  tempore.  12:  inter  hec  antem.  14:  ca  tempestate.  18:  in  diebus 
^utem  Uli»,  (genauere  Angaben  ftnben  fid)  ba,  too  S&becf  felbfi  in  bie  Äämfcfe 
ftwingqcgen  toirb,  fo  beim  £eranrütffn  be«  Äaifrr«.  19:  £)ie  ffieifynadWfeiet 
(«e.  U80)  bf*  «&erjcgö  ju  Sünebuvg.  20:  proxima  autem  estate  (sc.  1181)  in 
tie  apostolorum  Petri  et  Pauli.  29.  3unf;  oorljer  §at  er  nur  einmal,  bti  bem 
3age  $einriaya  naa>  Springen  (1180),  eine  genauere  Seßimmung:  adveniento 
«rtem  Maio. 

")  Sgl.  am.  II,  n.  »nm.  Mj  <5o$n  a.  a.  O. 

*)  9tnt.  II.  <S.  7  ertoä&nt  ben  Heb  (foermob'*  unb  bejieljt  ftd)  für  beffen 
frfamigfeit  u.  auf  münblia>e  33erid)te:  sicut  quidam  asserunt;  que  fidelium 
tlttione  didieimus. 

*)  Arn.  VII.  9  erji&tyt  birt  frlbft  bei  ber  Q3ifc^of«wa^l  in  Stafceburg  a.  1204. 

TI)  «rn.  IL  2. 


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242 

ber  &erjog  begegnet  tym  bei  ©peier  unb  beflagt  ftdf)  über  bie  ©in* 
fälle  beS  ©oelner  ©rjbifdEjofS  in  fein  ©ebiet;  ber  Äaifer  fefct  ifcnen 
einen  Sag  ju  SBormS.  S)er  £erjog  oerfäumt  iljn,  weil  er  merft, 
ba&  er  meljr  als  Seflagter,  nrie  als  Äläger  citirt  fei.  (SS  folgt 
ein  jmeiter  Sag  ju  SDtagbeburg,  auf  bem  S^iberid^  von  SanbSberg 
mit  iljm  wegen  StetdfjSoerratljS72)  einen' 3weifampf  entgegen  wilL 
®er  ^erjog  bleibt  audf)  I)ter  fort,  fjat  bann  auf  feine  ©Ute  ein  @e* 
fprädfj  mit  bem  Äaifer  ju  SfteufiatbenSteben  a/D^re;  ber  Äaifer  ver- 
langt 5000  3Jlarf,  um  iljn  nrieber  mit  ben  gürflen  ju  Derfö^nen, 
bie  Serfjanblungen  §erfdf)lagen  fidf).  3lud^  bie  britte  ßurie  ju  ©oSlar 
wrfäumt  &einrid>,  bort  tritt  ber  Äaifer  oor  bie  SJerfammlung  unb 
fragt,  roaS  bem  gebühre,  ber  jum  britten  2Me  bie  Sabung  Der* 
fäume;  bie  gürften  erfennen  auf  öffentliche  2ld()t,  (Sntjieljung  ber 
Seltne  unb  ©ntfteibung  ber  iperjogSroürbe.  S)er  Äaifer  flimmt  ju. 
©n  vierter  Sag  wirb  $m  auf  Sitten  ber  gürften  anberaumt;  als  er 
audf)  Ijier  nidf)t  erfd&eint,  tljut  ber  Äaifcr,  wie  er  burdjj  baS  Urteil 
ber  gürften  veranlagt  tft,  fefct  einen  anberen  ißerjog  ein,  befiehlt 
ben  Stfd&öfen,  iljre  jenem  ausgeliehenen  Territorien  jurüdjuneljmen 
unb  fpridfjt  UJm  feine  ©üter  ab.73) 

2BaS  nun  juerft  bie  einzelnen  Sage  anbetrifft,  fo  Ijat  fa(l  jebe 
Sljronif  oerfd&iebene;  gegen  SBeilanb74)  glaube  iä)  jcbod^  mit  gicler7*) 
unb  SBatfe76)  bie  Sage  SöormS,  SKagbeburg,  Äopna,  SBürjburg,  als 
bie  roa^rf^eintid^ften  annehmen  ju  fönnen.  ©oSlar  bei  Slrnolb  ift 
eine  33erroedf)Slung  mit  Äopna;  im  Uebrigen  aber  l)at  2lmolb  bie 
rid&tigen  Sage.  SBeilanb  fteUt  Slrnolb'S  ©laubtoürbigfeit  für  biefen 
Sßrocefe  feljr  niebrig;77)  bagegen  fd&eint  mir  SBaifc  mit  Sfted&t  burdfc 
ein  genaueres  @ingel)en  auf  bie  -Jtad&rid&ten  ber  tltfunbe  von  ©ein* 
Raufen  Unb  auf  bie  Stmolb'S,  bie  Don  tym  angegebenen  Vorgänge 
als  bie  roaljrfd&einlidfjen  Jjinjufiellen,  fo  bie  Vorgänge  ju  ©oälat 
(Äopna)78)  unb  bie  bem  eigentlichen  ^ßrocefe  oorauSge^enben  33et* 
Ijanblungen,79)  unb  er  legt  bann  audfj  ©eroid&t  auf  bie  9tadf>rid()t,  bie 


w)  Traditiones  In  ber  SBebeutung  »on  „$ßttxatf),u 

78 )  9lrn.  II.  10. 

M)  28?üanb,  in  b.  gorfäunflen  g.  JD.  ®ef<&.  VII.  p.  178. 

7ß)  giefer,  gelungen  jur  fteidjfc  unb  8ed)t*gefd)id)te  3talien«  I.  ®.  183.  VL 

w)  ©aifr,  in  gorf*ungen  g.  2).  @efd).  X.  p.  ir>6. 

")  SBeilanb  a.  a.  O.  p.  181. 

'*)  ffiaifr  a.  a.  £>.  p.  157. 

79J  «Btoifr  a.  a.  £).  p.  162. 


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243 

STrnoIb  über  ben  SDtagbeburger  £ag  bringt:  „bie  traditiones  im- 
perii  befielen  nid^t  in  bem  8lufret§en  ber  ©tooen  jum  (SinfaHe 
in  bie  2oufi§,  fonbern  beroegen  nur  ben  SDtarfgrafen  gegen  ©einrieb 
als  änttäger  wegen  9ieid)3üerratfy8  aufjutreten".80)  Ueber  ben 
@runb  ber  Serurtfcttung  £einri<I)'$  ju  (SoSlar  fd&eint  mir  gider 
ba^  9tt<$tige  beizubringen.  9tad)  feiner  «Interpretation  ber  ©ein* 
Wer  Urfunbe  befagt  biefe  gotgenbe3:81)  ,,$emrtd),  wegen  anbrer 
Sadjcn  unb  inäbefonbre  auü)  n>egcn  £od)i>erratl)  gehörig  getaben, 
ifl  beS&alb,  roeil  er  ni<$t  erfdjien,  für  ungefjorfam  erflärt  (contumax 
judicatus  est),  unb  finb  iljm  in  golge  beffen  feine  9teid)Sle{)en  entjogen 
toorben."  SDiefe  Interpretation  ftü|t  fidf)  barauf,  ba&  judicatus  est 
mtygleidS)  „wrurtyeilt,"  condemnatus  est,  ifl,  fonbern  nur  „geurtljeilt" 
Ä82)  SHefe  Sebeutung  Don  judicare  fd&eint  mir  Sttrnotb  embent 
pi  betätigen  unb  baburdfo  gider'8  Sluffaffung  ju  rechtfertigen.  @^e 
ttömlid)  ba3  eigentliche  9tc<$t3i>erfal)ren  gegen  £emridj  eingeleitet, 
Wegärpen  aber  in  biefer  Angelegenheit  üerfammelt  jtnb,  fagt  2lm.:83) 
cooperantes  verbis  iraperatoris  omni  honore  eum  privandum  judi- 
^bant,  wo  Don  einer  Urt^eifefättung  no$  nid)t  bie  Siebe  fein  fann. 
Setner  in  Uebereinftimmung  mit  ber  Urfunbe  wirb  ipeinrid)  bei 
&i  »erurtfjeilt,  weil  er  breimal  gclaben,  ftd)  bem  (Seridjt  entjogen 
K  unb  jioar  wirb  er  geästet  unb  tym  ber  ducatus  unb  äße  93e- 
rafften  entjogen.84)  33ei  ber  3tu3fiif)rung  biefe«  Urtljeite  auf  ber 
Herten  6urie  fommt  bann  erft  baS  3lbfpred)en  ber  ©üter,  alfo 
rooM  ber  SlQobien  Dor;86)  mit  güfer  glaube  id)  in  biefem  vierten 
nu|t  einen  Sag  ju  feljen,  ber  bem  &erjoge  au«  ©nabe  gefefct 
»tttbe,  fonbern  mödjte  ba£  rogatu  prineipum  fo  »erflefjen,  bafc 
&  prfien  ben  Äaifer  baten,  ba$  jroeite,  lanbredjtlidje,  33erfaljren 
**flen  §odjoerratlj$,  ba3  neben  bem  leljnred&tlidjen  wegen  ber  Der* 


")  SBaifc  q.  a.  £).  p.  164/5. 

*')  3.  ffitfer,  in  fforfdjunflfn  j.  beutf*.  ©efd).  XI.  p.  303  ff. 

*)  a.  a.  £).  p.  304.  MJ  Hrn.  II.  2. 

M)  Arn.  II.  10 :  Exinde  imperator  tertiam  ei  curiam  Goslarie  prefixit, 
*«c  minus  illam  supersedendo  neglexit.  Imperator  itaque  procedens  in  con- 
fcoaem,  sententfam  adversus  eum  proposuit,  qnerens,  quid  justitia  saper  hoc 
Keniat,  quod  tertio  legitime  vocatus  Judicium  declinavcrit  et  per  contemptum 
•4  andientiam  suam  venire  noluerit.  Cui  ex  sententia  prineipum  responsum 
^  qaod  dietante  justitia  omni  sit  honore  destituendus,  ita  ut  proscriptione 
ptftlica  di judicatus,  et  duoatu  et  omnibus  benefieiis  careat,  et  alter  in  locttm 
$u  consargat 

*)  9m,  a.  a.  JD.:  et  bona  ejus  publicari  preeepit. 

4 


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244 

fäumten  §oftage  getjt,  fortjufefcen;  bie  gürften  treten  überaß  fo  auf, 
ba&  man  nid^t  glauben  fann,  fie  Ratten  für  Jgeinriclj  eine  ©nabe 
erbeten,  ©o  fd^eint  mir  burd)  bie  Interpretation  ber  ©etrt&äufer 
ttrfunbe,  wie  fie  gicfer  aornimmt,  jeber  einjelne  Sßunft  bei  Stotolb 
beftättgt  ju  werben.  2ludSJ  bie  3ufammenfunft  in  $albe8teben  glaube 
tdfj  mit  bem  ganjen  Serfatjren  in  ©inflang  bringen  ju  fönnen. 
SltterbingS  mar,86)  wenn  fid&  !gtinx\ty  fleflte,  „bie  SSertefcung  ber 
Äird&en  unb  ©rofjen  be$  3teidj$  an  itjren  ©ütern  unb  Steckten  bur<$ 
©trafjatyfangen  an  ben  Äaifer  unb  Steflitution  unb  ©djjabenerfafc  an 
bie  SSerlefcten*  ju  fütjnen:87)  e$  ftet)t  alfo  bem  nid^tö  entgegen,  ba&  ber 
Äaifer  ba,  roo  fi<§  ieeinrid)  iljm  mißfällig  jeigt,  biefen  2Seg  einju* 
fd&tagen  fud^t  unb  iljm  eine  3a$fong  auflegt;  Wen.  in  ber  ©teile: 
ut  hunc  honorem  (sc.  bie  3a$h*ng)  imperatorie  majestati  deferret 
et  sie  ipso  (sc.  imperatore)  mediante  gratiam  prineipum,  quos 
offenderat,  inveniret,  märe  bann  fo  aufjufaffen,  bog  Jgemridfj  btefe 
©umme  jagten  fofl,  einmal  afe  ©trafjatjlung  an  ben  Äatfer,  bann 
aber  audfj  mürbe  ber  Äaifer  bie  dürften  (bodfj  root)l  mit  Jgfilfe  t>on 
^einrid^S  3a#un9)  entfdfjäbigen.  - 

©o  fdjeint  Slrnolb  überaß  ba«  SBatjrfdfjemlidjjfle  unb  ©laub* 
mfirbigfle,  weil  mit  ber  Urfunbe  Ueberemjiimmenbe,  ju  berieten. 

9Jitt  ber  Verbannung  $einrid)T3  verliert  Slrnolb'S  Storjleflung 
biejenige  $erfon,  um  bie  fxe  fidfj  gruppirt  t)atte.  S)ie  aerfdfjiebenen  $ar* 
tt)ien  feinet  33ud£je8  laffen  fidfj  in  bie  beiben  folgenben  ©nippen  fonbem: 

2.    Pfutfdj^änifdjc  Jladjridjtcn  bei  Jlmolft. 

9Wit  ber  SBerbannung  $einridfjT8  unb  bem  £obe  2öalbemar'S 
1182  beginnt  eine  ^eriobe  für  bie  norbbeutfdfjen  ©ebiete,  in  meldet 
itire  Itfjtorifd&e  ßntmieflung  roefentlidfj  üon  ben  benachbarten  3)anen 
bebingt  wirb.  Sludlj  Slrnolb  t)at  oon  biefem  3^*pwnfte  an  üiel 
©elegent)eit,  bie  $)äntn  ju  ermähnen,  baneben  »erfolgt  er  jiemtid^ 
eingetjenb  bie  ftatnfd&e  ©efd&id&te,  fomeit  fie  mit  2>anen  ober  S)eut* 
fd&en  in  33erüt)rung  fommt,  bann  bie  fiübedter  SSer^altniffe  unb  aor 
Slßem  aud&  bie  SBirren  im  ©rjfiift  ©remen.  ©8  bürfte  u>ot)l  pajfenb  et* 
f feinen,  bie  angaben  jufammenjufieHen,  meldte  er  über  bie  ©tobt, 
ber  er  angehört,  über  Sübedf  felbfl  madjjt,  aßein  Sübedf  nimmt  ba* 


M)  SGBfllanb  a.  a.  £).  p.  181/2  »ertoirft  bie  3ufammenfunft  unb  $&U  e*  föt 
unm&glid),  bafj  griebrid)  ®elb  *on  $einrid)  geforbett  $aben  fönne. 
87)  gitfer,  in  gelungen  j.  beutfd).  (Beffy  XI.  p.  305  geigt  bie«. 


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245 

mafö  überall  regen  Sfoti&eil  an  ben  im  -Korben  ©eutfdjjlanb«  ftdf) 
abfptelenben  med&feluollen  Scenen,  fo  ba&  audjj  Slrnotb  e$  nur  im 
3ufammenljange  mit  ber  allgemeinen  ©efd&id&te  ber  $i\t  ermähnen 
fann,  biefc  91adjridjten  alfo  nidfjt  gut  abjufonbern  finb.  (Sbenfo* 
wenig  laffen  fidfj  Krd&engef<$id&tlid)e  SRotijen  über  bie  ©iöcefe  $am* 
burg4Bremen  l)erau$I)eben:  bie  profane  Seite  ber  ©efcfjtd&te  über* 
wiegt  in  tiefen  erregten  3^i^n  Dottfommen  au<§  in  ben  geiflUdfjen 
Jetritorien;  außer  ben  wenigen  SRotijen  über  baä  innere  Seben  in 
ben  Stiftern  unb  Drben,  bie  fd&on  oben  angeführt  finb,  bringt  er 
nur  nodj)  Slad^rid^ten  über  ben  $ob  ber  SBifd&öfc  t>on  ßübeef  unb  einU 
ger  SHfd&öfe  ber  benachbarten  SHöcefen.88)  gür  biefe  angaben 
glaube  idj  nun,  bafj  er  ba,  roo  er  md&t  wie  in  fiübeef  Slugenjeuge 
ift,  SSerbinbung  mit  rool)lunterrid&teten  $erfönlid(jfeiten  unterhalten 
fai,  unb  als  fotd^e  mürbe  tdf)  in  erfter  Steige  ben  ©rafen  Slbotf 
wm  Sd^aumburg^olpein  ober  Semanben  auä  feiner  näd&flen  Um* 
gefamg  bejeidfjnen ;  fdjjon  ba8  im  castrum  Schowenburg  aufbewahrte 
Spmplar  feiner  Gtjrontf  roeifl  auf  einen  Sufammenfjang  beö  9lutor$ 
wit  biefem  ©rafengefdfjledfjt  f)in;89)  femer  Ijabe  id&  fd&on  oben  roatp* 
föeinlid>  ju  madfjen  gefugt,  bafe  er  Urfunben  gehabt,  bie  fid&  im 
«eftfce  Slbolf«  befinben  mußten;90)  gerabe  über  i$n  t)at  ärnolb91) 
ie^t  fpecielle  9tad&ridf)ten.92)  ©ine  jroeite  Sßerfönlid&feit,  bie  f)ier 
}u  nennen,  ifl  ber  Sifd^of  3$iberic$  üon  ßübeef;  biefer  mar  aus 
Sternen  gebürtig,  t)atte  bort  Srüber  unb  Diele  SSerroanbte  unb  mar 
Wbji  mit  bem  ©rjbifdfjof  Jgarturicf)  II.  blutöoerroanbt,  aber  audf)  ftarf 
wtfeinbet,  roa&  ärnolb  alle«  mit  trieler  2lu8fül)rlidf)feit  berietet;98) 
täj  tyütt  biefen  ba^er  für  ben  jenigen,  burdfj  meldten  Slrnolb  bie  ge* 
nouen  SRad&ridfjten  über  Sremer  SJer^ältniffe  Ijat,  bie  alle  t>on  großer 
Seinbfd&aft  gegen  ben  ©rjbifdfiof  Jgartroidfj  jeigen;  fetbfi  bei  ber  ®r- 
$|lung  üon  $artroid^T8  £obe,  fann  2lmolb  einen  Säbel  mdjjt  un* 
terbtüdten.94)  SKan  muß  bat)er  Slrnolb'*  9tod&rid[)ten  über  ben  Grjbi^ 

")  €o  Hrn.:    II.    7,  II.   8,    III.    13,   V.   6,   V.    18,   V.   24,   VI.    3,  VI.  4, 

vii.  3,  vn.  io. 

w)  98flf.  oben  p.  15.  eo)  Sgl.  oben  p.  84  ff. 

M)  34  erwähne  ljier  nur  bie  genaue  @d)ilbetung  *on  bet  Stranlaffung  jum 
Qnb  mit  «ßeinrid)  bem  Sötten.    Slrn.  II.  16. 

n)  ttfinger  in  bet  üfaracteriflif  «bolf  a  fallt  fle  jufamihen.  JDeutfd). ;  bän. 
•ff*,  p.  77—80. 

•»)  «rn.  V.  u. 

•*)  Km.  VII.  10:  Et  cum  eo  adhuc  vivente  eceleeia  illa  »atis  concassa 
facrit,  — 


Ml*   M  . 


246 

fdjof  §artnri<$  rooljl  für  parttyeüfd)  gefärbte  galten.  2öie  fdjon  im 
Stetigen  bemerft  würbe,96)  tyat  er  au$  nachweisbare  JBejietyungen 
ju  9la|eburg,  batyer  ftammen  mutfjmafeUct)  bie  genealogifäen  Angaben 
über  bie  ©rafen  Don  9tafceburg,96)  trieUeid&t  audj  3Rand)eS  von  ben 
ftatrifd&en  -Jtadfiricljten. 

2)ie  hätten  beurteilt  2lrn.  jiemUdj  günftig,  —  fdfjrieb  er  bod) 
in  einer  &\t,  roo  Sübecf  fidfj  unter  ityrer  £errfcfjaft  befanb  —  unb 
etwas  ©djmeidjelei  wirb  tlp  bei  bem  2obe  bet  bänifdfjen  ÄönigSfa* 
mtüe,  befonberS  Äanut'3,  nidfjt  fem  gelegen  Ijaben;  im  ©anjen  be* 
jte^t  ficf)  fein  fiob  ber  S)änen  barauf,  ba&  fie  meljr  unb  mefjr 
beutföeS  2Befen  angenommen  unb  aud)  ben  2Biffenfdf)aften  jugängUifc 
geworben.97)  Sejie^ungen  ju  ljert>orragenben  bäuifdjen  Sßerfönftd)* 
feiten  Ijat  er  {ebenfalls  ni<$t;  nur  foroeit  bie  2)änen  mit  ben  S)eut* 
fdjen  in  Serü^rung  fommen,  fennt  er  fie.  teuere  t)aben  üon  feinen 
9tod>rid)ten  feljr  umfafjenben  ©ebraud&  gemalt,  fo  3Bai|,98)  befonberd 
Ufinger.99)  2lrn.  giebt  mrgenbä  beftimmten  änlafe,  an  feiner  ©taub* 
mürbigfeit  ju  jroeifeln;  ba$  SKaterial  jur  ©ontrole,  befte^enb  in 
bürftigen  bänifäen  Sttnnaten  unb  einigen  Urfunben,  fo  urie  für 
eine  furje  3eü  im  Saxo  Grammaticus,  ift  ein  fetir  geringes,  in 
ben  meifien  gälten  faum  genügenb,  SIrnolb'ä  <$ronologifd>e  ^rrtljümer 
unb  Ungenauigfeiten  ju  berichtigen;  benn,  wenn  er  auty  in  ben 
SRadfjridfjten  juoerläffig  ift,  bie  djronologifdfjen  ©aten  fmb  tiur  ganj 
allgemeine,100)  ber  3ufammenf)ang  juroeilen  aud)  üermirrt1) 

3.    jieidjsgefdjtdjte  bei  HrnolD. 

Srnolb  bringt  eine  Steige  nid&t  unroid&tiger,  fefjr  auSfttljrUdjjer 
9ta<$ridjten  über  bie  ©efd&idfjte  beS  9teid&8  unter  ben  fiaifern  grie* 


9Ö)  *ögl.  oben  p.  47. 

*)  «rn.  V.  7. 

")  9lrn.  III.  &.  de  honestate    Danorum.    Uflnger,   beutfdMbdn.  ©efdjidjte 
P-  69  ff- 

«*)  ®.  SBaifc,  edjleatoig^olftein'«  ®efdjtd)te.    ®oe«.  1852.    33b.  I. 

°*)  dt.  Ufinger,  beutfcfcbänifdje  ®efdtfd)te  b.  3.  1189-1227.  JBerL  1863. 
10°)  3n  ä&nlicfoer  Söeife,  wie  beim  öorigen  3lbfd)nitt  oben  nadjgetmefen. 
*)  ©o  geigt  bie«  Ufinger  a.  a.  O.  p.  55.  9lnm.  Oenaue  2)aten  flnb  aueb 
t)irr  »ieber  »orljanben,  fobatb  ber  ©djaufclafc  ber  großen  (Sreigniffe  in  feinen  eiguen 
®efid)Wfrei«  fäüt,  fo  bamal«,  al«  ber  Äönig  ffialbemar  nadj  Sübecf  fommt,  1203, 
unb  für  bie  bamit  jufammenljiSngeiiben  Xfjatfcu&en.  Slm.  VI.  G.  13—17.  Slrnolb 
ftfeeint  alfo  ba,  too  er  felbfl  beobad)tde,  fld)  $aten  für  widrige  dreignifff  gn 
merfen,  nur  von  feinen  ©eridjter^attern  erhielt  er  fie  ni^t  immer. 


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247 

bti<$  I.f  $einri<$  VI.,  Sßljtlipp  unb  Otto  IV.,  für  beten  ©laubtofirbtg* 
feit  e3  toefenttidf)  ift,  ju  jeigen,  tote  er  biefc  93eri<$te  befommett. 
®r  felbfi  ift  nirgenbS  aufeer^atb  2übe<f£  nadjjutoeifen,  er  mag  aber 
8ejie|ungen  ju  Seuten,  bie  in  ber  Mty  be$  ÄaiferS  ftanben,  untere 
falten  fjaben.  3)ie  SRadjridjten  unter  ber  Regierung  griebru^S  I. 
jeigen  in  oerfd&iebenen  Sßartfjien  einen  ganj  entgegengesehen  Slja* 
racter:  bie  italienifdjen  Vorgänge  oor  ben  SSerroidflungen  mit  Jgeinrid) 
bem  Söroen  fennt  Slrnolb  nur  feljr  ungenau,*)  t>iet  weniger, 
ate  jebe  anbre  berjeitige  3lufjeid)nung,3)  and)  oon  bem  ^rieben  oon 
117?  unb  bem  ßoncil  oon  1179  !)at  er,  rote  oben  fdpn  angeführt, 
nur  bie  9to$rtd>ten,  bie  fpecieD  ©adjfen  betreffen;  naä)  bem  £obe 
k&  2Nf$of£  §einrid)  oon  Sübedf,  1182,  fefct  ber  ßaifer  ben  Kapellan 
&mrab  bort  ein,4)  ber  rootyl  ibentifcty  ift  mit  bem  Späteren  ©anjter 
ßonrab,  bem  SKfäof  oon  §ilbe3f)eim,  bann  oon  SBtirjburg,  unb  ber 
i<$on  gnoä^nung  gefunben  roegen  eine«  feiner  Briefe,  toeldjer  bem  3lbt 
Ämolb  jugelommen.0)  3lur  furje  $eit  oerroeilt  berfelbe  in  Sübecf, 
wnfdjon  1184  29.  Septbr.  fi$  beim  Äaifer  in  $aoia  ju  jetgen, 
wit  bem  er  nun  nad)toei$tidj  btö  jum  28.  9toobr.  1185  Italien 
tofytyt*)  jcbenfattS  alfo  einen  ©inblicf  in  bie  SSerfjanbtungen 
fe$  §ofe$  mit  ber  ßurie  Ijaf,  nun  beginnen  aud)  bei  Strnolb  ge* 
naue  SLbfd^nitte  über  bie  SBer^anblungen  $u  Verona,   bie  cinjetne 


*)  6.  bariiber  oben  p.  45. 

*)  §.  *B.  bie  großen  (Soelner  Ännalen,  be«  Chron.  Sampetr.  u   a. 

*)  Ueber  biffen  Conradus  giebt  «bei,  „Äönig  WliW,  ©erl.  1852/'  einen 
fccart  p.  356;  banad)  ifl  er  ein  $err  *on  Cluerfurt.  wn>aitbt  mit  ben  SBurgs 
grofen  üca  SRagbeburg.  »erfcbtoägert  mit  9lbolf  »en  Naumburg,  ©eine  politffdie 
fyätigfrit  aU  Jtonjler  bringt  nad)  urfunblicbem  SWaterial  Soecfee,  „Äatfer  «fteinrid) 
VI.  Seity.  1867."  XI.  ^Beilage  p.  693  ff.  35er  bort  angeregte  3»eifel,  in  bem 
9mäfflten  »on  Zubtd  unb  bem  foäteren  Äanjler  ein  unb  oiefelbe  $erfon  ju  feljen, 
f*ri«t  mir  ungerechtfertigt:  ein  93erfd)tolnben  au«  faiferücfcen  Urfunben  für  eine 
&»|e  mm  Sauren  erflärt  fid)  »o$l  au«  feiner  nidjt  amtlichen  (SteUung  in  biefer 
3eit.  9fa$  3.  8.  $oebmer,  reg.  imp.  1198—1254  p.  XIV.  ff.  Hellt  fein  urfunb* 
Udje«  Sorfcmmen  aU  Äanjler  jufammen. 

5J  »gl.  oben  p.  17. 

*)  <5r  «fdjeint  al«  3euge  in  folgenben  Urfunben,  von  benen  <5d)effers99of<borft, 
•trifft  %xitbtl&*  I.  lefcter  streit  mit  ber  Änrie.  53erl.  1866"  p.  222  ff.  genaue 
•"rtre  giebt:  1 184 :  29.  Septr.  Papie;  27.  Octbr.  juxta  Vcronam;  4.  9iot)br. 
Vfn*e,  »gl.  @d)effers$oi(borfi  p.  49;  12.  9io»br.  apud  Montemselicem  alÄ 
3if*if;*  16.  Äoobr.  Viccntiae.  1185:  l.  3an.  apud  Leonana;  17.  San. 
Uade;  11.  jjefcr.  apud  Regium;  7.  9tyril.  Papiae  aU  „«&ofoicar ;*  28.  ftoftbr, 
^e  »iebex  aU  „Grtoä^ter," 


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248 

Heine  3üfle  aufweiten  f  wie  fte  wotyt  nur  von  ganj  eingeweihten 
Sßerfonen  beobachtet  werben  fönnen:  fo  bie  SSerbäd&ttgung  ßonrab'S 
von  3Hainj  unb  (Sonrab'S  von  2Borm$,  bafe  fte  bie  ©inneSänberung 
be$  ^apfte«  in  Sejug  auf  bie  SdjiSmattfer  ju  ©tanbe  gebraut 
Ratten;7)  bie  ferner  fefjr  genaue  Säuberungen  enthalten,  fo  j.  93.  über 
ben  3°w  ber  Sarbinäle  wegen  ber  oermeintlidfjen  Slnmafeung  ber 
©eutfdfjen,8)  unbgrofjeÄlarfyeit  geigen  über  bie  bort  uorgefommenenOe* 
fdfjafte.9)  Äein  anberer  norbbeutfdjer  ©eifllid&er  lägt  ftdf)  urfunbltd& 
an  beut  Jgofe  beS  ÄaiferS  wäljrenb  ber  SJer^anbtungen  ju  SSerona 
nadjweifen,  e8  liegt  ba^er  nafje,  f)ier  ben  Srwctylten  uon  fifibedf  für 
ben  Serid&terftatter  2lrnolb'$  ju  galten:  babei  ift  ber  ganje  2)eri$t 
burdfjauS  in  faiferlid&em  ©inne  gehalten,  namentlich  au<$  „bie  Trierer 
Sif$ofSwat)l"10)  ©rabe  für  biefe  2Baf)t  werben  ärnolb'S  SRadfjrid&ten 
befiätigt  bur<§  bie  glaubwürbigen  Geste  Trevirorum.11) 

3m  Qa^re  1186  würben  bann  na<$  bem  £obe  2uciu#  IL 
bie  SBerfjanblungen  mit  Urban  IL  fortgebt,  bie  ju  einem  33rud&e 
jwifd&en  $apft  unb  Äaifer  führten,  wegen  beffen  bann  ber  Äaifer 
bie  beutfd&en  Sifd&öfe  nadfj  ©einkaufen  beruft  unb  am  28.  ÜRo&br. 
einen  S3rief  be$  gefammten  beutfd&en  (SpiScopat'S  in  fatferüd&em  Sinne 
an  ben  Sßapft  üeranlafet.12)  £ier  ijt  6onrab  twn  Sübedf  ntd&t  mefjr 
am  fai?ertid)en  $ofe  nad&wetebar,  tneUeid&t  nur  be8§alb,  weil  in* 
jwifdfjen  inj  SübedE  ein  anbrer  SHfdfjof  gewählt  unb  6onrob 
nidfjt  meljr  electus  Lubeconsis  war,  fonbem  wieber  in  bie  faifet- 
Ud&e  Gapelle  jurüdftrat  unb  afe  fold&er  feine  ©elegen^eit  mel>r  §atte, 
bei  faiferlidfjen  Urfunben  als  testis  ju  fungiren.  ©0  ijl  e$  nid&t 
ju  entfdfjeiben,  ob  nod)  etwas  oon  bem  auSfülpttdjen  93eri<$t  über 


7)  Slrn.  III.  11:  De  qua  mutatione  domnua  Conradus  Moguntinus  et 
domnus  Wormacieneis  suspccti  habiti  sunt. 

8)  9lrn.  a.  a.  £>. 

9)  9lrn.  tjebt  unter  ben  plurima  negotia  tjerfcor:  bie  Söeifye  ber  €dtf«mattfer, 
ben  Stierer  $ifd)of*ftreit,  bie  Jöerljanblungen  roegen  ber  Äaiferfrönung  be«  &ötiigt 
^einrieb. 

,0)  ©0  g.  IB.:  ipsum  (sc.  Rodulfum),  ne  contumax  videretur,  ad  au  dien- 
tiam  hortatus  est  (sc.  irop.)  venire  .  .  . 

11 )  Ue&er  ben  Ijier  in  JBetrad)t  fommenben  9lbfd)nitt  ber  Geata  Trevirorem  ed. 
Styttenbad)  u.  SWüller  fprl d)t  ©aVftrs93oid»orfi  a.  a.  O.  Beilage  III.  P.  194  ff. 
unb  fledt  beffen  SBerty  fe$r  Ijod).  ffiie  ungerechtfertigt  erfdjefnt  alfo  $f?tlipt>fon'« 
gang  allgemein  tjingeftellte*  Urtfyeil  a.  a.  £>.  II.  p.  444:  „flrnotb  von  fcübecf  aber 
geigt  in  allen  aufjerfäd)fifd)en  fingen  bie  gräjjte  Untoiffenbeit." 

")  9lrn.  IIL  17.  19. 


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249 

biefe  SSerljanblungen  auf  U)n  gurfidfülpt;   aber  au<$,  wenn  man 

bie«    Dcnoetfen    foUte,   ifl   bodj    3$ibertd),   ber   neue   @rroal)lte 

von  2übe<f,  in  ©einkaufen  auf  bem  9tei<$$tage  geroefen,13)  auf  bem 

er  jebenfaltö  genaue  3Uu8hmft  über  ben  Streit  jnrijdjen  Äaifer  unb 

$apfl  befam,  unb  Slrnolb  fyitte  in  jebem  $alle  ©elegenljeit,  fid&  gute 

RadjpM&ten  ju  wrfdjaffen.    ©eine  angaben  über  ben  Sag  ju  ©ein* 

Raufen  laffen  fidj  mit  bem,  roa$  man  au«  bem  nod)  erhaltenen 

Briefe   9BidjmannV4)  über  biefelben  ©egenftänbe  an  ben  ^apft 

gerietet,  erfleht,  n>o$l  t>eremigen,  natürlufc  ijl  in  ©einkaufen,  wie 

au«  bem  »rief  f)ert>orgel)t,  über  Diel  me§r  fünfte  gejubelt,  al« 

Sntolb  bur$  bie  von  tym  angeführten  Sieben  glauben  mad)t.16) 

3n>iW&en  biefen,  bur<$au3  faiferltdj  gehaltenen  @tü<f en  finben  fidj  benn 

tyrrtijien,  bie  über  ba«  Ser&ättnifj  be$  (SrjbifdjofS  von  ßoeln  ju 

Äönig  $eittrid)  (VI.)  unb  au<$  jum  ftaifer  berieten,  in  bur<$au8 

feinbfeliger  Haltung  gegen  $einrid)  VI.,  ber  als  ber  griebenäfiörer 

pijd&en  ßird&e  unb  9leid)  unb  fpecieO  jnriföen  Äaifer  unb  ©rjbifdjof 

bargefieUt  urirb;lft)    6onrab  ber  6apeBan,  ber  (Srjieljer  ^einri^« 

VL  unb  fein  Äanjler,  lonnte  fotdje  Sßunfte  nidjt  an  2trn.  berieten; 

an$  ifl  nid^t  anjuneljmen,  bajj  ber  friebliebenbe  unb  gut  faifertt<$e1T) 

2#beridj  von  Sfibed  fie  tfjm  gebraut;  fte  tragen  in  i^rer  äugen* 

ft^einUdjen  Uebertreibung  unb  bem  lebhaften  ßolorit  ba$  ©epräge 

mfinblid>er  Xrabitton.  ©djon  bei  Sefpredjung  ber  ann.  Col.  max.18) 

labe  \ä)  barauf  Ijingenriefen,  ba&  ärn.  9tod)ri$ten  au$  6oeln  gehabt, 

bie  in  leiner  anberen  Slufjeidjnung  na<$roei8bar  finb,  biefe  Stellen 


u)  (fr  teflirt  in  ber  auf  jenem  JReidtftoge  für  bie  §tabt  Bremen  au«gefteüien 
Beraube  28.  9tot>br.  1186.  Sa^enb.  $amb.  Urfbb.  33.  I.  241.  <S$ejfer5$Boi<J)orft 
a.  a.  D.  p.  239/140  Regeren. 

M)  ©ei  Ludewig.    Rel.  mscr.  II.  445. 

")  9tod)  9lrn.  fottte  man  glauben,  bafj  ber  Äaifer  eingeljenber  nur  über  ben 
3e$nien  in  Saienljänben  geftrodjen,  bie  tfauptyunfte  nur  furj  berührt  Ijabe; 
bie«  ift  natürlich  ljöd#  untoaljrföeinlid);  Slrn.  überliefert  alfo  tt>or>l  nur  einen 
%W  ber  SBer^anblungen,  »gl.  <5*effer=93otd)örft  a.  a.  £>.  p.  114  ff. 

»)  $ier*er  gehören  bie  stellen:  Arn.  n.  11.  $einrid)'«  rütffi*t«lofe«  SBe* 
lehnen  gegen  bie  5>oml)erren  in  (Soblenj;  fein  ro$e«  ©erfahren  gegen  einen  italiettU 
fei  9ifd)0f  II.  17. 

lf)  9ra.IIL  14  nennl  tyn  Timm  jastum,  mansuetum  et  pinm;  V.  11 :  Quia 
Wem  epueopus  (sc  Thidericus)  Bremensibns  propter  fidem  imperii  familia- 
ritate  astrictuß  fnerat  — 

")  89I.  oben  p.  36  ff. 


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250 

ftnb  woljt  eine  Seftätigung  hierfür.19)  Sei  bem  lebhaften  SBerteljr, 
ber  fidj  jwifd&en  biefen  beiben  $anbel$fläbten ,  fiübedf  unb  Soettt, 
fdjon  frü^  gebitbet,  fonnten  gerabe  fol<$e  anecbotenartige  öeridjte 
üon  einer  ©tabt  jur  anbeten  übertragen  werben. 

3ur  3^it  §einrid/3  VI.  fommt  f)ier  junä<$fl  beffen  Äampf  mit 
$einrid),  bem  Söwen,  in  SBetradjt,  über  ben  Goljn  ausführlich  ge* 
tyanbelt  I)at;  Slrnolb  ift  fjier  nrieber  ate  ben  Vorgängen  jelbft  na^e 
fteljenb  aufjufaffen,  über  welche  er  waljrljeitöliebenb  unb  genau 
berietet;  id)  tann  für  biefe  $artf)ien  midj  auf  6ot)n  berufen,  bet 
iljn  für  ben  glaubwürbigften  ©etid^tcrftatter  biefer  Vorgänge  anfielt.20) 
©enauere  9iad)ridf)ten  bringt  3lrnolb  über  ^einrid)'«  VI.  3U9  na$ 
Italien  1194,  eine  @rjäl)tung,  bic  mit  einem  auafüfjrlid&en  Sobe 
be3  ÄaiferS  W&liefet;21)  ber  oben  ermähnte  Sonrab  würbe  1195 
Stetd^fanjler,  ben  17.  ©ept.  ift  er  fd&on  ate  foldjer  nachweisbar;2*) 
von  1196  war  ber  oben  befprod&ene  Srief,  ben  ärnotb  oon  i&m 
über  ipilbe^etm  erhielt;  id&  ne^me  mdjt  Slnftanb  audj  biefe  ©rjä&lung 
tljm  jujuf ^reiben.  &  folgt  ber  Äreujjug  beS  Sa&reS  1197.  ärnolb 
ift  Ijier  JpauptqueDe  unb  nur  wenige  abenblanbifd&e  ©erlebte  er* 
gänjen  i&n.23)  S)aJ5  er  §ier  nidjt  feljr  juoerläffig  iji,  f)at  SBUfen 
ßejeigt,  geograpljifdje  SSerwedjSlungen  fommen  xwr,24)  audj  wotyl 


lö)  3u  foldjen  53erid)ten  mürbe  id)  nod)  jaulen  bic  £8rrl?anblnng  be«  (Soelner 
(Jrgbiftfccfa  mit  bem  Jtaifrr  oor  brr  ©elnljäufer  (Sude,  bie  an  unb  für  fld)  glaufc 
mürbig,  anber*mo  aber  nidjt  berietet  iß.    Arn.  III.  18. 

20)  91.  Goljn,  dissert.  p.  lü—13  unb  p.  29-64. 

9I)  3lrn.  V.  20:  Ipse  siquidem  imperator  liberalissimns  erat  Quem 
Dens  ampliare  volens  dedit  ei  tbesauros  absconditos,  quos  infntigabiliter,  non 
tarnen  prodige  omnibus  erogabat,  non  tantnm  melioribus  vcl  nobilioribua, 
sed  militaribus  sive  vulgaribus.  Paupern  in  vero  non  segnis  provisor  erat, 
qni  se  in  omnibus  non  solum  prudenter,  sed  et  religiöse  cum  gravitatc  ge- 
robat. <§o  fattit  nid)t  berjenige  fpredien,  ber  über  bie  oben  (»gl.  p.  55) 
angeführten  (Soclner  dreigniffe  fo  ge^äffig  berichtete,  bagegen  Ijatte  woljl  (Sonrab 
tton  «&ilbedfjfim  ®runb,  bie  „mute"  be*  Äaifere?  ju  greifen;  aliquantulnm  cupi- 
dus  erat,  fagt  Slmolb  ttou  ifym  (III.  7),  aud)  feine  <ßrad)tliebe  toirb  ermähnt  8m. 
V.  26,  VII.  2. 

M)  SBcefjmer,  reg.  imp.  ».  1198—1252.  dinl.  p.  XIV. 

*8)  93gl.  2Bilfen,  ©efd).  b.  Jtreujjügc  V.  p.  52  »nm.  96. 

M)  ©arefria  wirb  hinter  ©$bon  genannt,  »ätyrenb  e«  tum  ben  Äreuj  faxtet  n 
auf  bem  ffiege  *on  Xyxui  nad)  ©nbon  fyat  berührt  »erben  muffen.  $8ilfen  V. 
p.  35  9tote  62. 


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251 

eine  falfdje  d&ronotogifd&e  (Sinreüjung,*5)  bagegen  ober  audj  genaue 
JageSbaten,  bie  einem  aufgejeid&neten  ©eridjte  angehört  §aben 
mögen.26)  3)er  güljrer  be8  3uge$,  eben  jener  Äanjter  (Sonrab,  fdjeint 
flünftig,  partyeiifd)  beurteilt  ju  werben,  wentgftenS  ftnbet  fid)  bie  fonfi 
erhaltene  SSerfion  bei  2lrn.  nidjt,  bafj  er  Don  ben  ©arracenen  beflo<$en 
fei,*7)  feine  %atyt  nad)  Gppern  mit  bem  ©rafen  Stbolf  ifi  befonberS 
wroa^nt;28)  Slrnolb  fonnte  leidet  über  biejen  3ug  91a<$rid)ten 
erhalten,  benn  gonrab,  ber  ßanjler,  unb  Slbolf  oon  $olftein  ftnb 
beibe  S^eilnefyner;  aucfy  fpiett  Slbolf  auf  bem  3uge  eine  bebeutenbe 
Solle,29)  aber  aud)  400  Sübeder  beteiligen  fid^  ;3°)  fo  glaube  idj 
taut,  bafe  ärnolb  allerbingä  von  ßonrab  ober  älbolf  eine  3luf>- 
feidjnung  fjatte,  biefelbe  aber  mit  münblid&en  SBerid&ten  burdjjfefcte 
unb  auf  biefe  SBeife  f)\tx  feine  fonfHge  3uoer^ffi0teit  t>erltert. 
8uf  münblid&e  SRad&rid&ten  weifen  aud)  ©teilen  roie  folgenbe:  V. 
5-26:  traditione,  ut  dicunt,  factum  — ,  dicunt  tarnen  quidam 
fc.V.  28:  Berite  vel,  ut  aliis  placet,  Baruth. 

am  anfange  biefe«  93erid&tS,  bei  ber  Slnroefentjeit  ber  Äreuj* 
Wjter  in  Italien,  fptHc^t  3lmolb  au<$  über  bie  ©mpörung  t>on 
U97.  Xoedje  ftettt  bie  -Kadjridfiten  über  bie  £t)eitnaljme  ber  Äaiferiu 
robetSSerfd&njörung  jufammen,31)  überfielt  babei  aber  9lrnolb  V.  26: 
nani  de  traditiono  imperatricis  et  aliorum  nobilium  illius  terre 
ei  constabat.  Traditio  Reifet  bei  2lrnolb  „SJerratf) ,"  nrie  ba«  ber 
£ewuÄgeber  in  ben  Mon.  Germ.  hist.  bereit«  an  einer  früheren 
Stelle  bemerft,32)  e8  folgt  benn  audj  normal«  in  biefer  Sebeutung. 


u)  Ueber  bie  3eft  ber  28a$l  Sdnalrid)'«  »on  (5w>ern,  bie  9(rn.  §u  frät  anfuhrt 
•Wm  V.  p.  29. 

H)  Slrn.  V.  26 ,  Slbfaljrt  ber  Ärrujfaljrer  »cn  ÜReffina :  circa  festnm  igitur 
k*ti  Egidii,  1.  ©eptbr.  Slnfunft  brrfelben  im  «ßafen  2lccon :  in  festo  bcati  Mau- 
neu,  22.  ©efctbr.  Sir«.  V.  29,  SRüftungen  gur  ©d)laci)t:  in  vigilia  purificationis 
**»te  Virginia,  I.  gebr. 

**)  €>o  in  ber  Continuatio  Sanblasiana,  Mon.  Germ,  hist  XX. 

*)  Hrn.  V.  26. 

*)  $et  3»eifanH)f  be«  ©rafen  mit  bem  princeps  be*  castrum  Baruth  ent: 
fWbrt  na$  9m.  V.  27  bie  ©Aladjt. 

*)  Hrn.  V.  25. 

*)  %1).  Xoe*e  a.  a.  £).  Neunte  Beilage  V.  p.  582. 

*)  ©ei  bem  $rorefj  £einrid)*  be«  Jörnen  toirft  ifjm  S^iberi*  oon  8anb*berg 
Witione*  imperii  öor,  Am.  II.  10.  Arn  V.  25  de  nostra  impia  traditione 
to»  100^1  nur  Reifen  „über  ben  gottlcfen  ©erraff  an  un6." 

16* 


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252 

9tod)  bem  £obe  ^cinrid^'S  §at  2ttnolb  feine  SRa^ri^ten  titelt, 
bie  eine  geroiffe  $artljeifärbung  jeigen,  bie  SBa^len  ber  beiben 
Äönigc  erjagt  er  nur  ganj  im  allgemeinen  unb  übergebt  tuefent* 
lidje  3%*'  wie  bie  SBerfammtung  in  ßrfurt  u.  a  m.,  worüber  bie 
annal.  Colon,  max.33)  unb  ba$  Chron.  Sampetr.34)  tuet  genauer 
unterrichtet  finb;  au$ftit)tüd)  wirb  er  bann  in  93ejug  auf  ben  Äampf 
ber  beiben  Äönige,  nimmt  aber  für  feinen  ber  beiben  entföieben 
Sßart^ei  %üx  bicfe  Äricge  nähert  er  fi<$  in  ben  £l)atfad)en,  511* 
weilen  aud)  im  3lu$brucf  bem  Chron.  Sampetr.,  bodj  nid&t  fo,  bafe 
man  an  einen  ßufammenfiang  glauben  bürfte.36)  ©eine  Chronologie 
tfl,  wie  fafi  überall,  ungenau;  ben  Sauf  ber  ßrjä^lung  unterbot 
er  burdj  eingefd&obene  ßapitel  über  ben  £ob  üetfdjiebener  ©eifilidjeti, 
fo  aud)  beS  Äanjlet'S  ©onrab,  ber  1202  erfragen  roirb.36)  Steffen 
®tabfd>rtft,  bie  Slrnolb  überliefert,  ift  aud)  fonft  uodj  erhalten.37) 

©eine  genauen  9tad)rid)ten  au3  (Soctn  bauern  fort,  fo  über 
bie  äbfefcung  be$  $Bif$ofS  Slbolf.38)    gür  bie  ©rmorbung  Äönig 


88j  9lrn.  VI.  1.  2.    Annal.  Colon,  max.  Mon.  Germ.  bist.  XVII  p.  806. 
M)  Chron.  Sampetr.  a.  1198  p.  45. 

**)  5Die  tton  8lrn.  unb  bem  Sampetr.  angeführten  XfyatfaaVn  betätigen  unb 
ergangen  fid),  fo  bag  man  fte  beibe  für  gute  Duellen  über  tiefe  $art$ie  betrauten 
barf.  3)ie  toörtiidje  Uebeteiuftimmung  nähert  fld)  am  meiflen  in  folgenber. 
©teile: 

Arnold.  VI.   5.  Chron.    ßampetr.  a.    1203,  p.  47. 

Philippus  cnim  cum  manu  gravi,  Unde  Philippus  rex  admodum  offen- 

Lippoldo  Moguntino  auxilium  ferente,  sus  ooadunato  principum  siiornm 
et  nliis  multis  copiis  Thuringiam  copioso  excrcitu  Thuringiam  hosti- 
intrayit  et  Erpisfordia  consistens  liter  intrans,  auxilium  ipsi  ferente 
totam  terram  in  cireuitu  vastabat.  Lupoldo   Mogontino   et  Erphordensi- 

bus,  omnia  quae  crant  lantgravii  et 
auorum,  ferro  et  igne  crudeliter  va- 
atavit. 

M)  So  VI.  3.  de  raorte  Conradi  Möguntini.  VI.  4.  de  morte  Ludolfi 
Magdeb.  archiepiscopi.  VII.  2.  de  mutilatione  decani  et  morte  cancellarii. 

»')  3Me  ®rabfdjrift  giebt:  SBoe^mer  fontes  I.  p.  XXXVI.  in  ber  öorrebe 
)u  Michael  de  Leone  »on  ©örjburg,  ber  fte  »otyl  vom  ®rabe  (Sonrab'6  abgefd>rt eben; 
er  lieft  flatt  (Arn.)  procumbo  —  pro  tumbo,  ft  dum  —  quia,  ft.  dent  —  dant. 
9Zad)ria>ten  über  SRagbeburg,  fotoie  aud)  bie  tu  Slrn.  VII.  2,  finb  toofcl  burd» 
bie  gamtlieusöerbinbung  be«  ©rafen  »on  ©Naumburg  mit  ben  ^Burggrafen  t>on 
SNagbeburg  au«  bem  «ßaufe  Du  er  fürt  gefommen. 

»•)  Arn.  VII.  1,  3,  4,  5,  6,  7. 


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253 

^ilipp'g  füljrt  erSJeroeggrünbe  an,  bie  nur  bei  ifjm  ju  fmben  fmb.39) 
abel  läfct  bie  2Baf)rfcbeinUd)feit  bicfer  @rjäf)lung  in  Setreff  be3 
»riefet  batyngeftellt.40) 

3n  unpartljeiifdjer  SBeife  rü£)mt  er  etnerfeitö  ben  Äönig  $ßl)iltyp, 
aü  er  beffen  £ob  ermähnt,41)  freut  ftd>  anbrerfettä  audf)  über  bie 
fc&ÜeBtidje  allgemeine  3faerfennung  Dtto'342)  unb  fpridjt  bei  biefer 
(Megenfjeit,  fotoie  bei  ber  Äaiferfrönung  beffetben  feine  Hoffnung 
auf  grteben  im  SReid^c,  auf  ^rieben  jroifd^en  Äirdje  unb  $eid)  aus.43) 
Samt  fdtfie&t  er,  trielleidfjt  weil  iljn  bieje  Hoffnung  5d)on  hirje  $eit 
nadd  ber  Äaiferfrönung  oerlaffen  mufjte,  bod^  §at  i(;n  nid)t  etwa 
ber  Xob  bei  bem  nod)  nid&t  ooflenbeten  Sßerf  überragt,  fonbern 
aus  freiem  6ntfd)luffe  legt  er  bie  geber  aus  ber  §anb;  nod) 
jum  ©djlufe  feto*  2Baf)r§eit3liebe  betfjeurenb  bittet  er  ben  Sefer 
feine  Srrtljümer  entfd^utbigen  ju  wollen.  3iel)t  man  bie  melen 
roertfjDoHen  SRad^rid^ten  in  Sted&nung,  roel$e  er  uns  burd)  fein 
fleißige^  SBerf  überliefert  l)at,  unb  joflt  man  feinem  Streben  nad) 
©afjrtjaftigfeit,  ba£  überaß  bei  it)m  hervortritt,  bie  gebü^renbe  2ln* 
etfennung,  fo  wirb  man  ber  legten  Sitte  be£  2lutor3  gerne  nrill* 
fa|nren  unb  nur  bebauem,  bafc  feine  Gfjronif  in  ber  nädrften  $t\t 
leinen  gortfefter  gefunben  f)at. 


w)  (Sx  fü&rt  einen  5kief  aU  bie  Urfad)e  an;  nur:  Arenpeck  cliron.  Bojoar, 
V.  ap.  Pez.  thesaur.  III.  3,  241  Ijat  eine  »eiliger  au$ffif}rlid)e  (ffrja^Inng,  in  ber 
aber  an«  ein  (Brief  eine  JRcüc  foielr. 

*°)  «bei,  Äönig  $(jütoP  p.  230  ff.,  p.  384  ff. 

4l)  VII.  C.  12:  Ceciditqae  vir  nobilis  et  potens,  raultis  adornatns  vir- 
tutibus.  Erat  enim  vir  mansuetus  et  humilis  et  adraoduin  affabilis.  Et 
qoia  litte  rat  us  erat . . . 

4t)  VII.  15:  Orta  est  autem  nova  lux  in  orbe  Romano,  jucunditas  pacis 
et  aecuritas  quietie. 

«J  VII.  19. 


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254 


VIII. 

Söcttrdgc  jut  ©efdjidtfe  brt  erftett  23ud>brucferet 
in  tfübecf- 

93om  D&ftaWcUatioitfraty  Dr.  $auli. 


vtg  bebarf  feiner  Unterfudjung,  wann  bie  93u$brucferfunft  burdj 
©utenberg  in  SRainj  ju  wirflic^en  ©ruäwerfen  entwidtelt  unb  aus* 
gebilbet  ift,  ob  fdjon  im  Qafjre  1450  ober  erfl  etwas  fpäter.  33e* 
lannt  ift r  bafe  3)eutfd)e  e8  waren,  weldje  biefe  Äunfl  weiter  per* 
pflanjten,  junädjfl  naö)  beutfäen  ©täbten  unb  unter  benen  be£ 
9torben3  juerft  nadj  Sfibecf.  3Jlit  ©ic^er^eit  wufcte  man  bisher  nur, 
bafe  l)ter  fdjon  im  Qa^re  1475  ein  S3u<§  gebruät  roorben  ijt,  weil 
man  e£  tennt,  aber  nic^t  t>on  einem  geborenen  Stibecfer,  Jonbern 
üon  Sucaä  SBranbtö  üon  ©dfjafe.1)  ©leidjwo^t  mufe  man  an* 
nehmen,  bafe  fdjon  cor  jenem  3al)re  tyer  9Ränner  eingemanbert 
waren,  weldje  bie  Äunft  aerftanben  unb,  waren  fte  §ter,  i^r  $funb 
nic$t  vergraben,  fonbem  benufet  Ijaben.  311*  ein  foldjer  SJudjbrudet, 
ber  fd&on  cor  1470  in  Sübedf  war,  barf  gelten  ^oljanneS  Äöl* 
1)0 ff.  2)enn  obgleid)  baS  im  Satire  1470  üon  tym  gebrudte  SBudb 
nid)t  in  Sübecf,  fonbem  melmeljr  in  Söln  erfd&ienen  ift  unb  et 
bamalS  föon  bortiger  Sürger  geworben  war,  fo  fonnte  er,  wenn 
er  in  biefem  Shld&e  fid)  nennt  „Johannem  Koelhoff  de  Lübeck,  Colo- 
niao civem,u2)  fid&  ni$t  wo^l  als  Itfer  ©eborenen,  fonbem  als 
Sübeder  33udjbrucfer  bejei<$nen.  SBemgftenS  in  ben  Diepgen  Ur* 
funben  unb  in  ben  Qnjcriptionen  unferer  Ober*  unb  SRiebepStabt» 


')  J.  H.  a  Seelen,  Selocta  Litteraria,  Lubecac  1726  p.  55S  sq.    3.   SW. 
fcaWenberg,  jur  ®ef<foid)te  ber  93ud)bru(ferfunft  in  Hamburg,  ©.  XV. 
*)  J.  H.  a  Seelen  a.  a.  D.  p.  556  9lot.  11. 


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265 

W^et  finbet  man  bie  dornen  ^icflger  Bürger  niemals  mit  bet 
Oqeifytung,  roo  fie  geboten.3)  2Bie  bem  aber  aud)  fei,  fo  be* 
ftatb  jebenfaDte  fd&on  oor  bem  Satire  1470  in  Sübedf  eine  $ud&* 
irafereL  3"  biefem  Qo^te  nämlidf)  fjaben  jroei  tyiefige  Bürger, 
€orb  §firlemann  «nb  SlmbroftuS  ©egeberg,  eine  9tnjal)l  uerfd&iebe* 
ner  getaufter  ©üd&er:  2  SHbeln,  15  kalter  unb  20  ©anoneS 
einem  dritten  jur  SBerfaufScommiffion  nad&  9ttga  unb  9tet>at  über* 
9^e«-*)  3$  glaubte  anfangs,  in  biefen  beiben  bürgern  fiübeder 
ft#rudkr  ju  entbeefen.  3)enn  in  ber  erfien  Qtxt  nadfj  ber  33ud&* 
brueferet  gab  eS  no$  feinen  eigentlichen  8ud#anbeL5)  9hm  Ijat 
jwr  aus  mehreren  3fnfcriptionen  beS  SRieberfiabtbud&S  ftdjj  er* 
geben,  ba§  bieg  nidfjt  8uc$bru<fer,  fonbern  Äaufleute  waren  unb 
wmgfienS  ©rfierer,  ber  ©d&nriegeroater  beS  Sefeteren,  ein  nid^t 
»nbebeutenber. 6) 

3fflein  eS  lommt  nid&t  oiel  barauf  an.  Äunfl  unb  (Selb  finb 
leiber  feiten  in  betreiben  Sßerfon  vereinigt.  3)aS  gefd&al)  ganj  be* 
fonbetS  anfangs  bei  ber  Äunft  ber  Sud&brucferei,  beten  Sßerfftätte 
Wiet  3Rittel  beburfte,  roeldfje  fjäuftg  bie  etften  Äünftlet  entbehrten. 
Sie  Öutenberg  ftd)  mit  feinem  üermögenben  aRitbfirger  gufi  oer* 
Wen  mu&te,  fo  war  aud&  bie  Sage  ber  jenigen  feiner  ©eljülfen, 
joel^ie  in  SRainj  gelernt  Ratten  unb  oon  bort  aus  bie  Äunft  über 
anbete  6täbte  oerbreiteten.  Unb  fo  fonnte  in  jener  3*ü  &ie  2to$* 
bnuferei  eingeroanberter  Äünftler  häufig  nidfjt  gegrünbet  roerben 
ofme  §ülfe  oon  2Rannern,  meldte  bie  Mittel  baju  Ratten,  fidj)  }U 
bem  gnbe  mit  Qenen  pereinigten  unb  auf  biefe  äBeife  Serleger  ber 


•)  $ennod>  nimmt  e*  an  *on  Seelen,    9tod)rid)t  oen  bem  Urfyrung  unb 
Jertgang  ber  $ud>brutferei  in  Sübetf.  1740,  ©.  3. 

4)  M  II.    (Sin  $rccef  über  biefe  33üd)er  »ar  in  fteoai.    3»i$elfen,  ber 
Cber^ef  j*  gübeef,  €.  146  ,V  58. 

*)  Wannfcripte  würben  feibfl  in  3talieit  nur  auf  $rfMlung  abgefeforieben. 
QeiB  e#,  namenUid)  an  Untoerfitäten,  j.  8.  in  Bologna  unb  fc  aud)  in  $ari* 
StatioMrii  gab  unb  butd)  biefe  ein  bebeutenbet  Serfetyr  in  JBüdjern  war,  fo 
ftarei  biefe  Sutionoiii  nur  6ud)*i-rletyer.  treidle  einen  33 errate  *on  SJtonufcrtyten 
WH  fie  mn9Rte%etb  jum  Äbfdireiben  Ijerjuletyen.  Unb  toenn  fie  aud)  nebenher* 
*«  Setfauf  in  öommiffion  beforgten,  fo  toar  iljnen  bo$  ber  <&aubel  mit  $ud>ern 
fwfcjn  »erboten,  (v.  @auigtttt,  Öef<W*  be*  flomifdjen  Stoftt«  im  SWittelalter, 
HL  6.  583  ff.) 

•)  .**  L  III. 


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256 

gebrudften  93üd&er  würben. 7)  2Bie  mittellos  bamate  oft  bie  %ufy 
bruder  waren,  beweifet  SucaS  33ranbi$.  SDa£  erfte  Söerf,  ba$ 
wir  lernten,  brudfte  er  im  ftatyct  1499. 8)  3)amal$  war  er  feinem 
©efeHen  ©eorg  3lid&olff  an  Soljn  nod&  fünf  ©ulben  fcfjulbig,  unb 
er  mu&te  bitten,  biefeg  ©elb  in  jwei  Serminen  bejahen  ju  bürfen.9) 
S)afe  audf)  Steffen  31  rnbeS  nidjt  ot)ne$ülfe  eine*  Slnberen  brucfte, 
werben  wir  unten  erfahren.  @o  fonnten  benn  audfj  Gorb  §ürle* 
mann  unb  2lmbroftu£  ©egeberg  Verleger  pon  Ijiefigen  SBüdfjern  fein. 
3)afj  nor  bem  Satire  1470  33üdjer  f|ier  gebrucft  würben,  ergiebt 
fid&,  wie  mir  fd&eint,  aud)  barauS,  bafc  fdfjon  im  Qafjre  1469  $u(fc 
binber  unter  biefem  tarnen  Ijier  waren. 10)  2>enn  obgleidfj  audf)  uor 
ber  (Srftnbung  ber  93ud&brucferet  SDtanufcripte  gebunben  werben 
mufften,  fo  fonnte  bodf)  in  ßtibedt  fd&merlicl)  ein  (Sinjelner  i>on  biefem 
©efdfjäft  leben,  unb  fo  Ijabe  idf)  benn  audf)  im  9lieber^6tabtbud^  &or 
jenem  Qalire  ben  tarnen  Sudfjbinber  nie  gefunben.  Slnber«  war 
eg  freiließ  im  ^Mittelalter  auf  ben  Unioerfitäten  Italien*  unb 
unb  ofjne  3weife^  aU(#  in  $arte,  wo  ber  Serfeljr  mit  §anbfd&riften 
für  £et)rer  unb  @df)iiler  feljr  bebeutenb  war.  So  mufete  j.  83.  in 
Bologna  jeber  ber  „ligatores  librorum"  eine  Kaution  oon  500  2ire 
fteflen. n)  Slber  f)ier  famen  fie  als  eigenes  2lmt  ber  Sudfjbinber  erfl 
mit  ber  Sud&brucferei  jur  Verbreitung,  unb  bie  blofce  Sfifienj  ber 
ßrfteren  ju  einer  beftimmten  $t\t  beweifet,  bafe  bamatö  bie  Ijieftge 
23u<$brucferei  fcfjon  Sudler  probucirt  (>atte.  ©enau,  wann  ein  Slmt 
gebilbet  worben  ift,  fann  mau  au«  ben  lieber  ^©tabtbiidfjem  nie 
erfefjen;  aber  bafe  bie  Sud&binber  e£  fdfjon  »or  1483  getrau  Ratten, 
ba£  erfe^en  wir  barauS,  bafe  in  biefem  Qaljre  ein  Sudfjbinbermeiftet 


7)  üöenn  Sappenberg  a.  a.  O.  @.  XLVII  fagt:  „3)ie  Q3ud)brucfer  ber 
früfjeften  3eit  waren  gewöJjnlid)  aud)  bie  Serleger  ber  au*  ifjrer  treffe  r)n*or; 
gegangenen  Söerfe,"  fo  fdjeint  mir  ba«  bebenflid). 

«)  a  Seelen  a.  a.  £>.  p.  678.    \>.  Seelen,  9tad)rid)t  ©.  36. 

9)  .VX.  $ier  f  emmt  juerfl  ber  Warne  bofbruefer  \>or;  W95  öeifjt  9Ratf>ru* 
33ranbt  nod)  Printer  (9Neber*@tabtbud).  Dorotbee).  ©d)on  im  folgenben  3af>re 
erfaßten  ®eorg  SRidtolff**  JDfjicin.  au«  toeldjer  manage  ®erfe  $erporgiriften  bi« 
1566/  toenn  aud)  nidjt  alle  »on  tfym,  fonbern  pon  feinem  €>ol)ne.  (93 on  Seelen 
a.  a.  £>.  <5.  37.  38.  39.  60.  6«.  66.  70.)  SBenn  p.  Seelen,  n>ie  e*  fd)eint# 
|toei  »erfAiebene  ©ud)brurfer:  9tid)ol(f  unb  SRictyoff,  annimmt,  fo  ift  bat  ein 
Srrt^um.    6.  aud)  Sa*>penberg  a.  a.  O.  S.  XXXV  u.  f. 

10)  «&inrif  Aofter  be  bofbinber  u^e  bem  perbemarfebe  tt>on^affH^. 
Wieber^iabtbud)  1469.    Egidii. 

")  p.  ©aüignp  a.  a.  O.  III.  @.  575  u.  f. 


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257 

unb  ein  jroeiter  93udf)binber  vox  bem  Sflat^e  tlagenb  erfdfjienen  finb. 12) 
tonn  bafe  nur  ber  erfte  Äläger  als  SOteifter  bejeid&net  wirb,  obgleich 
atu$  ber  jiüeite  e3  war,  giebt  ben  SJeroeiS,  bafj  Qencr  ber  Slelter* 
mann  feines  Slmte«  war. 13) 

3ugleid>  erfetjen  wir  au«  biefer  Urhmbe,  ba&  bamafe  ber 
Sudüdanbet  fid)  ^ier  fd&on  gebitbet  tyatte.  3)ie  Äläger  befeueren 
ft$  barfiber,  bafe  ein  botet>orer  jroei  frembe  33ud)btnber=@efeflen 
gelier  gebraut  unb  burdf)  fie  feine,  audf)  anbere  Südfier  binben 
laffe.  $en  Tanten  boteüorer  erblkfe  idfj  imSJtteberStabtbudf)  juerft. 
öier  ober  fefjen  wir  nid&t  einen  {jiefigen  ©ärger,  fonbem  einen 
fremben  8u<I$änbter  —  einen  fogenannten  ©oft  — ,  ber  mit  ©r* 
Imibnijj  be$  SRatfyS  l)ier  fein  ©efdfjäft  treibt  mit  feinen,  b.  §.  t>on 
äujjen  gebrauten  unb  anberen,  b.  i).  l)ier  getauften  #üdf)ern.  Unb 
fein  $anbet,  ma^rf^einUd^  befonber«  nadfj  bem  Sterben,  mar  nid)t 
unbebeutenb,  ba  er,  um  ro^e  SBüc^cr  ju  binben,  jroei  Sud&binber* 
©efeflen  mitgebrad&t  tyatte. 

3n  einem  ©efd&äfte  nad)  bem  SRorbcn  fe^en  mir  brei  Qa^re 
Später,  i486,  einen,  wie  e$  fdjeint,  audfj  fremben  33ud$änbler,  unb 
imx  nad&  ©dfjroeben,  roofyin  jmeifeteo^ne  bie  meinen  Sfidjjer  juerft 
certauft  rourben,  weil  bort  erft  hn  3a^te  1483  bie  Sud&brudfertunfi 
Stufet  fafcte.  u)  Unb  bajj  biefer  „etlite  geprentebe  böte"  nad) 
S^roeben  fjabe  pertaufen  motten,  erfahren  mir  feltfamer  Seife  nur 
babur<$,  bafe  nad&  ber  eibtid&en  SfoSfage  breier  Saugen  au«  ©ober* 
föping  cor  bem  tyefigen  Statte15)  berjenige,  meinem  berÄaufmann 
feine  Sfid&er  jum  SSertauf  nad&  ©dfjroeben  gefdfjicft,  bort  fie  burdl)* 
gebraut  ^abe.    @8  mar  alfo  ein  fd&ledf)te$  ©eföäft. 


ö)  M  IV. 

u)  (5.  Söeljnnann:  5Die  älteren  Subecfifdjen  3unftroUen  6.  129.  —  2>a 
übrigens  bet  j»eltc  JNäger  minbeflen*  fdjon  1469  Sudjbinber  n>ar  (Stete  10),  fo 
mag  ber  (ffrfh  e*  fdjon  früher  getoefen  fei«. 

")  *.  Seelen  a.  a.  £).  @.  l  (Rote  l.  Unb  toenn  aud)  bie  Söurjel  gefagt 
tear,  fo  Ijat  ber  SBaum  bod)  etft  fpäter  fid)  enttoitfelt.  $enn  ben  JDrurf  ber  SBerfe 
b?r  8.  Birgittae  de  Swecia  tonnten  fte  in  €>d)toeben  feifcft  1491  nid)t  erhalten, 
foibem  bie  3Wönd)e  be«  53irgitten*9Bab(lena-'Äio(ler<  mußten  fid)  nad)  fcfibecf 
»eoben,  »o  burd)  Stortyolomeni  @fj;otan  1492  ba«  befte  unb  berüftmtefle  SBerf 
*er  Sirgitte,  bie  revel&tiones,  erfd)ienen  ijt.  8-  «&ammetid),  <St.  Sirgitta,  bie 
wtbtfd*  ^ro^ettn  jc  @.  195  u  295  Oiote  58. 

"),WV. 


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256 

2lu8  ben  Sübedfifäen  Qncunabeln  femten  wir  bteljer  nur  oier 
Sudfjbrudfer:  SucaS  SranbtS  üon  ©d&ajs,  9Jtattl)eu$  2Jranbi$, 
33artf)olomeuj$  ©l>otan  unb  Steffen  ärnbeS.  S)er  8e|te 
ift  aber  nidfjt  nur  ber  frud&tbarfte,  fonbem  audfj,  wie  Sappenberg 
i^n  bejeid&nct,  ein  3Jlann  üon  ungeroö^nlid&en  ©oben  unb  3tyatfraft 
Sappenberg  möchte  iljn  barum  flern  feinem  Hamburg  trtnbtciren  unb 
nennt  ifjn  grabeju  ben  erften  Hamburger  unter  ben  33ud>brudfern; 
allein  er  fonnte  nid&t  beroeifen,  baf$  unb  xoann  er  in  Hamburg  ge* 
boren  fei.  Gr  fott  von  bort  juerft  nad&  Statten  unb  jroar  na<$ 
5ßerugia  geroanbert  fein,  unb  geroife  ift,  bafe  er  bort  im  Sa^re  1481 
Derbunben  mit  Slnberen  einzelne  Silber  §at  brudfen  laffen.  SBotyin 
er  fobann  geroanbert,  roiffen  mir  ntd&t,  bod&  fott  er  fdjon  t>or  i486 
in  ©<$te3roig  geroefen  fein,  roie  Sappenberg  meint,  roetf  er  fd&on  in 
biefem  3aljre  burdfc  bad  bortige  Sapitel  ein  SDUffal  brudten  liefe.16) 
Sßenn  baS  ber  gatl,  fo  mar  er  fdjjon  bort  in  Serbinbung  gefommen 
mit  einem  3Jlanne.  ber  für  feine  SBirffamfeit  fotgereidf)  mar,  Sau* 
renS  Seüe,  nom  Äönige  (Hjriftian  I.  im  %cfyxt  1472  geabelt  unb 
jum  ©toller  in  ber  Sanbfdljaft  9iorbfiranb  nerorbnet,  ©efifeer  be« 
bortigen  ©ttteS  SDtorfum,17)  ein  reicher  görberer  ber  Äird^e18) 
unb  baljer  audf)  ber  SBud&brudferfunft.  ©ein  ©oI)n  Seno  mar  6a* 
nonicuS  in  Siibecf  unb  Pfarrer  ber  ©t.  Sacobifirdlje,  ber  SBatet 
audfj  burd&  93ereljeUdf)ung  jroeier  feiner  Softer  an  tyeftge  9tatlj$* 
^errn19)  mit  Sübedf  üerbunben.  §ier  Ijatte  ©teffen  ärnbe* 
jebenfaObS  fd&on  im  Qa^re  i486  feine  3)rudterei;  benn  fdfjon  1487 
erfdfjienen  Ijier  feine  beiben  erften  SBerfe. 20) 

SJlag  SaurenS  Set>e,  bei  feinem  lebhaften  ©ifer  an  ftrd&* 
tü^en  Singen,  nur  bie  ätöfid&t  gehabt  t)aben,  ju  biefem  3^edfe  bie 
neue  S3udf)bru<ferfunft  ju  benufcen,  ober  mag  er  überhaupt  Steffen 
SlrnbeS  Sßreffe  tyaben  förbem  wollen,  fo  mcl  ift  geroifj,  bafe  Seibe, 
unb  jroar,  wie  eS  fdjeint,  gleid&  bei  MrnbeS  Stnfiebelung  in  Sübecf, 
jur  33udf)bru<ferei  jidfj  Bereinigt  t)aben.  3)enn  in  ber  Urfunbe,  na<$ 
welker  fte  im  Satire  1494  frieblidj  fid>  gefdjjieben,  Reifet  es,  ba& 


,Ä)  Sa^enbetg  a.  a.  ß.  6.  XIX-XXII. 

1T)  Sintern  $eimreid)«  9lorbfrififd)e  (Sfcronif,  $frcm«flege&en  *on    fcatf, 
$fj.  I.    <S.  234.    d.  Stemann,  gfcedjtegefäitye  oon  ©djlrttüig,  Xf).  2.  <S.  143. 
18)  H.  tfelinreid)*  a.  a.  ß.  ©.  166.  184. 
w)  a  Seelen,  Selccta  p.  688.    ».  ©eclen,  9tod)rid)t  @.  28. 
*°)  a  Seelen,  Seleota  p.  605.  607.    ».  Seelen,  WaQxity  ®.  14. 


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259 

„Sauren«  Seue  mit  mcifier  Steffen,  unbe  meifter  Steffen  mit  trat, 

ier  brudferpe  offt  prenteroerfeS  etjne  tpbt  l)er  fetfdjup  tofa* 

tnenbe  geljatl)  fyebben    unbe    ettife  iar    geftanben    Ijefft."21) 

ÄfcreS  fc^cint  aflerbing«,  bafj  für  btefe  ©efeüfdjaft  SaurenS  £eoe 

&öuptfäd)lid)  ben  $rotd  Ijatte,  biblifd&e  unb  befonberä  ©d^leöioig* 

finftidje  Sucfybruäereiiuerfe  ju   förbern.      3)enn  befonberS  foldje 

Sachen  tyat  ber  3Jteiftet  Steffen,  außer  feinen  trielen  norjügltdjen 

Süberfifd^en  9Bcrfen,  bie  mir  fennen,  btuefen  laffen,  unb  SaurenS 

Seoe  l>at  für  ba3  in  bie  ©efettfdjaft  bejahte  ©elb,  fotnel  mir  nriffen, 

wnSfaibeS  nur  fold^e  SBerfe  erhalten,  So  fjat  im  Jjfaljre  1493  SHefer 

Senem  gegeben  „53  miffale  be«  SleSmid&fdjen  ftidjteS  gfjeprentet 

unbe  nodj  5  miffale  in  permpnt  beffuben  fttdjteS  of  gfjeprentet 

unbe  nodj  99  tibebofe  beffuben  ftidjteä.22)    »ei  2luflöfung  ber 

©ejeflfc&aft  im  folgenben  Safere  übernahm  ber  aKeifter  Steffen  aDe 

St&ulben  berfelben.    dagegen  behielt  er  „alle  infirumente  unbe 

tetyjdnjp  utl)  ber  felfdjup  getugfjet,"  befannte  aber  jugleid),  ba&  er 

bem  Sauren«  Seoe  nod)  folgenbe  $ü<$er  fd^ulbig  fei,  nämlid):  37 

wiflal  in  papir  ro,  ....  bat  ftuefe  gerefent  vox  brubbefjafoen 

*wf<$en  gulben;  item  nod)  piff  mifftale  in  pergament,  bat  finde 

wr  lernen  rinfdje  gulben ,  item  nod)  90  bremer  in  papir  gebunben 

f/e&n)ifeffd>e3  fttdjteS,  bat  jhitfe  vox  tme  marf  lub.,  nod)  400 

axmgelia,  bat  ftuefe  vox  13  f dringe  lubefd):  fumma  ber  bofe  .  .  . 

696  mt  2  fd)U. 23) 

aber  nidjt  nur  tjat  Strubel  im  Satire  1496  bruefen  laffen 
muffen  SdjteStmgfd&e  Statuta  synodalia  et  provincialia,  *4)  fonbern 
bem  fiaurenS  ßeoe  im  Qaljre  1498  fid)  DerpfCic^tet ,  tf)tn  1030 
„paänal  (b.  I).  passionalia)  unb  1000  ©femptare  poftettatfdje"  ju 
liefern. 25) 

S)a  e«  übrigen«  am  Sdtfufe  be£  ^affional  Reifet:  „Qyx  enbigljet 
ftf  bat   paffionael   mit  wlen   npen  mereflifen  fronen    l)iftorien, 


*>)  M  IX. 

**)  a  Seelen,  Selecta  p.  688.    ».  (Seelen,  IRad)tid)t  @.  29. 

*)  J&  IX. 

*•)  a  Seelen,  Selecta  p.  661.    tJ.  ©eelen  <S.  31. 

tt)  a  Seelen,  Selecta  p.  689.  ».  ©eelen.  9tod)tid)t  ©.  36.  $ie  pas- 
nonalia  Ijatte  Ärnbe*  fdjon  1492  gebvueft  (a  Seelen,  Selecta  p.  632—34). 
».  €relen,  @.  21—22;  unb  mußte  im  3.  1499  eine  neue  Sludge  machen. 
1  Ö.  <8e«net  (Su^l),  33evjeid)ni$,  6.  68  *W  268. 

17 


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860 

be  bett  lieerto  ben  minfd&en  t>orborg§en  unbe  finb  gfjetoeji,  unbe 
ttu  ©obe    unbe   fyuen   tyßi$tn   to   low    in   bat    Ud»t  ut$ 
beme  latine  itt  bat  bube«f  g^ebrad&t  unbe  gfjebruffet  bot$ 
bat  kpeet  unbe  fünft  ©teffani  arnbe«,"  fo  fd&eint  e«  Rar,  ifi  et 
nid&t  nur  ber  ©rüder  ,  fonbern  audf)  ber  Ueberfefcer  getoefen;  unb 
ba«  fagt  er  in  feinem  feiner  übrigen  ©fid&er.   allein  nid&t  be«n>egen 
fonnte  Sappenberg,  wie  td&  oben  bemerfte,  jenen  SWann  nennen 
von  ungentöljnlW&en  ®aben  unb  Sfyttfraft,  fonbern  nur  —  too^et 
uwfcte  er  es  fonji?  —  auf  ©runb  t)on  Steffen  arnbe«  8ud&:  $e 
g$enod&Üfe  ©fcarbe  ber  Sunt^ett.    S)enn  in  feiner  eigenen 
eigentyttmlid&en  SSorrebe  biefe«  $ud&«  fagt  er,  feine  Sprad&e  be* 
ginnenb  tum  ber  iperrüdjjfeü  ber  ©djjöpfung  ©otte«,  biefer  grofee 
Reiftet  $abe  jutefct  gebilbet  ben  äRenfdjen,  für  biefe  ebetfte  Sreatttt 
aber  vorder  auf  ber  Erbe  alle«  gef d&affen,  toa«  tyr  not&roenbig  fei 
jum  Seben  unb  fo  aud)  alle  ärjneimittet  jur  Ärantyett  be«  Selbe«, 
oon  jenen  aber  befonber«  bie  aerfdjjiebenen  $ffanjen.    Unb  ba  für 
ben  2Renfd&en  auf  @rben  nid&t«  fo  ©ro&e«  fei,  at$  be«  ßeibe«  0e* 
funbljett,  fo  fcabe  er  für  feine  $erfon  e«  al«  ba«  ebelfte,  nfi|Ü<Pe 
unb  §eiligfte  SEBerf  eradfjtet,  ein  ©ud&  über  alle  ärjnei^ftonjen,  beten 
SRatur  unb  Äraft  $erau«jugeben.     S)arum  tyabe  er  einen  gelehrten 
SReifier  ber  arjnet  neranlafet,  ein  fotdfje«  #u<$  au«  älteren  bewährten 
SDfceiftern  ju  oerfaffen.    S)a  e«  aber  nöt^tg  fei,  biefe  $flan§en  ntd&t 
btofc  burd&  §örenfagen  ju  fennen,  fonbern  fte  aud&  felbft  genau  ju 
fefjen  nad&  ©eftalt  unb  garbe,  foldje  aber  nid&t  alle  in  S)eutfdS)lanb 
toadjrfen,  fo  $abe  er  ftdfj  entfd&loffen,  ju  reifen  nad&  betn  ^eiligen 
©rabe  unb  betn  Serge  Sinai,  roo  bie  ^eilige  Äatljarina  ruljet,  nüfct 
btofe  für  feine  Seele,  fonbem  audf)  jum  leiblichen  frommen  aller 
2Renfd(jen  auf  ber  2Bett.    ©o  l)abe  er  benn  aud&  einen  SJtaler  mit- 
genommen oon  Semunft  unb  in  ber  §anb  fubtil  unb  befcenbe,  unb 
tyiU   auf   feiner  langen  Steife  überall  in  fcurd&toanberung   aller 
Ä8nigrei$e  unb  Sanber  in  fleißigem  SSerfa^ren  alle  bie  ^flanjen 
in  üjren  ©eftalten  unb  redeten  färben  funterfeien  unb  entwerfen 
laffen.    ai«  er  nun  mit  ©otte«  $ülfe  in  ba«  beutfdjje  Sanb  unb 
fein  ipau«  toieber  gefommen,   Ijabe  er  fein  tateinifd&e«  8u<$  in 
ba«  ©eutfd&e  überfein  (^ebbe  if  fe  in  bat  bubefdje  taten  malen) 
unb  mit  allen  ^Pflanjen  brudten  unb  lefctere  malen  laffen.86)  —  jpier 


*)  M  VII. 


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261 

finb  feine  ©aben  unb  Stljatfraft.  ©ein  S3u<^  ift  erfd&ienen  i.  &  1492. 
SBann  er  feine  Steife  getnad&t  $at,  faßt  er  uns  nic^t.  ©8  fann 
aber  nur  fein  in  einem  ber  3atjre,  in  meinem  er,  fotnet  wir  nriffen, 
litt  feine  anbere  Silber  f)at  bruefen  taffen,  alfo  jnrifd&en  1489  unb 
1491  ober  genau  bem  10.  gebruar  1492. 27) 

Sum  ©bluffe  roitt  idf>  über  Steffen  Strnbeä  weitere«  Seben 
no$  golgenbe*  bemerfen.  @r  fjat  ftdfj  1493  üertjeiratljet 28)  3m 
3ßfre  1500  u>ar  feine  ß^efrau  fdfjon  geftorben,  er  ober  bamafe 
9e»orben  „rufctefd&rtoer"  ber  ©tabt. 2Ö)  3)od&  fd&eint  er  jugteiclj  Sudfj- 
brurfet  geblieben  ju  fein,  roenigflenS  feine  3)rudferei  behalten  ju  Ijaben. 
S)eim  bis  jum  Satjre  1515  finb  nodf)  SBerfe  au«  feiner  Sßreffe  erfd&tenen, 
aber  fooiet  nur  roiffen,  nur  brei  S)ie  jroei  erften,  bie  von  1505  unb 
1507 30)  finb  nur  neue  ausgaben  t)on  fd&on  früher,  1488  unb  1492, 
m  ärnbe«  gebrudften  Sudlern.31)  SDaS  britte  t)on  15 15  ift  aber 
ein  neue«.32)  Unb  bafe  er  9tedf)t  baran  tl)at,  feine  ©rudferei  ju 
behalten,  bemifet,  bajs  im  Saljre  1519  fein  ©o&n  $an3  ate  fein 
^#olger  erfd&eint. 3S)  Qm  Qafpe  1520  roar  ber  SSater  benn  audf) 
9$wben.  S)enn  bamatö  erfd&ien  eine  neue  2lu$gabe  feine«  be* 
hnnttn  SBerfeS:  ©enod&lid&e  ©arbe  ber  ©unbljeit  ßubedt  in  feel. 
Steffen  Slrnbe«  nagetatenen  S)rudferpe  1520. 84) 


"j  m  vi. 

**)  M  VIII. 

»)  M  XI.  XI f. 

*)  3.  ©.  @e*ner  (€uljl),  ©etjeidjnig  ber  fcoit  lsoo—1520  gebrurften 
a«f  ber  Sibliotljef  *u  fcübetf  beflnbtid^en  ©Triften  @.  18  .M  870,  bat  Q3oerf 
to  ^flig^ea  (Swangelti  *ßrofeden  unbe  (ffpißeln  o»er  bat  gljanfce  jjaer  mtyt  ber 
®lefen  unbe  (fremden.  1505.  ©.  23  .M  388  $affionael  efte  bat  le*ent  ber 
tyflig^en.    1507. 

11 )  ö.  Seelen  a.  a.  £).  ©.  613—14  unb  ©.  633—34. 

M)  ®e#ner  a.  a.  £).  @.  58  .V  585.  Job.  Murmcllii  Ruremundensis 
Pappa.  Impressa  per  Ktcphanum  Arndce.  Labeck  in  vico  regio  commo- 
urtem  1515.    3n  ber  Äcnigftrage  ftjo^nte  er  fdjon  1492  f.  M  VI. 

tt)  @e«ner  a.  a.  O.  ©.  87  .*&  697.  Qyn  mjge  (Salenber  k.  bord)  be 
Äwift  San«  «rnbe*.    1519. 

*)  $e*net  a.  a.  £>.  ©.  88  ***  703. 


171 


Digiti 


zedby  G00gle 


262 


ttvfttttftett* 

i. 

Sorb  §urleman  unbe  ämbroftu«  ©egebergl)  dot  beffetne  bofe 
^ebben  befanb,  alfe  Dan  be£  brubfdjatte«  unbe  bet  mebegiffte 
$aloen  Stjeben,  Sorbe«  bodjter,  »mbrofto  betrutoet:  int  erjfe, 
bat  Sotb  ipurleman  ^efft  ntebegelooet  jiner  bootet  Ojebcn  na  rabe 
jtaet  frunbe  fobane  gubete,  alfe  et  unbe  eteme  Äinbe  angefallen 
jint  na  bobe  seligen  $inrtt  SBatenborpe«  bx)  fobaneme  befd&ebe,  bat 
Sfatbroftu«  Dorfcreoen  Dan  beffen  guberen  entrichten  föatt  önme 
SBarenborpe  u.  f.  ro. 

9Kebet*®tabtbud)  1468,  Nativitatis  Christi. 

IL 
S&atß  Äofe  t>or  befTetne  bofe  fcefft  befant,  bat  &e  Dan  Sorbe 
ipurlemanne  tmbe  Shnbrofto  ©egeberge,  jineme  fioagere,  borg^eren 
binnen  ßubefe,  to  jinem  genog^e  ^efft  entfangen  tioe  btbulen, 
oefftepn  pf alter  rmbe  trointid)  canone«  gebrudet,  be  &e  benne  oppe 
berfulften  Sorbe«  onbe  Sfotbrofte«  geroin  tmbe  oerluft  na  9tyge  an 
Sorbe  SRomer  onbe  na  SHeueD  an  äRarquarbe  oan  ber  üRolen  outr* 
{jefanb  §ebbe,  be  benne  Sertolbe  oan  ber  §eibe,  borger  to  Steuefl, 
fobanne  tioe  bibuten,  oefftepn  pfatter  onbe  ttointid)  canone«  ouer* 
anttoorn  fäoten,  onbe  toe«  $an«  Äod  bar  oor  to  ongeibe  ^efft  ot* 
gegeuen,  bat  fd&al  eme  Sertolb  oan  ber  $epbe  gublifen  roebbergeuen 
onbe  entrichten,  fo  be  genante  Sorb  onbe  ämbrofiu«  be«  oor  befierae 
bofe  befanben  bergelifen. 

9tteber*@tabtbud>  1470  f  Katherine  virginis. 

III. 
Jpeijne  Solfce  oor  beffeme  bofe  $efft  befanb,  bat  ^e  unbe  $tne 
eroen  fdjulbid)  jinb  Sorbe  $urtemanne  unbe  jinen  eroen  wrn 
toegene  be«  irludjttgefien  tyeren*  foninge«  SrijiiemeS  to  2)ennematfen 
CCCC  tnarl  2ub.  reben  lenbe«  gelbe«  unbe  barto  CCC  marl  bet« 
fulfften  munte  mp  offte  meer  to  guber  tefenfdjop  van  wegen  egn 
rum  trigfdje«,  ben  eme  be  $er  foningf  oorbenomeb  in  ertpben 
utlje  fd(jipper  Äerffcooe  afffopen  $efft  taten,  uppe  toinadjten  negeft 
fomenbe  umbetooren  to  betatenbe. 

3ftteber*@tabtbud)  147 1,  Palmarum. 


Digiti 


zedbyGOQgk 


263 

IV. 

SRefter  $of)anf  bofebinbet,  onbe  $inticu$  Äoftet  vox  beme 
erfamen  rabe  to  Subefe  fint  etfdjenen,  ftjcf  ouet  So^annefe 
&Mtt,  tyntn  bofeootet,  bedagenbe,  bat  fc  ootmatS  eme  fine  bofe 
mnme  egn  tebbelid  gelt  gebunben  onbe  eme  affootbent  tjabben,  fe 
weren  od  \)xp  borget  onbe  moften  borget  tedf)t  boen,  fd&oten,  toafen 
mibe  otbmafcn  je,  fo  $abbe  Ije  bir  nu  ttoee  otoembe  gefeflen  gebtadjt, 
be  eme  ftne  tmbe  o!  anbet  bofe  bunben,  bat  en  to  gtoten  föaben 
mibe  to  ootoange  toete  k.  $tt  opp  be  etgenante  taebt  na  clage, 
antrootbe,  teber  tnfage  tmbe  mebbettebe,  na  befptafe  onbe  tgpen 
taebe  oot  ted)t  affeben:  men  Ijabbe  eme  fine  bofe  Ijit  to  ootfopenbe 
tyi  gegunt,  funbet  na  beme  be  troe  otombe  gefeUen  $it  nepne  bot* 
get  roeten  onbe  fobaneä  tmfen  botgeten  to  ootoange  toete,  fo  modjte 
bat  ni^t  toefen,  funbet  fe  fdf)olben  bat  affieDen.  ©cteuen  oan  beuele 
be«  rabe«.    Actum  ut  ante. 

9Webet*@tabtbud)  1483,  Visitationis  Mario  virginis. 


$eter  Slnbetffen,  botgetmejiet,  tmbe  Sßetet  ©pegelbetcb,  tabt* 
nwn,  onbe  ätnbt  ©atpe,  botget  to  ©ubetfopingen  in  ©toeben, 
wr  beme  etfamen  tabe  to  Subefe  fprtt  etfdfjenen,  bat  be  fulüe  5ßetcr 
Snbctfen  onbe  Sßetet  ©pegelbetd>  bp  ben  egben  eteme  tabe  gebaen 
mibe  Statbt  Oatpe  m^t  fonem  otygefttedfeben  atme  onbe  opgettö&te* 
ben  opgeten  Itjfltfen  to  ©obe  onbe  ben  tyilgfien  b^bben  gefegt, 
Mtricijtet,  gefrooten,  tuget  onbeioaetgemafet,  fo  alje  benne  $inticu£ 
Sridler  3ofie  oan  @get  etlife  geptentebe  bofe,  omme  em  be  in 
Sweben  to  twtfopenbe,  mebe  gebaen  onbe,  alfe  eme  mt)8bud&te, 
%t  Spatden  eme  nagefant  tmbe  mad&t  gegeuen  b<*bbe,  fo  bebbe  be 
iulue  $ofl  van  fobanen  bofen  wie  ootbobbelbt ,  etlife  ootgeuenn 
mibe  od  etlife  t>ot  petbe,  be  bod^  fere  fletme  oan  bogeben  meten, 
oötbutebt  onbe  tmnutlifen  togebtad&t  onbe  fif  of  etlifen  pepet  fielen 
loten  fjebbe  tmbe  $ebbe  9Jite  be  flotele  genomen  onbe  bte  bage  en*. 
**4>  getyat,  bat  bet  gan|en  flabt  to  ©ubetfopingen  toot  loitlid  toete 
Sflet  funbet  atgelift  ©cteuen  oan  beuele  beS  tabeS. 
9Hebet*©tabtbudj  i486,  Viti  niartivis. 

VI. 
3Weftet  Steffen  Sttubeä  oot  ftjd  unbe  fgne  etoen  oot  beme 
etfomen  tobe  to  Subefe  unbe  oot  beffem  bofe  tyefft  befant,  bat  Ije 


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264 

Dan  fjeren  Qoljanne  mn  ber  93erge,  prefier,  to  ouDefomenber  genoge 
XXXV  £ub.  maxi  rebeä  gelbes  entfangen  fjebbe,  baroor  ^e  em  bat 
ljufefen  mpt  bcm  teuer  adjtet  fonem  tyufe,  in  bcr  fonigfflrate  belegen 
neffen  ber  munte  porten,  ot)er  be  tiU>  tyneS  leoenbeä,  fo  bat  tne 
nemanbe«  ut&uren  tat  mögen,  oorfiuren  fjebbe  to  brufenbe.  Unbe 
be3  fal  befulne  Ijere  Sogan  bem  befitter  be$  groten  fytfeS  baroot 
tarltfeS  alle  iare  VIII  2ub.  mar!  baroor  geoen  be  tübt  foneS 
leoenbeä.  3foer8  maneer  l>er  3o^an  in  ®obt  ben  $ern  tt  gehörten, 
fo  fal  beffer  einbrad&t  mebe  bot  tiefen  funber  argelift. 

9tieber*6tabtbud)  1492.  Scolasfcice  virginis  (io.  gebruar). 

©gelinge  unbe  troebrad&t  ii  geroefen  tuffd&en  ?ßeter  ^SopucI,  an 
be  egne,  unbe  Steffen  Ambe«  epnem  prent  er  ,  an  be  anbern  fiben, 
etlifer  fd&ult  Rainen ,  baroner  fe  bord>  be  erfamen  l>ern  3o$amte 
Sejteben  unbe  l>ern  ^artige  nan  ©titen,  raebtmanne  to  Subefe,  . . . 
ftn  norlifen  unb  norfd&eben;  fo  bat  Steffen  2lrnbe$ . . .  $efft  befant, 
bem  ergemelten  Sßeter  .  .  .  CCCLIX  marf  VIII  fd&illinge  unb  IV 
penninge  Sub.  fd&utbtöj)  to  mefenbe. 

SRicber*©tabtbtt($  1492.  Undecim  milium  virginum  (21.  Oct> 

VII. 

SSafen  unbe  oele  ^ebbe  i(  bp  mp  fulnen  onerbad&t  be  wun- 
berltfe  werfe  be$  fdjjepper«  ber  nature,  wo  t>e  in  beme  anbe* 
ginne  ben  Ijemmel  trefft  g^efd&apen  unbe  g^iret  mit  fd&onen  lud) 
tenben  flernen,  ben  ^e  to  infletenbe  (in  alle  bat  unber  beme  fcm* 
melbe  \&)  frafft  unbe  mad&t  g&eoen  Ijefft.  Df  n>o  ^e  bar  na  be 
wer  element  gtyefd&apen  fcfft,  bat  tmer  $eit  unbe  brogef  be  lud&t 
Ijett  unbe  nud&t,  bat  water  (ott  unbe  mid&te,  bat  ertrife  broge  unbe 
folt,  epneme  iemelfen  fone  nature  gtyeoenbe.  Öf  u>o  be  fufoe  grote 
mefter  ber  nature  bama  trübe  (mennigtyerlepe  nature)  unbe  aller 
lege  flehte  beerte  unbe  to  beme  lateftcn  ben  mpnfd&en  (man!  allen 
creaturen  bat  ebelfte)  gljemafet  fyefft  unbe  gljefd&apen:  bar  mebe  uv 
nel  mg  be  munberttfe  fd&tdfinge,  be  be  fc&epper  benfuloen  Syntn 
creaturen  trefft  gtyenen,  aljo  bat  allet,  bat  unber  bem  fjemmele  egn 
mefent  tyeft,  fone  nature  van  unbe  bord&  be  ftemen  entfanget  unbe 
Ijolt  Df  bat  epnem  teroelfen,  bat  in  ben  obgljerorben  oeer  elemen> 
ten  entfpringet,  roaffet,  teoet  effte  fmeoet  (ib  ty  erfce,  ebbelfleente. 
hübe  effte  beerte)  fynt  normenget  be  neer  nature  ber  dement,  als 
l)itte,  folbe,  nu<$tid>eit  unbe  broge^eit    Unbe  als  to  Donnedenbc 


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zedby  G00gk 


265 

a,  be  bcrorben  t>eer  ttatute  ol  in  ben  mgnfd&lifen  ttd&name  oor- 
»ngct  fgnt  in  egnet  mate  unbe  fd&iffinge  bequeme  be«  mpfd&en 
Iwnt  unbe  nature.    Qn  weiterer  mate  be  wile  be  mgnfdfje  fielt, 
ä  §e  ortfdfj  unbe  g&efunt,  u>en  Ije  ooer  ttcb  effte  po(t  uttye  ber 
mate  ber  oeer  nature,  bat  benne  fdjuet,  wenn  be  fyitte  flau«  ot>er* 
$ant  nptt  unbe  arbeibet,  be  folbe  to  beftipenbe,  effte  webberumme 
be  folbe  be  §itte  anl>epet  to  oorbrudfenbe,  effte  wen  be  minfd&e  tml 
Wber  oud&tid&eit  wert,  effte  fine  mu&tid&eit  ooer  be  mate  entfettet, 
fo  oalt  $e  van  noet  wegen  in  frqntyeü  unbe  nalet  ben  bobe.   Drfafen 
wer  fulfe«  uotberorben  gebrefe«  ber  oeer  naturen  mate,  in  weif  er 
be«  mpnfd&en  funtfceit  unbe  leoent  fteit,  fqnt  oele:  nu  be«  tyemmel« 
fmmfd^e  unbe  twrborgen  inflote  webber  be«  mpnfd&en  nature,  benne 
ber  ummefiaenben  lud&t  unrenid&eit  unbe  »orgijftinge,  nu  unbequeme 
W  #e  branf,  ebber  bequeme  tuen  nid&t  to  red&ter  mate  effte 
fyt  jfjenomen.     SSorware  fo  lid&tlif  wölbe  if  teilen  be  blabe  ber 
taw  effte  be  fanbeSfome  be«  mere«,  al«  if  oorteBen  unbe  oorcla* 
ttn  föolbe  alle  be  binge,  be  epne  orfafe  tynt  be«  äff  alle«  oan  ber 
«oft  ber  oeer  naturen  unbe  egn  anbeginne  be«  mpnfd&en  franf^eit 
Sananme  fo  urameftoen  ben  mpnfd&en  bufent  unbe  ooer  bufent 
«•erii^eibe,  neen  ogenblif  i«  |>e  foner  funtyeit  effte  fone«  leoenbe« 
pnS  Jcfer.    3)o  if  folfet  betradfrtenbe  wo«,  t>eel  mp  of  in,  wo  be 
ftepper  ber  naturen  (be  un«  in  folfe  oarttd&eU  gefettet  fcefft)  web« 
bet  mit  epnem  anberen  gnebid&lifen  ooerfeen  J»efft,  bat  i«  mit  .aUer* 
tepe  flehte  bet  frube,  beerte  unbe  anber  creaturen,  ben  ^e  frafft 
wibe  ma$t  gfoeotn  beft  be  oorberorben  oeer  naturen  webberbrin* 
geuber  werfenbe,  g^eoenbe  unbe  bempenbe.    ©gn  frut  Rittet,  bat 
«Hbere  folbet,  egn  iewetf  na  ber  grabe  fpner  nature  unbe  complej ien. 
$e*  glifen  t*le  anber  creature  (up  bem  ertrife  unbe  in  bem  watere) 
beme  mijnfd&en  (bor^  ben  fd&epper  ber  nature)  jrjn  leoent  entljotben, 
bwd&  wettere  frube  unbe  creaturen  frafft  be  franfe  mpnföe  in  ber 
«eer  naturen  mate  unbe  to  fone«  lioe«  funkelt  webber  maty  fomen. 
Jto  bem  male  ooer  be  minfd[je  uppe  erben  nid&t  groter«  tüd^t  ebbe« 
lad  idjatte«  Ijebben  mad(j,.men  fpne«  lioe«  funtljeit,  let^  if  mg 
bwwfen,  bat  if  ni^t  eerlifer,  nidf)t  nutter,  ntd&t  ^ilgljer  werf  effte 
wktit  begaen  mochte,  men  ti)\\  bot  tofamenbringen,  bar  in  oeler 
tobe  (unbe  anber  creaturen)  frafft  unbe  nature  mit  eren  redeten 
fe»en  unbe  gljeftalt  worbe  begrepen  to  aller  werlbe  troft  unbe 
gemeinen  nut     Stoma  &ebbe  if  folf  loflif  wert  laten  anljeoen 
ta$  *9nen  mefier  (in  ber  arfiebpe  girieret) ,  be  na  mgner  begerbe 


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zedby  G00gk 


266 

ut&  ben  bewereben  meftern  in  bet  arfiebge:  ©alieno,  Sfoicenna 
Serapione,  SiaScoribe,  Sßanbecta,  ^lateario  unbe  anbeten  x*ler 
frube  frafft  unbe  natute  in  eyn  bo!  tofamen  trefft  gljebrod&t.  Unbe 
ba  if  up  entmerppinge  unbe  funterfeiiginge  ber  ftube  gtjan  bpn 
(oormibbeS  arbeit),  merfebe  if,  bat  t>clc  ebbele  trübe  font,  be  in 
biffen  bubefdfjen  (anben  nid&t  waffen.  Storumme  if  be  fulnen  in 
erer  tedjten  farwe  unbe  gfjeflalt  anber«  entwerpen  nid&t  mod&te, 
men  oan  Ijoren  feggen.  ©eftyatoen  if  folf  angtyeljoDene  werf  um 
foifomen  unbe  in  ber  febber  fangen  letl),  (solange  bet  bat  if  (to 
oorweroenbe  gnabe  unbe  aftat)  mx)  bereibe,  to  t^enbe  to  ben  billigen 
graoe,  of  to  bem  bergige  ©inap,  bar  ber  ^iüig^en  iunefrouroen 
funte  Äat^erinen  ltd&am  lid&t  unbe  rouioet  SDodE)  bat  folf  ebbel 
ange^ooen  unbe  unfulfomen  wert  ntd&t  nableoe,  of  bat  mtjne  bebe* 
faert  mdfjt  aDepne  to  mpner  feien  fatid&eit,  men  of  aller  toetlbe  to 
women  mod&te  fomen,  nam  if  mit  mt)  epnen  maelte  van  oomunft 
unbe  tyant  fubtpl  unbe  be^enbe.  Unbe  bo  wij  utf)  bubefd&eu  lanben 
gljeretrfet  fynt  bord&  SBelfd&elant,  $iftriam,  bar  na  bordfj  ©latwnge 
effte  wenbefd&e  lanb,  (Sroacien,  Albanien,  Stalmacien,  of  bordfr  be 
grefifdjjen  tanbe  Gorfon,  SKoream,  Ganbiam,  Stobt)«  unb  ßipern  beb 
in  bat  gljelooebe  lant  unbe  in  be  IjiHigljen  ftat  Qljerufalem,  unbe 
van  bar  bor<$  flene  Arabien  to  bem  berglje  <St)nar)f  oan  beme 
berglje  @pnap  na  bem  roben  meere  to  Sllcatjr,  öabilonien  unbe  of 
Slfleyanbrien  in  ©gipten  unbe  van  bar  toebber  in  Eanbien  (in  botdj* 
wanberinge  folf  er  fonninfrife  unbe  lanbe),  tyebbe  if  mx)  mit  olite 
oorfaren  be  frube  barfutoeS  unbe  be  in  eren  redeten  farwen  (unbe 
g^eftalt)  laten  funterfepgen  unbe  entwerpen. 

Unbe  bama  bo  if  (mit  ber  ljulpe  ®obe«)  webber  in  bubefd&e 
lanb  unbe  to  ljufj  fomen  bijn,  be  grote  leoe,  be  if  to  beffem  werfe 
tyebbe  geljat,  trefft  mx)  beweget  bat  to  tmttenbrtngenbe,  alje  nu  mit 
ber  ljulpe  gobed  oullenbrod&t  \&  unbe  nome  bpt  bot  to  latine: 
Ortus  sanitatis,  to  bube:  epn  garben  ber  funt&ett,  in  weitem  garben 
men  oinbet  CCCC  unbe  L  frube  mit  anberer  creaturen  frafft  unbe 
bogljeben  to  be3  mpnfd&en  funt^eit  benenbe  unbe  gbemetjnlif  in  ben 
apotefen  to  arpebpe  gebrütet  werben.  Unbe  beffe  (bp  Defftefyxlff 
^unbert)  mit  eren  farwen  unbe  gljeftalt,  alje  fe  \pqt  erfd&pnen,  uppe 
bat  ib  aller  wertbe  (g^elerben  unbe  lepen)  to  nutte  fomen  mogip, 
§ebbe  if  fe  in  bat  bubefd&e  laten  mafen.  Styt  bot  wert  gebelet  in 
oiff  bepl.  (SHefe  werben  l)ier  mitgeteilt)  9lu  oare  fjeu  gn  alle 
lant,  bu  ebbele  unbe  fdfoone  garber  epne  twrquidtinge  ben  gfpfunben, 


i 


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zedby  G00gk 


£67 

tun  troft,  !>opene  unbe  fjetpe  ben  tränten,  be  bitten  nut  unbe  bitte 
pnidjt  noedtfam  utfpreten  moglje,  leoet  nttn  mgnfdje.  —  3t  baute 
bem  fdjepper  tyemmelrite«  unbe  ertrite«,  be  ben  trüben  unbe  anbe* 
xtn  creaturen,  in  beffem  garben  begrepen,  traft  g^eoen  §efft,  bat 
l>e  tax)  fobane  gnabe,  beffen  f$at  (be  bet  $erto  bet  tnepn^eit  be* 
graben  unbe  oorborgen  t«  gfjetoeft)  Ijefft  oorgunnet  an  bat  lid&t  to 
brpngenbc  @m  fy  eere  unbe  lof  nu  unbe  to  enrigljen  tpben.  SCtnen. 
33ot  bem  legten  Siegifler  Reifet  e«:  §\)t  enbtgtjet  ft!  bat  boet 
bet  trübe ,  ber  ebbelen  ftene  unbe  ber  toatere  ber  mtmfc&en  glje* 
turntet  .  .  .  unbe  g&ebrudet  i«  bord)  bat  beoeet  Steffani  ämbe«, 
imoonet  ber  taiferliten  flat  Subed,  na  ber  bortl)  unfe«  Ijeren 
MCCCCXCH:  be«  ®ot  (mit  atteme  Ijemmelföen  ^eere)  gl>elaoet 
unbe  gieret  fy  nu  unbe  to  etoig^en  tiben. 

VIII. 

SReftcr  Steffen  Slrnbe«  oor  ben  erfamen  rabe  to  Subete  fyefft 
betont ,  bat  &e  $tnrite  &elmfleben,  tynen  fieefttnbe,  oan  oeberltter 
etp^tinge  bre&unbert  margt  tubefö  utge&ed&t  fcebbe:  barto  faß 
unbe  rata  f>e  batfuloe  tinbt  mpt  foft,  Wjoen  unbe  tlebingen  bell)  to 
fywn  munbigen  iaren  unoormpnert  ber  ergemelten  fummen  trutoc 
Uten  oonoefen:  bar  oor  tye  em  ben  egenbom  ftjne«  ljufe«  in  ber 
oleifdjoutoer  fkrate  .  . .  unbe  alle  fyne  rebeften  guber  oor  ben  erge* 
melten  rabe  unbe  oor  beffen  böte  Ijefft  oorpanbetfj. 
9lieber*Stabtbudj  1493.    Reminiscere. 

IX. 

SReifter  Steffen  2tmbe«  oor  fuf  onbe  tyne  eruen  oor  beffeme 
böte  Ipfft  onbebnmngenn  mit  frpen  toolbebadjten  mobe,  funber 
olle  f ruhten,  oaer  onbe  bedinge  apenbar  befantl):  bat  ty  an 
beäfeen  lopigen  oetonbenegenügeften  jar  amme  bonrebage  be«  ttota* 
tigcftcn  bage«  be«  mante«  gebruarij  ac  uppe  ber  toebemen  to  funte 
3acop,  bar  nu  tor  tibt  be  toerbige  Ijer  Seue,  boctor,  bom^er  to  Su* 
We,  alfje  epn  ferd^er  ber  erbenanten  funte  Jacobe«  terdfm  uppe 
twmefy,  mit  beme  futuen  boctor  alfee  epetne  futtmed&tigern  Sauren« 
8ettenr  fem«  oaber«,  auereijngetamen  t«,  alfie  Ijir  nafolgetl):  alfc 
tarne  be  erbenante  Sauren«  Seue  mit  meifier  Steffen  onbe  meifter 
Steffen  mit  eme  ber  brudenje  offt  prentetoerde«  etjne  tybt  t>et  felfd&up 
tofamcbe  get>atf)  Ijebbenn  onbe  ettite  iar  geftanben  fcefft,  bat  $e  [\d 
tatyaluen  mit  bem  erbenanten  f)ern  boctor  alfe  Sauren«  erbencmteb, 


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zedby  G00gk 


268 

forte*  tmber«  futttted^tigcn  procurator,  tmbe  be  futue  ^er  boctot  mit 
eme  fobarter  fetfd>up  Ijaluen  guttuen  tmbe  frunttifen  fcebben  ge^ 
fd&eiben;  fo  bat  Steffen  erbenomet  t>or  beffeme  bofe  befanbe,  bat  t>e 
in  fobaner  fd&cbinge  up  fiel  genanten  ^efft  alle  föulbe,  be  fubfer 
felfdjup  l>atuen,  be  rotte  be  geroart  Ijefft,  gemafetl)  fen,  fo  bat  &e 
offte  fone  eruen  be  epnem  ibemtan  t>t$  ber  felfc^ttp  gutlifen  fd&afl 
tmbe  rottt  betalen,  fo  bat  Sauren«  Seue  berfiatuen  tmbetajietlj  toefen 
tmbe  bliuen  fd>all.  Star  entiegen  fd&att  tmbe  madj  be  etbenante 
meifier  ©teffenn  2trnbe«  beljolben  aDe  be  infirumente  tmbe  retf>* 
fd&up  vti)  bet  felfdjup  getugetf),  tmbe  be  fulue  meifier  ©teffen  blifft 
Sauten«  Seuen  offte  fonen  eruen  f<$utbu$  etlilc  bofe,  nemptltfen 
fouen  Tmbe  bruttidj  miffaH  in  papir  ro,  bat  i«  mtberebet  tmbe  tmge* 
bunben,  bat  fiude  na  erer  beiber  norbradjt  t)nbe  mitten  angefettet 
tmbe  gerefent  nor  brubbefialuen  rinfdjen  gulben,  item  no<$  triff 
miffat  in  petgament,  bat  ftude  angefettet  oor  fouen  rinfdie  gulbenf 
item  no$  negentid)  breoier  in  papir  gebunben  jlef$roife«fd>e«  jitd&te«, 
bat  fhtdfe  angefettety  vox  troe  marf  lubefd),  nod>  oerljunbert  euan* 
gelia,  bat  fiude  angefettetlj  oor  bruttepn  fdjittinge  lubefcfc,  fumma 
ber  bofe  alle,  be  be  obgemelte  meifier  ©teffenn  alfo  fd)ulbid[>  blifft 
bem  norgenanten  Saurentio  offte  fonen  eruen,  an  gelbe  angefettet 
i$  fo«f>unbert  t)nbe  fo«  tmbe  negenti$  marf  tmbe  troe  f<&ittinge 
Utbefd&.  SSorbermer  fo  Ijefft  be  obgenante  meifier  ©teffen  ärnbe« 
bg  bem  ergemelten  ijem  boctor  alfe  Sauren*  Seuen,  fyne«  tmbet« 
fulmedfjttgen,  ben  for  tmbe  mad)t  beljolben,  be  oorbenanten  fummen 
gelbe«,  alfe  fo«f>unbert  fo«  tmbe  negentid)  marf  lub.  tmbe  tme 
fdjUUnge,  to  betalenbe  an  ben  oorberorben  bofen  na  werbe,  fo  be  na 
beiber  mitten  angljefettet  jgnbt,  offt  an  reben  gelbe,  meld  pan  ben 
beiben  mefier  ©teffen  offt  j^nen  eruen  geleuet^,  weide  oorberorte 
fumme  gelbe*  offte  bofe  be  befulue  meifier  ©teffen  Sauren«  Seuen 
erbenant  alfo  fc&ulbidj  to  roefenbe  oor  beffeme  bofe  befanbe,  tmber 
gubem  geloucn  lauenbe  onbe  fid  oorpltd&tenbe,  ^e  offte  fone  eruen 
bem  genanten  Sauren«  offte  fonen  eruen  fobane  gelt  offt  bofe  in 
bren  jaren  funber  mibbett  negeftfamenbe  tmberooren  gutlifen  tobeta* 
lenbe,  funber  aDe  inbradjt  tmbe  toebberrebe,  bar  entjegen  of  neuer 
ejccpüen  onbe  beljelpinge  in  ieniger  maten  togebrufenbe.  $ijrup 
^ebben  ftd  be  erbenanten  beibett  parte,  alfo  be  roerbige  l>er  boctor 
Seuen  pan  fyne«  obgenanten  naber«  roegen  onbe  foner  eruen,  tmbe 
meifier  Steffen  t>or  ftd  tmbe  fyne  eruen,  tmber  maldanbern  tmbe 
erer  epn  ben  anbern  fobaster  felföup  tydutn,  nu  al*  benne  tmbe 


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269 

betrnc  alfe  nu,  to  etjnen  ganzen  fuflenfamenen  enbc  genSftfen  Dor* 
taten  mtbe  qtDiteret,  barup  in  nenen  tofamenben  tiben  futber  to  fafenbe 
nodj  tofpref enbc  r  allet  funber  befyetp  onbe  atgelift.  £uge  jinbt 
ßloroeö  ^arfentin  Dnbe  £erman  $u$f)er,  befcetenne  borgere  to  Subefe. 
Aetom  vltima  Februarij. 

3Riebei>Stabbud)  1494.    Oculi. 

X. 

HRcfier  SucaS  SBranb,  epn  bodtbtuder,  oor  beffeme  bofe  fcefft 
apembar  befant  t)or  ftcf  Dnbe  fine  eruen,  bat  f)e  regier  roitlifer 
fdjult  Dan  porbenben  lone  plüfctig  nnbe  fd&ulbtg  tö  Jürgen  Stydjolff 
ebber  finen  cruen  Dijff  rinfögulben  in  nabenanten  terminen,  alfe  in 
wer  roefen  negeftfamenbe  tioe  rinfdjgulben  t)nbe  be  anbern  bre 
rinfögulben  Dp  3Jttdjaeli3  erflfotgenbe  funber  lenger  Dortogerent,  in* 
bta$t  Dnbe  Dorleggent  Dnbetooren  gutlifen  tobetalenbe.  SCuge  fgnt 
§ermen  Sud  Dnbe  kernten  Dan  SKijnben,  befetene  borger  to  Subefe . . . 
9Ueber*6tabtbud)  1499.     Corporis  Christi. 

XI. 

3Rejiet  ©Der^arbuS  ?Mfd)epingf),  nu  tot  tib  9Ud)tefaget  to 
§ambord),  dot  beffem  bofe  Ijefft  apenbar  befant,  bat  l)e  Dan  beme 
Si<$tfd)rit>ere  beffer  6tabt  Subefe  alfe  mefler  Steffen  2lrnbe3 
f?ner  jeligen  tyuSfrouroeu  SBobbefen  natatenen  gubern  fo  oele 

eme  ber  motzte  geboren,  nemptlifen  be  (jelffte  fulfer  gubere 

to  ftner  fuflenfamenen  noge  entfangen  Ijefft 

s3Ueber*6tabtbud)  1500.     Corporis  Christi. 

XII. 

lonmjeS  ßjellefen,  borger  to  Subefe, . . .  tnpbt  §an§e  Gjettefen, 
ftnetn  brobere,  cor  buffem  bofe  in  iegenioarbid^eit  mefler  Steffen 
8rnbe$,  be3  ßrfamen  9tabe$  unbe  ber  ©tabt  Subefe  rid)tfd)riuer$, 
toanbage*  £anfje£  Dan  ber  £ooe  Seftamentarii  itfd&enenbe  Ijebben 
jamtlifen  unbe  einbradjtigen  befant  unbe  togeftan,  bat  fe  ftd  unber 
malfanber  ber  gubere  IjalDen ,  fo  ene  be  genante  roanbageä  £an$ 
twn  bot  §ooe  in  finem  Xeftamente  tjefft  gegeoen,  gutlifen  unbe 
fnmtttfen  Dortifet  .  .  .  fyebben  .  .  . 

lieber '©tabtbud)  1500.     Divisionis  Apostolorum. 


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270 


IX. 

Setträge  jur  ©ef$t$te  be*  3rrcnfwufc3  in  £ubecf. 

Com  CbrrawrUationftaty  Dr.  $auii. 


AJefanntlidj)  finb  etft  in  bcr  SDMtte  be$  oorigen  3al>rljunbert$  eigent* 
lid^e  ^rrenanfiatten  entftanben,  b.  f).  ^nftitute  jur  Verpflegung  unb 
ärjtlid&en  Seljanblung  ber  ©eifteSfranfcn.  3)enn,  fo  wie  e$  früher 
an  ber  ridf)ttgen  ©rfenntnife  bcr  p^gfifc^cn  Äranfyetteu  fehlte,  fo  audj 
an  ©eclen^eillunbe.  6eit  3aljrl)unbcrten  würben  bie  ©eifteSfranlen 
lebiglidf)  Uiren  Angehörigen  überlaffen.  SBoBten  ober  fonnten  bieje 
ed  nidf)t,  ober  litten  Qene  nid&t  blofj  an  Slöbfinn  ober  fijen  3been, 
fonbern  waren  2Baf)nftnmge  ober  Solle,  fo  würben  fie  com  Staate  alö 
plfloS  üerfto&en  unb  gleidf)  wilben  Stieren  in  93el)ättmffe  gebraut, 
um  SInberen  nidjt  fd&aben  ju  tonnen.  @o  wirb  uns  bie  Sefjanblung 
biefer  Unglüdflidjen  in  jenen  $t\ttn  allgemein  gefd&ilbert.  2lber  für 
2übe<f  ift  fein  9ttcber>©taötbud)  im  ©tanbe,  audj  für  bieten  Eultut* 
juflanb  einige«  Sichere  mitjutljeiten.  @8  ergiebt  ftd&  <*u$  folgenben 
llrfunben. 

©dfjon  früfj  Ijat  ber  Stotlj  Socale  einritzten  laffen,  maljnfmnige 
3Renfcf)cn,  „bulle  unbe  aftynmge  lube"1)  cinjufoerren  unb  ju  uet* 
wahren.  Sie  Riegen :  „borben  Äifte,"2)  fpäter  Soflliften.  2Rcllc 
fennt  nur  ©ine  Ginrtdjtung  foldjer  Äiften,  unb  jwar  oor  bem  3Jtülj* 
lentljor,  urfprünglidlj  jwifdjen  bieten  betben  Sporen,  fpäter  bort 
aufeertyalb  bcr  @tabt.s)  ^ebenfalls  fdfjon  im  Qaljre  1479  gab  e8 
aber  eine  } weite,  oor  bem  93urgtf)or.4)    Qn  weld&em  Qa^re  biefe 

')  &  vi. 

*)  .V  IV. 

*)  @rünblid)c  *Ra*rid)t  €.  335. 
*)  M  VI. 


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271 

beibcn  Äiften  ober  juerft  eine  berfelben  gegiftet  roorben,  roiffen  nrit 

n$t  aber  geroife  gefc^a^  e$  ntdfjt  erft  im  3»a$re  1471,  wo  fold&e 

Sifiennur  urfunblidf)  juerft  erfd&ienen  finb.5)  2)enn  SRotyroenbigfeit  unb 

ßroedt  nur  war,  roaljnfinnige ,  tolle  3Wenfdf)en  wr  jid(j  felbft  unb 

änbern  ju  fd&üfcen;  unb  fold&e  unglücflid&e  SWenfdfjen  gab  es  unb 

giebt  e8  jcberjeit  unb  an  aßen  Orten.    SBie  alfo  in  Hamburg  nid&t 

etffc  im  3al)re  1464, 6)  fonbern  fdfjon  im  Safere  1386 7)  SoUftften  e?U 

flirten,  fo  barf  man  annehmen,  bafc  roenigftenS  am  Intern  3eitpunlte 

audjj  tyier  ber  SRatlj  fold&e  ©inrid^tung  gegrfinbet  f)atte.   SBetdfjer  Slrt 

biefe  Äifien  roaren,  roiffen  mir  aud&  nidf)t.    SBir  erfahren  aber,  bafe 

urfprfinglid)  ber  grone  be«  ©eridf)te8  e3  roar,  welker  ba$  SRed&t 

unb  bie  5ßflidf)t  fjatte,  roafyiftnnige  Seute  in  bie  Äiflen  ju  bringen 

unb  für  fie  §u  forgen;  ebenfo  aber,  bafe  ber  3uftonb  jener  Unglfidt^ 

lidjen  in  biefen  ftifien  in  jeber  Sejie^ung,  in  Letten,  Äoft  unb  Älei* 

hing,  ein  l)öd&fl  fd&led&ter  unb  fümmerlid^er  mar.8) 

@ben  batyer  gefd&alj  e3,  baß  nidf)t  alle  SBaljnfumtgen,  audf)  foldjje 
ni$t,  meldte  tröflig  reif  waren  für  bie  Xollftften,  in  biefe  eingefperrt 
Toutben.  3Bol>m  aber,  wenn  biefe  Sollen  roeber  in  iljren  SBofynungen, 
m$  in  benen  tyrer  SSerroanbten  ober  ftreunbe  bleiben  fonnten? 
ffiir  roiffen,  bafe  in  jener  früheren  3^^  ntt^t  feiten  nom  Sftatlje  auf 
Sitten  uon  Tätern  ober  SBormünbern  tynen  ein  ©efängmfctyurm 
geliehen  nmrben  jur  ©träfe  unb  SBefferung  unnüfcer  unb  lieber* 
fidjer  Subjecte,  oorjugSroeife  angefetyener  gamiüen.9)  SDaS  @leidf)e 
gefd^a^  benn  audf)  für  SBaljnfmnige. 

3m  %atyct  1465  fam  ein  Bürger  ber  Stabt  3)enenter  §inridt 
©elieäfon,  roie  e$  fd&eint,  ein  Äaufmann,  nadf)  fiübeef  unb  roarb 
bort  geifteSfranf,  unb  jroar  in  ber  SBeife,  bafe  er,  roie  e8  in  ber 
Urfunbe10)  ljeifct,  „etlifen  borgem  in  fobane  jine  afffynnid&eib  fd&aben 
geban  £efft,  be  ene  barumme  in  ber  Ijeren  beS  rabcä  to  Subefe 
bobelpe  unbe  $edbte  fyebben  fetten  laten."  S)a  baten  mit  bem  tyefi* 
gen  Sürger  §inrid  $rofeboro,  einem  ntd&t  unbebeutenben  Äauf* 


*;  M  IV. 

e)  €tapfcorf*,  tfamb.  £ir*en*  u.  9tef.^rf0)id)te  fy.  I.  93o.  1  &  229:  M64  : 
bereditas  prope  marum  civitatis  ex  opposito  eiste  stolidorum. 
')  8.  «&•  Sfcrbbermtyer,  Sonographie  ber  ©tabt  Hamburg  ©.  36. 
*)  JM  VI. 
•)  SWHne  «üb.  3uftänbe  im  SWittelaltet  II.  6.  32  ff. 


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272 

mann,11)  jmei  attbere  SBürger  von  $)eoenter  ben  9iat§,  feinen  &ljurm 
tynen  ju  leiten  für  ben  SBaljnfinmgen,  „umme  meet  erbar&eib 
mitten  unbe  ourberen  fd&aben  to  oormibenbe."  $>er  Sftat^  bereinigte 
e$  gem.  3lber  natürlich  mußten  jene  brei  SBürger  fid)  oerpffid&ten, 
bie  Äoften  be$  SBaljnftnmgen  im  Sturme  ju  übernehmen. 

911$  im  Qa^re  1468  ein  tyefiger  Bürger  3oadf)im  Sßpfe  bem 
SBatynfmn  verfiel,  ba  mar  audj  nid&t  oljne  2Beüere«  bie  Siebe  oon 
ben  Sottfiften,  fonbern  ber  Statl)  liefe  Pier  $ermanbte  fommen  unb 
verlangte,  fie  foHten  ben  2Baf)nfinnigen  „in  gemaringe  bringen  taten, 
bamit  er  burdf)  feine  „unfinnid&eib"  nidf)t  Qemanb  in  „fd&aben  unbe 
üorbret"  bringe.  Sie  äkrtoanbten  erflärten,  ba3  fei  itynen  unmög* 
lid&;  mollte  aber  ber  SRatlj  „ene  fetten  laten,  mere  in  erer  (beä 
Sflat^«)  gemalt  unbe  mad&t,"  bann  mürben  fie  bie  Äoften  für  beu 
Unglüdftid&en  bejahen.  5)a3  tl)at  beun  audf)  ber  3tatl),  ernannte 
aber  jugleidf)  bie  oier  Sermanbten  ju  S3ormünbern  beS  SBaljnfinmgen, 
um  beffen  ©üter  ju  vermalten.  Stteß  gefd&afc  am  8.  Dctober  1468.' *) 
3mar  fagt  biefe  Urfunbe  nid&t  auSbrüdflidfj,  bafe  2Bpfe  in  einen 
Sljurm  beS  9iati)3  gebraut  merben  foDte.  ®afe  eS  aber  gefd&e&en 
ift,  ergiebt  fid&  au«  ber  Urfunbe  oom  5.  3»ärj  1469.  $>enn  an 
biefem  Sage  traten  jene  SJormünber  t>or  ben  9tatl),  erflärten,  ba& 
äögfe  „oan  ©obeS  gnaben  mebber  bij  guben  fonnen  gefönten  mere/' 
unb  baten,  iljn  mieber  au«  be3  9latf)3  „©loten"  ju  entlaffen,  maS 
benn  audf)  gefd&af).13)  Unb  bie  Stürme  be«  Sftot^«  ober  ©efängnifie 
merben  bejeidjnet  balb  als  „torne  unbe  flöte"  ober  „flöte  unbe 
torne,"14)  balb  als  „flöte  unbe  oengniffe,"15)  balb  aud&  blofe  als 
„flöte;"16)  unb  unmöglich  ift  eS  unter  biefen  auä)  SCoOfiften  ju 
perfie&en. 

D§ne  Slntrag  Slnbercr  braute  ber  9tatl>  feinen  äBaljnrmnißen 
in  bie  ©efängmfe*2J)ürme.  @o  liefe  ber  9tatl)  einmal  einen  Stiemen* 
fd&neiber,  $oppe,  in  bie  „borben  Äiften"  bringen,  meil  man  U>n  für 
einen  28af)nfinmgen  Ijielt.  2lber,  otyne  Zweifel  fefp  balb  barauf,  am 


")  Steine    Üb.  3ujtönbe    im   Mittelalter   II.    ©.    106.   Urf unben . <Bud> 
M  42,  43. 
")  M  II. 
")  M  III. 

")  SReine  «üb.  3u(Wnbe  ic  II.  <S.  93  «ote  26  unb  27  a. 
»)  5Dafelbfl  <S.  79. 
«•)  IDafelbfl  6.  83.    ®  taut  off,  fcft&ecfifäe  Gtyronifen  II.  ©.  557. 


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27S 

25.3anuor  1471  liefe  ber  Statlj  auf  Antrag  ber  Sormünber  beS  Sßoppe 
i%n  toiebcr  entlaffen.17)  Sroar  fetjen  nrir  am  4.  Detobet  1472  unfern 
fyppe  ft|en  „in  flöten  unbe  aengniffen"  auf  Sefeljl  be«  Status ;  bod) 
ni(|t  ate  SBa^nfinniger,  fonbern —  wie  biefe  Urfunbe18)  beutli$  jeigt 
—  »eil  er  feinem  Slmte  gegenüber  ftd&  fd&utbig  gemalt  $atte. 

Aber  freiließ  wegen  §einrtd>  SUreman'S  „fcanß)eib  fpner 
fpte,"  bo<$  nur  auf  Sitten  feine«  greunbe*  £an3  Sambert,  ^atte 
bet  Salb  it>n  in  feine  „flöte"  gebracht,  unb  auf  be$  greunbeS 
Sntrag  im  3aljre  1479  nrieber  entlaffen.19) 

fefteulid)  ijl  e£,  bafc  feit  biefem  lefcteren  Satire  bie  Seljanblung 
ber  5Bal>nfmniflcn  in  ben  „borben  Äiften"  beffer  geworben  ift.  ©8 
vereinigten  ftd^  nämtid)  rootylgefinnte  SBlänner:  ber  bamalige  @erid)tS* 
fd^retber  Sßeter  9Jionntf  unb  brei  anbere  Sürger,  befümmert  um  ben 
traurigen  3uf*an&  &er  „armen  bullen  unbe  affinnigen  luben"  in 
jenen  Äiften,  perfönlid)  für  fie  ju  forgen,  „@obe  to  looe  unbe  ben 
Wen  to  gobe."  Unb  um  bag  t^un  ju  fönnen,  traten  fie  nor 
ben  3tat!)  unb  pellten  ben  9lntragf  fie  als  „üorfienbere"  ber  „armen 
Wen-  anjune^men  unb  ju  betätigen.  Unb  ba3  t$at  benn  aud) 
bet  &$  fofort,  inbem  er  „oor  ftf  unbe  ere  nalomelinge  na  befprafe 
unbe  tipeme  rabe  be  twrgenomeben  norftenbere  bemittet,  beleoet, 
bewfHget  unbe  beftebiget  lieft,  umme  fobane  erbenomebe  armen  lube 
to  fcfotgenbe,  unbe  na  eren  beften  nortoroefenbe,  bat  loen  Dan  beme 
abned^tigen  @obe  to  nemenbe."  Unter  ben  Sorftefiern  fott  ein  ®erW&t8* 
f$teiber  immer  bleiben;  unb  wenn  Don  ben  8fabem  einer  fterbe, 
Wien  bie  Uebrigen  bie  9Wacbt  Ijaben ,  ftatt  QeneS  einen  Sieuen  ju 
«ä#en:*°)  tme  ba$  Severe  in  ben  alten  Seftamenten  immer  bie 
(Haufel  mar  in  Setreff  ber  ernannten  ©jeeutoren.21)  2ludj  ifi  bie 
§offmmg  jener  9Jtänner,  ba&  fie  jur  £ülfe  ber  „armen  affonnigen" 
(Mb  erhalten  mürben  auf  Sitte  „nromer  lube/'  unb  burd)  %t* 
jtanente,  nu&t  unerfüllt  geblieben.  3)enn  fdjon  in  bemfelben  %atycc 
fat  ber  Sürger  ©erb  ©unbeSbefe  in  feinem  Seftament  t)om  4. 
Swember  1179  golgenbe«  verfügt: 

3tem  geue  if  ben  armen  bullen  luben,  be  oor  ben  boren  tmbe 
Porten  fitten  in  ben  borben  fiften,  fouentiunbert  mar!  8ub.,  barmebe 


")  M  IV.  ")  m  v. 

")  M  Vit  »°>  M  VI. 

n)  9lelne  «tyaubUigen  am  bem  tttt.  ftety  III.  6.  M5. 


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274 

fdjatmen  cti  in  fyvß  f  open  onbe  bar  to  geue  if  cn  bufenb  matf  8ub., 
barmebe  mcn  en  tente  fopen  fdjal  tmbe  troe  ofte  brce  in  bot  §u£ 
befleffen,  amme  be  armen  bullen  tube  toberoarenbe  onbe  toflutenbe 
tmbe  en  rebelidjeit  tobonbe;  tmbe  roere  ib  fafe  bat  ib  beme  rabe  to 
Subefe  fo  rtid^t  en  geleuebe,  bahnen  be  armen  lube  otye  ben  fifleit 
nemen  mofte,  t>mme  fe  in  bit  Dorgenomebe  l>u3  totyolbene,  tmbe  bat 
fe  menben,  bat  gelt  bar  t>an  toborenbe,  onbe  menben,  fe  faluen  bar 
tmn  to  Ijolbene,  fo  nril  tmbe  begere  if,  batmen  beffe  twrfcreuen  fouen* 
tegntymbert  marf  fd^at  geuen  in  be  fcanbe  ber  armen,  fo  lange  fe 
buren,  bar  ib  befl  beftebet  i8. 


tttf  ttttbttt» 


SBitlif  jij,  alfe  benne  $inrif  ©elieSfon  van  ©eoenter,  ®obe 
geclaget,  t>an  jineme  fonne  gefomen  tö,  unbe  beS^afoen-etlifen  borgeren 
to  Subefe  in  fobane  jine  afffonnicfyeib  fc&aben  geban  fcefft,  be  ene 
barumme  in  ber  Ijeren  be«  rabeä  to  Subefe  bobettje  unbe  £ed>te 
tyebben  fetten  taten:  alfuS  fo  jint  be  begebenen  §inrif  S)rofebouio, 
borger  to  Subefe,  3ol>an  §ermen3fon,  borger  to  SJenenter,  unbe 
©erb  ©Ijiringf,  of  borger  to  ©eoenter,  t>or  beme  erfamen  rabe  to 
Subefe  erfreuen  unbe  ^ebben  ben  rab  angetanget  unbe  gebeben,  bat 
je  en  eren  t^orn  oorlenen  wölben,  barinne  fe  ben  ergenanten 
§inrif  ©eliegfon  umme  meer  erbar^eib  mitten  unbe  ourberen 
fdjaben  to  twrmibenbe  entljolben  motten,  betlj  fo  lange  ©ob  giite 
gnabe  geoe,  bat  jineS  binge«  beter  morbe  unbe  jine  frunb  ene  van 
bar  in  jine  $emot  Ijaten  motten.  S)eS  en  benne  be  rab  to  Subefe 
bord)  erer  gutlifen  bebe  mitten  unbe  umme  tmrberen  fdjaben  to  vox* 
mibenbe  fo  gerne  geban  unbe  en  eren  tfjorn  gelenet  tyebben.  SUfud 
be  erfcret>en  $inrif  ©rofebouroe,  Soljan  $ermen*fon  unbe  ®erb 
©fcirtagf  mit  eren  eroen  mit  famenber  fymb  unbe  egn  t>or  all  looe* 
ben  unbe  jeben,  bat  fe  fobane  fope,  alfe  be  erfereuene  $inrif  ®t* 
ReSfon,  be  mile  je  ene  in  be«  rabeS  to  Subefe  tljorne  jtttenbe 
$ebben,  twrterenbe  mert,  bat  fe  bat  beme  rabe  to  Subefe  unbe 
ben  eren  gutlifen  uprtdjten  unbe  betalen  mitten:  unbe  fe  jeben  unbe 
lopeben  purber,  roeret  jafe,  bat  be  erfereoen  rab  to  Subefe  ere  na* 


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zedby  G00gk 


^5 

tmdinge,  borget  unbe  inwoner  ebber  be  ere  be*$afoen  in  tenigen 
j$aben  ebber  porbreet  qwemen  ebber  begaben  angelanget  worben, 
bat  f c  je  bar  äff  enttjapen,  fd&abelo*  ^olben  unbe  genfclifen  beger 
mibe  qD  be*tyalpen  benemen  willen. 

9Ueber*©tabtbud>  1465,  Penthecostes. 

m 

II. 

SBitlid  jij,  alfe  benne,  ©obe  entbaremet,  %aä)\m  SBgfe  oan  jinen 
fpten  gefönten  tö,  trefft  be  erfame  rab  to  Subefe  be  frunbe  be** 
Wfftcn  3<*d)inta  por  $1  norboben  taten,  begerenbe  je  benfulfften 
fyäm  in  geuwringe  bringen  taten  wölben,  uppe  bat  bordj  jgner 
anjiimüfceib  nrißen  npmant  in  fd&aben  unbe  porbret  fomen  broffte. 
Sc*  benne  be  erfcreoen  frünbe  Satyrn  SBtjfen,  alfe  mit  natnen 
Jteberif  unbe  8Bilt>elm  Äortfad ,  brobere,  ipan«  SStyfe,  be  goltfmvb, 
anbeten*  Äolbenborn,  beme  rabe  barup  g^egeuen  tjebben  to  antworbef 
bot  en  epn  ffcban  ni<$t  jHinbe  to  bonbe,  wölben  je  ene  fetten  taten, 
tum  in  erer  gewalt  unbe  mafyt  woD,  iobo<$  wat  bat  toftenbe  unbe 
fyijax  oorterenbe  worbe,  bat  wölben  je  gerne  ut$ri$ten.  Sterne 
bam  be  Stab  alfo  geban,  unbe  furber  be  gefegten  (obige  Sßerfonen) 
bmt  erbenomeben  3ad)tot  to  pormunberen  geforen  unbe  gefettet, 
roroe  jgne  gubere  antotafienbe,  uppe  bat  be  unporfpitbet  motten 
bfoen.  5Deme  befulfften  (obige  Sßerfonen)  bat  fo  to  bonbe  por  beme 
rabe  Ipbben  angenamet  bij  futteme  unberfdjebe  unbe  fopeme  je 
be*  funber  f$aben  Minen  motten  unbe  furber  nidjt  antweren 
bocjften,  ban  fo  Pete  alfe  je  entfangenbe  werben:  be*  en  benne  be 
tob  togefedjt  trefft,  bat  je  funber  föaben  btipen  fdjolben  unbe  furber 
itigt  pU$tid>  flöten  jin  to  antwerenbe,  ban  fo  Pete  alfe  je  ent* 
fangenbe  werben. 

9Uebfr*6tabtbu$  1468.    Dyonisii. 

III. 

SJittuf  jij,  alfe  benne  3a$\xn  38pfe  in  be*  erf amen  rabe«  to 
Jubele  flöten,  na  lube  ener  fdjrifft  f)t)r  betören  umme  trent  Dionisii 
Anno  MCCCCLXVIII0  gefcrepen  anfceoenbe  SBitlid  jp  jc,  etltfe 
8}  langt  ii  porwart  geweft:  atfuS  fo  fcebben  be  begebene  manne 
Wjtn  bie  in  obiger  Urfunbe  genannten  Pier  Sßerfonen)  ben  por* 
frocncn  rab  angepaQen  unbe  gebeben,  ben  porbenomeben  3a<$im 
Ärfen  we^ber  utl>  ben  flöten  to  latenbe,  wente  t>e,  fo  je  feben,  pan 
•*c*  gnaben  tpebber  bij  guben  fonnen  gefomen  were. 

19 


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276 

Stor  up  en  be  rab  gaff  to  antroorbe,  bat  fe  bcS  tooH  to  ütebcn 
roeren,  iy  alfo  bat  fe  tfjt  fdjrtoen  laten  unbe  beme  rabe  bar  gilb 
por  jin  roolben,  bat  be  rabf  ere  nafomeling^e  no<$  be  ere  beSljaluen 
ngtte  anfprafe  Üben  unbe  npnen  fd&aben  nenten  brofften :  alfuS  be 
genometen  (oier  Sßerfonen)  mit   eren   eroen    fcbben   beme    rabe 

getooet 

9tieber*@tabtbud&  1469.    Oculi. 

IV. 

@orb  Qmanbt,  #an3  9tuteber<Ij  unbe  $an*  93a?e,  borger  to  2u* 
bete,  alfe  oormunbere  Glaroe*  poppen,  oor  beme  erfamen  rabe  to 
£ub.  jint  erfd&enen  begerenbe,  befulffte  rab  ben  erfcreoenen  ©laocfe 
poppen  ut§e  erer  borben  fiften,  bar  ene  be  rab  tttne  fettet 
$abbe  laten,  fiaben  wölben.  2)eme  be  rab  bordfj  erer  fruntlifen 
bebe  mitten  alfo  gutltfen  geban  $efft  bij  alfo,  bat  be  genomeben 
©orb  Ctmanbt  (unb  bie  folgenben  Sßerfonen)  bar  oorfenidf>eib  up 
Ijebben  fd&olen  unbe  willen,  meret  §afe,  bat  be  genamete  (Stands 
Sßoppe  na  beffeme  bage  binnen  ebber  buten  tyifeä  ienigen  unjiur 
breoe,  bat  je  na  ereme  bepen  oormoge  baroor  mefen  millen,  bat 
beme  fo  ni<$t  befd&en  fd&ole. 

9iieber*@tabtbu^  147 1.    Conversionis  Pauli. 

V. 

Gorb  Qmanb,  $an£  9toteberd&  unbe  $anS  Saflem  Ijebben  ge* 
borget  utlje  ber  gieren  beS  rabe«  to  Subefe  flöte  unbe  oengniffen 
@lame$  poppen,  ben  remenfniber,  bg  fobaneme  unberfdfjebe,  bat  fe 
na  ereme  aller  bcften  oormoge  bg  beme  erfcreoen  Slaroefe  poppen 
uorfogen  millen,  bat  ty  jg?  mit  beme  ampte  ber  remenfniber  ebber  mit 
meme  $e  juj$  to  fd&affenbe  Ijefft,  oor  beme  erfamen  rabe  to  Subefe 
ame  redete  benogen  laten  unbe  fe  unooradfjtet  unbe  unoorfprelen 
taten,  unbe  roe$  $e  gebrofen  tyefft,  epnfobang  oor  beme  roebbe  utlj* 
bragen  fd&ole. 

9lieber-@tabtbud&  1472.    Francisci  confessoria. 

VI. 

SBitlif  J9,  alfe  benne  betf)  Ijereto  be  armen  bullen  unbe  affgiu 
nigen  lube,  in  ben  fiften  oor  beme  bord&bore  unbe  molenbore  ftttenbe, 
nidfjt  fo  rool  mit  alle  erer  nottroft  beforget  ftnt  gemorben/  alfe  en 
na<$  erer  legen^eib  wot  oan  noben  were,  alfe  nemltfen  ht  etenbe. 


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MI 

biutfenbc,  in  leget  uitbe  in  ttebinge  na  twtlope  betet  tpb  be«  iate« : 
üfouä  f o  i3  be  etfame  meflet  ?J3cter  SWonntf,  ti<$tefcttoet,  oot  betne 
tabe  etfc^cnen  unbe  btadjte  mit  ftf  be  etfamen  manne  $anfe  Set*» 
bmp,  §anfe  <£aftotp-unbe  §anfe  Jöopfcenbotge,  befetene  botgete  to 
Mele,  be  fje  boteto  t)otmo<§t  Ijabbe,  bat  fe  mit  eme  ©obe  to  low 
nnbc  ben  etgenomeben  bullen  (üben  to  gube,t  fo  wte  bat  beme  iaht 
beigebe  unbe  to  nullen  mete,  bat  annamen  unbe  be  atmen  bullen 
tabe  ootwefen  unbe  ete  ootftenbete  roefen  wölben  na  alle  eteme 
beflen  »etmoge,  uppe  bat  fe  be$  be  betty  geljeget  unbe  befotget 
wogten  toetben,  unbe  in  beme,  bat  beme  tabe  beffet  atfo  bepeile, 
beigebe  unbe  beteaenbe  rootbe,  fo  roolben  fe  bat  annamen  unbe 
fobane  atmen  affpnnigen  luben  na  eten  beflen  befotgen,  ootmefen 
mibe  ttumelifen  notfian,  gelt  oan  ütomen  luben  unbe  teftamente* 
gube  batto  btbben,  fo  altebe  etlif  gelt  batto  gegeoen  bij  ftdf  tyebben, 
fo  fe  febenf  untme  ben  etfeteoenen  atmen  tente  mebe  tomafenbe, 
jo  Detne  fe  bat  binnen  Subefe  anleggen  motten,  fe  batmebe  to* 
wtjtanbe;  bare  bij  oottellenbe  unbe  feggenbe,  roo  bat  fe,  no<§  ete 
iwlomelinge  beffet  etbenomeben  atmen  poteroefete,  batto  futbet 
of  nid?t  ToUEen  fdjulbid)  nodj  of  potplidjtet  roefen  bet  petfonen  l>alt>en, 
be  altebe  in  fobanen  fiften  gefat  font  unbe  futbet  in  tofomenben 
tiben  batin  gefettet  mögen  roetben,  begaben  umbelaftet  unbe 
imootüolget  to  bttoenbe,  unbe  roe$  alfuSlange  roontltf  getoefi  t$ 
wm  be«  tedjte«  roegen,  ben  ptonen  togeoenbe,  fobane  atmen  unfon* 
mgen  mgnfdjeu  antogtipenbe  unbe  in  be  fiflen  tobtingenbe  unbe 
to  jettenbe  unbe  bat  mebbet  utljtolatenbe ,  bat  enfobaneS  nottan 
beje^enbe  unbe  alfo  geljotben  möge  roetben,  unbe  be  buminge  unbe  bete* 
ringe  bet  fiften  of  futbet  nan  beme  tabe  beflen  möge,  fo  alfuSlange 
ol  roontlil  iS  geroefen.  SDat  upp  be  etwetbige  tab  pot  ftf  unbe 
ete  nafomelinge  na  befptafe  unbe  tipeme  tabe  be  potgenomeben 
uotftenbete  betmflet,  belepet,  beoefliget  unbe  beflebiget  Ijeft,  umme 
fobane  etbenomebe  atmen  lube  to  befotgenbe  unbe  na  eten  beflen 
Dortotoeienbe,  bat  loen  nan  beme  almed&tigen  ©obe  tonemenbe.  Unbe 
befuloe  tab  pot  ftf  unbe  ete  nafomelinge  Ijebben  en  of  togelaten 
Mibe  gegunt  fobane  gelt,  fo  fe  nu  altebe  $ebben  unbe  nodj  futbet 
t* tofomenben  tiben  ftigen  mögen,  binne  bet  fiab  ßubefe  antoleggenbe 
unbe  tente  to  bet  atmen  lube  be&off  mebe  tomafenbe  uppe  bufent 
matf  l)ot>etftole$,  nemlif  iatlifet  pijffti<§  matf  £ub.,  unbe  nid^t  meet 
fiite  toeten  unbe  beletotnge  be«  tabe«,  unbe  en  fobane  tente  ben* 
fafoen  potjienbeten  to  bet  atmen  be^off  in  bet  fiab  boef  tofettoenbe; 

18* 


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216 

unbe  roonnere  ber  porjtenbere  en  oorfteroet,  fo  fdjolen  be  lepenbigen, 
fo  pafenc  be3  be$off  merb,  cncn  anberen  in  beg  boben  ftcbe  mit 
mitborb  bc3  rabe«  roebber  fcfert.  Unbe  be  ri<§tefcrtoer  to  ber  tijb 
toefenbe  fd>al  aUetpb  barmebe  oorftenber  to  roefen,  of  fd^olen  fe 
van  ber  inftttinge.unbe  utljtolatenbe  ber  ergenomeben  armen,  unbe 
buropnge  unbe  beteringe  wegen  ber  fiften,  fo  oorgerort  roerb,  unu 
befroaret  unbe  umbelaftet  blioen,  bat  Dort  toljolbenbe  unbe  tobefor* 
genbe  to  ewigen  üben  unoorbrofen,  fo  bat  betl)  Ijereto  wontttf  i3 
gewefen.  S)it  tö  gefdjetyen  imme  iare,  bo  men  fcreff  na  ber  bort 
ßrifti  unfeS  §eren  MCCCC  in  beme  LXXIXfc«  iare,  ame  bage  Viti 
martiris.  ©creoen  van  bepele  beä  Stabes.  £uge  fint  be  erfamen 
manne  mefter  3ol)an  SBunftorp  unbe  3ol)an  SBerfembrugge,  be£  er* 
fcreaen  Stabes  fecretarii 

9Üeber*@tabtbud>  1479.     Corporis  Christi. 

VII. 

S)e  erfame  rab  to  ßubefe  be  Ijeft  $enrtfe  SSttreman  toebber  utl> 
eren  flöten,  bare  in  $e  gefat  xoaS,  gelaten,  barinne  §e  umme  franf* 
$eib  foner  fonne  unbe  umme  bebe  willen  beS  erbenomeben  $an8 
ßamberteä  gefat  roa$ ;  unbe  £anS  ßamberteS,  be«  erfcreoenen  $inri* 
fen  frunb,  §eft  beme  rabe  to  Subele  gubgefed)t  unbe  bare  oor  ge* 
topet,  bat  ipinrif  nemanbe  fdjaben  boen  fd>al  .... 

9Ueber*@tabtbud&  1479.     Decollatlonis  Johannis   baptiste. 


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279 


X. 

Hebet  bad  £ttfccfif$e  aRötigelb. 

SBcm  D&naw>fl(ation«tatt>  Dr.  $auli. 


§     1. 

3n  bcr  3*ü>  °tä  J>te  Derfd&iebenen  germanifdfjen  33olf$redf)te 

aufgejeid&net  würben,  Ratten  fic  nodfj  feine  förperlidje  ©trafen  für 

Serbred&en  freier  SRänner  außer  für  foldfje,  bie  unmittelbar  gegen 

bes  33olfe£  ©emeintoefen  geübt  nmrben.    ©o  audj  gab  eS  feine 

foltfce  ©träfe  ber  Xöbtung,  mod&te  fie  SKorb  ober  Sobfd&lag  fein. 

allein  golge  biefeS  Verbrechens  war  griebloftgfeit  beS  23E)äterS  unb 

biefer  baburdf)  preisgegeben  ber  Stutradfje,  bem  gel)bered(jt  ber  ganjen 

gamilte  unb  ©enoffenfd&aft  beS  ©etöbteten.    Snbeffen  gab  e<8  ein 

SWittel,  ben  ^rieben  jnnfd&en  beiben  gamilien  nrieber  Ijerjufletten; 

unb  ba3  war,  als  ©üljne,  ba£  SBergelb,  b.  1).  ber  $reiS  be3 

erfdfjlagenen  SDtanneS, l)  ju  beffen  Stellung  ber  Später  nom  SolfS* 

geriete  gelungen  werben  fonnte.    SJlun  fam  eS  jroar  nadfj  unb 

nadjj,   tljeife  burd&  ©efefce,  fd&on  ber  Garotingiföen  Könige,  tljeilS 

burdj)  ben  ©inffofe  ber  Äird&e  bcrtjin,  bafe  bei  allen  feineren  SScr^ 

6redjlen,  bie  für  grieben«brud&  galten,  bei  erhobener  ßlage  ber  2ta> 

lefcten  förperlidfje  ©trafen  eintraten.    Unb  fo  finben  wir  fd&on  in 

ben  älteflen  ©tabt*  unb  beiben  2anbredf)ten,  bem  f.  g.  ©adfrfen*  unb 

Sd&wabenfpiegel,  ben  Sobfdfjlag  mit  ber  ©träfe  beS  ©d&roertS  be* 

brofjt,2)  unb  bafc  in  golge  baoon  ba«  ganje  Snjtitut  beS  alten 


>)  ©rimm,  $eutf*e  9te*l*aitertyümer  ©.  651. 

*)  Snbeflen  finbet  man  »erfd)iebene  ©tabtre^te,  befonber«  in  Springen,  bfe 
nidjt  biefe,  fonbern  «Strafen  ber  Verbannung  fennen  unb  ttjeiltoeife  nod)  mit  töelb* 
träfe.  @o  j.  53.  <Salfelbifd)e  Statuten  au«  bem  13.  3a$rt)unbert  Slrt.  22: 
Set  einen  tobtfölägt,  ber  foU  bie  @tabt  ein  3a$r  räumen  unb  bejaht  ber 


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280 

SßergelbeS  im  grögteu  2$eite  £)eutfd)lanbg,  namcntlid)  be§  ©üben« 
unb  auä),  wie  e£  fd)eint,  SBeftpljatenS  aufeer  Uebung  gefommen  ift. 
StUeiit  in  bem  eigentlid&en  Sachen,  bcm  Dftpljalen,  in  bem  Siedete 
be«  Sadtfenfpiegete  unb  in  biefem  Dcrtoanbten  ftäbtifcfjeu  Statuten 
ifl  ba3  Severe  nidfjt  geföeljen,  unb  ebenfo  wenig  in  $olftein  unb 
©djle&mg.  2)er  Sobföläger  fonnte,  wie  früher,  fo  au<$  jefct  oon 
ber  ©träfe  burdfj  ein  SScrgelb  fld^  befreien.  3lun  Ijaben  aber  bie 
Sabinen  Statuten  fein  rein  Sädjfifd&eS  SRed^t.  3l\$t  biefeö  ift 
bie  SBurjel  unfereS  eljelidjen  ©üterredjtö,  fonbem  ba3  9ted)t  SBcft^ 
pf)alen3,  wie  fd&on  6ropp  fetyr  richtig  nadfjgennefcn  t)at.3)  gerner 
^abe  idf)  bereits  an  einem  anbem  Orte  gejeigt,  bafe  unfer  atte£ 
öffentliches  fttec^t  ebenfalls  au«  ©oejt  ftammt,  ber  älteften  ©tabt 
SBeftp^alen«. 4)  £iena<§  ift  e$  aud)  nid)t  auffaHenb,  bafe,  roäfjrenb 
in  ben  alten  Sädjftfdfjen  Siebten  bie  S^roertftrafe  beS  £obfd)lag£ 
unb  jugleidj  bie  3ufoffung  be3  SBergelbeS  genau  beftimmt  wirb, 


Stabt  1  SWarf  (®al<&,  Beiträge  jum  beut|d)en  8*ed)t  %i).  I  S.  19).    Statut* 
civitatis  Frankenhusanae  d.  a.  1534.    SBud)  IV.  Slrt.  1.     „3Bel)r  einen  tebt 
aber  leiblcd  mad)t,   ber   fal   Rinnen   J*^w   i«en  in   ber   (labt   Feine   »c^minge 
Ijaben."  ....  (SRidjelfen,  9ted)t«benfmale  a\tf  S^üringen  S.  481.)    Statuten 
ber  Stabt  £alle:   1)  fyätcjlen«  im  Anfang  be«  14.  3aJ)rl>nnbert*.    ,,©ie  einen 
bctflad)  but,  bie  feal  gljeben  t»if  marf  unb  feal  ein  jar  ut  berftat  flu."    (SÖrjh* 
mann,   9leue  SRittyeilungen   93b.  I.  $eft  2.  S.  61  u.  64.)    2)  9lu«  bem   15. 
3a$rb.,  bie  legten  Statuten  bis  1463.    3n  biefen  neuen:  „9Bere,  bat  ein  befeffen 
bürget  ben  anb'n  totflüge,  ber  folbe  e^n  Saljr  unb  fünfzig  an§  ber  Stat  fnen 
unb  etyne  metyle  n>egi«  bar&an  bl^ben"  k.    (Sörjlemann  a.  a.  D.  S.  82-83.)  — 
Die  ®efe$e  ber  Stabt  Storbljaufen  (ebenfo  toie  2ftül)lf)aufen  gränfifd)en  Ur* 
frrung«).    3n  ben  dlteflen  beutfd)en  Statuten,  ber  Bürger  dinung,  um  1300,  be- 
gegnen toir  fet>r  vielen  genauen  Bestimmungen  über  bie  Strafen  be«  SobfdMag*, 
ber  ©erttmnbung  unb  ber  Säljmung,  aber  nie  Seben«*  ober  Seibeäjlrafe,  fonbem  (Selb 
unb  SRäumung  ber  Stabt,  $.  JB.  Xobfdjlag  eine«  Bürger«  burd)  einen  Bürger: 
10  SJlarf  unb  10  Saljre  Räumung,  2lrt.  8.;  eine«  Statymauit«  burd)  einen  Bürger: 
Räumung  auf  etoig,  2lrt.  22;  eine«  JRatljmanne«  burd)  einen  Stahmann:  l2$funb 
unb  4  Saljr  Räumung,    Slrt.   44;    görjiemann   a.   a.  D.   Zf).  III.   «&eft    l. 
S.  44  u.  f.  —   3n   ben  Statuten   im   15.  unb  16.  Saljrljunbert  Ijeifjt  e«  aber 
9Irt  2:  „ffield)  unfer  borger  in  unfer  ftat  etynen  anbem  unfer  b orger e  erflct, 
ber  fal  beme  ratlje  geüen  funfcjigf  margf,  unbe  fal  unfe  fiat  funfetig  iare  unbe 
iar  unbe  tagt  rumen  unbe  tljut  ben  Hegern  nad)  be«  rat^e«  erfenntniffe.   3)  2öel<fo 
gaft  e^nen  tyoflagf  tr>ut  in  unfer  fiat ,  ber  fal  ba«  widjbilbe  ljunbert  iar  unbe 
iar  unbe  tag!  rumen.     (gorflemann,  bie  ©efe^fammlungen  ber  Stabt  SRorb* 
Raufen  S.  19-20.) 

3)  «&eife  unb  Sro^P,  jurijiifdje  Slb^anblungen  ©b.  II.  S.  455  u.  f. 

4)  Diefe  3eitfd)rift  I.  S,  198. 


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281 

wir  eine  foldK  Strafe  in  unfern  Statuten  nidjt  ftnben,  von  bem 
Sergelbe  nur  eine  leife  2lnbeutung.  2)ennodj  §at  e«  fidj  ergeben, 
baß  bomote  in  fiübed  einerfeit«  eine  härtere  Strafe  be«  Xobfötag«, 
atb  anberfeit«  ein  anbere«  SBergelb,  al«  nadj  ben  Säd&fifd&en 
Staaten  ftattfanb:  unb  biej$  bejeugen  auf«  Älarfte  bie  9tteber«Stabt* 
b»|er,  beren  ptte  betreffenber  Qnfcriptionen  wn  ber  SWitte  be« 
ute  Wä  ju  <£nbe  be«  i5tcn  Qa^unbert«  idj  &ier  mitteile. 

§2. 
3Xe  förpertid&en  ©trafen  ber  »ergebenen  ©erbrechen  flnben 
m  befHimiti  im  @äd^ftf(^en  2anbred)t  unb  in  mehreren  bortigen 
6tobtre$ten.  2Ba«  bie  Xöbtung  betrifft,  fo  ift  bort  genau  unter* 
Hieben  jurif<$en  2Jtorb  unb  Xobfdjlag.  SDie  Strafe  be«  erjiern 
$  Sabebredjen,  be«  jioeiten  ©ntljaupten  —  bat  §ot>et  afftan  —  ober 
jwett5)  5Der  ©runb  ber  härteren  Strafe  be«  2Jtorb«  wirb  nirgenb« 
bemetft,  ift  aber,  nne  nad&  bem  alten  SßotfSredjte,  o^ne  3wifel  be« 
Äfcbet«  größere  S3ö*nnlligfeit  in  ber  ^imlid^feit,  ber  $mterlijt  ber 
fytf,  bie  bem  (Seifte  be«  germanifdjien  S3olf«  befonber«  mtberfpridjt6) 
2&  edjten  Sobice«  be«  Sfibifd&en  9tedj)t«  enthielten  urfprttnglid&  feine 
anbete  2eben«ftrafe  al«  bie  be«  ©iebftafjl«,  unb  fpäter  nur  bie  ber 
%unie.  Äein  SKrtifel  Ijanbett  oon  ber  Strafe  be«  £obfd)tag«. 
3hm  enthalten  bie  9tieber*Stabtbüd&er  §mar  feine  Strafurt^eile,  aber 
eine  pDe  fold&er  Snfcriptfonen,  in  weldjen  SJerroanbte  eine«  jum 
fc*e'$erurtf)eitten  um  @rmafetgung  ber  Strafe  baten.  9ta«  folgen 
3nfctiptionen  ergiebt  fi<$  aber,  bafe,  roäfjrenb  audj  in  ben  benadj* 
borten  Sanbern  unb  Stäbten  bie  Strafe  be«  $ob|cI)lag«  nur  @nt* 
fcuptung7)  mar,  §ier  ba«  Sab  al«  Strafe  eintrat.8)  $te 
6a$e  ift  fcödjft  auffallenb.    diu  irrige  »ermedrfelung  be«  Störet* 


•)  6fe.  II.  13  §  4  u.  5.  ©o*larf*e  Statuten  bei  Oöfdjen  6.  38  3. 14—19. 
berliner  ©tabtbud)  b.  gibicin  I.  ®.  137. 

•)  3.  (Sri mm,  «Dentfdje  8ea>t*«ltertWmeT  6.  625.  SBiUa,  $a«  ©traf* 
w*t  ber  Oermanen  ©.  394. 

7)^njo9  Qerlyarb  unb  ®raf  Gtau6  toxi  $olftein,  30.  ttpril  1392:  „©elf 
■n  ben  aabern  motbet,  bat  fdjal  men  rieten  an  ftn  lewnt  ufl>e  bat  rab. 
&  ef  ben  anbern  fclelt,  bat  nen  morb  i*,  bat  fdjal  men  rid)ten  b»  (In  l>ot)ft." 
G«e«*iay$öift.  Sanenb.  Urf.^amml.  $.  II.  .V  290  6.  367.  $thMleatam  be« 
64»»eriner  Äe*t«  an  9Wbel  1461.  6.  Ungnade,  amoenitates  diplom.  hist. 
jnrid.    6tiUf  1.  ©.  7—9. 

s)  *M  68.  73.  98. 


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ber«  in  bert  btei  Snfcriptionen,  bie  un«  oorliegen,  oon  Xobfd&lag 
imb  üRorb,  bie  id&  früher  oermuttyete,  als  i<$  nur  M  68  fannte,9) 
ift  jefct  md&t  metyr  anjune^men,  unb  nodf)  weniger,  baß  ber  9tatl> 
jwei  ganj  nerfdfjiebene  SSerbred&en  mit  benfelben  -Kamen  bejeid&net 
$abe,  jumat  in  einer  anbem  Qnfcription  ber  9tat^  einen  2Wann 
jum  Stabe,  aerurtljeilt,  weit  $e-..  uormorbet  Ijeft  (^5  78). 
S)af$  unter  fo  Dielen  Snfcripttonen  über  SRtlberung  twn  Strafe 
urteilen  —  in  einem  3a§re  ftnb  oft  beren  a^t  —  ftd&  nur  jene  brei 
über  ©träfe  be8  Xobfölag«  ftnben,  erflärt  ftd&  leid&t  au«  ben  pielen 
Urfunben  über  ba£  SBergetb.  Stile  biefe  bejie^en  ft$  nämtid&  (ebig- 
tid&  auf  Xobfdpge.  Qn  ber  erften  S^t  unterer  nur  lateinifdjen 
Urfunben  (^  2—36.  1353  bt8  1439)  werben  bie  betreffenben 
33erbre<$en  bejeid&net  Slnfang*  atö  „homieidium/4  „oeeidero"  (bis 
Jß  2—6),  bann  jwetmat  „interfectio  seu  occisio"  {Ja  7  unb  8), 
fobann  aber  unpaffenber  SEBeife  nur  „interfectio.44  Qn  ben  im  ^aljte 
1441  beginnenben,  aufeer  jwei  (JS  41  unb  48)  lateimfdfjen,  nur 
beutfdfjen  Urfunben,  wirb  bie  2$at  aber,  bis  auf  brei  %aüt,  nur  be* 
jeidjjnet  als  „botflad&"  ober  „botflad&tinge,"  ober  „flad&tütge"  mit  ber 
93ejte!jung  jum  Sobe.  S3on  jenen  brei  3nfcriptionen  finb  jwet  au$ 
£obfd&läge,  obgleich  in  ber  einen  jemanb  „botgefd&oten"  wh* 
(Jß  42)  unb  in  ber  anbem  e$  ein  „botwarp  mpt  euer  barben" 
mar  {Jß  55).  9hir  bie  britte  Snfcriptton,  wo  ber  Äläger  jwei 
SDlänner  befd&ulbtgt,  fte  Ratten  feine  „mober  to  beme  bobe  gebradjt" 
(J&  56),  madjt  e3  jmeifeHjaft,  ob  biefe  nid&t  ein  9Korb  gewefen,  unb 
ob  nid&t  aud)  bie  ©träfe  biefe«  SerbredfjenS  in  Sübedf  burdfj  2Ber* 
gelb  abgebüßt  werben  fonnte.  SlQerbingS  mar  eS,  wie  idf>  anfangs 
bemerfte,  nadfj  ben  alten  SBoltered&ten  nod&  möglidjj,  baS  SBergelb 
jebod&  ein  Diel  &ö$ere«,  al«  ba3  be3  SEobfdfjlag«,  j.  33.  nadfi 
gränfifdf)em  ba«  ©reifad&e.10)  3n  bem  fpätern  ©ad&fenred&t  fommt 
aber  ein  SBergelb  be<8  3Morbe8  nid^t  me^r  oor.  35a«  §öd(jfle  befümmte 
SBergelb  mar  ba«  be«  Xobfd&lagS.  9lun  gab  eS  aber  in  Sübed  für 
HRorb  unb  Säbfd&lag  eine  unb  biefelbe  ©träfe,  unb,  wie  \$  jeigen 
werbe,  überall  fein  beftunmteS  SBergelb.  S)a^er  wiffen  wir 
nid&t,  ob  e«  nid&t  aud&  ein  SBergelb  be«  Sßorbe«  gegeben  $at 
Slbgefeljen  baoon  würben  bie  Qnfcriptionen  bem  ©ad&fenfpiegel  ent* 


•)  SÄeine  «üBerfffdjen  3uft&nbe  II.  @.  80. 

,0)  Lex.  Salica  XU.    1  coli.  S;  3  coli.  4  ($Boi(). 


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283 

tyte$en.  Qxoat  meinen  einige  ©d&riftfteller,  nadfj  bem  ©ad&fert* 
ipieget  fomme  bad  SEBergcIb  bei  ber  Söbtung  nur  nod&  t>or,  wenn  fie 
aus  SRotfyoetyr  geföetyen. u)  allein  ba8  ifi  ein  auffallenbet  Streunt 
2)enn  bie  ©teile,  auf  bie  man  fidj  bcjieljt,  fagt,  bajj  ber  Xobfd&täger 
avß  $loti)Tottyc  in  einem  getroffen  gaäe  nid&t  ba8  ©d&mert  erhalten, 
aber  ©eroebbe  unb  SBergelb  audf)  bann  bejahen  foUc.  35er  flare 
©egenbetoeiS  jener  SSeljauptung  ifi  aber,  bafc  nadf)  bem  ©adtfenfpiegel 
auc^  berjenige,  roeld&er  ein  Äinb  ober  eine  grau  tobfd&lägt,  ba8 
SBergelb  bejahen  mufe. 12)  S)enn  in  beiben  fällen  fonnte  ber  $ob* 
fd^lag  fc^roerlid^  eine  $ot§roe$r  fein. 

§  3. 
3n  untren  fämmtlid&en  Urhinben  fommt  ba«  SBort  SBergelb  nie 
oor.  allein  in  ben  älteften,  ben  lateinifcfjen,  Reifet  e$  ttyeilS  ,.emenda,u 
ba£  ifi  S3ufce,13)  unb  ju  biefem  allgemeinen  SBort  gehört  audfj  ba$ 
SBergelb,  tt>eil$  aber  nodfj  bestimmter:  melioratio;  benn  biefeS  ifi 
bie  tteberfefcung  beS  beulen  „beteringe, "  „oorbeteringe,"  unb  biefe 
©orte  erfd&einen  juerfl  in  unfern  beulen  3nfcriptionen,u)  unb 
„Sefferung"  in  ben  ©ädjfifd&en  ©tabtred&ten  bebeutet  oorjugSmeife 
bog,  toaS  bejaht  werben  muß,  wegen  £obfc§lag8  unb  SJerroun* 
bung,  alfo  SBergelb. l5)  @nbli<§  aber  erfdjeint  in  unferen  Urfunben 
anfangt  einjeln,  bann  immer  nur  ber  SRame  „2Wangclb,"  16)  unb 
bieß  ober  „3Wanbote"  Reifet  grammatifd&  ebenfo  nrie  SBergelb:  ber 
^retö  be3  erfd&lagenen  5Wanne& l7)  Da«  QnftiM  ^r  mannbote 
(3Rannbufce)  ifi  mit  bem  5)ämfd&en  ober  Slngelfäd&ftfcben  Stamme 
nad)  ©d&le$roig  in  alter  3*ü  gefommen  unb,  wie  es  fdfjeint,  audfj 


»)  Donanbt,  Btemifdje JRedjt*a,efd)id)te  II.  ©.290—91.  ©alter,  $cutfd&e 
Äed?t*gef*id)te  §  4.30. 

»»)   Sfp.  II.  65  $   2,  III.   45  §  2. 

**)  Örimm  a.  a.  SO.  ©.  649. 

M)  M  36.  45.  52.  $ie  beiben  leiteten  a,anj  »erfrort  „toorbeteringe  be« 
man%e\bH." 

**)  <Bdfd>e»,  Die  @o«lar'f*en  Statuten  6.  344-45. 
»*)  .V  57.  60.  63.  66.  70.  79.  92. 

")  ®rlmm  a.  a.  O.  <S.  650  -&i.  „3n  betCSbba  tyetfjt  e«  einmal  au«brfitf* 
ü(b:  „rer  (maritura)  reginn  gialdA,"  bie  Analogie  be*  attnerbifäen  SRanngialb 
(makta  homieidüj,  be*  jäteten  SRangelb,  be6  anflelfädjflfdjen  SWanbot  (luitio 
konrini»)." 


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284 

fpatet  ber  Sflatne  nad&  $olfiein.18)  So  mag  e£  mit  bcm  Stomen 
2Rangelb  aDfmä^li^  auä)  nad&  Sitbedt  gebrungen  fein,  Snbefjen 
fhtbet  ft<$  biefcö  SJtongelb  als  fädftftfd&eS  SBergelb  aud&  im  93er* 
littet  Stabtbudf),  unb  jmar  grabe  in  fold&eu  Seftimmungen  über 
baS  SBergelb,  bie  bem  Sadtfenftnegel  übrigeng  faft  mörtlid&  ent* 
nommen  ftnb; ,9)  aber  auffallenber  SBeife  ftnbet  man  baä  in  feinen 
anbern  beutfd&en  Statuten.  —  Obgleich  in  Sübedf  ber  -Harne  ber 
Snftitution ,  nad&bem  er  Ijieljer  gefommen  mar,  batb  in  btefer, 
balb  in  anberer  gorm  erfd&eint,  fo  fjat  bodj  bie  Sadfje  ftdfj  nid&t 
ueränbert 

§4. 
53ei  allen  germanifd&en  SSölfern  beruht  bie  ©röfee  ber  33ufce 
unb  be£  2Bergelbe$  urfprünglidf)  allein  auf  Uebereinfunft  ber  Par- 
teien. 211$  aber  na<$  unb  nad&,  bei  größerer  SluSbilbung  ber 
Sted&tSjuftänbe  ein  Älageredfjt  ber  oertefeten  Partei  gegen  ben 
33eleibiger,  auf  Sejaljlung  ber  Sompofition  eintrat,  ba  bilbete  ftdE) 
natürlich  entmeber  burd&  £erfommen  ober  burdf)  ©efe|  eine  be^ 
ftimmte  Summe,  alfo  audf)  be$  SBergelbeS,  unb  biefc  mar,  mie  mir 
fie  in  ben  aufgejeid&neten  SSolfSredfjten  fennen,  fc^r  fyodf).  93ei  ben 
granfen  unb  ben  Springern  mar  ba8  SBergclb,  ber  Sßretö  eine§ 
tobgefd&lagenen  freien  SfltonneS,  200  SdEjillinge, 20)  alfo  jetyn  $funb 
Silber,  xoa&  nadf)  bem  ©efe§e  ÄarlS  be$  ©rofeen  20  Spillinge  mar, 
mie  nod()  jefct  in  ©nglanb;  bei  ben  ©adfjfen  240  ©d&illinge,21)  alfo 
jmölf  Sßfunb  Silber.  Unb  als  fpäter  jur  $eit  be3  ©ad&fenfpiegclä  ber 
JBertl)  beS  ©elbeä  etmaä  geringer  mar,  mürbe  ba$  Sßergelb  in  biefetn 
SftedjtSbudje  uttb  in  allen  Statuten,  bie  nodf)  eine  SBergelbSflage 
fannten,  er^ö^et  auf  3d&tjeljn  $funb  Silber,22;  alfo  jefct  540  2J)alet. 


,8)  3ütf<fee  «oto  III.  @ap.  21  33an  SWanbote.  glenabutger  Statuten  *. 
1284.  gteitfburg  1765.  ©.  72.  9tcrbfrieflfd)e$  9ted)t  t>.  1426  Htt.  71  (3)re ljer. 
»etfdjtebene  Slbbanblungen  I.  ©.517.  »cn  ©temann.  ©efdttcbtf  be«  9ir$t* 
br*  $erjogt&um«  @d)le«toig  £l>.  l.  <S.  35  u.  f.  gald,  <§d)le«»ig*$elftrinif<fce« 
$ttoatre*t  $b.  III.  S  137.) 

19)  gibicin  a.  a.  £>.   @.  127.  183.  135. 

9üj  L.  SalicH  XL.  1.  (Waitz.)     L.  Angl.  et  Werin.     T.  I.  2.    (Gaupp.) 

")  L.  Sax.  II.  1.    SBilba  a.  a.  C.  ©.  432. 

M)  @fp.  III.  45  §  l.  5)en  feepenbaren  Prien  lüben  gtfft  inen  .  .  .  ire  Gere- 
gelt {in  afyein  punt  pünbeger  penninge.  (Baupp,  SRagbeburger  9ted)t  Art.  3 
u.  27  6.  273  u.  280.    Seman,  $a*  atte  Jtolmifdje  fl&ety  II.  59.    <Öcfdjtn, 


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285 

3n  S^leSnng  war  fdjon  burdj  ßnubs  beS  ©ro&en  ©efcfe  bie  ÜJtamt* 
bute  fcftgefteUt  auf  40  3Rart  ©Übet.23)  (Später  aber,  als  nad& 
unb  nad^  ber  Sffiert^  beS  (Selbem  gegen  ©Übet  bis  auf  ein  drittel 
gefunfen  war,  ba  warb  in  bem  Qütfdjen  2oro  unb  ebenfo  im  alten 
Sc&leSungfd&en  unb  glenSburger  9te$t  befttmmt,  ba&  erfl  breimal 
18  SWarf  Pfenninge  ba«  redjte  SDtonngelb  fein  fotte. u )  grettidj 
Reifet  es  im  Qütfdjen  Soro ,  roie  fdjon  in  ÄnubS  ©efefc ,  ju  biefer 
Jßannbote  muffe  jur  völligen  ©id^er^eit  beS  griebenS  als  „tljobote," 
aud)  ein  giorsum  gegeben  werben,  aber  nrie  triel  baS  fei,  Reifet  eS 
f)iet  nid)t25)  5)od)  fdjon  baS  alte  ©d)teSrotgfd)e  ©tabtredjt  fagt 
beftimmt:  marka  auri,  quae  gorsum  Danice  dicitur  unb  ebenfo 
baS  glenSburger  unb  Spenraber.26) 

2BaS  §olfietn  betrifft,  fo  warb  in  beS  ©rafen  Sodann  III- 
Sanbtedjt  oon  gefjmarn  von  1326  baS  SBergelb  auf  60  9Jlarf  Sübifdjer 
Pfenninge  beftimmt;27)  baS  ©leid&e  finben  mir  in  ben  9leumünfter'fd&en 
Äir^fpielS=©ebräud^en,  bie  nad)  einer  ©ro&fürftlid&en  äterorbnung 
*on  1744  als  „£olften  Sanbredjt"  angefeljen  werben  foüen. 28) 
Unb  bafe  eS  in  bem  fiübedf  benachbarten  £oljlein  ber  gaß  mar, 
etilen  wir  aus  unferen  Urfunben.  Sin  Sauer  von  ^opfenborf 
erfäjfögt  einen  3Kann  Don  Äufelfe  unb  bejaljtt  „alfe  epn  tanb* 
redtet  60  9Rarf"  (M  61).  $n  einem  anbern  gaU,  wo  mir  freiließ 
bie  ffio^norte  ber  beiben  Parteien  nicfyt  fennen,  bie  aber  offenbar  im 
§olfteinifd}en  $u  fudjen  finb,  erhält  ber  Äläger  bie  „beterunge  alfee 
na  giften  redete  bat  vox  befjorbe,  nemptlif  60  3Jtort"  (^5  96). 
Unb  fo  mürben  audj  jroeifelSoijne  in  ben  übrigen  Urfunben  oon  ben 


&rtlat  ©tabtrecfyt  ©.  85  3.  17-18.  gtbicin,  (Berliner  €tabtbucb:  Ire  toergelb 
!>n  18  rant  pui  biger  penningev  bat  i*  bat  Vuut  twintidj  fd)i(Ünge.  <&.  138. 
»raoteff,  $ifterifcbe  ©Triften  03.  3.  6.  15  f. 

M)  $a$(niann,  ©efd)id)te  von  £ännemarf  33b.  l.  ©.  158.  t>.  @te* 
wann  a.  a.  £).  X^.  l  ©.  36. 

u)  3ütfcfce  £otü  III.  cap.  21.  Jus  Slesvicensc  autiqnuin  $  3.  (P.  K. 
Aach  er  farrago  legum  antiquarura  p.  2.)  glenaburger  5lrt.  66  a.  a.  £). 
&M-SI. 

**)  @.  bie  unrichtige  Ueberfefcung  »cm  (Sfenberger  1.  III.  21.  ».  §te» 
wann  I.  ©.  95. 

*)  Jus  ßlesTicenso  §  3.  9lecbt  *cn  Styenrabe  9lrt.  71.  ($re$er  a.  a. 
0.  ii  III.  ©.  mo)  »on  glendmrg  «rt.  66.     <S.  aud)  über  gorsum  SÖilba 

«.  *  C.  ®.    404  jf. 

w>  2>re$er  a.  a.  O.  $f>.  IL  @.  1019. 

*)  3>tei?er  a.  a.  O.  £f>.  II.  ©.  1 101-1102  «rt.  62  unb  §.  1053, 


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286 

betn  £olftenre<l)t,  aufy  wenn  e«  nid^t  au«brüdtid()  gefagt  n>irb,  unter* 
worfelten  83et^eiligten  ba«  SDlangelb  oon  60  3Jtorf  nad)  biefem  9ied)t 
bejaht,  nämlidfj  J&  50.  52.  79.  81.  86.  93.  (Snbttdj  mufe  man 
annehmen,  bafe  oom  Ijotfteinifd&en  SDtongetbe  bie  Siebe  war,  wenn 
ber  Sübeder  SRatl)  feinen  SRatfySbiener  ju  SKöDen  an  ben  äbt  t>on 
©iamar  fdfjidt,  ju  forbern*  „bat  mangelb  unbe  be  naiate"  be« 
bort  im  Älofler  tobgefd&lagenen  Sktter«  jene*  Wiener«  (JS  60). 

3n  Sauenburg  gatt  als  ©adrfenredjt  ba«  gleite  SDtongelb 
mie  in  $olfiem,  menngteidj  audj  unter  bem  SRamen  S3lutgetb. 29) 
©edjjig  SRarf  bejahte  ba^er  ba«  Slafeeburger  Sapitel  ffir  einige 
feiner  Seute,  bie  bort  einen  Sübeder  erfölageu  Ratten  (Jß  65). 

allein  ungead&tet  jener  SRedjte  ber  benachbarten  Sänber  unb 
ungeachtet  ber  oiclen  pDe  be«  £obf<$lag«,  roeld&e  unfere  Snfcriptionen 
bezeugen,  ifl  e«  in  Sübed  meber  burdt)  ©efefc  nod;  burdf)  ©eroofjnffeit 
ju  einer  pofitipcn  Seftimmung  ber  ©röfce  be«  SDtongetbe«  gekommen. 
@«  mar  immer  ba«  SRefultat  eine«  SScrgleidj«  beiber  Parteien,  fcfyr 
l)äufig  burd)  SSermittelung  jroeier  SRatljmänner;  unb  ba«  mar  mit 
fetyr  menigen  2lu«nal)men  ein  9Wangelb  von  ber  ©röfje  jmifc^en  20 
unb  60  SBlarf.  3Son  ben  2lu«nal)mcn  moßen  mir  jucrft  betrauten 
bie  gäüe,  mo  ein  IjöljereS  SDlangelb  gegeben  roirb,  at«  ba«  von 
60  9Jlarf. 

a)  3m  3^f)re  1334  roarb  ber  Sübeder  SBürgermeifter  SBolmar 
oon  Sittenborn  auf  feinem  Sanbe,  in  bem  Sffieid&bilbe  ber  6tabt 
reitenb,  oon  jroölf  fremben  Seuten,  jum  £l)eil  SRittcrn  ober  Änap^ 
pen,  angegriffen  unb  etfd&lagen.  Neffen  ©oljn  flagt  unb  bringt  bie 
gricbebred&er  in  bie  SSerfeftung  (J3  l).  SDa«  ©eitere  oon  ber  Sadje 
erfahren  mir  nur  avß  einer  ftnfcription  oon  1365,  nämüdf),  bafe 
ber  ißerjog  SUbred&t  oon  SBledlenbürg  bie  griebcbredEjer  gefügt 
Ijat  burdj  ein  SBergelb  be«  ©rfdfjlagenen  oou  Xaufenb,  nad) 
jefeigem  Selbe  9000  SJlarf  (M  3).30) 

b)  $m  3a^re  U28  Ijaben  fünf  SRänner  ber  gamilie  SWeibom, 
anfäffig  im  S)orfe  §ermen«l)agen  im  33i«tl)um  Stafceburg,  er* 


**)  Dr.  $i Unter,  2>a«  ©äffen*  unb  $olßen*9*ed)t,  nadj  ben  im  9lrd)i*e  fcr* 
©t.  3e$anni$;JHo(ier«  aufbewahrten  $rotofcQen  @.  35. 

*°)  3m  3a$re  1366  Bejahte  aua)  ber  Sfaty  wegen  Sobfälag«  be«  Ijolfleinu 
fd)en  »Uter«  SRarquarb  ffiejienfee  ba«  SRanadb  von  1000  m0.     «üb.  U.*IB.  m. 

JA  586. 


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28? 

fälagen  einen  uon  ©traljlenborf,  ritterlichen  ©efd()ledf)t$ 
in  3ßedEtenburg.  S)er  ©ofjn  ober  SBruber  be«  @rfd(jlagenen, 
Somfjerr  in  ©d&roerin,  ber  Slnftäger,  vereinigt  ftdf)  mit  ben 
Seflagten,  bie  ©rö&e  be«  SDtangelbS  ben  SübedEer  Sürgermeiflem 
ote  ©djiebSridfjtern  ju  übertaffen,  unb  biefe  erfennen,  bafe  bie 
Seflagten  tyre  fämmtUd&en  Sejtfcungen  unb  9tedfjte  in  kernten«* 
^agen  (agros  suos,  curias  et  possessiones  suas  cum  oranibus 
suis  iuribus  et  pertineneiis)  ben  ©tratjlenborf  }Um  PODen 
unb  eroigen  ©gentium  übertragen  {ollen  {Jß  16). 

c)  einige  Saljre  *>ot  144 1  t)at  ein  ©tralfunber  Bürger  einen 
Sfibedfer  Sürger  Ijter  auf  bem  ßlingenberge  tobt  gefdjlagen. 
2)er  Spater  bejaht  al«  SWangelb  beS  (Srfölagcncn  120  SRarf, 
nad)  jefcigem  ©etb  420  (Jß  40). 

d)  $m  Sa&re  1457  tiaben  jeljn  ©tefenifefaljrer  einen  anbem  Sübedfer 
Wann  t*>btgefdf)lagen.  k)a&  SJlangelb  beffelben  wirb  bejaht  an 
ben  SJater  mit  70  SRarf  (Xz  64). 

SBie  oerplt  e«  fidfj  nun  mit  biefen  ^ö&even  SBcrgetbcrn?  S5a« 
Sftätfenred&t  ^at  für  alle  freien  SKänner  ba«  gleite  äöergelb  von 
18  $funb  ©ilber.31)  gerner  gilt,  roaS  audij  felbjtoerftänblidfj ,  bafe 
tos  SRangetb,  ber  Sßrei«  be«  erfdfjlagenen  SJtanne«,  al«  ©üljne  rtid^t 
gtßSer  werben  fann,  roenn  3Ket)rere  bei  bem  £obfdf)lage  coneurrirten, 
ate  toenn  nur  ©n  Später  ba  ift.32)  SRun  fd&eint  e«  aber  Mar, 
bafj  in  ben  erflen  jroei  fällen,  a  unb  b,  entroeber  gegen  beibe  obigen 
§a$e  ober  bod&  gegen  einen  betreiben  serftofeen  ift.  S5o«  $öl)ere 
äJtongelb  eines  Sfirgermeifler«  unb  eine«  äJtanne«  oom  SWtterge* 
föled&t  würbe  felbft  in  ber  Lex  Saxonum  fid&  nid&t  rechtfertigen,  ba 
fJe  nur  bie  nobiles  polier  gefragt  Ijat.33)  £)te  Steigerung  be« 
3Rangelbe«,  nad&  ÜRafegabe  ber  Sctijl  ber  Sobfdfjläger,  roiberfprid&t  aber 
bem  Segriff  ber  ©üljne  unb  mad&t  ba«  SJtangelb  jur  ©träfe.  S)a« 
Untere  ift  ganj  Rar  in  bem  gaße  d.  SRur  in  bem  fJaUe  c  läfet 
ft<$  ba«  Ijöfjere  SRangelb  fd&roer  erttären.  2)a«  ©leid^e  gilt  audj>  in 
J»ei  anberen  gätten,  bie  mir  in  bem  Sübedfifd&en  Urfunben*33ud& 
jmben.    &ter  bejahten  Pier  $olfteinifd^e  ©rafen  bie  SRangelber 


*)  €ft>.  in.  45  §  l.    iöcrfhn,  *rle  Ferren,  feepenbaren  lübe,  bie  f!n  geltf 
to  bute  vmbt  in  toeregelbe. 

•)  6ft>.    IL  71    $  5.    III.  85  $  l.    ©öf<fyen,  (Statuten  ».   ®o*lar. 

6  W  3.  28—29. 

*)  Lex.  Baxonum  II.  1. 


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288 

Sil)  ei  et  erfdtfagenen  SWirger  mit  700  SDtorf,  atfo  350  für  jeben,  bort 
mehrere  $olfteinifd()e  knappen  ebenfalls  für  einen  erfdjlagenen  Bürger 
80  2Rarf.34) 

28aS  fobann  bie  Snfcriptionen,  unb  jroar  fedfj«,  betrifft,  in 
metdfjen  bie  SSerroanbten  beS  ©rfdfjlagenen  auänaljmSroeife  mit  einer 
geringeren  Summe  jufrieben  maren,  fo  finb  barunter  jroei, 
in  melden  e£  ftd)  um  roirflid&eS  SUlangelb  gar  nid&t  Ijanbette. 

3n  bem  einen  gaHe  toirb  ein  Sauer  in  SBenttorf  beS  Xo\>> 
fd&lagS  angeflagt  ©r  bemeifet  aber  feine  Unfd&utb,  giebt  bennod& 
bem  ©o^n  be$  @rfdf)lagenen  „propter  amiciciam  et  bonam  Concor- 
diam"  fteben  2Rarf  (Jß  8). 

©benfo  ifl  ein  Sruber  beS  ©rfd&lagenen  mit  16  9Jtarf  jufrieben, 
weil  er  rtid^t  beroeifen  !ann,  bafe  ber  Settagte  tmrfli$  ber  Später 
fei,  fonbern  nur,  ba&  berfetbe  bei  ber  „fladfjtinge"  —  roaljrfd&einlidf) 
oon  2Rel)reren  —  „Ijanbabidf)  fd&otbe  geroeft  jün"  (Jß  69). 

Qn  ben  übrigen  Pier  Urfunben  (21,  22,  54,  82)  Rubelte  es 
fidj>  allerbingä  um  SJtongetb,  weil  bie  33eflagten  roirflid&  SCobfdEjläger 
maren,  unb  unter  biefen  finbet  fidf)  audfj  folgenbe.  ©in  £ieftger  t>an 
beme  ißooe  erfd&lägt  einen  £elfdt)loro     S)ie  SBittroe  be£  ©rfd&lagc* 
nen  forbert  nun  tum  ber  grau  be£  $f)äter3  ba3  SDtongelb.  ©efcija$ 
biefc,  weil  ber  Spater  injroifdfjen  fd&on  geftorben  mar,  roaä  mal)r* 
fd&einU<$,  fo  l)atte  bie  Älägerin  gar  fein  9tedjt.    S)enn  laut  be$ 
©ad&fenred&ts  finb  nadfj  bem  £obe  beS  £obf dfjläger«  beffen  ©rben 
jur  SBejaljlung  eine«  28ergelbe3  nur  bann  üerpfüd&tet,  mnn  x>ot 
bem  2i>be  be$  2$äterS  bereit«  ein  Vertrag  jroifd&en  itjm  unb  ben 
SSerroanbten  beS  ©rfd&lagenen  gefd&loffen  mar,35)  unb   e3   fdjeint 
baraitö  tyeroorjugeljen,  ba&  ba3  SBergelb  als  ©träfe  betrautet 
mürbe,  wie  nadj  bem  Obigen  au<$  l)ier.     3roifdfjen  ^n  beiben 
grauen  ift  über  bie  &öJ)e  be3  3Kangetbe£  aber  erft  jefct,  nadf)  bem 
£obe  be$  Jäters,  perglid^en  morben.    §attc  nun  bie  Älägerin  an 
fidjj  fein  3te<$t,  fo  läfet  eS  fidfj  begreifen,  bafe  biefe  mit  ad&t  3Jiart 
jufrieben  mar  (M  82).    3ttmmt  man  aber  an,  bau  ber  Später 
bamalS  nodjj  lebte,  meil  in  biefer  Urfunbe  bie  Seflagte  no<$  „§u$* 
froum"  unb  ofjne  Sormünber  genannt  wirb,  fo  erfd^eint  ein  fold&eS 
unbebeutenbeS  9Jtangetb  bei  ber  Klägerin  auffallenb  unb  noclj  me§t 


w)  «üb.  Urf.^ud)  II.  JH  847  unb  904. 

M)  @fp.  II.  17  §  l.    ®öfd)en,  (Statuten  ».  ©oalar.    ©.  6  3.  37—39. 
7.  3-  9—10.    ».  ©ipboto,  (Sxbttty  be*  @fo.    <S.  364-C5. 


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289 

bei  ben  9latl>mannern,  meldfje  btefen  SJergletcIj  vermittelt  Ratten  als 
©elbflrafc  beS  XobfdjlagS!  Qnbeffen  ift  e«  nidfjt  ber  einjige 
3aH  Steint  im  Qa^re  1447  fonnte  Slrnb  SBulf  feinen  oor 
jawmjig  Saljten  geübten  £obfd&lag  ebenfalls  mit  adfjt  3RarI  füljnen 
(*  54). 

3n  allen  bisher  erwähnten  Qnjcriptionen  warb  ber  Sobfd&lag 
nur  butd)  (Selb  gefügt.  SDodj)  mar  biefi  nidjt  immer  ber  gall. 
Sic  idj  fdfjon  früher  an  einem  anbern  Orte36)  bemerft  Ijabe, 
gef^  e$  audjj  burdf)  SBaHfafjrten  be3  SobfdjlägerS  jum  $eil  ber 
Seele  beS  @rf$lagenen. 37) 

SBtttwe  unb  fiinber  beS  erfd&lagenen  2Jtanne3  erhalten  t)on 
ben  beiben  Jätern  40  SJtarf  unb  biefc  muffen  aufcerbem  jroei 
Matten  mad&en,  bie  eine  nadj  SBitenadt,  bie  anbere  nadj 
8o^en  (Jß  17).  3n  einem  anbern  gaHe  brauet  ber  Später 
ä^at  nur  16  3Warf  ju  bejahten,  bann  aber  mu&  er  bret* 
mal  jur  ^eiligen  Jungfrau  na<$  Slawen  wallfahren  (Jß  19). 
3n  bem  britten  galle  waren  bie  beiben  Später,  n)ie  e«  fd&eint, 
9M)  nadjj  bem  $obe  be3  (SrfdfHagenen,  jweimal  naci)  SBilönact 
9eroattfa^rt  9hm  Bereinigten  fidf)  bie  Parteien  vor  bem  Statte. 
#te  Später  bejahen  40  3Kar!  unb  tjerpfftdfjten  fid)  ju  jmei  weiteren 
SBoBfa^rten  nadj)  bem  „t»etligen  Slute"  in  SöilSnac!  (M  27). 

§ödf>fi  tnerfwürbtg  ftnb  übrigens  bie,  wegen  $obfd&lag8  be£ 
§olfJemifd^en  knappen  SWarquarb  SBejienfee  t>on  bem  SübedEt* 
föen  Statte,  in  goige  eine«  f^ieb8ri(%terli^en  (SrfenntniffeS  ju  oott* 
}ie|enben  Sü^nenregifter,  wel$e  näljer  ju  beteud&ten  l)ier  nidf)t  ber 
Ort  ift3»)    auf  einen  anbern  gall  werbe  td)  fpäter  jurüdffommen. 


*)  SubetfifdV  3uftänbe  im  SWittelalter  <S.  92  Mote  23. 

tT)  $>a*  xoax  aud)  nidjt  ungetoöfjnlid).  3m  3al)re  1501  gefdjaf;  ein  £obfd)lag 
'■  $örfeT.  3n>ifd)en  ben  JBrübern  be«  (Irfdjlagenen  unb  bem  Später  n>atb  burd) 
Ermittelung  be*  9lbt$  üon  (Sorvel?  unb  be«  Statt)*  fcon  Wörter  vereinigt,  baß  ber 
^Wer  jur  ewigen  @>ül>ne  für  ben  (Stfdjlagenen  30  ©eelenmejfen  unb  jtoei  »Detfatyrten 
tonftalten,  unb  ben  Jtinbern  16  2Ratf  geben  fette.  Söiganb,  9lrd)fo  für  ®e* 
fafote  unb  Ältertyumrtunbe  SBeflfalen*  93b.  I.  ©t.  4.  ©.  111—112.  Uebrigend 
*«r  ftfytx  in  gartet  nidjt  bie  2eben«flrafe  be*  Sobfdjtag«,  benn  e$  fjeifjt  in  beffen 
^htoi  au«  ber  SWitte  be«  13.  Saljrfyunbert« :  Quicunque  burgensis  alium 
iwH  muroB  interfecerit,  Hnxaria  exibit,  nee  unquam  de  cetcro  revertetur. 
®»9aib  a.  a.  £>.   93b.  III.  <St.  4  <5.  15. 

*)  tftb.  Urf.^.  III.  M  201.    aWantelö,  «üb.  u.  ÜWarq.  \>.   ffieftenfee 

€.  80—32. 


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290 

UebrigenS  warb  baS  SWangelb  ni<$t  immer  blofc  in  baarcm 
©elbe  geleiftet. 

S5er  Änappe  oon  fiüfcoto  in  fiauenburg  auf  Ätein*3:uroto 
Ijatte  feinen  bortigen  „lanjlen"  (fiantfeten)39)  erfdjlagen.  S)er 
Änappe  unb  bie  jtoei  ©öljne  be8  lobten  fommen  Dftem  1477  oor 
ben  liefigen  9tatl>  unb  oergteid)en  fid)  baljin:  ber  Änappe  bejaht 
35  SWarf  SWangelb,  bie  SBithoe  bcS  erfd&tagenen  foH  auf  beffen 
6rbe  frei  bleiben  bis  ju  i^rem  $obe  mit  alleiniger  SluSna^me 
be$  iä^rlid^en  9taud$ul)n$,  unb  fott  femer  um  ^ftngfien  eine  kufy 
erhalten  unb  am  nadjften  gafietabenb  fünf  (SHen  ©rabaufdjeä  Safen 
(As  92).  Unb  afe  ein  Wiener  be«  S3ifc^of«  oon  Stafceburg  einen 
Sübeder  @imool)ner  erfragen,  oerpflidjtet  er  fid)  jum  SRangelb  oon 
25  3Rarf  „unbe  ep  Ijalff  grau  tafen  oan  borbeljalf  marf  lub."  {Msi). 

§5. 

9tad)  bem  ©adrfenredjt  toar  bie  grage  oom  355  er  gelbe  ber 
Stöbtung  ober  SSeriounbung  eine«  SWenfdjen  ganj  unabhängig  baoon, 
ob  beim  Später  SBiUe  ober  nur  ©<$utb  ober  gar  3ufäHigfeit  ben 
%ob  oerurfadjt  Ijatte.  2)ie  grage  oon  peinlicher  ©träfe  toar  fub* 
jeetto,  bie  oom  äöergelbe  bagegen  oöHig  öbjeetto.  ©o  toarb  felbft 
bei  jufälliger  Söbtung  oolleS,  bei  föttmmer  Senounbung  fyalbeä 
SBergelb  gegeben.40)  Unter  unferen  Qnfcriptionen  finben  toir  jrcei, 
in  benen  foldje  gfäHe  oorgefommen  frnb. 

®S  t)at  im  3afjre  1473  ©mebefe  van  ©utp^en  ben  ©ol>n  be« 
Bürgers  33ofS  unoor^obe«  unbe  funber  oorfate  adjter  beme 
föutteioall  oor  Subefe  mit  euer  our  oamme  leoenbe  to  beme 
bobe  gebraut.     2Rid)aeli3   toarb   bie   ©ad)e   burdj   Ermittelung 


M)  §ft>.  III.  45  §  6.  Anbete  t?ri  lube  ftnt  lantfeten  gebeten  unbe  fomet 
unbe  txiret  gajte«  toffe,  unbe  ne  fcebben  nen  egen  in'me  lanbe;  ben  gift 
man  .  .  .  unbe  lein  punt  it  ire  Geregelt. 

*°)  ©fa.  1 .  38,  II.  16  $  5.  7.  berliner  ©tabtbuaj  <§.  136:  2)t  anbei  merb 
foml  »an  tuoalle  etynetf  ungelutfetf  j.  93.  tyn  flutte  fa>ie  na  tynem  »ogel,  unbe 
bod)  fd)ote  e^nen  menfdjen  unbe  bt€  glife«  tele:  ben  bot  fal  man  fanftlifen  na 
gnaben  ridjten,  bod)  bat  beme  Heger  beterunge  gefd)e.  götftemann  a.  a.  O. 
S*.  I.  $eft  3  §.  81:  „ftorb^aufer  aBetetpmer;"  ein  Urteil  ber  Seidiger 
Söffen  tjon  1502.  3a,  ba*  SBergelb  aud)  bann,  wenn  nid)t  ein  8Renfä)  felbft, 
fonbern  fein  $$ier  ober  fein  SBagen  3emanb  £ob  gebraut.  ©ft>.  11.40.  <Sfo6* 
lar'fdje  Statuten  b.  <Mften  @.  41  3.  1-5.  »rund,  »eitrige  jum  beutfetjen 
»ea)t  be*  SR.*«.  ®.  180  ^ff  3,  6.  199  ju  ^ff  3. 


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291 

tarier  SÄatlimänner  unb  fe<^«  anbetcr  SWanner  batyn  verglichen, 
to&  ber  Sftfter  fedfjg  ÜRarf  bejahen  fotte,  bie  ber  SJater  bcS  ©e* 
töteten  ju  SQmofen  venvenben  möge,  uttb  ftd)  verpflichte  im  n&fy 
fcn  3al|re,  forme  bie  erften  ©djiffe  von  Stevat  eingefommen,  brei 
ffloDfa^Tten  (bebevarb)  ju  magert,  nadj  9tom,  „to  funte  ©emvotbe 
mtbto  imfer  leven  froutve  to  ber  ©pnfebelinge,"  unb  SBetvetfe  ju  bringen, 
bo§  er  fie  gertjan  Ijabe  (Ja  88).  &ier  mar  e8  offenbor  SKangelb. 
«nbetd  aber  im  fotgenben  galle.  3m  Qalpe  1480  f)at  Sorenj 
pan  2)uten,  ein  ©olbfömieb,  wie  e*  fd&eint,  aufeertyatb  ber  ©tabt 
au$  feiner  §anbbüd)fe  einen  ßorb  von  ©eer,  oljne  i§n  ju 
ifyn  unb  eS  ju  tvijfen,  „unvorftdfjte«  unbe  untvefenö,"  in  ba$  Änie 
geföoffen.  Stoßet  verpflichtet  ftdj  Sorenj,  bem  Sorb  ben  2trjtlo$n 
«Rb  alle  Äoften  feiner  Ärantyeit  ju  erftatten,  unb  aufjerbem  bem 
6orb  -  o^ne  3roetfel  weil  «  ju  feiner  bisherigen  Arbeit  unfähig 
pwben  mar  —  „bat  goltfmebeampt  mit  guber  unbermpfinge  leren, 
tat  mebe  Ije  t>or  enen  guben  gelerben  gefetten  varen  möge,  umme 
j9  beS  be  betl>  in  fobanem  ftnem  angevattenben  ungerabe  to  nevenbe 
tabt  to  entfettenbe*  (J6  94).  SHefc  mar  alfo  fein  SWangelb,  fonbern 
6fckenÄerfafc. 

§  6. 

Unter  unferen  Urfunben,  bie  i<$  bisher  nur  in  betreff  be3 
äRangelbeä  betyanbelt  Ijabe,  giebt  eä  einzelne,  beren  Snljalt  audf)  in 
wbmr  Sejie^ung  von  einigem  SBert^e  ift 

l)  SJolrab  von  äf<$eberg  —  ein  feit  bem  16.  Qa^unbert 
mtyiounbeneS  $oljtetnifd)e8  ©efdjtedjt  —  §at  im  Salpe  1^13  ben 
Kener  (serms)  eine«  fonfi  völlig  unbefannten  Sübeder  Bürger«  (?) 
Sangeljopfe  erfdjlagen.  tiefer  tritt  nun  tvegen  3Jtangelb3  feine« 
SHcnet*  nidjt  allein  gegen  SBolrab  von  SKfdjeberg  ate  Später,  fonbern 
W%  ö^ßtn  „alios  decuriones,  generaliter  de  parentelis 
iMclicft  Reventlowen,  Walstorpe,  Rantzowen  et  Asscheberghe" 
<4  Unb  biefe  ©adfje  jttrifdfjen  bem  Kläger  unb  SSolrab 
m  Jlfdjeberg  tvirb  verljanbelt  vor  bem  Sübeder  9tat§  unb  e£ 
tarnt  jur  völligen  ©filjne  (zone)  ber  decuriones  mit  bem  Kläger 
tf»  &).  S)ie  §ö^e  be«  9Rangetb3  erfährt  man  nid&t.  Qene  decu- 
riones, wie  e3  Reifet,  fo  genannt,  tveil  fte  in  curia  comitis  9ted)t 
^wn,  waren  Stttter  ber  gebauten  vier  ©efdtfedjter.  S)aS  $Ber* 
WtengÄver^altnife  berfelben  aber  tvijfen  mir  nidjt41) 

u)  9htr  ba«  toiffen  toir,  bajj  bie  2Bal«borf  ein  Btoeig  ber  gamüie  9ta>ent* 

19 


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zedby  G00gk 


292 

.  2)  SRad)  bem  früheren  ©trafptoccffe  mufcte  bei  „f>antl)after  3$at" 
—  »etretung  über  ber  3ttiffet$at  —  be«  Sobfölag«  ber  Äläger 
mit  ©efdforet  ben  Seidjnam  be£  ©rfdjtagenen  jum  ©erlebt  bringen 
ate  „blufenben  ©djein."  2öenn  ber  Später  aber  ni<$t  gegenwärtig 
ober  gar  flüchtig  geworben  war,  fo  warb  bem  Seidjnam  oor  beffen 
33eerbigung  bie  redete  &anb  abgelötet,  unb  bann  tonnte  man  fpäter 
„mit  ber  tobten  $anb  Ragen,"  gleid)  als  wenn  ber  ganje  2eid)nam 
beS  ©rfdjjlagenen  gegenwärtig  märe.42) 

SKadj  einer  Urfunbe  von  1441  Ijatte  §artidj  ©uoemafe  „in 
oortiben"  in  Seutenborf  einen  $inrtf  £affe  tobtgefälagen.  ®r  mar 
o&ne  Sweifel  entflogen  unb  ba&er  bem  Äörper  be$  ©rfölagenen  bie 
redjte  &anb  abgelöfet  %n  biefem  3a§re  lam  t&  nun  jum  3Sergletdj 
ber  nädjjlen  @rben  be«  fiebern  mit  bem  Später.  2)a£  SKangelb 
mar  36  3Rarf.  SlHein  leibet  mar  wbe3  boben  t)ant  oorbifiert," 
ba^er  oerpfftdjteten  fid)  bie  ®rben  „effte  be  Ijant  Dan  jemenbe  worbe 
wrgebradfot,  benne  wölben  fe  be  Ijant  mit  breen  marfen  lub.  unbe 
IUI  fdjiffingen  lofen." 

3)  §inrif  Äleoe  in  Gurau  l)at  £tnrif  Äregen  erfd&lagen.  S)e3 
fieberen  jmei  ©dpejlem,  beren  eine  an  einen  Sttbedfer  ©inwoljner 
oerl>eiratl)et  mar,  erhalten  im  SBergleid&e  ein  SDtangelb  von  33  9Jtarf. 
9hin  Reifet  es  in  ber  Urfunbe  weiter:  „unbe  oan  ben  33  3Jtatfen 
fd&aK  jtan  to  ber  ^eren  brofe  III  SKarf  unbe  12  fd>il."  unb  t& 
mirb  befannt,  bafj  er  fie  oon  bem  SBürgermeifter  ©erb  t>an  SWinben 
föon  erhalten  $abe.  @3  fäeint  atfo,  bie  beiben  ©d&weflern  Ratten 
fid^  etwa«  ergangen  vox  bem  Statte.  2)od>  eine  fold^e  ©elbfirafe 
ftnbet  fi<$  md)t  in  bem  Sübediföen  SRedEjte.  S)ann  Reifet  e8  auä) 
jdtfiefeUd):  „Unbe  be«  ?o  föolen  (bie  beiben  ©$wefiern)  oorwarmngfje 
bon  oor  beme  ferfpete  to  Äuroume,  atfe  beme  lanbe  et)n 
red&t  tÄ"  (Jß  67). 

4)  ©in  Sßeter  ©olingbranb  foll  fid^  „etltfe3  mortbranbeS"  gegen 
einen  fiübeder  Bürger  Sletjmer  SBttfen  fäulbtg  gemalt  tyaben. 
9tad)bem  SBeibe  geftorben  waren,  man  barf  mo&l  annehmen,  bafj 
©rfterer  Eingerichtet  war,  erfreuten  wegen  jene«  33erbred)enS  bie 
©ö^ne  Seiber  oor  bem  Statte  jur  SSergleidjung ;  unb  bie  ge^t  ba^in, 
bafc   ber  ©oljn   beS  3Korbbrenner8  bem   be$   Slnbew  io  SDlatf 

loit)  n>ar.    Gfo  etgiebt  ftd)  au«  bem  Sappen,    ©gl.  @rea,el  be*  SRtttelaltfr«  au* 
ben  9lrd)i»en  ber  ©tobt  Süfocf  £cft  2  ©.  33  .V  22. 

**)  JDreper,  SWteceUaneen  <©.  124  u.  f.  ®dmm  a.  a.  £).  ©.  880.  9^ein* 
gauet  Sanbrety  $  56  (53  ob  mann,  ^eingattif^e  9lUer<§ümer  ©.  627). 


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zedby  G00gk 


293 

teilen  fott  (Jß  75).  ©ne  ©fi&ne  famt  bog  nid&t  fein,  fd&on  be& 
wegen,  weil  ein  SJtangelb  ate  Sujje,  wenn  nid&t  fd^ott  uergltdfjen, 
trity  oeretbt;  e3  war  olfo  nur  ein  6d&aben8erfafe,  benn  STOorbbrennen 
#e§  bamals  blofeeS  abftc^tlic^cÄ  ©rennen  eine«  §aufe8  ober  eine* 
anbem  ©egenftanbe«.*3) 

5)  2Bir  pnben  in  unseren  Urfunben  einzelne  $ätte,  mo  mehrere 

Seute  ate   Spater  be3   XobfdfjlagS   uorfommen,   j.  SB.   in   bem 

oben  bemerften,  roo  e3  jeljn  ©tefenifefa^rer  waren  (Jß  64)  unb  in 

JS  29,  mo  „omnes  interfectores"  ba8  SWangelb  be8  ©rfcljlagenen 

bejahten.  9hm  Ijaben  wir  aber  aufcerbem  jroei  Urfunben,  in  roetd&en 

ber  Sfageflagte  als  fold&er  bejeid&net  wirb,  ber  „in  trtodfe  unbe 

mire"  (Jß  58)  ober  „in  trfofen  unbe  in  t>erbe  geroejl  fdjjolbe  tyn:" 

mtb  ba  fragt  e$  fidf) ,  ob  biefe  Slttiteration  nur  bebeutet,  bafj  bei 

einer  Sdjtägerei  SRetjrere   t^ätig  waren,   audj  wenn  @old&e  nur 

JufoBig  mit  Slnberen  in  Streit  gerieten  unb  e3  baburdf)  jur  ftac^^ 

tinge  fam.    3®  glaube  ba«  nid&t,  unb  nod>  weniger,  bafc  fie  über* 

'  faipt  bebeutet   eine  3Wenge  3Wenfdf>en,  audf)  abgeben  oon  ber 

Wa^tinge.    ©a8  „trtodte"  (©ngUfdjj  flock)  ift  jroar  jiemlidf)  Kar  fyier 

«n  #aufe  STOenfdjen;  aber  ba«  barmt  oerbunbene  anbere  2öort 

fommt  in  mehreren  Urfunben  in  fo  t>erfd&iebenen  formen  oor, 

oii  oerbt,  g^eooerbe,  beerbe,  uore,  tmer,  ba$  eine  grammatifd&e  2lu$* 

lejung  biefer  Alliteration  in  ber  2J>at  roenigfienS  ^ödfjjl  unftd&er 

tft   Sfadj  tyxt  man  fidf)  btö  jefct  nur  an  bie  gform  t>erbe,  getmere 

unb  wre  gehalten,  o^ne  über  bie  ©ad&e  ju  entfdfjeiben.44)    S)ie 

Sebeutang  berfelben  ergiebt  pdf)  aber,  wie  mir  fdjjemt,  in  fotgenben 

Urfunben.    %n  bem  lateinifd)  gefdfjriebenen  (Sntnmrf  ju  erbittenber 

@efe$e  über  bie  S)eutfdf>en  unb  ©otylänber  im  §ofe  ju  SRorogorob 

Reifet  e«  u.  a.: 

Si  aliquis  ausu  temerario  curiam  theutonicorum  vel 
gotensium  invadere  presumserit,  vel  eam  violenter  intraverit 
armata  manu,  ibique  aliquem  aut  rebus  aut  corpore  molesta- 
verit  ve]  dampnifleaverit,    dampnum,    quod  ibidem   aeeeperit, 


**)  3.  99.  »eumünfterfdje  £ird)fpiete*©ebräud)e  «rt.  53,  $re$er  a.  a.  £>. 

$.  1095. 

**)  Dr.  ©Rillet,  ©eiträgegu  einem  mittelnieberbfutfd)en  Oloffar («&albjd^re^ 
önidjt  über  ba<3  (Bhjmnaflum  grteberfclanum  t>on  SRidfyaeli«  186«  bi*  Öftern  1867) 
5.  18.  öetbe,  MadtfeUunfl,  ©toaere,  «nfdjtofl.  Urf.*5Butb  *.  «fibeef  IV.  ©ort* 
wb  Sadjrrgffter  ©.  9ir  „an  »lorfe  unbe  an  »ore  (?u^re)  Rn"  =  unter  ber 
*«9e  begtiffen  fetn. 

19* 


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zedby  G00gle 


294 

pro  suo  optinebit:  Si  autem  cvaserit  et  questio  contra  cum 
mota  fuerit  et  devictus  fuerit  auctor  iniurie,  duplicem  emcndam 
faciot,  scilicet  XX  marc.  argenti,  et  quilibet  de  suis 
complicibus  emendabit  II  marc.  argenti.45) 
3n  ber  älteften  ©fra  Reifet  e«  nun  über  jene  ©teile  be« 
entnwtfS: 

SQSert  legen  cnape  fo  bumcone,  it  ft  upe  bljere  reife  ob^er 
in  b^eme  $ot>e,  b^at  Ije  fic  to  unpltdjjte  uplenbet  roebtyer  finen 
Ferren  of  tegetnen  meflerman,  b§ar  fdjjabe  unbe  ungemac  af  comen 
möge,  wert  b§e«  funbertife  icgen  fnape  wrrounnen,  b§at  \)t  bl>e« 
^ooetman  ft,  $e  betere  X  marc  fifoere«,  unbe  alte  be  tnebean 
olodfen  unbe  an  uerbljen  fin,  to  marc  fttoere«.46) 
„SSlodfen  unb  Serben"  ifi  atfo  abfid&ttid&e  3^mmenrottirung 
mit  bem  SftäbelSfityrer  unb  ju  bem  3roedE  einer  Unttyat 

Unb  ba«  finben  wir  audf)  in  einer  anberen  Urfunbe.  Qm  3a^re 
1376  geföal>  in  ©tabe  eine  ©eroalttfjat  gegen  ben  bamaligen  Sürger* 
meijier.  2JUt  bem  Urheber  Ratten  fid^  SDteljrere  oerbunben.  S5on 
einem  berjelben  Reifet  e«  ba^er  Ijter:  be  mebe  an  t>lo<fe  unbe  an 
Dore  fin.47) 

§7. 

©djjliefeltdf)  nodf)  über  ba«  ©rbredfjt  be«  SWangetbe«. 

9tad)  bem  ©adjfenred&t  erhielten  nur  be«  ©rfd&lagenen  ©djjroert* 
magen,48)  b.  I).  bie  männttd&en  SBerroanbten  burd&  3Ränner,  ba« 
SBergelb;  namtid&  au«  bem  ©runbe,  weil  urfprfinglid?  biefe  äRftimer 
junäd&jl  bie  33erpfft<J)tung  Ratten  jur  Slutrad&e  be«  ©etöbteten  unb 
anberfeit«  bie  Vertretung  ber  fdjulbigen  äJerroanbten.  2>a  nun 
aber  bie  übrige  ©ä$fiföe  ©pectalfucceffton  in  ba«  ©erabe  unb  ba« 
Jpeergemäte,  jene  ber  ©pillmagen,  biefe  ber  ©d&roertmagen ,  im 
Sübedter  SRed&t  von  Anfang  an  nidjjt  galt,49)  fo  meinte  idfj  au« 
mannen  ©rfinben,  bafj,  wenn  au<$  urfprünglidE)  bie  ©pecialfucceffion 
in  ba«  SBergetb  tyer  gegolten  Gaben  mag,  fte  bodE)  fpäter  fidf)  uerlorcn 
Ijabe.60)    SlHein  ein  (Srfenntnifj  be«  9tat§«,  meldte«  idjj'  erfl  fpäter 


*»)  Urf .*2Bud)  ».  Sübetf  I.  @.  697. 

")  2)afelbji  ©.  701-2. 

*')  JDafelbfl  IV.  ^  294  @.  su. 

*•)  Steine  Slbtyanblungen  au*  bem  £übifd)en  $fd)t  III.  ©.  37  JWot.  91. 

«»)  «.  8.  9*.  I.  «rt.  12,  II.  Slrt.  so. 

*°)  SWelne  9lbf>an&lungen  a.  a.  £>.  ®.  36.  u.  f. 


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295 

entbedte,  beroeifet,  bafe  id)  im  3rrtl)um  mar.  Saut  einer  ^nfcrtption 
wm  3a^te  l  i57  (**5  65),  roeld&e  idj  fdfjon  oben  berührte,  ^aben  bie 
Srüber  eine«  im  fiauenburgifdjen  ertragenen  SübedferS  Stefeman 
beften  2ttangelb  von  60  SKarf  erljalten.  9iün  fjatte  aber  ber  ©rfdjtagene 
aii(5  eine  Stodjter,  bie  Der^eirat^et  mar  an  einen  Jpermen  Stöfdjer. 
Sfn  unb  für  fidj  war  bie  £od)ter  bie  nädtfte  ®rbin  beä  @rfd)lagenen. 
SeSfjalb  forbert  nun  Sifdjer  Tanten«  ber  grau  von  ben  Arabern 
be«  lobten  bie  Verausgabe  be«  SKangelbe*.  2)ie  ©ad>e  fommt 
an  ben  Statf).    Siefer  aber  erfennt  (Jß  66): 

bat  ib  (baÄ  SWangetb)  eroebe  in  be  froertfybe  unbe 
nid^t  in  be  fpillfpbe;  barumme  fint  be  genomeben  SRefemanne 

t>an  beme §ermen  93i*f<^cre  —  van  ber  wegen 

Dor  beme  Sftabe  Dan  aller  anfprafe  in  atteme  regten  üorföeben 
to  enem  ganzen  enbe. 


Ittfttttfcett* 


i. 

Nicolaus  Parkentyn  dictus  Kreye,  Hermannus  Parkcntyn  suus 
patruus,  Sten  filius  Johannis  Sten,  Hagso  Weykendorp,  Haghe- 
dorn,  Sweder  Kulebutz,  Prestentyn,  Emeko  de  Lo,  Scratflesch, 
duo  juvenes,  unus  noraine  Spekkyn  et  alter  nomine  Kienesadel, 
sunt  proscripti,  eo  quod  dominum  Volmarum  de  Atendorn  olim 
consulem  interfecerunt,  equitantem  in  agro  suo  in  campimarchia 
civitatis.  Actor  Thidekinus  de  Atendorn,  predicti  domini  Vol- 
mari  interfecti  filius.  Testes  sunt  Johannes  Spegelere  u.  s.  w. 
£üb.  Urt.*$.  IF.  Jß  598,  na<$  einer  in  t>on  SJtelte   Sübedifdfje 

©efd&led&ter  (MS.)  aufgenommenen  Stbfdjrift  au«  ben  alte* 

fien  ©erid&töprotofoHen  j.  3.  1334. 

II. 

Notum  sit,  quod  Hennekinus  Mol n er  et  Boyeke  fratcr 
«ius  pariter  et  Hennekinus  Haghedorn  eorum  patruus,  coram 
consilio  constituti ,  dimiserunt  Johannem  Oldonborch  et 
W08  heredes  occasione  illius  homieidii,  quod  dicti  fratres  sibi 
ex  parte  patris  sui   Jacobi  Molner  et   dicti    Hennekini  Ha- 


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zedby  G00gk 


296 

ghedorn  patrui  sui  imposucrant,  immonitum  penitus  et  solutum, 
tenentes  vero  dicti  fratres  et  patruus  eorum  se  contentos  de 
omni  hujusmodi  dissensione  et  discordia  inter  prefatum  Jobannem, 
ex  una,  et  dictos  fratres  et  patruum,  parte  ex  altera,  hactenns 

ventilata Actum  coram  consilio  feria  quarta  infra 

sacros  dies  Pasche. 

3lieber*@tabtbU(§  1353.    Domine  ne  longo. 

III. 
Notandum,  quod  constituti  coram  consilio  Volmarus  et 
Hermannus  fratres  dicti  de  Warendorpe  quondam  Hinrici  de 
Waren dorpe  filii51),  neenon  heredes  et  provisores  eorundem 
recognoverunt,  se  pereepisse  C  et  VIII  aureos  lubicenses  ab 
Heynone  Börsen,  famulo,  occasione  illarum  mille  marcarum, 
pro  quibus  idem  Heyno  cum  aliis  suis  compromissoribus  pro 
domino  Alberto,  duce  Magnopolensi,  occasione  homiseidii  domini 
Volmari  de  Atendorn  in  solidum  fideiussit.  Unde  ipsi  supra- 
scripti,  eorum  provisores  et  singuli  sui  heredes  dimiserunt  eundem 
Heynonem  et  universos  heredes  suos  de  oompromissione  et 
debicione  dietarum  mille  marcarum,  partem  suam  tangente  libe- 
rum, immonitum,  solutum  et  immunem  ac  liberos,  immooitos 
solutos  et  immunes. 

9Riebet*©tabt6ud)  1366.    Nativitatis  Christi. 

IV. 

Sciendum,  quod  domini  Gherardus  de  Atendorn  et  Johannes 
Langhe  ex  jussu  consilii  placitaverunt  inter  Symonem  van 
de  Horst,  ex  una,  et  amicos  Martini  Wezenberghe  pie 
momorie  in  Berghen  Norwcgie  per  eundem  Simonem  interfecti, 
super  hujusmodi  homieidio,  parte  ex  altera,  sie  quod  idem  Symon 
pretactis  amicis  prompte  persoluit  XXV  marcas  denariorum, 
quas  ipsi  amici,  presentes  iuxta  librum,  se   totaliter  sublevasse 


5I)  ©obfdjalcu«  »on  «ttenborn  fenior  matye  1349  ein  Xeftament  (Üb.  ttrf.* 
S3ud»  X\>.  III.  M  10s).  3n  bemfelben  legirt  er  D  beit  Settern  be*  bamal« 
»erworbenen  ©olmar  »on  «Kenborn.  ber  nidjt  ber  ©ater  brt  SefHretl  xoax,  ba  er 
eine«  Zubern  al*  feine«  Safer*  erfoaljnr.  2)a*  toar  donrab  tjen  SCrtenbcrn. 
(ebenb.  9lnm.  *);  2)  bem  (Soerfarb  oon  SUtenborn,  meus  patruus,  alfo  einem 
©ruber  be«  (Sonrab;  3)  bem  ©ottfrtalf  öon  ttteenborn,  mens  pntruu*.  alfo  einem 
itoetten  ©ruber  be*  Gonrab;  4)  bem  $inrtd)  ©arenborp,  gener  Volmtri  de 
Attendorn. 


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J 


237 

recognoverunt;  et  per  hoc  una  cum  aliis  emendis  prius  per 
eundem  Simooem  factis  hujusdam  briga  debent  esse  penitus  et 
omnino  terminata  et  ita  quod  dicti  amici  defuncti,  nati  et  nascendi, 
pro  predicto  homicidio  non  debent  Symonem  p  red  i  et  um  aliqua- 
tenus  ineusare.  Pro  quo  firraiter  servando  una  cum  Nicoiao, 
filio  predicti  defuncti,  Johannes  Holste,  Hartwicus  Westerowe, 
Gherhardus  Amelung,  Paternostermaker,  Nicolaus  Bulow,  Jo- 
hannes Swirre  et  Conradus  Hiddcn  simul  promiserunt.  Johannes 
Holste  debet  Hartwicum  et  Gherhardum  Amelung  indem pnes 
cooservare. 

^eber*6tabtbudj  1373.    Oculi. 

V. 
Notandum.  Dominus  Conradus  Brekewolt,  Gerardus  Pal- 
nedach,  parte  ex  vna,  Lodewicus  Krul  et  Johan  Ploto,  parte  ex 
altera,  amicabiles  compositores  inter  Volradum  Asscheberg  et 
Hkolaom  Langehoyken  presentes  libro  recognouerunt,  se  inter 
cos  talem  amiciciam  et  concordiam  fecisse  et  placitasse,  videlicet 
pro  eo  quod  dictus  Nycolaus  Langhehoyke  impetiuit  prenomi- 
natom  Volradum  Asscheberch  et  alios  decuriones  generaliter  de 
parentelis  videlicet  Reucntlowen,  Walstorpe,  Rantzowen  et  Assche- 
berghe,  racione  bomieidii  cuiusdam  Hinrici  Swechowen,  pridem 
aeroi  prenominati  Langehoyken,  in  quo  homicidio  idem  Lange- 
hoyke  prenominatos  decuriones  dixit  esse  reos,  ita  quod  preno- 
mioatus  Nycolaus  Langehoyke,  principalis  et  plenipotens  procu- 
rator  sui  serui  prenominati,  coram  consilio  recognouit,  se  suffl- 
rieotem  et  plenariam  reconciliacionem  et  zone  racione  homieidii 
prenominati  sui  serui  a  prenominato  Volrado  Asscheberg  reeepisse 
et  subleuasse,  dimittens  pro  se,  suis  et  prenominati  sui  serui 
beredibus  et  amicis  natis  et  nascendis  in  futuro  prenominatos, 
vtpote  Volradum  Asscheberch  et  generaliter  omnes  dictos  Reucnt- 
lowen, Walstorpe,  Rantzowen  et  Asscheberge  ipsorumque  heredes 
et  in  hac  parte  complices  ab  omni  actione,  monicione,  impeticione 
direeta  aut  indireeta  penitus  quitos  et  solutos,  ita  quod  omnes 
predictos  decuriones  generaliter  et  singulariter  aut  ipsorum  here- 
in pretextu  illius  nulla  alia  monicio,  impeticio  aut  actio  quo« 
uknodo  inperpetuum  uullatetius  subsequatur,  pro  quibus  omni- 
bus  et  singulis  firraiter  seruandis  vna  cum  prenominato  Nycolao 
Langehoyken  Johan  Krul,  Tymmo  Holtste,  Merten  Grote,  Johan 


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zedby  G00gk 


298 

Schonenberch,  carpentator,  et  Hinricus  Scholer  coniuncta  manu 
fideiubondo  promiserunt.     Scriptum  jussu  consulatus. 

9tiebei>6tabtbud)  1413.    Divisionis  apostolorum. 

VI. 

Notnndum.  Vikke  Nyendorp  corain  libro  rccognovit,  so 
a  Ludekino  Koler,  qui  nuper  puerum  suum  interfecerat 
racione  illius  occisionis  plenam  emendam  cum  satisfactione  suffi- 

cionti  efficaciter  recepisse  et  sublevasse 

9Uebei>©tabtbudj  1416.    Misericordia  Domini. 

VII. 

Marqwardus  vam  Sande,  Wennekinus  Brassche,  Nicolaus 
Brassche,  Hinricus  Gutendorp,  Nicolaus  Gutendorp,  Detlevus 
Swartekop,  Hinricus  Morssei,  Tydekinus  Morssei,  Nicolaus  WuK£ 
propinquiores  heredes  et  consanguinei  et  amici  Hcnnekini 
Lubberdes  bone  memorie  pro  se  et  suis  heredibus  et  nomine 
omnium  aliorum  hcredum  seu  amicorum  dicti  Hennekini  Lubber- 
des coram  concilio  et  hoc  libro  recognoverunt,  se  coniuncta 
manu  ad  sufflcienciam  sublevasse  et  percepisse  a  Johanne 
Olrikes  XL  marcas  lub.  den.  in  satisfaccionen  seu  emen- 
dam interfeccionis  seu  occisionis  dicti  Hennekini  Lubberdes. 
Undo  etc. 

•JUeber*@tabtbud)  1423.    Epyphanie  Domini. 

VIII. 
Gerekinus  Rendcsborch  cum  suis  propinquioribus  con- 
sanguineis  et  amicis  videlicet  cum  Nicoiao  et  Johanne  Renfles- 
borch,  coram  consilio  inpetebat  Hinricum  Buman,  villicum  in 
Wenttorpe  situata  in  parochia  Sanszekenevene  pro  interfeccionc 
seu  occisione  Petri  de  Rendesborch  bone  memorie  et  quon- 
dam  patris  dicti  Gerekini.  Tarnen  per  amicabiles  traetatoros 
utriusque  partis  dictus  Hinricus  Buman  probavit  et  obtinnit,  se 
esse  innocentem  interfeccionis  seu  occisionis  prefati  Petri.  Dictus 
tarnen  Hinricus  Buman  propter  amiciciam  et  bonam  concordiara 
dedit  Gerekino  Rendesborch  VII  marcas  lub.  den.,  quas 
dictus   Gerekinus  recognovit   se  ad  sufficienciam  sublevasse  et 

percepisse 

9Ueber*@tabtbud)  1423.    Anthonii. 


Digiti 


zedby  G00gk 


299 

IX. 
Petrus  Soncken  alias  impetebat  Marquardum  Brand  pro 
ioterfecciono  Hennekini  Soneken,  patris  carnalis  dicti  Petri. 
Tarnen  per  dorainos  Conradum  Brektfwolt  et  Hinricum  Rapo- 
soWer,  proconsules,  dicte  partes  amicabiliter  concordati  sunt, 
ita  videlicet,  quod  Petrus  Soneken  coram  libro  recognovit,  so 
esse  de  dicta   interfeccione    patris    sui    satisfactum    a    prefato 

Marquardo  Brande 

9Uebet*6tabtbud)  1423.    Concepcionis  M^rie. 

X. 

Nicolaus  Nacke  cum  suis  heredibus  coram  concilio  et 
hoc  Hbro  recognovit,  se  dimisisse,  et  dimisit  Tancquardum  Kaien 
et  Tancquardum  eius  filium,  villicos  in  Lutken  Porin,  ex  parte 
inferfeccionis  Nicolai  Nacken,  sui  patris,  penitus  quitum  et 
solutum  et  quod  ipse  Nicolaus  Nacke  nee  sui  heredes  affuturis 
temporibus  nullam  inpeticionem  aut  monicionem  in  et  ad  Tanc- 
quardum Kaien,  Tancquardum  eius  filium  et  eorum  heredes 
propter  hoc  facere  volunt  nee  debebunt  quovis  modo  .... 
9Webe*©tabtbttd>  1425.    Nativitatis  Christi. 

XI. 
Jobannes  Hanenpol,  civis  Lubicensis,  tamquam  pleni- 
potens  procura tor  filiorum  Godekini  Schomakers  bone  memo- 
rie,  per  Jobannem  Mekelenborch  alias  in  villa  Vrezenborch 
bterfecti,  presens  concilio  et  hoc  libro  recognovit,  quod  Johannes 
Mekelenborch  filius  antedicti  Johannis  Mekelenborch 
sibi  et  filiis  prefati  Godekini  Schomakers  satisfecisset  ex  parte 
interfecrionis  dicti  Godekini  Schomakers.  Unde  etc. 
9ttebet*6tabtbud)  1425.    Dyonisii. 

XII. 
Arnoldus  Ovorkerken  et  Elizabeth  uxor  eius  logitima, 
propioquiores  heredes  Ludekini  Eggordes,  coram  libro 
acojrnoverunt,  se  sublovasse  et  pereepisse  a  Laurencio  Vicken, 
Bwmanno  Ryckmans,  Cruze,  Nicoiao  et  Hinrico  Haven,  fideius- 
wribus,  XII  marcas  lub.  den.  ex  parte  interfectionis  Ludekini 
fygordes  per  Bernardum  Kersseborch  alias  tor  Overnsluze 
Krterfecti.    Unde  antedicti  Arnoldus  et  Elizabeth    filia   Lude« 


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300 

kini   interfocti   .  .  .   prefatos  fldeiussores  et  prcsertim  Ber- 
nardum    Korsseborge  .  .  .  pretextu  illius  penitus  diniiserunt  ab 

omni  alia  monicione  seu  impeticione  quitos  et  solutos    

9tteber*©tabtöu$  1426.    Undecim  raillium  virginum. 

XIII. 
Gerardus  Schattin,  piscator,  verus  et  propinquus  heres  Siffri- 
di  Tuckcswert,  alias  in  villa  Hemmingestorpe  interfecti,  coram 
concilio  et  hoc  libro  recognovit,  quod  Nicolaus  Sc  höre, 
villicus  in  Pentze,  sibi  dedisset  et  bene  persolvisset  XL  marcas 
den.  lub.  ex  parte  interfeccionis  antedicti  Siffridi  Tuckeswerdcs: 
undo  prefatus  Gerardus  Schattin  cum  suis  heredibus  seu  nomine 
omnium  aliorum  heredum  dicti  Siffridi  prefatum  Nicoiaum 
Schoren  suosque  heredes  et  amicos  pretextu  prefate  interfeccio- 
nis Siffridi  Tuckeswerdes  penitus  dimisit  ab  omni  ulteriori 
monicione  seu  impeticione  quitum  et  solutum. 
3ttebet*6tabtbud>  1428.    Pasce. 

XIV. 
Hinricus  Tzantzkenove,  filius  Hermanni  Tzantikene- 
ven,  alias  per  Hermannum  Meiger  extra  portam  Holteacie 
interfecti,  coram  concilio  et  hoc  libro  recognovit,  quod  dictus 
Hermannus  Meiger,  Johannes  Meiger,  fratres,  et  Hennekinus 
Meiger,  patruus  dictorum  Hermanni  et  Johannis  sibi  satisfecissent 
de  prefata  interfectione  antedicti  sui  patris,  propterquam  idem 
Henricus  recognovit,  se  a  dictis  Hermanno  et  Johanne  et 
Hermekino  XL  marcas  den.  lub.  ad  sufficienciam  sublevasse  et 
percepisse.    Unde  etc. 

9Uebet*@tabtbud)  1428.    Nativitatis  Sti.  Johannis  Bapt 

XV. 

Gerlacus  Hogedyk  pro  se  et  suis  heredibus  coram  con- 
cilio et  hoc  libro  recognovit,  se  a  Tymmoni  et  Jobanni 
Schachte,  fratribus,  sublevasse  et  percepisse  XL  VI  II  marcas  den. 
lub.  ex  parte  interfeccionis  seu  homicidii  Johannis  Augustin 
bone  memorie  ad  usum  Tydekini  Augustin,  fratris 
prefati  Johannis.  Unde  Gerlacus  antedictus  nomine  et  ex 
parte  dicti  Tydekini  suorumque  heredum  seu  nomine  omnium 
aliorum  heredum  Johannis  Augustin,  nascendorum  seu  natorum, 


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301 

prefatora  Tymmonem  et  Johannem  Schachten  ipsorumque 
beredes  pretextu  interfeccionis  Johannis  Augustin  penitus  dimi- 
sit  ab  omni  ulteriori  monicione  seu  impeticione  quitos  et 
solutos.  .  .  . 

3föebet*©tabtbtt<$  1428-    Nativitatis  Sti.  Johannis  Bapt. 

XVI. 
Notandum,  quod  omnes  controversia  inter  dominum  Hen- 
ningum  Stralendorp,  scolasticum  ecclesieZwerinensis,  ex  una, 
etquosdam  Albertum  seniorem,  patrem,  et  Albertum  iuniorem, 
Nicolaum,  Gerardum  et  Johannem,  filios  eiusdem  nuncupatos 
Meibom,  quondam  opidanos  io  villa  Hermenshagen,  papochie 
Frodbershagen  diocesis  Raszeburgensis,  parte  ex  altera,  occasione 
homicidii  per  eosdem  opidanos  in  premissa  villa  perpetrati  et 
omnium  exinde  quomodolibet  subsequencium ,  per  honorabiles 
viros,  dominos  proconsules  civitatis  Lubicensis,  ab  utraque  parte 
electos,  omnino  finita,  terminata  et  penitus  est  sopita.  Ita,  quod 
predicti  opidani  pro  se  et  suis  heredibus  agros  suos,  curias  et 
poöessiones  suas  cum  omnibus  suis  iuribus  et  pertineneiis,  quas 
rt  quos  in  predieta  villa  Hermenshagen  et  suis  attineneiis  hacte- 
nus  babuerunt  seu  possident  qualitercunque,  coram  consulatu 
Lobicensi  totaliter  in  manus  predicti  Henningi  libere  resig- 
naverunt,  sine  spe  in  posterum  repetendi.  Prenominatus  vero 
Heoningus  viceversa  pro  se  et  suis  fratribus  singulis  et  omnibus 
aliis  sibi  et  predictis  fratribus  adherentibus  pacem  flrmam  et 
securam  prenominatis  opidanis  in  personis  et  rebus  servare  pro- 
raisit,  et  ut  opidanis  plenius  caveatur,  idem  Henningus  suas 
pateotes  litteras  super  huiusmodi  paco  et  securitate  servanda 
sigillabit  eisdem. 

9Webet>6tabtbud)  1428.    Marie  Magdalena 

XVII. 
Mette,  relita.  Conradi  Gropen  noviter  in  villa  Bruzeuitze 
roterfecti,  Hartwicus  Schröder  et  Petrus  Stuve,  provisores  dicte 
Metten  et  suorum  puerorum  coram  concilio  et  hoc  libro  recog- 
Mferunt,  quod  Hermannus  Mollers  et  Nicolaus  Utdranck  ipsis 
»titfecerint  de  interfectione  prefati  Conradi  Gropen  et  quod  a 
tatis  Hermanno  et  Nicoiao  ad  suffletenciam  racione  dicte  inter- 
feccionis sublevassent  et  pereepissent  XL  marcas  den.  lub.    Ad 


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302 

hoc  Hermannus  Mollers  et  Nicolaus  Utdrank  promiserunt,  se 
volle  et  debere  unam  reysam  in  Wilsznacke  et  unam  reysam  in 
Aqwisgrani  mittere  et  facere  pro  salute  anime  antedicti  Conradi 
Gropen:  propter  quod  antedieta  Mette,  Symon  et  Metteke,  Ölii 
dictorum  Conradi  et  Metten  cum  ipsorum  heredibus  et  provi- 
soribus  nascendis  seu  nascituris  prefatos  Hermannum  Mollers 
et  Nicolaum  Utdrank  cum  corum  heredibus  nascendis  seu 
nascituris  de  prefata  interfeccione  penitus  dimiserunt  ab  omni 
ulteriori  monicione  seu  impeticione  quitos  et  solutos. 
9Ueber*6tabtbud)  1428.    Nativitatis  Marie. 

XVIII. 

Hinricus  et  Tidekinus  Rybenborge  fratres  presentes  concilio 
et  hoc  libro  recognouerunt,  quod  Hennekinus  Langenacht,  ciuis 
in  Molne,  alias  interfecit  fratrem  ipsorum  videlicet  Hermannura 
Langenachten  (offenbat  üerfötiebett  für  Rybenborge),  de  dieta 
tarnen  interfectione  ipsorum  fratris  iidem  Hinricus  et  Tidekinus 
recognouerunt,  se  esse  per  prefatum  Hennekinum  satis  et  suf- 
fleienter  emendam  facturum  (anflatt  sibi  esse  —  faetam),  de 
quibus  sunt  bene  contenti.  Unde  Hinricus  et  Tidekinus  ante- 
dicti cum  ipsorum  heredibus  natis  aut  nascendis  antedictum 
Hennekinum  Langenachte  et  suos  heredes  cciam  natos  aut 
nascendos  de  prefata  interfectione  Hermanni  Ribenborges  penitus 
dimiserunt  ab  omni  alia  seu  ulteriori  monicione  et  inpeticione 
quitos  et  solutos.  Et  est  placitatum  per  dominos  Conradum 
Brekewolde  et  Hinricum  Rapesuluer,  proconsules,  per  conciliura 
ad  hoc  deputatos.  Insuper  Johannes  Wolters  et  Hermannus 
Detleues  cum  eorum  heredibus  coniuneta  manu  promiserunt,  se 
velle  et  debere  stare  pro  non  subsequenda  ulteriori  monicione 
prefate  interfectionis  et  dictum  Hennekinum  Langenachte  cum 
suis  heredibus  pretextu  illius  penitus  indempnes  releuare. 

3ftebet>@tabtbud)  1428.    Cecilie. 

XIX. 

Degenhardus  Bolszhusen,  civis  in  Husum,  propinquior 
heros  interfecti  Henninge  Hackestiges,  per  Martinum  Neringe 
alias  Lundes  terre  Dytmarcie  interfecti,  coram  concilio  et  hoc 
libro  recognovit,  se  ex  parte  prefate  interfeccionis  a  Martino 


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303 

antedicto  sublevasse  et  porcepisse  XVI  marcas  den.  lub.;  et  ad 
hoc  dictus  Martinus  promisit,  se  velle  tribus  vicibus  ire  ad 
beatam  virginem  Aquisgrani  in  salutein  anime  antedicti  Hen- 
ning*.   Undo  etc. 

9Uebet*Stabtbud>  1429.    Thome  apostoli. 

XX. 

Hermannus  Brockman,  frater  carnalis  Alberti  Bru- 
sehaveren  bone  meraorie  per  Johanncin  Kroch  man  alias  in 
villa  Berchstede  interfecti  .  .  .  coram  libro  recognovit,  se  ab 
heredibus  antedicti  Kroch  man  ex  parte  interfectionis  Alberti 
i  Brusehaveren  XX  marcas  den.  lub.  sublevasse  et  pereepisse. 
Unde  etc. 

#ieber*6tabtbud>  1431.    Oculi. 

XXI. 

Tydekinus  Vur  coram  concilio  impetebat  Hinricum  Papon- 
dorpe  ex  parte  Nicolai,  Martini  et  aliorum  fratrum  dicti 
flinrici,  qui  alias  in  campo  ville  Grotenzadelvitze  interfecerunt 
Tidekinum  Vure,  auum  et  consanguineum  antedicti  Tydekini 
Vor.  Tarnen  prefatus  Tidckinus  Vur  coram  concilio  et  hoc 
libro  recognovit,  se  a  Hinrico  Papendorpe  ex  parte  interfectionis 
prefate  XIII    mr.   den.   lub.  et  sex  mr.  lub.  ad    honorem  Dei 

|  et  pro  salute  anime  Tidekini  Vur  interfecti  sublevasse  et  per- 
eepisse.   Undo  etc. 

i  3ftebet*©tabtbud)  1431.    Omnium  Sanctorum. 

I 

XXII. 

Petrus  Hase  impetebat  alias  Henningum  Stenderen  de 
inierfectione  Johannis  Hasen  patris  prefati  Petri.  Sed  tarnen 
dicte  partes  per  dominos  Johannem  Colman  et  Jacobum  Bram- 
stede,  per  concilium  ad  hoc  dep utatos,  amicabilitcr  concordati 
sunt,  ita  videlicet  quod  Henningos  Stender  in  emendam  inter- 
fectionis antedicti  Johannis  Hasen  prefato  Petro  dabit  XV  mr. 
den.  lub.  in  tribus  terminis  subsequentibus,  videlicet  super  quo- 
llt festo  nativitatis  Christi  quinque  mr.  lub.  expedite  persol- 
wodas  .... 

9licbet^@tabtbU(^  1432.    Petri  et  Pauli  apostolorum. 


Digiti 


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304 

XXIII. 
Hermannus  Thyes,  Benekinus  Thyes  et  Johannes  Tyes, 
fratres  Bertoldi  Tyes,  alias  in  villa  Bodendorpe  per  Nicolaum 
Vogede  interfecti,  nomine  ipsorum  et  ex  parte  Ewaldi  Tyes 
filii  prefati  Bertoldi  interfecti  coram  concilio  et  hoc  libro  re- 
cognoverunt, se  a  dicto  Nicoiao  Vogede  ex  parte  amicabilis 
composicionis  prefate  interfectionis  sublevasse  et  percepisse 
XXX  marcas  den.  lub.  in  melioracionem  antedicte  interfectionis: 
unde  etc. 

9ttebet*@tabtbu$  1432.    Margarete. 

XXIV. 
Johannes  van  dem  Borne,  Johannes,  Nicolaus  et  Ludekinus 
dicti  Veremanne  ut  propinquiores  heredes  Detlevi  Veremans, 
qui  alias  per  Marquardum  Stale  advocatum  in  Molne  et 
suos  coadiutores  ante  castrum  Trittow  erat  interfecti^.  coram  con- 
cilio et  hoc  libro  recognoverunt,  se  ex  parte  interfectionis  dicti 
Detlevi  a  hominis  consulibus  Lubicensibus  et  Marquardo  Stale 
XXX  mr.  den.   lub.   ad   sufficienciam   sublevasse  et    percepisse 

ad    usum    puerorum  Detlevi 

$tebet<@tabtbu$  1432.    Katerine. 

XXV. 

Olavus  Schutte  frater  carnalis  Vrunt  Ruters,  qui 
alias  tor  Pernawe  per  Jobannem  Herken zee  fuit  interfectus, 
coram  libro  recognovit,  sea  Petro  Nienstade  et  Johanne  Tancken- 
hagen  ex  parte  interfectionis  prescripti  Vrunt  Ruters  sublevasse 
et  percepisse  LX  mr.  den.  lub 

9Uebet*@tabtbu$  1433.    Elizabeth. 

XXVI. 

Oerekinus  Kailendorp  et  Hermannus  Kallendorp  eins 
filius,  patruus  Jobannis  Westfales,  quondam  interfecti  tom 
Homberge  per  Hinricum  Meyere,  coram  concilio  et  hoc  libro 
recognoverunt,  se  nomine  ipsorum  et  ex  parte  Hanseken,  filii 
dicti  Johannis  Westfales  interfecti  a  Hinrico  Meyere  XL  marcas 
lub.  sublevasse  et  percepisse  in  vim  amicabilis  composicionis  et 
ex  parte  interfectionis  prefate.    Undo  etc. 

3Mebet*©tabtbttd&  1434.    Prisce  virginis. 


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306' 

XXVII. 

Jobannes  Delmenhorst,  villicus  in  Rodingeshagen ,  frater 
carnalis  Petri  Delmenhorstes  bone  raemorie,  alias  per  Mar- 
quardnra  et  Jacobum  Jageduuele  fratres  interfecti  super  slusa 
Perkentin,  coram  concilio  et  hoc  libro  recognovit,  se  a  dictis 
fratribus  Marquardo  et  Jacobo  ex  parte  dicte  interfectionis 
sublevasse  et  percepisse  XL  marcas  den.  in  vim  amicabilis  com- 
poskionis.  Et  pro  salute  anime  antedicti  Petri  prefati  Maf- 
quardas  et  Jacobus  iam  fecerunt  duas  reysas  ad  sacrum  san- 
gaioem  in  Wilsznacke  et  adhuc  promiserunt  se  velle  facere 
doas  reysas  in  Wilsznacke.    Unde  etc. 

9liebet>©tabtbU(§  1434.    Cathedra  Petri. 

XXVIII. 
Nicolaus  Boes,  patruus  Nicolai  Boes,  alias  per  Hinricum 
Wolve  sub  campo  ville  Wetenrode  interfecti,  coram  concilio 
et  hoc  libro  recognovit,  se  de  et  ex  dieta  iRterfectiono  a  Hin- 
rico  Wulve  XXV  marcas  lub.  den.  sublevasse  et  percepisse. 
Pude  etc. 

9(Hebet<®tabtbud)  1434.    Invocavit. 

XXIX. 

Hinricus  Stenvorde  coram  libro  recognovit, sibi  esse  #otum, 
quod  .  .  .  52)  filius  Pauli  Stenvordes,  sui  fratris,  alias  ex 
parte  interfectionis  dicti  Pauli  XV  marcas  lub.  a  Gerekino 
Verpeyden  et  Oodekino  Koven,  fideiussoribus,  sublevasse  et 
percepisse.  Similiter  Hinricus  Stenvorde  nunc  coram  libro  recog- 
novit, se  a  dictis  Gerekino  ex  Godekino  ex  parte  prefate  inter- 
fectionis Pauli   Stenvordes,  sui  fratris,  sublevasse  VIII  marcas 

den.    Unde  Hinricus  Stenvorde omnes  interfectores 

antedicti  Pauli  ....  et  cum  hoc  prefatos  fldeiussores  pretextu 
iltius  diroisit  ab  omni  uiteriori  monicione  seu  inpeticione  penitus 
qnitos  et  solutos.  Presentes  interfuerunt  Hartwicus  Oldedorp 
*  Sflridas  Bodenwerder. 

9tieber*6tabtbu<§  1434.    Petri  et  Pauli  apostolorum. 


■)  ton  Warne  fetfk 


Digiti 


zedby  G00gle 


*306 

XXX. 

Nisse  Peterssen,  alias  vocatus  Schellewisz,  coram  con- 
cilio  et  hoc  libro  recognovit,  quod  Johannes  Guldenvoet 
alias  interfecit  Petrum  Schoningh,  filium  sororis  patris  dicti 
Nissen.  Tarnen  dictus  Nisse  recognovit,  de  et  ex  dicta  inter- 
fectione  nomine  sui  et  omnium  aliorum  amicorum,  cuius  pleni- 
potens  procurator  est  iuxta  tenorem  unius  littere,  quam  Johannes 
Guldenvoet  habet,  so  esse  per  Johannem  Guldevoet  satisfactum, 
et  de  hoc  idem  Nisse  recognovit,  se  a  Johanne  Guldenvote  sub- 
levasse  et  percepisse  XX  marcas  den.  lub.  Unde  etc. 
$Riebet*@tabtbu$  1434.    Nativitatis  Marie. 

XXXI. 

Hinricus  Visscher,  filius  sororis  Everhardi  Moller 
bone  memorie,  alias  interfecti  in  villa  Pronstorppe,  coram  libro 
recognovit,  so  a  Arnoldo  Elvers,  qui  interfecit  prefatum 
Everhardum  Mollere,  partem  suam  de  dicta  interfectione 
videlicet  XI  marcas  lub.  den.  sublevasse  et  percepisse,  unde 
antedictus  Hinricus  Visscher  ....  antedictum  Arnoldum  Elvers 
....  pretextu  interfectionis  prefate,  et  presertim  Johannem 
Wulffe  paternosterifex,  qui  habet  partem  pecuniarum  pue- 
rorum  Everhardi  Mollers,  videlicet  XXVI  marcas  lub. 
den.,  de  dicta  interfectione  eciam  dictos  pueros  dimisit  ab  omni 
ulterioff  monicione  seu  impeticione  penitus  quitos  et  solutos. 
9tteber*6tabtbud)  1434.    Lucie  virginis. 

XXXII. 

Johannes  Wulvestopp  habens  Elseben,  Clawes  Tzabel  habens 
Anneken,  Nicolaus  Widenhovet  habens  Grcteken  filias  Bodonis 
Stendeken,  alias  in  villa  Pogetze  per  Hennekinum  Pre- 
deker  interfecti,  in  uxores  legitimas  tamquam  plenipotentes 
procuratores  iuxta  tenorem  unius  littere  consulum  de  Haiverstat 
Olrici  Stendeken,  fratris  carnalis  prefati  Bodonis  Sten- 
deken, coram  concilio  et  hoc  libro  recognoverunt,  se  a  pre- 
fato  Hennekino  Predeker  in  emendam  et  satisfactionem 
dicte  interfectionis  XXXII.  marcas  lub.  den.  sublevasse  et 
percepisse  .... 

3Webet*Stabtbu$  1434.     Lucie  virginis. 


Digiti 


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XXXIII. 

Gerekinus  Gustekowe,  filius  .  .  .  .  63)  Gustekowe  bone  rae- 
moriecoram  concilio  et  hoc  libro  impetebat  Marquardum  Tym- 
men,  advocatum  claustri  monialium  Sti.  Johannis,  hie  in  ciuitate 
Labecensi  siti,  ex  illo,  quod  dictus  Marquardus  Tymme  alias 
debuisset  interfecisse  ....  Gustekowen,  patrem  antedicti 
Gerekini.  Tarnen  Marquardus  Tymme  cum  litteris  testimonia- 
libus  domini  Pardami,  episcopi  Raseburgensis,  prepositi  in  Rene 
Wernekini  Kok,  tunc  temporis  judex  (fiatt  judicis)  secularis  iu- 
dkii,  prepositi,  prioris  et  capituli  ecclesie  Raseburgensis  coram 
cooeilio  doeuit,  quod  ipse  Marquardus  Tymme  prefatum  .... 
....  Gustekowen  non  interfecit,  unde  domini  consules  decre- 
raunt  ipsum  Marquardum  Tymme  suosque  heredes  et  amicos 
ab  omni  impeticione  ulteriori  ....  esse  penitus  quitum  et 
whrtmn. 

3Webct*6tabtbu$  1435.    Lucie  virginis. 

XXXIV. 

Nicolaus  Focken,  morans  in  villa  Poggensee,  habens 
Geseken  sororem  Eggardi  Kiintes,  per  Nicolaum  Blankenseo 
in  villa  Zerpen  interfecti,  nomine  uxoris  sue  et  nomine  omnium 
beredum  dicti  Eggardi  interfecti,  coram  libro  recognovit,  se  a 
Hrarico  Blankensee  in  melioracionem  interfectionis  prefati  Eggardi 
sublevasse  et  pereepisse  XXV  marc.  den.  lub.  et  ...  . 
9Hiebet*©tabtbud>  1436.    Cathedra  Petri. 

XXXV. 

Johannes  Semelowe,  frater  carnalis  Bernardi  Seme- 
lowen,  alias  tom  Hoenberge  per  Hinricum  Luchtinge  interfecti, 
coram  libro  recognovit,  quod  Hinricus  Luchtinge  de  prefata 
mtefectione  Bernardi  sui  fratris  sibi  penitus  satisfecisse  (!), 
wde  etc. 

9Hebet*®tabtbtu$  1436.    Concepcionis  Marie. 

XXXVI. 

Nicolaus  Bruggemaker  ut  plenipotens  procurator  Johannis 
Beckers  et  Elsen,  dicti  Johannis  sororis,  frater  et  soror,  ex  parte 


•)  5*t  Momente  feljU. 

20 


Digiti 


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308 

patris  Johannis  Beckers  alias  in  villa  Bodendorpe,  in  paroch 
Tzerben  sita,  per  Petrum  et  Gerard  uro  Ratken  interfec 
.  .  .  coram  concilio  et  hoc  libro  recognovit,  se  a  prefatis  fr 
tribus,  Petro  et  Gerardo  Ratken  ex  parte  interfectionis  et  ma 
geldes  Johannis  Beckers  bone  memorie  sublevasse  et  perc 
pisse  XXVIII.  mr.  den.  lub.  Unde  etc. 
9Ueber*@tabtbud)  1438.    Egidii. 

XXXVII. 

Nicolaus  Storm,  villicus  in  Nussendorppe,  coram  co 
cilio  et  hoc  libro  recognovit,  se  a  Hinrico  Ryman  subl 
vasse  et  percepisse  XXX  mr.  den.  lub.  in  satisfactionem  i 
terfecti  Johannis  Storm,  fratris  "antedicti  Nicolai  Storr 
unde  etc. 

9tteber*©tabtbud)  1439.    Undecim  millium  virginum. 

XXXVIII. 

Selige,  roeberoe  Sßeter  ©ennefen  feiiger  badjtniffe,  £e 
tiefe  ©ennefen,  SDlidjael  ©tolte,  33pfe,  SBernb  Styenborp  unbe  Xyhi 
van  Kamelen,  *angeborne  ürunbe  beS  erbenomeben  Sßet 
©ennefen,  van  ber  erbenomeben  ©qjtyen  erer  finbere  unbe  u 
wegen  aller  eroen,  mage  unbe  t>runbe  ....  be$  erbenomeb 
5ßeter«  ©ennefen  üor  beme  rabe  unbe  vox  beme  bofe  Ijebbeit  I 
fant,  bat  fe  tum  Glamefe  SBilbeS^ufen  vox  ben  botflad)  ur 
beteringe,  be  f)e  an  bem  erbenomeben  Sßeter  ©ennefen  f>efft  g^eb 
unbe  begangen,  to  erer  genoge  upgeboret  unbe  entfangen  f>eM 

t)ertpd>  marf  lub.  penn 

9fUeber*©tabtbud)  1441.    Reminiscere. 

XXXIX. 

2Bt)tlif  fo,  bat  SDlarquarb  &affe  be  etbefle,  9Jtatqua 
©äffe  unbe  §an$  &aff  e  be  iungeren,  alfe  be  negeften  eroen  ©in 
SBtSfd&erS  anberS  genant  §tnrif  ©affef  ben  §arttd&  ©uretiu 
in  üortiben  binnen  Sobenborpe  to  bobe  flo<§,  üor  beme  bofe  Ijebl 
befant,  bat  fe  oan  &arttd>  ©uremafen  in  oorbeteringe  ber  botftadjtu 
$inrife«  3Si«fd&erS  XXXVI  mr.  lub.  penninge  upgebort  unbe  entf an< 
§ebben,  ber  fe  nu  tyebben  upgeboret  XII  mr.  lub.,  unbe  up  3 
nagten  erfifomenbe  XII  mr.,  up  $af(^en  bar  negefi  t>olgenbe  XII  : 
§attid)  ©uremafe  ben  genanten  bren  Raffen  unbetooren  to  fo 


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zedby  G00gk 


309 

lenbe.  Sortmet  efft  beS  boben  Ijant,  be  bod>  notbiflert  fdjote  roefen, 
txm  iemenbe  in  tofomenben  tyben  oorebrad&t  toorbe,  batmebe  to 
manenbe,  baroan  flöten  unbe  toUlen  be  erbenomebe  bre  Raffen, 

SRarquarb,  §an3  unbe  SRarquarb, ^artige  ©uremafen 

....  ganjlifen  fäabelo«  Ijolben.  Dt  fo  boben  be  etbenomeben  bre 
Raffen  unbe  93eteman  ©abele  III  marf  unbe  IUI  föillutge  lub.  oor 
be  erbenomebe  ^anb  to  lojenbe,  bar  33eteman  bp  fpme  eebe  to  febe, 
bat  $e  ber  fymt  nid^t  Ijebben  enfunbe,  roente  fe  toere  oorbiflert  unbe 
ootloten.  S)odf)  fo  roeren  unbe  nod>  fin  be  erbenomeben  bre  ipaffen 
wetbobtdj,  efft  be  §ant  van  jemenbe  roorbe  ootgebtadfjt,  benne 
roolben  je  be  fymt  mpt  breen  matten  (üb.  unbe  HU  föittinge  gerne 

tofen 

9tteber*©tabtbud)  1441.    Divisionis  apostolorum. 

XL. 

$an3  3Bilbe,  borger  to  fiubefe,  oot  bem  bofe  $efft  befant, 
bat  $e  oor  fof  unbe  oot  ftne  fufiet  SBobbefen  SoppeS  oan  Subefen 
®ljilbe!)ufen,  borger  to  bem  ©unbe,  to  erer  begber  genoge  ent* 
fangen  &ebbe  C  mr.  unbe  XX  mr.  lub.  in  oerbeteringe  ber  botflad&* 
tütge  $etmen  SBUben  feiigen  ereÄ  btobetS,  ben  be  erbenomebe 
Subefe  ©fcilbeSljufen  §it  binnen  Subefe  up  beme  Älingenberge  oor 
taten  ©erleben  flod)  to  bobe  .... 

3(Uebet*©tabtbud>  1441.    Laurencii. 

XLI. 
Elerus  Kerape,  perdekoper,  tanquam  propinquior  heres 
Hiorici  Budinges  bone  memorie,  alias  per  Petrum  Kol- 
storp  in  villa  Lokvelde  in  parochia  Tzarben  in  terra  Holtza- 
cie  sita  interfecti,  coram  consilio  et  hoc  libro  recognovit,  se  in 
melioracionem  antedicti  Hinrici  Büdingen  interfecti  a  prefato 
Petro  Kolstorpe  sublevasse  et  percepisse  XLII.  mr.  lub.  den., 
linde  etc. 

9tteber*©tabtbu$  1441.    Martini. 

XLII. 

...  3!  Sattolomeu«  33rod,  borger  to  Subefe,  oor  bem 
tobe  to  Subefe  unbe  oor  bem  bofe  befenne,  bat  if  oan  bem  rabe 
mibe  ©an  ben  gemenen  borgern  unbe  inroonem  to  ©fetootbe  up* 
gebatet  unbe  entfangen  $ebbe  XLV  mr.  lub.  ben.  barumme,  bat 

20* 


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zedby  G00gk 


310 

§inrif  SJrof,  mprt  föne  feiige,  üot  ber  ftat  (Serwrbe  xm 
weifen  inwonern  to  @fer*orbe  bp  ber  molen  to  93arbie  wart  bot  ge* 

flöten 

3Weber*@tabtbud>  1442.    Pasce. 

XLm. 

@ljebe,  nalatene  mebeme  tnefter  ^ernten«  §otften  feL,  ben 
§an8  ©mit  unbe  Äremon,  be«  rabe«  to  Sßardjem  benere, 
in  beme  lanbe  ©terneberge  botflogen,  mit  wtbort  .  .  .  .  eret  unbe 
eter  Rubere  üormunbere  oor  fif  unbe  ere  Rubere  .  .  .  t>or  beme 
rabe  unbe  oor  bem  bofe  §efft  befant,  bat  fe  üor  be  erbenomebe 
botfladjtinge  ere«  manne«  mefler  Hermen«  in  uerbeteringe  unbe 
twrnogmge  berfuloen  botftad&tinge  oan  ben  t>orfcre&enen  §anfe 
©mebe  unbe  Äremone  upgeboren  unbe  entfangen  Ijebbe  XXXV  mt 

lub.  penn 

9Ueber*©tabtbud&  1442.    Martini. 

XLIV. 

©ettef  ©crober,  $ennefen  ©grober«  feligen  föne,  unbe 
SKtmer  ©crober,  een  uebber  be«  üorfcreuenen  Jpennefen  ©dfjroberS 
feL ,  ben  £ennefe  Rot  tor  SBefterouroe  bt)  XXIIII  iaren  vorleben 
bobflod),  wr  beme  rabe  unbe  üor  beme  bofe  Ijebben  befantf  bat  fe 
fif  malfanber  umme  be  üorfcreuene  bobfladjtinge  ipennefen  ©crober« 
fei.  to  eneme  gangen  enbe  oruntlifen  wrrid&tet  fcebben,  aljo  bat  be 
benomebe  S)ettoff  ©crober  £ennefen  ©grober«  feL  gone,  unbe  ®et* 
mer  ©crober  in  wrbetertnge  ber  bobflad&ttnge  van  £ennefe  Äof 
$ebben  entfangen   na  beijber  frunbe  bebingen  XXIIII  mr.  lub. 

penn 

9Ueber*@tabtbudj  1443.    Arnolfl. 

XLV. 

Gorb  Sooerbom,  borger  to  Subefe,  atfe  be  negefte  eroe 
Slrnbe«  £ot)erbome«  feL,  ben  §inrif  ©crober,  borger  to 
W¥t  ty  fe*  iaren  vorleben  binnen  ber  SffliSmer  bobflodjj,  uor 
beme  bofe  $eft  befanb,  bat  &e  uan  $inrif  ©erobere  erbenomet  in 
uorbeteringe  be«  mangetbe«  ber  oorfereoenen  botflad&tinge  ämbe« 
Sooerbom«   fei.  upgeboret  unbe   to   finer  noge  Ijebbe  entfangen 

XXXV  mr.  lub.  pen 

9Ueber*@tabtbu<$  1443.    Nativitatis  Christi. 


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311 

XLVI. 

3Watf)ia$  9Runb  oor  bem  bofe  befanbe,  bat  ty  tofprafe  bebe 
to6$one  $inrife  unbe  to  finen  finberen,  be«  erroerbtgen 
Jean,  leeren  SücolauS  fojäfd&oppeS  to  Subefe  lanften  to  ©rammen* 
botpe  in  beme  farfpele  tom  §ogenflene  belegen,  umme  fladjtinge 
nribn  ftned  brober«  SKid&et  SDtunb  fei.,  nan  melier  fladfjttnge 
wgen  be  erbenomebe  ©d&one  iginrif  unbe  fme  Rubere  mit  SJtatlnaä 
SRrmbe  fif  gutlifen  tyebben  entlebiget,  unbe  SJtotljiaS  3Runb  oan 
Styme  ißinrif  unbe  finen  finberen  oan  ber  wegen  oor  bem  bofe 
Wanbe,  bat  f)t  van  ©djone  £mrife  unbe  finen  finbern  Ijebbe  ent* 

fangen  XXV  mr.  lub.  pen.,  unbe  aWatl>ia$  SRunb ben  er* 

benomcben  Sdjone  ^inrif  ...  ber  oorfcreoenen  ftadjtinge  3JU$el 
ÄraibeS  fettgen  oerlatet  van  aller  tmrber  maninge,  rorafe  unbe  to* 
fagc  genfcltfen  qroiit,  lebbid^  unbe  log.  S)effet  \ä  gebebinget  van 
Meff  ©ronewolbe,  oogebe  to  ©egeberge,  3oa<$im  üan  Auren  unbe 
formte,  be«  erbenomeben  |eren  bt)£fd)oppS  to  Subefe  oogebe. 

3Ueber*©tabtbu$  1444.    Thome. 

XLVIL 

$etleff  oan  Sodroolbe,  f>er  3)etlet)eS  föne,  medjtid)  3otjan 
Jhmeföottelen,  een  oaber  fyer  £inrif  SRumef Rotteten  prefterS,  ben 
§attioid)  3BUfen£  to  bobe  Ijefft  geflagen,  oor  bem  bofe  tyebben  be* 
tont,  bat  fe  *or  be  oorfcreoene  botflad&tinge  unbe  oorbeteringe 
be&  wtjcreoenen  prefiet«  van  Subefen  2öÜf  en,  be«  erbenomeben 
fcartmge«  brobet.  §ebben  entfangen  XXX  mr.lub.  penn,  ipirumme 
u.f.  10. 

9tieber*©tabtbu<$  1444.    Nativitatis  Christi. 

XLVIII. 

Ciawcs  Techther  vam  Dameshagen,  filius  Nicolai 
Techther  bone  memorie,  alias  per  Albortum,  Nicolaum  et  Ge- 
reken Meybome  fratres  interfecti,  coram  Iibro  recognovit,  se  a 
fictis  Alberto,  Nicoiao  et  Gereken  Meybome  in  emendacionem 
«t  satbfactionem  dicte  interfectionis  .  .  .  pereepisse  XXIIII  mr. 
fai  lub.    Unde  etc. 

9tieber*6tabtbu$  1445.    Puriflcacionis  Marie, 


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zedby  G00gle 


SIS 


XLIX. 


$inrtf  QaufäiU,  »ibertf  #auf<$ilt  unbe  $tnrtcu$ 
$aufd)ilt,  brobere,  t>or  beme  bofe  §ebben  befant,  bat  fe  «Urninge 
unbe  tofprafe  $ebben  getyab  to  gerittene  SSarfd&autoen, 
wonaftid)  to  »ulaume,  umme  bot  geraten  SBatf^uroet  £f>oma8 
$aufd&ilte,  eren  brober,  to  bobe  fd&ote geftagen  fcbben.  3obo$be 
üorferewnen  parte  belbe  bord)  §ilbebranbe  §ot>emanne,  marf<$afk, 
unbe  Jpinrife  Äoffe,  fd&affere  be«  rabe«  to  ßubefe  ....  oruntttfen 
Rn  oorfdfjeben  to  enem  ganzen  enbe,  alfo  bat  be  erbenomeben  btee 
brobere,  be  $auf$ilbe,  vox  beme  bofe  ^ebben  befant,  bat  fe  in  tw* 
beteringe  üan  ber  norfereüenen  botfladjtinge  .  .  .  tnm  fernen 
SBarfdjauroe  ^ebben  entfangen  XL  ntr.  lub.  pen.  Unbe  2c. 
9Hebä>©tabtbu$  1445.    Misericordia  Domini. 


@f)ert  junger,  rabman  tor  tilgen  §aoen,  cor  beme  rabe 
unbe  oor  bem  bofe  lieft  befant,  bat  $e  van  etamefe  binden, 
borgere  to  fjfenfeborcl),  be  eme  ftnen  brobere  Glaroefe  $ungete 
to  bobe  afgeflagen  §ebbe,  to  ftner  genoge  in  twrbeteringe  ber  fufoen 
botfladjttnge  Ijebbe  entfangen  LX  mr.  lub.  pen.  unbe  jc 
SRieber^Stabtbud)  1445.    Penthecostes. 

LI. 

Nabele  #otfte  van  ftner  unbe  van  wegen  $an*  $olften 

ftne$  broberS Ijeft  befant,  bat  fje  van  Qacob  Xa$f#e*> 

mafer  unbe  t>an  Sßeter  SaSfd&enmafer,  be  Glaroefe  $olfUn, 
ber  erbenomeben  Sftabefen  unbe  §an3  $olflen  brobere,  to  bobe 
tyefft  ßeflagen,  XXXI  mr.  lub.  pen.  Ijebbe  bebebinget  in  t>orbeteringe 
ber  botftad&ttnge  @lan>e3  $olfien  feL:    #trumme  u.  f.  xo. 
9Ueber-©tabtbu<$  1445.    Trinitatis. 

lii. 

©laroe«  $oppener,  en  repfleger,  borger  to  Subefe,  een 
olefelid  unbe  eeliif  brober  #anS  §oppener$  fei.,  ben  Zymmt 
6er ober,  monenbe  to  Qoenborppe  in  beme  ferfpele  to  Xraoemunbe 
belegen,  to  bobe  Ijefft  geflagen,  vox  beme  rabe  unbe  vox  beme  bofe 
Ijefft  befant,  bat  Ije  van  beme  futoen  Stymneu  ©aobere  in  oorno* 
ginge  unbe  wrbeteringe  be«  mangelbe«   ber  oorfereoenen  bot* 


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zedby  G00gk 


313 

Wringe  fmeS  btobet«  .  .  .  .  Ijebbe  entfangen  LX  tnt.  lub. 
jpat  olfc  u.  f.  10. 

9liebet>6tabtbu<$  1445.    Concepcionis  Marie. 

LIII. 

glatoe«  Sänge,  toonafftidj  to  3Botenejfen,  oot  bcm  rabe 
irabe  oot  beut  bofe  fcefft  befant,  bat  iptntif  ©äffe,  borget  to 
5toftbor<j&,  finen  ©aber  (Slamefe  Sangen  t)ebbe  botgeflagen; 
bcwmme  $e  ftf  mgt  beme  fuloen  &intife  ©äffen  to  enet  enbeben 
unbe  lenbeben  fafe  Ijebbe  gutltfen  ootbtagen  unbe  ootfd&eben;  be 
wejeteoene  (Slams  Sänge  oot  beme  bofe  ootbet  $efft  befant,  bat  l)e 

oan  #entife  ©äffen  to  ftnet  genoge  fybbt  entfangen  XXX  tnt. 

tob.  pen.;  fromme  u.  f.  to. 

9Webet*©tabtbu<$  1446.    Margarethe. 

LIV. 

ÄetfUn  ©tuoe,  ätfe  be  negefie  etoe  Sopfen  ©etbeS  fei, 
beooe  XX  iaten  ootfeben  oan  Sltnbe  SQBuloe  botgeflagen  toatt, 
m  beme  bofe  tyefft  befant,  bat  l)it  beooten  ootteben  3ltnb  2Bulff 
m  be  botfladjtütge  ÄetflenS  otunben  nod&afttge  ootbetetinge  !)ebbe 
geban  betl>  tippe  VIII  tnt.  lub.  pen.  na:  toelfe  adjte  tnatf  lub. 
Äetjien  etbenomet  nu  oot  beme  bofe  befennet,  bat  l)e  be  to  fonet 
jenoge  oan  «tnbe  SBuloe  upgebotet  unbe  entfangen  ^ebbe.  S)at* 
unane  je 

9tiebet*©tabtbud)  1447.    Purificacionis  Marie. 

LV. 

®efefe  6oetbe«,  en  mobet  $anfeu  (SoetbeS,  ben  be 
imtge  §an$  Ätoget  to  ©lufup  botioatp  m^t  enetbatben,  (Slatoeä 
$rael  unbe  ©obefe  93onf)off,  alfe  be  negeften  otunbe  unbe  maglje 
fyms  goetbeä  fei.,  oot  beme  bofe  Ijebben  befant,  bat  etet  beibet 
wunbe  ttoiafdjen  ene  Ijebben  ene  ftuntlife  föne  unbe  ootbetetinge 
m  ben  ootfeteoenen  boben  $anfe  ©oetbeö  fei.  gebebinget  to  eme 
fmfcen  enbe,  albus,  bat  be  junge  $an«  Ätoget  oot  ben  boben 

#  XX  mt.  lub.  pen 

9ttebet>©tabtbu<&  1447.    Jubilate. 


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zedby  G00gle 


314 

LVI. 

$an«  Äremer  van  Sroerin  [Ijefft]  üot  bcit  Ijeren,  tyeteu 
Qo^an  93eren  unbe  tyeren  Soljan  ©olman,  borgermeffcrn  to  2ubefe, 
befculbigebe  unbe  tofpraf  $ermen  SSifen  unbe  ©taroefe  ^otpne 
utnme  bat  fe  liefen,  §ermen8  (offenbar  wrfd&rieben  für  §anfen£) 
in  ober  to  betne  bobe  Ijabben  gebraut,  barutnme  be  oorfcreoenen  Deren 
borgemeftere  ttoiÄfc^en  beiben  ene  fruntltfe  fdfjebinge  to  eme  ganzen 
enbe  Ijebben  gebebntget,  alfe  bat  £an3  Äremer  befennet  oor  beme 
bofe,  bat  Ije  tmn  ^ernten  SBifen  unbe  Glamefe  Sßorpne  in  oorbete* 
ringe  finer  erbenomeben  mober  fet.  §ebbe  entfangen  XL  mr.  lub. 
pen.    §irumme  u.  f.  to. 

9ftieber<©tabtbu<$  1447.    Visitacionis  Marie. 

LV1J. 
Sßeter  Sani,  en  tri*fd[>er  unbe  en  brober  Ironie* 
%anS  fei-,  ben  Äerfien  leimige«  botfladj  tor  $ernebor$, 
oor  fpf  unbe  van  megene  Subefen  3an3  fineS  oaberä  .  .  . 
üor  beme  bofe  Ijefft  befant,  bat  fe  »an  Äerfien  ipetmtgeS  unbe  t>au 
GlaroeS  #elmigeS,  fhtem  twbere,  in  tjorbeteringe  unbe  vox  bat 
mangelt  .  .  .  Ijebben  entfangen  tuff  unbe  tnfftidj  mr.  lub. 
pen.    iptrumme  u.  f.  m. 

3flieber*@tabtbud^  1448.    Octava  Epiphanie  Domini. 

LVIII. 

§an&  S)ufentmarf  van  SRene  .  .  .  üor  beme  bofe  fcfft 
befant,  bat  §e  tofprafe  unbe  maninge  |abbe  to  £anfe  Serge 
barutnme,  bat  befuloe  £an$  33er<$  in  olocfe  unbe  in  oiere 
mebe  f$olbe  Ijebben  roefen,  bat  be«  oorfcrewnen  $an3  S)ufentmarfe$ 
uaber,  genomet  §an$  2>ufentmarf,  bij  SßeterSberge  imme  lanbe  to 
93ot)tin  botgeflagen  wart,  barutnme  £an«  S3cr<§  beme  oorfcreoenen 
$anfe  S)ufentmarfe  roanbel  unbe  föne  Ijebbe  geban.  brumme  u.  f.  n>. 
9ftieber*@tabtbud)  1448.    Reminiscere. 

LIX. 

SBitlif  }9,  bat  gelinge  unbe  trotbradfjt  t$  geioefen  troü&föen 
£inrif  ©nunenagel,  uppe  be  enen,  93ertolb,  Henning,  Hartman, 
SBemede  unbe  £erman,  brobere  seligen  $inrif  Äragen, 
ben  be  erfcreoene  §inrif  ©nunenagel  bot  flodfc  trotöf <$en  bet 
#erenborg§  unbe  Suberfiorppe,  uppe  be  anberenjpben:  melfe  f<$elitt(}e 


Digiti 


zedby  G00gk 


315 

mibe  taribtadjt  tum  bct  flad&tütge  wegen  ....  in  ftuntltfen  bege* 
irogen  jm  bpgeledjt  in  nafcteoenet  wife,  fo  bat  $intif  Swinenagel 

. . .  föole  geoen  unbe  betalen ben  etfcteoenen  Ätagen 

fejH<$  marf  lub.  pen.  .... 

9liebet*@tabtbudj  1454.     Lucie  virginis. 

LX/ 

2>e  l>eten,  be  tab,  Ijebben  geoen  eren  toootftd&teS  breff  £in< 
tifc  8BittenbotgI)e,  eteme  benere  to  äRotne,  an  ben  abbet  tome 
ögmet,  umme  to  bemanenbe  bat  mangelb  unbe  be  nalatenen 
jmeS  oebbeten  £inttf  SBittenbotgeg,  in  ber  abbebie  tome 
ferner  botgeflagen;  unbe  bat  npne  tmrbet  namaninge  Dan  ber 
wegen  met  befdfjeen  fd&ote :  bat  jin  gub  oot  £intif  §annooet,  ooget 
\pp  to  Subefe,  unbe  (SlameS  3emanf  borget  typtfuloeS. 
9Uebet*@tabtbud[>  1455.    Viti  et  Modesti. 

LXI. 

SBittif  w,  bat  gelinge  i&  gewefen  twtefdjen  £inttf  £otne* 
«an  to  ^epfenbotppe  imme  fetSpel  to  Statfouwe,  uppe  be  enen, 
unbe  $etet  Sltamelouwen,  alje  oan  toegen  fobane  flad&tinge,  be 
be  etfaeoene  $inttf  §otneman  anipanfeStamelouwe  wanbageS 
wmafftid>  to  ßufelfe  §efft  geban,  uppe  be  anbetn  jijben;  weife 

(gelinge  onbe   twibtad>t  in  ftuntlifen   bebingen jpn 

b%ele$t  in  naäcteoenet  wife,  fo  bat  .  .  .  Jptntif  £otneman  ben 
genanten  $an$  Stamelouwen ,  alfe  epn  lanbtedjt  i&,  vox 
ie|Hd)  matf  tub.  Ijefft  betalt,  be  $etet  Stameloume,  beffuloen 
jeßgen  §anfeS  b tobet,  to  jinet  genüge  $efft  entfangen,  fo  $e  oot 
bcjjem  böte  befanbe,  unbe  u.  f.  w. 

SRiebet^Stabtbu^  1455.    Viti  et  Modesti. 

LXII. 

SKtli!  jq,  bat  fd&eltnge  unbe  twifttage  gljeweft  x&  twtöf  djen 
fetet  SSot manne,  uppe  be  enen,  unbe  SRatquatbe  Sänge* 
U|ane  unbe  §intife  Sangeiotyane,  btobeten,  uppe  be 
«Acten  j^ben,  alfe  oan  botfladjtinge  wegen  Sobbefen  Sänge* 
io^ane  eteÄ  btobet«  .  .  .  .,  wette  fdjeünge  ....  in  ftunt* 
Öet  wife  bijgeled&t  fint,  .  .  alfe  bat  be  etfeteoene  Sßetet  SSotman 


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zedby  G00gk 


316 

fdjal  SRarquarbe  ßangeioljan  unbe  §inrtfe  Sangeio&an,  Erobern, 
gewn  fetten  unbe  bertidfr  mr.  tob.  pen.  k. 

9lieber*6tabtbU($  1456.     Conversionis  Pauli. 

LXIII. 

S)e  Ijeren,  be  rab,  fjebben  gegeoen  erett  tooorfidjte*  bteff  an 
ben  rab  to  ipambord)  &tnrife  ©ggerbe*,  ummc  to  betnaitcnbe 
bat  mangelt  van  cncme  genomet  Dtte  ßunind  van  wegen 
fobaner  flad&tinge,  be  befufoe  Dtte  in  beme  borpe  to  3*ra$etebotp 
an  be«  erfcreoenen  $inrif  b rober  begangen  Ijeoet  Unbe  bat  Kit 
npne  tmrber  namaninge  tner  t>an  fdjen  fd^ole  .... 

9tteber*Stabtbudj  1456.     Vocera  iucunditatis. 

LXIV. 

SBitlü  w,  bat  tnrifiinge  unbe  fdfjelinglje  geroefl  ftnt  turiafcfcen 
be  flefemffeoarer,  uppe  be  enen,  unbe  $anfe  Sftabelbe  .  . ., 
uppe  be  anberen  jpben,  alfe  üan  roegene  ener  fladfjtinglje  §an6 
9tabelbe$,  be*  erfcreuenen  $anfe*  Sftabelbe*  jone,  be  van  ben  erbe* 
nomeben  fiefeniffe  tmrer*,  namlifen  (§ter  folgen  10  SRamen)  oantmc 
leoenbe  to  beme  bobe  gebracht  \&:  welle  twtfünglje  bord&  be  beft^e* 
bene  manne  (folgen  5  SRamen)  in  fruntlifen  begebingen  fint  bpgele^t 
in  nabefcre&ener  wife,  alfo  bat  be  erbenomebe  flefeniffe  vaxtx  fc^oltn 
beme  ergenomeben  Jpanfe  Siabelbe  feoenti$  mt.  lub.  ptn,  gutlifcn 
uornogen  unbe  betalen  .... 

9Ueber*©tabtbu<$  1457.    Antonii. 

LXV. 

SBitlif  jt),  bat  tmifHnge  unbe  föelinglje  geweft  fint  twtefdjen 
ben  erwerbigfjen  tyeren  proüefte,  priori  unbe  capittele  to 
Sftafceborgl),  van  erer  lube  wegen  genomet  be  Äopfen,  uppe  be 
enen,  unbe  be  Stefeman*,  alfe  van  flad&tingf)e  wegen  ere$ 
feiigen  brober*,  uppe  be  anberen  jgben:  S)eS  be  erbenomeben 
beiben  partijie  fobane  ere  jafe  an  beiben  jpben  b$  ben  erfamen 
§eren  SBityelm  oan  @aluen,  borgermeper  to  Subefe,  in  frunbtid&eit 
to  uorfd&ebenbe  .  .  gefettet  liebben,  be*  benne  be  erjcrewne  ^er .  .  . 
gelegen  unbe  bpgetedtf  §efft  in  nagefcreoener  topfe,  alfo  bat  be  ob* 
gemelben  £)etcn  prouefl,  prior  unbe  capiüel  van  wegene  ber  erfcwenen 


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zedby  G00gk 


317 

«et  tobe  genomet  be  Äopfen  Ijebben  ootbotget,  ben  erbenomeben 

Scfeman«  fefeti$  tut.  lub.  pen.  .  .  .  to  betatenbe 

9ttcber*©tabtbudj  1457.    Donati  episcopi. 

LXVI. 
SBttfof  w,  bat  ßermen  aSiöfd&er  oor  beme  erfamen  tabe  to 
2ubefe  ülife  tofprafe  geban  J)efft  to  $anfe  unbe  ©pmon,  brobeten  ge^ 
nomet  be  SRefeman«  (^3  65),  alfe  umme  bat  mangelt  Dan 
wegen  #ümf  3tefeman8  be«  genannten  ^ernten  Stößer«  nrioeS 
oabetS.    ©arup  be  erfcr.  tab  .  .  .  belebe  unbe  afffebe  oot  tedfit: 
bat  ib  etoebe  in  be  ftoettjpbe,  unbe  nid&t  in  be 
ipiltenjpbe,    barumme    fint    be     genomeben    SRefe* 
manne  vor  jpf  unbe  ere  eroen  oan  beme  erfcreoenen 
fcetmen  SSiöfd^ere  unbe  jinen  etoen  oan  ber  wegen 
oot  beme   etfcteuenen  tabe  oan    allet  anfptafe  in 
alteme  testen  ootfd&eben  to  eneme  ganfeen  enbe. 
3tiebet*@tabtbu$  1457.    Nativitatis  Marie, 

LXVII. 
äBitlid  39,  bat  gelinge  getoeft  fint  troiSfdjen  ^  in  tue 
Äleoe,  toäurouroe  wonaffti$,  uppe  be  ene,  ©tetefen,  £mtrif  Äorff^ 
»afet*,  bet  ftab  Subefe  intoonetS,  eltfen  IjuSftouioen,  unbe 
ftat^etinen  Äregen,  bet  oorgenomeben  ©retefen  jufier,  uppe  be 
anbeten  jpben,  alfe  oan  enet  botfladjjttnge  wegen  fetigen  jpintif 
Ätegen,  ber  oorgenomeben  ©retfen  unbe  Äat^etinen  bt obere,  be 
wm  beme  genomeben  $inrtfe  Äleoen  .  .  oan  beme  leoenbe  to 
beme  bobe  gebraut  i*:  roelfe  gelinge  bordjj  be  begebenen  manne 
(c*  folgen  Ijter  ad&t  SRamen)  an  beiben  jüben  barto  gebeben,  fint 
tygeledjt  in  nabefcreoener  mife,  alfo  bat  $inrtt  ßteoe  ben 
tmeen  juftern  ©retefen  unbe  Äatyatinen  unbe  eten  oormunberen 
W^al  gfcoen  unbe  oornogen  breunbeberttd&  mt.  lub.,  unbe  oan  ben 
XXXIII  mt.  fd^al  fton  to  bet  tyeten  brof  e  III  mt.  unbe  IV  fdpinge, 
weife  oorfcreuene  fumme  be  etbenomeben  ©tetefe,  Äat^etine  unbe 
ete  oormunbere  oan  etenttoegen  oan  beme  etfamen  Ijeren  ©etbe 
wn  SMinben,  borgermeper  ber  fiab  Subefe,  tor  nogtye  §ebben  ent* 

fwgen Unbe  oan  ben  oorfcteuenen  XXXIII  mt.  fdfjal 

be  etfcteuene  Äat^etine  boten  unbe  entfangen  tegn  mt.  lub.  unbe 
W  anbete  nafianbe  gelt  fd&at  ©tetefe  entfangen  unbe  upboten  .... 
Unbe  be*  fo  fdjoleu  be  etbetwmeben-  ©tetefe  unbe  Äat^etine  unbe 


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zedby  G00gk 


318 

ere  oormunbere  oorroarningl)e  bon  vox  beme  ferfpele  to 

Äurouroe,  alfe  beme  lanbe  epn  redjt  i£ 

3Riebct^©tabtbu<^  1468.    Dyonisii. 

LXVIII. 

SBitlil  jp,  bat  in  beme  iare  MCCCCLIX  egn  genomet  <5laroe$ 
©ummefiorpp,  roanbage«  roonafftid)  to  SHffouw,  ^efft  botgef lagen 
tntn  genomet  SHbefe  Äleoe  in  beme  borppe  Doetroolbe,  barumme 
l)e  13  bewerbet  unbe  in  ber  van  Subefe  flöte  gebraut  unbe  txm 
beme  tabe  barfuloefi  oororbelt,  bat  men  ene  rabebrafet  fd^olbe 
!>ebben.  2llfu3  ftnt  vox  ben  rab  barfuloe*  gefomen  beffe  nabefcrt* 
oene:  Sibefe,  ©etleff  unbe  $mrif,  brobere  to  S)iffoun>  monafftufc, 
beS  uorgenomeben  feiigen  Xibefen  Äleoen  foneS,  §tnrtf  Aleve  to 
Äurouro,  beffulfften  2tybefen  Äleoen  brober;  Xtbefe  Äleoe,  Zytamt 
Äleoe,  $inrif  Äleoe  to  Äuroum,  StaroeS  Äleoe  to  Sobifce  beS  er* 
benomeben  feiigen  Sibefen  Äleoe  t>ebbern,  uppe  be  enen,  unbe 
SRarquarb  SJummejiotpp  to  Sttffoum,  be«  booenfcreoenen  Slawe« 
©ummeflorppe*  wüm,  -TOarquarb  ©ummeflorpp,  of  to  ©iffouto  ftn 
brober,  $an*  ©ummejlorpp  to  ©neffouro,  Slawe«  ©ummeftotpp  to 
©erfeoifce,  fine  oebberen  unbe  $an«  9Ueman  tom  Ärumbefe,  }in 
oljm,  uppe  be  anberen  fyben,  unbe  tyebben  alle  famtlifen  ben  rab 
to  Subefe  gebeben,  bat  fe  ben  genomeben  ©laroe«  ©ummejlorpp  oan 
bet  botflad&tinge  wegen  begnaben,  eme  bat  fioert  gegeoen  unbe  be$ 

ferfldooe«  gfjegunt  Ijebben 

9Ueber*@tabtbud)  1459.    Jacobi. 

LXIX. 

©gelinge  fmt  geroefl  tnri«fdjen  JpUrife  ©tralenborppe, 
monafftid)  tom  Sßren«berge,  uppe  be  ene,  unbe  ^ernten  Sonagele, 
inmonere  ber  flab  Subefe,  uppe  be  anberen  fpben,  van  roegene 
#an«  So  na  gel  8,  beme  ©ob  gnabe,  be*  oorfcre&enen  ^ernten 
Sonaget«  brober  bii  ber  SBiSmer  geflagen,  toelfer  fladjttage  bc 
erbenomebe  $inrtf  ©tralenborpp  $anbabi<$  fdjolbe  gemefl  jiin, 
fo  eme  §ermen  Xonagel  totebe:  ©arumme  fe  bodf)  to  eneme 
ganzen  enbe  fint  uortifet  in  raufe  nabefcreoen,  alfo  bat  $hmf 
©tralenborpp  beme  genometen  £ermen  fcefft  oornoget  feflegn  lub. 

mr.,  fo  befulffte  ^ernten  be«  befanbe 

3ftieber*©tabtbud)  1460.    Qnasimodogeniti. 


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^  i 


319 

LXX. 

SBitlit  jt>,  bat  fdjelinge  fint  geroeft  troiafd&en  ig  anfe  ©tarn* 
«efl  or  ppe,  to  ®iffouroe  monafftid),  imme  ferfpele  to  Äuroume  be* 
fegen,  uppe  bc  ene,  unbe  Jginrtfe  Jpolfie  binnen  Dlbenborglj 
mmafftid^,  elifeme  brobere  jeligen  ©pmon  Jpotften,  be  van 
beme  etjeteoenen  $anfe  ©rammeflorpp  .  .  geflagen  tö,  uppe  be  anbe* 
wt  $bem  2)arumme  je  benne  bord)  fruntlifen  begebingen  bet  be* 
föebeneu  manne  (e3  folgen  mer  SWamen,  unter  i^nen  aud(j  £inrif 
Äeoe  toÄurouroe  f.  ^2  67)  fint  üorfäeben  .  .  .,  alfo  bat  .  .  £an$ 
Oamraieftotpp  fd^at  geuen  unbe  uornogen  beme . . .  Jßinttfe  Loipen 

hxü^  mt.  lub.  to  mangetbe 

9Weber*©tabtbud)  1460.    Thome  apostoli.  - 

LXX1. 

ffiitlif  $ü,  bat  gelinge  jinf  geroeft  tnri8fd)en  Sorbe  fjridfett 
wbw&tigen  procuratori  Jpinrif  fcpfmana,  elifeme  t>aber  jeligen 
8ti<fcn  3)pfjpan«,  uppe  enen,  unbe  Sernbe  ©rambefen, 
bwfx  to  £ubefe,  uppe  be  anberen  jpbe,  alfe  van  botflad&tinge 
«jene  be3  aorfereoenen  jeligen  griden  S)ütmang,  bar  be  erbenomebe 
Setenb  ©rambele  in  volfen  unbe  in  t>erbe  mebe  geroeft  fd&otbe 
fa.  Sarooer  je  .  .  .  Dormibbelfl  frunttifen  begebingen  genfcltfen 
fort  ootlifet  in  nabeferewner  topfe,  alfo  bat  be  erfereoene  Sernb 
Smmbefe  beme  genannten  Sorbe  grifen  f)efft  uornoget  üpffunbe* 
twintidj  mr.  lub.,  fo  Sorb  be3  t)or  beffem  bofe  befanbe,  bat  l>e  be 
to  jiner  genoge  ^efft  entfangen  .  .  .  , 

9Ueber*©tabtbud)  1462.    Margarethe  virginis. 

LXXII. 

ffiitlif  jü,  bat  gelinge  unbe  troibradjt  \S  geroefen  tnrigfdjen 
Saufe  unbe  $ermen,  broberen,  gebeten  Sabeltjepbe,  t>au 
wjme  jeligen  ^eterSabelljepbe,  ere8  broberS,  bordj  £anfc 
Seimige»,  eneme  bregere,  binnen  Subefe,  botgeftagen,  uppe  be  ene, 
wte  beme  fufoen  §an3  igelmigeS,  uppe  be  anberen  jpben: 

wfe  gelinge  .  .  .  .  i$  gefleten  to  eneme  ganzen  enbe , 

fo  bot  §an3  leimiges  uppe  batum  beffer  ferifft  ben  erfereuenen 
$«nje  unbe  #ermen  Qabel^epbe  l)efft  gfjegetjen  tegn  mr.  lub.  .  .  ., 
ttbc  borto  föal  be  erfereuene  §an3  JpelmigeS  benfufoen  §an$ 


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zedby  G00gk 


320 

uttbe  §ermen  3abet$ei>be  uppe  funte  SRerten«  ba$  negefl  fmnenbe 
g$et>en  unbe  t>otnogen  umbewoten  betgelif  tepn  mt.  .  .  .  . 
3ttebet*©tabtbud&  1463.    Elizabeth. 

LXXIII. 
SBttlif  jü,  alfe  bcrttte  ©etef  e  Surmeftet  be  iungete  bor$ 
jinet  miffebat  mitten,  namlifen  bat  Ije  ißintife  Sänge  ißintife  bot* 
geftagen  babbe,  t>an  beme  tabe  to  Subefe  t>orrid^tet  unbe  uototbeli 
wo«  to  beme  tabe,  alfuS  i«  t>ot  beme  tabe  ootfctepen  fcföenen 
©etefe  SButmeftet  be  etbete,  t>abet  be«  etbenomeben  ©etden  Itor* 
meftet«,  unbe  tjefft  ben  tab  bemobigen  unbe  jlitigen  gebeben,  bat  je 
bem  etfcteüenen  jineme  jone  ©^etefen  öutmefiet  bat  ftoetb  unbe 
ben  fetf^off  gljeoen  wölben:  S)eme  be  Stab  na  befptafe  bordj 
jinet  bemobigen  bebe  unbe  botd)  tmlbotb  üRatquatb,  SBiUjelmä 
unbe £intif33ulouwen,  alfe  negejien  be«  etfcteoenen$intil 
Sänge  $intife«,  atfo  geban  unbe  eme  bat  fwett  unbe  ben  fettyojj 

gegeben  §efft 

9Uebet*Stabtbudj  1463.    Concepcionis  Marie. 

LXXIV. 

SBittt!  S9,  bat  f gelinge  jint  gewefi  twtSfdjen  Gotbe  Solberoan 
t>an  ©mefe,  t>ppe  be  ene,  t>nbe  #anfe  Sufö,  botget  to  Subefe, 
wtmed&tigen  ptocutatot  SKatquatb  SBifen,  inwonet«  to  2)at|ouro, 
fo  |e  jebe,  t>ppe  be  anbetn  jpbe,  alfe  van  fladjttnge  wegen  eneS 
genomet  Site  $omob  van  beme  etfctet>enen  SKatquatb  SBifen 
binnen  SJatfouwe  t>am  leoenbe  to  bem  bobe  gebtadjt  ©atooet  fe 
benne  botd)  be  befd&ebenen  manne  Sitten  SRefopp,  t>an  be«  etfcte* 
t>enen  6otb  ©olbewan«  foben,  $anfe  Subbted&t,  »ettolbe  SSotquri«, 
botgete  to  Subede,  imbe  §anfe  Dlbotpp,  botgete  to  Stotfowen,  wm 
be«  etfcteoenen  §an«  39ufd>«  ji>ben,  genfcltfen  jint  wrcltfet  in 
nabefctet>enet  wtfe,  alfo  bat  be  genante  Jgan«  öufö  im  namen  mibe 
van  wegen  SBatquatb  SBpfen  t>otfctei)en  beme  obgenanten  (Sorte 

SJotbewan  tyefft  gegewen  t>nbe  Detnoget  bettid)  mt.  lub.  pen 

9Uebet*@tabtbu$  1465.    Marie  Magdalena 

LXXV. 

SBittif  J9,  bat  gelinge  gewefi  flnt  twt«f<$en  alberte  6oling< 
btanbe  to  $etet«betge  imme  lanbe  to  3Wefetenbotge  ...  unbe 
Stepmetn  äBilfen,  botget  to  Subele,  .  .  .  van  wegen  etlifcS 


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321 

mottbtanbeS,  ben  jetige  $etet  ©olingbtanb  jeligen  Sie 9m et 
SBilfenS  in  ettyben  föolbe  geban  fyebben,  batooet  fe  benne  botd) 
be  befd&ebenen  manne  ....  ftuntltfen  unbe  genfcltfen  ftnt  ootlifet 
in  nabefcteoenet  mife,  alfo  bat  be  etfcteoene  SWbett  ©olingbtanb 
beme  etbenomeben  SRepmet  SBUfenS  Ijefft  gegeben  tepn  marf  lub. 
pen.,  fo  jpf  befulffte  SRegmat  to  jinet  genoge  entfangen  unbe  mol 
betalet  itfanbe. 

9Uebet*@tabtbudj  1465.    Exaltacionis  sancte  crucis. 

LXXVI. 
SBitlif  }9,  alfe  benne  §an&  $ape  bot$  etltfet  jpnet  miffe* 
baet  willen  na  rechte«  e«fd)ütge  bat  rat  ootbenet  fjabbe  batumme, 
bat  ty  3Ratl)iefe  SSogell  ootmotbet  unbe  oan  beme  leoenbe 
to  beme  bobe  gebraut  Ijefft;  be«  fo  jint  oot  ben  erfamen  rab  to 
Subele  erfreuen:  6tan>e8  $ape,  btobet  be8  etfcteoenen  &an«  $ape 
(no$  weitete  fxeben  ^etfonen),  alfe  be  negejten  be$  gefegten  §an$ 
$apen,  begetenbe,  bat  be  tab  ben  fulfften  Jganfe  $apen  begnabigen  tool* 
im :  beme  be  tab  umme  etet  olittgen  bebe  mitten  unbe  mgtoollbotbe 
SWetfen  33ogeU,  mobet  be«  obgenannten  SDtatljieS  33ogelS  alfo 
milbid^lifen  geban  unbe  beme  .  .  $anfe  Sßapen  bat  factament, 

ben  tctttioff  unbe  bat  fmett  gljegeoen  ^ebben 

3tiebet*6tabtbud)  1466.    Nativitatis  Marie. 

lxxvii. 

aßitlul  J9f  bat  gelinge  geroefi  jint  tnriSfdjjen  Söetnefen  ®lid>* 
tingle,  botget  to  Subefe,  oppe  be  ene,  onbe  ßlaroefe  Sßalme,  botget 
batfulueft,  oppe  be  anbetn  jpben,  alfe  oan  flad&tmge  toegen  seligen 
Hermen  Äreuelä,  tot  Duetenffuje  b?  SKolne  oan  beme  etfcteoenen 
Setnefen  6lid>tingl)e  oan  bem  leoenbe  to  bem  bobe  gebta$t. 
fcatooet  fe  benne  botd)  ftuntltfen  begebingen  .  .  jint  ootlifet  unbe 
wfdjeben  to  euem  ganzen  enbe  in  nabefcteoenet  toife,  alfo  bat 
Sentefe  ©Ud)ttag&  beme  Slamefe  Sßolme  gtyeoen  onbe  ootnogen 
f$att  tminti^  matt  tob.,  befd&ebelifen  opff  matf  nu  tebe,  bet  otjff 
befulffte  Slawe«  Dan  bem  genanten  SBetnefe  00t  beffem  bofe  to 
jinet  genoge  entfangen  unbe  roott  betalet  itfanbe,  ad&te&alue  matt 
tippe  ^ütyfien  negeft  lomenbe  unbe  be  anbeten  nafianben  ad&teljalue 
«ort  oppe  pnfjien  batnegefi  oolgenbe  u.  f.  m. 

(5Ra#  einet  1480  gteitag  00t  Oculi  ^injugefügten  3nfctiption 
t  ba&  ®elb  oottflänbig  bejaht  wotben.) 

9Uebet*@tabtbu$  1466.    Nativitatis  Christi. 


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zedby  G00gle 


322 

LXXVIIL 

SEBittid  w,  bat  gelinge  gewefl  jint  tioi«fd)en  Gotbe  SRufefouwen, 
botgete  tot  2Bi«met,  t>ppe  be  ene,  t)nbe  SCpmmefen  ©ufeltnanne, 
borget  to  Subefe,  oppe  be  anbeten  jpben,  alfe  oan  ftad>tinge  wegen 
Dltgf  3Rul«foutoen,  be«  etfcteoenen  £otbe«  t>ebbetn,  binnen  Dt§in 
van  bem  etbenomeben  Summen  ©ufeltnanne  oan  bem  leuenbe  to 
bem  bobe  gebtadfjt.  ©atooet  fe  benne  bord)  be  begebenen  manne 
.  .  .  jint  Dotlilet  tootben  to  enen  ganfcen  enbe  in  nabefcresener 
toife,  alfo  bat  be  etfcteoene  3tynmefe  ©ufelman  beme  etbenomeben 
Cotbe  2Wul«fouu)en  gljeuen  onbe  ootnoget  ^efft  opff  onbe  tierti^ 
matl  lub.  u.  f.  to. 

9ttebet*@tabtbud>  1467.    Vocem  iucunditatis. 

LXXIX. 

SBitlid  S9/  bat  f gelinge  geroeft  jint  troxÄfc^en  beme  geifttilen 
Ijeten  SRat^iefe  Äebtnglje,  pteftetn,  beg^eoenen  btobete  be« 
cloftet«  9Ubbage«l)ufen  bt)  SJtuttötopgf,  uppe  be  ene,  $anfe  jungen 
unbe  §anfe  Äetjien,  uppe  SSemeten  roonafftidfr,  tmlmecbtid&  fo 
je  feben  §anfc  jungen,  of  to  SJemeten  n>onafftid^f  alfe  mm  be« 
man  gelbe«  unbe  bet  fla<$tinge  toegen  Jpan«  Äebinge«,  be«  etfctt; 
oenen  Ijeten  SDtatljiefen  btobeten,  van  beme  etfcteoenen  §anfe 
Sungen  oamme  teoenbe  to  beme  bobe  gebtad&t  ©te  Detgleidjen 
ftd>  jum  SWangelbe  oon  60  SKatf. 

9ttebet*©tabtbudj  1467.    Margaretbe  virginis. 

LXXX. 

.  .  .  ©gelinge  .  .  .  tnriäfdjen  Xitlen  S)egenet  .  .  .  unbe 
$anfe  ©ttmanne,  intoaneten  bet  ftab  Subefe  .  .  .  trnn  flaty 
tinge  wegen  §an«  S)egenet«  be«  .  .  .  Sitten  btobet«  txm 
.  .  .  #anfe  @ttmanne  tome  9ttgenl>ufe  in  bet  oogebie  to  3fanfebotgl> 
tmmme  leoenbe  to  beme  bobe  gebtadjt  ©ie  ueteinigen  fid>  ju 
12  Statt 

9liebet>@tabtbu$  1467.    Symonis  et  Jude. 

LXXXI. 

©gelinge.  .  .  tn>i«fdjen  Jßintife  ©ebotpe,  botgete  to  Subele 
.  .  .  unbe  Dltife  Summen,  tot  @dtt)otfi  toonaffttdj,  alfe  oan 
fla^tinge  wegene  <5otb  ©ebotpe«,  be«  etfct.  §intif  ©ebotpe« 


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zedby  G00gk 


323 

jone  van  beme  .  .  .  Dttife  Summen  tor  ©dtyotft  t>an  bcmc  teaenbe 
to  beme  bobe  gebraut.     ©8  wirb  t>etgli$en  ju  60  3Jtatf. 
9fttebet*©tabtbu$  1467.     Barbare  virginis. 

LXXXII. 

. .  .  ©gelinge  geroeft  jint  tmiSfd&en  £)ottfjien,  nalatcne  roebe* 
wen  jeligen  iptntif  £eld&louroen  unbe  ctcn  üotmunbeten, 
. . .  unbe  Selen,  eltfer  f)u$ftouwen  ©etbeS  nammc  §ovt,  unbe 
eten  negeften  frünben  .  .  .  .f  alfe  van  fladjtinge  roegene  jeligen 
§inrif  Seldjlouroe,  van  beme  etfcteuenen  ©erbe  van  beme  Sqovc 
wm  beme  leoenbe  to  beme  bobe  gebraut  SBetmittelt  butd)  pei 
Satljmannet  wirb  e£  netgli<§en,  bat  be  .  .  .  23ele  Damme  &ooe  ber 
• . .  £>ott§ien  gljegeoen  unbe  uotnoget  Ijefft  a<$te  3Wat!  lub.  pen. 
9Uebet*©tabtbud>  1467.    Lucie  virginis. 

LXXXIII. 

.  .  ©gelinge  .  .  .  twisten  9Jti$el  SRpemanne  van  S)anfetf 
• .  unbe  §anfe  SßafebuSfdfje  van  ©tenbal  .  .  van  flad&ttnge 
roegcne  2Retten$R9cman$,  oan  $anfe  $ßafebu$f<$e  t>amme  let>enbe 
tone  bobe  gebraut.    Sie  t>erglcic^ert  fi<§  ju  25  ÜRarf. 
9üebet©tabtbudj  1470.    Laurencii. 

LXXXIV. 

3n  Dorlebenen  ttjben  ipintif  fiubbefen  to  Statfouro  .  .  . 
unbe  6otb  $adebtet,  borget  to  Subefe,  .  .  .  jittt  fdjelfjafftid)  ge* 
roefen  alfe  wm  fladfjtinge  roegene  GlaroeS  &acfebtebe£,  be$  Korb 
£adebtebe3  b tober,  van  ijjinttf  ßubbefen  namme  lenenbe  tome 
bobe  gebraut.    Sie  üetgleidfjen  fid)  ju  52  SJlatf. 

9Uebet*@tabtbud)  1471.     Visitacionis  Marie. 

LXXXV. 

©gelinge.  .  . tnnSföen  Slawefe  unbe  S3etnbe  93olten,  utye 
taue  lanbe  to  ©tatgatbe,  .  .  unbe  £ennefen  SKe^nftotpe,  to 
?et|ouroe  roonafftid),  alfe  van  fladfjtinge  roegene  Hennef en  holten, 
am  ^ernteten  3Repnftotpe  t>ame  levenbe  tome  bobe  gebtad&t.  ©ie 
«iflWdjen  flc^  ju  60  SRart. 

9ttebet*®tabtbud)  1471.    Divisionis  apostolorum. 

ai 


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zedby  G00gle 


824 

LXXXVL 

©gelinge  .  .  .  ttoi*fd)en  Jpanfe  unbe  Slawe*  »ecfere  to 
ferneren  unbe  $inrife  öecfer,  ereme  b rober,  to  3Bittenbord>,  uppe 
be  ene,  unbe  $anfe,  §mrife  unbe  Staioefe,  genomet  ©aoen^em 
tomme  9lotger*be<Ie  in  ber  abbebie  to  gtetjneuelbe,  uppe  be  anberen 
jpben,  alfe  Dan  flad^tinge  toegene  jeltgen  Hermen  ©edfer*,  Dan  ben 
genomeben  §  an  fe,  §inrife  unbeSiaDe*  SaDenljern  Dan  beme 
leoenbe  tome  bobe  gebraut  Sie  oergleidjen  fid&  auf  60  3KarI. 
3ftieber*©tabtbudj  1472.    Reminiscere. 

LXIXVII. 

©gelinge .  .  jint  ttoi*fdf>en  fc&omafe  Dan  Duale,  ituoonere 
to  Subete,  uppe  be  ene,  unbe  alberte  ©erlaufen,  be«  erroerbigen 
l>eren  bpföoppe*  tome  ©<f>onenberge  benere,  uppe  anberen  jpben, 
.  .  .  Dan  fladjtmge  wegen  seligen  $an*  ©djutten,  fcalffbrober« 
$l>o*mafe*  t>an  Btoate,  Dan  beme  erbenomeben  alberte  t>ammc 
leoenbe  to  beme  bobe  gebraut  Seibe  Parteien  einigen  fidj  ba#n, 
bafc  Seftterer  bem  (Srperen  bejahen  fott  25  SWarf  unbe  egn  ^alfj 
grato  lafen  Dan  borbe&afoe  marl  lub. 

9Ueber*©tabtbtt<$  1472.    Quasimodogeniti. 

LXXXVHL 

©gelinge  getoeji  jint  tu*fd>en  £anfe  SSoffe,  Borger  to 
Subefe,  .  .  .  unbe  §inrife  ©mebefen  Dan  ©utp^en  ...  alfe 
Dan  jafe  wegen,  bat  befulffte  §inrif  ©mebefen  Sßetern  SJoffe, 
be*  erfcreoenen  £an*  33ojfe*  jone,  unDor^obe*  unbe  funbet 
Dorfate  a$ter  beme  fdjuttewalle  dot  Sübefe  mit  ener  Dur  Damme 
leoenbe  to  beme  bobe  gebradjt  Ijefft:  ©aroDer  je  benne  bon$  be 
erfamen  $eren  (e*  folgen  §ier  brei  Sftattjmänner  unb  au&erbem  fe<$S 
anbcre  Sßerfonen)  fint  oorlifet  in  bejfer  wpfe,  fo  bat  be  erfcr.  §ta< 
rif  ©mebefen  nu  rebe  leggen  fdjall  bp  mejler  Jacobe  Dan  Serie, 
be*  erfamen  rabe*  to  ßubefe  wunbenarflen,  fofc  marf  lub.,  ber  be 
erfcreDene  #an*  JBof*  me<$ttdf>  fdjole  jin  to  ferenbe  in  be  ^enbe  ber 
armen,  bar  eme  bat  beft  begäbet  bunfet  wefen.  ©arto  fd^aQ  be 
erfcreDene  ißinrif  ©mebefen  to  trofie  unbe  falidjjetb  be*  seligen  ^etec 
Stoffe*  jele  int  Doriar  negefteotgenbe,  alfe  be  erjten  fd&epe  Dan  8»e* 
Dele  to  Subefe  fomenbe  werben,  in  ener  repfe  $an  bre  bebeoati, 


Digiti 


zedby  G00gk 


325 

befdjebelifen  ene  to  SRome,  cne  to  funte  ©entootbe54)  unbe  ene  to 
unfer  tcoen  gtouroen  to  bcr  (^nfebelinge,  unbe  be$  Dan  cner  i&ttfer 

ftebe  epn  Uxorß  bringen,  bat  beme  fo  bef$en  jp 

3lieber*@tQbtbu(^  1473.     Michaelis  archaugeli. 

LXXXIX. 

©gelinge.  .  .  tnriSföen  SlatoeS  Sänge  JpinrifeS,  borget  to 
Mefe,  .  .  .  unbe  Sttfen  93iSfd)cre,  to  Dtyin  toonafftid),  .  .  . 
wn  fladjtinge  toegene  jeligen  9Rarquarb  Sänge  $inrife$,  beö 
crfc  (SlameS  Sänge  §inrife$  elifen  broberS,  oan  bitten  33iSf<f)er, 
§anfe  Äalanber  unbe  Glaroefe  Jpafen  imme  tjoDe  tome  Stobenfaubc 
bp  Otyin  Dan  beme  leoenbe  tome  bobe  gebracht  Sie  Dergleichen 
W  ju  20  aRarf . 

9Ueber*6tabtbudS)  1473.    Lucie  virginis. 

XC. 

©gelinge  .  .  .  ttoiSfdfjen  ipanfe  Jparber  tor  Ufeferfen  uti&e 
btme  lanbe  to  SKefelnbord^  geboren,  .  .  .  unbe  £ennefen  giden, 
imme  lanbe  to  Dlbenbord)  imme  ferfpele  tor  9Ugenfcrfen  wonaffti$, 
..  wm  ftadjtinge  toegene  jeligen  $an8  Färber«,  be£  erbeno* 
mtten  §an3  Färber«  föne,  Dan  beme  §ennefen  giden  Dan  beme 
leoenbe  tome  bobe  gebraut,  ©ie  Dergleichen  fi<$  ju  50  3Warf. 
9tieber@tabtbud>  1473.     Nativitatis  Christi. 

XCI. 

©djelinge  .  .  .  tunSfdjen  SDtorgreten,  nalatene  toebewen 
§an8  3Bolgemobe3,  manbageä  tome  ipcptSberge  in  Sßrufcen  roon* 
ijafftid),  .  .  unbe  eren  Dormunberen  ....  borgcren  to  Subefe,  .  .  . 
unbe  §anf  e  Surmeftere  tome  §oljtenborpe  imme  lanbe  to  ©äffen, . . 
ixm  fladjtinge  roegene  ©oriefeg  SBolgemobeS,  ber  erfcreoen 
Margreten  jone,   Dan  beme  erbenomeben  ipanfe  Surmeftere  to 


M)  öentoolb  ffl  ®ttalb.  (3*  gab  jtoei  iörüber  HefSiRamen«.  (Sic  geirrten 
i>  bfn  |j»ölf  englifdjen  SRiffionaren,  toeld)e  JWnig  Qgbert  im  fiebenten  3a$rl)unbert 
*be*  Cad)fen  nad)  $eutfd)lanb  fanbie,  tourbcn  in  äöeftyljalen  ermotbet  unb 
*$  düngen  in  ben  8Wjein,  nad)  Bnbern  in  ba*  glühen  (Jmfdjen  getoorfen. 
$k  fegettbe  « jätytt,  bafj  bie  Seiten  fcietgig  SWeilen  aufwärts  getrieben  tourben 
tot  Qu  ben  £kt,  wo  tyre  ©efäfyrten  jldj  befanben,  unb  ba(j  bann  Jtdnig  $i)>in  fte 
*4$beu  unb  in  ©öln  begraben  lief.  9Jgl.  Beda,  Historia  ecclesiastica,  cd. 
0*tabr.  Lib.  V.  cap.  II.  Sfceübetg,  Jtinfcengefä.  5>eutfölcwW  $b.  2  @.  397  ff. 

21* 


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zedby  G00gk 


326 

jgotefiotpe  Damme  leoenbe  to  beme  bobe  gebraut    ©ie  Dergleichen 
ftd>  ju  28  9Jtarf. 

9tteber*@tabtbudj  1474.    Conversionis  Pauli. 

XCII. 

©gelinge  unbe  turifHnge  geroefi  ttoifd^cn  beme  budjtigen  fnopcn 
^artige  Sufcouroe,  feiigen  ßuber  Sufcouroen  föne,  tippe  be  ene, 
unbe  Subefen  unbe  Jßinrife  ©toerbeg,  elife  föne«  feiigen  §intif 
©toerbeä  eres  oaberg,  to  Suttefen fturouro  monljaftid),  manbagljeS 
lanfien  be«  erfcreoenen  Jpartigeä,  t>ppe  be  anbeten  jgben,  etlifer 
ftadfjtinge  tyiloen,  be  be  erbenomebe  £artid>  an  beme  ergenomeben 
feiigen  #inrtfe  ©toerbeS,  ereme  uabere,  begaen  unbe  gebaen  §eft .  . ., 
wette  fd(jelinge  tmbe  tmiftinge  bord)  erer  beiber  frunbe  .  .  .  ftnt  ge* 
fliegen  in  nabefcreoener  tmfe,  alfe  bat .  .  .  Jpartid)  f$at  unbe  teil 
geoen  ben  oorfcreflenen  Subefen  unbe  Jginrtfe  broberen  t>or  mangelt 
.  .  .  XXXV  lub.  mar!,  fo  befulue  $tnrif  be  bertidj  mar!  entfangen 
|eft,  fo  l>e  be  to  finer  noge  tool  betatet  irfanbe,  tmbe  be  napenbigen 
opff  marf  fc^al  unbe  nril  be  erbenomebe  £artig  ben  wrbenomeben 
Subefen  tmbe  #inrife  ©ioerbeä  gutlifen  betalen,  befd^ebelife?  uppe 
bat  tofomenbe  feft  Rannte  Saptifie  to  SDtibbenfomer  twe  marf, 
Dnbe  be  lefien  bre  marf  oppe  bat  feft  3Rartini  barnegefi  Dotgenbe. 
Unbe  be«  fo  fd&at  Selfefe,  .  .  .  nalatene  roebeme  be«  feiigen  #tnrif 
StoerbeS  uppe  beme  ert>e,  bar  fe  nu  tippe  iS,  be  t^b  eres  teoenbe« 
frigtj  bltoen  nergene  mebe  befroaret  to  roefenbe,  ban  atteue  mit  beme 
rodfione  jarltfe«  to  ge^enbe.  Starto  fo  fdjal  Sktfefe  ©foerbe  uppe 
Sßinfjien  negeftoolgenbe  tjebben  ene  fo  unbe  x>9ff  eilen  grabouf^e« 
wanbeS  uppe  oafielabenb  benne  negefWomenbe  eer  to  oomogenbe, 
©aroor  SfranS  Sufcouroe,  be«  erfcreoenen  SuberS  brober,  gelouet  fd&al 

$ebben,  beme  alfo  to  befd&eenbe 

9tteber*©tabtbud)  1477.    Pasce. 

mm        xcur. 

Xibefe  Sprengel,  to  ©erfetriffe  in  beme  ferfpele  to  ©leSfen* 
borpe  monl)aftwij,  t>or  beffem  bofe  §eft  befant,  ...  bat  ^e  wm 
Jßtnrtfe  SRpman  van  roegene  Jacobe*  ©ijtott  etlifer  fta^tuige 
Ijaluen  fofti$  marf  lub.  üor  unbe  na  to  finer  noge  twl  unbe  al 
unbe  rool  to  banfe  entfangen  Ijebbe  .... 

$iebet*©tabtbu<$  1480.    Palmarum, 


Digiti 


zedby  G00gk 


327 

XC1V. 

ffiitlü  S9r  alfe  bemte  ttoiSföen  Sorbe  t>an  ©eer,  uppe  ene, 
unbe  Saurentio  oon  2)uten,  eneme  goltfmebe,  uppe  be  anbeten 
jpben,  etlifea  ungerabeS  fyifoen,  bat  befutoe  Sauren«  ene  l)anbbuffe 
geloben  van  fif  fdjot,  SorbeS  m<$t  jeenbe  ebber  id&tergid&t  oan  em 
mctenbe,  alfo  bat  be  Koet  utlj  fobaner  buffe  na  ener  flippen  gefaxten 
grafebe  unbe  um>orfid)te$  unbe  umoefenS  bemefuloen  Sorbe  alfo  itt 
finfaee  quam:  weife  fd&etinge  unbe  tnriftinge  .  .  .  fint  geolegen,  ge* 
Helen  unbe  bigeledjt  in  beffer  nabefcreoen  mgfe,  alfo  bat  be  Dorfer. 
SaurentiuS  betne  ergenomeben  Sorbe  fin  arfieloen,  bat  ib  eme 
getoflet  lieft,  mit  mebberlegginge  fofi  unbe  teringe,  be  Ije  berenrite 
m  finer  franf^eib  geban  unbe  oorteret  lieft,  fdjal  unbe  mit  roebber* 
fron.  Unbe  be  erbenomebe  SaurenttuS  fdjal  unbe  mil  beme  erbe* 
nomeben  (Sorbe  bat  goltfmebeampt  mit  guber  unberropfmge  leren, 
bäte  mebe  l>e  t>or  enen  guben  geterben  gefeDen  tmren  möge,  umme 
HbeS  be  bet^  in  fobaneme  flneme  angeoattenben  ungerabe  to  nerenbe 
rafo  to  entfettenbe  .... 

9lieber'@tabtbU(^  1480.    Misericordia  Domini. 

xcv. 

SKtlif  39,  bat  fdf>etinge  geroefi  }in  tnri$fdjen  Subere  6nafen, 
w§ebe  to  Sfttfcerouroe,  uppe  be  enen,  unbe  Sorbe  Regnen, 
Sttcobe  ^anfceu^agen,  £ermene  SJorraeb  unbe  Hermen 
Sojebe,  borgeren  to  2Rolne,  van  toegene  berer  tnriftigen  fafe 
to*Jfc$en  Berber  ©reggfiere,  of  borgere  barefufoeS,  unbe  S)re* 
»cfe  unbe  $anfe  van  Stipen,  broberen,  etlifer  flad&tmge  ^aloen 
irtefen,  uppe  be  anberen  jpben:  meUife  gelinge  .  .  .  bord)  be  er* 
fwien  $eren  Subefen  83eren  unbe  3Hbemanne  ©oinf^ufen,  femerere 
wie  rabmanne  ber  ftab  ßubefe,  t>an  beme  erfamen  rabe  bare* 
Woe8  barto  geooget,  fint  .  .  .  geolegen  .  .  alfo,  bat  be  ergenomebe 
fettbet  SJreger  beme  gemunbeben  unbe  geflagenen  ©reroefe  van 
Sfyen  unbe  ©anfe,  fineme  brober  uorbenomeb,  geoen  unbe  twrmogen 

W  ppfftepn  mr.  lub 

3lieber*6tabtbttd^  1480.    Divisionis  apostolorum. 

XCVI. 

Warcuä  ©e^elin  vox  ftd  unbe  fine  eroen  oor  beffem  Bofe 
Wftbefant,  bat  f>e  van  Slaroe&e  Duafte  van  ftneS  föne«  Sta* 
wfc«  wegen,  fo  $e  Qinxid e  fÄobe  Qo^anne  geflogen  Ijabbe,  bar* 


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zedby  G00gk 


328 

van  %t  van  beme  let>enbe  tor  boet  gefönten  mete,  to  fmet  t>otten^ 
fomenen  genogefobane  betetunge,  alfec  na  §olften  redete  bot  t>ot 
beljotbe,  beget  unbe  al  Ijabbe  upgebotet  unbc  entfangen,  netnptlif 

jofti$  matt  lub 

9tiebet*@tabtbu<$  1481.     Crispini  et  Crispiniani. 

XCVII. 

SKatquatt  ^aroeU  tor  Sftyematcfe,  Sgtfe  unbe  &an«  6to* 
tetoet,  Xpmmefe  Sieget,  Settolt  StepmetS  unbe  §an«  SReget,  t>ot 
fpdt  unbe  ere  etüen  t)or  beffem  bofe  §ebben  befant,  bat  fe  etlüct 
jladjtinge  §aben,  fo  @laroe$  SButff  to  ben  9tobeltngeffjagen 
^ermanne  SRepmetS  feiiget  geflagen  ^abbe,  begaben  fe  bte 
unbe  foeftiefc  matf  tjabben  entfangen  .  .  . 
9tiebet*Stabtbu$  1483.    Judica. 

XCVIII. 

S)e  etfame  tab  to  Subefe  Ijebben  SWatten  Älepborn,  ben  men 
umme  botftage«  unQen  up  epn  tat§  leggen  fd&olbe,  umme  bebe 
luiQen  fonet  nabenomeben  ftunbe  bat  ftoert^  unbe  ben  fetfyoff 
gegeben,  alfu«  l>ebben  Sutfe  Stuggeman  (eS  folgen  no<$  adfrt  $et- 
Jonen)  famptlifen  unbe  befunbern  unbe  et>n  vox  all  vox  ftd  unbe  ete 
ett)en  oot  alle  namanent  unbe  tofptafe,  begaben  in  jenigen 
tofomenben  tpben  to  beföeenbe,  gelaoet  unbe  gutgefed&t,  ben  tab  to 
Subefe  unbe  alle  ete  nafomeltnge  genSlidj  fd&abeba  to  Ijolbenbe 
funbet  aDe  betyelp  unbe  atgelifl 

9tiebet*6tabtbud>  1496.    Marie  Magdalene. 

XCIX. 

£an$  SSpdfe,  f)üt  binnen  Subefe  monenbe,  t>ot  beme  etfamen 
tabe  batfubefi  in  iegenroatbidjeit  fine$  toebbetpatteä  Jgintif  ®arfe 
genomet,  tont  £et)tef)opc  roonenbe,  l>cft  apenbat  befant,  bat  ^e  van 
wegen  be«  gelbe«,  alfe  van  jeligen  $intif  SRpgebutS  toegen, 
be  tot  SRe^otfl  in  twlebenen  tpben  botgeflagen  roatb,  to  tnangelbe 
utljgefed)t  fg  gerootben,  gelobet  §abbe,  unbe  bat  I)e  fobane  gelt  van 
beme  manflad&tigen  manne  unbe  finen  otunben  entfangen  $efft 
fo  bat  begaben  be  etbenomebe  §intif  ©atfc  bet  tud&uiffe,  alfe  be 
begaben  to  bonbe  tofteDebe,  batmebe  entflogen  iS. 
2ftiebet*6tabtbud)  1500.    Cantate. 


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329 


XI. 

&t*  Särgewogelföteßett  im  ®täbt$ett  Xraöemunbe. 

«ortrag,  in  einer  »&enb»erfamtniuna.  be«  SBerein«  für  Sübe<ftfa)e  ®efd)id)te 

unb  9ütertyum«futtbe  am  13.  9tet>.  1872  gehalten 

»on  Dr.  jur.  9lbolfr$  «&aa>. 


Wer  Urfptung  beS  Sürgerwgelfd&iefjenS  im  ©täbt^en  SCraoemfinbe 
!)äitgt  offenbar  mit  ber  $ßflid)t  ber  bortigen  Bürger  jufammen,  nö* 
öfeenfatts  felbft  bic  33ertljeibigung  ber  SffioDe  beS  ©tabtd&enS  ju 
iiktnefynett.  S)ie  Slcten  reben  oon  einet  Sfirgercompanic  mit 
kttjigeiDa^lten  Offiäeren,  unb  geben  als  ßtoed  beS  SSogelfdjnefeenS 
an,  bafe  bic  Bürger  fid)  befto  ba%  im  ©gießen  üben  (1609),  resp. 
bajj  bie  Sompanie  in  Drbnung  unterhalten,  bie  erlebigtcn  ©teilen 
nrieber  befe$t  werben  unb  ein  Qebet  uriffe,  weid&e  Function  er  be* 
fletbe,  um  nötigenfalls  nidjt  SlDeS  in  Unorbnung  unb  Unnrijfenfjeit 
aotjuftnben  (1764).  Unter  ben  jum  93ogelf$ief$en  benufcbatcn 
Äoljren  werben  einige  erwäljnt,  „meldte  ©inem  ßrbaren  Statte  ber 
Stabt  Sfibed  gehören  unb  nod>  nidjt  bejaht  fmb."  eingaben  an 
bie  Ädmmerei  ju  fiübeef  wegen  JöewiDigung  beS  ßönigSgewinneS  — 
wotxm  nod>  weiter  unten  ju  reben  —  fd&lie&en  mit  ber  Serfidje* 
mng:  „5DeS  finb  mit  gegen  6w.  ©rbaren  ftodjweijen  fjinroieberum 
ju  Sage  unb  SRadjt  mit  5Darrei$ung  SeibeS,  ©utS  unb  SBlutS  ju 
Bedienen  föulbig,  willig  unb  pflid&tig,"  ober  „bagegen  finb  fie 
(bie  bürget  ju  Stavemfinbe)  biefeS  billigen  untertänigen  @r* 
Helens,  fidfj  in  aDen  fürfaDenben  gälten  unb  9tötl)en  als  getreue 
ttatert^anen  unb  e^rlic^e  Sieberleute  ber  ©ebityr  gebrauten  ju 
laffm."    (1609.) 

Äu«  biefem  Urfprunge  erllärt  ftd)  au<$,  baß  ntd&t  fämmtttdje 
Smoo^net  oon  £raoemünbe,  minbeftenS  anfangs  ntd&t,  an  bem 


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330 

©d&iefcen  2$eil  nehmen  butften,  fonbetn  nur  bie  ^ö^ere  flfoffe  bet 
33ütget,  unb  mfonbettyett  bie  Aemtet. 

„Anno  1605  iS  mit  beroilligunge  van  bet  93otgerfd>op 
tfjo  Sttaoemunbe  beramet,  roo  ibt  mit  bet  Sd&uttetpe  fd^oU  ge^ 
Ijolben  werten: 

@tftlid&  fd&oten  be  bte  bedfetS  3attifeS  alle  bte  fd&eten. 
9tod)  von  ben  bten  fd&oftetS  Satlife«  ein  SDlann. 
Woä)  von  ben  bten  fmeben        *         *        * 
$Rod&  von  bten  ©nibetS  *        *        * 

SRod&  oon  bten  ©lad&tetS  *         *        * 

SDe  Sud&temafet1)  fd&aD  umb  bat  anbet  %qx  fd&eten. 
2Batfj  be  enfcltfen  emptet,  alfe  bat  men  ein  SJtann  attene 
iljn  einen  Slmpte  fit,  fd^at  fc^eten  umme  bat  anbet  3at. 
9tod&  fd^olenlfd^ctcn  von  10  roaben2)  Qattife«  10  mann." 
©ine  anbete  Ausfertigung  biefet  „bet  ©<pfcen  SeroUHgung"— 
roeld&e  Ausfertigung  beginnt:  „Anno  1605  ip  betamet  oon  ben 
X^taoemünbet  gifd&etS  unbe  ©d&utten,  roo  ibt  mit  bet 
©djuttetge  fd&afl  ge^olben  wetben"  —  fefct  nodf>  tjinju:   „So  finbt 
aud&  ane  bie  ©mptet  faft  ©eeetfa^tene  Seute,  roelc&e,  man  jie  ju 
§aufe  fein,  gemetnid&ttdf)  mitfliegen."   Untet  ben  10  2Rann,  roel^e 
jäfjtlidf)  von  ben  SBaben  fließen  foflen,  finb  au&et  btn  @igentl)ü< 
metn  bet  #eringSroaben  aud&  bie  ©eeftfd&et  gemeint,  wie  fid&  aus 
bet  in  bet  tefctgebad&ten  Ausfertigung  enthaltenen  ©emetlung  et> 
giebt,  bafe  ju  jeber  einjelnen  SBabe  nut  triet  3Kann  geböten. 

JBiS  1764  beteiligten  ftd&  au<$  bie  Sootfen  am  ©d&teJBen,  für 
roeld&e  inbefe  1759  auSbtüdttidf)  DOtgefd&rieben  roatb,  bafe  but<$  ifjr 
SDtttfd&ie&en  bie  ©d&iffe  an  i^tet  galjrt  nid&t  ge^inbert  werben 
müßten.  Am  28.  Sunt  beS  etftgebad&ten  Qa^teS  abet  bectetitte  bie 
Äämmetci,  bafj  bet  SootScommanbeut  unb  fämmtUd&e  Sootfen  nu&t 
mitfliegen  foDten,  bamit  bei  bet  nad&  bet  neuen  Sootfenotbnung 
nut  geringen  Anja^l  Don  Sootfen,  baS  Sommetcium  babutdj>  ni# 
gehemmt  roetben  möge.  $>et  ©tabtyauptmann  3itfd&9  mad&te  ^ier= 
gegen  SJorfteflungen,  mieS  batauf  tyn,  bafc  bie  Sootfen  jut  3eit,  # 


*)  $er  JWemlmer. 

8)  Urfprünglid)  (in  großt*  3ugnefc,  bei  beffen  $anb$abun#  vier  ^erfonen  er» 
fcrbfdid)  finb,  bann  in  abgeleiteter  $ebentung  bie  Qefammtyeit  ber  ©iflentyümei 
ber  SBabe  unb  fldnbigen  Mitarbeiter  an  betfelben. 


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331 

Xtooemünbe  von  bänifdjen  Gruppen  oecupirt  würbe, 3)  fyabtn  mit  jtt 
3Me  geljen  muffen  unb  bafe  fie  DfpcierSftetten  befteibet  tjaben, 
fteüt  bar,  bafe  bie  Sürgerföaft  wegen  ber  (Sjimirung  ber  Sootfen 
„fdltmerig"  fei,  ba  jeber  SBfirgcr  ju  ben  Unfoften  beg  ©c^iefeen^  be* 
jaulen  muffe,  fragt  an,  ob  ni<$t  ben  Sootfen,  beren  $umu$  nietyt 
jum  Sootfen  ijl,  unb  bie  bodj  freiwillig  Suft  jum  ©Riegen  fjaben,  frei 
bleiben  möge,  ben  erften  Sag  mitjufdjie&en,  fefct  au^einanber,  bafe 
bur$  foldjeS  9JUtfd)tefeen  bie  @d)iffe  in  i^rer  ga^rt  nic^t  befjinbert 
würben,  weil  „bie  Seud&te,"  wo  bie  Sootfen  liegen,  unb  bie  93ogel* 
Hange  fi$  bufjt  bei  einanber  befinben,  unb  -Kiemanb  bie  Sootfen 
ge^inbert  fyabtn  mürbe,  bie  aufommenben  ©d&tffe  ein*  unb  bie  au3* 
rooDenben  aufbringen,  unb  mafyt  enbticft  ben  33orfd)lag,  bafe  nur 
adjt  oon  ben  Sootfen  mit  auSmarfdfjiren  motten,  wa$  etwa  eine 
!>albe  ©tunbe  @ad)e  fei,  fie  in  i^rem  ©efdjäfte  nid>t  Ijinbere  unb 
bodj  jur  Sefänftigung  ber  ©emittier  bienen  werbe.  S)ie  Äämmerei 
I)ielt  aber  unterm  10.  Quti  ifjren  23ef$cib  aufregt  mit  bem  ^inju* 
fügen,  bafe  bie  Sootfen,  wetd&e  aufcer  biefem  iljrem  2lmte  fein  anbe* 
te$  bürgerlid&eS  ©ewerbe  unb  Stauung  treiben,  mit 'Erlegung  ber 
Unionen  jum  33ogelftf)ie§en  überfein  werben  foUen,  ber  Sootfen* 
commanbeur  tnjwifdjen  aber  ben  gewöljnltdjen  Seitrag  ju  erlegen 
(jabc.  ©leidjwoljl  finbet  fid)  jeljn  ftaljre  fpäter  in  einem  Serjeid^niffe 
betjenigen  33ürger,  welc&e  beim  Statte  um  ©rtaubnifc  be£  33ogel* 
fd)tef$en3  fuppticiren,  ein  Sootfe  genannt. 

3Re§rere  Eingaben  ber  Sraoemünber  reben  baoon,  bafe  bie 
bortige  Sürgerfdjaft  mit  einem  jäljrUdfjen  3?ogelfdjteßen  prioilegirt 
fei  gleid)  ber  Sübedifdjen  S^ü^engefeDf^aft,  unb  jwar  oon  2Hter5 
^er  (fo  j.  33.  1731,  1774), 4)  wenn  fie  au<$  jugeben,  bafe  l)in  unb 
wieber  bie  Sürgerfdjaft  ein  !$at)x  ober  jwei  baS  geft  §abt  über- 
fdjiefjen  laffen.  ®amit  ftimmt  freilid)  nid)t  fonberlid),  bafe,  beftimmt 
feit  ben  30ger  ^afjren  be3  oorigen  3af)rf)unbertö,  jur  Siegelung  beS 
SeffcS  bie  ©rlaubnifc  ber  Äämmerei,  resp.  be$  in  berfetben  ben 

*)  30.  3nni  i7**2.  3)te  (Sapitulaticn  toarb,  ba  bec  ©tabt^auptmann  3itfdw 
auf  feiner  9tütffel)r  »cn  Sübetf  am  9lbenb  Dorljer  »on  ben  üDänen  arretirt  mar, 
fir  ba«  Stäbtdjen  $rat>emünbe  untergeiftnet  »om  8ürgerlieutenant  3c$auit  Jtüfel 
Mb  brm  9urgrrfäf}nrid)  Sodann  $eter  Sttyn.  93gl  SBedPer,  Hb.  @efd).  III.  312 
^ete  h. 

4)  5>et  @tabtljaul>tmann  3acob  SÄubedP  fagt  1711  in  einer  Ueberarbeirung  be« 
Reglement«  tt>e$en  be«  93  ereifern  egen*  von  1611,  bag  im  lefetgebad)ten  3al)re  ber 
**ti)  bie  Xravemünber  Bürger  ir)ret  Sretyett,  jäljrlicf)  nad)  bem  Öogel  unb  @(^eibe 
l»  Wiefrii,  ^ritilegirt  (>abe.  # 


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S32 

3Jorjt$  fityrenben  Sfirgermeifter«  eingeholt  würbe,  unb  bag  triefe 
Erlaubnis  ein  paar  3Me  nerweigert  worben  ift  ©o  j.  8.  1730, 
1732  („ba  überhaupt  bie  Sfta&rung  in  Xrawmünbe  feljr  fd&led>t, 
aud&  fie  fonft  ntd&t  gewohnt  ftnb,  eben  alle  Saljr  ju  fd&te&en")  unb 
1774,  in  wetd&em  3al)re  inbefc  ber  9tatl)  auf  eingelegten  SRefur* 
ba8  SBogelfdjiefeen  gemattete,  wobei  für  folgen  8efdf>lu&  bet  Umftonb 
mafegebenb  gemefen  fein  mag,  bafe  bie  eingäbe  behauptete,  bie 
Sfirgerfd&aft  $abe  ju  bem  SSogetfd&iejjen  bereit«  bie  Unfojten  wr* 
wanbt  ©o  femer  1776,  wo  ber  ©tabt&auptmann  in  einem  $ro* 
memoria  berietet,  er  l>abe  von  bem  ffcjie  bei  gegenwärtiger  faji 
nalplofer  3*ü  abgeraten,  weil  bie  babei  uorgeljenben  Unfofien 
Diele  arme  brfidten  bürften,  bann  aber  einen  SKonat  fpäter.  als  bie 
Äämmerei  Ujren  abfd&lägigen  Sefd&eib  erteilt  ^atte,  unb  t&  miau* 
tete,  bafc  bie  Särger  jtd)  wieber  an  ben  Sftat^  wenben  wollten,  bem 
Äämmereifecretair  treibt: 

,,©ie  Urfad&en,  warumb  tdf>  bag  ©gießen  gerne  feiten  unb 
nid^t  jum  öffteren  fe^e,  ©inb,  bafe  inter  poculos  jum  öfftem 
©trettl)  unb  unluft  uorfält,  bafe  audf)  beg  meiner  ßeit  braujfen 
bet>  ber  SSogelpange,  al«  audf)  in  ber  Sogtev,  mit  SebenS  ©efafr 
3and  unb  2)rof>ung  entftonben,  bie  fonfiige  auSfdjweiffungen  unb 
breijle  Unternehmungen  in  bem  33ogte9*£aufe  unerweljnet,  wan 
id)  aud&  bie  fonfiige  Unluft  unb  3Kfil>e  gern  erbulbe." 
©leider  abfd&lägiger  Sefd&eib  erfolgte  1777  unb  1804,  im  le|te* 
ren  Qa^re  tmtteljl  folgenben  S)ecrete8: 

„Stuf  gefd^e^ene  anfrage  wegen  be8  SBogelfd&iefeen*  ber  2xa* 

t>emünber  Sürger  ^aben  bie  Ferren  ber  Äämmerei  au«  Utfa<$e 

wegen  ber  Äoften  bei  ber  jefct  mangelhaften  @inrtd&tung,  aud& 

Unfid&er^eit  für  bie  2tobegäjie  unb  Sßoljmmgen, 6)  be$glei<$en  weit 

o^ne^in  ba«  $ogetf<$ießen  jefct  allgemein  ocr^afet  wirb  unb  man 

fd&on  in  Sfibedf  fold&e«  abjufd&affen  anfängt,  ben  Sraoemünbeni 

biefe  anoerlangte  Sufibarleit  abgefd&tagen." 

3)ie  erlaubnife  mufete,  wenn  ttid^t  bie  auf  bem  le|tjäl)rtgcn 

gefte  gewählten  ©d&affer  fid&  birect  an  bie  Äämmerei  wanbten, 

oon  bem  jttngflen  Äönige  vor  QobanniS  beim  ©tabt^auptmann  nadjj* 

gefugt  werben,  unb  gelangte  bann  burd&  lefcteren  ber  Sntrag  an 

bie  Äämmerei. 


5)  180t  tomtbe  am  ©ttanbe  bet  Oftfee   in  bet   9tö$e  be«   Seu4}tt§!ttme# 
eine  9abeanftalt  angelegt. 


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833 

äBäfjrenb  im  anfange  be«  17.  Sa^unbert«  von  ber  flanjel 
wfänbet  warb,  bafj  biejenigen,  fo  bcn  ©ogen  nadf)  attct  ©e* 
»ofafcit  ju  fliegen  £ujt,  fi$  vox  bet  Wogtet  einteilen,  angeben 
unb  Reiben  laffen  fottten,  warb,  nrie  fdfjon  bie  ©(§üfeenben)ittiflintfl 
wm  1605  jeigt,  bie  a^eilna^ne  am  gefle  balb  eine  Sßftid&t,  weld&e 
in  bem,  na$  einet  von  ben  $rat)emünbern  gemalten  SSotlage  au«* 
gearbeiteten,  „Reglement  wegen  be3  Sogelfd&iefienS  ju  Sranemünbe" 
i^rc  nähten  SejUmmungen  fanb.  2)affelbe,  gegeben  10.  3uli  1727 
unb  publicirt  14.  Suli  1729,  lautet  alfo : 

„S)emnad&  in  Anno  1611  wegen  be«  SSogelfdfjiefeenS  ju  $ra* 
uemfinbe  ein  ^Reglement  unb  3Serorbnung  erridf)tet,  felbige  abet 
nad&ljero  mit  einigen  Sufäfcen  wtmefjtet  unb  folgenbermafcen 
cerfaffet: 

l. 
©oll  ba8  ganje  SotpS  bet  33ürger*6ompanie  nebft  bem  Äönige 
dot  bet  SSogtei  ftd>  orbentlidf>  fieDen,  bamit  t>on  bannen  bet  2luS* 
matfdf)  gefd&efye. 

2. 
Untet  bet  SSogelftangen  foQ  bie  ganje  ßompanie  fülle  fielen 
unb  foDen  bafelbfl  t)on  bem  ©d&reiber  ober  aufrufet  bie  Articoln 
wrgeiefen  werben,  wowadfj  ftd&  ein  jeber  ©dfjüfeenbruber  ju  ric^^ 
teit  l>at  bei  Skrmeibung  bet  gefegten  ©träfe. 

3. 

©oD  fidj  Äeinet  unterteilen,  nadf)  bem  SSogel  ju  fd&iefcen,  e$e 
er  mit  SRamen  ifi  aufgerufen  worben  bei  SSerlufl  feine«  ©d&uffe« 
unb  l  3W>lr.  ©träfe  }um  erfien  9Me. 

4. 

63  foD  ftdfc  Äeiner  unterfle^en,  mit  einem  anberen  9to§r 
nadjj  bem  Söget  ju  fdfjie&en  ober  eine  größere  Äugel  ju  gebrauten, 
als  ba3  model  gemad&et  ifi;  wer  bem  entgegen  Ijanbelt,  foll  fei* 
ne«  3lofyci  t>erlufUg  fein  unb  von  ber  ©tange  abgemiefen  werben. 

5. 
©ott  Äeiner  jum  ©d&iefcen  nadf)  bem  SSoget  jugelaffen  wer* 
ben,  ber  nidf)t  Dor^ero  orbenttidf)  ifi  au8marfd|)iret. 

6. 
derjenige,  fo  felbji  nid&t  fd&ie&en  fann,  foD  einen  anbern  für 
fid)  )um  ©Riefen  wallen  tum  $)mnr  bie  mit  auftnarfd&iret  fetjnb, 
einen  »ürger  ober  ©firgetifoljn,  bei  l  2#r.  ©träfe. 


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334 


7. 

Sie  bemittelten  SBittwen,  weldfje  in  ifjrer  ootten  9tof)ruri 
fifeen,  follen  gehalten  fein,  eine  jebe  einen,  bcr  ifjretroegen  na< 
bem  SBogel  fdjnefjet,  ju  erwählen;  e3  muj$  aber  ein  Bürger  ob< 
Sürgergfofjn  fein,  ber  mit  auSmarfd&iret  ift. 

8. 

2Bann  einer  oon  ber  SJogeljiange  weggebet,  wenn  er  aufg< 
rufen  wirb  unb  ift  ntd&t  ba,  fo  ift  er  feines  ©d&uffe«  t>erluft 
jum  erftenmal)L 

9. 
2>er  ein  ©emtnn  abfd&te&et,  beffen  9tol)r  foU  oon  benen  Off 
eieren  trifitiret  werben,  ob  bie  ftugcl  na$  bem  3Jtobel  ober  au< 
größer  fei;  wirb  fid&S  befinben,  bag  fie  größer  ifl,  foU  berfell 
mit  2  Stljlr.  gefiraft  werben. 

10. 

2Ber  baä  ©lüdf  tjat  unb  Äönig  wirb,  foU  il)m  feine  ui 
nötige  Unfoften  mad&en,  fonbern  diejenigen,  fo  iljn  ju  Sqüix 
bringen,  nur  lebtgltdf)  mit  einem  ©lafe  guten  SBterS  tractirei 
womit  bie  ©äfte  friebltd&  fein  muffen. 

11. 

SBenn  ber  93ogel  abgesoffen  ifl,  fo  foU  baS  ganje  6orj 
fowofjl  pon  ber  ©d&eibe,  al£  pon  bcr  aSogcl^ßompanie  ftd&  unt< 
ber  Sogelftange  begeben  unb  orbentlidjj  wieber  einmarfd&tren,  h 
2  ftfjlr.  ©träfe. 

12. 

@$  foU  ein  jeber,  bei  bem  2lu$*  unb  ©inmarfdj,  beS  ©djjiefeen 
in  bem  ©täbtd&en  Sraoemünbe  fidf)  enthalten,  aud[)  leine  Äug< 
in  feinem  ©eweljr  tyaben,  bamit  fein  Unglüdt  gef$cl)e,  bei  2  2^1 
©träfe. 

13. 

@in  ^eber  j0n  p^  nüd;tern  Unb  mä&ig  galten,  Äeiner  be 
äfabern  mit  groben  ©dfjeltmorten  ober  ©dalägen  tractiren,  ober  < 
foU  oljne  einige  SBtberrebe  mit  5  £fjtr.  gefiraft  unb  t>on  to 
SBogeljiange  abgewiefen  werben.  2öornad&  fid&  ein  Qebet  i 
rieten  unb  fidf)  für  ©djjimpf  unb  ©träfe  ju  tjüten. 

©obann  oon  jegigen  iraoemünber  ^Bürgern  gejiemenb  ang< 
fud&et  worben,  fotljaneS  entworfene  Reglement  burd&  obrigfei 
lidfjcn  (SonfenS  beftättigen  unb  autorifiren  ju  Reifen,  2113  f>abeit  bi 


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335 

$ertgn  ber  Äammerei  beroanbten  Umftänben  nad&  bem  angebrachten 

petito  }u  beferiren  beliebet,  mitbin  üerftattet,  bafe  mebrgebad&teS 

ob  —  ebroerleibWS  ^Reglement  ins  Steine  gebraut  unb  sub  Sigillo 

Caraerae  auSgefertiget  werben  möge/' 

©et  ©d&auplafc,  für  ben  biefc  Reglement  galt,  mar  ba3  fog. 

&u$tenfelb  am  ©tranbe  ber  Oftfee;  bie  SSogelflange  ftanb  in  ber 

9lä^e  be$  Seud&ttljurmeS. 6)    ©ie  mu&  äjEjnlidf)  geroefen  fein,  roie  bie 

auf  bem  ©dfjüfcenfjofe  ju  ßübedf  beftnblid&  geroefene,  unb  mar  ben 

6djiffern  ein  ©eejeid&en,  ben  §ertng£fifd&ern  ein  9WerlmaL    Qn 

jenem  Umftanbe  mag  aud&  ber  ©runb  ju  finben  fein,  bafe,  roäljrenb 

Heinere  ^Reparaturen  t>on   ben  ©d&üfeen  felbft  beftritten  mürben, 

woju  fie  baS  ©elb  beim  Sogelfd&iejjen  jufammen  brad&ten,  §aupt* 

reporaturen  bei  ber  Äämmerei  gemelbet  mürben,  meldte  bann  baS 

nötige  §olj  oom  jiabtifd&en  Sautjofe  requirirte.     1718  ge^t  ba8 

®efud)  um  £olj  birect  an  ben  SRatf),  auf  beffen  SBeraulaffung  burdfj 

bie  Ferren  be3  33aul)ofe$  jroei  ^Bürger  nebfl  bem  3"nmermeifier 

beauftragt  werben,  bie  Sogelfiauge  ju  befefjen.     Sie  finben  „}u 

betfelben  Serbefferung  Ijocl)  oon  9iö$en:" 

ein  ©tficieidjcnljoij  }um3Rädtter,  40  gufe  lang,  12  unb  13  3oH  O, 

eine  fö^rene  ©piere,  40  gufe  lang,  12  unb  10  S^B  D, 

no$  ein  ©tüdt  ©id&enljol},  20  gufc  lang,  12  3oQ  O, 

*  *.  *  »,16*  *       ,      11  *  * 

*        *         *  *       f    12     *         *    ,  10     *      * 

nod)  ein  ©tüdt  @id&enl)olj,  28  gufe  lang,  n  unb  10  3°H  O, 
au$  ein  paar  eigene  ©parren,  18  gufe  lang  unb  9  3°ß  D- 
»uf  Vorlegung  biefer  aHerbingS  etroaS  umfangreid&en  S)efigna* 
tion  becretirte  ber  9lat§  1720: 

„ba&  bei  benen  Umjiänben,  ba  fo  triel  £ol},  al$  ju  ber 

beregten  SJogelftonge  nöt^ig,  t>or  ber  §anb  vom  Publico  nid&t 

fügUd&  hergegeben  merben  mag,  ber  ©rrid&tung  ber  gebadeten 

SSogelflange  nodf)  jur  3*ü  unb  oor  biefeö  3al)r  Slnftanb  ju  geben, 

babei  benn  benen  (Sinrootjnern  ju  Srawmünbe  frei  bleibt,  an  ©tatt 

beS  SSogelfd&iefcen*  fid&  mit  bem  ©djiefeen  nadfj  ber  ©Reiben  ju  übtn." 

Ob  bie  ©tange  ut  ben  nädfjftfolgenben  3a&ren  gebeffert  mor* 

ben,  ße^t  ba^in,  um  fo  me^r,  als  1731  mieberum  baoon  bie  SRebe 

ifc  fie  bro^e  ben  SRieberfaH.     1749  aber  ifi  fie  gänjlid^  verfallen, 


•)  3Ba$rf<ftei«Ud)  \a,  top  nod)  Jefct  bie  ©tange  für  ba*  iÄtjrlidje  Jfinberttoflfl* 
WJef«fte|i. 


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336 

unb  nadjbem  bet  SBauljof  bie  von  ber  Äämmerei  rcquititte  Sieferung 
be«  §olje«  abgefd&lagen,  wirb  von  ben  ©Raffern  ju  SRatlj  fupplicirt 
mit  bem  JBemerfen,  bafe  bie  l)ö<P  nötige  $ttlfe  jur  ^Reparatur  in 
einem  Seitrage  oon  ettüa«  SJauljolj  ober  in  ca.  50  SWjtrit  an 
baarem  ©elbe  befielen  bürfte.  9ftad>bem  feit  1779  ein  Sogelfd&tefcen 
nid)t  me$r  fiattgefunben,  fiel  bie  Stange  1791  um.  SBie  ber  Sogel, 
mar  au<$  bie  Stange  in  ifjrem  oberen  Steile  mit  (Stfen  beklagen, 
wofür  1744  an  ©d&miebelofyt  4  Sßarf  gejagt  mürben. 

5Die  ©emhme  beftanben  im  17.  Sa^unbert  in,  mie  ein  ©<$rei* 
ben  t>on  1610  fagt,  „au«gefefcten  geringfügigen  Ätetnobem,"  für  ben 
Äönig  aber  in  einem  oom  SRatye  gegebenen,  jebe«mal  bei  ber  Ä&n* 
merei  erbetenen  fog.  $afentud),  nemli<$  li  (gffen  engttfdfr  2iu$, 
meldte  ju  einem  $aar  Seintteiber  genügten,  mie  fol$e  ijjafenlafen 
für  ben  Sübeder  ©<$fifcenljof  f$on  im  16.  3a^unbert  au«gefe|t 
maren7).  ©aneben  mar  ber  ©d&üfcenföntg  für  ba«  Saljr  feine« 
©emimte«  oon  ber  ©runbljauer  unb  bem  ©raben*  ober  SBodjen* 
gelbe  frei  $atte  ber  Äönig  fein  eigene*  SQavß,  fo  tonnte  et  fu$ 
innerhalb  feine«  Quartier«  eine«  ausrollen,  beffen  ©runNjauer 
unb  2Bo$engelb  bann  ber  Äämmetei  entging  unb  tttrmutytid)  tym 
fetbji  julam.  Qm  18.  3aljrl)unbert  traten  an  ©teile  be«  §afen* 
tudjie«  12  $  al«  Seitrag  ju  ben  Unfoflen  Seiten«  ber  Äämmetei, 
unb  ein  Sier^Slccife^reijettel,  ber  1772  auf  eine  Saft  lautete,  gär 
feinen  ©eroinn  rnufete  ber  Äönig  aber  aud&  etwa«  braufgeljen  lajfen. 
5Der  ©<p|en  öemilligung  von  1605  bejUmmte,  bafe  ber  Äönig 
geben  fotttc  einen  ©^infen,  jmei  SWettmürfie  unb  eine  Sonne  ©iet. 
JDabei  mirb  e«  im  Saufe  ber  3*ü  fc^roerli^  geblieben  fein,  fo  baj» 
in  ber  Seftimmung  be«  ^Reglement«  oon  1727  (§  10)  eine  ©e* 
fdjränhmg  auf  ein  richtige«  3Jtoa&  ju  erbliden  ifl  3Ran  barf  ftd) 
nid^t  munbem,  bafe  bem  Äönige  au«  öffentlichen  Mitteln  eine  $er* 
tjättnifjmäfjig  bebeutenbe  SBeto^nung  ju  S^eil  marb.  2>enn  e« 
mürbe  allgemein  ber  Äönig£tteffet  nidjt,  mie  ba«  ^Reglement  e«  t&ut, 
al«  ein  blofee«  ©lud,  fonbem  al«  Seichen  einer  großen  ©efd&UHidfc 
feit  betrautet,  melier  nad&juetfern  man  im  Sntereffe  ber  SSerÜjeibi* 
gung  ber  ©täbte  Slnbere  bur$  bie  bem  Äönige  jufaDenben  SortyeÜe 
anfeuern  mottte.  @o  mar  j.  ö.  in  Cremen  im  16.  Qaljrfyutbert 
ber  ©^üfeenfönig  oon  ber  Slccife  für  ein  Qaljr  frei.  $atte  aber 
berfelbe  Sürger  breimal  tjinter  einanber  fi$  al«  ber  befte  Stufte 


7)  Bgt.  £>eecfe,  ber  alte  lubifdje  @4&frenW-    fiübecf  1855  @,  9,  ÄS, 


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337 

benriefeit,  fo  warb  er  t>on  bet  ©tabt  mit  bem  ftlbemen  Papagei 
(bem  ÄönigSjeid&en)  befd&enft,  unb  geno§  leben8länglid&e  grei^eit 
von  bet  Stcctfe,  fonrie  t>om  3Bad&t*  unb  ©djjanjbienfte. 

Sluf  ba«  ^Reglement  warb  ftrenge  gehalten,  wie  folgenber  SJor* 
fall  au*  bem  3al)re  1725  bemeiji.  S&rgen  Sott  mar  9tamen£  feiner 
SWutter  mit  au$marfd&irt,  Ijatte  ba&  gebülpenbe  ©etb  erlegt,  fein 
2oo$  (für  bie  SReüjenfolge  ber  ©d&üffe)  gejogen,  audj)  mitgefdfjoffen, 
liefe  bann  ober  feinen  ©ruber  3Bid&et,  ber  nid&t  mit  ouggejogen  mar, 
oiei  weniger  ©elb  gegeben  $atte,  für  ftd&  föie&en,  unb  fdjofc  nun 
SRid&et  ben  ©ogen  herunter.  S)ie  ©dfjüfcenbrüber  meinten  anfängt 
\vti)f  bafi  aaö)  aJUd&el  jum  ©djiefeen  quatificirt  geroefen  fei,  aber 
pifd&en  ben  SBrfibern  entftanb  ©treit  wegen  ber  Äönigfd&aft,  unb 
baburd&  wrriet^en  fie  ft($  felbji.  S)a  fie  fiel)  nid^t  üergleid&en  fonn* 
ten,  fanb  ber  ©tabtyauptmann  nebji  ben  Dfpcieren  für  gut,  für 
Wefemal  mit  bem  alten  Äönig  mieber  emjumarfd&iren,  bi«  beS  anbern 
Xage$  bie  ©ad&e  weiter  unterfudfjt  roorben.  SBegen  ber  Stögaben* 
fteiljeit  be$  Äönig«  ging  benn  an  bie  Äämmerci  ba8  @efud&  ber 
Sd&fifcen,  für  bie&mat  eö  bei  bem  alten  Äönig  annod)  ju  laffen,  ju* 
glei<^  aber  bie  Sitte,  bie  alt§ergebrad&ten  Sßritnlegia  unb  ©djüfcen* 
odmung  obrigfeitlidf)  ntd&t  allein  ju  confirmiren,  fonbem  aud&  ju 
serbejjem. 8)  2hidf)  Jürgen  öott  mad&te  feine  Steckte  bei  ber  Ääm* 
mewi  geltenb.  SHefe  üemaljm  tner  3eugen,  nad&  beren  SKuSfagen 
äRWjjel  SSolt  wm  fteben  auf  feinen  ©ruber  fattenben  ©puffen  fed^d 
unb  barunter  aud&  ben  ÄöntgSfd&ufc  getrau.  3ugleid&  roarb  aber 
conjlatirt,  bafe  florier  aud&  fd&on  für  einen  anberen  ©djüfcen  ein 
©erahnt  burdf)  einen  Vertreter  Ijerabgefd&offen  unb  biefer  @<f)uj3  al« 
gültig  pafjirt  mar.  S)ie  Äammerei  orbnete  in  beS  ©tabtyauptmannS 
unb  ber  SJürgerofficiere  ©egenroart  bie  ©ad&e  fdfjUefjlidf)  bafjin,  ba& 
bemanbten  Umftänben  nad&  Jürgen  Sott  jum  Äönige  ju  beclariren 
unb  bemfelben  barauf  ber  SSogel  nebft  bem  gefegten  ©eminne  ein* 
juljanbigen,  aud&  ma$  fonfl  biejenigen,  fo  vox  U)m  Äönig  geroefen, 
genoffen,  jujuroenben  fei;  nur  ba&  bie  fotenne  ©infityrung  beffelben 
für  biefemal  eingepellt  bleiben  fönne,  jcbodf)  bei  nacktem  a3ogetfdjie&en 
er  mit  ben  genutynlidfjen  Formalitäten  ate  Äönig  ausgeführt  wer* 
ben  muffe.  Später  forberte  ber  alte  Äönig,  mit  bem  man  beim 
$ejie  lieber  einmarfd&irt  mar,  ©rfafc  ber  Unloflen  t>on  Jürgen 


*)  3n  ©etoÄljning  be*  legten  1727  erneuten  ®efudje«  ift  bann  ba*  oben  mit* 
geseilte  »eglenunt  etlaffen. 


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338 

83olt,  ber  jid&  beffen  weigerte.  S)ie  Äämmeret,  an  weldjje  au<$  biefe 
©ad&e  gelangte,  entfd&ieb,  bafe  bem  Stott,  ba  et  afe  Äönig  sollemni- 
ter  ni$t  eingeführt  worben,  audfj  bie  Slbpattung  ber  fraglid&en 
Äoften  bittig  nid&t  anjumuti&en  fei;  bod&  fotte  ber  ©tabtl>auptmatm 
üerfud&en,  il>n  jur  freiwilligen  JBergütung  ber  $älfte  ju  aermögen ; 
anbernfall*  muffe  ber  alte  Äönig  fotd&e  allein  tragen,  unb  ftelje  il)m 
frei,  gegen  biejatigen,  weld&e  an  feiner  ©nfü^rung  ttrfad^e  unb 
bamit  einig  geworben,  wegen  beren  ©rfafce*  pro  rata  feinen  Stegref* 
}u  nehmen. 

2)a*  Äönig*jeidfjen  war  ein  filbemer  Söget  mit  einer  glitte, 
gejeidfjnet  Papagoia  no\a  travamundensis  1611,  alfo  au*  bem 
Saljre  ftammenb,  in  welkem  ein  ^Reglement  für  ba*  ©d&iefeen  entmot* 
fen  mürbe,  an  bie  ÄönigSfette  oereljrte  ber  Äönig  beim  nftd(rftfol* 
genben  gefte,  mit  bem  feine  £errfd&aft  einßnbe  erreichte,  ein  fUber* 
ne*  ©d&itb  mit  feinem  Sternen  unb  einem  eingratnrten  Emblem,  ba* 
feinem  ©tanbe  entfpradfc.  @o  ber  ermähnte  Qfirgen  ®olt  1729  ein 
©d&iff;  Qo^ann  ©gering,  ein  3ßufifu*,  1731  einen  3Balb$ornbläfer; 
Sodann  ©d&umann,  ein  gu^rmann,  1755  einen  SBagen;  Qoljann 
Sßibber  1772  einen  ©d&lad&ter,  ber  einen  Dd&fen  fd&tad&tet;  ©d&iffet 
Sodann  ©tudt  1774  einen  (Sompafc,  ©eget,  glaggen  unb  ©tunben* 
gla*;  ©d&ufier  Slrenb  ©eutin  1779  einen  ©tiefet  —  SSogel  unb 
Äette  blieben  in  ber  SSerma^rung  be*  Äönig*  bi*  jum  näd&ften 
gefie.  Ob  leitetet  für  beren  rid&tige  SBieberablieferung  öütgen 
jietten  mufjte,  wie  in  Sübed 9),  ifi  jur  3*ü  ntd&t  ju  ermitteln.  5Da* 
©ewtd&t  ber  Äönig*fette  war  1804  4  $funb  13  Sotl),  unb  barnadj> 
ift  e*  ertlärlid^,  bafe  ber  ©tabtljaupimann  nadf)  bem  SCobe  be* 
Äönig*  barauf  beftanb,  e*  fottten  „bie  jtlbernen  ©d&Uber  unb  3w> 
ratzen,  jum  3lu*marfdf)  gehörig/'  bem  SSogtetgerid&te  jur  äufbema^ 
rung  eingeliefert  werben.  Steffen  weigerte  ftd&  aber  ber  ©o$n  be* 
SBerflorbenen,  ein  anfäffiger  ©d&ujier,  unter  bem  SBorwanbe,  ba& 
berjjenige,  wetd&er  t>or  feinem  SSatet  Äönig  gewefen,  fold^e  fo  lange 
bei  fid&  behalten  §abe,  bi*  fein  SSater  Äönig  geworben.  —  SKefe 
©ilberjeug  warb  nebfi  bem  154  Sßfunb  wiegenben  S^njeuge,  fo  auä) 
beim  SSogelfd&iefjen  benufct  würbe,  unb  bem  beim  Äieberoogelfd&ie&en 
gebrausten  ©ilberjeuge  (SSogel,  Äette  unb  ©d&Über),  i*  Sßfunb 
ferner,  in  golge  be*  Aufrufe*  be*  Senat*  oom  23.  SRärj  1813 
jur  2lu*rüfUmg  ber  Sfibedfifd&en  SRitgtieber  ber  §anfeatifdfjen  Segion 


•)  ©gl  3>eecfe  a.  a.  O.  6.  36. 


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539 

ouf  bcm  Srttat  be8  Saterlanbe«  bargebra<$t. ,0)  S)aS  3tanjeug, 
befieljenb  in  Sftnfgefd&irren,  unb  bcr  SBürgerfd&aft  gehörig,  warb  in 
bcr  SSogtei  in  einem  eigenen  ©<$ranfe  aufbewahrt.  1813  würben 
abgeliefert  3  SBiUfommen,  7  Äannen  (barunter  eine  mit  ber  $n* 
förift:  S)ut  §ort  Sraoemunbe  SSifd&er  ®itbe  1604,  eine  gejeidjnet: 
bie  6d)fifcen*3unft  1744,  fünf  gehören  „ber  ehrbaren  SBürgergilbe"), 
56  Äänndjen  mit  SRamen,  ©mblcmen  unb  SafjreSjaljlen  uon  1636 
bis  i774f  einfd^tie^tid^  jweier  SBejirfänndjen. 

Stoß  bieg  $rinfgef<$irr  in  ber  SSogtei  feinen  5ßlafc  Ijatte,  war 
wpegrunbet,  benn  tyer,  wo  ber  ©tabt^auptmann  eine  ©d)enfe 
|ieit,  fanb  baS  ©etage  Statt,  unb  mar  %an j  auf  bem  großen  ©aale. 
3>rei  Sage  bauerte  bad  gefi,  unb  ba  e«  in  ber  Siegel  in  ben  ©om* 
mermonat  3uli  fiel,  wirb  ber  Sonfum  von  S3ier  ni<$t  geringe  ge* 
roefen  fein.  Ueber  ben  Hergang  beim  ©d&teßen  felbft,  fo  wie  beim 
6m*  unb  StuSmarfd)  fehlen  nähere  ©injetyetten.  ©ine  Sefdjreibung 
be«  SelageS  aber  bietet  ber  unterm  21.  3uli  1755  an  ben  Äämme* 
teifecretair  ermattete  SBerld^t  be3  ©tabtljauptmanneg  SJRoHmo  über 
bie  §anbel  be«  Sootfen  Sßeljr,  weldjer  lautet: 

9Beit  ß^riflian  2Be§r  39jäl)rtger  SBürger,  alfo  ein  alter 
SRann;  als  §at  er  oom  Sogelf  gießen  abjubanfen  ©erlanget,  unb 
ftatt  24  ß  3uföuß  jum  SJogelföteßen  Unfoften  nur  12  ß  contra 
huret;  in  beibeS  tjabe  id)  confentiret,  weilen  mir  feine  llmftänbe 
fattfam  befannt;  ©rnjiS^ee11)  wafjr  gletdjwotjl  bamit  nid&t  aller* 
bing£  einig  unb  ber  irrigen  SWeinung,  wie  bann  fotdje  ©elfter  ftd) 
mtreiffe  authoritaet  anmaßen,  baß,  weil  er  lotljfen  !önne,  er  aud) 
mitfdjießen  müßte. 

2Bä!)renb  bem  ©gießen  Ijat  ftd)  bann  ereignet,  baß  ©djiffer 
SRielftrem  aus  ©tettin  feine  flagge  roefen  laffen,  eingeholt  ju 
werben,  baß  Sfjriftian  SBefjr  tfym  alfo  eingeljolet.  SQ3ie  bie  mit* 
föießer  Sotten  aber  foldjeS  twm  fd)ießpla&  (aufm  £eud)tenfelbe) 
gefeljen,  tyaben  fie  e£  bem  Sljrifttan  SBeljr  mißgönnet  unb  gar  ba= 
twm  ge^en  wollen,  jebod&  gelungen  beim  fließen  bleiben  muffen, 
alfo  ityten  ber  SSerbienft  entminet  ift. 


*)  CgL  Älug,  ®efd)id)te  Buberf«  toätyrenb  ber  SBereiniflung  mit  bem  franjö* 
ff*»  Äalferreid).    «übetf  1857.  HBty.  II  6.  9. 

u)  Zfytt,  feined  ®f»erbe«  ^etbetgiter  unb  Ärüger,  toar  Lieutenant  in  ber 
Stcfmentyaiiie. 


32 


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340 

Heber  befeftils  geführter  «tage  betet  Sotten  $etet  gafö  unb 
Satgau,  unb  unjeitiget  Seiftünmung  be«  (Stnfi  S^eef  l)at^  bei  bem 
©etöfe  bteiet  Sxommeln,  3Ruftf,  bet  2ftetfannenbe<fel  ©eptaffel, 
£obacf8bampf  auf  bet  S>eljte  nid&it  anbetä  gerietet  wetben  formen, 
um  allen  fetnetn  weitläufigen  £ätm  ju  Ijemmen,  atö  bem  ßfjtifiian 
2Be|t  bie  abgebungene  unb  itpn  etlaffene  12  Shilling  föiefi* 
jubufe  abjufotbetn  unb  in  ein  32>lt.  ©ttaffe  ju  fefcen,  bafe  et  ben 
©dfjttfcen  Sotten  nidjt  benachrichtiget,  bafe  felbigeS  S^iff  etnju* 
|olen  gewefen,  weldjett  SJottljeil  ftc  i|tet  SKeinung  nad>  Ratten 
laben  muffen,  weit  fte  fd&ie&Unfojlen  Ratten,  et  hingegen  ju 
i|tm  Stäben,  oljne  einige  anbete  Unfoften,  als  bie  12  ©djUling, 
womit  et  fid)  frei  gefauft,  baS  SotfySgetb  wtbienet  fcätte. 

$!&ann  bie  ©d)fifcen  biefe  #änbel  t)ot  intern  %ifä,  wie  fu 

wttangten,  ju  tickten  wate  jugefianben,  wütbe  <$ewife  wunbetlUb 

3eug  $etau8gefommen  fein.    Unb  ^atte  id)  bem  Unwesen  nU&t 

auf  felbige  ätt  gefHQet,  bie  Oefttengen  wfitben  ju  mit  inä  3im* 

met  gebtungen  fein,  unb  Ijätte  Qtpifftan  SBBe^t  nad&  meinem  ein* 

tatfjen  nid^t  gleich  ben  Sfteid&Stfjalet  (meldet  ben  Unfoften  jum 

SSefien  bet  ©djtifeen  befiinitet  iß,  icfc  abet  atmoä)  in  ©eroaljt 

|abe)  unb  bie  12  ©d&illmge,  meldte  bie  ©d)ti|en  ju  fiel)  genom* 

men,  [bejahet],  id>  wfitbe  bet  angebteueten  ^Jfänbung  nic&t  |oben 

oetroc|ten  fönnen;  in  folgen  SBaffet  fängt  man  fold&e  gifdjel 

gtembbe  2lugenjeugen  roetben  ft<$  übet  alle  twtgegangenen  Um* 

fiänbe  aufeet  allen  ^weifet  Ahnung  mocquiten,  mooon  bie  ©<$ü|en 

leinen  3tu|m  |aben  tonnen! 

3u  ben  Unfoften  beS  gefteö  mufete  früher  jebet  SJütget,  ob  et 

Sta&tung  tjatte  obet  md&t,  einen  falben  S^alet  unweigetlid)  bejahten. 

Sil«  1694  bie  @<$iffer,  £öfer,  §erbergirer  unb  biejenigen,  fo  fianbe* 

teien  Ratten,  fid^  biefet  2lbgabe  entjtetjen  wollten,  etfannte  bie  Äänu 

metei,  bafe  e8  bei  bem  alten  £erfommen  verbleiben  fotte,  unb  wie* 

ben  ©tabtfjauptmann  an,  bei  SSetroeigetung  bet  3al)lung  8*9*k  bie 

SRenitenten  Sjcecution  ju  Bedangen.  3lud&  bie  gtfdjet*  ünb  Bürger* 

roittroen  mußten  tyten  Seittag  leiflen,  wogegen  fie  befugt  waten, 

Semanben  au«  Staoemünbe  für  fidEj  fd^iegen  ju  laffen,  audj  bei  bet 

©aftetei  mit  ju  fein.    1726  jwat  watb  bie  ©ttaubnifc  jum  äiogel* 

föiefcen  nut  erteilt  mit  bem  Sufafte:  jebodjj  bafe  SBittwen  unb 

SBBaifenbajuni^tconttibuiten,  fonbetn  von  benjenigen,  weld&e  roitflid& 

beim  ©djie&en  mitinteteffitt,  bie  etwa  etfotbetUd&en  Unfoften  allein 

getragen  werben  muffen,  ätbet  bie  ©itte  wat  ftärfer,  o&&  bie  obrig- 


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341 

tcitli^c  Sorfdjtift,  unb,  wie  ungeadjtet  her  leiteten  einer  SBBittroe 
no$  im  felben  %a\)tt  bie  3<i$luitß  ifjreS  Beitrages  jugemutljet  wor* 
ben,  fo  fprid&t  ba$  Sftcglement  jwei  Qa^re  fpäter  wieberum  gtabeju 
eine  SJerpfli^tung  ber  Sßtttwen  auS,  einen  ©d&üfeen  für  fi$  }U 
rollen. 

Sfuf  ber  £rat)emünber  Xagefafjrt  ber  Äammerei*  Ferren  am 

&  3uli  1729  tyelt  ber  ©d&affer  2lbolpf)  2Bepl>e  barum  an,  bafc 

kr  Sfirgerfd&aft    nerfiattet  werben   möge,  bei   ü»rem  uorfetenben 

$ogelfd)tcj$en  ber  beim  ©d&ie&en  allemal  gewöhnlichen  luftigen  Sßer* 

fon  aus  ber  ©tabt l*)  fid)  bebienen  ju  bürfen.  Snbefc  traben  —  toie 

ta*  ^Srotofoll  fagt  —  „iperren  ber  Äämmerei  ^mploranten   aDe^ 

6wN  ermahnet,  twn  biefem  ©efud&e  abjufteljett  unb  bie  Bürger* 

iW  bawn  ju  beljortiren,  anbei  aber  refoltnrt,  bafe  fünftigljin  baS 

Rieften  na<$  bem  33ogel  nidjt  efjenbcr  nerftattet  werben  fottef  btö 

ta  Sraoemftnber  Sürgerfdfjaft  wirb  angelobt  liaben,  von  biefem  un* 

Mtönbigen  ©efud&e  abjufie^en."    Xrofc  biefeä  gemifc  gered&tfertigten 

&S#ujJe$  menben  „fämmtUdfje  Sürger  ber  ©tabt  unb  ©eeljafenä 

*KU*mfinbe"  1731  fW)  an  ben  Statf)  mit  ber  Sitte,  bie  t>on  alters 

fa  ertaubte  Sufibarfeit  tynen,  gletdf)  ben  bürgern  in  Sübedt,  ferner* 

ffa  tmgeftänft  angebeilien  ju  laffen,  unb  ju  erlauben,  „bafe  unter 

kn>  Ijo&em  ©djut}  mir,  gleich  bero  Bürger  ju  Sübedt,  baä  Söget* 

tytfax  betreiben  unb  bie  oon  unfern  SSorfa^ren  uns  gelieferte 

mite  ^rei^eit  unb  gewöhnliche  Sufibarfeit  bei  folgern  ©dfjie&en 

Rennten  mögen."    3)ie  au£fül)rlidf)e  SUlotipirung  biefcö  ©efudjeS 

Sfrt  ß»t,  bog  bie  luftige  Sßerfon  jeberjeit  beim  Jtogelfd&iefcen  ablji* 

Ktettoorben,  wenn  gleidf)  e8,  „jenad&bembie  Ferren  ^rebiger  oecuptret 

geioefen  finb  ober  nidjjt,  berfjalben  mannigfaltig  9tebe  gefefeet  Ijabe," 

nennt  biefelbe  eine  „inbifferente  fiuflbarfeit,  bie  feit  ber  Seit  ü)re£ 

8uffommen$  nidOt  in  deterius  vergiret  nod&  mifcgebraud&et  fei"  unb 

^bt  fidfc  enbtt<$  ju  ber  33ef)auptung,  ba&  bei  beren  SBerfagung  ba3 

j%lid>e  ©Riegen  unb  bamit  bie  Uebung  ber  2}ürgerföaft  in  ben 

Mafien  gcmjUdf)  ceffiren,  unb  bann  auä)  bie  al£  ©eejeid&en  bienenbe 

^flriftange  bem  bro^enben  9tieberfaH  übertaffen  werben  muffe!  ein 

'kföäb  auf  biefe  eingäbe  finbet  fid^  nid&t,  bfirfte  übrigen«  autl) 

^■rtid)  ein  geroieriger  gemefen  fein. 

1720  pem>ie£,  wie  oben  ermähnt,  ber  9tatl>,  als  er  bie  ipolj* 
Mcamg  jum  SReubau  ber  ©tange  ablehnte,  bie  Sürger  auf  ba8 

■)  89I  IDeerfe  a.  a.  £>.  ©.  41—43. 

22* 


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342 

©Rieften  nadfj  ber  ©d&etbe,  unb  aud&  baS  Reglement  von  1727 
fpridfjt  bawn,  bajs  nadf)  erfolgtem  9Ibjd)uffe  beS  SSogelS  baS  ganje 
ßorpS  fomo^t  oon  ber  S^eibe  als  oon  ber  SSogetcompagnie  gemein» 
fam  orbentltdf)  mieber  emmarfd&iren  fott.  6*  fdjjeint  barna<$  neben 
bem  SJogelfd&iefjen  ein  ©dfjeibenfd&ie&en  hergelaufen  ju  fein,  ©rjiereS 
betrad&tete  man  aber  immer  als  baS  Sorneljmere,  fdjon  roeU  ber 
©tabt^auptmann  bei  bemfelben  mitbeteiligt  mar.  ©o  befd&meren 
ftd&  benn  audjj  1725,  bei  bem  oben  erjagten  ©treit  ber  ©rüber  Sott, 
bie  ©d&fijjenbrfiber  barfiber,  bafe  mäljrenb  biefeS  ©tretteS  bie  ©Reiben* 
brüber,  bem  Stefpect  beS  Hauptmannes  juroiber,  fi$  unterflanben 
Ratten,  DorauSjumarfd&iren  unb  eljer  als  bie  ©d&fifcencompanie  jum 
2J)ore  einjujiei)en,  eine  SBefd&merbe,  meldte  bie  änerfennung  ber 
Äämmerei  fanb  unb  eine  entfpredjenbe  neue  Verfügung  jur  ftolge 
Ijatte. 

©tatt  beS  tyntn  abgefd&lagenen  SSogelfd&iefeenS  warb  1804  ben 
£rat>emfinbem  t>on  ber  Äämmerei  ein  ©$eibenfd)iefien  erlaubt,  wobei 
inbeß  jur  SSebingung  gemalt  mürbe,  ba&  bie  öfirger  oljne  ©eraufö 
in  aller  Stille  fid&  nad&  bem  ©d&iefjplafce  begeben  foHten,  wie  jte  e8 
felbp  t>orgef$lagen  Ratten.  SHe  ©irectoren  ber  SSabeanfialt  aerftatte* 
ten  tynen,  „Dorne  in  bem  Keinen  SBabetjaufe  tyren  eintritt  tu  nehmen 
unb  von  ba  aus  na^  ber  in  einiger  (Entfernung  an  ben  bort  be* 
finblid&en  ©anböget  fjmjujiellenben  ©d&eibe  ju  jielen."  ©er  <Eom> 
manbant  ber  ©d&anje  fanb  feine  ©efaljr  unb  Stebenfen  gegen  triefen 
$lan,  unb  bie  Äämmerei  verlangte  nur,  bafe  burd&  SfoSflellung  t>on 
©olbaten  bie  nötige  3Sorfidf)t  angeroenbet  werbe,  bamit  Stiemanb 
t)or  bie  Scheibe  trete.  5Die  SRupfanten  von  ber  Sabeanpalt  blieben 
bis  jum  ©d&iefctage  „ben  öürgem  ju  ©efallen,"  wie  es  Reifet,  „oh 
gleid)  am  Sonntage  Dörfer  fonji  SBeS  aufhört''  3n  gleicher  SEBeife 
marb  audjj  1806  2luguji  25.  am  felben  Sßtafc  nad&  ber  ©d^eibe 
gefd&offen.  S)aS  tefcte  ©d&tfb  an  ber  ÄönigSfette  aber  mar  twn  1804, 
unb  trug  auf  ber  einen  ©eite  ein  ©d&iff,  auf  ber  anberen  eine 
©d&eibe,  Sei  biefem  gefte,  baS  nur  einen  Säg  bauerte,  marb  ein 
Äatb  t>erfdj)offen,  unb  fanb  nadf^er  Sanj  im  ©aftyofe  jur  ©tabt  Sübecf 
©tatt.13) 

S)ann  fam  bie  Seit  ber  franjöfifd&en  $errfd&aft  unb  aud>  nad> 
wiebererlangter  ©elbfiftfinbigfeit  lebte  baS  alte  öttrgerfd&iefjen  nu^t 
mieber  auf. 


")  SKftnMtye  UefctUefertmfl. 


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343 

1866  befanben  ftdj  ju  £rat)emfinbe  no<^  bie  Ucberblcibfet  jrocicr 
galjncu,  roeld&e  oom  93ogelfd^icfecn  Ijerftammen  foDeit.  Sie  eine 
reddt  groß,  oon  bunfelrotljer  ©etbe  mit  btauf  gemattem  2lbler,  jetgt 
an  ber  unten  fc^r  ftarf  mit  ®Iei  befdjtagenen,  mit  rotljem  $udj 
überjogenen  unb  mit  gelben  ©etbenfranjen  oerjtetten  ©tange  jroei 
gemalte  Äronen  mit  bem  eingetriebenen  tarnen  Äötjn,14)  unb  an 
einer  anbeten  ©teile  bie  ^afjreSjaljl  1769.  93on  ber  jroeiten  galjne 
war  faft  nidjte  meljr  ju  erfennen. 

®a£  waren  bie  legten  Sftcfte  beä  einft  im  Seben  beS  ©täbtdjenS 
bebeutfamen  gefte«  be£  $ürgert>ogelfd)ie&en3 ! 


")  Sertmitylid)  ber  in  Weit  3  ertoäljnte  SBürgetfäfynrid)  Sofyann  $eter  Stcljn. 


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344 


2mi  ältere  ^rojeete  jut  SBeriunbung  be$  ®<Mf* 
mit  bem  9tafybux$tt  ®ee  unb  mit  ber  @foe. 

93om  6taat*ard)foat  ©entmann. 


^m  S^te  1587  rid&tete  bie  „gemeine  33ürgerf$aft"  an  ben  SRatti 
von  Sübedf  bie  Sitte,  auf  eine  SSerbinbung  be8  ©d&aüfee  mit  bem 
9la|jeburger  ©ee  33ebad&t  ju  nehmen,  unb  fefcte  bie  mannigfad&en  2Jor* 
tfyeite,  weldfje  eine  fold^e  SSerbinbung  jur  golge  Ijaben  würbe,  av& 
cittanber.  S)ie  SBadtnife  fttljre  weitaus  ntdfjt  fo  mel  SEBaffcr  an  bie 
©tabt,  als  ju  einem  ununterbrochenen  betrieb  ber  SRüljlen  erforbep 
Ud&  fei;  bie  SBädter  würben  baburdf)  genötigt,  U)r  Äorn  läufig  auf 
entfernten  3Rfil)len  mahlen  ju  laffen,  bie  Trauer  fönnten  nicfct  t)in* 
längltd)  ÜJlalj  befommen,  baburd)  leibe  ntit  blöd  baä  ©emerbe  be$ 
93acfen3  unb  SrauenS,  fonbern  aud&  ber  &anbel,  e$  fei  immer  eine 
größere  Sladrfrage  na<$  ©etreibe,  SDle^l  unb  Äom  twrljanben,  al£ 
ber  Kaufmann  befriebigen  fönne.  gerner  feljte  eS  an  &olj,  fomo^l 
an  ©tabfjotj  unb  33anbf)olj  für  8öttd&er,  als  an  Sauljolj  ju  ©d&iffen, 
unb  audfj  barauS  entfiele  empfinblid&er  SRadfjt&eil  für  ben  $anbel 
2Benn  nun  baS  SBaffer  be$  ©djallfeeS  jugleid)  mit  bem  beS  9ta&e- 
burger  ©ee«  burdtj  bie  SBacfnifc  feinen  abrufe  finbe,  fo  werbe  man 
fortmäljrenb  tynlänglid&e  2Baffcrfraft  Ijaben,  man  werbe  an  bem 
©d&attfee  $otj  in  SKenge  befommen  fönnen,  benn  er  fei  von  ben 
ijerrlidfrften  Sßalbungen  umgeben,  aud&  ©etreibe  fei  auf  fold&e  SBeifc 
fjerbeijufd&affen.  3Han  Ijabe  bereits  mit  ben  anwoljnenben  2ß>eUgen 
SRüdfprad&e  gehalten,  weld&e  baS  SBerf,  afe  aud&  tyrem  3ntereffe  fu> 
fagenb,  ju  förbern  unb  ju  unterftüfcen  bereit  feien. 

©er  9tatl>  ging  auf  ben  ©ebanfen  ein.   S)rei  feiner  3Jlitglieber, 
6orb  2Bolter$,  3oad&tm  äBibbefmg  unb  ärnb  SBonnuS  matten  W 


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345 

ote&alb  auf  ben  2Beg,  um  bie  Socalitäten  in  Slugenfd&ein  ju 
warnen.  3"  ifjrer  ^Begleitung  befanben  fid^ber  Saumeifier  £an* 
wn  Stöbe,  bet  3Raurermeifter  Sßeter  S)ame3,  ber  SärUHeriemetfler 
&m3  grefe,  ber  SJHtylenmeifter  $an3  gtnämann,  &e*  ©d&teufenmetfier 
$itrid&  Sogt,  ber  3intmetmetfter  3)iebrid&  2Bitte,  unb  mehrere  Srauer. 
6ie  fanben  ba£  Sßroject  in  ber  2$at  ausführbar  unb  legten  bem 
Statte  folgenben  Sßlan  unb  Äoftenanfd&lag  oor: 
aus  bem  ©djaQfee  bis  an  bie  SRüljle  ju  Sufcoro  .      45  Stützen 

längs  ber  S5ed  in  ben  ©otbenfee 252      * 

bur#  ben  5ßapenbif  in  ben  2Rufiiner  ©ee    ...    360      * 

bis  in  ben  Sütfenfee 105 

bis  an  ben  9Rujimer  3Wer 56 

burd^  ben  SRujliner  3cfer  bis  an  baS  ©rammenmoor  .      75 
burefc  baS  ©rammenmoor  big  in  ben  ©rammenfee  .    120 
wn  bem  ©rammenfee  in  ben  Sanforoer  ©ee     .    .    120      * 
au«  bem  Sanfomer  ©ee  in  ben  3Red&on>er  ©ee  60      * 

aus  bem  aJted&omer  ©ee  burd)  baS  $apenl)ol$  bis 

an  ben  ©erg  bei  bem  5Rienljufe 560 

tardfr  ben  33erg  bei  bem  SRienljufe 24      * 

tox$  eine  SBiefe 140 

bis  in  ben  3tafeeburger  ©ee 300 

Summe  2217  Stutzen. 
Die  aRefjrjaljl  ber  §ier  genannten  Orte  finbet  fidf)  entroeber  in 
Sdjjtfber  unb  ?Kernafcft'S  Topographie  oon  $olftein  unb  fiauenburg 
•ber  in  SRaabe'S  2Jte(Itenburgifd)er  äiaterlanbSfunbe  angegeben. 
<8mge  fehlen,  bod&  läßt  fid^  bie  Stiftung,  roeld&e  ber  Äanal  nehmen 
fofoe,  auf  ber  Äarte  leidet  verfolgen.  Solan  mahlte  mol)t  nidfit  fo* 
tw^l  ben  ffirjeften  2Beg,  als  benjenigen,  roetdfjen  mau  am  tetd&teften 
«nb  mit  ben  geringen  ßoften  ausführen  ju  fönnen  glaubte.  S)er 
Snfdjlag  mar  felbji  für  bie  bamalige  3eit  äufeerft  mäßig.  @S 
warbe  angenommen,  bafe  ber  Äanal  burdtjroeg  anbertfyalb  Stutzen 
breit  fein  muffe.  Um  fym  eine  burdfjroeg  gleite  Siefe  ju  geben, 
war  je  nadb  ber  größeren  ober  geringeren  ©rbebung  beS  SobenS 
ei»  Wir  mfd&iebeneS  9Ra&  ber  Arbeit  erforberlid&.  pr  bie  größere 
$äfte  be$  SBegeS  reifte  eS  tjin,  brei  SHen  tief  ju  graben,  an  einigen 
Stellen  genügte  es  an  jroeien,  bagegen  mufete  man,  um  burdf)  bie 
Jbtytye  }imfd>en  bem  SDtedfjomer  ©ee  unb  bem  Stafceburger  ©ee  ju 
harnen,  ftebjeljn  ®llcn  tief  ge^en.  Arbeitslohn  mar  in  jener  3eit 
*fc  grofe.  Ungead&tet  ber  roedfrtelnben  Siefe  mürbe  bodfj  bie  Sängen* 


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346 

tutfje  in  her  Segel  gleichmäßig  ju  fed&S  ©dringen  (4$  ©itbergrofd&en) 
beregnet,  nur  für  bie  $ur<$fted)ung  ber  2ln!)öf)e  unb  für  ben  legten 
Streit  ber  Slrbeit  in  ber  unmittelbaren  -Kälje  be8  ©ee$,  „beweil  ibt 
lufjter  fieingrunbt  tfi,"  ba«  Stoppelte,  jwölf  ©d&UUng  (9  ©ilbet* 
grofd^n).  auf  fotdfje  SBeife  betrugen  bie  Äoften  beS  eigenrtid^en 
©rabenS  oon  2217  Stutzen  nid&t  me^r  als  6053  00f  lOfl.  äußer 
bem  ©roben  felbft  würben  nodf)  fed&$  SJrüdten  unb  neun  ©d&leufen 
projeetirt,  für  erfie  170  ##,  für  ledere  18000  n$  oeranfd&lagt 
©o  belief  fid&  benn  ber  Äoftenanfd&tag  in  ©umma  auf  24,223  mJÜ 
10  fJ.  3Ran  wirb  aber  an  ber  ganjen  arbeit  etwas  irre,  wenn  man 
bie  Semerfung  finbet,  ber  ©d&allfee  liege  fedEjjig  ©Den  l)öl)er  al*  ber 
Slafceburger  ©ee,  unb  man  wirb  ftd&  nid&t  wunbern,  toenn  butdj 
fold&e  SJorpeDung  bie  gfurd&t  entftanb,  es  tonne,  jumal  wenn  in 
ÄriegSjeiten  bie  ©d^leufen  befd&äbigt  mürben,  baS  SBafferm  ju  gto&er 
ptte  unb  mit  ju  großer  Äraft  anfhömen  unb  Stäben  anrieten. 
S)ie  £ed&nifer  gelten  bie  ©eforgnife  für  unbegrfinbet,  unb  es  ifl 
aufy  woljt  anberen,  nidf)t  befannten,  ttrfad&en  jujufd&reiben,  baß  baS 
^rojeet  nid&t  jur  SluSfütjrung  fam. 

S)er  Pan  einer  SBerbinbung  beS  ©d&aUfee  mit  ber  @(6e  ging 
Don  5Kagbeburg  aus  unb  fam,  wie  eS  fdbeint,  juerji  bei  einem  im 
3. 1604  in  Sübedt  gehaltenen  ^anfetage  in  ^rtoatfreifen  jur  ©pradje. 
2>ie  Sbfid&t  ber  SRagbeburger  ging  batyin,  eine  unmittelbare  Jpan* 
belSperbinbung  mit  Sübedt  anjufnüpfen.  5Daju  war  ber  Sanbroeg, 
als  ju  lang  unb  ju  f  oftbar,  nidfjt  geeignet,  ber  SBafferweg  burd> 
bie  ©tedtnifc  ntd&t,  weil  auf  bem  Äanat  nur  Keine  ©dfjtffe  geljen 
fonnten.  @S  beburfte  eine«  breiteren  unb  tieferen  ÄanalS.  SRadfc 
bem  nun  Sübedttfd&e  Äaufleute  für  baS  neue  Sßrojlect  gewonnen  wa- 
ren, trat  ber  Statfj  Don  2Kagbeburg  mit  einem  förmlid&en  antrage 
an  ben  Statlj  von  Sübedt  l)ert)or.  ©iefer  mar  ber  ©a<$e  an  ft<$ 
nid&t  abgeneigt.  3mtä#  a&tt  fanben  fidfj  politiföe  Sebenfcn, 
bie  grage  nemlid^,  ob  bie  beiben  benachbarten  ^erjoge  t>on  Sauen- 
burg unb  3Hedtlenburg  bie  Anlegung  eine«  ÄanalS  burd&  Üjre  ©ebiete 
geflatten  mürben.  3Rit  bem  &erjoge  granj  IL  t>on Sauenburg  ftanb 
Sübedt  bamals  in  fo  fdfjledfjtem  3Sert>cttmß,  baß  eS  nid&t  einmal 
Unterhaltungen  anjufnüpfen  wagte,  ba  man  fürchtete,  baß  bet 
&erjog  feine  @inmiHigungf  wenn  er  fie  überhaupt  gebe,  an  unan* 
ne&mbare  Sebingungen  fnüpfen  werbe.  S)er  9flat^  von  SRagbefourg 
übernahm  eS  ba&er,  bie  Einwilligung  ju  erwirf en.  3)er  ^erjog 
mad&te  feine  ©<|wierigfeit.  3war,  ben  Sfibedfem  etwa«  ju  ©efaBcn 


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347 

ja  tipn,  war  er  nid&t  geneigt,  benn  fte  feien  unbanfbare  Seute 
fms:rati  homines),  er  woflte  aud(>  überhaupt  gar  nid&t  mit  itjnen 
tauber  Der^anbeln;  aber  ber  ©tabt  SWagbeburg  woflte  er  fidf)  gern 
gefällig  bewetfen.  Silur  bemerkte  er,  bafe  bie  neue  SBafferftra&e  mdfjt 
joflftei  werbe  fein  Rinnen,  ba  er  an  ©tedfm&jott  einbüßen  werbe 
tmb  bafür  @rfafc  l>aben  muffe.  @r  madfjte  femer  auf  bie  -Wotywenbig* 
feit  oufmerffam,  audf)  bie  ©inwifligung  be8  ißerjog«  oon  SRedtlenburg 
ju  «langen.  9Rit  biefem  ftanb  Sübeä  in  gutem  Serne^men  unb 
wrr  bereit,  ftd&  an  Ujn  §u  wenben,  bodf)  fam  e£  nid&t  baju,  benn 
e$  erf>ob  jtd&  bei  ben  weiteren  SJer^anblungen  eine  anbere  ©d&mterig* 
teil,  bie  nid&t  ju  befeitigen  war.  ©te  lag  in  ben  Soften.  S)er  9tat^ 
wmSWagbeburg  war,  irregeleitet  oermutljlicl)  burdj)  bie  Serid^te  feiner 
Sbgeotbneten  über  bie  Stimmung  in  Sfibedf,  immer  von  ber  Sfoftdfjt 
ausgegangen,  bafc  tym  nid&t*  Sfabereä  obliege,  ate  bie  3ufHmmung 
h*  §wj*>g3  oon  Sauenburg  $erbeijuf<ljaffen,  unb  wteS  jebe  SetljeiU* 
jung  bei  8luf bringung  ber  Äoflen  t)on  fid&  ab.  $)te$  muffte  benn  bem 
Satije  ©on  SfibedE  Skranlaffung  werben,  genauer  ju  erwägen,  ob  in 
bem  ju  erwartenben  Oewinne  ein  ©rfafc  für  bie  aufguwenbenben 
Äofrn  liegen  werbe.  ©iefe  würben  auf  150,000  3$aler  angefdfjlagen. 
Segnete  man  bie  3infcn  Ju  W  ^ßrocent  unb  naljm  bie  jä^ttid^en 
ttntetfyrftungSfofien  ju  2500  2$aler  an,  fo  ergab  fidf)  eine  jäljrlidfie 
StaSgabe  tum  10,000  Jätern.  Um  biefe  burd^  einen  3oß  oon  ein 
|alb  ^rocent  oom  SBertf)  ju  bedten,  Ratten  jäljrlidf)  für  jwei  SJliQionen 
t^aler  SBaaren  auf  bem  neuen  SBafferwege  uerfanbt  werben  muffen. 
$atan  war  aber  ni<f)t  im  (gntfernteflen  ju  benfen.  Qm  ©egentjjeil, 
man  fanb,  als  man  fidjj  bie  SSer^ältniffe  anfd&aulid^  mad&te,  bafc 
fitetatt  nur  ein  geringer  SSerte^r  mit  SWagbeburg  ftattfinbe.  $u 
Wen  fei  üon  ba^er  nidfjtS  als  9Jtttylfieine,  bie  überaß  nid&t-wotyt 
ju  ©affer  tranSportirt  werben  Wnnten.  S)er  Vertrieb  fd&webifd&er 
unb  tuffifd&er  ^robucte,  ©tfen,  Äupfer,  §anf,  Seinfaat  u.  bgl.  nad& 
SJogbeburg  unb  in  bie  ©Ibgegenben  gefd^e^e  oon  Hamburg  unb 
Sternen  au$,  unb  t$  würbe  ben  Süberfifd^en  Äaufleuten  nid&t  mög* 
1$  fein,  babei  ju  concurriren.  3Ran  würbe  baju  galpjeuge  Ijaben 
mijfen,  bie  weit  gröjjer  feien  al$  bie  ©tedfnifcfd&iffe,  man  fei  mit 
km  galjrwaffer  ber  @tbe  ntd&t  befannt,  unb  e8  fei  nid&t  einmal 
ftyet,  ob  bie  einzelnen  Stegierungen  fiübecftfdjen  galjrjeugen  bie  93e* 
adjttgung  jugeftefcn  würben,  bie  (Slbe  hinauf  ju  fahren.  3ud^  §abe 
We  früher  feljv  bebeutenbe  SSerfenbung  oon  SBier  nad^  §oBanb  ganj 
aufgehört    Qum  S3erftänbni|  ber  ©abläge  mufe  nod&  in  Slnfd&tag 


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348 

gebrad&t  werben,  bafe  @pebttüm**$anbel  bamotö  nid&t  getrieben 
mürbe,  im  allgemeinen  auä)  nidjt  erlaubt  mar.  SBenn  frembe  Ä# 
leute,  }.  33.  Hamburger,  Saaten  burd)  Sübed  nur  burd&fityren  woll* 
tenf  io  mufften  fle  für  ben  einzelnen  gafl  um  ©rtaubnife  nadfrfufyn. 
dagegen  gefdjal)  es  öfter*  r  ba&  Sübedfifdje  Äaufteute  SBaaren  aud 
©darneben  unb  Stofclanb  nad&  ben  meftlid^en  Säubern  brachten,  ol>ne 
fiübed  ju  berühren. 

Unter  foldjen  Umftänben  glaubte  ber  SRaty  oon  Sfibed  bie  §er> 
beiföaffung  ber  gefammten  Sofien  ebenfalls  ablehnen  ju  muffen,  unb 
ba  man  fi$  nid&t  einigen  tonnte,  gerfiel  ba«  ganje  Sßroject  Sie 
SSoroer&anblungen  ^aben  mehrere  3a£re  gebauert  unb  ber  getjog 
granj  naljm  lebhaften  Stnt^eil  baran.  @r  liefe  für  bie  Sferbinbung 
be«  ©djjaQfee  mit  bem  SRafeeburger  See  eine  neue  bebeutenb  türjere 
Smie  auSmeffen.  3n  vodtyx  Seife  man  au«  bem  ©djjaUfee  in  bie 
ßlbe  fommen  wollte,  ift  ntdjt  me&r  gu  beurteilen,  ba  bie  angefer« 
tigten  3^ttungen  unb  Äoftenanjd&läge  nidjt  erhalten  ftnb. 


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349 


X1I1. 

©a*  Xübt&tt  2U<f>to. 

93orttcig, 

am  so.  2Rai  1871   in  ber  erften  SBerfammlung   be$   £anftfd)eu   ©f|'d)id)tWcrein« 

gf galten  »cm  @taateard>toat  fficfjtniann. 


vct  Setein,  ben  wir  eben  gegrünbet  fjaben  unb  ber,  wie  ju  mint* 
Wen  unb  ju  hoffen  ift,  eine  nodj  weitete  unb  rege  ^Beteiligung 
jhtben  wirb,  ljat  fid)  bie  Aufgabe  gefteflt,  in  bie  ßrforfebung  ber 
frü^ren  2}ert)ältmffe  ber  ehemals  fjanftfdjen  ©täbte  ©emeinfamfeit 
unb  mögtidjft  engen  3ufammenf)ang  ju  bringen,  unb  er  beabftdjtigt, 
jä^rUd^e  SJerfammlungen  ju  galten,  um  ben  ©ebanfenauStaufdf)  ju 
erteiltem  unb  Gebern  ben  Sortfjetl  eigner  unmittelbarer  änfdjauung 
}u  gewähren.  @S  fann  rooljl  nidjt  unpaffenb  fein,  wenn  man  ben 
Stetem  an  ben  Orten,  roo  er  fi$  oerfammelt,  mit  einer  §inroeifung 
auf  dasjenige  empfängt,  roa$  ftc§  iljm  bort  ©igentf)ümUdje8  unb 
feinen  %xotätn  @ntfpre<$enbe3  barbietet.  ©aburd)  wirb  ber  Slufmerf* 
fam!eit  fogteidf)  eine  beftimmtere  Stiftung  gegeben  unb  jeber  (Sinjelne 
letzter  in  ben  ©tanb  gefefct  ba3  ifjm  befonberS  3u^9^n^e  t)erau& 
jufmben  unb  ju  mahlen.  Unb  roo,  wie  es  rooljl  an  Dielen  Orten  ber 
%aü  fein  wirb,  ber  Stoff  ju  umfangreid)  unb  ju  mannigfaltig  ifl, 
um  fid)  iu  einer  ©efammtbarfießung  oerbinben  ju  laffen,  mag  au<# 
fäjon  eine  tfjcilroeife  2Rittljeitung  ber  angebeuteten  3lrt  nid^t  un* 
jtoedmäfeig  unb  nidf)t  unroiHfommen  erf feinen.  $)a$,  geeljrtcfie 
fetten,  mar  bie  Sfofidjt,  von  ber  ic§  ausging,  als  xä)  mid)  ju  bem 
Sortrage  erbot,  ben  W&  *>or  S^nen  ju  galten  im  Segriff  bin.  @S 
lag  mir  natje,  baS  Sftdjio  ju  mahlen  unb  S)aS  bebarf  rooljt  faum  ber 
©ntfdjulbtgung.  ardfjioe  fmb  nid)t  bie  einjige,  aber,  fo  ju  fagen, 
bie  bteitefte  ©runblage  ber  ^iftotifdjen  SBiffcnfdjaft,  nidjt  bie  einjige, 
aber  bie  rettijljüitigfte  Ouelle  unferer  gotfdjungen,  übetbtcS  ®a$je* 
nifle,  roa$  fid>,  ber  Statut  ber  ©a$e  nadj,  ben  ©liden  am  meiften 


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zedby  G00gk 


350 

entjieljt  unb  wobei  e«  am  meiften  eine«  pf)rer«  bebarf,  um  6tma« 
^erauSjuftnben.  Ob  aber  bie  attetnung,  ba&  ba«  tyiefige  Slrd&io  für 
fidj  fd^on  binlängtid&en  ©toff  ju  einer  3)litt§eilung  barbietet,  nur 
auf  persönlicher  Voreingenommenheit  beruht,  barüber  werben  ©ie 
balb  felbft  ein  Urtljeil  tyaben.  3$  wenbe  mid)  fogleid^  jur  ©ad&e 
unb  l)abe  nur  jwei  Vorbemerfungen  ooraufjujd&icfen. 

@«  giebt  in  unserer  ©tabt  mehrere  Slrdjjwe,  ba«  ©t.  Qo^anniS^ 
Älofter  befifct  ein«,  ebenfo  ba«  £eU.*@eift  *£o«pttal,  unter  ben  jttc* 
d&en  in«befonbere  bie  3Rarienftrdje.  grüner  befafe  aud&  jebeö  ber 
faufmännifdfjen  (Megien  ein  meljr  ober  weniger  umfangreiche« 
2lrdf)to,  unb  al«  fie  1854  fidf)  ju  einer  Äaufmannf<$aft  wreinigten, 
mürben  aud&  i^re  Strc^toe  ju  einem  ©efammtard&io  oerbunben,  wet* 
tytä  je^t  bie  Äaufmannfd&aft  beftfct,  ein  audf)  an  älteren  Stad&rid&ten 
reidjje«  unb  {)ö#  wertvolle«  Slrd&to.  ©o  weit  alle  btefe  ärd&toe 
Urfunben  enthalten,  bie  jur  aufnähme  in  ba«  Urfunbenbud&  geeignet 
waren,  ftnb  fie  benufet  worben;  übrigen«  aber  finb  fte  mir  ju  wenig 
befannt,  meine  3Rittt)eilungen  befd&ränfen  fidj  auf  bog  ftäbtifdje  ober, 
wie  wir  jefet  fagen,  ba«  ©taatöard&to. 

S)ie  jweite  ©emerfung  ifi  faft  felbftoerfiänbli^. 

@«  wirb  nt<$t  uon  bem  abminiftrattoen  Eljeile  be«  Slrd&toe«  bie 
Siebe  fein,  fonbem  nur  oon  bemjenigen,  ber  ein  &tftorifd(>e«  3ntereffe 
\)at  unb  bie  3Katerialien  jur  Äenntnife  ber  Verl)ältmffe  be«  SRlttel* 
alter«  enthalt,  greilidf)  ift  ba  nid&t  überall  ein  beftimmter  äbfdj)lu& 
möQliä)  unb  eine  beftimmte  ©renje  ju  jie^en.  Sie  fe&r  audlj  bie 
©egenmart  mit  ber  Vergangenheit  gebrochen  §at,  unb,  oon  ganj 
anbern  Sfofd&auungen  au«gel>enb,  uielfa^  fd&on  ba«  SBort  mittel- 
altetlid)  in  SKifefrebit  ju  bringen  unb  alle  au«  bem  Mittelalter 
ftammenben  3ufiänbe  aufju^eben  bemüht  gewefen  ift,  fo  ragt  bodjj 
gerabe  in  unferer  ©tabt  bie  Vergangenheit  nod&  oielfadj)  in  bie 
©egenw.art  hinein,  unb  mand&e  befteljenbe  ©mridfjtungen  baben  i^ren 
Urfprung  unb  red&tltd&en  ©runb  in  längfi  entfd&wunbenen  Qa^r^un» 
berten.  SDtöge  e«  erlaubt  fein,  batwn  einige  Veifpiete  anjufü^ren. 
Salb  naä)  ber  ©rünbung  be«  8i«t^um«  Stafceburg  verfügte  &etnridj) 
ber  Söme.  um  bie  ©infünfte  ber  ©om^erren  ju  trcrmeljren,  bafe  jebem 
berfelben  jä^rlid^  2  n$  unb  bem  tropfte  3  rr$f  im  ©anjen  alfo 
27  rr$,  au«  ben  Solleinnahmen  in  ber  ©tabt  Sübedf,  über  weld^e  er 
bamal«  ber  Dberberr  war,  an  ba«  S)omcapttel  ju  3tafceburg  bejaht 
werben  foDten.  S)ie  betreffenbe  Urfunbe,  turnt  Q.  11 62  batirt,  ifi 
nadfj  bem  Original  im  bifd&öfltd&  9ta|eburgif$en  Slrd&ü)  ju  9teu* 


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zedby  G00gk 


351 

ffrelifc  im  SRecHenburgtfdjen  Urhmbenbud)  gebrudt. *)  ©ie  27  ??# 
fmb  an  ba*  9ta|eburger  S)omcapitet  bejaljlt,  fo  lange  es  beftanb, 
ttitb  als  c8  im  meflpljätifdjen  grieben  aufgelöfi  nmrbe,  gingen  fte 
an  bie  Sted&tenadrfolgerin  betreiben,  bie  3Re<flenburglfcfje  Stegierung, 
über.  S)iefe,  je$t  bie  SRecftenburg*©treU#fdf)e,  ergebt  unb  erhält  fte 
no$  immer  iäljrlid),  unb  jmar,  aßet  feit  1162  vorgegangenen  9Ser* 
finberungen  be£  9Rfinjfu&cS  ungeadjtet,  immer  nodj  in  bem  gleiten 
Setrage  von  27  n$,  unb  fte  ge§t,  weit  urfprüngUd)  bie  Summe 
aus  bem  an  ber  $oljtenbrtt<fe  erhobenen  Solle  genommen  mürbe, 
no$  fcute  unter  bem  9Jamen  ratione  pontis  Hobatici.  SBenn  in 
Metern  gaKe  Sübed  einen  SSort^eil  barauS  jteljt,  bafe  ber  urfprttng* 
ti$e  Stfinjfufe  bei  ber  3al)lung  unberüäfid&ttgt  bleibt,  fo  t)at  e«  in 
einem  anbem  gatte  eben  barunter  beträd>tlidjen  SWadjtyetl  ju  leiben. 
3«  3-  1276  wrfoufte  $erjog  3o§ann  I-  von  8raunf$meig  unb 
SJßneburg  eine  jä^rlid^e  Abgabe  von  50  n$  Silber,  ^erjogenfilber 
genannt,  toeU&e  bie  Süneburger  Saline  i^m  ju  jaulen  nerpflid^tet 
war,  an  ben  Sfibeder  Bürger  Siegfrieb  von  ber  Srügge,  unb  biefer 
fcrfaufte  fie  1281  an  ba«  St.  Qoljanni&Älofter  unb  an  ba«  $eil.* 
8eift*$o«pital,  an  jebe  ber  beiben  Stiftungen  jur  $älfte. *)  S)ie 
Ddunben  über  biefe  SBerfäufe  finb  in  Originalen  twljanben  unb 
abf$riftlid&  in  ©opiarien  eingetragen. s)  3lud)  ift  im  Original  nodj 
wr^anben  unb  im  »efifc  be«  St  3o&auni«*Älofler«  bie  Urfunbe 
wn  1289,  bur$  roel^e  $erjog  Otto  ber  Strenge  ben  beiben  Stif* 
hingen  ben  Oenufe  ber  Stente  betätigte,  inbem  er  fid&  nur  auf  brei 
$afjxt  ba«$fi<ffouf«red)t  norbe^ielt4)  ©er  Sftücffauf  ift  ni$t  erfolgt, 
We  beiben  Stiftungen  ergeben  bie  Stente  no$  t)eute,  aber  bie  SJtorf 
Silber  wirb  nod>  immer,  wie  1289,  ju  28  Sttbeclifd&en  Sd&illtngen 
betedjnet  3n  ä$nlt$er  Sage  befinbet  ftd&  ba«  St  3ol)annt«*Älojfer 
in  öejug  auf  eine  3ö&fong,  ^e  e*  *on  bem  3Wagiftrat  t>on  §etli* 
(jen^afen  jd^rlid^  ju  empfangen  fjat.  ©8  ermarb  biefelbe  1379  burd) 
ben  SSetfauf  von  Orunbftüäen.  Sie  mürbe  bamal«  auf  75  n$  be* 
flimmt 5)  unb  wirb  nod&  jefet  mit  75  rrfy  geleiftet.  S)er  mel>rfa<J) 
ßema^te  S5erfud>,  eine  bem  veränberten  2Wttnjfu{$  me^r  entfprec&enbe 


')  »erfkiib.  Utf.*»ud>  $b.  I.  M  74. 
*)  Sftfr.  Urf.*93tt<t)  £&.  I.  M  373  unb  420. 

•)  5)et  Äbbrucf  ift  nad)  ben  (Solarien  gefd)el>en,  ba  bie  Originale  erft  fpäter 
yfwben  nmrben. 

*)  dbenb.  $$.  II.  M  69. 

*)  dbrnb.  Z\).  IV.  M  358  unb  359. 


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352 

Ballung  ju  erlangen,  ifl  juleftt  1844  bur<$  Urteil  be«  Dbergerid&tS 
in  ©lüdtftabt  unb  1846  von  bem  DberappeHationggertd&t  in  Äiel 
jurüdfgeroiefen. 6)  SKber  e3  finb  nidjt  btoft  @elbt>erl)ättnifTe,  roeld&e 
einen  fo  weit  Ijinaufreid&enben  Urfprung  {jaben,  fonbern  audjj  anbete. 
1291  nerfaufte  £erjog  Sttbred&t  II.  von  fiauenburg  für  fid)  unb  als 
ä>ormunb  feiner  Steffen  ber  ©tabt  Sübedf  baS  Sßaffer  be«  SRafcebur* 
gcr  ©ee3  unb  ber  SBadnife  mit  ber  öefugnifc,  e$  jum  93eljuf  tyrer 
9Bül)len  bis  ju  einer  genriffen  Sgöty  auf jujlauen. 7)  ®iefe  ©efugnifc 
cyiftirt  nod&  heutigen  £agc3  eben  fo,  ba$  ©taumal  tjat  btef  elfte 
£öl>e,  fteljt  immer  an  gleicher  ©teile,  unb  ba*  SJerfaljren,  roeld&eS 
in  ber  Urtunbe  oon  1291  für  bie  gälle  vereinbart  ift,  wenn  e3 
einer  (Erneuerung  bebarf,  ifl  nodf>  nor  wenigen  Sauren,  als  biefe 
9tot§roenbigfeit  eintrat,  beobachtet  morben.8) 

©&  mürbe  gewifc  von  $ntereffe  fein,  ju  erfahren,  ob  äljnlidje 
(Srfd&einungen  unb  meldte  in  ben  SBerfjältnifJen  anberer  ©täbte 
üorlommen. 

9laä)  biefett  SSorbemerfungen  roenbe  idfj  mid&  §u  bem  eigentlichen 
©egenflanbe  meines  Vortrag«,  bem  Diepgen  2rd(jto.  S)en  nri<$* 
tigften  S^eil  beffelben  bilben  bie  Urfunben.  ©ie  finb  jum  erfien 
sJ)tale  t>or  etroa  tyunbert  Qa^ren  von  bem  ©pnbicuS  2)rei)er  t>erjeidf>* 
net,  babei  aber  l)auptfäd&li<f)  nur  biejenigen  berüdffid&tigt,  roeldje  eine 
33ebeutung  für  bie  poliüfd&e  ©efd^id^te  Ijaben,  namentlich  bie  mit 
auswärtigen  gürften  gefd&loffenen  $anbelgnerträge,  bie  f.  g.  $thri* 
legien.  3Kit  Unrecht  l>at  S)reijer  eine  SRenge,  bie  in  biefe  Äategorie 
nid&t  gehören,  entmeber  ganj  unbeachtet  gelaffen,  ober,  oft  jum 
großen  ©dfjaben  ber  anljängenben  Siegel,  in  2lctenfa8cifel  gelegt, 
unb  idj  benfe,  idf)  bin  nidf)t  ju  weit  gegangen,  wenn  idjj  in  bie 
neueren  SSerjeid^niffe  äße  aufgenommen  Ijabe,  bie  fid^  eben  fanbeti, 


•)  2>it tmer,  Utftmwg,  Verlauf  unb  9lu«gang  eine«  90jäfctigen  9ted>t* 
flreittf  jn>ifd)en  bem  ®t.  3o^annt«flo)let  ju  Sübrcf  unb  brr  ®ta*t  ^eiligeiiljafen. 
«übeef  1851. 

')  «Üb.  Urf.^UCf)  %f).  I.  M  576.   577.  578.  651. 

H)  (J$  fielen  gnxi  @taumale  neben  efnanbet.   53eibe  tragen  3nfd)tiften,  toeldj« 
bie  JWeigung  bed  SRttteialterö  gu  Steinten  bezeugen.    $>te  eiue  3nfd}dft  lautet: 
libera  semper  aqua 
curret  ad  hec  scripta; 
bie  anbere: 

be  fcrtye  »atetbrift 

föai  galjn  up  bfffe  färfft. 


^ 


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zedby  G00gk 


353 

obwohl  oiele  fiberall  ntd&t  öffentliche  ©erfjältniffe,  fonbern  nur  $ri* 
oatangelegenf>eiten  betreffen.  2)at)in  gehören  foldfje  ©d&reiben  an 
ben  SRatl)  oon  Sübedf,  in  wetzen  bem  Ueberbringer  Seitens  feiner 
Dbrigfeit  bezeugt  nrirb,  bafe  er  jur  @mpfangnaf)me  ber  iljm  burdf)  ®rb* 
fdjjaft  ober  burd)  teftamentarifd&e  Verfügung  jugefaHenen  ©fiter  beredt 
tigt  fei,  ober  in  roetöjen  ber  9tatlj  erfud&t  wirb,  mit  ©efdfjlag  belegte 
@üter  frei  ju  geben  unb  an  ben  Ueberbringer  oerabfolgen  ju  taffen. 
£a  in  folgen  ©d&reiben  fd&lie&Udfj  immer  bie  ©Ute  ausgeflogen  toirb, 
ber  9tot§  möge  ene  tooerftd&t  tjebben,  plenum  respectum  ad 
nos  habituri,  ba&  eine  abermalige  gorberung  ber  in  Sflebe  fietjenben 
©fiter  nid&t  erfolgen  toerbe,  fo  Riegen  fold&e  Schreiben  litterae 
rcspectivales  ober  tooerftd&tSbreoe.  6ben  fotd&e  ©riefe  finb  auf 
Stafudjen  einzelner  ©tirger  audjj  oon  bem  Statte  oon  Süfaecf  oietfadjj 
auSgefieflt,  fie  oertreten  bie  ©teile  ber  heutigen  ©ottmad&ten.  Stabere 
^rioaturfunben  finb  Urfprung&ßertificate  ober  fieumunbSjeugniffe 
ober  bergleidjcn.  ©8  befinben  fid&  toot)l  mandfje  barunter,  bie  für  ftdf) 
felbji  f aum  ein  Sntereffe  in  9fofprud&  nehmen  f  önnen,  aber  bie  meifien 
fcxben  e$,  wenn  aud&  nid&t  burdf>  bie  SBidbtigfeit  tyreä  ^n^attö, 
bodjj  bwcäf  gelegentlich  oorfommenbe  Angaben,  burdf>  ben  Ort,  mo^er 
fie  famen,  bur$  bie  3ufammenfteHung  mit  nieten  ä&nUdjen  ober  burdjj 
bie  Umftänbe,  meldte  fie  oeranlafeten.  ®8  fei  erlaubt,  einige  Sei* 
fpiete  anjufüljren.  9tod&  ben  Verheerungen,  roeldfje  ber  fd&toarje 
Xob  im  3. 1350  anrid^tete,  rourbe  eine  große  SRenge  oon  tooerfid&tä* 
bret>en  in  Grbfd&aftSangelegen^eiten  tjieljer  fiberbradjt  3)ie  ©cftor* 
benen  loaren  o§ne  B^ifel  tfctf*  Wx  anfäfftge,  auswärts  gebürtige 
»Ärger,  t&eitö  grembe,  bie  bei  einem  jufäHigen  Stufent^alt  fjtefelbft 
ben  Zob  gefunben  Ratten.  2Wan  fielet,  baß  bie  Slnja^l  ber  einen 
wie  ber  »nbern  bebeutenb  mar.  Sei  weitem  bie  meiften  ©riefe  ber 
Art  lamen  aud  toefipljätifd&en  ©tobten,  ein  ©etoei«  für  bie  ©tärfe 
ber  ©moanberung  oon  bort  fjer,  unb  für  bie  SDtenge  perfönltd&er 
©ejieljungen  ba^in,  bie  fid)  au«  biefem  ©runbe  nod&  erhalten  l)at 
ten,  aber  es  famen  audjj  oiele  auä  ©d&toeben  unb  au$  ben  baltifd&en 
Sanbern  in  Stufelanb. »)  3m  3.  1393  befd&toffen  bie  £anfeftöbte, 
ben  £ering*fang  in  ©d&onen,  roegen  oielfadf)  bort  erfahrener  ©etäjti* 
gungen,  für  ba3  3^^r  gänjlidj)  ju  unterlaffen,  audf>  bort  gefangene  unb 


»)  (Sin  foldjf«  ©^reiben  au*  ©tocfyolm,  toeldje«  bie  ©ettoüflungen,  bie  ber 
totale  %eb  anrityetc,  tety  anfd)auli$  barfieUt,  iß  a&gebrncTt  in  Hb.  Urf.^uß 
VfL  IV.  M  38. 


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zedby  G00gk 


354 

gefaljene  geringe  nid^t  ju  foufen.  3lu8  bemfelben  unb  bem  änfai 
beS  folgenben  3a$re£  Ijaben  wir  nun  eine  SDtenge  von  Ursprung 
Gertificatcn  über  geringe,  bie  an  ber  Sßommcrfd&en  Äüfte  gefang 
waren,  bie  meiften  aus  ©tralfunb,  einige  aud&  au«  ©reiföroal 
greienwalbe  unb  9Wigenwalbe,  au<$  einige  au8  bänifd&en  Stäbte 
Sie  jetgen  bie  Sßidjtigfeü  beS  £ering£l)anbete  in  bamaliger  3( 
unb  laffen  aud&  wemgftenä  einige  ©<$lüffe  auf  ben  Umfang  befielt* 
ju. 10)  ©ei  bem  Slufru^r  in  Sübedf  im  3.  1408  mu&te  eS  eine  b 
wefentlid&ften  ©orgen  be$  f.  g.  neuen  SftatfyS  fein,  bie  ©tabt  von  ix 
©Bulben  ju  befreien,  in  roeldje  fte  burd&  ba«  SSerfa^ren  beS  alt 
StatfjS  geftürjt  war.  3)iefer  §atte,  um  ©elb  ju  befommen,  et 
SRenge  Renten  verlauft,  grofjentljeite  in  Meinen  Sßöfien,  um  an  re< 
SBiele  verfaufen  ju  fönnen.  SRun  fyxben  wir  au«  ben  folgenben  $cfyv 
bretunbfedf)  jig  Quittungen,  in  weisen  bie  SfaafieHer  bezeugen,  ba§  j 
für  eine  vereinbarte  Summe  auf  ben  gortgenujj  ber  gefaufteu  Sien 
verjid&ten.  $>er  SBetrag  ber  9tente  wirb  überall  genannt,  ber  J8etr< 
ber  vereinbarten  Summe  nirgenb«.  S)aS  legt  bie  33ermutf>ung  nal 
ba&  ber  neue  9totl),  um  feinen  S^edt  Su  etreid&en,  fein  Sebent 
trug,  bie  SRenten  ju  einem  niebrigeren  Sinäfufj  eutjutöfen,  als 
meinem  ber  alte  9ta$  fte  verlauft  §atte.  Sudf)  Itfer  tft  e8  bie  SJteit 
ber  gletd&artigen  Urhinben,  weld&e  jeber  einjelnen  eine  öebeutui 
giebt. 

S)ie  angeführten  SSeifpiele,  beren  Qafyl  W  W$t  vermehr 
liege,  werben  genügen,  um  bie  8el)auptung  ju  rechtfertigen,  ba&  l 
©efd&t<$te,  wenn  fie  ben  Sebenain^alt  unb  bie  Sebenäformen  b 
aßittetalter«  erforfd&en  will,  ^rtvaturhmben  nid&t  unbead&tet  laff 
barf,  unb  biefe  verbienen  batyer  gewifj  tljren  Sßtafc  in  einem  SSfr^ 
heben  ben  öffentlichen.  2ludf>  Ijtnftdfjtttd)  ttjrer  aufnähme  in  1 
Urfunbenbüdfjer  brauet  man,  wie  i<$  glaube,  nid&t  attju  ängfU 
au  fein. 

3)er  SBorratl)  ber  Urfunben  ifl  burd&  3ufammenlegung  berfelb 
nadf>  Sänbern  unb  Sanbfdfjaften  in  einunbbretjjig  SRubrifen  georbn 
SäJenn  eS  babei  nidf)t  ju  vermetben  war,  bisweilen  Urfunben,  ber 
fad()Üdfjer  Qn^alt  in  SSerbmbung  fteljt,  in  verfd&iebene  Shibrilen 
bringen,  fo  würbe  (Sbenbaffelbe  bei  jeber  anbern  SintljetlungSba 
nodfj  viel  häufiger  $aben  ber  %aU  fein  muffen,    ©inige  2Me 


I0)  Sögt.  3eitfd^rift  b.  herein«  f.  Üb.  ©efö.  unb  »Ufrtyumafanbe   »b 
6.  129. 


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zedby  G00gk 


356 

um  nid)t  3ufamment)örtge*  in  unnatfirlid&er  SSJeife  §u  jerreifeen,  tion 
flrenget  ©urdfjfüljrung  be*  Sßrinrip*  abgewid&en  worben.  3n  ein 
$aar  gatten  ftnb  aud&,  wo  e*  gewiffermafcen  ftdf)  twn  felbft  ergab, 
Stubrifen  bem  ©ad^in^alt  entfpred&enb  gebilbet  SMe*  tfl  gefd&eljen 
mit  ©olbqutttungen,  Urfefjben  unb  getflUd&en  Urfunben.  ®ie  geo* 
graptyfdjen  dornen  gehören,  in*befonbere  fo  weit  fte  3)eutfdf)lanb 
betreffen,  ber  ©efdikfjte  an,  wie  bie  Urfunben  fetbfl.  ©te  ftnb 
tateinifd^f  weil  e*  früher  fo  ©Ute  war,  unb  aud&,  weil  e*  fo  bequem 
ifl.  $>te  latetmfd&e  Spraye  ifl  wegen  iljre*  9teid[)tl}um*  an  ßnbun* 
gen,  welker  gormwörter  entbehrlich  madf)t,  wie  ju  3nf Triften,  fo 
au$  §u  Ueberfd&riften  twrjugSmetfe  geeignet.  3)er  Umfang  ber 
einjelnen  SRubrifen  ifl  ber  SRatur  ber  ©ad&e  nad&  äufcerfl  oerfd&teben. 
$ie  ©efammtja^l  lägt  fid&  ntd&t  genau  angeben,  jum  %ty\l  au*  bem 
©runbe  nidjjt,  weil  audjj  nad&  ber  legten  3ä$un9  immer  no<§  einige 
neue  t&eit*  aufgefunben,  tlpÜ*  twn  SSorftefierfd&aften  einiger  ©tiftun* 
gen  in  banfenSmertfjer  SBeife  bem  airdfjio  überliefert  finb.  ©ie  be* 
tragt  ungefähr  ftebentaufenbbrettiunbert.  S)abei  finb  bie  SSibimuS  ober 
£ran*funtpte  nur  in  fo  weit  mitgejflljtt,  al*  eine  Urfunbe  nur  in 
einem  folgen  uor^anben  ifl.  S)ie  SSerjeid^niffe  ge^en  jmar  bt*  in 
bie  neuefle  3*ü  hinein  unb  enthalten  audf>  bie  legten  von  Sübedf 
abgefd&lojfenen  Vertrage,  aber  bodf>  täfet  ftdj  für  unfer  SJrdjio  eine 
Verlobe  ber  Urfunben  unb  eine  Sßeriobe  ber  Steten  unterfdfjeiben. 
Die  5Reformatton*jett  bilbet  gewifferma&en  eine  ©d&etbe  jwifd&en 
beiben.  S)er  3teid)tl)um  ber  Urfunben  l)ört  auf  einmal  auf,  unb 
wo  in  einigen  Stubrifen  nod&  neuere  Urfunben  ju  üerjetdfjnen  waren, 
totmnt  e*  mehrere  3Rale  t>or,  ba&  unmittelbar  auf  einanber  folgenoe 
Stummem  in  ber  3*ü  ton$  Qa^r^unberte  getrennt  fmb. 

SHe  uter  erflen  SRubrifen,  Bergedorflensia,  Borussica,  Bran- 
denburg^, Bremensia  ftnb  mdf)t  ja^lreid^.  3)ie  Borussica  enthal- 
ten, abgefetjen  oon  neueren  Verträgen  Sübedf*  mit  bem  Äönigreid^ 
^teufeen,  au«  älterer  3*ü  nur  Urfunben  au*  ben  ©täbten  in  bem 
heutigen  Dfl*  unb  SBeflpreu&en,  unb  biefe  Ijören  frül)  auf,  fo  ba& 
{arifefcn  U53  unb  1818  eine  Sfidfe  ift.  3a&foi$er  ift  bie  folgenbe 
Stubrtt  Brunsvico  -  Luneburgica,  bretljunbertunbfünf je^n  Urfunben 
et^oltenb,  bie  älteflen  batwn  finb  in  unferem  Urfunbenbudf)  abgebrueft, 
kmutter  mehrere  auf  ben  ^aunfd&weig*£üneburgifd&en  ©rbfolgeftreit 
bcjfiglid&e,  bie  fid^  in  $annooerfd&en  ärd&toen  ni<$t  pnben,  audf), 
mä  ber  3*ü>  to  wetd&er  Sraunfd&weig  au*  ber  $anfe  geflogen  war, 
cht  $aar  Urfprung*certificate  über  Del  au*  Jßttbe*f>etm  unb  Sßepne 

23 


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356 

>onig  au*  £Ube£l)etm,  roobutdj  man  einen  Slidf  in  bie  bam 
nbuftrie  gewinnt11)  Qntereffant  ift  eS,  eine  SRci^e  von  Ort 
)en,  bie  offenbat  im  SDtittelalter  bebeutenber  waren,  als  fie  je 
Dannenberg,  Sobentoerber,  3lttfelb,  Steten,  Stalenburg,  SKori 
jon  benen  mannet  jefet  oieDeid&t  nid&t  meljr  SJürgermeift 
tatl)  befiel  Qntereffant  ift  es  ferner,  ba&  unter  ben  Urfu 
f)  ein  unbefdjriebeneS  Sßergamentbtatt  mit  anljängenbem  ©ieg 
be«  Strengen  (1282— 1330)  befinbet.  SDlan  mufe  anne^mei 
:  e$  bur<$  einen  ©ecretatr  ju  einer  Skrtyanblung  Ijieljer  g 
&at,  meldte  nidjt  ju  ©tanbe  gekommen  ift,  unb  ba&  baS  23lc 
ier  jufäUig  ober  abftd^ttic^,  um  fpäter  nodf)  befdf>rteben  • 
t,  §ier  liegen  geblieben  ift.  S)ie  Sftubrif  fdjlie&t  ab  mit  ix 
gen  über  bie  Slblöfung  beä  ©taber  3°^  un&  **&**  to 
tanftalt  bei  Jßofjnftorf. 

&  folgen  bie  Caesarea,  an  ber  3^1  einf>unbertunboier,  ui 
er  juerjt  ber  Freibrief  griebridfj  StorbaroffaS  t>on  1188,  ber  in 
unb  bie  Stellung  Sübedtö  befKmmt,  bie  ältefle  Driginalurfunk 
befifeen,  bann.biebeibenUrhinbengriebrid&SIl,  inberen  ein 
Privilegium  3friebri<$  SarbaroffaS  beftätigt,  unb  in  ber  anbei 
ibt  bie  9teicfy&freil)eit  ©erteilt.  SJeibe  Urfunben  ftnb  boppelt  au 
jt,  eine  Ausfertigung  ift  mit  bem  faiferlid&en  ©iegel  in  8öad[j 
tbere  mit  ber  golbenen  SuDe  verfemen.  $)a\m  folgt  vt 
if)  oon  §ab$burg  an  bie  ganje  Steige  ber  beutfd&en  Äaif 
f  granj  II.  f>in;  ber  9tat§  l>at  ©orge  getragen,  bafc  bie  b 
oerlieljenen  9ted&te  unb  Sßrioüegien  oon  jebem  neu  enoä^lt« 

too  möglidf)  enoeitert,  toenigftenS  beftätigt  mürben.  5h 
it  II.  feljlt.  3)ie  (Srtoeiterungen  beftanben  junäd&fi  in  b 
Lifs  golbene  ÜKünjen  §u  f dalagen,  1340,  bann  in  bem  3Jed 
nräuber  unb  grieben$bre<$er  aud&  in  bie  ©ebiete  ber  benac 
gürften  §u  verfolgen  unb  bort  über  fie  ju  rieten,  137 
in  ber  SBerleiljung  be<8  9tedf)t$  de  non  appellando  unb  t> 
ng  ber  SppeflationSfumme.  2Jtajimilian  befiimmte  fie  juei 
auf  40  ©olbgutben,  Äarl  V.  1544  auf  200,  3tubolp&  1 
tuf  500.     gür  bie  3uftänbe  beS  9teid&S  unb  bie  ©tellui 

in  unb  ju  bemfelben  ift  es  einigermaßen  bejeid&nenb,  tx 
n  9tubol#  oon  £abSburg  oierunbpanjig  lirftmben  l>abe 
btoig  bem  Saler  fünfjel)n,  oon  Äarl  IV.  fünf^e^n  —  biejenij 


Hbsrbr.  Hb.  ttrf.*©ud>  %$.  IV  M  279  unb  «85. 


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357 

in  welket  er  bet  ©tobt  Sübedf  t>er^et§tf  bafj  fie  niemals  nom  Steid&e 
wwufjert  ober  wrpfänbet  werben  foQ,  ifi  mit  ber  gotbenen  Sülle 
«tje^en  — ,  uon  fjrriebridfj  HI.  jroeiunbbreifng,  t>on  3Kayimiltan  I. 
noi)  merjefyt.  gferbinanb  I.  bewies  ber  ©tabt  bie  lefete,  n>enngleid& 
fömt$e  prforge.  @r  beauftragte  ben  SBifd^of  ©eorg  von  9ia^eburg 
unb  ben  ^erjog  ttlridj  von  SWedflenburg,  roenn  bie  ©tabt  Sübedt 
wn  benad&barten  dürften  ober  Slbeligen  gefränft  ober  beeinträchtigt 
loerbe  unb  bei  tynen  Älage  fityre,  als  faiferXtd^e  ©ommijfare  gfittid&e 
Sermittelung  ju  t>erfud&en,  audj  nötigenfalls  Seugen  §u  citiren  unb 
ju  ueme^men,  beim  gelingen  beS  93erfud&S  aber  bie  Selen  nebfi 
Strid^t  beut  Statte  uon  Sfibedt  ein jufenben  unb  beibe  Parteien  an  baS 
Seu^mmergeridjt  §u  uerroeifen.  äffle  folgenben  faiferlid&en  Urtun* 
ben  jmb,  mit  ausnähme  einer  übrigen«  mirfungSloS  gebliebenen  9Ser* 
figung  SeopolbS  I.  ju  ©unften  beS  Status  in  einem  ©treite  mit  ber 
Wrgerfdjjaft,  nur  SJejtötigungen  früher  verliehener  Stcd&te.  @o  oiel 
9tötä  fd&roe&te  nod&  um  ben  fatferltd&en  SRamen,  ba&  ber  SRaty  in 
toter  9totf>  öfter«  ipfilfe  bei  iljm  nad&fud&te,  aber  bie  Äaifer  Ratten 
iri#S  als  3ftterceffionSfd&reiben  an  auswärtige  dürften,  bie  mir* 
tagÄoS  blieben.  S)ie  ©tabt  mußte  Upe  ©efd^iefe  Telbft  befttmmen 
aber  bulben.  3it  tiefer  äbtljeilung  liegen  audf)  bie  Urtunben,  meldte 
benSeutfd&en  ©unb  unb  bie  ^eilige  SHianj  betreffen,  aud&  baS  83ünb* 
m&  mit  ^reufeen  t>om  3.  1866.  äMetd&t  läßt  fid^  nod&  einmal 
wieber  eine  laiierlid&e  Urfunbe  hineinlegen. 18) 

Die  Äubrit  Confoederationes  ifi  ein  geograpt)ifd&er  9tott)bel)elf. 
Se  enthält  fünfunbfünfjig  Sünbniffe,  bie  uon  fo  trielen  S^eilne^ 
mern  geföloffen  mürben,  ba&  fie,  memgftenS  ber  9Ret)rjal)l  nad), 
einer  anbem  äbt&eüung  nid&t  jugerotefen  werben  fonnten,  inSbe* 
falbere  SJünbniffe  ber  ©tabte  entmeber  unter  einanber  ober  mit 
benad&barten  gürfien  ju  gegenfeitigem  ©d&ufce  unb  jur  ©id&erung 
ber  8anb*  unb  Säafferflraßen.  ©ie  fd&lie&t  ab  mit  ber  Urfunbe  nom 
24.  gebr.  1630,  burdj)  meldte  Sübedf,  Sternen  unb  Hamburg  fid^  }ur 
?«ije$ung  beS  alten  SunbeS  vereinigten  unb  fo  biejenige  Serbin* 
bmg  gifteten,  bie  ben  Wamtn  ber  $anfa  bis  in  unfere  Sage  erbat* 
tet  tytt  unb  awty  als  bie  9ledf)tSnadjfolgerin  beS  alten  §anfabun* 
bt*  wm  ben  ^Regierungen  r>on  ßnglanb  unb  SJelgien  anerlannt  ifi. 


w)  2>ie$ojfnnng  ifi  in  Erfüllung  gegangen.  $a«  SdjrefBen  90m  17.3anuar 
1171,  in  toeldjem  jtönig  3Bityeta  I.  Seine  fcnna&me  bet  5>eutfd)en  Jtaifemjßtbe 
ben  Senate  uon  Sftbecf  anjeigt,  ifi  neneibing*  in  biefe  fftvbxit  (ineingelegt. 

23* 


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358 

@S  folgen  Episcopalia,  einl)unbertunbfed()8unbadf)t§ig  Stumme 
9la^eju  bie  £älfte  betreiben  betrifft  bie  Streitigfeiten  bet  Stabt  i 
bem  Sifd&of  93urd&arb  t>on  Serfen,  ber  uon  1276  btS  13 17 
•  bifd&öflidfje  SBürbe  befleibet  Ijat.  gaft  tbtn  f  o  lange  lebte  er  in  Sti 
mit  ber  Stabt.  5Rur  ein  %\)dl  ber  Urfunben  ift  tljeilS  in  bem  Urfunb 
budfj  ber  ©tabt  ßübedf,  tljeitS  in  bem  Urfunbenbucfj  be8  SiSt&umS 
brudft;  eine  Sfojaljt  benfelben  ©egenftanb  betreffenber  äctenfhidte  gi 
bie  Sd&le8roig*£otjieimf<$e  Urfunbenfammlung  nadf)  einer  äbfd&r 
bie  einem  gletd&jeitigen,  jefct  wie  e3  fd^cint  in  ber  Sibliot^ef  \ 
©rafen  t>on  $olftem*2ebraborg  auf  ©eelanb  befmblid&en  Sßergame 
cobej  entnommen  ift.  SSiele  aber  unb  barunter  fefjr  wertvolle  \ 
funben  finb  nod&  nid&t  befannt,  namentlich  mehrere  au^fü^tlt^e  t 
Notaren  aufgenommene  SßrotofoHe  über  ©erid&töoerljanblungen, 
t^eite  oor  ben  twm  Zapfte  befietlten  Stiftern  in  S)eutf<$lanb,  tyeite  t 
ber  römifdfjen  Gurte  erft  in  9tom,  bann  in  SHoignon  jiattgefunben  $ab< 
fo  wie  auefj  ein  an  einjelnen  Angaben  über  (jiefige  SSer^ältn 
ungemein  reiche*  3ewgent)er^ör  auS  bem  Satire  1306.  Sie  1 
funben  finb  jum  Sfjeil  fcfjon  iljrer  gorm  wegen  merfmürbig, 
finb  lange,  au8  einzelnen  Sßergamentftreifen  jufammengefefete  u 
überall  bei  ber  3ufammenfe|}ung  mit  bem  5Rotariat8§eid&en  verfeme 
Stollen.  ®ie  längfte  mifet  bei  einer  ©reite  twn  jwölf  3oH  trier 
©Den,  anbere  finb  beinahe  fo  lang,  ßmn  oollftänbigen  äbbr 
eignen  fie  fid&  beöljalb  faum,  woljl  aber  mürben  fie  Semanben,  I 
Sntereffe  für  baS  fanomfd&e  SRed^t  unb  Ijtnlänglid&e  ßenntnifc  befl 
ben  beftfct,  ergiebige«  unb  banfbareä  SDiaterial  für  eine  SKonog 
pljie  liefern. 

Ueber  bie  Stubrif  Frisica,  bie  fünfunbbretjjig  Urfunben  ei 
tyält,  bemerfe  icfj  nur,  bafe  ftd&  baruntcr  eine  au$  bem  3.  1400  i 
fiebjeljn  intereffanten  Siegeln  befinbet, 13)  in  melier  eine  änjc 
friefifdjer  Häuptlinge  fidf)  üerpflid&ten,  bie  S3italianer,  bie  ber  ipati 
fo  Diel  ju  fdjaffen  matten,  nidjt  meljjr  ju  beherbergen  unb  ju  unt< 
ftüfcen.  Sud)  barf  atö  Sntereffe  uerbienenb  bie  Slrt  unb  SBeife  l 
jeid)net  werben,  wie  mehrere  frieftfdfje  ©ememben  im  3.  1355  f 
über  bie  Aufbewahrung  unb  ben  ©ebraudf)  tyrer  Siegel  auSfpred&c 
baju  veranlaßt  burdjj  ben  Umjianb,  bafc  eine  Urfunbe  mit  eine 
fallen  friefifdfjen  Siegel  in  einer  Sßrtoatangelegenfieit  vox  bem  3tat 
}u  Sübedt  probucirt  mar. u) 

1S)  «bgeb.  «üb.  Urf.*33ud&  Zty.  IV  M  699. 
H)  «üb.  Urf.*$ud)  $b.  III  M  2*4  bi«  226. 


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,  359 

Qnbem  iä)  bte  SRubrif  Hamburgensia  übergebe,  möd&te  \<t)  bie 
Stubrifen  Ilohatica  unb  Mecklenburgica  jufammenftellen. 

Sübecf  l)atte  in  fo  fem  eine  eigentümliche,  oon  trietteidfjt  allen 
anbern  ©tobten  abmeidfjenbe  Stellung,  als  e3  leiner  Sanbfdfjaft  ange* 
Ijortc,  aber  jwi|df)en  breien  tag,  oon  weldfjen  jebe  ifjre  befonberen  iljr 
eigent^ümlic^en  ajer^ältniffe  Ijatte  unb  audfj  eigentyümUdfje  ©ntmidte* 
lung  nafyn:  $olftem,  2Kedflenburg  unb  Sauenburg.  Sttit  allen  breien 
fianb  e$  in  lebhafter  SSerbinbung,  fo  bafe  unfer  3lrdf)io  audfj  für  iljre 
©eföid&te  üon  SBicijtigfeit  ift,  unb  bodj  war  bie  SJerbinbung  mit 
jebem  biefer  Sänber  anberS  geartet  3)afe  bie  ©tabt  auf  urfprüng* 
lid&  tjolfteinifdjem  ©oben  gebaut  war,  fommt  wenig  in  93etradf)t,  audf) 
nid&t,  bafe  i^r  ©ebiet  über  bie  t>on  griebrid&  Storbaroffa  feftgefefcten 
©renjen  l)tnau$  nad&  $olfiem  l)in  burdjj  Stafäufe  be«  Status  unmit* 
telbar  von  ben  ©rafen  (fd&on  1247  ÄrempelSborf,  Sßabelügge,  2llt* 
Säbtd,  1250  ^orwerf,  1320  Sranemünbe)  juerft  fid&  erweiterte. 
SBUfjtiger  finb  für  bie  fpätere  Qdt  bie  3lnfäufe  ^olfteinifd^er  Se^n* 
guter  burdjj  Sübedtifd&e  Bürger  geworben  unb  ber  nodf)  oiel  umfang* 
reid&ere  Srwerb  Ijolfteüufd&er  ©üter  unb  ©orffd&aften  burdE)  SübedtifdEje 
Äirdjen  unb  Stiftungen.  S)er  ©rmerb  gefdEjaf}  burd&  Äauf  pon  ben 
Sefigern  unb  ba8  6igentf>umSred()t  würbe  bann  oon  ben  ©rafen 
mit  balb  me^r  balb  weniger  bebeutenben  Slefewttionen ,  bisweilen 
ganj  Dorbeljattloä  beftätigt  9todf)  wid&tiger  war  eS,  bafe  in  ipolflein 
feine  bebeutenbe  ©täbte  fid)  auäbilbeten,  baburdfc  würbe  ba$  2anb 
auf  Sübedt  fjtngewiefen  unb  mit  if)tn  bie  gürften,  obgleich  biefe  piel 
weniger  häufig,  ate  bie  dürften  ber  beiben  anbern  9tod&barlänber 
burdfc  ©elboertegentyeiten  in  ben  gafli  famen,  SranSactionen  mit 
Suberf  ju  fudjjen.  2lud&  Sübedf  beburfte  £olfiein&  SHcfcS  ift  nodf) 
fjeutjutage  baSjenige  unferer  9tod&barlänber,  mit  wettern  wir  in 
bet  ftärfften  twlfSwirtljfdfiafttid&en  3Serbinbung  fielen,  unb  $)a$ 
war  im  SDlittelalter  in  gleicher  5Beife  ber  gatt.  ®er  fiübedfifd^e 
3Rarft  bejog  ben  bebeutenbften  2$eil  {einer  3uful>ren  aus  $olftein; 
felbft  ber  Statt)  $atte  ein  wefentlid&eS  Sebfirfnife  bort  ju  faufen, 
nemlidf)  £ol§  jum  Stou  ber  ©d&iffe,  unb  e$  fd&cint,  ba&  er  ©elegen* 
Reiten,  reicftlid^  unb  billig  ju  faufen,  woljl  aufjufinben  gewufet  f)at 
1398  überliefe  ifjm  Subefe  SBenfin  bretyunbert  Sid)bäume  „be  alber* 
beften,  be  be  erbaren  wifen  leeren  ot^fefen  Witten,"  15)  für  300  ^, 
1401  gematteten  i^m  §ennefe  unb  Otto  o.  Sralom  freien  ^olj^ieb 


»)  Hb.  Ur!.»S3u*  »b.  IV  ©.  761. 


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360 


tf)rer2Batbungen  auf  merjetjn  3af)re.  1415  laufte  et  t>o 
raloro  jroetfjunbert  Säume  für  125  #,  1455  von  GlauS  i 
in  §emmingfiorf,  jefct  ipimmelSborf,  einljunbertunbjroanji 
im  fie  naä)  freier  SluSroaljt  innerhalb  bcr  nädfrften  füi 
igen  ju  taffen,  ben  SBaum  für  10  ©dfjiHing,  anberer  äljnlidji 
ju  gefc^roctgeiu  3Rit  bem  Slbel  unb  ben  dürften  be3  £at 
ber  9tatl)  in  fortbauembem  9Jerfel)r,  balb  in  friebiidjen 
iinblid&em,  gelben  unb  ©üljnen  unb  Sünbniffe  med&fette 
)er  ab.  S)en  größten  (Sinffafc  Ijatte  er  roätyrenb  ber  91 
ifjriftianä  I.,  1460— I48ir  unb  au$  biefer  Seit  finb  au 
Sfien  Urfunben:  1463  3ut.  8.  ©ünbmfc  ber  9Htterfdt>a 
rtfd&aft  t>on  ©d&leSroig  unb  $olftein  mit  Sogt,  ©djlie&e 
en,  Statljgebern  unb  ber  ganjen  ©emeinbe  be$  Sanbc 
jen  jur  Slufred&tljaltung  tyrer  ^ritrilegien  unb  ju  gegei 
d&ufce  gegen  it>re  geinbe,  iunäd&ft  auf  brei  3<*f)re,  mit  tx 
tg,  bafc  ber  Statt)  von  Sttbcdt  baä  3Ka§  ber  ju  leipenbe 
[efcen  unb  oberster  ©dfjiefcrörid&ter  bei  SDUfftettigfetten  fei 
(mei  Siegeln  —  eine  Srneuerung  biefeä  33ünbniffe3  t>oi 
469,  mit  einunbpierjig  Siegeln  —  ein  Stertrag  Sübed 
jre  Verträge  ©OriftianS  mit  ben  SHtljmarfd&en,  i468f  147; 
'8  —  ber  fdnebärid&terlid&e  SluSfprudf)  ber  2Kfd(jflfe  vt 
Obenfe  unb  Sübedt  unb  ber  9tatf#fenbeboten  von  2äbi 
bürg  über  ba«  2terf)ältnifc  ßljriftianä  ju  feinen  „l>eterc 
cn"  unter  bem  ^olfteinifd^en  Slbel  1470  —  eine  anbei 
jnrierige  Drbnung  ber  @d&utbüerl)ättmffe  beS  ÄönigS  i 
»inifd^en  Slbel  1480  —  bie  SSerpfänbung  ÄtelS  an  Sübc 
e  SJerpfänbung  t)on  9leuftabt  unb  ipeiligenljafen  1473,  nad 
larn  mit  ©lambedf  fdfjon  1437  burdf)  Slbolpl)  VIII.  oe 
ar.  S)ie  Stubrif  enthält  fedfoig  Urfunben  au«  ben  3al>re 
81.  darunter  feljtt  auffaHenber  SBSeifc  ber  1470  in  6eg< 
)tn  ß^riftian  I.,  ber  Stitterfdjaft,  3Hannfcf)aft,  ben  »ifd&öfe 
Stäbten  6dE)le$n)ig$  unb  £olftein$  unb  Sübedt  unb  $an 
tWjloffene,  unter  bem  tarnen  ber  ©egeberger  ©oncorba 
Vertrag,  ber  erft  mel  fpäter  einmal  in  einer  beglaubigte 
on  ber  ©änifd&en  Stegierung  mitgeteilt  ifl ,6) 
einmal  mürbe  bie  SJerbinbung  mit  ßübeef  feljr  mistig  ff 
tte  bie  Berufung  beä  $erjog$  griebrid^  auf  ben  bämfdfc 

ifl  aud)  im  Hamburger  9lr<fcto  nidjt  &or$a»ben. 


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361 

2$ron  in  äuSftdjt  flanb.  33om  l.  ©ept.  1522  utfunben  gtiebtufc, 
§etjog  oon  SdtfeSroig  unb  £olftein  unb  93ifd)öfe,  ^ßtaetaten,  9lit* 
tetfdjaft,  SRannföaft,  ©täbte  unb  ©ingefeffenc  beibet  £et}ogtl)ümet 
mit  Scwilliflung  beS  ÄönigS  oon  ©änematf,  bafc  jnrifdjen  ben  $et* 
jogtijümern  unb  bcr  ©tabt  Süfcecf,  ungeachtet  be^  jnrifd&en  Seiteret 
unb  bem  Äönigreid&e  $)änemarf  befte&enben  Krieges,  ba$  gute  naty 
bütli^e  SSerljältnifc  unb  ber  33etfef>r  feine  Störung  erteiben  folle. 
3«>eiunbptetjig  ©ieget  Rängen  an  ber  llrhinbe.  Unb  gttebttd) 
nafyn  bie  tym  von  ben  3üten  angetragene  Ätöne  nid&t  an,  otyne  ftd) 
oorljet  ben  Seijtanb  Säberf«  gefidjett  ju  Ijaben.  $)ie  Utfunbe  ift 
oom  5  gebr.  1523.  Ueber  ben  2lbfd)lu&  biefeö  Sertrage«  enthält 
eine  gleichzeitige  ^rioatcorrefponbenj  einige  intereffante  ©injel^eiten. 
$er  Sübetfer  SSürger  $an8  ßaftorp  fd^rieb  an  feinen  bamalS  ftdj  in 
Nürnberg  auftattenben  ©djroager  3Rultd)  am 2. gebr.:  „be  olbe  Ijer* 
t$  üan  £olften,  Iprtgcf)  greberid),  croam  ^r  §or  morgen  to  oeren 
in  mit  XXV  perben  unbe  tS  mit  @d)orl)ar  to  fju$.  (©d&orljar  ift 
ein  jonft  ni$t  bekannter  -Käme.)  Unfe  tjeren  werben  ein  grote  er 
bon.  2Bat  fe  tjanbeln,  roert  men  ^r  negeft  to  roeten  fragen."  Unb 
ffln4.^ebr.:  „\d  roet  juro  nic^t  to  fdjrtroen,  ben  ate  if  juro  egiftern 
föreff,  bat  be  tyxtyö)  van  §olften  (jgr  in  quam  mit  adjt  van  ftnen 
teben  unb  l>ebben  nu  in  ben  borben  bad)  geljanbelt  mit  bem  rabe; 
tottt  et  bebuben  mett,  maä)  men  tyx  negeft  Ijoten;  be  reber  gan  up 
be  fötioetie  unb  ^anbeln  mit  bem  rabe,  \o  gan  unfe  borgermefier 
©ebbet  to  ben  olben  §etn  in  ©d)otf)at$  IjuS  unb  jjanbeln  barf  toat 
et  in  fcfft,  fal  juu>  tjtt  negeft  to  roeten  werben."  3(m  5.,  alfo  in 
riet  Sagen,  fam  ber  Vertrag  ju  ©tanbe,  um  beffentnrillen  ber  £er* 
jog  einen  nädjtlid&en  SRitt  mitten  im  äBxntet  nid&t  gefreut  ^atte. 
SKe  Stubttf  Holsatica  enthalt  im  ©anjen  über  fttnffjunbett  Utfun* 
ben,  batuntet  nut  wenige  Sßttoatutfunben. 

©ttoa«  jafjlteidjet  nodj  ftnb  bie  Mecklenburg^*,  abet  fie  §abtn 
einen  wefenüid)  anbetn  6f>atactet,  jmei^unbettunboietjig  betreffen 
md>t  Set^anblungen  mit  ben  SanbeSfütften,  fonbetn  mit  ben  ©täbten 
unb  gtofeent^eil«  Sßtioatoetljältniffe.  S)aoon  f ommen  neununbfiebenjig 
auf  SBiSmat,  fedjftmbjtebenjig  auf  Stoftod,  fed)«  auf  beibe  gemein* 
fclaftUdj  unb  fedjSunbftebenjig  auf  jmeiunbjiüanjig  anbete  -Werften* 
tagifäe  ©table.  SSon  ben  leiteten  t)aben  mandje  nod)  gang  neuer* 
tag«  eine  ©ebeutung  erlangt.  S)er  ©ro^erjog  oon  ÜRedlenburg 
tofinföte,  tafe  berJ^ronfaal  feine«  neu  ausgebauten  SRefibenj^loffe« 
mit  ben  SSappenfd&ilbetn  ber  fämmtli^en  ©täbte  be8  SanbeS  in 


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V 


862 

genauen  StarfteDungen  gefd&müdft  werbe.  2)aju  mußten  bie  ard& 
aud&  ba*  fjiefige,  burdfjforfdfjt  werben  unb  e*  fanben  jtd&  tyier  eir 
in  SJtedflenburg  felbft  nid&t  me^r  oorljanbene  Siegel.  Unter 
Mecklenburgicis  fjaben  wir  unfere  ftegelreic^fle  Urfunbe.  Ää 
Sllbred&t  pon  Sdfjweben  unb  fein  Sotm  @rid&  gerieten  in  ber  Sd&l< 
bei  2tjenwalbe  am  24.  gebr.  1389  in  bie  ©efangenfd&aft  ber  , 
nigin  SRargaret^e.  3We  93emüf>ungen,  tfjre  greilaffung  ju  beunrl 
blieben  lange  3*ü  erfolglos,  enbli^  gelang  e*  ben  Slnftrengun 
unb  Untertjanbtungen  ber  Stäbte  Sübedf,  Stralfunb,  ©rcif^w 
Sljorn,  ©tbing,  $>anjig  unb  föeoal,  bie  Äönigin  jum  eingeben 
gewiffe  SBebingungen  ju  bewegen.  SSon  SfibedRfd&er  Seite  war  b( 
tyauptfäd&lidf)  ber  Sürgermeifter  $einrid&  SEBeft^of  tt)ätig.  SDie 
nigin  forberte  ein  Söfegetb  t>on  60,000  ™$  Silber  innerhalb  br 
Satire  ju  bejahten,  unb  faB8  e*  nidf)t  bejaht  würbe,  entweber 
freiwillige  SRüdffeljr  ber  beiben  ©efangenen  ober  bie  Uebergabe 
Stabt  Stodfyolm,  bie  fie  nod&  ntd&t  erobert  l)atte.  Sllbred&t  unb  <S 
gingen  bie  SBebingungen  ein,  aufeerbem  oerbürgten  ftdf>  für  bie 
füllung  berfelben  bie  Jperjoge  Sodann  II.  unb  Qo^ann  IV. 
3Redftenburg,  elf  2Re<f lenburgifd&e  Stäbte,  SRojtodt,  SBiSmar,  Sd&roe 
33oifcenburg,  SBittenburg,  @reüt*mfil)len,  ©abebufdfc,  ©raboo,  Äri 
©noien  unb  Sübnifc,  fünfunbbreifjtg  großenteils  SWedflenburgi 
audf)  einige  Sd&webifdjje  Stitter  unb  neununboierjig  SRedlenburgt 
knappen.  33on  ben  fiebenunbneunjig  bemnad)  an  bie  Urfunbe 
^äugten  Siegeln  ift  nur  ein«  —  ba*  be*  3)ietrtdf)  9Mtefe  —  i 
loren,  fed&Sunbneunjig  Rängen  nod)  baran,  jebe*  an  einem  befoi 
ren  Sieget  jtretfen. 17)  2Jtit  bem  £erjoge  Slbred&t  VI.  fanb  < 
aSertjanblung  wegen  eine*  Siegel«  im  Q.  1478  ftatt  6r  war  n 
feinen  Srübern  SDiagnu*  unb  JBaltljafar  perföntidf)  in  Sttbedf  an 
fenb,  um  3u>Wi0teiten  wegen  neu  angelegter  $äüt  in  JRibnife  : 
©reotömütjten,  benen  bie  Stobt  ftdf)  ntd&t  unterwerfen  wollte,  bi 
Unterteilungen  auSjugteidjen.  ©ei  Sefiegelung  breier  am  4 
5. 3M  behalte  abgefd&loffenen  Verträge  gebrauste  er  anfiatt  fei 
eigenen  Siegel*  ba$  feine*  feit  jwei  Qatjren  oerfiorbenen  Srut 
Sodann.  S)ie«  fd&eint  von  ben  Untert)änblern  nidjt  bewerft  §u  f 
aber  fd&on  am  näd&ften  Sage  würbe  e*  bemerft  S)er  9tatt>  fai 
auf  ber  Stelle  feinen  Secretair  £f)oma*  9iobe  nadf)  Sd&werm, 
ftd&  ju  befd&weren,  unb  e*  erfolgte  oom  7.  SJtai  ein  fafi  rühren! 


")  Stegebrucft  Jm  «üb.  Urf.'$u4;9b.  IV  M  630. 


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363 

<itotf<$ulbigungSfd&reiben  beS  $erjogS.  ßr  Ijabe  ft<$  biefeS  Siegels 
bauftg  bebient,  fd^rieb  er,  unb  bat,  es  nic^t  übel  ju  beuten.  3ugleid& 
faulte  er  feinen  Äanjler>  um  baS  Sieget  abjuneljmen  unb  fein 
eigenes  an  bie  Urfunben  ju  Rängen,  ferner  befinbet  fidf)  in  bietet 
Abteilung  nod&  baS  Original  beS  oon  bem  $erjog  2lbolpfj  griebridf)  I. 
am  31.  Octbr.  1654  erröteten  SeftamentS  nebft  einer  fd&on  am 
13.  Octbr.  1641  ausgepeilten  UntermerfungSacte  beS  älteflen  Sohnes 
(Hjrifttan  Subroig.  @r  tyatte  neben  fünf  dürften  aud&  ben  9tatl) 
von  Subed  jum  (Sjecutor  ernannt  unb  bat  biefen  um  Aufbewahrung 
beS  $eflamentS  in  bem  tyeftgen  «rd&io.  9tod&  feinem  £obe  1658 
entftanben  aber  unter  ben  (Srben  Streitigfeiten.  $)aS  Seftament  ift 
etfl  am  4.  SRoobr.  1660  in  golge  eine«  ÖefeljlS  beS  Sfteid&Sfammer* 
9erid>tS,  melden  einer  ber  ©jecutoren  erroirfte,  jur  SSerlefung  unb 
niemals  ganj  jum  SSoDjuge  getommen. 

2)ie  9tubrit  Interna  ift  r  wie  leidet  erflärlidf),  unter  aßen  bie 
}al)treid>fie.  Sie  enthält  nalje  an  ftebenljunbert  9tiimment  unb  gef)t 
m  oiele  ©njel^eiten  ber  bürgerlichen ,  gewerblichen  unb  tyiuSlidfjen 
Set^altniffe  ein.  @inen  wefentUdden  Sljett  bilben  bie  audfj  in  unferm 
Urfunbenbudfj  Diel  genannten  litterae  memoriales.  6S  mürben  nein* 
li<6  ^ritxitgefd&äfte  unter  einjelnen  Qnbioibuen  häufig  oor  jroei 
Äatymännern  als  geugen  abgefd&loffen,  auü)  SMmadjten  fo  auS- 
gefallt  SHe  barüber  aufgenommene  Stete  mürbe  jweU  ober  breimal 
auf  ein  Slatt  getrieben  unb  biefeS  bann  einmal  ober  jweimat  in 
folget  Seife  gejadft  unb  gejätynt  burd&fd&nitten,  ba&  bie  3ufammen* 
gebörigfett  ber  einjelnen  Stüdfe  fogleid^  ju  erfennen  mar.  Qebem 
Beteiligten  mürbe  eine  Ausfertigung  gegeben,  unb  baS  Pergament 
biefe  bann  ein  S)entebref  ober  littera  memorialis.  Söldner  Ur* 
funben  baben  mir  aus  bem  tnerjeljnten  Qia^rljunbert  ju  £unberten. 
2>ie  an  unb  für  fid)  am  menigften  intereffanten  unter  ümen,  aUge* 
meine  ober  befonbere  SSoHmad&ten,  jagen  burd&  tf)re  £äuftgfeit,  mie 
oft  baS  ©eföäft  fd&on  bamalS  eine  längere  Stbmefen^eit  erforberte. 

SHe  roid^tigften  unter  ben  tjietyer  gehörigen  Urfunben  finb  bie 
Sleceffe  jmifd^cn  bem  SRatl)  unb  ber  8ürgerfdf>aft,  meldte  bie  3Jer^ 
faffung  berStabt  benimmt  Ijaben,  oon  1416,  1535,  1665  unb  1669. 
3n  ben  beibeu  erften  mürbe  bem  Statte  nad&  ooraufgegangenem, 
übrigens  unblutigem,  Slufrutjr  bie  ootte  ©emalt  mieber  übertragen 
unb  Don  ben  bürgern  ©eborfam  gelobt,  in  bem  SHecefe  oon  1535 
beifct  eS:  „als  ber  oon  ©Ott  georbneten  Dbrigfett."  Der  SRatlj 
befafc  bie  ©emalt  eines  SanbeSfürflen  unb  §at  fte  in  ooDem  Um* 


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364 

fange  in  einer  Ausbeutung  unb  Seife  geübt,  wie  e«  jefet  ttiftt 
möglidfj  wäre.  9tur  abgaben,  mit  SuSnafjme  be$  ©Joffes,  belfert 
entrid&tung  ein  für  allemal  Vfirgerpfftdfjt  war,18)  burfte  er  nidjt 
eigenmäd&tig,  nid&t  anberS,  als  mit  3uftimmung  ber  Vürgerfd&aft  tp 
$eben.  Unwille  über  geforberte  6teuem  fcat  bie  »ufjtänbe  non 
1408  unb  1531  ueranla&t,  wenngleich  baS  erfie  9M  ein  hmet* 
lieber  9U&  pifdjen  ben  leeren  unb  niebem  6d)idjten  ber  Setölfe' 
rung,  ba*  jweite  2Ral  retigiöfe  unb  (fird&lid&e  3erwürfniffe  tiefer  liegenbe 
Urfac&en  waren.  Unb  bie  3wijHgfeiten,  wetd&e  1662  entfianben 
unb  glüdflid&er  SBeife  ebenfalte  unblutig  verliefen,  Ratten  feinen  anbem 
©runb.  S)ie  gutanjnerwaltung  ber  @tabt  mar  in  ber  £f>at  fe^r  manget 
Ijaft,  e*  fehlte  an  ©in^eit  unb  Sßlan.  S)ie  einzelnen,  nur  au«  SRttgliebern 
be$  Statiß  befke^enben  Vel)örben  nerfuljren  ganj  nad&  Selieben  unb 
lieferten  wtflffiljrlidf)  i&re  Ueberfd&üffe  an  bie  flämmerei  ab.  Qu  bem 
Sftecefe  non  1665  mufite  ber  SRatl)  ben  bürgern  einen  Slnt^eil  an 
ber  gfinanjnerwaltung  jugefieljen.  ©8  mürbe  eine  allgemeine  ©tobt* 
faffe  angeorbnet,  in  welcbe  alle  einnahmen  fliegen,  aus  meldtet  alle 
Sluägaben  beftritten  werben  foDten.  3mei  Statymänner  in  Serbin* 
bung  mit  nierunbjwanjig  bürgern  bitbeten  nun  bie  ginanjbeljötbe. 
£)$r  Stecefi  tyiefc  ba^er  ber  £affa>9tece&.  Aber  mit  biefer  errungen* 
föaft  begnügte  bte  ©ürgerfd&aft  jxd)  nid&t  lange,  fte  war  ftljon  poli* 
tifdf>  münbiger  geworben  unb  wollte  nidf>t  langer  blo«  unter  einet 
Regierung  fielen,  fonbem  felbft  mitregieren.  S)er  Statlj  mu&te  ba^er 
nod)  weitere  Soncefftonen  machen  unb  in  bem  unter  Sermittelung 
faiferlid&er  (Sommiffarien  abgefd&loffenen  9tecefe  t>on  1669  fid)  einige 
©efd&ränfung  feine«  ©elbftergänjunggred&teS  gefallen  taffen*  au$ 
ber  Sürgerfdjaft  eine  gewiffe  2Jjellnatyme  an  ber  ©efefcgebung  unb 
Verwaltung  jugefle^en;  bie  SluSübung  ber  Qufttj  unb  ber  $oÜjei 
nerblieb  ü)m  allein.  S)er  begriff  ber  Sßolijei  war  jiemRcl)  elafttfcfc. 
9tod&  waren  bie  formen  im  Mittelalter  überall  nid^t  fo  bünbig  unb 
fid&er,  bafi  nid&t  bie  bilbenbe  Äraft  be8  Sebenä  unb  ber  SebenSoer* 
^ältniffe  baneben  (jätte  fortwirfen  unb  ©efialtungen  ^emorbringen 
fönnen.  _S)urd&  folc&e  (Sntwidfelung  erhielt  ber  §Rat^  einen  wefent* 
Ud&en  2^eil  t)on  S)em,  wa$  er  1665  aufgegeben  ^atte,  wieber.  Ob' 
gleid)  nemlid)  in  bem  Stecefc  von  1665  benimmt  auägefprod&en  unk 
in  bem  Stecefc  oon  1669  wieberljolt  war,  bafc  alle  Verwaltung  bur$ 
bie  Äämmerei  aufhören  foße,  fo  fiel  biefer  bod&  bie  Verwaltung  ber 


»)  8to.  Urf.*$wty  a$.  IV  ja  1*4. 


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365 

gcfammten  ftorfien  unb  be3  größten  £l)eite  bcr  ©omainen  nadfj 
unb  na$  roieber  ju,  unb  ba  fte  eine  nur  au$  Slatfy&mitgliebern  be* 
Rc^cnbc  Seljörbe  mar,  fo  befafe  ber  9tatl)  audfj  eine  Äaffe,  über  bie 
er  aHein  ju>  verfügen  Ijatte.  Sin  bie  ©tabtfaffe  würben  nur  bie 
Ueberfdf)üffe  ber  Äämmereioerroaltung  abgeliefert  unb  immer  o^ne 
äßomtur  angenommen,  Jpinfxd&tlidf)  ber  Organifation  ber  Sürgerfdfraft 
^at  bie  SJerfajfung  t>on  1669  bie  ®int^eilung  in  jroölf  Gorporationen 
ober  Sottegien,  bie  fidj  t>orf)er  au$  ben  33erf}ältniffen  tjerauS  von 
felbft  gebilbet  l)atte,  beftimmt  feftgcflcQt.  ®ie  SSerfaffung  ber  einjel* 
nen  Sottegien  ^at  fidf>  fe^r  uerfdjieben  auSgebilbet,  in  allen  aber 
(lanben  Mterleute  an  ber  ©pt$e,  oon  benen  einer  ba8  äßort  führte. 
SHe  roortfüfyrenben  3lelterleute  mürben  roieber  ju  einem  eignen  Sol* 
legium,  bemjenigen,  an  roeldjeS  ber  Statt),  wenn  er  mit  ber  Bürger* 
Wfaft  ju  üerf)anbeln  fyxtte,  ftdf)  unmittelbar  roanbte  unb  mit  roeldjem 
et  münblt^  üerfefjrte.  ®ieS  (Megium  Ijat  ftd&  am  31.  9Jlai  1848 
jum  legten  9Me  oerfammelt  unb  über  ben  ©d&lufe  feiner  Söirlfam* 
feit  ein,  auf  Pergament  !afligrapt)ifd(>  fd)ön  aufgeführte«  SßrotofoD 
aufnehmen  laffen,  meldte«  bann  in  baS  ©taatöard&io  niebergelegt  ift. 
&  befinbet  fid&  in  einem  eignen  ^öljernen  Äaften,  an  rotlj  unb 
roeifeen  feibenen  gäben  Rängen  in  Ijöljernen  Äapfeln  bie  Siegel  oon 
elf  „bürgerlichen  (Megten."  S)a$  jmölfte,  bie  Qunfercompagnie, 
bejtonb  feit  1801  nid»t  meljr. 

34  übergebe  bie  Shtbrifen  Pomeranica  unb  Ratzeburgica. 
Sefctere  enthält  nur  einunboierjig  SRummern,  erftere  jroar  jmeifiunbert* 
bretunbfttnfjig,  aber  einunbftebenjig  baoon  finb  bie  ttrfprung&gertificate 
über  gering  au$  bem  Qafjre  1393  unb  1394,  bie  id&  oor^in  ermähnte. 

Urhinben  über  fird&lid&e  Skrljältniffe  aus  bem  -Dtittelalter  finb 
fo  jatylreicty,  bafe  e«  fdjjon  babur<§,  aber  audf>  burrf)  ben  Qnlialt,  fid& 
rechtfertigte,  fie  ju  einer  eignen  Sftubrif,  Sacra,  jufammenjufiellen. 
$rer  finb  etwa  fünfljunbertunbfünfjig  unb  fie  jerfaHen  in  fünf 
Unterabteilungen.  3)reiunbfed^}ig  betreffen  bie  2Jtarienfird£)e  unb  ba* 
wn  barf  id)  jroei  befonber«  nennen.  Um  bie  2Ritte  be$  fflnfjeljnten 
Sü^unbert«  mürben  in  ber  sJWarienfird)e,  mie  aurf)  in  anbern  ÄirdEjen, 
befonbere  tägltd&e  OotteSbienfte  ju  @&ren  ber  SJtaria  eingerichtet 
fcieÄapette,  in  ber  bie«  gefdjal),  ijiefe,  weil  bie  f.  g.  3Rarientt)ben 
w»  einem  eignen  ©ängercfyor  ausgeführt  mürben,  bie  ©änger* 
Anette. 19)    Xit  erften  Segrünber  ber  ©inrid&tung  unb  bie  fpäteren 


*)  3fitf*Hft  brt  58er.  f.  **&.  $ef<f).  u.  MUttf).  $.  1  €.  362  ff. 


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366 

SBorfte^er  ber  ÄopeUe  waren  angefeuerte  unb  reiche  Sürger,  bie  fM} 
bie  TOürbige  Unterhaltung  tyrer  Stiftung  fel)r  angelegen  fein  liefen. 
Unter  anbcm  ^aben  fte  jwetmal  au«  Sftom  jtdf)  äblafcbriefe  oerfc^offt, 
einen  t>om  8.  Januar  1468  von  fünfoefyt  ©arbtnälen .  unb  einen 
t>om  24.  2lpril  1499  t>on  trierunbjwangig  Garbinälen  au«gefieEten. 
SBeibe  ftnb  mit  fünfilertfd&er  Sdf)önl)eit  ausgestattet,  an  ber  einen  ijan* 
gen  no<$  jwölf,  an  ber  anbern  nodj  alle  merunbjwanjtg  Siegel,  jwar 
nid^t  aDe  unoerlefct,  aber  bodf)  fo  wo§l  erhalten,  bafe  man  bie  ferne 
unb  gefd&madtooBe  Slrbeit  bewunbert  —  ®ie  Urfunben,  weldjje  bie  $etri* 
firdfje  betreffen,  ftnb  burdfc  bie  fdjäfcenSroertfje  fiiberalität  ber  9Sor* 
fieser  ber  Äird&e  bem  Slrdfjto  überliefert.  @«  waren  einf>unbertunbt>ier, 
fammtltdf)  wotytertyalten,  barunter  einige,  bie  nur  burd>3ufatt  to*$in 
gefommen  fein  fönnen,  ba  fie  feinen  Sejug  auf  bie  Äird&e  fcaben; 
einige  anbere  biefe  Äir<$e  betreffenben  befanben  fid&  fd&on  im  3rd)ü>. 
Sla^bem  nun  bie  erfteren  au«gefonbert,  bie  lederen  eingefugt  ftnb, 
fytben  wir  eine  Sammlung  üon  wieberum  etntyunbertunbtrier  Urfunben 
über  bie  Sßetrifird&e  au«  ben  Sa&ren  1382  bi«  1637 ,  bie  fäjon 
in  i^ren  Sfegeften  ein  ebenfo  anfdfjaultd&e«  al«  anjieljenbe«  ©ilb  twn 
ben  Ser^ältniffen  einer  einjelnen  Äird&e  geben.  —  S)ie  Urfunben  über  bie 
Slegtbienfird&e,  bie  ba«  2tr$to  ebenfall«  ber  Siberalitat  be«  Äird&en* 
oorfianb«  aerbanft,  ftnb  jwar  weniger  jal)lreidf>,  audf)  weniger  man* 
nigfoltig  in  iljrem  Sn^alt,  gröfetentyeit«  Briefe  über  Heine  SRenten* 
fäufe  ber33icare,  aber  bodf)  ebenfall«  t>ott  i^ntereffe.— S)ie  Urfunben, 
meldte  bie  übrigen  Ijieftgen  Äirdfjen,  bie  Älöfier  unb  Stiftungen  be* 
treffen,  ftnb  ju  einer  Unterabteilung ,  ber  inerten,  vereinigt,  unb 
bie  fünfte  enthält  Urfunben  über  anberweitige  geiftlid&e  Ser^ält* 
niffe,  namentlich  goocationen  2übedfifd>er  SBürger  öor  auswärtige 
©erid&te,  bie  eine  3eitlan9  fcäuftg  oorfamen,  obgteidf)  Sßapfi  SÖejam 
ber  IV.  fte  fd&on  burdfj  eine  SuDe  t>on  1257  verboten  ^atte.  6me 
berfelben  getjt  burdfc  eine  Steige  von  Urfunben  l)inburdf).  ©in 
^riefier,  Flamen«  Qo^anne«  t>on  ijjeUe,  tjeranlafcte  im  erbtd&teten 
auftrage  eine«  Slnbern  unb  auf  ®runb  einer  gefälfd&ten  papfili<£en 
SBuOe  bie  Sitation  eine«  Sübedtifd&en  Bürger«  burdf)  ben  ^Jropfi  in 
Stabe.  211«  bie  boppelte  gälfdfjung  befannt  mürbe  unb  ber  Stat^ 
feine  SSer^aftung  burd&  bie  geifilidfje  ©etjörbe  t>eranfialtete,  fügte  er 
fernere  Seleibigungen  be«  9tatfy8  fjinju,  rourbe  aber  bo<$  f$liefilü$ 
genötigt,  feine  ganje  Sd&ulb  einjugefie^en  unb  vom  33ifd&of  mit 
SJermeifung  au«  ber  Stabt  befiraft  (1363).  @ben  benfelben  ^rieftet 
ftnben  mir  brei  Qaljre  fpäter  in  Sfongnon,  wo  er  beim  Zapfte  neue 


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zedby  G00gk 


367 

öeföroetbe  gegen  ben  9tatl)  ergebt,  fo  bafe  bie  SSettymbtung  t>on 
neuem  beginnt,  beten  @nbe  nur  nun  teiber  ni<$t  erfaßten.20)  dagegen 
fpielt  fid^  ein  anbetet  Totgang  in  einet  einigen,  nid&t  einmal  lan* 
gen  Utfunbe  ab.  ©et  2)omt)ett  Sltnolb  $ape  fiatte  but<$  einen 
Solbfdjmieb  ein  Siegel  bet  ©tabt  ©ttalfunb  anfettigen  laffen  unb 
baffelbe  an  eine  gefällte  Obligation  gelängt,  roonad)  tym  bie 
Stralfunbet  Sütget  Sltnolb  unb  3o$ann  SSotf)  bie  ©umme  tron 
iOOO  n$  Bulben  fottten.  S)en  ©olbfdjmteb  bcftrafte  bet  9lat§  mit 
bem  £obe,  ben  Stornieren  bet  Ciföof  mit  3u$fto&ung  au8  bem 
Wetflanbe  (1368).  *l) 

6$  folgen  Saxo-Lauenburgica,  etwa  triettyunbettunbfedjjig. 
Sauenbutg  roat  untet  ben  9tad&batlänbetn  SfibedS  ba$  Heinfie  unb 
)oroot)l  überhaupt  als  aud)  lange  3eit  ßübed  gegenübet  ba«  am 
wnigfien  felbflänbtge.  ©djon  1274  uetfaufte  §etjog  3ot)ann  l.  bem 
Ädifdjien  öütget  SBetttam  aRotneroed)  ein  2Bet)t  im  9iafcebutget 
See  unb  1291  2llbted&tll.  bet  ©tabt  ba3  äBajfet  bet  SBadtnifc  unb 
be*  Seeä  jum  8ej)uf  tfjtet  3QWit)len.  Dbroof)l  faum  jmanjig  Quabtat* 
wilen  gtofc  nmtbe  ba3  Sanb  bod)  nad)  bet  SBeife  be«  9WUtetaltetS  ge* 
Wunb  e£  gab  pon  1308  an  jroei  Sinien,  9ta$ebutg*Sauenbutg 
unb  3Mn*93etgebotf.  211$  leitete  Sinie  1401  ertofc^,  befanb.  fid^ 
feit  1359  9RöDfo,  ©tabt,  $ettfd>aft  unb  SSogtei  nebft  ben  baju  ge* 
florigen  2>ötfetn,  feit  1370  SBetgebotf  nebft  ©eeftyad&t,  Stoffe,  S)u* 
wfee  unb  bem  ipetjogenroalb  im  ^ßfanbbefift  SübecfS.  Sei  bet 
iwtiten  Jöetpfänbung  roat  jugeftanben  rootben,  bafe  fie  nut  but<$ 
flkufoeitige  ©inlöfung  au<$  3Wöfln«  foUe  aufgehoben  roetben  bfitfen, 
bagegen  ^atte  bet  £etjog,  bet  lefcte  feinet  fiinie,  fid)  füt  feine 
&berujjeit  eine  Sfteilje  von  SRufcme&ungen  aotbeljalten.  sJta<$  feinem 
Jobe  jejte  bet  $etjog  bet  Stafeebutg^Sauenbutget  ßinie,  ®tidj)  IV., 
W  but^  eine  nidjt  fe&t  tüljmlic&e  Sift  in  ben  Söefifc  SietgebotfS  unb 
behielt  e£  üotläufig.  SRöUn,  ba«  et  roäljtenb  bet  $ettfd>aft  be$  f.  g. 
neuen  SRatfyS  14 10  mit  ©eroalt  an  fu$  btad>te,  routbe  Ujm  roiebet  abge* 
nommen.  ©eine  9tad)f olget  mufeten  au<$  SSetgebotf  nebft  ben  SSietlan* 
be»  1420  an  bie  ©täbte  ßübecf  unb  Hamburg  roiebet  abtreten,  roeld&e  eä 
bÄ  1868  in  gemeinfd)aftlid)em  Sefifc  gehabt  f)aben. 22)   ©egen  6nbe 

*)  fc&&.    Utf.'$ltd)   93b.   III   M   446—49,    456,  458  —  60,    469,    465,    470, 
*l  595,  614,  615,  625,  629. 

,l)  Süb.  Urt.*$ud)  93b.  III  .V  661. 

*)  $urd>  beh  ©ertrag  Dom  8.  Qtu^ufl  1868  tjat  «übetf  ff  inen  SRitbefift  gegen 
du  •ttbentfd^Mgung  aufgegeben. 


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zedby  G00gle 


/ 


^ 


368 

beS  meinten  3al|rf)unbertS  würben  bic  auSgebe&nten  33eft$ung< 
ber  gamilie  Srummeffe  burd>  Äauf  ©gentium  mehrerer  Sübecfijdj)i 
SJürger,  im  fünfjetynten  3al)r$unbert  fauftc  ber  Statl)  bie  ©fiter  ui 
2)örfer  öeljtenborf,  9tifcerau  unb  einige  anbere  S)örfer.  1390  wur 
bur<$  Anlegung  beS  ©tednifcfanals,  beS  ätteften  ÄanalS  in  S)eutfc 
lanb,  eine  äBafferoerbinbung  §wifd)en  ber  Xrcroe,  fotglid^  aud>  b 
Dflfee,  mit  ber  @lbe  fjergeftellt,  &auptfäd&lid>  um  einen  bequemen 
Transport  für  baS  Süneburger  ©alj  }u  gewinnen. 

2Ü$  bie  SRadjt  ber  ©täbte  aUmä&licf)  abnahm  unb  bie  gürRe 
mad)t  ftdj  fyob,  empfanben  bie  Jperjoge  ben  großen  Sinffofc,  weldji 
Sübed  in  i^rem  Sanbe  ausübte,  feljr  unwillig  unb  waren  auf  a\ 
SSBeife  bemüht,  ifjn  einjufdjränfen  unb  ju  befeitigen.  S)ie  erflen  3« 
wfirfniffe  entfianben  burd>  baS  Srigittenflofter  SWarienwolb,  weld&c 
1412  t>on  einigen  aus  ÜJtarienbal  bei  9tet>at  gefommenen  Srfiba 
in  ber  SRälje  twn  SWöIln  mit  ©enetymigung  beS  iperjogS  gegrünix 
twn  ftaifer  ©igiSmunb  (1418)  unter  ben  ©djufc  ber  ©tabt  Süfo 
gefiellt  würbe  unb  balb  SRetdjtljum  erwarb.  3^rei^e  Urfu 
ben  betreffen  bie  SBeftfcungen  biefeS  ÄtofterS.  ©S  mürbe  wäljrei 
ber  Unruhen  ber  SReformationSjeit  jerftört  unb  bie  ©üter  m 
granj  I.  in  öefdjlag  genommen. 23)  änbere,  bis  in  bie  neuere  3( 
hinein  bauernbe  3e*rofirfmf}e  entfianben  über  bie  Senu|ung  i 
äBadnifc  unb  beS  9ia|eburger  ©eeS  ju  gifäfang  unb  ©d&iffafy 
SHe  SSerpfänbung  SWöttnS  enbtidj  gab  änlafe  ju  einem  ber  langfti 
^ßroccffcf  bie  jemals  geführt  finb.  granj  I.  übertrug  bem  §erj 
Slbolpl)  mm  §otftein*@ottorp  baS  9ted)t,  2Jtöttn  einjulöfen,  weU$ 
bann  bie  Sßfanbfumme  barbieten  liefe,  unb,  ba  bie  annähme  w 
weigert  mürbe,  1580  eine  Älage  beim  9tetd&Sfammergerid)t  anfiel! 
SUefem  Äläger  gegenüber  war  ber  3tatt),  nadj  bem  SBortlaut  b 
Urfunbe,  jur  Verausgabe  ui$t  verpflichtet,  aber  er  !onnte  bie  6i 
rebe,  bafc  er  überhaupt  ju  einer  Verausgabe  ntdjt  mel>r  öerpfücfy 
fei,  ni$t  bur<$füf)ren,  als  fpäter  bie  £erjoge  von  Sauenburg  b 
$rocefc  als  ^ßrincipai  ^  Sntereffenten  aufnahmen.  9faulj  einfiunbe 
unbbrei  Saljren,  am  6.  Quli  1683,  erflärte  baS  StetdjSfammergeri 
bie  ©tabt  fdjulbig,  SWttn  an  Sauenburg  jurüdjugebert,  unb  x>etoi 
nete  eine  eigne  ©ommiffton,  um  baS  Urteil  in  SBottjug  ju  \tf& 
©o  fam  eS  benn  im  ©eptember  beffetben  Saures  wieber  unter  i 


*»)  $g{.  Sftuifnfcolb,  Wtaifftt  Slbfanblung  &on2)eecfe,  im  Oßetyrogtai 
be«  (Sot^arinfum«  in  Sübrcf.    1848. 


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zedby  G00gk 


369 

fctnfäjaft  SauenburgS.  S)er  ?Ptocefe  aber  mar  bamit  nid&t  beenbigt, 
(3  fpnbelte  ftd&  nodf),  abgefeiert  von  einigen  anbern  fingen,  um 
ben  Umfang  be3  ^fanbobjectS.  SSerpfänbct  mar  bie  ©tabt  mit  ber 
§ertf$aft,  SSogtei  unb  jubeljörigen  Dörfern. 24)  S)a  bie  leiteten  nid&t 
knamtt  maren,  tonnte  man  bem  Su$brudt,  je  nad&  Qntereffe  unb 
Sefätöpunft,  eine  fe$r  üerfd&iebenartige  Auslegung  geben.  $ie  Slrt, 
wie  ber£erjog  Quliu«  granj  perfufa  uerantafcte  ben  Statt),  fofort  tine 
Spolienflage  angufteßen,  bodf)  blieb,  roegen  beS  balb  batauf  (1689) 
etfolgenben  Xobe*  be8  ^er^ogd  unb  be«  bamit  üerbunbenen  3lu3* 
W*it$  ber  gamilte,  ber  ^ßtoceg  liegen  unb  ruljte  mieberum  jmei* 
wtobreifctg  3a^re.  1722  rourbe  er  t>on  ®eorg  I.,  ber  afe  Äurfürji 
*m  ^cmiaüer  nunmehr  ber  Stegent  SauenburgS  mar,  mieber  auf* 
genommen  unb  1747  burdfc  einen  SSergletd)  beenbigt.  @in  SSergteid^ 
{vtf^en  }mei  (Kontrahenten  von  fo  oerfd&tebener  3Ra<$tfteflung  tonnte 
unter  ben  bamaligen  »SJerljältniffett  nidfjt  anber«  als  nad&tf)eiltg  für 
be«  fötDäd&eten  X^eil  fein.  S)ie  Sfcten  über  bie  Sßrocefc  unb  über 
fe  Sergteid^toer^anblungen  ftnb  äu&etft  ooluminite,  audf)  ftnb  in 
fcfcr  Angelegenheit  jTüeiunbtuerjig ,  jum  2$eit  fe^r  umfangreid&e, 
Stiften  im  S)rudf  erfd&ienen. 

Unter  ben  Sauenburgifd&en  Urfunben  ifi  eine,  bie  in  üjrer  2trt 
cuqig,  fein  mag.  Qn  ©inem  ßonwlut  beifammen  fanb  fiel)  eine 
ittja&l  beftegelter  unb  aerfd&loffener  ©djreiben  mit  Stuffdjriften  an 
bat  ÄJnig  Don  @nglanb,  ben  Äönig  von  granfreidd  unb  ben  $erjog 
w*  Trabant  2to3  ben  Siegeln  ergab  ftdf),  bafc  fie  von  ben  $er* 
joge*  3o^ann  II.  unb  SHbred&t  III.  von  ©a$fen*2auenburg  unb  ben 
fccqogen  JÜbred&t,  $einrtd&  unb  Otto  tum  SBraunf^weig-Süneburg 
^ntSSfcUn.  $)a  nun  bie  beiben  §erjoge  dou  Sauenburg  1301  bie 
S^trmoogtei  über  Sübedt  übernahmen,  lag  fogleidfc  bie  SSermut^ung 
aa^e,  bafj  t$  @mpfe^Iung£fd^reiben  für  bie  ©tabt  fein  möchten,  bie 
ort  irgenb  einem  ©runbe  liegen  geblieben  waren,  unb  biefe  33er* 
aat^ung  fanb  fufc  beim  Oeffnen  ber  ©^reiben  beftätigt.  ©ie  ftnb 
im  iweiten  SJanbe  be*  Sübedtifd&en  Urfunbenbudd*  unter  Jß  1026 
tyefo  angezeigt,  t^eilS  abgebrudtt.  Unter  folgen  Umftänben  mirb 
eft  geanfe  geredfjtfertigt  erfd&einen,  bog  einer  biefer  ©riefe  uneröffnet 
9Äkben  ift  unb  nun  no$  jefet  ebenfo  ba  liegt,  wie  er  vor  nabeju 
Wltymberi  Sofyctn  gefd&rieben,  mit  einem  fd&malen  burdjjgesogenen 


**)  Oppidum  cara  dominio  et  advocatia  .  .  (et)  rillis  ad  idem  oppidura  ' 
*«taotibas.    W>.  W.&uif  $b.  HI  @.  839. 


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zedby  G00gk 


370 

Spergamentfiretfeu  gefdfjloffen  unb  mit  einem  fafl  fteben  (Sentimel 
grofcen ,  t teigförmigen  Siegel  beftegett  ift.  Stile  Stnjeidfjen  fpred^ 
bafür,  bafe  ber  Qn^alt  mit  ben  geöffneten  Briefen  genau  überei 
ftimmt.  S)ie  Sfaffdjjrift  lautet:  Inclito  prin«ipi  E.  Anglie  r< 
magnifico.  S)ie«  ©tegel  ifi  Dottfommen  wotyterljalten.  @mje( 
©orte  fmb  ungead&tet  be«  a3erfdj)tuffe«  erfennbar. 

S)ie  Stubrif  Varia  enthält  Urfunben  au«  Oertern  unb  San 
fd&aften,  bie  nur  einmal  ober  einige  2Me  tjorfommen  unb  nii 
§af)lretd&  genug  waren,  um  eine  ©ruppe  für  ftdfj  )u  bilben.  S5 
mufcten  Ijauptfädtfidf)  Seutfd&e  Derter  fein,  unb  e«  ift  überrafd&e 
ju  fe^en,  wie  weit  in  ba«  innere  non  2)eutfd&lanb  hinein  bie  9$ 
binbungen  fi$  tjerjweigten ,  bie  in  ber  an  ber  äufeerften  nörblidj 
@ren§e  gelegenen  ©tabt  jufammentrafen.  ©d&on  im  breije^nl 
3a^unbert  mar  ®a«  ber  §all.  2lu£  Sßrag  mirb  in  einer  @rbfd&afi 
angelegen^eit  gefdfjrieben,  au«  Sreuenbriefcen-  eine  gorberung  f 
getaufte«  ©etreibe  angemelbet,  au«  @ifenad>  über  bie  SSerborben^ 
be«  gelieferten  gering«  geflagt;  ein  ©d&retben  be«  Sanbgrafen  v 
Kurtagen  ergiebt,  ba&  Jpopfen  von  baljer  fam;  ber  $er$og  v 
©djjlefien  erteilte  ben  ßübedtern  einen  ©d&ufcbrief.  $df)lmä)tx  u 
reichhaltiger  nodjj  finb  foldie  gäße  au«  bem  tuerjetptten  3af>rl)unbe 
S)a  f>a.ben  mir  SBerljanblungen  mit  ben  ©rafen  von  SImSberg,  u 
§enneberg,  t>on  ipoga,  non  ßimburg,  von  ©ponfieim,  unb  ©d&retb 
au«  ben  ©täbten  Seme  (in  ber  ©raffd&aft  S)elmen^orft)  ,  ©urf 
(in  Unterfranfen),  ©uberfiabt  (im  @id&«felb),  @lrid&  (an  ber  %o\ 
im  &arj),  Erfurt,  granffurt  am  3Jtaüi,  ^alberfiabt,  S&attt,  ^eilige 
jlabt,  Äemerf  (Äemmeridj  im  @rjbi«t§.  6ö(n?)  SanStrofi  (im  %\ 
flentl).  Äalenberg)  äRainj,  Harburg,  SKerfeburg,  2Rül)UKwfen,  SRünto 
(3Rünber,  gfirft.  Äalenberg),  Sliemicf  (3teg.*$e§.  $ot«bam),  Dttenfr 
in  ber  ©raffdjjaft  ©berftein,  Dueblinburg,  Greife  (an  ber  3Rofel 
Sjerflebe  (Sarftebt  im  33i«tt).  #tlbe«§eim),  SBemigerobe,  2)bi 
(Uebigau  beiSBittenberg?),  ßerbft,  Siegendem,  3ürtd&.  9Äand&e  9 
men  waren  fd&wer,  einige  gar  mdjt  mit  ©id^er^eit  ju  befitmnv 
unb  e«  mar  ganj  paffenb,  ba&  ber  9tatl)  twn  SRietmdt  bem  9taw 
ber  ©tabt  bieSEBorte  beifügte:  „be  belegten  \&  in  Ijertod&e  äöenflai 
la'nbe  to  ©äffen."  9Ran  barf  wo&t  annehmen,  bafc  berartige  ©d&i 
btn  fetae«weg«  alle  aufbewahrt,  alfo  gdfle,  wie  bie  genannten,  n 
Diel  häufiger  porgefommen  finb.  3roei  ©^reiben  au«  bem  3al 
1364  fmb,  weil  norbfranjöfifcfc  getrieben,  fd&on  fprad&lidi)  intereffa 
fie  betreffen  bie  Angelegenheiten  ber  erfien  ßübecftfd&en  ©olbai 


Digiti 


zedby  G00gk 


Mi 

mfinjer,  ber  ©ruber  ©alembien. 8Ö)  ^ferner  liegen  in  bet  Sftubrif 
}«i  »riefe  be«  S)ogen  Antonio  SJenieri  von  SJenebig,  betbe  mit 
anljäitgenber  bleierner  SJutte.  Sie  ftnb  unbatirt,  muffen  aber  in  ba& 
Wft  1396  fallen,  ba  angegeben  wirb,  bafe  fte  in  ber  werten  3n* 
fction  getrieben  ftnb  unb  biefe  in  ber  9tegierung«jett  be«  Sogen 
üemeri  nur  einmal,  nemlidj  in  bem  genannten  Safyct,  üorfommt. 
Unb  ba  ergiebt  ft<$  benn  für  bie  beiben  ©^reiben  aud>  ein  S^fam* 
«enfang.  Sonifa}  IX.  erteilte  ben  SNmiinifanermönd&en  in  ßübecf 
te  3nbulgenien,  toett&e  bie  2Jtarcu3fird>e  in  SBenebig  befafc.  S)er 
Soge  ma$t  nun  bem  Statte  von  Sübed  —  unb  jtoar  ad  instantem 
requisitionem  nobis  pro  parte  vestra  factam  —  SJtittljeilung  bar* 
ite,  worin  biefe  Qnbulgenjen  befielen,  unb  über  bie  SSeranlaffung, 
i»  wel<&er  Alejanber  III.  fte  im  3.  1177  ber  Äir$e  tjerlie^en  fcabe. 
int  pdpplidjie  Sufle  ifi  Dorn  26.  SRooember  1395,  ba«  ©djreiben 
be*  Sogen  t>om  4.  gebr.  1396.  5Die  Angelegenheit  würbe  atfo 
tanate,  um  mit  einem  mobemen  Au«brud.  ju  reben,  atö  eine 
Wafllüfce  angelegen  unb  man  formte  unter  Umftänben  felbji  au« 
*»drtg  fd&neH  9ta<$ridjt  £aben,  wenn  man  einen  eignen  S3oten 
Wfe,  wie  ber  Statl)  e«  in  biefem  gatte  fyat  SBäbrenb  ber  Am 
«jenfcit  beffelben  in  SSenebig  £atte  ein  2Hlb,  meldte«  bie  Seran* 
I#ng  jener  Snbulgenjertljetlung  an  bie  aRarcu&ßirdje  barjieHte, 
nk^t  ooOenbet  werben  Wnnen.  ©er  $)oge  überfanbte  eS  bem  Statte 
hno$  einen  anbern  Soten  mit  einem  ©djretben  t>om  l.  SWärj.  S)er 
pa$lu$e  Ablaßbrief  giebt  aßerbing«  me^r,  a\&  geroölptti($.  2Bä§renb 
aBe  fonfi  mit  befannten  Ablaßbriefe  nur  eine  remissio  poenae 
oedei|en,  uerleiljt  biefer  eine  remissio  poenae  et  culpae. 

Sir  Ijaben  bann  nod>®olbquittungen,  ein§unbertunbeinunbfedj)§tg, 
namentli$  au«  ben  Sauren,  in  melden  Sübed  Äriege  führte,  unb 
Urfefcben,  jroei^unbertftebenunbftebenjig,  testete  nur  bi«  jum  Qa^re 
1500  geotbnet  unb  oerjetdjnet.  ©ine  große  Anjal)l  au«  bem 
Wfeefytten  Qa^r^unbert  ifi  no$  ungelefen. 

3$  fomme  jefct  gu  ben  Urtunben  au«  ben  nu$t  beutf^en 
ttxbtnt  SBemt  \d)  au$  babei  im  Allgemeinen,  wie  blauer,  bie 
dp^abetif c^e  3tei^enf olge  beibehalte,  fo  ftnb  bie  erfien  bie  Anglicana, 
etwa  breüjunbertunbfünf  jig  an  ber  3a$l  Qn  tynen  erföeint  Sübed 
Wen  allein,  geroölinlid)  in  SSerbtnbung  mit  feinen  8unbe«genoffen. 
Sit  fließen  ben  fceutfd&en,  junädfl  ben  Sölnem,  in  @nglanb  gemährten 


*)  Hb.  UrL<8«4  $b.  III  M  506  unb  508. 

24 


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372 

grei^elten  ftnb  in   einem  (SopiortuS  in  Sötn  Dor^anben.    J)afl 

äftefte  §ier  im  Original  beftnblid&e  Sßttoüegtam  ifi  *>on  #einri<$  III. 

aus  bem  ^afyct  1260,  unb  von  ba  an  ge^t  bie  @rtl)eiluttg  neuer 

ober  bie  ©eftätigung  alter  SSorred&te  bur#  ade  Äönige  (SnglanbS  in 

ununterbrochener  9tei^enfoCge  fort  bis  §ur  Äatljoliftljen  SDtaria  im 

3.  1553.    ©ntge  biefer  Urfunben  ftnb  audf)  in  iljrer  gorm  unb 

SfaSftattung  ungemein  ftattlic^ ;  feitbem  aud&  ber  Utred&ter  Serteag 

turnt  28.  gebruar  1474  ju  betätigen  mar,  mußten  fie  fd^on  beSljalb 

feljr  umfangreidfc  fein.     3ö!?teW>  fab  bie  Urfunben  über  tiefen 

überaus  mistigen  Vertrag,  ber  ad&tunbjtoanjig  Paragraphen  enthalt, 

alle  anfangenb  mit  Item  appunctuatum,  conventum,  concordatum 

et  conclusum  est,  unb  für  ben  8eft|  beS  ©taJjlffofS  in  Sonbon  unb 

ber  ©tafytyöfe  in  JBoflon  unb  fynn  bie  ©runblage  geworben  ift 

Unter  ben  $ottmad&ten,  meldte  bie  einjetnen  ©täbte  ausgepellt  l)aben, 

ba  bei  weitem  nid&t  alle  2lbgeorbnete  fenben  fonnten,  ift  au$  eine 

Don  Ärafau.    (Sine  eigentljümlid&e  ©d&mterigfett  erfjob  ftd&  bei  Slud* 

med&fefong  ber  Ratificationen,  bie  in  Srügge  gefd^e^en  foDte.    5He 

ftäbtifdf>en  äbgefanbten  bradfjten  jroet  6?emplare  mit.    ©ins  beftanb 

aus  mehreren  mit  totlj  unb  rocife  feibenen  ©d&nfiren  §ufammenge$ef* 

teten  Stättern.    2)aS  bejeidfjnete  ber  engltfdfje  SHbgefanbte  als  minus 

conforme  usui  et  consuetudini.     S)aS  anbete  (gfemplar  bepanb 

jroar  aus  einem  blatte,  aber  baS  Sieget  baran  l)ing  nid&t  an  fei* 

bener  ©cfjnur,  fonbern  an  einem  hoppelten  Sßergamentfireifen.   2)aS 

mürbe  ebenfalls  beanftanbet.    Slber  auä)  bie  englifd&en  (gjetnplate 

genügten  nid&t;  baS  eine,  weil  audfj  baran  baS  Siegel  an  Pergament* 

flreifen  l)ing,  baS  anbere,  meil  barin  mehrere  SDfcale  äBörter  junfdjen 

bie  &0m  gefd&rieben  untren,  ©ie  mürben  ba^er  ebenfalls  nidjt  an« 

genommen  unb   bie  beiberfeitigen  ffiocumente  bei  bem  $rior  beS 

©armeliterllofterS  beponirt,  am  10.  Sluguji  1474,  unb  bie  nrirftic&e 

ätaStoedjrfelung  neu  angefertigter  ©ocumente  gefd&alj  erft  am  4.  ©ep* 

tember  1475.  ©odjj  mürbe  bie  SMjteljung  beS  Vertrags  baburd^  ni#t 

aufgehalten,    ©er  Slrt  10  beffelben  bestimmte,  bafe  ber  Äönig  ben 

$anfen  als  (Srfafe  für  bie  t>on  Upten  erlittenen  ©droben  bie  Summe 

t)on  10,000  £  aus  feinen  Solleinnahmen  entrichten  folle,  unb  jmar 

in  ber3lrt,  ba&  bie  ^anfifd^en  Äaufleute  bie  von  i^nen  ju  entrid^tenbcn 

3dQe  f 0  lange  nid&t  bejahten,  bis  ber  Setrag  uon  10,000  £  erregt 

märe.  9tun  tyaben  mir  eine  änja^l  SrHärungen  ber  3olIeinne^mer  in 

$uH,  Sonbon,  SpSurtdfj,  £ymt  unb  anberen#äfen@nglanbS  über  ben 

erlaufenen  Soll,  femer  aud&  in  ©ejug  auf  ben  «ertrag  eine  Hnjafcl 


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zedby  G00gk 


373 

wn  erflorungen  einzelner  ©täbte,  bafe  fie  bie  JBejiimmungen  beffel* 
tat  in  Ausführung  bringen  wollten,    ferner  liegen  in  biefer  Sb* 
Teilung  no<&  oiele  ttrfunben,  bie  fi<$  auf  bie  ©ebäube  beS  ©tal)l* 
JofeS,  namentlich  bie  früheren  eigeut&umSfibergänge  begießen  unb 
pm  J^eil  in  ßappenbergS  ©efd&td&te  beS  ©tatytyofeS  gebrudft  finb, 
raib  enblid)  nodfj  jwei  in  ©dfjottlanb  ausgefeilte  ttrfunben,  bie  tyrer 
Steiler  wegen  merfwttrbig  finb,  eine  oon  SBiEiam  SBaDace  1297, 
eine  mm  Stöbert  Sruce  1322,  beibe  mit  jiemltdf)  woliterJjattetten  Siegeln. 
3)ie  Batavica,  an  ber  $afy  jweif^nbertunbfedfoig,  jeigen  bie 
meber^olte  Verlegung  beS  ©tapelS,  melden  bie  £anfa  in  Srtigge 
tydt,  oon  bort  weg  naö)  einer  anbern  flanbrifd&en  ©tabt  ober  na<^ 
Wtönbifcfcen  ©täbten  unb  bie  eben  fo  oft  erfolgte  SRüdtte^r.    So 
gefd^a^  es  einmal  im  brennten,  breimal  im  oierje^nten,  einmal  im 
ffafee^nten  3fa$rf)Uttbert.  S)le  in  biefer  SSeranlaffung  erlaffenen  goO* 
wOen  geben  ein  Silb  beS  bortigen  SBaarenoerfeljrS  im  SRittelalter,  unb 
bie  ben  $anfen  jugejtd&erten  ^Privilegien  ein  Silb  tfjreS  SebenS  unb 
8fter$er$ättniffe.  Site  enblid^  im  fedf>jel)nten  ^a^unbert  bie  beftnitioe 
IWegung  beS  ©tapelS  fefi  befd&toffen  mürbe,  Ijatte  in  golge  ber 
mtaberten  93erfei}rSoer$ältttiffe  fowoljl  ber  ganje  Stapel  als  aud& 
I*  $anfa  U>re  ©ebeutung  oertoren.    3)er  änftrengung  unb  in  ber 
2$at  berounbemSwürbigen  SfoSbauer  SübedtS  ift  bie  Erbauung  beS 
Sanfeatifd&eit  Kaufes  in  Antwerpen  ju  bauten.    1545  nmrbe  mit 
bem  9Sat^  oon  Antwerpen  ein  Vertrag  gefd&loffen,  ber  bie  Stellung 
ber  §anfeftiibte  befttmmte  unb  fieberte.     SBor  weiterem  SSorgeljen 
«mrbe  bie  erneuerte  lanbeSljerrlidfje  Sefiätigung  ber  alteren  $riol* 
legien  für  unerläfeltdj)  gehalten.  S)ie  ©tabt  Antwerpen  oerfpradf)  fie 
ewjii$oUn,  aber  fie  erfolgte  erp  nad&  jedf>je$n  Sauren  burdf>  $i)ilipp  11. 
1563  begann  ber  Sau,  1567  mar  er  ooHenbet.    2lm  7.  3uli  1568 
gefyalj  bie  feierliche  ginwetfung  ber  §anfa  in  baS  ©ebäube  buref) 
SJepatfcte  beS  SRattjS  oon  Antwerpen,  aber  im  Slugufl  beffeiben 
3t$re£  30g  Sttba  in  Trüffel  ein  unb  fanbte  fogletdf)  aud>  Gruppen 
na$  Antwerpen.  3m  October  fam  er  fetbji  ba^in.  S)aS  #auS  nmrbe 
mit  Einquartierung  belegt.  @8  fjat  feinen  eigentlichen  3medt  niemals 
erreicht,  ifl  nie  bie  Sftepbenj  ^anftfd^er  Äaufleute  geworben,  meldte 
l&gft  fd&on  einen  ©tapel  UjrrerfeitS  ntdjjt  me^r  für  oort^eit^aft  gel- 
ten, fonbetn  bie  ftreiijeit  $aben  wollten,  i^re  SBaaren  ba  an  ben 
Warft  ju  bringen,  wo  fie  glaubten  fie  am  leic^tefien  oerlaufen  ju 
fanai    Qn  neuerer  faxt  na^m  ber  SWagijirat  oon  Antwerpen  bas 
%nt^umSred^t  in  3fttfprud&,  weil  bie  §anfejtöbte  bie  ©ebingung, 

24* 


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zedby  G00gk 


374 

unter  weld&er  e«  tynen  übergeben  fei,  bog  tyanfifd&e  Äauffeute  bari 
wohnen  fönten,  ni^t  erfüllten.  S)arauS  entfianb  ein  ftebenjö^rü)1 
Sßrocefc  Don  1820- 1827,  ber  ju  ©unflen  ber  $anfefiäbte  au«fu 
©er  SJtagifirat  würbe  von  ben  @erid)t«l)öfen  be«  eignen  Sanbe« 
allen  3nflanjen  mit  feiner  Älage  abgewiefen,  $auptfäd&U(i)  au«  be 
©runbe,  weit  er  bie  ©rfüttung  ber  urfprttnglid!)  atterbing«  ^erei 
borten  Sebingung  feit  länger  afe  einem  3a^rl)unbert  ntd&t  in  » 
fpru<$  genommen  $abe.  Sei  ber  Slblöfung  be«  ©d&elbejoll«  i 
Qatjre  1863  frtt  bie  öelgifdfje  Regierung  e«  für  einen  anfelinlid&i 
5ßrei«  übernommen. 

Sßäpfilid&e  Süllen  (bullae  papales)  liegen  jum  2$eil  be«  fac 
liefen  3ufammen^ang«  wegen  in  mehreren  äbtyeilungen  jerjhei 
einljunbertunbjwei  in  uerföiebenen  Angelegenheiten  bilben  eine  eigi 
Ableitung,  SDie  erfte  berfelben,  am  28.  -ftouember  1226,  alfo  hi 
nad&  bem  (Srwerb  ber  9tetd&«freil)eit,  oon  $onoriu«  III.  erlaffe 
lägt  Sübedf  fd&on  al«  einen  $afenptafc  erlernten,  in  meinem  Äreu 
fairer  ftdj  fowof)l  nad&  ^aläflina  at«  nadf>  ßieflanb  einjufdfjiffi 
pflegten.  @«  folgen  elf  tjon  ©regor  IX.  (1227— 1241),  t>on  roelcfy 
bie  brei  erfien  fid&  ebenfatt«  auf  bie  t>on  Sübedf  au«geljenbett  ga$rt< 
ber  Äreujfaljrer  nad&  Sieflanb  bejie^en,  bann  fiebenj^n  von  3nn 
jenj  IV.  (1243—1254),  ber  ben  Sübedem  ba«  mistige  Sorre< 
gab,  ba{?  fte  nid&t  vox  auswärtige  geijilid&e  ©erlebte  fottten  gejogi 
werben  bürfen,  unb  ben  SCbt  uon  Sfteinfelb  jum  Sonferoator  bief 
Sßruntegium«  befteüte.  9Bir  &aben  inbeffen  beibe  Urftwben  auffalle 
ber  SQBeife  nid&t  im  Original,  fonbem  nur  in  £ran«fumpten  b 
©arbinal«  Sßityelm  *>on  ©abtna  oljne  ffiatum.  $>te  lefeten  ©uft 
fmto  oon  3uliu8  II.  (1503— 1513).  6r  gab  bem  Statte  t>on  ßüb 
1505  ba«  Sßatronat  über  bie  Sßraepojttur  be«  ©omcapitel«,  xoon 
ba«  Siedet,  ben  Sßropji  ju  wählen,  jufammenljing.  SO«  balb  bara 
bie  Sieformation  eintrat,  weigerte  ba«  ©omcapitel  ftd&,  bie«  9ie< 
länger  anjuerfennen,  unb  ber  Sftatl)  falj  ftdf),  na<$  langen  9ta$an 
lungen  1595  genötigt,  e«  in  ber  Slrt  mit  bem  Sapitel  ju  tfjeile 
bafe  ber  Sßropfi  abwedjtfelnb  einmal  t>on  Ujm,  einmal  t>on  bem  6apii 
gewählt  warb.  S)ie  lefcte  JButte  ifl  von  1508,  eine  Sejiätigung  b 
©t.  Sinnen  *Älofter«,  meldte«  bie  Sürger  gegiftet  Ratten,  um  ei 
6rjie^ung«anftalt  für  tyre  Softer,  bie  früher  häufig  in  au«warti 
Älöfter  gefanbt  waren,  in  ber  ©tobt  felbji  au  fytben.  ©er  5ßq 
pellte  e«  md&t  unter  bie  äufjid&t  be«  »ifd&of«  aon  Sfibedt,  fonbei 
unter  bie  be«  äbt«  uon  äömbefem  bei  S^oHe  in  $oOanb. 


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375 

SBetm  bie  papflti<^en  Utfunbett  eine  ©unflerroeifung  ober  eine 
ßtaabenbejeugung  enthielten,  fo  würbe  bie  bleierne  SuDe  an  gelb 
unb  rot^  fetbenen  gäben  angehängt;  enthielt  fie  aber  eine  (Sntfdfjei* 
bung  ober  einen  äuftrag,  fo  würbe  eine  hänfene  ©d&nur  gebraust 
Ob  ba*  ßine  ober  bai  Slnbere  ber  gaD  war,  nrirb  bei  Slnfityrung 
ber  päpjilid&en  Urfunben  bisweilen  befonberS  bemerft, 26)  unb  barin 
bürfen  wir  tooljl  ein«  ber  mannigfadjjen  SKomente  erbliäen,  aus 
mltym  $eroorgel)t,  bafe  baS  SRittelalter  auf  bie  bamalS  üblichen 
biplomatifd&en  gormen  tUn  fo  Diel  SBertl)  legte,  als  eS  heutigen 
&ße«  gefd&ie§t.  83on  Snnojenj  V1H.  erhielt  ber  9totl)  aud)  jur 
(Empfehlung  ber  Segaten,  meld&e  Ablaßbriefe  uerfauften,  ober  ber 
8oten,  meldfje  baS  gefammelte  ©elb  abholen  fottten,  mehrere  oer* 
fötojfene  unb  t>erftegelte,  unter  bem  gifd&erring  (sub  annulo  pisca- 
toris)  auSgefiettte  ©^reiben.  $>aS  Siegel  jeigt  baS  SSrufibilb  beS 
SpojlelS  ^etruS,  ber  in  einem  Soote  mit  bem  aufriefen  eine«  SRefeeS 
bcf^aftigt  ifl,  unb  bie  Umfdjrift  Innocentius  VIII.  ©n  jufammen* 
gehegter  ^Jergamentfireifen  ift  ringförmig  $erumgelegt. 

$ie  Stubrif  Gallica  ifl  bie  fletnfte  oon  allen,  fte  jatytt  nur 
braftg  Urfunben,  einjelnen  ober  allen  ©täbten  benrittigte  ober 
erneuerte  greifjetten.  3n)eiunb§UHmaig  fmb  1837  im  S)rudt  erfdfjienen, 
jebo$  md&t  in  ben  SSudföanbel  gefommen. *7)  SJon  1430  an  fmb 
bie  Urfunben  me^rent^eite  franjöftfdf)  unb  liefern  ba^er  audf)  einen 
Beitrag  jur  Oefd&id&te  ber  franaöjifdjen  ©prad&e.  SJttt  ßubroig  XIV. 
fat  Sübedt  1655,  mit  Subnrig  XV.  1716  in  Serbinbung  mit  ben 
beiben  anbem  ipanfeftäbten  ipanbelSoerträge  gefd&loffen.  ©en  93er* 
trag  oon  1655  fcaben  mir  nur  in  einem  ©rudtejremplar.  ©er  erfle 
Jfopoleou  *erliel>  Sfibedt,  mft^renb  eS  bem  franjöftfd&en  SReid&e  ange^ 
Ijörte,  ein  neue«  SBappen. 88)  Sin  ber  barfiber  ausgepellten  Urfunbe 
#tagt  fein  Siegel  in  rotljem  2Bad&S,  meld&eS  er,  abroeid&enb  oon  ber 
©emo^n^eit  ber  ©ourbonen,  gelbe*  äBad&S  ju  nehmen,  immer  ge* 
brauste.    SouiS  p&ilippe  lehrte  in  biefer  ©ejie^ung  ju  ber  ©Ute 


M)  3.  ®.  Sfib.  Urf.*3hi$  93b.  III  6.  788:  Litteras  apostolicaa,  unam 
gracioaam  cum  filia  sericis,  et  aliam  executoriam  cum  cordula  canapis  more 
Bomane  curie  bullataa reeepimua. 

,T)  8e*rie  de  traite's  et  d'actea  contenant  lea  stipulation  faites  en  faveur 
du  commerce  et  de  la  nnvigation  entre  la  France  et  la  villc  libre  et  anse'- 
•tiqne  de  Lubec  de'pnis  1293.     Lubec  1837. 

*)  «bgebilbei  in  Älu g  ®ef<f)id)te  Sfibetf«  toä&renb  ber  Bereinigung  mit  bem 
fa»iafff*eii  Äaiferreicfte. 


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376 

ber  "SBourbonen  jurfidf.  2öit  befifcen  aud&  fein  Siegel  an  ber  9lai 
fxcation  eines  Vertrags  twn  1847  über  gegenfeitige  äuälieferui 
oon  Verbrechern.  2)er  britte  SRapoleon  tyat  ebenfalls  gelbe«  SBad 
gebraud&t. 

S)ie  Danica  bilben  unter  ben  aufeerbeutfd&en  Urfunben  neb< 
ben  englifdjen,  bie  jaljlreicijfte  ätötljeilung,  es  jinb  üjrer  bröfjunbei 
unbfünfjig.  2)ie  ältepe  ift  von  1203,  ein  greibrief  SBalbemarS  I 
ber  bamalS  SübedES  Dbertyerr  war.  SDaS  bauerte  bis  1226.  ©ein« 
Jiad&folgern  bis  auf  bie  neueften  3ci*en  ftanb  Sübed  Dielfad)  n 
5)unbeSgenoffen  gegenüber,  aber  aud&  trielfadf)  allein,  vox  unb  nc 
bem  Äriege,  ber  in  ber  ©efd&td&te  ben  9tul>m  ber  ipanfa  am  meijii 
oerf)errlicf)t  fyat.  Sie  Urfunben  über  ben  ©tralfunber  grieben  w 
24.  3Wai  1370  finb  nid&t  ^ier,  fonbern  in  ©tralfunb,  bagegen  t 
fmben  fi<f)  liier  brei  Urfunben  au«  bem  3.  1376,  in  melden  Äör 
Olao,  SBalbemarS  @nfel,  jenen  graben  wiebertjolte,  betätigte  u 
auf  Norwegen  ausbeute,  audf)  bie  Urfunbe  von  1385  über  1 
9tti<fgabe  ber  ju  ©tralfunb  ben  £anfeftäbten  auf  fünf je^n  3a^ 
abgetretenen  ©dfjlöffer  unb  ©ebiete  oon  ©djjonen.  S)ie  engfien  ? 
jie^ungen  jmifdfjen  ßübedt  unb  ©änemarf  beftanben  unter  ber  9teg 
rung  beS  erften  ÄönigS  aus  bem  Dtbenburgifd&en  Stamm,  6$rifUan 
Qn  ber  abt^eiiung  Holsatica  liegen,  toie  oorljin  bemerft,  aus  l 
3eit,  in  roeld&er  S^riftian  1.  regierte,  fed&jig  Urfunben,  in  ber  8 
Rettung  Danica  ad&tunbbreifcig,  jaljlreidje  ©d&reiben  beS  ÄönigS,  I 
bei  ben  3lcten  liegen,  ungerechnet  Sübed  war  bamalS  im  SSoQbe 
feiner  Äraft,  bie  £anfa  ftanb,  wenn  nidfjt  auf  bem  fjödfrften  Sßun 
ber  3Jtad&t,  bod&  auf  bem  Ijödftften  fünfte  beS  SlnfeljenS.  S)a$ 
wcifl  ber  Utredjter  Vertrag.  S)ie  SunbeSgenoffenfd&aft  jwtfä 
Üübedt  unb  ©^riftian  war  eine  natürliche,  weil  beiben  feilen  f 
berlid&,  unb  beStyalb  aufnötige,  igat  ber  Äönig  einmal  ben  Sßl 
gehabt,  fidfj  Sübedte  ju  bemäd&tigen,  fo  fragt  eS  ftd)  notlj,  ob  i 
me^r  als  ein  Dorüberge^enber  ©ebanfe  war.  S)ie  Ver&ältnifie  ft< 
beu  bamalS  fo,  ba&  ber9tatf)  üjm(U62)29)  bie  Stojaljl  SReuter  u 
fd)reiben  fonnte,  mit  welchen  er  in  bie  ©tabt  einjie^en  bürfe.  fiül 
verlangte  9üd&tS  als  gretyeit  unb  ©id&ertyeit  beS  VerfeljrS  ur 
oiclmals  oerbrteften  Sebingungen,  unb  baS  gereifte  au$  Gtjttfit 
jum  Vorteil.  2lud&  mit  ber  Königin  ©orot^ea  ftanb  ber  Statlj 
oielem  Verfefp  unb  ftc  bewies  iljm  großes  Vertrauen.  3HS  ®emat 


29)  ©rautojf,  2fi&.  (%onifen  X%  II  @.  244. 


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377 

(HjrijiopfyS  III.  gab  fte  i^m  bie  ifjr  2Bitt!jum  betreffenben  Urfunben 
jut  Aufbewahrung  uttb  empfing  fte  nad^  iljrer  2krmäl)lung  mit 
e&rifttan  jurücf.  2ÜS  fie  abermate  SQBittme  geworben  war,  oertraute 
fic,  id)  weife  nid^t  in  melier  SSeranlaffung,  bem  Statte  iljre  lammt* 
lidjen  Äofibarfeiten  tmb  bie  3)ocumente  über  i&re  3Rorgengabe  an. 
6ie  §aben  oier  3a^re  Ijier  gelegen.  S)aS  lange  SSerjeidfjnife  bet 
Sdjmudffadfjen  bilbet  eine  intcreffante  Urfunbe.  Unter  6§riflian£ 
Soljn  unb  9tod(jfolger  3of)ann  mar  ba3  33erljältmß  feinbfelig.  6r 
verlangte,  bafe  bie  ©täbte  ftd&  alles  $anbelS  mit  ©d&weben  enthalten 
{outen  unb  ba  fte  ba£  ntd&t  tonnten  unb  nid&t  wollten,  entbrannte 
}u  änfang  be«  fed&je&nten  Qa^unbertö  ein  heftiger  Ärieg,  ben  bie 
©table  Sübedt,  Hamburg,  Süneburg,  SBiSmar,  Sftoftodf  unb  ©tratfunb 
par  mutfjoofll  unb  rutymooH,  aber  bodf)  o^ne  @rfotg  führten,  ©ie 
mußten  1012  im  grieben  oon  SKalmoe  bem  Jganbel  mit  ©darneben 
cntfagen  unb  ftd&  ju  einer  3^fong  *>on  30,000  ©ulben  als  Äriegg* 
loflen  oerpfttd&ten.  9teun  Quittungen  über  je  2600  ©ulben  liegen 
in  unfetm  Wctyv.  griebridfj  I.  bewies  aud&  als  Äönig  oon  $>äne* 
mar!  jid>  erfenntlidf)  für  bie  Unterftü&ung,  bie  er  oon  Sübedf  erfaf)* 
renljatte,  unb  überliefe  ber  ©tabt  1526  auf  50  3al)re  bie  Snfel 
Somlplm,  bie  fte  audfj  bis  1576  befeffen  fyit.  93iö  ju  feinem 
2obe  (io.  Stpril  1533)  bauerte  baS  einoerfiänbmfe  fort  S)ann 
trat  bie  wunberbare  SSermidelung  ber  Umftänbe  ein,  meldte  Sübedt 
oeranlafete,  spartet  für  ebenbenfelben  gürfien  }u  nehmen,  gegen 
welken  eS  ftd^  je&n  ^aljre  früber  mit  griebridj  oerbunben  Ijatte. 
3)ag  plöfclid)  bemoeratifdf)  geworbene  Sübedt  begann  einen  Äampf, 
ben  e$  nid&t  burd(rfül)ren  tonnte,  oon  weld&em  eS  im  ^rieben  ju 
Hamburg  oom  14.  gebruar  1536  jurüdftrat  $ein  SBunber,  baß 
(^rifiian  III.  niemals  oergeffen  fonnte,  was  Sübedt  unter  3Buflen* 
roeber,  wenngleich  nic^t  erreid&t,  bodf)  gewollt  unb  oerfudfjt  ^atte, 
bafe  er  mit  ber  (Erfüllung  beS  im  griebenSfd&lufe  gegebenen  33er* 
fared&etrö,  bie  Sßriotfegten  ber  £anfeftäbte  ju  betätigen,  lange  jögerte 
unb  föUefelid&  (1547)  e$  bod&  nid&t  in  ber  jugefagten  SEBeife  erfüllte. 
3$  tomme  barauf  nod&  jurüdt,  audfj  auf  ben  Dbenfeer  Stecefc  (25. 
Sali  1560),  ber  bie  Urfunben  gewifferma&en  abliefet.  2)enn  es 
folgen  bann,  abgefetyen  oon  einem  Sßoftoertrag  oon  1697,  nur  nod& 
We  neueren  SSerträge. 

SKit  ben  ©änifd&en  Urfunben  Rängen  bie  9torroegifd&en  unb 
©dpebifdjfen  nalje  jufammett  SSon  ben  erfleren  finb  nur  bie  älteren 
eigentümlich  bie  fämmtUd^  gebrudtt  finb.    3>ie  männttd&e  Sütie  be« 


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378 

9torroegifd[>en  Äönigftamme«  erlofd)  mit  $afon  VII.  13 19  unb  feit* 
bem  mar  SRorroegen,  eine  furje  Seit  abermaliger  Selbftänbigfeit 
unter  $afon  VIII.  abgeregnet,  burd&  bie  ^erfon  be«  Äönig«  immer 
entmeber  mit  Sd&roeben  ober  mit  Stänemarf  Bereinigt  S)od>  finb 
öfter«  über  bie  9ftorroegifd&en  33er$ältnijfe  befonbere  Urfunben  au«* 
gefiettt,  namenttidf)  von  ben  beiben  Äönigen,  meldte  in  bauernber 
freunbfd&aftltdfjer  JBerbmbung  mit  ber  £anfa  fianben,  ©jrifttan  I. 
unb  griebrid&  I.  3n  ad&t  oerfd&iebenen  Urfunben  §at  <£l>riftian  ber 
beoorjugten  Stellung,  roeld&e  bie  ipanfen  in  Sergen  einnahmen,  eine 
erneuerte  ©runbtage  gegeben  unb  Upten  roirtfamen  Sd&ufc  oertte&en. 
3n  gteid&er  SBeife  förberlidfr  ertöte«  fid&  griebrid&  I.,  ber  fte,  fdfjon  e$e 
er  Äönig  mar  (1520),  gegen  S^rifHan  II.  oertrat  unb  atebalb  na<$ 
feiner  Ärönung,  rote  er  oor&er  oerfprod&en  ^atte,  i^re  fämtntlid&en 
Privilegien  oottfiänbig  betätigte,  §roar  nidjt  unter  roörtltd&er  Sin* 
füljrung,  roie  e«  bei  ben  englifd&en  Königen  üblid^  mar,  aber  gleich 
al«  ob  fte  roörtli^  „infereret  unbe  ingefereoen"  mären,  unter  §er» 
oorfjebung  einjelner  fe$r  roefentUd&er  Siebte  unb  unter  gleidfoetttger 
Sluf^ebung  aller  entgegenftel>enben,  etroa  Slnbern,  ©infjeimifd&en  ober 
gremben,  erteilten  Sßrnrilegien.  S)ie  Urfunbe  ifl  am  11.  September 
1524  in  jroei  (gjemplaren  ausgefertigt,  an  einem  fangen  fteben,  an 
bem  anbem  jmetunboterjtg  Siegel,  Snbeffen  Ratten  bie  SBerftfltntffe 
\iti)  fd&on  fo  geänbert,  bafc  bie  2lufred)tl>altuttg  ber  ^rioilegien 
unburd)füt)rb«r  mar.  Ueber  bie  fpateren  Sd&idfale  ber  SRieberlaffung 
ju  Sergen  geben  bie  Urfunben  geringen  2luffd&lu&,  gar  feinen  über 
beren  enbltdfje  Sluflöfung,  bie,  naefcbem  ba«  Somptoir  feine  Sebeutung 
längfl  oerloren  unb  eine  ©et^eiligung  Bremen«  unb  Hamburg«  feit 
geraumer  3^it  aufgehört  fcatte,  im  Saljre  1775  burdfc  ben  SSerfauf 
ber  Oebäube  erfolgte. 

S3on  Sd&roeben  ftanb  ein  räumlich  jroar  nid&t  fe$r  ausgebest* 
ter,  aber  für  ben  SSerfe^r  ber  Raufen  befonber«  mistiger  2$eil,  bie 
Sßrooinj  Sd^onen  nebfi  SBlefingen  unb  §aKanb,  mfi^renb  be«  größeren 
Steile«  be«  Mittelalter^  (oon  1360  bi«  1658)  unter  Stönifd&er 
^errfd^aft  2Bie  bebeutenb  unb  umfangreich  ber  Serfe^r,  tnäbefonbere 
Sübedt«,  batjin  unb  na$  bem  übrigen  Sd&roeben  mar,  ergiebt  ftd) 
barau«,  bafe  unfere  Stubrtf  Suecica,  SDBigb^  eingefdfjloffen,  au«  bem 
oierjeljnten  Qa^unbert  nalje  an  jroetyunbert  Stummem  jffl&lt  3Bir 
fcaben  Sd&reiben  au«  Sobflfe,  Hmaf^er  (jefct  (^riflianfiab),  Sfiber* 
föping,  Sunb,  Sfyföping,  SRalmoe,  SBefterä«,  Simbri«^amn,  Dftob. 
Sitte  biefe  Sdpeiben  fmb  in  ber  bamal«  üblid&en  ©efd&aföfprad&e, 


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379 

bet  lateinifd&en,  gefd&rteben,  mäbrenb  bie  ©d&reiben  au«  (Salmar  unb 
bie  jaljlreid&en  avß  ©tod&olm  beutfdj)  finb,  ein  93emei«,  baß  in  biefen 
beiben  Stäbtcn  ba«  beutfd&e  ©lement  fidf)  üöDig  eingebürgert  tyatte. 
Sei  ben  häufigen  Äriegen  jroifcfien  ®änemarf  unb  ©d&roeben  braute 
bo$  ^Bedangen  ber  Sfönifd&en  ßönige,  baß  bie  ©täbte  fi<$  alle« 
^anbete  nad&  ©d&roeben  enthalten  follten,  um  nid&t  „bie  geinbe 
burd)  3ufu^r  unb  abfuhr  ju  ftärfen,"  ben  9tatl)  öfter«  in  Serie* 
gen^eit  unb  felbft  ba«  Sßcr^ältnife  §u  GtyrifMan  I.  rourbe  baburdfj 
einige  SRole  getrübt.  Slrtbcterfcitö  fud&te  gerabe  bann  ©daneben 
fM)  bie  wertvolle  Sßerbinbung  mit  ber  £anfa  ju  erhalten.  33on 
folgen  ©emüljungen  geben  bie  ©d&reiben  Äarl  Änubfon«  1457  unb 
1469,  Sten  ©ture'«  1494  unb  1495  3*ugni|3.  2lm  roeitefien 
Pflen  bie  3wgeflänbnifTe  ©ujtat)  SBafa'«,  ber  in  einer  Urfunbe  nom 
3. 3uni  1523,  an  melier  fed&«unbjnmn$ig  Siegel  tjängen,  ben 
Stobten  Sübed  unb  3>anjig  nerfpradfc,  bafc  überall  feine  anberen 
Äuälänber  in  ©dfjmeben  £anbet  treiben  follten,  at«  fte  unb  biejeni* 
gen  i^rer  8unbe«gcnoffen,  benen  fle  e«  geftotten  würben,  ein  3uge* 
(tänbnifc,  ba«  natürlich  ungead&tet  be«  SSerfpred&en«,  e«  unwiber* 
niflty  in  allen  jufünftigen  $j/Attn  galten  ju  wollen,  nid&t  burd&gefüfjrt 
«erben  fonnte.  ©ed&«  Sage  nad&  äbfd&lufc  be«  Vertrage«  ergab  bie 
$efa|mng  non  ©todf^otm  fid&  ben  beiben  Sfibedifdjjen  Statfjmännern 
öom^oroer  unb  pönnie«,  unb  burd&  biefe  mürbe  ©uftau  in  feine 
&mptftabt  eingeführt,  aber  ba«  SSerijaltnifc  trübte  fid&  balb,  juerjt 
burd)  bie  Äoftenred&nungen,  bann  burd&  ba«  Ser^ättnife  ju  ben  £ottän* 
bern.  g«  fam  ju  offener  geinbfd&aft  unb  baburd^  ju  einer  Snnälje* 
tung  jroifdfjen  ©änemarf  unb  ©dbweben.  SRerfwürbiger  SHJeife 
befinbet  ftdj  im  Ijiefigen  Slrd&toe  ber  ©ünbnifeoertrag  Dom  2.  gebruar 
1534,  ben  ©ujtoo  SDSafa  unb  ber  ©d&mebifd&e  3teidf)«tag  mit  bem 
Stänifdjen  9leidf)«tag  abfd&loffen,  bejfen  ©pi&e  gegen  Sübed  gerietet 
war,  eine  Driginalau«fertigung  mit  jroötf  Siegeln.  3>a  Sübed  gar 
einen  23jronpraetenbenten  für  ©Sweben  aufteilte, 30)  mürbe  bie 
ftbitterung  ©uftoü«  fo  grofc,  bafc  er  mit  Sübed  gar  feinen  ^rieben 
MjKejjen  wollte,  fonbem  nur  SBaffenfttDflanb.  Sinen  folgen  $a* 
ben  wir  unter  SSorbe^att  weiterer  33erljanblungen  juerfi  non  1537, 
bann,  ba  bie  Serljanblungen  nid&t  jum  Qxdt  führten,  einen  anbern 
wn  1542  auf  fünf  $atyct  unb  einen  nod&matigen  non  1546.  $rie* 
ben  tyat  ©uflao  SBafa  nid&t  mit  Sübed  gefd&loffen.    ©ein  ©otjn  unb 


")  ®aifc.  Sßbecf  unter  Jürgen  SBuIIentoem  93b.  II  <B.  22. 


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380 

iNadtfolger  jeigte  fu$  anfangt  freunblicfc  gegen  bie  Sübecfer,  ober 
burcf)  ba£  Verbot  aBe$  £anbel*  nad>  Slu&lanb,  mit  roeldjem  er  ftd) 
im  ßriege  befanb,  entfianben  balb  3Kif#ettigfeüen  unb  e£  fam  mxfc 
mat£  ju  einem  Ärtege,  ben  Sfibecf  mit  aufcerorbentlidjer  Sfaftrenguitg 
unb  ritymlid)  geführt  Ijat.  S)er  ßifer  ber  Sförgerfd&aft  gab  fu^ 
babutd)  funb,  ba&  fte  fidj  ftrafcenroeife  Bereinigte,  Äanonen  gießen  ju 
laffen,  tüeld&e  fte  bem  SRatjje  fdjenfte.  3)ie  Snföriften,  roeld&e  man 
tynen  gab,  bezeugen  bie  Stimmung.31)  S)er  firieg  bauerte  fieben 
Qa^te,  jmeimal  Vetterte  ber  SJerfud),  grieben  ju  Staube  ju  bringen, 
erjt  unter  bem  SRadrfolger  @rid)$,  Sodann  HL,  gelang  bie  oom  Äaijet 
auSgeljenbe  Sßermittelung.  auf  biefen  ^rieben  bejietjen  fid&  brei 
Urfunben,  juerjl  ba$  grieben^inftrument  fetbft,  am  13.  ©ecembet 
1570  ju  Stettin  non  ben  breiunbjroanjig  Unterfjänblem  perfönli^ 
unterjeid&net  unb  befiegelt  3)er  Stabt  Sttbed  mar  barin  ein  oon 
ber  Ärone  Sdjmeben  ju  jaf)lenber  Stbabenäerfafc  oon  75000  4  ju» 
erfannt  3roei  ^nbere  Urfunben  finb  am  24.  gebruar  157 1  in 
Stodfyolm  von  bem  Äönig  3ol)ann  unb  bem  SReic&Sratf)  auSgefieHt 
unb  mit  fedföeljn  Siegeln  befiegelt.  2)ie  eine  enthält  bie  ^Ratification 
beS  griebenSöertragS,  bie  anbete  eine  SBejiätigung  ber  von  @u(taü 
2Bafa  im  3.  1523  gegebenen  SJkünligien,  jebod^  in  ber  Srt,  bau 
Sübed  auf  einige  für  Sd&weben  befonberS  nad^t^eilige  freiwillig  per* 
jid&tet  unb  bafür  bie  ^erjidjerung  empfängt,  ba&  e3  in  ungejtörtem 
$efifc  ber  übrigen  bleiben  fofl.  Somit  fdjliefcen  bie  Urfunben  ab, 
benn  bie  nod)  folgenbe  ganj  allgemeine  ©ejlätigung  ber  früheren 
Privilegien  burdf)  Äonig  Sigtömunb  oom  25.  Quni  1594,  an  ber 
überbieä  ba$  Siegel  nidjt  me^r  f)ängt,  l)at  feine  ©ebeutung,  ba 
SigiSmunb    me^r   Äönig   von    Sßoten   al$   pon  Schweben    roat 


8I)  (Sine  lautete: 

'  be  §toertßfd)  bin  fcf  gebeten, 
in  mlnen  »ienb  toill  id)  gewaltig  fdjetcu. 
fcavumme  (»ebben  mi  be  borget  ber  mfdjjhaten  leiten  grtrn. 
5>a(  i$  gefdjen  bem  erbaru  raty  unbe  ber  jtot  ton  eren, 
®cb  teil  al  unfere  oienbe  fluten  unbe  tueren. 
Sine  anbere: 
Sübecf,  bu  ebtentife  jlab, 
biue  borget  ber  bteben  fltat, 
fobatg  unb  flene  bordsflraten 
bebben  bi  bit  geten  taten, 
tbo  »eren  bined  »ienbe$  o&etmeb, 
bi  bi  fet  »le  goeb  unbe  blot 


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381 

Unmittelbar  barem  f$Uef?t  ftd)  ein  Settrag  mit  Äönig  DScat  I. 
wm  3.  1852. 

SRit  Uebetgefymg  bet  Subtilen  Livonica,  Estonica  unb  Ordo 
Theotonicos  fomme  id)  auf  bie  legte  2lbtf)CÜungr  Ruthenica.  Statin 
finben  ftd^  au«  bem  oietjeljnten  Qa&tljunbett  jroei  Urfunben  in  tufftföet 
6pra^c,  eine  einer  2)eutfd>en  Ausfertigung  angeheftet  unb  eine  einem 
Stotffdjen  ©jemplat  beigefügt,  fetner  eine  fpätete  ruffifd^e  Utlunbe, 
bie  üft  nad)  Stoßet  al$  ein  uon  bem  ©tofcfütften  8oti£  geobotonrifc 
kr  6tabt  Sfibed  erteilte«  &anbet3ptmttegium  00m  7.  3uni  ieo3 
bqeu^net  %oibt,  mit  fernerem  golbenem  Sieget,  ©ine  ©eutföe  Hebet* 
iefcmg  fle^t  bei  SBiHebtanbt.  6$Ue&U$  ift  eine  Uthinbe  ju  ettoafc 
KB,  bie  auf  $apiet  in  gtofeem  SJSatentfotmat  in  gänjUcij  um>etftänb* 
lüjen  3flgen  gefd&tieben  ift.  6m  Siegel,  roeld&e«  früher  an  Sßapiet* 
teeifen  baran  $ing,  feJ)lt  jefet  ©ine  beigefätiebene  Semethmg  et* 
Hirt  bie  6$tift  für  mongotifd&.  3uf°tfle  *taw  uon  anberet  £anb 
fcijajjtfügten  Uebetfefcung  ift  bet  Sn&alt  eine  äuffotbetung  be« 
SB&en  tyar&  ber  Guttaten  an  bie  roeltbetfi&mte  ©ommfine  unb 
Stfietft  Subecf,  eine  Stefenfto*  unb  Dffenfw  *  2Ulianj  gegen  bie 
IWcoottet  mit  ü>m  }u  föUefeen.  @&  feljlt  an  jeber  3ftad)ridjt  barübet, 
n*  bie  Uttunbe  ^ie^jet  gdommen  ifl  S)et  Sßtofeffot  bet  Dtienta* 
Kföcn6pta<$enin  Stojlocf,  ftpdfrfen,  bem  ©reger  fie  1787  übetfanbte, 
bejroeifeite  bie  9lid>tigteit  bet,  wie  e$  fd&emt,  im  fiebjejjnten  3a^t* 
Nbctt  ^injugefügten  Uebetfefcung,  nmf}te  abet  aud)  felbft  leine 
Sütfftmft  übet  ben  Snljalt  ju  geben.  St  tiett),  ein  getteueS  gaefmule 
na$$etet$butg  ju  fdtfefen,  roo  fi$  root)l  Qemanb  finben  roetbe,  bem 
bie  6<$tift}üge  befannt  feien.    2)a8  iji  inbeffen  nid^t  gefd&eljen. 

5Die  Äemttnife  bet  älteten  Utfunben  Ijat  jefct  nut  nod)  ^ißoti« 
f*en  SBettl).  3u  bet  3eit  ate  tyc  3nf)alt  eine  ptaftifd&e  »ebeutung 
datte,  mu&te  man  auf  SJKttet  SJebad&t  nehmen,  fie  bequem  gebrauten 
unb  aud),  fo  ju  fagen,  ftübiten  ju  fönnen.  3U  Metern  3^ede 
bienten  bie  $tan«fumpte  obet  33ibimu$,  non  benen  mit  nod)  eine 
gwfce  SJtenge  beftfcen.  ©ie  mutben  me^tentljeUä  uon  ©eifHid&en 
angefertigt,  öftere  oieüeid)t  nut  um  oon  einem  wertvollen  Original 
ein  Stoplum  ju  Ijaben,  uotjugSroeife  abet  roof)l,  um  t)on  ben  Statin 
mhmetn  mitgenommen  ju  metben,  bie  auögefanbt  nmtben,  um  fW& 
über  ootgefommene  öettefeungen  gemährter  gteifceiten  ju  befäroete« 
ober  um  gegen  Auflegung  neuet  Safien  ©infptudj  ju  ergeben. 
£ie  Originale  burfte  man  ben  mit  bem  fttandpott  uetbunbene» 
Sefaljren  nwfct  au«fefcen.   ©in  ©eiftrtel  liegt  au*  bem  Qa^re  1473 


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382 

t)ot.  2luS  biefem  %ofyxtf  in  wettern  üfibed  gegen  bie  neuen  %tik 
in  Jfttbni^  unb  ©reütSmü&ten  protefiirte,  Ijaben  mir  ein  SJtbimuS  übet 
bie  älteren  Urfunben  au«  ben  Sauren  1220,  1260  unb  I267f  in 
meldjen  Sfibed  3°flfatf>*lt  in  3Reätenburg  nerlie^en  war.  Sic 
#erjoge  fonnten  biefe  längfi  »ergeffen  §aben,  ba  fte  bie  Originale 
nwfjt  befafcen.  Sei  einet  päpftlid&en  Sülle  t>on  1435,  toeldje  We 
Sübeder  gegen  eine  roUlf  üljrlid&e  gotberung  beS  2)omcapitete  bei  6tif* 
tung  geifilidjer  Seneftcien  föüfcen  foflte,  wirb  auf  ber  Stfidfeite  be< 
fonberS  bemerft,  bafe  eS  nid)t  nötyig  fei,  fie  auf  (Srforbem  oorjujeigen, 
fonbetn  baju  ein  in  ber  3tömifd)en  Äangtei  angefertigte*  XranSfumpt 
genüge.  @troa«  auffallenb  erfdjeint  e«  bemnadj,  bafc  1465  ber  $aty 
felbfi  ba«  Äaiferlid^e  ©iplom  t)on  1418  tranSfumirte,  bur$  wdfy& 
9WayimiKan  I.  iljm  bie  ©efdjirmung  be«  ftlofter«  SWarienroolb  über* 
trug.  ©8  nmrbe  nebft  ben  übrigen  Urfunben  beS  Äiojler*  in  einer 
Äifle  an  ber  Xrefe  aufbewahrt. 

Um  bie  Urfunben  l)ier  bequem  benu&en  ju  tönnen,  trug  man 
fie  in  ßoptarien  ein.  SBir  tyaben  beren  jmei.  Siner  rourbe  1298 
Don  2llbred)t  oon  Sarberoif,  ein  anberer  1455  angelegt.  Seibe  fuib 
fiarfe  Folianten,  erflerer  enthält  364,  teuerer  367  SSlatter.  8eibe 
befreien  auä  mehreren  Abteilungen,  in  benen  bie  Urfunben  nad) 
Säubern  jufammengefiettt  finb.  3n  festerem  fagt  eine  einleiteitbe 
JBemerfung,  er  fei  angelegt:  „nppe  bat  be  Ijeren  be  raab  unbe 
anbere,  be  ber  oorfereoenen  prioilegien  nilltö&te  tyebbeu  to  bonbe  in 
tofomenben  üben,  befio  bett)  be  fönen  »erftan  unbe  mnben,  maroter 
be8  98  Dan  noben."  liefern  ftmit  entfpre^enb  gtebt  er  nid&t  alle 
Urfunben,  mie  ber  ©arberoiFfd&e  (SopiariuS  eS  tyut,  na$  intern 
ganjen  SBortlaute,  fonbern  Diele  nur  na$  iljrem  Hauptinhalte,  au$ 
bie  urfprüngtid)  latetnifdjen  in  einer  S)eutfd)en  Ueberfefcung.  Stör 
nennen  iljn  bajjer  richtig  unb  bejeufcnenb  ben  nieberfäd^ftfd^en  ßopia* 
riu£.  ©orootyl  in  ben  ©opiarien  als  aud)  in  StanSfumpten  Ijaben 
mir  nod>  manche  Urfunbe,  bie  im  Original  ni$t  me^r  aorljanbett 
ifi.  Sletyntidje  Sopiarien  Ijaben  aud&  bie  größeren  milben  Stiften* 
gen  non  ben  Üjren  ©runbbefifc  betreffenben  Urfunben  angelegt 

3m  Sßor^erge^enben  finb  neben  ben  Urfunben  bisweilen  bie 
baran  tjängenben  Siegel  ermähnt  morben.  3^ar  finb  oon  ben 
älteren  jiemlic^  niele  jerflört,  meit  man  in  früherer  Qtit  ni^tSotg» 
falt  genug  auf  bie  Aufbewahrung  berfelben  Berwanbte;  maw&e 
finb  erfid)tlid&  nom  ©iegelbanbe  abgefönitten,  alfo  wrmut^idj  %&* 
gentlW&  einmal  einem  ©önner  ober  greunbe  geflutt  motten,  aber 


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383 

bo$  ift  bie  Stenge  unb  aRannigfaltigfeit  bet  Botfjanbenen  Sieget 
no$  aufeerorbentlid)  grofe  unb  bübet  einen  wertvollen  $beil  be3 
St^fo«.  2)er  fciefige  gefd&id&tUdfie  herein  Ijat,  unter  freunblW&em 
Beiftanbe  be«  ärdjipratfc  Dr.  3Rajd),  Sßajtor  in  S)emern,  ben  beiben 
erften  SBanben  be8  ßttbediföen  Urfunbenbud&S  einige  Safein  mit 
Sbbilbungen  Sftbedifdjer  Siegel  unb  ©rflärungen  tynjugeffigt.  Seit* 
bem  wir  in  unferm  gefd&äfcten  aJHtgliebe,  bem  $errn  3Rilbe,  eine 
tojw  geeignete  Sßerfönlidjfeit  bejtfcen,  fcat  ber  herein  fiel)  bie  größere 
Aufgabe  gefieHt,  biejenigen  einjelnen  Abteilungen,  in  benen,  bis- 
weilen unter  3ul)filfenaljme  einjelner  Siegel  au8  anbem  2lrd)toen, 
einige  SSoÜflänbigteit  ju  erreichen  war,  f>erau«jugeben.  $Ji8  jefct  fmb 
aerni  §efte  noHenbet,  in  melden  bie  Siegel  ber  §olfiein*Sd)auen' 
twgifdjjen  Orafen,  be«  §olfteinif(f)en  unb  ßauenburgifdjen  SlbelS, 
ber  $olfteinifdjen  unb  2Redlenburgif(f)en  Stäbte  unb  einer  änjaljl 
Sübedifd&er  gamilien  abgebilbet  unb  befdjrieben  ftnb.  (Sin  geinte« 
ütn  jefct  in  Sirbett  begriffene«  $eft  enthält  bie  gortfeftung  ber 
Söbedif^en  Sieget 

Sufcer  ben  bisher  föon  genannten  Siegeln  mögen  Ijter  nodj  jroei 
btfonber«  ^eroorgefcoben  werben,  beren  Umfdjrift  auö  einem  gereimten 
^ejoraeter  befielt.  2)a3  eine  tjängt  an  einer  von  ber  Stabt  93ergen 
ta  3-%i376  ausgepellten  (nid)t  jum  SlbbrucI  gefommenen)  Urfunbe. 
fö  jeigt  auf  ber  SSorberfeite  ein  S$iff  auf  SSJellen  mit  ber  Umfdjrift: 
Sigillum  communitatis  civium  de  Bergis.  S)ie  Stüdjeite  jeigt  eine 
Stttg  auf  einem  ©erge  unb  trägt  bie  Umförift: 

Dant  Bergis  dignum  Mons  urbs  navis  mare  signum. 
JtoB  anbere,  um  metjr  ali  fcunbert  Qa^re  ältere,  ift  ba$  be«  ©TJ* 
töföofS  Sttbre^t  II.  von  fiieflanb.  @«  Ijängt  an  jtoei  Urfunben  von 
1253  unb  1256, 3*)  jeigt  bie  gigur  eine«  ®rjbifd>of3  unb  barunter  eine 
Zaufe.  S)ie  Umfärift  lautet:  Albertus  Dei  gracia  arehiepiscopus 
Pmie.  Baptizo  geotes  Quarum  Deus  ablue  mentes. 33) 
3ntereffant  ifl  auä)  bo«  Siegel  @ri$$  be$  kommet«  (£üb.  Urt.<$u$ 
8b.  IV  Jfs  675).  S)a  bei  feiner  X&ronbefteigung  ba$  Slnbenfen  ber 
Solfunger,  oon  benen  er  in  roeiblid&er  Sinie  abftammte,  im  SolfSbe* 
«mfitjetn  no$  fortlebte,  na$m  er  Ujr  SBappen,  einen  aufgeridjte* 
tai  2öroett  auf  brei  Sdjrägbalfen,  in  fein  Siegel  auf.  So  noö) 
«am&eS  anbere. 


"J  abgebt.  Sab.  Urf.*$ud)  93b.  I  M  199  unb  298. 
n)  (5*  ift  abflfbilbrt  unb  betrieben  bei  %  ».  ©oefre  mext  ©uerbeer,  (Srjb, 
1  Jhrattcu,  gfolanb  unb  (fyfUanb.  @t.  $etfr«b.  1854  T.  2  .V  7. 


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384 

SHe  grofje  Stenge  von  Siegeln,  bte  fid&  an  einet  Urfunbe  be* 
fanben,  erfcö^te  ben  9BettI)  berfelben  mefentlid(r,  benn  wer  fte  oU 
3euge  mitbejiegette,  war  §ugleid&  SRitbftrge  für  ben  3n$alt  Sei 
ber  öefiegelung  mürbe  bie  befteljenbe  Stangorbnung  immer  fotg< 
fdltig  beamtet  Um  in  biefer  $inftd&t  AtteS  gehörig  ju  überfein 
unb  Srrtyümer  ju  oermeiben,  mürben  unter  Umftänben  juerfl  bie 
erforberli$en  Siegelbänber  an  ber  Urfunbe  befejltgt  unb  jebed  mit 
einem  Wamm  bejeid&net  3)ie  8tu$tn  felbjt,  bie  in  ber  Urfunbe 
genannt  mürben,  maren  vielleicht  bei  ber  Ausfertigung  nid&t  fdmmt^ 
lidfj  gegenwärtig,  ober  Ratten  nid&t  ade  Upe  Siegel  bei  fk$.  2>a* 
abhängen  ber  Siegel  felbfi  tonnte  bann  nadfjträgtidd  unb  naä)  unb 
nad)  gefd&efcen.  Qn  einzelnen  gälten  tarn  eS  mo&l  gar  nid&t  baju 
unb  ba^er  finbet  fid&  biSmetlen,  uermut^Ud)  mo  man  bieS  forstete 
ober  vorauSfalj,  in  ber  Urfunbe  felbfi  bemerft,  bafe  fie  babur$  nkty 
an  ©laubmürbigfeit  verlieren  fott,  ba&  einige  Siegel  fehlen.84) 
Aud&  mürbe  mit  ben  Siegeln  urfprünglid)  feljr  {orgfältig  umgegan> 
gen.  SWidfjt  immer,  aber  tyauftg  mürben1  fie  in  lebeme  ober  leinene 
2af$en  eingenäht  ober  aud(j  crft  in  gftad&S  etngemidfelt  unb  bann 
in  Seinmanb  eingenäht  Siele  fyxben  ft$  bis  vor  ni$t  langer  3$ 
in  fold&er  Driginatoerpadtong  befunben.  Sin  ben  oben  (S.  366)  er» 
mahnten  Ablaßbriefen  Ijängt  nod)  jefct  jebed  einjelne  Siegel  irt  einet 
»led&fapfel. 

5Die  Anfertigung  ber  Siegel  gefd&a$  fd&on  frülj  in  ßfibedf  felbft 
9Bir  fcaben  jroei  beftimmte  9tod&meife,  bafc  ©olbfd&mtebe  fie  matten, 
einen  aus  bem  Qa^re  1299,  einen  aus  bem  3a$re  1368, 85)  unb  bfir< 
fen  bemnad)  annehmen,  ba&  bieS  nidf)t  vereinzelte  g&tte  toacen, 
fonbern  baS  Siegelfted&en  eine  bei  ben  ©olbfd&mieben  Ijaufig  oorfom* 
menbe  Arbeit  mar.  Aufeerbem  aber  merben  feit  1342  in  ben  Jtftm* 
mereibfid&ern  eigne  ingefegetgreoer  genannt,  bie  i$re  ©üben,  in 
meldten  fie  o&ne  &mifcl  nid&t  blofc  verfauften,  fonbem  aud)  arbei* 
teten,  auf  bem  SDlarfte  unter  bem  9tat#>aufe  Ratten.  3#re  3a# 
mar  immer  nur  gering  unb  es  mag  roo&l  fein,  bafe  einjelne  ©olb« 
fd&miebegefeflen,  bie  burd&  SBer&ältniffe  getynbert  maren,  als  SÄeifler 
in  baS  Amt  einzutreten,  fidj>  biefer  ©efd&äftigung,  auSfd&ttej$li<$  nrib* 


M)  «In  ©eiftiel  giebt  «üb.  Urf.*$u$  $b.  II  .V?  750  in  Srrftitbung  mit 
M  784,  bctgleidKn  ^f  785  »ergll^en  mit  .V  814. 

«)  Urf.*»ud)  b«  9i*ty.  Sü&ecf  6.  427.  Urf.*8ud>  ber  €tabt  MM 
$b.  III  @.  709.   • 


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886 

«rteti  SBenigfleitS  fommt  3te$ntidjeS  fpätet  in  anbeten  ©eroetben 
eittftieben  dot. 

$et  SufberoabrungSott  für  bie  ttrfunben  ift  ein  in  bie  2Ratien* 
Äin$e  entroebet  gleidfj  bei  ber  anläge  berfelben  ober  bodf)  jebenfalte 
Kfr  balb  nad&fjer  ^ineingebaute«  ©emftlbe,  toetd^ed  jefct  bie  £refe 
fct|t,  früher  Steferie  genannt  würbe.  ©d&on  1321  fommt  ber 
3fame  cor,  ate  bie  ©täbte  ßübedf,  Hamburg,  Stofiodf,  ©tralfunb  unb 
Steifdioalb  eine  gemeinfame  Setfügung  ^infi^tlic^  ber  Söttdfjer 
diesen,  ©8  Reifet  barin  am  ©d&tuffe:  „be  breoe  beffer  üorfedjjten 
ftebc  uppe  beffe  millefore  gemafet  ftnt  gelebt  uppe  be  ttefetie  in 
rajet  leoen  Stouroen  fetfen,  bat  be8  tabe«  to  Subefe  anbete  btene  ftn 
in  wntmtinge." 36)  3"  &ambutg  mat  bie  £tefe  obct  Sttefefammet 
ein  @ema$  im  9tatl)baufe,  meiere«  jut  2lufbema^tung  fomobl  von 
2)ocumenten  ate  oon  2Bettbfad&en  bient 87)  SKudj)  fonft  fommt  bet 
Jtafttud  nid&t  feiten  t>ot. 38) 

6*  mürben  abet  an  bet  Xtefe  nut  Utfunben  aufbcroafjtt,  nid&t 
8cten.  §ßt  biefe  roäte  nidf)t  Staum  batin  geroefen,  audjj  bet  Ott 
p  weit  vom  9iatf$aufe  entfetnt  unb  bet  Zugang  Bu  unbequem. 
Sk  Beten  blieben  batyet  an  bet  Äanjlei,  unb  baljet  Reibet  ftd& 
n*$  gütigen  3toge8  ba$  ätd&to  in  jtpei  gettennte  Steile,  Xtefe 
unb  Jtegifhatut,  eine  Untertreibung,  bie  audf)  in  unfetm  Utfunben* 
bntyt  mttyfiaä)  bemetfbat  roitb.  SHe  Äanjlei  roitb  ein  enget  9taum 
9ewcfen  feinf  wie  e$  bie  3^wimet  im  SWittelaltet  fibetljaupt  roaten, 
fte  befanb  fidb  in  einem  ©ebaube  neben  bem  5Ratl$aufe,  routbe  jnmt 
1482  neu  gebaut  unb  babei  oetmutblidf)  etroeitett,  abet  bod&  etgiebt 
no$  jefct  bet  Slugenfd&ein,  bafj  ifyct  Sftäumlid&feiten  fcljt  befd^ränft 
geioefcn  fein  muffen.  S)ie  Steten  mufeten  ba^et  au  oetfd&iebenen 
Orten  aufbewahrt  roetben  unb  S)a3  f)Qt  offenbat  bem  Sltd&to  }u 
großem  Wa^t^eil  geteilt 

2)er  gefammte  2ictennottatb  ift  oet^ältnifemä&ig  nid&t  fo  be* 
bcutenb  ate  Bet  Utfunbem>ottatf)  unb  ifl  übet^aupt  roeniget  tetd& 
wib  eigent^ümlid^,  ate  man  annehmen  mödfjte.  2)ieS  gilt  nament* 
Ü$  wn  benjenigen  JBetbältniffen,  bie  ftcb  unmittelbat  auf  bie  §anfa 
befielen,  übet  weld&e  man  ba$et  teidfce«  SRatetial  biet  ju  oetmut^en 


*)  £fib.  Urf.*$ud>  8b.  II  @.  355 

*■)  ®atbt$tn$.  öef*i*te  M  Hamburger  Stotybauff*.  ®.  8  w.  9. 
■)  grifft,  ©örta*«d)  s.  v.  Xit*.  SBrera.   9Bdrtfrbnd)  s.  ▼.  Xrefe.   Ztpftn, 
Wtgrr  «nttynitttfii,  $eft  ft  ©.  204. 


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386 

um  fo  me$r  geneigt  ift,  ba  Sfibed  in  fpäterer  Qtti  ba«  Qciwpt  ber 
§anfa  war  unb  von  ben  lefcten  Qa^rje^enben  be«  fünf  jefjnten  3^t- 
^unbertö  an  bei  weitem  bie  meinen  §anfetage  in  ßübed  gehalten 
würben.  $enno<$  fehlen  bie  älteren  Steceffe  fämmtlidr,  ein  ganjer 
»anb,  ben  ber  SRatl)  1405  Aber  bie  feit  1301  gehaltenen  §anfetage 
jufammenflellen  liefe,  unb  ber  nod)  1767  in  ben  t>on  ©reper  l>ier 
angelegten  Stegiftranben  eingetragen  iji,  ift  feitbem  auf  ni$t  me$t 
aufjuflärenbe  SBeife  in  ben  Seftfc  be«  Stäniföen  ©taatSminifiet& 
Sodann  ßubwig  von  £olftein*Sebraborg  gefommen.  gbenbafelbft 
bepnben  fiefc  no#  anbere  Subecenfien. 89)  äu$  xwn  ben  folgenben 
Steceffen  fehlen  mele.  Staberwettig  mit  ben  Sfteceffen  in  Serbinbung 
fW&enbe  S3er^anblungen  fmb  ebenfalls  au«  ber  älteren  Seit  in* 
b&rftig  oor^anben  unb  werben  erfl  in  ber  fpäteren  £>ät  etwa*  au3< 
fftljrlid&er.  SRand&e«  ift  no$  ni<$t  georbnet.  ®tgent$fimlid>en  ffiettf) 
$aben  einige  SRed&nungen  unb  Sted&nungSbfid&er  au£  bem  Gnbe  bet 
£anfajeit,  ba  fi$  na$  tynen  ba«  83er$ältmfe  ber  ©täbte  ju  einanbet 
unb  ber  ©rab  ber  33>etfna&me  ber  einzelnen  an  ben  Angelegenheiten 
be*  JBunbe«  beurteilen  läfct.  Die  größeren  ©täbte  §aben  in  bet 
jweiten  #älfte  be«  fed&jeljntett  3al>r&unbert8  unb  in  ber  erften  be« 
fiebjeljnten  mannen  SBerfudd  gemalt,  burd)  JBfinbniffe,  au$  abgefegt 
von  ber  $anfa,  i$re  Stellung  ju  $eben,  unb  ft$  ju  gegenfeitigem 
©eijlanbe  t>erpfttd&tet  aber  neben  anbem  SJer^ältniffen  fcinberte  fd^on 
bie  weite  Entfernung  unb  bie  ©$werfäHigfeit  be«  ©efdjäftSgangeä 
ben  ©rfolg.  Unb  wo«  fte  in  folgen  Seranlaffungen  mit  einanbet 
verljanbelt  fcaben,  entbehrt  jwar  be«  Qntereffe«  m$t,  fann  aber 
auf  befonberen  3Bert$  aU  ^ifiorifd^ed  Material  feinen  2fofpru$ 
matten. 

S)ie  §anfa,  bie  ate  fol<$e  na<$  1630  no<$  fortbauerte,  behielt 
in  ßnglanb  unb  in  ben  Stieberlanben  beftänbig  einen  ©runbbeftfc, 
ben  ©tal)lljof  in  Sonbon 40)  unb  ba«  §anfeatif<$e  (ober  Defterfäc) 
§atö  in  Antwerpen,  unb  blieb  baburd)  mit  biefen  beiben  Sanbern 
unb  aud&  mit  ben  Regierungen  berfelben  in  bepänbigem  gef^&fc 
li<$em  SSerfefcr.  3)a  Sfibed  fortwälpenb  al«  ©irectorialflabt  ange> 
fe^en  würbe,  ging  bie  Gorrefponbenj  xwrjugSweife,  wenngleich  ni^t 


")  9tad)ri*t  von  ber  tyflor.  (Sommiffion  bei  ber  &ftit.  93a$r!  fUabemfe  ber 
gBlffenfdjaften.    3a$tg.  s.  ©.  68  ff.  in  ®)btV$  $iflerif*er  3ei«f«rift  ©b.  6. 

")  Sappen berg,  Urfunblid^e  Qeftyitye  be«  eta$tyof«  in  «onboi.  $a«' 
bürg  1851. 


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S87 

itiefjtidj,  von  |iet  avß  unb  ^ie^cr.  Sluä  glei<$em  ©runbe  ifl 
e$  gefd)el>en,  bafc  bie  englifdjen  unb  nieberlänbif(^en  ©opiaricn,  fo 
Nie  aud)  bie  Drigmalftatuten  be$  Sonboncr  Somptoir«  aon  1554 
mit  einer  abermaligen  Ausfertigung  berfelben  von  1595,  aud)  bie 
Driginalfiatuten  beö  Antroerpener  Somptoir«  von  1576  in  ba8  ^iefige 
är^to  gefommen  finb,  au£  Sonbon  1604, 4I)  an&  Antwerpen  1699. 
$en  Sonboner  Statuten  ifl  ein  SBerjetd&mö  ber  ©täbte  beigefügt, 
wldje  bamate  nod)  ben  ißanfabunb  bitbeten.  3$re  3aW  betrug 
fa&Sunbfedjjig. 42)  93ierjeljn  werben  als  bemembrirt  unb  abgefönit* 
ten  bejeid&net:  ©tenbal,  ©aljroebel,  Berlin,  Sranbenburg,  granffurt 
fln  ber  Ober,  SreSlau,  Ärafau,  Dueblinburg,  §alberjiabt,  $elmjtebt, 
Äiel,  9torbt)eim.  6$  finbet  fid>  meljrfad),  bafe  frembe  Regierungen 
fol<$e  SBeqeid&niffe  forberten,  bamit  nid>t  bie  ber  $anfa  jugejtan* 
benen  SJortfjeile  von  einer  ©tabt  benufct  würben,  bie  bem  Sunbe 
räfy  angehörte.  @ben  barauf  §telt  aud)  bie  $anfa  in  ifjrem  eignen 
3nteteffe.  SHe  SSemjalter  ber  Käufer  in  Sonbon  unb  Antwerpen, 
fe  toeld^e  an  beiben  Orten  ber  $itel  §au«me#er  ftd>  bilbete,  roa* 
*n  bie  natürlichen  Vertreter  ber  Sntereffen  ber  ©täbte.  S)a  ffe 
fi%  in  bie  Sage  famen,  Aufträge  an  bie  Regierungen  au«§urid)ten, 
wrben  fie  von  fetbft  ju  biplomatifdjen  Agenten  unb  beruheten 
föon  in  SJeranlaffung  itjrer  ©e{d&äfte  auc$  manche«  fonft  Qntereffante. 
Sur  bie  9tteberlanbe  unterhielten  bie  ©täbte  tmnbejlenS  feit  1619 


41)  fcappenberg,  a.  a.  £>.  ©.  lio. 

Ai)  <$«  toaren 
ft*«  totubifdje:  Sübetf,  Hamburg,  fRoftocf,  2öf$mar,  ©ttalfwnb,  Lüneburg; 
fl*t  ^ommerf d)c:    Stettin,  Slnclam,   Ooluoto,    ©reifotoalb,   (Solbfrg,    ©tatgarb, 

§telp,  9tügenn>albe; 
M*  preufcifdje :  (Sulm,  Xljorn,  Glbing,  2)anjig,  Äönigflbfrg,  Sfraunflberg; 
*tfi  iieflänbifdje:  «iga.  2)orpat,  SReoal; 
*ttije$n  owr^eibifdjf  unb  fädjpfdje :  SWagbeburg,  Q3raunfd)toeig.  ©o«lar,  dimbftf, 

©öttingen,  $ilbeafyrim,  «öannow,  Uelzen,  $urtef}ube,  ©tabf,  Bremen,  «Hameln, 

SRlnben; 
M*  toeftpljäUföe:  SDlünfler,  D«nabrü(f,  JDortmunb,  ©oefi,  tferfotb,  $aberborn, 

Semgo,  JBielefeib,  Sippe,  (Soetfelb; 
fitben  cktrfffyunbmärfiffy:  (Sein,  SBefel,  2)ui«burg,  «mmerid),  ©atbutg,  Unna, 

$amm; 
tt«ben  gelbtifdje:  3fitp$en,  Sftoermonbe,  Btnljelm,    Stfoitoegen,  fflenlo,   (Slburg, 

*arbmoif; 
*tei  owi^ffelfae:    $>mntn,  3»olle,  Äampen; 
**«i  friejtffy:  ©röningen,  ©tapem,  S3ol«»arb. 

25 


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zedby  G00gk 


868 

no$  einen  erobern  Slgenten.  Bon  1625  bi«  1667  mar  e8  ßeo  mm 
8li|ema,  ein  gteidj  fef>r  burd&  Äenntniffe  unb  bur$  Sljorafter  au** 
gejeid&neter  SDtann,  ber  eine  wertvolle  urfunblid^e  ©efd&u&te  ber 
SRiebertanbe  t)on  1621  bi«  1669  gefdjjrieben  fyxt  ©eine  ©tiefe  ftnb 
leibet  nut  tljeilroeife  erhalten  unb,  ba  er  üud^  in  mannen  anbern 
Angelegenheiten  tljätig  mar,  liegen  fie  in  mehreren  9hibrtfen  jet^ 
jlreut    $ie  Sorrefponbenj  bet  folgenben  Agenten  ifl  tjoflfianbiger. 

(Eigne  Ber&anblungen,  unabhängig  von  ber  $anfa  ober  unter 
unbebeutenber  Beteiligung  betreiben,  &at  Sübed  &auptfädj>lid!j  mit 
©darneben  unb  Stänemarf  gehabt  ©arüber  enthält  ba£  Srd&to  um- 
fängliche unb  gut  georbnete  Steten. 

S)ie  ©d&mebifd&en  beginnen  mit  bem  Ber&altntfc  au  ©uftao 
SBafa.  ©ie  je  igen,  bafc  fotoo^t  ber  9tat&  als  bie  Bürgerföaft  i^m 
unbebingten  Grebit  gemährten,  ber  nur  in  feflem  Bertrauen  auf  ba* 
©elingen  feiner  Unternehmungen  begrfinbet  fein  fonnte.  9hi$  tritt 
l>eroor,  bafc  ©ujlao  feinen  ©rfolg  n>efentti$  ben  2übedtifdf>en  Unter* 
jungen  oerbanfte.  (Eine  Stelle  in  einem  ©riefe,  in  meld&em  er  felbft 
bie«  anerfennt  unb  ^injufügt,  bafj  er  e£  immer  anerfennen  werbe, 
fo  lange  er  einen  Blutstropfen  in  fidf)  $abe,  ifl,  oermut^ti^  ju  einer 
3eit  als  ba«  Berfcältnifj  fi$  geänbert  $atte,  biet  untergruben.  $er 
Brief  ifl  inbeffen  nur  abfd&rtftüd&  üor&anben,  wie  oiele  tum  (Suflaitf 
©riefen.  Ueber  bie  Ausgaben,  bie  in  feinem  3nterej|e  oon  bet 
©tabt  fo  wie  aud>  oon  einzelnen  gemalt  mürben,  liegen  }nxtr 
noDjlänbige,  aber  nur  fummarifdje  angaben  oor.  S)ie  fpecietten,  an 
ben  Äönig  ju  feiner  Prüfung  unb  Snerfennung  nad&  ©todtyolm  ge* 
fanbten  SRed&nungen  finb  nid&t  abf$riftli$  jurttdtbeljalten.  dagegen 
ftnb  genaue  angaben  über  bie  Salbungen  sor^mben,  bie  ©uffaro 
t^eitö  in  Silber,  t^eite  in  anberen  SBaaren  mad&te.  2Ran  fte^t,  baß 
er  e3  ftcf)  äugerft  angelegen  fein  lieg,  bie  peeuntaren  Berpflwjjtun* 
gen,  bie  tym  oblagen,  nadf)  unb  nad[j  ju  erfüllen.  Sfober«  mag  e$  fty 
mo^l  mit  ber  (Srffiflung  berjenigen  3ufagen  oer&alten  $aben,  bie  er 
ben  ßttbedfcm  in  bem  Bertrage  von  1523  ljutfid&tUd&  tyre*  $anbel* 
unb  Berfel>r8  in  ©d&roeben  gemacht  $atte.  @r  ^atte  offenbar  mtfyc 
wrfpro<$en,  als  er  galten  fonnte. 

ausführlicher  unb  me$r  in«  ©njelne  einge&enb  finb  bie  Acten 
über  baS  Berljältnifc  ju  bem  älteften  ©oljne  ©uflaoS,  ®rid&  XIV. 
unb  Über  ben  Ärteg  mit  U)m,  bet  1563  begann.  HRan  erftaunt 
über  ba«,  roaS  bie  ©tobt  ju  teiften  im  ©tanbe  mar,  unb  bie  t>or< 
$in  ermähnten  brei  grtebenSurfunben  jetgen  bie  äd&tung,  bie  fie 


Digiti 


zedby  G00gk 


389 

ietoft  i&ten  gfeinben  abnötigte.  S)o<&  mar  tä  ber  lefete  Ärieg,  ben 
Subcdf  geführt  ^at  @3  erfannte  mol)l,  ba«  eS  foldjen  änftrengungen, 
wie  bic  2lu$rüflung  geforbert  fjatte,  auf  bie  2)auer  nidjt  gemäßen  fei 
imb  fortan  feine  anbete  Stoffen  gebrauchen  bürfe,  al«  bie  ber  Untere 
Ijanblungen,  eine  äBaffe,  bie  t^rer  Statur  nadj)  nur  jur  äbroeljr, 
nid)t  jum  angriff  geeignet  ifl  SHefer  äBaffe  mu&te  e3  ftd)  fe&r 
balb  föon  gegen  ben  Äönig  Sodann  bebienen,  ber  von  ben  im 
Stettiner  groben  gemalten  3ufaÖ^n  Wm  erfüllte,  meber  eine 
3#i*ß  leijlete,  nod)  bie  aon  tym  felbft  erneuerten  unb  feflgefefcten 
BejUmmungen  aufregt  l>ielt,  f  o  baß  Diel  mit  ii)m  ju  oerljanbeln  mar. 
Unbau^  *<$  feinem  £obe  (1592)  ifl  Sübed  nod)  lange  3*ü  l)inbur$ 
bnr$  feine  Sage  unb  feine  SSer^ältniffe  in  bie  ©efdjiäe  unb  bie 
Äriege  ©d&meben*  &ineingejogen,  juerft  in  bie  a^ronfireitigfeiten 
jwft&en  3o&ann*  ©oljn,  bem  jum  Äönig  von  5ßolen  ermäljlten 
Sifji$munb,unbbejfen  SSaterbruber  Äarl,  $erjogwn©iibermannlanb, 
®uftai>  SBafa*  jfingftem  ©o&ne,  bann  in  bie  Unternehmungen  ©ufta* 
Stolpes  fomo#  t)or  bem  breif$igjäl>rigen  Ärtege  als  roäljrenb  beffel* 
bn,  in  bie  Äriege  jnnfd&en  S)änemarf  unb  ©<$meben  unb  bie  grie* 
totff$töffe  }u  SJrfimfebro  1645,  ju  9toe$filbe  1658  unb  ju  (Sopen* 
N«t  1660,  in  ben  abermaligen  Ärieg,  ben  Äarl  XL  1674  b^ann, 
unb  enblid)  in  ben  großen  norbifd&en  Ärieg  t>on  1700  bi8  1720. 
So  weit  biefe  Äriege  ju  ßanbe  geführt  mürben,  &aben  fte  häufig  bie 
Stobt  unb  $r  ©ebiet  unmittelbar  betroffen  unb  bur$  (Sinquan 
timmgen,  5Durd^märfd(ie  unb  SRequifitionen  ferner  gefd&äbigt  3* 
GM  mar  ber  ©eefcanbei  fortmä&renben  ©eföränfungen  unb  @e* 
faxten  audgefefet  unb  e3  mar  babei  für  fiübeef  üon  großem  einflufc, 
to§  au$  aller  ©eeoerfe^r  na#  SRufelanb  büS  ju  Anfang  beS  aä)U 
Karten  3$>r$unbertö,  ba  er  feinen  SBeg  burdj)  ©$mebifdje  Sßromn* 
im  nehmen  mufcte,  ganj  in  ber  ©emalt  ber  ©djmebifd&en  ^Regierung 
war.  6*  fagt  fid^  lei$t,  mie  oft  unter  allen  biefen  ©reigniffen  ber 
Satt  wrlommen  mufete,  bafe  £übedif(§e  Qntereffen  uerleßt  mürben, 
unb  mie  ferner  eS  fein  muffte,  irrten  ^rticffufctigung  ju  föaffen, 
*enn  man  ni<ft  me$r  mit  ben  äöaffen  eingreifen  tonnte,  JBlo&e 
Reiben  blieben  mirfungäo«,  ba«  einjige  Mittel,  meld&e*  erfolg 
warten  lieg,  beftanb  in  ber  Sborbnung  eigener  ©efanbtfd^aften, 
UBb  biefeS  SDttttel  ift  Ijauftg  angemanbt  morben. 

S)ur$  ben  brei&igjctyrigeit  Ärieg  mürbe  ©$mebeit  cm&)  eineXep 
titotialma^t  in  SDeutfölanb  unb  erwarb  unter  anbern  bie  #afen|iäbte 
Stettin,  ©tealfunb  unb  äßtömar,  bie  früher  mit  Sübed  eng  verbun« 

25* 


Digiti 


zedby  G00gk 


390 

ben  gewefen  waten,  nun  abet  in  gotge  bet  uetänbetten  politiföen 
Set|>&ltmffe  au$  anbete  $anbetSmtetejfen  erhielten.  S)a«  war 
am  meiflen  mit  SBiämar  bet  gaD,  wettern  bie  ©d&webiföe  Siegte* 
tung  melftfadfj  eine  befonbete  gftttfotge  juwanbte.  (Sine  Setfügung 
Äatl«  XI.  x>om  12.  Slptil  1682  beftimmte  fogat,  bafe  eine  Steige 
oon  SBaaten  au«  feinem  anbetn  $afen  jmifd&en  $ommetn  unb 
$olftein,  als  auä  SBtemat,  in  ©djmeben  eingeführt  wetben  foDten. 
1687  erteilte  bet  9tat&  but$  ttntet&anblungen  bie  8uf$ebung 
biefet  Setfügung.  Sie  wutbe,  als  3Bt«mat  bie  einjige  ben  ©$we* 
ben  übtig  gebliebene  öeftfcung  in  ©eutfötanb  wat,  1724  wm 
griebtid)  I.  erneuert,  blieb  inbeffen  audj  bieämal  nid)t  lange  in 
Äraft.  ©et  9tatl>  fanbte,  als  bet  Äönig  eine  SSetfammtung  beS 
SReüfyStag*  jum  i.  September  1726  berief,  feinen  Sectetait  ©ott^arb 
ätnolb  Sffel^orft  na$  ©todfyolm,  meldet  eS  ju  bewirten  wufcte,  bafj 
bet  SReid&äifog  bie  Setfügung  als  eine  bie  @$roebif<g>e  #anbel«frei* 
Ipit  unnötig  befötänfenbe  unb  bena^t^eiligenbe  bejeidjnete.  6ie 
würbe  ba&et  but$  eine  Äöniglid&e  öotföaft  t>om  28.  Sfagufi  1727 
jutüdtgenommen.  S)aS  war  bie  leftte  ©efanbtfd&aft,  bie  Sübed  nadj 
©<$weben  gefanbt  $at  ©et  ©ectetait  Sff^ötfl  ijatte  e8  wo$t  uer* 
bient,  bafe  et  bei  bet  näd&ften  2Ba#,  am  21.  gebtuat  1728,  in  ben 
9to$  gemault  wutbe. 

2)tef>t  no$  al&  mit  ©d&weben  $at  Sübedf  mit  Sfönematf  yt 
sedymbeln  gehabt  unb  bie  bäniföen  äcten  ftnb  ba^et  no$  um« 
fangteid&et  al8  bie  föroebiföen.  Sie  gelten  bü8  in  baS  fttnfjetytte 
Sa^unbett  jutüd.  SEBad  tfd>  batwn  auf  bie  SRefotmatton  unb  bie 
gemaltigen  Äämpfe  unb  änfttengungen  untet  SBuDenwebet  bejiefjt, 
ift,  untet  gleidfteitiget  ©utc&atbeitung  be$  bamit  jufammen^angen* 
ben  in  fielen  Std&toen  jetflteuten  aJtatetiat«,  non  2Baifc  $u  einem 
SBerfe  benufct,  weld&e«,  wie  wenige,  ba«  SDtuftet  jugtei<&  einet  genauen 
®efd^i^tafotf(^ung  unb  einet  lebenbigen  unb  babei  butd&au*  objecto 
oen,  @eföi(f)tSet}ä$lung  ifL  3um  legten  9Me  in  biefen  Äfimpfen 
trat  ßfibed  ©änemart  als  ÄtiegSmad&t  gegenübet.  Söenn  in  beut 
Stieben  ju  Hamburg  vom  14.  gebtuat  1536  ß^riftian  III.  bie 
^titntegien  bet  $anfefläbte  t>otbe$altlo«  anetfannte  unb  ju  betätigen 
cetfpta^,  fo  mat  bo*  ein  2lu«btu<f  bet  äd)tung  t>ot  ben  ©töbten; 
etffittt  ijt  baS  Setjptedjen  nid&t  3n  2Bitfl«[>feit  erfolgte  na$  wie 
betljoltan  SDla^nen  etfi  fpat,  1547,  eine  nut  ganj  aDgemeine,  n$t 
wöttlid&e,  Seft&tigung  unb  mit  bem  Suf^  tag  bet  Äönig  ft$  unb 
feinen  Slad^folgetn  atte  $oty  unb  Dbtigfeiten,  SdDe  unb  $enfo^ 


Digiti 


J 


3frl 

feiten  öorbefalte.    Stomit  mat,  xoaS  mit  bet  einen  §anb  gegeben 

wr,  mit  ber  onbetn  triebet  genommen.    2)ie  gleiche  Älaufel  fügte 

iJtiebrid)  H.  nad&  feinet  £l)tonbejUigung  ber  Seflätigung  beS  SReceffeS 

$iMju,  ben  feine  3ß>geotbneten  am  25.  Quli  1560  mit  ben  Sttge* 

otkneten  bet  £anfa  ju  Obenfe  abfd^loffcn.  SHe  3*ü  bet  Sßttoilegien 

war  fut  immet  notbei,  unb  bagegen  märe  -JUdjte  ju  fagen  gemefen, 

warn  nur  nid&t  Sßtimlegien  immet  no$  etfotbetlid)  geroefen  roäten, 

um  überhaupt  einen  gefiederten  SRedjtÄjuftanb  ju  ijjaben,  unb  wenn 

m<$t  jene  Älaufel  baju  gebient  Ijätte,  jebet  SBiUf ü^rtid^f eit  ben  ©d&ein 

bet  Setedjtigung  ju  geben.   8uf  ftfiljete  .3ngejiänbniffe  tonnte  man 

fö  nun  niemals  metyt  betufen.    Qn  bem  Dbcnfeet  SSetttag  roat 

kn  §anfefiabten  fut  eigne  Saaten  in  eignen  ©Riffen  Sefteiung 

m  SunbjoH  jugefianben,  abet  roebet  $tiebtid>  II.  no<$  einet  feinet 

Befolget  etfannten  bied  3ugejtänbni&  afe  binbenb  an.  $tiebtid>  II. 

et^ob  eine  3*Wan8  boppelten  3^  t>on  Sübedifdjen  ©Riffen,  afe 

bec3tot|  fiefc  bringli<J[>  auf  ben  Dbenfeet  »etttag  betief  (1577— 1580), 

unb  SpifKan  IV.  untetfagte  feinen  Untertanen  allen  $anbel  mit 

Svbed  (1614),  als  bet  9totf)  bie  SSetmenbung  be8  Äaifer«  wegen 

btf  6wibgoDtö  nad)gefudjt  t)Qtte.    @S  xoax  ba$et  fd)on*  ein  großer 

9«nnnr  bet  nid^t  oljne  gtofee  Slnfttengung  (butd>  ben  Slat^ettn 

fytymn  SJtorquatb)  errei^t  mutbe,  bafe  bet  Äönig  bie  btei  £anfefläbte, 

Sübed,  §ambutg  unb  Sternen,  in  ben  ^rieben  ju  Stömfebto  mit 

Styoeben  (2lug.  1645)  einfölofe,  Urnen  bie  gleidföettig  butd)  ttntet* 

banblungen  mit  ben  ipottänbetn  ju  @l)tifHanopel  feflgefießte  3°ß* 

coüe  mitteilte  unb  tipten  jufagte,  bafe  nad)  biefen  ©eftimmungen 

bet  3ott  erhoben  roetben  foDe.'  Dbrooljl  abet  bamit  eine  oetttagS* 

mäfüge  @tunblage  gegeben  mat,  bie  aud)  immet  gi&  fold>e  anet* 

tonnt  nrotbe,  fo  Ijat  eS  bod)  fpätet  nid^t  an  SReuetungen  unb  &u* 

fajen  gefehlt,  gegen  roeld&e  Sübed  feine  anbetn  SDUttel  tyatte  afe 

Sorftettungen,  bie  me$tent$eU£  ftud&tloS  blieben.    ®btn  fo  wenig 

fehlte  e*  an  ffiilttfifclidtfeUen  anbetet  2ltt,  roetdje  bie  ©änifdjen 

Äänige  gegen  ben  Sfibedifdjen  £anbel,  namentU$  in  ÄttegSjeiten 

oetfibteu. 

3um  S)änifd>en  Steige  gehörte  bfe  in  ba«  gegenwärtige  Qaljtljun* 
bett  hinein  aud)  SRotwegen,  wo  bie  £anfejtöbte  in  Setgen  eine  iljtet  SWie* 
bedajfungen  Ratten.  ©iefe  behielt,  aud)  afe  bie  früheren  §anbefepttoile* 
gien  töngft  etlofd&en  roaten,  fd^on  afe  gactotei  einen  2BettI),  nametttli(§ 
ffe  Sflbed,  inbem  fie  einet  eignen  ©otpotation,  ben  Setgenfafjtetn,  bie 
9apÄ  für  ein  f aufmännif d^e«  ©eföäf  t  gab.  3lu$  behielt  fie  ^infid^tUd^  bed 


J 


392 

SoKeS,  her  2Ccctfef  bcr  Sefteurung,  ber  3!uri8biction  eine  in  mannet 
SBeife  beoorjugte  Stellung.  (Slf  oerfdtfebene  ©efanbtjd&aften  finb 
allein  in  Angelegenheiten  be$  Sergifd&en  SomptoirS  oon  Sfibedt  nad& 
(Sopenfjagen  gefanbt,  um  btefe  Stellung  ju  erhalten.  Qn  golge 
oeränberter  2eben8*  unb  §anbel3oerl>ältnifJe  fanf  bie  Sebeutung  be8 
ßomptoirä  meljr  unb  meljr,  b\&  e3  ganjli^  einging. 

gemer  waren  bie  Äönige  von  ©änemarf  nodfj  bie  8et>errfdfjer 
beS  größten  3$eit3  oon  §olftein  unb  fd&ließlid!),  feit  1773,  be$ 
gangen  Sanbeä  mit  ausnähme  betjenigen  Steile,  roeld&e  baS  $i& 
tfjum  Sfibedt  bilbeten.    2Jlit  biefem  fianbe  entfianben  im  fiebje^nten 
Saljrljunbert  fd&limme  3*trofirfniffe.    S)ie  Sefifcnadjfolger  betjenigen 
©fiter,  roeldje  in  frühem  Saljr^unberten  unter  Genehmigung  ber 
&olfteinifd(jen  ©rafen  oon  Subedtifd&en  ©firgern  angefauft  unb  weld&e 
burdfc  bie  3lrt  unb  Söeife  be$  Äaufa  Sübcdfifd^e  ©fiter  geworben 
waren,43)  glaubten  t§re  gutöfjerrlid&en  SBorred&te  ftd&erer  unb  in 
au8gebeljnterer  Söetfe  in  Sfawenbung  bringen  ju  fönnen,  wemt  fie 
einem  großen  monardjjifd&en  Staate  angehörten,  ate  wenn  fte  Steile 
einer  fleinen  Stepublidf  waren,  beren  aWadjjt  oon  ber  frfiljern  §ö^t 
tyerabgefunfen  mar  unb  in  ber  ein  bemoeratiföer  ©eifl  fiber^anb  ju 
nehmen  brotjte.    ©ie  nahmen  ba^er  oon  argen  (Sjceffen,  weld&e  bie 
2)emocratie  gegen  fie  oerttbte  (1666),  SBerantaffung,  fid&  unter  ben 
©dfjufe  be«  ÄönigS  oon  Dänemarf  ju  begeben.    S)er  9tat!j  Ragte 
beim  9teidf)$&ofrat&  in  SBien  über  bie  eigenmäd&tige  Söfung  fiaat* 
Ud&er  Serljältniffe  unb  erljob  in  ßopen^agen  SSorfieHungen  bagegen, 
baS  @ine  unb  ba«  änbere,  ol>ne  @tma$  ju  erreid&en.    3m  gtieben 
ju  $raoenbal)l  (14.  äug.  1700)  rourbe  in  äu3ftd&t  gejtettt,  bafc  ber 
Äönig  ein«  ber  ©fiter,  SKotöling,  auf  erneuerte  Sorfiettung  fogteidjj 
jurfidfgeben,  t)infid&tUd()  ber  übrigen  ftdj)  bem  9te$t$?prud(j  unterwerfen 
werbe.  Slber  aud&  eine  abermalige  @efattbtfd(>aft  blieb  erfolglos  unb 
ein  9ted&t$fprud&  ijl  nid&t  erfolgt    $u  gteid&em  33er^ältni6,  wie  jene 
©fiter,  ftanb  aud&  eine  größere  änjaljl  Ijolfteimfd&er  S)örfer  als  e$e* 
mate  bur<$  Äauf  erworbene  Sefifeungen  Sfibedter  ßird&en  unb  ©tif* 
tungen.    S)ieS  SBerljältmß  erhielt  fi$  nodjj  lange  3*ü-    3US  Unju* 
träglidjjfeiten  barauÄ  entfianben,  mttnfd&te  ber  Statl),  ti  bued)   eine 
SJerljanblung  ju  orbnen,  unb  ber  äntrag  würbe  willig  aufgenommen. 


48)  @ie  toerben  nod)  Ijeutigf«  $agf«  in  omtlidjen  9fo«fertigungen  fo  genannt. 
(1*  trareu  bie  ®üter  SWoi^ling,  Wienborf,  fReerfe,  Stodfeltfborf,  SWori,  öcf^erft 
2)ttnfei«borf,  %t*nt1)ox% 


Digiti 


zedby  G00gk 


893 

in  berSptfce  ber  bäniföen  ^Regierung  ftonb  bamate  bct  (Straf  $art* 
vis  oon  Sernfiorf,  ber  eben  ade  ftreitigen  SSer^ättniffc  mit  igam* 
tag  burdj  ben  ©ottorfer  Vertrag  (27.  2Wai  1768)  in  btUiger  unb 
oo^lmoDenber  SBSetfe  gefd^lid^tet  fjatte.  2BiewoI)l  nun  Sübedt  ni<$t 
in  ber  Sage  war,  burd)  feljr  erfyeblid^e  pecuniäre  Seifiungen  einen 
ftfa$  für  anberweitige  3ug*fianbniffe  ju  geben  f  wie  Hamburg  es 
gehmnt  fcotte,  unb  wiewohl  ber  wirfli^e  beginn  ber  SSer&anblun* 
genr  )um  2$ei(  weil  bie  Sereinigung  aller  l^olfietnifdjen  Sanbe  ba* 
jrifäjen  trat,  fidj  nod)  lange  üerjögerte,  fo  war  bo$  ber  erfle  von 
bämf$er  Seift  (1779)  entgegengebrachte  3Sorfd)tag  ganj  annehmbar, 
abem  er  eine  ungefähr  gleufce  Teilung  ber  ftreitigen  ©ifteicte  §um 
9nmbe  legte,  aber  bie  bänifdje  Stegierung  trat  von  Upen  eignen 
Sotfölagen  jurüd,  bie  SSer^anbtungen  bauerten  bann  no$  länger 
d*  jroanjig  Qaljren  unb  enbeten  mit  einem  ju  (Sopenljagen  am 
28.3anuar  1802  abgeföloffenen  SBergleidj,  ber  fe^r  unoortljeityaft  für 
Sftbed  war.  9Cu$  biefen  3Sergleid&  jögerte  bann  S)änemarf  jur  SIuS* 
fäjnmg  ju  bringen,  weil  injwiföen  in  golge  beS  Süneoißer  grie«* 
baß  bie  Sacularifation  be£9i£t$um£  ßübedt  jur  ©prad>e  gefommen 
w&,  meldte  mit  ben  Abfluten  ©änemarfö  nM&t  in  ©inflang  ftanb. 
ft  fottte  erfi  ba*  gnbe  ber  in  9tegen£burg  jufammengetretenen 
Setyabeputation,  unb  bann  nrieberum  erfi  ba«  @nbe  ber  barauS  ent* 
(toubenen  9ta$anblungen  §wifd>ett  Sfibedt  unb  bem  $erjog  von  Dlben* 
tag  erwartet  werben,  ©o  geföalj  e«,  bafe  ber  1802  abgeflogene 
aib  aläbalb  ratificirte  83ergleu$  erfi  1806  }ur  SluSfttljrung  tarn. 

ßnblid)  würbe  burd)  ben  ©ertrag  t>om  4.  3uni  1815  audj  ba« 
fcerjogtljum  Sauenburg  ein  Scfianbt^eil  be*  bänden  ©taate«, 
tuu&bem  e8  aorljer  feit  bem  Sluäfterbeu  ber  eignen  #erjoge  (1689) 
etft  ju  $annox>er,  bann  nadf)  ben  Ärieg8jal)ren  xwn  1801  big  1810, 
rotytenb  bereu  frembe  Gruppen  baS  Sanb  befefet  gelten,  jum  franjö* 
ftf^en  Steige  gehört  Ijatte,  bann  an  $annot>er  jurüdfgefaßen  unb 
wn  biefera  an  Sßreufeen  abgetreten  war.  9Son  ben  früheren  SScr^ 
^altniffen  Sübedfö  ju  Sauenburg  ifi  oben  bie  Siebe  gewefen.  3)ie 
wu&tigjien  Serfe^räfiragen  Sfibed«  führten  bur$  ba&  $erjogtf)um, 
bie  ffiafferfirafee  ber  ©tednifc  in  bie  ©be  unb  bie  Sanbwege  nad) 
Hamburg  unb  Sauenburg.  ©outen  biefe  ©trafen  in  einen  ben 
Bebfirfniffen  unb  änforberungen  ber  3*ü  entfpredjenben  3u|ianb 
gefefct  werben,  fo  beburfte  e«  nun  aud&  hierfür  ber  SSer^anblungen 
arit  Jtönemarl.  $iitfu$tli$  ber  ©tednifc  würbe  fe$r  balb  bamit 
begonnen  unb  guter  23iDe,  @twa2  ju  ©tanbe  ju  bringen,  war  ofcne 


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zedby  G00gk 


394 

Swcifcl  auf  bcibett  Seiten  uorljanben.  fcennodfj  fyakn  bie  93etf)anb* 
hingen,  obwohl  Qa^rje^enbe  tjinburdj)  fortgefe|t  unbf  wenn  unter* 
brod&en,  immer  nrieber  angefnüpft,  fdj>Ue&lid&  fein  nennenswertes 
SRefuttat  herbeigeführt,  weil  e$  immer  jroeifelljaft  blieb,  ob  bie  Sfaf* 
roenbung  felbft  feljr  bebeutenber  SWittel  ben  gemünzten  erfolg  l)a* 
ben  werbe.  (Schmieriger  geigte  ftd&  ©änemarf  l)inftcl>tlid&  ber  Sanb* 
ftrafce  jroifdfjeu  Sübed  unb  Hamburg,  bie,  jum  S^eil  tiefer  ©anbroeg, 
jum  Sljeil  holperiger  ©teinbamm,  ben  Serfefjr  unenblid)  erfd&roerte. 
S)ie  bringenbfien  SorfteDungen  unb  Sitten  beiber  ©täbte,  ben  35kg 
in  eine  ßfjauffee  ju  uerroanbeln,  blieben  tnele  ^feljre  gänjlid& 
unroirffam.  @rft  1832  rourbe  bie  3ufage  erreid&t,  bajs  eine  ß^auffee, 
gebaut  werben  foHe.  2lud&  jefct  nod&  bauerte  e^  Saljre  lang,  bis 
mit  bem  Sau,  überbieS  nid&t  auf  bem  nädrften,  fonbem  auf  einem 
langem  SBege,  begonnen  rourbe,  unb  als  er  enblid&  oollenbet  war, 
roar  aud&  föon  eine  anbere  üDtaferegel  ins  Seben  getreten,  roeld&e 
bem  §anbetSt>erfel)r  beiber  ©täbte,  unb  inSbefonbere  SübedS  bie 
fdjjroerfien  §inberniffe  bereitete.  S3on  ben  älteften  3*iten  ^  mx 
ber  SBaarenjug  jroifd&en  Sübed  unb  Hamburg  unb  umgefe&rt  frei 
pom  3°D  geroefen,  mit  bem  l.  Qanuar  1839  rourbe  ein  fiarfer 
SranfitjoD  eingeführt.  @ine  Sefd^roerbe,  roeldjje  bie  ©täbte  beim 
SunbeStage  einreihten,  führte  nur  ju  ber  -Jiieberfefcung  einer  Ser* 
mittetung&gommiffion,  unb  bie«  SJerfaljren  erfd&ien  fo  roeitauSfeljenb, 
ba&  bie  ©täbte  es  für  geratener  gelten,  mit  ©änemarf  in  birecte 
SSerljanblung  ju  treten,  ©o  entftanb  ber  Vertrag  t>om  8.  3utt 
1840,  in  roeldfjem  ber  XranfttjoH  für  bie  näd&ften  ad&tunbjroanjig 
%ofyct  anerfannt  rourbe.  3ur  Ünterfiüfcung  ber  33efd)roerbe  bei  bem 
SunbeStage  liefen  bie  ©enate  aus  Ujren  ärd&toen  bie  fämmtlidfjen  auf 
ben  Sranfüoerfeljr  bejüglid&en  Urfunben  unb  2tctenftüde  jufammen* 
ftellen  unb  abbruden.44) 

$>ann  folgten  SJerfymblungen  über  ©fenbaJjnen,  fd&roierige  unb 
lange  3*ü  aergeblid&e.  2)ie  2)änifd^e  Regierung  tonnte  e$  nidjt 
über  fid&  geroinnen,  eine  ©ifenba^n  ju  geftatten,  bie  jroar  für  Sauen* 
bürg  erfid&tlid)  Dortljeityaft  fein  mufcte,  aber  bod&  tyren  ©ubpunft 
in  ber  „auSlänbifd&en"  ©tabt  Sübed  Ijatte.    2luS  gleid&cm  ©runbe 


u)  9lbbrucf  ber  bat  9tedjt  ber  freien  Stäbte  Sübetf  unb  Hamburg  auf  gert- 
bauer  be$  gcUfreien  Sranfftoerfebr«  jtmfrten  beiben  ©täbten  bur*  ba#  £oIftrinifd»e 
©ebiet  betreffenben  Urfunben.  1838.  3n  ben  SBud^anbel  i(l  bie  <8d)rift  nid)t 
gefemmen. 


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396 

würbe  bcm  $roject  einet  Salin  jitnfdjen  Sü6cdf  uttb  Äiel  bie  ©e* 
ne^migung  üerfagt.  9tod&mal$  roanbte  Sübed,  ba  @ifenbaljm>erbinbutt* 
9cn  mel)t  unb  mefjr  eine  SebenSfrage  würben,  fidj  an  ben  Seutfdfjen 
8unb,  bod&  fam  e£  nid&t  ju  einer  S^ätigfeit  be«  $unbe&  S)er 
6influ&  befreunbeter  ^Regierungen ,  namenttidlj  Def!erreid}8  unb 
!ßrcu&en$,  unb  bie  Äraft  ber  öffentlichen  3Keinung  2>eutfdf)lanb8,  bie 
lebhaft  für  Sübed  Partei  naljm,  beroirften,  bafc  man  ben  Söiberjknb 
in  gopenljagen  aufgab.  3lm  23.  %\mi  1847  mürbe  ber  Vertrag 
über  bie  Anlage  einer  @tfenbaf)n  nadf)  Söüdjen  unterjeid&net.  S)abei 
mu&te  aber  bie  Uebertragung  be3  SranfttjoHä  auf  bie  $at)n,  vb* 
gleid)  er  übrigens  in  Sauenburg  nid&t  jur  änroenbung  famf  uorbe^ 
IjaÜfoS  unb  oljne  3^t^^nfung  anerfannt  werben,  unb  er  fjat 
fie  ferner  genug  belafiet.  SHHeberljolte  beSfaÜfige  SSorfieHungen 
loutben  jurfidgeroiefen.  6rft  1857,  bei  ben  allgemeinen  Serljanb* 
lungen  über  bie  SIblöfung  be$  ©unbjoflte  gelang  e3  ben  von  Sübed 
au$gct>enben  Senkungen,  ben  ftoü,  ber  mittelbar  audf)  ben  £an* 
bei  anberer  Sänber  benad&tljeiligte,  auf  ein  unfd&äblidfjeä  SDlafe  ju* 
tucfjufnljren.  ©er  ©unbjotfoertrag  fam  am  14.  2Ipril  1857  ju 
Staube.  2)urdj  U)n  rourbe  aud)  ber  ©oben  für  biejenige  Salin  ge* 
nwnnen,  welche,  roenngleidj  bie  natürtid&fte,  bod&  früher  am  aller* 
entjdt>iebenfien  nerfagt  war,  bie  birecte  93af)n  jnrifd&en  Sübed  unb 
Hamburg,  ©ie  Drbnung  ber  Serljältnijfe  biefer  93af|n,  in^befonbete 
bie  Siegelung  Ujrer  S3ejie^ungen  jum  3oBmefen  erforberte  bann  nod&* 
mate  große  üDtülje.  S5a3  SRefultat  mel|rjäl|riger  SJerljanblungen  ifl 
in  jroei  Verträgen  vom  19.  Quli  1862  jufammengefafet.  ©teidfoeittg 
würbe  auf  ben  Sffiunfd)  ber  ©änifdjen  Regierung  ein  britter  Vertrag 
unterfymbelt  unb  abgefd&loffen,  melier  ben  ©änifdjen  3oDbeamten 
bie  ©efugnifc  gab,  ©d&muggler  unb  3<>tttefawbanten  unter  ge* 
roiffen  näheren  S3eftimmungen  auf  SübedifdfjeS  ©ebiet  ju. perfolgen. 
$a$  finb  bie  legten  Verträge,  bie  Sübed  mit  ©änemarf  abge* 
f^loffen  §at. 

SBenben  mir  un£  fdjließlidf)  nodfj  ju  benjenigen  feilen  be« 
ärd&ioS,  roetdjje  über  bie  Serfjättniffe  ber  ©tabt  felbft,  iljre  SSerfaf* 
hing  unb  SSerroaltung,  in  früherer  unb  früljeßer  3*ü  Sluffd^lug 
9cben.  6$  tjanbelt  fidf)  babei  nidfjt  um  Urfunben  ober  Steten,  fonbern 
um  gleidjjeitige,  regelmäßige  amtlid&e  2luf jeid&nungen,  unb  man  wirb 
Blies,  was  ^ic^er  gehört,  aud)  wenn  e$  im  (Sinjclnen  nid&t  immer 
bie  gorm  eüic£  93ud)e3  l)at,  unter  bem  allgemeinen  -Kamen  ber 
6tabtbfi$er  jufammenfaffen  fönnen. 


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396 

(SS  fef>lt  jroar  nid&t  an  9Rateriatien,  aus  betten  ftd&  ein  $H(b 
ber  älteren  aSerfaffung  ber  ©tabt  unb  tljrer  guflänbe  jufammenfleDen 
lajst,  wie  bie  Dortrefflidjen  Arbeiten  von  grettSborff  unb  $auli  be* 
tpcifcn. 45)  aber  bie  Duellen  ftnb  bod&  im  ©anjen  redjt  bürftig  unb 
mangelhaft  25ieS  gilt  namentlich  oon  bemjenigen  3lüe*Öe  ^  ^er* 
roaltung,  mit  welkem  äße  übrigen  £l>eile  meljr  ober  weniger  ju* 
fammenljängen,  ber  ginanjperroaltung.  aus  bem  brennten  3a§r* 
fpmbert  ftnb  uns  jroei  unbebeutenbe  Fragmente  übrig,  roeldje  auf* 
jetd&nungen  über  ©innaljmen  enthalten;  ein«  umfaßt  bie  Qaljre 
1283  bis  1288  unb  befielt  aus  ad&t  golioblättern,  baS  jroeite  bie 
3a^re  1288  WS  1298,  aus  bretjeljn  gotioblättern  befte&enb.  Dann 
folgen  brei  f.  g.  Äämmereibüdfjer  üon  1316  bis  1337, 1338  bis  1355 
unb  oon  1356  bis  1370.  @S  ftnb  §ebungSregijler,  Serjeid&niffe  bet 
einnahmen,  bie  au&  ber  abgäbe  Don  ben  auf  bem  SRarft  errric&teten 
Stoben,  aus  ben  t)on  mehreren  ©emerben  ju  entrtd&tenben  iä^tlic^en 
abgaben  unb  enblidj  aus  ben  ber  ©tabt  gehörigen  ©runbflüdfen 
innerhalb  unb  außerhalb  ber  ©tabt  floffen.  ©aneben  enthält  baS 
britte  Äämmereibudf)  nodf)  eine  Stubrtf:  Sefolbung  ber  Wiener.  @S 
fd&eint,  ba&  im  3al>re  1370  eine  SSeränberung  in  ber  SSermaltung 
vorging,  bie  Äämmereibüd&er  §ören  auf  unb  an  iljre  ©teile  treten 
ganj  ä^nli^  eingerichtete  SBetterentenbüd&er.  S)ie  jroei  erften  ber* 
felben,  von  1371  bis  1399  unb  von  1400  bis  1418,  ftnb  no<$ 
gut  erhalten;  baS  britte,  ben  langen  3*üraum  wn  1418  bis  1488 
umfaffenb,  ejtfttrt  jroar  als  33ud)  ebenfalls  nod),  beftnbet  fid&  aber  in 
einem  Ijödjfi  traurigen  3uftanbe,  bie  meiflen  Blätter  finb  auSgeriffen. 
S)aS  nädfjfie  83ud&,  t>on  1489  bis  1573,  tft  toieberum  tjoüfianbig 
unb  eben  fo  ftnb  eS  bie  ferneren  bis  in  bie  neuere  3eit  Dtatin* 
reid&enben.  $>en  SBettefjerren  mar  aber,  roie  eS  fd&eint,  bie  Hebung 
ber  aus  ber  SSerpadEjtung  ber  in  unmittelbarer  91ä§e  ber  ©tabt 
liegenben  ©rünbe,  Sßiefen  unb  ©arten,  namenttidf)  Hopfengarten, 
fliefjenben  einnahmen  fd^on  früher  übertragen  unb  fte  Ijaben  jur  33er* 
jetd&nung  berfelbcn  f.  g.  SBiefen*  unb  ©artenbüd&er  angelegt.  Qfjrer 
ftnb  üier,  oon  1348  bis  1384,  1384  bis  1431,  1431  bis  1544, 
1544  bis  1700.  3tt  bem  jroeiten  pnb  grofee  Süden,  bie  übrigen 
ftnb  jiemlidf)  üoüflänbig.  an  anbertoeitigen  aufoetd&nungen  über  bie 


«)  $ren*borff,  bie  <Stabt*  unb  ©eridjt^erfaffung  Sübetf*  im  XII.  unb 
XIII.  Sa^unbert.  «üb.  1861.  $auü,  Sübecflfdje  3uftänbe  ju  ««fang  M 
vierzehnten  3afjrijunbertd.    8üb.  1847. 


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897 

annahmen  bet  Stabt  fef)tt  e«  ober  roäfjrenb  be«  ganjen  oierjefytten 
3a$rljunbertS  oöHig.  2Btr  Ijabeu  feine  Äenntnifc  oon  ben  ©ertd>t&» 
intraben,  oon  ben  einnahmen  au3  bem  ©djofc,  bet  8ermögen8fteuet, 
»cldje  bie  Bürger  oon  9fafang  an  entrichteten,  nur  nriffen  nid^t  ein* 
mal  mit  Seftimmt^eit,  attö  toetdjen  Quellen  überhaupt  einnahmen 
Hoffen,  eben  fo  fel>lt  eS  an  allen  58erjeid&nif[en  ber  ausgaben,  unb 
b*£  iß  in  nod&  Ijölprem  ®rabe  ju  betlagen,  ba  fie  juglei<$  über 
wie  anbete  ©nrid&tungen  unb  SSorfommniffe  SUtffdjlufe  geben  tofit> 
ben.  SHe  älteflen,  nodj  oorljanbenen  tabellarifäen  Uebetfi^ten 
tber  bie  ©umarmen  unb  Stuägaben  bet  Stabt  ge^en  nut  big  fum 
3<tljte  1421  jutäA  ©ie  finb  auf  einzelne  jufammengerollte  Sßerga* 
wentHatter  gefd&rieben,  beten  für  jjebe*  3al>r  jioet  jufammengel>ören, 
inbem  ein«  bie  einnahmen,  em$  bie  ausgaben  angiebt.  Sie  finb,  in 
(Ermangelung  anbetet  Duellen,  oon  gro&em  3Bettl>,  übrigen«  l>öd>fl 
fttBtmatif$  gehalten,  fo  bafe  fte  nidjt  einmal  burdjtoeg  oerftänblid^ 
finb,  aud>  niefct  meljr  ganj  ooHfiänbig  unb  jum  23>eil  burd>  geudj* 
tkjteit  unbtaudibar  geiootben.  SHe  Tabelle  oon  U21  jetgt  neun* 
wtoteijjtg  ^Optionen  in  bet  ©inna^me  unb  jroetunbbreifeig  in  bet 
IttSgabe.  $>er  gefammte  Settag  bet  ©umarme  war  19094  rr$. 
1515  fing  man  an,  biefe  Tabellen,  bie  nadj  unb  na<§  ausführlicher 
würben,  unb  me^r  ©njetljetten  enthielten,  in  ein  befonbere«  33ud) 
emjutragen,  bo<$  ftnb  au<&  bie  auf  getollten  Sögen  nod)  bt«  1558  fort* 
gefe|t  ©enauere  SBüd&er  übet  bie  ©nnaljmen  fangen  erfi  mit  bem 
Saljre  1460  an,  fte  gelten  fort  bi8  1631  unb  fehlen  bann  wieber 
H*  1583.  2(u8gabebü($et  beginnen  erfi  mit  bem  %atyct  1502  unb 
ge&cn  §unäd)fi  nut  bis  1513,  bann  folgt  ein«  oon  1550  bis  1562 
unb  roieber  tritt  eine  Sude  ein  bis  1595.  ßrfi  oon  biefem  Qaljre 
an  ftnb  fie  ooDfiänbig  ermatten.  S)ie  6innal>mebfid)er  gemäßen 
taum  einen  anbem  ©inbltcf  in  bie  Verwaltung,  ate  bafe  fie  bie 
einjetnen  SRubrifen  erfennen  laffen,  übrigens  geben  fie  nur  bie 
eingegangenen  Summen  o&ne  weitere  Semerfung.  3)ie  Ausgabe* 
bfidpr  ftnb  fpecieüer  geführt  unb  e«  ifi  ba^er  um  fo  mel>r  ju  be* 
flagen,  bafe  fie  gerabe  au«  ber  &t\t  fehlen,  au*  welker  fie  §ur  @r* 
gftn$ung  anberweitiger  Stadjridjten  wefentlidfc  beitragen  mürben. 
Da«  StedjnungÄja&r  fölofe  mit  Sßetri  ©tuljlfeier  (gebr.  22)  ab. 
Storni  wed&felten  bie  2Jel)örben,  t>ermutl>Udj  nadfc  einem  fe^r  balb 
banft  Obferoanj  geregelten  XumuS,  unb  bann  mürbe  o$ne  3wetfel 
amb  bem  Statlje  Stecfjnung  abgelegt,  wobei  inbeffen  an  eine  Sontrote 
in  bem  heutigen  ©inne  be*  SBort*  ni$t  ju  beuten  fein  wirb.   5He 


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398 

SBettefjetten  Ratten  feit  1418  ein  eigne«  SJudj,  in  toeldje«  fie  i§re 
Ablieferungen  an  bie  Äämmereitjerren  eintrugen.  „®it  i«  ber  »ebbe* 
Ijeren  boef"  —  Reifet  e«  ju  Anfang  —  „bar  fe  tnförioen,  toat  fe  ben 
femereren  antroarben."    @«  ift  bi«  1665  fortgebt. 

2ln  9tedjt«büd)ern  ^aben  wir  bie  ©obice«  oon  2llbre<f)t  oon 
Sarberotf  von  1294  unb  oon  Sibemann  ©üflroio  oon  1348,  audj 
mehrere  fpätere  abtriften.  Ueber  bie  3tcoifton  be«  Sübed  tfdjen  9te$t« 
im  Q.  1586  giebt  e«  leine  anbere  Steten,  al«  biejenigen,  toeldje 
©reger  in  ber  Einleitung  jur  Äenntnifc  ber  Sübecfifdjen  SSerorb* 
nungen  mitgeteilt  tjat.  SSon  ben  alteren  ©eridjtebüdjern  I)at  fid) 
SRid)t«  weiter  ermatten,  al«  ein  Sßergamentljeft  in  Hein  golio  mit 
Slufjeidjnungen  über  bie  33erfd)ioörung  oon  1385  (über  de  tradito- 
ribus  et  eorundem  bonis),  meldte«  auf  ber  ©tabtbibUotljef  aufbe* 
maljrt  wirb.  6«  befielt  au«  jtoeiunboierjig  blättern,  ift  jebodj  ntdjt 
mej>c  ganj  PoDfiänbig.  an  ber  Stegiftratur  befinbet  fid^  nur  ein 
©erid)tSprotofoH  in  ©ioilfadjen  au«  ben  3a^ren  1504—1512  unb 
ferner  ein  1532  oon  SRicolau«  oon  Storbetotf  unb  Slnton  oon  ©tuen 
„to  beljueff  be«  regten"  angelegte«  3Wemorialbud),  toeldje«  ju  3ta* 
fange  eine  2fajaf)l  älterer  Slufjetdjnungen  enthält,  nemlldj: 

too  men  be  oarred)te  Ijolti 

100  men  etjnen  mtebeber  frebelo«  ledjt  ebber  ooroefiet; 

oan  ebe  unbe  orbinancie  be«  rtdjte  ferioer«; 

ber  oorfprafen  orbinancie; 

oan  ben  bobelmefiern  unbe  bobelf  nedjten ; 

be«  fronenmefter«  eebt,  item  ber  fronen  er  Ion; 

oan  ber  fofi  ber  gefangenen  in  ber  fronerge; 

oan  pradjeroagebe  unbe  finem  ebe; 

oan  lofen  togoeren  unbe  erer  bradjt; 

oan  bem  ebrofe; 

toat  men  jarli?  utlje  beme  redete  to  geoenbe  unbe  to  belonenbe 
pted^t,  toanner  men  bat  flut; 

toat  men  gifft  toanner  men  bat  oogebinge  l)olt; 

toat  men  up  funte  Sßeter  to  belonenbe  ptedjt; 

be  nige  orbinancie  ber  bobelmefter  unbe  erer  friedete; 

oan  ben  oulmedjtigen  ofte  plageren; 

oan  ben  panben  to  oorfetten. 
©0  toeit  bie  erfien  ©intragungen.    35a«  Su$  ift  bann  in  ©e* 
braud)  geblieben  unb  e«  finb  bi«  in  bie  neuere  3*it  hinein  oiele  ba« 
3te<$t  betreffenbe  Verfügungen  be«  Watißr  Orbnungen  unb  @ibe  ber 


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399 

beim  9te$t  beschäftigten   Sßerfonen   unb   anbete   baljin    gehörige 
Singe  eingetragen  worben. 

SDer  ®eri$tsjprengel  ber  Ferren  be*  ©erid)t8  war  burdj  bie 
Ringmauern  bet  ©tobt  begrenjt,  oor  ben  Sporen  unb  bt«  an  bie 
Stettin  ber  Sanbwe^r  ftanb  bie  ©eridjtSbarfeit  ben  Ferren  be« 
Jtaftolte  jtt.  Styct  SßrotoMe  beginnen  mit  bem  Qaljre  1550,  unb 
e*  Weint  in  bet  2^atf  ba&  früher  feine  geführt  finb.  S)enn  ba« 
etpe  fö&rt  bie  Ueberförift  „regifter  beS  broedS"  b.  f).  ©trafregifter 
nnb  beginnt  mit  einem  ©traftartf  : 

tyn  Hobt  unb  blaw 9  mfl 

egn  btun  unb  Marc 2ntfi    8  9 

epn  meft  toge  unbe  nidj  bewant    ....    6  ^ 

f^ielbeioorbt  an  ete 3  nfy  60  f8 

fcartog       12  <8 

iramt|tad> 12  U 

etbtoal 60  ß 

bc  browet  unb  Dorfatigen  fielt,  btift 
?k  ba8  jukfct  genannte  SSetge^en  iji  eine  $a?e  nidjt  ^injugefügt. 
Sage  3ett  finb  bie  Sßrotofotte  nur  furje  SRotijen  über  begangene 
$ettoe$en  unb  bie  etfannten  ©trafen.  @rfi  na$  unb  nadj  werben 
Se  <uiSffi$rUd)et  unb  fdjlie&U<I)  fc^r  weitläufig.  Sie  gelten  oljne  Un* 
tofee^ung  fort  bis  1675,  bann  ip  eine  ßfide  btS  1724.  $>ie  93er* 
freuet  waren  großenteils  JBewo&ner  ber  ©tabt,  aber  eS  tarn  auf 
bo$  forum  domicilii  9tt<$tS  an.  Stuf  ber  etfien  Seite  beS  erfien 
8u<$eS  ffce^t  ber  ©runbfafc:  „in  weS  geriete  be  föabe  gefd&utl),  beS 
Wdjop  $eft  ben  brofe  to  forberenbe  oan  beme,  be  ben  fdjaben 
fleban  $eft,  eft  &e  fd&on  unber  einer  anbern  Ijerföop  beteten  iS." 

J)ie  SBetteprotofoDe  beginnen  mit  bem  3a§re  1589;  es  mu& 
ba^in  gejlettt  bleiben,  ob  früher  nod&  ältere  uor^anben  waren. 
3ebenfaflS  £aben  bie  SSJette^erren  lange,  e$e  fte  SßrotofoKe  führten, 
i  8-  3M>reSbfi(ljer  gehabt  SDiefe  finb  oon  1483  an  ehalten.  @S 
fab  §efte  in  Quartformat  von  Sßapter  mit  einem  Umfötag  Don 
Pergament  SSier  pon  Ujnen  f)aben  feine  etfennbate  3fal)teS}al)t, 
to*  dltefte  betreiben  fann  ber  Jpanbförift  na<$  nod)  über  baS  3a$r 
U83  jurfidretd&en.  3n  ber  Siegel  umfaßt  jebeS  $eft  ein  3al>r, 
wöge  3a^re  fehlen,  einige  $efte  bagegen  umfajfen  jwei  ober  mehrere 
3*$tt  ©ie  ge^en  fort  bis  1676.  ©en  Anfang  mad&t  immer  eine 
Spe  ber  Slemter  ($anbwerfer),  beren  Flamen  wieber  bie  Ueberfdjrif* 
tat  ber  einjelnen  ©eiten  bitben.    Sei  jebem  Stalte  finb  bie  baffelbe 


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400 

betreffenben  83orfommniffe  eingetragen.  2Bo  9H$t£  ju  bemerken  wat; 
ifl  bie  ©ette  leer  geblieben,  unb  ba8  tfi  atterbtng«  häufig  ber  gatt. 
$auptfttd^U<%  ftnb  auSgefprodfjene  Strafen  t>erjeid)net,  ber  urfprüng* 
ltd&en  JBeftimmung  ber  SBettebeljörbe  gemäfc.  Sitte  $efte  fjaben  eine 
©d^tuferubrif  int  gljemene  (insgemein),  in  meld&er  fefcr  perfd&ie* 
benartige  Dinge  uorfoimnen.  QnSbefonbere  enthält  eine  lange  Steige 
pon^a^rgSngen  ein  ofjne  3n>eifelt>on  bem  ©pietgräfen  eingelieferte* 
unb  uottftönbtgeS  ä$erjetd&ni&  aller  ftattgefunbenen  $odfoeiten  mit  »n* 
gäbe  be$  StomenS  be8  ©räutigam«  unb  ber  ©taut  unb  ber  Sfojaljl  ber 
gelabenenen  ©äfte,  bie  in  einzelnen  gatten  über  jmei&unbert  $üt* 
ausgebt  Der  SDBettc  mar  nemlid&  aud&  bie  äuffidjt  über  bie  Stufted^t^al^ 
tung  ber  ipod^eitöorbnung  übertragen.  Die  von  ben  SBette&erren,  fonrie 
audf)  bie  von  bem  ganjen  Statte  auSgel>enben  Serfügungen  in  ®emer* 
beangetegentyetten  mürben  urfprüngttdfj  auf  einjelne  SJlätter  tum  fe^r 
betriebenem  gormat  getrieben.  (Sine  äfojaljl  fold&er  ©Idtter  finbet 
fidj  jefct  eingeheftet  in  baSjemge  93ud&,  meldte«  unter  bem  9tomen 
„baa  ältefle  SBettebudf)"  befannt  unb  bei  ber  »earbeitung  be« 
Sübedfifd&en  Urftmbenbud)*  mel)rfad&  benufct  ift  <§bm  bafielbe  enfc 
Ijalt  jugleid)  Fragmente  eine*  no$  älteren  $9ud&e3,  in  meinem  bie 
SBette  nur  ate  ©trafbe&örbe  erfd&eint46)  Die  eigentlichen  Stoflet 
ber  §anbmerter  bagegen  mürben  immer  auf  $ergamentblätter  ge* 
{^rieben  unb  erft  im  ftebjefytten  Qa^unbert  l>at  man  angefan- 
gen, abtriften  berfelben,  bie  jum  2$eil  fe$r  incorrect  ftnb,  ut 
fogenannte  SRoflenbüd&er  einjutragen. 

Die  älteren  ©tabtbücfcer  ftnb  jum  bei  weitem  größten  8$ett 
audfo  burdfr  Ujren  Sinbanb  intereffant  <£r  befielt  fafl  burd&roeg  awB 
i&oljbecfeln,  bie  mit  larmoiftnrot^em  Seber  überjogen  ftnb.  3n  ba« 
gebet  ftnb  fet)r  wrfd&iebenarttge  Vignetten  eingepreßt  Sei  bem  1504 
angelegten  ©ertd&tSprotolott  fteßen  fte  ein  Grucifif  bar  mit  ber 
ttmf<$rift:  salva  nos  domine  per  passionem  et  crucem  toatn. 

3u  ermahnen  ftnb  aud&  bie  »firgerfprad&en  (burfprafen),  mm 
benen  eine  Snja^l  aud  bem  fünfjeJ>nten  unb  fedfaeljuten  3fe$rfjwi* 
bert  nodjj  üor^anben  ifl  ©ie  mürben  viermal  im  3a$re  von  ber 
Saube  be«  Slat^aufe*  abgetünbigt,  ju  Sßetri  ©tufclfeier  (gebr.  22.), 
3acobi  (3uli  25.),  SJtortint  (9too.  n.)  unb  SJjomä  (Decbr.  21.). 
Die'  Slbffinbigung  mar  bis  jur  ^Reformation  bie  gefefcltdfre  SerfönbU 


«•)  Zkxql  Beitfc^rif»  brt  »min«  f.  8ü*.  0efö.  «.  SUtety.  &>.  L6,lttf 


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401 

gung,  weld&e  ben  ©efd&lüffen  forooljl  be«  SRati^S  als  ber  ipattfeflöbte 
perbtnblidje  ßraft  gab.  SRadj)  ber  Sieformation  liefe  ber  Statjj  feine 
SJtanbate  von  ben  Äanjeln  Detlefen,47)  erfl  fpäter  audj  burd&  ben 
©tue!  befannt  machen.  2)ie  ättefte  gebrudfte,  mir  befannte,  SSerorb* 
nung  ift  oon  1555,  ein  SOtanbat  gegen  bie  SBiebertäufer  unb  Sacra* 
mentirer. 48)  9ta<$  unb  nad&  mürbe  baljer  bie  Sertefung  ber  S3ür* 
gerfprad&en  ju  einer  leeren  görmlid&leit  Sffift^renb  in  früherer  $*U 
burd)  eigne  JBefdf>lu&na$me  feftgefteDt  mürbe,  ma«  neben  ben  immer 
fid>  wieberfjolenben  ©eboten  jebeSmal  wrffinbigt  merben  follte,  mürbe 
von  1620  an  feine  Söeränberung  me^r  mit  bem  einmal  feftgefteüten 
%t&  ber  SJürgerfprad&en  vorgenommen,  bod&  finb  fie  bis  1768  nad& 
wie  cor  ju  ber  beftimmten  3*ü  beriefen.  Unb  au<$  ba  fonnte  ber 
Stotl?  ftd&  nid&t  entfließen,  bie  bebeutungSloä  geworbene  Zeremonie 
gänjlufc  abjufd&affen,  fonbern  befdfjränfte  fidj)  auf  bie  SSerfägung,  bafc 
fie  nur  einmal  im  $atyct,  auf  $etri  ©tu&lfeier,  jiattfinben  foKe. 

©anj  wefentlid&e  unb  über  einen  weiten  3eitraum  fidf)  erflredenbe 
Duetten  für  bie  Äenntnife  Sübedftfd&er  SSer&ältniffe  finb  bie  89üd&er, 
bie  t)orjug«roeife  ben  9lamtn  ©tabtbüd&er  £aben,  unb  fie  ftnb  aud&, 
abgefe^en  pon  tyrer  SBenufcung  für  baä  Urfunbenbudf),  bie  Quelle 
einer  eignen  bebeutenben  Uterartfd&en  ©rfdfjeinung  geworben,  ber 
$auti'fdden  ab^anölungen  au*  bem  ßübifd&en  Siedete.  SHe  ©tabt* 
bücket  feilen  |id&  in  ein  f.  g.  Ober*  unb  Stteberfiabtbudjj.  ©etbe 
3Ramen  §aben  il>ren  ®runb  üieBeid&t  barin,  bafc  ba«  eine  in  ben 
oberen,  ba£  anbere  in  ben  unteren  Steilen  be$  3tatl)!)aufe$  gefd&rie* 
ben  mürbe,  SBenigfien*  tji  e«  nad&  einer  allgemeinen  2lnfid(jt  über 
bie  mut$maf*li$e  SJenufcung  ber  oerfd&iebenen  Stöume  be«  9iat^aufeä 
loa^rfd&einlid^,  bafe  e$  fo  gefdj>el)en  ift,  unb  bann  ift  bie  ©rflärung 
einfach  unb  na&etiegenb.  ^ebenfalls  finb  bie  SRamen  fdjon  alt,  Liber 
superior  horeditotum  fommt  1367  (im  britten  Äämmereümdje)  w>r, 
über  superior  videlicet  heredilatum  etmaS  fpäter  (1390  im  -Jtieber* 
©tabtbudj).  2)aS  SBort  hereditatum  bejeid&net  ben  Qn^alt  S)ie 
Dberfiabtbüdjet  finb  üoUftänbige  SBerjeid&mffe  fämmtlid&er  Ääufe  unb 


4r)  ffiaifr,  «übe*  unter  Sorgen  SDuUentoeber,  $Bb.  l  @.  838  f&ljrt  einen 
8aÜ  an,  in  »eldjem  bie«  fd)on  am  2».  Sanuar  1534  gefdjafy. 

*•)  fcappenberg  in  Urafciger«  (Sfjronif  bec  ©tabt  Hamburg,  @.  274  9lnm.  S 
fü^rl  eine  äljnlidje  oon  fedj«  <Stäbten  erlaffene  SJerorbnuug  an  mit  ber  Söemer* 
fang,  ba£  fie  »ermat^lid)  1535  in  Sübetf  gebrntft  fei.  Sgl  bagegen  Starrt, 
BibecfifaV  Äiitt>engefd>itt)te,  ©.  132. 


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402 

SJerfäufe  ober  (Sefftonen  pon  Statten,  fo  tote  aller  Verläufe  ober 
anberweittger  Uebertragungen  pon  ©runbftficfen.  UrfprüngUdj  routbe 
biefe  ärt  ber  SRed&tögefd&äfte  in  ben  f.  g.  6d&tbingen,  SSerfantmlum 
gen  be8  SRatfyS  unb  ber  erbgefeffenen  ©ürgerfd&aft,  roeld&e  breimal 
im  3a^re  ftatt  fanben,  pottjogen,  *9)  feit  1226,  betn  Salpe,  in  rocl* 
c&em  Sübed  bie  9teidf)8fretl)eit  erlangte,  gefdfjatjen  fte  por  bem  SRattje 
ottein  unb  würben  feitbem  in  eigne  baju  befiimmte  Südjjer  einge* 
tragen.  2)a3  ättefie  btefer  ©ttd&er  tft  nidfjt  meljr  porl>anben,  nrit 
bejtfcen  fte  erft  pon  1284  an,  von  ba  an  aber  pollfiänbig  bt$  auf 
bie  neuefte  3*üf  f°  ba$  eS  möglich  ifl,  pon  bem  genannten  Sollte 
an  bi«  auf  bie  ©egenwart  fjetab  bie  SBcft^er  unb  größtenteils  audj> 
bie  ©dfjidtfale  fämmtli^er  &aufer,  wentgftenä  in  allen  bebeutenben 
©trafen  anjugeben.  Unb  ba  jebeSmal  ntd&t  bloß  bie  Staaten  ber 
Sßerfonen  genannt  werben,  von  wetd&en  unb  auf  wel$e  bie  @runb< 
fiüdte  übergingen,  fonbem  audj  bie  SSerantaffung,  in  welcher  es  ge* 
fd&a^,  ob  burdfc  ©rbfdfjaft  ober  als  9Kitgift,  burd)  freiwilligen  ober 
gejwungenen  Sfcrfauf  ober  wie  fonft,  ba  jugleid&  über  perwanbtföaft* 
lidfc  SBerfjSltniffe  ber  oorfommenben  Sßerfonen  unb  über  iljre  büt* 
gertid&e  Stellung  Slngaben  gemalt  werben,  aud&  gelegentltd&e  9iofc 
jen  unb  Semertungen  mand&er  ärt  eingeflreut  ftnb,  fo  ftnb  bie  Dbet' 
ftabtbüd^er  eine  reiche  Duelle  ber  fienntnife  jiäbttfd&er  SJerljältmjfe, 
inSbefonbere  für  ©enealogte,  S^pograp&ie  unb  Sfted&teperljältniife. 
S)er  1856  oerftorbene  Dr.  §erm.  ©d&roeber  l>at  ftdjj  ba«  grofceSet* 
bienft  erworben,  bie  Sttd&er  bis  jum  Q.  1600,  a^tunbjwanjig  an 
ber  ftaljl,  ganj  burd^juarbeiten  unb  bie  Snfcrtpttonen  über  bie  ein* 
jelnen  Käufer,  unter  Sugrunbelegung  Ü>rer  jefcigen  SBejeid&nung 
nad&  ©trafen  unb  -Wummern  jufammenjufteHen.  Qn  einer  (leinen 
©d&rift,  bie  er  gelegentlich  barüber  peröffentlid&t  Ijat, 50)  fagt  et: 
„Sei  erfier  flüd&tiger  @itiftd|t  be8  jefet  ältefien  £5berflabtbud&3  mu6 
man  not^wenbig  in  feinem  SDhttfje  fe&r  jweifel^ft  werben,  ftdf>  but$ 
ba3  Sabtjrtntl)  ber  Notum  sit  burd&juwinben,  benn  ba8  93ud&  enthält  etwa 
6000  meifl  furje  ©äfee,  bie  tyette  Uebertragungen  pon  ©runbjWden, 
t^eitö  ©efftonen  pon  Stentepöfien  ober  (Srboerträge  unb  berglei^cn 
berieten,  alle  mit  Notum  sit.quod  anfangenb,  oljne  eine  anbete 
Drbnung,  als  bie  ber  3eü,  to  bet  fte  eingefd^rieben  ftnb,  bie  mdjit 


«•)  Mb.  Urf.*53u*  8b.  I  S.  39. 

*>)  Hermann  €d)roebet,  XopQycäptyfät  unb  aetteafogtfd)e  IRotlgei  Mi 
bem  ttierjetynten  3aljtljttnbeti.    fcü&ecf  1843. 


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Googl 


403 

immer  mit  ber  $eit  ber  wirflidfjen  SSctfjanblung  übereinflimmt,  unb 
namentlidfj  oljne  olle  topograpljifdje  Drbnung.  9lad>bem  icij  aber 
aus  ben  neun  ältefien  33üc§ern.  übet  25000  Qnfcrtptionen  jufam* 
mengeftctlt  Ijatte,  unb  fo  mit  ipülfe  eineä  genauen  9tamenregifter3 
einen  ß^itraum  pon  einljunbertunbjroanjig  Sagten  gleichzeitig  über* 
fetycn  tonnte,  ifl  c£  mir,  freiließ  mitkam  genug,  gelungen,  barauS 
bie  ganje  6tabt,  mentgftenS  bie  porjüglidjeren  Straften  berfclben 
für  ba5  Pierjeljnte  3af}rl)unbert  in  itjren  einjelnen  Käufern  jufam* 
tnenjufefcen."  Die  rein  djronologifd&e  Drbnung  ift  btö  1818  beibe* 
galten,  erft  feit  biefem  3af|re  fjat  jebeS  ©runbjlüd  ein  eignet  golium. 
$ie  2Injal)l  ber  Dberflabtbüdjer  bi$  1818  beträgt  breiunbfiebenjig. 
6ie  finb  bte  1455  lateinifdE)  geführt,  pon  ba  an  2)eutfd).  Sine 
3nfcription  pom  l.  2lug.  bf.  3$.  befagt:  „SBitlif  fy,  bat  be  rat  to 
Subefc  uppe  ben  mitmefen  por  Sincula  Sßetri  anno  :c  LV  geftaten 
unbe  beme  werbigen  magiftro  Slrnolbo  pan  Bremen,  boctori  in  bei* 
ben  redeten,  erent  fiubico,  bepalen  ^ebben,  bat  l>e  ber  fiat  renttye 
bofe  nu  t>ort  an  tofamenben  üben  uppe  bubefdj  unbe  ntdjt  uppe 
latin  feripen  fcolbe,  beme  be  genante  boctor  alfo  gerne  geban  fjefft 
na  beoelinge  beg  rabeS  porfereoen  in  matten,  formen  unbe  wife,  fo 
&ir  na  polgliet,  unbe  trefft  of  beffet  boef  gebetet  in  Peer  flene  bofe 
na  oeer  ferfpelen  beffer  ftab,  be8  bomeä  ferfpel  unbe  funte  ptien 
ferfpel  por  een  ferfpet  to  refeneube."  £)ie£  eine  Äird&fptet  erhielt 
bann  ben  tarnen  Nicolai,  melden  bie  ©omfirdjje  in  älteren  Urfun* 
ben  tyäufig  füfjrt,  ba  fie  3ofjanne£  bem  Säufer  unb  bem  Ijetl. 
9ücolau$  gewibmet  war.  $ie  2Iu$beutc,  meldte  bie  Dberftabtbüd&er  ge* 
wahren,  betrifft  nur  Sübedifd&e  SSer^ältniffe.  grembe  fommen  feiten 
barin  por,  ba  e3  tynen  im  allgemeinen  nid)t  geflattct  mar,  Renten 
unb@mnbftudel)icr}ubefifeen.  S)er9tatlj  fürchtete  Solutionen  baoon 
forooljl  Jjinfidjtlid)  ber  Qurtöbiction  als  l)infid)tli<f)  ber  Sefteurung, 
unb  bie  Sürgcr  mu&ten  ba^cr  auf  bie  33ortljeile  pcrjid&ten,  bie  fie 
burdj  Senufcung  fremben  Kapitals  unter  Umftänben  Ratten  Ijaben 
fönnen.  9lur  wenn  befreunbete  ©täbte  ober  benachbarte  gürften 
eine  beftimmte  ifjnen  gehörige  Verberge  t)ier  ju  tyaben  wünfd&ten, 
erlaubte  ber  9tatfj  i&nen  auSna&mämeife,  ein  §au&  ju  laufen,  per* 
langte  aber  eine  fd&riftltd&e  3ufidjerung,  bafj  t&  immer  an  einen  Siibccfi* 
W&en  ©ärger  permietfjet  werben  unb  leinerlei  9Sorre$t  für  baffelbe 
in  8nfpru<$  genommen  werben  foHe.  ©o  erwarb  1480  ber  9tatfj 
ju  Hamburg,  beffen  einjelne  SWitglieber  oft  in  ©efd&äften  Ijier  an* 
toefenb  waren,  bannige  $au3,  weW&eSbann  atäbalb  ben  Flamen  ber 

26 


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404 

Hamburger  Verberge  erhielt  unb  noclj  fjeute  als  ©afi^of  jur  Stabt 
Hamburg  befannt  ift.  ©8  ift  buS  1808  ©gentium  bei  Senate«  ju 
Hamburg  geblieben.61)  SKe&nUclje  gäDe  famen  öfter  oor,  bodfc  ift  es 
nur  einmal,  1586,  gefd&e&en,  bag  ber  9tatb  ftdjj  einem  ^ßrioatmanne 
in  folget  SQSeife  wMfä&rig  bewies.  ©S  war  ber  Äöniglufc  bäniföe 
Statthattet  in  ben  $erjogtl)ümern,  3oacbim  Stanfcau. 

SBeit  oielfeitiger  unb  mannigfaltiger  ift  ber  3nl>alt  beS  lieber» 
ftabtbud&S  ober  ber  SRieberftabtbüd&er.  Sie  enthalten  äufjeid&nun* 
gen  über  $rtoatangelegenl>eiten  aßet  Slrt,  benen  man  eine  größere 
SRedjtSftd&erljeit  baburdfc  geben  wollte,  ba&  man  fte  uor  bem  ganjen 
Statte  ober  oor  jwet  Statfynänncrn  abfdj>lo&  unb  fte  bann  in  ein 
uon  bem  Schreiber  beS  SRatljS  geführte«  $Bud&  eintragen  liefe.  S)a 
bie  Angelegenheiten  in  ber  älteren  3*tt  me$rentf)eU8  ©etbt>erl>ält* 
niffe  betrafen,  würbe  baS  33ud&  nid&t  mit  Unrecfct  über  in  quo  debita 
conscribuntur  genannt,  ffiin  foldjeS  wirb  föon  1277  in  ber  JöcftaKung 
für  ben  Stabtfd&reiber  Qo&ann  oon  Samefom  erwähnt  unb  bie  gü&rung 
beffetben  tym  aufgetragen.  ")  2)aS  oon  tym  gefd&riebene  »ud&  eyiftirt 
inbeffen  je^t  nidjt  me$r.  S)aS  oorfjanbene  ältefte  beginnt  mit  bem  3a$t* 
1311.  SXe  3nJcriptionen  ber  9Ueberftabtbüd(j>er  finb  in  ber  gform  benen 
bet  Dberftabtbttc&er  in  fo  fern  ä$nlid>,  al$  fte  ebenfalls  in  ber  Siegel 
mit  Notum  sit  quod,  ober  Notandum  quod  beginnen,  eine  9Renge 
giebt  weiter  nid&tS  an,  als  bie  Slnerfennung  einer  Scbulb  SineS 
gegen  einen  Slnbem  unb  einen  Termin  für  bie  Stellung.  §äuftg 
wirb  aber  ein  $fanb  für  bie  Sid&er&eit  ber  3<*l>tottg  fjinjugefttgt, 
bisweilen  9Robtlien,  häufiger  Immobilien,  unb  Ijteburdj  geben  bie 
SRieberftabtbüd&er  Dielen  äuffd&tufe  über  bie  SSer^ättniffe  beS  ©runb* 
beftfceS,  fomolji  beS  ftäbtifäen  als  beS  tänblidjen  in  bem  ©ebiete  ber 
Stabt  felbft  unb  in  ben  benachbarten  Sänbern.  Ober  eS  werben 
SBürgen  genannt,  bieS  namentlich,  wenn  bie  Sd&ulbner  frembe  äblige 
waren,  was  ju  3*üen  ^äufig  oorlam.  gerner  enthalten  bie  lieber* 
ftabtbüd&er  Slufjeicbnungeu  über  Gingeljung  unb  Sluflöfung  oon 
$anbelSgenoffenfd[iaften,  Duittirung  oon  SBormünbem  bei  eingetre* 
teuer  SMjätjrtgfett  ber  3Künbel,  ©rbtljeilungen  unb  Ouittirungen 
barfiber,  SermögenSabt^eilungen  jwifcfcen  SBater  ober  9Rutter  unb 
Äinbern,  JöepoHmädjtigungen,  fowo&l  allgemeine  für  eine  längere 
»bwefenljett,  alSfpeciefle  für  ein  beftimmte«  ©efc&äft,  öefdjjetnigungen 


")  Seftf^rift  be*  herein«  f.  «ambHtg.  Gefällte  8b.  5  6.  98  ff. 
*)  Sft*.  Urf.*8u$  ».  III  6.  91. 


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405 

übet  ben  empfang  be«  9tod&lajfe«  $ier  mjiorbener  gfrember  ©eitert« 
bet  au«wärttgen  ßrben,  33efd&einigungen  über  ben  empfang  von 
Segaten,  bie  oon  Ijier  anfäffigen  aber  au«mart«  gebürtigen  bürgern 
ben  Äird&en  unb  ratfben  Stiftungen  in  tyrer  $eimatl>  auägefefct  waren, 
unb  oiele«  flnbere.  3Me  ©üd&er  geben  ein  2Ulb  t>on  bem  ganjen  ge* 
ft&aftlid&en  Serfe^r  unb  e«  ftnb  feine«meg«  immer  fciefige  ©ürger,  bie 
in  benfelben  Ijanbelnb  auftreten,  fonbem  Dietfadj)  grembe,  unb  jmar 
au«  allen  Oegenben.  3Rit  großem  3nterejfe  bemerft  man  an  unb  au& 
ben  SRieberflabtbfid&ern,  wie  bie  ju  anfange  be«  oterjefcnten  3a$rl>unbert« 
nodj  einfad&en  Sedjattniffe  in  ber  jmeiten  $alfte  bejfetben  unb  burdfr 
ba«  ganje  fünfje&nte  I)inbur$  fid&  reid&  unb  mannigfad^  entwidEelten. 
S)ie  anfangt  meljrentljeU«  furjen  ^nfcriptionen  werben  immer  ja&t* 
reicher  unb  mannigfaltiger  unb  jebe  einjelne  awSfü^rlid^er.  ©8  giebt 
faum  eine  Duelle,  au«  weld&er  man  von  bem  wo«,  abgefe^en  von 
politifd&en  ©reigniffen,  im  SWittelalter  vorging,  eine  fo  unmittelbare 
unb  fidlere  ätaföauung  gewinnen  tonnte,  atö  bicfc  ^üd^er.  S)a« 
6tubium  berjelben  unb  bie  3ufammenfieKung  jufammeuge^öriger 
Snicriptionen  fann  ju  ganj  ttberrafdjjenben  Sftefultateu  führen. 62) 
5)et  SReid&tljum  unb  bie  SRanmgfaltttffeit  bauern  fort  btö  gegen  9Jtttte 
be£  jedfoe^nten  3a$rl>unbert«.  Styeil«  erfd&laffte  bann  ba«  Seben, 
t^eild  befd&räntte  fi$  *>on  ba  an  bie  SWitwitfung  ber  Obrigfeit  bei 
Drbnung  von  Sßripatoerljältmffen  auf  biejenigen  gälle,  in  meldten 
fte  nü^t  entbehrt  werben  tonnte.  3Ran  ftnbet  baljer  in  ben  fpätern 
3afy$unberten  in  ben  Sfic&ern  $auptfädjlid&  9tädf>ftjeugnijfe  unb 
Sottmadbten,  immer  aber  nod&  untermtföt  mit  anberroeitigen  Auf* 
jeufcnungen  unb  Sertragen.  5Die  (Snridjtung  unb  ber  Warnt  ber 
9Ueberftabtbfid&er  l>at  bid  1865  fortgebauert. 

Xeftamente  enblid)  ftnb  in  \ttyc  großer  Stajaljl  por^anben.  2)a« 
dltefte  ift  oon  1278,  au«  bem  brennten  Qa^unbert  ftnb  breijelpt, 
au«  bem  trierjeljnten  Saufcnbe,  ein^unbertunbfiebenunbjwanjig  von 
1350,  bem  $a\xtt  in  welkem  ber  fäwarje  Job  wütete,  jweiljunbert* 
imboierunbbrei&ig  au«  bem  ^ßeftjafpe  1367.  Wuä)  bie  Qaty  ber 
Xefiamente  au«  bem  fünfzehnten  3a$rf>unbert  geljt  in  bie  Xaufenbe. 
iufoer  ben  rec&tlid&en  Ser&ältniffen,  bie  fid&  an^  i^nen  entnehmen 
lajjen,  geben  fte  au$  eine  SWenge  oon  SHuffd&lfiffen  über  uerwanbt* 
^aftlü^e   SSer^altnijfe  unb  über  bie  SermögercBumftfinbe   vieler 


«*)  Man  t>gl.  j.  8.  „Ueber  bie  frühere  «ebeuimtg  «übe**  attf  SBe^fetylafr 
U$  Sorben«"  in  $auli,  Sftbecfifdje  3uflänbe  im  äRfttelalttr.    «üb.  1872. 


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406 

gamilien,  einen  Ueberblidt  itter  2llle«  ma«  §um  £au«gerätl),  gur 
Äleibung  unb  Bewaffnung  gehörte,  Beiträge  jur  ©ittengefd&id&te  unb 
Diele«  Slnbere.  ©ie  finb  ober  enthalten  jugleid(j  bie  ©tiftung«ur* 
fuuben  für  bie  ajte^rjaljl  unferer  milben  Stiftungen.  2Utd&  begießt 
fid&  i^r  Qn^alt  nid&t  auf  Sfibedf  allein,  fonbern  audf)  auf  aubere 
©täbte.  grembe,  bie  Ijier  flarben,  foroie  l)ieftge,  von  anbern  Orten 
eingeroanberte  Bürger  unterließen  nid&t  leidet,  Bermädjjtniffe  gu 
©unften  t>on  Sßerfonen  unb  Äird&cn  ober  milben  Stiftungen  in  tyrer 
ipeimatl)  gu  mad&en,  fo  baß  man  barau«  auf  bie  @eburt«ftabt  ber 
2lu«fteller  ber  £eftamente  oft  mit  ©idfjerljeit  fd&Uefcen  fann.  2Bertl>* 
t)oDe  Beiträge  finb,  wie  id)  glaube,  barau«  auä)  für  bie  ältere 
fatfjolifclje  ßiturgif  gu  entnehmen.  Denn  öfter«  finb  bie  fird&lid&en 
geierlicljfeiten,  bie  bei  bem  Begräbnijs  beobad&tet  werben  foüten,  bi« 
in«  ©etail  angegeben.  S)ie  Xcftamcnte,  bie  fid&  an  ber  9tegiflratur 
befinben,  geljen  bis  jum  Qatjre  1800,  aber  fie  finb  bis  jcfct  nodfj 
nid&t  uoHftänbig  gcorbnet  unb  üergeid&net,  Diele  no$  gang  ungelefen. 
3n  neuerer  &t\t  ifi  e«  crforberltdf)  erfdfjienen,  einen  S^eil  be« 
Ijteftgen  2lrdf)iü«  al«  fjanfeatifd&e«  au«brü<flid&  gu  begeid&nen  unb 
au«jufonbern.  6r  enthält  bie  feit  1815  uon  ben  brei  £anfeftäb* 
ten  gemeinfam  mit  anbern  Regierungen  abgefd^loffenen  Verträge, 
ad&tunbbrei&ig  an  ber  Qaty.  ®*r  erf*e  $  btt  ©ubfibientraetat 
mit  ©ngtanb,  abgefd&loffen  gu  $ari«  am  21.  3uli  1815.  $>ie 
übrigen  finb,  mit  2lu$nal>me  eine«  fid&  auf  bie  biplomatifd&e  Ber« 
tretung  in  (Sonftantmopel  begieljenbeu ,  fämmttid&  £anbel«'  unb 
@<$iffal)rt«üerträgc.  ©ie  finb  in  elf  oerfd&iebenen  ©prägen,  fe<§« 
europäifd&cn  (beutfdf),  frangöfifd),  englifcf),.  fpanif<$,  italieuifc^  unb 
neugriedfjifd))  unb  fünf  au&ereuropäifd&cn  (türfifdjj,  arabtfdjj,  perfif<§, 
<$inefifd(j,  flamcfifd^)  getrieben  unb  befunben,  bafc  bie  ©anfeftäbte 
aud&  in  neuerer  3^it  nid&t  ol)ne  (Srfolg  beftrebt  gewefen  finb,  bem 
bcutfdfjen  Sftamen  im  3lu«lanbe  ätö&tung  unb  @f)re,  unb  ben  SJeutfd&en, 
fo  weit  ba«  mit  iljren  aKitteln  möglich  mar,  eine  ©tcDung  gu  fd&af* 
fcn.  2)en  lefeteren  2^eil  biefer  iljnen  burdjj  bie  Ber^ältniffe  gu* 
gefallenen  Aufgabe  erfüllt  jefct  mit  fräftigeren  unb  nnrffameren 
■DUtteln  ba«  gum  3)eutfd^cn  Sfteidtje  geeinigte  Baterlanb.  SRirgenb« 
füljlt  man  bie«  unmittelbarer,  nirgenb«  erfennt  man  c«  bantbaret 
al«  gerabe  in  ben  $anfeftäbten. 


Drud  von  $.  (4J.  Wafjtgcn«  in  «übt (f. 


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XIV. 

®efanbtf$aftS*eH$t 
tter  bte  2$eirtta$me  bet  $<mfef!äbie  an  ben  fNebett** 
twlwnMungett  ju  »tömfebto  im  3af>w  1645. 

SRitgetyeilt  »oir  @taateard)toar  ©  entmann. 


Am  25.  fcecember  1641  nmrbe  ju  Hamburg  t)on  ©efanbten  be« 
Jeutföen  ÄaiferS  fjerbinanb  III.  ein  porläufiger  Vertrag  mit  ©<$roeben 
**  (Wjeitig  ein  anberer  mit  granfteidj  gesoffen,  unb  barin 
f%fc|t,  bafe  befmitfoe  griebenSoer^anblungen  in  DSnabrücf  unb 
Sto&er  na$  Serlauf  t)on  brei  ÜWonaten  eröffnet  werben  foDten. 
Seihe  Serträge  roaren  tyauptfädjtidj  burd)  bie  SJemüljungen  be3 
Äonigj&  K>riftian  IV.  von  ©änemarl  ju  ©tanbe  gefommen.  Steffen 
unjjeatyet  bilbete  fid>  im  Saufe  be$  folgenben  3a§re3  bei  ber 
S^ocbif^en  Regierung  bie  Ueberjeugung,  bafc  er  nur  jum  ©d)eüt 
uermüttlt  $abe,  Ijeimlid)  ft*  rüfle  unb  bie  äbfid&t  §ege,  ©$roeben, 
»  wie  beffen  Angelegenheiten  in  ©eutfdjlanb  einmal  eine  ungünfüge 
®entomg  nehmen  mürben,  ju  überfallen  unb  §u  einem  nadjtljetligen 
graben  ju  jnringen.  ©ie  befdjlofe,  biefer  2tbfu$t  jUDorjufommen  unb 
fyerjeitS  anjugreifen.1)  Unter  bem  23.  SWai  1643  fdjrieb  ber 
3$ioebt?d>e  SReufy&fanjler  Ddjfenfiierna  an  ben  ©eneral  ftorflenfon, 
bet  eben  einen  glüdlW&en  gelbjug  gegen  bie  Defierretö&ifdjen  ipeere 
beenbigt  Ijatte,  eine  auSfülplidje  SDepefd^e,  in  melier  er  Ujm  bie 
%  ber  Settyffltniffe  unb  bie  2lnfid)ten  ber  Stegierung  auSeinanber* 
tyte  unb  Upn  ben  Auftrag  erteilte,  fo  eilig  unb  jugleid)  fo  geheim 
oö  mögü$  fid)  nadj  ^olpein  unb  ^ütlanb  ju  menben  unb  beibe 
SSnber  ju  befefcen.  Xorfienfon  erhielt  ben  Auftrag  wegen  ber 
fcdfadjen  SSetfel)r8ftörungen ,  bie  ber  Ärieg  uerurfadjte,  erfi  am 
23.  September  unb  traf  bann  fogleid^  Sfoftalten,  i&n  auSjufüljren. 

*)  (Bei  jet,  ©eföidjte  6ty»rbeti0.  39b.  3,  ©.  338  ff. 

«7 


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408 

Jtobei  gelang  e«  tf)tn  in  l>oI)em  ©rabe,  feine  Slbftd&ten  ju  verbeden. 
©an)  unerwartet  erfd&ien  er  ju  Jlnfang  be«  December  an  ben 
©renjen  $olftein«,  nal>m,  ba  nirgenb«  SBiberpanb  vorbereitet  war, 
am  11.  2>ecember  Xrittau,  am  12.  Dlbe«loe,  am  14.  Äiei,  am 
17.  glen«burg,  unb  warb  auf  fotdjje  SBeife  binnen  furjer  3eit  §err 
be«  Sanbe«,  fo  weit  e£  bamal«  ber  ^errfd^aft  be«  ÄönigS  t»on 
Dänemari  unterworfen  war.  Die  ©ebiete  be«  $er}og«  t>on$olftetn* 
©ottorp  &atte  er  Auftrag  möglid&fl  ju  fronen. 

Sei  biefem  unerwarteten  Äriege  würbe  2übed  fe$r  batb  in  3Rit* 
leibenfd&aft  gejogen.  Unter  bem  3.  Januar  1644  mad&te  ©frijüan  IV. 
bem  Statte  änjeige  von  bem  räuberifd&en  tteberfatte,  wie  er  e* 
nannte,  ber  tyn  al«  ©lieb  be«  ^ieberfad&fifd&en  Äreife«  getroffen 
Ijabe,  unb  forberte  bie  Seiftung  ber  in  ßretöabfd&ieben  für  foldje 
gätte  befttmmten  §ülfe,  vor  allem,  ba&  man  bie  ©djweben  in  feiner 
SBeife  unterftüfce.  3ugtei$  verbot  er  allen  #anbel  nadj  ©<$weben 
unb  ben  unter  ©d&webifd&er  jQerrfd&aft  fte^enben  Säubern  unb  §äfen. 
Einige  Sage  fpäter  erfd&ien  ber  Amtmann  von  ©egeberg,  €a«par 
von  ©udfjwalb,  in  befonberem  auftrage  be«  Äönig«,  um  tbtn  Me< 
felben  gorberungen  münbltd&  ju  wteberl>olen.  9tun  lag  e«  auf  ber 
$anb,  bafe  ber  9tatl>  Sfleutralität  beobac&ten,  §ülfeletfhing  alfo  afr 
lehnen  mufcte.  @r  erwieberte  bem  Äönige,  bie  Äönigtid&e  SRajeftöt 
möge  felbfi  beurteilen,  ob  e«  ber  ©tabt,  al«  einem  geringen  ©tanbe 
im  Steige,  gebühren  woKe,  fidf)  in  ben  Ärieg  jwtfd&en  jwet  ouä* 
wärtigen  Potentaten  ju  mifdjen,  wo«  fidler  )u  tyrem  SJerberb 
gereichen  mürbe,  ofyte  ben  Sänbem  be«  ftönig«  irgenb  ju  nfifcen. 
Silber  e«  mar  bei  ber  SRä&e  ber  ©darneben  ferner,  bie  SReutralität  ju 
beobachten,  jumal  wenn  man  ben  9tatl>  für  Sitte«  verantworte 
mad&en  wollte,  wa«  (Sütjelne  traten.  @r  verbot  SBerbungen  von 
l;.  ©olbaten,  Verlauf  von  Ärieg«bebürfmffen,  änlauf  von  ©egenfiänben, 

;£;  bie  bie  ©<$  weben  in  §olfiein  weggenommen  Ratten  unb  nad&  Sübecf 

'ifc  brauten,  unb  mufcte  bie«  Sitte«  fd>on  au«  bem  ©runbe  t^un,  weil 

$£:  -  ber  Äaifer  e«  ebenfalls  verlangte,  ber  in  ben  ©djjmeben  ntd&t  fowo# 

jS-X  feinen  eigenen  al«  ben  SReid&Sfeinb  erblidtte.    aber  bem  ftönige 

£  l:  genügte  Da«  nidfjt.    Qftt  9Rär}  berief  er  fid&  nod&mal*  barauf,  ba& 

er  wegen  be«  Sefifte«  eine«  S^eil«  von  $olftein  ©lieb  be«  lieber*  j 
fäd&ftfd&en  Areife«  fei  unb  ba&  ©d&weben  fidjj  aud&  mit  Deutfölanb 
in  ßrieg  bepnbe,  unb  forberte,  bafe  ber  Statlj,  wenn  er  i^n  nü&t 
anber«  unterflüfeen  wolle,  i^m  wenigfien«  eine  gute  ©umme  ©elbe« 
teilen  möge.    Dagegen  verfprad^  er,  ben  #anbel  mit  erlauben 


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409 

©egenflänben  nadE)  9ttga,  9teoat  unb  Warna  fteijugeben.  SHegorberung 
einer  Snteitje  würbe,  unter  £tnmei3  auf  bie  gro&e  ©d&ulbenlaft  ber 
©tabt,  auf  bie  fefjr  bebeutenben  für  Slhtage  ber  9BäUe  unb  SWauern 
t>erau$gabten  Summen,  ouf  bie  3ö^ungen,  roeldje  ber  Äaifer  forbere, 
enblitlj  audjj  ouf  bie  Stimmung  be£  gefammten  iganbete,  abgelehnt, 
ba3  ©rbieten,  bem  ipanbel  menigftenS  einige  grettjeit  ju  gewähren, 
bagegen  mit  großer  ©egier  angenommen.  Unter  ©d&mebifdfier  93ot* 
mäfngfett  ftanben  bamatö  alle  Sieflänbifd^en  &äfen,  ebenfo  alle 
^Jommerfd&en,  unb  ©<$mebifd&e  Sefafcungen  lagen  au<$  in  Sftojiodt 
unb  SBtömar.  2)urdE)  ba$  Verbot  bc$  $anbet$  nadf)  ©dfjmeben  unb 
ben  von  ©d&meben  befejjten  ptäfcen  mar  alfo  faft  ber  ganje  Djifee* 
£anbel,  ber  mid&tigfle  für  Sübedt,  gelahmt.  ßur  2lu£fül)rung  fam 
ba«  Verbot  l)auptfädf)ti<i)  babur<$,  bafc  ber  Äönig  Äaperbrtefe  an 
Sßrioate  ausfeilte,  bie  bann  Skiffe  auSrüfteten,  um  $anbel$f<$iffe 
ju  nehmen  unb  na<$  ßopen^agen  t)or  ba$  SIbmtralttätggertd&t  ju 
bringen,  roo  fte  in  ber  SReget  conbemnirt  mürben.  $n  mieberl)olten 
SotfieDungen  nun  legte  ber  Staty  bem  Äönig  bar,  bafc  ba«  ^anbete* 
i&crbot  ben  Ijanbelnben  ©täbten  |um  SSerberben  gerei^e,  i^m  ntdSJte 
nüfce  unb  aud&  ben  ©d&meben  wenig  nadf)tl)eiltg,  e^er  üorti&eiUjaft 
fei.  ©8  mürben  nemtidfj  nadE)  ©darneben  unb  fiieflanb  faft  nur 
SupuSartifel,  alfo  entbehrliche  SHnge,  geführt,  bie  eigenttid&en  Seben8* 
bebürfniffe  aber,  Äorn,  SJutter,  Salg,  SBad&S,  $äute,  Äupfer  unb 
Snbereä  t>on  ba  getjolt,  unb  ba  biefe  bann  mm  Sübedt  audEj  nad& 
2)änifd(jen  Jpäfen  geführt  mürben,  mufften  aud&  feine  Sänber,  menn 
Sübedt  fte  ntd&t  Idolen  bürfe,  fte  entbehren  unb  litten  barunter. 
gemer  Ratten  bie  SübedftfdEjen  Äaufleute  große  auSftefjenbe  gorberungen 
in  allen  fremben  £äfen,  fdEjulbig  feien  bie  gremben  in  Sübedt  feinen 
analer,  wenn  nun  bie  iganbeteoerbinbung  aufhöre,  fo  fönnten  bie 
fremben  Äaufleute  nid&t  gemannt  werben,  tjätten  alfo  aud&  feine 
Sktanlaffung  ju  bejahten,  unb  ba£  mürbe  tynen  gar  ntdfjt  unan* 
genehm  fein;  enblidjj  mürbe  au<$  eine  not^menbige  ftolge  feinet  33er* 
bot«  bie  fein,  baß  ©d&roeben  ben  £anbel  nadf)  3)änemarf  »erbiete, 
unb  bann  mürbe  ju  allgemeinem  üRad&tfjett  aller  $anbet  aufhören. 
S)ie  3Udf>tigfeit  biefer  lefcteren  33orauSftdf)t  bemäljrte  ftdj)  balb.  ftm 
3uni  erftärte  bie  ©djmebifäe  Regierung,  baß,  menn  ba«  $anbel& 
wrbot  aufredet  erhalten  mürbe,  fte  i^rerfeitö  feinen  &anbet  nad& 
$änemarf  tnefjr  bulben  merbe,  unb  liefe  in  ber  £Ijat  burd&  tyre 
ja^lreid^en  ÄriegSfdEjiffe  einige  nad&  SDämfdfcen  £äfen  beftimmte 
©$ifte  nehmen  unb  na$  äötömar  bringen.    S)ie  9totf)  mar  alfo 

87* 


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fr 


410 


^1 


red^t  grofc.  SSon  bem  Äöntge  war  auf  ein  tnermaÜgeS  S^reiba 
be«  SftatljS  feine  Antwort  erfolgt  S)ie  Äaufmannfd&aft  wfinföfc 
bringenb,  bafe  münblicfce  SBotfleUungen  in  ©openljagen  eingeteüd 
werben  motten,  bafe  auü)  Semanb  bort  anwefenb  wäre,  um  w 
bem  SU)miralitäWgeri^t  bie  SBertljeibtgung  ber  genommenen  6#jfe  * 
ju  übernehmen.  3)aju  erfal)  fie  einen  Sted&tSgele^rten,  ju  bem  jie 
triel  Vertrauen  Ijatte,  SRamen*  3o&anne3  §aoetanb.2)  S)er  9tat| 
ging  auf  i^re  SBttnfdje  willig  ein  unb  Derfa^f  um  bem  abgeorbneteu* 
einen  öffenttid&en  Gljarafter  ju  geben,  ü>n  mit  einer  Snfiruction 
unb  mit  einem  ©^reiben  an  ben  Äönig,  aud&,  für  ben  gaU  ber 
Stbwefenljeit  beffelben,  an  ben  älteften  ©oljn,  Sßrinjen  S^rifHan,  unb 
an  bie  9teic$$rätf)e.  ®r  würbe  beauftragt,  oor  allen  fingen  jt$ 
um  @rwtrfung  uneingefd&ränfter  greifet  be«  ^anbete  mit  aße* 
ertaubten  SBaaren  b.  f).  mit  3UtÄnal>me  oon  ÄriegScontrebanbe  p 
bemühen,  faflte  aber  bieS  erfolgte«  fein  fottte,  roenigfienS  fo  oiel  ß 
erreichen,  ba&  e«  ertaubt  werbe,  ©djiffe  mit  Saflaft  na<$  ©dfjwebiftfai 
&äfen  }u  fenben  unb  Staaten  oon  batyer  ju  $olen.  §inftd(>tlid)  be* 
leiteten  Slltematioe  inbeffen  würbe  er  beauftragt,  bie  begrünbete 
Seforgnife  auSjufpredfjen,  bafe  bie  fremben  Äaufleute,  wenn  vm 
nidfjt  SBaaren  bringe,  au$  feine  wteber  mitgeben  würben,  h 
Saßaft  auägetjenbe  ©df>iffe  atfo  oermutl)Udf>  jwedttoS  au3ge$a 
mürben.  §at>elanb  rechtfertigte  baS  in  $n  gefefete  Vertrauen  tmrij 
feinen  ©ifer  unb  feine  ©efd&idlidfjleit,  wenn  aud(>  nid&t  fo  raf4  d* 
e«  für  bie  (Shtjetnen  wäre  ju  wünföen  gewefen.  9laä)  mehrmalig« 
Gonferenjen  mit  bem  $)eutfc&en  Äanjter  S)ettet>  von  Stepentloro  tmb 
mit  anbern  9tei$£rät$en,  unb  nad&bem  er  audj)  eine  9(ubien} 
bei  bem  Äönig  felbfi  gehabt  §atte,  erregte  er  feinen  QrouL  *• 
5.  ©eptember  erliefe  ber  fiönig  ein  ©^reiben  an  ben  Staty  att 
©rwieberung  auf  beffen  frühere  SBorjleßungen,  in  weld&em  e«  $ei{jt: 
„Db  mir  jwar  bei  unferm  SBerbot  ju  beharren  par  raison  de  guerre 
genugfam  Urfad&e  Ratten,  Ijaben  mir  bodf>  bie  große  Qncommobitat 
unb  Ungetegen^eit,  fo  baburd&  euren  bürgern  abfonberlidf)  juwo#ä 
wollen,  inbem  fie  i^rer  ©Bulben,  fo  fie  be«  Orte«  auSfiefcenb,  »o# 
ganj  oerluftig,  auö)  na&rlo«  werben  fönnten,  gnäbigfl  be&erjtgt  unb 
angefefjen,  berogefialt  audfj  eurem  desiderio  für  bieSmal  geruht 


*)  (St  fcatte  barna!*  feine  amMdje  Stellung,  ©leid)  na$  Seettbigttng  biefer 
SRiffion,  am  6.  JDecember  1645,  »etytte  ber  9taty  it>n  §u  feinem  «ecretoir,  W5« 
gum  ^wtpnotariu*.    <Sx  jlarb  1676. 


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zed  by  G00gle  ^       ^ 


411 

unb  ba$  freie  commercium  oljne  UnterfdEjteb  ber  Derter  in  ber  Dfi* 
fee  ben  ©urigen  roteberum  eröffnet  unb  frei  gegönnet,  jebod>  aud(>, 
bafe  fie  fi<$  aller  ©üter,  fo©<$roebifd()en.  Eignern  ungehörig,  baruntet 
burdjjufdfjteifen  nid^t  anmaßen,  fonbern  berfelben,  roie  au<$  aller 
SRunüion,  ©eroetjrS  unb  roaS  baju  gehört,  ober  audE)  Safel,  Sauen 
unb  xotö  jur  SluSrüftung  ber  ©dEjifffaljrt  bitnliä),  gänjUdfj  äufjem 
unb  enthalten  foßen." 

60  günfiig  unb  rotllfommen  nun  biefe  ©rflärung  audf)  mar,  fo 
entfpra<$  fie  bod&  in  fo  fern  ben  Sffiünfd&en  be$  9latf)$  nidjt,  aU  fte 
nur  Sübed  betraf.  ©3  waren  nemlid^  bie  ©täbte  Sübed,  Hamburg 
unb  ©remen  fd^on  mit  einanber  in  Seratfjung  getreten,  rote  fie  fic^ 
in  Sejug  auf  ben  Ärieg  unb  inSbefonbere  in  Sejug  auf  bie  früher 
ober  fpäter  ju  eröffnenben  griebenSüerfjanbtungen  benehmen  follten, 
unb  nun  mar  man  in  Hamburg  ganj  petnlidSJ  überragt,  als  bie 
Slefolution  be$  ÄönigS  befannt  rourbe.  3)er  SRatl)  fdtjrteb,  er  mürbe 
bet  dlaä)T\$t,  bafc  Sübed  roäfjrenb  gemeinfamer  SSer^anblungen 
etwas  für  ftdEj  allein  mit  9lu$fötu6  ber  Slnbern  follte  erteilt  Ijaben, 
feinen  ©lauben  fd&enfen,  roenn  fie  ifjrn  nidfjt  -oon  fo  trielen  Seiten 
betätigt  rofirbe,  unb  bat  um  befttmmten  2toffd&lu6,  ba  e$  für  feine 
Sürger  oon  ber  fjöd&flen  Sffiid&tigfeit  fei,  ju  rotffen,  ob  fie  tyre  ©üter 
mit  ©id&erf>eU  perlaben  fönnten.  ©er  5tatl)  oon  SübedE  ernrieberte, 
et  fei  ber  Hnftdjt,  bafj,  fo  roie  er  immer  nur  -KamenS  ber  §anfe* 
ftäbte  gefd&rieben  tjabe,  bie  in  ber  SKnroort  SübedE  gemalten  S^ge* 
ftänbniffe  allen  §anfeflabten  gemeinfam  gemad&t  feien,  unb  gab  fo* 
gleid)  bem  §at>elanb  Auftrag,  eine  batjin  gefjenbe  offtcteHe  ©rflärung 
;u  berotrfen.  Slber  babei  begegnete  biefer  unüberroinblidfjen  ©dfjroterig* 
feiten.  J)er  Äönig  mar  ntdjjt  freunbltcfc  gegen  Bremen  geftnnt. 
$enn  eben  in  bem  oerfloffenen  ©ommer  1644  Ratten  bie  ©darneben 
unter  bem  ©eneral  ÄönigSmarf  ba«  @t}bi8$um  Srernen  erobert 
unb  barauS  feinen  eigenen  ©ofjn  griebridf),  ber  bort  feit  1634  @rj* 
bif<$of  mar,  vertrieben;  babei  tyatte  bie  ©tabt  nadf)  feiner  Meinung 
fW&  ben  ©darneben  fe^r  entgegenfommenb  bemiefen.  3Rit  Hamburg 
mar  er  feit  längerer  3*it  in  Spannung,  tljette  roegen  ber  oon  ber 
©tobt  behaupteten  SReidfjSunmittelbarfeit,  bie  er,  obwohl  fte  fdtjon 
1510  t>om  9teid)Stag,  1618  vom  9teidE)Sfammergerid)t  auögefpro^en 
mar,  nid&t  anerfennen  wollte,  t^eitö  roegen  eine«  (SlbjoflS,  ben  er 
1630  bei  ©lüdfjiabt  angelegt  fjatte  unb  bem  Hamburg  mit  9te<Ijt 
fortroa^renb  unb  energifdfj  roiberfprad^ 3)    S)ie  Sßommerfd&en  ©täbte 

•)  ©ailol«,  @efd>.  b.  etabt  tfam&ntg.    9b.  2,  §.  368. 


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zedby  G00gk 


418 

waren  i§m  oollenbs  juwibet,  weit  er  fie  fd&on  l>atb  als  bet  $ert* 
fd&aft  feines  fdfottmmen  geinbeS,  ©d&weben,  verfallen  anfal).  ©t  blieb 
atfo  babei,  bafe  et  nur  Sübecf  3ugefiänbniffe  gemalt  fjabe,  wenn 
bie  äbtigen  £anfeftäbte  audfj  etwas  Iiaben  wollten,  müßten  fie  einzeln 
fommen.  ©te  traten  baS  jum  £l)eil,  unb  ^ambrng  etlangtc  ganj 
biefelben  3ugcfiänbniffer  wie  Sübecf,  bodE)  junäd&fl  nut  bis  Sfleujafjt, 
StoftodE  ebenfalls ;  ©ttalfunb  bagegen  fonnte  ntc&tS  weitet  etlangen, 
als  bie  ©tlaubnifi,  äBaaten  nadj)  35änematf  ju  bringen,  bie  ©d&iffe 
follten  abet  immet  in  ©aHafi  jutüdfa^ten  unb  bafüt,  fo  wie  für 
bie  eingeführten  SBaaten,  in  jebem  einzelnen  gaUe  befonbete  8ütg* 
fd&aft  fietten. 

3njwtfdf)en  waten  abet  fd&on  griebenSuntetfjanblungen  eingeleitet. 
S)et  plöfcltd&e  UebetfaD  2)änematfS  §atte  bie  ganje  SEBelt  übettafd&t 
unb  mit  ©djjtedfen  etfüllt.  $)enn  es  waten  nun  ftfjon  meljt  als 
fünf  unb  jmanjig  3a$re,  baf*  balb  in  biefem  balb  in  jenem  Steile 
S)eutfdf)lanbS  bie  ßriegeSflamme  wütljete,  feit  bteijeljn  Sagten  jogen 
bie  ©d&weben  umf)et,  feit  adfct  Sagten  audf)  bie  gtangofen.  3)ie 
©eljnfud&t  na$  gtieben,  nadf)  SBiebetfeljt  bet  Otbmmg  unb 
SBiebetauftebeu  bet  gänjlidjj  jettütteten  bütgettid&en  ©ewetbe 
wat  allgemein.  $n  ©emäf#ett  bet  ju  #ambutg  abgefd&loffenen 
ootläufigen  SSetttäge  waren  ©efanbte,  bie  ben  gtieben  untet- 
Ijanbeln  follten,  wenn  gteidf)  nidf)t  innetljalb  bet  fefigefefcten 
3eit,  bodfj  gegen  @nbe  beS  ^aljteS  1643  in  SRünfiet  unb 
DSnabtüdf  wttfltdf)  anwefenb.  S)utd^  ben  (SinfaH  JotflenfonS  wat 
wiebet  SKUeö  in  gtage  gefieHt.  Stud)  gtanfteidf),  obwohl  übrigens 
ein  SSetbünbetet  ©d&webeuS,  wat  bamit  nidfjt  jufrieben,  unb  bot  fe&t 
balb  feine  SSetmittelung  an.  ©ie  wutbe  anfangs  oon  SijtifHan  in 
begteiflid^em  Unmutty  jutüdtgewiefen,  ba  fie  abet  wiebet^olt  unb 
btingenb  etneuett  wutbe,  audj)  $oHanb  mit  gteid&em  änetbieten 
Ijetootttat,  fonnte  et  fidf)  ben  oeteinigten  SBotfteflungen  fd&liefeU<i> 
nid&t  entjie^en. 

@o  balb  eS  nun,  etwa  imOctobet  beS  3a^teS  1644,  entfliehen 
wat,  bog  griebenSoetljanblungeu  ftattfinben  follten,  ftanb  auifc  bei 
ben  ©täbten  bie  Uebetjeugung  fefi,  bafe  fie  fid^  babei  beteiligen 
mü&ten.  ©ie  Ratten  babei  einen  boppelten  $mä  im  äuge.  @tn* 
mal  lag  iljnen  batan,  in  ben  griebenSfd&lufe  fötmltcfc  aufgenommen 
ju  wetben  unb  bie  3ufid&etung  ju  ehalten,  bafi  i&t  #anbel  feinen 
©tötungen  wiebet  auSgefe|t  wetben  foDe.  getnet  glaubten  fie  bie 
©elegentyeit  benufcen  ju  muffen,  um  eine  erneuette  Stnetfennung 


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zedby  G00gle- 


413 

her  früheren  Verträge  ju  erreidjen,  unb  hierbei  fam  namentltd) 
Stänemarf  urtb  bet  mit  ftriebrid)  IL  im  3W&te  1560  ju  Dbenfee 
abgesoffene  Vertrag  in  Vetrad&t.  Qn  biefem  Vertrage  waren  ben 
l>anftf<$en  ©täbten  erl>ebli<$e  SBort^eite  in  Vejug  auf  ben  ©unbjoll 
unb  für  ben  Verleg  mit  Vergen,  unb  inäbefonbere  ben  SBenbifdjen, 
Sfibecf,  Hamburg,  SRoflodt,  ©tralfunb,  SBiamar  unb  fiüneburg,  für 
eigene  Skiffe  unb  eigene*  ©ut,  mit  ausnähme  t>on  Äupfer  unb 
SEBein,  greiljeit  oom  SunbjoU  jugefi^ert.  S)er  Äönig  Ijatte  aber 
alle  burd)  ben  Vertrag  erworbenen  Stedjte  fogleid)  wteber  jerftört, 
inbem  er  feiner  Ratification  bie  SBorte  tynjuftigte:  „©0$  Un$  unb 
Unfern  (Srben  unb  SRadjfommen  in  ben  Steigen  2)änemarf  unb 
Norwegen  an  Unfern  Qoty  unb  Obrigfeiten,  3öHen  U1t*>  &*&$* 
fetten  unb  Unfern  Steigen  unb  berfelben  ©inwoljnern  unb  Unter* 
tränen  u.  f.  w.  unfääblid)  unb  unnad)tbetlig." 4)  3Iuf  biefe  SBeife 
blieb  er  felbfi,  fo  wie  jeber  folgenbe  ftönig  Bon  SDänemarf  ganj 
in  feinem  Stecht,  wenn  er  ofyne  äße  9Wi(fftd&t  auf  ben  Vertrag  gans 
na$  feinem  ©efaUen  Verfügungen  erliefe  unb  3öDe  erljob,  unb  in 
bet  fcfjat  $atte  6!)rifHan  IV.  föon  1604  angefangen,  t>on  Ijanftföen 
©Riffen  unb  ©ütern,  wie  tum  anbern,  ©unbjoll  ju  ergeben.  2)a 
man  aber  einfa!),  bafj  ber  äugenblicf  burdjau*  nid&t  geeignet  fei, 
bie  *ertrag$mä&ig  erworbene  greiljeit  t>om  ©unbjoll  jur  3lnerfennung 
ju  bringen,  unb  ba&er  ben  Dbenfeer  Vertrag  SDänemarf  gegenüber 
nid>t  gern  befiimmt  ermähnen  wollte,  mürbe  ber  ©ebanfe  ber  ©täbte 
in  ben  SBunfö  gefletbet,  bafe  i^nen  greiljeit  be$  ^anbete  nad&  bem 
ölten  ^erfommen  oerfiattet  werben  möge,  unb  nur  in  ber  3fnftruction, 
ioel$e  bie  äbgeorbneten  mitnahmen,  würbe  ber  ©ebanfe  beutlüfcer 
au*gebrüdft  ©ie  würben  angewiefen,  bei  ben  ©efanbten  ber  wr* 
mtttelnben  Städte  eS  bal)in  ju  bringen,  bafe  bie  greifjett  be$  ^anbete 
bet  ©täbte  in  ©emäjftett  be«  alten  §erlommen$  unb  ber  alten 
Setträge  ein  befonberer  ärtifel  in  bem  griebenäoertrage  werbe. 
gut  ben  ftaU  inbeffen,  bafj  fte  bie*  nid)t  erwirfen  fönnten,  erhielten 
fte  eine  anbere  eoentuefle  3ftftruction,  bie  fpäter  jur  ©rwä^nung 
tommen  wirb. 

gut  bie  ©enbung  felbfi  ergab  fidj  ein  äiemttdj  natfirltdjer  2ln* 
fnfipfung*punft  ©<#on  im  Januar  ^atte  ber  ©ämfdje  9teid)$fanjter 
3°P  &ö9e  We  bamalä  in  2übed  anwefenben  Slbgeorbneten  ber  brei 
©tfibte  etfu$t,  über  ba«  allgemeine  33efte  ju  betatfjen  unb  jur 


*)  Vtaxquaxt,  de  jure  mercatoram.    %f).  II.,  6.  S57. 


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414 

Sßieberljerfteflung  unb  Spaltung  beffelben  tmtjuwWfen. 5)  3n  einem 
©d&reiben  com  12.  gebruar  an  ben  Äönig  faßten  bann  bie  ©täbte, 
nad&bem  fie  i^n  batan  erinnert  tjatten,  bafc  er  felbft  ber  erfte 
Vermittler  swifd&en  ©d&weben  unb  bem  Äaifer  gewefen  fei,  gotgenbe«: 
ffSuftteifft  tragen  ju  @w.  Äön.  3Jtoj.  nid&t  wir  allein,  fonbern  neben 
uns  Diel  taufenb  tyod&befümmerte  Seelen  baÄ  fonberbare  grofee  3Sct- 
trauen,  t>aben  aud&  auf«  atterfteifeigfie  in  Untert^änigfeit  barum  ju 
bitten,  ©elbe,-©ott  ju  Gsfyctn  unb  bem  armen  tjocfcbebrängten 
2)eutfd&en  Sanbe  }U  befonberem  $rofi  unb  ©rquidfung,  Sero  ^o^en 
angebornen  föniglid&en  SRagnanimität  nad(>  @id)  hierunter  gloriose 
überwinben,  ba£  publicum  et  universale  bonum  bem  ^articulor 
incommodo  oorjie^en,  unb  bei  uor^in  $od()rül)mlid&  gefaxten 
griebendintentionen  wrfjarren  werben,  nidjt  jmetfelnb,  ber  getreue 
©Ott  werbe  bei  unb  burd)  fold&er  Seförberung  be$  allgemeinen 
werben  ^rieben«  SRittel  unb  SBege  aerteüjen,  aud&  friebliebenbe  ^o^e 
#erjen  erwedfen,  mittetft  melier  anfelptlid&er  Qnterpofttion  aud) 
biefe,  nadfj  jenen  ju  rennen,  gteidjjfam  ^articular^aJlife^eUigfeiten 
jugteiefc  mit  aufgehoben  unb  beigeleget  werben  mögen,  ba  mir  bann 
von  &erjen  wünfd&en  möd&ten,  audjj  in  eventum  un8  unterbienfc 
unb  untertyämgfi  baju  offerirt  unb  anerboten  Ijaben  wollen,  bafe 
alle«  dasjenige,  wa8  irgenb«  in  unferm  wenig  Vermögen,  ba  fold&eS 
benen  l>ol)en  intereffirten  ffronen  anneljmtidf)  §u  fein,  wir  in  etwa« 
SSermerfung  unb  gnäbigften  SHnblidE  erlangen  mögen,  wir  vel  salteni 
aliis  adhaerendo  seu  cooperando  oon  ©runb  unferer  bergen 
willig  unb  ganj  gern  baju  cooperiren  unb  uns  beSwegen  feine 
üIRüije  nod&  ©mfigfeit  wrbrtefcen  ober  abgalten  laffen  wollen."  $ud> 
bie  Äönigin  ©tjriftine  fd&rieb  unter  bem  29.  Januar  an  bie  ©täbte, 
fie  tyoffe,  ba&  bie  ©täbte  ft<$  mit  i^r  bemühen  würben,  ben  ent* 
ftanbenen  Ärieg  wieber  beijulegen,  unb  als  biefe  baju  ü>re  SHenfte 
bereitwillig  anboten,  brüdtte  fie  in  einem  ferneren  ©^reiben  vom 
27.  Sttpril  i^ren  oerbinblid&en  S)anf  au«.6)  35er  Äönig  oon  3)äne* 
marf  erwieberte  auf  ben  Skief  am  10.  üttärj,  für  ben  guten  SBUIen 


6)  5>er  ©rief  liegt  nid)t  bei  ben  Slcten,  bie  ©täbte  baben  ft*  aber  fpäter 
beftlmmt  barauf  berufen,  ©ei  ben  9Jcten  liegt  ein  älntlitfee*  ©djreiben  be«  9teid}6* 
fangler«  an  ben  9totlj  »on  Sfibecf. 

•)  „Quod  practerea  nobis  operam  vestram  in  exortis  inter  nos  et  Daniae 
regem  dissidiis  ac  belli  motibus  prius  componendis,  quam  in  commune 
nostrum  omnium  detrimentum  majora  inde  pericula  aecreverint,  exbibetis, 
eo  ipso  nos  non  medioeriter  vobis  devincitis." 


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415 

unb  baS  Sfaerbieten  banfenb,  bodf)  mit  bcm  Semerfen,  granfreidf) 
unb  ipoHanb  tjätten  iljre  Sermittelung  ebenfalls  f<$on  angeboten, 
et  fönne  jtd&  aber  no<$  nid^t  entfdjließen,  fie  anjunefjmcn.  5£)ie  21b* 
leljnung  liefe  fid)  atfo  ganj  gut  als  eine  jeitmetUge  anfetyen  unb 
ba£  anerbieten  fonnte  wteberljolt  werben,  nad)bem  eine  Sermittelung 
überhaupt  angenommen  war.  S)aS  mar  benn  ber  nädjfte,  mefjr  ofienfible 
Qrotd  ber  ©efanbtfdjaft,  bie  Stäbte  üerfannten  nidfot,  bafe  iljre 
Stimme  wenig  ©emtdfjt  (jaben,  iljr  SRat^  aud&  unwiHfommen  fein 
fönne.  @S  Reifet  ba^er  in  ber  ^nfiruction,  bie  ben  ©efanbten 
mitgegeben  würbe:  „Unfere  Slbgeorbnete  werben  abfegen  unb 
erwarten  muffen,  ob  unb  wie  weit  iljr  getanes  anerbieten  unb 
©rinnern  gütlich  angenommen  werben  wolle  ober  nid&t,  wonadfj  fie 
al£bann  Iljre  consilia  unb  actiones  sive  subsistendo  quies- 
cendoque  sive  etiam  ulterius  urgendo  progrediendoque  ferner 
gu  rieten  l)aben." 

gfir  ben  Anfang  ber  Serfjanblungen  war  urfprünglidf)  ber 
25.  Secember  1644  beftimmt.  ®er  £ermin  würbe  aber  mehrmals 
IjinauSgefd&oben  unb  julefjt  auf  ben  8.  gfebruar  1645  feftgefefct. 
2?er  Ort  war  ein  S)orf  ÜJtamenS  Srömfebro,  gelegen  an  einem  Keinen 
gluffe  SrömS,  ber  bie  ©renje  jwifdEjen  ber  bamatS  nodf)  ©ämfd&en 
^rooinj  Siefingen  unb  ber  ©d&webifd&en  5ßroüinj  Smalanb  bilbete. 
S)ort  famen  aber  bie  ©efanbten  nur  bisweilen  jufammen.  SHe 
Schweben  Ratten  tfjre  SBofjnung  in  ber  nahegelegenen  Keinen  ©tabt 
Süberader  in  ©d&weben,  bie  achten  in  bem  in  Siefingen  gelegenen 
©täbtdfjen  ©briftianopel.  $>ie  Sertjanblungen  würben  metjrentljeilS 
fd&riftlidfj  geführt  unb  fjatten  baljer,  jumal  ba  man  ftd)  aud&  fd^wer 
vereinigte,  langfamen  gortgang.  ©S  foftete  namentlidf)  bemgranjöfifd^en 
©efanbten  grofee  üftttlje,  ©änemart  jur  9ladf)giebtgfeit  ju  bewegen. 

S)ie  päbtifd^cn  ©efanbten  waren:  oon  SübedE  ber  SHat^err 
Sodann  SJtarquart,  t)on  Bremen  ber  Sßrotonotar  2llbert  Sefe,  t)on 
Hamburg  ber  3totl)Sl)err  £ieront)muS  grefe.  Unter  ben  breien  war 
ber  Sübedifd^e  woljl  bie  bebeutenbfie  $erfönltd(jfett. 

Qo^ann  3Rarquart  würbe  in  SübedE  ben  24.  2Ipril  1610  geboren 
unb  jeidjnete  fid&  fd&on  als  ©d&üter  burdd  ungewöhnlichen  gleifi  unb 
©ifer  für  wiffenfdfjaftlidlje  Seftrebungen  aus.  3m  neunje^nten  3>af)re 
feines  3llterS,  1629,  bejog  er  bie  ttntoerfttät  3>ena  unb  ging  1631 
nad)  Seipjtg.  3HS  gleid&  barauf  Sad&fen  ber  ©d&auptafc  beS  breifng* 
jdljrigen  ÄriegeS  würbe,  entfernte  er  ft<$,  um  na$  einer  längeren 


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416 

Steife  butd)  Belgien,  ©nglanb  unb  granfreid&  feine  Stubten  ta^abna 
fofctjufefcen.  $abua  gehörte  batnal«  jum  ©ebtete  bet  Slepublif  Senebig, 
bie  borttge  Untoerfttät  tourbe  au$  oon  otelen  5Deutfd&en  befugt. 
SHe  2)eutfd&e  üanbSmannfd&aft  bafelbft  befdfjlofe,  eine  Gkfanbtfd&aft 
an  ben  Sogen  ju  fd&idten,  um  ju  ertoirlen,  ba&  e«  ben  ©eutfftn 
.  gemattet  tourbe,  o&ne  üeifhing  be«  oorfd&rifttmä&igen  ©ibe«,  ben 

*  Sßrotefianten  nid&t  letfien  lonnten,  bie  ©octortofirbe  ju  erlangen 
\  Sto  bet  Spi|e  ber  ©efanbtfdjjaft  ftonb  ein  Sfibedfer  ^ieronpmu«  oon 
^                    S)orne,  Sofcn  be«  9lat^^erm  §ermann  t)on  ©orne,  !Karquart  war 

ber  SRebner  unb  entlebigte  jt$  feiner  aufgäbe  in  fo  ausgebeuteter 
V  SBeife,  bafc  er  nebfl  oon  2)orne  in  feierlicher  Serfamtnlung  ber 

f.  6ignoria  mit  ben   ^npgnien  be«  Senetianifd^en  2Rareu*4)tben$, 

fr  ber    jur   änerfennung   toijfenfd&aftlid&er  SBerbienpe   gefHftet  war, 

['  befleibet    tourbe.      3ufäflig    gefd&ai)    bad    am    SWarcu*  >  Sage, 

Stpril  25.,  bemfelben  SEage,  an  toeld&em  er  t)or  fünfunbjtoaniig 
i  3a^ren  getauft  war.  ®r  wirb  ba^er  in  unferer  9tat$8linie  SKata* 

i'y  SWtter  genannt7)  SRadj)  »eenbigung  be«  Sufent&alt«  in  ^ktbua,  n<4 

f  einer  abermaligen  9leife  burdf)  3franfreid&  unb  (Snglanb  unb  einem 

l  furjen  Slufentfjalt  in  ber  gebnaty,  ging  er  toteber  nad>  3ena  tmb 

l  ertoarb  bort  1636  bie  ©octortottrbe.    Dann  teerte  er  na$  SM 

*  jurfidt  unb  tourbe  1640,  $ec  19,  eben  breifeig  3a$re  alt,  in  ben 
Senat  getoäfjlt  Sd&on  im  folgenben  Qatyre  tourbe  ü>m  eine  0efcmbt' 

t  fd&aft  nadj)  Hamburg  in  fjanfeattfd&en  Angelegenheiten   in  SSertin* 

|  bung  mit  bem  Spnbicu«  SBindKer  aufgetragen,  1642  eine  anbere 

;  an  bie  $erjöge  oon  §olftein  unb  Sauenburg,  bann  biefe  toultige 

\  nadd  Sfönemarf  unb  Sd&toeben.    Später  tourbe  er  no<$  me$rfa<fc 

ju  Oefanbtfd&aften  gebraust,  unter  anbern  1648  nad&  gopenljageii, 
um  bem  Äönig  griebridfj  III.  ju  feiner  2$ronbeßeigung  ®lud  ju 
tounfd&en,  1654  nad&  ßleoe,  um  einen  Streit  jtoiföen  ben  $erjogen 
oon  Selbem  unb  oon  Gteoe  f<I)teb«rid&terüd&  ju  entfd&eiben,  in  toeU&emj 
bem  Sübedfer  Statte,  toefentltd&  mit  9tfidKtd&t  auf  3Rarquart,  ba* 
SdjjiebSrid&teramt  übertragen  mar.  Slud)  l>at  er  ein  grofee«,  no4 
j[e|t  eljrenooll  genannte«  SBerf  über  #anbel«red&t  gefd&rieben,  toeldfre* 
in  ftolio  in  granffurt  a.  SR.  1662  erfd&ien.  3m  Senate  mar  er 
in  ber  bamal«  unb  audj)  fpäter  nodfj  lange  $t\t  üblichen  3ftei$enf#j 


f)  5>le  von  tym  gehaltene  dUU  ift  abgefenicft  In  bet  Bibliothec*  Labeoen- 
Bii,  Lab.  1726,  Vol.  III.,  p.  377. 


DigÄzed  OQA£  . 


417 

erfi  ©tafl&ett,  bann  ©ertcfttS^err,  bann  SBeinfefler*  unb  Slpötfjefen* 
Ijerr,  bann  Äämmereityerr,  würbe  1663  Sürgermeifter  unb  ftatb  1668. 
•  3Rarquart  l)at  wctyrenb  ber  ganjen  Steife  ein  Sagebudf)  geführt 
unb  baffelbe,  wie  e$  fd&eint,  fogtcid)  abtreiben  (äffen,  fo  bafe  er 
eS  alsbalb  nadf)  feiner  5Rüdttel)r  bem  Statte  al$  Seridjt  übergeben 
fonnte.  3)iefer  8eridf)t  wirb  nun  im  gotgenben  jum  gröfiten  %f)ül 
wörtlich  mitgeteilt  werben,  nur  für  ben  2lufentfjaU  in  Sopen!)agen 
war  2)a$  nid&t  burd&weg  tbunltdS),  n>cil  ein  wefentlidjer  2$eit  ber 
SBertyanblungen  nidf)t  in  bem  93eridfjte  felbft,  fonbern  in  anlagen 
enthalten  ift. 

3)ie  föeifenben  föifften  fi<$  am  26.  3Wärj  1645  3Rorgen8  um 
oier  Ufjr  in  $rat>emünbe  ein  unb  erreid&ten  (Sopenfjagen  nadj)  einer 
gafjrt  öon  merunbbreifng  ©tunben. 

3)er  Seridfot  fäfjrt  bann  fort: 

3)en  28ften  fjaben  mir  burdf)  Lic.  #at>ertanb,  ben  \$  alba  für 
mir  gefunben,  bie  credentiales  ad  regem  bei  bem  §errn  $eutfd&en 
ßanfcler  einreichen  laffen,  bemfelben  babenebenft  burdj  oorerweljnten 
$ax>erlanb  ben  praegustum  unferer  SBerbung,  meldte  ju  Sranquit* 
Urung  be$  allgemeinen  SBefenS  unb  ßonferirirung  ber  unentbel)r* 
Heften  Gommercien  jtette,  eröffnen  laffen,  worauf  un$  auä)  gute 
SBertröftung  gefc&eljen;  ba&  mir  förberttcfcft  jur  9lubtenft  follten 
abmittiret  werben.  9Wbteweil  aber  ex  loco  traetatuum  atter^anb 
importirenbe  ©d&reiben  eintommen,  f)at  fiel)  foldjje  bis  auf  ben 
2.  SÄpril  nermeilet,  ba  un$  be$  porigen  Sage«  bur<$  ben  §errn 
©ecretar  Stornemann  fold&e  nomine  regis  unb  ber  Ferren  9tetc&& 
rät^e  cum  excusatione  morae  angemelbet  mürben,  fo  mir  cum 
decenti  gratiarum  actione  tyaben  angenommen. 

S)en  2. Spril,  hora  9  matutina,  ifi  norgebad&ter  &err  ©ecretariuS 
mit  ber  föniglictyen  Garoffe  ju  uns  für  unfer  fiogament  gekommen 
unb,  un$  oor^erge^enb,  ju  ber  Sfabtenfc  unb  StatfySfhibe,  meldte 
ber  Ort,  roo  ordiuarie  ber  Ferren  tag  gehalten  wirb,  begleitet,  wo* 
fettfl  mir  bie  ©tubentyür  offen  unb  jmei  oon  ben  JReidjjSrättyen  für 
berfelben  fieijenb  befunben,  welche  aber  neben  ben  anbem,  bereu 
mit  bem  $eutfdf>en  Ganzer  fteben  gemefen,  benanblid&  ber  9letdf)& 
abmiral  $err  Dwe  ©öbe,  §err  £annibal  ©eeftebt,  Statthalter  in 
Norwegen,  $err  §anS  Sinbenom,  9tttter,  §err  ^oar  SBtnbt,  §err 
Sodann  9Ufc  unb  £err  Jürgen  SBralje,  ftdf)  in  einer  Orbnung  stando 
fteKenb,  mir  praemissis  praemittendis  et  salutatione  officio- 
sissima  unfere  Werbung  ebenmäßig  fte^enb  abgelegt,  worauf  ber 


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418 

$err  £eutfd)e  @anfcler  9tet>entlom,  fo  infimum  locum  gehabt,  bre- 
viter  recapitulando  summa  propositionia  capita  fi<$  nomine 
regis  ber  juentbotenen  untertfjänigften  Offerten  gegen  bie  fyofy 
anfetynlid&en  Ferren  2l6gefanbtenf  qualibus  utebatur  formalibus, 
bebanfet  unb  fotd&eä  Äönigtidjer  SDtajeftät  benebenjt  ben  §erren 
SReid^Srät^en  ju  hinterbringen  anerboten,  barbenebenfi  nomine 
ber  Ferren  Sftetd&Srätfie  begehret,  bajj  biefe  münbtid)  getane  Sßro* 
pofttion  o^nfdjmer  fd&rtftltd)  mödjte  überreizet  werben.  Sffiorauf 
man  breviter  ftd)  gebü^renb  bebanfet  unb  fotdje  aläbalb  bem 
$errn  9tei<$$abimral  als  capiti  deputationis  überreid&et,  bei  welker 
Dccafton  man  au$  biefe«  negocium  ben  Ferren  Sleidjärätfien  au« 
©pecialbefe^l  unferer  Ferren  unb  Dbern  de  meliori  a  part 
recommenbiret  SRadj  meinem  eadem  qua  accessimus  solennitate 
mir  bimittiret  morben. 

2)en  4.  ejusd.  SKadpntttagS  fjat  ber  $erren  ®eneral  Staaten 
orbinair  SReftbent  in  §elftngör,  $err  ßraforo,  ein  alter  qualiftcirter 
SWann,  bei  uns  feine  SSifite  abgelegt,  mit  meinem  allertjanb  dis- 
cursus  gefüljret,  infonberfjett  megen  ber^fttebwStractaten,  baoon 
er  au$  Delation  feiner  Ferren  $rincipalenbett$tet  Ms  f eibige  in 
guten  terminis  unb  baß  nur  ber  einige  punetus  teloniiju  bebattiren 
übrig,  unb  blieben  feine  Ferren  ^rtneipaten  tfor  mie  na<$  in  terminis 
interpositionis  et  mediationis,  tjat  audf)  fonften  pluribusN4e 
amicitia  Ordinum  et  harum  civitatum  ut  eciam  eorum  communl 
interesse  gerebt,  mobei  mir  Dccafton  genommen,  foldjeä  paulo 
altius  ju  reaffumiren  unb  unfer  commune  negocium  ju  recommen* 
biren,  Ijat  fonften  in  aßen  genug  ju  nerfie^en  gegeben,  bafe  fomoljl 
er  als  feine  Ferren  Sßrincipaten  bei  3.  $ön.  9Koj.  annod)  in  großen 
SteSpect  unb  ßorre&ponbenj,  mürben  aud)  von  foldjer  ob  bonum 
publicum  nid&t  abfegen,  l)at  fonften  berietet,  menn  rex  Daniae 
ante  aliquot  menses  naü)  feiner  Ferren  ^rtncipalen  unb  beS 
franjöfifd&en  $errn  legati  gürfd)lag  ba$  armistitium  tjätte  motten 
annehmen,  bafe  er  feine  Skiffe  tyätte  behalten  fömten;  e3  Ratten 
au<$  nur  für  e|li<$en  menigen  Sagen  erfttid)  legati  Ordinum  apud 
Gallicum  legatum  itjre  perfönltdje  SBifite  abgelegt,  juüor  märe  alle* 
in  negocio  mediationis  per  internuncios  tractiret  morben. 

Eodem  §aben  3>.  Äön.  3Waj.  uns  mit  wrfdjiebenen  grofe  unb 
Keinen  Stüden  Sffitlb  oeretjret. 

S)en  8.  SIpril  fyaUn  bie  Ferren  (Sngltfd&en  äbgefanbten  vom 
Parlament,  benanblid)  SigarbuS  ®eng«  unb  ©ecretariu«  Ätaber, 


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dc^L 


419 

(bereu  SBerbung  ad  regem  Daniae  wegen  eine$  genommenen 
©d^iffe«  unb  ©üter  auf  ber  @lbe)  tyre  SSiftte  bei  uns  abgelegt,  ftd& 
jum  fföd&ften  beflagenb,  baß  fie  atyie  fo  aufgehalten  unb  fte  nun* 
nteljro  ftd[>  in  bie  fedjS  SDionate  patientiren  muffen,  tyaben  ber  $anfe* 
ftöbte  privilegia,  fo  fie  in  (Snglanb  unb  ju  fionbon  Ratten,  ermeljnet, 
wobei  wir  Slntaß  genommen,  folgen  S)i8curS  ju  continuiren  unb, 
qua  occasione  berfelben  prioiret,  aud&  ju  SRufcen  be£  Äönigreid&eS 
tefiauriret  merben  fönnten,  angejogen,  tngleid&en  ifcnen  recommen* 
biret  ben  ©tiOarb  unb  beffen  @f emption  bei  biefen  Sroublen,  metd&ea 
fie  promittiret,  audj  gebaut,  baß  fd&on  gute  Slnorbnung  beSmegen 
gemalt  märe. 

9.  ejusdem  tyat  ber  §err  ipamburgifd&er  ©efanbter  ben  Äatfer* 
liefen  Steftbenten,  &errn  oon  Sßtettenberg,  oiftttret,  wobei  aud)  aller* 
Ijanb  S)i8curfe  oorgelaufen.  1.  fid&  beflagenb,  baß  eS  if)m  aud&  nic^t 
nad&  feinem  SOBiUen  erginge ,  man  moUte  l)ter  feinem  Statte  folgen, 
fonften  ginge  e£  xodf)i  beffer  ju;  2.  ifl  er  auf  bie  ifeigen  iraetaten 
gefotnmen,  fagenb,  baß  rex  Daciae  ben  Suecis  unb  confederatis 
wegen  be3  &o\l&  roüxit  roo^l  enbticl)  il>re3  ©efud&3  gemäßen,  würbe 
fol$e$  too^l  au$  ben  (Srbaren  ©täbten,  meld&e  in  suo  passu  ob 
jura  quaesita  melioris  conditionis  al£  jene,  uid&t  oerfagen  fönnen, 
nriemot)t  er  un$  pro  more  etroaS  aufhalten  mürbe;  3.  ift  er  auf 
ba&  Skutfdje  Sßefen  gefommen,  ft$  fetyr  über  regem  Daniae 
beflagenb,  baß  er  Imperatorem  mit  großen  Sßromeffen  aufgehalten, 
wie  aber  ©aUa«  mit  feiner  Slrmee  märe  angefommen,  $ätte  man 
nid&ts  ju  ben  ©aefcen  getljan,  rooburdfj  bie  ärmee  märe  aufgerieben 
unb  Sueci  ju  folgen  Sßrogreffen  gelanget;8)  4.  fytt  er  gebaut,  baß 
lmperatori  nid^t  mürbe  gefallen,  baß  er  cum  Suecis  ifco  absque 
ipsius  consensu  fo  einfeitig  tractirte,  möd&te  fidfj  aber  t>orfe$en, 
baß  er  nid&t  von  iljnen  circumoeniret  mürbe. 

11.  ejusd.  ift  ber  igerr  oon  Sßlettenberg  bei  un«  gemefen,  utrö 
pertröftenb,  baß  mir  nid&t  jmeifeln  foUten,  baß  mir  ad  locum  traeta- 
tuum  gelaffen  mürben,  unb  mürben  Sueci,  fo  bei  Qebermann  2)anf 
Derbienen  wollten,  ingleid&en  Ordines  Belgici  o^ne  unfer  al$  3Rit* 
intereffenten  Seifein  nid&t  fließen. 


•)  Jtaifer  gerbinanb  III.  tooflte  bie  @#tteben  nid)t  aua)  in  «&o!flein  gtoge 
Scrtfdpttte  mad)en  laffen.  (St  fanbte  ba$et  ben  ®eneral  (Stada*  mit  einem  $eere 
bafcin,  unb  trug  bem  Äönig  (Sfjriflian  IV.  eine  93erbinbung  an.  916er  biefer  lehnte 
fU  ab,  ba  et  bem  .Ralfer  nld)t  traute,  unb  (Stalla*  »erlor  fein  $eet,  o$ne  tttoM 
att*|nria>tfn.    S*ai(,  Öefa).  ©^le^.^ol^ein«,  2,  &85.  586. 


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420 

®en  12.  §aben  wir  ben  SDUttag  £rn.  Secretarium  SSornemann 
bei  uns  jur  3Jtaf)l}eit  gehabt,  bei  wettern  wir  un£  beftagt,  ba&  wir 
al^ie  fo  mürben  uffgetyalten,  unb  ob  wir  jwar  BorigeS  Sage«  t)on 
bem  §errn  SeutfdEjen  Sanier  SRetjentlott)  per  Haverlandum  t>et* 
nommenf  baf$  Sljre  SWajeftät  benfelben  nebenft  anbem  stoei  Sfteid^S* 
tätigen  mit  uns  ju  conferiren  beputiret,  fo  wären  bo<^  mmmeljro 
etlidje  Sage  p^ifftret,  bajj  wir  alfo  ntdjtö  anbetö  merfen  fönten,  man 
trainirte  ba£  SBerf  studio  unb  fetye  m$t  gerne,  bafc  mir  ad  loca 
traetatuura  fömen.  äBorauf  er  ftdj  entföutbtgt,  ba&  in  regiis 
aulis,  jumalen  atyie  in  ifciger  Sauften  täglid)  Diel  oorftele,  baß  man 
nidjt  gleid)  fönne  balb  eppebiret  werben.  SBir  fyabin  nufct  allein 
bajumal,  befonbern  aud)  bie  nadtfolgenben  Sage  instance  getyan 
unb  gebaut,  bafe,  weil  täglid)  allerljanb  3eüung  ^a^  *>on  Änfunft 
ber  SRieberläubifäen  glotte  im  ©unbe,  balb  non  gänjlW&er  Sftuptur 
ber  Sractaten  einfäme,  man  oielme^r  lirfac&e  nehmen  folte,  un« 
bepo  eljer  jjinjulaffen,  bamit  man  bie  @emütl>er  befto  e^er  ju  befferen 
unb  milberen  ©ebanfen  biäponiren  mödjte.  ©3  ift  ben  13.  unb 
14.  Slpril  wieber  angeflopfet  worben,  worauf  er  wieber  juentbieten 
laffen,  bafe  f)od&  importirenbe  ©treiben  non  ben  ©renjen  einge* 
fommen,  worüber  man  be$  SWorgenS  beliberiret;  beS  SRadjmittagS 
aber  ben  14.  älpril  tyaben  bie  Ferren  föeic&Srätlje  nebenft  bem 
Seutföen  Sanier  mit  ber  ©ngtifdjen  @ad)e,  umb  bie  ju  ejpebiren, 
ju  tyun  gehabt,  bafe  es  alfo  niemals  atyte  an  Sßraetenftonen  unb 
©jeufen  ermangelt,  ob  man  ftdj  jwar  bei  bem  Seutfdjen  Ganfctet 
aerfätebene  SDtate  ad  conferendum  angegeben. 

Eodem  ift  oon  ben  ©rbaren  non  S)an§ig  an  un3  ßübiföe  9tö* 
georbnete  ein  ©djreiben  eingereic&et  worben,  bafc  wir  als  directores 
un«  ba£  commune  emolumentum  hansae  wolten  angelegen  fein 
laffen,  in  specie  aber,  weit  ber  3oD  im  ©unbe  bei  biefen  Sractaten 
wol)l  bermaleinS  auf  ein  ©ewtffeä  bürfte  gefefcet  werben,  bajj  man 
bo$  für  allen  SHngen  batyin  trauten  möchte,  wie  benn  foldjeS  unferer 
Snfiruction  gemäf*  fein  würbe,  bamit  bie  Hanseatici  mit  Slnbem 
wegen  38erl)ütung  großer  Gonfufion  motten  coaequiret  werben,  Qk* 
bei  ifi  au$  ein  tateiniföeS  ©^reiben  ad  legatos  Ordinum  Belgii 
gemefen,  wel$e$  wir  btö  ju  feiner  $t\t  ju  überreifen  bei  un3 
behalten. 

5Den  15.  Slpril  9Horgen$  ift  abermal«  bei  bem  Seutfd&en 
ßanfcler  unb  ©ecretario  umb  SSeförberung  ber  Sonferenj  instance 
getrau,  von  welken  ber  ©ecretarütS  promittiret,  fo  t>iel  möglid^i 


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421 

St&äft  anttodj  Selbigen  3^ged  ju  bef  örbern,  unb  hielte  e3  nid&t  nöt^ig, 
weit  bet  §err  »eic^ofmeifler,  §of*  unb  Sfteid&Scanfcler  nid&t  jur 
Stelle,  bie  Snbern,  jumal  weil  man  ni$t  mufete,  meldte  unter  foldjjen 
pr  Sonferen;  beputiret,  anjufpred&en,  fonfien  aber  wäre  i^nt  bewufct, 
bog  bet  £err  Seutfd&e  @an$ter  fo  triel  möglidS)  unfer  negotium 
motte  beförbern. 

Storauf  I>at  uns  ber  $err  Sanfter  SReoentlow  burd&  feinen 
©d&tciber  9tadjmittagS  umb  %  U|r  notifictret,  bafc,  wenn  eä  un* 
gelegen,  umb  4  ttyr  auf  ber  Äön.  Ganfclet  }u  erfc|eiuen,  roolte  er 
nebenft  ben  anbern  baju  fceputirten  Äön.  9teid)$rätl>en  unfer  ju  ange* 
fieOtet  Sonferenj  bafelbft  erwarten.  SBorauf  mir  uns  hora  destinata 
alba  eingeteilt  unb  ante  limina  von  ben  oerorbneten  Ferren  Äön. 
Sfcputirten,  benanbltdj)  $err  Jürgen  S3ra^e;  §err  3war  SBinbt  unb 
bem  Seutfd&en  6an|ler  freunbtidj)  eyeipitet  unb  praevia  salutatione 
niebetjuftten  erfud&et  morben.  SBorauf  ber  §err  Sfteoenttow  biefer 
gonferenj  Apertur  unb  Anfang  gemadfjt  unb  idj)  nomine  ceterorum 
alfobalb  auf  jebe  dubia  geantwortet. 

5Der  ©erlauf  ber  Sonferenj  ifi  nidfjt  in  bem  93ertd&t,  fonbem 
in  befonbern  anlagen  angegeben. 

3n  ber  fd&on  ermähnten  erften  „Sßropofttion"  war  auSgefprod&en, 
bie  (Sefanbten  ber  brei  ©täbte  Sübedf,  SJremen  unb  Hamburg  feien 
im  Staaten  unb  oon  wegen  ber  gefammten  iganfeftäbte  gefommen, 
um  i^re  geringen  SHenfie  jur  ÜRitwtrfung  bei  ben  nunmehr  eröffneten 
griebenStractaten  anjubieten;  fte  bäten  tnSbefonbere,  e3  möge  „in 
bem  bur$  Ootte«  ®nabe  glfidHldf)  be&anbelnben  ^rieben  auSbrfidt* 
lidj  mitbegriffen  unb  eingefd&loffen  werben,  bafe  ben  commereiis  ü>r 
unbebinberter  freier  Sauf  altem  #erlommen  nadj)  aller  Derter,  ju 
ffiafjer  unb  ju  Sanbe,  o!)ne  linterfdfjieb  ffirbetö  unnerrfidtet  gelaffen 
unb  gegönnet"  werbe,  mit  bem  ©enterten,  bajs  ©djweben  ft<Ij  bereite 
mit  2>em  einoerpanben  erflärt  $abe,  was  bei  $)änemarf  würbe  §u 
erlangen  fein.  S)a  es  ferner  U>re  äbfi^t  fei,  ebenbieS  an  bem  Drte 
ber  Cer^anblungen  felbft  norjutragen,  bäten  fte  um  löniglid&e 
Gmpfeftfung  an  bie  bafelbft  befmblidjen  S)äntfdf>en  ©efanbten  unb 
um  bie  erforbertid&en  ©eteitsbriefe. 

Segen  aOe  biefe  Sßuncte  mad&te  nun  ber  Äanjler  ©inwenbungen. 
3«  Warnen  ber  gefammten  $anfeftäbte  fönnte  fdEjon  au«  bem  ©runbe 
nu|t  oe^anbelt  werben,  weil  niele  oon  i&nen,  bie  aWedftenburgifd&en 
unb  ^omtnerfd&en,  in  ber  ©ewalt  ber  ©dEjweben,  alfo  nid&t  frei 
«wren;  xoaä  unter  altem  $erfommen  nerftanben  werbe,  fei  untlar, 


L .■■ 


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422 

jur  SSeränberung  be«  QoUm^ni  fei  bet  Äönig  na$  bem  drcmpel 
aßet  fouoeränen  Potentaten  unb  Sftepubtilen  berechtigt,  übrigen«  fei 
bie  3ftetyeit  be«  §anbel«,  abgefeljen  von  einsehen  fallen,  immer 
anerfannt  worben;  audj  fei  ber  Äönig  au«  eigenem  Sntrteb  geneigt, 
bie  brei  ©tabte  in  ben  ^rieben  einjufd&liefcen,  e«  fei  ba$er  eine 
»eitere  Steife  na$  bem  Orte  ber  grieben«üerl>aublungen,  bie  o$ne* 
l)tn  t>ermutl)lid)  refultatlo«  bleiben  würben,  überall  nid&t  nötljig. 

2lu«  ben  SSemerhmgen  SReoentlow'«  entfianb  für  bie  ©efanbten 
bie  Aufgabe,  %bte  dubia  b.  f).  bie  SBebenlen,  ju  entfernen,  unb  S)a« 
mar  nidjt  leidet.  3Rarquart  §atte  ju  btefem  3roe<!e  mehrere  tytvoaU 
Unterrebungen  mit  Steoentlow,  unb  e«  fanb  audb  no<$  eine  jmeite 
förmige  Gonferenj  ber  ©efanbten  mit  ben  Äöniglüfcen  ©eputtrten 
ftatt.  SJon  Seiten  ber  ©efanbten  würbe  gettenb  gemad&t,  ber  Um* 
ftanb,  bafe  eine  Sfajaljl  t>on  ©täbten  jur  3eit  ©d&webifd&e  fflefafcung 
fyabt,  neunte  Ujnen  nid^t  ben  6l>arafter  als  $anfefiäbte,  Ijoffentfufc 
mürben  fie  toieber  frei  werben,  e«  gebe  aber  au$  no$  ganj  freie 
©täbte,  j.  8.  Söln,  SBraunfd&weig,  §ilbe«l)eim,  $)anjig,  wel<$e«  fi<$ 
thtxt  in  einem  ©^reiben  an  fie  gewanbt  ^abe;  man  fönne  unmög* 
lief)  bie  alten  93unbe«genoffen  ganj  ignoriren,  bod)  brause  baoon 
nid)t  bie  Siebe  8«  fcta/  bie  brei  ©tabte  Ratten  Sollmadjt,  Warnen« 
ber  $anfe  ju  tyanbeln;  wenn  freiließ  Ujre  mitwirlenbe  SSermittelung 
gan}  abgelehnt  werbe,  fo  müßten  fie  unb  wollten  audj  bat)on  ab* 
fielen,  um  fo  meljr  liege  iljnen  aber  bann  baran,  in  ben  gfridwt 
bef  onber«  eingefd&loffen  ju  werben,  unb  nad)  Srömfebro  müßten  fie  unter 
allen  Umftänben  getyen,  um  fo  meljr,  ba  fie  bort  fdjon  angemelbet 
feien,  nur  ju  ©tjren  be«  Äönig«  feien  fie  über  ©openljagen  gereift, 
über  (Salmar  würben  fie  einen  bebeutenb  fürjeren  2öeg  ba^in  gehabt 
^aben.  3«r  @rflärung  be«  2lu«bru<f«  alte«  §erfommen  fpra$ 
SJtarquart  offen  au«,  bafe  ber  Dbenfeer  Vertrag  gemeint  fei,  inbeffen 
fie  faljen  woj)l  ein,  bafe  e«  gerabe  je$t  nid)t  an  ber  Qüt  fei,  mit 
©ememarf  über  bie  Sfted&te  }u  oer^anbeln,  bie  biefer  SSertrag  Üjnen 
gebe,  be«t)alb  fei  ein  allgemeiner  2Iu£brucf,  unb  gerabe  ba«  SBort 
$erfommen  gewägt,  unb  e«  möge  in  bem  griebetröoertrage 
bemerft  werben,  ba&  weitere  Serljanblung  über  bie  Verträge  bi«  ju 
befferen  Seiten  au«gefe{}t  werbe;  jur  3*ü  würben  fie  jufrieben  fein, 
wenn  tynen  jugejtdjert  werbe,  baß  fie  ljinfid>tlidj  be«  ©unbjoü«  ben 
^oDänbern  glei^gefiettt  werben  füllten  f  barauf  aber  müßten  fie 
befielen.  2)al)in  ging  nemlidj  bie  Dor^in  erwähnte,  ben  ©efanbten 
gegebene  ewntueUe  Qnftruction. 


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zedby  G00gk 


423 

SRadjbem  SlfleS  bef proben  war,  glaubten  bie  ©efanbten,  bie 
Sanifdjen  SetwBmäd&tigten  von  ber  SBtHigfeit  unb  3n,e*m^igfeit 
tyrer  SBünfdje  überzeugt  ju  §aben,  unb  waren  ba^er  nid^t  wenig  über* 
rafefct,  als  fie  am  28.  Slpril  eine  Äönigli<$e  Stefolutton  empfingen,  weldje 
na$  banfenber  Slble^nung  ber  angebotenen  &ülfe  bei  ben  griebenS* 
oerljanblungen  nodjmate  ausführte,  wenn  man  Flamen«  ber  Jpanfe* 
fiäbte  teben  wolle,  fo  f önne  es  ntdjt  unberüdfictyttgt  bleiben,  bafe  triete 
oon  i^nen  unter  ©djwebiföer  $errfdjaft  ftänben,  alfo  bie  @<$webifd)en 
gorberungen  ju  ben  irrigen  machen  („mit  ©djweben  an  ©inem  ©eil 
be$  commercii  jiel)en")  würben,  wooon  nur  ;Kad)tl)eil  ju  erwarten 
feL  3Hle  übrigen  fünfte  überging  bie  SRefolution  mit  ©tiUfd&weigen 
unb  fügte  nur  nodj  tjinau,  etwanige  Sefäwerben,  weldje  bie  Stäbte, 
aud)  Hamburg  in£befonbere,  oorjutragen  Ijaben  motten,  mürben 
am  beften  in  ßopen^agen  oertyanbelt  werben,  unb  baju  fei  ber  Äönig 
bereit9)  ©o  fdjien  benn  alle  bisherige  3Küf)e  unb  3*ü  t>ergebli(§ 
aufgewanbt  ju  fein,  aber  fte  gaben  fid)  nidjt  bamit  jufrieben. 
Sogtetd)  entwarfen  fte  eine  anberweitige  Storjtetlung  an  bie  SDänifctyen 
S>eputirten,  in  welker  fte  iljr  Segelpen  wieberljolten.  2lm  ©bluffe 
$ie&  e$:  „©outen  aber  jum  unverhofften  gaU  3.  9Raj.  bei  biefer 
öftrer  gefaßten  3Meinung  oertjarren,  fo  wollen  wir  unterbtenftlid) 
unb  untertänigstes  l)ö<Pe3  gleifeeS  gebeten  Ijaben,  {jödtftgebacfcte 
3.  Äon.  9Jtaj.  gnäbigfi  gerufen  wolle,  un«  au<&  hierauf  mit  fd)rift* 
lieber  SRefolution  ju  wrfefjen,  ba  atebann  unfere  Jperren  Dbern  auf 
anbere  bienlidje  unb  t>erantworttid>e  SJttt'tel  pro  securitate  Status 
et  salute  civium  sociorumque  nostrorum,  quae  suprema  lex 
est,  ju  mgiliren  wtffen  werben."  SHeS  SJtemorial  überreizten  fte 
am  folgenben  Sage  perföntidj  bem  #errn  Qwar  SBinbt,  von  weldjem 
fie,  nrieberum  ju  tyrem  (Srfiaunen,  erfuhren,  bafc  er  burd)  ben  3n* 
fjalt  be£  SRefcriptS  eben  fo  fe^r  überrafd&t  worben  fei,  als  fte  felbft. 
5Der  SJeridfjt  fagt:  „@£  iji  un«  bei  biefer  @mreid)ung  unb  SSiftte 
bei  obgebadjtem  &erm  Qwar  SOSiubt  alle  tyx  unb  gteunbfdjaft 
erroiefen  worben  unb  un«  für  4  Ufjr  ab  hora  1  nid&t  bimittiren 
wollen,  nebenft  großen  Sßromeffen,  boS  er  unfer  negotium  bermafeen 


•)  3n  einem  ^rtoatgefprädje  ljatte  ftetoenttoto  gegen  üRarquart  „bfocurttoetfe" 
gefingert,  ber  itänig  $abe  too^l  gu  fcübecf  flutet  Söertranen,  aber  nidjt  gu  Hamburg 
rat  Sremeii,  er  fünfte,  bafi  bie  belben  Statte,  toenn  fte  gu  ben  JBerljanblungen 
fömen,  Del  in*  SJeuer  gießen  würben.  SRarquart  fyatte  fle  bejlen«  „erculpiret" 
sab  ftewstltf*  fölieflid)  fcerfprodjen,  er  ttotte  9(üe$  favorabiliter  referiren. 

38 


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zedby  G00gk 


424 

beförbem  wolle,  bafe  wir  un«  nid&t  f ölten  ju  bef lagen  fjaben. 
grwäfjnte  aud&,  bafe  fie,  bie  beiben  beputirten  Sfteidjörättie,  bicfe 
unfere  SRefolution  ni<^t  e^er  als  ben  onbetn  2Rorgen  gelefen  Ratten, 
wären  atöbatb  bamit  nidtjt  frteblidt>  gewefen,  berowegen  gar  gerne 
gefetyen,  ba&  wir  anberweit  mit  einem  SDtemoriat  eingefommen, 
worauf  t>on  3-  SDtoj.  gemife  ein  anberer  unb  milberer  93ef<$eib 
erfolgen  würbe.  $at  erwähnet,  fie  wolten  batyn  fheben,  bafe  mit 
ben  ©täbten,  t>on  welken  fie  äße«  ®uteS,  inSfünftig  anbere  greunb* 
fdtjaft  fottte  gehalten  werben.  3ßit  bem  Rollen,  ber  bod^  ber  Ärone 
wenig  ju  5Jtu$en  fäme,  mfi&te  e$  audtj  anberS  gemalt  unb  bie 
abusus  abgerafft  werben,  bo$  wollten  hanc  pupillam  nid)t  triel 
regen.  SBorauf  wir  unä  aud^  nid&t  t>iel  auSgelaffen,  foitbern  in 
generalibus  verblieben." 

2lm  nädftften  Sage  liefe  tynen  3>war  SBinbt  tagen,  fie  möchten 
bo<$  ba^  üjm  übergebene  SJtemorial,  mutatis  mutandis  aud&  un* 
mittelbar  an  ben  Äönig  rieten.  S)ie$  gefd&al)  alSbalb,  jwar  mit 
gejiemenber  £öfüd&feit,  aber  aucf)  mit  aller  6ntfdf)iebenf)ett  6$ 
Reifet  in  ber  Eingabe,  nad&bem  barin  junädfrft  ber  Sn^alt  ber  Äönig* 
lid&en  SRefolution,  ber  bamaligen  ©Ute  gemäfj,  ausführlich  wieber* 
Ijott  war: 

„Ob  wir  jwar  wofjl  bie  ^nclufion  bem  alten  iperfommen 
gemäfe  gefud&et,  fo  ift  bod&  unfere  Meinung  nie  gewefen,  ben  Äönig* 
lidf)  ©d&webtfd&en,  wenn  bergleid&en  audtj  bei  üjnen  wirb  gefud&et 
werben,  (woju  wir  befehligt),  baburdf)  ju  einigen  gravaminibus 
ratione  commercii  llrfadf)  ju  geben,  Jonbern  fein  tnelmetjr  inflruiret, 
SlUeS,  fo  ben  l)odEjerwünfdf)ten  griebenäjwedt  aufhalten  fönte,  aus 
bem  2Bege  ju  räumen,  wie  benn  audf)  ber  eflectus  burdfj  göttUd&e 
9Jerleit)ung  lehren  wirb,  bafe  wir  in  locis  tractatuum  biefelben  nidfjt 
retarbiren,  befonbern  un«  tnelmeljr  bergeftalt  bejeigen  werben,  wie 
fold&eS  bie  Sranquitlirung  beiber  Äönigreid&e,  aud&  ber  benachbarten 
gürftentfjümer,  Sänber  unb  ©täbte  §at  erforbert.  3)af}  wir  aber 
alljie  unfere  gravamina  jeigen  folten,  baju  fmb  wir  nid&t  inftruiret, 
wtffen  uns  auä)  für  ber  &anb  feiner  ju  erinnern,  au&erljalb  was 
wegen  beS  30Ü8  im  Derefunb  fein  möc&te." 

„Stamit  audtj  bie  inclusio  nadfj  bem  alten  £erfommen  unfere 
gute  Intention  unb  bie  Steife  ad  loca  tractatuum  m<$t  nertjütbern 
möchte,  fo  tyaben  wir  ur\8  bei  ben  conferenciis  batjin  erfläret,  bafc 
wir  woljl  gefdljeljen  laffen  fönten,  bafc  bie  @rb.  ©täbte  ratione 
commercii  liberi  in  ber  5ßacipcation«^otul  generaliter  mit  inclubiret, 


Digiti 


zedby  G00gk 


425 

• 

bxe  Obfernonfe  bet  alten  ©ertrage  abec  ju   bequemer  &tit  a\x&* 
gellet  werbe,  wobei  wir  e<8  au<$  annodfc  oerbletben  laffen." 

„9hm  ift  un£  jmar  am  28.  SStpril  jüngfl  eine  mit  ®.  Äön. 
Slaj.  Ganfctei  ©ecret  befefligte  ©rflärung  gnäbtgft  jugefd&idtt  morben, 
worin  attertyanb  angeführter  3Wottoe  falber  unter  anbern  gebaut, 
bc&  6.  Äön.  2Haj.  unmögtidf)  fallen  mürbe,  3$re  commissarios  in 
locis  traetatuum  über  eingeführte  ©eneralität,  meldte  mir  nid&t 
weiter  als  ad  punctum  cooperationis  oerfteljen  f  önnen,  ju  infhuiren, 
bafcr  mir  bafür  galten  muffen,  bafe  @.  Äön.  3Raj.  bie  unter* 
tfänigji  angebotene  cooperatio  ttid^t  anneljmlid!),  audf)  bafe  Sie  lieber 
Wien,  bafe  mir  gar  nidjt  ad  loca  traetatuum  fämen,  mie  benn  audfj 
»cber  ber  inclusio  in  pacem  nodf)  adaequatio  be£  3°^  w  ßere* 
(unb  mit  ben  Ferren  Staaten  General  barin  ntdfjt  gebaut  morben. 
6.  Äön.  2Raj.  aber  mögen  mir  tyiebei  untert^änigfl  ntd&t  oer^alten, 
tafj  pon  unfern  Ferren  Dbem  mir  befehligt,  nidf)t  allein  @.  Äön. 
$tajv  fonbern  aud)  ber  Ärone  Sd&meben  unfere  untertt)änigfte  befi* 
raögüdjfte  S)ienfie  jur  Cooperation  anjubieten  unb  bei  beiben  Äroncn 
We  inclusionem  in  pacem  obgebadfjter  Stftafeen  ju  fud&en,  beSmegen 
wir  nnjer  Drbre  geleben  unb  uns  ad  loca  traetatuum  ergeben 
muffen.  2BUI  aljo  t)od&notI)roenbig  fein,  menn  @.  Äön.  SJtaj. 
gnabigfle  Meinung  mdfjt  ifl,  unfere  untert^änigfie  geringfügige  SHenfie 
yxt  Cooperation  megen  ber  Sie  ba§u  bemegenben  ÜJtottoen  anju* 
nehmen,  bafe  un$  beSmegen  eine  gnäbigfte  resolutio  sub  sigillo 
regio  erteilet  werbe,  bamit  mir  bei  ben  Äön.  Sd&roebifdfien  Ferren 
Sbgefanbten,  meldten  bereits  unfere  SHenfte  ad  cooperandum  non 
unfern  Ferren  Obern  in  scriptis  anerboten,  un£  ber  Sooperation 
befio  beffer  entfd&lagen  fönnen,  attbieroeil  fie  oon  6.  Äön.  2Jtaj.  nid&t 
angenommen  morben  unb  alfo  einfeitig  barin  nickte  fann  au8* 
gerietet  werben,  wie  mir  benn  au<$  untert^änigft  bitten,  bafc  @.  Äön. 
3Raj.  gerufen  motten,  uns  3$re  mi^  fönigtic^e  93emitttgung  ad 
inclusionem  in  pacem  gleid^ergeflalt  obangeregter  mögen  gnäbigfl 
in  impertiren,  auf  bafj  mir  audfj  baburdfj  bei  ben  Äönigl.  Sd&mebi* 
fofai  wegen  gleid&mä&iger  Qnclujton  unfern  3roedt  beflo  e^er  erlangen 
mögen." 

„Unb  menn  bann  audf),  gnäbigfter  Äönig  unb  &err,  burd^  bie 
adaeqaation  be£  telonii  Oresundici  alle  remorae,  jo  irgenb  in 
loci»  traetatuum  erregt  merben  fönten,  au8  bem  SBege  geräumet 
werten,  al*  motten  @.  Äön.  3Rai.  Q^rer  Äönigl.  SÄefotution  gnäbtgft 
mit  injeriren  laffen,  bog  ben  @rb.  Stäbten  aud^  baSjentge,  ma*  bie 

28* 


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zedby  G00gk 


426 

$o<$mögenben  Vetren  ©Waten  General  bei  btefer  ^aciftcatum 
ratione  telonii  beljanbetn  werben,  ju  ©Ute  fomtnen  foO,  über 
foldje«  audj  uns  mit  öftren  recommendatitiis  an  Qljre  §odjan* 
fe^ntid^e  commissarios,  unfere  gtofegünfltge  ^odfjgeeljrte  §erren,  unb 
mit  notljmenbtger  Gonoog  unb  ©id&erljeit  ad  loca  tractatuum  gnäbigji 
verfemen." 

SHefe  ©ingabe  Ijatte  ben  gemünfd&ten  ©rfotg.  SHe  aRitroirfunj 
bei  ben  grieben«unterl)anblungen  mürbe  in  einer  jmeiten  oom 
7. 2Rai  batirten  Stefotution  jmar  abermals  abgelehnt,  aber  au«  bem, 
gemifj  jutreffenben  ©runbe,  bafe  fc§on  jroet  Sermittler  ba  feien, 
benen  ber  ftönig  ein  2Jti&trauen  au«brüden  mürbe,  toenn  er  noc& 
eine  brüte  SSermittelung  annehme.  Uebrigen«  mürben  bie  auSge* 
fprod&enen  SBJünfd&e  gemährt.  SRur  bie  Dbferoanj  ber  alten  Verträge 
blieb  unermäljnt.  S)ie  9teic!)«rätlje  bemerften  babei  ben  ©efanbten 
münblid),  bafi  man  e«  ni<$t  für  ratfrfam  gehalten  fyabt,  bie«  in  ber 
gegenmärtigen  Stefolution  befonber«  ^eroorjuljeben,  e«  fei  iljnen  aber 
jugefid&ert,  fie  foHten  nad&  i^rem  mteberl) ölten  ©egeljren 
eingefölojfen  merben,  barin  liege  tbtn  ba«,  xoa&  fie  münfd&ten,  unb 
bie  ©änifcijen  griebenäunter^änbler  mürben  Sefe^l  erhalten,  in  bie 
bei  erfolgenbem  grieben«fd)tu&  benStäbten  auSjupeflenbe  ©rflänmg 
ben  SBortlaut  Ujren  SQBünfc^en  gemäfi  ju  geftalten. 

Seim  Slbfdjieb  fagte  ber  Äanjler  Sfteoentloro  fdjtiefetid^  no<&, 
bie  Ferren  oon  Sübedt  mödjten  ftcij  in  Sld^t  nehmen,  i^re  ©tabt  fei 
jefct  an  ber  Oftfee  nocf)  bie  einjige  Sraut,  bie  ©darneben  mürben 
mofyt  na<$  itjr  trauten.  3Barqtfart  antroortete,  fie  müßten  ba«  toöljl 
unb  mottten  ft<$  oorfe^en,  ©ott  pertrauen  unb  ba«  memento 
diffidere  beobachten,  glaubten  übrigen«,  e«  merbe  au$  $.  3Raj. 
oon  S)änemarl  baran  gelegen  fein,  bafe  bie  SBraut  frei  bleibe. 

©o  mar  benn  bie  ben  ©efanbten  in  Sopenljagen  gepellte  Auf* 
gäbe  gelöft  unb  fie  fonnten  mit  Sefriebigung  i§re  Steife  fortfefcen. 
5Rur  erforberte  bie  formelle  Ausfertigung  unb  Sefiegelung  ber 
ÄöntgUdjen  SRefolution,  fo  mie  bie  Ausfertigung  ber  Sßaffe,  nod&mal$ 
geraume  ßeit  unb  oerurfadfjte  eine  unmittfommene  Serjögerung,  fo 
bafc  ber  Aufenthalt  in  ßopen^agen  fid(>  nod&  bi«  jum  23.  3Rai  oer* 
längerte. 

gär  bie  SBeiterreife,  bie  nun  ju  Sanbe  gef<$a&,  mar  ein  Sagen 
angefd&afft  morben,  er  tofiete  132  *?,  trier  Sßferbe  (fpäter  mu&te  in 
©teile  eine«  franf  gemorbenen  nod&  ein  fünfte«  getauft  merben) 
180  <^,  ein  rotier  3todC  für  ben  Äutfd&er  mit  gutter,  @dj>leife,  ©etbe, 


Digiti 


zedbyGoOgk 


427 

§akn  unb  aKad&ertofjn  12  ^.  ©crSBagen  würbe  fpäter  ju  ©to<I* 
Ijolm  für  100  *ß  tmeber  serfauft,  bie  fünf  ^ferbe  für  152  ^ 
bem  6ccretair  Sornemann  würben,  „wegen  feiner  Semfitjung  unb 
©eförberung  unferer  (Sjpebitton  30  »#  t>eref)ret,"  ber  ©eutföen 
Äanjlei  60  *$,  ber  ©änifd&en  Äanjlei  für  bie  Ausfertigung  ber 
*ßäf|e  unb  (Sonoogen,  wie  aud)  etlicher  9tecommenbation8f$reiben  an 
ben  ©ouoemeur  ju  Äronenburg  unb  GtyrifUanSftabt,  30  *f.  Ueber 
alle  2lu«gaben  ift  eine  genaue  3te<$nung  geführt.10) 


10)  3Me  Rechnung  ift  nod)  »erlauben,  bod)  fehlen  alle  Anlagen,  auf  Welcfee 
bäufig  QSejug  genommen  tx>irb.  SRancbe  in  (Sofcenbagen  gemachte  9lu«gaben  geben 
»uffcblujj  über  bie  9lrt,  wie  bie  ©efanbten  bie  3eit  »erwanbten,  welche  bie  ®es 
fcfcäfte  ifcnen  übrig  liegen,  unb  mögen  ba&er  Ijter  mitgeteilt  werben: 

ben  Jtöniglid)en  $rommelfd)lägern,  fo  und  bene&entiret,  pro  rata        6  n$  —  ß 
ben  Äöniglicben  Äutfdjer  u.  Safaien,  fo  und  nad)  unb  öon  ber 

Slnbieng  gefüljret.    .    .* 9    5    —  ? 

ben  12  Äöniglidjen  Trompetern  u.  £eerpaufern 30    s    —  s 

wegen  Eröffnung  einiger  Jtlrdjen 4    *    —  * 

bem  königlichen  3ägermetfier  u.  feinen  ÄnecMen  wegen  be« 

gebrauten  3Bilo« pro  rata      15    *    -  * 

in  bem  neuen  collegio  anatomico,  bafi  Wir  etliche  tage  ber 

Slnatomfe  beigewohnt 3s—« 

auf  ben  tfönigltcrjen  ©arten  öere&ret 10    *    —  * 

ben  königlichen  konterfeien  umb  bafj  er  un«  etliche  Paritäten 

gejeiget 6     *    —  . 

mit  bei  $rn.  SÄelc^«ratr)  Sllefelb  (Saroffe  von  (Sopenbagen  nad) 

8tiebrid)*burg  unb  grebenlburg  gffatyren,  wofelbfl  mit  ben 

Verehrungen   in  brei  Hagen   an  ©pelfe,  SBfin,  331er  unb 

Fütterung  ift  oerunf oftet  Werben pro  rata      58     ;    13: 

$errn  9Mefelb'6  £utfd)er,  fo  unO  in  (Sopenr)agen  bie  8  ©ochen 

$erumbgefü$ret 12    *    —  * 

aUertjanb  «Sauftarmen  unb  gebrecblidjen  beuten 12    *   —  * 

unterfdjieblicben  (Srulanten 18    s    —  * 

ju  ber  neuen  $eutfd?en  €>d)ule  unb  beren  ®ebäu  auf  2lnl)alten 

ber  93orfteljer pro  rata      24    •  —  * 

bem  iDeutfd)en  Sßrebiger  SWag.  ©imon  Henning 10    *    —  * 

bem  Äüfter  in  ber  $eutf<feen  Jtircbe 3s—» 

bei  $efld)tfgung  be«  Äöniglidjen  ©talle«,  39rau<  unb  Utocf. 

Ijaufe* 15    *   —  t 

bem  «Königlichen  raedicu  Dr.  (Simon  5*auli,  1  ftofenobel  .    .      12    *    —  $ 

für  16  ©ud)  $apier 8    *    —  * 

ber  ffiirtfjiu  für  ©peffe,  ©ein,  JBier,  ©tobe,  Sid)t  unb  £olj 

in  ad)t  SBocften 1213    «    —  * 

für  I6f  ©rübeben  Styetnwein  in  unfere  brei  glafdjenfutter  25    *    —  * 


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zedby  G00gk 


428 

©er  33eridfjt  fä^rt  bann  fort: 

2>en  23.  9Bat  feinb  rotr  in  ©otteö  Sftomen  tmn  (Sopenfjagen 
mit  unfern  SBagen  unb  gerben  aufgebrochen  unb  felbigen  SIbcnb 
ju  Jpetftngör  ongelanget. 

24.  ejusd.  tyaben  wir  auf  ßöniglidfie  fdjriftlid&e  Drbre  ba£  ©dfjtofc 
unb  SSeftung  Äronenburg  befetjen,  mofelbft  bei  unferer  Snmefenljeit 
bie  ©olbateSfa  in  armis  unb  bei  betn  abtritt  brei  Ganonen 
gelöfet. 

Eodem  feinb  mir  bafetbft  bei  betn  ^oüänbifdjen  Sftefibenten 
gemefen,  weiter  uns  magnifice  ejcipiret  unb  berietet,  bafe  feine 
Ferren  ^rineipaten  nou  ßfjrtftianopel  na$er  ©Überader  in  ©djroe* 
ben  serreifet  unb  fid)  ber  5ftebiation  äußerten,11)  motten  aud)  nidjt 
efje  mieberfommen,  efje  wegen  be3  Derefunbfdjen  3oHe$  a  parte 
paniae  eine  anbere  SRefolution  erfolget,  ban  fie  e3  mit  bemfelben 
in  ©tanb  ju  fefcen  begefjret,  wie  e£  tempore  Christiani  III. 
gemefen. 

Eodem  feinb  mir  über  ben  ©unb  ju  Jgelfingburg  ange* 
fommen,12)  bafelbft  uns  non  bem  ©djroebifdjen  (Sommanbanten, 
Dberlieutenant  Qo^ann  ßljriftopf)  Starbt  gro&e  ©f)re  unb  Sourtoifie 
in  ^refentirung  2BÜb£,  gtfdfje  unb  gutter  für  unfere  ^ferbe  ermiefen. 
2)arauf  feinb  mir  ben  25.  ej.  mit  Söfung  jmanjig  gelbflücfen  von 
Jgelftngburg  aufgebrochen  unb  bcS  SSbenbg  ju  üuing  bei  einem 
©d&onifdjen  Sßriefier  eintogiret. 

$)en  26.  tjaben  mir  nid)t  of)ne  grofee  @efal>r  megen  ber 
©änifdjen  ©dmappfjatynen,13)  beren  40  a\i$  einem  §olj  auf  uns 
molten  geuer  geben,  unfer  Quartier  erreid>et  unb  be£  9tadf)t£  bei 


n)  3n  bem  grirbenflüertrage  toirb  aud)  nur  bie  fran$eftfd)e  Regierung,  niebt 
bie  Ijoüänbifd&e  a\6  »ermittelnbe  2Rad)t  genannt. 

12)  $ie  galjrt  übet  ben  <Sunb  gefdjafy  nad)  2lu«wei$  ber  9i>dmung  mit  neun 
2öagen  in  fünf  <5d)iffen  unb  fofMe  auf  attarquart«  2lntf>eil  (pro  rata)  13  mb. 
aufjerbem  für  93ier  12  ß  unb  ben  gufyrfnediten  Xrinfgelb  1  mfi. 

13J  ©o  würben  tjolfteinifdje  freie  Jfcicäte  genannt,  bie  fid)  für  ben  Ädnig 
bewaffneten.  2Baifc  a.  a.  £).  &  585.  Diäteren  9luffcblu§  giebt  ijier  bie  SRrd): 
nung,  in  weld)er  bewerft  ift: 

JDen  ©dwaWfjaljnen,  weldie  in  einem  «§olje  unüermutfyet  an  und  gefommen, 

beiWegen  wir  fafl  in  grcfjfr  ©efaljr  gewefen,  gegeben 3  mA 

unb  fräter  uod)  einmal: 

2)en  »fer  ©aueni,  fo*  wegen  ber  ©djnaWtyäfyne  in  unferer  Verberge  2BaaV 
gehalten im). 


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±* 


429 

bem  Sßriefier  (in  SDBittfeteff)  verblieben,  mofetbft  toit  bcn  29.,  mar 
ber  lefete  ^ftngfitag,  3RotgenS  triebet  aufgebrodelt  unb  circa 
prandiuni  in  Efjtiftianftabt,  meldfjeS  eine  gute  geftung,  barinnen 
eine  fefjt  fd&öne  Äitdfie,  eingefommen,  mit  brei  @fytenf<f)üffen  aus 
groben  ©tüden  unb  ber  ©olbateSfa  in  armis  fte^enb  ejcipitet,  au<$ 
alfo  ben  28.  triebet  bimittiret  motben. 

$)en  28.  feinb  ttrir  butd&  bed  #ettn  gelbmatfddaü  ©uftan 
£otn  Sager,  meldfieS  nur  eine  33iettelmeile  oon  Gfitijttanftabt, 
paffttet,  mofclbft  mit  von  ber  ganjen  bei  ftd)  tjabenben  Slrtnee  in 
armis  fteljenb  honorifice  eycipitet.  @r  nebenft  feinen  bei  fitf)  tjabenben 
§ol)en  Dfftcieren  l)aben  uns  für  feinem  Quartier  empfangen,  in  bem 
Sogiment,  roetdf)eS  eines  ©auern  §auS,  gar  humaniter  tractiret. 
2Btt  l)aben  praemissis  complimcntis  megen  unfer  beiljabenben 
^Pferbe  unb  SBagen  umb  fixere  Sßäffe  angehalten,  worauf  er  geant* 
mottet,  bafe  mir  nur  unter  unferer  §anb  i^nen  biefelben  follten 
mitteilen,  foDten  cbeti  mie  feine  teSpectttet  merben.  gewer  tjat 
er  gebadfjt,  meiln  bie  tjoDänbtfd&e  mediatores  etmoS  male  content 
ftd^  na$er  ©überader  in  ©darneben  begeben,  ob  mir  melleid&t  foldfie 
mediation  mieber  an  uns  nehmen  mürben.  Sffiorauf  mir  praemissa 
gratiarum  actione  pro  salvo  conductu  geantmortet,  bafc  mir  un* 
gerne  nerne^men,  bafe  Ordinum  legati  alfo  aufgebrochen,  molten 
ttid^t  hoffen,  bafe  eS  ob  deserendam  interpositiouem  gefd&eljen, 
rooju  mir  niel  ju  menig,  molten  bennod)  unfere  geringe  Dienfie 
nad)  Vermögen  ju  biefem  tyeilfamen  grtebenSjmede  jebmebem 
offeriret  fytben.  @nbltd&  feinb  mir,  meiln  er  beffelben  3tbenbö  audE) 
mit  un§  benebenft  feinem  grauenjimmer  nadf)t)er  ©elSburg  nerreifen 
mollen,  abermal  humaniter  mit  Söfung  jroei  ftelbjlüden  mie  aud) 
©olbateSfa  in  armis  unb  beigebenber  ßonoot)  bimittiret  morben. 
©eibigen  SHbenb  feinb  mir  ju  ©elSburg,  meld&eS  ©täbtdj)en  a  Suecis 
gänjltdf)  ruiniret  unb  auSgeplünbert,  um  8  Uljr  angelanget,  mofelbft 
uns  abermals  fomoljl  oon  bem  §errn  gelbmarfdfjaH  als  non  bem 
bafelbfi  commanbirenben  ©d&mebifd&en  Dbriften,  §afe  helfen,  Sffiein, 
SSier,  §ül>ner,  gifd&e  unb  anbere  5Rotburft  praejentiret. 

®en  29.  ej.  feinb  mir  tmn  bar  aufgebrochen  unb  im  SKbjuge 
abermals  mit  ©d&mebtfd&er  Söfung  Ijonoriret  morben.  ©cgen  9Jlittag 
feinb  mir  bei  (Slljolm  in  Siefingen  angelangt,  bafelbft  mir  über 
jmei  gefährliche  SBaffer,  meil  megen  ber  ©d&mebifd&en  bie  ©rüden 
abgeworfen,  unfere  SBagen  auf  83öten  überführen  unb  bie  Sßfetbe 


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zedby  G00gk 


430 

burdjfömemmen  laffen.14)  SWUtagS  nad)  ber  aWa^tjeit  feinb  mir 
mteberum  fortgereifet  unb  2lbenb3  ju  SHffcrem  bei  einem  ^tieftet 
eingeleitet. 

S)en  30.  feinb  wir  von  bar  aufgebrochen  unb  ju  Jpoljebg  bie 
3Bittag8maf)f  jeit  gehalten,  barnad)  beS  2lbenb$  ju  Stonnebp  bei  bem 
SBfirgermetfter  eingefettet ,  alba  wir  etliche  Sübfdje  Äaufleute  an* 
getroffen. 

S)en  31.  feinb  mir  mieberum  aufgebrochen  unb  be$  2lbenb3 
um  8  Utjr  §u  Sudebp  pernoettret. 15) 

S)en  l.QuniSIRorgenS  gar  fritye,  Ijat  ber  fran jöfifdie  ©efanbter, 
Monsieur  de  la  Thuillerie  einen  geutilhomme  nebenfi  einem 
©djreiber  an  ung  gefd&idet,  umb  etlidje  ©treiben,  fo  uns  an  i§n 
mitgegeben,  abjuforbern.  ©eibigen  SlbenbS,  ob  mir  mofyt  gemeinet, 
ju  ßljrifttanopel  einjufommen,  §aben  mir  un3  bod)  auf  einem  SDorf, 
genannt  SKefeng,  aufhalten  muffen,  bi£  unfere  SBoljnung  in 
6|riftianopel  cottenfomen  praepariret  roorben,  worauf  mir  be£ 
anberen  SügeS  ©ottlob  gtüälid)  unb  mof)lbel)atten  hora  4  pome- 
ridiana  ju  ©^riftianopel  angelanget  unb  unfer  Sogtö  bei  einem 
SBefiptjalo,  fo  Sodann  $lonber3  in  Sübed  £albbruber,  genommen, 
roofelbft  bie  SommobUät  unb  Sogementen  alle  fnapp  unb  fd>led)t 
gefallen. 

3)en  3.  ejusd.  l)aben  mir  unfere  Äöniglidje  recommendatitias 
ben  Äöntglidj  ©ennemarftfdjen  Ferren  Legatis  überreifen  laffen, 
morauf  mir 

S)en  4.  ej.  hora  l  pomer.  2lubienj  gehabt,  nadjbem  un$  bie* 
felbe  oon  bem  Äöniglicfjen  Secretario  Sleimer  angejeiget  unb  üon 
felbem  batjtn  conbuciret  morben,  bafelbft  mir  von  ben  ©belleuten 
un«  für  ber  %\)üx  ejciptrenb  in  ba^  §au%  gefüljret,  alba  fte^enb 
ber  $err  9letd)$l>ofmeifter  Äorfxfc  lllefelbt,  ber  $ofcanfeler  ßljrifttan 
Soljmefon,  $err  (Sljriftopf)  Uf)re,  9leid)3ratl),  unb  £err  griebrid) 
©untrer.  SRadjbem  fie  un£  in  bie©tube  gefü^ret,  Ijaben  mir  unfere 
SPropojition  abgelegt  unb  in  berfelben  foroof>l  ba$  negotium  paeifi- 
cationis  afe  inclusionis  unb  in  eventum  coaequationis  puncto 
telonii  recommenbiret.   SBorauf  breviter  recapitulando  et  gratias 


M)  $ie  Sluagabe  bafür  betrug  f>  mjL  an  bie  93otet,  unb  3  »*#  an  £änifd»e 
©olbaten  unb  Arbeiter,  n>e(d)e  befcülflfd)  waten. 

lß)  5Die  £)rtfd»aften  (SUeljolm,  Bferum,  $oty,  fRomuht)  unb  fy&ebx)  f!nb 
genannt  in  ©ttyffe,  (Sfaii  binaren  unber  UnionMben,  ©.  74  unb  75,  2Bin*Iöf 
unb  Ouibinge  ebenb  <§.  69,  ©tytoteburg  ©.71. 


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431 

agendo  pro  salutatione  oon  bem  alten  griebridf)  ©untrer  geant* 
rottet,  ba&  fie  öbgebad&te  brei  §auptpunfte  unferS  Vortrag«  per* 
nommen,  würben  vermöge  empfangener  königlicher  Orbre  un£  bic^ 
fetten  eventualiter  genießen  laffen,  wenn  ber  §öcf)fie  bem  ^rieben 
feinen  gegen  geben  mürbe.  (Srboten  fid&  fonften  ju  afler  bet)aglid)en 
SBiflfäfjrigfeit,  motten  au<$  münden,  bafe  mir  atf>ie  an  biefem 
fdjlet&ten  Orte,  batyin  fie  ifco  bie  ©djmeben  fyaben  moHen,  etmaS 
beffer  motten  aecommobiret  fein,  jmeifelten  aber  nid&t,  baft  mir  als 
nerfiänbige  Seute,  fo  bie  Sffielt  burdfjmanbert,  auf  eine  $t\t  alfo 
würben  norlieb  nehmen.  Nos  fjaben  biefe  Slntmort  pro  resolutione 
angenommen,  un£  für  biefelbe  cum  ulteriori  recommendatione  et 
voto  pacis  bebanfet,  aud&  megen  ber  fdfjted&ten  Sogementen  geant* 
»ortet,  bafc  mir  fie  für  biefem  motjl  geringer  gehabt  ptten,  motten 
mt$  gan§  gern,  mie  anbere  nornetymere,  bamit  contentiren,  menn 
nur  ber  fo  f)öd[)ft  beftberirte  griebe  barauf  erfolgen  möd&te.  Starauf 
ifi  oon  bem  $erm  9ieidf)$I}ofmeifter  ein  discursus  angefangen  üon 
unferer  gehabten  Steife  unb  bafe  Ujm  für  un«  leib  gemefen,  mie 
wir  burd&fommen  folten.  2Bir  ^aben  geantroortet,  ba&  e$  aud&  o^ne 
©efo^r  für  ben  ©ddnappljafinen ,  fo  furj  junor  einen  Äönigltd& 
Sennemarftfd&en  Trompeter  übel  traettret,  nid&t  märe  abgegangen. 
Ille,  e£  märe  fein  SRittef,  ben  lofen  ßeuten  ju  mehren.  Nos,  bafe 
es  ju  beHagen  unb  ba&  man  nunmetyro  auf  Orbre  3()rer  3Kajefiät 
unb  be$  §errn  Srjbifd&ofS  oon  SBremen  in  ^olftein  benfelbigen 
etwas  gemeldet,  moju  benn  bie  Stäbte  Sübed  unb  Hamburg  audf> 
ba$  3^rige  träten.  Ille  approbirte  fotd&eS  unb  fragte  ulterius, 
ob  nrir  ben  gelbmarfd&att  ipom  <ww$  angetroffen.  SBir  Ijaben  mit 
ja  barauf  geantmortet,  meit  mir  unfern  SBeg  burdfj  fein  Sager 
nehmen  unb  umb  pfiffe  für  unfere  SBagen  unb  $ferbe  anhalten 
muffen.  ßnblid&  $aben  mir  gebaut,  meil  mir  audf)  nunme&ro  etjefier 
Jage  ju  ben  Ferren  6dfjmebtfdfjen  Legatis  unfere  Steife  fortfe|en 
müßten,  bofc  mir  tytemü  unfern  unterbienfitid&en  sabfdfjieb  cum 
ulteriori  recommendatione  negotii  molten  genommen  §aben. 
Quibns  dimissi  sumus. 

Eodem  $at  ber  #err  ©tatifd&e  ©ecretariuS  nomine  Princi- 
palium  feine  3Siftte  bei  un$  abgelegt,  audf)  für  bie  mitgebrad&ten 
Briefe  an  feine  Ferren  Sßrincipalen  fief)  bebanfenb,  fagenb,  ba&  feine 
fetten  ^rincipalen  ftdfj  atyie  balb  mieberumb  mürben  einließen, 
roietooijl  e£  mit  üjrem  negotio  für  ettidfjen  Sagen  ganj  fd&limm 
geioefen,  fie  fidfj  audf)  tum  ber  SWebiation  unb  Qnterpofition  auf  neu 


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zedby  G00gk 


432 

empfangene  Orbre  fdjon  abgegeben,  nunmeljro  aber  wäre  es  in 
anberm  ©tanb,  hofften  aud),  bafe  es  wegen  beS  3°ßro^en^  &aft> 
in  anbern  ©tanb  geraden  unb  feine  SRid&tißfcit  erlangen  würbe,  e£ 
wären  bie  QoVxoUtn  3$ten  ©jceHenjen  nunmeljro  a  Danis  com* 
municiret;  aber  wegen  beS  Sergifd&en  unb  üflorwegifdien  negotii 
wäre  nod)  feine  9tid)ttgfeü  getroffen.  2öie  eben  gefragt,  wie  eS  umb 
baö  Jpauptwerf  mit  ben  ©d&webifdjen  ftänbe,  fjat  er  geantwortet, 
bafc  man  nod)  in  puncto  assecurationis  oerfirte,  unb  bafc 
belegen  föon  oon  Sfjrer  SRajeftät  etliche  Snfetn  als  Defel  unb 
©ottlanb  Suecis  angeboten  wären,  permeinte  fonften,  baß  ifjre 
Gontrooerfen  mit  ben  ©d&webtfd)en  in  einen  £opf  geworfen  unb 
pari  et  inseparabili  passu  gefjen  würben,  werbe  au$  in  fein 
projeet  ober  appunetuation  geföloffen,  efjer  Sitten  abge^anbelt 
wäre,  woju  nod)  etliche  SKonate  (quod  Deus  avertat  clementer) 
gehören  würben.  33erid&tete  barauf  aud)  oon  bem  Verlauf  unb 
©tranbung  ber  ausgelaufenen  ©djiffe,  fo  regi  Daciae  jugeljört,  unb 
bann  auty  oon  ber  SSerrätfjeret,  fo  fid^  bei  ben  ©$webifd&en  ju 
SBiSmar  folte  jugetragen  fjaben,  worin  ein  £übfd)er  Bürger  als 
fax  et  director  befdjulbigt  würbe,  fo  oietleidjt  ber  ganjen  ©tabt 
nid^tö  ©uteS  caufiren  fönte,  weites  ber  pd&fte  ©ott  abwenben 
wolle. 

S)en  6.  Quni  fjaben  twn  ©Überader  ber  $ommerfd)en  $anfe* 
pätte  ©eoottmädtfigte  an  uns  bur$  einen  ©d)mebtfd)en  Trompeter 
notificiren  laffen,  umb  mit  i&nen  ante  propositionem  Suecicam 
ju  communiciren,  worauf  tynen  nomine  communi  geantwortet  unb 
per  expressum  nostrum  dominis  legatis  Suecicis  unfere  Slnfunft 
notificiret  unb  umb  gnäbige  Slubienj  angehalten. 

S)en  7.  ift  uns  oon  benen  2)änifdjen  Ferren  Plenipotentiariis 
jwei  unb  ein  Ijalb  Dljm  ©panifefy  unb  granjmein  praefentiret 
worben. l6) 

S)en  9.  ift  uns  burd)  ben  ©djwebifd&en  Trompeter  ber  folgenbe 
£ag  hora  io  matut.  ju  ber  äubtenj  angefefcet  worben,  worauf 
wir  ben  10.  hora  9  in  ©djweben  ju  ©Überader  angelanget,  wofelbft 
alSbalb  bie  ©d)webifd)e  £ofung  gegeben  worben,  unb  nadjbem  wir 
unfere  ßrebentialeS  gcbüfirenb  eingereiht,  feinb  wir  umb  fjalb  jeljne 
mit  oielen  nobilibus  Suecicis  jur  2tobienj  begleitet,  bafetbft  wir 


16)  (Sin   Ortjoft  granjtoein  Ratten  bie  Ferren   für  38  &  in  (5$rifMan|labt 
eingefauft  unb  mitgenommen. 


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zedby  G00gk 


433 

bie  tuet  ©d&webifd&en  Ferren  Plenipotentiarios,  afe  £errn  SReid^Ä^ 

can^er  »jel  Ddjfenflirn  fürm  $ifd)  allem  nebenft  £errn  3Kattl)ia$ 

Soop,  £err  %f)\xxo  Sielcfe  unb  #err  $l)uro  ©parre,  fammt  einem 

gecretario,  fo  atteS  protocoHiret  ,  unb  einem  $)olmefciger  auf  ber 

testen  Seite  ftetjenb  für  uns  gefunben  unb  bei  benenfelben  unfere 

^ropofüion  burdf)  mid&  jur  ©adfje  münblidf)  abgeleget  worben,  worauf 

bet  §err  SRetd&Scanfcler  in  ©d&webifd&er  ©prad&e,  fo  uns  pertoben* 

weife  t>on  bem  interprete,  wiewotjl  fd&led)t  genug,  t>erbollmetfd&et, 

geantwortet,  bafe  3.  Äön.  3Jlaj.  unfere  Stohmft  gern  oernommen, 

träten  fi$  wegen  be£   nadf)barlidf)en  ©ru&eS  unb  anberer  ©lädt* 

roünfdjung  bebanfen  unb  erinnerten  fid)  wofjl,  bafe  bie  @rb.  ©täbte 

fürm  $af)x  an  fetbige  gefdfjrieben  unb  ju  Beilegung  beS  jwifd&en 

biefen  beiben  Äronen   entftanbenen  ÄriegS    tyre  ©ienfte  offeriret 

Ratten,  weldEje  Offerte  audf)  3*  Äön.  3Raj.  gern  vernommen,  feiber* 

bem  aber  wäre  nidjtS  metyr  barauf  erfolgt,  ofjne   bafe  3-  5Waj. 

unfere  Snfunft  per  expressum  notifkiret  worben;  bafe  mir  nun 

burdj  unfere  Stafunft   unfere  2)ienfie  ad  cooperandum  offerirten, 

foldjeS  wäre  3-  2Jtaj.  befonberS  lieb,  unb  fjätten  93efel)l,  ju  folgern 

3wed,  bamit  ein  guter  ftriebe  fowotyl  für  uns  aU  tljnen  getroffen 

würbe,  uns  ju  abmittiren.    3t)re  gnäbigfte  Äönigin  wäre  genötigt 

unb  gebrenget  worben,   arma  wiber  ®ennemarf  ju  ergreifen,  fid(j 

bei  Szepter  unb  Äron  wiber  unbillige  ©emalt  ju  befenbiren.    %m 

Hebrigen  träten  fie  ftd&  aud&  wegen  ber  ©lüdfwünfd&ung  in  i&rem 

angetretenen  Regiment  bebanfen,  unb  mit  bem  voto,  bafe  ©Ott 

wolle  foldjeS  betätigen  unb  bie  @rb.  ©täbte,  benen  fie  mit  flönigl. 

®naben  unb  9iffection  jugettjan,  aud&  bei  glüctli^em  3uftanb  erhalten. 

Ad  ea  fyabt  idj  nomine  ceterorum  praemissis  praemittendis 

angefangen,  ba&  bie  ®rb.  ©täbte  jwar  aus  ©d&utbtgfeü  tljre  officiola 

beiben  Äronen  offeriret  unb  ad  cooperandum,  fo  eS  für  bienfamb, 

gut  unb  nötljig  erad&tet,  anerboten,  weiln  aber  wir  in  propositione 

gebaut,  bafc  3-  üRaj.  von  Dennemarf  aus  bebenflidjen  Urfad&en 

babei  angefianben,  als  1,  bafe  wir  biefe  Cooperation  nomine  com- 

nmni  Hanseatico,  ba  bodfc  niete  ber  ©täbte  unter  beS  g-einbeS 

®eroalt  unb  protection,  offerirten,  2,  bafc  eS  ber  tyolje  SReSpect  ber 

Vetren  3nterponenten,  bamit  eS  baS  2tnfeljen  nid&t  Ijätte,  als  bajs 

fie  biefem  3^edt  mdf)t   folten  geworfen  fein,  nidfjt  wolte  jutaffen, 

fo  Ratten  wir  audf)  enblid)  billig  babei  acquieSciren  muffen,  fönten 

wty  nunmetyro  einfeitig  nid&tS  üerrtdfjten,  bat  berwegen  normal« 

um  bie  ftnclufion  bergefammten  Jpanfeftäbte  nad&  bem'  alten  $et* 


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434 

fommen  itt  bett  erljanbteten  grieben,  unb  in  beffcn  ©ntftefymg, 
fo  ber  iQöd&fie  in  ©naben  roolle  abmenben,  untb  (Sonfewation  bct 
unentbe^rtidjen  ©ommercien  unb  bafj  3.  Äön.  9Jtaj.  auf  fold&en  $afl 
bie  tyebewr  bcn  @rb.  ©tobten  errettete  gnäbigfie  diplomata  weiter* 
möd&te  confirmiten.  darauf  liefe  fid^  ber  $err  Steid&Scanfeler  in 
$eutfd&em  ®iScour*  §erauS  mit  §öcf)fier  33emmnberung,  bafc  bei 
©ennemarf  unfere  SHenfie  nid&t  molten  angenommen  werben,  £ätte 
fotd&eS  n\6)t  gebenfen  fönnen.  Selangenb  bie  Snclufton  in  ben 
erljanblenben  ^rieben,  mtemo^l  eS  fid&  munberltdfj  bamit  anfe^en 
liefje  unb  menig  Hoffnung  batauf  ju  feiert  f  molten  fie  bo<$  in 
prosperum  eventum  i^nen  biefelbige  für  alle  §anfeftäbte  Xoffen 
recommenbiret  fein,  mödf)te  aber  roofjl  roiffen,  ob  rex  Daniae  ben 
©täbten  foldjje  Qnctufton  nadtj  bem  gefugten  alten  §erfommen  £ätte 
uerfprod&en.  SBorauf  angejeiget  morben,  bafe  in  ber  Äönigli<$en 
Stefotution  uerfaffet,  bafe  ben  @rb.  ©täbten  Qnclufion  vermöge 
unferer  recapitulirten  @rflärung  unb  ©egetyren  wn  ben 
3#rtgen  beförbert  werben  folte,  meldte*  mir  ntdfjt  anberÄ  afe  fo 
beuten  fönten.  2)er  $err  SieidfjScanfeler  jog  barauf  meitlauftig  bie 
Urfad&en  bicfeÄ  ÄriegeS  an,  batyn  geljenb,  bafc  tynen  fomotjl  als  ben 
SRteberlanben  unb  biefen  ©täbten  bie  Gommerria  bermajgen  mibet 
pacta  conventa,  fo  er  ex  ultimo  tempore  usque  ad  haec  tempora 
bemonfirirte,  Ratten  motten  befd&meret  merben,  bafe  man  i^nen  au$ 
enbtid&  bieOurgel  gar  rooflen  jufdfinüren;  ßommercia  mären  anima 
et  Spiritus  regnorum  et  civitatum.  ©ie  Ratten  jure  gentium 
ben  liberum  transitum,17)  melier  tjernacl)  au<$  certis  pactis  con* 
firmiret  unb  fo  lange  gehalten,  als  rex  Sueciae  gelebet,  btö  t& 
enbtid&  oon  Ao.  1637  big  anljero  gar  ju  grob  geworben,  bafe  man 
uon  ben  3Ugifd&en  unb  anbem  Sieftänbifd&en  ©täbten  breimal  meljr 
al*  fonflen  genommen  unb  er,  rex  Daniae,  gemeinet,  nun  fte  ber- 
mafcen  in  ben  $eutf<$en  Ärieg  oernridtelt,  märe  t&  redete  Qtxt,  fie 
hierin  ju  preffen.  ©ie  Ijätten  8lIIeS  gelitten,  mos  er  getyan,  allein 
er  §ätte  fie  enbtidfj  al*  ©Haoen  motten  tractiren,  bafe  fie  e$  alle* 


M)  freien  $urd)jug  b.  lj.  burd)  ben  ©unb,  beffen  belbe  tffiften  bamal«  |« 
JDänemarf  gehörten.  3n  einem  SRanffeft,  toeldje«  bie  Königin  (StyrtfHne  aud)  bem 
Statfj  oon  2überf  überfanbte,  gab  fie  all  eigentlichen  ®runb  M  Äriegrt  an,  baf 
Q&nemarf  fld)  burd)  ben  ©unbjofl  ©djtoeben  $abe  tributpflichtig  maa>en  ttotten. 
5Der  Sriebe  ju  33römfebro  befreite  @d)toebifd)e  ®cbiffe  unb  Oüter  vom  ©unbjofl, 
unb  al«  Untertfanb  bafur  trat  JDänemarf  «gallanb  auf  breijjig  3a$re  an  Sa^ttf* 
bcn  ab. 


--   .    D 


435 

bei  fotfymem  intern  fd&meten  3uft°ttb  *<*$  feinem  Söitten  machen 
folten,  bafjet  fie  fein  anber  3Jtittel,  nrien>ol)l  mit  tytet  Ijödfjjten  Un* 
bequemtd&eit  finben  fönnen,  benn  armis  ftdf)  ju  befenbiten;  roäten 
fie  subditi,  fjätten  fie  no<$  itjte  ^tinitegien  üotfdljüfcen  fönnen,  nun* 
me^r  aber  roetjtcn  feine  anbete  9Jttttel  für  fie,  ate  arma,  geroefen; 
anbetet  9tepubtifen  unb  ©täbte  roäte  eS  jroat  nidtjt  attejeit,  folget 
Utfad&en  fjalbet  einen  Ärieg  anjufangen,  bie  Äton  ©dfjroeben,  meldte 
attejeit  bie  ßommetcien  getn  befötbett,  Ijätte  fold&eS  in  bie  Sänge 
nid&t  weitet  etbulben  fönnen.  (53  gingen  aucf)  fonfien  aufcetljalb 
bet  ßommetcien  oiele  ©adEjen,  meldte  ben  statum  concetniten,  untet 
ben  Ätonen  not,  roelcfje  jroat  apodictice  nid&t  eben  etnriefen  roetben 
fönten,  netfid&etten  uns  abet,  bafe,  xoa&  in  5Kanifeften  roäte,  baoon 
ba£  lefete  no$  nid&t  tefutitet,  fold^eö  roäte  entliefen  unb  Ratten  fie 
bie  originalia  in  $änben,  fam  abet  balb  batauf  auf  ben  punctum 
commercii  ejusque  libertatem  unb  gebadete  bet  Ungelegenfjctt, 
roetdfje  Jgambutg  auf  bet  @lbe,  Sternen  auf  bet  SBefet,18)  ebenfo 
wie  Suecis,  Hollandis  unb  Lubecensibus  im  Oetefunb  gemalt 
TDütbe,  unb  bafc  bet  ©tücfftäbtifd&e  3ott  gat  müfete  abgetan  metben, 
mafcen  fd&on  foroof)l  non  ben  fetten  Staaten  als  non  bet  Äton 
©d&roeben  batumb  gefptodfcen  rootben,  weil  fie  ebenmäßig  babei 
inteteffirt  roäten. 

Site  nun  Legatus  Hamburgensis  wegen  gegebenen  SKnlafe  inter- 
loquendo  Ijietauf  betid&tete,  bafe  et  3.  Äön.  SKaj.  ju  Gopentjagen 
netftd&etn  muffen,  bafc  et  bei  biefen  Stactaten  bie  ©lüdftäbtifd^e 
3ottfad&e  nidf)t  tegen  motte,  unb  bafe  3.  9Jtaj.  beSroegen  bet  ©tabt 
£ambutg  netmöge  beS  ©eebtiefs  unb  unfet  ju  (Sopentjagen  ab* 
gegebenen  SRefolution  bie  gütige  Jganbtung  eröffnet  tyätte, 
respondit  bet  SReid&Scanfclet,  roaS  batübet  nodf)  tuet  fotte  ge^anbelt 
toetben,  babutd)  mütbe  rex  nut  ein  jus  acquititen,  bet  $oü  müfete 
gar  abgetan  metben  2c.  3)atauf  non  mit  roiebet  angeteget,  ba& 
3.  Sjc  am  befien  befannt,  roeldEjetgeflalt  bie  Gommetcia  in  ben 
nadfrften  Sagten  foroo^l  in  bet  Dfi*  als  SBeftfee  gebtüdtet.  9hm 
lebte  man  ju  bet  Äön.  3Raj.  unb  bet  tyod&löbltd&en  Äton  ©df)roeben 
bet  untettljänigften  Swottfityt,  biefelbe  roütbe  fetnet  allgemeine 
protectrix  bet  fo  unentbetytlid&en  Gommetäen  bleiben  unb  bei  allen 


")  $)ax&)  ben  16S3  Don  bem  (trafen  Slnton  ©untrer  »on  Olbenburg  aitge^ 
legten  ökftet&er  3oft.  $g(.  $unfce,  ®efd).  bet  ©tabt  «remen,  $b.  3, 
©.  531  ff. 


Digiti 


zedby  G00gk 


436 

Occaftonen  i^re  f)od&erteudfjtcten  unb  vortrefflichen  consilia  batjin 
richten,  baß  ber  arme  Äaufmann,  ber  fonft  in  ben  ©täbten  leidet 
ad  desperationem  ju  bringen,  consequenter  bie  ©tobte  unb 
benachbarten  Sänber,  bie  tali  cum  vinculo  naturali  permanbt,  itjre 
SebenSmütet  Ijaben  motten,  würben  (td&  baneben  bei  ber  ganjen 
SBett  unfterblidfjen  Sftufjm,  jumal  bei  biefen  Sättigen  Orten  erwerben. 
SBorauf  ber  &err  SReicfjScanfcter  abermal  geantwortet,  baß  jmar  bie 
fiton  ©d&meben  ifjrem  vorigen  anerbieten  nadf),  menn  ber  griebe 
nid^t  motte  ju  erlangen,  bie  ßommercia  aller  Orten  frei  laffen  motte, 
baferne  2)ännemarf  beSgleidfjen  tljun  mürbe,  e£  müßte  aber  foldfje 
libertas  omnibus  communis  fein,  fonft  fönte  bie  Üron  ©d&meben 
fotd&e  auä)  nid&t  julaffen,  benn  es  folten  öiefelbige  ganj  frei  ober 
au<$  gar  perboten  fein,  fragte  barauf  meiter,  ma3  für  ©id&ertyeit 
mir  i|o  bei  ber  Äron  2)änemarf  ratione  commercii  erhalten. 
2)arauf  geantmortet:  baß  bie  ©täbte  Bremen  unb  Hamburg  duranti- 
bus  hisce  tractatibus  ben  ipollänbem  gleidE)  bie  Stbertät  erhalten, 
ßübedt  fjätte  für  biefem  eine  Sonceffion  obtiniret,  barin  mären  bie 
Söorte  für  bteSmal;19)  beromegen  ilmen  btejelbigen  aud&  motten 
bteputirlidjj  gemalt  merben,  Hamburg  fjätte  jmar  biefelbe  audj  ber* 
geflalt  gehabt  gleidjmtc  Sübedf ,  barnadj)  Ijätte  aber  3. 2Raj.  getrieben, 
baß  nur  bis  ben  1.  ^anuax  biefeS  QaljrS  }u  nerfteljen.  Steid&S* 
eanfeler:  bie  SBörter  für  bie  3  mal  fönten  tum  furjer  unb  non 
langer  $eit  nerftanben  merben,  unb  bie  concessio  durantibus  hisce 
tractatibus  mürbe  ben  anbern  beiben  ©tobten  nid&t  fonberen  9tu|en 
fdfjaffen.  Riebet  fragte  er  meiter,  mag  mir  benn  ju  tljun  gemeinet 
mären,  biemeit  mir  nidf)t  jur  Cooperation  a  parte  Daniae  abmittiret, 
ob  mir  un£  benn  motten  Sßart  mad&en  unb  auf  i^re  ©eite  treten, 
sicut  Hollandi  idque  ob  commune  iuteresse,  fo  molten  fie  un£, 
mie  jenen,  au<$  ein  Sauernborf  eingeben.  Ego :  bag  mir  auf  folgen 
§odf>mtd&tigen  Sßunft  jmar  nid&t  inftruiret,  märe  aber  befannt,  baß 
bie  ®rb.  ©täbte  bei  biefen  3^i^n  ntä)t  fo  befd&affen,  baß  fie  ftdj> 
fotd&en  tjo&en  Potentaten,  mit  meldten  fie  bermaßen  vinculo  natural! 
permanbt,  bermaßen  miberfefcen  fönten,  man  müßte  mol)l,  baß  e$ 
gemeiniglidj)  über  bie  ©eringeren  pflegte  auslaufen,  unb  menn 
man  gebadet,  baß  alles  nergeffen  märe,  mürbe  bod&  Urfadfje  genommen, 
benfelben  tjernad&er  Ungelegenen  ju  mad&en,  fönten  fidf)  barin 
mit  ben  Ferren  ©taaten,  als  meldte  au£  fjofjer  $anb  gingen,  anifco 


w)  @.  ofcen  @.  410  in  fine. 


Digiti 


zed  byjGoOgle 


487 

nid&t  compacten,  jam  alteri  tempi  altere  eure,  al£  wotjl  für  ber 
3eit  gewefen,  bie  @rb.  ©täbte  wolten  gern  bei  biefen  motibus,  bie 
fowofyt  ratione  Status  als  commercii  erreget,  im  goß  be$  nt<$t 
erfolgenben  griebenS,  fo  ber  2UIert)öd()fte  wolle  perfjüten,  in  terminis 
neutralitatis  perbleiben  unb  perljoff eten,  fidtj  näd&ft  götttid&er  ipütfe 
alfo  ju  perfjalten,  bafe  Äeiner  fidf)  barüber  ju  bef^weren,  Urfacfje 
ftaben  fotte,  cum  pluribus,  wie  fold&eS  $.  @?c.  nadj)  bero  tjodj)* 
erleuchteten  gruben}  felbft  f)oc$pemünftig  ermeffen  würbe,  worauf 
aud&  otjne  einiget  weiter  Urgiren  biefelbe  acquie&iret.  ©nblid^  ^at 
3.  ©je.  t>on  ben  traetatibus  ipsis  biefeS  communiriret,  ba&  auf 
bie  beiben  fünfte,  nemlid)  libertatis  commerciorum  et  asse- 
curationis  2lfleS  beftänbe,  e$  wäre  ifjnen  ju  bem  etften  a  Danis 
gute  Hoffnung  gemad&et,  wiewohl  9li<$t£  ju  Rapier  gebraut,  in  bem 
anbem  aber  wären  fie  nodf)  gar  weit  au£  einanber.  2öir  bebanften 
uns  ber  grofegünftigen  Slpertur  unb  gebauten,  ba&  wir  ju  ©open* 
flogen  nichts  erfahren  fönnten.  Ad  ea  dominus  Cancellarius:  3>f)re 
©ad&en  wären  fo  befdfjaffen,  bajj  fie  woljl  unter  bem  blofcen  &immet, 
ba  bie  fjalbe  SBett  bei  wäre,  tractiren  wolten,  bann  x\)i  negotium 
wäre  commune  omnibus  populis,  benn  fie  fugten  libertatem 
maris  ober  ja  usum  maris  liberum,  qui  juris  gentium  esset. 
@$tiefjlid)  gebaut  id&  aud&  ber  Sijitationen  unb  anberer  93efd&werung, 
fo  pon  ben  ©d&webif<$en  für  Xraoemttnbe  unb  fonften  in  ber  ©ee 
gefdfjefjen,  wie  uns  barüber  fowofjl  pon  ben  2)änifdf)en  9teidfj3rätt)en 
als  unfern  bürgern  beSwegen  Älagen  einfommen,  unb  bafe  Dani 
begefjret,  fol<fje3  bei  ber  firon  ©cfyweben  ju  remebiren  anjufud&en, 
ober  fte  wolten  gleichmäßige  Slnftalt  baju  machen.  Ad  ea  dominus 
Cancellarius,  ba&  bei  ben  Sangen  fjart  perboten,  bie  Neutralen  ju 
befcfjweren,  e3  wären  aber  jwei  ober  breimal  wegen  anberer  UrfadEjen 
bie  visitationes  angeftellet  worben,  1,  ba&  einmal  pon  Sübedt  bei 
30  Dfficiere  nac$er  ©ännemarf  gefü^ret  worben,  2,  ba&  ber  ätafd&lag 
wegen  ber  jwei  großen  ©d&iffe  jur  SBtömar  offenbar  worben,20) 


20)  3Me  <&aty  behielt  fid)  folgenbermafjen.  3m  8rul)iing  1645  lagen  jtoei 
@d»»fbif(fec  Äriegflfdjiffe,  ein  grögere*,  ber  $rad)eu  genannt  unb  rin  Heinere«, 
bie  btei  Sötten,  unter  bem  SBefeljl  be*  'Abmirat*  S3lume  im  £afen  ju  SBtemar. 
OleldJgeitig  tyielt  fid)  ein  frember  Jtäfeljänbler  bort  auf,  ber  burdj  fein  betragen, 
fotoie  bnrd)  Beugerungen,  bie  er  in  trunfenem  3ujianbe  fyat,  Söerbadjt  erregte,  fo 
ba§,  in  Slbtoefen^eit  be«  Bbmirate,  ber  ©eneralfelbjeugmeifler  Sari  ©uflav  SBrangel 
i$n  verhaften  unb  feine  Saßen  unterfu$en  lieg.  (5*  fanben  fid)  jttei  mit  ©trolj, 
SBerg,  9*ul©er,  <Sd)toefel  unb  $ed)  angefüllte  Äoffer  unb  baneben  in  jebem  Äojfer 


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438 

bafe  man  belegen  Urfad&e  genommen,  bie  ©d&tffe  ju  oifitiren ;  Der* 
melbete  barauf,  wie  e£  mit  bem  2lnfd&lag  besoffen,  unb  bafe 
ßübfd&e  Bürger,  einer  9tamen£  £einrid&  SBBörger,  barin  intereffiret, 
baoon  ber  SRäbleinSfüfjrer  folte  e&appiret  fein,  ermähnte  gtei<$wol)l, 
ba&  Senatus  bie  3törigen  belegen  nadj)  ber  2Bi£mar  georbnet  2Bir 
confiatirten  mit  fjödfrfter  SBefttirjung  unfere  unb  be$  JRatljS  SHSplicenj, 
fagten  aud&,  ba&  bie  ßeute,  fo  barin  fd&ulbig,  gebüfjrUdf)  würben 
beftraft  werben.  SSorauf  er  ©.  &od£)w.  Statt)  wotyl  entfd^ulbigt  nafjm 
unb  gebaute,  e£  märe  leidtjt  ju  erachten,  bafe  feine  eljrüd&e  ßeute, 
piel  weniger  ein  fo  berühmter  3Bagijlrat  an  fotljanem  2Berf  ftd& 
tollten  intereffiret  mad&en.  SBobet  id&  2lnlaJ3  naljm,  ba&  mir  bemufet, 
bajj  bie  Äron  Sdfjweben  bei  biefen  motibus,  fo  t>iel  immer  möglidfj, 
märe  faooriftret  worben,  erjeljlete  3.  @j:c.  inSgeljetmb,  mag  bei  ber 
©d&webifd&en  2lrmee  fürm  Qafjr  gefd&efyen,  wie  bem  Sommenbanten 
nad&er  SBtömar  connivendo  6df)iffgjimmerleute  unb  bem  2lbmtral 
SJlume  SBootöleute  nad&  ber  SBtömar  gclaffen  worben,  wetd&eS  jidf) 
ber  $err  StetcfySratt)  aHe£  erinnerte,  mit  2lnf)ängung,  bafe  man  ferner 
21lle$  Ü)\xn  mürbe,  fo  bem  juri  neutralitatis  nidEjt  ju  fel)r  suwiber; 
c£  märe  aber  eine  wafjte  Unmöglid&feit,  ba&  unter  bem  gemeinen 
ßauf*  unb  (Scfjiffmann  Sitten  fo  eben  ad  amussini,  bafc  ntdjt 
Sßractiquen  follten  mit  untertaufen,  fönte  in  3ldE)t  genommen  werben, 
perfidfjerte  3.  @?e«,  bafe  bie  ßeute  genugfam  gewarnet  unb  gefhaft 


ein  mit  einem  Ubrwerf  in  SSerbinbung  gefegte«  geucrfdjloß,  weldje«,  Wenn  ba* 
Uljrwerf  aufgewogen  mar,  in  einer  beflimmten,  fcorljer  ju  bered)nenben  Beit  lo«s 
geljen  unb  einen  SBtanb  »erurfadjen  mufjte.  $er  ftrembe  nannte  fld)  ©reffr  ober 
jtrettet,  gab  an,  er  fei  au«  Sommern  gebürtig,  unb  befannte  im  peinlichen  Jöertyör, 
er  Ijabe  bie  .Keffer  in  Sübecf  von  einem  SWanne  in  grauen  Kleibern  unb  mit 
grauem  <$aar  unb  Söart  übernommen,  unb  e$  feien  iljm  1000  Sfjaler  »erfprcdjen, 
wenn  er  fie  an  93orb*  ber  beiben  ©cbwebffdjen  ©d)ijfe  bringe.  Sugleid)  nannte  er 
me&rere  fifibeefer.  iueibefonbere  einen  ^Bürger  Ramend  ^eiurid)  kärger  al«  SWits 
Wiffer  brt  $lan$.  SBrangel  gab  bem  9iatl)e  oon  Sübetf  feg  leid)  *ttaa>rld)t  »on  biefem 
SBorfall  unb  »erlangte  bie  fefortige  Jöer^aftung  unb  firenge  SJefhafuug  ber 
Oenannten.  3)od)  fanb  ber  SRann  in  grauen  Kleibern,  ofyne  3n>eSfel  ber  eigentliche 
^nftifter,  Gelegenheit  ju  entfliegen,  worauf  SBrangel  bem  fRatty  einen  fdjweren 
©orwurf  mattete.  (5*  fear  ein  grember,  Ramend  2lnton  £elbricb  ober  «fcelbriegel,  %atte 
fld)  längere  3eit  in  einer  •&  er  berge  aufgehalten  unb  war  immer  fe^r  ge^eimniffccll 
getoefen.  3)ie  Uebrigen,  aud)  $einrid)  Söörger,  würben  »er^aftet,  fonnten  jebod) 
i^re  üöHige  Unfd)ulb  er  Weifen.  $er  Watt)  gab  fte  baber  wieber  frei,  SBörger  ju; 
näd)ft  gegen  Kaution,  bie  er  erft  fp&ter  erließ,  a(0  e^  ftd)  geigte,  baß  bie  8a)webifd)e 
Regierung  aud)  i^rerfeit«  jufrieben  geflellt  war. 


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489 

würben;  möd&ten  aud)  in  eventum  fold^e  fiourbenbreper,21)  wie  fte 
e$  nennen,  iljre  Strafen  batwn  tragen;  mit  fernerer  untertäniger 
2Ktte,  bie  l)od)löblicf)e  Äron  ©d&weben,  wie  btöt)cro  l)od)rüt)mlt<& 
geföetjen,  in  allen  fjall  be^  unentbehrlichen  (SommeKü  2öoI)ljknb 
unb  ßrfjaltung  biefer  6rb.  Stäbte  unb  in  specie  ber  ©tabt  ßübed 
tljr  ferner  gnäbtgfi  audj  bei  biefen  Xractaten  laffen  angelegen  fein, 
n>eld>e£  3.  @jc.  ju  t^un  saepius  promitttret  unb  t>erfprod)en. 

9tad)  biefer  gehaltenen  ßommunteation  unb  Eröffnung  ber 
Xractaten  $at  un£  ber  iperr  9tei<$3canfeler  jur  9Rittag$mat)ljeit 
intnttret,  wofür  wir  un$  jum  Ijödtften  bebanfet.  ®r  l)at  barauf 
erinnert,  bafe  ber  ^ommerfdjen  £anjeftäbte  ©eooHmädjttgte  wegen 
ü>rer  Ferren  ßommtttenten  mit  uns  auf  eine  S3iertelftunbe  ju  com* 
municiren  bäten,  meldfoeS  wir  i^nen  nid^t  abfd&lagen  motten.  Söorauf 
bie  beiben  ©eoottmädjttgten  von  ©tratfunb  unb  Stettin,  ber  Sine 
ber  ©tabt  ©tralfunb  ßanfcletoerwanbter,  ber  2Inbere  Sleltermann 
beä  Kaufmann«  unb  ©ewanbfönetbetö  ju  Stettin,  uns  i^rer  Ferren 
SBerbung  fürgebradjt,  bafyin  gefjenb,  praemissis  curialibus  et  voto, 
baft  notorium,  wie  bie  ©rb.  ^Jommerf^en  Jganfeftäbte  wegen  tfyrer 
SRafjrung  unb  ßommereten  in  Ijödjftem  Sebrudf  wären,  unb  ob  fte 
jwar  bei  £ennemarf  barin  oft  ©rletdjterung  gefugt,  fo  wäre  bod) 
9li$t&  erfolgt,  fonbern  Uebel  ärger  geworben;  weil  fte  bann  ju 
biefen  pacis  traetatus  nod&  tyre  gute  Hoffnung  gefefcet  unb  nun 
©ernennten,  bafc  bie  brei  Srb.  ©täbte  communi  nomine  hansae  ftd) 
pro  libertate  commercii  et  inclusione  in  pacem  generali 
bemühten,  fo  wären  fte  befehligt,  mit  uns  hierüber  ju  communiciren 
unb,  xoaä  a  rege  Daniae  in  hoc  passu  ermatten,  ju  eröffnen; 
Ijätten  woljl  oerfyoffet,  ba&  a  directorio  t&nen  foldje  legatio  Borget 
notificiret  worben,  alsbann  fie  aud)  ba$  3ftrtge  babei  beobachten 
fönnen.  ®a  tt)ncn  fyinwiber  oon  mir  geantwortet,  wie  biefe  brei 
©rb.  ©täbte  ex  communi  hanseatico  concluso  ju  biefer  unb  ber 
DSnabrfiggiföen  Negation  fämen,  fo  it)nen  aud&  bajumal,  wie  anberen 
©täbten,  notificiret  worben,  fjätten  babei  in  tempore  uigtliren  foHen; 
aDbieroeit  aber  in  ben  6rb.  ©täbten  biefe  legatio  permöge  be$  auf 
fonberbare«  abgalten  ber  ßrb.  oon  Stralfunb  Ao.  1629  gemalten 
$attfif$en  recessus  perorbnet,  als  Ijätte  man  fie  au$  ebenmäßig 


")  Würben,  nad)  Jrlfd):  falfdje  ©riefe  unb  Siegel,  ba$er  Surbenbretyer 
geute,  bie  mit  £ülfc  gefällter  Urfunben  unerlaubte  ®efd)äfte  treiben.  ©  Rillet 
unb  2 üblen,  SRUtflnleberbeutfaV$  äöörterbud):  luren,  lauern,  betrügen. 

99 


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r440 

wie  anbete  barin  begriffen  unb  für  fte  follictttret,  e$  wäre  aber 
abfeiten  ©ennemarfö,  wie  t)od>  unb  fef>r  wir  audfj  t>or  fte  in  ben 
conferenciis  gefprod&en,  jeberjeit  objiciret,  bafj  3».  9Jtaj.  ben  ©tobten, 
fo  unter  beS  getnbeS  ©emalt,  feiner  cooperatio,  libertatis  concessio 
et  inclusio  fönnten  geniefcen  laffen,  unb  bafe  man  juoörberft  pro 
eorum  statu  et  commercii  libertate  ftdf)  folte  bemühen,  meld&eS 
fte  tyren  Ferren  ju  hinterbringen  mit  S)anf  angenommen. 

Quibus  finitis  fetnb  mir  burclj  ben  Äöntgl.  SRarfdfjaH  ©ufiao 
SSieldfe  unb  je^n  nobilibus  aus  unferm  ©emadj)  jur  (Saroffen  gefü^ret, 
unb  td&  in  bie  Äöntgltdje,  worin  ber  §err  Stetd&Scanfcler  mit  bem 
älteften  Äöntgl.  ©ommtffario,  §errn  SKatt^ia«  ©oop,  gemefen,  gefefcet, 
bie  anbern  Ferren  aber  in  be$  Ferren  SfteicIjSratt)  ©oopenä  Saroffe 
genötigt  morben,  bei  melden  ber  jüngfie  Steid&Sratt)  £err  Xu^ro 
©parre  gefeffen.  Unter  anbern  I>at  ber  $err  Stetd&Scanfcler,  mte 
lange  mir  auf  ber  Steife  gemefen,  gefragt  unb  ftdf)  über  baS  ju 
ßopenljagen  langmeitige  SSer^arren  oermunbert.  SEBorauf  mir  in  ein 
fd&ön  Äön.  auf  gerietet  ©ejelt  jur  3Jttttag$mat)laeit,  ba  mir  gar 
magnificentissime  et  regie  tractiret,  geforbert  unb  nebenft  bie 
Ferren  Äön.  ßommiffarien  gefefeet  morben,  alba  mir  unter  steten 
pome^men  Ferren  unb  Dfficieren  audfj  ben  $errn  £ugo  ©rotium 
unb  SoutS  be  ©uerre  angetroffen.  §err  ©rotiu*  I>at  ftd&  fogletcfc 
ber  6l)ren,  fo  \\)xa  in  Sübed  gefdf)et)en,  erinnert  unb  atter^anb  dis- 
cursus,  mie  ingletdj)en  ber  £err  SRetd&äcanfcter  pom  statu  Germaniae 
unb  causa  dissidii  membrorum,  mie  audf)  corporis  hanseatici 
initio,  progressu  et  decremento  mootret,  ingtetd&en  mos  für  gute 
GorreSponbenj  it)re  Äönige  mit  tynen  gehabt,  ma£  audf)  in  specie 
für  gute  greunbe  inter  consules  Lubecenses  et  Hamburgenses, 
fonberlidfj  $err  Srofe«,  ber  $err  Sanier  Ijtntertaffen,  unb  na<$ 
ben  ifctgen  Ferren  consulibus  gefraget.  S)arauf  audf)  fort  oom 
§errn  Sanier  nadfj  ber  Äönigtn  ©efunb^eit  ber  ipanfeftäbte  2tuf* 
nehmen  stando  getrunfen  morben.  Starnadj  enbltdf)  t>on  3*.  ®?c 
nad&  gebü^renber  $)anffage  ber  6t)ren  unb  SRecommenbation  unferS 
©emerb«  Wdfjteb  genommen,  ba  er  un$  benn  promitttret,  bafc  er 
tljm  unfer  ©emerb  na<§  3Jtögtidf)fett  molte  angelegen  fein  laffen. 
Sulefct  fjat  §err  ©rottuä  gebaut,  tfet  märe  bie  redete  $eit,  wenn 
man  ber  Äron  ©dfjroeben  mürbe  jutreten,  bafc  baS  collegium  hansae 
fomoljl  a\&  bie  Gommercta  mieber  ad  pristinum  vigorem  fönten 
fommen.Responsum  a  me:  optandum  animitus,  sed  vix  sperandum, 
Ratten  unfere  Hoffnung  auf  bie  Äron  ©darneben  in  biefem  passu 


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zedby  G00gk 


441 

gefe$et,  nostri  aber,  als  bct  ©eringeren,  würbe  beS  Archidami 
consilium  Quiescite  bei  bem  £f)uct)bibeS  in  hoc  neutralitatis 
statu  ju  practtctren  fein,  würben  uns  fonfi  bermafcen,  wie  bereit« 
bem  £errn  SftetdfjScanfcler  gefagt,  ju  comporttren  miffen  (wtewot)l 
in  fo  großen  Sommunen  ntd&t  2ltteS  fo  tbtn  ad  amussim  ju 
ejamtmren),  bafc  bie  Jtron  @df)weben  ein  gnäbigjleS  content  barob 
tyaben  folte.  Quibus  dimissi  unb  wieberumb  nad)  SoSbrennung 
jweier  ©tüdfe  unb  Segleitung  Dieler  Dom  SKbel  fafl  bis  an  bie  ©renje 
concomitiret  worben. 

S5en  11.  3*um  ift  ber  ©anjiger  SpnbicuS  bei  uns  gewefen 
unb  praemissis  curialibus,  ebenmäßig  wie  ©ecret.  StjemnittuS  ju 
©open^agen,  umb  ©ommunication  ber  erhaltenen  Äön.  Siefolutton, 
wie  audj),  was  ferner  negocttret,  angefügt.  £abe  tt)m  geantwortet, 
bafe  fotd£>e  resolutio  bem  £errn  S^emnitio  wäre  commumctret, 
woraus  er  o^ne  3roetfet  würbe  gefeljen  fyaben,  was  in  causa  communi 
obtiniret.  §at  fld&  bebanfet  unb  gemelbet,  bafc  btefe  feine  legatio 
bem  communi  negotio  nic^t  folte  praejubictrlidj  fein,  allbiewetl  jie 
wegen  iljrerStabt  ratione  Poloniae  mit  ©d&weben  anberS  oerf äffet, 
als  nostrates,  berowegen  ad  obtinendam  inclusionem  in  pacem 
er  abfonberltdjj  abgefdfjtdtet,  bafc,  foferne  wegen  ©anjig  a  corona 
Suecica  etwas  regiriret,  er  elibiren  fönne,  f)at  [xä)  fonfien  in 
curialibus  audj  bei  uns  informiren  wollen. 

3)en  12.  13.  ej.  ifi  abermal  von  ben  Sßommerfdfjen  @et>oH* 
mädfjtigten  getrieben  unb  umb  (Sommumcirung  ber  £>änifd&en  ©on* 
cefjion,  fo  fie  aud&  für  iljre  ©täbte  oerftanben,  gebeten  worben.  @S 
ift  tynen  geantwortet,  bafj  bei  S)ennemarl,  fo  Diel  man  aud&  urgiret, 
nid&t  ju  erhalten  gewefen,  bafc  fold&eS  auf  bie  Sßommerfdfje  sub 
protectione  Suecorum  fönte  ejtenbiret  werben. 

S)en  18.,  nad&bem  wir  etliche  Sage  porljero  bem  franjöfifd&en 
Slmbaffabeur,  Monsieur  de  la  Thuillerie,  unfere  (SrebentialeS  ein* 
reiben  lajfen,  Ijat  er  bei  benfelben  jweierlet  ju  änbern  gebeten, 
l,  baß  Ujm  ber  Xitel  Illustrissimus  möd&te  gegeben  werben,  2,  bafe 
was  in  plurali  numero  einwenbig  gefefcet,  in  singulari  möd&te 
geänbert  werben, 22)  weldfjeS,  wie  eS  mutiret  unb  de  meliori  ejcufiret, 


lf)  SBon  JDänematf,  ©djtüeben  unb  «&oflanb  ftaren  mehrere  ©efanbte  an* 
ttxfmb,  *on  SJtanfreid)  nur  einet.  JDaljer  fonnte  in  bem  ©abreiben  an  itjn  niajt 
ber   Hu^btttif  Domini  legati    gebraust  toerben,  fonbern    ed    mußte  Dominui 

29» 


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442 

$at  et  uttg  borauf  bett  18.  ej.  hora  2  pomerid.  Slubtenfe  ett^eitet, 
bo  wir  unfere  ^Propofttion  ,  nad&bem  roit  t>on  feinet  noblesse 
ejxipttet,  latine  abgeteget,  rootauf  et  ftanjöjtfclj  geantwortet,  pot* 
gebenb,  weil  tym  beroufjt,  bafe  rott  bet  ftanjöiifdjen  6ptad&e  funbig, 
TDolte  et  un$  audf)  in  betfetben  antworten:  2$äte  fid&  au  nom  du 
Roy  bebanfen  für  ben  ettljetteten  ©tufc  unb  S)tenjl,  netfidberte  un£, 
wie  bie  Äton  gtanfteidj)  aflejeit  ein  Sluge  auf  biefe  btei  ©täbte  unb 
beto  nodj  übrige  SHIütte  gehabt,  bafj  et  audf)  aifo  roütbe  bei  btefem 
©d&tufc  unfet  Qnteteffe  ju  beobad&ten  roiffen  unb  bie  inclusion  selon 
nostre  desir  ju  befötbetn,  roütbe  abet  nötljig  fein,  bafc  rott  un$ 
junötbetfl,  roie  roit  otjne  3n>eifel  getrau,  bei  ben  fetten  Sßtinäpalen 
angeben.  $etnadf)et  ift  et  auf  bie  Stactaten  fommen  (worin  roit 
feine  9Kü^e  fyöäjlid)  getürmt)  unb  gebaut,  bafc  innerhalb  ad&t  klagen 
ba3  SQBerf  ju  einem  obet  anbetn  ®nbe  fommen  roütbe.  §at  ba* 
neben  etroeljnet,  bafe  bie  fetten  Staaten  in  puncto  commercii 
Oresundici  et  Norwagici  nunmetjto  tidjjttg,  I>at  i^nen  fonflen, 
roie  et  trotgeben,  teptod&itet,  bafe  fte  ttjte  Sad&en  in  biefen  Xtactaten 
alfo  metitet,  unb  biefelbige  aufgehalten  Ratten,  §at  fid^  audj)  fef)t 
beflagt,  bafe  et  in  feinem  Sogement  fo  übel  aecommobitet  roäte, 
potgebenb,  bafe  et  fein  Sebelang  feinen  maigren  Ott  angettoffen, 
roäte  alfjte  bereite  be8  ©tiflliegenä  fefjt  mübe;  fetnet  f)at  et  nad&m 
2Beg  butdjj  SKedtlenbutg  nad&  Sübedf  gefragt  unb  fid&  uetneljmen  laffen,  bafe 
et  getn  mit  uns  in  compagnie  reifen  roollte.  SBotauf  roit  t§m  geant* 
roottet,  unb,  nad&bem  et  füt  ung  aus  bet  chambre  getteten,  un* 
bi8  an  bie  Stiegen,  feine  gentilshommes  abet  btö  an  bie  §auS* 
tfjüt  begleitet,  bimittitet  rootben. 

3)en  19.  t)aben  roit  unfetn  expressum  nadEj  Dflebtoe  in 
Sd&roeben  ju  bet  Vetren  ©enetalftaaten  2lmbaffabeuten  abgefd&tdtet 
unb  fdfjtiftlidjj  bei  benfelben  um  2lubien|  angehalten,  roeld^e  un« 
fdf)tiftÜd&  geantroottet  unb  horam  2  pomerid.  beS  anbetn  SageS 
angefefcet,  alba  roit  bem  etfd&ienen  unb  in  be«  ältefien  §ettn, 
3acob  be  SBitte,  Sgnbict  ju  S)otbted&t,  Sogement  bie  anbetn 
btei  Jpetten,  alg  ©etbett  ©d&aap,  Sütget  ju  Sfotftetbam,  roegen 
§ottanb,  Slbted^t  ©onbt  roegen  ©eelanb,  unb  Dr.  3oadj)tmum  SStabtee, 
ein  ©ttalfunbet  üon  ©ebutt,  roegen  bet  Sßtomnj  SBefiftieälanb,  ba^ 
felbfi  etroattet,  roeld&e  aud&  alfobalb  angelanget.    Unb  nad&bem  roit 

legatus  feigen.  JDie  Änrebe  in  bem  <5bxtibtn  lautete  fcoflfiänbla,  alfo:  Serenissimi 
ac  potentissimi  Galliae  et  Navarrae  regia  Christi  anissimi  domine  legate, 
illustrissime,  ezcellentissime. 


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zedby  G00gk 


443 

in  ein  93auer*£ogement  in  bet  ©tube  neben  iljnen  ju  ftfce*  genöt^ißet, 
fjabe  iö)  meine  ^Jropofttion  praemissis  curialibus  bei  benfelbigen 
abgeleget,  worauf  £err  2Bitte  geantwortet  unb  ft<$  wegen  beS  ju* 
entbotenen  nad&bartidfjen  OrufeeS  bebanfet,  unb,  wie  Ordines  Belgii 
in  alle  intern  Xfyun  auf  bie  löblid&en  §anfeftäbte,  tnfonberfjett  auf 
biefe  breie,  als  i§re  alten  greunbe  unb  33unbeSt>erwanbten,  ein 
gro&eS  abfegen  hätten,  als  wolten  fte  audj)  feine  Dccafton  aufeer 
SC^t  taffen,  worin  fte  it)nen  angenehme  greunbfdfjaft  erwetfen  fönten; 
unb  weil  btefelben  in  puncto  conversationis  commerciorum  mit 
uns  conimunem  causam  Ratten,  als  wolten  fte  in  biefen  Sractaten, 
in  welchen  iljnen  nun  bie  SRebiatton  t>on  ben  Danis  benommen,  fo* 
wol)l  für  uns  als  iljnen  üigtttren,  Ratten  aber  wünfd&en  mögen, 
ba&  wir  iljnen  anfänglich  mit  beigetreten,  wäre  aber  3*ü  genug, 
weil  ©ennemarf  bodfj  auf  anbere  SEBeife  ftdfj  ntd&t  würbe  Riefen ;  allbie* 
weil  aber  unfer  ganjer  3roedt  jielte,  in  biefen  ^rieben  na<§  bem  alten 
£erfommen  unb  Verträgen  etngeföloffen  ju  fein,  mödfjten  fte 
gern  wiffen,  was  in  eo  puncto  wir  bei  S)ennemarf  erhalten. 
SBorauf  i^nen  Apertur  getfjan,  was  bei  ben  confereneiis  fürgefallen 
unb  was  enbltd)  barin  obtiniret,  wie  jwar  ntd&t  expresse  in  reso- 
lntione  Danica  seeundum  pactiones  antiquas  wir  inclubiret  }U 
werben  erhalten,  befonbern  ba§  eS  babei  geblieben,  bafe  man  uns 
in  biefen  ^rieben  generaliter  folte  etnfd&tte&en,  cum  hac  clausula 
reservatoria,  bafj  bie  Obferuanft  ber  alten  Verträge  ju  anberer 
3eit  folte  auSgefefcet  werben,  unb  bafe  baneben  uns  oerfprod&en, 
waS  in  puncto  remissionis  telonii  Oresundici  bie  Ferren  Staaten 
würben  erhalten,  bafe  audfj  wir  foldj)eS  f ölten  ju  genießen  f)aben.Respon- 
dit  £err  ©d&aap:  fte  uernäljmen  wotyl,  bafe  ber  ßönig  ebenfo  mitunS, 
wie  mit  iljnen,  bie  legten  30  unb  40  3atjre  gefpielet,  bafe  man  uns, 
als  iljnen,  feiner  Verträge  geftänbig,  Diel  weniger  etwas  confirmiren 
wolte,  fte  Ijätten  eS  aber  nunmeljro  fo  weit  gebraut,  bafe  ber  3<>tt 
folte  rebuciret  werben  in  tfjeils  Söaaren,  wie  er  Ao.  1628  gewefen, 
t^eilS,  wie  er  Ao.  1600,  unb  tfjetlS,  wie  er  Ao.  1567  gewefen,  wie 
bie  rebucirte  unb  geänberte  Stolle  mit  mehren  werbe  auSweifen, 
unb  bafj  foldjjeS  auf  40  3aljre  folte  ejtenbirct  werben,  cS  wübe 
aber  hierin  iKtdjtS  gefdfjloffen,  elje  cum  Suecis  ber  Sßunft  asse- 
curationis  realis  ganfe  abgefjanbelt  unb  alfo  biefeS  pari  passu 
geljen  fönne.  ©ie  Ratten  fid&  aber  ju  feiner  ©egenpraeflatüm  t>er* 
pflidfjtet  ©afe  wir  nun  biefeS  folten  mit  ju  genießen  fyaben,  gönnten  fte 
uns  als  iljren  feljr  guten  greunben  gern,  wolten  audfj  femer  unfere 


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zedby  G00gk 


444 

negotiorum  gestores  fomofyl  in  btefem  als  @lfidffläbttfd&en  3°^ 
her  ßrincipaliter  bic  ©tobt  Hamburg  concerntrte,  fein,  müfeten  aber 
ba$  Unfrige  audjj  babei  tfjun.  ©arauf  regeritet,  bafc  3.  ®jc  mol>l 
bemufct,  bafc  bie  Stäbte  nunmeljro  nid&t  in  folget  Sßoftur,  bajj  fxe 
ftd)  gegen  fo  f)of)e  Potentaten  alfo  fönten  auStaffen,  müßten  billig 
auf  3.  £odj)mögenbe,  als  bie  mit  f)ot)er  §anb  fämen,  sicuti  com- 
merciorum  propugnatores  Ujr  abfegen  t)aben,  mit  fernerer  93ttte, 
tljnen  biefeS  commune  commerciorum  conservationis  et  inclusionis 
negotium  grofegünfHg  laffen  recommenbiret  fein.  Quod  Uli  pro- 
miserunt.  S)amadj  benn  gefragt  morben,  mos  mir  benn  für  Kaution 
unb  SBerftd&erung  begehrten.  Responsum,  bafe  mir  un£  mit  Äönig* 
liefen  Sßromeffen,  ipanb  unb  Siegel  müfeten  contentiren.  Uli  wollten 
pdf)  aud)  jmar  fürerft  mit  be£  ÄöntgS,  be£  $rtnjen  unb  ber  Sfteid&ä* 
rät$e  §anb  unb  Siegel  contentiren,  mo  nid&t,  molten  fie  armis 
baju  tyun,  roa&  baju  gehöret,  morauf  regeriret,  bafc  bie  Jpod&mögen* 
ben  Ferren  billig  eventualiter  fold&e  remedia  gebrauten  fönten, 
mit  und  aber  märe  e$  ein  Slnbere«  unb  müßten  un«  in  statu 
neutralitatis  confertriren. 

S)en  22.  ej.  traben  mir  ben  ©anfctger  Slbgefanbten  trifitiret  unb 
feinb  SHbenbS  bei  iljm  jur  2Rat)ljeit  geblieben,  mobei  er  uns  referiret, 
\w&  er  für  discursus  mit  bem  3tetd(j3can|}ter  Dd&fenftirna  gehabt, 
unter  anbem  ermefjnet,  bafe  feine  gnäbigfte  Königin  bei  i^rer  ange* 
tretenen  ^Regierung  brei  grofee  victorias  gehabt:  1.  benSucceää  in 
§otfiein,  2.  ben  Steg  gegen  ben  Äaifer,  3.  ben  Seefteg  über  bie 
S)änen,28)  quibus  cancellarius  addidit,  bafc  Sie  ba^in  au<$  4.  bie 
Occupation  beS  93remifd&en  ©rjbtetfjumeS  regneten,  au&  meinem 
Septem  mir  fofort  conjeeturiret,  bafe  biefeä  ©rjftift  bei  biefen  $rac* 
taten  mdfjt  leidet  merbe  inclubiret  merben. 

S)en  23.  ej.  fjaben  mir  ingefambt  ben  gürftl  §olfletmfd&en  SMm 
gefanbten,  SRtcolauS  oon  Qualen,  tnfitiret,  meldfjer  unä  für  ber 
Stiegen  ejxiptret  unb  simili  modo  mieberumb  bimittiret. 

S)en  25.  $abe  id&  a  part  ben  granjöftfd&en  Slmbaffabeur 
tnfitiret,  ber  ftd&  mit  mir  in  aUer^anb  ©efprädfc  eingelaffen,  unb 
mie  idjj  tym  ein  ^rojeet  unferer  begehrten  ^nclufion  gejetget,  §at  er 
promittiret,  fold&eS  ju  beobad&ten  unb,  mann  e8  &t\tf  ju  erinnern, 
jjat  ebenmäßig  gute  SBertröftung  futurae  pacis  gett)an  unb  erme^net, 


M)  ©eijer,  ®ffd)id)te  €d)weben«  ©b.  3,  ©.  349.    «Ken,  ®efäidjte  M 
JWnfgtefd)*  $)änemarf  <S.  335. 


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445 

bafj  alle  Danici  legati  felben  £age£  würben  ju  tym  lommen, 
worauf  et  e|tidj)e  Sage  ftdfj  §inau$  ju  bert  fetten  Suecis  würbe 
begeben  unb  fid^  von  ben  utrinque  aufgefegten  ^rojecten  unter* 
reben. 

S)en  86.  §at  ber  gürftl.  §olfteinifd^e  3lbgefanbte  von  Dualen 
feine  SBiftte  bei  un$  abgelegt. 

27.  ift  Havelandus  nomine  communi  bei  betn  einen  ©tätigen 
ämbaffabeur,  Dr.  ätabreä,  gewefen  unb  gute  33ertröfhmg  beS  grieben« 
oermetbet 

S)en  1.  Quli  $abe  idjj  mit  betn  §atnburgifd)en  SHbgefanbten  bei 
bem  graniöfifd^en  Slmbaffabeur  unfer  commune  negotium  femer 
recommenbiret,  weldfje«  er  ju  testet  3eit  in  Stdfjt  ju  nehmen  vtx* 
fprod&en,  babenebenft  berid&tet,  bafe  e8  mit  ben  ©d&webiföen  unb 
$ottänbtfd&en  ißofiulaten  feine  9Wd&ttgfett,  unb  bafe  eg  nunme^ro 
barauf  ftfinbe,  bafe  bie  ©änifdfjen  ifyct  ©egen*articulos  probuctrten, 
worunter  einer  wegen  beS  @rjjltft<8  ber  gröfeejle  wäre.  SSermelbete 
aud&  bie  Uebergabe  beS  ©d&toffe$  JBorn^olm. 

2.  %vli  Ijaben  wir  bei  ben  ©dfjmebifd&en  sperren  Sommiffarien 
umb  eine  abermalige  gonferenj  angehalten,  barauf  unä  geant* 
wortet,  weil  ber  granjöfifd&e  ämbaffabeur  efeltdfje  Sage  mit  iljnen 
ju  conferiren,  bäten  fte,  wir  motten  un«  nodjj  efclid&e  Sage  gebulben, 
wolten  uns  $tit  unb  Ort  wiffen  laffen.  £ernad)  §aben  fie  un$ 
ben  4.  ej.  burd&  tyren  einen  Srompeter  fd&riftlidfj  angebeutet,  bafc 
wir  ben  5.  ju  ©überadter  in  ©Sweben  erfreuten  motten,  welkem 
wir  audt)  gebü$rltd(j  nad&gelebet  unb  anbern  Sage«  hora  2  pomerid. 
bafelbfi  anfommen  unb  bur<$  mtd&  vorgetragen  worben,  bafe  wir 
oerneljmen,  bafe  bie  tractatus  nahebei  ju  (Snbe,  berowegen  3.  @jc. 
wir  föulbigftermafeen  aufwarten  wolten,  ©erofelben  normalen  con- 
servationem  commerciorum  et  inclusionem  in  hanc  pacem  ante 
hoc  petitam  recommenbiren  unb  im  -Kamen  unferer  Ferren  Dbern 
beSmegen  unterbtenftlidf)  Slnfud&ung  tyun.  §err  9letd&8canfcler  Ddfrfen* 
fürn  entfdfjulbigte  ftd&  barauf,  bafe  ©ie  ung  nid&t  alabalb,  wie  wir 
umb  2lubienj  angehalten,  biefelbige  oerftatten  fönnen,  motten  foldjje 
moram  ntdfjt  übel  oermerfen.  2luf  unfer  petitum  aber  warb  geant* 
wortet,  bafe  ©ie  jwar  nodf)  in  spe  et  metu  wären,  bod>  aber  meljr 
Hoffnung  als  $urdf)t,  bie  SIjür  wäre  nid&t  jugetljan,  ftünbe  nod& 
t^eite  offen,  tyeite  aber  wolte  fte  juge^en.  ©ebad&te  barauf  mit 
oielen  SBorten  ber  (Sffronten  unb  Porten,  fo  ifjnen  a  rege  Daniae 
begegnet,  barumb  fte  biefen  Ärieg  anfangen  muffen,  unb  weil  wir 


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zedby  G00gk 


446 


inclusionem  in  triefen  grteben  fud&eten,  motte  er  gern  nernelpnen, 
auf  maS  maßen  mt*  biefelbige  begehrten,  wir  müßten  ja  bie  ad&t 
SBod&en  über  bei  ber  Äron  ffiänemarf  etwa«  tractitet  fcaben,  bäte 
um  ©röffnung  beffetbigen,  mte  mett  mir  batinne  gefommen  unb 
worauf  baffelbige  beruhete,  bamit  fie  ftd)  iljreS  Orte«  in  etmaS 
barnad)  fönten  rieten,  fonften  möd&te  es  nod&  jule|t  SMfficuttoteu 
geben,  gebaute  aber  babei,  baß  mir  bennodf)  fold&eS  Segelten  ni$t 
übel  aufnehmen  motten;  maS  fie  miffen  möd&ten,  begehrten  fie  nur 
oon  un«  ju  nernetymen.  Ego  Ijabe  geantwortet,  baß  mir  uns  not 
ber  befdfjeljenen  Styertur  megen  beS  griebens  bebanften,  münfd&ten 
non  $erjen,  baß  berfelbige  möchte  jum  guten  (Snbe  geraten.  S3c* 
langenb  unfere  SSerridfjtung  ju  ßopen^agen  bei  3.  3Raj.  tmn  J)enne> 
marl  mären  (mie  nor  biefem  föon  in  etwa«  eröffnet)  mir  wibet 
alle*  SJermutf)en  fo  lange  aufgehalten,  anfangs  Ratten  mir  für  alle 
§anfefiäbte  auf«  fleißigfte  angefudfjet,  baß  fie  nermöge  ber  alten 
Verträge  unb  $erfommen  motten  in  ben  bejubelten  ^rieben  in* 
clubiret  merben,  allein  mir  Ratten  gefeljen,  meil  bie  S)ennemarfif<$eu 
Ferren  ^Deputaten  ba^er  ansam  genommen,  baß  fie  particularia 
gravamina  oon  uns  begehret  ju  miffen,  barauf  mir  aber  ntdjt 
inftruiret  gemefen;  baß  uns  barin  nid&t  Ijätte  mollen  gratificiTet 
merben,  beromegen  mir  uns  bamit  hätten  muffen  begnügen  lajfen, 
baß  mir  bie  Qnclufion  t>or  bie  ©täbte,  metd&e  nid)t  sab  protectione 
ber  Ärone  ©d&meben  mären,  cum  reservatoria  illa  clausula  erhalten, 
baß  bie  Dbfemanfe  ber  alten  Serträge  bis  ju  anbern  3«iten  für 
bieSmal  folte  auSgefefcet  bleiben,  unb  baß  bemelte  ©täbte  inmittelft 
in  ben  Derefunbifd&en  3olIen  baS  folten  ju  genießen  f>abenr  mie 
bie  Ferren  ©taten  ©eneral  baffelbige  bei  biefem  grieben  er^anbeln 
mürben.  SBBit  Ratten  jmar  coinmuni  nomine  für  alle  beS  §anfif<$en 
SBunbeS  SSerroanbte,  unb  alfo  für  bie  ^ommerfdjen  unb  9RedHen* 
burgifd&en  ©täbte  mitgefprod&en ,  allein  3-  Wa\.  oon  ©ennemarf 
Ratten  non  uns  begehret,  baß  mir  uns  erftlid)  ba^in  bemühen 
motten,  baß  fie  in  ben  freien  ©tanb,  barin  nor  ©d&mebifd&er  8c* 
faßung  fie  gemefen,  mteberum  gefefcet  mürben,  alSbann  bie  libertas 
commerciorum  tamquam  accessorium  aud)  erfolgen  folte.  SBir 
Ratten  jmar  unfern  äußerfien  gleiß  angemenbet,  foldjje  angeführte 
SJtottoe  auS  bem  SBege  ju  räumen,  gefialt  mir  baju  atter^anb 
nötige  rationes  beroegfam  etngeffiljret,  eS  fcätte  aber  ntdfjt  Reifen 
motten,  fonbern  3. 3Jtoj.  mären  babei  werblichen,  baß  mir  alfo  weiter 
ntdjt  barin  bringen  fönnen. 


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zedby  G00gle- 


447 

Dns.  Canc  Od&fcnflirti :  Sie  f)ätten  fonflen  gerne  gefehlt ,  bafe 
man  her  ^omtnerfd&en  ßanfefiäbte  3»ntereffe  beffer  urgtren  mögen, 
tamit  fie  aud&  beffen  fä^tg  werben  fönnen,  roa&  bie  anbem  $anfe* 
ftäbte  geniefeen  würben;  ob  fie  mol)l  ©d&mebifd&e  ©armfonen  ein* 
genommen,  fo  träten  fid^  bodf)  nid&tö  }u  biefem  Äriege,  contribuirten 
<mi)  ntc^t  einen  geller,  matten  fidf)  audf)  fonften  biefe«  ÄriegeS  mdjt 
tfjeilljaftig,  ja,  ©tralfunb  tamquam  caput  illarura  civitatum  wäre 
mit  SSiffen  unb  SBiflen  3.  2Kaj.  von  S5ennemarf  mit  ©d&roebifd&en 
88(fem  befefcet  morben;  wie  biefelbe  ben  ^rieben  Ao.  1629  mit 
bem  SRömifd&en  Äaifer  ju  Sübedf  gemadfjet  unb  fte  tyr  33olf  muffen 
batauS  nehmen,24)  märe  baburdfc  3».  9Raj.  von  ©d&meben  ©el.  mit 
bem  Äaifet  an  einanber  geraden,  unb  $ätte  bie  ©tobt  nid^t  bie 
6$roebifd>e  39efa|ung  befommen,  fo  märe  fie  fd&on  längft  burdf)  ben 
bamaügen  baoor  gelegenen  ÄatferÜd&en  executorem  bebeHiret  unb 
tuinitet,  bafc  alfo  fte  nod^ft  ©Ott  bie  ©tabt  confemiret  unb  fte  beffen 
billig  3)anf  meritirten;  bie  anbem  $ommerfd)en  ©täbte  mären  ja 
auefc  faft  gonj  a  Caesarianis  ruiniret  geroefen,  roie  er  bann  mit 
Sa^eit  fagen  fönte,  als  er  märe  in  (Solberg  gefommen,  bafe  ba* 
Jelbft  nid)t  100  Käufer  mef>r  geflanben,  beromegen  3.  SWöj.  t>on 
$ennematf  feine  Urfadfc  gehabt,  bie  guten  ^ommerfdfjen  ©täbte  ber* 
gefialt  als  getnbe  ju  tractiren,  bie  Äron  ©darneben  f)ätte  ftd&  ü)rer 
ote  i^tcr  ®unbe3t>ermanbten  muffen  annehmen  unb  Ratten  beS* 
wegen  für  i^nen  gerebet.  5Da&  mir  audf)  mären  jo  balb  t)on  ben 
alten  Verträgen,  bie  an  fid&  mürben  flar  fein,  abgetreten,  müßte  er 
nidjt,  ob  mir  mo^l  baran  getrau  ptten,  er  hielte  bafür,  menn  mir 
beffer  barauf  gebrungen  unb  un«  härter  gehalten,  ber  Äönig  oon 
$ennemarf  märe  mofyl  ju  anbem  ©ebanfen  gefommen,  hoc  addito, 
ob  mir  ben  Ferren  ©tatifd&en  2lmbaffabeur$  nid&t  Ratten  Stpertur 
baooii  gemad&et,  bafc  mir  tynen  abaequiret  merben  fotten.  Respon- 
sam,  bafe  mir  unfer  Sleufeerfte*  getfjan  megen  ber  Sßommerfd&en 
Stibte,  aud)  jmei  ganje  Konferenzen  bamit  jugebrad&t,  unb  genug* 
fam  temonfkiret,  bafe  mir  fie  ate  unfere  Sunbeäuermanbten  nidfjt 
tofieit  fönten,  mie  ftdfj  aber  bie  Äömglid&en  ©eputirten  burdfoaua 
nidjt  baju  oerfte^en  motten,  Ratten  mir  iljnen  enblid)  expresse 
gefagt,  roeiln  3.  ÜRaj.  benn  ntdjt  leiben  motten,  bafe  mir  als  $)ero 
8unbe$oermanbten  oor  tljnen  fpred&en  folten,  fo  mürben  ftd&  tuelleid&t 


M)  $$!.   bie  3>ar9ettung  bei  £>Ho  fcotf,  »ügffd^ommerfäe  ®efäid>ten, 
B*.  *,  8.  193  ff.  unb  319—321. 


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zedby  G00gk 


448 

SÄnbcte,  bie  mit  Ijoljer  Autorität  uub  Sffect  bauon  teben  fönten, 
baju  ftnben.  SBegen  ber  alten  Verträge  Ratten  mir  au<$  aüe  unfere 
©enoiren  getljan,  allein  es  Rotten  bie  2)ennemarftf$en  jperren 
Deputirten  baburd)  Gelegenheit  gefugt,  von  un8  specialia  gravamina 
}U  forbern,  e*  Ratten  aud&  biefelben  fonberlid)  ftd)  befürchtet,  bafe 
man  btefe«  Drte«  bie  alten  ©treitigfetten  mürbe  regen,  unb  bafe 
bie  ©tabt  Hamburg  wegen  be«  ©lüdffiäbtifd&en  Sollen  il>re  9lo$< 
burft  werbe  beobad&ten,  beromegen  fte  begehret,  ba&  mir  utile« 
gravamina  alba  folten  oorbringen,  bamit  biefelbigen  alba  abgetönt 
merben  motten,  meld&eä  aber  ju  nirgenb«  anber*  märe  abgefe^e* 
gemefen,  als  bafe  man  und  aufhalten  unb  aüer^anb  SWittel  unb 
SBege  fudjen  motte,  bamit  mir  ni$t  antjero  nerfiattet  mürben.  2Bfc 
Ratten  audj  baffelbige  bem  &errn  ^oHänbifdjen  Smbaffabeur,  toad 
mir  in  puncto  telonii  Oresundici  negoeüret,  na<$rid)tUd>  Der* 
melbet,  meld>e  e£  und  als  tyren  alten  SunbeSuermanbten  unb 
greunben  gerne  gegönnet,  ftdj  aud)  }u  allen  offieiis,  bie  fte  ben 
@rb.  ©tobten  leifien  fönten,  nomine  prineipalium  anerboten.  S)er 
#err  SReWfrScanfcler  antwortete,  megen  be«  ©lüdftöbtifd&en  3oQe« 
märe  etmaS  fürgefallen  unb  fallen  Sueci  ber  guten  ©tabt  Hamburg 
gerne  geholfen,  e$  fcfcetne  aber,  bafe  Hollandi  bie  Jpanb  motten 
jurücfejie^en.  Ad  ea  Dn.  Leg.  Hamburgensis :  in  bem  &oü  mären 
fomoljl  bie  Ärone  ©d)meben  als  bie  ©tabt  Hamburg  interefftrt, 
molte  biefelbige  nun  ob  commune  interesse  nid)t  mitfpre<&en,  fo 
mürbe  bie  ©a$e  ber  ©tabt  Hamburg  ju  ferner  faDen,  fonjien  aber, 
menn  ber  Äron  ©djmeben  unb  §oflanb*  Sntereffe  abgetan  märe, 
mürbe  bie  §anblung  ju  (Sopenfjagen  befto  letzter  gemattet  merben. 
Dn.  ffiancellariuS  fam  bann  mieber  auf  ber  ©täbte  Segelten  ratione 
inclusionis,  fragenb,  roa*  fte  bei  ben  S)ämfd)en  bann  Dementen 
folten,  bie  il>m  fagen  mürben,  bafe  fte  ft<$  mit  ben  ©täbten  a  pari 
mürben*  abfinben.  Ego  respondi  unb  gab  iljm  ju  nernetjmen,  bafe 
bie  6rb.  Stäbte  3*.  @jc.  bamit  nidjt  motten  befci&merlid)  fein,  bog 
fte  bei  ©ennemarf  grojje  SKü^eroaltung  folten  auf  ftd)  nehmen,  fä$en 
fonjien  gern,  menn  bie  Äron  ©darneben  ben  <£rb.  ©täbten  etma$  ju 
©ute  unb  -Rügen  oerrtdjten  molte,  mir  Ratten  bei  ber  Äron  Staute* 
marl  bie  Qnclufion  norgemeltermafeen  f$on  in  eventum  be* 
erfcanbelten  griebeng  erhalten,  &  Äön.  SDlaj.  ju  JDennemarf  Ratten 
biefelbe  i&re  Ferren  Gommiffarii*  au$  recommenbiret,  meld)e  bann, 
mie  mir  Äubienfc  bei  tynen  gehabt,  fiefc  &o$günfttg  erfläret,  &  SRaj. 
Sefe^l  barin  nadjjuleben   unb  bie  Qnclufion   i>orberft$rtermajjen 


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zedby  G00gle- 


449 

barht  ju  beobachten.  SBir  böten  bemna<$,  3».  @?c.  motten  aud& 
geru&en,  bie  @rb.  ©täbte  IfjreStyeüS  eutjufdjltefeen,  unb  Ratten  mir 
beäljalb  eine  unverfängliche  SRotul  aufgefegt,  wie  wir  oermemten, 
bei  ber  t)odf)löbltdf)en  Äron  6<$meben  etngefd&loffen  ju  merben;  menn 
e£  3f.  @jc.  nid&t  jumiber  märe,  motten  mit  ©erofelben  fold^e  über* 
reiben,  aber  berfelbigen  gar  nidjjta  oorgefdjrieben  tyaben,  mie  wir 
audfj  bäten,  baffelbige  nid&t  anberS  aufzunehmen,  unb  übergab  t<$ 
barauf  bie  conetpirte  notulam.  Perfecta  illa  gebaute  ber  $err 
ganzer,  bafe  batin  ber  alten  Verträge  gebadjt  würbe,  meld&e  SBorte 
fünftig  fönten  Streit  geben,  benn  eS  §ätte  fonbcrlid^  bie  ©tabt 
Sübedf  mit  ber  Äron  ©d&meben  unterfd&ieblid&e  Verträge,  meld&e  tyetl« 
gar  nid&t  mefjr  in  Dbjeroanfc  wären,  t^eite  aber  nodjj  mot)l  in 
vigore  fein  motten,  unb  Ratten  bie  £anfeftäbte  auef)  für  Sauren 
m  Ao.  1607  nodfj  £rn.  Dr.  S)omannum  beämegen  in  ©d&meben  gehabt,26) 
bafe  er  SBeS  in  SRidjjtigfeit  bringen  foBen,  aBein  baffelbige  gehörte 
nid^t  an  biefen  Ort,  benn  man  trieBeidjjt  fünftig  ©old&e$  aufnehmen 
motte  als  eine  confirmatio  privilegiorum,  metd&e£  fte  aber  nid&t 
Dermöd&ten  ju  tl)un,  mir  mürben  mof)l  einmal  beSljalb  nadf)  ©toef* 
§olm  fommen  unb  ein  mandatum  beibringen,  fo  fönten  bie  ©ad&en 
ba  gefdf)ltdf)tet  roerben;  ober  eä  mürben  bodf)  bie  ©täbte,  fonberltdf) 
Sübecf,  bei  $.  9Raj.  ifeo  angetretener  Stegierung  ©elegenljeit  nehmen, 
ber  ©emotyntjelt  nadjj  biefelbe  ju  gratuliren,  mofelbft  ©old&eä  pflegte 
gefudfjt  ju  merben.  fragte  fonften  subridendo,  ob  mir  t>ermeinten, 
mit  fold&er  ^fnclufion  o£ne  einige  meitere  2lffecuration,  baoon  mir 
iljm  bie  9totul  überreid&et,  geftd&ert  unb  oerroafyret  ju  fein,  bie 
J&oDänber  Ratten  ifyrer  @a<$en  falber  einen  fonberltd&en  Sractat 
gemad&et. 

Responsum,  mir  perfiünben  in  hac  formula  inclusionis  feine 
anbere  Verträge,  afe  meld&e  oon  Sauren  ju  Sauren  oon  benffönigen 
in  ©djmeben  conftrmiret  mären  unb  bie  feinen  Streit  Ratten, 
müjjten  un«  aber  feiner  ftreitigen  Verträge,  fo  bie  ©tabt  Sübedf  mit 
ber  ftron  Ijätte,  ju  erinnern,  fonften  aber  mürben  Sübecf  unb  bie 
anbem  ©täbte  tf)t  ©ebü&r  miffen  ju  beobachten  unb,  ma«  gemöljn* 


ls)  1607  unb  fefcon  früher  fanben  SBerljanblungen  in  (Palmar  jwitd&en  9IB* 
georbneten  ber  «&anfeftäbte  unb  bf«  äönig«  Staxl  IX.  von  ©ßroeben  ftatt,  um 
SRiffteüigfeiten  jtoifcfcen  Sefrtcrem  unb  ber  ©tabt  Sübecf  ju  fd)lid)trn.  3)abei  fear 
ein  Sübecfifcber  ©efanbter  niAt  antvefenb.  $)er  Jtonig  vergiftete  fcblfejjlid)  auf 
bie  ton  tym  wegen  vermeintlicher  ©efcfcäbfgungen  in  Slnffcruä)  genommene  ©emig* 
tynung,  erflärte  aber  Sübecf  feiner  Privilegien  verlufrig. 


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zedby  G00gk 


450 


U<$  gemefen,  audj  bei  3.  ÜDfaj.  attgetreteitet  ^Regierung  congrata- 
lando  }u  feiner  3eit  in  äldjt  }u  neunten;  unb  atebann  jriefletdjt  bic 
Sonftrmation  ber  Sßrunlegten  unb  Verträge  jugtei^  mit  fudjen; 
wegen  ber  SSerftd&erung  müßten  mir  3.  3Raj.  uon  JJennemarf  föntg* 
tiäjer  parole  vertrauen,  ntd&t  jmetfetnb,  bafe  ©te  felbige*  galten 
mürben,  roaS  Sie  unä  nerfprod&en. 

Resp.  Cancellarius:  ©ie  motten  bie  SRotul  bei  fu$  behalten  unb 
barau«  mit  bero  Ferren  goHegen  confertren,  e$  mürben  efclidje  ein* 
gefd&loffen  au«  greunbfd&aft,  efclidje  aber  barumb,  bafe  fte  ben  ©ffed 
be$  ^rieben«  genießen  motten;  xo^nn  un8  nun  baffelbige  nü&t 
folte  gehalten  merben,  ma$  3.  SRaj.  x>on  ©ennemarf  promittiret, 
quid  tum  ?  bie  ©täbte  fjätten  bei  biefer  Oelegenfceit  mo^I  befier  ifyct 
^abenben  Sfted&te  in  2ld&t  nehmen  fönnen.  Ego  fagte,  e$  Ratten  bie 
©täbte  bei  biefem  3uflanbe  nid&t  miffen,  meiter  ju  gefjen  unb  anbere  t 
SJttttel  jur  Jpanb  ju  nehmen.  Dn.  Cancell.  gebaute,  Hollaodi 
fü^reten  feinen  Ärteg,  bennodfc  aber  Ratten  fte  iljre  ©ad&en  bei  triefen 
Seiten  unter  ifcren  SBaffen  in  9Hdf)tigfeit  gebraut  Ego :  e$  f^atte 
eine  uiel  anbere  ©efd&affenfjeit  mit  ben  Ferren  Staaten,  als  mit 
ben  ©täbten,  jene  tönten  armis  i^re  jura  t>ert|eibigen,  biefe  aber 
mären  ntd&t  meljr  in  ber  Sßoftur,  barin  fte  für  Sauren  gemefen 
mären,  unb  folten  fte  fi<$  folgern  bello  impliciren,  fo  ginge  e$  ju* 
lefct  finito  bello  bod)  über  bie  ©ertngeren,  mel^e  bie  ©täbte  mären, 
auä,  fte  Ratten  fidf)  berfjalben  nadj)  2Köglid&feÜ  in  8d&t  ju  nehmen. 
Cancellarius:  ©oltegriebe  merben,  fo  $ätte  eS  feine  SBege  mit  ben 
commereiis,  mo  nid&t,  fo  folten  fte  in  totum  frei  ober  in  totum 
verboten  fein,  unb  mürbe  atebann  bie  Dftfee  ein  fold&eS  Staubnefl 
merben,  bafc  man  nid&t  gemeinet  ptte.  Nos:  fjoffeten,  ®ott  ber 
§err  folte  nodj)  ®lüd  jum  ^rieben  geben,  fonjl  mürbe  man  auf 
mibrigen  gaü  ju  anbem  consiliis  fd&retten.  Quo  discursu  finito 
Ijabe  iä)  auf  empfangene  Drbre  megen  ber  2Bi$marfd&en  SSerrät^erei 
3.  ®jc.  au<$  informiret,  unfer  SBürger  Unfd&ulb  remonfhiret  unb 
mit  ben  documentis  fold&e  bemeifen  mollen,  mit  Sitte,  3.  ©je. 
baffelbe  t)od&günftig  conftberiren,  bei  3-  SRaj.  de  meliori  ejeufiren 
unb  unfere  unfd&ulbtge  Bürger  auf  freien  gufe  mieber  fommen 
laffen.26)  Cancellarius,  meil  nidj)t3eit  übrig,  $at  begehret,  bafe  man 


")  2>er  9toty  $atte  fämmUidje  bie  Untetfudmng  gegen  Södrget  Betreffrnbm 
Seien  ben  fcbgeorbneten  gugefanbt  mit  bem  auftrage,  beut  @$totbffdpn  9tei$** 
tangier  bie  erfetbedi^en  Sftttfylinngen  gu  ma^en. 


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451 

Ujm  bie  probucirte  2)ocumente  ad  perlegendum  (äffen  möd&te,  Ijat 
fidj  fonft  barouf  ntd&t  crflären  formen,  fonbern,  wetln  et  bte$  gactum 
mit  onbern  odiosis  actionibus  in  3JUfebtaudj  bet  $äjfe  unb 
mörblid)en  Stnfall  beS  2lbmiral  33lume  unferer  Sürger 27  cumutiret, 
tyxt  er  nid&t  wenig  bie  SHäaffectton  gegen  bie  ©tabt  ßübedf  batnit 
etblidten  laffen.  Nos  t)aben  magistratum  naä)  STOögtid&feit  eycufiret, 
bero  ©ifer  unb  SSetbot  genugfam  angejeiget,  unb  bafe  fic  hierin 
träten,  wa$  immer  menfd&*  unb  möglich,  fonberlid^  in  Ausfertigung 
ber  Sßäffe,  worin  bie  Bürger  mit  ausgeredeten  gingern  fd&mören, 
bafe  fold&e$  Ujr  unterbotenes  ©d&iff  unb  ©ut  wäre,  mürbe  audfj  von 
ben  Secretariis  unt$rfdf)rieben;  bafc  nun  bo$f>afttge  eib*  unb  e§r> 
©ergeffene  Seute  barwtber  fjanbelten,  fold&e  an  anbere  oerfauften, 
fönte  magistratus  nid&t  bafür,  märe  aud)  eine  Smpoffibilttät,  fold&e« 
von  tynenjuforbern;  man  f ölte  bie,  weld&e  man  attrapirte,  gebü^renb 
ftrafen,  fold&eä  mürbe  magistratus  audf)  tljun,  fönte  nid^t  mel>r 
bajU  fagen,  in  magnis  civitatibus  magna  vitia  et  variae  hominum 
passiones,  mie  bie  Garthaginensis  ben  Romanis  antworteten,  ba 
i^nen  aud&  megen  efcltd&er  iljrer  ungehaltenen  Bürger  etwas  x>orge> 
worfen:  non  est  toti  civitati  imputandum,  quod  a  quibusdam 
illius  civitatis  privatim,  non  autem  publico  consilio  fit.  hierauf 
&at  ber  $err  SReidjjScanfcler  geantwortet,  ©te  gelten  magistratum 
entfd&ulbigt,  nur  bafj  fie  mit  weniger  ©onnioenft  gegen  ein  ober 
anber  etwas  härter  animaboertiren  motten,  benn  xomn  fie,  Sueci, 
e8  traten,  möd&te  man  e$  nid&t  gern  fe^en.  3Bir  repettrten,  excu- 
sando  magistratum  de  illa  conniventia,  priora  unb  feinb  alfo 
für  bteSmal  absque  categorica  resolutione  bimittiret  worben. 

S)en  6.  3uli  ift  ber  9Ueberlänbif<$e  ©ecretariuS  ju  uns  gef  om* 
men  unb  unter  anbern  2)ü8curfen  momret,  wie  e$  tfco  redete  3*ür 
bafe  bie@täbte  ftd&  mit  ber  Äron  ©djweben  unb  ben  Ferren  ©eneral* 
fiaaten  conjungirten,  bann  fie  bei  biefer  ©elegen^eit  bie  bisher  t>er* 
fpfirte  impedimenta  commercii  in  guten  ©tanb  fegen  fönten,  unb 
wann  wir  f$on  tfcunb  gute  Sßromeffen  non  ber  Äron  SDennemarf  Ratten, 
fo  waren  wir  bodf)  nidjt  oerfidfjert,  bafe  un$  foldfje  gehalten  werben, 
weil  er,  seil,  ber  Äönig,  bei  uns,  als  ben  ©täbten,  ben  Anfang  neuer 
motuum  metteid&t  erregen  würbe.  Nos:  müfjten  befennen,  bafc 
unfete  ©ad&en  beffer  fiänben,  wenn  wir  in  ber  Sßoftur  ber  Ferren 


**)  JDer  9U>miral  SBlume  toar  (ei  einet  8tort>efen$eit  in  Süfotf  auf  Ux  ©trage 
infuttfci  »orten.    $ie  <Sad)f  tyatte  inbeffen  feine  golgen. 


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452 


Staaten  wären,  weil  ioir  aber  bct  Hoffnung  leben,  3.  ÜWaj.  würbe 
bei  biefem  3fyrem  Jjofjen  3llter  2HIeS,  was  ©te  t>etfptod)en,  föntglid^ 
galten,  müfcten  wir  ©Ott  unb  bet  3*it  üertrauen,  i>erf)offeten  aber, 
bafc  bie  iperren  Staaten,  als  unfere  alten  greunbe  unb  2hmbeSt>er* 
wanbte  pro  communi  intentione  et  commerciorum  conservatione 
unfere  propugnatores  fein  unb  oerbleiben  mürben.  Ille:  biefe 
amicitia  mti&te  arctior  gemattet  werben  unb  müfcte  man  wiffen, 
was  eine  jegli<$e  ©tabt  l)tnwteber  pro  rata  contribuiren  unb 
praejliren  würbe,  fte  Ratten  ofjnebaS  einen  mäd&ttgen  geinb  an  bem 
Hispanum,  folten  fte  bann  ©ennemart  baju  befommen,  würbe  eS 
i^nen  otjne  ©egenpraeftation  ju  ferner  faden.  Responsum:  idfj 
wüfete  miclj  ju  erinnern,  bafe  nunmeljro  beinahe  ein  3*a§r  bie  6rb. 
©täbte  bie^^tigen,  umb  ftdf)  etwas  mefjr  ju  conjungiren,  na<$  bem 
£aag  abgeorbnet,  aber  nid&t  üernommen,  bafe  hierin  etwas  ©cfcltefc 
Ud&eS  twrgefatten.  Ille  Ijielt  bafür,  bafc  biefelbigen  fidf)  in  puncto 
contributionis  md)t  genug  fyerauSgelaffen,  würben  fonfi  wot)l  gute 
©fpebition  fjaben  (wie  id&  benn  audj  ^ernadfjer  ex  Bremensium 
litteris  üernommen,  bafe  iljr  ©pnbicuS  Herdesianus  re  bene  gesta 
wieber  fei  ju  §auS  gefommen.28)  Ego:  man  mü&te  biefen  ©adfjen 
weiter  nadfjbenfen,  unb  erft  perneljmen,  wie  eS  mit  btefen  Sractaten 
wolte  ablaufen. 

S)en  8.  unb  9.  3>uli  feinb  beiber  Äronen  Plenipotentiarii  gu 
JBrömfebro  auf  ben  ©ren§en  secunda  vice,  weldfjeS  in  ad&tjefjn 
2Bo$en  nid&t  gefd&e^en,  jufammengetreten,  unb  ift  bafelbfl  9ffieS  was 
bie  ganje  3ett  in  absentia  per  mediatores  tractiret,  ffir|UdS> 
recapitulirt  unb  gefd&loffen  worben. 

$en  10.  feinb  wir  abermals  bei  ben  S)ämfd&en  $errn  Legatis 
gewefen  unb  i^nen  praemissis  curialibus  unfer  negotium  inclu- 
sionis  gebüljrenb  recommenbiret,  audjj  gletd&ergeftattt,  wie  ben  Suecis 
gefd&ef)en,  eine  oljnmafegeblid&e  notulam  inclusionis  Danicae  über* 
reibet  Uli  fjaben  iterato  burclj  ben  §rn.  SReid^S^ofmeifter  pro* 
mittiret,  bafe  fie  fid&  im  gall  beS  erfolgenben  griebenS  unfer  negotium 
vermöge  Äönigl.  Drbre,  wolten  recommenbiret  fein  laffen,  tyat  uns 
baneben  faft  we^jmüfyig  ber  ©dj)weben  (wie  er  eS  nennte)  magna 
postulata  ju  Derfte^en  gegeben,  weldjergeftalt  fie  ganje,  ja  bie  vox* 
nefjmjien  Sßrotnnfcien  biefeS  Sieid&S  ju  i^rem  großen  ®#impf  unb 


*8)  Hamburg  unb  33temen  fdjloffeu  am  4.  Buguft  1645  ein  IBunbnij  mit 
£oüanb.    S>un|>e,  ®efd).  bet  @iabt  Steinen,  93b.  4,  ©.  17  ff. 


Digiti 


zedby  G00gk 


453 

Stäben  jure  proprietario  et  dominii  begef>reten,  als  ©Rotten, 
Siefingen,  §attanb,  Defel,  Semterlanb,  Sorn^olm,  ©otttanb  unb 
SBentfüfell,  baoon  fie  tljnen  fdjjon  efeltd^e  perpetuo,  als  Defel,  ©Ott* 
lanb,  ^emterlanb,  e&Udje  ad  certos  annos,  als  §aHanb,  abgetreten, 
aber  eS  wäre  mit  btefen  2euten  nid&t  fortjufommen,  weit  fie  i^re 
consilia  pro  successu  temporum  et  armorum  oeränberten,  unb 
ma$  einmal  promittiret,  burdj)  neue  ©inmürfe  mieber  retractirten; 
fie  büdtten  unb  brüdtten  ftdf)  fo  Diel  möglich,  fönten  aber  bodf)  ntd&t 
§um  ©nbe  fommen,  Sueci  gäben  in  allen  i^ren  SBerfen  t)ielme^r 
Urfadj),  bafe  e$  jur  SRuptur  fommen  möchte,  fie  müßten  ©Ott  ba« 
©eridfjte  befehlen,  darauf  idfj  tljnen  geantwortet,  mir  oernäfpen 
mit  SSermunberung,  bajj  Sueci  ben  punctum  assecurationis  ad 
perpetuas  alienationes  provinciarum  motten  ejtenbiren,  unb 
jagte  ber  #amburgifd&e  abgefanbter,  ba&  eÄ  mof)t  gebräuchlich,  ba& 
superior  inferiori  fold&e  fjarte  conditiones  f  ürfd&riebe,  inter  pares 
Coronas  folcf^e^  pdf)  md&t  leidet  finben  mürbe.  3teid&£l)ofmeijter 
subridendo:  fie  mü&ten  tfco  bieÄ  SBetter  über  ftd^  ergeben  laffen, 
bie  Reiten  fönten  fidf)  einmal  änbern.  Unb  mie  mir  gefragt,  ob 
bann  ber  fo  Ijod&gemünfd&ete  (Soent  ntdjjt  balb  erfolgen  mödjte,  fjat 
er  geantroortet,  bafc  man  ja  ber  Hoffnung  muffe  leben,  bie  gröfcefien 
fünfte  mären  meiftentljetS  abgefjanbelt,  e8  mären  nur  nodjj  jmei 
von  Smportanj  übrig,  morunter  ba$  ©rfcfiift  Bremen  ba«  ©ine. 
S3on  bem  anbern  Sßunft,  oon  meinem  mir  aber  post  conclusionem 
et  pacificationem  üernommen,  ba&  e£  gemefen  fei  ber  $ommerfdfjen 
Stäote  inclusio  secundum  pacta  Odenseensia,  fjaben  fie  nidjtS 
ermahnt.  ©d&Ue&Ud&  fagten  fie,  bafc  oon  i^nen  unfere  notula 
coDegialiter  folte  burd&gelefen,  unb  fo  etmaS  babei  ju  erinnern,  un$ 
fotte  ju  miffen  gemalt  merben,  momit  mir  bimittiret  unb  oon  i^nen 
MS  an  bie  Stiegen,  oon  ben  nobilibus  aber  bis  auf  bie  ©äffen 
begleitet  morben.  Unb  mie  uns  nun  im  SRücfge^en,  tbcn  mie  oor* 
§et,  ber  ©änifd&e  SecretariuS  Weimer  bü8  nad&  $au£  begleitet, 
$aben  mir  benfelbigen  mit  un£  auf  ein  ©efprädj)  eingenötfjtget,  unb 
etwaä  umbftenbiger  mit  tfjm  oon  unferm  negotio  gerebet  unb  bafc 
mir  oer^offeten,  bie  Ferren  legati  mürben  in  biefer  unfer  über* 
gebenen  notula  inclusionis  nid^tö  ju  änbern  §aben,  meil  fold&e  3*. 
Äön.  9Raj.  gegebenen  SRefolution  gemäfe,  mir  mären  ju  @&ren  3.  Äön. 
9Waj.  bei  ifetgen  &tittn  hierin  fanft  genug  gegangen,  inbem  mir  ju 
6open^agen  md&t  beffer  auf  unfere  Verträge  gebrungen,  meld&eS 
ji$  adversarii  audf)  mo$l  mürben  ju  9to$e  machen,  mafeen  fie  un% 


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zedby  G00gk 


454 

bereite  nidjjt  wenig  aufgerüdfet,  ba&  mir  ntd&t  beffer  auf  unfer 
Sunbedgenoffen  jura  geftanben;  man  pfiffe  einem  teidjtlufc  (mie 
ber  Bremensis  fagt),  menn  mit  nur  tanken  motten;  mad  mir  aber 
ju  ©openfjagen  nerfprod&en,  folte  oon  und  reblidf)  gehalten  merben, 
in  Hoffnung,  bafe  man  und  folc^cö  audfc  bei  biefen^ractaten  mürbe 
genießen  lafjen.  Ille:  bie  Ferren  Steid&drätfje,  mit  meldfjen  er  data 
occasione  baoon  §u  reben,  mürben  jroeifeldofjne,  roie  ed  audd  an 
ftcfe  billig,  fold&ed  in  guter  Dbad&t  Ijaben,  bafc  mir  und  hierüber  ntd&t 
ju  befd&meren  Ratten;  ber  £ö$fte  molte  nur  bad  £auptmerf  alfo 
gelegnen,  bafc  fte  ed  nidjt  gar  ju  fjart  treffe,  aldbann  bied  acces- 
sorium  aud)  erfolgen  mürbe. 

S)en  12.  Suli  tjaben  mir  ju  ßljriftianopel  bei  ben  lieber* 
länbifd^cn  Slmbaffabeuren  unfere  33ifite  abgelegt  unb  Ujnen  unfer 
commune  negotium  inclusionis  de  meliori,  umb  bei  beiben  fronen 
unb  infonber^eit  bei  ©darneben  ju  beobad&ten,  recommenbiret,  meldjjed 
fte  §u  tfjun  üerfprod&en,  unb  mie  fie  begehret,  tynen  einige  Ouoertur, 
xoa&  bei  beiben  Äronen  hierin  obtiniret,  ju  tfjun,  ift  oon  und  fold&ed 
gefdfjefjen,  unb  baffelbige  Don  tynen  ju  beförbem  promittiret;  Ijaben 
and)  de  tractatibus  ipsis  normalen  abiwuiret,  bafc  mit  tyrem  SBert 
megen  bed  3oHed  ed  feine  Sttd&tigfeit  Ijätte,  2.  bafe  audf)  ber  punctus 
assecurationis  faft  ganfc  rid&ttg,  3.  megen  bed  ©rfcjliftd  SBremen 
aber  mürbe  ed  grofje  ©d&mierigfeit  geben.29) 

S)en  15.  Ijaben  mir  ben  granjöftfdjen  «mbaffabeur  abermal 
conjunctim  tufüiret  unb  tym  bie  notulas  inclusionum  latinas 
neben  bienftlid&er  9tecommenbtrung  überreizet,  morin  er  und  alle 
§ülf  unb  SBeiftanb  promittiret,  aber  babei  ermähnet,  bafc,  mett  mit 
igoüanb  a  part  megen  bed  QQÜt&  tractiret,  ba&  mefleid&t  audj)  mir 
a  part  tyanbeln  müfjten,  morauf  mir  ermieberten,  roeil  3.  Äön.  SJtaj. 
und  eventualiter,  mad  bie  Ferren  Staaten  erhalten,  ju  genie&en 
t>er§et&en,  bafc  beffen  ÄönigL  Sftefolution  nunmeljro  audf)  müfcte 
purifiäret  merben,  ed  gejd^e^e  entmeber  in  ben  £aupttractaten  ober 
in  ber  &errcn  Staaten  ifjrem  Vertrag,  mir  mürben  und  abfonberlidj 
nid&t  einladen. 

Eodem  l)at  fid&  aud)  ex  commissione  legatorum  Danicorum 
bei  und  cingeftettet  Sßeter  2Biebe  unb  megen  ber  eingereichten  notula 
inclusionis  biefe  jmei  dubia  momret,  1.  bafc  3.  3ftoi-  fötoerUdj  aQe 


")  (5*  ift  in  bem  ©tömfebroer  grUben  nidjt  ernannt  bo$  1648  ben  Sdjtoe* 
ben  jugefprodjcn 


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zedby  G00gk 


455 

ipanfeftäbte,  weil  triele  unter  frember  protection,  würben  einfd^(iegeitf 
2.  bafc  wegen  ber  Goaequation  cum  Hollandis  in  bem  SßacificaUonS* 
Sxactat  ni<$tS  fönte  menttoniret  werben,  weil  bie  Ferren  Staaten 
beSwegen  abfonberlidfc  tractiret,  auä)  Sftid&tS  in  biefen  &aupttractaten, 
als  was  bie  beiben  Äronen  toud&iret,  fönte  gebraut  werben,  bero* 
wegen  er  hierauf  unfere  3Jieinung  gern  wiffen  möd&te,  wo«  für 
eines  modi  man  ftdf)  hierin  ju  gebrauten.  Sßorauf  non  mir  nomine 
ceterorum  geantwortet,  l.  weil  wir  nomine  communi  hansae 
Derfd&idfet,  müßten  wir  audf)  für  alle  fotdjje  ©täbte  UtSgemein  in- 
clusionem,  coaequationem  et  amnestiam  fudfjen;  folte  eS  aber 
mit  benen  ©täbten,  fo  pro  tempore  unter  ©d&webifd&er  protection, 
fo  groß  Siebenten  fjaben,  müßten  wir  eS  ba^in  laffen  geftettet  fein, 
unb  würben  Sueci  nor  biefelbige  woljl  jufeljen;  mit  ben  anbern 
aber,  fo  nodf)  sui  juris  unb  ni<$t  unter  fremben  ©amifonen,  würbe 
eS  ja  weniger  JBebenfen  Ijaben,  weil  3-  3Kaj.  DerljoffentlidE),  wo« 
uns  wiberfä&rt,  i^nen  eben  gönnen  würben;  ad  2dum  fctyen  wir 
nidjt,  warumb  nid&t  ber  ©oaequation  in  ben  £aupttractaten  folte 
gebaut  werben,  obfd&on  bie  Ferren  ©taten  abfonbertid)  tractiret, 
unb  fönte  eS  ja  auf  bie  Slrt  unb  SBeife  gefd&e^en,  bafc  uns  in  ipsis 
tractatibus  folc^e  aus  Äönigl.  uns  für  biefem  getaner  Sßromejfe 
concebiret,  wie  fotdjeS  in  ben  mit  ben  Ferren  Staaten  abfonberltd&en 
Sractaten  wrabrebet,  cum  pluribus  rationibus,  fo  §erna<$  in  ber 
lateinifd&en  S)iSquifition  repetiret  worben,  wetdjeS  er,  Sßeter  SSHebe, 
favorabiliter  ju  hinterbringen,  an  fidfj  genommen. 

S)en  16.  bin  td&  mit  bem  2)anfeiger  Slbgefanbten  bei  bem 
gfranjöftfd&en  ämbaffabeur  jur  2JUttagSma#aeit  gangen,  quo  finito 
wir  normalen  Q.  ©je.  biefe  unfere  notulam  inclusionis  recommen* 
biret  unb  erjaget,  was  beSwegen  nomine  Danorum  oon  Sßeter 
2Bieben  angebrad&t.  ©er  Slmbajfabeur  fjat  hierin  fein  S3efteS  ju  tfjun 
x>erfprod)en.  Db  nun  jwar  nod&  felben  äbenb  ber  Sanfctger  ©efanbte 
ttneber  ju  uns  fommen  unb  uns  referiret,  was  er  beSwegen  mit 
bem  9teid)Sl)ofmeijler  gerebet  unb  bafj  berfetbige  mit  heftigen  SBorten 
ftdf)  oerlauten  laffen,  wie  er  burd&auS  nu$t  geftatten  wolle,  bafj  in 
ben  §aupttractaten,  als  wenn  eS  i^nen  a  Suecis  abgepreffet,  Don 
btefer  ßoaequation  folte  gefefeet  werben,  fo  l>aben  wir  uns  bodfj 
biefeS  nid&t  anfed&ten  laffen,  weil  beSwegen  nid^tS  an  uns  birecte 
fommen,  fonbern  reeta  ad  legatos  Danicos  gefd&tdfet  unb  umb 
abermalige  äubienj}  unb  ßonferenfc  anhalten  laffen,  bie  uns  ben 
audf)  beS  anbern  SageS  hora  3  pomerid.  ift  angefefcet,  wofelbft 

30 


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456 

praem.   curial.   mit   bie  dubia  tiefet   unfetet  Stotut  oon   ben 
SDänifc^en  commissariis   gehöret,   als   l.  toeit  oon  bet  clausula 
reservatoria  in  litteris  et  resolutione  regia  nid&tö  gebadfjt,  fle 
betet  audj  in  hac  inclusione  nidf)t  gebenden  fönten,   2.  bag  fie 
auä)  fein  Dtbte  beSmegen,  baß  bet  ©oaequation  gerinnen  fotte 
gebaut  metben,  mit  auä)  fetber  nic^t  begeben  mütben,  baß  in  fol* 
d&em  unbilligen  33etttag,  afe  fie  eingeben  müßten,  attd^  bet  ©täbte 
gebaut  mütbe,  bamit  t&  nid&t  ba«  Slnfe^en  fjätte,  afe  wenn  3.  3Jtoj. 
fotc^ed  oon  uns,  wie  ba«  Slnbete  abgepteffet  toäte,  motten  unÄ 
fonjlen  x>erfic^ernr  wenn  nrit  bei  3-  3Jiaj.  beSmegen  m  aula  mütben 
anhalten,  baß  toit  ein  oöHig  Sontentement  etlangen  foltert.    Nos 
acceptttten  fütetjl,  baß  fie  wegen  bet  beiben  Sßuncten,  inclusionis 
civitatum  Hanseaticarum,  wie  audj)  amnestiae  fein  JBebenfen  ttügen, 
wie  toit  bie  gefefeet,  anjune^men,  baß  man  uns  abet  wegen  bet 
anbetn  beiben  motte  ©tteitigfeit  machen,  mäte  bitecte  mibet3.  SRaj. 
abgegebene  9tefotutton,  benn  ob  jmat  batin  bet  clausula  reser- 
vatoria expressis  verbis  nidfjt  gebadet,  fo  mütbe  bodfj  1.  ba$  ein* 
geteilte  3Remotiat,  motauf  biefe  9tefolution  etfolgt,  auSmetfen,  baß 
mit  ea  conditione  oon  unfetn  pactis   antiquioribus  abgangen, 
2.  fo  fjat  un«  bet  Äön.  ©ectetait  Sotnemann  privatim,  ate  au<$ 
bie  btei  Mn.  §tn.  9teid&3tätlje  publice,  bei  unfetm  Sttbfd^ieb  oet* 
fid&ett,  baß  bie  SBotte  resolutionis  „nadfj  bet  fetten  S)eputitten 
oft  tecapitutttten  SUleinung"  ntd&t  anbetS  ju  oetftetjen,  al3  baß  fte 
ü)te  legatos  motten  infotmitcn,  baß  mit  unfetem  Segelten  nadj) 
fotten  etngefd&loffen  metben,  bem  mütben  fie  au<$  nad&fommen.   S)a$ 
3meite  betteffenb,  Ratten  mit  bie  ejptejfe  Sßtomeffe,  ma«  Hollaudi 
bei  biefen  Stactaten  in  puncto  telonii  Oresundici  etljielten,  motte 
man  unfetn  Sßttncipalen  audfj  concebiten,  meld&eS  mit  nun  ju  putt* 
ficiten -bäten,  müßten  es  enbli$>  baljm  pellen,  ob  fte  uns  fold&eS 
abfonbetUdfc,  mie  ben  fetten  ©taaten  unb  Sßommetfd&en  Stäbten, 
obet  in  intern  contractu  motten  genießen  laffen,  motten  tynen  eben 
feinen  modum  ootgefdjjtieben  t>aben,  nut  baß  es  bei  biefen  Xtactaten 
unb  nitgenbg  anbetä  möge  gefd&efiett.    Uli:  eS  müßte  bennodfj  3- 
3Raj.  umb  bie  ßonfitmation  beäroegen  fomoljl  oon  ben  $oHänbetn 
als  oon  uns  etfudfjet  metben.  Nos:  maS  Sueci  et  Hollandi  megen 
bet  Sftatiftcation  unb  ©onfitmation  träten,  baS  müßten  mit  audfc 
tljun,  begehrten  füt  bteSmat  ni<$,  melioris  conditionis  ju  fein, 
atS  bie,  ob  fie  jroat  ntdjt  fo  pinguiora  jura,  als  mit,  aud&  U)te8* 
tf)eil£  umb  bie  Äton  ©ennematf  bei  biefen  fttactaten  unb  fonften 


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zedby  G00gk 


45T 

ftd&  ni$t  fo  merittrt,  als  wir  woljl  getfjan,  fo  au<$  ber  £r.  Steid^S* 
fjofmeifter  felbjt  fjat  befräftigen  fönnen,  bäten  alfo  normalen,  bet 
clausula  reservatoria  in  ipsa  inclusione  ju  gebenfen  unb  uns 
abfonberlidf)  bie  ©oaequation  nadfj  Äönigtidfjer  3ufage  genießen  ju 
laffen,  bamit  wir  nid^t  Slnberer  ©eiftanb  hierin  anfud&en  motten; 
wir  faürften  aud)  ofjne  fold&eS  wegen  unferer  Vetren  ftricter  Drbre 
nid&t  oon  Rinnen  Reiben,  jumal  fic  uns  bei  oerfd&tebenen  @on* 
ferenfcen  hierin  baS  geringfte  dubium  nid&t  motriret.  Uli  motten 
ftdf>  biefer  beiben  fünfte  falber,  ob  fie  fid&,  vermöge  il»rer  3n* 
ftruetion,  hierin  abfonberlid)  ju  getyen  bemäd&tigen  fönten,  bereben; 
wo  nid^t,  wolten  fie  ad  regem  per  expressum  fd&idfen  unb  Drbre 
erholen.  SBir  ijaben  aud&  unter  anbem  geantwortet ,  bafj  unfere 
§erren  nadf)  erlangter  Sufage  jid&  gebityrlidf)  entweber  per  litteras 
ober  fonjien  würben  wiffen  ju  fielen,  wir  Ratten  unfere  recre- 
dentiales  a  rege  befommen,  berowegen  wir  oflhe  weitere  Drbre 
na$  ßopentyagen  nidfjt  jie^en  bürften.    Quibus  discessum. 

S)en  20.  l»at  man  ju  ©Ijrijlianopet  oon  ber  Sanfcel  brei  ©et*« 
tage  in  ber  3öodf)en  ju  glüdtttd&em  ©uccefc  biefer  ju  ®nbe  na^enben 
gfriebenStractaten  publiciren  laffen. 

S)en  21.  feinb  bie  Sfömfd&en  unb  ©djjwebifd&en  Steid&Srätlje 
cum  mediatore  abermal  ju  SBrömfebro  jufammenfommen. 

2)en  23.  fjaben  wir  £m.  Havelandum  nomine  communi  an 
ben  ®änifd&en  §rn.  Sanier  £ol)mfen  abgeorbnet,  umb  unfere  bei* 
ben  Sßunfte  reservationis  pactorum  et  coaequationis  cum  Batavis 
promittirte  Stefolution  ju  pouffiren,  worauf  fidf)  Dn.  Cancellarius 
erfläret,  bag  ber  reservatio  pactorum  in  ber  ^aeipeation  folte 
gebaut  werben,  wegen  ber  Soaequation  Ratten  fie  ad  regem  ge* 
fd&rieben,  worauf  fie  innerhalb  adjt  Sage  gute  Antwort  erwarteten, 
bannt  wir  atyie  in  loco  ©attSfaction  befämen,  wie  benn  3.  aBaj. 
ben  ©täbten  unb  infonberljeit  Sübedt  mit  guter  Slffection  jugetyan 
wäre,  fönten  uns  aud&  uerfidjjem,  bog  bie  $ommerfd&en  ©täbte 
md&tS  meljr  als  wir  erhalten,  unb  weil  gegen  benfelben  gebadet, 
ba&  wir  an  bie  fämmtlid^en  Ferren  commissarios  beSwegen  fdjon 
in  eventum  ein  3Wemorial  abgefaffet,  §at  Dn.  Cancellarius  geant* 
wortetf  bafj  eS  nid&t  nöt&ig  wäre,  weil  fie  cum  Gallico  mediatore 
bereit«  beStyalb  gerebet  unb  uns  $ute  ©atisfaction  werben  folle. 

5Den  24.,  wie  bermediator  fidf)  abermal  mit  beiben  Sßartljeien 
auf  bie  ©renje  begeben,  ijt  furj  juuor  bem  Jperrn  granjöfifd&en 

30* 


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zedby  G00gk 


458 

Shnbaffabeut  eine  tateinifdje  ©tSquifition  übet  unfer  coaequationis 
negotium  übergeben  worben. 

3>en  25.,  ipso  die  Jacobi,  Ijaben  wir  abermal  ingefambt  ben 
#rn.  granjöfifd&en  ämbajfabeur  befudfjet  unb  tym  unfer  commune 
negotium  inclusionis  recommenbiret,  ba  et  \m$  bann  gefagt,  bafj 
er  beSwegen  norigeg  £age«  in  confinio  fowoljl  mit  Sänifdfjen  als 
©d&webifd&en  Herten  Gommtjfarien  gerebt,  bie  un*  bann  cum 
clausula  reservatoria  ju  inclubiren  promittiret;  e$  würben  enbtidj 
aud&  Dani  fein  Siebenten  tragen,  uns  wegen  ber  coaequatio  cum 
Hollandis  einen  abfonberttd&en  ßert  ober  ©d&rift  ju  erteilen,  über 
wetd&e  Regis  ratificatio  müfjte  gefugt  werben. 

S)en  27.  Ijaben  wir  bei  ben  ©d&webifdfjen  §erren  Souumffarien 

unfere  SBerbung  unb  9tecommenbation  inclusionis  et  conservationis 

commercii  ju  ©überadfer  abgelegt,  ber  Hoffnung  lebenb,  fte  würben 

fidd  nunmeljro  anf  unfere  unnorgreiflid&e  notulam  inclusionis  grofc 

geneigt  erflären,  worauf  Dn.  Cancellarius  regni,  praemissa  excu- 

satione,  ba&  er  uns  bei  fo  bekannten  SSerri^tungen  nid&t  e§e  Ijören 

fönnen,  erwteberte,  unfere  notula  ^ätte  brei  capita  ober  membra, 

1.   inclusionem   cum    conservatione   commercii,    2.  pactorum 

antiquorum  observationis  reservationem,  3.  amnestiam;  bie  erfle 

unb  lefete,  als  inclusionem  generalem  unb  amnestiam,  würben  fte 

fo  wenig   ate  bie  Dani  commissarii  un$  weigern,  wie  bie  Dani 

bann  beSwegen  bereits  it>re  formulam  aufgefegt  unb  uns  communis 

ciret;  belangenb  aber  bie  Qnclufton  nadjj  bem  alten  igerfommen 

unb  Verträgen,  barauf  wären  jie  nid^t  a  feegina  statibusque  regni 

inftruiret,  Ratten  au<$  unfere  Obere  baoon  nidjtö  an  Q.  9Jtoj.  ge* 

fd&rieben,  berowegen  fte  auü)  nid&t  gebenfen  fönnen,  bafc  babei  etwas 

fotte  oorfommen,  gehöre  audfj  nid&t  fytxtyx,  fonbern  ad  aulain 

regiam.    Ego  fjabe  mi<$  bebanfet,  bafe  3».  <£pc.  wegen  ber  beiben 

membrorum,  inclusionis  generalis  et  amnestiae,  unfer  bei  biefen 

Sractaten  eingeben!  fein  wollen,  weil  wir  aber  aus  bem  $>änifd&en 

gormutar,  atö  aud&  non  3.  (gjx.  felbfl  nemeljmen,  bafj  fte  etwa« 

wegen  ber  pactorum  t)ineinjurüdten  JBebenfen   trügen,  fo  wate 

bennodj)  ntd&t  o^ne,  baß  wir  felbe  fowofjl  mit  ber  Äron  ©djweben 

ate  2)ennemart  Ratten  2c,  aübieweil  aber  biefeÄ  puncti  Rätter  ju 

6opent)agen  tuel  3)u8put  norgefattfn  unb  wir  enbltd&  barin  fo  tuet 

na<$geben  muffen,  baf$,  weil  wß  bie  Soaequation  cum  Hollandis 

promittiret,  bie  Dbfertmnfc  ber  alten  SSerträge  in  hac  pacificatione 

enblidf)  ju  anberer  3*ü  fotte  refermrt  unb  auSgefe&et  werben,  fo 


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459 

molten  mir  au<$  enblidfj  hierin  nid^t  meljr  von  ber  Äron  ©Sweben 
al«  $>ennemarf  begefjren,  mtemofjl  3.  @jc.  unä  felbjt  für  biefem 
objictret,  marumb  wir  nid&t  bärter  bei  35ennemarf  auf  bie  alten  9Ser* 
tTäge  geftanben,  meil  eg  nun  bie  rechte  3*ü  flerDefen ;  meldfje«  wir 
ben  2)änifdjen  §rn.  ©ommiffarien  tyinmicber  ju  uerfleljen  gegeben 
unb  barauf  audf)  enblidf>  un«  non  $rn.  £f)omfen  uerforod&en,  bafe 
e$  roegen  biefet  clausula  reservatoria  auf  ifjrer  ©ette  nunmefjr 
feine  ©ifficultät  meljr  geben  folle,  fo  fem  ©Sweben,  meil  fie  bodfj 
bie  QncluRon  conjunctim  ttjun  mürben,  be$gleid&en  fidf)  refoltnren 
motte;  folte  nun  bie  Äron  ©d&meben  megen  biefer  9tefen>ation,  fo 
bodfj  ein  ©eringea  unb  effectu  nid[jt3,  nodf)  einig  Stebenfen  tragen, 
würben  wir  bei  ®änemarf ,  auf  roeld&eS  mir  bod^  hierin  ba$  grö&efte 
abfegen  Ratten,  nichts  erhalten,  ja  ben  punctum  coaequationis 
nodfj  oiel  fernerer  mad&en,  bäten  alfo  unterbienftltdf),  bafe  fid&  bodf) 
3.  6fc.  hierin  milber  erllären  möd&te.  Ille  §at  gefagt:  wenn  bie 
Dbfertmnfc  ber  alten  Verträge  folte  ju  anberer  Q^xt  auSgefefcet 
merben,  bafe  felbigcö  in  effectu  mtfyc  wäre,  al$  secundum  pacta 
und  ju  inclubiren;  nun  müßte  er  befennen,  wenn  fte  nur  hierauf 
inflruiret,  bafc  e3  fein  grofc  Sebenfen  §ätte,  infonbert>eU  mit  ben 
anbern  #anfeftäbten,  nur  ba&  wegen  ber  alten,  t)ornemblid[)  be8 
©tettinifd&en  Vertrag«,  fte  mit  ber  ©tabt  Sübed  einige  ©ifferenfc 
Ratten,  fo  nod&  Ao.  I6ö7  unb  1620,30)  ba  er  eben  00m  #of  ab* 
mefenb  unb  ju  Sübed  fid&  aufgehalten,  per  solennem  legationem 
nid&t  ^dtte  Wnnen  i^re  ganje  SRtd&ügfeit  befommen;  folten  bo<$  fol* 
dfjcS  bebenfen,  bafc  eS  ifeo  weit  anbere  3^itcn  als  für  70—80  Seiten, 
ba  biefe  SSerträge  gemalt  mären,  unb  ber  Status  regnorum  et 
civitatum  fid&  fefjr  barin  geänbert,  mie  mir  ba«  ingefambt  an 
unferm  Drt  beftnben  mürben;  unb  mann  mir  gar  na<$  ber  alten 
ßpnofur  ge^en  motten,  fönte  fein  Status  meljr  integer  bleiben; 
er  müßte  mo$l,  baß  unfere  Slbftd&t  eben  nidjjt  auf  bie  Äron  ©d&me* 
ben,  befonbern  auf  3. 3Jtaj.  in  ®ennemarf  märe,  meld&er  contra  omuia 
jura  gentium  et  pactorum  ben  nudum  transitum  bermajjen 
erl)ö$et,  bafc,  menn  fie  enblidfj  feine  Drbnung  barin  gemad&et,  er 
nid&t  nur  10,  15,  20,  fonbern  mo^l  cento  pro  cento  mad&en  fönnen, 


M)  Ue&et  bie  SBertyanblungen  *on  1607,  f.  9lnm.  auf  ©.  449;  1620  fdtftfte 
SüBetf  eine  ®efanbtfdjaft  an  ®ufta»  9lbotyfj,  um  eine  Slnerfennung  brr  nad)  bem 
€tettiner  ©ertrage  »on  1570  ber  @tabt  juftänbigMi  ®ered)tfame  ju  erfclrfen. 
5)<r  JWnig  aettoeigerte  afcer  iebe  (Srfldrung. 


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460 

unb  nid&t  nötljig  gehabt,  feine  Untertanen  auf  bem  fianbe  im 
©eringften  ju  befd&weren,  weil  er  e$  oon  gremben  belommen  fönnen. 
Nos:  e£  wäre  roofyx,  bafc  wir  bei  btefer  2lbfd&i<fung  nid&t  eben  auf 
bie  Äron  ©d&weben  fo  grofe  Slbfeljen  gehabt,  weit  btefelbige  fid)  no<$ 
jebet^eit  bie  Sommercia  ju  bef^ü^en  Ijätte  angelegen  fein  laffen, 
aud&  befio  weniger  gebenfen  fönten  ,  bafc  bie  un3  wegen  biefer 
unferer  pacta  unb  jura  quaesita  einig  dubium  mad&en  mürbe; 
nun  befiftirten  mir  oon  biefem  unferm  Suchen,  unb  begehrten 
nidfjt  eben,  pure  secundum  pacta  inclubtret  ju  werben,  befonbem 
ba&  beren  unb  infonberljeit  ber  ©tabt  Sübedt,  fo  ba  einige  Streitig* 
feiten  t>orf)anben,  fo  mir  bod&  megen  be3  ©tetuufd&en  Vertrags  nid&t 
bewufjt,  ju  anberer  gütlid&er  §anblung  motten  auSgefefcet  werben 
an  Seit  unb  Ort,  ba  eS  3».  2JtoJ-  gefällig;  baten  alfo  nodf)* 
malen  unterbienfilid),  3».  @jc  atterfeitö  liodfjoernünftig  babei  ben 
geringen  Sßräjubife  öftrer,  unb  ben  großen  SRad&tljeü,  fo  un«  barauä 
erwad&fen  würbe,  §u  conftberiren.  Dn.  Cancellarius  fjat  ftdj)  barauf 
mit  feinen  $w.  (Megen  berebet  unb  uotgefdjlagen,  bafe,  weiln  fte 
bo<$  eben  morgenben  $age8  in  loco  tractatuum  cum  mediatore 
beifammen,  baß  fid&  einer  unferä  SKittete,  ate  Jpr.  ^anelanb,  bei 
i^nen  angeben  möchte,  afebann  jie  cum  Danis  wegen  biefeS  puncti 
clausulae  reservatoriae  ftdf)  Dergleichen  unb  uns  Üjre  SUleinung 
wieber  wiffen  laffen  wolten,  weldfjeS  consilium  wir  mit  &of}em  5)anf 
unb  fernerer  SRecommenbation  angenommen.  Söorauf  wir  abermal 
cum  magna  nobilium  frequentia  btö  an  bie  ßaroffe  bimittiret 
worben. 

3)en  28.  3uli  §at  fid&  Lic.  ßauelanb  in  loco  tractatuum  bei 
ben  §m.  ©d&webifdfjen  legatis  i^rem  33egeljren  nad&  eingefteüet  unb 
praem.  curial.  nostro  nomine  erfud&t,  ob  3-  ®?c-  P3>  auf  ^e  c*tt* 
gereifte  notulam  inclusionis  etwoä  milber  erfläret,  worauf  er 
felbige  fjerfürgejogen  unb  bie  dubia  l.  wegen  ber  Sßacten,  2.  wegen 
ber  an  allen  Orten  greifjeit  angezogen.  @r,  Havelandus,  fjat 
barauf  eine  anbere  notulam  biefeS  ©in^altö  probucirt :  „6£  werben 
audfj  in  biefen  grieben  mitbegriffen  unb  eingefd&loffen  bie  §anfe* 
fiäbte,  umb  ba«  freie  Sommercium  allenthalben  in  unfern  Äftnig* 
reiben  unb  Sßrooinfcen  ju  Sßaffer  unb  ßanbe  ju  treiben,  jeboc^  wirb 
bie  Obferoanfc  ber  alten  Verträge  ju  fernerer  gütlidfjer  öeljanblung 
refertrtret  unb  auSgejteHct,  unb  fott  unterbeffen  feiner  ©tabt  ober 
bero  ©urgent  unb  Untertanen  occasione  biefeS  Äriege8  ober  fonfl 
ex  quocunque  capite,  sub  ulla  juris  specie  aut  facti  via  einige 


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461 

Ungetegentjeit  ober  fteinbfeligfeit  nid&t  jugefügt  merben,"  mit  3Ktte, 
baß  3.  <Syc.  fidf>  batauf  erflären  foltc.  Uli  roaren  a  Regina  nid&t 
tnffcuiret,  fu$  wegen  einiger  pactorum  ober  bereit  Steferoation  in 
biefer  Sßacification  auSplaffen;  ptte  man  eä  ju  ©todfyolm,  wie  ju 
ßopenfjagen  gefud&t,  fo  möd&te  oteUetd&t  itjnen  baoon  bereits  Drbre 
erteilet  fein,  motten  bennoef)  bie  notulam  bei  fidj  behalten  unb  un* 
mieberumb  33efd)eib  miffen  (offen. 

S)en  29.  3uli  tjabe  id&  mid&  nebenft  $m.  greefe  abermate  ju 
bem  gfranjöftfd&en  ämbaffabeur  oerfüget  unb  iljm  unfer  negotium 
inclusionis  et  coaequationis  recommenbiret,  bege^renb,  1.  meil 
Sueci  fo  grofee  SHfficultäten  mad&eten,  bafe  fxe  un$  cum  illa 
clausula  reservatoria,  bafc  bie  Dbferoanfe  ber  alten  Verträge  ju 
anbeier  freunblidjer  S3el>anblung  folte  auägefefcet  fein,  nidfjt  gerne 
motten  inclubiren,  mir  aud)  mit  iljnen  nid^t  gro|  S)i8putiren  mad&en 
motten,  fo  begehrten  mir  nur,  ba&  bie  formula  atfo  möd&te  gefefcet 
merben:  veterum  autem  pactorum  cum  hisce  coronis  initorum 
amicabili  compositione  in  aliud  tempus  reservata,  3)eutfdfj:  „je* 
bod(j  bafe  bie  gütlid&e  JBe^anblung  über  bie  alten  Verträge  ju  anberer 
Seit  möd&te  ausgeweitet  bleiben."  ©ölten  aber  Sueci  aud&  tjier 
ntd&t  an  motten,  baß  mir  atebann  bei  tynen  pure  motten  acquteS* 
ciren,  bafe  fte  unS  generaliter  inclubirten  cum  amnistia,  bei 
Dennemarl  aber,  attbiemeitn  fid&  felbige  fd&on  laut  itjre«  $roject8  fo 
meit  ausgelaufen,  bafj  fie  und  in  ipsa  paeificatione  cum  clausula 
reservatoria  inclubiren  motten,  tnüfete  angehalten  merben,  bafe  bie*« 
fetbe  in  bem  abfonberlid&en  ©ertrage  ober  instrumento  coaequatio- 
nis aud)  biefe  clausulam  reservatoriam  hinein  rfidteten,  morfiber 
mir  3.  ®jc  al$  £errn  mediatoris  $ütf  tjöd&Udf)  benötigt.  Ille 
Ijat  biefe  unfere  SBeinung  absque  altero  verbo  notiret  unb  ju 
ejcequiren  promittiret,  tjat  fonften  oon  ben  Sractaten  gebaut,  ba& 
bie  nunmehr  in  9ttd&tigfeü,  menn  nid&t  ba$  ©rjbiStlium  SBremen, 
meld&e*  Dani  ntd&t  ejclubiren  motten,  fnerjmifdjen  fäme,  ^offete 
aber,  ben  Sßunft  audf)  nodf)  enblidfj,  meit  fie  tuet  ©d&merereS 
gef$>Udf)tet,  au  arrangiren,  bie  ^netufion  mürbe  mot)l  ab  utraque 
Corona  uniformis  fein  muffen,  motte  hierin  fein  33efte$  ttjun  unb 
fe^en,  ob  er  clausulam  observantiae  pactorum  bei  Sd&meben 
erholten  fönte. 

5Den  30.  3uli  f>at  Lic.  §aoe(anb  $m.  Sßeter  Söiben  nostro 
nomine  mieberum  oijitiret  unb  unfere  beibe  puneta,  inclusionis 
cum   reservatoria   clausula  et    coaequationis   cum  Hollandis, 


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tecommettbitet,  welker  bann  abermal  babei  geblieben  tft,  bafe  un8 
ba$  $auptwerf  ttid^t  würbe  ftreitig  gemalt  werben ,  nur  bafc  man 
wegen  be$  modi  coaequationis  noä)  ntd&t  einig,  ob  bie  oQ^ie  ge* 
fd^e^en  fönte,  worüber  man  be8  ÄönigS  Drbre  eljeft  erwarte. 

S)en  31.  feinb  bie  Ferren  Plenipotentiarii  beiber  Äronen 
abermat  nebenfi  bem  Ferren  mediatore  auf  ben  ©renjen  bei* 
fammen  gewefen. 

3)en  l.  Slugujt  ift  ber  §amburgifd()e  ©efanbte  bei  Monsieur 
de  la  Thuillerie  gewefen  unb  gute  SSertröftung  befommen,  baf$ 
Sueci  un5  cum  clausula  reservatoria  pactorum  inclubiren 
würben. 

S)en  2.  SKuguft  bin  iä)  mit  bem  $rn.  greefen  nadf)  bem  $äni* 
fc^en  §erm  9tetd&8l)ofmetfter  gangen  unb  bei  bemfelben  unsere 
SßarttcuUer*3$ifite  abgelegt,  babei  if)m  unfer  commune  negotium 
nod&malS  recommenbiret. 

S)arauf  l»at  er  geantwortet,  bag  wir  oljne  gute  ©attöfaction 
unb  ©ontentement  nid&t  oon  Rinnen  Reiben  folten  unb  bafe  3.  3Roj. 
audf)  nod&  auf  anbere  Slrt  il»m  bie  ©täbte  betrinciren  würbe;  e$ 
würben  au%  bie  Hamburger  ©efanbten  o§ne  ©ontentement  iljreS 
©ud[)en$  ntd&t  wn  gopentyagen  abjie^en,31)  Ijat  ftdfj  hierauf  in 
aUer^anb  SftScurfe  eingeladen,  bafe  fte  nun  jwar  balb  jum  guten 
®nbe  gefommen  unb  bafe  fte  in  allen  fünften  mit  ©d&weben  richtig, 
wie  fie  aber  i$o  auf$  fiepte  t)ermerften,  fäljen  fte  wotjl,  bafj  e$  iljnen 
nid&t  @rnft,  unb  baf$  fie  aller^anb  Urfad)en  jur  Ruptur  fud&eten, 
inbem  fte  wegen  be$  SrjftiftS  93remen,  weldEje«  bodf)  occasione 
btefeS  ÄriegeS  in  bie«  Sabgrintb  geraden,  ganj  oon  feinen  Sracta* 
ten  Ijören  wolten,  ba  bod)  ber  amnistia  anbere  öftrer  3Kajeflät 
§o§e  Dfftciere  fäljig,  tfco  aber  felbe  feinem  $errn  ©oljne  a\S  Generali 
folte  benegiret  werben;  2.  erjeigeten  ftdf)  aud&  bie  ^oDanber  ju 
part^eiifdf)  bei  biefen  Sractaten,  benn  ob  fie  jwar  mit  ben  Ijtefigen 
SKmbaffabeurS  wegen  be£  puneti  telonii  Oresundici  richtig,  fo 
müßten  fie  bodf)  empfinben,  ba&  tyr  3lbmiral  Sßitte  SBittenfen  mit 
efcltd&en  40  ©tftiffen  fidEj  red&t  nor  Gopenljagen  gefegt,  unb  wie 
3.  2Jtaj.  ü)re  SJeute  ju  tym  gefriedet,  ba&  er  ft<$  bod&  etwa«  weiter 


81)  9lm  1 7.  September  1 645  gab  (Sfyrifttan  IV.  ben  £amburgifd)en  ©efanbten 
in  (Sopenljagen  ben  ißefdjeib,  ba§  er  geg*n  3ablung  von  120,000  ^  ben  ©lü<f= 
ftäbter  3oll  aufgeben  toelit.  $>ie  3ai>lung  gefäalj  am  17.  November.  ©alloia, 
a.  a.  O.    ©.  399. 


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468 

ItfnauS  begeben  mödfjte,  l)at  er  fo  rudement  ßeanttüortet,  ba&  matt 
tljm  nid^t  ju  commanbiren  Ijätte,  er  tüüfete  bodjj  wotjl,  roa$  er  tljun 
motte,  unb  wenn  $.  SKaj.  mit  ©puffen  ftd&  tjören  tiefee,  fo  antwortete 
er  auf  felbige  SBeife,  baß  er  atfo  bafür  hielte,  e$  würbe  ju  einem 
treffen  fommen;  unb  ob  er  jwar  biefe  Ferren  9tmbaffabeur8  nad& 
ibrer  teuren  ßontefiation  beSwegen  entfd&ulbigt  hielte,  fünbe  ftd& 
bod&  baS  SBerf  an  t^in  fetber  atfo,  wie  gefagt;  fte  müßten  ©Ott  ju 
$ütfe  nehmen,  fte  mären  ben  Suecis  ju  ©d&iffe  bastant  genug, 
wenn  fid)  nur  bie  $oHänber  motten  in  ifjren  ©renjen  galten;  3.  ifi 
er  gefommen  auf  beä  ÄaiferS  Slnmut^en,  fo  burdj)  tyren  Steftbenten 
^tettenberg  3.  Äön.  2Raj.  700000  *?  tie&en  anpraefenttren,  fo  ju 
Sfibedf  bei  $rn.  $eter  üWeger  norljanben,  bamit  fte  mit  ©^roeben 
feinen  ^rieben  motten  mad&en,  folten  tfjm  aber  bagegen  Schonen 
aerpfänben,  melier  SSorfdEjlag  i$m  aber  nid&t  annetynbtidd;  unb  wie 
twn  un£  gebad&t,  baß  3.  Äaif.  3Raj.  beS  ©elbed  anifeo  fetber  wotyl 
benötigt,  fyat  er8  jwar  nod)  mit  mehreren  conteftiret,  aber  bodf) 
ba$  Vorige,  baß  tf»nen  fotdjeä  ni^t  ju  t^un  märe,  confirmiret, 
abbirenb,  bafe  fte  audf)  bem  sptettenberg  in  specie  nid&t  trauen 
fönten,  meit  er  wo#  e^e  ein  2öort  in  einem  ©djreiben  unter  i^nen 
unb  bem  Äaifer  wegen  ber  jtingften  ©aHafeif^en  Slrmee  tjinein* 
gerücfet,  nemlidb  bafc  S5änemarf  ofjne  SBiffen  unb  Sßillen  cum  Suecis 
feinen  graben  mad&en  motte,  fo  bo<$  nid^t  abgerebet  gewefen; 
4.  gebadete  er,  bafc  i§m  von  guter  Jpanb  bemufjt,  bafe  ©anfcler 
Od&fenfHm  an  ben  ©eneral  Sorftenfon  fotte  gefd&rieben  §aben,  er 
folte  ftdf)  attgemäd&li$>  mit  feiner  2Irmee  mieber  tierunter  mad&en, 
weil  ba$  SCeutfd^e  SBefen  bod&  woljl  ju  OSnabrücf  in  feinen  ©tanb 
würbe  fommen,  unb  nur  bat)in  trauten,  bafj  fie  biefeS  norbifdjjen 
Secferbiffen«  t>oflenfömmtid&  ^abljaft  würben;  5.  fam  er  audfj  auf 
ben  modum  traetandi  biefer  £ractaten,  bafj  Sueci  non  feinen 
rationibus  ex  jure  divino  tjören  motten,  unb  tyätte  fte  ber  granjöftfd&e 
SWebiator  beSwegen  ganj  t)öl)mfd&  angerebet,  fagenb  mit  SßilatuS: 
quid  est  ratio?  quid  est  veritas?  wenn  fie  ptjilofopljiren  ober 
mebitiren  motten,  möd&ten  fte  nadfj  ben  QtUtn  taufen,  jus  et  ratio 
wäre  in  armis;  wenn  fte  aber  barauf  geantwortet,  baß  aläbamt 
feine  traetatus  pacis  nötyig  wären,  tjat  SRebiator  enblidf)  jwar 
abiwuiret  unb  wot)l  biefe  Sßörter  t)tnjugetl)an,  e$  wären  Sueci  eine 
detestable  nation,  baß  er  bafür  fjielte,  granfreidE)  i^nen  ob  po- 
tentiam  felbft  ntd&t  niel  trauen  würbe;  6.  ift  er  auf  ben  $amburgtf<!) 
geführten  ©Ibfrteg  Ao.  1630  mit  $rn.  greefen  ju  reben  gefommen, 


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464 

fagenb,  wenn  ifeo  Hamburg  eine  Summe  ©elbeS  mdfjt  anfäfo  bafe 
ber  3oB  Witte  abgefd&affet  werben,  wie  er  unb  bie  anbern  9tei$8* 
rät&e  bafür  gelten,  bajjj  fotd^ed  ber  Ärone  fetter  am  nüfcUd&fien  fei. 

S)en  5.  Stogufl  fjat  &r.  Lic.  greefe  )u  ©überader  bei  ben 
©d&webifdfjen  $rn.  legatis  5ßarticulier^2lubien|  gehabt  unb  bie  33er«» 
träfiung  befommen,  bafc  fte  un$,  wie  ©änemarf,  cum  clausula 
reservatoria  pactorum  inclubiren  würben. 

3)en  7.  Sluguft  feinb  bie  bona  nova  von  ©römfebro  ein* 
fommen,  bafe  ber  fo  Ijod&erwünfd&te  griebe  jwifd&en  beiben  Äronen 
gesoffen ,  begwegen  fofort  $err  Sßeter  SBiebe  nad&er  ßopen^agen 
abgefertigt  worben. 

3)en  8.  feinb  wir  abermal  bei  bem  gran}öfif(|en  Ferren 
SBebtatore  gewefen  unb  umb  ©ewifftett  biefer  guten  3*üung  un* 
befraget  nebenft  Stecommenbirung  unferS  negotii.  ©arauf  er  berid&tet, 
ba&  ©ottlob  »UeS  feine  9tidfjtigfett  !)abe  unb  bafj  ba$  grjfUft  Sremen 
bennodf)  certis  conditionibus  in  biefe  Sxactaten  fäme,  t&  mangelte 
nun  nidfjtö  meljr,  ate  an  ber  ©ubfcrtytton  unb  ©ubftgnation  ber 
Ferren  Gommtffarien,  unfere  ^nclufion  wäre  aud&  nadf)  Segelten 
twn  beiben  Seiten  beliebt  worben. 

S)en  10.  feinb  wir  abermal  bei  ben  Ferren  ©eneral>©taaten 
Slmbaffabeurä,  gewefen  unb  praemissis  curialibus  Don  benenfelben 
gebeten,  ba&,  weiln  fie  in  Ujren  tractatibus  wegen  Stebuction  beÄ 
Derefunbtfdfjen  QoÜtn  mit  3.  3Jtaj.  von  S)ennemarf  fo  weit  rid&ttg, 
bafj  ebenmäßig  nid&t  mefjr  ate  bie  subscriptio  et  subsignatio 
übrig,  Q.  @jc.  unfern  Ferren  Sßrtactpalen  ben  gro&geneigten  ©efaHen 
erjeigen  motten  unb  un£  copiam  illius  instrumenti  vel  ad 
minimum  passus  illius,  worin  bie  reductio  hujus  vectigalis  oer> 
faffet,  communiciren  motten,  unb  wie  biefe«  3».  @jc  für  biefen 
erfpürter  2lffection,  inbem  fie  uns  ate  i&ren  alten  greunben  gerne 
gönneten,  wa$  fte  in  hoc  passu  obtiniret,  wie  aud&  ber  mit  3för. 
£odf>mög.  unb  ben  ®rb.  ©täbten  gepflogenen  Sorreäponbenfc  ganj 
gemäß,  ate  t>erfidf)erten  wir  unä  ifco  au<$  einer  angenehmen  Sie* 
folution.  SBorauf  fie  nadf)  genommenem  Abtritt  bur#  $errn  be 
SBitten  geantwortet,  bafj  fie  fein  SJebenlen  tragen  wollen,  un* 
fold&eä  ju  communiciren,  fobalb  un«  nur,  wo«  iljnen,  bei  ber  Äron 
2)ennemarf  accorbiret  unb  burd(j  ein  abfonbertidlj  3nftrument  pro* 
mittiret  wäre.  «Bbieweiln  aber  Ujr  contractus  ante  subscriptio- 
nem  unb  subsignationem  nodf)  nid&t  feine  SSoHfommen^eit  erreichet, 
au<f)  biefe«  unfer  ©ud&en  Dörfer  üfren  sperren  Sßrincipalen  mttfjte 


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465 

notiftciret  werben,  als  fönten  fie  unä  hierin  für  bieSmal  pro 
tempore  absque  mandato  nidfit  grattftciren  L  nerftd&erten  uns 
fonjien,  fobalb  mir  mit  S)ennemarf  rid&tig,  ba&,  maä  fie  in  puncto 
reductionis  erbalten,  wir  and)  folten  ju  genie&en  Ijaben,  bamit  bie 
SReferenfc  unferS  contrarius  von  ifjrem  erlangten  relato  fönte 
$)eclaratton  unb  ©rläuterung  Ijaben.  Db  wir  nun  hierauf  weiter 
3nfian|  getrau  unb  gebaut,  bafe  fold&e  conimunicatio  in  bem  %aUf 
wir  be$  £auptwerfS,  wie  wir  nadf)  erteilter  Äönigl.  Sßromiffton 
hofften,  alfjier  fä&ig,  öftren  Ferren  unb  Dbern  nid&t  fdf)äblid&  fein ' 
fönne,  fo  fjaben  fie  ftdf>  bodjj  abermal  entfd&ulbtgt  mit  biefem  ange* 
hängten  33erfpredfjen,  fobalb  uns  atyie  bie  coaequatio  confirmtret, 
fie  bie  3°flr°fle  nebenfl  ben  passibus,  bie  un8  liier  concernirten, 
communiciren  motten. 

hierauf  feinb  fte  mit  bem  ipamburgifdfjen  ©efanbten  auf  ben 
©IbjoU  gefommen  unb  gefragt,  wa8  ifyre  legati  $u  Sopenljagen 
barin  ju  tjoffen,  fie  ptten  cum  Suecis  pro  totali  abolitione 
genugfamb  gefprod&en,  aber  fotdfjeS  nidfjt  meiter  bringen  fönnen,  als 
bafe  Sueci  unb  fie  babei  immunes.  2Bie  nun  Hamb.  urgiret, 
wann  bie  3^rigen  §u  ©open^agen  hierin  gute  SSerrtd&tung  erhalten 
folten,  ob  nod)  res  integra,  bog  fol<$e$  in  bie  Unioerfal  notula 
ober  in  üjre  ^articutier  £anblung  fönte  inferiret  werben,  l>aben  fie 
barauf  geantwortet,  bafc  e8  nodfj  3*ü  genugfamb,  unb  fjaben  unter 
anbem  unterfdfjieblidfie  9Wale  ftd&  verlauten  laffen,  wie  fie  in  communi 
nostro  negotio  für  bie  ©täbte  gefprod&en,  i^nen  aber  a  Danis 
aflejeit  fürge^alten,  baf$  fie  a  parte  fol$e$  mit  ben  ©täbten  woljl 
würben  ab^anbeln,  weil  fie  ni^t  nermeinten,  bajs  fie  unfere  pro- 
curatores  wären.  Tandem  i>aben  fie  ©rinnerung  getljan,  eS 
mfi&te  fowotyt  in  communi,  al&  in  particulari  Albis  negotio  ifct 
na$  aller  SWöglidfjfeit  urgiret  werben  unb  wäre  bie  redete  3eit,  unb 
wo  fjierin  hac  rerum  facie  ni<$t$  bei  35ennemorf  folte  obtiniret 
werben,  würben  wir  fyemacfc  niemals  nid&tö  obtiniren. 

Eodem  vesp.  Ijat  uns  ber  ©dfjwebifd&e  @ecretariu$  per 
expressum  nostrum  bie  tateinifdfje  notulam  inclusionis  über* 
Riefet 

2)en  11.  feinb  wir  abermat  bei  ben  Ferren  S)äntfdf>en  <£om* 
miffarien  gewefen,  biefelben  de  recuperata  pace  gratuliret,  unb 
weil  wir  oerftanben  Ratten,  bafc  SRidbtS  me^r  übrig,  al«  bafe  bie 
traetatus  folten  fubjeribiret  unb  fubftgniret  werben,  fo  bäten  wir 
umb  6opep  nostrae  inclusionis  unb  bog  un$  möge  ein  SJJroject 


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466 

wegen  ber  äbaequation  in  puncto  telonii  Oresundici  cum  Batavis 
communictret  werben,  etye  unb  bet)or  baffelbe  t>on  ben  iperren  com- 
missariis  twttjogen  würbe.  Ad  ea  bebanften  fidfj  bie  Ferren 
Plenipotentiarii  wegen  ©lüdfmünfd&ung,  wie  wol)l  ftc  ben  grieben 
na<§  t^rem  SBiHen  ntd&t  erhalten  fönnen,  vermeinten  aber,  baß 
burdj)  biefen  Sractat  anbere  2lugen  geöffnet  unb  biefe  $anblung  ein 
guß  ju  bem  allgemeinen  ^rieben  würbe  fein.  Ratione  copiae 
petitae  inclusionis  warb  und  ber  SHrtifel  in  lingua  Danica 
ausgeliefert.  SBegen  be*  Goaequation*project  ifl  geantwortet,  baß 
Batavi  i^ren  Sractat  nodf)  nidf)t  twüenjogen  unb  fubfcribiret  Ratten, 
baljer  fte  nid&t  wiffen  fönten,  wo*  felbige  SSiUen*  waren,  müßten 
per  rerum  naturam  in  subscriptione  et  subsignatione  entweber 
bie  erflen  ober  bie  legten  fein,  bie  ©d&weben  aber  würben  ifjnen 
wo$l  fürge^en.  ©obalb  nun  biefe*  beiberfeit*  gefd[jef)en,  folte  un* 
auty  bajfelbe  35ocumentum  oermöge  ber  Äöniglidjjen  Stefolutton  unb 
3oflrofle  mitgeteilt  werben.  ©ie  wolten  mit  un*  al*  efjrßd&e  ßeute 
^anbeln,  unb  f ölten  unfere  sperren  Sßrinctpalen  unb  wir  an  unferer 
©ppebition  ein  Gontento  Ijaben.  ©ie  wüßten  fonft  wof>l,  wie  e*  in 
großen  ©täbten  batyer  ginge,  baß  man*  Qebwebem  nidfjt  fönte  gleich 
machen.  Ego  acceptirte  biefe*  l»od&gfinfitige  ©rbieten  unb  groß* 
geneigte  Slffection  gegen  bie  ©täbte  unb  bat,  baß  ex  articulo 
latino  inclusionis ,  weil  wir  ba*  germanicum  t)or§ero  nidfjt 
befommen  fönnen,  bie  SBorte:  Quemadmodum  ante  hoc  fruiti 
sunt,  motten  omittiret  werben.  Uli:  Sudeten  nid&t*  ©efäfjrlidje* 
barunter;  wenn  Sueci  bamit  einig,  fönten  fte  e*  audfj  gefdfjefjen 
laffen.  Nos:  wolten  fotdje*  Suecis  berieten.  2do  warb  audf> 
3)anf  gefagt,  baß  un*  ber  separatus  tractatus  mit  igollanb  folte 
communicirt  werben.  Ad  ea  Dani:  e*  wären  oiel  anbere  ©ad&en 
meljr  barin,  weldfje  un*  nid&t  angingen;  bie  3oHroHe,  an  weld&er 
un*  am  meiften  gelegen,  folte  un*  mit  unferm  abfonberttdfjen  do- 
cumento  gegeben  werben,  hierbei  gebadete  \<f) ,  wie  wir  oer* 
nommen,  Hollandi  Ratten  au<§  wegen  be*  üWorwegifd&en  ©ommercü 
etwa*  ©onberltdfje*  erhalten,  motten  berwegen  baffelbige  gern 
wiffen,  bamit  wir  feljen  fönten,  ob  e*  aud&  bem  Somptoir  ju  Sergen 
fd&äblid)  wäre.  Uli:  e*  wäre  bemfelben  im  ©eringjten  nid^t  prae* 
pibicirlidf>,  fte  Ratten  fo  ge^anbelt,  baß  ber  iganfefläbte  ^rtoitegia 
ungefränfet  würben  bleiben,  fte  wüßten  audf>  woljl,  wa*  bem  9teid&e 
SWorwegen  an  biefem  ©omptoir  gelegen,  worauf  $err  @(>riftop$  Uljre 
fagte,  fte  Ijätten  2HIe*  bermaßen  beobachtet,  baß  ben  ©täbten,  wel* 


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467 

$en  fie  mit  mefjrer  SXffectton  al«  ben  igottanbern  jugetfjan,  gan§ 
fein  ©intrag  geföe^en  folte.  SRad)  btefen  &at  ber  $amburgifd)e  ab* 
gefanbte  angefangen,  bafc  er  vernommen,  Sueci  et  Batavi  ^fitten 
i$r  3ntereffe  wegen  beS  ©lüdfftabtifc^en  3oUt&  abgetan,  unb  oer* 
netjme  bennod)  son  ben  ju  Sopen^agen  anwefenben  $amburgiföen 
SDeputtrten,  ba£  3.  2Raj.  ben  Sogen  fo  t)o<$  gewännet,  bafe  $am* 
bürg  ju  ben  2JUtteln  nid&t  gelangen  fönte,  e3  wäre  nur  angefe&en, 
ba&  bie  ©ingefeffenen  cum  ipsis  civibus  folten  ruiniret  unb  3lnbere 
perbeffert  werben.  Uli:  Ratten  gute  Hoffnung  ju  Sttccommobirung  be« 
äöerte,  wegen  ber  geforberten  ©elbfumme  würben  fie  woljt  einig 
werben,  aBein  ba*  Privilegium  Albis  de  1628  hielte  ba«  SBerf 
auf,  benn  3.  9)taj.  wolten  bie  Stegatia  nic^t  fahren  laffen  unb 
Hamburg  wolte  fie  behalten  unb  mit  bem  Sßrtoilegio  fd&üfcen;  fie 
Ratten  bie  ©ad&e  felbft  recommenbirt,  wr&offeten  audfj,  bamtt  wa8 
©ute«  au8jurid)ten;  Hamburg  mü&te  etwa«  oon  i&rem  jure  cebiren, 
man  fälje  wo&l,  was  fie  felbfi  ifco  träten,  ba«  unnötige  SBefen 
Ijätte  wo$t  längft  mögen  gehoben  fein,  Hamburg  Ijätte  e«  apud 
Imperatorem  treuer  genug  erhalten,  wie  tynen  wo&l  bewußt,  ju* 
mal  er,  ber  iperr  SReidjSljofmeifier,  wie  er  ju  SBien  gewefen,  SUIeS 
gefe^en,  wie  $err  Dr.  SDteurer  hierin  riegoeiiret,  unb  wenn  er  gleich 
porigen  Sttbenb  gute  SSertröftung  befommen,  fo  wäre  beS  anbern 
Sage«  gemeiniglich  etwa«  2lnbereS  bajwif  djen  geraden;  gebaute 
aud),  bafc  Dr.  SWeurer  bie  ministros  caesareos  donis  tyätte  wiffen 
ju  corrumpiren,  bafj  Ujnen  babur<$  grofce  SRülje  $erurfad&t  worben. 

11.  Äug.  vesp.  l>at  unä  ber  ©anfciger  ©efanbter  berietet,  ba& 
er  wäre  bei  bem  §errn  Sfteid^ofmetfter  gewefen,  t)on  welkem  er 
pemommen,  bafc  wir  gute  (Sjpebirung  folten  erlangen,  addendo, 
wenn  bie  ©table  e&er  gef ommen,  elje  biefe  Xractaten  f 0  weit  gebraut, 
waren  biefelben  oiefleid^t  ad  cooperationem  abmittiret  worben, 
benn  fie  fid&  ju  benfelben  nod&  jeber  &t\t  me$r  ©uteS  als  ju 
anbern  t>erfe§en  träten. 

S)en  13.  3lug.  ifl  ber  3ft*ben$fdf)lu&  quoad  subscriptionem 
et  subsignationem  unter  beiben  fronen,  bann  audfj  unter  ber 
Äron  ©ennemarf  unb  ben  §erren  ©eneralflaaten  erfolgt  unb  bann 
aud>  glfidUdfj  ooUenjogen. 

Eodem  auf  ben  3lbenb  um  9  U^r  ift  ber  2)änif<$e  ©ecretartu« 
3imer  ju  unä  gefommen  unb  ber  ÄömgUd&en  Ferren  Sommiffarien 
doeumentum  wegen  ber  ^nclufion  unb  Soaequation  fambt  ber 
rebucirten  Derefunbifd&en  goBrofle  für  un«  unb  unfere  Sürger  ju 


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468 

gebrauten  überliefert,  weldje  toit  burd&gefetyen  unb  in  bem  docu- 
mento  befunben,  l.  ba&  in  inclusione  bei  (Sinfüljrung  ber  reser- 
vatoria  clausula  ba3  SBort  gewefen  fieb  befunben,32)  weldjeä 
fid^  anlegen  laffen,  afe  wenn  bie  pacta  gewefen  waren  unb  nidjt 
mebr  wären,  unb  baburd)  ben  Unfrigen  ein  $raejubi$  mödjte  juge* 
füget  werben,  ^aben  alfo  gebeten,  bafc  baS  SBort  gewefen  möchte 
tynweggetljan  werben  ober  aud)  bie  ba  gewefen  unb  anno$ 
fein  gefefcet  werben.  In  puncto  coaequationis  $aben  wir  atu$ 
btttlid)  angehalten,  ba&  biefelbe  möd)te  bergejtalt  ejtenbiret  werben, 
bannt  unfere  Ferren  Sßrtacipalen  unb  Untertanen  berfelben  in 
visitationibus,  certificationibus  unb  fonften  in  3Ulem,  wa8  bie 
$od)mögenben  Jßerren  Staaten  Oeneral  oor  l^re  (Singejejfenen  wegen 
be8  Derefunbifäjen  Qoütn  er^anbett,  ju  genießen  &aben  unb  ben* 
felben  gleid&ge^alten  möchten  werben,  iperr  3war  fjat  fot$e£  an 
3-  @jc.  gebraut  unb  wir  feinb  barauf  be£  anbem  £age£ 

14.  ej.  circa  9  jur  Stubienfc  geforbert  worben,  ba  wir  benn 
praem.  curialibus  ebenmäßig  gebeten,  l.  baß  baS  9Bort  gewefen 
mödjte  auÄgelaffen,  2.  bie  coaequatio  ad  visitationes,  certifi- 
cationes  et  alia,  wie  foldje*  bie  Ferren  Staaten  ©eneral  für  $re 
©ingefeffenen  erljanbelt,  mödjte  ejtenbiret  unb  bem  ©ocumente  ein* 
uerleibet  werben,  3.  baß  bei  bem  SBorteöürger  aud)  ©ingefeffene 
gebaut  würben,  4.  baß  bei  bem  SBorte  ju  gebrauten  aud) 


M)  5>er  SBortlaut  toat  folgenber:  (5*  ijt  aud)  betotttiget,  ba§  alle  in  ben 
Änfeetfdjen  ©unb  getyörenben  ©t&bte  in  biefen  Vertrag  fotten  begriffen  nnb  ein* 
gefdrfoffen  fein,  baß  fie  ibre  freie  unb  unbe^tnberte  (Sommercien  gu  Söaffer  unb 
Sanbe  geniefjen  fetten  in  beiben  jtönigreidjen.  &ud)  tt>a*  für  alte  pacta  unb  ©er: 
träge  jtotfdjen  ben  9freid)en  unb  Slnfeefldbten  getoefen  feien,  beren  Obfertmnfc  toirb 
ju  anberen  unb  brfferen  3eiten  refewlrt:  Unb  fott  Feiner,  ent»ebet  ©tabt,  ©ürger 
ober  Untertanen,  nid)t*  3öiberltd)e«  für  einige  Sktion  in  biefem  Jtrlege  ttfber* 
fahren. 

$inffa)tlid)  be«  3ott*  lautete  bie  ftefolution :  SDeil  nunmehr  na*  vielen  $e* 
mütyungen  unb  JEractaten  toir  und  mit  3f>rer  tfodjmögenben  fürtrefflid)en  ®e* 
fanbten  einer  getotffen  unb  beftänblgen  3ollrutte,  toonad)  bie  (Singefeffenen  ber  33er* 
einigten  92ieberlanbe  Ijtnfüfyro  ben  bemelten  3ott  imOrefunb  entrichten  fetten,  x?er* 
einbart  uub  »erglid^en,  fo  »irb  ben  Ferren  «bgefanbten  Riebet  eine  »ollßänbige 
Slbfdjrift  berfelben,  toeldje  fte  an  iljre  Ferren  «Princtyalen  »erben  ju  überbringen 
unb  biefelben  p*  beren  für  tyre  Bürger  unb  (Sinfcoljner  ju  gebrauten  Ijaben,  conu 
mnnicirt  unb  erteilet. 

JDte  mit  ber  Äefofutton  gugleid)  über  neigte  neue  ©nnbgottrotte,  d.  d.  ö^riftfa* 
nopd  b.  13.  «ug.  1645,  ift  abgebrueft  bei  ©durer,  JDer  ©unbjott.  €>.  195  ff. 
SMefe  3ottrotte  &at  b\6  jum  l.  Sanuar  1849  (öftltigfeit  behalten. 


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gefefcet  unb  ju  genießen  §aben,  5.  un«  ein  tempus  ju 
benonriniten,  wann  bie  ^Ratification  bei  Q.  Äön.  9Waj.  folte  gefudf>et 
werben.  Danus  respondit,  baß,  1.  gar  mdjjt  fönte  geänbert  werben, 
weil  baffelbe  jtd&  in  beiben  Driginaltractaten  befinbe,  e8  folte  unfern 
iperren  Sßrinctpalen  au<$  an  tyren  fyabenben  pactis  ganfc  ntd&t  fd&äb* 
Ud>  fein,  t)iel  weniger  folte  ober  fönte  aud)  barunter  einige  abolitio 
pactorum,  als  wenn  fie  nid&t  tne^r  wären,  üerftanben  werben,  ba« 
praeteritum  perfectum  wäre  in  ifjrer  ©prad&e  fo  t)iel  al«  ba& 
praesens,  ba$  idioma  brächte  e£  mit,  baß  e$  alfo  gefd&rteben  wor* 
ben;  ad  2,  wegen  ber  SSifttation  unb  wa$  fonft  bei  bem  $oU  mifyc 
DorfäKet,  Ratten  bie  Ferren  Staaten  baä  3Rittel  erfunben,  baß  Ujre 
©ingefeffenen  nid^t  allein  attejeit  eine  gefd&mowe  ßertiftcation,  fonbern 
aud&  Contwpjettel,  barin  fi$  alle  SGBaaren,  Hein  uub  groß,  befxnben, 
bem  Qoü,  eintiefem,  warumb  fein  SBetrug  fönte  üortaufen,  unb 
Ratten  ft<$  bie  Ferren  Staaten  babei  nod&  t>erpflid&tet,  wenn  fraudes 
barunter  vorgingen,  baß  fte  fettige  ju  rentebiren  wolten  gehalten 
fein;  wenn  wir  nun  foldjjeä  3llle$  audj  praefitren  unb  Bereuten 
fönten,  baß  in  3.  Äön.  3Raj.  $olIen  feine  Sorrenbreperei  gebraust 
würbe,  würbe  3.  2Raj.  ben  @rb.  ©täbten,  welken  Sie  o^ne  ba« 
aDeS  Oute  gönnten,  barinne  gnäbigft  gratijtciren,  fonflen  folten 
feine  Jßadfen  unb  bergletd&en  me&r  aufgemalt,  fonbern  SlHeS  in 
grosso  mfitiret,  bie  Unfrigen  aud&  nic^t  über  bie  ©ebü^r  befdfjweret 
werben;  unb  weil  bie  ratio  differentiae  manifesta  unb  tyre  6r* 
flärung  in  biefem  passu  ber  öittigfeit  gemäß  wäre,  wolten  fie 
hoffen,  man  würbe  beä&alben  ntd&t  weiter  auf  fte  bringen;  wir 
folten  biefeä  ad  protocollum  bringen,  weil  fie  e8  ju  galten  ge* 
meinet,  bfirften  audj  un$  baju  nur  ftd&erltdf)  üerlajfen,  3.  folte  ber 
©inwofjner  gebaut  werben,  4.  wolten  fte  ba£  SBort  ju  genießen 
Ijaben  Ijtneinrücfen,38)  5.  Hollandi  Ratten  brei  SKonat  ju  tyret 
Statificatton,  weld&e  uns  ebenmäßig  folten  angefefcet  fein,  atebann 
nrir  felbe  burdfj  einen  expressum  motten  fud&en,  fte  wutten  iljren 
befien  gleiß  babei  gebrauten.  Nos  ad  1,  wir  wolten  foldfjeS  ber** 
gefialt  ad  protocollum  bringen  unb  babei  3.  @?c.  ©rflärung  t>er> 
melben,  acceptirten,  baß  ju  feinem  Sßraejubifc  ba$  äBort  gewefen 
ben  Unfrigen  gereü&en,  weniger  eine  abolitio  pactorum  barunter 


M)  Da*  ben  Sü^efanMen  am  13.  Sl&enb*  mitgeteilte  ©^riftftftrf  toar  »et* 
matylid)  «ta  no*  n^{  unfetjeidjneter  unb  befiegelto  (Snttourf.  3n  bie  Ausfertigung 
finb  bie  fraflUfyn  ©otte  aufgenommen. 


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470 

gefudjet  werben  fotte.  Ad  2,  müßten  fot<I)e3  unfern  Ferren  ^rinci* 
palen  hinterbringen,  btefelbigen  würben  bei  @u$ung  ber  ^Ratification 
alfobann  um  2lbmenbung  ber  Situationen  unb  anberer  gravaminum 
bei  3.  9Raj.  anhalten  laffen.  Ad  ea  illi:  wir  motten  banebenfi 
aud)  fotd&e  3Rtttel  an  bie  $anb  geben,  bie  3-  3Raj.  Qoü  nid^t  fd)äb* 
li<$  wären.  A  3,  4  et  5to  §aben  wir  acquieäciret,  uns  genera- 
liter  bebanfet  unb  normal«  3.  3Jtoj.  ju  biefem  grieben  ©lud 
gewünfd&et  unb  ©erofelben  unfere  Ferren  Sßrincipalen  unb  Bürger 
recommenbiret  unb  alfo  von  iljnen  t)oDenfommU<$  2lbfd)ieb  genom* 
nten.  Illi  §aben  per  curialia  et  generalia  geantwortet,  bafe  fte 
unfere  S)i$cretion  —  wie  beS  #errn  $Reu$8§ofmeifier3  formalia 
lauteten  —  wegen  allen  unfern  geführten  actionibus  durantibus 
hisce  tractatibus  bei  3.  Äön.  9Raj.  wolten  §u  rühmen  wiffen,  ba* 
bei  au<$  3-  SWai-  £ulb  unb  ©nabe  tjerfxd&erten  unb  ft<$  ju  atten 
möglid&en  SHenfien  gegen  unfere  Ferren  SßrmcipateS,  als  audj  gegen 
uns  in  particulier,  grofjgenetgt  anerboten. 

Eodem  SRadjmittagS  feinb  wir  bei  ben  ©djwebifd&en  Ferren 
commissariis  gewefen,  bei  welken  t<$  nomine  communi  post 
cur.  3-  9Haj[.  unb  biefeibigen  Ferren  wegen  beS  getroffenen  griebenS 
congratuliret  unb  um  ©opeg  ber  grtebenStractaten  angehalten,  ba* 
mit  wir  biefelbige  wegen  unfer  3^clufton  au<$  feljen  mödjten,  oer* 
ijoffeten,  biefelbige  würbe  fo  eingerichtet  fein,  bafc  ft<$  unfere  Ferren 
Sßrincipalen  unb  GHngefeffene  beS  griebenS  ju  erfreuen  Ijätten,  unb 
bafe  biefelben  fol$eS  mit  nad&barlidjen  ©ienften  unb  perfönlidjer  21b* 
fdjjidung  bei  3-  3Jtoj.  würben  ju  üerbienen  wiffen.  §err  3teid>S* 
canftler  §at  fi$  wegen  ber  ©ratutation  bebanfet  unb  uns  3- 
Äön.  3Raj. ,  auä)  feiner  unb  ber  Ferren  SRetd&Srätfce  Slffection  gegen 
uns  oerfidjert,  unb  wolte  hoffen,  bag  biefer  grieben  eine  gute  Stufe 
iu  bem  allgemeinen  ^rieben  in  S)eutfd)lattb  fein  foDie.  SBegen  beS 
SractatS  Gommumcatton  t)ätte  eS  fein  SBebenfen,  nur  bajj  eS  U>m 
an  ©Treibern  mangelte,  er  wäre  nod>  nid&t  limiret,  fonbem  nur 
in  latina  lingua  fo  aufgefegt,  bafe  eS  ber  granjöjtf<$e  ämbaffabeur 
ju  feiner  5Radjri<$t  Ijätte,  er  folte  in  jwei  SKonaten  in  Germana 
lingua  publici  juris  werben.  Ego  $abe  mi<$  für  bie  gro&geneigte 
Slffection  bebanfet  unb  weiter  gemelbet,  ba&  eS  jwar  bamit  fo  lange 
in  SRutye  fielen  fönte,  allein,  bie  redete  SBa^eit  ju  fagen,  aus  was 
Urfa^en  wir  biefen  STractat  gerne  Ratten,  wäre,  bafe  uns  bie  S)äm* 
f<$en  Ferren  ©ommiffarii  unter  tyrer  $anb  unb  Siegel  oen  articu- 
lum  inclusionis  herausgegeben,  ba  wir  in  bem  SranSlat  befunben, 


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zedby  G00gk 


471 

bafj  bie  SBorte  wegen  ber  reservatoria  clausula  un£  etwas  nadfj* 
benflid)  fürgefommen ,  bero  wegen  nad&mate  bäten,  ben  passum 
inclusionis  in  lingua  Suecica  et  latina  in  forma  probanti  unbe* 
fdjjwert  un£  mitjutljeilen.  Respondit:  er,  ber  £err  SfteidfjScanfeler, 
befennete  gerne,  bafc  er  fein  fonberli^  33ebenfen  §ätte,  bie  uor* 
neljmfte  Urfad&e  wäre  in  ber  SBaljrljeit,  bafe  bie  pacta  uon  3.  3Jtaj. 
nod&  nidjt  ratificiret,  welches  aber  a  tempore  subscriptionis  intra 
mensem  gefd&e&en  würbe;  belcmgenb  ben  passum  inclusionis 
nostrae  folte  un£  berfetbige  nadj  unferm  SBegeljren  auSgeretd&et 
werben,  liefe  barauf  copiam  traetatus  per  secretarium  §olen, 
unb  las  un£  ben  passum  oor,  fagte  nod&mal£  sincere,  bafc  ni<^tö 
^Jraejubicirtic^e^  borunter  fönte  gefudjt  unb  »erftanben  werben, 
addendo,  mit  ben  gefammten  iganfeftäbten  Ratten  fie  wenig  pacta, 
fonbern  nur  mit  Sübedf,  berowegen  fie  feine  Urfadf)  gehabt,  barin 
etwas  dubiose  ju  fefcen,  e3  wäre  bod&  gewife,  bie  alte  Dbferoanfc 
ber  ^Jacten  würbe  nid&t  wieber  in  iljren  vigor  fommen,  beoorab 
barüber  wäre  getyanbelt  worben,  wetd&e8,  wenn  e£  ben  ©täbten  alfo 
gefällig,  3.  3Kaj.  nidjjt  juwiber  wäre,  ging  barauf  an,  bie  capita 
totius  traetatus  paeificationis,  fo  bie  Äronen  a  part  t^eilS  ratione 
Status,  tfjeilä  ratione  commercii  für  fid^  unb  itjre  SRitaDürte  con* 
cemirte,  ju  recenfiren,  unb  fam  unter  anbern  auf  baS  ©lüdfftäbtifd^e 
3oDwefen,  meinenb,  wenn  fie  uon  mehreren  barin  Sttffiftenfe  gehabt, 
folte  berfetbige  gar  wofjl  für  alle  abgettjan  fein  unb  §ätte  ber  griebe 
barum  nid&t  follcn  jurüdfgeljen ;  jweifelte  bennodj)  nidfjt,  Hamburg 
würbe,  wie  Dani  promittiret,  hierin  ju  6opent)agen  gute  ©atiSfaction 
erhalten,  worunter  er  gebaute,  bafe  fie  in  ipsa  paeificatione  t>ot 
bie  ^ßommerfdjen  ©täbte  erhalten,  bafe  biefetben  fünftig  be$  Oben* 
feetföen  Vertrags  genießen  folten,  wiewohl  e$  ifmen,  als  fdfjledjjten 
©täbten  p  geringem  9Jufcen  gereidjjen  fönte;  oermelbete  au<$,  bafc 
comes  Oldenburgensis  fyätte  wollen  inclubiret  fein  cum  regalibus 
et  neutralitate,  e£  wäre  aber,  weit  fie  oermerfet,  bag  barunter 
wa$  2lnbere£  gefud&et,  fo  ben  ^Benachbarten  fönte  jum  Sßraejubifc 
gereichen,  nid^t  gefd&efyen.  Nos  Ijaben  uns  enblidfj  auf  unfer  93orige$ 
erflärt,  bafe  wir  bie  SBörter  ber  reservatoria  clausula  fo  wolten 
aeeeptiren  unb  oerfieljen,  wie  3.  @£c-  biefelbigen  mit  SKe^rem  aus* 
gelegt,  baten  umb  recredentiales  unb  ftunben  auf.  Stando  recom* 
menbirten  wir  ber  Sergenfaljrer  unb  Soljann  SöotterS34)  ©ad&e. 

M)  aWarquarf  !)atte  twi  bem  ftatfje  &u  Sübecf  ben  befenbetn  Auftrag  ermatten, 
ftdj  toegen  einiger  toätyrenb  be«  Jfrtege«  »on  ben  @d)»eben  genommenen  2u&e<fifd)en 
@$ijfe  unb  (Bittet  bei  bem  S*ei$«fanjlet  |u  »ertoenben. 

31 


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zedby  G00gk 


472 

SBegen  btefeS  crftätte  fid)  ber  £err  ©analer,  bafc  berfetbige  fotte 
6<$iff  unb  ©ut  mieber  tjaben.  SBegen  ber  Sergenfaljrer  wolte 
er  litteras  recommendatitias  ad  gubernatorem  unb  admiralem 
nad>  ©ottjenburg  fdjreiben;  wenn  ftty%  wie  wir  fageten,  alfo  per* 
Riefte,  fottc  SlHeS  wieber  frei  unb  rejtttuiret  werben,  e$  wären  woljl 
ju  ©otyenburg  bei  40  Skiffe  unb  ©deuten  eingebracht,  barunter 
e&li<$e,  bamit  e8  aUerbingS  nid^t  richtig  wäre;  motten  fte  in  ber 
9tä§e  fein,  fo  wolte  er  jufeljen,  wa8  er  t^un  fönte  ,  ijter  tyätte  er 
aber  fein  mandatum  a  regina  baju,  t>erft<$erte  un3  auf  unfere 
unter^änigfte  unb  unterbienftlidje  Stecommenbation  biefer  ©täbte  fo* 
woljl  3.  3Raj.  als  feiner  unb  ber  Ferren  Sftei<I)$rät$e  guter  Slffcction 
unb  greunbfdjaft,  ftd)  anerbietenb,  bafe  er  bei  allen  ©elegenljeiten 
unfern  Jgerren  ^ßrincipalen  alle  SHenfte  erweifen  wolle,  wie  er  mir 
benn  foldjeg  reiterando  et  manum  porrigendo  promtttiret.  Darauf 
id>  valedicendo  a  part  abbiret,  bafc  wir  meHeidjt  in  Äurjem  bie 
©jjre  §aben  würben,  3.  ©je.  in  ©todttjolm  aufjuwarten,  worauf 
berfelbe  subridendo  un£  humanissime  cum  fausti  itineris  appre- 
catione  nebenfl  feinen  Ferren  SoHegen  btmtttirte.  Unb  wie  wir 
bei  bem  £m.  SJjuro  ©ielcle  rmlebiciret,  §abe  idj  mid^  efcltdjerma&en 
beflagt,  bog  ur&  bie  Sßommerfdjen  ©täbte  in  sua  obtentione  fo 
weit  Vorgängen.  ®r  Ijat  ridendo  geantwortet,  fte  wären  in  großem 
Slbgang  itjrer  ÜRatyrung,  wären  wir  ju  tym  getreten  unb  mit  einem 
JBauemborf  twrtteb  genommen,  Ratten  wir  e$  trielleidjt  eorum 
adminiculo  au<$  erhalten.35) 

S)en  15.  2lug.  frül)  SWorgen«  fam  ber  ©änifdje  ©ecretariu« 
SBemer  ju  un8  mit  SBertdjt,  bafe  un£  feine  Ferren  gommiffarien 
geßern  bog  geänberte  documentum  inclusionis  et  reductionis 
telonii  Oresundici  emgefdjicfet,  felbige  liegen  un$  freunblüf)  grüßen 
unb  ©lud  ju  unferer  Steife  wünf<$en,  wolten  hoffen,  bafc  wir  nun 
bamit  frieblic^  wären.  Nos  bebanften  uns  wegen  ber  ©alutation, 
contepirten  nodjmate  unfern  dissensum  wegen  ber  Sßorte  gewefen 
fein,  unb  weil  wir  biefelbe  für  ber  SWunbirung,  wie  fe^r  wir  aud> 
barumb  angehalten,  nic^t  gefe^en,  möchte  er  fol$e$  ad  protocollum 


")  gör  bie  ^ommerfdjen  <Stäbte  unb  SBtemar  erfoirfte  <S*toeben  eine  be* 
fonbere  Slnerfennung  be«  ©ertrag*  »on  Obenfee,  unb  barauf  gegrünbete  3uffd)erung 
ber  Sretyeit  »om  ©unbjoü.  ©ie  iß  in  2lrt.  34  bcd  Vertrag*  ju  IBrömfebro  au«* 
geforocfcen,  tt>eld)er  in  extenso  abgebrucft  ijt  in  Dumont,  Corps  Diploma- 
tique.   T.  VI.,  P.  I  p.  320. 


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zedby  G00gk 


4t3 

bringen,  bamtt,  wenn  fünftig  etwa«  baoon  gereget  würbe,  er  fidfj 
Slleä  ju  erinnern  wüßte.  3$  gebaute  au<$,  ba&  bie  Ferren  6om* 
miffarü  toties  t>erfprodf)en,  bafe  wir  nid^t  deterioris  conditionis 
fein  folten,  afe  bie  Ferren  Staaten  unb  bie  Sßommerfdjen  ©täbte; 
nrie  wir  nun  auf«  Sefcte  erftlidfj  uernälimen,  fo  wäre  t>or  2Bi3mar 
unb  gebaute  Sßommerfc&e  ©täbte  erhalten,  ba&  fte  fünftig  Qn^attÄ 
be$  Obenfeetfd&en  Vertrags  folten  tractiret  werben,  ba  bod&  wir, 
al«  bie  übrigen  SBenbifdjen  ©täbte,  bei  &  3Raj.  unb  S)ero* Ferren 
8ei$8ratl>en  un8  fomo&l  als  biefelbige  comportiret,  ju  ßopen^agen 
&fitte  man  t>on  tynen  nodj?  non  ben  pactis  nidfjte  Ijören  wollen, 
nun  aber  Ratten  fie  biefelbige  adminiculo  aliorum  bodf>  gefielen 
muffen;  e3  würben  aber  unfere  Ferren  unb  Dbern  nid&t  befifiiren, 
bei  3. 9Maj.  audf)  in«  ßünftige  barumb  anhalten,  unb  recommen* 
bitete  uns  im  Uebrigen  ju  feiner  favor  mit  ©lüdtmünfd&ung  ber 
Keife. 

Eodem,  vesp.  hora  8.,  wie  ber  $oHänbtf$e  §err  Slbgefanbte 
uns  perfönlid^  nalebiciret,  fjaben  wir  t)on  bem  granjöftfdfjen  ämbaffa* 
beut,  weil  er  morgen  gar  frü^e  wegreifen  wollen,  unfern  2ttfdf)ieb 
genommen,  bemfelben  praem.  curialibus  et  gratulatione  pacis 
laboriosissimae  bebautet  unb  umb  ein  documentum  pactorum 
üritorum  angehalten;  worauf  er  praem.  gratiarum  actione 
erwähnet,  bafc  er,  wenn  es  in  feinem  Vermögen,  für  ber  @rb. 
ßtöbte  SBo^lfa^rt  ein  t>iel  meljrereä  uerridfjten  wolte,  er  fönte  unfern 
gleifj  unb  Sorgfalt  in  biefem  negotio  conteftiren,  er  wolte  fold&e« 
audj  wm  $erjen  gerne  t^un,  weil  eS  aber  über  jetyn  Sogen  unb 
nur  biefe  9ta<Jjt  übrig,  fettes  ju  coptren,  motten  wir  iljn  beSwegen 
entfd&ulbigt  galten;  wofeme  wir  e8  begehrten,  wolte  er  fold&eS  uns 
von  6open$agen  fd&idfen.  2Btr  bebantten  uns  mit  Sitte,  bafc  ex 
latino  diplomate  bie  notula  inclusionis  in  forma  authentica 
nw^te  communiciret  werben,  weld&e«  er  promittiret  unb  fettigen 
Äbenb  unS  fold&e  per  secretarium  cum  desideratis  recredentia- 
libus  eingefd&tdet,  womit  wir  naiebiciret 

Den  16-  ifi  ber  grattjöfifd^e  unb  $olfieuufd>e  ©efanbte  aufge* 
brodln  unb  nadfj  Kopenhagen  gereifet 

£en  17.  fytben  wir  bei  ben  Ferren  SfUeberlänbtfd&en  Ämbajfa* 
beuten  unfere  Iefcte  SSifite  abgeleget  unb  fettige  ju  tljrer  Steife 
gratuliret,  bie  ®rb.  $anfeftäbte  unb  inSbefonbere  unfere  Ferren 
$tracipalen  i&nen  befiermafcen  recommenbiret.  hierauf  ijat  ft<$  ber 
$ett  Sdjaap  bebanfet  unb  gerüljmet,  bafi  irrten  pon  uns  fo  viel 

31« 


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zedby  G00gk 


474 

ßljre  wtberfatjren,  entfc^ulbigten  ftd),  bag  fte  i^re  devoir  bei  un* 
nidjjt  abgelegt,  albieweiln  fte  wenig  unb  faji  niemalen  über  jwei 
Sage  atyie  gewefen;  unb  n)eil  fte  mit  und  communem  inten tionem 
et  commerciorum  interesse  Ratten,  bie  Saloufte  ber  Otogen  audj 
ebenfowofcl  gegen  iljnen  als  efcU<$en  von  unfern  ©täbten  wäre,  fo 
Ratten  wir  meljr  ttrfa$,  und  mit  tynen  nä&er  ju  conjungtren,  wo* 
mit  wir  enbltdjj  unfern  2lbfdf>teb  genommen. 

S)en  18.  ejusdem,  wie  nunmehr  alle  ©efanbten  pon  Sljrijtia* 
nopel  perreifet  unb  wir  nun  in  biefem  unferem  Pathmo  wegen  ber 
un*  anberweit  nad&er  ©<$weben  aufgetragenen  Steife  alleine  per* 
blieben,  l>at  uns  ber  ©ouperneur  ju  (S&rtftianopel,  3Jtonfteur  33ülow, 
pijttiret,  ber  ©täbte,  pornefrnltdj  Sübecfö  actiones  fe&r  gerüfjmet 
unb  bafe  3.  SJtaj.  pon  ©ennemarf  fold&er  jeberjett  eingeben!  bleiben 
würben. 

S)en  22.  ifi  unfer  ©infpänniger,  melden  mir  für  §wet  Sagen 
nad^  Salmar  gef<$t<ft,  wieberumb  angelanget,  bie  f$roebif$en  recre- 
dentiales  mit  ben  recommendatitiis  wegen  ber  SBergenfa^rer  ©d&iffe 
§u  ©otyenburg  cum  copiis  ad  admiralem  mitgebracht,  woraus 
wir  erfeljen,  bafe,  wenn  e8  ftd&  mit  ben  Sfibfd&en  ©(Riffen,  wie 
Senatus  unb  wir  refertret,  alfo  perftelte,  fo  folten  felbige  relajtret 
werben.  63  §at  aber  ber  $err  SteicfyScanfcler  in  folgern  ©^reiben 
ber  Steinet  unb  Hamburger,  obgleich  f^riftlid^  unb  münbtidjj 
barumbf  angehalten,  mit  feinem  SBorte  gebaut  Unfer  expressus 
$at  beSwegen  au$  Erinnerung  getljan,  e8  ift  aber  bo$  babei 
perblieben. 


hiermit  fd&liefet  ber  93eru$t  über  bie  ©enbung  nadfj  örömfebro 
unb  G&rifttanopel  S)te  ©efanbten  burften  aber  nod>  ni^t  na<$ 
$aufe  jurüdfe^ren ,  benn  e$  war  tnjmifd&en  pon  ben  ©täbten 
beföloffen,  bafe  fte  tyre  Steife  na<$  ©todfyolm  an  ben  ©<$webifd&en 
§of  auSbeljnen  fottten.  ©in  STOotip  für  biefen  33efd>lu&  lag  in  ber 
©eforgntfe,  ba$  bie  ©djjwebtfd&e  Stegierung  eä  übel  nehmen  werbe, 
wenn  in  einer  Angelegenheit,  bei  welker  beibe  Sänber,  ©änemarf 
unb  ©Sweben,  gleich  beteiligt  waren,  eine  befonbere  ©efanbtfd>aft 
naä)  Gopenljagen  gefd^idt  würbe,  unb  nid&t  nadj  ©todfyolm.  Sin 
anbere«  STOotiP  lag  in  bem  Umftanb,  bafe  tnjwifdjen  bie  Äönigin 
e^riftine,  bie  Softer  ©uflap  Sbolpf)«,  na$  erreichter  $oUjä$rtgfett, 
am  18.  Stopember  1644,  bie  Regierung  felbftänbtg  übernommen 


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zedby  G00gk 


475 

fritte.  ©ie  fyttte  bie«  ben  ©täbten  in  einem  befonberen  ©djreiben 
angejeigt,  unb  man  hielt  e£  nun  um  fo  mefjr  für  notymenbig,  bie 
Stojeige  burdfc  einen  perfönli$  überbrachten  @lti(f  nmnf$  ju  ertmebem, 
ba  eine  ©efanbtföaft  fd>on  in  ©$roeben  anroefenb  mar.  Ddtfen* 
fternag  Änbeutung  bei  einem  gelegentlid&en  ©efprä<$  mit  ben  äbge* 
orbneten36)  läßt  erfennen,  rote  fel)r  man  auf  ifcren  93efu<$  in  ©tod* 
Ijolm  regnete  unb  roie  triel  2Bertf)  man  barauf  legte;  auf  bie  ©ad>e 
jeibji  l>atte  feine  äeufeerung  feinen  einftufe,  benn  fie  mar  fdjjon 
beföloffen.  aber  man  burfte  bei  fold&er  ©elegenljeit  nidjt  mit  leeren 
§änben  fommen  unb  bie  ju  fiberretd&enben  ©efd&enfe  mufeten  foroof)l 
ber  ©eber  ate  ber  fenpfängerm  mürbig  fein.  @S  fanb  barüber  eine 
lebhafte  Correfponbenj  unter  ben  ©täbten  ftatt,  eine  SSerftänbigung 
würbe  nid^t  o&ne  ©<$roierigfett  errei^t  Sie  ©eföenfe  mürben,  mit 
SluSnafyne  eine«  non  Cremen  eingefanbten  Spiegels,  mm  einem 
Solbfömibt  in  Hamburg  angefertigt,  bann  nad>  Sübed  unb  von  ba 
mit  einem  ©dpffe  na$  Ealmar  getieft.  Sie*  wrurfa<$te  ben 
Sefanbten  einen  Aufenthalt  oon  mefir  al«  brei  9Bo<^en. 

lieber  bie  ©efanbtfdjaft  nadj  ©todljolm  berietet  SWarquart,  roie 
im  golgenben  mitgeteilt  wirb. 

*)  ©.  449.  450. 


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XV. 

23ert  d)t 

über  fcte  ©efanfetföctfi  bet  $anfefiriftte  nacf»  ©totfljolm 

jur  Seglttcfmänftfrang  bet  Königin  (Efmfttne 

im  3o&«  1645. 

aRitgetyetU  üon  @taatöard)it)at  2B  entmann. 


ert  28.  Sluguft  feinb  wir  Don  6I)riftianopcl  ,  na<$bem  wir  uns 
bafelbft  in  bie  breijc^n  Söodjen  aufgehalten,  im  Atomen  ©otteS  auf* 
gebrodjen,  bafelbft  wir  t>on  bem  ©ouoerneur  £inrid)  93ülora  mit 
fioSbrennung  bteiet  2)änifd)ert  (Sanonen  unb  bie  ganfce  soldatesca 
in  armis  ualebidret  morben. 

S)en  29.  feinb  mir  ©ottlob  glücflidj  ju  (Salmar  angefommen. 

Den  i.  September  l)at  ber  9iaf)t  ju  Kalmar  jroei  ifjreS  SJUttelS 
megen  SRecommenbirung  einer  @ad)e,  fö  Reiter  Ao.  1638  in  unjerm 
©etid^te  anhängig,  an  uns  abgefertigt  unb  umb  Specution  beS 
erhaltenen  Urteil  angehalten,  roeldfjeS  if;m  nadj  Einreibung  eines 
begehrten  SDiemorialS  ju  ttjun  »erfprod&en. 

S)en  23.  ejusd.  ijl  unfer  lang  erwartetes  ©$iff  mit  ben 
^räfenten  für  $.  Äön.  3Raj.  in  ©djroeben  angefommen,  unb  weil 
unS  ber  SQBinb  jiemlid)  gefugt,  jeinb  mir  ben  25.  ej.,  hora  2.  pomerid., 
oon  Palmar  ju  @df)iffe  gegangen  unb  ©ottlob  ben  27.  auf  Michaeli 
Slbenbt  bei  gutem  SBinbt  unb  Söetter  in  ben  3)at)larn  angelanget, 
unb  meil  nad)  unfer  Slnfunft  ber  SBinbt  alfofort  contrer  geworben, 
bafe  unfer  ©djiff  meiter  nidjt  fönnen  fortfommen,  fo  Ijaben  mir  uns 
nebenft  unfern  2öagen  unb  ^ferben  laffen  an  Sanb  fefcen,  beS 
9?adjtS  in  $>alaru  logiret  unb  beS  SKorgenS  uon  bar  na<$er  ©todf* 
Ijolm  aufgebrochen,  albar  felbigeS  3ageS  glüdlid)  anfommen  unb 
bafelbft  bei  einem  £übfd)en  Särger,  Qod&im  ©rotjoljan,  eingeteert. 


Digitizedby  GoOgle      *J 


477 

®en  4.  Octobris  Reiben  wir  burd)  unfern  ©infpänniger,  £ub* 
roig  Seopolb,  mit  einet  gemieteten  3agt  au«  ben  2)alarn,  fünf 
2Reilen  oon  ©todl^olm,  r>on  bem  ©djiffe,  fo  wegen  contrarie  SBinbe« 
muffen  ftiH  liegen,  bie  Sßräfente  Ijolen  Iaffen  unb  barauf  unfere  2fa* 
fünft  bem  $errn  *Reid)«can|ler,  unb  (Srebitio  ad  Regiam  Majesta- 
tem  bemfelben  bur<$  £rn.  £at>elanb  angemelbet  unb  eingereiht, 
meldte  er  gar  humaniter  empfangen  unb  fetbige  3.  3Jiaj.  einju* 
liefern  oerfprodjen,  au<$  bie  Slubienfc,  ob  er  gleid>  mit  ber  £et$* 
begengnife  feine«  iperrn  ©ruber«  Ijmterlaffener  Sffiittwe  anifco  befdjäfttgt, 
ju  beförbem  oerfpro<$en. 

3)e«  anbern  Sage«,  5.  Dctober,  tyat  un«  nomine  Reginae 
ber  $err  Secretarius  Status  ©ülbenflaw  fatutiret  unb  beneuentiret 
unb  ftdj  entfd&ulbigt,  bafc  fte  un«  wegen  be«  §erm  9teid)«trud)fe& 
SBittiben  £ei$begengnife  m$t  al«balb  jur  Slubtenfc  oerftatten  lönnen, 
banebenpt  aber  ju  felbiger  ben  8.  huj.  angefefct,  worauf  wir  un« 
gebüljrenb  bebanfet  unb  gegen  fetbige  3eit  un«  fertig  ju  Ratten 
offeriret 

Eodem  f)at  ber  &err  9teid)«canfcler  DdrfenfHrn  abfonberlidj  burdfc 
feinen  £ofmeifler  un«  beneoentireu  unb  fi$  entfd&ulbigen  Iaffen,  ba& 
wegen  obangeregter  Urfadjen  er  un«  nic^t  elje  jur  Slubtenfc  beförbem 
fönnen. 

Eodem  fjat  un«  ber  gürfttid)  Sauenburgifdje  Sbgefanbtet 
Dr.  SBate  oifitiret. 

$)em  6.  Dctober  ift  ber  Sßortugiftfdje  SSbgefanbtcr  ober  Sie* 
fibent  beg  un«  gewefen  unb  feine«  £errn  be«  Äönig«  Slffection 
gegen  bie  &anfeftäbte  latine  bemonfiriret,  worauf  wir  un«  bebanfet, 
bie  commercia  cum  regno  Lusitaniae  unb  barin  erhaltene  Sßrioi* 
legien  angejogen  unb  de  meliori  recommenbiret.  Sr  tyat  ftdj  unter 
anbern  feljr  beftagt,  bafc  er  t>on  ben  S)änifdjen  bei  ben  SBrömfe* 
brotfd&en  Iractaten  fo  f$le<$t  angefeljen  gewefen,  bafc  man  $m  aud> 
bie  SSifite  benegiret. 

2>en  8.  Dctober  Ijaben  3-  Äön.  3Jtaj.  hora  8.  matut.  un«  burd) 
tyren  Secretarium  §errn  Sdjwatg  bie  ©tunbe  jur  Slubienfc  an* 
fagen  Iaffen.  S)arauf  furfe  barnad)  ber  iperr  3ofyann  SBe^renb«, 
3.  3Raj.  Äammerra^t  unb  Statthalter  über  bie  Äupferberge,  nebenft 
£errn  Sodann  Saube,  3-  3Kaj.  ßammer^errn,  (fo  für  biefen  gleidjer* 
geftalt  bie  granjöftfd&e  unb  9üeberlänbifd)e  Slmbaffabeur«  aufgelötet) 
gefolget  unb  oorangebeutete  2Uibienfeftunb  normalen  honorificentius 
rcpetiret,  un«  aud)  mit  3-  3M4  eigenen  Sarette  mit  fe<$«  Sßferben, 


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478 

fe<fy8  fbelpagen,  oier  Sadaien  uttb  anbent  2faffnmrttern  ft$  an  bie 
Stiegen  fügten  laffen.  2Bie  mir  auägeftiegen  ,  fctnb  bicfe  jroei 
Jperren  oorljergangen,  folgenbS  t>on  bem  $ofmarfd>all  unb  otelen 
nobilibus  burd)  bie  ätotid&ambre,  fo  ooKer  93olf$  uon  ftemben  9iefi* 
benten  unb  anbern  @inl)etmifdjen  gemefen,  bis  in  fr  Äön.  9Koj. 
innerfieS  ©emadf)  eingeftifjret  S)arauf  Ijaben  wir  untere  gebü^renbe 
9tet>erenfc  breimai  abgelegt,  unb  nrie  3».  SDlaj.  bie  §änbe,  ju  füften 
auägeftrcdet,  fold^e  mit  gejiemenber  9teoeren&  berühret  unb  tyx* 
nad>  unfere  ^ropofttion  in  £eutfd),37)  meiln  uns  von  bem  Äön. 
©ecretair  berietet,  ba&  fold&e  &  Äön.  3Raj.  lieber  in  Seutfö  treten, 
glüdli^i  abgelegt  unb  bie  Sßräfente,  al£  einen  fc^r  föflltdjen  Spiegel 
von  ©taett  mit  ©Über  unb  fdjroarfc  6bent)ol}  eingelegt,  bann  jroei 
grofce  ftlbeme  Seudtfer, 38)  baran  an  jebem  jroei  Sßerfonen  ju  tragen 
genugfamb  gehabt,  unb  ein  filbem  ©iefebedten  mit  jubeljöriger  ©iefc 
fanne,  alle«  fünfttidj)  gemad&et,  gebityrlid)  offertret.  3-  SJtoi-  faben 
unter  einem  $immel  ftefienb,  fomoljl  als  alle  je^n  9teidj*rää|e, 
benanblid)  £err  $eter  SBratye,  föeidjSttudtfefj ,  $err  Spei  D$fen* 
fftrna,  Sleid&äcanfcler,  §err  Slfe  3l?elfon,  3tei<^marfd)all .  §err 
3Rattljta$  6oop,  §err  £t)uro  hielte,  &err  Änut  $ofje,  iperr  Seaet 
SSoott,  $err  Sljuro  ©parre,  ioerr  @rid)  ©ülbenflern,  £err  ©ufto* 
0<l)fenfiirn,  benebenfi  ben  beiben  ^Pfaljgräfifdjen  gräulein  gar  attente 
fotdje  angehöret,  naä)  abgelegter  Sßropofttion  mit  bem  £erm  9teid>$> 
canfcler  gerebet  unb  S^re  SWetnung  bemfelben  ju  nerfleljen  gegeben, 
roeldje  un«  ber  $err  ganzer  in  ©djmebiföer  Spraye  fo  beutüd), 
bafc  mir  ben  sensum  gnugfamb  oerftefjen  fönnen,  roieber  eröffnet, 
lfirfclid>  ba^in  geljenb,  bafc  Q.  3Raj.  ftd)  gegen  ber  ©täbte  iterirten 
©rufe  unb  geneigten  SBiUen,  fo  fie  rüljmbltd)  megen  3t>rer  ange* 
tretenen  Regierung  unb  glücflid)  getroffenen  ^rieben  in  biefer  Der* 
nünftig  (nrie  bie  formula  lautete)  abgelegten  Sßtbpofttion  bemon* 
ftriret,  freunblidjft  unb  gnäbigft  bebanfen  träten  unb,  wie  biefeS 
Äönigrei<$$  mit  biefen  benachbarten  Stäbten  gepflogene  greunbföaft 
alt  unb  nidjt  o^ne  beiberfeitS  $luliin  märe,  wolle  fr  3JtoJ-  aud) 


*')  (&$  war  ben  ©efanbten  aufgehagen,  bie  Äönigin  latefnifi  anjnrtben,  um 
ja  »ertyüten,  baß  flf  ftfwebifd)  antworte. 

'*)  $a*  ©ilbergetoidjt  ber  beiben  £eud)ter  betrug  na&e  an  98  fe,  bie  güfr 
waren  »on  fdwarjem  ©ben^olj. 

3)a<  „(Sfjrenfleib,'*  ba*  SWarauart  f!d)  für  biffe  «ubifn|  in  Stcrf^clm  an* 
fertigen  lief,  foftete  200  mfr.  5Die  JDiener  erhielten  wju  ©e^uf  ir)rer  Aletbttna.  fo 
i^nen  §od)  nöt^ig  gewefen,"  jfber  10  Jl^aler. 


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479 

nad>  gyempel  fflnä  glonüürbigftett  §errn  SSaterS  baljm  fireben, 
baß  fol$e  greunbfdjaft  if>rerfcit^  folte  gehalten,  aud)  bie  (Sommeräa 
natfc  aller  3Röglid)feit  folten  beförbett  werben;  baß  Sie  aber  bie  ent* 
flanbene  betrübte  ßriegSunru^e  fobalb  nid)t  renunriren  fönten,  müfete 
man  üijuriae  temporum  juföreiben,  nerljoffeten  aberf  bafe  biefer 
unter  ben  9iorbifd)en  Äönigreidjen  getroffene  griebe  bie  in  Seutfdj* 
lanb  oorwefenbe  griebenStractate  ju  Dänabrüdf  folte  beförbem,  unb 
baburdj  2lfl<>£,  wie  aud)  bie  unentbetyrlid&en  (Sommereta,  fo  aller 
Äönigreidje  unb  Stäbte  anima  et  spiritus,  wteberumb  fönten 
tebrefftret  werben;  |ätte  man^^nen  wollen  feitreten,  wie  für  biefen 
bei  ben  Jractaten  gemelbet  worben,  folten  wir  nädjji  göttlicher  Jpfilfe 
in  Allen  beffere  conditiones  erlangt  Ijaben;  bafc  aud)  bie  6rb. 
Stäbte  folc^e  ifyct  nad&barlidje  ©ewogenfieit  gegen  3-  SDlaj.  mit  fo 
anfe^nlü^cn  Sßräfenten  aecompagniren  wollen,  bafür  t^äte  ftd^  3- 
üÄaj.  gnäbigfi  bebanfen,  wollen  foidjeS  bei  aßen  Gegebenheiten 
realiter  umb  unfere  Ferren  Sßrmctpalen,  wie  aud)  gegen  uns  ^in* 
roieberumb  ju  recognoäciren  wiffen;  im  Uebrigeri  würben  3-  SRaj. 
mm  ttyren  SReid&Srätyen  oeputiren,  weldje  mit  un$  über  alle  puneta 
plenius  conferiren  folten.  3$  $abe  mid?  für  bie  gnäbigfte  SÄefolution 
bebanht  unb  unfere  in  propositione  gefügte  puneta  normalen 
untertänig  recommenbtret,  unb  bafe  wir  bei  Ijerantretenber  SBinter* 
jeit  mit  fd&leumger  unb  gnäbigfter  ätefoiution  motten  nerfeljen 
werben.  £ernad>  feinb  wir  abermal  ju  3-  2Jlaj.  getreten  unb  ®ero* 
gelben  $$anb  berühret,  weldje  jtd)  wegen  ber  <51>re  unb  Sßräfente 
ielbft  bebanfet.  9tad)  gehaltener  2fabien$  feinb  wir  wieberumb  uon 
bem  §ofmarfd)alI  unb  tnelen  nobilibus  bis  an  bie  Stiegen  begleitet, 
wm  bem  Jperrn  Statthalter  unb  ßammer^erm  in  ber  Äönigl. 
€aroffe  büS  an  unfer  SogiS  aecompagniret  worben  unb  fjaben  bepbe 
wracifine  Ferren  nad)  reiterirter  ®anffage  bei  un$  jur  SWittagÄ* 
ma&ljeit  bebalten,  bie  ftdj  bis  äbenbS  um  7  Uljr  gar  luftig  erjeiget. 
»ei  ber  SWalfoeit  f>aben  fie  ber  Stäbte  Urbanität  l)öd)lid)  gerüljmet 
unb,  wie  uns  audj  oon  änbern  berietet,  bafe  3.  3Raj.  fold&e  Sßrä* 
fente,  wobei  fie  naä)  gehaltener  Sfabienj  fi$  mol)l  perlustrando 
nebenft  bem  £errn  Steid&Scanfcler  unb  anbem  Sftetd&Srätfjen  eine 
Stwtbe  aufgehalten,  fet)r  lieb  unb  angenehm  wären,  angebeutet. 

S)en  10.  Octobris  Ijaben  wir  beiS^rer  £od>gräft.  @pc,  §errn 
?eter  Sra^e,  umb  Slubienfc  2lnfu(^ung  getfjan,  worauf  biefelbige 
iljrett  £ofmeifier  fammt  ber  (Saroffe  mit  fed&S  ^ferben  unb  fed)S 
&ujuaien  gefdjidt  unb  uns  abholen  laffen.    3-  ®?c-  f)aben  uns  für 


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480 

ber  Stiegen  empfangen,  barauf  roir  unfere  curialia  unb  ©rufe  ab* 
gelegt  unb  $.  @jc.  Ijodfigeneigte  favor  ju  ben  ©tobten  l)öd)Ud) 
gerü^met  unb  weiter  ba^in  tecommenbiret,  bamit  btefe  ©täbte  bei 
bem  ungeljinberten  Saufe  ber  Sommercien  unb  be£roegen  bei  biefcr 
ßrone  erlangten  privilegiis  et  pactis  empftnblidfj  reftituiret  unb 
confertnret  werben  möchten,  fidfj  audf)  bameben  ber  ßljrb.  Stäbte 
proponirteä  anliegen  de  meliori  recommenbiret  fein  laffen.  3.  @jc. 
ijaben  fidfj  gegen  bie  brei  ©täbte  bebanfet,  unb  rote  an  ber  ©täbte 
2Bol)lfal)rt  ber  $odf)löbl.  ßron  oiel  gelegen,  fo  roürbe  3.  9Jtoi-  aud& 
ba^in  bebaut  fein,  roie  ©ie  bie  Sommercia  beförberten,  unmöglidjj 
roäre  t&  bei  fo  jerrütteten  3*tan  in  S)eutfdf>lanb,  bafe  SlUeö  in 
folgen  esse,  wie  für  biefen,  fönte  geraden,  er  roolte  un£  aber  uer* 
fid&ern,  baft  fte  nadfj  3Böglidf)fett  batyin  roolten  fireben,  bamit  e*  ju 
ber  ©täbte  2lufnaljme  unb  SBotjlfaipt  geretd&en  möge,  babei  aud& 
ermähnet,  xotnn  man  mit  ber  Äron  ©dfjroeben  nätyer  roäre  ju* 
fammengetreten,  bafc  man  bei  ben  ftractaten  foroo^l  in  puncto 
Oeresundici  telonii  als  be£  ©Ibroerfö  beffere  conditiones  obtiniret 
Ijätte.  Nos:  ba&  biefer  Sßunft  fdfjon  bei  ben  ftractaten  weiter  au$* 
geführt  unb  ba&  ratio  status  nostri  nid&t  roollen  julaffen,  bajfelbige 
roeiter  ju  begagiren,  roie  3-  ®jc.  felbft  l^od&pernünfttg  ermeffen 
roürben.  Sßorauf  roir  non  3-  @jc.  unb  beren  jungen  §errn  Setter 
gar  humaniter  bimittiret  unb  an  bie  Stiegen  begleitet,  audfo  mit 
felber  ©aroffe  roieberumb  nadf)  £aufe  gefüljret  roorben. 

10.  ejusd.  tjaben  roir  un$  bei  bem  &errn  gfelbtjerrn  Sacob 
be  la  ©arbie  angeben  lafien,  ber  fidj)  aber  roegen  ©d&roadjf)eit 
entfd&ulbigt. 

S)en  11.  Octobr.  fyabcn  roir  bei  bem  SfteidfjScanfcler  umb2lubienfc 
angcfud^et,  tyat  fid&  aber,  roeil  bie  Ferren  non  ben  ©renjen  mit  ber 
ratificatione  paciticationis  angefommen,  fe^r  entfdfjulbigt  unb 
gebeten,  bafe  roir  un$  bis  anbern  $age£  patientiren  möchten. 

Eodem  ift  ber  £err  @ccrctariu<8  ©d&roalg  mit  repetirtem 
gnäbigen  ©rufe  unb  2>anffagung  für  bie  publice  abgelegte  ©ratu* 
lation  unb  Dblation  ber  fßräfente  von  3.  ßön.  2Jtoj.  abgefertigt, 
unb,  roie  3-  9Kaj.  barab  eine  fonberba&re  3unci9UTt9  *>cr  ©täbte 
oerfpürte,  als  roolte  fte  e3  umb  felbige,  roie  audfj  un$,  in  allen  ©na* 
ben  ju  erfennen  roiffcn,  ließen  un£  Ijieneben  fürerft  ju  freunblid&er 
S3eneoentirung  mit  brei  Dfjm  9%inifdf)en  2Bein  unb  jroei  Dd&fen 
nerelpen,  roofür  roir  un£  gebüfjvenb  bebanfet. 

£>en  13.  ift  uns  tum  bem  £errn  9teidf)8canfcler  bur^  einen 


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jL 


481 

oom  Slbcl  angemelbet,  bafe  et  uns  Slubtenfc  geben  molte.  Darauf 
ift  fein  Jpofmeifier  benebenft  ber  ßaroffe  mit  fedjjS  Perben  unb 
irielen  $agen  unb  Sacquaien  circa  3.  pomerid.  ftirö  Sogement 
gefommen  unb  un$  abgebet.  2118  wir  in  beS  &errn  Sanier« 
Seljaufung  geroefen,  l>at  uns  berfelbige  feljr  freunblidfj  empfangen 
unb  in  feine  ©tuben  gefü^ret,  ba  idfj  bann  im  Flamen  ber  brei 
@rb.  ©täbte  benfelben  complimentiret ;  wie  aber  in  fine  gebaut, 
bafe  bie  ©rb.  ©täbte  für  vielfältige  gehabte  3Jtüt)e  Ijinwieber  ein 
geringe^  fttityn  üjrer  3lffection  unb  banfbaren  ©emütfjeS  in  Dffe* 
rirung  gegenwärtiger  fdjled&ter  Sßräfenten  bejeigen  wolten,39)  tjaben 
3-  @?c.  foldje  nidfjt  angenommen,  unb,  fofeme  man  Üjn  nidfjt  offen^ 
biren  wolte,  möchten  mir  tyn  mit  folgern  2lnmutf)en  rjerfdfjonen. 
Ob  mir  nun  rootjl  inftänbig  angehalten  unb  gebeten,  3.  6yc.  motten 
foldjeS  nid)t  übel  aufnehmen  unb  jum  Sßraejubifc  ber  @rb.  ©täbte 
bie  Sßräfente,  meld&e  bie  Diener  unter  bem  SWantel  bebedft  gehabt, 
ntdbt  wieber  wegtragen  laffen,  weil  e£  bodij  nur  blofee  contestationes 
animi  unb  beffen  9Weriten  nidfjt  eSgal  mären,  barumb  audf)  bie 
beiben  ©efanbten  non  Bremen  unb  Hamburg  ftarf  anhielten,  fo  tjat 
bocij  foldjeä  alles  nidfjt  Reifen  rooDen,  fonbern  feinb  auf  ifyrer  ÜÄei* 
nung  geftanben  unb  bie  SBegfdjaffung  urgiret.  Darauf  mir  ben 
Dienern  befohlen,  bie  ©adjien  unoermcrtet  mieberumb  nadf)  unferm 
fiogement  ju  bringen.  2118  ©old&eS  gefdjel)en,  Ijat  er  nod&mals 
repetiret,  mit  biefem  ätamutljen  if}n  ju  uerfd&onen,  e$  motte  iljm 
nid&t  anfielen,  fold&e  anjune^men;  mit  3-  SDtaj.  l)ätte  c£  eine  anberc 
33efd^affen^eit,  er  molte  im  Uebrigen  ol)neba$  freunblid^  mit  un£ 
(fo  er  3$re  iperrlid&feit  titulirte)  coiroerftren  unb  unfere  ©adjjen  bei 
3.  üRaj.,  fo  un«  mit  Äönigl.  ©naben  bewogen,  beförbern,  bamit 
mir  noclj  für  SSinter  eppebiret  mürben;  bie  Srb.  ©täbte  Sübedf  unb 
Hamburg  Ratten  Ijiebeoor,  als  er  burdfjgereifet,  bereit«  ifjre  3lffection 
erfpüren  laffen,  ba  fte  ü)n  mit  Sßräfenten  Ijouoriret,  mcldje  nid&t 
von  i!jm  lommen  folten,  fonbern,  wenn  eS  bie  ©elegenljeit  gebe, 
uns  barauS  nod^  wot)l  tractiren  möd&te;  baß  aber  alljie  in  loco 
ein  UebrigeS  geidfjetyen  fotte,  molte  i^m,  mie  gefagt,  ganfc  nid)t  an* 
fielen,  er  molte  eS  eben,  als  menn  erS  angenommen,  erfennen, 
bebanfte  ftdf)  audj),  bafe  bie  (Srb.  ©täbte  fold&e  gute  Dpinion  von 
U>m  unb  feinen  offieiis  Ratten,  unb  von  benen,  fo  er  bis  baljin 


")  de  waren    $»ei  „gamfcetten"   b.  ty.  «&anbbecfen,   wie  man  fte  nadj 
maxiem   jum   ©Dülen  ber  Singer  um^erjureidjen  Dflegte,   nebfl  ®ie§fannen,  unb 
jwei  güUfyörner,  an  ©überge»id)t  jufammen  59  ft. 


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482 


leifien  fönrtcn,  fo  moljl  jubirirten,  ntdfjt  meinenb,  bafe  er  foldfje 
®ncomien  mcritirtc;  er  ginge  nun  ab,  bennodf)  aber  folte  eS  itym 
in  feinem  2llter  ein  iucitamentum  fein,  barnadf)  ju  fireben,  baf$  er 
foldfjeS  SobeS  mürbig,  fonften  fönte  er  mit  ^ögfter  SBa^eit  bejeu* 
gen,  bafe  er  bie  ganjen  34  Saljre  feines  mäljrenben  SancellariatS 
ben  ©rb.  ©täbten  nadf)  beftem  Vermögen  gerne  gemillfafjrt  fjätte, 
erbiete  fidE)  audf),  ba  eS  oljne  ber  Äron  Stäben  gefd&eljen  fönte,  nod& 
femer;  begehrte,  man  möd&te  fidjj  etmaS  specialius  tyerauStaffen, 
bamit  man  nid&t  illotis  manibus  ju  fünftiger  Gonferenfc  fommen 
mödfjte,  er  motte  3.  9K4  2WeS  fideliter  berieten. 

darauf  tdf)  angefangen,  bie  mir  beroufjten  grävamina  in 
6r^öf)ung  ber  $ötiit,  2luf^altung  ber  Skiffe,  Sergtoerfation  ber 
Debitoren,  ad  iinitationem  baoon  felben  barüber  forootjl  nomine 
communi  als  in  specie  Lubecensium  bei  ber  Segation  Ao.  1620 
geflaget,  debita  cum  modestia  anjUjie^en  unb  umb  beffen  Sterne* 
birung,  als  benen  bei  biefer  Sron  erlangten  pactis  unb  privilegiis 
jumtber,  bei  3.  2Raj.  anhalten.  S)er  £err  SReid&Scanfcler  motte 
fold&eS  ad  referendum  annehmen,  eS  märe  befannt,  ba&  mit  ben 
Seiten  fid&  SllleS  änberte  unb  ba&  bei  fo  fd&mterigen  $t\ttn  jeglid^ 
Sanb  unb  ©tabt  nadf)  feiner  Sonfemirung  trottete,  wir  in  unfern 
©täbten  würben  eine  gletd&mäfeige  Slenberung  finben  k.  2BaS  ben 
SBefer*  unb  eibjoll  anlangt,  fönte  er  nid&t  abfegen,  baß  ber  Äönig 
non  S)ennemarf  baju  einiges  9tedf)t  ijätte.  ©ebad)te  baneben,  fte 
Ratten  in  commissione  gehabt,  bei  biefen  JriebenStractaten  äße 
3ölle,  foroo^l  in  bem  ©unb  als  ju  ©lüdtfiabt  unb  auf  ber  Söefer, 
abjufdjaffen,  fte  $ättenS  audf)  ba^in  bringen  motten,  wenn  nur  bie 
näd&ft  Qntereffenten  bei  tym  fielen  bleiben  ober  treten  motten.  5Die 
Jpottänber  mären  audjj  abgetreten,  ba  fte  bod)  moljl  beffere  con- 
ditiones  erhalten  fönnen,  eS  fiünbe  aber  §u  tyrer  SSerantmortung; 
maS  oorgefien  mürbe,  märe  balb  ju  erfe^en.  Rex  Daniae  mürbe 
balb  bei  ben  Ferren  ©eneralftaaten  ober  ben  ©tobten  einen  änfang 
mad&en  unb  bamit  bie  vexationes  et  visitationes  nidfjt  cefftren. 
2tnreidf)enb  bie  ©tabt  SKagbeburg,  märe  fold&e  mit  ©äd&ftföem  SSolf, 
meines  boä)  in  effectu  Äaiferifd^  märe,  befefcet,  mie  benn  ber  Obrifi 
unb  ©ommanbant  Jranborff,  melier  catyolifdf),  fomo^l  bem  ßatfer 
als  Surfürften  non  ©adjjfen  mit  @ibe  unb  ^JfltdEjt  uermanbt.  3-  3Jtaj. 
Ratten  mot)l  leiben  fönnen,  roenn  ber  ©rjbtfd&of  feine  eigene  SSölfer 
barem  gelegt  unb  ifjnen  bie  ^affage,  mie  Sübedf,  Bremen  unb  §am* 
bürg,  bafe  10—20  Sfteuter  burd&paffiren  fönnen,  perftattet,  fo  Ratten 


Digiti 


^* 


483 

Se  oDe  fe&en  wollen,  wie  bie  gute  ©tabt  abfetten  bet  ßron  ©c&we* 
tot  nid&t  befd&weret  worben ,  geftalt  fte  wiber  bie  Sürger  nidfjt« 
^mMidjeS  im  ©inn  Ratten;  er  wolte  bennod)  3.  SKaj.  auf  unfer 
Inhalten  2We$  tefetiten.  2Ba8  aber  bie  ©tabt  SBraunfd&weig  betreffe, 
town  wäre  U>m  3Ri(^tö  befannt,  conteflirte  fonften,  bafi  er  berfetben 
altes  @ute$  gönnte,  weil  felbige  get^an  als  fein  ©tanb  ober  ©tabt 
in  bem  SRömifd&en  SReid^  bei  ber  Äron  ©d&meben,  inbem  bief eibige 
na$  getroffenem  Sßragifdfjen  ^rieben,  weil  felber  faft  oon  allen 
Stanben  bcS  9teidf>$  angenommen,  Ao.  1636  ju  iljnen  gefd&tdfet  unb 
tü$  feines  Statte«  gebraud&et,  wie  fie  eS  anifco  aufteilen  folten ,  ba 
er  tynen  bann  lein  Unglüd  gönnen,  weniger  fie  barein  bringen 
moflen,  Ufnen  fold(je$  gleichmäßig  }U  t^un  geraden,  nam  quid  sola 
Brunswiga  poterit,  addendo.  Qu  ben  legten  fed&£  Qatjren  märe 
w>#  etwas  färgangen,  weldjjeS  bie  Äron  ©djjweben  offeneren  fönnen, 
glti^ioo^l  aber  müßte  man  e£  ber  $eit  SSeränberung  auftreiben, 
©ölte  fid)  im  Uebrigen  bie  ©ad&e  laffen  recommenbiret  fein.  SEBomit 
wir  unfern  Slbfd&ieb  genommen  unb  feinb  auf  3.  ®ff-  Saroffe  wieber* 
umb  na$  S&avß  gefüljret  worben. 

$en  16.  Octobris  Ijabe  id&  mit  bem  §amburgijd&en  Jperm  8lb* 
gefanbten  ben  Sßortugififdfjen  SRefibenten  trifitiret,  ber  foldfje  @^re 
t'einem  Äönige  jujuföreiben,  juramento  confirmiret. 

S)en  17.  jjaben  mir  wegen  unferer  SBergenfaljrer  a  part  3. 
Äöit  SRaj.  ein  3Remorial  überreifen  laffen. 

3)en  18.  feinb  wir  bei  §errn  2Ratti)ta$  ©00p,  SReid&Sratl), 
gcwefen,  bemfelben  unfere  communia  negotia  recommenbiret. 

$en  20.  faben  wir  wegen  unferer  am  8.  Dctobr.  vorgetragenen 
Serbung  an  bie  Äön.  SRaj.  ein  SRemorial  emreid&en  laffen. 

S)en  25.  (jaben  wir  abermal  bei  bem  £errn  9teidf$can$ler 
wegen  ©eförberung  unfern  9RemorialS  Snftanfc  getrau  unb  bie 
fünf  in  memoriali  regio  angejogene  communia  unb  particularia 
puncta  recommenbiret,  als  1.  Slbfdjjaffung  unb  SRemebirung  ber 
gravaminum  in  puncto  commercü  hanseatici,  2.  renovationem 
salvaguardiarum,  3.  inclusionem  Osnaburgensem,  4.  ätoföebung 
ber  SRagbefcurgiföen  SBIoquabe  unb  5.  ber  ©tabt  Sraunfdjjweig 
Petition  wegen  Sßerfd&onung  ber  Kontribution. 

Ad  1.  tytixn  3.  @jc.  weitläuftig  btöcurriret  unb  normalen 
©iebedplet,  bafe  in  biefen  gefäljrltd&en  Sauften  bie  Gommercia  nid&t 
tote«  in  einem  ©tanb  bleiben,  unb  weit  jebroebe«  Äöntgreidfc  nadj» 
kwer  Coitfenrntion  müfete  jfteben,  würbe  föwerttci)  bie  SSeränberung 


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484 

ber  3öDe  gefdf>el)en,  ntdfjtö  befto  weniger  würbe  fr  ®pc.  auf  ein 
foldj)  ©jpebienfc  bebaut  fein,  ba$  ben  traffigutrenben  ©täbten,  an 
beten  SBofjlfaljrt  audjj  ein  grofceS  2$eil  iljrer  Untertanen  bepen* 
birte,  fowoljl  als  tyren  eigenen  Seuten  erträglich  wäre. 

2.  äBegen  ber  ©aloaguarbten  wolten  ©ie  femer  gnäbigjie 
9tenot)ation,  gleich  bei  bem  2)änif<f}en  Äriege  gefdjjeljen,  ergeben 
laffen,  berichteten  \n\&  aber  baneben,  bafc  ©ie  gehöret  Ratten,  baß  ber 
Äönig  in  2)ennemarf  de  novo  t>on  ben  burdfj  ben  ©unb  ge^enben 
^anfifd^cn  SSaaren  5  pro  centum  folte  forbern. 

3.  S)ie  DSnabrüggifdje  Qnclufion  betreffend  würben  3.  SKaj. 
ben  Unfrigen  hiermit  ganfc  gern  beförberlicfc  fein,  bamit  biefelben 
in  sacris  et  prophanis  in  folgen  grieben  compretyenbiret,  allein 
motten  unfere  Ferren  Obern  bei  unferer  2lnfunft  ferner  erinnern, 
bamit  fie  nebenft  ben  anbern  ©täuben  umb  bero  Stemebirung  wie 
audfj  Suirung  ifjrer  jurium  in  votis  decisivis  et  aliis  firmii- 
befiänbiger  anhielten. 

4.  äBegen  SRagbeburg  motten  3.  SJtaJ-  wünfd&en,  ba&  bie 
Äaifertid&en  abgejogen  wären,  atebann  fönten  Sie  ber  Slocquabe 
enthoben  fein. 

5.  SSraunfdfjwetg  falber  Ratten  Sie  feine  anbere  SRadfjridfjt  ate 
twn  uns,  ©ie  fällen  woljl,  bag  auf  ber  einen  ©eite  bie  Jtecefjität, 
auf  ber  anbern  bie  3mpoffibilität,  ©ie  wollen  fidfj  biefen  Sßunft 
ebenmäßig  laffen  recommenbiret  fein,  bamit  ben  guten  ßeuten  aud& 
geholfen  werbe. 

gotgenba  ift  dominus  cancellarius  auf  bie  Sßarttculier  fünfte 
ber  beiben  ®rb.  ©täbte  Hamburg  unb  SSremen  gefommen  unb 
wegen  ber  (Srfcftiftifdjen  Sractaten  cum  Bremensi  angefangen,  wa$ 
bann  bie  ©tabt  wiber  ba£  ©tift  fud&ete,  unb  ob  fie  eine  3mmebiat 
©tabt  be$  Steidfj«  wäre  unb  felbigeä  wie  ßübedt,  fo  eine  uon  ben 
freieften  ©täbten  im  Stömifdfjen  SReidfj,  beraubten  fönne.  Söorauf 
Bremensis  fidfj  wieber  f>erau8getaffen ,  auf  bie  SUtanifefie  unb 
Sßoffeffion  bei  jüngftem  Steid&Stag  Ao.  1641  gefefeet,  berufen.  Can- 
cellarius: folcfceS  wäre  nur  ein  actus,  fönte  aud&  alleine  nid&tö  ji  . 
ber  ©ad&e  t^un,  fragte,  ob  fie  für  SUter«  sessionem  gehabt. 
Bremensis  afprmirte,  fie  wären  aber  in  I5ö  Sauren  nidf)t  erfdf>ienen. 
Cancellarius :  mit  biefem  ©treit  tyätte  er  für  biefem  in  Seutfdfjlanb 
jwifdfjen  ben  9teidf)$ftäbten  unb  Stttterfd&aft  gro&e  2Rül)e  gehabt,  in* 
bem  ftdfj  biefe  audj  auf  iljre  Sßrärogatioe  berufen,  fo  bodfj  novo 
usu  berogiret,  unb  bie  SRetd&äfiäbte  itynen  audfj  nidf>t  weisen  fönnen ; 


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485 

bie  ©adfjen,  wie  aud)  ber  ©treit  mit  ben  Ferren  ©rafen  t>on  Dlben* 
bürg  wegen  beS*äBafferjolIen,  gehöre  nid&t  an-  biefe  Äron,  fe^e  audfj 
nid&t,  wie  man  baju  gelangen  fönne,  weil  regina  nid^t  judex 
competens,  würbe  fidf)  beim  Sfteidfj  unb  beim  Äaifer  in  ©uSpicion 
bringen,  wegen  biefeS  SßuncteS  l)ätte  Oldenburgensis  et  Bremen- 
sis  secretarius  contraria  petita,  ille,  bafc  bie  ©adfje  nidfjt  nadjj 
DSnabrügg  ob  litem  peudentem  mödtfe  Dermiefen  werben,  Bremensis 
aber,  bafe  fold^eS  gefdjeljen  mödfjte;  er,  cancellarius,  f)ätte  einen 
9Jtittelweg  erfunben,  bafc  man  bei  ben  3Ritintereffenten,  als  93ifc3^of 
x>on  Söln,  Sßaberborn,  Reffen,  SJÜnben  unb  anbern,  folte  miniren, 
bafc  fie  fidf)  ber  ©ad&en  annehmen,  babei  bann  it)re  Sßlenipotentiarien 
alle  mögliche  Seförberung  Rotten  erjeigen. 

SKit  Hamburg  §at  er  jtdj  gleidjergeftalt  IjerauSgetaffen,  ob  fie 
benn  eine  immediata  civitas  fei,  unb  wie  $err  greefe  mit  $a 
geantwortet,  l>at  er  weiter  gefragt,  warumb  fie  bann  beSÄönigS  in 
SJennemarf  5ßapen  ex  loco  quodam  publico  l)inmeggenommen. 
Ille  respondit,  foldjeS  märe  baufällig  gemefen  unb  Ijätte  muffen 
repariret  werben.  Cancellarius :  ob  man  benn  foldjeS  nid&t  wieber 
an  feinen  Ort  fefcen  fönne. 

Tandem  fjabe  audj)  iö)  unfer  SBergenfa^rer  Suchen  wegen  (Sr* 
Hebung  tyrer  ©eiber  recommenbiret  unb  fte  normal«  entfdjutbigt, 
bafc  fie  nidjt  nadf)  33al)iiS  fonbern  nadf)  Norwegen  gewolt.  S)er 
£err  Gan&ler  i)at  uns  üerfprod&en,  bafc  foldfje  mit  uns  folten  ejpe* 
biret  werben.  S)arauf  unS  ber  $err  Kanzler  bimittiret  unb  auf 
feiner  Saroffe  mit  fc<^*  Sßferben  unb  fed&S  ßadfeijen  wieberumb  nad& 
ipauS  führen  laffen. 

S)en  29.  ljaben  wir  burd&  Lic.  Haveland  umb  unfere  6fpe* 
bition  abermal  bei  bem  ©ecretario  ©ülbenflaw  angehalten. 

Eodem  ifi  ber  ©ecretariuS  3fraelSfot)n  twn  bem  £errn  9teidf>S* 
canfcler  mit  ben  Danico-Belgicis  pactis  ju  unS  gefdfjicfet  worben, 
umb  unö  felbe  ju  communiciren  unb  jugleidf)  begehret,  bajj  wir, 
waö  uns  t)on  ben  2)änifdj)en  Ferren  comniissariis  wegen  unfer 
Tftctufion  unb  Soaequation  erteilet,  wieberumb  communiciren 
jotten. 

$)en  2.  Slfawember  ^aben  wir  ben  £errn  g-elbmarfd&att  @uftat> 
Jßorn  mfitiret,  wegen  feiner  Slnfunft  unb  guten  3Serri<Jjtung  gratuliret. 
6r  l>at  uns  mit  feiner  ©arojfe  unb  §ofmeifter  laffen  abholen,  honori- 
fice  ejcipiret  unb  fe£r  humaniter  tractiret. 

5Den  8.  ej.  ifi  ber  ©ecretariuS  ©ülbenllaw  3tbenbS  hora  6. 


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486 

bermatein«  mit  ben  Äömglid&en  Stefolutionen,  Stecrcbcntioleti  unb 
Segabungen,  fo  gülbene  Äetten  mit  2)ero  Äönigltdjen  Silbtniffen 
•  geroefen,  bei  un$  angefommen ,  Ijabcn  fetben  praevia  gratiarum 
actione  nebenft  iperr  ßiliencron  jur  3Ra^ljeit  behalten  unb  umb 
unfere  SSalebiction  untertfjämgft  anhalten  laffen. 

S)en  10.  ej.  tyaben  wir  bie  gürftt.  Sraunfd&roeigifdje  unb  8üne^ 
burgifd&e  brei  ©efanbten  oon  allen  brei  Stegierungen  nijitiret,  benanb 
ixä)  ben  ©rofcoogt  oon  (Seile,  £err  Stomas  ©rotef  uon  ffiolfen* 
büttel  $errn  Dbriftlieutenant  Otto  Ottenfen  unb  einen  t>on  $annoner, 
biefelben  wegen  iljrer  SHnfunft  unb  glüdflüfien  ©jpebitton  gratultret, 
banebenft  gebeten,  3».  gürjH.  @n.  fammt  unb  fonberS  ferner  in  bet 
Cooperation  be$  UntoerfatfriebenS  wolle  fortfahren  unb  ftdj  inge* 
fambt  biefe  brei  @rb.  ©täbte  unb  angetjörige  Sfirgerfd&aft  wollen 
recommenbiret  fein  tajfen,  cum  mutua  officiorum  oblatione.  SHe 
iperren  ©efanbten  Ijaben  ftd&  ber  @^re  bebanfet  unb  wollen  fold&eä 
bei  üjren  Ferren  Sßrincipalen,  meldte  ben  ©täbten  nid&t  übet 
affeettoniret,  ju  rühmen  wiffen. 

Eodem  2.  pomer.  ^aben  wir  bei  3>.  Äön.  3Raj.  unfern  unter* 
Üjänigften  Slbfdjieb  genommen,  ba  jie  un$  juoor  burdj  üjren  6taö* 
galtet  ju  ©todßjolm,  §rn.  ©ulbenanfer,  unb  §rn.  glemming  ntbtnfi 
ber  Äön.  ßaroffe  unb  trieten  Sßagen  abermals  jur  Slubienfc  tyolen 
laffen,  bafelbft  mir  eadem  frequentia,  qua  in  prima,  3.  SKaj.  unb 
bie  Jßerren  3teidj3rät$e,  wie  uor,  gefunben,  ba  mir  3-  3Raj.  fieljenb 
praevia  salutatione  et  Steueren!  submisse  für  bie  erttjeüte 
gnäbigfte  5lubien$,  erhaltene  Stefolutionen  unb  fiön.  Segnabigung 
ber  fo  anfefjnlidfjen  Begabung  un£  bebanfet  unb  biefe  ©tobte  ju 
allen  ferneren  Äön.  beharrlichen  ©naben  addito  et  repetito  voto 
gratulationis  valedicendo  recommenbiret.  Starauf  ber  &err  9tei<&& 
canfeler  abermal  unfer  gutes  gomportement  gerüljmet  unb  im  Slamen 
3.  3Waj.  promittiret,  bie  t>on  Statur  mit  biefen  ©tobten  unb  beut 
Äönigretd)  ©djweben  wegen  ber  mutueflen  unentbehrlichen  gom* 
mercien  gemachte  greunbfäaft  nad)  (Syempel  tyte&  glorroürbigen 
&erro  SJater«  gottfeligen  2lnbenfen3  ju  eultüriren  unb,  wenn  ber 
^öd^fie  ©Ott  ben  lieben  ^rieben  wieberumb  mürbe  befdjeren,  bie 
Sraffiquen  auf  folgen  gu&  ju  fefeen,  baj$  beiberfeitS  Unterfajfeu  fidj 
nid&t  mürben  ju  befdfjweren  Ijaben.  3-  2Raj.  roünfdje  un&  ©lud 
jur  Steife  unb  bliebe  uns  unb  unferen  $erm  Dbem  mit  Äön.  ©naben 
unb  ©unft  gewogen.    SBomit  mir  uns  bei  3-  9R4  mit  gebühren* 


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487 

ber  Steueren^  atfo  t)öUig  valebiciret  unb  auf  ber  Äön.  ßaroffe 
wieberumb  nadj  ipau^  gefahren. 

35en  11.  SRooember  hora  9.  niatut.  fyaben  wir  bei  bem  igerm 
9tet<$$can|jler  valebiciret,  ber  unä  abermals  solenniter  laffen  ab* 
l>olen,  \m&  wegen  vielfältiger  gehabter  2Rüf)e  unb  fd)leuniger  ©jpe* 
birung,  wie  aud)  wegen  vielfältiger  erwiefener  ©fjre  bebanlet  unb 
ju  ©ontefttrung  fold&eS  banf baren  ©emütljeS  abermals  gebeten,  bafe 
3.  ©?c.  bie  vor  biefem  offerirte  geringe  Sßräfente  wolle  auf  unb 
annehmen  unb  fold^ed  in  aller  ©nabe  verwerfen,  cum  ulteriori 
recommendatione  civitatum  et  valedictione.  Ille  fjat  geant* 
wortet,  es  bebürfe  feiner  2)anffage,  weil  er  ben  ©tobten  ju  ©Ijren 
ein  viel  9Jte^rere£  tljuu  wolte,  oerfid^erte  un$,  bafe  er  ber  ©täbte 
greunb  fei  unb  and)  verbliebe,  wir  würben  uns  audj  al«  gute  9laty 
barn  bejeigen,  unb  bamit  wir  ntdjt  meinen  folten,  bajj  er  wegen 
ber  offerirten  ißräjenten  einige  ungnäbige  Slffection  gegen  \m& 
ober  unfere  Ferren  ^rincipalen  fefcen  folte,  wolte  er  fotdje  aeeeptiret 
Ijaben  unb  würbe  ftdj  bemühen,  baffelbige  ju  verf Bulben ,  wetd&eS 
wir  cum  gratiarum  actione  aeeeptiret  unb  barauf  audj  na<$ 
gehabter  Slubienfc  bur<$  unfere  Wiener  biefelbe  3.  ©je.  bringen 
lajfen.  6$  Ijat  bei  biefer  ©elegentjeit  3-  ©je.  occasion  genommen, 
und  ju  erinnern  unb  ju  bitten,  ba&  bie  ©täbte,  als  bei  benen  no<§ 
robur  Imperii,  ttjren  Plenipotentiariis  ju  DSnabrügg,  wie  fie 
bereit«  ben  Slnfang  gemad&et,  ferner  affiftiren  motten;  vermelbete, 
ba&  Caesariani  bie  irrigen  vifitiret  unb  benenfelben  gute  ©attö* 
faction  ju  tfjun  offeriret,  baferne  fie  separatis  statibus  Imperii 
mit  tynen  allein  tractiren  wolten,  woju  aber  Sueci  gar  nid&t  geneigt' 
im  SBibrigen  wolten  fie  $eut|d)lanb  £eutfd)lanb  fein  laffen  unb  für 
fi$  Digiliren,  wobei  bie  ©tänbe  fd)led&ten  JJufcen  fjaben  würben, 
bäte,  $n  bei  unfer  änfunft  magistratui  nostro  ju  erinnern.  ©dfjttefc 
lid)  tyat  ber  §err  SRetdjSeanfcler  ebenmäßig  gebeten,  bafe  wir  ju 
fiübeef  wegen  ©rfjattung  nadjbarüdjer  greunbfd&aft  alle  üDUjjver* 
flänbnife,  bie  jwifd&en  tyren  Dfftcieren  unb  unfern  bürgern  vor* 
laufen,  nad)  9Rögltd)feit  mödjten  präeaviren  unb  wiber  bie  ©jeeffe 
gärtet,  ate  für  biefen  vielleicht  gefdjefjen,  animabvertiren,  l)at  aber* 
mal  ber  Ouerelen  mit  bem  Slbmiral  Blumen  Vorgängen  gebaut  unb 
bamit  und  ©lud  unb  §et)l  jur  Steife  gewünfdjet. 

Nos  fjaben  biefe  ©rinnerung  in  gute  Dbad)t  5U  nehmen  vep 
[proben,  fonften  ber  Querelen  unb  fürgcbrad)ten  Dmbragen  würben 
magistratus  nostri  eifern  unb  ©ruft  babei  brausen,  wie  benn 

32 


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488 

bereit*  wegen  be«  iperm  äfomiral  33lume  gegeben  märe,  facti 

speciem  enarrirenb,  bamit  3.  @pc.  frieblid)  war.    ©arauf  nrit  86* 

fd&ieb  genommen  unb  toieber  bi$  für  unfer  Sogement  gefu^ret  worbett 

hierauf  feinb  wir  be8  anbern  Sage«,  mar  ber  12.  -Äooember, 

mit  einer  Stört.  Sagt  nadj  ben   Statarn  gefü^ret,  folgenba  ben 

14.  ejusd.  ju  ©d)iff  gangen,  unb  weil  ber  SBinb,  ba  wir  au«  ben 

Speeren  gefommen,  etroaS  contrarie  morben,  tyxbtn  wir  in  einen 

Stanifdjen  J&afen,  JöobfoH  genannt,  laufen  mfijfen,  alba  mir  bi«  ben 

21.  9tot>ember  jlitt  gelegen,  normal*  ju  ©eget  gangen  unb  ben 

23.  ej.  beä  SRorgenS  ©ottlob  ju  £rat>emfinbe  glüdtttd)  angelanget 

unb  be8  anberen  Sage«  atyie  mit  ©efunb^eit  nrieberum  arrimtet, 

au$  barauf  ben  28.  ej.  meine  Delation  nebenfi  (Sjtrabirung  ber 

Driginatten  mit  gutem  contento  unb  ©atiSfaction  ®.  g.  SRatyS 

unb  ber  Sfirgerfdjaft  in  pleno  abgelegt  Unb  rote  nun  biefe  beiben 

legationes  hoc  turbulentissimo  rerum    statu  ljo<$nü$lt<$  unb 

nöt^ig  geroefen,  inbem    bie  Erb.  ©täbte  in  S)ennemar!  unb  bei 

ben  £ractaten  nid^t  allein  in  biefen  errofinföten  grieben  nad[>  ber 

greiljeit  ber  ©ommercien   cum  clausula  pactorum  antiquoram 

reservatoria  comprebenbiret  unb  eingefdjloffen  roorben,  bejonbern 

a\x$  t)on  3.  3Jtaj.  in  S)ennemarf  unb  anroefenben  9leid&*rSt$en 

erhalten,  bafe  bie  @rb.  ©täbte  eben  baffelbtge,  roaS  bie  Herten 

©taaten  ©eneral  ber  unirten  9tteberlanbe  nadj  fo    grofeen  auf* 

geroanbten  Äofien  unb  erregten  Dmbragen  wegen  beS  rebucirten 

Drefunbiföen  3oHeS  obtiniret,  für  ft$  unb  i^re  Bürger  follen  ju 

genießen  unb  ju  gebrauten  §aben,  bei  ben  ©d&mebifd&en  Ferren 

Plenipotentiariis  aber,  wie  aud)  folgenb*  in  ipso  regno  Sueciae 

bei  3-  Äfln.  SWajejlät  felbft  biefe  gute  ©tabt  in  specie  wegen  uielcr 

ungleichen  Goncepten  unb  bei  biefen  motibus  odiose  angejogenen 

actionibus  wieber  in  guteä  SSernebmen  unb  nachbarliche  gfreunb* 

Waft  gefefcet  roorben:  als  ift'ber  atterbö#e  §erfcen  unb  Stieren 

prüfet  au<$  billig  anjurufen,  bag  na<$  gefugter  Ratification  in 

Dania  ber  erroünfd)te  ©ffect  berfetben  wie  aud)  bie  83eftönbigfeit 

ber  in  ©djroeben  fo  bod)  promitttrten  unb  ex  mutuo  commercio 

bepenbirenben  nachbarlichen  SorreSponbenfc  ju  feinen  G^tcn  unb 

biefer  guten  ©täbte  @fftore#cenfc  unb  aufnehmen  barauf  erfolgen 

möge. 

28.  SRooembr.  Ao.  1645. 

3o$ann  9Rarquart,  Dr. 


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i 


XVI. 

$eiim$  23rcf)mcr,  6.  Ä#  Dr., 

Senator  bet  freien  ipanfefiabt  Sttbed. 

93on  ©taaWard)i»ar  ©entmann. 


vie  fotgettben  Blätter  ftnb  bem  2(nbenfen  eine*  3Ranne8  gewibmet, 
ber  eine  lange  Steige  von  Safjren  ^inbur^  feiner  SJaterpabt  erfprtefr 
Udje  unb  roefentlidje  S)ienfte  geleiftet  fytt.  ©ine  Starflettung  feiner 
2$ätigfeit  Ijat  aud)  objecttoe«  igntereffe,  benn  jum  £l)eit  gtebt  jte 
(SxaUid  in  S$ed)altmffe,  wie  fie  nur  in  unfern  norbbeutf<$en  ©täbten 
fu$  nadj  unb  na$  fo  eigentümlich  l)aben  auSbilben  unb  fo  lange 
erhalten  ttnnen,  jefet  au#  ba  überall  uerfd&wunben  ftnb;  jum  2J)eit 
tft  fie  notywenbiger  Söeife  jugleidj  ein  Seitrag  jur  neueren  ©efdjidjte 
2fibe*S  unb  berührt  ©reigniffe,  bie  hinter  ber  ©egenwart  fdjon 
fo  weit  jurüdttiegen,  bafe  fie  Dielen  ßefern  überall  nu$t  meljr  befannt, 
a6ct  audj  benen,  bie  fie  erlebten,  faum  no<$  in  tfjrem  3ufammen* 
fjange  unb  in  allen  ©tnjelljeiten  gegenwärtig  fein  fönnen.  #©S  ifl 
ba$er  aujune^men,  bag  bie  SDtittljeilung,  aufy  abgefeiert  t)on  pcrföntid^em 
^mcreffe,  SJtandjem  eine  wtllfommene  neue  Äunbe  bringen,  Slnbew 
eine  föon  bunfel  geworbene  ©rinnerung  erneuem  unb  iljnen  eben* 
falte  wiBfommen  fein  wirb.  aber  nur  ein  3#eil  ber  ©d^roierig* 
fetten,  roeUfce  bie  SJaterjiabt  neuerbing«  ju  überwinben,  ber  Äämpfe, 
welche  fte,  jwar  nid)t  mit  ©äffen,  aber  mit  Söort  unb  ©djrtft  ju 
befielen  fcatte,  enthüllt  ftd&  Ijier.  Slnbere  Steile  fnüpfen  ft$  an 
anbete  Tanten;  t>ießeid&t  wirb  e8  uergönnt  fein,  in  fpäteren  §eften 
biefer  3*tttörtft  **n  2Ritbürgern  unb  au$  einem  barüber  §tnau8> 
ge|enben  Sefttfreife  weitere  SWitt^eilungen  au  mad&en. 

82* 


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490 

#einrt<I>  Stemmer,  geboren  ju  Sübecf  ben  22.  Quiti  1800,  war 
ber  ältejte  ©oljn  beä  ÄrjteS  Dr.  9ttcolau§  §einrid&  Srefjmer,  eines 
SWanneS,  ber  ben  bei  weitem  größten  £f)eil  feiner  2^ätigfeit  gemein* 
nüfeigen  Seftrebungen  wibmete.  @r  war  Segrünber  ber  no<$  befreien* 
ben  wohlfeilen  Speifeanftalt,  SJtttbegrünber  ber  SratJemünber  SBabe* 
anjtalt,  tyielt  angej)enben  SBunbärjten  unentgelbtid)  SBorlefungen 
über  Sfoatomte  unb  in  ber  ©efeDfdjjaft  jur  Seförberung  gemein* 
nüfeiger  St^ätigfett,  bie  tyn  mcl>rfa<$  ju  ifjrem  S)irector  erwählte, 
eine  Steige  t)on  SSorträgen  über  wiffeufdjaftlidje  ©egenftänbe,  nament* 
U6)  au«  bem  ©ebiete  ber  ©efd&id&te  unb  ber  9?aturmiffenfd&aften. 
3n  fotd^cr  2trt  ber  SEfjätigfeit  mu&te  ber  6of;n  notfjwenbig  ein  25or* 
bilb  finben,  namentli<$  übertrug  fi<$  auf  ifm  ba«  Qntercffe  für  bie 
9taturnriffenfdf)aften  unb  ift  ifjm  bejfänbig  eigen  geblieben.  $te 
SJefd&äftigung  in«befonbere  mit  Sotantf  unb  ÜJtineralogte  mar  aud) 
in  fpäteren  Qa^ren  bie  freie  ^ätigfeit,  bie  einem  lebhaften  bur<$ 
SerufStljätigfeit  Diel  in  2lnfprud(j  genommenen  ©ctfle  oft  Sebürfnifc 
ifi  unb  burdEj  bie  er  neue  griffe  gewinnt.  6eine  ^ugenbbilbung 
empfing  er  auf  ber  l)icfigen  ©ele^rtenfd&ule.  @r  bejog  1819  bie 
Uniüerfität  3ena,  um  3ura  ju  ftubiren,  fonnte  aber  in  biefer 
SBijfenjd&aft  lange  3*ü  'eine  Sefriebigung  finben  unb  ging  ernftlidj 
mit  bem  Sßtane  um,  fie  aufzugeben  unb  fi$  ganj  ben  sJtoturwiffen* 
fdjaften  ju  wibmen.  S)cr  Sffiiberfprud^  be£  SSaterS  Ijinberte  bie  2luS* 
fü^rung  be£  planes.  S3re^mer  twllenbete  bcmnadE)  ba3  ©tubium  ber 
9te<$töwiffenf<$aften  in  ©öttingen  unb  ging  bann  mieber  nad)  fyna, 
um  bort  ju  promomren.  3u  biefem  3wedEe  förieb  er  eine  Sbtyanb* 
lung  über  bie  Stnnafoerjctyrung  be3  SübedEifd&en  9tedf)t$  (De  annali 
juris  Lubecensis  praescriptione).  ©egen  (Snbe  beS  <3at)re$  1822 
feierte  er  nad&  Sübedf  jurücf ;  Ijier  war  bamate  für  biejenigen,  weldje 
auf  btr  Untoerfität  promopirt  tjatten,  ein  weiterer  9iadj)wei$  ber 
©efä^igung  nid^t  erforberlidE),  bie  ßinreidjung  be3  Driginalbiplom« 
über  bie  erlangte  S)octorwürbe  würbe,  weil  ein  gacultätöejamen 
vorhergegangen  fein  mufcte,  als  genügenb  angefef;en.  6o  erlangte 
audj  ©re^mer  bur<$  beeret  be$  <Sinat&  oom  15.  3>uni  1823  bie 
SJefugnif*  jur  3luSübung  ber  juriftifdjjcn  $rajt$. 

S)ie  erfie  ©elegentjeit,  an  bem  öffentlichen  fieben  tyeiljuneljmen, 
fanb  fidf)  fd&on  im  folgenben  Satire,  inbem  er  am  17.  Sluguft  1824 
jum  SßrotöfoUfüfjrer  bei  ber  Central  *2lrmen;  Deputation  ernannt 
würbe.  Sine  weitere  unb  bebeutenbere  23irffamfeit  eröffnete  ft$ 
i§m  ju  Anfang  be«  %a\)Kt&  1827.  £>er  2Bette*3lctuar  ßatpen*  war 


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fränfUdf)  unb  bafjet  feiner  Stellung  nid^t  in  allen  33ejlei)ungett 
geroadfrfen.  $te  2Sette*§erreu  verlangten  oon  üjm,  bafc  er  fid& 
einen  ©efd)äft3gef)ülfen  jugejeHe.  ßr  fd&lug  33ref)mer  oor  unb  biefer 
mürbe  bann  oon  ben  sperren  ber  SEBette  i\m\  Slmanuenfte  erroäj)lt 
unb  am  27.  gebruar  auf  bie  tym  erteilte  ^nftruetion  beeibigt. 
2>a*  roar  bie  erfte  Stufe  ju  ber  Stellung,  bie  er  fpäter  erlangte, 
unb  bie  junädjft  burd&  amtliche  SSer^ältniffe  angeregte  S^ätigteit 
führte  ü)n  von  felbft  oon  einer  Gonfequenj  jur  anbern,  in  einen 
immer  ftdjj  erroeiternbeu  Ärete  hinein,  unb  gewann  babei  einen  fo 
beftimmten  innern  3uTöntincn^angf  als  ob  fie  ba£  SRefultat  eine« 
por^er  bebauten  planes  geroefen  märe. 

3n  tbm  biefem  $af)re  fd&lofe  er  ein  ©jebünbnifj  mit  SöiÜjelmine 
Sfcfyn,  Socfjter  bcS  SßaftorS  an  ber  Sßetri  ßtrdfje,  fpäter  Senior«  be« 
SHinifteriumS,  ^ermann  33el)n,  unb  legte  baburdjj  ben  ©runb  ju 
einem  gliidtid^en  gamilienteben. 

Unter  ben  mancherlei  ©efd&äften,  meldfje  ber  SQBette  oblagen, 
mar  bie  ätoffid&t  über  ba$  ©emerbemefen  roeitauä  ba$  umfangreid&fte 
unb  fdfjroierigfle.  SDie  Ausübung  ber  ©emerbe  beruhte  auf  ja^llofen 
tfjeilä  üon  ber  2Bette  fclbfi,  tfjetlS  oom  Statte  verliehenen  ©ered&t* 
famen,  bei  bereu  Erteilung  oietfad^  nid&t  fomofjt  bie  Stüdtfidjjt  auf 
por^anbene  Sebürfniffe  mafcgebenb  gemefen  mar,  als  vielmehr  bie 
2lbftd)t,  einjelnen  ^nbioibuen  gemiffc  StatjrungSjmeige  beftimmt 
jujumeifeu.  üHan  Ijielt  baS  für  einen  richtigen  ftoatömirtl)fdjjaftUdf>en 
®runbfa|,  ben  man  twrjugämetfe  in  SBejug  auf  ben  Äleinfjanbel 
in  2lu3fül)rung  braute.  2)ie  golge  aber  mar,  bajj  bie  einjelnen 
©eredjtfame  mit  ber  3*ü  W  ^n^m  föft  unauflöSUd&en  ©emirre 
mürben  unb  Älagen  über  unbefugte  Sljätigfeit  mit  SBitte  um  obrig* 
feitUd&en  Sd&ufc  ermorbener  Siebte  in  jeber  Sßettefifcung  vorfamen. 
SRur  @in  Seifpiel  ftatt  Dieler,  um  bie«  anfdfjaulidEj  ju  mad&en.  ©8 
gab  eine  Korporation  ber  £öfer,  ber  e«  gelungen  mar,  fiety  bie  3luf* 
nafjme  unter  bie  jünftigeu  $anbmerf£ämter  ju  üerfd&affen,  unb  bie 
ba&er  al«  ein  fold&eä  angefe^en  mürben,  obgleich  fte  ein  §anbmer! 
nidjt  betrieben.  Sie  fjiefeen  SBoflljöfer  unb  bilbeten  ein  fogenannteS 
gefd&loffeneS,  bafe  Reifet  ein  auf  eine  beftimmte  änja^l  Don  9Wit* 
gliebern  befd&räntteä  Slmt.  sJltbtn  iftnen  beftanben  in  meit  größerer 
3(njaW  nid&t  jünftige,  fonbern,  mie  man  bamatS  fagte,  verlernte 
£öfer  mit  faft  gleiten,  aber  nirgenb«  fidjjer  beftimmten  Seredfjti* 
gungen.  ßinunbfünfjig  berfelben  baten,  um  jeben  Streit  unb  alle 
Uebergriffc  ju  oermeiben,  ben  Senat,  eine  öffentliche  $efanntmad[>ung 


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barüber  ju  etlaffen  ober  roenigftenS  iljnen  fetbft  amtliche  Äunbe 
baoun  ju  geben,  worin  etgcnttid^  baS  Stecht  ber  ipöfer  befiele.  $n 
golge  biefer  ©upplit  erhielt  ber  ämanuenfiS  ber  äßette  Auftrag, 
■Radfjforfd&ungen  in  ben  Sßrotofollen  anjuftetten,  unb  er  l)at  mit  einer 
9Jtitye,  bie  nur  ber  red&t  rofirbigen  fannr  ber  ä^ntid^e  arbeiten  jelbft 
gemad&t  l)at,  einen  umflänblid&en,  in  feiner  9lrt  Ijöd&fi  intereffanten 
Sertd&t  aufgearbeitet  unb  baburdj)  bie  Ferren  ber  SBette  in  ben  ©tanb 
gefefct,  bie  ipöfer  ju  belehren,  bafe  fie,  tyeilS  auSfd&lie&Udfj,  tyetlS 
coneurrirenb  mit  anbern  gleichfalls  Sered&ttgten,  befugt  feien  ju  mx* 
faufen:  Siereffig  unter  einem  Quart,  gelbe  ©rbfen  unb  ©etreibe 
jeglicher  SHrt  unter  einem  ©djeffel,  SBefen  unb  üuäfte  bis  jum  ©unbe, 
gefallene  geringe  bis  jur  falben  SBalge,  geroö^ntidtjen  Ääfc  bis  ju 
einjetnen  ^funben,  ©djjaffäfe,  $e$  bis  jum  Sßfunbc,  ©anb,  6ier, 
©als  bis  ju  einem  ©dfjeffel,  SCfjeer  bei  33edf)ern,  %\)tan  bis  ju  einjetnen 
^funben,  gett,  ©dfjinfen  unb  ©ped  bei  einjelnen,  falben  unb  SBiertet 
Sßfunben,  ©dfjroefetyöljer.  S)abei  blieben  einige  fünfte  unberührt, 
über  roeldtje  eine  beftimmte  Sntfdfjeibung  nid&t  vorlag,  j.  33.  ob  bie 
§öfer  neben  ben  ©arbereitem  ober  Severe  aBein  baS  9ted)t  Ratten, 
©d&malj  ju  t>erfaufen. 

©n  anber  3Jlal  fanb  fidj  33eranlaffung  jur  Scfdjjäftigung  mit 
bem  gufjrroefen,  meldjjeS  ebenfalls  einen  jünftigen  Gtyarafter  tyatte. 
S)ie  Seförberung  ber  gremben  mar  nur  in  fo  weit  ©ad&e  ber  Sßofc 
serroaltung,  als  bie  geroöljnltd&en  Sßoftcourfe  baju  ausreisten.  Sitte 
übrigen  außer  ber  3*it  ober  nad&  Orten,  wof)m  eine  $oft  nidfjt  ging, 
crforberltd&en  gurren  gefd&afien  burdf)  eine  3lnjal;l  von  £ol)nful)r* 
teuten  (5JUetl)futfd)ern),  meldte  eine  Sflerpflidjtung  baju  übernommen 
Ijatten  unb  in  einer  gemiffen  feftbeftimmten  Reihenfolge  in  2Infprud& 
genommen  mürben.  Stauer  ber  5Kame  föeitjefuljr  ftatt  ber  in  größeren 
©taaten  befietjenben  ßjtrapoft.  ein  öffentlicher  Beamter,  ber  2öagen> 
meijier,  führte  bie  2lufftd)t.  3ur  Drbnung  ber  Steckte  unb  $fli$ten 
ber  gu^rleute  mar  t>om  ©enate  mefjrfadfj  eine  fogenannte  Steige* 
fuljrorbnung  erlaffen,  jum  legten  2Me  im  Satire  1814.  2>ie  9toi$* 
menbigfeit,  tyre  SefÜmmungen  jeitgemäfe  ju  änbern,  wranlafete  ben 
Auftrag  an  Sreljmer,  über  bie  Serijältniffe  ju  berieten  unb  SSor* 
fdjläge  ju  mad&en.  5)iefer  Sericbt  beginnt  mit  einer  intereffanten 
Ijiftorifd&en  S)arftettung  ber  2lrt,  mie  baS  g-ufjrroefen  für  Sßerfonen 
feit  ber  ÜWitte  beS  ficbjeljntcn  SaljrljunbertS  fidE)  allmäf)lid&  entmitfelt 
f)at,  unb  wie  ttjeÜS  üertragSmäfng,  tl)ei(£  obferoanjmäßig  in  ben 
einzelnen  an  einanber  grenjenben  ©taaten  bie  Redete  ber  ©im 


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493 

OeümM&en  gegenüber  ben  Siebten  ber  auswärtigen  ftdfj  fejlgeftellt 
fyxbtn.  2)ann  folgten  bie  3Sor{d)läge  für  bic  beseitige  Drbnung  ber 
33erf)ciltniffc,  aus  benen  bie  9leil)efuf)rorbnung  t>om  14.  Suli  1829 
fyeroorging. 

©tubien  unb  Slad&forfd&ungen  ber  2lrt  Ratten  grofceS  Sntereffe 
für  SBreljmer,  unb  e£  fdEjetnt,  bafe  er  es  au$  gemefen  ifl,  ber  bie 
gefammten  SBetteprotofolIe,  bie  notywenbtge  Saft*  für  alle  6nt* 
fd&eibungen  ber  2ßette,  fo  weit  fie  nod)  uorfjanben  waren  (feit  1587), 
jufantmengefud^t  unb  jufammengefiellt  fyat.  Seim  Suchen  barnad) 
liefcen  ein  glüdflidfjer  3ufaö  un*>  ein  9utcg  au9e  $n  e*ne  äufeerft 
widrige  Gntberfung  madtjen.  6r  fanb  im  Slöttuar  1828  in  einer 
bunfetn  Äammer  beS  9tatl$aufeS  bie  Driginalmanufcrtpte  ber 
3>etmarfc^en  Gfjronif  unb  beS  Sibemann  ©üfirow'fdfjen  Gobej  beS 
2übifd)en  Sled&tS,  jmei  SWanufcripte,  bie  man  fdfjon  lange  Dermifjt 
unb  x>ergeblidf)  gefugt  Ijatte.  2)ie  Sfflette  *  Ferren  erftatteten  bem 
Senate  33eridj)t  barüber  unb  ber  ©enat  oerliel)  i§m  als  SKnerfennung 
bie  ^anfeatif^e  SJenfmünje.  S)er  SÄed^tsScobey  wirb  feitbem  im 
2lrdf)to  aufbewahrt.  3)ie  Gtyronif  würbe  ber  ©tabtbibliotyef  über* 
liefert,  unb  ber  bamalige  33ibliotf)efar,  ^rofeffor  ©rautoff,  fyit  fie 
in  ben  3^ten  1829  unb  1830  abgetrieben  unb  herausgegeben. 
55er  Sßlan,  nadfj  bem  Sibemann  ©üflrom'fdjjen  Gobej  eine  JperauS* 
gäbe  beS  alten  Sübtfdfjen  Stents  ju  ueranßalten,  bem  ©reimet  ft<$ 
eine  3*itlang  mit  Vorliebe  Eingab,  fam  nid)t  §ur  Ausführung. 

3m  Jperbfte  beS  SaljreS  1830  entftanb  §uerfi  bie  SBeforgnife, 
bafe  bie  in  Slufelanb  £errf$enbe  (Spolera  fid&  na<$  3)eutf<$lanb  wr* 
breiten  möd&te,  unb  bie  Sßreufeifd&e  SRegierung  orbnete  fdjjon  bamalS 
$orfid&tStnaferegeln  an,  bie  jebod)  ben  @eet>erfef)r  nidjit  berührten. 
2llS  aber  im  grityüng  1831  bie  Äranf  fielt  fid&  im  nörbltdfjen 
Sitt^auen  jeigte  unb  eS  t)orauSftd&tlid(>  nidjt  lange  me^r  bauem 
fonnte,  bafe  bie  §afenftäbte  an  ber  Dftfee  frei  blieben,  würben 
firengere  SWaferegelu  ergriffen  unb  aud&  ber  Sd^iffa^rtöoerfe^r  einer 
ßontrole  unterworfen.  SJian  mufete  in  Sübedt  bem  Seifpiel  folgen. 
$>urdf)  eine  Verfügung  beS  ©enatS  t>om  25.  2Äai  würbe  eine  au« 
ben  9Bette*$erren,  tner  Sterjten  unb  fpäter  audfj  mehreren  bürgern 
gebilbete  ©amtätS-gommiffion  mit  weitgefjenber  SMmad&t  eingefefct 
Srefjmer  würbe  ifyr  als  ^rotofollfü^rer  beigegeben,  jebo<$  nid&t  btoS 
in  biefer  (Sigenfd&aft,  fonbern  audf)  fonft  auf  bie  mannigfad&fte  SBeife 
bei  Ausführung  ber  bejdfjloffenen  SDtaferegeln,  fo.'wie  §ur  Ausarbeitung 
pon  $erorbuungen,  jur  SSer^anblung  mit  Diepgen  unb  auswärtigen 


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494 

5Bel)örben  t>on  ber  Gommiffion  nerwanbt.  2)ie  gleich  barauf  cht* 
treffenbe  SRad&ridfjt  von  bcm  wirflidfj  erfolgten  2luSbrudj  ber  (Spolera 
in  SRiga  unb  in  Stanjig  erregte  93efHirjung  unb  würbe  für  bie 
(Sommiffion  ein  antrieb,  ftdf)  il)rer  Aufgabe  mit  bem  Icb^aftefien 
@ifer  ju  wtbmen.  ©ie  l)ielt  faft  tägltd)  ©ifcungen.  $n  Xraoemünbe 
muffte  fdEjleunigfi  eine  Üuarantaine*2lnftalt  unb  eine  ausgebeizte 
©tranbwadjje  eingerichtet  werben,  eine  Steige  von  SSorfd^riften  yox 
©idfjerung  gegen  bie  (Spolera  würbe  jufammengefküt  unb  auf  bat 
Antrag  ber  <£ommtfjion  als  SSerorbnung  be$  Senats  am  22.  3uni 
erlaffen.  2)em  Raubet  gereiften  biefe  aWafcregeln  ju  grofjer  8e> 
läfiigung,  jumal  ia  fte  aud^  gegen  Derter  ergriffen  werben  mußten, 
bie  nod&  nidf>t  angeftecft  waren;  eben  fo  läftig  waren  fte  für  ben 
*Perfonent>erfef)r,  ber  eben  feit  einigen  $ofyxtn  eine  früher  nw$t 
gefannte  ©ebeutung  erlangt  f)atte.  Seit  1826  beftanb  eine  vm 
Äaifer  non  Stufelanb  burdj)  ein  auSfdjliefetidjjcä  Sßrünlegium  begflnfUgte 
Stampf  fdj)iff3üerbtnbuug  jwifdjjen  Petersburg  unb  Sübedf;  baS  äffe 
nierje^n  Sage  anfommenbe  Stompffcljiff  bradfjte  jebe&nal  eine  gro§e 
Sfajaljl  tum  SRctfenbenf  bie  über  fiübeef  nadf)  allen  Steilen  wm 
S5eutfd(jlanb  unb  in  anbere  Sauber  gingen.  $)ie  (Sommiffton  war 
\\6)  itjrer  großen  S3erantwortlidfjfeit  Dößig  bewufct  unb  »erfuhr  firenge, 
aber  fte  erlief  wenig  allgemeine  SSorfdfjriftcn,  fonbem  beurteilte  tmb 
entflieh  jeben  %aU  für  fidfj  befonberg,  namentlich  bie  S)auer  ber 
Duarantatne,  ben  Umfang  ber  £)c£infection.  3)ie£  war,  ba  fte  immer 
an  Drt  unb  ©teile  war  unb  2flle£  gleid&fam  unter  iljreu  Sugen 
gefd&af),  juläfftg  unb  machte  e£  möglich,  bie  jebeSmaligen  Umfiänbe 
ju.berüdfftdfjtigen  unb  unnötige  garten  ju  Permeiben.  SMe  Sßreuj&ifdK 
Regierung  aber  fanb  barin  3Kangel  an  Uebereinftimmung  mit  iljrem 
eigenen,  2ffie£  na$  gleicher  Siegel  orbnenben  Scrfa^ren,  unb  to 
man  bamatö  aHe£  $eit  non  ben  rid&tigen  unb  ftrenge  burdfoeffiljrten 
SBorfeljrungämaferegeln  erwartete,  ftanb  ju  befürchten,  bafc  audj  ber 
33erfe^r  aug  unb  über  Sübedf  nadlj  Sßreu&en  ipinberniffe  ftnben 
würbe,  ©leidjje  Slnfid^ten  Ijatte  bie  3Redftenburgifd&e  Regierung.  Der 
©enat  fanbte  baljer  ben  ^raefeS  ber  ©anitätö^Sommiffton,  ©enator 
Gbxabau,  nadjj  Schwerin  unb  Berlin  unb  er  na^m  Srefjmter  ju  feiner 
Begleitung  unb  Unterftüfcung  mit  ftd^.  $urdf)  münbltdjje  SSer^anln 
lung  würbe  bie  wünfdfjenSwertfye  Berftänbigung  leicht  gefunben,  unb 
33rel)mer  entwarf  nadjj  feiner  Stücffeljr  iit  SluSfü^rung  ber  ®runb> 
fäfce,  über  bie  man  übereingekommen  war,  bie  £Uwrantaine*JDrbnimgf 
bie  #er  unter  bem  7.  ©eptember  1831  erlaffen  .ifi  unb  audj>  wm 


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495 

her  3Hedfen&urgtfcfjen  ^Regierung  unocränbert  angenommen  mürbe, 
g«  ift  befannt,  bafe  alle  Sorftd&tSmaferegeln  ba3  Umfid&gretfen  ber 
Spolera  nid&t  l>aben  uerljinbern  fönnen  unb  bafe  alle  ^Regierungen, 
ou<$  bte  *ßreufetfdf>e,  fi<$  balfa  von  ber  Unjmedmäfcigfett  ber  ©renj* 
obfperrungen  überzeugt  I>aben. 

1834  fiarb  ber  Sßette^ctuar  @arfien$  unb  SJrefjmer  mürbe 
fein  9tad&folger.  $n  biefe  3eit  fällt  eine  anbere  3rt  ber  $f>ätigfeit, 
bfe  er  mit  Siebe  ergriff  unb  bie  auä)  feiner  33aterftabt  roefentlidj)  ju 
®ute  geformten  ifi.  ©d&on  feit  1822  beftanb  ein  herein  für 
JSbedifd&e  ©efdfjidfjte,  mar  aber  feit  längerer  &\t  untätig  gemefen. 
Sre&mer  mar  e£,  ber  in  SBerbinbung  mit  bem  fpäteren  (Sifenbafmbirector 
Dr.  Seljn  unb  bem  Spafior  Sßeterfen  feine  $f)ättgfett  mieber  belebte 
trab  jugleid^  ermeiterte.  SBäfjrenb  ber  eigentliche  ßroed  urfprünglidf) 
nur  gemefen  mar,  bie  3)enfmale  Sübedtfd&er  ©efd^id^tc  ju  fammeln, 
tafcteu  bie  brei  ÜRänner  ben  Sßlan  ein  £übedifdje£  Urfunbenbud) 
l>erauä§ugeben.  3)a$  grfd&einen  be3  erften  SanbeS  be£  Urfunben* 
biu$$  ber  ©tabt  granffurt  im  3.  1836,  non  meinem  ber  Senat 
beut  Serein  ein  ©jemplar  fdfjenfte,  mürbe  2$eranlaffung,  fiä)  mit  ben 
wrbereitenben  arbeiten  alsbatb  ju  befd&äftigen.  3lnbere  3Rämter, 
namentli<$  ber  bamalige  ©ecretair,  fpätere  Watt)  am  Dberappeflation^ 
getid^t,  Dr.  SßauU,  fagten  ifire  2Ritmirfung  ju  unb  ber  ©enat 
gemattete  bie  ®enu|ung  be$  SKrd&toS.  60  ift  ba£  Sübedifdje  Ur* 
hrabenbudj)  entftanben,  für  meldfje«  ba3  granffurter  fomofjl  Jjinfidfjt* 
Iid>  ber  Srt  ber  Bearbeitung  atö  ^infid^tlid^  ber  äußeren  2lu$ftattung 
Sorbtlb  mürbe  unb  blieb.  SBie  mistig  bie  Jfjetlnafjme  an  biefer 
Arbeit  audf)  für  Sretymerg  amtltdfje  Stjjätigfett  gemorben  ift,  mirb  pd& 
im  Seriaufe  ber  weiteren  Starfiellung  ergeben. 

3(m  22.  gebruar  1836  mürbe  er  an  ©teile  be£  verstorbenen  Senator 
Stm^tng  in  ben  Senat  gemäljtt.  2)ie  9tatl)3fe|ung  btefeS  ^aljreS 
weifi  i^n  nadfj  atö  ÜRitglieb  bes  Obergeridfjtö,  ber  33ormunbfdfjafte* . 
beerbe,  ber  ©teuerbeputation  für  bie  ©tabt,  ber  @eutrak2lrmcu* 
Deputation,  ber  Sranbaffefuranjbe^örbe  unb  als  einen  ber  beibcn 
ßertification^^erren.  3m  nädftften  $aljre  fam  nodf>  bie  $f)eilnat)me 
an  ber  Seljörbe  für  Sürgerbemaffnung  l)inju.  $n  Wsfat  SBec* 
roaltung«jmetgen  blieb  er  ununterbrochen  eine  Steige  Don  Qaljren, 
wm  1842  an  führte  er  in  ber  Gentral*3lrmen*35eputation  ba£ 
?raefibium.  Slber  bie  StatfjSfefcung  allein  ift  fein  jutreffenber  äRafc 
ftab  für  bie  Xljätigfeit  ber  einjetnen  ©euatömitglieber,  in  tljrem 
Sdjjema  finbet  ft$  fein  SRaum  jur   Bejeid&nung  fomotyl  mand&er 


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496 

fpcctetter  auftrage  aU  audf)  ber  oft  fe^t  fd^TOterißen  unb  tnüfcoottm 
£f>ätigfett,  weld&e  in  berSettung  allgemeiner  Angelegenheiten  befielt 
2)ie  30H*  unb  bie  ©fenbal)nt>erf)ä(tniffe  waren  e3,  weldfje  bamatö 
juerft  al&  grofec  unb  wichtige  gactoren  beS  Seben«  Ijernorjutreteti 
anfingen,  &efctere  jwar,  bie  <5ifenbal>m)erf)ältniffe,  waren  1836  unb 
1837  für  un«  nodj  in  ben  crften  ©tabien  ber  (SntwidfeUmg,  erftere 
bagegen,  bie  Sofo^ftfltniffe,  roaren  f$on  ***  ätt,  ^fc  f*e  V1 
befttmmter  SJjätigfeit  aufforberten.  ©8  war  befannt,  bajj  bie  $aniföe 
Regierung  mit  bem  Sßlane  umging,  £olfiein  mit  einer  $oHgctrty  J* 
umgeben,  unb  babei  verlautete,  anfangt  al«  unbeftunmteS  ®etü$t, 
bajj  e«  audf)  beabftd&tigt  werbe,  auf  ber  ©trajse  jwiidjen  Hamburg 
unb  fiübccf  einen  SCranfttjoil  §u  ergeben.  3Wan  j)telt  bieg  ®erü#t 
lange  für  unbegrünbet,  big  fdjUeftfidj  im  ©ecember  1837  ber  Senat 
fixere  9tad&ri$t  erhielt,  bafc  bie  Slbfid^t  ber  $änifd()en  ^Regierung 
wirflidj)  baljin  ge^e.  ®r  beauftragte  bann  ben  ©tjnbicuä  Sud^olj 
unb  Senator  Sre^mer,  in  ©rwägung  ju  nehmen,  wie  weit  ber 
beabfid&tigten  3oHauflage  re$tlidf)e  ©rünbe  entgegenjufcfcen  fein 
mödjten.  ©3  ifi  wofjl  fein  3weifel,  bafc  Sretmter  felbft  biefen  Auf* 
trag  veranlagt  l>at,  ba  tf)m  burd&  bie  Sefd&äftipng  mit  ben  Urfunben 
unferer  ©tabt  befannt  geworben  war,  bafj  bie  3oBfreil>ett  ber  ©trage 
jwifdjjen  Sübedf  unb  Hamburg  auf  uralten  f  aiferlid&en  Verlegungen  beruhe. 
6r  begann  bemnadfj,  unterftüfct  von  bemberjeitigen  ärd&tvar,  Dr.  SBincflet, 
alle  biejenigen  Urfunben  ju  fammeln,  in  weld&en  erfi  bie  Äaifer, 
bann  bie  ©rafen  dou  #olfiein  unb  fd&liefeUdfj  bie  Äönige  von  Sföne* 
marf  felbft  jene  3ottfrei^eit  t&eil«  verliefen,  tljeilS  betätigt  Ijabeit, 
unb  ben  StityAt  ber  Urfunben  in  einer  ausführlichen  £enffd)rift 
jufammenjufleHen.  3)cr  ©enat  empfing  bie  Arbeit  (bie  tu  einem 
Sfagjuge  audjj  in  Ja  35  ber  bleuen  Sübedfifd&en  ©lätter  von  1838 
abgebrucft  ift)  am  28.  SJKärj  1838  unb  gewann  barauS  bie  Uebet* 
jeugung,  ba&  bog  9tedjt  ber  beiben  ©täbte  Sübecf  unb  ipamburg  auf 
einen  jollfreien  Jranfttverfetjr  burdfj  eine  Steige  von  Vertragen 
begrünbet  fei.  @3  fam  bann  jur  gfrage,  auf  welkem  SBege  btes 
9ledfjt  geltenb  ju  madjen  fei,  unb  man  überzeugte  ftdf),  bajs  e£  feinen 
anbem  gebe,  ate  ben  einer  Sefd&werbe  beim  ©unbeätage.  SModfjte 
öiefer  (Schritt  ©rfolg  fyaben  ober  nidfjt,  ber  ©enat  burfte  e*  feiner 
©fjre  unb  feiner  ^flid^t  wegen,  audjj  wegen  feiner  SSerantwortlid&fett 
gegen  bie  23ürgerfdf>aft,  bie  grofeeS  Vertrauen  jum  Vunbeätage  tjatte, 
nidfjt  unterlaffen,  tyn  ju  t^un.  ©eitenä  ber  33ürgerfdf>aft  war  1836, 
junäd&ft  für  ©fenbafmangelegentjeiten,  eine  ©efjeimcommiffion  ernannt, 


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497 

in  weld&er  SgnbicuS  Sudfftolä  unb  Senator  HRMer  Eommiffarien 
beä  Senats  waren.  Sie  würbe  jefct  dudjj  für  bie  3oncm9elegen^eit 
beooflmadfjtigt  imb  Sreljmer  burd[>  2)ecret  twm  30.  Qunt  1838  it^r 
betgeorbnet. 

Qm  2Rärj  gelangte  auf  oertraultdjjem  SBege  avß  Hamburg  bie 
Sßad&rtdfjt  Verlier,  bafc  ntan  audf)  bort  wegen  ber  2)änifdf)en  3°^ 
projeete  unruhig  fei  unb  ftdf)  gern  mit  Sübecf  über  etwanige  gemein* 
fd&aftlid&e  SWaferegeln  beraten  werbe.  $)iefe  9tad[)rW>t  war  l)ier  fe^r 
erwünfdfjt.  ©er  Senat  fäuntte  ni$t,  bie  Sreljmerfdfje  SKrbeit  atöbalb 
nndfj  Hamburg  mitzuteilen  unb  ju  weiterer  üterl)anblung  einjutaben. 
Dfyne  eine  Slntwort  abzuwarten,  begab  fi<$  bann  um  bie  SWitte  be£ 
Slpril  SBrefjmer  in  ©emetnfdfjaft  mit  Senator  2WüHer  naü)  Hamburg  unb 
trat  in  SSerbinbung  mit  ben  oom  bortigen  Senate  baju  beftimmten 
Ferren,  bem  SpnbicuS  Ste&eftng  unb  ben  Senatoren  SDJöndEeberg  unb 
Sutterotf).  jQinfid^tlid^  beS  Stedfjtä  befanben  fid&  beibe  Stäbte,.£am* 
bürg  unb  Sübedf,  in  ganj  gleicher  Sage,  fnnfidjjtltdfj  be3  3ntereffe£ 
mdjt,  benn  ber  iranfttyanbel  Ijatte  für  Sübecf  eine  ungleich  größere 
^ebeutung  atö  für  Hamburg.  35o<$  war  eine  ©rfdjjwerung  beffelben 
audfj  für  Hamburg  nadjjtfyeiüg,  unb  namentlidfj  bann,  wenn,  worüber 
man  feine  Äenntnifc  Ijatte,  Sffiaarenoerfenbungen  von  SKltona  nadE) 
einem  Dftfeefjafen,  Äiel  ober  Sübedf,  ein  SSorjug  in  ber  3ottbe^anb^ 
hing  follte  gegeben  werben.  3ur  3ei*  wa*  ta*  9*Wl  beS  oer* 
legten  Sied^tö  unb  bafe  man  ftdjj  bagegen  fd&üfcen  muffe,  in  Hamburg 
baS  Dorl)errf<§enbe,  unb  man  ging  in  ben  ©ebanfen,  eine  SBefdjjwerbc 
beim  SunbeStage  ju  ergeben,  bereitwillig  ein.  Sludf)  baS  £amburgifdfjc 
SCrd^io  würbe  burd&forfd&t.  SBreljmer  fefcte  ftdjj  ju  biefem  Qrotdc 
felbft  mit  bem  Slrd^ioar  Sappenberg  in  SJerbiubung,  unb  e£  fanben 
ftdjj  eine  SKenge  wertvoller  Urfunben,  bie  Sappenberg  abfd&reiben 
lieg  unb  au«  benen  er  bie  Skeljmcrfcijc  Arbeit  ergänzte.  S)a  bie 
Stimmführung  in  granffurt  in  bem  %aljtt  Bremen  juftanb,  würbe 
im  ÜRai  nodf)  einmal  eine  3ufammenfunft  m^  bem  ©remifd&en 
33unbeStagSgefanbten,  bem  ^Bürgermeister  Smibt,  in  Hamburg 
gehalten,  um  Ujm  Stufflärung  über  ben  ganzen  Sadjjoerljalt  ju  geben 
unb  Stat^  Ijinfid&tlidf)  ber  Se^anblung  in  granffurt  ju  empfangen. 
2>abet  übernahm  93rel)mer  e$,  bie  Sef^werbefd^rift  ju  entwerfen, 
feine  red&tUdfje  ©ebuetton  mit  Serüdffid^tigung  be£  Sappenberg'fdfjen 
SBerü^tS  umzuarbeiten,  audf)  ben  SlbbrudE  ber  fämmtUdfjen  Urfunben 
§u  beforgen.  $>a$  f)at  er  bann  in  ben  näd^ften  Monaten  getljan, 
immer  im  föinoemeiimen  mit  ben  igamburgtfdjen  Gommiffarien,  mit 


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498 


betten  no<§  mehrere  münbtidfje  Stüdffpradfjen,  fomofyt  I)icr  als  in  £<*m* 

bürg,   ftattfanbcn.     6ine  formelle    Schwierigkeit  lag  längere  &H 

barin,  baß  man  feine  amtliche  Äcnntniß  oon  ben  3lbfi<$ten  $)äne* 

marfS  Ijatte.     Mein  btefe  SdEjmierigfett  fjob  ftdj  wenigftenS  für 

Hamburg.    SDie  35änifd;e  Regierung  fdfjlug  bem  Senate  entroeber 

einen  2tnfd^Iufe  ber  £amburgifdf}en  gnclancn  an  baS  #olfteinifdje 

3olIft)fiem  ober  einen  gänjlidfjen  ober  tfjeilroeifen  SluStaufö  berfelben, 

audf)  mit  Siüdffidjt  auf  bie  bamals  im  93au  begriffene  Gljauffee  oon 

DlbeSloe  nadf)  Hamburg,  oor.    Unb  als  ber  Senat  barüber  oer* 

tyanbeln  ju  motten  erflärte  unb  babei  ben  SCranfüjoH  jugleid)  jur 

Spraye  braute,  mürbe  oon  Seiten  SDänemarfS  ermiebert,  in  einer 

9lote  t)om  11.  3uni,  baß  biefer  $oU  niemals  ©egenftanb  einer 

33er^anblung  merben  fönne.    9tad)  foldfjer  Antwort  fonnte  cS  ben 

Stäbten  nid^t  jum  Vorwurf  gemalt  merben,  baß  fie  fidf)  ntd&t  junädf# 

an  Sfönemarf  felbft    mit    einer  SorfteHung  manbten,   fie  maren 

beredf)tigt,  eine  Sitte  um  Sd&ufc  tyreS  gegenmärtigen  SefifceS  ber 

SranfttjoUfreiijeit  unb   jujleidj  um  2lufredfjtf)attung  ber  i^nen  ju* 

fie^enben  StaatSferoitut  unmittelbar  unb  ofjne  meitere  Slnjcige  an 

$)änemarf  an  ben  SBunbeStag  ju  rieten,  unb  mußten  audf)  bamit 

eilen,  ba  fie  aus  oerfd&iebenen  2tnjetc(jcn  entnehmen  fonnten,  baß 

3>änemarf  feine    $läne   mit    bem  anfange   beS  näd&fien  3faI)reS 

ins    3Berf  ju  fefcen  beabfidfjtige.    SDod)    ift   bteS  in    Gopentyagen 

Sübedf  fel)r  jum  Vorwurf  gemalt  unb  geäußert  worben,  i'übecf  fyabt 

janwifflflsfanaen  ohne  jfoieg&rfläruno.  $ie  Sdfjrift  würbe  am  23.  äugufi 

in  ber  SunbeSm-fammlungittfvg^eben.  £>er  Slbbrutf  ber  Urhinben 

mar  bamals  noefj  nidjjt  ganj  ooüenbet1  unb  mürbe  etwas  fpäter  nadjj* 

geliefert.    @S  waren  64  Urfunben,  oon  .1188  an  burdf)  alle  .^afjr* 

Ijunberte  I)inburdf)  bis  1314,  mit  weniget*  ausnahmen  aus   ben 

2lrdf)ioen  ber  beiben  Stäbte  genommen,  auSvjebem  ungefähr  bie 

§älfte,  unb  oon  Sre^mer  mit  einer  ßinteitung  oierfefjen.40) 

211S  bie  33efd^mcrbe  oerlefen  mürbe,  war  ber  SJänifdfje  ©efanbte 
nid^t  inftruirt,  barauf  ju  ermiebem.  @r  bef)aupte*e  inbeß  fogtetdf) 
bie  ^neompetenj  bcS  33unbeS  unb  baß  feine  Stegi^tung  nur  aus 
SRüdffid&t.auf  bie  tyolje  SJerfammlung,  wenn  cS  oort\  i^r  gemünzt 
werbe,  aber  oljne  Ujre  (Sompetenj  anjuerfennen,  barauf  antworten 


40)  5)ie  3ufammenfteHung  füf>rt  ben  X'iitl:  9lbbrucf  bei*  ba«  .TRed)t  ber  freien 
€täbte  Siibecf  unb  .frambura,  auf  ftertbauer  be«  aellfreien  XranjfoQMfrffljr«  gwifdjen 
beibrn  Stäbten  bnrd)  ba«  #clftcinifcf>e  ©ebiet  betreffenben  Urfunben}  3n  ben  SBndu 
fyanbel  ift  bie  Sdjtift  nid)t  gefommcii. 


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499 

»erbe.  Die  ©djrtft  würbe  einer  avß  ben  ©efanbten  von  Defterretdj, 
©aiern  unb  Äur^effen  befteljenben  Segutadjtung&ommtjfüm  über* 
geben.  2luf  beren  Sorfd&lag  befd^tog  bie  Sunbeäüerfammlung  am 
14.  September  1858,  bie  Dämfdje  Regierung  aufjuf  orbern  eine 
©rflarung  auf  bie  33efd(jwerbe  in  möglidfjft  furjer  3*ü  abjugeben. 
£>ie£  gefd^a^  nun  jmar,  aber  nadfj  langer  3ö9e^n9*  @*ft  aw 
30.  Dctober  traf  l)ier  bie  5Ra^rid^t  ein,  bafe  am  folgenben  £age  bie 
©noieberung  in  ber  8)unbe£t)erfammlung  würbe  oorgelegt .  werben. 
Der  Qnljalt  war  unbefannt.  ©oute  nun  ein  befinittoer  SBefdjjlufe 
ber  ShmbeSperfammlung,  wie  tyn  bie  Stäbte  wandten,  t>or  bem 
1.  3anuar  1839  überall  nod&  mögltdfj  bleiben,  fo  burfte  auf  bie 
Dänifd>e  ©rflärung  jefct  ntdf)t  geantwortet  werben,  benn  bann  würbe 
man  audj  bem  ©egner  eine  nodfjmalige  ©rflärung  nidfjt  tjaben  t>er* 
fagen  bürfen,  unb  bie  $t\t  wäre  barüber  Eingegangen.  63  liefe  fidfj 
ttber  oljne  Äenntnife  ber  Dänifd&en  ©rflärung  md^t  beurteilen,  ob 
c$  nid&t  unerläfelidd  fit,  U>r  etwas  fogleidj  entgegenstehen.  3"  ew** 
©orrefponbenj  war  feine  3ttif  e£  muffte  rafdfj  ;gemanb  mit  unbe* 
W&räitfter  aSoffmad&t  na<$  ^ranffurt  ge^en.  Unter  biefen  Umftänben 
^ielt  bie  Itfefige  Gommiffion  be$  Senat«  am  30. 9tad&mittag8  Sifcung 
unb  feilte  i^re  twrläuftgen  SKnfid^ten  mit  ber  äbenbpoft  ber  #am* 
burger  ßornmiffion  mit.  3lm  31.  3Worgen£  Ratten  in  betben  Stäbten 
bie  Senate  SBerfammlung.  9ladf;mittagg  fu^r  83ref)mer  bem  i$m 
erteilten  auftrage  gemäfe,  nad^  Hamburg,  f)atte  am  1.  9looember 
SWorgenS  ßonferenj  mit  ber  ©ommiffion  in  Hamburg,  fufjr  2Rittag£, 
—  afletn,  benn  ber  Senat  ju  Hamburg  tytelt  e£  nid&t  für  erforber* 
ttd&,  ilpn  Qemanb  beijuorbnen,  fonbern  gab  iljm  ebenfalls  SM* 
mad&t  -  nacij  Harburg  unb  von  ba  in  gröfeter  ®ile  ununterbrochen 
nadji  granffurt,  wo  er  in  ber  9iadf)t  t>om  3.  jum  4.  SJtoüember  <uu» 
ton.  3n  aller  ftntye  ging  er  jum  ©ürgermeifter  Smibt  unb  fanb 
bie  Sachlage  nun  folgenbermafeen.  Die  Dänifdfje  ©rflärung  war 
wrlefen,  fie  beantragte  abermals  Qncompetenjerflärung  be$  SöunbeS 
unb  folglidf)  gänjlid&e  äbweifung  ber  unftattljaften  Sefd^werbe.  Der 
©efanbte  ber  freien  Stäbte  Ijatte  nidljtö  SlnbereS  tfjun  fönnen,  als 
fikij  ba£  ^Jrototoff  offen  galten,  unb  ber  Dämfd&e  ©efanbte  Ijatte  eS 
fic|  euentuefl  für  eine  ©egenerllärung  offen  gehalten.  93etbeS  aber 
liefe  fic|  nod&  änbew,  benn  baS  *protofolt  war  nodfj  nidljt  gebrudft. 
SRadjbem  nun  bie  beiben  §erren  bie  Dänit'd&e  Srflärung  mit  ein* 
anber  gelefen  unb  erwogen  tjatten,  gelten  fie  eS  für  richtig,  baS 
Offenhalten    beS  SßrotofoßS  fallen  ju  laffen,  bamit  ber  Dänifd&e 


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500 

©efanbte  baffetbe  tyue  unb  eütfadj  ber  Sefd&lufc  ber  SSerwetfung  an 
bie  SegutadfjtungScommiffion  fielen   bleibe,    ©ann  tonnte  aerfud&t 
werben,  biefe  ©ommiffion  §u  fdfjleuniger  öeri^terflattung  ju  bewegen 
unb  bamtt  bie  ©adfje  auf  eine  ober  bie  anbere  SBetfe  jum  Abfcljlufj 
ju  bringen,  ©urdj  oerfd&iebene  Slüdffpradfjen,  au<#  mit  bem  Sßraejtbial* 
gefanbten,  gelang  bie«  AHeS,  nur  auf  ben  Sn&alt  beS  öerid^ö  liefe 
ein  @influ{j  fidf)  nidfjt  ausüben,  unb  biefer  entfprad&  jwar  nid&t  ben 
SBünfd&en  ber  ©änifd&en  ^Regierung,   aber  audfj  nid^t  benen  ber 
©täbte.    S)ie  ©ommiffton  [teilte  unb  moturirte  am  15.  SÄopember 
ben  Antrag,  ba&  bie  SBunbeSoerfammlung  ftd&  jwar  als  competent 
in  ber  Angelegenheit  erfenne,  aber  bem  Segelten  ber  ©tobte  um 
©dfjufe  nid^t  fiatt  ju  geben  oermöge.  liefen  Antrag  erljob  bie  Sunbe** 
oerfammlung  jum  SPefd&lufc.  S)te  beiben  Jperren,  ©mtbt  unb  Sre^mer, 
Ratten  von  ber  Anftdfjt  ber  ©ommiffton  unb  bem  oorauSjufeljenbett 
SBefdfjluffe  Dörfer  Äenntmfe  erhalten  unb  beantragten  nunmehr  fogletdjj 
9tamen3  ber  ©täbte  9tteberfe$ung  einer  SSermittelungScommiffion  unb 
für  ben  galt,  bafj  burd&  biefelbe  tfjre  Stefd&werbe  mdfjt  erlebigt  würbe, 
©nleitung    eine«   AujträgafoerfaljrenS.     SHe  ShmbeSoerfammlung 
bewilligte  beibeä  unb  bilbete  nun  avß  ben  ©efanbten  von  Deperrei4 
SBaiem  unb  Reffen  eine  ^ermtttelungScommiffum.  SMc  golge  bapon 
war,  bafc  beibe  ©täbte  Vertreter  in  gfranffurt  ^aben  mußten.    S)a 
nun  mit  bem  l.  Januar  1839  bie  ©timmffi^rung  auf  Hamburg 
überging,  fo  tonnte  ber  $amburgtfd|je  SunbeStagSgefanbte,  ©pnbtcu* 
©ieoefing,  audjj  für  biefe  Angelegenheit   befonber*   be&ottinädS>tigt 
werben,  von  ©eiten  Slibedfö  mürbe  SJre^mer,  ber  erji  gegen  ©nbe 
be$  SRooember  jurüdfgefeljrt  mar,  \tm  bie  SUlitte  be8  .ftanuar  aber* 
mal«  fjmgefanbt  unb  tjat  ben  größten  S^eil  be*3$>re3  in  grattffurt 
jugebrad&t.    ©n  erfolg  ift  bamit  ntdfjt  erretdfjt.    Unb  bo<$  butfte 
man  tyn  nidjjt  abberufen,  benn  e*  mufete  aud&  ber  ©d^eiu  oermieben 
werben,  ate  ob  bie  ©täbte  bie  Angelegenheit  weniger  eifrig  betrieben, 
al«  ju  Anfang.    @rft  im  Sßooember  erhielt  er  auf  feinen  roieber* 
§olt    auSgebrücften   2Bunfd(j    bie   @rlaubnif$,    vorläufig   jurü* 
jufetjren.     ©leid&  barauf  aber,  am  3.  S)ecember   1839,  trat  in 
Sänemarf  mit  bem  $obe  griebridfj*  VI.  ein  $$ronwe$fel  ein,  unb 
e«  fam  in  Anrege,  ob  es  ntd&t  rid&rtg  fei,  jefet  mit  ber  S)änif<$en 
Regierung  unmittelbar  in  SBerfjanblung  ju  treten. 

gür  bie  ©täbte  lagen  ©rttnbe  genug  oor,  biefen  Sieg  einju* 
fragen.  ®er  £uftanb,  ben  man  burdfj  bie  Sefdfjwerbe  in  grftnffurt 
Ijatte  abwehren  wollen,  war,  ba  ber  33unbe*tag  feinen  ©<$u$  per* 


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501 

fogt  Ijotte,  factifc^  eingetreten.  S)er  Sranfttjott  würbe  feit  bem 
l.  3tmuat  1839  erhoben.  $)ie  AuSfidfjt,  baf$  er  burdfj  bie  2BW« 
famfett  ber  SermittelungScommiffion  ober  burdfj  ein  Aufirägaloer* 
fahren  nrieber  würbe  befeitigt  werben,  fjatte  von  Anfang  an  feine 
S^fd&emlid&fett;  efjer  war  anjuneljmen,  bajs  ein  Auggletdf)  in 
anberer  3Beife  würbe  gefugt  werben.  2)a3  aber  lonnte  burdf)  im* 
mittelbare  SSer^anblung  mit  ©änemarf  tbtn  fo  gut  unb  {ebenfalls 
in  oiel  fttrjerer  grifi  gefd&e&en.  ©3  war  befamtt,  bafc  ber  ©änifd&en 
Regierung  jebe  ©nmifd&ung  in  iljre  Angelegenheiten  unangenehm 
mar,  unb  man  tjatte  ©runb,  an$unet)men,  bafc  ber  von  ßtyrijftm  VIII. 
auSgefprod&ene  3Bunfd&,  mit  feinen  SRadjbaren  in  ^rieben  ju  leben, 
aufrid&ttg  gemeint  fei.  Stadlern  nun  burdfj  bie  von  ben  Stäbten 
jur  Seglüdfwfinfdfjung  beS  neuen  ÄönigS  nad)  Gopen^agen  gefanbten 
Abgeorbneten,  von  Sfibedf  SgnbtcuS  Südpols,  von  ijjamburg  Senator 
3enifd&,  bie  (Anleitungen  getroffen  waren,  U^anntn  bie  33er£anb* 
lungen  felbfi  im  April  $>aju  würbe  Don  ijjamburg  SpnbtcuS 
©ieocfmg  gewählt,  t>on  Sübedf  ntdfjt  Senator  SBretmter,  fonbern 
Senator  3Rütter,  weniger,  weil  man  beforgte,  bajs  ©rfterem  feine 
btöljerige  SBirffamfeit  in  ber  Sadfje  ^inberli^  fein  möge ,  ate  weil 
man  e«  für  erforberltdf)  §ielt,  bem  jQamburgifdjjen  Abgefanbten  einen 
mit  cSUn  S3erfe^rSoe4ältniffen  genau  befannten  Äaufmann  betju* 
gefeiten.  SDo<fj  blieb  aud&  83reljmer  babei  fortwäljrenb  tljätig.  6r 
mar  e$,  ber  ba«  not^wenbige  ©noerfiänbnifj  mit  Hamburg  burdö 
Sorrefponbenj  unb  mehrmalige  Reifen  ba^in  vermittelte,  unb  &atte 
audj  an  ber  Qnftrutrung  ber  2lbgefanbten  ben  wefentlidjjien  Anteil. 
Son  Seiten  Sfönemarfö  waren  ber  ©raf  oon  SReoenttow^riminil, 
fpater  ÜJKnifier  ber  auswärtigen  Angelegenheiten,  unb  ber  ©tatöratf) 
Jrande  beputirt.  S)ie  SSer^anblung  war  äufeerfi  mutant  unb  fd&wierig 
unb  naijm  faft  brei  oolle  SDtonate  in  Anfprudfj.  Qn  bem  am  8.  Qult 
1840  abgefd^loffenen  Vertrag  üerpfüdfjteten  ftdfj  bie  Stäbte,  wenn 
gleich  unter  Söaljrung  unb  SJorbe^alt  Üjreä  9led^tö,  für  bie  näd&jten 
adjtunbjwanjig  Qa^re  ben  SCranfitjott  ju  bejahen.  S)ie  3ugeftänbniffe, 
bie  if>nen  bagegen  von  ©ämfd&er  Seite  gemalt  würben,  waren 
gering,  e*  war  ein  ungünstiger  Vertrag.  ®ine  $erabfefeung  beS  für 
bie  SRidfjtung  dou  Hamburg  auf  ßttbedf  urfprüngltdl)  auf  10  Sdjjtfl. 
für  100  Ä  brutto  befHmmten  SCranjttäolte  auf  bie  Hälfte  Ijatte  bie 
$anif<J>e  Regierung  fd&on  an»  eigenem  Antrieb,  burd&  Verfügung 
oom  22.  S)ecember  1838,  eintreten  laffen  unb  jwar,  wje  ber  2)ätttfd&e 
(Befanbte  in  einer  9tote  t>om  18.  2Jtai  1839  erflärte,  in  föberatfoer 


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zedby  G00gk 


502 

Serüdfidjttgung  ber  in  her  53unbe3t>erfammtung  geäußerten  SBJünf^e. 
IS3  ift  inbeffen  mafjrfdjeinltcij ,  baß  audf)  anbere  Wlotxvt  batet  mit* 
gewirft  Ijaben,  in£befonbere  bie  Seforgniß,  baß  bie  ©trage  bei  einer 
übermäßigen  ßottbefaftung  ganj  üeröben  werbe. 

©leid&jeitig  mit  bem  SranfttjoH  fanben  in  Gopenfjageu  fowotyl 
mit  Sübed  al£  mit  Hamburg  and)  SJer^anblungen  über  anbere  Sin* 
gelegensten  ftatt,  bie  lange  ftreitig  gewefen  waren  unb  einer  Orb* 
nung  beburften.  gür  Sübed  waren  e£  bie  33erf)ältniffe  ber  Ober* 
traoe,  bie  ®leid)fteHung  ber  glaggen  unb  bie  gatyrt  auf  ber  ©teefnifc. 
Uebcr  biefe  SSerljättniffe  würbe,  ebenfalls  am  8.  ^uti  1840,  ein 
befonberer  ©ertrag  in  ßopenfiagen  abgefd;loffen.  ^inftdfjtlidf)  ber 
©tednifc  uerpftidfjtetcn  beibe  (Sontraljentcn  fid^  f  in  gemeinsamer 
$eratf)ung  erwägen  ju  laffen,  burdf)  welche  SDtittel  eine  Erleichterung 
unb  33efdjfeunigung  ber  ©tedfnifcfaljrt  ju  ©taube  ju  bringen  fein 
mödjte.  Unb  e$  fjieß  bann  weiter:  „9tadj  SUlaßgabe  ber  begfaflftgen 
SHefultate  wirb  jugleidjj  eine  Stetrifton  unb  eine  ben  aufjuwenbenben 
Äoften  fo  wie  ber  erleidfjterten  gafjrt  entfpred&enbe  Erdung  ber 
©tedfnifcjotlrolle  beraten  werben"  3>er  Sßaragrapf)  war  auf  ben 
SBJunfdj  ber  S)änifd^en  ^Regierung  aufgenommen,  jwar  mit  voUtx 
ßuftimmung  be£  ©enatö,  ber  audfj  gegen  ben  Qnljalt,  fowie  er  ba 
ftanb,  nidfjtö  einjuwenben  l;atte,  aber  l)inficl)tlid(j  ber  Auslegung  unb 
2lnwenbung  beS  Paragraphen  ftanben  beibe  ^Regierungen,  ba£  war 
oorauSjufeljen,  auf  einem  ganj  entgegengehen  ©tanbpunft.  $n 
Sübed  würbe  von  jeljer  großer  Söertf)  auf  bie  ©tedfni$fa()rt  gelegt, 
unb  feit  ©infityrung  be£  £ranfttjoll£  ein  nodfj  uiel  größerer.  9Man  war 
bereit,  für  bie  SJcrbefferung  berfetben  bebeutenbe  SBerwenbungen  ju 
madfjen,  aber  ber  3wed  berfelben  wäre  nidf)t  erreicht,  wenn  bie  93er* 
jinfung  beä  auf  juwenbenben  Äapitatö  burdfj  etwaä  2lnberc£,  als  burd& 
Belebung  be3  SSerfeljtö  Ijätte  gegeben  werben  foBen.  @ine  ©rljöljung 
ber  abgaben  mod&te,  wenn  unoermetbltdf),  wof)l  jugeftanben  werben, 
aber  nur  eine  geringe.  SSon  einem  ganj  anberen  ©efidfjtöpunft  a\& 
fafj  bie  3)änifdfje  Regierung  bie  ©ad&e  an.  ©ie  Ijatte,  als  ber  33er* 
trag  abgefd&loffen  würbe,  fdfjon  bie  jiemlidfj  fidlere  2lu£ftdf)t,  baß  e8 
if;r  gelingen  würbe,  mit  3uftimmung  ber  Sauenburgifcfyen  Sanbflänbe, 
bie  2lu£bef)nung  beä  SranfitjollS  auf  ben  33erfefjr  burd&  Sauenburg 
ju  erreichen.  3)ann  war  nur  nodf)  bie  ©tedfuifeftraße  frei.  Sin  eine 
SluSbetjnung  be£  Ijoljen  StranfttjollÄ  audf)  auf  biefe  ©traße  war 
aUerbingS  nidf)t  }u  benfen,  ba  baju,  abgefefjen  oon  älteren  Verträgen, 
audfj  nadfj  ber  SBiener  Songreßacte  bie  freie  ©inwifligung  ßübedte 


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zedby  G00gk 


503 

gehörte.  2lber  audfj  ofme  Sranfitjott  bot  bie  Strafce  bem  SJerfe^r 
io  mele  Sdfjwierigfeiten ,  bafc  fie  nur  tyrer  28of)lfeilf)eit  wegen 
überhaupt  benufct  würbe.  Sdjon  eine  nennenswerte  ©rljöfiung  ber 
abgaben  fonnte  bie£  serljmbern.  ©afjer  lag  für  bie  2)änifdje 
Regierung  ber  Sdfjwerpunft  ber  ganjen  93eftimmung  barin,  bafc 
gleichzeitig  über  bie  SBerbefferung  ber  Stecfnijj  unb  bie  ©rtyöfjung 
ber  abgaben  oertjanbelt  werben  fotlte.  $am  e£  nur  erft  ju  23er* 
fHmblungen,  fo  wufete  fte  au£  mehreren  Verträgen,  wie  weit  fie  ben 
©nid  treiben  fonnte.  Unter  foldfjen  SSer^ältniffen  lag  tjter  feine 
Seranlaffung  cor,  ben  SBeginn  ber  SSerfjanblungen  befonberS  ju 
beeilen.  3)odf)  beauftragte  ber  Senat  alsbalb,  nadjbem  ber  Vertrag 
ratiftcirt  war  (12.  September  1840),  bie  Senatoren  Sreljmer  unb 
2RüHer,  fidf)  mit  ben  Vorarbeiten  ju  einer  Sterfjanblung  über  bie 
Serbefferung  ber  Stetfnifc  ju  befdf)äftigen.  $)ie£  oeranla^te  SBre^mer, 
in  ben  ©tedfnifcacten  gorfdfjungen  anjuftetlen,  beren  ©rgebmfc  er  in 
einer  Stbljanblung  unter  bem  $itel:  Ueber  ba£  SRed^t  ber  Sdfjiffaljrt 
auf  ber  SBafferoerbinbung  smifdfjen  Hamburg  unb  Sübedf  mittelft  ber 
©be  unb  beS  Stecfnifcfanate,  jufammenftellte  unb  bem  Senat  über* 
teufte,  ©er  wtdfjtigfle  SC^eil  biefer  Sdfjrift  beftanb  in  bem  9iadf)wei£, 
baj&  baS  Sauenburger  Stapelredfjt  ein  ufurptrteS,«  nie  oon  Sübecf 
pertettgSmäfjig  anerfannte£  fei. 

@$e  inbeffen  bieS  ©rgebnifc  weiter  nufcbar  gcmad&t  werben 
fomtte,  ergab  fiel)  eine  attbere  Veranlaffung,  93re|merS  £f)ätigfeit 
ju  aerroenben.  ߣ  war  bie  SSer^anblung  über  bie  S3erlin*$amburger 
©fenba^n.  2Hefe  S3atm,  bie  jefct  fo  gro&e  Refultate  erreicht  l)at, 
^atte  bei  ifjrem  ©ntftetjen  mit  Dielen  Sdfjwterigfeiten  ju  fämpfen. 
©ie  mu&te  burd^  fünf  oerfd^iebene  Territorien  geführt  werben, 
SJJreu&en,  SMedtlenburg,  ßauenburg,  bciberftäbtifd&eä  unb  §amburgifdf)e£ 
©ebiet,  e$  waren  alfo  fünf  Regierungen  babei  beteiligt,  bie  tfjr 
feineÄwegS  alle  wotyl  wollten.  S)ie  2Kecflenburgifdf)e  jeigte  baä  gröfrte 
Snteteffe.  Sie  fa$  afe  golge  berfelben  eine  fe&r  nafje  Verbinbung 
&dpDtcm&  auf  ber  einen  Seite  mit  Hamburg,  auf  ber  anbem  mit 
tJetlin  üorauä  unb  erblicfte  ferner  im  ©eift  eine  gortfefeung  ber 
9iaf)n  von  Schwerin  nadj)  SStömar  unb  eine  anbere  ßmeigbafjn  oon 
SBittenberge  nadEj  2Jtagbeburg,  unb  war  bemnadf)  überjeugt,  baf$  fidfj 
ehte  ganj  neue  unb  fe^r  bebeutenbe  £anbetöftrafce  burd&  äKedflen* 
burg  bilben  muffe.  £)ie  2)änifdf)e  Regierung  bad&te  anber#.  Sie 
fürchtete,  bafe  burdj)  bie  Salm  neue,  uon  SDänemarf  unabhängige 
©trafen  jur  SSerbinbnng  ber  Dftfee  mit    ber  Rorbfee   entftetyen 

33 


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zedbyG00gk 


504 

fönnten,  mctyrenb  fie  bis  bafjin  no<$  alle  fold^e  ©trafeen  allem 
befcerrfdjte.  3»n  Hamburg  war  ebenfalls  feine  befonberS  gfinjHge 
©timmung  für  bie  33al>n.  3)te  SBa^n  nad)  Sergeborf  war  im  Sau 
begriffen,  unb  babei  war  oon  Anfang  an  bie  äbftd&t,  fte  f ortjufefcen, 
aber  man  badete  mefjr  an  eine  gortfefeung  nad&  ^amtooer,  Sraun* 
fd^toeig  unb  STOagbeburg,  als  nad)  Berlin.  Hamburg  fttrd&tete  oon 
ber  SttuSfityrung  monier  fd&on  pr  Spraye  gelommenen  Sßrojecte 
oon  ©fenba&nen  nad&  anbern  Storbfeeljäfen  ©efa^r  für  feine  Ser* 
binbungen  mit  bem  Qnnern  von  2>eutf<J)lanb  unb  glaubte,  uor  Slßem 
ehte  öaijn  nadfj  HRagbeburg  am  li  nfen  ©Ibufer  ju  bebürfen.  Sei 
ben  bisherigen  beSfallftgen  33erf>anblungen  mit  $annooer  aber  fyttte 
biefeS  ftdj  toenig  millfäi&rtg  gegeigt  unb  immer  ferne  eigenen  ^ntereffen 
oorangefteHt,  namentlich  immer  einen  S5au  na<$  Harburg  »erlangt, 
meldten  Hamburg  fürchtete.  2)aljer  waren  Hamburg  SSerljanb* 
lungen  über  eine  Staljn  itad&  Berlin  unb  SKagbeburg  am  regten 
©Ibufer  g.anj  wüHommen,  ^attptfäd)lid^  aber  als  ein  SRittel,  um 
auf  jpannot>er  ©nf&tfe  auszuüben,  unb  es  Ijätte  ftd&  über  fdjjltefeltd&eS 
©Reitern  berfelben  leidet  beruhigt,  xotnn  es  injwifdjjen  in  ^annooer 
feine  3medfe  erreicht  Ijätte.  Sie  Sßreufjtjd&e  Stegierung  enblu| 
wünfd(jte  aufrichtig  baS  3uftanbefommen  ber  Salm  als  einer  ntm 
SBerfelpSfirafje,  wemt  fte  gleich  nid&t  fo  grofce  ©mmrtungen  baran 
fnüpfte,  als  SRedflenburg. 

S)en  anfid^ten  ber  einzelnen  ^Regierungen  entfpradf)  bie  Stellung, 
weldfje  eine  jebe  bei  ben  SBerfjanblungen  einnahm-  S)ie  SRedKen* 
burgtfd&e  Regierung  mar  eS,  meldte  guerfi  einen  SSertragSentmurf 
formulirte,  unb  barin  mar  bie  Sefttmmung  aufgenommen,  bajj  bie 
Safjn  über  ipagenow  unb  Subwigslufl  geljen  unb  von  einem  paffen* 
ben  Sßwtfte  aus  eine  Slbjmeigung  nac$  ©d&werm  geführt  werben 
folle,  bie  als  integrirenber  $$ett  beS  ganjen  Unternehmens  ange* 
fetyen  werbe.  S)ie  S)ämfdfje  Regierung  befianb  barauf,  bajj  i^r 
neues  £ranfttjollfyftem,  ber  enorme  ©afc  t)on  5  ©djjüling  für  100  tt 
brutto,  audfj  auf  biefe  Saint  Slnmenbung  finben  muffe,  wtemoljl  fte 
Stömfd&eS  b.  lj.  SauenburgifdfjeS  ©ebiet  nur  ju  einem  feljr  geringen 
a^eile  berührte;  bie  $reu&ifd[>e  Regierung  fafete  w>r  allem  ben 
@ewimt  auf,  ben  fte  für  Sßofc,  milttamfd&e  unb  allgemeine  polttifdfje 
3medfe  aus  ber  Saljn  gießen  fönne.  2)er  ©enat  gu  Hamburg  war 
ber  erfte,  ber  einen  oon  ©onberintereffen  nidfjt  befangenen  ©taub* 
punft  einnahm  unb  ftd&  ba&tn  erßärte,  bafc,  wemt  man  bie  8a$n 
überhaupt  motte,  man  barauf  t>erjid&ten  muffe,  fte  in  jebem  emgelnen 


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zedby  G00gk 


505 

Staate  für  ehten  befonberen  3roeä  ausbeuten,  oietmeljr  barauf 
allem  ©ebad&t  nefjmen,  iljr  bic  möglid^ft  gerabe  uttb  fttrje  Stiftung 
ju  geben  unb  ben  33erfef)r  auf  berfelben  möglidf)ft  wenig  ju  belaften; 
bei  anberem  ©erfahren  würbe  e£  nie  gelingen,  bie  bebeutenben  jum 
Sau  erforberlid&en  2Jtfttel  ^erbeijufd&affen.  3n  Sübedf  würbe  biefer 
Suffaffung  DoIIflanbig  beigepflichtet  unb  bem  Sßrojecte  lebhaftes 
Qntereffe  gewtbmet.  33om  erften  Sfagenbtidfe  an  würbe  baburd)  bie 
Hoffnung  erwedft,  oermittelfi  einer  in  fie  eininünbenben  3n>eigbaljtt  auü) 
eint  ©fenba^nüerbinbung  für  Sübedf  ju  erlangen.  2Kan  fagte  fi<$ 
wofjl,  bafc  eö  tljöridfjt  unb  voreilig  fein  würbe,  fold&e  Hoffnung  fd&on 
ju  äufeem,  ba  man  baburdfj  nur  bie  ©ferfudfjt  2)änemarf£,  triefleidfjt 
aud&  -Kecflenburgä,  rege  madfjen  unb.  bie  oljneljitt  fdfjon  großen 
©djwiertgfetten  no<$  um  eine  t>ermel)rett  würbe.  Slber  e$  entftanb 
boc$  ber  äBunfdf),  an  ben  SBerfjanblungen  ätnt^eil  ju  nfyuitn,  wenn 
au$  junä^ft  nur,  um  t>on  2lHem,  was  babei  jur  Sprache  fommen 
ntufce,  Äemttnifj  ju  gewinnen.  Unb  für  biefen  2Bunf<$  war  gteid^ 
jettig  no<$  ein  anberer  ©runb  nor&anben.  SDledKenburg  Ijatte  bamate 
bie  ernflltd&e  äbftcijt,  fid^  bem  Sßreujjtföen  3ottoereitt  an$VL* 
fölie&en.  $>ie  Regierung  Ijatte,  in  freunbnad&barlid&er  ©efinnung 
unb  um  Sübedf  nid&t  unvorbereitet  ju  überragen,  felbft  ben  Senat 
baxxm  m  Äenntnifc  gefegt  unb  eS  fdjjien,  als  ob  bie  33erljanblungen, 
bie  beSljalb  in  ©erlitt  geführt  würben,  t>on  tfjrem  $tele  nidfjt  meljr 
fern  waren.  Sübedte  ^ntereffe  war  babei  auf  ba£  wefentlid&fte 
betroffen  unb  e3  war,  wenn  gleidf)  bie  Unmögltd&feit  oorlag,  auf  bie 
Untet^anblungen  ©inftufe  ausüben,  bod&  tum  großer  28i$tigfeit, 
fte  ju  fennen,  weil  man  baburdj  in  ben  ©tanb  gefefct  werben  mu&te, 
ba$  eigene  »erfahren  mit  größerer  ©idfjerfjeit  ju  beurteilen.  Site 
nun  im  3Rai  1841  ber  ©enat  oon  Hamburg  ben  iljm  oon  ber 
SWedflenburgtfdfjen  Regierung  jur  Segutad^tung  jugeftellten  Vertrag«* 
entourf  ^ier^er  mitteilte,  bamit  audfj  ber  ^iefige  ©enat  aU  3ftte 
bejifcer  oon  Sergeborf  ftd&  barüber  äußere,  entftanb  ^ier  ber  ©ebanfe, 
bog  man  bie  ©elegentyeit  benufeen  lönne,  um  ein  SWitglieb  be3 
©enats  nadj)  Berlin  ju  fenben.  @3  erging  alfo  an  ben  ©enat  ju 
Hamburg  ber  SSorfd^lag,  fid^  bamit  einoerfianben  ju  ertlären,  bafc 
ein  SWitglieb  be$  ^iefigen  ©enatö  bie  beiberftäbttfd&en  ^ntereffen  t>er* 
trete,  unb  jwar  in  ©ememfdfjaft  mit  bem  in  Berlin  accrebitirten 
4xratburgifd&en  3Minifierreftbenten  ©obeffrop,  jebodj)  fo,  bafe  in  2lb* 
wefenljeit  beS  ©inen  audj>  ber  2lnbere  für  fid&  allein  beooHmäd&ttgt 
fei.    3n  foU$er  SBetfe  war  bie  gorm  gewahrt,  factifcfc  war  ber 

83* 


Digiti 


zedby  G00gk 


506 

Sübedftfd&e  Slbgeorbttete  allein  bcr  23eoollmädf)tigte,  benn  ber  §am* 
burgifd&e  SDWnifierrefxbent  befanb  fid^  feiner  ©efunbf)eit  wegen  auf 
Jpelgolanb  unb  Ijatte  nid&t  bie  9lbfid£)t,  fo  balb  jurüdfjufefiren.  ®a 
ba£  ©oncept  be3  nadfj  Hamburg  gefanbten  ©d&reibenS  von  $ref)mer$ 
£anb  gefdfjrteben  ift,  barf  man  wof)l  ifm  für  ben  inteßectuetten  Ur* 
^eber  be£  SScrfaljrenS  galten.  3)er  ©enat  p  Hamburg  ging  auf 
ben  SSorfdEjlag  ein  unb  nun  würbe  £ier  Senator  Sreljmer  gewählt. 
®r  begab  fidf)  im  Quli  juerft  nadf)  Hamburg,  um  bie  bortigcn  2ln* 
fid^ten  burdfj  münblid&e  Siücffprad&en  näfjer  fennen  ju  lernen,  audj 
{jinftdfjtltdf)  ber  gorm  feiner  @infü|rung  fid^  ju  oerftänbigen,  ging 
audfj  na<$  Bremen,  wo  namentlich  Unterrebungen  mit  bem  Bürger* 
meifter  Smibt  fefjr  nüfclidf),  waren,  unb  traf  gegen  bie  3Jtitte  be£ 
SKuguft  in  S3erlin  tin.  35ort  waren  ate  $)änif<$er  Untertyänbler  ber 
©tatöratf)  grandfe,  als  SKedlenburgifc&er  ber  ©e§.  ßegationäratt) 
Sßrofd()  fdfjon  anwefenb,  von  $reuf*if$er  Seite  waren  bie  ®el)  Ober* 
ginanjrät^e  Sßo<i$ammer  unb  von  *pommer*@fd(je  unb  bcr  ©el). 
ßegationSratf)  S3ordf  mit  ber  SSer^anblung  beauftragt. 

2Jtit  ber  9Jtecflenburgifdf>en  Regierung  gelang  bie  Serftänbigung 
am  leidfjteften.  ©ie  oerfdf)lof$  ftdf)  ber  Ueberjeugung  nidf)t,  bafc  e$ 
untfmnlidEj  fei,  einer  ©efellfd&aft,  bie  nodf)  gar  nidf)t  epiftirte,  aber  für 
ben  SBau  einer  33af)n  tum  Hamburg  nad)  Berlin  fidf)  ju  bilben  im 
Segriff  ftanb,  oon  oorne  Ijerein,  efje  eine  3Jlöglid()feit,  fie  felbft  ju 
fragen,  oorfjanben  mar,  bie  $flid£jt  aufjuerlegen,  bafj  fie  ben  S3au  einer 
anbern  %ai)n  fofort  mit  übernehme,  ©ie  begnügte  jidEj,  als  man  Ujr 
ba3  Stecht  jugeftanb,  bie  ©a^nlinie  in  tyrem  eigenen  Sanbe  fo  ju 
bestimmen,  baf$  £agenow  unb  £ubwig£luft  Sßunfte  berfelben  mürben, 
unb  behielt  ftdfj  oor,  wegen  einer  3roeigbafm  m$  ©d&werin  bem* 
nädfjft  ein  befonbereS  2tWommen  mit  ber  ©efeßfdfjaft  ju  treffen. 

SSiel  fdfjwieriger  war  e£,  ftdfj  mit  ber  $)änif  djen  Regierung  ju 
Bereinigen,  grandfe  erflärte  wieberljolt,  man  möge  es  nur  rafdf) 
unb  gerabe  heraus  fagen,  wenn  man  feine  gorberungen  n^ 
bewilligen  wolle,  bann  reife  er  wieber  ah.  @r  überreizte  ber  ßon* 
ferenj  eine  au£fül)rlidf)e  3)arftellung  ber  ©rünbe,  bie  feine  ^Regierung 
beftimmen  mufften,  auf  Srliebung  beS  einmal  feftgefefcten  Sranfitjoltö 
ju  beftefjcn,  aber  es  erfolgte  barauf  fomotyl  oon  SKedKenburgifcIjer 
atö  oon  Sßreufcifd&er  ©eite  eine  flare  unb  grünblidfje  (Entgegnung. 
S)ie  9Jtedlenburgifdje  wiberlegte  inSbefonbere  bie  3luffaffungr  ba§ 
eine  S3a^n  am  linfen  ßlbufer  Slltona  größere  SSort^eile  gewähren 
werbe,  ate  am  redeten.    SDie  ^reufeifd^e  ging  baoon  an&r  ba| 


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zedby  G00gk 


507 

?reuf?en  in  ®emä§f)eit  beä  SSertragj»  oom  27.  Quni  1834  oottftänbige 
Xranfttjottfreiljeit  für  alle  auf  bcr  (Styauffee  jtotfd^en  Hamburg 
unb  Berlin  burdfj  Sauenburg  gefjenben  SBaaren  bis  jum  l.  Januar 
1868  alä  ein  SRedjt  befifce,  unb  jeigte  bann,  bafc  SDänematf  in 
SBiberfprud)  mit  fiel)  felbfl  trete,  wenn  e£,  blo«  weil  bie  2lrt  unb 
ffieife  ber  ßommunication  jtd&  änbere,  an  bie  ©teile  einer  früher 
oon  üjm  felbfi  jugeftanbenen  3oIIfreifieit  einen  übermäßig  Ijoljen  3ott 
fe|e.  @B  fdf>etnt,  bafe  bie  Argumentationen  £erm  grande  perfönlidjj 
fiberjeugten.  @r  reifte  nadEj  ßopenliagen  unb  als  er  nrieberfam, 
nmrbe  ber  Xranfttjoll  für  bie  von  unb  nadj  $ reuten  getjenben 
SBaaren  auf  einen  ©dfjitting  für  100  3  ermäßigt,  übrigens  aber  b.  f). 
für  bie  t>on  unb  nad)  -JRedttenburg  geljcnben  aufregt  erhalten.  2)abet 
mar  ofjne  Seifet  fö°n  att  bxt  2Röglid&fett  einer  SSerbinbung 
SBiSmarS  mit  ber  Jöafm  gebaut.  $a$  ^ntereffe  Sübedfö  war  Riebet 
mdfjt  beteiligt ,  bie  SBelaftung  eines  SBegeS,  bcr  na$  einem 
6oncurrenjf>afen,  ffitömar,  führte,  lonnte  oon  l)ier  au£  feinen  äBtber* 
iprud)  fmben. 

Slber  bamit  waren  bie  ©dfjmterigfeiten  nid^t  gehoben  unb  eS 
gab  fünfte,  bei  benen  Hamburg  näljer  beteiligt  mar.  S)a3 
$reufcifd>e  ©fenbalmgefefc  fieberte  ben  concefftonirten  ©fenbafjnen 
auf  breifcig  3af>re  ©c&ufc  gegen  Soncurrenjba^nen  ju.  S)a3  ©efefc 
war  am  3.  üRooember  1838  gegeben,  aber  fd&on  eine  breijäfjrige 
(Erfahrung  &atte  hingereicht,  um  ber  Anfid&t  ©ingang  ju  oerfdjaffen, 
bafc  e$  unburd&füljrbar  fei,  bem  SSerfelir  auf  breifeig  Qfafjre  l)inau$ 
eine  gemiffe  Stiftung  ober  ©trafee  verbieten  §u  motten.  35a  nun 
ba$  ©efefc  of}nef)in  in  mannen  fünften  mobificirt  werben  mufcte, 
mar  bie  $reujjifclje  ^Regierung  im  ^rttereffe  ber  ju  bilbenben  ©efett^ 
fc^aft  bereit,  fid&  §u  oerpflicljten,  bafj  jie  innerhalb  fünf  ^re,  oom 
Sage  ber  (Eröffnung  ber  Stoljn  an  gerechnet,  eine  Salin  am  tinfen 
glbufet  ämifd^en  ©erlin  unb  ijjamburg  ober  pnfcijen  ÜJlagbeburg  unb 
Hamburg  nid)t  gefiatten  motte,  unb  Ijielt  eine  foldtje  »eftimmung 
cmä)  für  not^menbig.  3Son  SRedflenburg  mürbe  bie«  mit  6ifer  an* 
genommen,  Hamburg  aber  miberfefcte  ftdfj,  eS  ^atte  bamate  nodf}  ben 
SBunfd)  unb  bie  Hoffnung,  eine  nähere  SSerbinbung  mit  SRagbeburg 
ate  über  ffiittenberge  ju  erreichen ,  unb  mottte  fidf)  bie  Erfüllung 
btefer  Hoffnung  ntd&t  auf  neun  ftafyct  (man  regnete  nodfj  trier 
btö  jur  SBottenbung  ber  33a^n)  abfd&neiben  laffen.  3n  ber  Styat 
gelang  e$,  bie  ©rmäljnung  3Ragbeburg£  in  bem  Verträge  ju  oer* 
tymbem. 


i -. 


zedby  GoOgle 


508 

©ine  anbete  ©dfjivterigfett  beflanb  in  bet  gorberung  S)änemar!S, 
bafc  Hamburg  für  allen  SBaarenverfefjr  jtvifdfjen  Slltona  unb  ber 
Saljn  freien  $)urdfoug  burdfj  fein  Oebiet  jugeftefjen  folle.  Sßidfjt  fotvoljl 
gegen  bie  gorberung  an  ftdfj  erl)ob  Hamburg  ©ntvenbungen  ,  als 
bagegen,  bafc  fic  bei  bem  SertragSfdfjluffe  jur  ©prad&e  fomme,  htbem 
es  vielmehr  ber  Anftdfjt  tvar,  bafe  bie  ganje  Angelegenheit  burd> 
SBefpred&ungen  an  Ort  unb  ©teile  b.  I).  in  Hamburg  georbnet  rverDen 
muffe  unb  bafe  bann  gegenfeitige  ©eclarationen  barüber  auSgetaufdjt 
werben  fönnten.  ferner  beftanben  nodf)  ©df)tviertgfeiten  in  ber  gefl* 
flettung  beS  SranfttjollS  für  äftecflenburg  unb  baS  beiberftäbtifd^e 
©ebiet,  unb  mehrere  anbere. 

S)ie  gan§e  SBerfjanblung  war  ungeroö^nlid^  fc&ivierig  unb  müfrfam. 
2Bof)l  feiten  finb  mit  einem  vorgelegten  SJertragSenttourfe  fo  jafjl* 
reldfje  SSeränberungen  vorgenommen  unb  bie  fdfjon  befd&loffenen  81fr» 
änberungen  roteber  geänbert,  rool)l  feiten  ift  es  fo  fjäuftg  gefd&eljen, 
bafc  man  über  fünfte  ober  AuSbrüdte,  über  bie  man  fidfj  nidjt 
einigen  fonnte,  vorläufig  fjimvegging,  um  tvieber  barauf  surüdfcu* 
fommen,  unb  bafe  man  bis  jum  legten  äugenblicf  nodf)  in  3rottfel 
blieb,  ob  nidfjt  bie  ganje  33erljanblung  fdfjltefjltdfj  fd&eitern  roerbe. 
Sßeldfje  ©tettung  33ref)mer,  wenn  gleich  ber  Abgefanbte  beS  Heinften 
Staates,  babei  einnahm,  barüber  Ijaben  mir  ein  tbtn  fo  vollgültiges 
als  für  ü)n  ehrenvolles  3eu9n$  *n  e*netn  Srtef*  beS  ©tjnbicuS 
SBartfS  in  Hamburg,  melier  im  fyfytt  1645  einmal  fd&rieb:  „3$ 
roerbe  es  nie  vergeffen,  mit  welcher  Umfielt  unb  angeftrengter  geiziger 
S^ätigfeit  $err  Senator  Sreljmer  1841  bie  SSer^anblungen  in  Seriin 
geleitet  tyat  unb  wie  er  allein  es  geroefen  ift,  ber  me^r  als  einmal 
bie  $artljeten  roieber  vereinigt  fjat,  als  faum  nodf)  eine  ©nigwtg 
möglich  fdfjten."  2lm  8.  November  ivurbe  ber  Vertrag  unterjeid^net 
unb  SBrelimer  fe^rte  bann  nadf)  Sübecf  jurüdt. 

Söenben  mir  uns  jefct  roieber  ber  ©tcdfnifc  ju.  3)iefe  SterfetjtS* 
ftrafte  liatte  burdjj  bie  @mfüf)rung  beS  ^olfteinif^en  SranfitjollS  im 
Qa^re  1839  an  3Bidf)tigfeit  tvef entließ  getvonnen.  3roar  roar  bie^ 
3ott  burdfj  SJerorbnung  vom  6.  Dctober  1840  audfj  auf  fiauenburg 
ausgebest,  aber  nur  auf  bie  Sanbftrafcen  in  fiauenburg,  einer  von 
ben  fiauenburgifdf)en  ©täuben  auSbrücflid^  gemalten  Sebhtgung 
jufolge  ntdfjt  auf  bie  ©teefnifc.  Sffienn  alfo  nidjt  ©d^nettigfeit  ber 
Jöeförberung  erforberltdf)  mar,  tonnten  bie  SBaaren  auf  biefem  2Bcge 
ben  3°D  vermetben,  unb  baS  gefdjjal)  in  bebeutenbem  2Rafce.  2>ie 
©tedtnifcfalirt  vermehrte  ft<$  auf  baS  ®reifad;e.    ©ie  litt  aber  an 


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zedby  G00gk 


509 

jroei  fdfjlhnmen  Uebelftänben.  $er  eine  beftonb  barm,  bafc  fte  fel>r 
lange  bauerte,  unter  normalen  H$erl)ältmffen  14—16  Sage,  bei 
wibrigen  3ufätten  nodf>  länger.  S)er  anbcre  beftanb  barin,  bafe  ben 
Sübecfifd&en  ©Ziffern  nidfjt  gefiattet  war,  bis  Hamburg  ju  fahren, 
fonbern  nur  bis  Sauenburg.  2)ort  mufcten  bie  SBaaren  bem  Sauen* 
burgifdjen  ©djiffamt  jur  Söeiterbeförberung  überlaffen  werben. 
^Begreiflicher  Sßeife  oerurfacfcte  ba«  Umlaben  Soften  unb  «Seitoerlujt, 
pertfjeuerte  unb  verlängerte  bie  galjrt,  gab  audfj,  aller  angewanbten 
SBorfic^t  ungead&tet,  nidfjt  feiten  ©elegenljett  ju  SJeruntreuungen. 
■Jtur  wenn  bie  Sabung  auä  jerbred&lidfjen  ©egenftänben  beftanb,  bie 
oljne  ©efaljc  nid&t  umgelaben  werben  fonnten,  ober  wenn  bie  Sauen* 
burger  um  ber  Sabung  eines  einjelnen  ©tedhtifcfdfjiffeS  willen  ein« 
i&rer  Diel  größeren  @lbfd&tffe  nid&t  in  gafjrt  fefeen  wollten,  burften 
bie  ©tedfnifcfaljrer  felbft  nadj  ipamburg  ^munter  fahren.  Slud)  burften 
fte  üon  bort  f.  g.  angreifte  SBaaren,  3uder,  SBem,  ©ranntwetn, 
Del,  ©prup  unb  franjöfifc^e  Räumen  nadE)  Sauenburg  hinauf  bringen, 
gür  93eibe3  war  eine  beftimmte,  neuerbtngä  me^rfad^  gefteigerte  216- 
gäbe  ju  erlegen.  2)a3  Sauenburgtfd&e  ^rioilegium  würbe  übrigen* 
nidfjt  blo$  Sübed  gegenüber,  fonbern  allgemein  behauptet.  Site  ju 
Sfofang  be$  3fa^re«  1841  ftdf)  in  Hamburg  eine  @lb*^mpffd&iff* 
fa^rtögefellfc^aft  bilbete,  erllärte  baS  ©dfjiffamt  fogletdE),  bafc  bie 
©dtfffe  nad&  Sübed  beftimmte  ©üter  in  Sauenburg  nid&t  auSlaben 
burften. 

3e  mef>r  nun  nadfj  Sinf  üfjrung  be$  SranfttjoH«  bie  freie  ©tedmfe* 
fbrofee  wichtig  würbe  unb  es  ju  bleiben  2lu$jtd)t  Ijatte,  befto  me^r 
lag  baran,  ba£  Jpinbernift,  weites  bie  Sßortljeile  in  fyotym  ©rabe 
beeinträdfjtigte,  ju  befettigen.  @rft  burdf)  Sre^merS  SRadErforfd&ungen 
war  eine  Äenntmfc  ber  red&tlid&en  33erf)äftniffe  wieber  gewonnen.  @3 
Rubelte  fid&  nid&t  um  ein  ber  ©tabt  Sauenburg  gefefclidf)  auflegen* 
be$  ©tapelredEjt,  fonbern  nur  um  ein  bem  bortigen  ©d^iffamte  oon 
bem  ^erjog  ^ann  IV.  oon  ©adfjfen*Sauenburg  im  $.  1478  einfeitig 
unb  unter  SBtberfprudf)  Sttbecf*  oerlieljeneS  Sßrhrilegium.  S)ie  lefcte 
barüber  erlaffene  Verfügung  war  eine  au«  mdfjt  jum  SlbfdEjlufe 
gefommenen  33erf)anblungen  mit  Sübed  fieroorgegangene  Interims* 
Verfügung  twm  29.  gjlärj  1731  unb  ein  baran  fic$  anfdfjliefcenbea 
sßrotrifional*  b.  f).  oorläuftge«  Reglement  oom  28.  äflärj  1740.  £a$ 
Siedet  beS  @tnfprudf)£  fonnte  alfo  jeben  Slugenblid  geübt  werben. 
SReuerbrngS  war  burdf)  2lrt.  U4  ber  SBiener  (Songrefcacte  bie  2luf* 
Hebung  aller  ©tapelred&te  auf  gemetnfd&aftlid&en  glüffen  angeorbnet, 


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510 

unb  burdfj  3lrt.  2  unb  3  bcr  @Ibfd^tffaf)rt«acte  t>om  23.  3um  1821 
maren  alle  Segünftigungen  emjelrftr  ©d^iffergilben  unb  alle  Stapel* 
unb  3roang£umfd)lagi8red£)te  auf  ber  6lbe  abgefd^afft. 

93ei  ber  crften  glbf^iffa^rt^Somtntffionf  bie  am  3.  ^uni  1819 
in  SDre<Sben  eröffnet  rourbe,  mar  c£  ganj  überfein,  baß  Sübccf  in 
golge  be^  3)titbefi$e<8  be£  an  ber  @lbe  liegenben  2lmte$  ©ergeborf 
ebenfalls  ein  ßlbuferftaat  war.  @£  ^atte  an  bcr  (Sommiffion  feinen 
Sfatfjeil  genommen.  9Son  bem  3Redflcnburgifd)en  $eooflmädE)tigten 
mar  bie  ©tecfnifc  jur  ©pradfje  gebraut,  aber  t)on  bem  2)änifdf)en 
ebtgeroanbt,  fie  fei  nid)t  eigentlich  ein  Rebenfluß  ber  @lbe,  fonbern 
eine  Äanafocrbmbung,  bereu  ©enufcung  nur  benjemgen  jufteljen 
fönne,  meldte  bie  Äoften  ber  Unterhaltung  berfelben  trügen.  3)ie 
Gommtffton  begnügte  fid)  bamit,  ben  2BunfdE)  auSjufpredEjen  ,  baß 
beibe  Regierungen  unter  3ujtel)ung  ^cr  ®tabt  Sübccf  bie  33crl>ältniffe 
ber  ©tecfnifc  im  @inne  ber  SBicner  ©ongreßacte  regeln  möd&tcn.  ßine 
abermalige  auf  anrege  Sübedfö  gefallene  grmäfjnung  ber  (Steänifc 
bei  ber  Rcüifion  ber  ®lbf<i)tffaf)rtöacte  ju  Hamburg  im  ^a^re  1824 
führte  nid^t  weiter,    @rfolg  mar  barauS  nid)t  IjerDorgegangen. 

Nun  ftanb  eine  abermalige  SSerfammlung  ber  ßlbfdfjiffafjrtö* 
ßommiffton  in  2(u$fidf)t,  unb  e3  mußte  nerfudfjt  werben,  Sübecfö 
@igenfdf)aft  als  ßlbuferftaat  nadfjträglid)  geltenb  ju  madfjen  unb  3u* 
tritt  ju  ber  (Sommiffton  ju  erlangen.  £>aju  mar  e$  juerft  notl)* 
menbig,  fidfj  mit  Hamburg  ju  Derftänbigen,  unb  ba<8  machte  feine 
SdEjurierigfeit.  £er  Hamburger  6enat  l)atte  ein  großes  Qntcreffe, 
bie  glbfd^iffa^rt  möglidEjft  ju  oerbeffern  unb  bie  Sötte  möglidtft  ju 
verringern.  2)at)in  ging  fein  Seftreben  unb  e3  lag  auf  ber  $anb, 
ba$  ein  £übecftfd)e3  3Kitglieb  in  ber  Gommiffion  tyn  habet  untere 
ftüfcen  mürbe,  ßr  ging  benn  and)  auf  bie  fjieftgen  äBünfdfje  bereit* 
mittig  ein  unb  erflärte  fidE)  bamit  einuerftanben,  baß  neben  feinem 
eigenen  S3eüoHmärf)ttgtcnf  einem  Hamburger,  bem  ©pubicum  Siencftng, 
ein  SMitglicb  be£  Sübecfer  Senats  bie  Vertretung  ScrgeborfS  unb 
bcr  S3ierlanbe  übernehme. 

SBentger  ©rfolg  l)atte  bagegen,  mcnigftenS  anfänglich  ber  sroeite 
oorbereitenbe  Stritt,  ber  notljroenbiger  2Beife  getrau  merben  mußte, 
ber  2lntrag  an  bie  übrigen  Regierungen,  einen  23et)ottmädf)tigten 
SübcdfS  jujulaffen  Qu  *>em  ©^reiben,  meldjcS  an  alle  gleid&lautenb 
gerietet  mürbe,  mürbe,  roof)l  mit  »ottem  Redete,  jur  SUtotunrung  be£ 
2lntrag£  gefagt,  baß,  menn  bie  von  ber  (Sommiffton  gefaßten  93e* 
fdfjlüffe  audfj  für  Scrgcborf  gefefclidf)  unb  rcd&tSocrbtnblidf)  fein  fottten, 


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511 

einem  SJertreter  SergeborfS  SJjetlnaljme  an  ber  93eratl)ung  unb  SBc^ 
fdjjlufjfaffung  ntd^t  oerfagt  werben  bürfe.  ®ei  gelegentlichen  Untere 
rebungen  in  Berlin  aber  biefen  ©egenfianb  war  bem  Senator 
Sreljmer  bie  3Serfidfjerung  gegeben  morben,  baß  ein  fold&er  Antrag 
bei  Preußen  feinen  äöiberfprudf)  ftnben  würbe.  SMefelbe  33er* 
fic^erung  war  Jfinfidjtlid)  $änemarfö  bem  §anfeattfd)en  9Kinifler* 
refibenten  in  Gopenjjagen  gegeben.  ©3  war  bafjer  einigermaßen 
unerwartet,  baß  ba3  an  bie  neun,  außer  Hamburg,  beteiligten 
Regierungen  ergangene  Schreiben  oon  oieren  (£annot>er,  aRedflenburg, 
3tol>alt*8ernburg,  2lnfyalt*6ötl)en,)  gor  ni<$t,  von  ben  übrigen  fünf 
(Dejlerreidf),  Sßreußen,  Sadfjfen,  S)änemarf,  2lnljateSteffM,)  überein*» 
jHmraenb  unb  fafi  gleidfjlautenb  batyin  beantwortet  würbe,  baS  beoor* 
ftetyenbe  3ufammentreten  ber  Sommiffton  tyabe  nur  eine  SRemjton 
ber  1821  feftgefiettten  ©d&tffal)rt$acte  jum  ftmd,  an  einer  folgen 
Slemfton  fottnten  ber  SJtotur  ber  ©adfje  nadfj  nur  biejenigen  Slieil 
nehmen,  rneld&e  an  ber  gefifMung  ber  Slcte  SXnt^etX  gehabt  Ratten, 
mmbeflenS  inäffe  bie  3ulaffung  etneS  neuen  S^eilnelimerS  ©egen* 
ftanb  ber  93erf)anblung  in  ber  ©ommifjton  felbfl  fein.  Defterreidfj 
fugte  ftfnju,  e.3  werbe  ftdfj  übrigens  einem  hinlänglich  mottmrten 
Slntrage  mdfjt  wiberfefcen,  aber  Sübedf  werbe,  wenn  e$  eintrete,  bie 
Äed^oerbmblic^feit  ber  btö&er  fd&on  gefaxten  SBefdpffe  für  Serge* 
borf  audbrftdüd^  anerfennen  muffen. 

£iernadfj  war  bie  ©dfjwierigfeit,  bie  ftdfj  gegen  fiübedtö  3u^ffutt9 

erljob,  meijr  formeller  als  fadfjlidfjer  Slrt  unb  man  burfte  annehmen, 

baß  fie  ftd>  würbe  befeitigen  taffen.    ©rößereä  Sebenlen  erregte  bie 

m   bem    Oefterreid&ifdfjen   ©dfjreiben    enthaltene    SBemerfung.    2)te 

3forberung,  baß  fiübedf,  wenn  es  in  bie  9tedfjte  ber  Uferftaaten  ein* 

treten  wolle,   audfj  bie  entfpred&enben  $flidf)ten  übernehmen  muffe, 

war  jwar  geredet,  aber  eS  war  twrauSjufeljen,  baß  bie  ©rfüHung  ber 

$füdfjten  große  Opfer  erforbem  würbe,  unb  e£  war  im  93orau£ 

nic^t  ju  überfein,  wie  große.  $enn  e£  waren  ntdEjt  nur  bebeutenbe 

arbeiten  nöt^ig,  um  bie  Ufer  überaß  ju  befeftigen  unb  in  gutem 

3ufianbe  §u  erhalten,  fonbern  e$  mußte  auä)  oiel  für  ba£  galjr* 

roaffer  felbft  gefeiten,  um  Ujm  fjinlänglidfie  Siefe  ju  geben  unb  ju 

erhalten  unb  alle  ^inberniffe  für  bie  ©dEjiffaljrt  wegzuräumen.   3)ie 

Sfafidjten  ber  Regierungen  hierüber  waren  inbeffen  feineSwegS  über* 

etnfttmmenb,  fonbern  e£  gab  in  ber  ßommiffion  gewiffermaßen  jwet 

^artfjcien.    2)ie  eine  wollte  ben  ©taatöfaffen   bie   3°ßeinnö^men 

möglich  ungefcfcmälert  erhalten  unb  nur  ba8  burd&auä  9iotf)wenbige 


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512 

Ü)\m\  bie  anbete  fteßte  bie  ©orge  für  ©rleidfjterung  unb  ^Belebung 
be3  SBerfefjrS  noran,  felbft  wenn  bie  ©nnafynen  bet  ©taatöf  äffen 
barüber  eine  33erminberung  erleiben  müßten.  $u  ber  lederen 
$artf)ei  gehörte  Hamburg,  audfj  bie  ©ädfjfifdfje  Regierung,  welche  bei 
ben  3Sort)erf)anblungen  erflärte,  fie  fei  bereit,  ifyre  ganje  3<>fleimtafmie 
auf  bie  SSerbefferung  ber  ®lbfdf)tffaf)rt  ju  oerwenben.  Audlj  für  bie 
Sergeborfer  Amtöfaffe  würbe  ein  eibjoll  erhoben,  ber  im  %Qfyxt 
etwa  16000  mfi  einbrachte.  $>ie  £älfte  baoon  tarn  Sübedt  gu  ©ute. 
Auf  biefe  einnähme  fonnte  Sü6ecf  nid()t  Derjid^ten,  benn  ber  3Rte 
beftfc  33ergeborf3  war,  ba  er  ba$  2)ttlitairbubget  betaftete,  oljneljin 
finanziell  nid()t  gerabe  Dortfieil^aft,  unb  finanzielle  3tüdffidfjten  mußten 
Ijier  notfjwenbiger  SBeife  genommen  werben,  unoerljältntßmäßige 
ausgaben  für  bie  (Slbe  burften  ntd^t  golge  ber  Sfjeilnafjme  an  ber 
@lbf$iffatyrt3*6ommiffu)n  fein,  unb  man  mußte  barüber  twn  oome 
herein  eine  gewiffe  ©id&ertyeit  Ijaben.  9iun  mar  £amburg£  ©tettung 
ju  ber  Angelegenheit  ganj  unb  gar  eine  anbere  als  bie  Sübedfö. 
©ne  £ebung  ber  @lbfd)iffal)rt  braute  offenbar  bem  §amburgifdf>en 
$anbel  unb  Serfeljr  weit  größere  Sort^eile  als  bem  Sübecfifdfjen, 
unb  e£  mar  baljer  burdfjauS  billig,  baß  Hamburg  bafür  audf)  größere 
SBerwenbungen  ma<$e.  äftan  münzte  ba^er  f)ier,  eine  Serftänbigung 
mit  Hamburg  bafjtn  einzuleiten,  bafe  jmar  bie  Soften  ber  Ufer  bauten 
nadfj  wie  x>or  au£  ber  gememfd)aftlt<$en  Amtöfaffe  bejaht,  bie  Äoften 
notywenbiger  ©trombautenaber  t)on Hamburg  allein  getragen  würben. 
2)aju  war  benn  nodfjmalS  eine  $ort>erl)anbtung  mit  #amburtj 
erforberlidf).  Um  fie  ju  führen,  würbe  ©enator  Sre^mer  nadfj  $am* 
bürg  gefd&icft.  2>ie  Aufgabe,  bie  if)in  bamit  zufiel,  war  offenbar 
ntdfjt  leidet;  fie  faßte  ein  doppeltes  in  fidf).  @r  mußte  zunädjft  ber 
SübedRfc^en  gorberung  bie  Anerkennung  oerfdfjaffen,  baß  fte  billig 
unb  geredfit  fei.  Aber  ba3  genügte  nidjt.  2)ie  Anerfennung  mußte 
audf)  einen  bleibenben  AuSbrudf  in  einer  aOBeife  finben,  baß  Sübed 
ftdj  in  fpäteren  möglichen  fällen  barauf  berufen  fonnte,  unb 
bte£  gerabe  mußte  fdtjmierig  fein  in  einer  Angelegenheit,  in  welker 
ber  Senat  für  jtdfj  allein  ju  entleiben  nidfjt  befugt  war  unb  bie 
bo<$  ju  einer  3Serf)anblung  mit  ber  öürgerfdfjaft,  weil  ein  beftimmter 
gegebener  galt  jur  3e^  nic^t  oorlag,  fid)  nidEjt  eignete.  Ungeachtet 
biefer  ©d&wierigfeit  entlebigte  33refjmer  fid^  feinet  Auftrag«  mit 
(grfolg.  9tod)bem  er  mit  bem  ©pubicum  ©ieoefing  bie  ©adEje 
befprodjen,  ü)m  audfj  ein  $romemorta  überreizt  Ijatte,  um  e£  im 
©enate  oorjutegen,  faßte  fieserer  (20.  ^uli  1842)  ben  8efd(>luß: 


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zedby  G00gk 


513 

„ba  ber  cigetttlid^e  3medf  ber  $l>eilna^me  SttbedE«  an  bert 
Sonfetenjen,  bie  9tegulirung  ber  Stecfnifcfalpt  unb  bte  316* 
Raffung  be«  fiauenburgifdfpn  Stapel«  au<$  ben  £amburgtfdf>en 
.^nteteffen,  roenngletd[>  in  geringerem  SRafce  al«  ben  Sübedifd&en, 
entfpredfje, 

ba  eine  3uj^ung  Sübedf«  ju  ben  Soften,  meldte  bie  möglicher 
SBeife  ju  f affenben  33efd)lüffe  über  *  eine  ju  bem  Sdfjufc  be« 
Ufer«  in  feiner  Sejie^ung  fiefjenbe  Vertiefung  be«  Slbftrom« 
©erurfadfjen  fönnten,  btöfjer  nidfjt  beabftdjjtigt  roorben, 

ba  bie  ©r^ö^ung  be«  ©{jünger  3oDtö  ober  bie  Beantragung 
einet  Sdf)iff«abgabe  aufcer  ben  befie^enben  mit  ben  auf  $erab* 
fcfcuug  ber  (glbjöfle  gerichteten  antragen  be«  Senat«  in  SBtber* 
fprucij  fielen  mürbe  r  fo  merbe  befdfjloffen ,  eine  goncurrenj 
Sübedf«  bei  ben  jur  prberung  ber  @lbfd)iffaf)rt  oljne  S3ejie^ung 
auf  ben  Sdfjufc  be«  Ufer«  be«  ämte«  ©ergeborf  ju  über* 
ne^menben  SBafferbauten  jmar  ntd&t  ju  einer  Sßraeltmmar* 
bebtngung  ber  Unterftüfcung  ber  SübedKfdfjen  Anträge  in  2>re«bett 
bur<$  ben  §amburgifdf)en  93et)oDmäd^tigten  ju  madfjen,  auf  ber 
anbem  ©eite  jebodf)  bie  «Suftd&erung,  mie  btöfjer,  fo  aud)  in 
3uhmft  bei  ben  burd&  bie  SReotfion  be«  Slrt.  28  ber  @lbacte 
etma  oeranlafcten  Uferbauten  auf  ba«  Qntereffe  Sübecf«  jebe 
billige  Stüdffidfjt  ju  nehmen,  nid&t  bi«  ju  einer  befttmmtcn,  mit 
allgemeinen  ©runbfäfcen  unoerträgtid&en,  unbebingten  einfeitigen 
33erpflidjtung  au«jube^nen." 

Spnbicu«  ©ieoefing  mürbe  beauftragt,  oon  biefem  SBefd&luffe 
ben  Senator  SJre^mer  oertraulidf)  in  Äenntnifc  ju  fefcen,  unb  bemerfte, 
tnbem  er  ü>m  eine  2lu«ferttgung  beffelben  aufteilte,  meiter  fytbe  ber 
Senat  in  feiner  Stellung  gegen  Äammer  unb  Sttrgerfd&aft  nid&t 
ge^en  ju  fönnen  geglaubt,  e«  bleibe  Sübedf  ttberlaffen,  ben  moralifdfjen 
3Bertl>  ber  3ufidf)erung  ju  fd&äfcen. 

3Wan  glaubte  fjier,  fiel)  babei  beruhigen  ju  fönnen.    Senator 

Srebtner  rourbe  jum  bie«feitigen  SSeoottmäd^tigten  bei  ben  ©onferenjen 

ernannt,  bereu  Eröffnung  fidf)  übrigen«  bi«  §um  Stogufi  1842  Der* 

jögerte.    Seine  ßulaffung  bort  ^atte  feine  Sd&roterigfett,  nur  eine 

eigne  Stimme  wollte  man  tym  nidf)t  jugefietjen,  um  bie  Hnjaljl  ber 

Stimmen  md)t  ju  oermefjren,  er  erfdfjien  al«  ©oncommiffar  Hamburg« 

von  Seiten  Sübedf«  bejüglid^  auf  ba«  Slmt  Sergeborf.    ätoberfeit« 

nwrbe  eine  au«brü<flidf)e  3lnerfetmung  ber  3fomenbbarfeit  ber  @lb* 

fc£tffa£rt««cte  auf  Sergeborf  nidjt  pon  tym  geforbert,  fonbem  fHH« 


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zedby  G00gk 


514 


~1 


fd&roeigenb  t>orau«gefe|$t.  33reljmer  feinerfeit«  unterliefe  nid&t,  Dor 
feinem  ©intritt  normal«  eine  SRote  an  ben  ©ijnbicu«  ©ieoefing  p 
rieten,  barin  bie  Sefdfjlüffe  be«  ©enat«  von  Hamburg  ju  nriebet* 
l)olen  unb  babei  au«jufpredf)en,  bafc  ber  Senat  im  SJertrauen  auf 
bie  in  benfelben  enthaltenen  ^ufi^erungen  an  ber  Sommiffion  2n> 
ttyeil  nelmte,  übrigen«  aber,  o^ne  uorau«äufel)en,  bafe  Sübedt  unb 
Hamburg  nur  eine  gemeinfcfjaftltcfje  Stimme  Ijabcn  würben, 
ifm  benoDmädEjttgt  Ijabe,  in  allen  nid&t  Sergeborf  unb  ntd&t  bie 
©tcdfntft  betreff enben  ©egenftänben,  ftdfj  ber  §amburgif<i>eu  8tö* 
ftimmung  anjufd&liefcen. 

3n  ber  fieberten  ©t&ung  ber  (Sommiffton,  am  30.  äuguft  fam 
ber  Umlabejroang  in  ßauenburg  jum  erften  SDtole  jur  Spraye.  2)er 
$amburgtfd(>e  SenoHmäd&tigte   [teilte  bie  Unnerträglidfjfeit  be«  oon 
bem  Sauenburgtfdfjen  ©dfjiffamt  in  2lnfprud>  genommenen  SRedjte  auf 
ben  @l6tran«port  ber  ©tecfnifcgüter  mit  bem  3lrt.  2  ber  (SIbacte  »ot 
3)er  aWecflenburgtfd&e  fdjlofe  ftdE)  tym  fogleidj)  an  mit  einer  Sefdjtoerbe 
barüber,  ba&  baffelbe  ©djtffamt  audfj  ben  Transport  ber  ©tedfoi|> 
guter  oon  Sauenburg  nadj  Soifcenburg  unb  S)ömi|  für  fid)  allem 
in  Slnfprudf)  netjme,  roa«  erft  nor   Äurjem  jur  ßenntnifj  feiner 
Regierung  gefommen  fei.    £>er  35ämfdE)e  Seoollmäd&tigte,  6tat«ratf> 
granefe  l)ob  mit  einigem  SRcd^te  f)ert>or,  bafe  ba«  bem  Sauenburgiftyn 
©djjiffamt  juftänbige  Sßrtoilegium  fein  allgemeine«  Ijmftdjtlidj  ber 
glbfdjjiffaljrt  fei,  fonbern  mit  ben  in  Sejug  auf  bie  ©teefnifc  befielen* 
ben  93erl)ältniffen  in  engem  3ufammenf)ang  fte^e.    9fof  foldje  SBetfe 
entjog  er  bie  ©adfje  ber  Sompetenj  ber  (Sommiffion,  beren  Söirffam* 
feit  ftdf)  auf  bie  SRebenflüffe  ber  eibe  nidfjt  erftredEte.    SBemt  er  ba* 
bei  fagte:  „^mterljatö  ber  ©d&leufen  ber  ©tedfnifc,  nid^t  aber  auf 
ober  an  ber  6lbe  pnbet  ba«  Gin*  unb  2lu«laben  ber  £ran«porte 
ftatt",  fo  mar  ba«  ein  auffaßenber  geograpljifdjer  Qrrtljum.    Storni 
naljm  naef)  einigen  S3emerfungen  anberer  23enoHmäd)tigten  Senator 
Srefjmer  ba«  SBort  unb  entroicfclte  in  längerem  Vortrage,  bafe  ber 
factifdE)  befiel>enbe  «ßuftanb   auf  Verträgen,  älteren   ober  neueren, 
nld&t  beruhe,  uon  Sübecf  niemal«  al«  ein  redjtUdjj  beflefjenber  aner* 
fannt  fei,  früher  überhaupt  gar  nid^t  beftanbeu  f)abe,  fonbern  oon 
einem  erft  1740  non  ber  Sauenburgtfdjen  Regierung  einfeitig  erlaffenen 
f.  g.  *grot>iftonal*9teglement  Ijerrityre,  fo  ba&  fdjon  biefer  5lame  eä 
au«fpre$e,  er  fei  non  ber  Regierung  felbfi  nur  al«  ein  prooifotifdjcr 
3uftanb  angefeljen,  ber  fo  lange  fortbewegen  folle,  bi«  man  fid^  über 
genriffe  bie  galjrt  auf  ber  ©tedfntfc  betreffenbe  ©treitigfeiten  geeinigt 


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zedby  G00g-le 


515 

fiabe.  6r  erflärte  bann  ferner,  baß  ber  Senat,  um  fcinerfeitö 
SBülfäljrigfett  ju  beroeifen,  bereit  fei,  auf  bte  ber  ©tabt  sufieljen* 
ben  befonberen  Siebte  auf  bie  ©tecfnt|fafjrt  ju  oerjidfjten ,  fobalb 
ba£  Don  bem  tfauenburgifdljen  ©d^iffamte  in  Slnfprudjj  genommene 
$rimlegtum  aufgehoben  werbe. 

3Cuf  biefen  Vortrag  mar  ntdjt  niel  ju  emriebem.  S)er  Gftat&* 
rat!)  grandfe  formte  nidfjtö  fagcn  ate:  bie  S3erljältniffe  feien  nodj 
gerabe  fo,  rote  t>or  jroanjtg  Qaljren,  l)abe  bie  Sommtffton  ftdfj  bamalS 
für  incompetent  in  ber  ©adfje  erflärt,  fo  fönne  fte  jefct  nidfjtö  SlnbereS 
tfjun,  man  möge  nur  bie  Slcten  nadftfetjen.  3)a3  mürbe  bann 
befd^loffen. 

SHe  ©ad&e  tarn  roteber  in  ber  13.  ©tfcung  am  7.  Dctober,  unb 
m  ber  16 ,  am  21.  Dctober,  jur  ©pradjje.  ©dfjon  in  biefer  lederen 
lettfte  ber  ©äniföe  (Sommiffar  einigermaßen  ein,  inbem  er  bemerfte, 
mm  feine  Regierung  ftdfj  oeranlaßt  finben  follte,  bieSompetenj  ber 
Sommiffion  anjuerfennen  unb  einem  roiber  Srroarten  gegen 
ba£  $rurilegium  ber  Sauenburger  auäfattenben  $efdt)luffe  gfolge 
ju  geben,  fo  mürbe  bie  ©d&iffaljrt  feine  Grleidfjterung  baburdjj 
gewinnen,  benn  feine  Regierung  mürbe  bann  oon  ben  §n>ifd(jen 
Sauenburg  unb  Hamburg  geljenben  ©ütern  ben  ©Ibjoll  ergeben,  roie 
e£  tfjr  freifte^e,  u>a3  fte  bteljer  nidfjt  getfjan  fjabe. 

SHe  ©ntfd&eibung  erfolgte  erft  in  ber  30.  ©ifcung  am  13.  2)toi 

1343,  ttadfjbem  alle  SBeoollmädfjtigten  unb  audfj  bie  Regierungen  von 

ben  Steten  Äenntniß  genommen  unb  ftdf)  über  bie  Sachlage  unter* 

rietet  Ratten.  Qn  biefer  ©ifcung  natjm  Senator  Srebmer  juerfi  baä 

SBort  unb  entmidfelte  roieberum  in  einem  längeren  Vortrage,  baß 

bie  facttfd&en  33et)auptungen,  mit  Sejiefjung  auf  meldte  von  ber 

3)dnif^en  ^Regierung    bie  ^ncompetenj  ber  ßommiffton  behauptet 

iwrben,  ber  Sadfjlage  nidf)t  entfpredf>enb  feien.    3Ran  Ijabe  früher 

angenommen,    baß    bie   3Jert)ältniffe    ber   ©teefnifc   oertragämäßig 

geregelt  feien,  jefct  aber  fei  nad&gennefen,  baß  bie£  nidfjt  ber  %aU 

fei;  man  Ijabe  angenommen,  baß  bie  SBaaren  auf  ber  ©teefnifc  um* 

geloben  mürben,  e$  fei  aber  nadf)genriefen  unb  jefet  befannt,  baß  bie 

Umlabung   auf  ber  @lbe,  oon    @df)tff  ju  ©dfjiff,  gefdfjefje;  e$  fei 

früher  behauptet  morben,  baß  ber  von  ben  ©tecfnifcroaaren  erlegte 

Soü  eigentlich  nur  eine  Ermäßigung  be£  auf  ber  ©Ibe  ju  erlegenben 

^affagejolleS  fei,  melier  non  ben  ©tecfnifcmaaren  nadjj  befonberer 

frefawfltget    SBergünftigung  bermalen   nidfjt    geforbert    merbe,   jefct 

aber  t>abe  ber  $änifc|>e  SeooUmäd^tigte  felbft  erflärt,  baß  bie  @lb* 


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zedby  G00gk 


516 

joflfoerfjältniffe  in  feiner  33erbinbung  mit  bem  Sßrhrilegtum  be3 
£auenburgifdf)en  @d()iffamte$  ftefjen,  ba  feine  ^Regierung  t>on  bem  iijr 
jufteljenben  Siebte  and)  roctyrenb  beä  gfortbeftel)en$  jenes  Sßri* 
oilegiumS  nadfj  tyrem  belieben  ©ebraud)  mad&en  fömte;  e£  fei 
bamals  behauptet  roorben,  bajs  ber  ©tedfnifcjoll  ttic^t  fjinreidjie, 
um  bie  jur  Unterhaltung  ber  ©tedfmtj  erforberlid&en  Äoften  ju 
becfen  unb  2)änemarf  baljer  beä  ©tapelredfjte  als  eines  weiteren 
SKequioalentö  bebürfe,  jefct  fei  nadjjgemiefen,  baß  bie  Unterhaltung* 
pflid&t  Ijauptfäd&lidf)  Sübecf  obliege,  unb  S)änemarf  für  feine  2lu$* 
gaben  burdf)  ben  $oü  hinlänglich  entfd&äbigt  werbe;  bamate  fyabt  bie 
©ommiffton  ftd&  für  incompetent  galten  fönnen,  in  ber  SWeinung,  baß 
burdjj  bie  jmangSmäßige  Umlabung  ba£  Sßrincip  ber  allgemeinen 
gfretyeit  ber  ©IbfdEjiffatyrt  nidf)t  befd&ränft  werbe,  je|t  fei  e£  äugen* 
fdfjeinlidfj,  baß  l)ier  ein  gfaH  oorliege,  auf  weldfjen  ber  Slrt  2  ber 
©Ibacte  2lnwenbung  ftnbe. 

faltbare  ßinwenbungen  gegen  biefe  Darlegung  ließen  ftdfj  mdfjt 
madjjen.  2)aoon  Ijatte  oljne  Qmüfd  bie  3)änifd&c  ^Regierung  fclbft 
ftd^  fdjjon  überzeugt  unb  bafjer  tljren  ©efanbten  ermädfjtigt,  bie 
ßompetenj  ber  ßommtffton  anjuerfennen  unb  ftdjj  i^rer  ©ntfd^eibung 
ju  unterwerfen,  babei  ftdfj  felbft  ber  Slbftimmung  ju  enthalten.  ©ämmt* 
Itd&e  2tbgeorbnete  fprad&en  ftdfj  bann  bafjm  auä,  baß  bog  Sauen* 
burgifdjje  ^rtoilegtum  in  äBiberfprudfj  mit  bem  Slrt.  2  ber  ©Ibacte 
fte^ef  unb  oereinigten  ftdj)  ju  bem  ©rfudfjen  an  bie  Stänifdfje  SRegterung, 
e$  nidjt  länger  fortbauern  §u  laffen.  S)er  $raefibent  fonnte,  inbem 
er  baö  SRefultat  ber  Sbftimmung  jufammenfaßte,  jugleid^  mit  Se* 
friebigung  f)in$ufügen,  baß  burdjj  bie  fd&on  erflärte  bereitwillig* 
feit  ber  £>änifdf)en  Regierung  bem  öefd&luffe  bie  8lu$fül)rung 
gefidfjert  fei.  . 

©dfjließlidf)  erflärte  Senator  Sreljmer,  baß  ber  ©enat  nunmehr 
auf  ba«  feinen  bürgern  jufiefjenbe  auSfdfjließlidje  Siedet  auf  Sefdfjiffung 
ber  ©tedfnifc  oerjid&te  unb  ben  ©Ziffern  ber  übrigen  ©Ibuferfiaaten 
gleite  Skfugniß  jugeftetje,  wobei  er  ftdf)  ber  Hoffnung  überlaffe,  baß 
audf)  ben  Sübecfifdfjen  ©Ziffern  bie  gtaljrt  auf  anberen  SRebenflüffen 
ber  6lbe  mit  ben  ju  Sübecf  nerlabenen  ober  ba^in  beftimmten 
SBaaren  nidjjt  werbe  geweigert  werben. 

@o  ergiebt  ftdfj  ber  Verlauf  ber  ©adfje  au&  ben  SßrotofoHen. 
Slber  bie  Sßrotofoße  enthalten  freilid^  nur  gleidfrfam  baS  auf  offener 
Sityne  oor  ftdE)  getjenbe  3>rama,  unb  wie  biefe«,  um  überhaupt  t>or* 
gefjen  ju  fönnen,  trieler  SJorflubien  unb  oorgängiger    Sinttbung 


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517 

beborf,  fo  waren  audjj  bie  Sßrotofotte  nur  bie  Riebertegung  her 
Sefultate  gehaltener  Rücffpradjen  unb  getroffener  SSerabrebungen. 
Serfammlungen  ber  (Sommiffton  fanben  überhaupt  nur  Statt,  wenn 
©egenftänbe  burdj)  SBerfjanblungen  ber  $eooflmädf)tigten  fprudjretf 
geworben  waren.  Sämmtltdfje  Seooflmäd&ttgte  waren  in  Äenntmfc 
aller  ©egenfiänbe,  bie  jur  Spradfje  fommen  follten,  ba  bie  Regierungen 
jty  bie  Snträge,  bie  fie  ju  fieHen  beabfid&tigten,  oorljer  mitgeteilt 
Ratten.  3ur  (Srfebtgung  eines  Steife  berfelben  würben  gleidj 
anfangs  oier  ftänbige  auSfd&üffe  niebergefefct  unb  Sübecf,  b.  !}. 
Senator  ©reiner  ju  bemjenigen  ^injugejogen,  meldjjer  ein  Strom*  unb 
©(tyffaljrtSpolijeireglement  ausarbeiten  fottte.  Später  traten  nodfj 
brei  anbere  auSföüffe  Ijutju  unb  jweien  berfelben  gehörte  Senator 
«reiner  ebenfalls  an.  an  arbeit  fehlte  eS  if)iu  alfo  nid^t.  aber 
bie  äbfd&affung  beS  Sauenburger  Stapels  befdfjäfttgte  bod^  feine 
(Bebauten  unb  feine  S^ätigfett  bei  weitem  am  meiften.  S)abei  tjatte  er 
ber  Statur  ber  Sadfje  naty  an  Stänemarf  tintn  ©egner,  an  SWedften* 
barg,  Hamburg  unb  #annooer  ©enoffen.  Qxoav  Ijatte  audf)  #annooer 
mehrere  Referoatredjjte,  bie  cS  ttid^t  gern  opfern  wollte,  es  wollte 
namentlidfj  bie  auSfd&liefcÜdfje  JBefugnife  ber  Süneburger,  auf  ber 
3Jmenau  ju  fahren,  nid&t  gern  preisgeben.  3)od&  erwies  ftdfj  ber 
$atmooerfdf>e  ©eooHmädfjtigte,  Dber*Steuerratl)  Älenje  gan§  jugänglid^ 
unb  eS  entjtanb  jwifdjen  Üjm  unb  Senator  Sre^mer  ein  perfönlidfjeS 
fmmbfäKtftltd&eS  9Sert)ältnifj,  weldfjeS  audfj  für  fpätere  Ser^anblungen- 
redjt  förberltdj  geworben  ift.  S)ie  übrigen  Regierungen,  Defierreidfo, 
$reufcen,  Saufen  unb  bie  brei  anfjaltifd&en,  weldfje  burd^  tintn 
8emeinf(^aftlid^en  JBeooHmädfjttgten  oertreten  waren,  Ratten  jwar  fem 
eigenes,  fpecießeS  Sntereffe  bei  ber  Sadfje,  förberten  aber  gern  bie 
gretyeü  beS  SSerfe^rS. 

Senator  Sre^mer  leitete  bie  Sad&e  gefdf)icft  ein.  ©er  antrag 
auf  Aufhebung  beS  StapelredfjtS  würbe  oon  Hamburg  gefteHt  unb 
baju  lag  eine  beftfmmte  SSeranlaffung  barin,  bafe  einer  ipamburgtfdfjen 
6d>leppfd&iffat)rt  bie  auSlabung  oon  nadfj  fiübeef  beftimmten  ©ütern 
in  ßauenburg  oerweigert  war.  S)ie  3Wedrtenburgtfdf)e  Regierung 
imterftö|te  b$n  antrag;  fie  fjatte  es  erfl  furj  Dörfer  in  ©rfa^rung 
gebraut,  bafe  baS  ßauenburgtfd&e  Sdftfffamt  baS  Redfjt  beS  £ranS* 
portS  oon  Stedtoifcgütern  oon  unb  nadfj  SBotfcenburg  für  ftdjj  in  an* 
iprud&  na§m.  gafi  gletdfjjeitig  würbe  oon  |ier  aus  in  einer  Rote 
an  bie  Sättiföe  Regierung  ber  antrag  auf  befonbere  Ser^anblungen 
wegen  biefeS  StapelredfjtS  gerichtet.    So  war  ber  ©äntfd&en  Re* 


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518 

gierung  bie  ÜJtöglidfjfeit  genommen,  Sübedf  barüber  einen  SSonourf 
ju  madjen,  bafc  eS  ftc  nor  ein  gorum  jtetje,  beffen  ßompetenj  fie 
gar  nidjt  anerfamtte,  unb  ti)t  mar  ber  SBeg  gejetgt,  burd)  eine 
feparate  SSerfyanblung ,  wobei  fte  eine  ©egenletfiung,  uämli<jj  ba$ 
Stedjt  ber  ©dfjiffaljrt  auf  ber  ©tcdfmfc,  fjätte  bebingen  fihmen,  ba$ 
sßrfottegtum  SauenburgS  aufjugeben.  2)a£  märe  ber  (Sommtfjum 
ein  fet)r  angenehmer  2lu$n>eg  gemefen.  allein  bie  Stänifd&e  «Regierung 
fanb  bei  näherem  eingeben  in  bie  ©adjje,  bafc  fie  biefen  Sffieg  ntd^t 
einklagen  fönne.  Sie  fjatte  nadfj  2lbfaffung  ber  erften  ©tbacte  im 
Qa^re  1821  auf  eine  anfrage  be£  Sauenburger  ©d&tffamtö,  ob  fem 
Privilegium  nod&  gültig  fei,  bie  ©rflärung  gegeben,  burd&  bie  &b* 
acte  fei  barin  SRid&te  geänbert.  ©te  tonnte  freiwillig  biefe  (Srflänmg 
jefct  nW>t  jurüdfjteljen,  oljne  ftdfj  ber  ©tabt  ßauenburg  gegenüber  eine 
SBtöfce  ju  geben;  beffer  mar  e3,  ftd^  non  einer  aufeeriljrunbin 
gerotffer  ^inftd^t  über  üjr  fteljenben  SDtod&t  jnringen  ju  laffen.  9Ste 
bie  ©ntfdfjeibung *  biefer  SRadfjt  ausfallen  mürbe,  barüber  ntadjte 
$>änemarf  ftdfj  roa^rfdfjeinlidSJ  oon  Anfang  an  feinen  3roeifeL  ®er 
3lrt  2  ber  ©Ibacte  mm  1821  beftimmt: 

SlUe    auSfdfjlie&lidfjen    JBered&tigungen,   gfrad&tfaljrt  auf  ber 
ßlbe  ju  treiben  ober  anS  fotdjen  ^Privilegien  hervorgegangene 
Segünftigungen,  meldte  ©dfjiffergilben  ober  anbern  (Korporationen 
unb  Qnbinibuen  bisher  jugefianben  l>aben  mögen,  finb  tyerait 
gänjlidfj  aufgehoben  unb   es  fotten  bergletdjjen  SBered&tigungeu 
audjj  in  3utunft  3Wemanben  erteilt  werben. 
@£    Ijätte    alfo    aud&    ba3  Sauenburgifdjje   ©d&ifferprhrilegtum  fo» 
gleich  aufhören  muffen,  rotnn  ntdfjt  bie  ßommtffion  bamalä  ber  3(n* 
ftdjjt  gemefen  märe,  bafc  e£  vertragsmäßig  befiele  unb  mit  ben 
©tednifcverfjältniffen  jufarnmenljmge.  Sludjj  mürbe  angenommen,  bafc 
bie  Umlabung  auf  ber  ©tedfnifc  gefd&etje.    Um  biefen  lefcteren  Qrr* 
t^um  auf  bie  beutUdfjfte  SBeife  ju  miberlegen,  bittet  SJre^mer  in 
einem  feiner  ©riefe,  man  möge  tym  bodfj  eine  ©peetatfarte  von  ber 
©Ibe  fdjjicfen,  bamit  bie  ^Bevollmächtigten  (id>  burdjj  eignen  »nblidf 
überjeugen  fönnten,  bafe  ber  Sauenburger  Ärajjn  nrirflidfj  an  ber  ©Ibe 
liege,  nidjjt  an  ber  @tedfni|.    ©dfjon  bie«  Argument  nrirfte;   eine 
beffere  ©adjfenntnifc,  bie  früher  gefehlt  &atte,  fam  ^inju.  aber  man 
fudfjt  tvof)l,  wa&  man  nidf)t  verljmbern  fatm,  wenigen«  möflCi# 
lange  ju  nerjögern  unb  baS  gefdjat)  audfj  t)ier.    63  mar  befd^loffen, 
bie  Acten  nadjjjufefjen.    3)a3  ärdjtv  ber  früheren  Sommiffton  6efanb 
fid&  aber  in  SJien,  bafjer  mußten  alfo   bie  Steten  geholt  werben. 


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519 

Samt  beburften  fie  nodjj  einer  SJerooEficmbigung,  bamt  circultrten 
fie  \cfyc  langfam,  audjj  bie  Regierungen  mufcten  Äenntmfc  baoon 
nehmen,  bie  35änifdfje  utöbefonbere,  rocld^e  erflärte,  fie  Ijabe  eine 
Unterfu<$ung  über  ben  rechtlichen  ©runb  be£  angefodfjtenen  5ßrit>i* 
legiumä  angeorbnet.  So  ©erging  3Ronat  auf  SRonat.  Sei  33rel>mer 
(Segen  Ungebulb  unb  audj>  Spannung  immer  fjöljer,  benn  alle  Sr< 
nwrtung  einer  gewtffen  ßmfdfjetbung  ift  boef)  nidfjt  biefe  ©ntfd&eibung 
fetöji.  (ix  fjatte  ftd^  bie  Acten  aufcer  ber  Retye  ju  »erraffen  gewu&t, 
fatte  fie  burd(jgefet)en,  feine  Anfielen  gebilbet  unb  ju  Rapier  gebraut. 
Übt  8.  a»ärj  fanbte  er  bie  ©rflärung,  bie  er  in  ber  gommtffion  ab* 
geben  wollte,  tjierfjer  ein  unb  feilte  fie  audf)  bem  ©atöratl)  grandfe 
mit  SJon  biefem  würbe  fie  nadfj  ©open^agen  gefanbt  unb  fam 
juriuf,  immer  aber  behauptete  grandfe,  er  l>abe  nodjj  feine  Qnftructton. 
SnbUdj  erflärte  tym  Sretjmer,  er  fönne  unb  werbe  nun  mdfjt  länger 
warten,  fonbem  beim  ^raefibium  bie  Anberaumung  einer  Sifcung 
beantragen  unb  auf  ©ntfd&eibung  bringen,  unb  am  29.  April  fd^rieb 
er  an  Senator  3RüHer:  „Sie  fönnen  nid&t  fetmfudfjtöootter  Radfj* 
ruhten  oon  mir  entgegenfeljen,  atö  idf)  ba£  ©nbe  ber  Spannung 
erwarte,  ht  ber  idj>  mid^  nun  fd&on  fo  lange  befinbe  unb  bie  mir 
m  fo  brüdtenber  wirb,  ba  aße  meine  ©etfte^fräfte  auf  biefen  $unft 
#n  ameentrirt  werben."  Am  13.  3Mai  fanb  benn  bie  Sifcung  jiatt 
unb  oerlief  in  ber  norfiin  angegebenen  SBBctfe. 

3u  <£nbe  mar  bie  Sadfje  bamit  nod&  md&t.    Als  ber  @om* 
trniTionSbejdfjlufj  befannt  geworben  mar,  glaubten  ein  Sßaar  Hamburger 
Stiföfer  fidjj  fdfjon  berechtigt,  Stecfnifcgüter  nadf)  $auenburg  ju  führen. 
Jkroon  na^m  granefe  SSerantaffung  $u  erflären,  burdfj  ben  6om* 
mtfjwnSbefc&lu&  an  unb  für  fidf)  fei  bas  factifdfje  3$erf)ältnif3  nodfj 
tääft  geänbert,  oielmeljr  werbe  er  erft,  wie  alle  übrigen  Ijier  gefaxten 
SJefd&Utffe,  mit  ber  aüfeitigen  Ratification  ber  barüber  aufjuneljmenben 
acte  in  Äraft  treten,    $atte  er  nun  in  bem  erften  Steile  ber  @r* 
Harung  offenbar  Redfjt,  fo  ^atte  er  in  bem  jwetten  tbtn  fo  entfdfjieben 
Unre^t,  benn  bamit  war  gefagt:  wenn  ttxoa  bie  ju  befd^liefeenbe 
Acte  gar  mcfct  ratipeirt  werben  fottte,  fo  würbe  audfj  ba$  Sauen*' 
torger  ^Sruntegtum  in  Äraft  bleiben.    23ret;mer  muf$te  tym  alfo 
roiberfpted&en  unb  bemerfte,  er  wolle  bie  3)ämfdfje  Regierung  in 
femer  2Beife  brängen,  aber  unmöglich  fönne  bie  Ausführung  eine« 
fJefdjluffe«,  ber  auf  einer  SefHmmung  einer  längft  allfeitig  ratificirten 
Mete  fceru&e,  abhängig  gemacht  werben  oon  ber  jur  3*it  nodlj  ganj 
umjetoiffen  Ratification  einer  no<$  gar  nidjjt  ejiftirenben  Acte.   #ier* 

34 


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520 


\ 


über  entflanb  eine  ©iScufftott  jwifd&en  Seiben,  bie  unentfdjjteben  Hieb. 
Stot  folgenben  Sage  fjatte  ftrandfe  einige  bie  #erabfefcung  beä  ®b* 
jolte  auf  Äupfer  unb  #anfoel  betreffenbe  Rapiere  an  Stemmet  ju 
f d&idfen  unb  begleitete  bie  ©enbung  mit  folgenbem  ©d&retben: 

@w.  $od&woljtgeboren 
beerte  i<$  midf),  bie  anlagen  wteberum  jujufietten,  meldte  bie  eoentuelle 
$erabfefcung  beS  (SlbjottS  für  Äupfer  unb  $anfoel  betreffen.  9to$ 
bem  SSorfaHe  oon  geflern,  woju  id&  überatt  feine  Seranlaffung  gegeben, 
bin  idjj  ntd&t  gefomten,  bem  §errn  (Sommiffar  ber  freien  unb  $anfe> 
fiabt  Sübedf  irgenb  eine  ®ef<$äftebereitoitttgfeit  met)r  ju  ertoeifen, 
unb  werbe  midfj  bafjer,  foßte  jene  3°Dermäfei9^nS  ofpdeH  in  ber 
gommiffton  beantragt  werben,  für  Sauenburg  gegen  fotdjje  auSfpredjjen. 
3nbem  td&  b^jujufügen  mir  erlaube,  bafc  jebe  fernere  Ijtefige  $iffe* 
renj  über  ba«  ©c&iffamt  §u  Sauenburg  fowol)l  biefer  Angelegenheit 
als  ber  beoorfW&enben  SHegultrung  ber  ©tecfnifefa^rt  nur  nadjtljeilig 
unb  IjtnberltcJj  fein  fann,  ergreife  td&  biefe  ®elegen^eit,  um  bie  Set* 
fid&erung  befonberer  $odjadj)tung  §u  erneuern. 
Bresben,  b.  12.  ^fuli  1843. 

(unterj.)  gfr  an  dfe. 

SWadjj  einigen  ©tunben  empfing  er  folgenbe  @rwieberung: 

6w.  $odjjwoljlgeboren 
geehrte  3uförift  1>om  gütigen  Sage  Ijat  mtdfj  in  oielfadjjer  $in|i$t 
fe&r  fd&merjltdfj  berührt. 

©8  fprid&t  ftd)  barin  eine  ©ereijt^eit  a\x&,  ju  weld&er  td&  nity 
ben  geringften  Slnlafc  gegeben  ju  Ijaben,  mir  bewu&t  bin. 

SDaoon,  bafc  td&  meiner  Stellung  nadf)  ntdjjt  uml)m  fonnte,  meine 
©tabt  gegen  eine  ©rflärung  ju  Dermalen,  woburdfj  bie  93efriebigung 
UjreS  3tedS>t3anfprudS>3  oon  ungewiffen  fünftigen  ©reigniffen  abhängig 
gemalt  werben  follte,  bürften  ©10.  #odfjwo$lgeboren  ©ic§  bei  unbe* 
fangener  ©rwägung  gewtfc  felbft  überjeugen. 

Slu8  bem  oon  mir  bereits  gefiern  äbenb  abgelieferten  gjrotofoll» 
entwürfe  werben  ©ie  erfefjen,  wie  feljr  i$  meinem  unoenneiblidjjen 
Vortrage  bie  oerbtnblidfjfte  ©mfleibung  ju  geben,  bemüht  geioefen  bin. 

Sfere  Ablehnung  jeber  fünftigen  ©efd^äftsbereitwittigfeit  gegen 
mid^  werbe  xd)  um  fo  gefaxter  ertragen  fönneu,  als  tdf)  öegünfä* 
gungen  auf  ben  ©runb  perfönlid^er  Sefreunbung  oon  @n>.  £<h$* 
wo^lgeboren  weber  erbeten,  nodj)  erwartet,  nodjj  erhalten  (>abe. 


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521 

33etm  SRüdfblicf  auf  bie  Sergangenfjeit  bürftett  bagegen  6n>.  §oty 
moljlgeboren  @id(j  erinnern,  rote  feljr  icf)  öftren  perfönlid&en  2Bünfd(jen 
rücffid&ttidE)  ber  Se^anblung  unb  langen  Sertagung  ber  Sauenburger 
®d&iffamt«*3lngelegent)ett  mtd(j  gefügig  gezeigt  fyabt.  2lud^  wirb  Qfpe 
bertnalige  fdfjroffe  (Srflärung  midE)  nid&t  abgalten,  aud&  fünfttg  öftrer 
SillertjödSrften  Regierung  jebe  Rücffidfjt  unb  Sereitroißigfeit  ju  bejeugen, 
welche  mit  meinen  nädfjften  SßfKdfjten  fidfj  trgenb  »erträgt. 

S)ie  fjieneben  jurücfgefjenben  Rapiere  ju  behalten,  fann  tdf)  micij 
mdfjt  neranlafct  finben.  3)a«  Original  ber  von  6ro.  ipodfjrootjlgeboren 
unb  ben  Seoottmäd&tigten  t)on  #annot)cr  unb  3Jtedflenburg  mir  unge* 
forbert  erteilten  3ufa9e  &a&c  ^  bereit«  an  ben  Senat  emgefanbt, 
audfj  in  ber  geftrtgen  Sifcung  bereite  ju  $rotofoll  erflärt,  bafc  tdfj 
feine  Semerfung  über  ba«  £arif*@utadf)ten  ju  madjjen  fyabt.  3$ 
fann  übrigen«  feinen  Slugenblicf  befürchten,  bafc  Sfjre  Slllerljödfjfte 
Regierung  ba«  oon  iljrem  Seooffmäd^tigten  gegebene  5Berfpre<$en 
unberüdfftdfjtigt  laffen  werbe. 

3$  erneuere  bei  btefer  ©elegen^eit  @ro.  #odfjroo§lgeboren  bie 
SBerftdfjerung  meiner  befonberen  #odfjad)tung. 
S)re«ben,  b.  12.  3;uÜ  1843. 

(unter}.)  JBre^mer. 

Sfai  nädjjften  SRorgen  trafen  beibe  Ferren  in  einer  SKuSfdjjufc 
ftfcung  roieber  jufammen.  darüber  berietet  93ret)mer  „3m  anfange 
berfelben  jeigte  grandfe  ft<§  gegen  midf)  in  fjoljem  ©rabe  gereijt,  nadfj« 
bem  tdf)  il)m  aber  ewftljaft  erflärt  ijatte,  roenn  bie  93eratiE)ung  in 
folgern  £one  geführt  roerben  foBte,  fo  fänbe  tdjj  midfj  nidjjt  im  ©tanbe, 
an  berfelben  weiter  £t)eil  ju  nehmen,  lenfte  er  ein." 

Radf)  ®nbe  ber  ©ifcung  fam  ber  SßrotofoBfüljrer,  um  ben  ©nt* 
nmrf  be«  *t$rotoM«  uorjulcgen.  darüber  erneuerte  ftdf)  notl)* 
roenbiger  SBeife  unter  Seiben  ba«  ©efpräcl),  aber  grandfe  mar  nun 
ruhiger.  ®r  oerfianb  fidfj  baju,  au«  feiner  @rflärung  3llle«  roegju* 
flreidjen,  ma«  auf  bie  3lb^ängigfeit  ber  Sottjietjung  be«  ßommiffion«* 
befdfjluffe«  oon  ber  Ratification  ber  in  33ert)anblung  nodfj  begriffenen 
Stete  Sejug  tjatte,  unb  in  golge  beffen  üerjtdfjtete  Srefjmer  auf  jebe 
ptotofottarifd&e  ©egenerflärung. 

3n  ber  ©adfje  felbft  jjat  übrigen«  bie  2)änif<Jje  Regierung  nid^t 
nachgegeben,  grft  am  31.  ©ecember  1844  t)at  ba«  ^rtmlegium  be« 
©dfjtffamt«  ju  Sauenburg  aufgehört  unb  gleichzeitig  mürbe  oon  S)äne* 
marf  eine  SDlajsregel  ergriffen,  bie,  wenn  fie  fidfj  fjätte  burdfjfüfjren 

34* 


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zedby  G00gk 


52a 

laffen,  bert  SBet^eiligten  nadjjtljetliger  unb  beut  33erfef>r  Jjmberlidjer 
würbe  geworben  fein,  al«  jene«  Sßrioilegtum. 

©djjon  in  ber  erften  @i|ung  bei  ©rwäljnung  ber  2lbftd(jt  Sübedt* 
fjatte  gfrancfe,  wie  oor^in  bemerft,  erttärt,  burdE)  bie  Sluffjebung 
be«  Sauenburger  ^runlegtum«  würbe  oielleid&t  ber  #<mbel  ntö&t 
geroinnen,  benn  tneBetdfjt  würbe  feine  Regierung  fxd^  bann  üeranlafjt 
feljen,  t>on  ben  jmtfd&en  Sübecf  unb  Hamburg  tranfitirenben  äBaaren 
aufjer  bem  ©tecfnifcjoll  aud&  ©Ibjott  §u  ergeben;  ba«  Sted&t  fte^e  iljr 
ju,  unb  wenn  fte  e«  audfj  bi«ljer  ntd&t  ausgeübt  tjabe,  fo  fönne  fte 
e«  bodfj  jeben  2lugenblicf  in  Slnwenbung  bringen.    Qn  einer  fpäteren 
©tfcung,  30.  Sluguft  1843,  tarn  er  otjne  gegebene  Seranlaffung  nod) 
einmal  barauf  jurücf ;  ba  er  mbeffen  jugletdfj  erflärte,  feine  Regierung 
beabftd&ttge  gegenwärtig  ntd&t,  wn  tyrem  Sterte  ©ebraudfj  ju  mad&en, 
fo  tonnten  bie  Seoottmädfjtigten  oon  Sübecf,  Hamburg  unb  £annooer 
ftdf)  bamit  begnügen,  tyren  $roteft  ju  Sßrotototl  au  erßären.  ^n  ber 
£fjat  war  e«  gänjltdf)  unerwartet,  al«  in  ben  erften  Sagen  be« 
Safere«  1845  bie  SRadjridfjt  ftdf)  verbreitete,  bie  @eneral*3oHJammer 
in  ©openljagen  Ijabe  bie  (Slbjollbejjörbe  in  Sauenburg  angewiefen,  in 
3ufunft  neben  bem  ©tecfnifcjoll  audfj  ben  ©Ibjotl  ju  ergeben.    @« 
entftanb  wieberum  bie  jenige  Aufregung,  in  welche  ©änemarf  burdjj 
feine  3Jiafjregeln  uns  öfter«  oerfefct  l)at.    £)er  ©Ibjott  betrug  ba« 
SDreifad&e  tum  bem,  wag  bisher  al«  ©tedh%oB  nnb  al«  f.  g.  Ära^n* 
gelb  entrichtet  war.  S)ie  ©tedfnifcfalirt  f)ätte  gänjlidfj  aufhören  muffen. 
3nbeffen  war  man  liier  feft  entfdfjloffen,  ftd&  foldjjer  Stnma&ung  nic^t 
ju  fügen,  unb  ©enator  Sreljmer  würbe  fogleidfj  wieber  nadf)  Ham- 
burg gefanbt,  um  ein  ©moemetjmen  mit  bem  bortigen  ©enate  £er* 
beijufityren.     2)änemarf   war  ganj  entfdfjieben  im  UnredEjt.    Sie 
3oflfoerf)ältmffe  beruhten  auf  bem,    erft  in  $olge  be«  ©unbjoH* 
»ertrag«   1857  aufgehobenen  ©d&nacfenbecfer  Vertrage  oon   1573. 
Qu  bemfelben  Reifet  bie  Ueberfd&rift  ber  eigentlichen  3oHroHe:  „30II 
ber  ©üter,  fo  in  unb  au«  ber  @lbe  entlang«  ben  ©raben  unb  bie 
©tedfntfc  geführt  werben."  Qm  Saufe  jweier  Qa^r^unberte  oeränberte 
ftdfj  ber  2Hünjfu&  fo  fetjr,  bafc  e«  nötljig  würbe,  bie  einjelnen  3°ß* 
fäfce  umjuredfjnen.    1779  fiettte  bemnad&  bie  Sftegierung  SauenburgS, 
bamal«  ba«  SKinifierium  in  Hannover,  eine  neue  3otlroBe  jufantmen 
unb  oerwanbelte  babei  bie  obigen  SBorte  be«  ©djnadfenbedfer  SBer* 
trag«  in  bie  bem  mobemen  ©pradjjgebraudjj  angemeffeneren :   „S)ie* 
jenigen  ©üter,  fo  t>on  Sübedf  bie  (Slbe  hinunter  nadfj  Süneburg,  §am^ 
bürg  u.  f.  w.  unb  t>on  biefen  Orten  bie  @lbe  hinauf  nadf)  Sübecf 


^Digitizedby  GoOgle 


523 

gefanbt  werben,  geben  fehlen  @lbjoH."  @3  iff  mögltdfj,  ba£  bie 
©eneral^offifammer  ben  ©rlafc  oon  1779  für  einen  oon  ber  ^Regierung 
einfeittg  erlaffenen  unb  folglich  au<$  einfettig  jurüdfjune^menben 
gesotten  f)cd.  2)a3  mar  er  aber  nidfjt,  er  n>ar  oertragSmäftg  unb 
bei  ber  Uebernatjme  ber  Regierung  be$  SanbeS  fjatte  3)änemarf 
bie  auäbrüdftidfje  Serpffidjtimg  übernommen,  atte  befte^enben  Verträge 
anguerfemten  unb  ju  beobad&ten.  63  mar  femer  in  ber  Sffiiener 
gongrejjacte  (SKrt.  11 1)  auSgefprodfjen,  bafe  3öHe  auf  gemeinsamen 
glüffen  nidfjt  einfeitig  er^öfjt  werben  bürften.  ®£  mar  in  ber  61b*» 
acte  oon  1821  feftgefefct,  ba&  fein  Uferflaat  berechtigt  fei,  eine 
er&öfjte  ©inna^me  au&  dlbjötten  ju  ergeben.  Aura,  e«  gab  faum 
ein  $ert)ältmf},  in  meinem  Sübecf  fo  fidjer  gefdfjüfct  mar.  33re$mer 
ftettte  alle  biefe  Momente  in  einer  ©enffd&rift  jufammen,  in  melier 
er  überbieä  nodjj  nadfmrieä,  bafs  bie  eigenen  Steuerungen  ©änemarfö 
fomoljl  bei  ben  9Serl)anblungen  über  bie  erfte  ßlbacte,  als  bei  Ab* 
fd&lufe  be«  Vertrags  oon  1840  mit  Sübecf,  gar  feinen  Sinn  Ijaben 
mürben,  menn  e<8  ber  Anfid&t  gemefen  märe,  biefen  (Slbjotl  nad) 
eignem  belieben  er&öljen  ju  bürifen.  S)ie  £)enffd(jrtft  mürbe  in 
einer  SSerfammlung  ber  Sommiffion  be«  Hamburger  Senat«  für  au& 
märttge  Angelegenheiten  vorgetragen  unb  mit  Seifall  aufgenommen. 
<£$  mar  aber  nidfjt  nötljig,  meiteren  ©ebraucij  baoon  ju  machen.  S5er 
2>ämfd>e  ©efanbte  in  Hamburg,  Äammer^err  oon  SBiße,  ein  roofyU 
mollenber  unb  unbefangener  2Rann,  berichtete  über  bie  Sad)e  an 
feinen  @f)eff  ben  ©rafen  3leoentlom*©riminil,  feit  bem  StegterungS* 
antritt  @ljrifitan$  VIII.  SRinifler  ber  Auswärtigen  Angelegenheiten 
in  Sopen^agen,  unb  oeranlafete  baburdE),  bajs  bie  Sadfje  im  Staate 
ratlj  oorgetragen  mürbe,  unb  biefer  najjm  feinen  Anfianb,  bie  auf 
mangelhafter  Auffaffung  ber  SadEjlage  berutyenbe  Verfügung  mieber 
aufgeben.  Sd&on  in  ben  erften  Sagen  beä  gebruar  mürbe  ber 
Jfönifcije  ©efanbte  beauftragt,  münblidf)  anzeigen,  baft  ber  Sefeljl 
ber  ©enerat^ollfammer  jurüdfgenommen  fei  unb  bafc,  fall«  bie  3)änifdf)e 
^Regierung  auf  bie  äottetljebung  f°ßte  jurüdffommen  motten,  eine 
twrgängige  (Erörterung  be£  9ftedE)t3oetf)ältnif[e3  ermünfcfjt  fein  mürbe. 
3)asu  ifl  eS  niemals  gefommen. 

Unfere  Sdjjtffer  fonnten  alfo,  als  im  ftrüfjling  1845  bie  Sdfjiff* 
fatyct  mieber  tljren  Anfang  naljm,  ungefjinbert  bie  @lbe  aufmärtö  unb 
abtvättä  befahren  unb  fiaben  ba$  audf)  in  ben  nädfjften  ^fa^ren  jum 
SRufcen  unfereS  ^anbete  getrau.  Seitbem  tjat  bie  (Erbauung  oon 
©fenba^nen  eine  gänjlidjje  Sßeränberung  ber  SSerfeljrSmege  fjeroor* 


Digiti 


zedby  G00gk 


524 

gebradtjt  unb  baburdfj  finb  bie  1844  errungenen,  bamalS  wefent* 
liefen,  Vorteile  wertfjlo«  geworben.  ®a£  aber  miitbcrt  bie  33et* 
bienftlicfyfett  ber  33emüf)ungen  md&t,  burdf)  weld&e  fie  erteilt  finb, 
um  fo  weniger,  ba  fie  audE)  unfern  ©fenba^noerbinbungen  in  (joljein 
<";aic  förberlid)  geworben  finb.  $ie  ©tabt  fiauenburg  würbe  burdf) 
bie  2luff)ebung  be£  ©tapelredfjtö  empftnblidf)  betroffen.  Um  fie  ju 
entfdEjäbigen,  legte  ber  Äönig  oon  S)änemarf  ber  23erlin*£amburger 
gifenbafmgefettfd)aft  bie  Verpflichtung  auf,  bie  %cä)n  an  ber  ©tabt 
l)in  ju  führen.  @3  ergab  fidjj  aber,  bafe  nur  mit  einem  2ttef)rauf« 
wanbe  oon  SWillionen  eine  foftbar  ju  untertjaltenbe,  für  ben  betrieb 
gefährliche  93afm  fötmte  ^ergefteHt  werben.  üWadjbem  bteä  burdf) 
erfd&öpfcnbe  Unterfudfjungen  bargetfjan  war,  begab  fidfj  eine  SDepu* 
tation  nadlj  Gopenfjagen,  um  bie  ©enefymigung  ber  Stiftung  übet 
Süd&en,  ©d&warjenbecf  unb  griebrid^Sru^e  ju  erwtrfen.  $te$  gelang 
jebodf)  nur  gegen  bie  Verpflichtung,  eine  Verbinbung  Sauenburgä  mit 
ber  §auptbafjn  oermtttelft  etne3  ©dfjienenwegS  ^erjuftetten,  ber  von 
ben  Sewo^nem  biefer  ©tabt  unb  tyrer  Vorftäbte,  fofern  fie  bie 
§auptbal)n  bereifen  wollten,  für  immer  unentgelblidjj  fottte  benufct 
werben  bürfen,  e$  fei  bemt,  bafc  man  biefe  ganje  Verpflichtung 
burdfj  eine  ©elbfumme  abgeläft  Ijcitte.  ©8  würben  nun  oon  ©eiten 
ber  Verlht  Hamburger  Vafjn  alle  Vemtiljungen  angewanbt,  Sauen* 
bürg  jur  2lnna^me  einer  ©elbfumme  ju  bewegen,  aber  bie  ©tabt 
fdfjlug  fie  aus  unb  beftanb  auf  ber  hafyn.  2)a$  Veftefjen  biefer 
Valm  tyat  ju  bem  ßuftanbefommen  ber  ©fenba^noerbinbung  jwtfdfjen 
Sübedf  unb  Lüneburg  wefentlidfj  beigetragen. 

SJladfjbem  bie  Verljanblungen  in  ©reiben  am  13.  Sfprtl  1844 
in  ber  Unterjeidfjnung  einer  2lbbitional*2lcte  jur  @lbfd^iffaf)rtöacte 
oom  23.  ^uni  1821  tyren  2lbfdf)tufj  gefunben  Ratten,  teerte  Vrefjmer 
^ierf>er  jurüdf  unb  wibmete  fidjj  nun  äunädfjft  ber  2)urdfjfityrung  eine£ 
2Berfe$,  für  weldfjeS  er  fdf)on  mehrere  <3a^re  ^inburd)  tyätig  gewefen 
war  unb  beffen  Veenbigung  er  bei  feiner  2lnwefenf|eit  im  Januar 
burdfj  häufige  Verfammlungen  ber  (Sentral*3lrmen* Deputation,  bie 
unter  feinem  Vorfifc  gehalten  würben,  vorbereitet  tjatte.  ©&  war 
bie  Sieform  be«  2lrmcnwefen£. 

S)ie  im  ®an$tn  reid&lidfj  oor^anbenen  3Jtittel  jur  Unterflüfcung 
ber  SKrrnen  waren  fe^r  ungleidjj  oert^eilt.  63  gab  einzelne  28ol)t* 
tltftigfeit&mftalten,  bie  bei  reichen  SDKtteln  unb  einer  befd&ränften 
Sffiirffamfeit  jctyrlidj)  einen  Ueberfdfjufc  in  tyrer  Verwaltung  erjielten, 
anbere  bagegen,  beren  SKittel  nidjt  I)inreidf)tcn,  bie  tynen  gefteQtcn 


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525 

aufgaben  ju  erfüllen,  We  bafjer  ja^rlic^  ein  SJeftctt  Rotten.  $rt 
biefer  Sage  befanben  fid)  bie  betben  unentbei}rltd(#en  unb  umfaffenbßen 
Stoftalten,  ba«  Sfrmenljau«  au  6t.  Sinnen  unb  bie  allgemeine  armen* 
anfielt. 

JtaS  6t.   Sinnen  Sinnen*  unb   2Berf f)au&f   im  gemö&nlid&en 

Spwdjgebraud),  weil  e3  früher  ein  Slofler  gemefen  mar,  nod[>  immer 

ba$  St.  Sinnen  Älofler,  aud)  furjmeg  ba$  Älofter  genannt,  empfing 

Won  feit  längerer  &it  ben  jur  ©edfung  feine«  deficit«  erforber* 

tafcen  3ufd&u6  au«  ber  6taat£faffe,  unb  biefe  Unterftttfeung  mürbe 

in  einem  von  ftatyc  au  Qa^r  fieigenben  ÜJta&e  in  Slnfprudf)  genommen. 

Sabex  maren  ber  Slnftalt  im  Saufe  ber  ßeit  nad&  unb  nad>  ganj 

uetfd&iebenarttge  3n*cfe  jugemiefen,  beren   gemeinfame  ©rfttllung 

\ttbft  ber  forgfälttgfien  äJermaltung  unb  bei  SBorljanbenfein  reicher 

SRittet  unmöglich  gemefen  fein  mürbe.    SSon  ben  nafje  an  fe<$&> 

(junbert  Qnfoffen  be*  $aufe<8  bejlanb  etwa  ber  brüte  2$ett  au« 

ftmbern,  bie  be$  UnterridjjtS  unb  ber  ©rjie^ung  beburften;  bie 

Uebrigen  nxiren  jum  S^eil  nodj)    arbeitsfähige  ^erfoneu,   benen 

®elegen^eit  jur  Sirbett,  fo  gut  e*  möglich  mar,  gegeben  mürbe,  ba* 

tyt  Ijiejj  ba£  £au$  aud&  2ßerß)au«;  tl)eil$  maren  e3  megen  Sllter* 

ober  ÄranE&eit  arbeitsunfähige  Sßerfonen,  tljetls  fold&e,  bie  aufge* 

nommen  maren,  meil  fie  fein  anbere«  Dbbadj  Ratten,  tljeite  enblidf) 

Jfcanfe,  ju  beren  Verpflegung  eS  fonft  an  ©elegenljeit  fehlte,  in** 

befonbere   frembe  $anbmerfögefeHen   unb  ÜKatrofen.    6amtättfdf)e 

Äüdftd&ten  femnten  nur  mangelhaft  genommen  merben.  $ie  urfprüng* 

1$  nur  für  ba«  #au*  &ergeridf>teten  6trafanfialten  mürben  aud) 

wm  ben  ©engten  benufct,  ba«  #au«  Ijatte  batjer  jum  £l)eil  fd&on 

ben  g^arafter  einer  6taatöanftatt.    Stafc  eine  6onberung  fo  oer* 

Wabenartiger  Sxotdt  not^menbig  fei,  bafc  bie  Slnftalt,  bie  nur  mülj* 

fam  forterljalten  mürbe,  in  fotd^er  SOBetfe  nid^t  lange  me^r  befielen 

tönne,  mar  bei  benen,  bie  bie  SSer^ättniffe  tonnten,  ju  einer  ent* 

fd^iebenen  Ueberjeugung  gemorben. 

®ie  1783  eingerichtete,  1812  neu  organifirte  allgemeine  Sirmen* 
awftalt  bejog  tyre  einnahmen  l)auptfäd)Itdf)  au8  freimiHigen  Seiträgen 
unb  gelegentltdjen  ©efdfjenfen  unb  $atte  in  früheren  .^atjren  ein  jiem* 
Kdj  anfe$nlid)e3  (Kapital  gefammelt.  Slber  mätjrenb  bie  (Einnahmen  fidf), 
roenngleid)  nid^t  beträdfjtlidj,  oerminberten,  maren  bie  an  bie  Slnftalt 
gemad&ten  Slnfprüd&e  in  einer  beftänbigen  6teigerung  begriffen,  nid&t 
fotoo^l  loeil  bie  Slrmut^  an  fidf)  junaljm,  als  meil  e«  für  bie  Unter* 
ftftfcung  an  befthnmten  unb  confequent  burd&gefityrten  ©runbfäfcen 


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526 

fehlte.  ©8  war  ootauSjufefien,  bafc  ofjne  burdfjgreifenbe  Sfenbetung 
bie  Slttftalt  in  einer  nidf)t  meljr  langen  SRetfje  t>on  $afyctn  ifyct 
SWittel  würbe  erfd&öpft  Ijaben  unb  entgegen  muffe. 

3Ran  glaubte  eine  QtiÜonQ,  §ülfe  würbe  ftd(>  baburd&  fd&affen 
laffen,  bafc  bie  reiferen  Stiftungen  tyre  Ueberfdjüffe  ber  armen* 
anfialt  freiwillig  juwenbeten  Slber  ba«  erwies  fid^  al*  unjuläng* 
lidf).  Sei  ber  93eratf>ung  über  baS  SSubget  be*  3$>re*  1843  empfing 
bie  ©entral*3lrmen*3)eputatton  ben  Auftrag,  anbere  SJorfdjjlage  ent* 
gegenjubrtngen,  audf),  jur  Sefeitigung  be*  jäfjrltdfjen  3ufäuffe*  au* 
ber  ©taatetaffe  an  bog  ©t.  3lnnen*£au$.  3)arauf  war  Sre^mer 
vorbereitet.  @*  mar  tym  Kar  geworben,  bafe  eine  Reform  ber  beiben 
Slnfialten  ntdf)t  anber*  al«  in  SSerbbtbung  mit  einer  Steform  be* 
gefammten  übrigen  Slrmenwefen*  ftdf)  mit  ©rfolg  mürbe  burd&fü&reu 
laffen,  baju  ^atte  er  bie  ©runbjüge  fd&on  aufgearbeitet  unb  fomtte 
fte,  junädjfi  in  ber  JBe^örbe  felbfi,  oorlegen.  Sine  geueräbrunfi,  bie 
am  19.  September  1843  im  ©t.  2lnnen*#aufe  auäbradf)  unb  in  furjer 
Seit  einen  grofcen  Sljetl  be*  ©ebäubeS  jerfiörte,  mad&te  audf)  für 
biefe  anfialt  bie  SRotfjwenbigfett  einer  Umgefialtung  unauffd&iel*bar. 
2)ie  Ähtber  mußten  fogleidfj  au*  bem  #aufe  entfernt  werben  unb  e* 
mürbe  allgemein,  oor  allen  2)htgen  von  ©eiten  ber  SSorpe^erfd^aft 
felbfi,  al*  felbftoerfiänblid^  angenommen,  bafe  fte  nid&i  mteber  ba^in 
jurfidßfeljren  bürften. 

3ur  Durchführung  ber  Reform  mar  aber  offenbar  eine  genaue 
Äenntnifc  be*  bermaligen  3ufianbe*  erforberlidf),  unb  e*  genügte 
nid&t,  bafc  biejenigen  fte  Ratten,  oon  benen  bie  33orfdf)läge  baju  au«*» 
gingen,  fonbem  fte  muffte  audf)  benen  gegeben  werben,  bie  über  bie 
aSorfd^läge  ju  befdfjliefcen  unb  bei  2lu*füljrung  berfelben  mitjuwirfen 
Ratten.  ®*  muffte  eine  Kare  unb  überftdjttid&e  S)arfieBung  ber  Ser* 
^ältniffe  aller  Sffioljltt)ätigfeit*anfialten,  fo  weit  nötljig,  oerbunben 
mit  einem  SRüdfbltä  auf  if)re  gefd[)i<tytlidfje  ©ntwiefetung  aufgearbeitet 
unb  öffentlich  befannt  gemadfjt  werben,  gür  biefe  Sirbett  gewann 
Srefjmer  bie  Unterftüfeung  eine*  3Kanne*,  ber  tljm  an  ©rünbtid&feit 
in  ber  Arbeit,  wie  an  Seljarrlidftfett  unb  an  ©tfer,  etwa*  einmal 
^Begonnene*  burdfföufüfjren,  oöllig  gletdftfam.  ®*  war  ber  Dr.  §er< 
mann  oon  ber  $ube,  bamal*  $roto!oDfül)rer  ber  6entral*3Irmen* 
Deputation,  fpäter  SRitglieb  be*  ©enat*,  in  welker  Stellung  er  al* 
Sßraefe*  ber  Slrmenanftalt  jur  Durdfjfüljrung  ber  oon  tljm  mit* 
bearbeiteten  neuen  Drganifation  berfelben  nodj)  triel  beitragen  fonnte. 
Seiber  &at  ein  unerwarteter  $ob  feiner  SBirtfamfeit  frül)  ein  3iel 


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527 

gefegt.  Sludf)  roöfjrenb  ©reimet  abroefenb  mar,  arbeitete  §ube  eifrig 
fort.  3m  Sluguft  1S44  erfriert  ein  ausführlicher,  oortrefflidljer,  oon 
oielen  tabeHartfd&en  Ueberftd&ten  unb  anberen  Anlagen  begleiteter 
33eri<$t,  ber  für  immer  bleibenben  Sßertl)  l)at.  @r  gab  einen  ooll* 
ftänbigen  ©nblid  in  bie  beftefjenben  SBerljältniffe  unb  oerbanb  bamit 
93orfdf)läge  für  eine  Steform,  bie  fi$  jcbod^  nur  auf  bie  öffentlichen 
»nftalten  erftreeften,  l)inftdfjtlidf)  ber  Sßrtoatanftalten  bem  Staate  nur 
bie  Sefugnifc  jur  33eauffidf)tigung  ber  SSerroaltung  unb  jur  33cfteurung 
ber  Stiftungen  oinbicirte.  21 1&  leitenbe  ^rineipien  mürben  brei 
Sä§e  tyingefteHt:  biejenigen  Slnftalten,  Deren  felbftänbigeS  gortbeftefyen 
bem  gemeinen  SBoljlc  nid^t  jufagt  ober  boef)  nid^t  erljeblid&e  SSor* 
tljeile  genug  fcfjafft,  werben  mit  anbern  Slnftalten  äfynltd&er  äBtrffam* 
feit,  meldte  ba3  Staatörooljl  fräftiger  förbern,  oereintgt;  bie  (Sin* 
ridEjtung  unb  33ertoaltung  ber  unter  einer  felbftänbigen  Slbmini* 
ftration  bleibenben  öffentlichen  Slnftalten  toirb  in  fotdfjer  SBJeife  feft* 
gefegt,  bafe  baoon  eine  mirffamere  igülfe  für  bie  eigentliche  9lrmutl) 
ju  erwarten  ifi;  über  bie  SlbminifirationSüberfdjiüffe  ber  reiferen 
unter  gefonberter  SBerroaltung  bleibenben  Slnftalten  nrirb  burd&  oer^ 
fafJungSmäfngen  SBefd&lufj  ju  Äird^en*,  S<$ul*  unb  Slrmenjtoedfen 
verfügt.  5Rad&  Anleitung  biefer  Säfce  entroicfelte  bie  Seljörbe  tyre 
SBorfd&läge,  mie  ^inftd^tlid^  ber  einzelnen  Slnftalten  ju  ©erfahren  fei. 
S)ie  ©runbprineipien  foroofjl  als  audfj  im  ©rofjen  unb  ©anjen  bie 
einzelnen  SSorfd^läge  fanben  eine  beifällige  Slufnafjme,  fie  mürben  fo* 
n)of)I  oom  Senate  als  oon  ber  33ürgerfc$aft  mit  (Srnft  unb  Sorgfalt 
geprüft  unb  babei  im  ©injelnen  in  mand&en  fünften  mobipeirt. 
2Benn  über  ber  Seratljung  jroei  3^re  ©ergingen,  fo  mar  baS  nidfjt 
als  ein  üRad&tljeil  anjufe^en,  benn  aus  bem  unbefangenen  SluStaufdj) 
ber  3lnftd)ten  ging  bie  @inmütt)igfeit  in  ber  23efdf)luf$faffung  (jeroor, 
ofjne  meldte  bem  ganjen  Sßerfe  ber  redete  Segen  gefehlt  tyaben 
würbe.  Sludfj  finb  mehrere  anfangt  gefaxte  Sefdfjlüffe,  ba  ftdj  bei 
beren  SluSfüfirung  Sdfjroterigfeiten  ergaben,  fpäter  nodj  abgeänbert 
toorben.  3)er  Slrmenanftatt  rourbe  baburdfj  eine  neue  unb  ftdfjere 
JBegrünbung  gegeben,  baß  man  eine  Stnjaljl  oon  SllterS  f)er  beftefjen* 
ber  Srüberfäaften  unb  anberer  Stiftungen,  beren  einjiger  3medf  in 
ber  SSert^eilung  oon  ©aben  an  ©elb  unb  Spcife  beftanb,  mit  tyr 
vereinigte.  Sie  übernahm  mit  bem  Vermögen  berfeföen  jugleidjj  bie 
Erfüllung  tyrer  3roecfe,  unb  tonnte  fte  beffer  erfüllen,  als  es  früher 
möglich  gemefen  mar,  ba  eS  an  einem  ßufammenljang  unter  ben 
einzelnen  afcrtoaltungen  fehlte.     Sludj    bie  oon  33ref)merS   SSater 


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528 

begrünbete  wohlfeile  6peifcanjklt,  bie  bisfjer  jmar  fd&on  in  S3er^ 
btnbung  mit  ber  Slrmenanftalt,  bodfj  nodfj  unter  gefonberter  93er* 
maltung  geftanben  Ijatte,  würbe  nun  mit  i()r  Bereinigt,  gür  einjelne 
befonbere  ßmetfe  mürben  befonbere  Stnftalten  neu  errietet,  namens 
lidf)  ein  freiwilliges  2trbeitSf)auS  jur  33efd()äftigung  arbeitsfähiger 
Sßerfonen,  ein  6iedf>enl)auS  für  burdfjauS  arbeitsunfähige  Sßerfonen, 
ein  ÜftännerarmenljauS  für  arbeitsunfähige,  f<$ulbloS  oerarmte 
3Kännerf  wobei  baS  bereitwillige  entgegenkommen  ber  SJorfte^erf^aft 
einer  Sßrfoatftiftung,  beS  Sertolb  Segebcrg'fdEjen  2lrmenl)aufeS,  feljr  ju 
(Statten  fam,  enblid)  jur  grjiefjung  ber  Äinber  eine  eigene  Äinber* 
pflegeanfialt,  oermöge  melier  bie  einjelnen  Äinber,  mit  wenigen 
ausnahmen,  Sßflegeältern  Eingegeben  mürben.  $ie  lefctere  ©in* 
ridfjtung  oerurfadtjte  weit  geringere  6dE)mierigfetten,  als  t)on  mancher 
Seite,  nidjt  oljne  ©runb,  befürchtet  mürbe.  Sie  Äinber  würben 
jum  2#eü  in  ber  6tabt,  jum  größeren  Streit  auf  bem  Sanbe  unter* 
gebracht  ©eeignete  $flegeältern  fanben  Rd)  in  genügenber  Slnjaljl, 
audf)  eine  SReifie  oon  Männern,  bie  ftcf)  unetgennfifcig  unb  freunb* 
lid&  erboten,  als  Pfleger  bie  erforberlidje  2lufficf)t  ju  führen.  2HS 
Dotation  würbe  ber  Stnftalt  baS  Äapitafoermögen  oon  6t.  Sinnen 
übermiefen;  fte  behielt  nodfj  eine  6elbftänbigfeit,  audfj  eine  befonbere 
Sorfteljerfdfwft,  unb  ftanb  nur  in  SBerbinbung  mit  ber  Strmenanftalt. 
@ine  ooDftänbige  SJerfd^meljung  mit  berfelben  ift  fpäter  jur  2luS* 
füljrung  gefommen.  £>aS  6t.  3lunen*#auS  borte  gänjlid^  auf,  eine 
2BobltbätigfeitSanftalt  ju  fein.  3)ie  ©ebäube  würben  bem  6taate 
übermiefen,  um  barin  ein  ,3wangSarbeitSbauS  unb  ©trafanftalten 
ju  errieten.  Sludf)  blieb  bem  6taatc  bie  ©nridjtung  eines  eigenen 
vom  SSrmenwefen  unabhängigen  ÄraufenljaufeS  überlaffen.  ©ie 
3wedfmä§igfeit  aller  bamals  für  baS  ärmenwefen  getroffenen,  fpäter 
jum  ^eil  nodf)  weiter  burdjgefübrtcn  ©nridfjtungen  b<*t  ftd&  burdf) 
eine  nun  fdtjon  brei&igjäbrige  ©rfaljrung  bewährt. 

StaS^br  *84ö  g^b  öreijmerS  Xfjätigfett  wiebcr  eine  Stiftung 
nadE)  aufeen  tym.  2)ie  ßreigniffe  folgten  unb  brängtcu  ftdjj  ba* 
mals  rafcty. 

$n  einer  SSerfammlung  in  &cibelberg,  ju  melier  fidf)  einunbfunfeig 
SRänner  aus  eigenem  antrieb  unb  olme  Auftrag  vereinigt  Ratten, 
rourbe  am  3.  gjfärj  ber  ©ebanfe,  ein  beutfd&eS  Parlament  alsbalb  ju 
berufen,  juerft  auSgefprod&en.  ©er  SunbeStag  ging  auf  biefen 
©ebanfen  ein  unb  baburdf)  gelang  eS  ü)m  eine  3cWan9  wü)*  bit 
Qnitiattoe  in  ber  #anb  ju  behalten.    3lm  9.  2Rära  erßärte  er  bie 


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529 

alten  beutfdfjen  färben  —  ©djroarjrotljgotb  -  ju  garben  beg 
3)eutfdfjen  VunbeS,  am  10.  (üb  et  fämmtltd&e  VunbeSregierungen  ein, 
gjtännet  be$  allgemeinen  Vertrauens,  unb  jmar  für  jebe  ber  fkbenje^n 
Stimmen  De«  engem  SRatfjeS  einen,  fofort  mit  Dem  auftrage  abju* 
orbnen,  ber  Vunbeguerfammtung  unb  beten  2lu3fdf)üffen  jum  Velmf 
ber  Vorbereitung  ber  SReoifton  ber  VunbeSoerfaffung  mit  gutadfjt* 
lidjem  Veiratf)  an  bie  #anb  ju  gefyen.  2lm  30.  gRärj  forberte  er 
bie  ^Regierungen  auf,  3Bat)len  dou  SJlatxonafoertretern  ju  t>eranlaffen, 
—  einen  Vertreter  für  je  70,000  Seelen  —  um  jmifdfjen  ben  Sie* 
gierungen  unb  bem  Volle  ba$  beutfd&e  Verfaffung£merf  ju  Staube 
ju  bringen.  3lm  7.  8lpril  mobificirte  er  ben  Vefdfjlufe  bafyin,  bafc 
auf  je  50,000  Seelen  ein  Vertreter  gewählt  werben  fotte,  unb  fefcte 
ben  Slnfang  ber  SRationaloerfammlung  auf  ben  l.  3Rai  feft-  So 
fdjneff  fonnten  bie  SBa^len  nidjt  befd&afft  werben.  2lm  18.  3Rai 
mürbe  bie  Verfammlung  eröffnet  unb  ber  Vunbe&ag  begrüßte  unb 
bemiDfommte  ftc  mittelft  eine«  eignen  Sd&reibenS.  (Sine  übergroße 
3nja^l  wrfd&iebenarttger  Anträge  mürbe  von  Slnfang  an  gefteHt,  fo 
ba&  e$  lange  bauertef  bte  e8  bet  Verfammlung  mögltdf)  mürbe, 
überhaupt  nadj  einem  Sßlane  ju  arbeiten.  Vom  20.  ftuni  an  mürbe 
fiebert  £age  lang  über  bie  gform  ber  ^öd^ften  ©yecutit)^  ober  Central* 
gemalt  beraten,  ©ne  Siebenjaljl,  eine  ©reijafjl  unb  eine  ©n^eit 
famen  jur  Spraye.  2lm  27.  Quni  befd&lofe  bie  SRationaloerfamm* 
lung  bie  protrifortfd&e  tlebertragung  ber  (Sentralgemalt  an  einen 
9teid)$t>erroefer,  am  29.  mahlte  fie  baju  ben  ©rj^erjog  3o$amt  von 
Oeflerreidf).  31m  12.  $uK  fjielt  biefer  feinen  ©njug  in  granffurt. 
3)ie  VunbeSüerfammlung  geleitete  \fyn  in  feftlidjjiem  $uge  in  ifjr 
SifcungSjimmer,  übertrug  auf  rfyx  bie  Ausübung  i^rer  t>erfaffung& 
mäßigen  Vefugniffe  unb  Verpestungen  unb  erflärte  Uire  eigene 
Sljätigfeit  bamit  für  beenbet.  S)er  SReidiSüermefer  naf)tn  bie  il>m 
fo  übertragene  ©emalt  ant  inbem  er  jugleid)  fein  Vertrauen  auf  bie 
tätige  SDlitmirfung  ber  ^Regierungen  auSbrüdfte. 

Snjmifdfjen  mar  in  unferer  SRälje  ber  Ärieg  ausgebrochen.  21m 
24.  2Rär§  gefd(jal>  in  Äiel  bie  Vilbung  ber  protnforifd&en  Regierung 
„jur  Sufred&tertKiltung  ber  9ted)te  be$  SanbeS  unb  ber  SRed^te  unfer« 
angeftammten  $erjjog$."  ftänemarf  begann  bie  geinbfeligfeiten  fo* 
gleidf).  Sdfjon  am  8.  Spril  fanb  ba«  nachteilige  ©efed&t  bei  Vau 
ftoit  2>er  $eutfd)e  Vunb  nafjm  burd&  Vefdfjlufc  t)om  4.  Slpril 
$olf»ein  unb  beffen  SRedtf  auf  jtaatSred&tlic&e  Verbinbung  mit  Sd&leS* 
wig  in  feinen  Sd>u|,  unb  erfud&te  5ßreu§ettf  bafür  burdf)  Vermittelung 


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zedby  G00gk 


530 

ju  toirtcn,  auö)  bei  einem  Angriff  auf  <polftein,  in  SSerbinbung  mit 
ben  Staaten  be£  je^nten  3lrmeecorp£,  bewaffnete  #ülfe  ju  leiften.  2lm 
12. 2lprtl  mürbe  ber  Sefd&lufe  bal)tn  ermeitert,  bafc  bie  Stäumung  ©df)le$* 
mig£  von  $ämf  dfjen  Gruppen,  f afls  gütliche  SSerljanblungen  nid&t  frudfjten 
foBten,  ju  erjmingen  fei  2lud)  erfannte  ber  Sunb  bie  promforifd&e 
Regierung  an,  mcüjrenb  ber  Äöntg  von  S)änemart  fte  für  auf* 
rüt)rerifd^  ertlärt  Ijatte.  2>amit  mar  ber  Ärieg  ®eutfd>lanb$  gegen 
3)änemarf  auSgefprodjjen.  gür  Sübedf  mar  nun  jmar  bie  Sinie  be£ 
SJer^alten^  beftimmt  gejetdfjnet  unb  5Riemanben  fehlte  e$  an  bereit* 
mtBtgfeit,  alle  Sßffidfjten  gegen  3)eutfd)lanb  nadij  beflen  Äräften  ju 
erfüllen.  StaberfeitS  aber  mar  eS  in  Ijoljem  ©rabe  münfd&enSmertl), 
t>on  ber  unmittelbaren  Sljetlnaljme  an  ber  Kriegführung  frei  §u 
bleiben,  nidjt  bloS,  meil  triel  Sübedfifd^e«  ©gentium  fidj  in  Sfönifd&er 
©emalt  befanb,  fonbern  Ijauptfäd&ltdf) ,  meil  bie  äfamefenljett  unferer 
Gruppen  für  ben  ©d&ufc  be«  einem  Singriffe  gängig  bloSgefieHten 
#afen$  Srauemünbe  unentbehrlich  mar.  33om  3)eutfd&en  Sunbe 
mar  bafür  unmittelbar  9Udf)tS  gefeiten.  @S  mar  inbeffen,  jumal 
bei  ben  bamate  Ijod)  ge^enben  äBogen  ber  öffentlichen  HReinung,  von 
JBidfjtlgfeit,  SBorfe^rung  ju  treffen,  bafc  nid&t  ber  ßurüdHjaltung  ber 
Gruppen  eine  falfdfje  Deutung  gegeben  merben  mödfjte.  3U  biefem 
3medfe  mürbe  Senator  93rej)mer  nad&  9tenbSburg  gefanbt,  um  fomo&l 
bei  ber  promforifdjen  Regierung  als  audfj  bei  bem  Sßreufetfd&en  Ober* 
befel)l£l)aber,  ©eneral  von  33onin,  unb  bei  bem  commanbirenben 
©eneral  ber  Gruppen  beS  10.  SlrmeecorpS,  ©eneral  #alfett,  bie 
©emetyrung  ber  ^iefigen  SBünfd&e  ju  ermirfen.  S)ie  ßufttmmung 
beS  fieberen  mar  in  fo  fem  ba£  midjtigfte,  als  er  ber  Ijödjfte  83or* 
gefegte  unferer  Gruppen  mar,  unb  bod)  fonnte  gerabe  mit  ifjm,  ba 
fein  Hauptquartier  täglid)  medjfelte,  nur  fd&riftlidfj  oer^anbelt  merben. 
@r  gab  inbeffen  in  ©rmieberung  auf  ein  oon  SBrefjmer  an  ifm 
gerichtetem  ©^reiben  feine  ßuftimmung  bereitmiBig,  inbem  er  aner« 
fannte,  bafe  anbere  Gruppen  jum  ©d&ufc  für  Xraoemünbe  nidfjt  btö* 
ponibel  feien.  $)cr  Oberbefehl  ging  balb  auf  ben  ^reufeifdjen 
©eneral  SBrangel  über.  3)iefer  moBte,  meil  er  feine  DperattonSltnie 
meit  ausgebest  Ijatte,  audfj  bie  Sübedfifdien  Gruppen  nidf)t  entbehren, 
unb  jte  rüdtten  no<$  vox  Stblauf  beS  9Rai  ins  gelb. 

3m  Quli  mürbe  Sreljmer  nadfj  granffurt  gefanbt,  mo  Sübed 
in  boppelter  SBcjie^ung  eines  Vertreters  beburfte.  einer  ber  erften 
Anträge  nämlidf),  bie  überhaupt  in  ber  SRationafoerfammlung  gefieBt 
mürben,  ging  bafjin,  alle  3oUfd^ranfen  im  Innern  SDeutfölanb«  ju 


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zedby  G00gk 


531 

befettigen  unb  ein  gemeinfameS  3°fff9ßent  einjufüliten,  ein  anbetet 
ging  auf  2tuf Hebung  aUet  glußjölle.  SRod)  etwa«  früher,  am  19.  9Rai, 
toat  ein  ganj  gleitet  Slnttag  ht  bet  8unbe&>etfammlung  von  bet 
Sabifdjen  Sftegietung  gejtellt  mit  bem  3ufafee,  baß  t)on  ben  fämmt* 
ticken  bamatö  befteljenben  £anbel3gebieten  unb  3°nf9flcmen  in 
©eutfdtfanb  SDtännet  nad)  gtanffutt  gefanbt  roetben  motten,  um 
übet  bie  SSeteinigung  ju  betauen.  Äeine  Slegietung  glaubte  i^re 
HRitmttfung  ju  biefem  3toecfe  oetfagen  ju  bütfen.  Untet  muteten 
Staaten  fanb  auf  Slnttag  bet  $annooetfd)en  Stegietung  eine  33ot* 
betatfmng  tibtt  bie  gemeinfam  ju  befolgenben  ©tunbfäfce  in  £annooet 
jtatt,  an  meldet  oon  f)iet  au£  Stemmet  in  ©emetnfdjaft  mit  ©enatot 
2RüEet  tljetlnaljm.  3roar  ^örte  bann  bie  SBBfcffamfett  be£  SunbeS* 
tag£  balb  auf  unb  e£  mat  fein  ©tunb  ootfyanben,  bie  von  iljm 
gettoffenen  Stnotbnungen  in  SttuÄfä^tung  ju  bringen,  abtt  bet  oolfö* 
nrittlrfcljaftlid&e  3tuSf<$uß  bet  -Jtattonatoetfammlung  richtete  nun  feinet* 
fette,  untet  bem  11.  Qulif  wie  an  bie  übrigen  Sftegietungen,  fo  aud) 
an  ben  Senat  oon  Sübetf  bie  Sitte  um  ©enbung  fadjfunbiget  ba3  93et* 
ttauen  bet  Sftegietungen  genteßenbet  3Jlchtnet  nad)  gtanffutt,  unb 
fo  blieb  e$  benn  bei  bem  fdjon  gefaßten  Sefdjluffe,  bem  Senatot 
Steintet  biefe  ©enbung  ju  fibetttagen.  S)amit  e3  ttjm  an  ftdjetm 
SBeitatf}  übet  alle  tedjnifdjen  $tagen  nidjt  fetile,  toutbe  i^m  bet  3ofl* 
htfpectot  puffen  ate  Segleitet  mitgegeben,  bet  bort  jugleid)  @e* 
legenljeit  fanb,  ftc§  mit  ben  ©tunbfäfcen  unb  bem  SSetfaljten  be$ 
3o8toeteht£  ptaftifd)  oetttaut  ju  madjen. 

S)ie  anbete  Sejie^ung,  in  meldet  ßübedf  eine«  SSetttetet«  in 
gtanffutt  bebutfte,  toat  ba$  33etf)ältniß  jut  ßenttalgetoalt.  SRadj 
einem  Sefcljluffe  bet  SRationaloetfammlung  foHte  bie  ©enttalgetoalt 
fid)  tynfidjtltd)  bet  SSoHjieljunggmaßtegeln  fo  toeit  tljunlidj  mit  ben 
Senoffmädjtigten  bet  SanbeStegietungen  inä  Smoetneljmen  fefcen, 
unb  in  fjotge  beffen  fjatte  bet  Sftetdjäoetroefet  in  bemfelben  Gitculat* 
f Reiben,  in  meinem  et  anjeigte,  ba$  et  bie  Seitung  bet  ©eroalt 
flbetnommen  Ijabe,  jugleid}  ben  SBunfdj  attegebtücft,  baß  SBeooH* 
mäßigte  bei  bet  Senttalgetoalt  tl)unlidjft  balb  etnannt  toetben 
motten.  9hm  fam  e$  f)iet  rooljl  jut  $tage,  ob  e£  paffenb  fei, 
einet  unb  betfelben  5ßetfon  bie  2$etlnaljme  an  ben  $oUconfcxtn$tn 
unb  jugleid)  bie  SSetmittelung  jroifdjen  bet  Genttalgeroatt  unb  einet 
©njeltegietung  ju  fibetttagen.  2)ie  ©troägung,  baß  beibe  gfonetionen 
an  unb  ffit  fidj  roo^l  mit  einanbet  oeteinbat  feien,  bet  entfdtfebene 
SBunfd)  beS  bamaligen  Sttbedifdjen  33unbe8tagSgefanbten,  ©enatot 


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zedby  G00gk     fc 


582 

t>on  ber  ipube,  jurüdfi&erufen  ju  werben,  bte  Sftüdfi^t  auf  bie  Äoften 
einer  boppelten  Vertretung,  enblid&  baS  SBebürfniß,  alle  Arbeitskräfte 
beS  ©enaiö  tljunUd&fi  für  bie  Drbnung  l)tefiger  Verljältniffe  ju 
erhalten,  führten  ju  bem  ©ntfdfjluffe,  bem  Senator  33reljmer  audfj 
bie  Vertretung  bei  ber  ßentralgewalt  ju  übertragen.  $n  gleicher 
SSJeife  üerfu^ren  au«  benfelben  ©rünben  Vremen  unb  Hamburg, 
bie  es  jebodjj  fpäter  für  not^roenbtg  gelten,  ftdf)  boppelt  oertreten 
ju  laffcn. 

3Ber  eine  politifdje  SBirffamfeit  ausüben  miß,  muß  am  öffent* 
liefen  Sieben  tyetlneljmen.  S)tefe,  an  unb  für  fidfj  unb  junädfjfi 
nur  pafftoe,  Jfjeilnatjme  f)at  wol)l  niemals  fo  t)iel  3*it  unb  fo  oiel 
Äraft  erforbert,  als  in  granffurt  in  ben  ^tjren  1848  unb  1849. 
@S  war  not^roenbig,  entroeber  ben  ©jungen  ber  SRationaloerfamm* 
lung  perfönltdf)  beyuroo^nen  ober  ftd)  burdf)  bie  fienograpf>ifd()en 
Veridfjte  in  genauer  Äenntniß  tyrer  Verljanblungen  ju  galten,  außer* 
bent  aber  audfj  bie  emjelnen  in  ber  Verfammlung  twrljanbenen 
5JJart^eien  unb  beren  offene  unb  geheime  Senbenjen  fennen  ju  lernen, 
U)re  (Sntmtcfelung  unb  Stellung  gu  einanber  mit  Slufmerffamfeit  ju 
verfolgen.  @S  war  femer  not^wenbig,  oon  ben  jafjlreid&en  bamals 
erfdjeinenben  Srudtfd&riften  Äenntniß  gu  nehmen,  um  bie  oielen  neu 
auftaudjjenben  ^been  unb  Sßrojecte  menigftenS  einigermaßen  ju 
fennen.  enbltdfj  mar  es  erforberltdjj,  in  Verfeljr  mit  ben  &om* 
miffarien  unb  Veoollmädfjtigten  ber  übrigen  Staaten  ju  bleiben,  um 
iljre  unb  i^rcr  Regierungen  3lnft$ten  ju  erfahren  unb  barüber  2Rtt* 
tljetlungen  ju  machen,  bie  bei  ben  ju  faffenben  SBefd^lüffen  oft  w>n 
2Bid&tigfeit  waren. 

@S  fagt  fidfj  leidet,  baß  alle  biefe  £l)ätigfett,  uerbunben  mit 
Vertd&ten  über  ßrlebniffe  unb  Beobachtungen,  bie  nid&t  burdf)  offene 
lidfje  Vlätter  befannt  mürben,  triel  &it  unb  geiftige  Äraft  in  äfa* 
fprudfr  natym.  Unb  menn  fidfj  babei  balb  unb  melp  unb  me^r  bie 
Vefürd&tung  aufbrängte,  baß  bie  Stottonafoerfammlung  nidEjt  ben 
redeten  SBeg  einfdEjlage,  um  jur  ©nljeit  SteutfdfjlanbS  ju  gelangen,  baß 
fie  über  Ujr  lefcteS  $tel  überhaupt  unflar  fei  unb  ftdf)  in  foldfjer  Un* 
flar^ett,  als  ob  es  gefliffentlid)  gefdfjälje,  erhalte,  menn  man  bemerkte, 
baß  bie  ^Jart^eien  &auptfäd&lidf)  iljre  befonberen  3wecfe  verfolgten  unb 
biefelben  mit  bem  allgemeinen  SBoljl  tbentifteirten,  wenn  man  bie 
©rfaljrung  mad&te,  baß  ber  größere  £l>eil  ber  Regierungen  me^r 
barauf  bebaut  mar,  bie  eigenen  Stedfjte  unb  bie  eigene  Stellung  ju 
erhalten,  unb  aus  ben  Veränberungen ,  bie  möglicher  äBeife  vor* 


6*  •  \ 


533 

gingen,  für  fidf)  einen  ©enrinn  p  erjtelen,  als  jur  Schöpfung  eines 
einigen  SBaterlanbeS  rüdtyaltloS  mitjunrirfen,  fo  fonnte  bie  Stimmung 
ntdjt  frei  unb  frol)  unb  t>on  einer  freubigen  SBirffamfett  nidfjt  bie 
Siebe  fein,  ganj  abgefeljen  oon  ben  etttfe|lid^en  Vorfällen,  bie  fid) 
um  bie  3Mitte  beS  September  in  granffurt  ereigneten  unb  beren 
SBieber^olung  audfj  fpäter  nidEjt  aufjer  bem  SBereirf)  ber  3Jlögltdf)* 
feit  ftanb. 

3)ie  Vertretung  fiübedfS  bei  ber  ©entratgeroalt  erforberte  feine 
grofce  Anftrengung.  S)ie  einzelnen  SJihtifterien,  beren  anfangs  oier 
waren,  für  auswärtige  Angelegenheiten,  für  baS  Qnnere,  für  baS 
ÄriegSwcfen  unb  für  bie  ^uftij,  batb,  als  nodf)  bie  für  $anbel  unb 
für  bie  Jinanjen  Ijinjutraten,  fed)S,  famen  balb  bafjin,  ntdfjt  mit  ben 
entfpredfjenben  3JUnifterien  ober  93et)örben  in  ben  einjelnen  Staaten 
ju  üerfe^ren,  fonbern  mit  ben  Regierungen  felbft,  unb  bebienten  fidfj 
babei  ber  SSermittelung  ber  93eüoUmäd)tigten.  5Diefe  l;atten  alfo  bie 
Schreiben,  meldte  fie  empfingen,  ben  Umftänben  na<$  mit  einem 
SBeridfjte  ober  einer  gutadf)tltdfjen  Steuerung  begleitet,  ju  beförbem 
unb  bie  ©rwteberungen  nadjj  ben  Qnftructionen,  bie  fie  erhielten,  ju 
coneipiren.  $)a  SübedE  ganj  bereitwillig  mar,  in  bie  neue  Drbnung 
ber  SDinge  etnjugeljen  unb  ben  Anforberungen  ber  (Sentralgewalt 
nadjjufommen,  fo  bot  biefer  Serfetir  feine  Sd&wierigfeit  bar.  SRament* 
lidjj  fanb  bie  3aljtung  &er  fleforberten  3Jlatrifularbeiträge  feinen  Sin** 
ftanb,  obwohl  man  einige  3Kale  Seranlaffung  ju  fyabtn  glaubte, 
f>ier  geleiftete  3af)lungen  für  Xxwpptn  unb  Sefeftigungen  in  £rat>e* 
mttnbe  als  für  baS  Steid)  gemalte  in  ©egenredEmung  ju  bringen. 
9tur  in  einer,  allerbingS  feljr  mistigen  Sejie^ung,  fud&te  SübedE 
ftdf)  ben  Anforberungen  beS  SHetd^S  ju  entjieljen,  nämlidfj  {jinfid&tlidjj 
beS  SRilttairwejenS.  Am  15.  ^uli  befdfjlojö  bie  Stationaloerfammlung 
eine  Vermehrung  aller  üHilitaircontittgcnte  auf  jwei  $rocent  ber 
Seoölferung,  am  12.  Auguft  erliefe  ber  Reid&SfrtegSmmifter  bie 
Aufforberung,  bamals  nodE)  birect  an  baS  3Jttlitairbepartement,  ben 
Sefd&Iufc  in  Sejug  auf  £übecf  in  Ausführung  ju  bringen.  S)aS  mar 
eine  unwiHfommene  Aufforberung.  £ier  mar  baS  ©elb  für  anbere 
3wecfe  nötiger.  Sollte  bie  nun  jugeftanbene  ©fenbatmoerbmbung, 
bie  o&neljm  ber  3^i^^ältniffe  wegen  nidfjt  jur  Ausführung  fommen 
fonnte,  SBertf)  Ijaben,  fo  mußten  pgleid)  bebeutenbe  Strom*  unb 
#afenbauten  oorgenommen  werben.  2)abet  fanb  Sübedt  feine  Unter* 
ftüfcung  bei  2)eutfd^lanb;  es  mar  natürlich,  baft  man  fetjr  ungern 
baran  ging,  grofee  Ausgaben  für  3ro^e  8U  madjen,  uon  benen  bie 


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zedby  G00gk 


534 

SBater  ffc  a  b  t  unmittelbar  gar  feinen  ©eroinn  Ijatte,  unb  ba«  3Sater* 
lanb  faum  einen.  211^  ba«  ©^reiben  beS  ^egWmfteriumS  un* 
ermiebert  blieb,  erfolgte  am  10.  üftoüember  ein  3Ronttormm  unb  am 
10.  5)ecember  nodfj  em^f  unb  ba  mag  e3  roo^l  bem  Senator 
23ref)mer  fdjroer  geworben  fein,  eine  ©rmieberung  abjufaffen,  meldte 
neben  bem  ©eftänbniffe,  bafc  bie  Vorbereitungen  nodjj  nidjt 
beenbigt  feien,  jugleidf)  eine  ^Rechtfertigung  ber  Verzögerung  burdj 
©arfteUung  ber  üorfjanbenen  unb  ttid^t  ju  änbernben  Verljältmjfe 
enthielt.  ®r  fonnte  e£  nidfjt  üerljmbern,  bafc  am  26.  3)ecember  ein 
©rfud&en  an  bie  ^annooerfdfje  ^Regierung  erging,  einen  ©eneral  nadfj 
Sauenburg  unb  ben  $anfeftäbten  ju  fenben,  um  bie  äuSffi^rung  ber 
befdEjloffenen  3Rafcregel  ju  übermalen  unb  gu  benrirfen,  bafe  ba« 
(Kontingent  mit  bem  (Snbe  be«  2RonatS  äRärj  in  fdf)lagfertiger  ©tärfe 
bereit  fei.  3)a$  Sefctere  mar  gänjlidE)  unmöglidfj,  am  25.  Januar 
fonnte  ber  Senat  erft  Slnträge  auf  ©elbbemittigun^  an  bie  Vürger* 
fd&aft  rieten. 

2Ui§er  bem  fd&riftltd&en  Verfefjr  mit  ben  2Rtnifterien  fanb  au<$ 
ein  münblidfjer  in  ßonferenjen  flatt,  ju  melden  balb  ber  eine  balb 
ber  anbere  2Rmifter  bie  fämmtlid^en  Vetwllmäd&tigten  einlub.  ©8 
lag  roo^l  in  ber  SRatur  ber  ©adEje,  bafe  Veranlaffungen  ju  folgen 
©onferenjen  fidfj  aQmä^Iid^  öfter  ergaben,  befonber«  häufig  unb  nridfjtig 
mürben  fie,  ate  im  Januar  1849  in  ber  SRationafoerfamutlung  bie 
jmeite  Sefung  be£  ©efefceä  über  bie  9teid(j$t>erfajfung  beoorfianb  unb 
nun  bie  Sßreufcifdfje  Regierung,  bie  fidfj  bis  bal)m  in  biefer  Vegieljung 
pafftt)  Behalten  Ijatte,  alle  Vemüljungen  anroanbte,  um  eine  Ver* 
etnigung  unter  ben  Regierungen  §u  ©tanbe  ju  bringen  unb  auf 
foldjje  SGBeife  ju  einer  Verftänbtgung  mit  ber  SRationafoerfammtung 
über  bie  Verfaffung  ju  gelangen,  ©ie  forberte  m  einem  ©trcular* 
fdfjretben  oom  23.  ^nuar  fämmtlidjje  ^Regierungen  auf,  §u  biefem 
ßroedfe  tyre  ©efanbten  in  granffurt  mit  Qnftructionen  ju  uerfe^en. 
©iebenunbjmanjig  Staaten  vereinigten  fidfj  ju  einer  Steige  oon 
Vemerfungen  unb  SIbänberungSüorfd&tägen  ju  ber  uon  ber  -"Rational* 
uerfammlung  befd&loffeneu  Verfaffung,  bie  fie  am  23.  gebruar  bem 
sRei<fy«miniftertum  übergaben.  Stber  Defierretdf),  bie  trier  Äönigreid&e, 
S3apem,  SBürtemberg,  #annooer  unb  ©adfjfcn,  unb  einige  Heinere 
Staaten  fd&loffen  ftdf)  ntdfjt  an.  S)ie  Qefierreid&ifdjje  ^Regierung  fpradj) 
ft<$  gegen  ben  engeren  VunbeSftaat  überhaupt  aus  unb  erflärte  ju* 
gleidfj,  ber  Äatfer  roerbe  ftdf)  ber  tum  einem  anbern  ®eutfdf>en  prften 
geübten  ©entralgemalt  niemals  unterorbnen,  ba«  fei  er  fidf)  felbft, 


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535 

Defterreid)  uttb  ©eutfdfjlanb  fdfjulbig.    ©Ute  Sßerfiänbtgung  unter  ben 
Regierungen  würbe  ni$t  erreicht- 

SSeit  meljr  Sirbett  unb  £f)ättgfeit,  als  für  bie  Stellung  bei  ber 
Sentralgewalt,  würbe  burdfj  bie  beabftd^tigte  3offein^ett  erforbert.  £>a 
trotte  man  oon  Anfang  an  ein  befttmmteS  ßiel üor  Slugen  unb  arbeitete 
mit  um  fo  größerem  ©ruft,  al£  man  lange  in  bem  guten  ®ianbtn 
aEfeitig  blieb,  ba$  Qid  fidler  ju  erreichen.  Sreljmer  fdf)rieb  nodfj 
am  4.  Rooember  Inerter:  „@£  mödjte  als  gewtfc  anjuneljmen  fein, 
bafc  eS  ju  einer  ßoEein^ett  für  ganj  S)eutfdfjlanb  fommen  nrirb,  unb 
fd&on  im  Saufe  be3  nädjjflen  ^reg."  @r  mar  ntdfjt  ein  3Jtann,  ber 
pdf)  Sttufionen  leidet  Eingab.  2tud(j  in  Sübedf  §errfdf)te  biefelbe  lieber* 
jeugung,  unb  bie  3lu«ftd()t,  baburdf)  oon  bem  läfiigen  SranfttjoE 
befreit  ju  werben,  mar  geeignet,  eine  2lu3gleidf)ung  für  mand&e  oor* 
^erjufe^enbe  SSeläftigung  ju  bieten.  £ier  mürbe,  aunädfjft  um  eine 
Rare  Slnfd&auung  über  bie  etwa  eintretenben  S3er^ältniffe  ju  gewinnen 
unb  für  bie  f)ieftgen  anfielen  einen  SluSbrudf  ju  finben,  am  28.  Quni 
eine  aus  SRitgtiebern  beS  ©enatö  unb  ber  SürgerfdEjaft  beftetjenbe 
SerafyungScommiffion  niebergefefct.  ©ie  arbeitete  unter  bem  Sßrae* 
ftbhtm  be8  ©pubicum  eiber  unb  §at  ben  befannten,  oortrefflid&en 
93erid&t  erftattet,  ber  nod&  1867  bei  ben  SJerljanblungen  über  ben 
©intritt  Sübedfe  in  ben  3oEoerein  wiebef  oiel  benufet  ift.  Qn  grartf* 
fürt  arbeiteten  bie  ©ommiffarien  ber  Regierungen  unb  ber  oolfö* 
wirtljfd&aftlid&e  Sluafdfjujs  ber  SRationaloerfammlung,  bie  beibe  ben* 
felben  gwedf  Ratten,  jmar  unabhängig  oon  einanber,  aber  e3  beftanb 
bo<#  ein  gewiffer  QbeenauStaufd)  unter  Urnen  unb  e£  würben  audfj 
gemeinfame  Sonferenjen  gehalten.  S)iefe  betrafen  junädfjft  bie  Sluf* 
Hebung  ber  glufeöEe  unb  babei  beteiligte  SJrefjmer  fidfj  mit  um  fo 
regerem  ©fer,  ba  audf)  fiübedfö  ^ntereffe  wefentltdj)  baoon  betroffen 
würbe.  S)ie  Ijotjen  (SlbjöEe  waren  e£,  weldfje  bie  Soncurrenj  mit 
Stettin  bei  SJerfenbung  norbifd^er  $robucte  nadf)  SDlagbeburg  tfjeilS 
fe&r  erfd&werten,  tljette  ganj  unmöglich  matten.  <£&  würbe  bamals 
nidfjt  ferner  gewefen  fein,  bie  äuffjebung  aller  biefer  3<JEe  rafd& 
burd&jufefcen,  benn  bie  3af)l  derjenigen,  weld&e  ftd^  Ijauptfäd&ltdfj  bur<$ 
Qbeen  leiten  lie&en,  o^ne  bie  SBtrflidftfett  ber  SBerijältniffe  ftdd  flar 
anfc^aulid^  ju  madjjen,  war  groß.  ^Diejenigen  aber,  welche  audfj  bie 
möglid&en  folgen  erwogen,  tonnten  ftd&  ber  ©eforgntfe  nid&t  erwehren, 
bafc  bie  Regierungen,  wenn  fie  feine  einnahmen  meljr  aus  ben 
3öUen  bejögen,  audfj  feine  3tu£gaben  me^r  für  bie  Unterhaltung  ber 
äBafferftrafcen  machen  würben,  unb  bajj  baburdf)  ein  tUn  fo  grofees 

35 


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zedby  G00gk 


536 

#irtbemtj3  für  ben  §anbel  entfielen  würbe,  als  bie  3ötte  eS  waren. 
S)a  man  nun  auf  ein  balbigeS  3uftanbefommen  ber  Qoütrxtitft  fidler 
regnete,  ftanb  man  fdjjliefjüdjj  von  betn  $lane,  bie  glujsjötte  mit  bem 
l.  Qanuar  fommenben  Qafjreä  aufäuf)cben  unb  eine  ©ntfd&äbigung 
ber  Regierungen  fpäter  ju  ermitteln,  nodj  ab,  in  ber  SKeinung,  ba& 
nadfj  Regelung  ber  übrigen  33ert)ältniffe  audf)  biefe  fid&  leidster  mürben 
orbnen  laffen. 

S)ie  ©ommiffarien  ber  Regierungen  feilten  ftd(j,  um  tyre  2luf* 
gäbe  rafdfjer  ju  löfen,  in  t)ier  ©ectionen.  3)ie  erfie  befdfjäftigte  fidfj 
mit  ben  in  ba3  ©runbgefefc  be£  S)eutfdfjen  Reichs  aufjuneljmenben 
Jgauptgrunbfäfcen  unb  ©runbjügen  beS  33erwaltung£organtömu$, 
audfj  anbem  aEgemeinen  33eftimmungen,  meldte  nidfjt  in  bie  fpecieEen 
©efe^e  gehörten,  bie  jroeite  mit  bem  3°ß8efel  un*>  &er  3°B* 
orbnung,  bie  britte  mit  bem  ^öHftrafgcfefe,  bie  werte  mit  ben  6in* 
rid&tungen  für  ©rtjaltung  ber%  freien  Bewegung  be3  ^anbete,  grei* 
lläfen,  unt)erfieuerten  -Jlieberla'gen,  (Sontirung  u.  bgt.  $n  ber  erfien 
unb  trferten  ©ection  mar  Sre^mer  SDWtglteb. 

Sffiä^renb  bie  arbeiten  im  beften  ©ange  waren,  mürbe  feiner 
2$ättgfeit  plö^tid^  ein  ganj  anbereS  $id  gegeben.  9tad&  ber  am 
8.  ätpril  1848  eingeführten  SSerfaffung  Ijörte  bie  Seben3länglidftfeit 
ber  Sürgermetfierwürbe  auf,  ber  Senat  wäl)lt  feitbem  in  jebem 
jwetten  .galjre  in  *>er  erf*e^  ©ifcung  im  3)ecember  für  bie  jmei 
folgenben  Qa^re  einen  3Jorfi|enben,  ber  wätyrenb  biefer  3e^  *>en 
Xitel  SBürgermetfter  fü^rt.  2ll£  bie  2Bal)l  am  6.  $)ecember  1848 
jum  erften  3M  oorgenommcn  mürbe,  traf  fie  Sreljmer.  Ob  Üjn 
5)a£  überrafdf)t,  ob  er  e3  in  irgenb  einer  SBeife  twrf)ergefe§en  unb 
erwartet  §at,  ift  jwar  ntc^t  mit  Seftimmtljeii  ju  jagen,  aber  e3  liegt 
feine  äfabeutung  barüber  vor,  ift  audf)  an  fidf)  nidjt  waljrfd&einlidf), 
ba&  er  baran  gebadet  Ijat.  ©ewifc  würbe  burdf)  bie  SBaljl  tym  eine 
Ijojje  ©t)re  erwiefen,  unb  fie  war  ein  33ewete,  bafc  er  allgemeines 
Vertrauen  befafe.  Qn  SSerbinbung  mit  ber  Sinnige  von  biefer  2Bai)l 
würbe  ü)m  jugleidE)  ber  SBunfdfj  be£  ©enatö  auSgebrüdft,  bafe  er  bte 
jum  l.  ^anuat  f)ierf)er  äurüdffeljren  unb  baS  2lmt  be3  SBürgermeifierä 
bann  übernehmen  möge,  dagegen  aber  remonftrirten  mehrere  ©om* 
miffarien  in  granffurt  unb  brangen  barauf,  bafe  er  fiel)  oon  ben 
einmal  angefangenen  arbeiten,  beren  2Ibfd&lu&  in  längftenS  fecfyS 
2Bod[jen  ju  erwarten  fle^e,  nid&t  jurüd^ie^en  möge.  @r  glaubte,  btn 
Sorftellungen  nadfjgeben  ju  muffen  unb  ber  ©enat  gab  ebenfalte 
feine  3ufiwmung.    S)a  iebodjj  einer  fürjeren  Slbwefen&eit  9K$t8  im 


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zedby  G00gk 


537 

Sßege  ftanb, .  machte  er  eine  Steife  Ijierfjer,  urib  bradfjte  bie  jwette 
§ätfte  be«  ®ecember«  f)ter  ju.  $n  granffurt  aber  gingen  bie  2lr* 
beiten  nidfjt  fo  rafdj,  al«  man  angenommen  Ijatte.  9laä)  Verlauf  oon 
fedf)«  2Bod(jen  waren  fie  ni<Jjt  abgefd&loffen,  audfj  bem  @nbe  ntdfjt  nafje, 
obwohl  mit  atter  Slnftrengung  gearbeitet  würbe.  SBrefymer  berietet 
in  einem  ©dfjreiben  vom  13.  Januar,  bafc  wödfjentlici)  fünf  ©ifcungen, 
t)on  5  bt«  9  Ufjr  3lbenb«,  gehalten  mürben.  @r  bat  nun  feinerfeit«, 
ba&  man  einen  Slnberen  fenben  möge,  um  feine  Stelle  ehtjunetjmen, 
mit  ber  weiteren  Semertung,  ba&  e«  ntd&t  notywenbiger  SBeife  ein 
SRitglieb  be«  ©enatö  ju  fein  brauche.  ®iefer  3faft<Jjt  aber  ftimmte 
ber  ©enat  nidfjt  bei,  unb  ba  nidfjt  wofjl  ein  anbere«  ©enatömitglieb 
mitten  in  bie  Arbeit  unb  äße  anbem  SBerfyältniffe  fjineintreten  fonnte, 
mufete  Sreljmer  erfuc&t  werben,  vorläufig  nodj  in  granffurt  ju  bleiben. 
®r  fügte  fid&,  brücfte  aber  wteberfjolt  ben  28unfd(j  au«,  abberufen  ju 
werben,  wenn  ba«  ßoßgefefc  unb  bie  30tf°rtwung  beenbigt  fein 
mürben;  bann  werbe  ber  3oEtarif  jur  Seratfmng  fommen,  unb 
baran  fönne  er,  audfj  abgefe^en  baoon,  bajg  e«  iljm  an  fpecteßer 
©ad&fenntmfe  feljle,  au«  tnnern  ©rünben  nid£)t  tljeilneijmen,  er  würbe 
nämlid)  entweber  ben  in  ©emäj#eit  ber  2Bünfdf)e  unb  Slnfid^ten  ber 
Sübedfifdfjen  Äaufmannfd^aft  fjinfidfjtlidf)  be«  Zolltarif«  iljm  erteilten 
^nftructionen  entgegentreten,  ober  gegen  feine  Ueberjeugung  fpredfjen 
unb  fttmmen  muffen;  ©rftere«  bürfe  er  nidjjt,  fiebere«  fönne  er 
md)t.  Unter  folgen  Umftänben  mußte  bem  2Bunfd&e  nad&  2lb* 
beruf ung  gewillfahrt  werben.  @^e  e«  aber  baju  fam,  nahmen  bk 
politifdfjen  SJerljältniffe  eine  Sßenbung,  welche,  weil  bie  nun  täglidEjen 
SSerfammlungen  ber  oerfdfjiebenen  ©ommiffionen  oft  gleidfjjeitig  fiatt* 
fanben,  e«  tf)tn  unmöglich  matten,  länger  in  boppelter  ©genfd&aft 
ttjätig  §u  fein,  unb  weld&e  &ugleid[j  bie  5Rot^wenbigfeit  ergaben,  iljm 
gegen  ßnbe  feine«  2lufen#alt«  in  granffurt  nodfj  eine  anbere  93ott* 
madjjt  ju  erteilen. 

Stadlern  bie  SRationatoerfammtung  am  27.  2Jtörj  bie  jweite 
Sefung  be«  3Serfaffung«entwurf«  beenbigt  $atte,  übertrug  fie  am  28. 
burdd  SBafyl  bie  erbliche  SEBürbe  be«  2teidf}«oberl)aupt«  auf  ben 
Äönig  oon  $ßreufien,  erflärte,  bie  von  iljr  befdjloffene  9tetdfj«t>er* 
faffung  fei  ©efe|,  unb  orbnete  bie  Sßubltcatton  berfelben  an.  3)a« 
SReidf)«miniflerium  oerfammelte  am  14.  Stpril  bie  fämmtlid&en  SRe^ 
gierung«beoonmäd^tigten ,  übergab  jebem  ein  in  beglaubigter  gorm 
angefertigte«  ©jemplar,  unb  ber  ÜRimfierpraefibent  von  ©agern 
fpradfj  9tamen«  be«  SJlinifterium«  ben  2öunfd[j  unb  bie  Hoffnung 

35* 


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zed  by  G00gk    ^ 


538 

au£,  alle  ©taatenregierungen  motten  in  biefer  Verfaffung  ba$ 
fidfjerfte,  roofyl  etnjig  mögliche  Vanb  ber  ©inigung  unter  ben  dürften 
unb  SBölfern  DeutfdfjlanbS  finben.  Von  fiebenunbjmanjig  Regierungen 
würben  jufthnmenbe  (Srflärungen  abgegeben,  mehrere  VeüoEmädfjttgte 
fehlten,  anbere  Ratten  feine  Qnftructüm  unb  behielten  ftd^  bie  ®r* 
flärung  vor,  ber  $reuj3ifdf)e>  Derzeit  ftdfj  fdfjmeigenb. 

Der  Äönig  von  Preußen  ermieberte  ber  Deputation,  meldfje  bie 
Rationafoerfainmlung  an  il)n  abfanbte,  am  3.  SSpril,  er  erfenne  in 
bem  Vefdf)luffe  berfelben  bie  Stimme  ber  Vertreter  beS  Deutfd&en 
VolfS,  fönne  aber  oljne  ba£  freie  @tnt)erflänbni§  ber  dürften  unb 
freien  ©täbte  DeutfdjlanbS  eine  ©ntfdfjltefcung  nidf)t  faffen,  roeld&e 
bie  entfdjeibenbften  folgen  fyabm  muffe. 

2ln  bemfelben  Sage  erging  an  bie  Regierungen  ein  Gtrcular* 
fdfjreiben  be$  Spalte;  berÄönig  fei  bereit,  bie  protnforifd&e  ©entral* 
geroalt  ju  übernehmen,  oon  melier  ber  ©r$erjog  Soljann  iurfidf* 
jutreten  roünfdfje,  audfj  ftdlj  an  bie  ©pifce  eines  VunbcSftaatS  ju 
ftetten,  ben  Deutfdfje  Regierungen  in  freier  Vereinbarung  bilben 
mürben.  Damit  mar  baS  ©rfudfjen  oerbunben,  ju  weiterer  Ver* 
ftänbigung  alsbalb  Sibgeorbnete  nadfj  granffurt  ju  fenben  mit  ber 
VoKmad&t,  ^tnfid&tltdfj  beS  Seitritts  jum  VunbeSftaat,  Jt)inftd^ttid^ 
einer  Vereinbarung  mit  ber  Rationaloerfammtung  über  bie  t>on  tyr 
befd&loffene  Verfaffung  unb  l)mftdf)tlidf)  beS  VerljältniffeS  ju  benjenigen 
Staaten,  roetöje  bem  VunbeSftaate  ntdfjt  beitreten  mürben,  binbenbe 
(Srflärungen  abzugeben.  (Sine  foldfje  Vottmadfjt  mürbe  am  11.  3lpril 
für  Vre^mer  ausgefertigt  unb  tym  überfaubt.  ©letdfoeittg  reifte  aber 
audfj  ber  iljm  beftimmte  RadEjfolger,  ©gnbicuS  ©Iber,  nad&  granffurt, 
um  üjn  in  feinen  übrigen  Functionen  ju  erfegen.  Die  Vertjanb* 
lungen  mürben  mit  6ifer  begonnen,  beftanben  jebodfj  Jjauptfädfjlidfj 
in  Verebungen  ber  Veoottmäd&ttgten  unter  ehtanber.  8ld[jtunb* 
jroanjig  berfelben,  barunter  Vrefjmer,  vereinigten  fidfj  am  14.  2lprtt 
ju  einer  ßotteetttmote  an  ben  Sßreujjifd&en  ©efanbten  beS  3nMtö: 
bie  Regierungen  tjätten  mit  lebhafter  Vefrtebigung  erfahren,  bafj  ber 
Äönig  oon  $reufeen  bereit  fei,  an  bie  ©ptge  eines  Deutfdfjen  VunbeS* 
ftaatS  ju  treten  unb  erflärten  ifir  ©inoerftänbnife  mit  ber  von  ber 
Rationatoerfammlung  getroffenen  2Bal)l;  fie  Ratten  bie  Verfaffung 
anerfannt,  fürchteten,  bafc  eine  Vereinbarung  unmöglich  fehl  merbe, 
nno  hofften  baijer,  bajs  aud&  bie  ^reufcifdfje  Regierung  fiel)  ju  ber 
Slnerfennung  entfdfjliefjen  unb  ba§  nadfj  unb  nadjj  alle  Deutfd&e  (Staaten 
in  ben  VunbeSftaat  eintreten  mürben.     Die  übrigen  Regierungen 


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zedby  G00gk 


539 

gelten  ft<$  jebo<$  jurüdf.  Defterretdf)  erfjob  audf)  gegen  bie  Uebet* 
na^me  einer  prootfortfdfjen  ßentralgeroalt  t>on  Seiten  Sßreuf$en$  ©in*5 
fprad&e  unter  SBieberljolung  ber  ©rflärung,  bajs  ber  Äaifer  ftd^  ber 
von  einem  anbern  $)eutfd)en  gürften  geübten  Gentralgemalt  ntdjt 
unterorbnen  fönne.  $reujgen  fdfjlug  nun  einen  anbern  2Beg  ein. 
2)urdf)  ein  abermaliges  (Sirmlarfd&retben  oom  28.  2tpril  würben 
bie  Regierungen  eingelaben,  Beoottmädf)ttgte  nadfj  Berlin  ju  fenben, 
um  bort  über  eine  ©eutfdfjlanb  barjubietenbe  Berfaffung  in  Beratung 
ju  treten.  2luf  biefe  ©tnlabung  aber  glaubten  bie  Regierungen 
nidjjt  eingeben  ju  bürfen,  ba  fie  fidE)  baburdfj  in  äßiberfprudf)  mit 
ber  eben  oon  tynen  auägefprod&enen  Anerkennung  ber  Retd&Soer* 
faffung  mürben  gefefct  fyabtn.  Sie  lehnten  fie  baljer  ab)  bie  be& 
faflfigen  Befpred&ungen  unb  Berabrebungen  fanben  unter  Den  in 
grariffurt  nodjj  anmefenben  ©efanbten  fiatt.  ®aran  na^m  Brefjmer 
nodfj  Slntljeil,  bann  fefjrte  er  nadjj  Sübedf  jurüdf  unb  führte  am 
16.  3Rai  jum  erflen  2Ral  ben  Botfifc  im  Senate. 

SBä&renb  feiner  9lbwefenf)eit  mar  in  ben  Ijieftgen  Berbältniffen 
eine  fetyr  mistige  Beränberung  vorgegangen,  bie  er  DoHenbet  oor* 
fanb.  S)ie  am  8.  2tpril  1848  eingeführte  Berfaffung  enthielt  für 
bie  2Baf)len  in  bie  ftimmbered&tigte  Bürgerfdfjaft  eine  ©runbtage 
(Beibehaltung  bei  alten  Unterfdfjiebe«  pifd&en  Bürgern  unb  ©n* 
roofmern,  ©ntljeilung  ber  Bürger  in  fünf  geroerblid&e  Älajfen),  bie 
unter  aßen  Umftänben  feine  lange  Stauer  ^ätte  Ijaben  fönnen  unb 
unter  ben  bamaligen  Berbältniffen  ein  feljr  rafdtjeS  ©nbe  nafjm. 
2lm  18.  (September  mürbe  burd&  9tatf>*  unb  Bürgerfdjjlufc  ber  Unter* 
fd&teb  jwifd&en  Bürgern  unb  ©inmo^nem  aufgehoben,  am  9.  Dctober 
bcß  allgemeine  gletdfje  SQäa^tred^t  eingeführt.  $>ie  SBablen  nadf)  bem 
neuen  $ßtfncip  gefdfjaljen  im  Januar  unb  gebruar  1849  unb  bie  fo 
gewählte  Bürgerfd&aft  f)telt  am  9.  gjförj  iljre  erfte  Berfammlung. 
So  weit  Ratten  fidf)  bie  Berljättniffe  in  Bref)mer£  Slbroefenbeit 
entroidfelt.  S)ie  neue  Berfaffung  Ijatte  aber  nodfj  Diele  anbere  arbeiten 
in  tyrem  ©efolge.  Um  bie  jugleidjj  mit  berfelben  als  *ßrincip  auä* 
gefprod&ene  Trennung  ber  3»ufiig  t)on  ber  Slbminiftration  twrju* 
bereiten,  mürbe  am  28.  ftunt  eine  gemeinfame,  au$  3Kitgliebern  beS 
Senat«  unb  ber  BürgerfdEjaft  befie^enbe  gommiffion  unter  bem 
Sßraefibium  beä  ©pnbtcu«  t)on  ber  #ube  eingefefet.  Sie  erftattete 
i^ren  Beriet  unter  Beifügung  oon  „©runblmien  ber  neuen  ©ertd&ts* 
orbnung"  am  21.  Quni  1849.  3ur  weiteren  Bearbeitung  ber  Sadfje 
orbnete  ber  Senat  am  2.  ^uli  eine  ©ommiffion  auä  feiner  SDUtte 


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540 

an,  in  roeldfoer  Srefimer  bcn  Sorftfc  führte  unb  weldfje  jugleid)  fo* 
wof)l  bic  Seränberungen  in  ber  ßufammenfefcung  beS  ©enatS,  bie 
aus  bcr  ©onftituirung  eigner  ©eridjtöbeljörben  folgen  mußten,  als 
aud&  eine  Umgeftaltung  unb  Sereinfad&ung  ber  SerwaltungSbeljörben 
in  ben  Äreiä  üirer  Seratljungen  jog.  S)ie  auf  ©runb  beä  von 
biefer  ©ommtffton  am  21.  gebruar  1850  erftatteten  Serid&tö  tm 
Senate  felbft  fortgefe|tcn  Seratf)ungen  fanben  iljren  nädfrften  2lbfdf)luf$ 
in  pei  umfänglichen  spropofittonäbecreten,  bie  unter  bem  19.  unb 
20.  3uni  junädfjft  an  ben  SürgerauSfäuß  ergingen  unb  üon  benen 
ba£  le|tere  t>on  einer  neuen  Stebaction  ber  ©runblimen  ber  ntmn 
©ertd&töorbnung  begleitet  mar.  ©inen  oottftänbtgen  2tbfd(jluß  l)öben 
biefe  Serf)anblungen  in  bemfelben  %af)xt  ntdfjt  gefunben. 

SKnbere  bebeutenbe  arbeiten  nerurfad^te  ber  Sau  ber  ßifenbafyt 
na<$  Sücfjen,  ju  meinem  bie  5)änifd)e  Regierung  in  bem  Sertrage 
00m  23.  Quni  1847  tyre  ©eneljmigung  erteilt  Ijatte.  3Jtan  mar 
ftdf>  fdfjon  bamafe  flar  barfiber,  baß  biefer  Sau  große  Seränberungen 
im  Qtmem  unb  Aeußern  jur  golge  Ijaben  werbe,  unb  obgleidfj  bie 
©reigniffe  t>on  1848  ben  ^ntereffenunbÄräften  großenteils  eine  anbere 
3lidf)tung  gaben,  fo  !am  bod)  audfj  in  biefe  Angelegenheit  wemgftenS 
fein  ©tiKfianb,  unb  man  nafym  fie  mit  erstem  ©fer  auf,  fobalb 
bie  guftänbe  lieber  einigermaßen  beruhigt  waren.  2lm  18.  Slpril 
1849  tonnte  ber  pirgerfdfjaft  ber  Sauplan  ber  Sübedf'Süd&ener 
©fenba^n  mit  ©nfdtfuß  ber  SatjnljofSanlage  vorgelegt  werben  unb 
mürbe  mm  tljr,  menn  gleid)  nidfjt  otyne  lebhafte  ©töcuffton  namentlich 
IjtnficIjtKdfj  ber  lederen,  in  berfelben  ©ifcung  genehmigt.  3to  bem* 
fetten  Sage  genehmigte  fie  einen  von  bem  Saubirector  SWülIer  au& 
gearbeiteten  $lan  jur  ßorrection  unb  SÄuStiefung  ber  £rat>e  mit 
einem  ©urdfjfttcl)  bei  ber  £errenfctyre,  unb  groar  biefen  o$ne  alle 
3)i$cuffion,  inbem  fie  nur  einen  Sorbeljalt  nodfj  madfjte,  ob  fie  ftdjj 
nid&t  für  einen  größeren  unb  mel  toftbareren  ©urdftftid)  entfdjetben 
motte.  ©tefen  Sorbetyalt  jog  fie  fpäter  mit  9tüdtftd&t  auf  bie  Äojten 
jurfidf,  bie  ofmefnn  ftd)  fdfjon  auf  1,275,000  £  @rt.  beliefen.  Qn 
bemfelben  $al)re  gelang  e£  audE),  in  Serlin  eine  anleite  jum  Selanf 
üou  3,200,000  SJjaler  ju  contraliiren.  S)ie  Sürgerfdfjaft  genehmigte 
ben  Sertrag  am  5.  SDecember.  $m  ftebruar  1850  mürbe  mit 
bem  mirflidfjen  Sau  ber  Anfang  gemalt,  am  11.  bei  9Rötln,  am 
18.  bei  fiübeef,  unb  am  18.  3Jtärj  erfolgte  ber  Statin  unb  Sürger* 
fd&luß  über  bie  bebeutenben,  mit  ber  ßifenba^nanlage  in  Serbinbung 
ftelienben,  auf  Äoften  be$  Staat*  auÄjufityrenben  Sauten:   eine 


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541 

breitere  mit  bequemeren  Auffahrten  nerfefjene  93rüdEe  über  bie  %xavt, 
(SrridEjtung  von  mafftpen  Ctuatmauem  auf  beiben  ©tabtfetten  biefer 
SJrüdfe,  Slbrunbung,  äfoättefung  unb  SSerbretterung  beö  ©tabtgrabenS 
von  bem  nörblidfjen  ©nbe  beä  SafjnljofeS  bi£  jur  ©trucffä^re,  um 
ifjn  für  Skiffe  jugänglidfj  §u  mad&en,  ©nric^tung  neuer  Sabe*,  Söfd^ 
unb  $oljplä|e  an  bem  in  foldjer  SBeife  neu  eingerichteten  Jjjafen, 
ttferfd&älungen  läng«  biefer  $lä$e  unb  bie  erforberltd&en  SßffajterungS* 
arbeiten.  gferner  «wicbe  e3  burdf)  bie  Slrt  be$  aSerfefjrS,  ben  bie 
©fenba^n  f)ert>orbracIjte ,  ju  einer  SRotljroenbigfeit,  bie  SJerfjältniffe 
ber  mit  bem  iganbel  in  SJerbinbung  fteljenben  ärbetter*@orporatumen 
umjugefialten.  9ln  eine  2lufl)ebung  gewerblicher  $rfarilegien  badfjte 
man  bamalS  no<$  nid&t;  e$  mar  fdfjon  eine  wefentlidfje  unb  nidjjt  leidet 
burdfoufüfirenbe  SSerbefferung,  bajs  man  eine  gro&e  2tnja§l  ber  @or* 
porattonen  §u  einer  einzigen  Qmtung  vereinigte.  3lud)  entftanben  babei 
pecuniäre  ©d&wierigfetten;  benn  bie  ©ered&tfame  waren  §um  2$etl, 
wemt  gleid&  miffträu#lid&er  SBeife,  t>erf aufliefe  unb  nerpfänbbare 
©egenflänbe  geworben  unb  bilbeten  folglich  einen  SSermögenStyetl 
ber  Qnljaber,  ber  tyntn  nidfjt  oljne  SBeitereS  genommen  werben 
f onnte.  9Kan  fanb  mbeffen  in  ber  SSereinigung  ber  Korporationen  einen 
Wuämeg,  roonadfj  ber  Staat  nur  einen  geringen  3uf<$ufe  jU  ben  ju  jaulen* 
ben  Gmtfd&äbigungen  ju  leifien  tyatte.  Stuf  bie  neu  gebilbete  Qnnung 
mürben  alle  bie  ©ered&tfame  übertragen,  meldte  früher  bie  emjelnen 
©orporationen  ausgeübt  Ratten,  unb  baneben  ber  ©fenbatyngefettfdfjaft 
auSgebeljnte  SJefugntffe  erteilt,  bie  mit  tyrem  betrieb  jufammen* 
^ängenben  arbeiten  bur<$  i^re  Slngeftettte  verridfjten  ju  laffen.  @nb* 
Ii<$  mar  e£,  wollte  man  in  ben  33efi|  ber  oon  ber  ©fenba^n  ju 
tyoffenben  2}ortl>ette  gelangen,  notfjwenbig,  bie  ^inftd^tli^  be$  ©d&tf* 
fa$rt8t>erfel)r$  befte^enben  ©nridjtungen  ju  reoibiren,  namentlich  bie 
©#ffal)rt$abgaben  ju  aeretnfadfjen  unb  ju  erteiltem.  33ier  ba^in 
ge^enbe  SSerorbnungen  erfdfjtenen,  na<$  oorgängiger  SJerfjanbtung  mit 
ber  Sürgerfd^aft,  am  30.  Januar  1850  auf  einmal,  „über  bie  ©dfjiffs* 
abgaben  für  ben  ©eeoerfeljr  unb  bie  galten  auf  ber  Unterträte, 
über  bie  3Reffung  ber  ©eefdfjiffe,  ber  offenen  Ättftenfafjrjeuge  unb 
ber  gluftfd&tffe,  über  bie  ^Regelung  ber  ffadjgebauten  gafjrjeuge,  über 
ba«  ßöfd^en  unb  Saben  beS  93aDafie3." 

©afc  im  ^atjre  1850  bie  SReform  beS  2lrmenwcfen$  burdfj  @r* 
rid&tung  eines  ÄranfenfjaufeS,  fowie  burd)  Ueberweifung  ber  Sfrren* 
cmftalt  unb  ber  Oebäube  t)on  ©t.  Sinnen  an  ben  Staat  tyren  oölligen 


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zedby  G00gk 


542 

Sttfdfjlufc  fanb,  mag  §ier  jur  SBerooUftänbigung  beS  früher  ©efagten 
nodf>  bemerft  werben. 

Slu&er  unb  neben  ben  Ijeimtfdfjen  Angelegenheiten  erforberten 
audf)  bie  SBejtetjungen  ju  ®eutfd)lanb  fortwäljrenbe  Slufmerffamfett 
unb  Sorge.  $>afür  beflanb  feit  betn  8.  Aprtl  1848  eine  permanente 
(Sommiffion  beS  Senats,  m  roeld&er  93reijmer,  als  Sßraeftbent  beS 
Senats,  ben  SJorfife  führte.  3)ie  entroidfelung  ber  S)eutfd(jen  Set* 
llältniffe  würbe  bie  SSeranlaffung,  bafc  iljm  nodfj  cor  Slblauf  ber 
beiben  ^a^re,  in  melden  er  baS  sßraefibtum  ju  führen  tnttte,  aber* 
mals  eine  auswärtige  SRiffion  übertragen  mürbe.  @S  ifl  batyer 
nötftfg,  ben  ©ang,  ben  fie  nahmen,  furj  anzugeben. 

2llS  eö  ftd)  jeigte,  baß  bie  am  28.»prtl  1849  an  bie  SJeutfd&en 
Regierungen  ergangene  ©nlabung,  Seoollmäd&tigte  nadfj  Serlht  ju 
fenben,  feinen  Erfolg  fjatte,  trat  Sßreufjen  in  SBerbmbung  mit  Sägern, 
Sadfjfen  unb  #annoüer.  3Wit  SBatjern  fam  es  ntd&t  ju  einer  S3creht* 
barung,  aber  mit  Sadjfen  unb  igannoüer  fd&lofc  Sßreufcen  am  26.  3Rai 
einen  Vertrag,  baS  f.  g.  $rei*5tönigS*93ünbmf$,  fpäter  audf)  bie 
Union  genannt,  unb  mabrebete  audf)  eine  SftetdfjSoerfajfung,  bie  bann 
alsbalb  ben  übrigen  ®eutfdf)en  Staaten  jur  annähme  oorgelegt  würbe. 
SBaben  trat  juerft  bei,  nadfj  unb  nadfj  bie  3Re^rja^l  ber  Staaten,  audfj 
Sübecf  am  10.  September.  35a  eS  twrauSjufeljen  mar,  bafc  niemals 
alle  Staaten  beitreten  mürben,  ba&  alfo  baS  Sünbntfj  ju  einem  einigen 
$)eutfd()Ianb  niemals  führen  merbe,  gefdfjal)  ber  Seitritt  fjier  feljr  un* 
gern,  namentlich  oon  Seiten  ber  Sürgerfdfjaft.  Sie  Ijatte  am  19.  Slpril 
in  einer  Slbreffe  an  bie  -Jtationatüerfammlung  ifjre  Anerkennung  ber 
von  betreiben  gegebenen  SReid^Soerfaffung  auSgefprodjjen  unb  entfdfjlofc 
fidfj  ferner,  ftdf)  in  2ßiberfprud^  mit  Üjrer  eigenen  ©rflärung  ju  fegen. 
@S  beburfte,  um  if>re  3uftimmung  ju  erlangen,  eines  mieber^ölten 
Antrags  beS  Senats  unb  eines  $tnweifeS  barauf,  bafe  bie  von  ber 
9tottonaloerfammlung  befdfjloffene  9teidfjSoerfaffung  feine  SluSftd^t 
fjabe,  burd&gefüfjrt  ju  werben,  unb  ba&  eS  für  Sübedf  untfjunltdfj  fei, 
in  einer  ifolirten  Stellung  ju  bleiben.  3n  golge  beS  AnfdfjluffeS 
mürbe  na$  ben  Seftimmungen  beS  Vertrags  bie  Abfenbung  eines 
S3et)oHmäd^tigten  in  ben  SerwaltungSratf)  nadfj  Serlin  not^menbig. 
3)iefe  Senbung  übernahm  StjnbicuS  @lber. 

Aber  bie  Union  ^atte  feinen  gebettjlidjen  Fortgang,  *preufeen 
felbft  mußte,  ba  ber  ©rjfjeraog  StetdfjSoerwefer  fein  Statt  nieberju* 
legen  wünfdfjte,  baju  mitwirken,  ein  promforifdfjeS  Central  *  Organ 
für  bie  Seitung  ber  gemeinfamen  Angelegenheiten  beS  S)eutfdf)en 


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zed  byGoOgk 


543 

ShmbeS  ju  bilben,  welkem  bie  Sefugniffe  be«  früheren  engeren 
*3ftotfje8  ber  33unbe£t>erfammtung  übertragen  würben,  wetyrenb  bie 
Angelegenheiten,  weldfje  an  ba%  frühere  Sßletwm  ber  33unbe&>er* 
fammlung  gehörten,  unb  namentlid)  bte  2)eutfdje  Verfaffungg* 
angelegen^eit,  ber  freien  Vereinbarung  ber  einjelnen  Staaten  über* 
laffen  blieben.  $>a«  würbe  in  einem  Vertrage  f efigef e^t ,  weisen 
Defierreü$  unb  Sßreujsen  am  30.  September  mit  ber  Seftimmung, 
bai  er  MS  jum  l.  STOai  1850  ©ültigfett  Ijaben  foßte,  abfd&loffen  unb 
meinem  fämmtlidfje  ©eutfd&e  Staaten  nadf)  unb  na<$  ifjre  ßuftimmung 
gaben,  ßfibedf  bur<$  9tot^  unb  Vürgerfdfjlufc  com  5.  ©ecember. 
3n>ei  t>on  Defierreidfj  unb  jwei  von  Sßreu&en  ernannte  Sommiffare 
btlbeten  ba&  ©entralorgan  unter  bem  5Ramen  einer  prowforifdjen 
Vunbeä*Sentral*@ommiffton.  Stamit  mar  ber  Union  bte  Stellung 
eine*  SonberbunbeS  gegeben.  Deflerreidfj  beftritt  fortwetyrenb  U)re 
SRed&tmäfcigfeit  unb  bie  nädjjfi  ^reufcen  mädfjttgfien  ©lieber  berfelben, 
Saufen  unb  #annot>erf  jogen  jtdjj  metyr  unb  me^r  t>on  \fyc  jurüdf, 
oerfagten  fdjon  i^re  SRitwirfung  bei  ber  burdf)  ben  Sünbnifeoertrag 
befttmmten  Berufung  eines  9teidjStag3.  Qxoax  würbe  biefer  9tetdfj$* 
tag  bennodf)  berufen  unb  fam  am  20.  SKärj  1850  in  ©rfurt  ju* 
fammen,  genehmigte  aud)  ben  von  ben  Regierungen  tym  vorgelegten 
©ntmurf  einer  Verfaffung,  aber  eingeführt  fonnte  biefelbe  ntdjt 
werben. 

3Ete  ber  l.  SDlai,  an  wetdfjem  bie  VoBmadfjt  ber  2hmbe& 
€entral^6ommiffton  ablief,  ^eranfam,  oljne  bafc  eine  ntm  ©tnrtdfjtung 
getroffen  war,  berief  Defierreidfj  burdf)  Sircularfd&reiben  oom 
26*  Sfpril  fämmtli(§e  93unbe$fiaaten  ju  einer  $lenart>erfammlung 
be£  S5eutfdf>en  SBunbeS  nad&  granffurt,  p  bem  boppetten  3wedfe  ber 
Schaffung  eine«  neuen  ©entralorgans  unb  ber  Remfüm  ber  Staubet 
acte  von  1815.  Stfe  in  ber  Union  oerbünbeten  Regierungen  be* 
fd&loffen  auf  ben  Vorfdfjiag  SßreufcenS,  ber  ©nlabung  jwar  golge 
ju  geben,  aber  mit  ber  ©rflärung,  bafc  fte  bie  ©nlabungen  ntd&t  ate 
auf  ©runb  ber  früheren  Sßraefibtalbefugntffe  DefterretdfjS  gefd&e§en 
anfallen,  unb  ber  SSerfammlung  nid&t  ben  Gtyarafter  einer  $lenar* 
Derfammlung  be$  S)eutf<$en  33unbe$  beilegen  fönnten.  ÜKit  foldfjer 
Qnftruction  würbe  oon  Sfibecf  S^nbtcuS  @lber  t>on  Serlin  aus  nadf) 
gfranffurt  gefanbt  unb  traf  am  5.  ^uni  bort  ein.  Aber  ber  Defter* 
reidfjtfdfje  ©efanbte,  ©raf  2tf)un,  weigerte  ft<$,  bie  ©rflärungen  anju* 
nehmen,  unb  um  e$  ben  ©efanbten  unmöglidf)  ju  mad&en,  fie  in 
einer    förmlichen   Verfammlung    auSjufpred&en,    berief    er    feine. 


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544 

©gentlidfje  Ser^anblungen  fanben  ba^er  nidfjt  ftott.  2>a  audfj  eine 
»ort  beti  Äabinetten  ju  SBten  uttb  Berlin  barüber  geführte  GorreSpon* 
benj  ju  erner  SSerftänbtgung  nid^t  führte,  würben  bie  Sßreufeifdden 
JBeoolhnädjjtigtett  @nbe  Quli  jurüdfgerufen,  worauf  audjj  ben  übrigen 
©efanbten  9(tidf)t8  übrig  blieb,  als  granffurt  unoerridjteter  ©ad&e 
wieber  ju  oerlaffen.  ©te  festen  na<§  ©erlitt  jurüdf  uttb  bilbetett 
bort  ba«  promforifdfje  gürftettcoflegium. 

Deflerreid&  liefe  ftd&  babur$  nid&t  abgalten,  ben  einmal  betretenen 
2Beg  confequent  §u  oerfolgett.  ß$  erliefe  unter  beut  n.  äfagufi 
«»h»  fi^ttrat)UngCn  an  ade  ^Regierungen  §ur  SBieber^erfieHung  be$ 
unbe^rat^eö  uub  eröffnete  am  2.  September  bie  SBerfamm* 
ben  ©efanbten,  weld&e  erfd&tenen  waren,  betten  ber  trier 
•  ©agem,  SBürtemberg,  Saufen  unb  Jpamtoüer,  unb  einiger 
Staaten.  «JJreufeen  be&arrte  auf  ber  Sluffaffuug,  bafe  ber 
«üb  oott  1815  aufgelöfi  fei  uttb  bafe  nur  burd&  eine  freie 
mg  aller  Stegiermtgett  eine  neue  Jßerfaffung  §u  ©tanbe 
tttte.  S)ie  gröfeere  SRe^rjaljl  ber  ttttionäregteruttgen  fd&loffen 
atuffaffuug  ati  uub  hielten  ftdjj  oott  granffurt  fem.  Stufe- 
eine  Stellung  ju  ber  Sad&e  baburdj)  ju  erfennen,  bafe  e« 
t  eitten  ©efanbten  bei  bem  SDeutfdjjett  ©unbe  beglaubigte. 
3ured&tbeftef)en  ber  SunbeSoerfaffung,  fowfe  über  einige 
ittrifdfjen  flreitig  geworbene,  ©egenftättbe  würben  nun  fort* 
Depefd^ett  jwtfd&en  Defterretd&  unb  «ßreufeen  gewedelt, 
beibeti  SKäd^te  emanber  nid^t  rtäljer  brachten,  fottbern  ttodjj 
iten.  SDte  ßreigttiffe  m  #effett*@affel  brängten  enblid^  ju 
^eibuttg. 

ffiurfürft  §atte  burdfj  toittfürlid^e  uwb  oerfaffuttgawibrige 
fein  Sanb  in  Stofru^r  gebraut  unb  feine  Steftbenj  oer* 
en.  @r  ging  über  ijjannooer  unb  ©öln  nad^  g-ranffurt 
ie  $ülfe  be$  33unbe£  ant  bie  biefer  ju  gewähren  befdjjlofe. 
ag  bc$  SuttbeS  rüdfte  ein  SaperfcfjeS  2lrmeecorp3  am 
»er  als  (SjecutionSarmee  iti  Reffen  ein.  Sßreufeen  fonnte 
mljeit  frember  Gruppen  in  bem  ilmt  benachbarten  Sanbe 
Imftänben,  wie  fie  bamatö  waren,  nidjjt  bulben.  Sßreufetfdfje 
efefcten  baljer  am  2.  SRooember  Gaffel,  am  3.  gulba.  2)er 
tete  am  6.  bie  SWobilifirung  feiner  ganjen  Slrmee  an  unb 
i  ©eneral  oon  ber  ©röben,  ba&  weitere  SJorrüdfen  ber 
Ijittbent.  3um  Äampfe  fam  es,  ein  unbebeutenbeS  33or* 
it  abgeregnet,  ntd&t,  aber  bie  Verpflegung  ber  na$e  an 


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545 

emanber  ftef)enben  großen  9Wenge  von  Gruppen  würbe  immer 
fdjjwieriger,  julefct  unmöglich  2lm  26.  Rooember  richtete  Defterretd& 
abermals  bie  SHufforberung  an  ^reufeen,  ben  Bewegungen  ber 
@?ecution$armee  fein  ^mbernife  me&r  entgegenstellen,  unb  verlangte 
eine  Stnttoort  innerhalb  addtunbmerjig  ©tunben.  SSor  2lbgabe  einer 
(grflärung  erliefe  ber  ftreiljerr  von  9Hanteuffel,  sjkeufeifd&er  SRirnfter* 
gjraeftbent,  naty  bem  SBiUen  be«  ÄönigS,  eine  ©nlabung  an  ben 
Defieroid&ifd&en  2Rinijler*$raejtbenten,  gürflen  von  ©d&warjenberg, 
ju  einer  perfönlid&en  Unterrebung.  Sie  ©mlabung  mürbe  ange* 
nommen  unb  bie  3ufammenhmft  fanb  in  Dlmttfe  ftatt.  §ier  fam 
am  29.  Rooember  eine  Vereinbarung  ju  ©tanbe,  in  melier  unter 
anbem  ausgemalt  murber  bafe  ^iflerial*gonferenjen  über  eine 
SDeutfdjje  33unbeSt>erfaffung  in  Bresben  fiattfinben  unb,  menn  mög* 
Iidj>,  fdjjon  um  bie  SRitte  be«  $>ecember  eröffnet  werben  fottten.  S)ie 
©nlabungen  baju  gingen  afebalb  t)on  beiben  Regierungen  gemein* 
fdjjaftltdjj  au«. 

3u  biefen  ßonferenjen  rourbe  t>on  Süberf  ber  Sürgermeifier 
SSreljmer  abgefanbt.  @r  Ijatte  burdjj  bie  genauen  unb  forgfältigen 
Veridjjte  beä  ©ijnbicu«  (giber  -  jwetyunbertunbfedfföetm  an  ber  Qa\)l 
-  fortwätjrenb  Äenntnifc  t)on  allem,  was  vorgegangen  mar,  erhalten, 
tbtn  baburdjj  audj>  Äunbe  von  ben  gmar  nid^t  fdEjriftlid)  au$ge* 
fprod&enen,  aber  bodfj  oorfrmbenen  aWotioen  unb  enblidfjen  Sidtn, 
meldte  viele  Regierungen  bei  i^rem  Verhalten  leiteten.  2lm  2i.$)ecember 
traf  er  in  $)re$ben  cht,  am  23.  begannen  bie  Sonferenjen.  Seuoll* 
mäßigte  von  faft  allen  Regierungen  maren  gegenwärtig,  bie  nod& 
fe&lenben  erfdfjienen  in  ben  näd&fien  Sagen.  Qnfkuctionen  braute 
femer  mit.  Sffle  Ratten  erwartet,  bafc  Defterreidfj  unb  Sßreufcen  Vor* 
fdjjläge  machen  würben,  über  bie  fie  ftdt)  vorder  verftänbigt  Ratten, 
unb  erfuhren  nun  }u  ifjrer  Ueberrafd^ung,  bafj  bie«  nid&t  ber  gall 
fei.  Der  Defterreid&ifdfje  ©efanbte,  gürfl  ©d^warjenberg,  fd^Xug  vor, 
ba&  jur  Vorbereitung  ber  $lenarft$ungen  fünf  Gommiffionen  gebilbet 
werben  mödjjten,  eine  für  Organifation  ber  oberften  Vunbe$be§örbe 
unb  ba$  VunbeSgebiet,  eine  für  ben  SBirfungSfretS  ber  oberften 
SunbeSbeljörbe  unb  bie  Vejiefjungen  ber  einjelnen  Staaten  ju  ein«» 
anber,  eine  für  bie  materiellen  ftntereffen,  £anbel,  3oH  unb  ©d&if* 
fa^rt,  eine  für  ba«  SunbeSgertd&t,  eine  für  ^rotofoDfüljrung.  3u* 
gleidf)  nannte  er  biejenigen  Sßerfonen,  bie  er  für  bie  einzelnen  @om* 
mifftonen  befignirt  l)atte.  S)abei  fanb  fu$,  bafc  e$  faft  burd&meg 
bie  ©efanbten  ber  größeren  Staaten  waren,  nur  wenige  einzelne 


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546 

ber  Heineren,  unb  man  erfuhr  nadlet,  baß  audfj  biefe  wenigen  nur 
auf  auSbrüdKtd&eS  Verlangen  beS  Sßreußifd&en  ©efanbten  ^injugefügt, 
urfprünglidj)  nur  bie  größeren  Staaten  ausgerollt  waren.  3)aS 
Ijing  mit  ber  ganjen  Senbenj  Deflerreidf)S  jufammen.  ©S  wollte 
aud&  jefct  bie  Veranlagung  ergreifen,  um  jeben  SßreiS  größeren  ©in* 
ffaß  in  S)eutfdj>lanb  ju  geroinnen,  unb  Preußen«  ©mfluß  üernidjjten, 
unb  S)a«  follte  jugleid^  ein  Sieg  beS  9lbfoluttSmuS  unb  Stur}  beS 
(SonflitutionaliSmuS  roerben.  3u  bem  @nbe  mußte  eS  bie  trielen 
Keinen  Regierungen  in  9lorb*  unb  9Bittelbeutfd^lanb,  bie  eS  immer 
mit  Preußen  gelten,  ganj  fem  galten,  bagegen  bie  Stellung  ber 
Äönigreid&e,  bie  leidet  in  einem  Antagonismus  gegen  Preußen  ftanben, 
möglid&fi  lieben.  SDte  ganje  SCenbenj  t>errtet^  ft<Jj>  o&ne  3^eifel  bem 
Sßreußifdfjen  ©efanbten  feljr  balb,  er  roar  ba^er  junädfjft  barüber  au*, 
Slbgeorbnete  ber  Keinen  Staaten  §u  3Jtttgliebern  ber  ©omrntfftonen 
ju  madfjen.  3)aS  gelang  il)m  aber  nur  mit  roenigen,  fo  baß  Diele 
ber  übergangenen  ©efanbten  unwillig  rourben  unb  vorläufig  roieber 
abreißen.  Sre^mer,  obwohl  auä)  übergangen,  blieb  unb  tljat  roo^l 
baran.  ©r  folgte  bem  ©ange  ber  Verljanblungen  mit  gefpannter 
Stufmerffamfeit,  erhielt  audjj  über  bie  Verfammlungen  ber  ©om* 
miffionen,  obgleidjj  eigentlid^e  ^rotofotte  nidjjt  geführt  rourben,  burdj) 
befreunbete  3JHtglieber  genaue  Radfjrid&ten,  bie  er  neben  feinen  eigenen 
Sendeten  Verlier  gefanbt  Ijat  2ludf)  fehlte  eS  nidfjt  an  ©elegenljeiten, 
roirtfam  §u  fein,  unb  namentlich  ber  Slnftd^t  entgegenjutreten,  welche 
bie  aWadEjtflellung  ber  einjelnen  Regierungen  auSfdjließlidfj  nadf)  93e* 
trölferungSmenge  unb  gläd&enraum  clafftfteiren  wollte.  Unterftüfct 
burdjj  bie  anbern  ftäbtifdjjen  2lbgeorbneten,  SpnbicuS  33anfS  aus 
Hamburg,  Sürgermeifier  Smibt  au«  SBremen  unb  SpnbicuS  garnier 
auä  granffurt,  machte  er  mit  ©rfolg  geltenb,  baß  bie  £anfeftäbte 
für  fid&  felbft  eine  Wlafy  feien,  bie  jum  $eil  beS  S5eutfd()en  £anbels 
unb  ber  J)eutfd^en  Qnbuftrie  #anbelS*  unb  Sd&iffa&rtSoerträge  mit 
auswärtigen  SWädEjten  abgefdjjloffen  unb  wefentlidfje  3ugeflänbniffe 
oon  tynen  erlangt  l)abe.  S)ie  Stäbte  würben  übrigens  jum  93erjid&t 
auf  einen  wefentlidfjcn  2^eil  tyrer  Redete  ju  ©unjten  etneS  einigen 
S)eutfd^lanbS  fdEjon  bamatS  eben  fo  bereitwillig  gewefen  fein,  als 
fie  eS  fpäter  waren,  wenn  eS  ftd;  barum  überhaupt  geljanbelt  Ijätte. 
Slber  was  man  bamalS  beabftd)tigte,  fonnte  oielletdjt  jur  Ver- 
größerung einjelner  Staaten,  nid&t  }ur  Kräftigung  unb  ©infgung 
beS  VaterlanbeS,  nodjj  weniger  ju  freien  Qnftitutionen  führen. 


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547 

S5er  auf  Defterreid&S  betrieb  -angenommene  Arbeitsplan  ernte« 
pdf)  als  unpraftifd).  9tomentlid&  fingen  bie  ber  erfien  unb  bie  ber 
jroeiten  Gommiffion  jugerotefenen  33eratf)ungSgegenftänbe  —  Drgani* 
fation  ber  SBunbeSorgane  unb  SBtrhmgSfretS  berfelben  —  fo  genau 
mit  einanber  jufammen,  bafe  fie  ftdE)  ntdjt  getrennt  bejubeln  Heften. 
<Bic  Gommifftonen  mußten  ba^er  gemeinfame  ©jungen  galten  unb 
Subcommtfftonen  ernennen,  ©rofee  Sßerfdfjiebenljetten  ber  äfafidfjten 
traten  ein  unb  eS  bauerte  jroei  3Ronate,  bis  ein  oon  ber  erften  unb 
jmeiten  Gommiffton  aufgearbeiteter  beftimmter  Sßlan  über  bie 
Drganifation  ber  oberften  SBunbeSbe&örbe  ju  Staube  tarn.  3)arnadj 
foUte  eS  fünftig  ixt  bem  2)eutfd>en  Sunbe  eine  bef<$lufjfaffenbe  unb  eine 
üottjieljenbe  Setyörbe  geben.  3n  ber  befd&lufefaffenben,  bem  früheren 
Plenum  ber  SunbeSperfammlung,  foUte  Defterreidfj  10  Stimmen 
erhalten,  Sßreufsen  10,  Sapern  3,  übrigens  baS  Sttmmenper&älimfj 
ungeänbert  bleiben,  gür  bie  S3ef<$lüffe  foUte  einfädle  Stimmenme&r* 
Ijeit  bie  Siegel,  qualiftcirte  Stimmenmehrheit  b.  t).  jroei  drittel  ober 
brei  Viertel  Stimmen  unb  Stimmeneht^eKigfeit  für  befonbere,  fpeciell 
feflgefefcte  gälte  bie  Ausnahme  bilben.  ®ie  Ausnahmen  maren  in* 
beffen  jiemlidfj  jafjlreidlj.  S)ie  polljieljenbe  SBe^örbe  fottte  aus  neun 
Sßerfonen  mit  elf  Stimmen  befielen,  Defterreidf)  jroei,  Sßreufjen  jroei, 
bie  Pier  flömgreidje  je  eine,  bie  übrigen  Staaten  ©uriatftimmen.  gttr 
alle  SBefc^Iüffe  fottte  einfache  Sttmmenmet)rt)eit  genügen,  fo  bafc,  wenn 
Defterreidj  fidf)  ber  t)ier  Äönigreidje  perjtd&ert  ^atte,  bie  Majorität 
gegen  Sßreufjen  unb  alle  iljm  an^ängenben  Keinen  Staaten  por^anben 
mar.  ©S  rourbe  femer  feftgefefet,  ba&  fämmtltd&e  SJÜtglieber  ber 
©jecutipbefjörbe  eine  beftimmte  bewaffnete  2Radf)t,  jur  ©efammt* 
fiärfe  pon  125,000  SRann,  immer  friegSbereit  galten  fottten,  um 
auf  ©rforbern  jeben  Slugenblidf  bamit  einfdfjreiten  ju  fönnen,  unb 
bie  SluSfcljttefmng  ber  Heineren  Staaten  mürbe  bamit  gerechtfertigt, 
bafc  fie  nidjjt  im  Stanbe  feien,  foldfje  Seiftung  ju  übernehmen. 

2tm  23.  gebruar  fanb  eine  ^lenarperfammlung  ber  ©onferenj 
ftatt  —  es  mar  bie  werte  — ,  um  bie  Senate  ber  beiben  ©om* 
mifftonen  entgegenjuneljmen  unb  ftdjj  über  bie  barin  enthaltenen  SSor* 
Wäge  ju  erflären.  Defterreid^  befürmortete  bie  Annahme  berfelben 
unb  bie  alsbalbige  ©infefcung  ber  beiben  SunbeSorgane.  S)ie  Pier 
Äöntgreid&e  untersten  ben  Antrag  ber  beiben  Sommiffionen,  jum 
2$eil  mit  einigen  2Äobiftcationen ,  audj)  fturtyeffen.  *Preufcen  mar 
—  nadj)  ber  ©rßärung  beS  greiljerrn  pon  SRanteuffel  —  ebenfalls 
eiuperftonben,  mar  aber  jugleidfj  pon  ber  unermefjlidfjen  SBÜd^tigfeit 


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zedby  G00gk 


548 

beS  begonnenen  äBerfed  ju  tief  burd&brungen,  al«  bafe  e£  nidfjt  t)or 
bem  Slbfd&luffe  ber  SSer^anblungen  bie  forgfamfte  unb  grünbltdfjfle 
Erörterung  ber  in  SBetrad^t  f  ommenben  eben  fo  fd&wierigen  ate  weit* 
greifenben  5röÖen  auf  ba£  lebljaftefte  wünfdjen  müfete,  unb  bean* 
tragte  baljer  einen  oierje^ntägigen  Termin  jur  Stbgabe  beftnitioer 
Srflärungen.  ®ie  übrigen  Staaten  erflärten  pdf)  faft  burd^roeg  gegen 
bie  gefteUten  Anträge,  am  meiften  mottoirt  waren  bie  ©rttärungen 
ber  ©täbte,  bie  ausführliche  war  bie  uon  Sremen.  SDer  ©rfolg 
ober  meintest  bie  Erfolgloftgfett  ber  ©onferenjen  war  nun  oorauS* 
jufeljen,  unb  gürft  ©d&warjenberg  fagte  beim  Stoffen  t>on  ber 
©ifcung,  fid^  ju  ben  Ijanfeatifd&en  Seoottmäcijttgten  wenbenb,  er 
bebaure  oor  Ottern,  bafj  £err  t>on  ©agern  nun  Siedet  begatten  werbe 
mit  feiner  ©rflärung:  2Benn  bie  Rattonafoerfammlung  SRid^tö  ju 
©tanbe  bringen  wirb,  fo  werben  bie  Regierungen  ti  nodj  t>iel 
weniger  fönnen. 

SBenige  £age  fpäter,  am  28.,  trat  bie  ©onferenj  nod&mate 
jufammen  unb  wählte  eine  eigne  (Sommifjton  ju  bem  3roe*er  bxt  iu 
erwartenben  ©rflttrungen  ber  Regierungen  jufammenjufieffen ,  ju 
prüfen  unb  mit  einem  ©utadjjten  an  bie  erfte  unb  jweite  Gommiffton 
ju  beren  ©rflärung  unb  33erid(jt  an  bie  5ßtenar*SBerfammluijg  ber 
©onferettj  gelangen  ju  laffen. 

3n  biefe  Sommifjion  würbe  audjj  Sreljmer  gewählt,  obgleich  er 
nid&t  me&r  anwefenb,  fonbern,  wie  mehrere  Setwttmäd&ttgte,  nadfj 
Jpaufe  gereift  war,  um  münblidfj  nähere  Stufttärung  ju  geben  unb 
für  fein  weitere«  Verhalten  eine  beftimmte  Rid^tfd^nur  ju  gewinnen, 
gr  befdjjleunigte  feine  Rüdfreife.  SKber  bie  Eommiffion  f)at  niemal« 
eine  ©ifcung  gehalten,  fie  fanb  feine  Veranlagung  jur  Xljäiigfeit,  ba 
aufcer  einer  ©ingabe  t>on  3lntyalt*23ernburg  feine  3Wit$eilung  an  jie 
gelangte. 

dagegen  legte  in  einer  abermaligen  $ßlenar*3Jerfammlung  am 
15.  SKärj  ber  Vorftfcenbe  ber  brüten  Gommtffton  einen  t>on  ©adfj* 
üerftönbigen  aufgearbeiteten  ©ntwurf  einer  Uebereinfunft  jwifd&en 
ben  2)eutfd(jen  VunbeSftaaten  jur  Seförberung  be£  ^anbete  unb 
SSerfe^r«  *>or.  S)ie  werte  ©ommiffion  begann  tyre  ©jungen  erfl 
jefct,  fie  fonnte  inbeffen,  ba  t>on  Seiten  ber  ©ädjjftfdfjen  Regierung 
bebeutenbe  Vorarbeiten  gemalt  waren,  aSorfdjjläge  jur  SBefddlufr 
faffung  über  ein  SunbeSgertdEjt  balb  vorlegen. 

©3  waren  aber  bie  SRttglieber  ber  ßonferenj  fd&on  felbfi  über* 
jeugt,  bafc  i^re  SJerfammlung  fein  Refultat  ^aben  werbe.    Seit  ber 


\v 


549 

©ifcung  Dom  23.  gebruar  war  baratt  nidf)t  meljr  $u  jweifeln.  SMeS 
fyattt  jur  ftolge,  bafe  Defterreicty  unb  ^teufeen  in  tyren  Slnfid^ten 
über  ben  Sunbeätag  gewiffermafcen  bie  Rollen  tauften,  grüner 
§atte  spreufcen  bie  in  granffurt  als  SunbeStag  wieber  jufammen* 
getretene  Verfammlung  ala  fold&e  ni<$t  anerfennen  wollen,  unb  auf 
t>orgängige  Verljanblungen  über  Reconfiruirung  beS  SunbeS  an 
einem  anbem  Drte  gebrungen.  Defterretd^  bagegen  f)atte  fotd&e  SSer* 
^anblungen  abgelehnt.  Qefet  Ijätte  bie  Defterretd&ifd&e  Regierung  bag 
in  SreSben  begonnene  2Berf  gern  ju  6nbe  geführt  gelegen  unb  audjj 
an  ber  Stlbung  einer  $oü*  unb  £anbelSem$eit  in  3)eutf<$Ianb  lag 
tyr  triel.  3hm  aber  tarn  bie  Sßreufcifdfje  Regierung  ju  ber  äfoftdjjt, 
ba&  e£  ba$  3fagemeffenfte  fei,  bie  SunbeSuerfammlung,  wie  fie  naä) 
ber  t)or  1848  ergangenen  83unbe$gefefcgebung  beftanb,  wieber  in  all* 
gemein  anerfannte  SBirffamfett  ju  fe$en,  unb  richtete  unter  bem 
27.  SMärj  ba^ht  ge^enbe  ©nlabungen  an  biejenigen  Regierungen, 
bie  nodjj  feine  ©efanbte  in  granffurt  Ratten.  Slffe  gaben  ber  ©n* 
labung  golge,  ber  f)ieftge  Senat  fdfjon  am  12.  äpril,  nad&bem  eine 
jufthmnige  (Srflärung  ber  33ürgerf<$aft  erfolgt  war. 

5Damit  wäre  eine  gortfefcung  ber  S)re3bener  ßonferenjen  an 
unb  für  ftdjj  nidfjt  unvereinbar  gewefen,  unb  e3  mußte  audf)  im  ftntereffe 
biefer  Verfammlung  felbft  liegen,  no<$  eine  3*Wan(}  fortjubauern, 
um,  wenn  e$  glei<§  längft  feftflanb,  bafe  fie  üjren  eigentlichen  3we<f 
nidfjt  erreichen  werbe,  bo$  nic&t  ganj  refultatloS  au$einanberjugef)en. 
S)ie  ©ommifftonen  arbeiteten  ju  biefem  &fot  mit  erster  3ln- 
firengung  an  neuen,  mit  ©erüdfjtdjjtigung  ber  gegen  tyre  früheren 
Vorläge  erhobenen  ßmwänbe,  jufarnmengefMten  Serid&ten,  beren 
3a^l  fid&  julefct  auf  fünf  belief.  S)ie  Oefterreid^tfd^e  Regierung 
beftbnmte  am  @nbe  ben  15.  gjtai  für  ben  förmlichen  ©d&tufc  ber 
fionferenjen.  Qn  einer  uor^er  am  2.  gehaltenen  SSerfammlung 
würben  bie  ©efanbten  aufgefordert,  banttßrflärungen  ber  Regierungen 
über  bie  in  ben  JBerid&ten  enthaltenen  Anträge  abjugeben.  ®er 
Äaiferlidjje  ©efanbte  machte  babei  auf  bie  Rot&wenbtgfeit  aufmerffam, 
wenigfiettö  biejenigen  arbeiten,  bie  ju  einer  Vereinbarung  geeignet 
erfd&ienen,  ju  einem  balbigen  Slbfdfjlujj  ju  bringen,  l)ob  bann  ^eroor, 
ba&  bie  arbeiten  {ebenfalls  fein  fo  untrennbares  ®anje$  bilbeten,  ba§ 
ttid&t  fd&on  jefet  bie  ©runbjüge  genehmigt  werben  fönnten,  unb  fügte 
bie  Hoffnung  ttfnju,  ba$  bie  Regierungen  SlDeS  aufbieten  mürben, 
um  nicfct  ju  bem  traurigen  ©eftänbntffe  genötigt  $u  werben,  bafe 
ine  Vertreter  fämmiltd&er  ©eutfdfjer  Regierungen  na^e   an  fünf 


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zedby  G00gk 


550 

aWonate  Bereinigt  geroefen  feien,  otme  ju  einem  baS  SBo^I  beS 
SJaterlanb«  förbernben  83efd)luffe  gelangen  ju  fönnen.  allein  e3 
mar  bodj  ber  SBerfammlung  befiimmt,  3>eutfdfjlanb  unb  ber  SBelt  ein 
fold&e«  ©djaufpiel  ju  geben,  wenn  man  e«  ntd^t  at«  ein  fe^r  midfjtige«, 
wenn  gletdj)  nur  negatioe«  Sftefultat  anfe&en  will,  bafc  Defterreidfj 
feine  Svot&t  nid&t  erreicht  f)at.  2lm  15.  3Hai,  bem  Sage  ber  legten 
©ifcung,  mar  ber  ©efanbte  ber  3lieberlanbe  für  Sujemburg  unb  ßtm* 
bürg  oljne  Qnftruction  unb  batyer  gar  triebt  im  ©tanbe,  eine  @r* 
flärung  abjugeben.  ©djon  baburdjj  märe  ein  Stefultat,  xotnn  eS 
aud&  fonft  ijätte  erreicht  merben  fönnen,  unmöglich  gemorben,  ba  e3 
einer  freien  SSereinbarung  fämmtlidfjer  ^Regierungen  beburfte.  Um 
bie  gorm  ju  magren,  mürbe  juerfl  SRorgenS  10  W)x  eine  jmar 
formelle,  aber  uertraulidtje  6i|ung  gehalten  unb  in  berjelben  über 
alle  einjelnen  (Srflärungen  ein  Sßrotofoll  aufgenommen.  S)ann  traten 
um  l  Vtyv  ber  Defterrei<$ifd)e  ©efanbte,  gürft  ©dfjmarjenberg,  unb 
ber  Sßreufjifd&e,  grei&err  von  SRanteuffet,  jufammen  unb  uerabrebeten 
ein  SProtofod  für  eine  feierltdfje  ©dE)lu&fi|ung.  S)iefe  fanb  9tad&* 
mittag«  4  Uljr  ftatt.  2)0«  SßrotofoU  berfelben  befagt  in  feinem 
wefentlid&en  Steile; 

„SRadjjbem  bur<§  allfeitige  23ef<$tdfung  ber  SunbeSuerfammlung 
jefet  ein  allgemein  anerfannteS  Organ  ber  oerbünbeten  Steutfd&en 
Staaten  in  SBirffamfett  getreten  unb  bie  S^ätigfeit  ber  Sommiffionen 
ber  ßonferenj  burdfj  Vorlegung  i^rer  Serid&te  abgefd&loffen,  audfj  nad& 
2lu3mei$  be«  Sßrotofoltö  00m  heutigen  £age  bie  Ueberjeugung  ge* 
monnen  ift,  bafc  fämmttid&e  33unbe3ftaaten  in  ben  2lu«ganga*  unb 
Sielpunften  i^rer  Seftrebungen  übereinftimmen,  jebodf)  eine  fofortige 
unbebingte  3uftimmung  fämmtlid&er  8unbe«regierungen  nidjjt  ju  allen 
einzelnen  fünften  ber  @ommiffionft>orfd(jläge  erteilt  merben  fonnte, 
wirb  e«  für  angemeffen  erachtet,  bie  ©jungen  ber  Gonferenjen  ju 
fd&iiefeen." 

„2)abei  erflären  alle  ©unbeSregierungen,  im  allgemeinen  mit 
benjemgen  ©eftdfjtöpunften  eiwerftanben  ju  fein,  meld&e  bie  Som* 
miffionen  bei  ü)ren  Anträgen  geleitet  l)aben,  unb  t>erpfft<$ten  fidf),  bie 
SBerat^ungen  auf  ©runblage  be£  in  ben  ^iefigen  ©onferenjen 
gewonnenen  3Ratertal$  ungefäumt  in  ber  SunbeSoerfammlung  fort* 
jufefcen." 

„Qnäbefonbere  erfennen  biefelben  in  ben  Anträgen  ber  erjien 
Gommiffton,  betreffenb  bie  33ef<$leunigung  beS  ®efd&äft8gangeS  bei 
ber  SunbeSoerfammlung  unb  bie  fiete  Sereitljaltung  einer  ju  beren 


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zedby  G00gk 


551 

SSerfiigung  ju  fteüenbctt  Sruppenmad&t  bie  Sefriebigung  eines  augert* 
bildlichen  unb  bi£  ju  ber  unoerjügttc!)  oorjuneljmenben  Sfteoifton 
bcr  ®efd()äft$orbnung  unb  ber  $unbe$-'9Jttlitatroerfaffung  bringenben 
SebürfniffeS." 

„@ie  oerpflid^ten  fiel)  bal)er,  tyre  2Hmbe3tag£gcfanbten  anju* 
weifen,  fobalb  biefe  Anträge  in  gefdfjäfteorbnungSmäßigem  SBege  ber 
8unbe$t>erfammlung  jur  ©efd&lußfajfung  vorgelegt  werben,  benfelben 
unbebingt  beijuftimmen." 

SSuf  bie  ©ifcung  folgte  unmittelbar  ein  ©df)tuf$biner  beim  Äönig, 
unb  ba$  war  ba3  6nbe  ber  SreSbener  Gonferenjen. 

Qnjwifd&en  war  ber  33unbe3tag  in  granffurt  von  allen  9te* 
gierungen  wirKidfj  befd&idtt  worben.  3)ie  vier  freien  ©täbte  waren 
übereinjiimmenb  ber  2lnftc!)t,  baß  ein  neuer  £urnu$  in  tfjrer 
©timmfüljrung  beginnen  muffe,  biefe  alfo  für  ben  Sauf  beS  3al>re$ 
Sfibedt  jufomme.  Unb  ba  fonnte  e$  feine  grage  fein,  baß  jur 
gä^rung  ber  Stimme  vorjugSweife  eben  berfetbe  9Rann  geeignet 
war,  ber  bie  2)re3bener  23ert)anblungen  unb  jugleid^  bie  babei  ver* 
fammelt  gewefenen  ^5er f öti l id^f eiten  am  beflen  fannte.  Stodfj  würbe 
ba&  t)on  ben  Slbgeorbneten  ber  übrigen  ©täbte  auäbrüdlidj  gewünf^t. 
©o  würbe  benn  SBreljmer  23unbe«tag3gefanbter.  2lm  10.  3Jlai  trat 
er  in  bie  SSerfammlung  ein  otjne  irgenb  eine  anbere  görmlidtfeit, 
als  bie  auä)  früher  immer  beobachtete.  SRtd&tS  tarn  vor,  was  an 
bie  lange  Unterbrechung  ber  93uube£tag$fifcungen  unb  an  bie  großen 
feit  bem  12.  Quli  1848  vorgegangenen  @reigniffe  erinnerte.  Qn 
gleicher  SBeife  trat  mit  tym  ber  naffauiföe  ©efanbte  ein  unb 
würben  SMmad&ten  für  bie  ®efanbten  von  Sieuß  unb  granffurt 
vorgelegt.  S)er  $reußifd()e  ©efanbte  gab  nad)  feinem  eintritt  am 
14.  9Jtat  in  ber  folgenben  ©ifcung,  am  30.  9Rai,  bie  ©rflärung  ju 
^rotofoD,  baß  fein  einfacher  eintritt  nid^t  eine  Slnerfennung  ber 
bi£  ba^in  von  ber  SBerfammlung  gefaßten  Sefd&tüffe  enthalte.  S)er 
Defterretdjjifdfie  Sßraefibialgefanbte  erwieberte,  er  fjabe  gegen  biefe  Sluf* 
faffung  nidfjtö  einjuwenben,  bie  ^rineipienfrage  bleibe  babei  un* 
ertebigt. 

JBreljmer  reifte  nodj  einmal  naty  3)reSben,  um  bort  bem  SBunfdje 
be«  ©enatö  gemäß  in  ber  ©dtfußfifcung  bie  Sübecfifdfje  erflärung 
perfönltdf)  abjugeben.  S)ann  ging  er  wieber  nad)  granffurt  jurücf, 
wo  aud&  ber  Sfirgermeifter  ©mibt  von  Bremen  unb  ©gnbicuä  83anfö 
von  Hamburg  einen  großen  2$eil  beS  QalpeS  f)utburd&  anwefenb 

36 


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552 

waren,  fo  bafc  bie  freien  ©täbte  leidet  ©elegen^eit  Ratten,  fidj  über 
ba«  uon  ifjnen  einjufd&lagenbe  SSerfatjren  ju  üerftänbigen. 

(Sine  erljebltdje  Arbeit  erwud&S  für  Ujn  balb  baburdf),  bafc  er  in 
ben  glottenauSfd&ufc  gewählt  würbe,  ber  barüber  beraten  follte,  ob 
bie  t)on  ber  9ktionaloerfammlung  gefdljaffene  S)eutf^e  gtotte  auf- 
julöfen  ober  beizubehalten,  unb  in  teuerem  gatte  in  weld&er  2Seife 
pe  ju  ermatten  fei.  ©ie  beftanb  bamals  aus  2  ©egelfregatten, 
3  2)ampffregatten,  6  Stampfcoroetten,  27  Äanonenböten,  l  £ranS* 
portfd(nff.  3ltUn  tym  beftanb  bie  ßommiffion  aus  ben  ©efanbten 
üon  Dejlerretdf),  Sßreu&en,  Sapern  unb  &annot)er.  SHe  beiben  erfteren 
waren  oon  oowe  herein  für  bie  Auflöfung  ber  glotte,  ^annooer 
unb  bie  freien  ©täbte  für  bie  (Spaltung,  SBapem  fd&wanfte  anfangt 
entfd&ieb  ft$  aber  bann  ebenfalls  für  bie  (SrljattMng.  Defterreid) 
unb  Sßreu&en  waren  atfo  in'  bem  AuSfd&ufe  in  ber  SDUnorität  gegen 
bie  brei  anbern  Stimmen,  ju  einem  einftimmigen  SBefd&tuffe  fonnte 
eS  niemals  fommen.  Sßreufeifd&er  ©efanbter  mar  feit  bem  27.  Sluguft 
ber  @el).  SegationSratjj  t>on  33iSmardt*©d(jönl)aufen.  2)aS  Referat 
tyatte  anfangs  ber  £anntwerfd&e  ©efanbte,  §err  oon  ©d&ete,  bann, 
als  biefer  nadfj  ipannooer  jurüdtberufen  mürbe,  um  bort  an  bie 
©pifee  beS  2JttnifteriumS  ju  treten,  mürbe  eS  Sre^mer  übertragen. 
®r  §at  oiele  SJtütie  unb  oiele  Arbeit  baoon  gehabt  unb  bo<^  eS  nid&t 
fjinbern  fönnen,  bafe  baS  mit  fo  trielem  ©tfer  unb  unter  fo  frönen 
Hoffnungen  begonnene  SBerf  jerftört  mürbe.  3war  würbe  ber  AuS* 
fd&ufj  auf  einen  oon  feiner  Majorität  gefteHten  Antrag  bur$  S3e- 
fd&lufe  ber  SunbeSoerfammlung  oom  6.  ©eptember  ermäd^tigt,  brei 
©ad&oerftänbige  IjinjujujteOen  unb  uon  tljnen  ein  ©utad&ten  über 
bie  ©röfee  unb  AuSbeljnung  ber  glotte,  über  iljre  innere  @inrt<§tung 
fo  mie  über  bie  Äoften  ber  erften  Anfd&affung  unb  ber  fünftigen 
Unterhaltung  ausarbeiten  ju  laffen.  2llS  nun  aber  bieS  ©utadfjten 
oorlag  unb  ber  AuSfd&ufe  auf  ©runb  beffelben  weiter  beantragte, 
eine  2)eutf$e  93unbeSflotte  befte^enb  aus  brei  Abteilungen  ju 
bilben,  einer  Defterreidfjifdfjen  im  AbrtatifdEjen  3)teer,  einer  Sßreufjifdjjen 
in  ber  Dftfee  unb  einer  von  ben  übrigen  Staaten  ju  unterljaltenben 
SRorbfeeflotte,  erwies  ber  $tan  fi<$  als  unausführbar  unb  mufete 
aufgegeben  werben,  auü)  liefe  ftd)  fein  anberer  an  bie  ©teile  fefcen. 
©erabe  in  ben  beiben  legten  ©jungen  beS  3al)reS  entfd&teb  fiel)  bieS 
©dfjidfal  ber  glotte. 

(Sine  anbere  Arbeit  erwud&a  für  SJreljmer  in  gotge  ber  ®re$* 
bener  ßonferenjen.  Am  8.  Quli  legte  ber  Sßraeftbiatgefanbte  bie  in 


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563 

Bresben  von  ben  verriebenen  ©ommifftonen  erflatteten  95erid^te 
unb  gestellten  Slnträge  vor.  9hir  ©in  ©egenftanb  war  fo  weit  vor* 
bereitet,  baß  er  jur  23efdf)lußfaffung  reif  war  unb  fogteid^  jum  33e* 
fd)tuß  erhöben  werben  f  onnte,  baß  nämltdf)  jebe  Regierung  verpflichtet 
fein  folle,  jwei  pnftel  iJ>reö  SonttngentS  in  foldfjer  Sereitfd&aft  ju 
galten,  baß  es  ad^t  Sage  nadf)  erhaltener  Slufforberung  jur  SSoff* 
jiefjung  eines  SunbeSbefd&luffeS  auSrüden  fönne.  SBtlle  übrigen 
©egenftänbe  mußten  erft  nodf)  einmal  bearbeitet  werben,  unb  baju 
würben  brei  neue  SluSfdljüffe  niebergefefct,  ein  potttifdfjer,  ein  IjanbelS* 
Politiker  unb  einer  für  baS  oberfte  2)unbeSgertdf)t.  $n  ben  legten 
würbe  Sretjmer  als  Stellvertreter  gewählt,  in  ben  IjanbclSpolitifd&en 
als  2Ritglieb  unb  von  bem  2luSfd>uß  fetbft  juerft  jum  Referenten, 
gn  fold&er  ©igenfdljaft  t)ielt  er  am  9.  3luguft  einen  Vortrag.  @S 
fjanbelte  ftd^  babei  feineSwegS*  um  eine  3oHein^eit,  nur  utn  eine 
Üebereinfuuft  jwifd&cn  ben  3)eutfd)en  SunbeSfiaaten  jur  ^Beförderung 
beS  JpanbelS  unb  23erfet)rS.  3?n  35reSben  war  juerft  ein  von  ©adfj* 
verftänbigen  ausgearbeiteter  @ntwurf  ju  einer  folgen  Üebereinfunft 
vorgelegt  worben,  bann  ein  nad)  ben  ©rflärungen  ber  Regierungen 
barüber  revibirter  Entwurf,  ^efct  ging  bie  anficht  beS  9luSfcf)uffeS 
ba^in,  baß  biefer  revtbirte  ©ntwurf  einer  ©uperrevifion  burdj  eben 
biefelben  ©ad&verflänbigen  ju  unterjiefjen  fei,  von  welken  ber  ©nt* 
wurf  ausgearbeitet  worben.  S)aS  würbe  genehmigt,  ift  au<§  gefd&etjen, 
aber  einen  ©rfolg  tjaben  audfj  alle  biefe  arbeiten  nid&t  gehabt.  SKtS 
am  20.  $)ecembcr  barüber  abgeftimmt  werben  fottte,  gingen  bie  @r* 
flärungen  fo  weit  auS  einanber,  baß  eine  ©inigung  unmöglidf)  war. 
2>er  3)eutfd;e  33unb  fonnte  eben  RidjtS  ju  ©tanbe  bringen.  Preußen 
allein  war  injwifdjen  in  aller  ©tiUe  in  biefer  Sejteljung  mit  befferem 
(Srfotg  ju  SBerfe  gegangen.  2lm  7.  September  würbe  ber  fdjon 
an  unb  für  ftdE)  unb  nodf)  meljr  feiner  bamals  fogletdf)  vorauSju* 
fet>enben  folgen  wegen  wichtige  Vertrag  unterjcidjnet,  burdjj  welken 
fid)  Hannover  an  ben  QoUwctin  anf<i)toß. 

3luS  ber  legten  3^it  ber  granffurter  5ßeriobe  barf  ein  Vorfall 
nidEjt  unerwähnt  bleiben,  ber  bie  perfönti^e  Stellung,  welche  $ret)met 
unter  ben  ©efanbten  genoß,  in  ein  IjeHeS  Sidfjt  fteHt.  S)abei  muß 
fteütdf),  ba  bie  ^rotofoHe  RidjtS  barüber  enthalten,  fein  eigener 
Serid&t  angeführt  werben,  aber  Qeber,  audf)  wer  33rel)mer  perfön* 
lidE)  nidjjt  gefannt  f>at,  wirb  jugeben,  baß  ber  SJeridjt  bas  ©e* 
präge  vottfommener  2Bat)rl)aftigfeit  an  ftdjj  trägt 

36* 


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554 

3)ie  33unbe«t>erfammfong  ^atte  bie  9totl)menbigfeit  erfannt,  eine 
ßetoiffe  SBeröffcnttid^ung  tyrer  93erf>anblungen  unb  S3cfd^lüffe  in 
näfjer  bestimmter  SBeife  eintreten  ju  laffen,  unb  baju  am  7.  9io* 
aember  einen  au«  fünf  ©efanbten  befte^enben  3lu«fd&u6  gewählt  unb 
mit  einer  Qnftruction  üerfe^en.  ©el)r  balb  aber  naljm  ber  ^Pteufeifc^e 
©efanbte  an  einer  SBeröffentUd&ung  über  ben  (Sntwurf  eine«  §anbel«< 
übereinfommen«  in  ber  ^frankfurter  Dberpoflamt«jeitung  2lnfio6, 
weil  fie  eine  perföntid&e  gärbung  trage  unb  weil  barin  auf  bie  3eit 
vox  bem  7.  SRooember  unb  felbft  auf  bie  3)re«bener  ßonferenjen  ju* 
rüdgegangen  fei.  6r  ^atte  einen  SIbbrud  be«  2lrtifel«  vox  2Iu«gabe 
be«  SHatte«  gefefien  unb  bie  SBeglaffung  ber  ganjen  Veröffentlichung 
verlangt.  S)er  Slbbrudt  war  bennodfj  gefdje^en  unb  in  bie  folgenbe 
•Kummer  be«  blatte«  ein  bie  2lutljenticität  jener  Veröffentlichung 
anfedjtenber  Slrtifel  etngerüdt.  darüber  mar  fdjon  ein  SSortwedfjfel 
jwifdfjen  bem  Defierreidfjifd&en  uub  bem  Sßreu&ifd&en  ©efanbten  bei 
einem  jufäfligen  3uTcimtneritrcffeTt  entftanben  unb  bie  ©adfje  fam 
bann  aud&  in  ber  Sunbe«üerfammlung  jur  ©prad&e.  35er  Sßreufeifdfje 
©efanbte  wollte  eine  ©rflärung  in«  SßrotofoU  niebertegen.  ,,@«  ent* 
fianb  —  berietet  23ref>mer  —  eine  ber  allerunerquidlid&ften  2)i«* 
cuffionen,  bie  tneDeid&t  jemat«  ftattgefunben  §aben.  9to<$bem  fie  faft 
anbert^alb  ©tunben  gebauert  fjatte,  bie  Stimmung  immer  gereister 
geworben,  audfj  ber  Sßreufnfdje  ©efanbte  bereit«  twn  bem  2ßürtem* 
bergigen  gefragt  war,  wa«  er  mit  ben  von  iljm  feiner  Regierung 
aorbeljaltenen  (Sntfdfjliefeungen  gemeint  fyabt,  bie  gerabe  wie  S)rol)ungen 
ju  betrauten  feien,  wollte  ber  ©raf  £ljun  jur  2lbftimmung  barüber 
fdfjreiten,  ob  ber  2lu«fd()u&  feine  Vollmalt  überfd&ritten  §abe.  igcfct 
erbat  t$  mir  ba«  2Bort  unb  mahnte  in  einer  mit  SBärme  vox* 
getragenen  Stnfpradje  jur  eintragt  im  Qnnern  ber  Vunbe«t>erfamm* 
lung.  3$  ßing  babei  ba«  Verfahren  be«  2lu«fd()uf}e«  burdj)  unb 
jetgte,  bafc,  wenn  idj)  gteidf)  felbft  bie  Arbeit  mefjr  im  ©inne  be« 
5ßreufnfdfjen  ©efanbten  gemalt  fyaben  mürbe,  bodE)  ben  SluSfd&ufe 
wegen  feiner  Arbeit,  bie  in  gutem  ©lauben  gemadfjt  fei,  fein  Vor* 
wurf  treffen  fönne,  bafc  au<$  eine  perfönlidfje  garbung  in  ber  Ver* 
öffentlidfjung  nic^t  gefunben  werben  fönne,  oietme^r  bie  ganje  $ar* 
fieHung  faft  wörtlid^  bem  3tu«f(ijuf3beridE)te  entnommen  fei,  ber  feine«* 
weg«  eine  perfönlidfje  Slnfid&t  enthalten  fjabe,  fonbern  bie  SKrbeit 
eine«  2lu«fd&uffe«  twn  fteben  SDlitgliebem  gewefen  fei,  unter  benen 
ftd&  fowoljl  ber  Defterreidjjifd&e  al«  ber  Sßreu&ifd&e  ©efanbte  befunben 
ijabe.  SHe  weitere  ©rörterung  be«  ©egenftanbe«  fönne  nur  $u  einer 


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555 

weiteren  Aufregung  ber  ©emittier  führen,  bie  bem  33atertanbe  ftd&er 

itid)t  ^eilfam  fei.    @«  fei  beider  am  beflen,  ben  ©egenftanb  auf  fid& 

berufen  ju  laffett.     S)iefe  9lnfpradE»e    blieb  ntd&t  otjne  ©inbrudf. 

9Re^tere  ©efanbte,  namentlidf)  bie  -von  Sujemburg  unb  Dlbenburg 

traten  mir  bei.    ®er  ©raf  Sfjun  &ielt  inbeffen  bafür,  bafe  bie  Sun* 

be«üerfammlung,  wenn  bie  Jßreufnfd&e  ©rftärung  in  ba«  5protofolI 

niebergelegt  werbe,  ftdf)  über  ba«  SSerfa^ren  be«  2lu«fcl)uffe«  werbe 

au^fpred&en  muffen.    Stadlern  §err  oon  SiSmard  bemerft  tjatte, 

bafe  er  pon  feiner  ^Regierung  auf  tetegrapl)ifd&em  Sffiege  ju  feiner 

grflärung  ermädljtigt  feir  fpradE)  §err  von  -Woftij  (©ädEjfifd&er  ©e* 

fanbter)  fid&  ba^in  au&,  bajj  ber  2lu3fd)uj3  bereit«  baburdj,  bafe  er 

t)on  bem  geftrigen  3eitung«artifet  feine  9Jottj  genommen  f>abe,  feine 

Neigung  gur  gütltdfjen  (Srlebigung  bargelegt  i)abtf  §err  von  3Rar* 

fd^aH  (SBabifdier  ©efanbter)  bemerfte,  bafe  ber  SfaSfäufe  bod^  für 

fein  fünftige«  33erfat)ren  eine  SRorm  tjaben  muffe.    SRad&bem  nodf) 

einige  anbere  ©efanbte  gerebet  Ratten  unb  e«  ben  Slnfdjein  gewann, 

at«  foDte  bie  SDt«cuffion  t>on  feuern  beginnen,  na^m  id)  nodf)  ein* 

mal  ba«  SEBort  unb  forberte  ben  ^ßreufeifd^en  ©efanbten  birect  auf, 

batjtn  angewanbt  ju  fein,  bafe  au<$  bie  (Srflärung  feiner  Regierung 

jurücfgejogen  werbe,  in  welkem  gaDe  bann-Kid&t«  in  ba«  SßrotofoH 

aufgenommen  werbe  unb  ber  SHuSfd&ufe  fiel)  bie  in  ber  33unbe«t>er* 

fammlung   twrgefommenen  3Büufdf)e  nadf)   genauerer  Angabe  ber 

Duellen,  au«  welchen  bie  2lu«}üge  genommen  feien,  werbe  jur  SRtdjjt* 

fdjnur  bienen  taffen  fönnen,  im  Uebrigen  aber  für  ifjn  feine  UrfadEje 

jur  Slenberung  feiner  2lrt  ju  arbeiten  oorliegen  werbe.    %ä)  wie« 

jugleidfr  barauf  l)in,  bafe,  in  fo  weit  bie  $reufnftf)en  5lu«fteDungen 

bat)in  gerietet  fein  foHten,  eine  SHenberung  be«  33unbe«befdf)luffe« 

über  bie   SBeröffentlidjung  fyerbeijufüfjren ,  bie«   bie  SJerantaffung 

werben  fönne,  audf)  Slenberungen  in  bem  Sinne  einer  genaueren 

unb  umfaffenberen  SSeröffentlid^ung  ju  beantragen,  @nblid()  üerftanb 

iperr  von  8i«mardf  fid)  baju,  feine  Srflärung  für  Ijeute  surücfju* 

nehmen  unb  erft  bei  feiner  ^Regierung  weitere  ^uftruetionen  einju* 

fjolen.   £offentlid&  ift  bamit  biefer  Äeim  ber  geinbfeligfeit  unter  ben 

üKitgliebem  be«  3hmbe«tag«  befeitigt  worben." 

3n  berfelben  ©itjung,  am  20.  $)ecember,  fam  audf)  bie  oben 
erwähnte  Stbfiimmung  über  ba«  §anbel«übereinfommen  vor.  S)ann 
folgte  nodf)  ein  Vortrag  be«  £affenau«fd£>uffe«  über  bie  Sebürfniffe 
ber  SWarine,  au«  welkem  ftdf)  ergab,  bafc  fdfjon  für  ben  nädftften 
SRonat  bie  SWittel  fehlten,  um   bie  notywenbtgen  $al)tungen  ju 


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556 

beftreiten.  Sitte  2tnjaf)(  von  Regierungen  war  mit  ifjrcn  SRatrtcutar* 
beitragen  in  Rüdfftanb,  au«  t>erfdf)iebenen  ©rünben,  unter  anbem 
Preußen,  weil  e«  bie  SSerbinbtid&feit  eine«  33unbe«befd£)tuffe«  üom 
8.  Quti  be«  Satire«  1851  befirttt,  anbere  Regierungen  eben  be«* 
tyatb,  weit  $ßreuf$en  nid&t  gejault  t^atte ,  o^ne  übrigen«  ^reufeen« 
3RotiD  ju  billigen,  £a«  führte  nodjmat«  ju  äufeerft  unerquidfüd&en 
5Dt«cufftonen.  „3Die  ÄlägUd&feit  ber  SDeutfdEjen  ßuftänbe  —  bewerft* 
öre^tner  am  Scfyluffe  feinet  33erid^te^  —  fann  nid&t  beutlid&er  bar* 
gelegt  werben,  al«  biefe  Sifcung  e«  getfjan  tiat.  2Säre  &effen*£om* 
bürg  an  Sßreu6en«  Stelle  gewefen,  fo  würbe  fieser  fofort  bie  23unbe«* 
ejeeution  befdjtoffen  fein,  So  aber  warb  t>on  leiner  Seite  gewagt, 
ben  33orfdf)lag  ju  mad&en,  bajj  bie  Sacfye  nadf)  S3orfdf)rift  ber  23unbe«* 
wrfaffung  jur  (Sriebigung  gebraut  werbe,  dagegen  fehlte  e«  ntd&t 
an  Steuerungen,  welche  auf  ein  3e^^^^  be3  ©unbe«  $inwiefett, 
wenn  bie  $Bunbe«befd&lüffe  von  einzelnen  Staaten  unbefolgt  getaffen 
würben." 

33ref)mer«  Stufentfjatt  in  granffurt  würbe  jweimat  unterbrod&en. 
(Sinmal,  in  ber  jweiten  Jpätfte  be«  Dctober,  reifte  er  auf  ben  SBunfd) 
be«  Senat«  nad)  Sübedf,  um  an  ben  arbeiten  über  bie  SJertljcilung 
ber  ©efd&äfte  be«  Senat«  für  ba«  3;a^r  1852  tljeifjuneljmen.  $ann 
war  er  in  ber  erften  Jßälfte  be«  2>eccmber  in  §annooer,  um  einer 
ßonferenj  jur  Seratyung  über  bie  Gattung  ber  glotte  beijuwofjnen 
unb  jugleidf)  ben  Äönig  ©eorg  V.,  ber  eben  feine  Regierung  ange* 
treten  §atte,  im  auftrage  be«  Senat«  perfönlidf)  ju  beglüdwünfdfjen. 
Sei  ber  Rüdfreife  t>on  granffurt  tyatte  er  normal«  in  $annot>er 
eine  ©onferenj  mit  bem  ©eneralfecretatr  Rieper  jur  görberung  ber 
©ifenba^noerbinbnng  mit  Süneburg  unb  traf,  erfctyöpft  burdf)  ange* 
fitengte  unb  bod&  burdfjau«  erfolglofe  Arbeit,  am  n.  Januar  1852 
wieber  in  Sübedf  ein. 

®iefe  Rüdffetjr  bilbet  in  Sreljmer«  fieben  ben  2lbfd(jnitt  einer 
Sßeriobe,  berjenigen,  in  welker  e«  trielfad)  feine  Stufgabe  gewefen 
war,  für  fiübedf  in  auswärtigen  Senbungen  t^ätig  ju  fein  unb 
£übedfif<$e  Sntereffen  nadf)  aufeen  (jin  ju  üertreten  unb  ju  wahren. 
Rur  bie  lefcte  Senbung  unb  namentlich  ber  lefcte  £ljeil  berfelben, 
ber  Stufentyalt  in  granffurt,  war  of)ne  befttmmte«  Refultat  geblieben. 
Stuf  ba«,  wa«  er  früher,  fowoljl  1841  in  Berlin  bei  ben  Sterljanb* 
lungen  über  bie  ^Berlin  Hamburger  Eifenbafyn,  al«  audf)  1843  in 
2)re«ben  al«  9Kttglieb  ber  (Slbfd)iffatyrt«*eommtffton  erreid)t  tyme, 
lonnte  er  mit  Stefriebigung  jurüdblicfen.    Unb  auef)  bei  bem  jwei* 


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557 

metigen  früheren  Aufenthalte  tn  $ranffurt,  1838  unb  1848,  fjatte 
er  au£gertd)tet  unb  erreicht,  ma£  ben  Umftänben  nadj  möglid)  war. 
@r  felbft  aber  braute  uon  bem  Seben  in  einem  größeren  Ärcife  unb 
in  größeren  SSer^ältniffcn  bie  beftimmte  Anfidf)t  jurüd,  baß  beS 
VatertanbeS  ©intjett  unb  Äraft  eine  ©rmibbebingung  für  ba3  §eil 
ber  eitjetnen  Staaten  fei,  unb  wie  e£  in  feiner  SRatur  lag,  ba£, 
Tuaö  iljm  ju  einer  entfdjiebenen  Ucberjeugung  geworben  war,  audfj 
mit  Sßärme  ju  ergreifen,  fo  erfüllte  üjn  beftänbig  eine  aufrtd&tige 
unb  innige  AnfjcingUcijfcit  an  ba£  Vaterlanb.  @r  f>at  S)ieS  bei 
mannen  ©elegenljeiten  au3gefprod&en. 

2)ie  Verljältntffe  fügten  ftdE)  fo,  baß  eine  Verantaffung,  tym 
eine  ©enbuug  nadf)  außen  ju  übertragen,  abgefe^en  von  einjelnen 
fürjeren  Sftcrjen,  bie  er  als  6ifenbaf)n*6ommiffar  machte,  fid^  nidjt 
mieber  ergab,  ©eine  Styätigfeit  blieb  fortan  auSfdjlteßtid)  innern  An* 
gelegensten  gemibmet.  ©d&on  für  ba£  Qaljr  1852  mar  il)m  bei  ber 
Verkeilung  ber  Slemter  im  Senate  einer  ber  mtdf)tigften  unb  fdjroierigften 
Stbetle  jeber  fiäbti^d;cn  Verwaltung,  bie  Seitung  be£  VaumefenS,  über* 
tragen  unb  in  bie£  ©efd&äft  trat  er  fogleidf)  uad&  feiner  Anfunft  ein.  @r 
mar  bem  gad&e  nid)t  fremb,  ba  er  f$on  früher  mehrere  Qa^re  ber 
33aubef)örbe  angehört,  audf)  ben  Vorftfc  in  if)r  geführt  l)atte. 
Stauer  mar  er  mit  ben  Vauten  befannt,  metdfje  in  golge  ber  Anlage 
ber  ©ifenbaljn  au£gefül)rt  merben  mußten  unb  oon  ber  ©ifenbaljn* 
gefellfd)aft  gegen  eine  t>om  Staate  ju  jaljtenbe  Auerftonatfumme 
übernommen  maren.  Audfj  t)atte  er  t>on  ben  planen  Äenntniß, 
meldte  für  bie  ßorrection  ber  Sraüe  entworfen  unb  burdf)  9iatt)* 
unb  Vürgerfd&tuß  oom  18.  April  1849  genehmigt  maren.  ^rotd 
berfelben  mar,  eine  Sffiaffertiefe  fjerjitfteHen,  meldte  e£  allen  nadf) 
Sübedf  gefjenben  5Dampffd^iffen  mögtidf)  machte,  bie  ©tabt  felbft  ju 
erreichen,  roäfjrenb  mand&e  früher  nur  btö  Straoemünbe  Ratten 
fommen  fönnen,  unb  roeldfje  allen  Segelfd&iffen  bie  9Köglid^feit 
gemährte,  in  Sraüemünbe  einjulaufcn,  ofjne,  mte  e£  bt£  bal)in  oft 
notfjmenbig  mar,  t»orl)er  einen  2^eil  ifjrer  Sabung  in  Seid^tcrfa^r^ 
jeuge  umjulaben.  ferner  mar  e£  3medt,  eine  Sanbfpifce  ju  befeitigen, 
bie  ben  jmifdjcn  SübecE  unb  SCraoemünbe  geljenben  ©djiffen  ju  großer 
VefdEjmerbe  gereifte  unb  if)nen  bei  heftigen  äBinben  fogar  gefäljrlidf) 
merben  fonntc.  5)ie  Vertiefung  unb  Verbreitung  be£  StabtgrabenS, 
um  für  eine  größere  Anjatjl  wm  Skiffen  im  §afcn  Staum  ju 
geminnen,  gehörte  ju  ben  oben  (©.  541)  ftfjon  angegebenen  oon 


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558 

bet  (Rfenbabngefellfdjaft  übernommenen  Stauten.  $He  fämmtttdjm 
arbeiten  mürben,  fobalb  bie  erforbertid&en  äflittel  tyrbeifleföajft 
waren,  mit  ©ifer  in  Singriff  genommen;  bie  ßeitung  ober  UeSer* 
wad&ung  ber  2lu$ftibrung  berfelben  bitbete  in  ben  nädjften  %af)ttn 
einen  ^auptfäd^ti^en  ©egenftanb  ber  S^ätigfeit  ber  Stoubepwatton. 
SHe  £raoencorrection  mar  1854  beenbigt,  bie  SifenbabngefeUfdjaf* 
fonnte  im  3uni  1855  anjetgen,  baß  bie  non  tfjr  übernommenen 
©taatsbauten  aoHenbet  feien,  unb  um  abnähme  berfetben  bitten. 
@S  mar  eine  3eit  rüjHgen  ©d&affenS  unb  SBirfenS. 

SKI«  bie  Aufgabe  oottenbet  mar  ober  wenigftenS  für  uoflenbet 
gehalten  würbe,  -  benn  man  fonnte  bamalS  nidjt  twrauSfeljen, 
wie  batb  bie  rafdje  ©ntwtcfelung  beS  SerfebrS  neue  garberungen 
ftellte,  —  trat  eine  anbere  bertwr,  beren  Söfung  eine  nodj  längere 
Jfteibe  t)on  ftatycn  in  Slnfprud)  genommen  fyxt. 

2Wit  bem  anfange  beS  SofyxtS  1852  mar  ber  ©efdjäftSfreiS 
ber  33aubeputatton  baburd)  bebeutenb  erweitert,  ba§  ibr  and)  ber 
SBege*  unb  Straßenbau  jugewiefen  mar,  für  melden  twrtyer  eine 
eigene  33el)örbe,  bie  2Begebau*S)eputation,  beftanben  t)attc.  9lun 
mar  jwar  ber  Straßenbau  außerhalb  ber  ©tabt  im  Söefentlidjen 
»oBenbet,  ba  man  fdjon  feit  längerer  3eit  33ebac^t  barauf  genommen 
battc,  burdj  Anlegung  guter  ßbauffeen,  fo  meit  baS  Sübecfiföe  ©e* 
biet  reifte,  bie  SSerbinbung  mit  ben  9ta<I)bartänbern  ju  beförbem; 
befio  mebr  aber  mar  für  ben  Straßenbau  innerbalb  ber  ©tabt  ju 
tbun.  ®ie  Unterbaltung  beS  ©traßenpflafterS  mar  erft  feit  1842 
©egenftanb  ber  ftaattidjen  Sermaltung,  nor^er  fyattt  jeber  §auS* 
eigentbümer  uor  feinem  Jgaufe  bis  jur  SMitte  ber  ©traße  bafür  ju 
forgen  gehabt.  S)a  bei  biefer  ßinridjtung  ber  ©njelne  ni<$t  leidet 
mebr  tfjat,  als  baS  unbebingt  9tort)wenbige,  rooju  i^tt  allenfalls  bie 
obtigfettlidje  ätaffidjt  an^lten  fonnte,  unb  ba  ©leidjmäßtgfeit  unb 
Sßtanmäßigfett  babei  unmögltd)  waren,  fam  man  enblid)  ju  bem 
(Sntfäluffe,  bie  Sßfltdjt  ber  $auSetgentf)ümer  in  eine  ©elbabgabe 
unter  bem  Flamen  ^ßflafterfteuer  ju  wrmanbeln  unb  bie  ^erftellung 
eines  gleichmäßig  ausgeführten  ptofterS  bem  Staate  ju  übertragen. 
9hm  aber  waren  bie  SRittel  nur  fpärlid)  norbanben;  überbieS  faf} 
bie  ©e^ßrbe,  um  nid^t  unoerbältnißmäßige  ©ummen  nod)  auf  9*e^ 
paraturen  gu  üerwenben,  fid&  genötigt,  and)  einige  abgelegene 
©traßen,  bie  ftd)  in  aHjufd)le<$tem  3uftanbe  befanben,  mit  neuem 
spflafter  ju  oerfeben.  @S  bauerte  baber  jiemltd)  lange,  bis  eine 
änjabl  ber  bebeutenberen  ©traßen  neues  Sßflafter  unb  bamtt  an 


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ben  Seiten  bte  twrtyer  gctajltd)  feljlenben  2Bege  für  $uj$gänger  erlieft 
Staburdfj  aber  würbe  ber  SBunfdjj,  baja  auä)  ben  übrigen  Straften 
möglidfjft  balb  biefetbe  SSerbefferung  ju  Sfjeil  werben  möge,  nur  um 
fo  lebhafter  erregt.  $er  1855  in  ber  Sürgerfdfjaft  geftetlte  Antrag, 
bafe  bie  9teupflafterung  ber  ganjen  ©tabt  oermittelft  einer  ju  biefem 
3wedfe  eigen«  aufjune^menben  Slnleifie  in  jwei  bi«  brei  ^aljren 
ooßenbet  werben  möge,  gab  ber  ©ad()e  einen  neuen  Qmpul«.  Sie 
jum  83erid^t  barüber  aufgeforberte  SBeEjörbe  erklärte  jwar  ben  Antrag, 
fo  wie  er  geftellt  war,  für  unburdfjfütyrbar,  legte  aber  einen  $lan 
cor,  nadf)  welkem  e«  mögltdfj  fein  würbe,  bei  ausführbarer  SSer^ 
meljrung  ber  ^Kittel  in  einer  abfe^baren  unb  ntdfjt  aUju  langen 
föetye  oon  ^aljren  b.  f).  bis  1880  ju  @nbe  ju  fommen.  3uglei<t) 
führte  fie  a\töf  bafc  e«  unerläftlid^  feir  mit  ber  SReupffofterung  bie 
SKnlage  eine«  twHfiänbtgen  ©ielfyfiem«  jur  Sntwäfferung  ber  ©tabt 
ju  oerbinben,  welkes  für  bte  ©efunbtyett  ber  33ewolmer,  für  bie 
©rfjaltung  ber  ©ebäube  unb  für  bie  2lnne^mli4)feit  ber  ipauSeigner 
notljmenbiger  fei,  al«  bie  £erfiettung  eine«  guten  $flafter«,  unb 
wie«  femer  auf  bie  weiter  ftdf)  barau«  ergebenbe  ßonfequenj  fjin, 
bie  9lotl)wenbtgfeit  ber  ©rridfjtung  einer  neueti  Söafferhmft,  um  bie 
ganje  ©tabt  mit  gutem  unb  gereinigtem  SBajfer  ju  oerfcfjen.  SDie 
3wedfmäftigfeit  ber  SSorfdfjläge  leuchtete  ein.  ©ie  fteßten  3ta> 
befferungen  §tn,  bie  fdfjon  lange  gewünfdjt  waren,  an  beren  2lu«* 
füljrung  man  nur  no<$  nidfjt  ernftlidf)  gebaut  l)atte.  Qnbeffen  bie  1855 
in  Setrieb  gefe|te  ©a«anfialt  erfüllte  bie  Erwartungen,  bie  man  von 
ifyc  gehegt  tyatte,  fo  fefjr  unb  war  ein  fo  angenehmer  unb  ent* 
fd&tebener  $ortfd&rttt  gegen  frühere  3uftänbe,  baft  bie  Neigung,  nod& 
weitere  SJerbefferungen  ebtjufüfjren,  baburdf)  wud()«,  wiewohl  aber* 
malige  @rl)öl)ung  ber  Sommunalfteuern  al«  notfjmenbtge  golge  oor* 
au«iufe^en  war.  gür  bie  @rrid&tung  einer  Baffertunft  lag  eine 
befonbere  ©d&wierigfeit  in  ber  2lrt,  wie  jur  3eit  bie  ©tabt  mit  Sßaffer 
t>erforgt  würbe.  Sie«  gefd&af)  nämlicf)  burdf)  mehrere,  feit  alter  Seit 
befieljenbe  *ßrfoatgefellfdf)aften,  melcfje  fid^  im  ®eft|  ber  baju  bienen* 
ben  Slnftalten  befanben.  3ted)tlid&  wäre  e«  mefleicjjt  möglid)  gewefen, 
bei  @rrtdf)tung  einer  ©taat«*2Bafferfunft  biefe  2lnftalten  ju  ignoriren, 
jumal  ba  fie  tyre  Aufgabe  in  ungenügenber  SBeife  erfüllten,  aber 
SRiemanb  backte  unter  ben  gegebenen  Umftänben  an  ein  fo  rüdEfidfjt* 
lofe«  «erfahren,  am  wenigfien  bie  SBe^örbe,  in  beren  sßlan  e«  lag, 
ba«  nodf)  brauchbare  SWaterial  ber  alten  äBafferfünfte  ju  benufcen. 
Sud)  gelang  c«,  nadf)bem  bie  33eitrag«pflid>tigfeü  fämmtltd&er  Käufer 


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560 

für  bte  neue  ©nrtdfjtung  gefe&lidf)  feflgefiellt  mar,  burdfj  Seretnbarung 
mit  ben  *priüatgefellfdf)aften  ju  erreidfjen,  baf$  fte  iljre  Söirffamfeit 
eitiftcttten  unb  if>r  gefammteS  ©gentium  beut  Staate  überliefen, 
wobei  eS  benn  ber  SiDigfeit  entfpradf),  ba§  ben  Qntereffenten  gemiffe 
SSergünftigungen  auf  eine  Steige  von  Sauren  jugeftanben  mürben. 
SlflerbingS  oerurfad&te  bie  Drbnung  biefer  3$erl)ältntffe  einige  93er* 
jögerung,  unb  ba  audE)  Ijinftdfjtlidfj  ber  ©nrid^tung  ber  SBafferfunfi 
felbft  erljeblidfje  9KetnungSt>erfd(jiebenf)eiten  oorfjer  auSjugletdfjen  waren, 
fo  bauerte  es  jiemlidf)  lange,  bis  bie  Serfyanblungcn  beenbigt  mur* 
ben  unb  man  jur  2luSfüfirung  fd&reiten  fonnte.  Slber  barauf  tann 
eS  niemals  ankommen,  menn  man  ßtmaS  fd^affen  will,  mos  für  alle 
3ufunft  bauem  fotl.  3)ie  SBafferfunfi  befielt  jefcf  unb  f)at  fidfj 
bereite  als  in  ifjrer  @mridf)tung  jmedfmä&ig  unb  in  i^ren  SBWungen 
^eilfam  bemätyrt,  bie  ©ielanlagen  unb  bie  Jleupflafterung  ber  ©tabt 
ftnb  na^esu  ooHenbet.  3)aS  SldeS  ift  gro&entjjeils  SreljmerS  93er* 
bienfi,  ntdjt  fem  alleinige^,  benn  audfj  Stnbere  Ijaben  mefentlidf)  ba* 
bei  mitgemirft;  anbererfeitS  ift  ber  ©fer,  mit  meinem  er  ftdfj  ber 
Seitung  beS  ganjen  93auroefenS  überhaupt  unb  ber  £>urd)fütjrung 
jener  mistigen  äöerfe  inSbefonbere  fjingab,  nidf)t  baS  einjige  33er* 
bienfl,  baS  er  ftdfj  in  ber,  iä)  mödfjte  fagen,  jmeiten  SJJcriobe  feiner 
öffentlichen  SBirffamfeit  erworben  $at  3)aS  republtfantfdf)e  ©emem* 
mefen  forbert  fdfjon  oon  bem  Bürger,  meljr  nodfj  oon  bem  9Ritgliebe 
b^r  oberften  9tegierungSbef)örbe  mannigfaltige,  trielfettige  £f)ätigfeit. 
Slud^  in  anbem  Stellungen  Ijat  93ref)mer  fid^  bewährt.  %lad)  bem 
£obe  beS  ©pnbicuS  von  ber  §ube  —  er  ftarb  plö^lid^  am  Sßalm* 
fonntage  1853  —  mürbe  er  beffcn  9tadfjf olger  als  Dirigent  beS 
^olijeiamteS,  unb  l)at  bieS  mit  oielen  SKüfjen  perbnnbene,  tag* 
lid>e  perfönlidje  Sljätigfeit  erforbembe  Stmt  bis  1861  mit  Umfielt 
vermaltet.  (Sbtn  fo  lange  mar  er  jugletd)  @ifenbal)n*@ommiffar. 
ßmeimal  nodf),  1861  unb  1862,  1865  unb  1806  l>at  it)n  bie  2Saf)l 
beS  ©enatS  jur  93ürgermeiflermürbe  berufen.  2lber  es  mürbe  für 
ben  Sefer  nidEjt  Qntereffe  genug  fjaben,  no$  meiter  ins  einzelne 
geführt  ju  merben;  bie  3)arfteHung  muja  fidfj  begnügen,  bie  ©umme 
ju  jie^en.  93re^mer  l)at  gemirft,  fo  lange  er  Äraft  baju  befafe,  unb 
fo  lange  er  gemirft  t)at,  ift  er,  in  früheren  unb  fpäteren  Qatyren, 
immer  berfelbe  geroefen  unb  geblieben,  ein  flarer  ©eift,  ein  energtfdfjcr 
(Stjarafter,  ein  mofjlroollenber  SDtann,  unbefangen  unb  unbefied&ltdf) 
in  feinem  Urteil  unb  üoII  treuer,  marmer  Siebe  für  feine  SBater* 
flabt.    ©ic&tiid&e  2Öma$me  ber  Äräfte  jwang  iljn  gegen  @nbe  be$ 


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561 

QafjreS  1869,  ein  ©efudj  um  ßntlaffung  au&  bem  Senate  einju* 
retten,  roeldjeä  unter  bem  5.  Januar  1870  gemährt  mürbe,  ©letdj* 
jeitig  uerlie^  ifjm  ber  ©enat  feine  golbene  @l)ren*2)ettfmünje,  meldte 
bie  fc^öne  Qnfd^rift  Bene  Merenti  trägt,  unb  fprad)  ifjm  babei  für 
bie  roäljrenb  einer  faft  merunbbrei&igjctyrtgen  Amtsführung  in  ben  t>er* 
fd)tebenften  unb  mid&tigften  3roeigen  ber  Sübccfifdjen  Staatsverwaltung 
unb  nriebertjolt  als  SSorfi&enber  beS  Senats  geübte,  burd)  gebiegene 
Äenntniffe  unb  reiche  ©rfatyrung  ausgezeichnete  Söirffamfeit  lebhafte 
SKnerfennung  unb  aufnötigen  £)anf  au«,  mit  ber  83erftd)erung,  baja 
iljm  bei  ben  ätottSgenoffen,  mie  bei  ben  übrigen  3JKtbürgern,  baS 
banfbarfte  Slnbenfen  merbe  beroaljrt  bleiben. 
SBrefjmer  ftarb  am  18.  September  1872. 


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XVII. 

StfdfHgitttg  au&  htm  3afjre  1542« 

SWitgetypilt  »on  SBilfjelm  «Mantel«. 


ic  folgenbe  TOcberfcijrift  (aus  fteetfe'S  9?ad)laf$  ftammenb)  über 
bie  Seföfttgung  eines  gelehrten  Sübeder  9)iagifter£  roetyrenb  be£ 
$af)x$  1542  liefert  ben  fdjlagenben  Seroeis,  tote  btDftg  ba£  Seben 
bamals  war,  wie  triel  man  für  einen  lübtfcfyen  ©dfjUHng,  ber  freilidf) 
ben  boppelten  ©tlberroertl)  eines  heutigen  fyitte,  täglid;  erhalten 
formte,  6ie  oeranjdfjaulidfjt  ferner  bie  9tau>ität  ber  £ebenSt>erf>ält* 
niffe  unb  gtebt  intereffante  Setträge  jtt  einem  nieberbeutfdjen  Äüdfjen* 
jettel  beS  auSgefienbcn  Mittelalter^. 

$te  ©djrtft  ift  auf  einem  Sogen  Rapier  üerjeidfjnet,  beffen  brei 
erfte  Seiten  fte  oöttig,  von  ber  üierten  bie  obere  redjte  Spalte  ein* 
nimmt,  mä^renb  auf  ber  linfen  ein  ©ebidtjt  in  latcinifd&en  $iftid()en 
fief)t.  35a  ein  3ufa§  ju  unterer  9tteberfdf)rift  auf  bem  Jamalen  Staube, 
ber  am  Sftücfen  beS  ganjen  SogenS  gelaffen  tft,  oon  oben  nadj)  unten 
oertifal  nadfjgetragen  warb,  fo  muft  baS  ©ebidjt  fd^on  auf  bem 
Sogen  geftanben  l)aben,  als  er  benufct  warb.  StcS  fdjcint  barauf 
ju  beuten,  wie  audf)  baS  eingemifdfjte  Satctn  unb  bie  gauje  gaffung, 
ba%  3Jtagifter  ^ermann  ßlcrS  felbft  ber  ©Treiber  ift.  gingang  unb 
9tadf)fd)rift  finb  burd)  größere  Sudfjftaben  J)croorgef)oben,  aud)  unter* 
ftridfjen. 

Sin  SKarftoogt  #nnS  SrunS  wirb  1540  genannt,  ein  <gan£ 
SumS  befifct  t>on  1536  bis  1551  baS  #auS  5Hr.  808  in  ber  »reiten* 
ftrafce,  fdfjräg  über  ber  ftacobtfirdje.  -Jtidfjt  mett  baoon  in  ber  Sreiten* 
ftra&e,  @cfe  ber  SJJfaffenftrafee,  9ir.  782r  mol)nt  feit  1539  ftoadfjim  ©erfen, 
©olm  beS  gleichnamigen  SürgermeifterS,  ber  als  ein  ©egner  SBullen* 
roeuerS  unb  eifriger  Äat^olif  bdannt  ift.   2)eS  jüngeren  ©erfen  g-rau, 


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563 

eine  geborene  SBarenborp,  Reifet  2lnna.  Sätrm  btefe  bie  Stfhttter  be$ 
3Jtagifter  Jpermann  6ler£  ift,  mufe  fte  oorfjer  fd^on  einmal  wrfjeiratljet 
geroefen  fein.  Stud^  9Jtagifter  Jpermann  blieb  ber  fatf)oltfdf)en  fieljre 
getreu,  benn  er  fjielt  nad(j  bem  folgenben  Speifejettel  bie  gaften  ein. 

Seranlaffung  }ur  $Wieberfdf)rift  be£  üorliegenben  Stocumentö 
mufe  eine  33efd)roerbe  über  mangelhafte  Seföfttgung  9)togifter  §ermann£ 
gegeben  Ijaben,  bie  erft  lange  nadj)  1542,  nadE)  bem  $obe  ber 
Äatfyarine  93run£,  erhoben  roarb.  SDer  ©egenoowmrf,  ba&  be$ 
9Jtogifter£  SDlutter  rtid^t  ben  oollen  Zinsertrag  feines  »äterlidfjen  @rb- 
tljeite  auf  feine  Seföftigung  geroanbt  fjabe,  wirb  üon  ftanä  33run3 
gemalt  (nri  gelben  en  jo  ni<$t),  bemwdf)  fdjjeint  nadf)  ber  2lel)nlidf)' 
fett  ber  ©dfjriftjüge  3flagifter  ^ermann  ba£  ©anje  gefd^riebeu  ju 
l)aben. 

®ie  einjelnen  ©eridfjte  werben  burdlj  einen  $unft  mit  barauf 
folgenbem  großen  Sudfjftaben  gefdfjieben,  roäfyrenb  ba£  Komma  burd; 
einen  ?5unft  mit  folgenbem  flehten  33udf)ftaben  bejeid^net  wirb. 
3)odf)  mag  mandfjeä  ber  genannten  ©emüfe  unb  3utl)aten  jum  üor* 
aufgefjenben  gleifd^  ober  gtfdf)  gehören.  3$  fjabe  im  2lbbrucf  jebem 
burd)  $unft  unb  großen  Sudjftaben  ©etrennten  eine  eigene  3eite 
gegeben.  __ 

3){agifter  ipeniummtö  @ler£  fjefft  geljat  fueldf1)  ooebent,  wo  fjtjr  na 
uolget,  bi  Kathrinen  Sruenjdfjen  ber  marcfuagefdljen  unbe  bernfteen* 
brepgerfdjjen  tiben,  binnen  Suebfe  in  ber  brebenftraten  fjarbe  bi  fuent 
«Qücobä  (be3  groten  genoemet)  farfpelferde,  anno  doinini  millesimo 
quingentesirao  quadragesimo  seeundo. 

Sroierlepe  rudfjdfjen2),  alfe  Serger  rud$en  unbe  ptjlrudfjd&en. 

SRotfdjjeer3)  mit  guber  petter  botter. 

Sdjoenroggen.4) 

SBegge. 

£amme£braben. 

©ropnSbraben  mit  ftpotten. 


*)  (Sin  über  ba«  a,  e,  o,  u  gefefcteä  e,  ber  SBredmng  ober  3)ef>nung  be*  $ta 
caltf  bteuenb,  fonnte  in  örmcmgelunfl  ber  Settern,  bem  ©ocal  um  fo  efyer  na$s 
gefegt  »erben,  aU  fid)  bie  gleidje  ©dueibung  fdjon  im  $ert  »orfanb,  $.  53.  fjeefet, 
öleefd),  breebt,  breegen  neben  Ijefet,  »lefdj,  brot,  broge  mit  e  barüber  u.  f.  n>. 

2)  Hctfcen. 

s;  gewetzter  ©torfpfd). 

*)  Q3rob  mit  brei  jtitmtfen  (Srfen.  BWB. 


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564 


Dffenbraben. 

©roengfenSrfeefd)  gebraben  unbe  gefaben. 

ipolmef  djen  la£.5) 

2Bttte  moelie6)  van  fd^oenroggen  unbe  grapenbrabetwt.7) 

©oete  mdd. 


SaeSfenbotter.8) 

®ofebraben  unbe  gefaben  goferfefd).9) 

Äabbetam10)  oarfd^  gefoeltet. 

Stoff ll)  mit  fennip  unbe  foelt. 

©efaben  !jonen>teefdf)  mit  fropttöooeten,  bigoete12)  unbe  merrebid. 

SBadfoifcIje  van  robbogen. 

(Sebaclen  Ijeefet. 

SBraffem  gebraben  unbe  gefaben. 

S)re  grote  Stigefdje  buette  gebraben. 

SJetten  foel  van  fmeer. 

SBarfdje  grapenbrabe. 

ipeefet  mit  galrep13),  rafjftnen  unbe  manbelen  in  ber  Daften. 

©oeten  unbe  füren  fennip. 

9Jterrebi(f. 

©alfamente.14) 

SBarfdj  lamoleefdj. 

^Jeeterftdien  rooertelen,  roen  men  SDtarien  ber  jundforoumen  unbe 

mober  beS  Ijeren  feft  uafiebe. 
sßorpPie*.  (?) 

fiarpen  unbe  fturen,  mit  fofen,  moerbroet15igenoemetf  üorroeHet.16) 
SBarfdjen  la£  Dan  ber  Sagmeere  buten  bem  $olftenboer  beleegen. 


6)  ©torf^oimer  Saä^. 
•)  «robfuWe. 

T)  grapenbrabe,  Xopfbraten,  Sleifd)  im  $cj>fe  gebraten  ober  gefönt. 
")  barfdje,  etm*  flreng  fdjmerfenbe  Butter.    3u  verfielen  ifl:  SBinterbutter, 
Im  ©ommer  in  gäffer  gefdjlagen,  im  (SJegenfafc  $u  frifdjer  ©ommerbutter. 

9)  $>a«  Severe  übergefameben. 

10)  Äabeljau. 

M)  fette  glojjfebern  be«  gebörrten  Heilbutt. 

")  ©eigug.  ©ance. 

»)  (Battert. 

M)  ®etoür$pnl»er. 

>6)  mürbe*  iBrobj  geriebene«  SBrob  ju  £uä)en  bereitet? 

ie)  aufgeholt. 


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565 


©ebraben  fjoetter. 

^oflenbefdjen  lefe. 

Staketen  mit  frwefdjen  (?)  appelen. 

SBarfdjen  boerfdj. 

Qtem  uarfdjen  gebraben  tyerinef  in  bet  saften,  beer  foeoen  roeren.17) 

©oelten  boerfd)    oan  £ilgenljat)e   utti)  lanbt  t^o  §olften  twer 

roetfdjeer. 
%rot  grote  braebtfjeringe  ooer  foefenfpife.18) 
gfoen  merrenen19)  be£  fommerg. 
£roe  üarfdje  roefe  epier  be3  aoenbeS  tegen  be  nadjt  am  2Rib* 

roeefen  unbe  ©oemtaoenbe. 
©ennip  mit  oelie. 

SDtoelie  mit  oelie  unbe  peeterfiDien  rooertelen. 
©d&inden   gefaben   unbe    oeef  r!)o   mit   fttueffloecf,   wen   men 

pantfjaleoent.20) 
2Webtrouerfte  6i  broege  nleefc^. 
%vot  leeoemmerfte  wer  foefenfpife. 
©tueäet21)  jdjaepoleefdj  mit  falfamente. 
©pullen  mn  ber  beften  aerbt. 
©anbaten. 

SSarn  roilben  fronte  ooer  oarfdje  grapenbrabe. 
©roten  gebraben  tf)obiae& 
®ettdE  mit  fipoHen. 
Äalffoleefdj,  fooleefd)  unbe  |eegent>leefd)  gefaben  ooer  tmrfäe  grapen* 

brabe. 
ffie  befien  gruette  mit  foetemelcf,  alfe  ^eerfegruette. 
SBitten  fabbuefjfocl22)  van  ©tettpn  uetlj  lanbt  $o  Sßameren  votx 

foefenfpife. 
33arfd)e  faüunen  Dam  fuetertjufe  ooer  fpedf  bi  ben  ?oel. 
©rote  gebraben  farruefjfen.23) 


11 )  (leben  «geringe?  ober  (leben  Safttage,  bie  Saften  toodje  &on  3nt>ocat>it  bi« 
JÄemintecere? 

,8)  tfüdKnfreife.  £ier  unb  im  gotgenben  gefefct,  too  eine  falte  Steife  ober 
ein  geringere«  gleifd)  fiatt  regelrecht  gefönten  8l«fd)ea  gegeben  wirb. 

lö)  SWarränen. 

f0J  3)en  $antaleon«tag  (28.  3uli)  feiert. 

21)  ierfc^nittene«. 

*2)  toeijjer  Stcpftoty,  bei  toeltfcem  bie  al*  @pecf  bienenben  GJebärme  ba* 
gefönte  gleifd)  erfefcen.  f.  9lnm.  18. 

M)  Äaraufd^en 


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566 

Sßluetfmfdj  wn  foeningealobben24)  mit  fafferaen  unbc  peeterfittien 

rooertelen. 
$>roegen  ©oerpefdfjen  liefet25)  wer  roetfc^ecr. 
$)oerd)geflagen  arroeten26)  mit  fennip  ttyoem  braebtljermge  m  ber 

tmften. 
SJarfdjen  ael  be£  fommerS. 
3)roege  oleefdj. 

SI99.27) 

ipertflag28)  uoep  foefenfpife. 

©tuedet  uarfd)  offenoleefd)  t>oer  broege  üleefdj. 

3)roegen  Suebefd&en  ^ccfct  üfjoer  roetfdjeer. 

Serenbroebt29)  mit  oelief  wen  mcn  SJtarten  ber  jundforouroen  uttbe 

mober  be£  Ijeren  fefi  paftebe. 
Ärabben  mit  foelte  fd^atp  gefabett  t>oer  foefenfpife. 
©teenbuette  oan  £raBemuenbe  beS  fommer£  mit  peeterfittien  unbc 

fafferaen. 
©efaben  robbogen,  farruejfen30)  unbe  baerfe. 
^uelfe31)  üoer  broege  üteefdj. 
©togngmagen  ooer  foefenfpife. 
Sebbcrfoel32)  t>oer  foefenfpife. 
SammeSleeoer  unbe  bidfe  meldt  t)oer  foefenfpife. 
©roegen  braffem  üoer  roetfdjeer. 
©efaben  fwpnMeefdj  unbe  t>am  fteefe33)  ooer  foefenfpife. 
©roenen  tejtfefe34)  uetl)  £ottanbt. 
Äroegbeer. 
Sitte  peer  roeefen  etjn  repne  f>oet>ebt.35) 


24)  geijatftet  Storfjifdj  »cm  93ergenfafcrerljaufe  in  ber  QJreitenjIrajje. 

*5)  getretfneter  (gebauter)  JDörptfdjer  £ea}t,  au*  JDorpat. 

*)  (Srbfen 
*     ")  <Sd)lei. 

*8)  «unge  unb  geber,  ©efdjlinge. 

20)  93rot  mit  tyineingebacfeneu  Strnen? 

30J  übergefanieben. 

81)  glcifäbrei? 

«")  Seberfoljl.    <8teifer  tfoljlbrfi? 

«)  ©tütf  gietfd)  am  £alfe  eine*  geforsteten  8ie$e«,  u>o  tym  bie  ©urgel 
abgeflogen  ifl.   BWB.    £ter  üom  <Sd)»ein  ? 

m)  fläfe  »on  ber  Snfel  Serel. 

M)  $auj>t.  «gier  ein  neuer  ferner  JRatf,  ©edjer,  wie  man  £et>  für  ©ea)er, 
jtö^en  nod)  jefct  für  £affe  fagt. 


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zedby  G00gk 


567 

SDe3  bageS  enen  Suebfdjen  fdjilltnd  ooer  foft  unbe  Suebfdj  beer, 
alfe  £an£  33ruen£  be  mardoaget  unbe  bemfieenbreper,  fyn  roeerbt, 
fueloeft  gefprafen  oebber  gefedjt  ^jefft. 

2Be#  ftdf  magifter  £ermannu£  6ler3  t>orfeen  ^efft  in  biffer 
uoertjen  gefdjreeüen  finer  rooentlifen  ooebinge,  roil  l;e  altyb  geeme 
uoer  fid  be^oelben  bebten.36) 

Hsec  testatur37)  manu  sua  propria  anno  virginei  partus 
millesimo  quingentesimo  sexagesimoseptimo,  mense  Aprili,38) 
ipsa  vero  die  Marci  euangelistae. 

§abbe  33ruenfdje  t>an  finer  mober  van  bufent  mard  Suebfd) 
(roeldeer  fyn  Patrimonium39)  xoag)  ouHe  rente  (alfe  uoefftid)  mard 
fiuebfdj)  gefteegen,  fo  fmbbe  l)e  beeter  bage  Ijebben  frmbt,  alfe  fe  fuel* 
ueft  gefprafen  Ijefft.  SBente  fe  fprad  in  jegenroaerbidjetit  finer  mober 
bi  bem  fpifefdjappe  alfo :  SSan  bem  gelbe  fonbe  tje  jo  rool  beeter 
bage  ge^at  Ijebben,  roi  gelben  en  jo  nidjt,  et  caetera,  ©c  tnober 
(3lnne!e  ©eerdenS  genoemet,  in  ber  breben  ftraten  bo  roanenbe)  l)efft 
geantroerbet  unbe  gefegt:  ©djolbe  id  ibt  em  beeter  geeoen,  alfe  id 
ibt  em  fdjuelbtd)  fi?  unbe:  3$  geeoe  ibt  em  fo  guet,  alfe  id  ibt  em 
fdjuelbtdj.40)  Deoerft  fueldfcö  fjefft  fe  gelagen  tljo  eerem  profijt  oebber 
üoerbel,  alfe  be  oroumen  geerne  pleegen  tljo  legen,  roente  ibt  iä  eer 
egenboem. 


w)  b.  $.  toai  er  in  ber  täglid)en  ©eföfligung  falfd)  angegeben   l)at,  foll  fein 
unb  nid)t  ber  Jtoftgeberfn  <5d)abe  fein. 

87)  übergefd)rieben :  testificatur. 

88)  übergefdjrieben :  im  Styril  oebber  Oeftermane. 

89)  übergetrieben:  paterna  hereditas. 

40)  $>ie  lefcte  9leuferung  fietyt  am  föanbe. 

41)  üb  ergefd)  rieben :  finis. 


37 


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2JMget$eilt  von  28il$.  2RantfU. 


<4>m  legten  33anbe  ber  ßeitfdjrift1)  ftnb  einige  erbaulidfje  £td)tungen 
be3  15.  $al)rf)unbert3  abgebrudt  worben.  $d)  entnahm  fte  mehreren 
2lnbadEjtöbüdf)ern,  wetdfje  avß  Subif^en  ßonoenten  auf  bie  Stabt* 
bibliotfjef  gekommen  finb.  ©njelne$,  wa£  fte  enthalten,  fo  }.  S. 
2lncelmu£,  bie  fieben  greuben  3Jtariä,  i)at  ittjtmjdjen  2übbtn  au£ 
Dlbenburger  £anbfd(jriften  befannt  gemalt.  Ungebrudt  aber  ift  nodj, 
fo  t)iel  mir  befannt,  bie  nadtfolgenbe  attegoriftrenbe  SDarftettung,  wie 
ber  2Wenfd)  mit  feinen  Wienern,  ber  SSeteljeit,  Stärfe,  ©cbulb, 
S&täfcigfeit,  Siebe,  öeftättbigfeit,  Hoffnung,  ©eredEjtigfeit,  SDemutl), 
bie  2)iebe,  weld;e  in  fein  $auä  graben  motten,  ieufel  unb  $ob, 
fern  galten  unb  bie  Sobeäfurdjt  mit  §ülfe  ber  Siebe  jum  ewigen 
%tbcn  oertreiben  fott.  Sie  finbet  fid^  in  ein  ©ebetbud),  fign.  CXXIX, 
eingetragen,  roctdjeS  anfänglich  nadfj  bem  Äirdfjenjufjre  georbnet, 
gereimte  unb  profaifdje  Mctt  an  bie  ^eiligen  2c.  enthält,  fpäter 
anbere  Stücfe  aufgenommen  fyat  SDie  gebaute  Allegorie  ift  von 
einer  £anb  forgfältig  gel  daneben,  roäfjrenb  ein  großer  S&jcit  be£ 
SBud^e^  fefjr  nacfyläfftg  eingetragen  warb.  Sie  ift  in  $er£jeilen  ab* 
gefefct,  wogegen  bie  gereimten  ®tbcttf  bie  freilidj  jum  XtyH  feljr 
nadf)  ©elegenfyeitöreimerei  fdfjmeden,  ofyne  alle  Äennttid^mad^ung  fidö 
unter  bie  Sßrofa  ocrfriedEjen.  Qdf)  laffe  jur  Sßrobe  ein  ©ebet  an  beu 
^eiligen  2lnbrea£,  mit  bem  ba£  ÄirdEjenjatyr  (3lboent)  unb  ba£  Sud 
beginnt,  eins  an  ben  ^eiligen  Stomas  unb  brei  fürjere  ©tropfen' 
nebft  einem  ©tüd  in  $rofa  meiner  &auptmittf;etfung  aoraufgefjen. 


*)  $b.  2.  ©.  528. 


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569 

1.  %an  füllte  »nbteak 

D  funte  2lnbrea£,  tf  bp  grote, 

©ad&tmobidjj  unbe  jote. 

©r  allen  apoftelen  warb  bp  betont 

©obeg  föne,  ber  toerlbe  ^et>Iattt. 
5    ®u  brod^teft  bpnen  brober  to  em  to  §ant, 

S)ar  Ije  alle  gnabe  unbe  ere  oant,1) 

S89  bp  quam  fje  to  ber  warfst, 

SBBol  bp  ber  flogen  roerbpdfjept! 

3)u  leteft  oerttdf)  boben  upftan 
10    So  enem  male,  be  roeren  t>organ 

3n  ben  mere  oan  be«  buoete  tpfi, 
2)ar  bu  tjodfj  ane  prüfet  bgft. 

2)u  rebbeft  ben  bpfdfjop  apenbar 

SBan  ben  but>ele  in  junarcotoen  oar2) 
15    2flfo  redete  mepfterlifen, 

3)at  l)e  fmelpfen  mofte  topfen. 

©ot  tyabbe  bp  leff  in  foter  teoe. 

©pff  bat  be  gnabe  mpt  mp  befleoe,3) 

S)e  bu  bebeft  bem  olben  funber  bar, 
20    SDe  ht  funben  ladfj  rool  feoentidj  jar. 

S)en  toorben  fe  al  oorgeoen  bordfj  bp; 

©iff,  fjere,  bat  pf  werbe  of  oan  funben  orp. 

33efdf)erme  mp  mpt  be«  cruceS  mad&t, 

S)ar  bu  oromeltfen  $efft4)  an  gfjeoad&t,5) 
25    $at  if  jo  üorropnne  ade  not, 

^f  fp  leoenbpdfj  ebber  bot, 

5Dat  mp  be  buoel  rödfjt  en6)  fdfjabe, 

£er,  pf  jo  blioe  in  gobe£  gnabe, 

S)at  pf  up  be3  cruceS  tramen 7) 
30    ©tpge  in  ben  Ijemmel    2lmen. 


*)  3o&.  1,  40  ff. 

*)  ©effaU. 

8)  an  mit  tUU,  Ijange,  Weibe. 

*)  ^aft  fteljt  im  2R«. 

8)  $>et  Sinn  ift  flar,  aber  Da«  9ßott? 

6)  enbe.  2W*. 

TJ  sputen,  Steigen,  Stiegen. 


37  • 


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^le  ^ 


570 

2.  ©utite  SfjomaS. 

D  funte  Sdjomaä,  apoftel  clar, 
D  utirroelbe  Dorfte  oorroar, 
D  werbe  gobeg  nmnben  tafter, 
Styn  traget  mafet  ben  looen x)  oafter. 

ß    2>u  öpfft  mer  trofteS  unbe  gnabe, 
SBan  al,  be  leroeben  alto  brabe, 
S)u  roolbeft  roeten  \o  to  grunbe 
2)e  roar^eit,  be£  wart  funt  unfe  nmnbe. 
S)u  roereft  in  gobe«  leoe  fo  t>aft, 

10  *  S)u  n)olbeft  mpt  eme  fieroen  in  ber  tjaft,2) 
S)t)it  bände3)  nmS  in  ben  ^emmele  gar4) 
Df  manf  fonpngltfer  rcotoar. 5) 
S)e  benebpgpge  bpner  Ijant 
S)e  gaff  ben  ebbelen  fuffdjen  baut. 

:ö    S)u  wereft  en  unroer(?)  mepflerlif 
$emmelfd)ett  pallafe  oroubenrpf . 6) 
$u  boffteft  be  tilgen  fongnge  bref 
®m  §oge  loff  tf  bar  an  fe. 
Ol  bpner  groten  ^did^eit 

20    gjloet  topfen  alle  unloüpfdjeit7) 
SBente  fettere,  poben  unbe  Reiben 
S)e  moten  oan  beme  leoenbe  fdjepben, 
Äomet  je  anberS  in  be  ftat, 
<Dar  bu  lidjt,  je  ftaroen  rat.8) 

25    Df  l)efftu  ooer  l)ilge  febe, 

S)at  bu  mpt  ben  üpngfjeren,  bar  bu  mebe 
Sftorbeft  be  nmnben  gobeS  jrjben, 
O^ifft  alle  jar  in  ben  l)üd)tiben 9) 


*)  (Stauben.  —  3olj.  20,  24  ff. 

*)  3o$.  n,  16. 

»)  ®ebanfe. 

*)  ßat.  ÜR6. 

»)  tool  »ar  =  ffio%efta!t,  SBoljlgeljaben,  b.  i.  gäitlid)*  «eben? 

6)  totoubenrijf.  9W*.  —  $ie  3eilen  flnb  unöetftänblid).  3u  paflafe  fe^U  eine 
$ttyofltion.  -  untoer?  9R*. :  »ntoet;  flatt  n  läjjt  fid&  u,  flatt  to  möglifyt  SBeife 
aud)  lü  ober  f»  lefen.    9toft>ielung  auf  3olj.  14,  5? 

')  Unglaube. 

•)  l.  brat  =  raf«?  ts.  6. 

°)  an  ben  Ijo^en  &ir$enfefien. 


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571 

©en  tilgen  lid&am,  be  be«  jtnt  merbid), 
so    Unbc  entlieft,10)  be  be«  fint  merbidf), 

Unbe  entueft,10)  be  be«  fint  tmfoerbid). 

S)at  i«  nt)1*)  betört  ebber  feeit, 

$at  be«  tefen«  tyf  99 12)  fy  gfjefdjen. 

«3?  bpbbe  br),  mpn  üorfie,  mpn  Oere, 
35    SCtte  broelpnge13)  t>an  mt)  fere. 

Sat  mp  in  red&tem  Iot>en  befian, 

$n  allen  bogeben  bp  na  ganf 

SSore  mt)  ouer  ben  roedj  ber  roarljeit 

3n  bat  leuent  ber  erotjg^en14)  cforljeit, 
40    ®ar  if  mt)  orouroe  nnjt  bp  tofamen 

3n  bem  Ijemmelfdjen  pallafe.    2lmen. 

3,  @tm  (et  öan  ben  nmpen  bti  $mn. 

0  mtjnfdjeit  bloet, 
0  marter  grot, 
D  nmnben  bep, 
D  Mobe«  crafft, 
*    0  fpere«  ftyf, 
0  bobe«  Bitterkeit, 
D  gottife  fotidjeit, 
£elp  un«  to  be  eropgen  faUdjeit. 
Slmen. 


4.  (Sne  fegeninge« 

©e  crafft  be«  0  ab  er  «  mt)  beroare, 
3f  flape,  if  roafe,  roor1)  if  kernte  t>are.*) 
$e  roijf^eit  be«  föne«  Qefu  ©rift 
S)e  ft)  bt)  mg  unbe  geoe  mp  be  lift, 


10)  entt&uft,  b.  f.  entfünbiflefl? 

n)  ifflj.  sw«. 

»)  Je. 

,8)  3rrt$um. 

")  entert.  SR«. 

s)  cor.  3W*. 

*)  »are.  2R«. 

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zedby  G00gle 


572 

5    ®at  tf  mr)  fjobe  oot  ben  hingen, 
35e  mg  to  ber  tyeHe  mögen  bringen. 
S5e  orebe  beS  t)  Uli  gen  getfte«  be  mote  ftn 
£muffdf)en  mt)  unbe  al  ben  orouben3;  mgn. 

5*   Sit  i&  ene  (orte  gube  lere,  mo  eett  mpnf^e  fpn 
lenenb  fäal  beteten.4) 

Unfe  leoe  Ijere  3l)efu$  (SriftuS  tieft  fyne  arme  fo  redete  roilltd)* 
lifen  utf)  geredet  an  beme  cruce,  up  bat  fje  ade  mpnfdfjen  roolbe 
falidf)  tyebben.  SWen  oele  mpnfd&en  mitten  nidfjt  falidjj  werben.  3)at 
mafet,  bat  je  flene  leoe  to  gobe  tjebben  unbe  grote  leoe  to  ftf 
fuloen  unbe  to  ber  merlbe,  unbe  i$  boä)  al  oorgfienWif.  S)enfe  an 
be  mort  beS  profeten,  bar  Ije  fedjt:  S)e  mijnfdEje  i$  geboren  oan 
enem  mioe  forte  tijb  tfjo  leoenbe  unbe  mert  mpt  oele  jamertyett  oor* 
oullet.  SBultu  nu  fo  in  beffer  forten  tijb  leoen,  fo  tö  bp  not  unbe 
be^off,  bat  bu  tyolbeft  fyne  bobe  unbe  leoeft  in  fonen  orud&ten. 
Sßultu  in  ber  leoe  gobeS  untfenget  werben,  fo  Ijore  gerne  bat  mort 
gobeS.  äßente  tyefft  QfjefuS  mdf)t  gefprofen:  ©alidf)  fpt,  be  bar 
fjoren  bat  mort  gobeS  unbe  bat  bemaren?  SBente  oele  leoer  tilgen 
tynt  pn  beme  Ijemmele,  be  oan  beme  roorbe  gobes  ftjnt  gefönten  to 
eneme  faligen  leoenbe,  unbe  oele  funber  unbe  funbergmten  fjebben 
fif  betert  utf)  beme  morbe  gobe«.  Star  fteit  gefcJjreoen:  3)e  oor* 
fumelifen  off  unroerbiepfen  t;oret  bat  morb  gobe£,  be  beit  fo  grote 
funbe,  offt  l)e  neme  ben  Udfjam  unfe«  fjeren  unbe  morpe  ene  up  be 
erbe.  Starumme  fjore  gerne  bat  roorö  gobe«  unbe  bo  bar  na. 
SEBultu  in  ber  leoe  gobe«  mefen,  fo  muftu  funber  bobfunbe  mefen 
unbe  fjebben  nenen  fjat  offte  troebradjt  mit  bpneme  eoenen  mtmfdfjen.5) 
35ar  mert  mennid^  umme  oorbomet.  2Bo  modftftu  een  pater  nofler 
redfjtoerbigen  lefen,  wtn  bu  fcd£)ft:  oorgiff  un£  unfe  fd^ulbe  alfo  mt) 
unfen  f  dfjulbeneren  ?  bu  bibbeft  torafe  ooer  btj  fuloen.  Seforet 
bp  be  ot>ent  mpt  l;ate,  benfe  an  ber  morb,  be  unfe  §ere  fpraf  an 
bem  cruce:  33aber,  oorgiff  en  be  mt)  crueegen,  mente  je  meten 
nidf)t  mat  je  boen.  Äomen  bp  quabe  banden  anf  bat  bu  bpn  leoenb 
mult  beteren  up  bat  olber,  benefe  an,  bat  in  olben  tiben  be  lube 


8)  »rauben.  3R«. 

*)  SMefe  &on  einer,  toieberum  ganj  abtoeieftenben  «&anb  gefdmebene  Cfrs 
mafynung  ge&t  ber  folgenben  SUlegorie  unmittelbar  »orfjer.  Um  bf*  »enranbteu 
3nl)ali«  unb  ber  trefft  id)fn  (Spraye  tri  den  mag  fle  Ijter  anef)  $lafc  finben. 

8)  Sfce&enmenfdjen. 


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zedbyGaOgk 


573 

eten  tmbe  bruncfen  unbe  roeren  t>roIif.  ,3m  beme  nu  gutfbe  roater* 
olot  ooer  je  al  uppe  8  mtjnfdjen  na.6)  öf  fteit  in  beme  Ijilgden 
eroangelio:  SBafct!  gp  en  n)eten  nidfjt  ben  bad^  offte  be  flunbe,  wen 
be  fjere  fomen  mtl.  ©eforct  bt;  be  t)t)ent  tnr)t  mtrftroft7),  bat  btjne 
funbe  fo  grot  fpnt,  bat  je  bt>  gob  nidfjt  üorgepen  roil,  fta  em  roebber 
unbe  bencfe  an  ftjn  bitter  leiben,  bat  fyne  rounben  ber  genabe  be 
ületen  to  allen  tiben,  itnbe  bat  fyne  barmef)ertt$eit  is  groter  wen 
äße  ber  roerlbe  funbe.  ©e  an  funte  $cter  unbe  sparoel,  be  grot 
gefunbiget  fytbbzn  roebber  gob,  unbe  ftjnt  nu  grote  oorften  ber 
appoftele.  ©a  mt)t  3Jlarien  9Jtagbalenen8)  to  ben  ooten  unfeg  fjeren 
be«  crucigeben  foningeS  unbe  geet  utf)  bpne  tränen  unbe  roeS 
rurotcf)  umme  btjne  funbe  unbe  l)ebbe  ben  Witten  md)t  mer  to 
funbigenbe  unbe  bibbe  gnabe  unbe  fpref  mpt  beme  oorloren  föne: 9) 
SSaber,  id  fytbbi  gefunbiget  in  ben  l)emmel  unbe  uor  bpnen  ogfjen. 
3<f  bin  nid^t  roerbidf)  bpn  föne  to  tyeten,  men  mafe  mg  alfo  enen 
bpner  benfWnedfjte.  2Ben  gob  fuet,  bat  bu  ruroe  ^efft  umme  bpne 
funbe  unbe  tnm  guben  mitten,  (je  tml  je  bt)  afle  trorgeoen  unbe 
benfen  er  nidfjt  meer.  S)arumme  tybbt  bu  na  ber  ttjb  nen  beroment 
bper  funbe,  offte  bu  oolft10)  in  ben  torne  gobeS.  äßen  bu  miffen 
l)oreft,  roeä  tjnnidf)  in  btjneme  bebe  unbe  roeä  bandfenamidf)  gobe 
fyneS  bitteren  libenbeä  unbe  offere  eme  btjne  jele,  bpn  f)erte  unbe 
btjnen  orpen  mitten:  bat  i£  gobe  fere  anname.11)  2Be3  nidEjt  mpt 
ben,  bar  be  profete  äff  fedf)t12):  $ere,  bat  oolf  eret  bp  mpt  bm 
tippen,  men  ere  fierte  i&  oerne  van  bt).  £at  een  oele  bebet  funber 
imttd&eit,  i£  gobe  nidfjt  anname.  Offte  bt)  gob  t)nnidjet)t  geoe  in 
bpem  bebe,  unbe  be  otjent  bt)  anbringet  geiftlifen  fjomob,  bat  bu 
een  gub  mtinfd&e  bifi,  fta  eme  roebber  unbe  bencfe  an  ber  roorb 
unfe$  deren,  bo  tyne  apoftele  to  eme  quemen  unbe  feben:13)  £ere, 
rot)  bon  o!  mtjrafel,  unbe  ene  mag  bar  leoe  to.  3)fcn  <3()efu3  febe 
to  en :  33orf)eoet  jum  bar  nid^t  an,  roente  if  Ijebbe  gefeen,  bat  be 
cngele  in  beme  nu  utf)  beme  tyemmele  oitten  in  be  affgrunbe  ber 


•)  Wt  auf  ad)t,  bie  nad)bUebfti.    1  SWof.  7,  13.  23. 

')  3»eifel. 

•)  Suc.  7,  37  fg, 

■•)  SUC  15,  21. 

xo)  fäUjt. 
ll)  angenehm. 
tt)  3ef.  29,  13. 
,8)  Suc.  10,  17. 


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zedby  G00gle 


574  w 

Ijette.  SKen  t>rouroet  juro  beS,  bat  gt)  fijnt  gef freuen  u)  in  bat  boef 
be£  leoenbeS.  Df  fedfjt  funte  ^otjanneS  croangelifte:15)  Qffet  bat 
rot)  feggen,  bat  rog  funber  funbe  ftjnt,  fo  fp  rot)  logenaffttdf)  unbe 
nette  roarfjett  tö  in  un£.  DI  fpradf  S^efuS  to  fynen  jüngeren:16) 
2Ben  gg  fjebben  aßcnt  tmttenbrodfjt,  bat  gt)  fd&ulbidfj  fpt  tf)o  bonbef 
fo  ft)  gt)  bod)  unnutte  fnedfjte  oor  gobe.  2Bo  oele  meer  fynt  rot) 
armen  funberS  unnutte  fnedjte,  unbe  rot)  fdjolen  uns  nidfjt  trorfjeoen 
in  neuen  bingen.  $efft  un£  gob  etlife  bogebe  geoen,  bat  fumpt.al 
Dan  fyner  groten  gnabe  unbe  oan  un§  nid[)t,  roente  vor)  tjebben  nan 
uns  nidfjt  tuen  funbe  unbe  bo^eit.  Söente  gobe  tö  fere  anname 
een  otfjmobtdfj  f)erte  unbe  banfnamtd&eit.  Dffte  bu  oolft  in  franfljeit 
offte  in  oortrotginge  bpner  orunbe  offte  openbe  offte  in  armob,  fe  an 
ben  nafeben  Q^efum,  bo  l)e  geboren  roart  unbe  Ijabbe  nidfjt  fo  nele 
bofe,  bar  en  Sölaria  in  roinben  modEjte,  tuen  be  fiencn  frubbe  roa« 
ftjne  roege.  Of  bo  l)e  nafet  an  beute  cruce  Ijengfjebe,  bo  Ijabbe  Ije 
rttd^t  fo  oele,  bar  fje  fpn  Jjooet  annegebe,  bat  be  profete  rool 
beclaget:17)  ®e  oogele  Ijebben  nefte  unbe  be  troff e  fjebben  fulen, 
nten  beS  mtmfdfjen  föne  I>efft  nidfjt  fo  uele,  bar  f)e  ftjn  fyooet  anneget. 
<pijrumme  roeS  trofiltf  unbe  furre 18)  nid&t  roebber  gob.  ©pref  mtjt 
beme  tilgen  3ob:19)  ©ob  gaff,  gob  natu,  fem  name  fg  beneblet  to 
allen  tiben.  ©e  an  uele  leoer  f)ilgcn,  be  mpt  grotem  arntobe  unbe 
jantere  fpnt  gefönten  in  ben  fjemmel.  Of  fpraf  ^cfuS  to  ftjnen 
jüngeren:20)  ©alpd^  ftjnt,  be  bar  fynb  oan  enem  armen  geifte,  bat 
rtfe  ber  Ijemmele  \&  ere.  2Bere  armot  nidf)t  falidfj  geroeft,  gob  l)abbe 
fynen  uterforen  fe21)  ntdfjt  to  gefenb.  S)at  i3  no<$  to  beorud&ten 
alle  bagtye,  bat  ber  armen  mer  falidfj  roert  roen  ber  rifen.  $)e  rife* 
bage  befroaret  fere  be  jele,  be  yt  quatlifen  brufen.  #efft  bp  gob 
rife  bage  trorlenet,  bele  mebe  ben  armen  na  bgnem  Dormogcn. 
£efftu  oele,  fo  gtff  oele,  Ijefftu  luttif,  fo  giff  luttif.  SBente  gob 
fuctl)  an  be  anbadfjt  be£  mpnfdfjen.  äöente  l;e  fed^t  in  beme 
eroangelio22):  S)e  bar  gtfft  ^mn  nap  roaterS  umme  mpnen  roiUcn, 


14)  gefdwe.  9Jte. 
")  l  3o$.  l,  8. 
16)  Suc.  17,  10. 
»)  2Rattlj,  8,  20. 

18)  murre. 

19)  «lob  l,  21. 
i0)  2Ratttj.  b,  3. 
21)  feljlt  im  2W«. 

M)  SKarc  8,  41.  2Ratt$.  10,  42. 


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575 

if  wit  ene  ntdfjt  uttBelottet  loten.  Df  fedfjt  l)e:23)  2Bat  gt)  bon  beme 
alber  mpnften  in  beme  namen  Dan  rar),  bat  bo  gij  mt)  fuloen. 
£tjrumme  brufe  bpn  gub  in  be  ere  gobc£,.  bu  weft  nidfjt,  wo  langte. 
$)at  fparet  mennidfj  cor  ftf  ofte  fyne  finber,  unbe  fumpt  al  in 
oromebe  fianbe,  unbe  be  mol  flene  benfen  ber  jele.  Dffte  bp  gob 
Ijefft  gegeoen  rifebage  unbe  funt^eit,  unb  wot  to  weben  bift  unbe 
xfxi  orouben,  porget  gobe  nidf)t,  wente  bat  buret  nidfjt  lange.  ©enfe 
an  be$  rifen  mannet.24)  SDe  fpraf  to  fpner  jele:  SSrouroe  btj,  et 
unbe  brinf,  we<8  orolif.  3Jtyn  acfer  flett  tml  forneS,  if  wil  mtjne 
fdfnme  groter  buwen  unbe  teoen  lange  ttjb.  @m  wart  geantwerbet: 
S)u  boraffttge  mpnfd&e,  nan  beffer  nadfjt  werben  be  buuete  bijne  jele 
Dan  bp  nemenbe  unbe  werft  be3  berot)et.  S)enfe  of  an  be  wort 
funte  Qeronimu^,  be  fedfjt:  Qf  ete,  if  brtnfe,  if  flape,  ofte  wat  if 
boef  jo25)  bunfet  mt;,  bat  üor  nt^nen  oren  fteit  be  baffunen  unbe 
bleffi:26)'  ©taet  up,  gp  boben,  fomet  t)or  geriete.  SDenfe  an,  bu 
rebelife  tttynfd&e,  bat  bu  nidjt  wifferS  fjeffi  wen  ben  bob,  unbe  ntdfjt 
unwifferg  wen  be  ftunbe.  Starumme  fpare  ntdfjt  btjne  guben  werfe 
up  bat  lefte.  3)o  watgubeS,  be  wtle  bu  btj  wolmadfjt  bift,  bu  wefl 
nt<f>t,  wat  frandfjett  bp  up  bat  olber  wpl  anfonten,  offte  in  wat  bobe$ 
bu  ftertjen  fdfjolt.  6unbeg^e  ntdfjt  up  ben  troft  be§  fdfjeferS.27)  SBente 
funte  ©regoriuS  fedfjt:  SBen  if  lefe  unbe  webber  lefe,  fo  trinbe  if 
ntd&t  mer  wen  ben  fdfjefer,  be  yn  ber  leften  fiunbe  fjeft  wäre  ruwe 
Ijat  unbe  x&  falidf)  geworben.  9ttd(jt  bat  l)e  be  anberen  twrledfjt.28) 
®enfe  00er,  bu  rebelife  nujnfdfje,  wo  mad)  be  mpnfd&e  wäre  ruwe 
Ijebben  in  beme  leften  oan  leoenbe,29)  be  mer  lene  Ijefft  getyat  to 
ber  werlt  wen  to  gobe?  S5enfe  00er  be  ebbeltd&ett  btjner  jele;  were 
bat  ntdfjt  grot  fcabe,  bat  bpne  fdfjone  jele  fdfjolbe  ewidfj  wefen  mpt 
ben  fwarten  grefelifcn  bwelen,  bar  neue  twrlofinge  t£?  35enfe  an, 
wo  brofüf  x)&  gewcfi  bpn  inganf  beffer  werlt,  unbe  wo  bitterlif  tö 
bgn  afffdfjebent.  2öen  bu  lidjft  in  beme  leften  unbe  fanft  bp  von 
frandfjett  nidf)t  ummeferen,  *alle  bpne  prunb,  al  bp  gub  fan  bt) 
ntdfjt  Welpen,  wor  wultu  tyen  oleen?  ©pne  orunb  fiaen  unbe  waren 


M)  gWatty.  25,  40. 

**)  «UC.  1%  16  ff. 

**)  immer. 

»•)  Meffl.  Wlt. 

*7)  «uc.  23,  42  fg. 

28)  gegen  ben  @^ä^et  gurürffleUt? 

")  le»e.  mt. 


/ 


576 

up  brjn  gub,  bc  buoel  up  bpe  jele,  fuftu  up,  bor  otnbeft  bu  ben 
ridtfer,  be  tueet  al  be  tjemelid&ett  bt;ne3  I;erten,  roor  nmltu,  clcrtbe 
jele,  f)tn?  £)u  roeft  nidjt,  roor  bit  be  erftc  nad)t  fd^olt  roefen.  SRen 
l^ebbe  tootudjt  to  ber  barmfjerttcfjeit  gobeä  imbe  tat  bij  bcn  buoel 
md)t  ut  bemc  loocn  bringen  ofte  in  mpftroft.  2Hfo  bp  gob  t)int  in 
beme  lefien,  fo  ml  tje  brj  rieten.  Sßultu  rool  fieroen,  fo  lere  rool 
leoen30)  in  bogeben.  SEB9  willen  gobe  bibben,  bat  wy  alfo  ooergan 
beffe  ttjblifen  binge,  bat  xoy  nidjt  sorlefen  bat  enriglje  gub.  3)e§ 
fielpe  uns  gob  allen  famen.    Qn  gobeS  namen.    2liuen. 

®n  fort  90  lijb 

%n  beffer  tijb 

Sil  Ijijr  üorforen  — 

©eferlijf  bat  tjemmelrtjf 

2Bere  to  oele  oorloren.31) 


aSeftegtmg  fcer  StobeSfureftf  buref)  bie  Siebt 
$ttm  ewigen  2e6em 

QljefuS  @f)riftu£,  unfe  liere, 

SDe  grifft  un£  fgne  f)tlgf)en  lere 

^n  beme  ^ilg^en  eroangelio, 

25aer  l;e  to  un£  fprpft  alfo: 
5    Äonben  be  mijnfdjen  tjb  Hörnernen, 

SBanne  be  beeoe  to  en  qtoemen 

Unbe  wölben  in  ere  ^uje  graoen, 

Uppe  bat  fe  ene  motten  fd)abcn, 

(See  wölben  bat  mtjt  flpte  toeren 

10    Unbe  jee  wn  ereme  fdjaben  feren.1) 

$tyt  l)ue3  bat  te  be  ltd&am, 

©e  roeerb  be  jele  looefam, 

©e  beeoe  be  fynt  trotjer&anbe, 

2Bee  je  redete  rool  befanbe, 
15     $e$  roere  to  male  jere  noeb, 

3b  tö  be  buoel  unbe  be  boeb, 


so)  le»e.  sw«. 

*»)  SWit  SRoty  in^er«jfilen  »on  betfelben  $anb  untetöefdjrirben.  3n  90  l^b 
fdjeint  ein  (Sd^reibfe^ler  gu  fterfen;   Subel.  mit  Jolen  jufammentjangenb  ? 
*)  SRatty.  24,  23. 


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zedby  G00gk 


577 

$)e  to  allen  tibett  uns  naftpfen, 
$en  top  of  mcf)t  foen  tupfen, 
ger  toi)  toeten,  jo  fpnt  je  f)ijr, 

20    g^  bat  nrij  nidf)t  roafen  fdf>tjr 
9ta  unfe§  fjeren  reben 
9)Jpt  toafen  unbe  mpt  beben 
Unbe  of  mpt  gruben  werfen 
Un£  gegfjen  see  ftebe  fterfeu. 

25    £tjr  umrne  fo  moet  be  pnmgfye2)  jede, 
SDe  jif  ni<$t  roil  laten  beelen 3) 
33an  gobe,  ermere  leoen  fjeren, 
@re  jpmte  gf)an3  rool  merfen  leren, 
3)at  fe  ere  I)ue3  betoare, 

30    £>at  bar  ntd)t  in  bejeä  t>are. 

3Bee  bat  gfyejpnbe  nu  wil  fennen, 
S)cme  ttril  if  nu  bat  f)ijr  na  nennen, 
©aptentta,  be  Ijogfje  tmjjepb, 
$>e  te  an  beute  Ijuje  tool  berepb. 

35    gortitubo  of,  be  fterfe, 

2)e  fan  bar  pnne  gljueb  tool  werfen. 
5J5atientta,  bat  i£  be  bulb, 
S5e  i$  ftebe  am  fd^ulb. 
Semperantta,  be  meetltdjepb, 

40    SDe  of  tool  be  ntate  roept. 
$arita£,  be  goblife  leeoe, 
®e  roareb  jif  oor  beme  beeoe. 
ßtonftantta,  be  t£  of  al  baer, 
S)e  npmpt  beS  eoene4)  toaer. 

45    ©pe3,  be  fjilgfje  fiopenungfje, 

SDe  grifft  oroube  alben  unbe  pungen. 
Suftttia,  be  red)toerbtgl)epb, 
®e  ittafeb  alle  bingl;  berepb. 
§umtltta£,  be  otmoeb, 

50    3De  mafeb  alle  binglj  gtyueb, 
äöen  bpt  glaube  i«  tool  berepb, 


2)  $lauben6innige. 

3)  fd>eibeu. 

*)  be*  ©leiten,  bet  Q3eftänbigfett. 


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zedby  G00gle 


578 

@o  ig  in  bcme  fmje  ntjner^anbe  le^b, 
©e  werben  alummc  tool  oorftaen. 

©odj  fumpt  bar  een  bobe  g§egf)aen, 
55    $e  fumpt  g^aer  jere  lopen 
Unbe  begljpnneb  in  to  ropen, 
£e  floppeb  mpt  fjafle  oor  ber  boete. 

»e  ijufjorouroe  fprefeb:  SHJol ö)  ig  baer  ooere? 
SBragfjeb  em,  roer  ^e  madj  jijn, 
eo    ®e  fo  ^aftig^en  effdjeb  pen.6) 

S)e  totjf^epb  gfjept  mijt  lifte 
Unbe  tnragfieb  eme:  2Be  bifte? 
3Bat  ig  bt)  befanb? 
Unbe  roo  btfhx  gfjenanb? 
65    San  roenne  biftu  fomen? 
2Bat  fjeffftu  ny>&  tjornonten? 

®e  bobe  fprefeb:  Qf  bgn  wol  befanb, 
$imor  mortig  b^n  if  gljenant, 
2>en  boeb  ben  orudjte  tf  jere, 
7  0    $t  bringe  npe  mere. 

SDe  jeete  fprefet:  2Ren  latene  p, 
®at  roij  tyoren  fynen  jpn. 

SDe  bobe  warb  ^ngtyelaten. 
£e  ig  bebrooeb  booen  mate, 
7  5    $e  fan  nid)t  fprefen  van  lebe. 

©e  fprefen  alle:  2Bat  jijn  be  rebe? 
SBorumme  biftu  Ijeer  gtyefomen? 
2Bat  Ijeffftu  ntjeg  oornomen  ? 

£tmor  fpreft:  D  gob  oan  ^entnteXrijfe, 
so    Qb  ig  fo  redjt  gruroeltfe 
Unbe  ig  ane  tat, 
$at  if  jum  jeggen  fdjal 
£ijr  fumpt  be  boeb  mt)t  ben  jtjnen 
ättit  alle  ber  fiette  pgnen. 
85    33er  buoel  fomeb  epn  groter  l)eer, 
£unberb  bujenb  ebber  meer. 
©e  ^ebben  glogenbig^e  febenf 


«0  SBet. 

6)  $eifd)t  hinein,  ^ncinunlangt. 


\ 


579 

£atnere,  tongen  albaer  meben, 
$pf  unbe  jroeoel, 
90    @e  bringen  tmlen  rtet)el. 
@e  nnHen  uns  aorftenfen 
Unbe  in  bat  wer  jenfen, 
@e  bregljen  upp  eren  baten 7) 
®lugegl)e  Isafen. 
95    ©e  jijn  gar  üregfltf8) 
Unbe  to  male  epflif.9) 

SDo  fpraf  be  fiufjorouroe : 
$ere  ©ob,  nu  laet  uns  fdjoutoen, 
SDBat  willen  jee  tnafen 
ioo    mt)t  alle  beffen  jafen? 

S)o  fpraf  Stator,  be  bobe: 
©e  bringen  be  lube  oan  gobe, 
2Jtyt  eren  glogegljen  tanQtn 
SOBiUen  je  be  lube  Dangen. 
105    äöene  jee  rafen 

3Jtyt  ben  ourpg^en  fjafen, 
£fjoe  jif  bat  fee  tyeen, 
SJtymanbe  jee  ooerjeen, 
'  fiepen  ebber  papen, 
no    gaient  jee  to  jif  rapen, 
2lrtne  unbe  rpfe, 
3Kanne  unbe  tmjff,  attent10)  glieltjfe. 

33oe  fpraf  bee  nrijfljetjb: 
9iu  roejeb  alle  beregb 
iiö    Unbe  roejeb  nrijs  jo  be  Hangen, 
S)at  jee  uns  nidfjt  en  oangen, 
SBegeb  eentfalbigf)  jo  be  buoen, 
S)at  jee  uns  ntd&t  bebruoen. 
S)o  fpraf  be  fterfe: 
120    fiaet  uns  g^aen  to  werfe. 

ßetteb  upp  ben  J>elm  beS  tyyk», 

T)  Pfannen. 
8)  furdjt&ar. 

I0)  aöen.  3W*. 


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zedby  G00gle 


580 

Stot  jee  an  uns  nidjt  bebten  bet)te3. 

SSjeet  an  be  ptaten  be«  gljeloüen 

Unbe  latet  je  oufte  boocn. 
125    sftemeb  bcn  fdfjplb  be«  gruben  nullen, 

2Bij  bitten  jee  wol  füllen. 

Sateb  juro  langen  bat  fpeer 

35c«  regten  unbe  be«  gruben  begfjeer 

Unbe  wejeb  ftarf  an  bente  fyoe,11) 
130    3Bp  willen  jee  rool  Dorbnjpen.12) 
S)o  fpraf  be  gljebulb: 

©taeb  in  juwer  unfdjulb 

Unbe  fterfeb  jutoe  leerte, 

SSrud^teb  nidjt  ere  fmerte.13) 
i3ö       3)o  fpraf  be  tneetlidjepb : 

Dobrofen  jtj  unfe  lepb, 

3Bp  willen  meetttfen  leoen 

Unbe  willen  gegljcn  jee  ftreoen. 

3)e«  morgen«  witte  wt)  oroe  itppftaen, 
uo    ©es  apenbe«  betijb  to  rouwe  gfjaen 

Unbe  beenen  gobe  to  aller  tijb, 

2llfo  werbe  wtj  ber  orjenbe  qwijt. 
S)o  fpraf  be  ftebidjetjb: 

SBat  i«  bit  grote  lepb? 
145    Sffiefeb  nidjt  men  ftebe 

3ln  üaften  unbe  an  gfjebebe, 

@o  werb  un«  ljulpe  fd;ijn14) 

San  gobe  beme  tjeren  mijn. 
5Do  fpraf  be  goblife  leoe,  @arita« : 
150    SSor  em  m\)  m;  lebe  wo«. 

§ebbeb  gobe  van  Herten  lecff. 

Unbe  ürud&teb  nt<$t  ben  beeff. 

$e  redete  goblife  leeoe 

SDe  oorbrifft  ben  Druckten  mtjt  beme  bee^e. 
155    Styneme  wintn  mpnfdjen15)  boe  bu  gliueb, 


")  Streit- 

12)  (Stf.  6,   10  ff. 

1S)  l.  fwerte. 

M)  offenbar. 

15)  9M&enmenf$en. 


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581 

Sltfo  im  nmlt  bat  bp  cen  anber  bueb, 

Unbe  &ebbe  ene  fo  leeff  alfo  bp, 

©o  roerfht  ber  wjenbe  mi), 

3)at  fee  bp  ntdf)t  fönen  fd&aben; 
160    aKpt  gobe  fdjaltu  bp  graben.16) 
$>o  fpra!  be  l)itgt)e  ^openunge: 

SWu  tDol  $eer,  gp  alben  unbe  jungen, 

Unbe  l)opeb  an  ben  Iet>en  gob 

Unbe  portjuüeb  jijn  gfjebob. 
165    ®e3  roij  fjopen,  be«  nulle  rop  betjben,17) 

9San  gobe  wiffe  rot)  nid^t  fdfjepben, 

SBente  ty  wert  juloen  to  un«  fernen, 

@o  roerb  un«  unfe  lepb  benomen. 
$)e  red^tüerbid^epb  be  fpraf  boe: 
170    3Boerumme  jijn  gp  unoro? 

SDoeb  redete  unbe  leoeb  na  redete, 

@o  blpoe  gp  gobe«  fned&te. 

Söan  gp  69  gobe 'bitten, 

©0  ftm  juro  npmanb  porbrpoen, 
170    2ßan  gij  boen  na  redfjte 

©0  moglje  gp  peg&en  ben  buoel  oedjten. 

3b  i«  epn  alt  gfjebidfjt: 

SDoet  rec^t  unbe  prudtfeb  ben  but>el  nidfjt. 
SDo  fpraf  £umitita«,  be  otmoeb: 
180    SBorroaer,  mp  bunfeb  gfjub, 

Stet  gp  juro  bog^en  unber  gobe«  glieroalb, 

Söente  9b  i&  alfo  g^eftalb: 

2Be  jtf  oetmobig^eb  an  ber  erben, 

S)e  fdfjal  an  beme  fjemmel  gtjefjogljeb  werben. 
185    ©0  fan  juro  be  buüel  nidfjt  g^eopnben 

3ftpt  alle  juroeme  gfjefpnbe. 
2Ufo  jee  ere  f)ue«  i\x&  beroaren, 

©0  fuinpt  epn  anber  bobe  paren, 

£e  cloppeb  jere  oor  ber  boere. 
190    ©e  fprefen  alle:  SQBee  i«  bar  ooere? 

$e  fprefeb:  ©9  fd^olen  mp  in  taten. 

$f  fome  oan  ber  ftraten 


Xö)  befreunben.  vs.  457. 
")  »arten. 


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zedby  G00gk 


582 

Unbe  fome  van  gobe,  tmfeme  l)eren, 

Unbe  funbiglje  g^ube  meren. 
195       3)e  bobe  warb  pngljelaten 

Unbe  i$  orolif  utermaten. 

£e  fprefeb:  9Jtyt  juro  jij  t>rebe 

Unbe  proube  at  baer  mebe! 

Qf  bin  uti)  beme  lümmele  gtyejanb 
200    Unb  bin  ätotor  trite  eteme  gljenant, 

33e  leeoe  be3  eenrigfjen  let>en, 

Unbe  funbu#e  juto  gobe£  jeg&en. 

SBille  gij  ftiHe  roefen, 

3?  TOtl  juuj  bcr  oroube  roat  lejen.18) 
206    Vßan  grotem  ungljelate 

Äan  tf  ni$t  fprefen  be  tnate.19) 
®o  fpraf  be  totjffiepb: 

3ropgf)eb  unbe  toefeb  berepb 

Unbe  neegfjeb  juroe  oren, 
210    $>at  gp  gobeä  rooerb  mogljen  Ijorett 
$>o  fpraf  be  red&toerbtdjepb : 

2Bere  rop  bar  toe  beretjb, 

S)at  nrij  ^oreben  ran  beme  bobe, 

Siele  meer  fd&olbe  TO9  ^oren  mn  9°&e- 
215    9fat  fpref  upp,20)  bu  gobe«  t>runb: 

2Bat  x&  bp  pan  gobe  funb? 
SDo  fpraf  Slmor,  be  leeue: 

S)at  x)\>  gob  gf)eet>e, 

S)at  Ö  fpreefe  mpt  mpneme  munbe, 
220    2öat  if  jagty  in  f orten  flunben 

SRed^t  alfo  borgt)  epn  fpeegfyelglaS. 

2Rijn  gtyetjft  bar  ntdjt  ueeme  en  roa£. 

Qf  jad)  ben  ^eren  in  ftjner  g^ewalb, 

$n  ftjner  eren21)  manmd)t>alb, 
225    S)en  fpegfjel  ber  ^ilg^en  breeoalbid&epb, 

$ar  nfoS  alle  woube  berepb 


X8)  »ortragen,  vs.  846. 

w)  fflor  (eurer)  großen  Hufeeregtljeit  fann  f$  nfc^t  maftootl  reben. 

*°)  fpridj  Ijerattf. 

")  $errlt$feii. 


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683 

Unbe  ludjjteb  ooer  ben  tjemmel  ciaer. 
3f  jag&  bar  $)efum  openbaer, 
3H«m,  unfen  Ieoen  &eren, 
280    Sit  fpne«  tmter  eren, 

So  fyne«  tmter  rechter  t>anb, 
Star  toerb  mroube  ml  ocle  befanb. 

®e  Semmel  borff**)  be«  bagl)e«  nid&t, 

®ob  t3  juloen  bat  Itöjjt. 
2S*    3f  $a$  of  tri  gobe«  throne 

aRarien  irljoglieb  fdjone 

2»9t  groter  fronen28)  claerfjepb, 

Star  \S  be  ebbele  umerfiegb. 

ERarta  be  bregljeb  ber  ^emmel  crone 
240    Sooen  allen  engelen  flotte, 

Sr  beeneb  alle  Ijemmelfdje  g^etoalb 

SJtyt  goblifer  ere  mattmdjtwlb, 

SDer  ertjeengel  mpt  dfjerubfo, 

S)er  Semmel  unbe  ferap&in, 
245    Se  jingen  bat  loff  fd&one 

SSor  beme  §og$eften  trotte, 

@e  jroigljen  bagfc  nod&  nadfjt, 

6e  fcrpett  alle  m#  ma$t: 

£Ügfo  We,  $ilg$e  &ere  fabaoty, 
250    JDe  bar  roaS  unbe  t$  unbe  blifft  gob, 

@m  JÜ  lofff  ere  unbe  banf 

(Stoigfy  unbe  oüerlangty. 

3?  sagt)  be  etoangelifien 

Sitten  by  $>efum  ©rifien 
25ö    gn  beme  fioele  ber  g^emalb 

3n  groten  tooe  memttd)t>alb. 

3f  jad>  be  alben  $eren 

©Ijectebeb  m#  groter  eren, 

©fcelroneb  m#  gljulbenen  fronen. 
260    3*e  jungen  t>or  ben  thronen 

3n  ber  $og$ejlen  terard^en, 

3ee  looeben  (Srtftum  unbe  aWarten 

9Rit  unfprefeltfer  ere. 

m)  ***tf.  »«)  ©$6ne. 

88 


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zedby  G00gk 


584 

3f  jadj  of  be  toetff 24)  Ijeren, 

265    5De  apoftele  gijn  gljenant. 
5De  ooerfte  cre  i8  en  befanb, 
San  buren  ftetmen  giin  ere  cronen 
Unbe  luvten  ooer  bcn  tyemmel  fd&one, 
©e  fcebben  purpuren  clebere  ane, 

270    ®ar  ane  juet26)  men  junne  unbe  mane 
Unbe  be  listen  fterne. 
3Ifle  ^itg^en  jeen  je  gtjerue. 
@n  i&  be  roalb  gl)eg§euen 
Ooer  aDe,  be  bar  leoen, 

275    3)en  tjemmel  ntogljen  fee  uppftuten, 

SBene  fe  \Mtn,  ben  laten  fee  bar  buten. 
ßre  ere  be  tö  menni^oalb, 
©e  tyebben  oan  gobe  grote  gtyetoalb, 
3)arumme  je  gobe  benebln 

280    Unbe  be  rennen  SKarpen. 
DI  jagt)  if  baer 
3)er  merteler  fd&aer 

Qn  föpnenben  cleberen,  be  roeren  roeb, 
©ee  f)ebben  pornmnnen  ere  noeb. 

285    ßee  brag^en  of  g^ulbene  cronen, 
©e  luvten  jo  be  junne  fdjone, 
@re  cleber  jijn  ol  gfjemengeb, 26) 
3JUt  fd^gnenben  fternen  bordj  gljefprengeb,27) 
SDe  blogenben  palmen  an  erer  Ijanb, 

290    ©rote  woube  tö  en  befanb. 

©ee  treeben  irnjt  t^rouben  uor  ben  tljroen, 
S)ar  entfyngl)  epn  pflif  jün  loen 
San  gobe  unfeme  tjeren, 
S)en  jee  benebpen  jummermere. 

295    Star  na  jad&  yt  grote  ere, 
2Bo  be  ^ilg^en  bpdjteg^ere 
©obe«  tytlglje  ambadjt28) 
Wart  em  roaerb  üuUenbradjt29) 
31  i*$  mn  t>rouben  mgneS  Herten 


»*)  toalff.  sw«.  25)  Mt. 

««)  buntgejiett.  fT)  burcftfcfct. 

»")  9lmt,  tfodjamt.  *9)  $re  ©afc  fällt  au«  ber  (Sonftatction. 


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zedby  G00gk 


585 

3oo    Sunte  9Ucotou8  unbc  junte  SWerten 

3n  gtoten  cren 

2Jtyt  ben  anbeten  $eten, 

Sßteeftete  unbe  momtefe, 

S)oeml)eten  unbe  canonnefe, 
305    SDtettene,  tniffe  bat  je  jungen,- 

$)at  be  Ijemmele  alle  Rungen, 

3Ren  jangfj  bat  föone  unbe  la«, 

©ob  jufoen  bat  bat  offer  nm$. 

S)e  fjemmelfdie  foningljtmne 
310    SDe  fonbe  ete  offer  btgngen 

9Wit  ben  fronen  ntegfctyen, 

6ee  btog^en  be«  ^emmete  ftenfceltjn 

2Jtyt  toejen  botd)  g§eg$angen,so) 

3ee  toeten  myt  ütouben  bedangen.  J 

315    ©tote  ete  if  vottbafy  jagl),  | 

SBente  men  bat  gobe«  beenft  plagl)  * 

3fla  bet  l)ilgf}en  l>od>tijb, 

©o  i$  bat  utoube  altonrijb 3l)  j 

Doet  alle  &emmel  f<$one.  1 

320    S)e  paioefe  unbe  biffdfjoppe  nt#  mn  fronen 

SSot  gobe*  anttat  bat  fe  fiaen.  j 

©unte  5ßeter  ^et>eb  bat  ambadjt  aen,  \ 

3o  t)olg§en  em  alle  Ritten3*) 

Unbe  jingen  wfpet  unbe  tnlien  ; 

325    ©obe  to  fonet  eten. 

Dt  jagl)  if  mete.  * 

3f  *<*!#  weberoen  unbe  jung^ftoutoen,  i 

S)ebe  gob  aUettjb  befd>oun>en.  ] 

3ee  lud&ten  clatet  wm  be  junne, 
330    @ee  jtjn  be«  $emmeltifeS  nmnne, 

3e  §ebben  t>atroeb  ete  ftenfcettpt 

SJtyt  eten  teinen  Mobe  ftjn, 

Unbe  ete  tepne  leoen 

J)at  fan  en  bat  otoube  gljetoen.  :j 


•°)  wie  SB*.  S88 :  bord)  g^ffptengeb. 

»»)  »eli  unb  breit 

•*)  wrljet  autQejtrid)eit;  tfilQ^en. 


33* 


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<8eogl<? 


586 

335    3e  jtaflen  *w  i°^&  throne 

3)e  Ijemmelfdje  borte. 

3f  jagt)  utfj  beme  Wg&en  ed)te33) 

Uct^alle  mgnfäen  flehte 

SSor  beme  (joggten  throne  ftaett 
340    Unbe  mpt  gobe  an  fyne  titoube  gfyatn. 

©e  font  fl^efe^reb  fdjone, 

3ee  btegljen  alle  gfjulbene  ctone, 

©e  luvten  fo  bat  fttmament 

9Ujn  binf  fif  Ijijt  ane  enb, 
345    3b  f>efft  al  eeroigf}  g^eroefen. 

3(tymanb  fan  bat  äff  to  tmHen  lejen.34) 

3t  sagl)  of  albare 

©et  jungeUnge  fd&ate, 

©c  JgetobeS  leet  boben, 
350    ©ee  ludjtcben  fo  be  Semmel  toebe, 

Unbe  alle  ctiftene  fynb, 

SDe  ane  fd&ult  tynt. 

©e  jtjn  unbetrtedeb 

Unbe  jijn  mt)t  gobeS  eten  bebeefeb, 
355    3ee  entbeten  etet  ammen 

Unbe  Dolgfjen  bente  untfdjulbigljen  lamme 

Unbe  singen  vov  beme  tytone 

©obeä  loff  tmtten  fd&one. 

©ee  btagfjen  be  mitten  ftolen, 
360    ©obe  jijn  jee  beoolen, 

$)e  imteb35)  jee  tjijt  unbe  baet 

3n  bet  l)ilgf)en  jungfiftouroen  fd&aet, 

Unbe  jijn  9Jtatten  femetete. 

@e  topen  alle:    ©ob  Ijete, 
365    SBente  bu-bift  Putten  g^ucbf 

SBtefe,  tjete,  unfe  blueb. 

®n  roetb  egn  goblif  antmetbe: 

®y  fd&olen  no<$  egn  Regne  roatben, 

SBent  juroe  tal  üotmilleb  ift. 
370    ©0  fptefeb  unfe  Ijete  3$efu  ©tifi: 

SStouroeb  juro  in  beme  jjemmeltpt 


m)  ö^eflanb;  $ift  getfUld)  §u  »erflehen?  M)  33«.  204. 

>B)  83«.  381.   SfiL  guten  83«.  384. 


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587 

Unbe  tüejeb  bcr  ^itg^en  enget  lijf. 

Stor  na  jagl)  i!  openbare 

@ne  Dil  gtote  föare, 
37  5    gjcr  ntjmanb  teilen  tan, 

©epbe  nrouroen  unbe  man, 

©deinen  fo  be  bloemen  an  beme  9Jtet)e, 

©fceclebeb  menntgljerletie 

9Jtit  goblifer  ere, 
380    See  nrouroen  jtf  tjummermere. 

S)e  engele  moten  jee  twren36) 

£o  ben  ^og^eflen  toeren, 

Star  fe  l)oren  ber  engele  janglj 

Unbe  ber  juten  fjarpen  clangl). 
386    Drgljeten  unbe  jepben  fpil 

S)e«  §oreb  men  bat  to  male  Dil. 

9Ren  §oreb  bar  oneraüe 

£)e  baffunen  fdjatten, 

Tripel87)  unbe  barbunen38)  oil 
390    Unbe  atterlepe  jetjben  fpil 

$)at  roerb  bar  to  tmllen  g$e§oerb. 

9tu  fan  if  juro  nu$t  jeggen  ooerb 

SSan  ber  urouben  gtiemepne, 

3unber  bit  Dil  clepne, 
395    S)at  if  juro  $ebbe  g^ejed^t, 

2)at  ^ebbet  t>or  roaer  unbe  uor  red&t 

Unbe  beroareb  juroe  jeele, 

6o  roerb  juro  bat  rt)fe  to  beele. 
S5o  fpraf  be  nrijfljetjb: 
400    S)u  tjeffft  redete  rool  gtjefept. 

Äonbejiu  uns  noerbat  berieten, 

@fft  jee  alle  bingt)  roeten,  tntjt  idjte?39) 
Slmor  fpral  ouer  boe: 

@roigf>  jijn  fee  pro. 
405    6e  leren  fnteäen  unbe  benennen, 

2Bat  fe  nriHen,  bat  mogljen  fe  nennen, 

©e  $oren  unbe  jeen, 

3Rit  gobe  \S  ere  nrifle  alleen. 


*•)  33«.  361.  »')  <Di«fant,  engl  tjeble. 

88)  93a|j,  frj.  bourdon.  »)  mit  etwa«,  ein  toeniß 


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zedby  G00gk 


DvJÖ 

3)o  fprol  be  fierfe: 
410    ©taen  oafte  ete  werfe? 

Stator  fprat:  3>a,  een>tgf>  unbe  langlj, 

3)e8  $ebbe  gob  bau!. 
£)o  fpraf  be  gljebulb: 

©ob  i&  ane  fdjulb. 
415       3)o  fprat  6arita3  oortoaer: 

31  betemte  openbaer, 

3)at  bu  bift  getoejl  in  beme  $emmelrt)t 

Uitbe  Ijeffjl  al  befunbertit 

6re  erc  befd&outoeb, 
420    3)c8  biftu  g$et>roun>eb. 

S)o  fprat  Eemperantia: 

aWetlife  bingf>  font  of  al  baer? 
Stator:  S)e  tijb  \&  unoorgljentlif, 

SRpt  orouben  unbenflif, 
425    3)at  t$  bag&  junber  naäjt,40) 

3)ar  i«  alle  tijb  g&etopffe, 

<5n>iglj  lid^t  junber  broffniffe. 
S)o  fprat  ©pe«,  be  ijtlg&e  &openungl)e: 

3)er  ftebe  Ijopen  alben  unbe  jungen. 
480    Stator  fprat:  D,  wo  tool  em,  o! 

SBeatuS,  qui  fperat  in  bomino! 

S)e  fiebe  tö  juuerUt, 

2111er  bogfjeb  unbe  t)rouben  rtjf. 

3)ar  \&  nid)t  men  nmnne, 
485    ©ob  ig  juluen  be  junne, 

3)e  blotnen  bar  entfpnjngen, 

3)e  oogtyele  luftttten  fangen. 

3)ar  i&  be  roete  ber  joetid&epb, 

3)e  numtnermeer  oorgljetjb, 
440    3)ar  tö  aller  trübe  bog&eb, 

3)ar  iS  be  bome  ber  pogf>eb, 

Star  toerb  npmanb  alb, 

©ee  blpt>en  aDe  tool  gijeftalb, 

3)ar  toerb  npmanb  tränt, 
445    ©e  btyt>en  g^ejunb  ooerlangl) 


*°)  Die  entft*ed)tnbr  SRefmjflle  UW- 


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589 

Qtro\$  unbe  jummerotete 

Unbe  g$eDen  gob  loff  unbe  ere. 
Sujittia:  SRa  redete 

S)u  bift  utfje  gobe*  flehte, 
450    S)u  tjeffft  uns  gl)eDtoutDeb, 

$imor  mortis  l)efft  un«  gfjebrouroeb, 

S)u  fäolt  mt)t  un*  bitten  atyijt. 

Simor,  irl>et>e  bt)  fd&ijt! 

S)at  fan  ni$t  jijn  mgt  rechte, 
455    ©at  bu  bift  mt)t  beme  orolifen  flehte. 

JpeDe  bt)  roegl)  brabe! 

S)u  bift  un*  nid^t  to  gljabe.41) 

®u  fäoli  bpne  fttaten  g$aen, 

§eDe  bt)  balbe  Dan  baen! 
460       Simor:  D  roee,  nu  jegge  mt), 

Duib  matefeci? 

2Bat  §ebbe  il  boje«  g^ebaen? 

®t)  föolen  bat  DOt  gljueb  entfaen. 

3t  Ijebbe  bat  gljejed&t  in  beme  beflen, 
465    2)at  gp  juio  beioaten  in  beme  lefien, 

2Ben  be  boeb  roerb  tonten. 

$f  l)ebbe  rool  Domomen: 

2>e  bar  nu  Dafie  ftae, 

S)e  jee  bat  l>e  ni$t  Dalle  barnae.42) 
470    $f  Ijebbe  bpt  in  beme  befien  gfjebaen. 

Sateb  mt)  mtjt  Dteben  Dan  juro  gfyten. 
S)o  fpta!  be  otmoeb: 

5Ru  baer  ib  i«  g§ueb, 

Seepen  tmmbe,  nu  Ijoreb 
475    SRidjt  meer  toen  pro  toegfjeboeteb. 

@<$ole  gij  gfjeefiltfe  binge  fmeden, 

3eet,  bat  gt)  juro  juben  ni$t  en  g^eden.*8) 

©medeb  be  bing^  Dan  boeoen, 

©o  gij  ßrtftum  mog^en  toDen 
480    So  fyneS  Daber  regtet  §anb, 

@o  toerb  juio  Dtoube  Dil  Dele  belanb. 

2Ubu8  föal  be  mgnföepb 


4I)  paffenb,  bequem;  93*.  160.      **)  l.öot.  10, 12.     «)  |«m  hatten ljaben. 


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590 

SCUetijb  roejen  bereijb 

3Jtyt  tmtd)ten  unbe  mt)t  teet>ef 

485    Sll§o  beroareb  jee  jif  uor  ben  beeren,44) 
S)ee  ber  jeelen  föebeltf  font, 
Unbe  bibben  SWarien  unbe  ere  leue  ftjnb, 
£>at  je  bg  em  jijn 
Unbe  beroaren  jee  t>or  ber  IjeHe  pijn, 

490    Unbe  Welpen  und  allen  g^etgfe 
Xoe  beme  fronen  tyemmelrijle, 
S)ar  un*  nummer  werbe  roee. 
Dat  uns  bot  allen  beföee, 
De«  ^elpe  und  ber  magfjeb  fynb, 

495    Seme  alle  binglj  mog^elif  fonb, 
S)e8  roiDe  nrij  alle  in  gobe*  namen 
Unbe  in  SWarien  namen  fprefen:    amen. 


u)  beme  bertte.    SR*. 


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XIX. 

®i«  wrfc&ottener  £öbecFer  ftejHag* 

$cn  JDitectct  Traufe  in  Stojiccf. 


WaS  nieberbeutfd&e  ©ebetbud)  be«  fünfzehnten  ^afjr^unbertS  avß 
£übe<f,  jefct  auf  ber  UniDerfüätS*93ibliotl)ef  |in  SRoftodC,  ba$  id)  in 
ber  Mtförift  ber  SÄoftoder  ©rofeen  ©tabt^ute  für  bie  30.  93er* 
fammlung  SJeutföer  Biologen  unb  ©d&utmänner  betrieb,1)  unb 
a\S  beffen  einfüge  33efifcerin  $err  ©taat$ar<$toar  SBeljnnann  mir 
bie  am  27.  2)ecember  1552  uerfiorbene  HRargrete  SBere,  Derel)eüd&te 
JBrömfe,  bann  roiebemrmäljlt  mit  Sambert  2öiting&off,  gütigft 
nadjnrieä  (1.  c.  6.  4),  ^atte  im  Äalenbarium  ein  mir  unbekannte« 
unb  unbeutbareä  geft.    S)er  iß.  SWai  \)at  bort  bie  23ejetd)nung : 

„bat  fefi  unfer  jjooettyeren  be«  ftidjteä." 
SBeber  bie  ^eiligen  be$  Sage«  gaben  eine  SKufflärung,  no<$  fd^ien 
fie  au$  Sübeder  33erf)ältmffen  fid)  finben  ju  laffen.  3)ennoc$  ifl  fie 
im  Liber  Memoriarum  Ecclesiae  Lubecensis  im  Urfunbenbud) 
be£  33i£tl)um$  Sübed  ©.  8  föon  gegeben,  worauf  id&  inbcffcn  erfi 
burd)  ©djirren«  Seiträge  jur  Äritif  älterer  $olftein.  ©efd)id)t$* 
quellen  (Seipjig  1876)  ©.  30  f.  aufmerffam  geworben  bin : 

XVII  Kai.  Junii  adventus  reliquiarum  S.  Nycolai  et  pluri- 

morum  sanctorum,  quas  pius  dux  Hinricus  contulit  huic 

ecclesiae. 

2übtd  feierte  alfo  am  16.  3Kai  bie  Translatio  S.  Nicolai  Lubecam 

(roäljrenb  baS  geft  ber  befannten  Translatio  auf  ben  9.  9Kai  fällt), 


')  3n>ei  SMeberbeutfdje  ©ebete  be«  15.  3a(jr$iinbert*.  SBcn  St.  G.  £.  äraufe. 
8cBgrbi6t  auf  bie  3ufammenlunft  granj  I.  mit  Statt  V.  in  Aegues  mortes. 
»ou  Dt   %.  «inbner.    Hofiert  1875.    ©tiUer. 


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592 

unb  biefeg  gefi  mürbe  nod)  am  @nbe  be£  fünfzehnten,  bann  genrife 
au$  no$  im  fe^jeljnten  Qfa^unbert  begangen.  S)a  aber  9fUcotau£ 
unb  feine  Reliquien  *©enoffen  fd&roertid)  allein  „fjowtfjeren  beä 
ftid&teä"  genannt  werben  fonnten,  wenn  ipeinrid)  ber  Sötoe  ben 
2)om  ju  ©dren  QofymneS  beö  Käufer«  unb  beS  ^eiligen  SRicotauS 
erbaute  (n?3.  cf.  Arn.  Lubec.  1,  18)  unb  nad&  ben  Sßöljlber  unb 
SKagbeburger  SSnnalen  (a.  ii63)  bie  ßirdje  ber  ÜJtoria  unb  bem 
\).  SWicolauS  nom  £erjog  geweift  war,1)  jo  fd&eint  fid)  am  16.  2Wai 
ein  geft  aller  biefer  6tift$  Patrone,  genrifferma&en  bie  93i3tl)umS* 
Äird&roeil),  au«  bem  gefte  ber  tteberfüljrung  ber  ©ebeine  biefe* 
§aupt^eUigen  ber  ©eefiäbte  entnridett  ju  fjaben. 
SRofiocf,  im  3uli  1876. 


J)  5lud)  IBlaflu«  war  ©tif tfc^atron,  gucrfl  aU  feiger  ettoäfcnt  1222.  Utf.^lB. 
be*  $i«ty.  «üb.  I,  OTt.  6  9lnm.,  45,  61. 


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Beiträge  jur  Hübt&ifätn  ©locfenfimbc. 

SBcn  Dr.  Sljeobor  $ad). 


I. 

wie  mefentltd&  bie  Sammlung  be«  in  ben  ©loden  unb  iljten  $it* 
fdjrtften  enthaltenen  utfunblid&en  3RatetialS  unb  bet  übet  rfyct  ®ttt^ 
fieljung  unb  SSetänbetung  im  Saufe  bet  $t\ten  no<$  auffinbbaten 
Ijtftotifd&en  SRottjen  ju  bet  nötigen  ©tfenntnifj  bet  ^efotatyUd&en 
©efd&id&te  überfjaupt,  unb  ni<$t  nut  jut  ©efdftfd&te  be*  rinlietmlfdfien 
©eroetbe«  beijuttagen  im  ©tanbe  ift,  jeigt  ba^  ©tteben  fafl  attet 
#ftottfd&en  Seteine,  genaue  Äunbe  bet  ©lodten  üjte«  SejitfS  fid&  ju 
t>etfdf)affen.  ®o  Ijatte  benn  aud&  bet  SSetein  füt  Sübedtifdlje  @efd)idf)te 
unb  2Htett^m8funbe  im  %ofyci  1859  angefangen,  bie  oottyanbenen 
©lodert  mit  iljten  Qnfdfjttften  utftmbltdf)  aufjuneljmen).1  SJon  ben 
gtefultaten  bietet  jum  Sljeil  fd&mietigen  unb  müljeooflen  Sltbeit  ift 
bislang  nod&  nid^t«  an  bie  Deffentlidfjfeü  getteten,  ba  namentlich  <mä) 
bet  mangelhafte  ßuftanb  unfetet  Äitd&enatd&toe  ftdf)  bet  götbetung 
unb  aSoDenbung  be«  Untetne^mettö  ^nbetlid^  etnrfe«,  fo  bafe  ein 
Slbfdjjlufe  beffelben  audf)  je|t  nod&  ntcljt  gemalt  roetben  fann. 

S>ennodij  foll  im  ftolgenben  bet  SBetfudf)  gemalt  roetben, 
einjelne  füt  bie  l)ieftge  ©lodtenfonbe  mistige  $uncte,  fo  meit 
t^unlid^,  flat  ju  legen  unb  bet  auäfitytlid&eten  Sltbeit  ootgteifenb 
(jiet  oottDegjune^men,  bie  gftagen  nämlid^:  roet  go&  unfete  ©lodten, 
wo  wutben  fie  gegoffen,  unb  mann  fmben  mit  juetft  ©lodten 
Ijiefelbft 

©8  tfl  belannt,  bafe,  mie  faft  jeglid&e  Äunft,  fo  namentlid)  aud& 
bie  ©tjgiefcetei  unb  inäbefonbete  bie  Äunfl  be«  ©lodfenguffe«,  audf) 


*)  f.  3eitfd)iift  bei  ©et.  f.  «üb.  ®ff«.  u.  Sf.  93b.  I.  ©.  408. 


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594 

In  fceutfd&lanb,  im  SJtittelalter,  bis  MS  elfte,  tyetlroetfe  audfj  bis 
WS  jroötfte  So^r^unbert  au$fd[)lteßlid[j  in  ben  #änben  ber  Äirdfje, 
b.  f).  namentlich  ber  ßloftergetftltdfjen  mar.2) 

9Rit  bem  Sbifbtü^en  ber  ©täbte  mbeß  unb  ber  3^fte  *n  $nenf 
namentlich  im  oierje^nten  $al)rf)unbert,  ging  bann  audE)  biefe  Äunfi 
an  ben  £anbmerföfianb  über.  @o  ift  tS  benn  maljrfäemltdf),  baß, 
foroett  nid^t  frembe  umfjerjtelienbe  SReifter  aud[j  Verlier  famen,  in 
Sübedf  bie  ©lodfengießcrei  t>on  Anfang  an  üon  ben  betreffenben 
Sunftmeifiern  ausgeübt  mürbe. 

S)aß  bie  ©lorfcngicfeerfunfl  oon  frü^  Ijer  fd&on  Ijiefelbfl  in  großer 
Stütze  geftanben  Ijaben  muß,  in  melier  fie  ftd&  ja  audf)  bis  in  bie 
nmfitn  Reiten  erhalten  liat,  fönnen  mir  barauS  fd&ließen,  baß  bie 
„platea  campanarum,"  meldte  1286  als  „plateacampanariorum3") 
unb*  1352  als  „Slocgljiterflrate"  bejeufcnet  mirb,4)  föon  1256  in 
einer  Urfunbe  uorfommt,5)  unb  ba|  tS  außer  bem  ©tabtgiejtyofe 
auf  ber  ßaflabie  aud[j  einen  „©lodengießer^of "  Ijiefelbft  in  ber  ©tabt 
gab,  nämlidfj  baS  jefcige  §au$  Jß  501  in  ber  ©ngetegrube.6) 

Urfprünglidf)  nun  feilten  fidf)  bie  Ijieftgen  ©ießer  überhaupt  in 
jroei  äemter,  in  bte„©rapengeter,"  meldte  inSbefonbere  metallene 
Siegel  u.  bgl.  anfertigten,  unb  in  bie  „2lpengeter,"  meldte  fjaupfc' 
fä<pdf)  bie  feineren  arbeiten  lieferten  unb  üjren  9tamen  baoon 
führten,  baß  fie  „2lpen,"  b.  f).  giguren  unb  Qittxoti)t  an  iljren 
arbeiten  anbrad&ten.  2Bäf)renb  nun  bog  3lmt  ber  „©rapengeter" 
gegen  @nbe  be£  16.  Qafirfjunbertö  einging,  einjelne  biefeä  2lmte3 
jebotJj  audf)  ©lodEen  ju  gießen  fidf)  unterfingen,  entmidtelten  fid^  bie 
„Slpengeter"  meiter  ju  bem  Slmte  ber  SRotygießer,  6tüdf*  unb 
©lodfengießer,  meines  erfi  im  Qafjre  1861  aufgehoben  rourbe. 

Um  bie  3Witte  beg  16.  £^rl)unbert£  nun  erfd&eint  ein  eigener 
9tat\)S*  ©tüdf*  unb  ©lodfengießer,  actenmäßig  juerft  1562  nad&* 
roeigbar;  bodfj  barf  angenommen  werben,  baß  ba£  ^nflitut  felbfl 
ein  ältere^  fei.7)     $iefer   oom   Statte  angenommene  ©tüdt«  unb 

8)  f.  §.  $.  £•  £>tto,  GNctfenfunbe.   SeiVgtg  1858.  ®.  47. 

8)  f.  Süb.  Urf.>93.  $b.  I.  @.  215.       «)  f.  Hb.  Urf.*$.  93b.  III.  ©.  U6. 

ß)  f.  $ault,  SHebolbttenten,  Staging  A.  Str.  20. 

•)  ^Beiläufig  fei  tyier  bemetft,  ba§,  tote  nod)  gegenwärtig  ba«  «&au«  JRr.  266 
am  Warft  „bie  ©lotfe"  fceifjt,  fo  ba*  $au*  Wr.  1001  auf  bem  JNingen&crge  in 
alten  3eiten  ben  Kamen  Jo  ber  JNotfen"  führte,  f.  &djröbrr,  Sopogra^.  9lotij. 
Sfib.  1843.  ©.  14  a.  <t. 

7)  5)fe*  tagt  fi$  namentli$  aud)  barau«  fließen,  bajj  biefer  juerft  al« 
Wat$«gieSer   1562  (Benannte  bereit«  1581  um  f$leunige  {Reparatur  be*  ®iegs 


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595 

©lodfengtefcer  mar  mit  gennffen  ^rtoilegien  auSgerüftet  unb  Ijatte 
namentlidf)  baS  erforberlic^e  93elagerungS*  unb  $elbgefdf)ü|  für  bcn 
Sebarf  ber  ©tabt  nad&  beflimmten  Slnfä^en  ju  gießen;  1675  §.  ». 
erhielt  er  für  grobem  ©eföüfc  20  fr  Süb.  a  ©d^iffpfunb  (280  ft),  für 
Heines  ©eföüfc  unb  SHörfer,  toeld^e  weniger  als  ein  ©d&iffpfunb 
wogen,  28  fi  für  jebeS  SteSpfunb  (14  ft).  S)ie  3tatf)$  *  ©tü<fc  unb 
©lodfengiefeer  wohnten  auf  bem  nodfj  jefct,  freilid^  jiemlidE)  verfallen, 
©orfjanbetten  ©tabtgie&fjofe  auf  ber  Saftabie,  in  beffen  ^ntereffe  am 
2.  September  1696  ein  SlatfjSbecret  erlaffen  roarb,  entljaltenb  ba$ 
„UJerbot  ber  gortnaljme  von  einer  geuriffen  6rbe  bep  bem  £algljofe 
(bem  jefcigen  9tebenI)of),  fo  ju  bem  ©tu*  unb  Älodfengiefeen  unum* 
gänglid)  oon  5Rötljen  unb  be^alb  ju  ber  ©tabt  9tu|en  ju  amfertriren." 

S)ie  9tatt)S*@tüdf*  unb  ©lodfengiefcer  fianben,  ober  glaubten 
bodfj  eine  ©tufe  tyfytx  ju  fielen,  als  bie  übrigen  SRotl)*,  ©tüd*  unb 
©lodfengiefcer;  als  menigftenS  baS  2lmt  ber  Stotygiefcer  einmal  ben 
2lnfprudE)  geltenb  madfjen  roottte,  bafcaudE)  ber$ftatf)S  giefcer  au  tyrem 
Slmte  fic^  galten  foHe,  fe|te  biefer  in  feiner  entgegnenben  ©mgabe 
an  ben  9toti)  baroiber  auSeinanber,  bafc  tym,  als  eines  SRatijS 
©tu*  unb  ©lodfengiefcer,  eine  fo  beträd&tlidfje  ©rniebrigung  nidjt 
rooftf  anftänbig  fein  fönne. 

3u  ben  Privilegien  ber  SRattySgiefeer  gehörte  es  nun  audfj,  bafj 
fie  allein  befugt  fein  foHten,  ©lodfen  von  meljr  als  2  ©d&tffpfunb 
©eroidfjt  in  unb  für  Ijiefige  ©tabt  unb  ©ebiet  ju  giefcen.  S)tefeS 
SRed^t  nmrbe  tynen  aber  factifdfj  oft  genommen,  unb  häufig  Ratten  fie 
©etegen&eit,  fid^  befdfjroerenb  an  ben  Statt)  ju  roenben  über  eingriffe 
in  U»re  Sterte,  bejonberS  feitenS  ber  „©rapengeter,"  meldte,  obgleich 
ober  weil  als  2lmt  aufgellt,  jenes  Sßrimleg  ntdfjt  anerfennen  wollten, 
urie  benn  audf)  bie  Slotijgiefjer  oft  ein  ©leidfjeS  traten.  @o  mürbe 
j.  8.  1634  eine  uon  einem  Sftotljgiefeer  Ijter  gegoffene  unb  nadj) 
Hamburg  beftimmte  ©lodfe  Don  4  ©d&iffpfunb  ©euridEjt  auf  Antrag  beS 
9tatl)Sgief$er8  t|ier  arreftirt,  ioä)  f^lie&lid^  auSnatymSmeife,  ba  fie 
aus  altem  ©ute  fcergefteHt  mar,  auszuführen  t>erffottet,  bagegen 

fcaufe«  bittet,  ba  tiefe«  fc  Baufällig  fei,  bafj  et  bei  ber  Arbeit  feine«  «eben«  ntd)t 
flauer  fein  fönne.  3Bie  bebeutenb  übrigen«  btefe«  9lmt  eine«  9&aty«giffiet«  getoefen 
fein  muß,  erfennen  toir  batau«,  bafj  au«toärtige  dttctfengiejjet  „vielfältige  anbete 
Sefoberungen  in  bie  SRieberlanbe,  Jtanfteid)  aud»  Xeutfdjlanb"  au«fd»lugen,  um  $iet 
9toty«gieger  ju  treiben.  («Rad)  im  ^feftgen  <§taat«atd)it>  befinblidjen  SUtenflfitfen.) 
Sßon  Ijtet  au«  toutben  benn  aud)  @efd)ü^e  unb  ©locfen  in  frembe  fcänbet  unb 
Jtönigtei^e,  naä>  JD&nemart  S3tanbenbutg,  ja  nadj  fRuglanb  unb  bi«  nad)  9ra)s 
angel  hinauf  »etfanbt. 


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5S6 

1638  bemfelben  Stotljgiefeer  abermals  unb  jroar  bei  SJertufl  be8 
State«  oerboten,  ©lodert  oon  me&r  als  2  ©dfjiffpfunb  ©enrid&t  ju  gießen. 
Stttein  burften  nun  bie  ©egner  ber  giat^dgieger  in  ^iefiger  ©tobt 
unb  bereu  ©ebiet  feine  größere  ©loden  gießen,  fo  um&ten  fte  ftdfj 
ju  Reifen.  Sie  Ratten  (tote  e«  in  einer  »efd&toerbe  eine«  StatfyS« 
giefeer*  Reifet)  „ju  3ta|eburg  ein  befunber  ©iefftau«  angerichtet," 
unb  goffen  bort  munter  fort;  ein  anberer  ©tefcer  Ijatte  feine  3Berf* 
fiätte  ht  SRenfefetb  aufgefd&lagen,  unb  oerfonbte  feine  ©loden  tum 
bort  „in  frembbe  ßänber  unb  ßönigreid&e/8) 

S)ennod&  aber  bttrfen  toir  behaupten,  bafc  toenigfiettS  bie  größten 
fcter  oerfertigten  ©loden  faft  ade  auf  bem  ©tabtgiefftaufe  gegoffen 
fütb;  fcfcon  au«  bem  ©runbe,  weil  in  ben  Käufern  ber  SRot&giefjer 
unb  ©rapengtefjer  in  ber  Siegel  e«  an  bem  erforberlid&en  Sßlafce 
fehlte,  um  bie  nötigen  ©nrid&tungen  ^inftd&tUdf)  ber  gorm  ju 
treffen,  audfj  metfiena  toobl  bie  bort  oor&anbenen  ©d&meljöfen  ttidjt 
eine  fo  bebeutenbe  3Renge  oon  SWetaH  gu  f äffen  oermod&ten.*)  SRur 
in  einzelnen  gäHen  unb  namentlich  bei  nad&  au« wärt«  beftimmten 
größeren  ©lodten  toarb  auf  be«faBftge8  ©uppüciren  ju  9tat&,  ,,bafc 
ber  Dfen  im  ©iefftaufe  tym  jur  ©iefwng  ber  ©lodfe  tttdfjt  bienli^/ 
einem  ^td(jt*9ia#$giefeer  beroiHigt,  bafj  er  nidjjt  in  feinem  $aufe 
unb  audj)  nidjjt  auf  bem  ©tabtgiefefjofe  P  gießen  braud&te,  fonbem 
bafc  ebenen  Ferren  be3  3Warftatt8  committirt  toarb,  tljm  einen  be* 
quemen  Sßlafc  oor  bem  ©urgt^or,  atttoo  er  fold&eÄlode  giefcen  fömte, 
anjumeifen;"  fo  j.  8.  1707  bei  einer  nadjj  ©tralfunb  befttmmten 
©lodfe.  Einige  ©loden  mürben  au$  auf  bem  Surgtir^^ofe  gegoffen, 
§.  SB.  bie  $utöglode  ber  SWarienfird&e  1545  unb  1546,  o&ne  bajs 
ber  ©runb  hierfür  einleudjjtenb  märe. 

3m  Uebrigen  werben  bie  oon  ben  9lid^t*9tat^ÄglodengieBem 
oerfertigten  ©loden,  namentlich  bie  Heineren,  faft  ausnahmslos,  toe* 
ntgfienS  fo  toeit  für  fcteftge  ©tabt  unb  beren  ©ebiet  befttmmt,  in 
i^ren  betreffenben  5ßrioat  *  ©ie&^äufem  gegoffen  fem,  oon  meldten 
einige  auSbrüdlicIj  als  ©loden  gteftyäufer  bejeid&net  toorben  )u  fein 
fdjjeinen;  toenigftettS  beruft  ftd^  gegen  eine  33efd&toerbe  beS  3tatf)S* 
gte&erS  ber  ©ie&er  einer  ©lode  barauf,  fein  $auS  fei  ein  ©loden* 


8)  9la<t)  im  ^teflgen  ©toat«ard)i»  6ejiiibUa>it  fcufeeicfynungfn. 

•)  $er  nod)  jefet  ©orljaitbene  gtofe  @d)mcljofen  im  ©tabtgieffjaufe  faft  naa> 
2lnaa&e  be*  jefct  bort  too^nenben  (Bieget*  löooott  SRetaQ  unb  würbe  gule^t  1811 
beim  <Bu§  ber  belben  ca.  leooo  9  fetteren  (Werfen  fftt  ben  ®a>>etfaet  $om 
bettu^t. 


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* 


597 

giefcerljauS, .  „mie  'totö  in  ©tem  eingefallene  Signum  e3  weifet;" 
mithin  bitte  et,  „iljn  bei  feinem  oor  me&r  als  100  Sauren  oon 
feinen  93oreltem  erhaltenen  Siedete,  bie  fleme  unb  grofce  ©loden  ju 
gie&en,  ju  mainteniren."  93ieHei<$t  liefen  fid^  aiuS  ben  ©tabtbüdfjern 
fol<$e  Raufet  noä)  nad&weifen;  in  ben  etwa  400  Urfunben,  weWje 
fid(j  in  bem  anfange  ju  Sßauli'S  äBiebolbSrenten  befinben,  ift  wir 
eine  Ijierljerbejüglid&e  Sftotij  nid&t  aufgeflogen. 

Sei  foldfj  blütjenbem  ©tanbe  ber  ©todengiefcerfunft  (jiefelbft  ifi 
e8  ft<$er  oon  3(ntereffe,  bie  Mamtn  ber  fjiejigen  ©ie&er  ju  fennen 
unb,  was  wir  von  i^nen  unb  Um  SBerfen  rotffen,  jufammensufiellen. 
3)a  es  inbefc  erft  im  16.  unb  17.  3$>rf)unbert  burd&geljenbs  ©ebraudjj 
wirb,  bafe  fidjj  bie  SDteifier  auf  ben  ©loden  nennen,  fo  finb  mir  für 
bie  älteren  Otiten  auf  jufäHig  erhaltene  SRadfjrid&ten  angewiefen,  unb 
bie  Anfänge  ber  (jieftgen  ©todengie&erei  füllen  fidf)  in  bid&teS 
S)unfel.  &)t  mir  befftalb  bie  Flamen  ber  einjelnen  ©lodengiefcer 
unb  ifyre  ©djjidffale  weiter  betrauten,  ift  eS  wo&l  angemeffen,  ben 
älteften  ©puren  oon  bem  SJorfommen  oon  ©loden  ^iefelbft  über* 
$aupt  nadfougeljen  unb  bis  jur  erften  ^iftorif^  beglaubigt  l)ier 
gegoffenen  ©lode  ju  verfolgen. 

$>ie  ättefte  SRotij,  meldte  iä)  in  tiefet  $tnfidjt  biÄ^er  fytbe  auf* 
pnben  fönnen,  flammt  aus  bem  Satyct  1191.  3n  ber  Urfunbe  oom 
23.  gjtai  1191  nämlidf),  burd&  wetd&e  qSapft  ©oeleftin  III.  baS  @t 
^oljanntsflofiter  in  Üübtd  in  feinen  befonberen  ©d&ufc  nimmt,  wirb 
bem  Älofier  oerfiattet,  im  gatte  eines  allgemeinen  SanbeSinterMctS 
bet  oerfd&loffenen  Spüren  unter  StaSfdjjlufc  aller  ©jcommunicirten 
unb  Qnterbicirten  „non  pulsatis  campanis,"  alfo  o^ne  ©loden* 
geläute,  mit  leifer  ©timme  ©otteSbienft  ju  galten.10) 

2)ie  nädftftfolgenbe  ©rwäfmung  t>on  ©loden  in  Üübtd  bejie&t 
ftd[j  auf  baS  ^r  1249  unb  gehört  me^r  ber  ©age  an,  ba  SßofitioeS 
baräber  ftd^  nid^t  nad&weifen  läfet.  Qn  bem  genannten  %ofyct  1249 
foff  nämlidfr  bei  bem  erfolgreichen  ÄriegSjug  ber  Sübedifdjjen  Sttrger 
gegen  Äönig  @rid^  oon  Sfönemarf  unter  bem  otelen  Staubgut  neben 
anberem  audj)  eine  grofje  ©lode  fidfj  befunben  Ijaben,  bie  im  @t.  ^focobi* 
2$urm  ^iefelbft  an  ftarfen  eifernen  Soljen,  nadjjbem  bie  oberen 
$änge  jerbrodfjen,  aufgehängt  unb  nodfj  bie  „Äopenfytgener  ©lode" 
jubenannt  fei;  jefet  freilid&  ifl  fie  längft  nidjt  me^r  oor&anben.11) 


")  f.  fcfib.Urf.*©.  S3b.I  9tr.  8  6.  18;  *$l  au*  bafelfcft  I  <Rr.  833  <S.818. 
")  f.  5Deecfe,  2ublfd)e  @ef<t).  u.  Sagen.  Subecf  1858.  <5.63  u.  389  unten. 


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598 

aber  rotnn  audfj  fnftoriftf)  ba£  frühere  SBorljanbenfetn  et  gern 
verfertigter  ©lodten  Ijtefelbft  nidfit  ftdf>  foHte  nad&metfen  laffen, 
fo  fprid&t  bafür  fdfjon,  bafc  in  ber  oberroeümten  Urfunbe  (5Rote  10) 
ba«  ©lodfengeläule  beim  ©otte^bienft  als  etma£  bei  regulären  3ei** 
lauften  ganj  SelbftoerftänbticIjeS  fjingefteHt  erfdfjeint.  Unb  au$ 
abgefeljen  hiervon  wäre  bod&  mit  ©idjer^eit  anjune&men,  bafe  in 
einer  fo  mädfjtig  aufgeblühten  ©tabt,  toie  ßübedt  es  fd&on  am  @nbe 
.  be£  12.  Qa^unbertö  mar,  unb  in  toetdfjer  §.  33.  im  3a$re  1227 
aufeer  ber  ©ptecopalfirdjje,  bem  2)om,  bereite  bie  $etrifird&e  (fdfjon 
oor  1170  erbaut,  bie  Sacobtfird&e,  bie  ^anmgflofterfird&e,  bete 
cenobium  beate  Marie12)  unb  bie  Äirdfje  ober  (SapeUe  6t.  Qo* 
Rannte  auf  bem  ©anbe  beftanben,  fidler  audf)  ber  ©ebraudf)  ber 
©lodfen  nidfjt  gefehlt  liaben  toirb,  melier,  roemgftettö  in  Ober* 
beutfd&lanb,  um  bie  9Jtftte  be3  9.  3fa^unberte  bereite  nidfjt  nur 
in  ben  Älöftern  unb  ©tobten,  fonbem  aud)  auf  ben  Dörfern  ooflftän* 
big  ein  ritus  oecumenicus,  ein  allgemeiner  Äird&engebraudf),  geworben 
mar/3)  alfo  fidler  audf)  an  bem  @i|e  eine«  angefeljenen  SJifdjjofS, 
wie  ßübedt  eä  feit  1163  mar,  beftanben  tjaben  mirb. 

Urfunblidf)  fteftf  ba$  SBorfommen  ber  ©lodfen  ^ierfelbfl  jum 
ftrdEjlid&en  ©ebraudfj  bann  nrieber  oom  3faljre  1259,  in  meinem 
ein  Campanarius  St.  Petri  ermähnt  mirb,14)  unb  meiter  öom 
3$>re  1266  feft,  ba  in  einer  Urfunbe  oom  i.S)ecember  1266  93tfd^of 
3$>anneS  oon  ßübedt  bie  ginfünfte  beS  Campanarius,  be$  ©lödfnerS, 
am  $)om  regelt.15) 

$)ie  erfte  ©pur  be£  ©ebraudfjeS  ber  ©lodfen  fjiefelbft  ju  roelt* 
lid&en  3mecfen  finbet  fidfj  in  einer  Urfunbe  oom  9.  Sluguft  1301, 
roo  Sogt  unb  9tatl>männer  ber  ©tabt  ßübedt  bei  ©elegen^ett  einer 
oon  iljnen  eingelegten  SlppeUation  befdfjeinigen,  bafc  fte  „in  con- 
sistorio  civitatis  nostre  ad  sonum  campane,  prout  est  moris, 
congregati"  gemefen  feien.16) 

S)ie  gegenwärtig  noef)  oor^anbene,  pofttio  nad&toeisbar 
alte  fte  ©lodte  in  2übtd  ift  bie  freiltdE)  fleinfte  ber  in  ber  S)om* 
fird&e  befmblidfjen.    3lad)  ber  in  alten,  jum  £ljeil  fd&iefen  unb  beim 


l*)  f.  2üb.  Urf.sQ3.  93b.  I  6.  9  3e«e  1  »on  unten. 
")  f.  •&.  Ottt,  ©locfenfunbe.  Seidig  1858.  @.  7. 

")  f.  20.  SRanteU,  „Ueber  bie  beiben  älteren  «überfif^en  »ürgennatrifeln/ 
im  Dflctprogramm  be*  Gaüjattnenm«  ju  SüBecf  1854,  @.  26  a.  (S. 
M)  Urf.*8.  b.  ©fcfy  Sab.  I,  <Rt.  184  pg.  189. 
")  «üb.  Urf.<$.  II,  2.  @.  949. 


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599 

@u&  »erhobenen  gotljifdjen  aWaju$fel*23u<Paben  gehaltenen  Qnfdjrift 
nmrbe  fie  am  23.  Quni  1315  gegoffen.  $l)tt  @ntftef)ung  fällt  alfo 
unter  bie  §errfdjaft  be£  mit  ber  ©tabt  Siibecf  in  eroigem  Unfrieben 
lebenben  Stfd&ofg  93urd)arb  von  ©erden  (1276-1317),  unb  roäre  e£ 
nid^t  unroa^rid&einlid),  bafc  fie  ber  am  21.  Slpril  1314  erfolgten 
STuäföfmnng  ber  3)om^erren  mit  bem  Statte,  als  einer  für  beibe 
Steile  freubigen  SBeranlaffung,  il)r  SDafein  oerbanft.17) 

SDod)  baS  fü^rt  uns  fc^on  in  bie  Setradjtung  unb  bie  ©efdjicfyte 
ber  einjelnen  ©Coden  hinein,  bie  inbefc  ber  attöfüfjrlidjen  3ufammen* 
ftettung  aller  in  Siibecf  oorljanbencn,  ober  nadjroetelidj  oortjanben 
geroefenen,  ober  Ijiefelbfi  gegoffenen  ©locfen  oorbe^aiten  bleiben  mufe, 
an  bie  ftd)  audj  tfjunlidtfi  3Mitt^ei(ungen  über  bie  einjelnen  ©iefcer 
unb  tyre  S^ätigfeit  anfdjliefcen  foflen. 


")  ©ei  e«  gemattet,  bei  biefer  ©elegenljeit  beiläufig  einen  3rrtljum  ©ecfer'd 
in  feiner  ©efebidite  ber  @tabt  Sübftf  I.  <&.  249  ju  beud)tigen.  9Zad)  tym  foll 
ba£  ®efänge  unb  ®eläufe  in  allen  biejtgen  Jfcirdjen  erft  1317  am  3Rartin:$if&ef*s 
taQt  (n.  Sfcoobr.)  wieberbegonnen  traben.  3Me6  wäre  an  ftd)  nid)t  unwatjrfdjein* 
lid),  beim  no<fc  in  ber  Urfunbe,  burd)  toeldje  (Sarbinal  SJerengar  baa  3nterbict 
unb  ben  93a nn  gegen  gufccf  aufgebt,  am  21.  2Rai  1317,  r>ei§t  e*,  ba§  a  qnam- 
plöribus  annis  preteritiö  citra  in  —  eiusdem  ciuitatis  ecelesiis  ccssatum 
extitit  a  divinis  (f.  Urf.sSB.  b.  93i*ty.  £üb.  I.  <S.  560).  (5*  war  alfo  ber 
öffentlt d>e  ©ottetfbienfl  nod)  nld)t  wieber  aufgenommen;  bagegen  mufi  berfelbe 
bereite  vor  bem  27.  October  1317  wieber  begonnen  fjaben,  ba  in  ber  »on 
biefem  Sage  batirten  Ouittungtfurfunbe  über  bie  von  ber  <5tabt  bem  (Safeitel 
Qtiatytt  lefcte  fflate  »on  2000  SWarf  Pfennigen  befdjeinigt  wirb,  ba§  biefelb* 
„nuper  post  resumpeionem  divinorura"  gejault  fei.  (f.  2üb.  Urf.*93.  II,  1. 
@.  304.) 


59 


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«leine   SÄitt^eilungett- 

33on  ©taat*ar$f »ar  ffie^rmantt. 


1. 
Jur  •eföidjte  bea  PudjIjanbeU  in  fttbedi. 

,3n  einem  2tuffa|e  be«  $erm  Dberappettationäratt)  Sßauti  „93ei* 
träge  jur  @ef$id)te  ber  erften  Sudjbruderei  in  Sübec!"  iji  angegeben 
(6.  oben  ©.  262),  bafe  ein  ßübeder  Stirger,  Gurb  £urlemann, 
Süd&er  jum  Verlauf  nadj  9tiga  gefanbt  fytbe.  9tun  gel)t  aus  einer 
fürjtid)  aufgefunbenen  Urfunbe  $eroor,  bafe  berfelbe  fie  birect  t>on 
3fo^anne8  gufi  au«  9Jtainj  bejogen  fjat.  S)er  3tatl)  oon  granffurt 
am  SWain  beglaubigt  nemlid&  am  3.  3uni  1469  bei  bem  Statte  oon 
Sübect  einen  33eooHmäd)tigten  ber  @rben  be«  iitjioifd&en  oerftorbenen 
Soljanne«  guft,  um  beren  gorberungen  an  6urb  $urlemann  für  bie 
oon  üjm  bejogenen  SBüd^er  einjufaffiren.  3)crgletdjen  ^Beglaubigung^* 
treiben  famen  im  SDUttelalter  häufig  oor  unb  audj  baä  f)iefige 
Slrdjio  bewahrt  eine  SKenge.  S)a$  eben  ermähnte  möge,  tyeilS  als 
SRadjtrag  ju  bem  obigen  äuffafce,  tyeilS,  weit  e£  eine  $anbel$oer* 
binbung  mit  9Jlainj  in  einem  beftimmten  gaUe  nad&toeift,  im  folgen* 
bem  mitgeteilt  werben.  35a3  Siegel  ifi  oon  bem  93aube,  an  meinem 
e$  befeftigt  mar,  erftd&tUdj  abgefönitten. 

„$)en  furfidjtigen,  erfamen  unb  nrifen  burgenneiftem,  fdjeffene 
unb  rat  ber  ftat  Subetfe  embieten  mir  burgermeiftere,  fdjeffene  unb 
rat  ber  ©tat  grantffurt  unfern  fruntlidjen  binft.  (Srfamen  guten 
frunbe.  ©£  fin  oor  uns  fomen  bie  erbare  ©rebe  gufteu,  efcroan 
QotjanncS  guflen,  feiigen  burger«  ju  Sftenfce,  elid)e  fjuSfrauroe  meß, 
unb  mit  er  $etru$  oan  ©ernSljeim,  ber  oorgenanten  ©reben  unb 
QobanneS  guften  feligcn  bod&terman,  unä  beridjteube,  wie  ßonrat 
£orteman,  uroer  mitburger  ju  Subedfe,  bem  oorgenanten  Cannes 


in 


zedby  G00gk 


601 

Ruften  ieligen  unb  fincn  erben  fdjutbid)  fo  oon  etlicher  gebrudter 
bud&ere  wegen  unb  anber&  Starumb  bon  bie  ifcgenante  ©rebe  unb 
$eter  oor  fidf>  unb  alle  Cannes  guften  feligen  nad&gelaffen  erben 
ganzen  oollen  gemalt  unb  mad&t  gegeben  l)an  t)te  oor  un$  unb 
geben  in  crafft  biefe«  brieff«  (Sonraten  ipendtö  oon  ©ubenSperg, 
ber  oorgenanten  ©refcen  etilen  fjuämirte,  jciger  biefeö  brieffS,  folid^e 
föulbe  unb  offerftorben  gut  an  ben  obgebad&ten  ßonrat  iporleman 
ober  fine  erben  injuforberu  unb  injubringen  red)t(idf)  ober  gutlicf). 
Unb  roaS  ber  genante  ©onrat  igendtö  in  biefen  fad&en  alfo  rec^t* 
U<$  ober  gutUd)  fjanbelt,  but  ober  teffit,  be£  fjabe  er  ganzen  ooflen 
geroatt  ju  geropne  unb  ju  oertufte  unb  ju  allem  regten.  Sitten 
wir  fruntltd&en  uioere  erfamfeit,  bem  oorgenanten  ßonrat  ipendtö 
an  furberunge  folidEjer  oorgefd&riebeu  föulbe  furberlidE)  unb  befjolffen 
ju  finf  bag  im  bie  oon  utoerm  egefc&rieben  burger  geljantreidfjt  unb 
bejalt  mögen  werben  unb,  toaS  red)t  tö,  mtjberfare.  Serbienen  mir 
umb  utoere  erfamfeit  allejijt  gerne,  ©teben  unb  oaften  glauben  unb 
epn  ganfce  juoerficfyt  ju  fiaben,  ma£  bem  oorgenanten  ßonrat 
&endi£  oon  foUd&er  forberunge  unb  Bulben  uberantroort  nrirt,  ba£ 
ir  nodj)  ber  uroer  fepne  furter  namaninge  barumb  Ipben  jullen  in 
allen  jufomenben  jtjten,  bar  rouBen  bie  oorgenante  ©rebe  unb 
SPetruS  oor  fie  unb  ire  erben  utoer  erfamfeit  gut  oor  mefen,  als  [ie 
oor  uns  jugefagt  unb  oerfprod&en  t)an.  3^  urfunbe  Ijan  mir  unfer 
ftat  ingefeget  umb  irer  bebe  totHen  an  biefen  brieff  tun  Menden. 
S)atum  anno  Domini  millesimo  quadringentesimo  sexagesimo 
nono,  sabato  post  festum  Corporis  Christi." 


2. 

pte  (Sintljetluug  ber  Stobt  flibedi  in  titer  (Quartiere. 

©injelne  ©puren  toeifen  barauf  l)tn,  bajs  eine  gint^eitung  ber 
©tabt  &übtd  m  oier  Quartiere  (SSerbeubele)  fd&on  in  fe&r  früher 
3eit  beftanb,  aber  fie  finb  jtemltdfj  unftdEjer  unb  e«  ift  nid&t  anju* 
nehmen,  bajs  biefe  ©ntyeUung  fidler  unb  burd&meg  gebräudftftdf)  mar. 
3Jton  benufcte  toa&rfd&einlidf)  bie  ©ntljeilung  in  Äirdjrfpiele  aud)  für 
anbere  3mede.  2Benigften£  $aben  mir  fdjon  au$  bem  ^re  1395 
eine  2lufjeid(jnung,  bafe  bie  bem  Statte  angefangen  SSorfte^er  beS 
$etrWKr$fptete,  #einrid()  SBSeft^of  unb  Sruno  Sßarenborp,  mit  ©e* 
ne^migung  be$  9ta$3  &auptleute  (#ooetlube)  über  mehrere  ht  biefem 

39* 


Digiti 


zedby  G00gk 


602 

Äirdfjfpiel  befmblidje  ©tra&en  ernannten.  @iner  bcr  Reiben,  53runo 
SBarenborp,  wirb  1383  alß  SSorfte^er  bcr  $etri  ßtrdfje  genannt,  fein 
bamaliger  3Wituorftc^er  f  Qofjann  ©d&epenftebe,  mar  1395  geftorben. 
$ie  Sttußbrücfe  „SJorftefjer  bcr  ÄirdEje"  unb  „SBorfteljer  beß  Ätrd>* 
fpielß"  erfdfjeinen  alfo  alß  gleid&bebeutenb.1)  ferner  befaßt  bcr 
9ta$  1455,  ba§  baß  Dberftabtbudfj  in  mcr  Steile  nadf)  ben  wer 
Äircfjfpielen,  2)om  unb  Sttegibien  für  (Sin  Ätrdrfpiel  geregnet,  geseilt 
werben  fotte. 

3)te  ©ntyeilung  ber  ©tabt  in  bie  nod>  je|t  befte^enben  Quartiere 
flammt  avß  bem  6nbe  beß  fünfzehnten  ober  bem  2lnfang  beß  fed^* 
jeljnten  ^r^unbertö  unb  beruht  auf  einer  Sfoorbnung  beß  9latf)ß, 
ber  jugleidjj  ben  Umfang  jebeß  Quartier«  genau  befümmte  unb  jebem 
einen  ©d&ufcpatron  unb  nad&  bemfelben  Warnen  unb  85anner  gab. 
Stoß  erfite  Quartier  —  Reifet  eß  in  ber  barüber  erlaffenen  SJerorb* 
nung  —  foU  anfangen  bei  bem  (Sdfyaufe  an  ber  breiten*  unb 
^otianmßftra&e ,  in  rocldfjem  früher  5Bartl)olomaeuß  ©otljan  (ber 
befannte  Sübedfer  SBud&brudfer)  roolmte2),  unb  fott  bie  ^o^anntöftra^e 
abwärts,  redete  Seite,  getjen,  von  ba  an  ber  3Wauer  entlang  biß  an 
baß  SWiUjlentljor,  unb  burdf)  bie  aRitylenftrajse,  ben  Älingberg  unb  bie 
Sreitenftrafce  jurücf  biß  an  baß  genannte  #auß.  ©(Jjufcpatron  fott 
Soljanneß  ber  @t>angelift  fein,  ba&er  fott  ba«  Quartier  baß  Solianntß* 
Quartier  Ijeifcen  unb  fott  im  Banner  baß  $ilb  biefeß  fettigen  nebfi 
bem  Banner  ber  ©tabt,  rotlj  unb  weife,  führen. 

Stoß  jioeite  Quartier  fott  anfangen  bei  ber  ©d&uljbube,  bie 
Qofjanneß  ©raoenftebe  inne  fjat  (jefct  bie  Sranbroadfje),  am  hatty 
fjaufe  vorbei,  längß  bem  Älingenberg,  redete  Seite,  unb  fo  fort  biß 
an  ba«  3WüI)lentljor,  bann  an  ber  ©tabtmauer  f)in  unb  an  ber 
£raoenfeite  biß  an  bie  Pforte  ber  SWengftrafce  unb  jurüdf  bie  SWeng* 
ftrafce  hinauf,  redete  ©ette,  biß  an  baß  üorgenannte  ^auß.  ©djjufc* 
patronin  beß  Quartierß  fott  bie  fjodfjgelobte  Jungfrau  SDlaria  fein, 
nadfj  ifjr  fott  eß  genannt  werben  unb  im  Sanner  fott  Unfere  liebe 
grau  mit  ber  ©tabt  SBappen  fteljen. 

Stoß  britte  Quartier  ift  an  ber  £rat>enfeite.  6ß  fängt  an  bei 
bem  golbenen  ©obe  an  ber  3Kengftrafee  (er  ift  1846  nad&  bem 
3Rarien*ßirdbt)ofe  oerlegt),  gef)t  #nab  biß  an  bie  Pforte  ber  2Äeng* 
ftra&e,  bann  fort  an  ber  3Wauer  biß  an  ben  3MarfiaU,  bie  alte  fttyxt 


l)  «üb.  Urf.*2hid>  X$.  IV  9h.  494  unb  623. 

*)  $at  $au*  tourbe  1496  t>on  feinen  £eftoment*»oafhecfotn  oerfauft. 


Digiti 


zedby  G00gk 


603 

fmtauf  burdf)  bie  Stteine  Surgftrajje  mit  bem  falben  Äul)6erg,  an 
ber  ©ngelSgrube  vorbei  burdj)  bie  JBreiteftrafce,  rechte  Seite,  big  an 
ben  golbenen  ©oob  jurüdf.  ©dfju|patronm  foH  bie  Ijetlige  SKaria 
SDtagbalena  fein  unb  nadfj  üjr  foü  e$  ben  Flamen  führen.  5fftaria 
2Kagbalena  mar  bie  ^eilige  be$  £age3,  an  welkem  im  Qaljre  1227 
bie  ed&lad&t  bei  93omf)öDb  ftattfanb  (^uli  22).  ^r  ju  ©fjren  mürbe 
glet<$  barauf  an  ber  ©teile,  mo  früher  bie  Sfönifdje  33urg  geftanben 
fiatte,  ein  ©ominifanerflofter  erbaut.  3Bir  fjaben  alfo  in  btefem 
Warnen  ttot  für  immer  bleibenbe  Erinnerung  an  jene  ©djladjt. 

$>a3  werte  Quartier  ifi  an  ber  äßadhtifcfeite  unb  gef)t  von  ber 
(Sdfe,  mo  bie  Slpotijefe  (jefct  bie  Sommerjbanf)  ifi,  bie  SBreüeftrafce 
abwärt«,  redete  Seite,  über  ben  Äufiberg  bis  an  ba$  SBurgtijor,  bann 
bie  Äatferfirafce  I)inab,  bie  SRauer  entlang  bis  an  baS  Rannte* 
Älofter,  bie  ^ofjannteftrafce  hinauf,  btö  an  bie  2lpotl)efe  jurüdf .  @3 
foü  ben  ^eiligen  Qacobuä  pm  ©d&ufepatron  §aben  unb  nad&  fym 
genannt  merben. 

2)a3  aWotio  für  ben  ©rlafc  ber  Drbnung  lag  in  bem  aßunfd&e, 
eine  ©runblage  für  eine  beffere  Drganifation  ber  Sürgerbemaffnung 
ju  geminnen.  ©8  merben  bafjer  audf)  Sammelpläfce  beftimmt  unb 
§auptleute  ernannt,  für  jebeä  Quartier  ein  Stahmann,  bem  ad&t 
SMirger,  oier  Äaufleute  unb  mer  <panbmerfer  au£  ben  großen  SKemtem 
beigegeben  mürben.  3lu£  ben  tarnen  ber  SBtttglieber  beS  Sftat^  lägt 
ftdjj  bie  3*it,  wann  bie  Drbnung  erlaffen  ift,  jiemtidf)  genau  beftimmen. 
©&  merben  bie  jmet  93ürgermeifter  Qotjann  £er$e  unb  ^ermann 
t>on  2Bttfebe  genannt;  erfterer,  feit  1484  9Witglieb  beä  Statin,  mürbe 
1498  ©ürgermeifter,  teuerer  ftarb  am  8.  April  1501. 

SRadf)  ben  Quartieren  mürben  nun  bie  S3ürger  in  Abteilungen 
geseilt,  fpäter  in  26  (Sompagnien,  aon  benen  ad&t  bem  SBtarien* 
Quartier,  fedfjs  jebem  ber  brei  anbern  angehörten.  SJiefe  ©nridjtung 
!>at  btö  ju  Anfang  biefe«  Qa^r^unbert«  fortbeftanben.  ebenfalls 
mürben  attmä^Iid^  in  ben  Quartieren  (Sommtffionen  gebilbet  jur 
©tnf^ä^ung  ber  etnjelnen  Bürger  für  bie  ©ejaljlung  ber  birecten 
Steuern.  Slud)  auf  bie  ©nrid&tung  ber  1765  errichteten  33ranb* 
affecuranjfaffe  mürbe  bie  ©intyeilung  in  Quartiere  angemanbt.  3)iefe 
®inrid)tung  befielt  befanntlid^  nodf),  fo  mie  audf)  neuerbingä  bie 
Politiken  SQ3a^)len  nad)  Quartieren  gefdEjefjen.  S)abei  ifi  an  bem 
Umfang  berfelben  niemals  etma£  geänbert,  nur  bafc  man  neuerbtngS, 
eben  jum  Seljuf  ber  SBa^len,  bie  SSorfiäbte  ^ütjugejogen  tyat. 


Digiti 


zedby  G00gk 


604 

auf  ben  ©ebanfen,  bie  emjelnen  Käufer  in  ben  Duartteten 
mit  Hummern  ju  oerfeljen,  fam  man  erft  1795  mtb  er  ifl  1796 
ausgeführt.  S)ie$  mürbe  für  bie  9tömt)ilbfdf)e  $ud()brudterei  SSeran* 
laffung,  ein  2lbrefebud^  IjerauSjugeben;  ba£  erfte  ift  ju  SReujaljr  1798 
crjd&ienen.  2)urdf)  eine  Verfügung  ber  franjöfifdfjen  SBeljörbe  rourbe 
1812  bie  -Kumerirung  nadf)  Quartieren  abgerafft  unb  eine  anbere 
naä)  ©tragen  angeorbuet,  bie  frühere  ift  aber  1620  unebener* 
gefieHt  roorben. 


3 
(Sin  geridjtlidjf*  3}ttifftfd)retbfn  au»  beut  3al)tf  1502. 

$ie  beiben  9tatl)mämter,  meld&e  im  ^afyct  1502  ©erid&töfjerren 
waren,  fanbten  ben  ©erid&tSfjerren  in  Süneburg  folgenbeS  Schreiben: 

Unfen  fruntlifen  grut  t>oral>n.  ©rfamen  unbe  befunberen 
gruben  frunbe.  2$ty  bo!>n  jutoer  leffte  e^n  fruntlicl  wetent,  bat  in 
tmfer  fiabt  Subefe  uppem  rat^ufe  be  fjifefamer  tS  upgebrofen  unnb 
flenobe,  gelt,  aife  engelfd&e  nobelen,  franfd&e  fd&Ubefronen  unbe  olbe 
rinfd&e  gfjulben,  fufoerne  befer,  lepel,  fjotfenfnope,  fpangerc,  perlebe 
oorlegge  unbe  foraUenfnore,  gljulben  ringe,  fpannefen  :c.  bar  ufygeno* 
men.  3$  unfe  anbed&tige  fruntlife  bebe,  gi  mit  ben  erfien  wölben 
befenben  bi  be  goltfmebe,  toeffeHere  unbe  fteberfeUerf^en,  offt  fulfene 
to  fope  ((uerne  unbe  batme  ben  oorfoper  mit  finer  fopenfd^ap  mit 
redete  mod&te  tooen  unbe  gi  uns  mit  jumen  unforfumeben  fcrtfften 
mitten  erfien  wölben  oorroitltfen.  $>at  t>erfd^ulbe  wt  in  eneme  ful* 
fen  ebber  groteren  webberumme  gljerne.  Äemtet  ©ot,  beme  toi  juw 
funt,  falid),  wolmogenbe  beoelen.  ©Ijegeoen  unbe  fcreoen  beS  orig* 
bageS  na  -Wattige  apoftoli,  unber  unfeg  enen  tngefegel,  bat  wi  ^tr 
ibtfunbeg  to  gebrufen,  anno  2c.  XVC  IL 

£inrif  Sffiitte  unbe  Spermen  ©arfouwe, 
ratmanne  ber  fiabt  Subefe,  rtdjtefogebe  nu  tor  ti|b  finbe. 

Suffdfjrift:  3)en  erfamen  unbe  wifen  N.,  ridfjteljeren  ber  fiabt 
Sunebordf),  unfen  leoen  fjeren,  fruntlifen  fcreoen. 
§od^beutfd^ : 

greunblid&en  ©rufe  juoor.  S^rfame,  befonbere  gute  greunbe. 
SEBir  jetgen  ©urer  Siebe  l)ieburdfj  freunblidfj  anf  bafi  in  unferer  Stabt 
Sfibedf  auf  bem  atatljljaufe  bie  Slccifefammer  erbrochen  ift  unb  bafe 
Äteinobe  unb  ©elb,  englifd&e  Pöbeln,  franjöfifd^c  ed&tlbfroneu  unb 


Digiti 


zed  by ^OOgk 


605 

alte  r^etntfd^e  ©ulben,  filberne  Sedier,  Söffet,  SÄantelfnöpfe,  ©pangen, 
mit  perlen  beftidfte  2luffdE)läge  unb  Äorallenfd&nttre,  golbene  SRtnge, 
fleine  ©pangen  u.  f.  w.  herausgenommen  finb.  SEBtr  bitten  freunb* 
ti<fi,  atebalb  bei  ben  ©olbfd&mieben,  ©elbwedf)3lern  unb  Äleiber* 
tjänblermnen  untrer  $u  feuben,  bamit,  wenn  etwas  bergleidfjen  iljnen 
ju  Äauf  angeboten  wirb,  ber  SBerfäufer  mit  ben  ©adfjen  geridfjtlidf) 
angehalten  werbe,  unb  un£  bann  um>er}üglid()  fdfjriftlidd  bamm  ju 
benad&ridjtigeu.  $u  ©egenbieuften  in  gleiten  ober  mistigeren  pHen 
finb  mir  gern  erbötig,  batwn  ift  ©ott  3euge,  htm  mir  eudf)  ju 
©efunbljeit,  ©eligfett  unb  SBoljtergeljeu  empfehlen,  ©einrieben  am 
greitag  nadfj  3Mattl)ta3  (gfebr.  25)  unb  beftegelt  mit  bem  Siegel  beS 
®inen  oon  un&. 

#ehtridf)  SBitte  nnb  ^ermann  S)arfow, 
SHat^männer  unb  berjett  ©eri^töoögte 
in  Sübedf. 
2)te  genannten  ©egenftänbe  Ratten  offenbar  mit  ber  SKcdfe  nid&te 
ju  tljun,  fonbern  mürben  in  ber  Stccife  Kammer  nur  aufbewahrt. 
3)er  Statf)  fann  fie  in  *ßfanbbefifc  gehabt  ^aben,  möglicher  Sffieife  aber 
f>at  er  fie  audfj  oon  einem  dürften  ober  abeligen  #errn  in  3af}hmg 
empfangen.    Stofc  bei  bem  bamaligen  SWangel  an  gemünjtem  ©elbe 
©egenflänbe    aller    3lrt   ju    ^a^lungen   an   ©elbeäftatt   üerwanbt 
mürben,  lägt  ftdfj  an  mannen  ©eifpielen  nadEjwetfen.  2)a3  in  grünem 
2Badf)3  aufgebrüdte  Siegel  ift  nid^t  me^r  fenntlidf),   ber  Srief  auf 
Rapier  getrieben ,  ntdfjt  auf  Pergament,  ba£  bamals  jwar  audf)  nodfj 
üblid^  mar,  bod&  nid^t  metyr  fo  Ijäufig  gebraudfjt  mürbe,  als  früher. 


4. 
Jur  (Srinnerung  an  bae  Saljr  1806. 

Unmittelbar  nadf)  ber  S3efe|ung  2übid8  burdfj  bie  granjofen  im 
Sflonember  1806  mürben  fe^r  große  gorberungen  an  bie  ©tabt  gefteflt> 
ju  beren  «efriebigung  bie  2Wittel  ntd)t  twrfjanben  unb  Seitens  ber 
©tabtfaffe  ntdjt  Ijerbeijufd&affcn  maren.  $)af)er  rereinigten  ftd^  auf 
SBeranlaffung  be$  ©enatö  unb  unter  3ufttmmung  ber  $ürgerfd)aft 
woljtyabenbe  Sttrger  $u  einer  SWa&regel,  burdf)  meldte  man  für  ben 
SttugenbUd  bem  bringenbften  Sebürfnife  genügen  ju  fönnen  hoffte, 
©ie  beooHmä^tigten  ben  jufäflig  in  Hamburg  anmefenben  Äaufmann 
Qoljann  £teronpmuS  Sßleffing,  ber  baS  Vertrauen  afler  feiner  3Wit* 


Digiti 


zedby  G00gk 


606 

Bütger  in  l>ol)em  ©rabe  bcfafef  bort  eine  SCnlei^e  unter  tyunüdjfi 
günftigen  ©ebingungen  abjufdtftefien,  unb  jeber  einjelne  oerpflidjtete 
ftd&  burd)  $amen$uuterfdjrift  jur  9tücfjal)lung  eine«  beftimmten 
SC^eitö  ber  anlege  nad)  Verlauf  eine«  3af)re3.  2luf  fold&e  Seife 
würbe  bie  Summe  t>on  705000  h  2ko.  gejeidjnet  unb  eine  acte 
barüber  am  18.  SRowmber  1806  auSgeftettt.  3ur  Ausführung  ifi 
ber  $lan  nid)t  gefommen,  benn  am  19.  Sftooember  mürbe  audj  £am* 
bürg  von  ben  granjofen  befefct  unb  fie  matten  auc§  bort  alsbalb 
fo  gewaltige  ftorberungen,  baß  bie  Semü^ungen  be3  #errn  Sßleffing 
erfolglos  blieben.  3Kan  mußte  in  Sübed  ju  einer  gelungenen  ata* 
letye  freiten.1)  2)enno<!)  ^at  bie  bamalS  auSgefieHte  SBfirgfdjaftS* 
acte  immer  no#  Qntereffe.    Sie  lautete: 

2Bir  ®nbe^Unterf(^riebene  bet>ollmäd&ttgen  Ijiemit  ben  Ijieftgen 
Bürger  unb  Kaufmann  £errn  Sodann  #ieromjmu$  Wftng,  in 
unferem  SRamen  unb  für  unfere  SRed&nung  bie  &on  einem  jeben  oon 
uns  hierunter  gejetdjneten  Summen  ju  ben  möglid&fi  billigen  3tafcn 
auf  ein  ^r  anjuletyen,  beren  äBteberbejaljlung  §ur  Serfalljeit  mir 
unter  93erpfänbung  unferer  #aabe  unb  ©üter,  ein  jeber  für  feine 
gejetdmete  Summe,  prompt  ju  leiften  oerfpre^en. 

©o  gef#el>en  Sübedt,  ben  18.  9tot>ember  1806. 

S^ann  ^Uipp  SßleSfmg  für  10,000  $  Sco. 
3.  3ß.  SteSborpf  für  10,000  #  Sco. 
%  3.  Äeufö  für  10,000  4  »co. 
@.  SD.  SRtdjerfc  für  4,000  $  $co. 
#.  #aartmamt  für  1 0,000  $  #amb.  »co. 
©.  £.  «elmde  für  10,000  £  #amb.  33co. 
*ß.  äBilcten  für  10,0004  £amb.  33co. 
griebr.  SRölthtg  für  10,000  $  £amb.  Sco. 
*ß.  £.  SCeSborpf  für  6,000  #  «co. 
$o$ann  6l)r.  <£ol)t  für  20,000  ^  «co. 
©ebrüber  2RüDer  für  30,000  J(  «co. 
S.  Sßlafemann  &  ©ofyt  für  40,000  $  8co. 
So&ann  äBityelm  @roU  für  40,000  #  33co. 
3.  Tonnen  für  30,000  #  #amb.  93co. 
©djmibt  &  Sßlegfmg  für  20,000  4  Sco. 


>)  ©gl.  Älu g,  ®efd).  fcübftf*  totytenb  ber  ^Bereinigung  mltbem  franjöflfdjen 
Äaif  errette,  «bty.  1  ©.  5.  8.  ©alloU,  ®ef<ft.  b.  ©tabt  Hamburg.  93b.  2. 
®.  629.  630—634. 


X 


zedby  G00gk 


607 


3ocob  »ebren«  für  20,000  4  33co. 

p.  proc.  awatt^aeu«  9tobbe  (3.  #.  SWeger)  für  40,000  #  $co. 

6.  oon  Sjen  für  15,000  41  SBco. 

2R.  #.  Sand  für  10,000  &  $co. 

g.  £.  qßault  &  6obn  für  30,000  #  <Bco. 

3.  31.  ©toUerfobt  für  20,000  $  SBco. 

SOS.  ©anSlcmbt  &  @ö|e  für  1 5,000  .#  SBco. 

$eter  #inr.  9tobbe  junior  für  20,000  ^  8co. 

SWttrc.  3fobr6  ©oudfjaij  für  25,000  .#  8co. 

3o^onn  e&rlftopb.  ©rube  für  10,000,0  $co. 

ßortmttfl  &  SRegerfted  für  20,000  $  93co. 

3ofj.  #tnr.  Scibt|  für  10,000  #  $co. 

3.  ®.  8öbrae  &  60.  für  15,000  $  8co. 

e.  3).  üualmamt  für  10,000  #  $co. 

Sttebr.  ©tolterfobt  für  10,000  ^  S3co. 

Sobann  *|3eter$  &  <£o.  für  20,000  .#  »co. 

p.  proc.  ©aeberfc  &  (So.  (^ol).  §etnr.  ®aeber|)  für  10,000  $  Sco. 

Qo^anrte«  ©rabau  für  10,000  #  S3co. 

äood  &  ©iebe  für  10,000  $  Sco. 

gicd  &  SBqjlanbt  für  10,000  4  Sco. 

«Ricot  Sarrob.  3Rett|e  für  10,000  #  -«co. 

3obmm  Äu^Inumn  SEBttttoc  für  15,000.0  93co. 

3ot).  #erm  Srodhnamt  für  10,000  $  33co. 

Seoin  SRtcolauS  ©rcofctt  für  10,000  #  Sco. 

#.  $.  Äabl  &  ©obn  für  10,000  .#  Sco. 

3ob<mn  §einr.  ©teoer«  für  10,000  #  8co. 

<S.  X.  Sübcrt  für  10,000  ^  8co. 

tllff  2Broe.  &  ©obn  für  10,000  ]/.  <8co. 

Sodjim  $r.  &«>etu)agen  für  10,000  #  Sko. 

$eter  $bee  &  ©obn  für  10,000  ^  8co. 

3.  ©.  »urmcficr  für  10,000  4  Sco. 


Digiti 


zedby  G00gk 


Settrag  jut  SeitbefHmmttng 

fcer  güMfefren  anf  »einen  getieften   3Utortecfe 

and  fcem  14.  3a&r|mn&ett. 

3Witgf«|fili    von    Wi\1)t\m    fanteU. 


^m  9to<$laffe  imfer«  t>erftorbenen  SJHitgliebS  SDtilbe  &at  ftd&  folgen* 
ber  Beitrag  be$  gürfien  griebridf)  Äarl  ju  #ol>enlof)e*2öalbenburg  jur 
3ettbefiimmung  ber  2Jb.  1,6.  122  ff.  befdfpiebenen  9Utarbecfe  gefunben. 
SWUbc  l>at  tyn  feiner  3*it  in  einer  SBerfammlung  beS  herein«  mit* 
geseilt,  fpäter  aber  feine  ©elegenfyeit  genommen,  ben  3nl>alt  ju  oer* 
öffejttltd&en.  5Die  Erläuterung  jur  Slbbtlbung  ber  SKltarbetfe  im  erflen 
93anbe  fyabe  idj  bamals  tm  &inoernef)men  mit  3Wilbe  aufgefegt,  roel* 
d&er  audfj  fpäter  eifrig  bemüht  mar,  über  bie  unerflärteu  SEBappen 
ber  S)edfe  ftd^  SKuffdfjlufe  ju  üerfdjaffen  3$  glaube  in  feinem  Sinne 
ju  Ijanbeln,  roemt  idfj  bie  betreffenben  Semerfungen  audfj  jefct  nod> 
in  unferer  3eitfdjrift  neröffentlidEje. 

lieber  bie  @ntftefrung3jeit  ber  2lltarbedfe  $at  fidf)  fcifdf)  bei  33e* 
fd&reibung  einer  ä^nli^en  5Dedte  beä  ÄtofterS  Sftibnifc  (3Refl.  ^a^rb.  28, 
6.  308  ff.)  jujlimmenb  ju  unferer  annähme  a.  a.  D.  auägefprodjen. 

3Wöglid)er  Söeife  flammt  bie  ©edfe  bodf)  au$  ben  eigentlich 
Scijauenburgtfdfjen  Äreifen  (an  ber  SBefer).  ^n  ®  ©•  $reuer'$ 
©efdf)ledf)töl)iftorie  ber  Ferren  non  3RüncI)l)aufeu  finb  einige  ben 
SBBappen  ber  S)ecfe  naljefommenbe  Siegel  abgebilbet.  £ro$  flarfer 
3Ö>n>eidf)ungeu  in  ben  ©injelljeiten  ber  Silber  bürfte  es  angemeffen 
erfd&ehten,  audf)  auf  bie  entfernteren  äefjnlid&feiten  aufmerffam  ju 
machen,  jumal  über  ber  ©ntfte^ung  ber  $ecfe  nod)  oöfligeä  $>unfel 
fd&mebt. 

2luf  Safel  ic  bei  Breuer  füljrt  ein  $er  ©(jerb  (Slencocf  (auf 
bem  Siegel  Älcnfe  genannt)  1389  ein  ÜHütylrab,  audf)  als  $elm* 
fömuef  ein  ganjes  ÜRfi&lrab.    auf  £afel  12  fyat  SRitter  5RtcotauS 


Digiti 


zedby  G00gk 


609 

1314  auf  £af.  16  gtetmbert  oon  SBerpe  1389  einen  $oldf>,  alt 
§elmfd&mudf  jmei  aufgertd&tete  ©oldfje.  auf  $af.  7  jeigt  1245  ba« 
©tegel  be$  SHetridfj  von  ©polen  einen  aufgerichteten  gefrönten  Sötoen, 
freiließ  Imfö  (auf  ber  $e<fe  red&tö)  gefeljrt.  Saf.  2  fügten  1234 
©raf  #einrid)  oon  Slbenburg,  $af.  7  1245  bie  ©rafen  oon  $aHer< 
munb  btei  Stofen  (ba«  Stoppen  ber  $edfe  Ijat  nur  eine  9tofe). 

J)en  gefrönten  §elm  finbe  idfj  auf  einem  2B  ppen  ber  Dlben* 
burger  ©rafen  nadd  einem  Siegel  txm  1318  abgebilbet  in  ©ieb* 
mad&er'S  2Bappenbudj,  neu  Ijeraugg.  von  D.  %.  von  £efner,  93b.  l, 
%h%  J,  £af.  80f  6.  39.  $n  3JKlbe'3  Siegeln  ber  $olfteht'6<$auen* 
burger  ©rafen  $eft  l  (Siegel  be*  SDltttelalterS  Jpeft  8)  fommt  et 
bagegen  juerfi  1358  oor.    »gl  bafelbft  $af.  10,  60.  ©.  26. 


3n  »anb  l  biefer  3eüfd&rtft,  ©.  125  ifi  bie  »nftd&t  auSgebrüdft, 
baß  bie  arbeit  ber  bort  abgebübeten  $)ecfe  bafür  ju  fpre<$en  fd&etae, 
ba&  biefelbe  vot  ber  3eit  ***  ©tafen  2lbolf  oon  ©dfjauenburg 
(i  1353)  verfertigt  fei. 

©er  Unterzeichnete  erlaubt  ftd&  fjieju  ju  bemerfen,  bafe  er  biefe 
SCrtftd^t  roegen  be3  gefrönten  #elmei8  be£  Sraunfd&roeiger  (?  SBappenS 
ntdfjt  ju  teilen  vermag,  fonbern  baß  er  gerabe  auä  biefem  Umjtanbe 
bie  aWitte  be£  14.  Qa^rliunbertö  für  bie  3eit  ber  2lu$füf)rung  biefer 
in  fo  mancher  33ejtel)ung  ^öd^fl  intereffanten  arbeit  galten  ju  muffen 
glaubt. 

9laü)  ben  Siegeln  ju  fdjliefjen,  fing  man  in  2)eutfdfjlanb  erfi 
gegen  bie  SRitte  be«  14.  Qa^unbertö  an,  bie  alte  Äöntgäfrone  als 
^eralbifd^en  ©dfjmucf  auf  bie  #elme  ju  fefcen,  eine  SKobe,  bie  befannt* 
lidE)  erft  fel)r  oiel  fpäter  allgemeiner  unb  julefct  fogar  jur  Siegel  nwrbe. 

Stuf  ben  Siegeln  ber  Jperjöge  von  Äärntyen  (1260)  unb  von 
Defterretd&  (128C)  foUte  baburdf)  nod^  o^ne  allen  Qrotfyl  $**  WwjJ* 
ltd&e  Slbftammung  auägebrücft  werben. 

Sei  ben  Stynaften  ftnbet  fidfj  aber  baä  ältefte  bis  jefct  befannte 
©eifpiel  auf  einem  Siegel  beä  ©rafen  SBalram  oon  ©panljetm  von 
1344,  unb  beim  niebern  Slbel  auf  einem  ©iegel  ©ngelfjarbS  von 
$trf$i}omf  be^  SSaterä,  oon  1353. 

©outen  ältere  Seifpiele  befannt  werben,  fo  märe  bereit  attit* 
tfjeUung  fc^r  ertoünfcfjt. 

fr  Ä.  ftürft  ju  ^o^enlo^e^SBalbenburg. 


Digiti 


zedby  G00gk     J 


XXIII. 

^tftöaufgabe.1) 

«utodjtrn  ber  JJrmridjter. 


>Auf 


bie  am  24.  3Wai  1870  von  ben  gefd&id&tlid&en  Vereinen  ju 
Hamburg,  gübedt,  Sternen  unb  ©tralfunb*©retf$n>alb  für  ben  3eit* 
räum  von  fünf  3<*t)ren  gefreute  *ßrei3aufgabe: 

Setjanblung  ber  gefd&idfjttid&en  93ejieljungen  ber  ipanfeftäbte 

ju  Ä.  SBalbemar  t>on  $)änemarf  unb  tnSbefonbere  ©efdjidfjte 

ber  jroifd^en  betbett  ftattge^abten  Äämpfe,  rocldje  mit  bem 

©traljunber  grieben  tyren  Slbfdfjlufc  fanben  - 

tfi  am  19.  2Rai   1875   bei  ber  werten  ^reSuerfammlung   be3 

#anfifd&en  ©ef^i^t^üerein«  in  Hamburg  eine  Arbeit   eingelaufen, 

roeldfje  freiließ  bie  Stufgabe  nur  bis  jum  6nbe  be#  erften  malbemari* 

fdfjen  ÄriegeS  gelöft  &atte,  aber  bie  SBoHenbung  be£  ©anjen  jum 

ijjerbfle   in  SluSftd&t   fleBte   —    eine  Bufage,  wei^e   eingehalten 

worben  ip. 

3ugleid^  mit  ber  erfien  ipälfte  mar  ein  gcfd>loffcneS  Sondert 
eingereiht  roorben  mit  ber  Sluffd&rift: 

2In  feemäd&ttge,  meerbeljerrfd&enbe  Bürger  feiner  Stäbte 
benft  ber  Seutfd&e,  totnn  er  ben  -Hamen  „$aufa"  nennen 
flört;  bie  ftrenge  gorfd&ung  wirb  manche  liebgeroorbene  93or* 
fteHung  jerftören,  aber  aud&  fie  wirb  ftetS  mit  Stol}  auf  bie 
„©ubefd&e  Ijenfe"  blidfen. 
©ie  unterjetd&neten  t>on  ben  genannten  Vereinen  jur  93eurtl>et* 
lung  ber  *{$reten>ürbigfeit  ber  eingereihten  arbeiten  befteflten  Stifter 


])  SÖgl.  P&ftt  ©.  192  f. 


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zedby  G00gk 


611 

fyaUn  fidd  bie  i^nen  gememfam  geworbene  Aufgabe  fo  geseilt,  bafc 
bcr  in  ©teile  be3  verdorbenen  £errn  Sßrofeffor  Ufinger  nadfjgewäljlte 
Dr.  Äoppmann  unb  ^Jrofeffor  9Wantel3,  roeld&e  beibe  wäfjrenb  ber 
legten  Qafjre  burdf)  fpecielle  Sirbetten  mit  bem  beljanbelten  ©efdfjidfjtö* 
abfdfjnttt  ftd^  eingeljenb  ju  bekräftigen  trielfad&e  ©elegenljeit  gehabt 
fjaben,  auf  ba£  detail  tyin  bie  ©dfjrift  genau  unterfudfjen  unb 
tyt  genügenb  motioirteS  ©utadfjten  ber  ©rfatyrung  unb  bem  roiffen* 
fdjaftlid&en  @nburtl>eil  be£  mitunterjeid&neten  ^Jrofeffor  SBaifc  bei 
3ufenbung  beS  3Wanufcriptö  unterbreiten  follten. 

SBie  bie  2tnjeige,  bafe  eine  $rei£fdf)rtft  eingelaufen  fei,  ju 
vorigen  Sßftngften  bem  oerfammelten  ipanftfdfjen  ©efd&idfjtSoereine 
gemalt  werben  fomtte,  fo  fd&ien  e£  nur  erfpriefjltd)  unb  im  Qntereffe 
ber  ©ad&e  ju  fein,  bafc  bei  ber  biegjälirigen  Äölner  SSerfammlung 
ba£  SRefultat  ber  ^Beurteilung  unb  et)ent.  ber  -Warne  be3  SerfafferS 
ber  eingereihten  ©djrift  befannt  gemalt  werbe. 

S)ie  über  ©rroarten  lang  au£gebel>nte  italienische  Steife  be3 
unterj.  Sßrofeffor  2ßaifc  Ijat  jroar  »er^inbert,  bafc  er  ba£  3Ranufcript 
vor  Sßfingfteu  etnfefjen  founte,  bod&  erreichte  iljn  bog  motürirte  ©ut* 
ad&ten  ber  beiben  anbem  Sßretörtdfjter  in  Sftom  jeitig  genug,  um 
feine  3ufttmnMng  ju  bem  in  Äöln  absugebenben  @nburtt>eil  ju 
ermöglichen.  2ludf}  Ijat  Sßrofeffor  Söatg  nad&träglidfj  com  SWamtfcript 
in  33erlin  au£rei$enbe  Äenntnife  genommen. 

35er  Serfaffer  fjat  feiner  Arbeit  eine  ©rflärung  ooraufgefdfjidtt,  in 
melier  er  felbft  befennt,  bafc  er  ben  tym  wrltegenben  gefc^ictytlidjen 
©toff  unb  bie  oöHige  Aufarbeitung  bejfelben  auf  bte  gebotene  ,8eit 
f)in  nidfjt  auSretdfjeub  tajirt  unb  fomit  audfj  btö  jum  oorigen  $erbft 
nur  fnapp  Ijabe  bewältigen  fömten.  @r  f>at  felbft  biejenigen  Partien, 
roeld&e  fehlen,  angegeben,  anbere,  bie  ber  Aufarbeitung  bebürfen, 
bejeidfjnet  unb  überaß  einer  nadfj  biefen  ©eiten  f)in  augjuübenben 
Äritif  umfidfjtig  vorgegriffen. 

,3m  Uebrigen  jeigt  ber  SBerf.  ooUftänbige  Äenntnife  beS  t)or* 
^anbenen  urhmblidfjen  9Haterial$  unb  ber  d^ronifalifd^en  Ueber* 
lieferung,  nid&t  bloß  3)eutfd^lanbi8 ,  fonbern  ganj  befonberS  aud& 
@?anbinatnen£,  fo  wie  ber  einfdfjläglidfjen  ßiteratur.  @r  übt  eine 
burdfjau«  unabhängige  Äritif,  beroeift  gute  ßombinationägabe  unb 
berüdfftd&tigt  bie  oorbebingenben  unb  nebenlaufenben  SBer^ältniffe 
ber  allgemeinen  ©efdjidfjte.  3)ie  ooraufgefanbten  ©dfjilberungen  ber 
betreffenben  3etöage,  Vit  nad^folgenben  3ufatitmenfaffungen  te* 
3*efitDtate  tintS  Slbfdfjnlttö  fmb  §mar  nid^t  überall  gleidjmäfng  burdjj. 


Digiti 


zedby  G00gk 


612 

geführt,  bo<$  iebeSmal  in  bcr  nötigen  fcurd&füljrung  ffijjirt  worben. 
©dfjlieftfidfj  ift  2)arfteflung  unb  ©til  in  ben  twm  SJerf.  barauf  l)in 
burdfjgearbeiteten  Partien  anjieljenb  unb  lebenbig. 

Qn  ben  angebeutetcn  fünften  tft  atte<8  ba$  erfüllt,  wa£  gerabe 
bei  AuSfd&reibung  ber  Sßreteaufgabe  ben  Vereinen  ate  wünfdfjen«* 
tüert^  norfdfjwebte.  ©S  fefjlt  nid&tö  ate  bie  nochmalige  gletdfjmäfcige 
SDurdjj*  unb  Aufarbeitung.  £)a&  ber  SSerf.,  nad&bem  er  bie  fdfjwerfte 
Partie  mit  fo  tuet  ftleifc  unb  ®rünblid)feit  burdfjgemadfjt  l)at,  fd&on 
au«  eigenem  Antrieb  fidf)  btefer  testen  $anbanlegung  unterbieten 
werbe,  bejeugeu  feine  eigenen  SSorbemerfungen ;  bafc  ba$  Sftefultat 
berfelben  ein  burdfjauä  befriebigenbe«  fein  werbe,  ftefjt  nadfj  ber  twr* 
liegenben  Seifhing  ju  erwarten.  2)a  nun  einerfette  bie  rafd&e  2lb* 
fotoirung  ber  Arbeit  ntdfjt  minber  im  Qntereffe  be$  SSerfaffetö 
al$  be«  für  l)anfifd&e  ©efd&idfjte  fid&  intereffirenben  *ßuMifum$  liegt, 
anbrerfette  bie  ©rfa^rung  ber  legten  3af)re  gelehrt  tyat,  bafe  SßreiS* 
aufgaben  oon  bem  Umfange,  wie  bie  in  Siebe  fleljenbe,  nur  fe^r 
feiten  tyre  Söfung  ftnben,  fo  glaubten  bie  unterjeid&neten  Stifter, 
o^ne  äße  weitere  an  tyr  Urteil  ju  fnüpfenbe  Sebingung  biefe«  ba* 
l)in  abgeben  ju  foQen,  bafe  fie  bie  eingelieferte  Arbeit  für 

be«  greife«  würbig 
erftärten. 

SMefeS  Urteil  warb  in  ber  SBerfammlung  be3  ^anftfd&en  ©e* 
f<$id&teoerein3  am  7.  3funi  $u  fiöln  wrfünbigt  unb  barauf  Dorn  an 
jmeiter  ©teile  Unterjeid^neten  baä  oerfd&loffene  (Souaert  eröffnet, 
weld&eä  als  SSerfaffer 

Dr.  Pietridj  SMjafer 
au« 
JBremen 
aufwie«. 

Hamburg,  Sübedf  unb  »erttn,  im  Quli  1876. 

(flej.)  K.  Koppmann.       (gej.)    W.  Mantels.       (gej.)  6?.  Waitz. 


Auf  ©runb  be$  obigen  ®utad&ten$  ift  §errn  Dr.  3).  ©d&äfer 
t)on  ben  genannten  Vereinen  ber  auSgefefcte  $rete  juertannt  unb 
übermittelt  worben. 


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zedby  G00gle 


©et  Streitt 

für  gfibwRföe  ©efd)td)te  tut*  »Itert&umöftttifce 

wtt^wnb  fc«  3a$«  1807—187«. 


Qt)egenmärtige  furje  Uebetftd^t  ber  aSerein&mgelegenljeiten  fnfipft 
an  bie  93b.  2,  S.  556  ff.  gegebenen  9Wütf)eUungen  an  unb  fafet  ben 
^nljalt  ber  jä^rlid^  erftatteten  Seridjte  jufammen. 

38on  bem  jefct  mit  bem  britten  £efte  abgefdfjloffenen  brüten 
»anbe  ber  3eitförtft  erfaßten  §.  l  I870f  £.  2  1873. 

SSom  Urfunbenbud&e  roarb  Sieferung  10  unb  ba$  9tegifieri>eft 
beS  britten  SanbeS,  33anb  4  (1371-1400)  in  12  Sieferungen  unb 
oon  33b.  5  (1401-1416)  Sieferung  1-6  (big  1412  reidfjenb)  au& 
gegeben.  Sieferung  7,  bie  3a^re  1413  unb  1414  umfaffenb,  ifl 
bereite  gebrurft.  ®iefe  rafdfje  görberung  unferS  #auptunterneI)menS 
warb  baburdf)  ermöglid&t,  baf$  StaateardfjhKir  Sffie&rmann  bemfelben 
einen  größeren  S^eit  feiner  2Kuf$e  rotbmen  fonnte,  als  bteljer.  3)ie 
bem  2lrd)toar  früher  mit  obliegenben  Secretartat3*©efdfjäfte  mürben 
ben  beiben  SenatSfecretären  aBein  übertragen,  aud)  unterfW|ten 
6in  #oljer  Senat  unb  bie  ©efeQfdjaft  äur  SSeförberung  gemeinnüfciger 
2$ätigfett  bie  Verausgabe  be£  Urfunbenbud)3  burdj)  öcmißigung  twn 
600  £  Gour.  (.Ä  720)  jäljrltd)  an  ben  Bearbeiter. 

SSon  ben  Siegeln  be£  2Kittelalter£  mürben  #eft  8  unb  9  au& 
gegeben,  ju  £eft  10,  ber  legten  Arbeit  unferä  »erftorbenen  äÄitgliebS 
3Wilbe,  mirb  ber  £e?t  gebrucft.  2)a$  adfjte'unb  neunte  #eft  ent* 
galten  als  neue  Slbttjeilung  auf  ll  tafeln  bie  Siegel  ber  ipolfiein* 
©dfjauenburger  ©rafen,  an  ber  3al)l  80,  oon  bem  älteften,  baä  fidfj 
fanb,  bem  Siegel  äbolf'SlV.  von  1238,  bis  jum  Siegel  Otto'«  VII.f 
mit  meld&em  1640  iaS  ©efdfjledfjt  auSftorb.    £>ie  fed^fte  £afel  beg 


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zedby  G00gk 


614 

neunten  Jpefte«  unb  £eft  10  fd^liegen  bie  Sübecfer  ©ürgerftcgel  ob. 
2Bte  für  fo  mand&e  anbete  arbeiten  be«  herein«,  ift  namentlich  für 
bie  fernere  Verausgabe  ber  Sieget  ber  £ob  aWWbe'Ä  ein  empfmb* 
tidjer  SBerluft.  9)1  ^atte  afe  bemnädjfttge  Ableitungen  bie  Siegel 
ber  Sübifdjen  93iTd^öf e ,  ber  $erjoge  von  Saufen«' Sauenburg  unb 
Stäbteftegel  in«  2luge  gefaßt.  Seine  #tnterlaffenfdfjaft  enthält  reidjeä 
ajlaterial  an  3eic^nungen  unb  3t6güffcn  für  bie  genannten  20^ 
Teilungen,  roeld^cö  jebodj  ber  ©rgänjung  au«  auswärtigen  Ardfjtoen 
nodj  bebarf.  Di  ber  SJerein  biefe  $ublifation  roieber  aufzunehmen 
im  Staube  ift,  wirb  roefentltdf)  baoon  abhängen,  bafc  e«  tym  gelingt, 
einen  9iadf)fotger  2Rilbe'«  }U  finben,  melier  in  gletdfj  auSgesetd&ueter 
2Betfe  bie  erforberltdfjen  &eralbtfc£*genealogif<$en  Äenntniffe  mit  bem 
feinen  SBerftänbnife  für  bie  fp^ragiftifdje  £edfjntf  unb  bem  oollen 
©efd[)l<J  ber  fünfilertfdtjen  SBiebergabe  oerbinbet. 

Ausgrabungen  Ijaben  von  Seiten  be«  herein«  jwet  Statt 
gefunben.  3)ie  erfie,  im  #erbft  1875  auf  ber  Segräbnifeftätte  bei 
Sßötrau1)  mit  genauer  SBermeffung  unb  nadj  einem  auf  bie  refp. 
©ntfemungen  ber  gunborte  fidfj  ftüfcenben  Sdfjema  oeranftaltet, 
förberte  in  oerljättni&mäfjtg  furjer  3e^  e*ne  jfewlicfte  Anjafjl  oon 
köpfen  mit  äljnlldjem  Snfyalt,  wie  vot  jelm  Sauren,  ju  £age.  Stfe 
©efäfee  waren  in  gform  unb  ©röfce  mannigfaltiger,  at«  bie  früheren. 
Selber  waren  bie  geudjtigfeit  be«  ©oben«  unb  ftellenweife  aufy  ber 
bei  ber  arbeit  eintretenbe  Stegen  ber  (Sröaltung  ber  ©efäfce  fe^r 
£>tnberlt<$,  fo  baß  nur  ein  3$eil  berfelben  unoerfefjrt  in  unfere 
Sammlung  gelangte. 

Sei  ber  jweiten  Ausgrabung,  im  Sommer  1876,  mürben  non 
ben  flauen  bügeln  im  SRifeerauer  gorfie  jwet  offen  gelegt.  Sie  tnt? 
gelten  ber  eine  3,  ber  anbere  4  $öpfe,  wetd&e  jebod^  nur  jerbrötfelt 
^eraitögebrad^t  werben  tonnten.  An  3nf>alt  fanb  ftd)  außer  einigen 
intereffanten  ©egenftänben  oon  33ronje  ein  rätselhafte«  ©fengerätfc. 

Unabhängig  oom  herein  fyat  #err  görfter  GlaubluS  in  Seilen* 
borf  1875  einen  ©rabljügel  bei  AlbSfelbe  aufgebedft,  beffen  3nf)alt, 
83rottjefdfjmert,  SWejfer  nnb  Spangen,  er  ber  Sammlung  be«  herein« 
überlieferte.  ®e«gleidjen  erwarb  iperr  Oberförfter  §aug  1869  au« 
einem  Äegelgrabe  bei  93edfjel«borf  im  gürftent^nm  Stafceburg  für  ben 
SSereln  mehrere  Altertf)um«gegenfiänbe ,  barunter  bie  intereffante 
Sebertafc^e,  meldte  §u  biefem  Sanbe  abgebilbet  ift.2) 

*)  $b.  2,  @.  558  ff. 

*)  Sgl.  ben  löeridjt  unb  bt«  SBefdjreföung  »im  $aug  unb  SRHbe  ®.  185  ff. 


Sl 


615 

S)en  größten  3unm$*  aber  uttb  erft  eine  eigentliche  Sebeutung 
Reiben  unfere  oorgefdfjtd&tlidfjen  2lltert()ümer  burclj  ©uoerleibung  ber 
Sammlung  unfern  correfponbirenben  2Ritgliebe«  ,  be«  Oberförfter« 
#aug,  btöljet  in  äßalbfjufen,  erlangt.  SDtefelbe  warb  von  ber  ©e* 
fettfd^aft  jur  Seförberung  gemeinnütziger  S^ätigfeit  angefauft  unb  fo* 
mit  unferer  Stabt  erhalten. 

S)ur<f)  biefe  unb  anbere  SSermefjrungen,  burdjj  gelegentltd&e  Qx* 
n>erbungen  bei  ben  jaltfreidjen  Neubauten  ber  le|ten  3a$re,  bie 
freiließ  ben  fid>  Ijebenben  SBoljljtonb  unferer  ©tobt  fenngeid&nen, 
übrigen«  itjr  fdjöne«  mittelalterliche«  Sleufeere  ftarf  beeinträchtigen, 
burdf)  welfadfje  ©efd&enfe  unferer  SDtttbürger  baljeim,  unferer  Sanb«* 
leute  in  ber  gerne  ift  bie  ©ulturljtfiorifd&e  Sammlung  unfere«  33er* 
ein«  fo  er^eblid^  wrgrö&ert  roorben  —  auf  faft  2400  Stummem 
von  1200  be«  1864  gebnuften  SBerjeid^niffeS  — ,  bafc  roeber  bie  if>r 
jugetoiefene  3täumlidf)fett  ausreißen,  nodj  bie  bi«ljerige  Slrt  ber 
SJerroaltung  geniigen  wollte.  Unfer  oerflorbener  ÜRtlbe,  bem  al«  gon* 
fenwttor  ber  Sammlung  bie  arbeit  für  biefelbe  allem  oblag,  wrmod&te 
bei  allem  treuen  gleite  im  beengten  Staunte  faum  nod&  bie  gülle  ber 
©egenftänbe  untergubringen,  gefd&roetge  benn  für  eine  fold&e  3luf< 
fteHung  Sorge  ju  tragen,  meldte  ben  reiben  Sn^alt  ber  Sammlung 
bem  Sluge  be«  Sefdjjauer«  barlegt  unb  #eburd&  einerfeit«  ber  Sie* 
le&rung  bient,  anbrerfeit«  ben  öemo^nern  unferer  Stabt,  in  golge 
be«  oerme^rten  93efudfje«,  bie  Slufforberung  na^e  bringt,  bie  Samm* 
lung  nadf)  Äräften  gu  oeroollftänbigen  unb  §u  üerme^ren.  Unfre 
3Jhittergefellfd[iaft,  meldte  für  bie  ^ntereffen  be«  Sterem«  jlet«  mit 
gletdfjer  Siebe  tyättg  ift,  Ijat  biefem  SKangel  bur<$  Slu«bau  be« 
gangen  erften  Stodfroerf«  iJ^re«  S8erfammlung«^aufe«,  fo  roie  burd& 
SSeroitttgung  ber  für  neue  Sdfjränfe  unb  ©la«faften  nötigen  ©eiber 
abgeholfen.  §ür  bie  ooUftänbige  Umorbnung  ber  Sammlung  unb 
bie  jum  bequemen  93efdfjauen  erforberlid&e  Slu«|iattung  ber  eingelnen 
Stüdfe  mit  furgen  erläuternben  (Stiletten  mar  eine  gcö&ere  Slrbeit 
erforberlidj.  Sil«  ba^er  mit  bem  Sdfjlufc  be«  ,3al)re«  1874  unfer  alter 
gonferoator  an  ber  Fortführung  feine«  Slmte«  burdf)  gune&meube  Sdfjroädje 
ftd&  ge^inbert  fa§,  roarb  vom  herein  in  ber  Drganifation  be«  2lu«* 
fd&uffe«  für  bie  gultur&iftorifdfje  Sammlung  eine  grünblidfje  äenberung 
befd&lojfen.  An  bie  Stelle  beffelben,  melier  ftdf)  üor&er  au«  2Jttt* 
gliebem  ber  ©efellfd&aft  frei  gebilbet  fcatte,  trat  eine  oom  SSerein 
aus  feinen  SRitgliebern  gewählte  fefle  Section.  fciefelbe,  gegen* 
wärtig  au«  ben  Ferren  ämbt,  Dr.  Senba,  ©rof«  unb  Dr.  ©.  gfd&enburg 

40 


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zedby  G00gk 


616 

befietjenb,  tyat  unter  Seitung  oon  Dr.  2$.  §aä)  unb  Dr.  #olm  bie  Samm* 
lung  nadjj  einem  emljeitlidSJeu  Sßrinjtp  im  ©efettfd&aftstyaufe  neu  auf* 
geflellt,  toeld&e  erji  jefct  in  ben  geräumigen  unb  größtenteils  listen 
Sälen  jur  ooDen  ©eltung  fommt.  S)ie  größeren  unb  fd&toereren  ©egen* 
ftänbe,  Slltarfdfjränfe,  Statuen  aus  Stein  unb  £olj,  3WetalIplatten  u.  bgl., 
jinb  auf  bem  S^ore  ber  Äat&arinenftrd&e  geblieben  unb  bort  in  äljn* 
lieber  äBeife  etifettirt  roorben. 

2)ie  er^attenbe  gürforge  beS  SBereinS  für  Sübedfifd&e  SUterttjumS* 
funbe  l>at  ftd^  aud^  auf  tyfiorifdje  ©enftuäler  unb  anbere  Sauten  ju 
erfireden.  Sßemt  bem  herein  l)ier  jtoar  ber  @influß,  ben  eine 
SBeljörbe  Ijat,  abgebt,  fo  barf  er  bod&  bartfbar  anerfennen,  baß  feine 
Stimme  bei  unfern  Seljörben  unfd&toer  ©ngang  finbet.  Qn  ben 
legten  Safjren  ift  ber  SBerein  in  feinen  SBemityungen  für  Sonfer* 
oirung  ober  9Bieber^erjleHung  alter  Sauten  häufig  mit  benen  jroeier 
anbren  Diepgen  SBerbrnbungen,  beS  Sed&mfd&en  herein«  unb  beS 
33ereinS  oon  ßunjitfreunben,  jufammengetroffen.  Sffienn  audj  bie 
$iele,  meldte  biefe  oerfolgen,  naturgemäß  oon  ben  unfern  fid^  unter* 
fd&etben,  fo  tonn  ein  ^ufammemoirfen  auf  bem  gebauten  ©ebiete 
bod)  nur  Ijödjjft  toünfdfjenStoertl)  erfdjjemen.  3»n  einem  greiftaat,  wie 
ber  unfere  fft,  fträubt  man  fidj  befyaxiliä)  gegen  bie  Scannet  eines 
©njelnen:  bem  füllen  Spange,  welken  eine  oon  oielen  Ärctfen 
getragene  Sitte  ausübt,  fügt  man  fidjj  leidfjt  unb  willig.  $>ie  Stellung 
eines  amtUd&en  SonferoatorS,  toie  eS  fold^e  in  monard&ifd&en  Staaten 
giebt,  mürbe  bei  uns  unhaltbar  fein:  auä)  unfer  oerftorbener  äRttbe, 
ber  geborene  ßonferoator  für  Sübedt,  Ijat  feine  fegenSretd&e  SBtrffam* 
feit  nadf)  biefer  Seite  l>m  nur  auf  prioatem  2Bege  burdfj  perfönltd&en 
Einfluß  ermögltd&t.  @in  ßufammengeljen  ber  für  ©cidndfjte,  Äunft 
unb'  Xtdjmt  Strebenben  bleibt  alfo  nadf)  toie  oor  geboten,  um  in 
unferer  oon  mobemen  ßeitftrömungen  beeinflußten  SeoöKerung,  bie 
nodj  baju  fid&  täglidf)  me^r  mit  auswärtigen,  nid&t  oon  ber  alten 
Pietät  für  bie  9teidjSftabt  erfüllten,  ©erneuten  mifd^t,  baS  redete 
SSerftänbniß  für  ben  einjigen  Sübecf  würbtg  Heibenben  Sd&mucf  ju 
bewahren. 

Qn  bem  feit  1867  t>erfloffenen  ßeitraum  fcatte  ber  Serein  ©e* 
legenfjeit,  fidj  für  bie  Sollenbung  beS  griefeS  am  $olflentI)ore,  bie 
(Spaltung  beS  $aufes  ber  Sd^iffergefettfd^aft  mit  feiner  mtttelalter* 
lid^en  ©aftbiele,  ber  SBehtfhibe  an  ber  $raoe,  bie  Sd&ommg  beS 
(Sftrid&S  im  Sorfte&erjtmmer  ber  ©urg  ju  oerwenben.  Wi  Sei^ülfe 
bes  #errn  (Sonful  $armS  erwarb  ber  herein  JBaujei^nungen  t>on 


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617 

ben  je|tgen  ©ebäuben  ber  ©urg.  ©8  gelang  bem  herein  ferner, 
jur  SBieber^erfteQung  be«  $infenbauer$  (ber  f.  g.  Sutterbuben)  auf 
bem  3Jtarft  unb  bei  ber  Steftauration  be£  9tatf)f)aufe£  müjunrirfen, 
beSgleidfjen  beim  Umbau  beS  gftatijgroetnfellerS  bie  $errenftube  (ba£ 
f.  g.  Srautgemadf))  mit  bem  alten  Äamin  an  ber  urfprfingtid&eu 
©teile  ju  erhalten,  ©nblidf)  entfernte  bie  Sorfte^erfd^aft  ber  @t.  Solarien* 
firdje,  auf  einen  Antrag  be3  Vereins,  ben  ^iflorif^  mistigen  ©rab* 
fleht  be8  SBürgermetflerS  Srun  SBarenborp  (t  1369  auf  ©dfjonen 
im  roalbemarifd&en  Äriege)  von  feinem  bte&erigen,  bie  3etfiörung 
förbernben,  Sßlafce,  ließ  iljn  am  Dftenbe  be8  fübltd&en  ©eitenfdfjiffeä 
an  ber  SBanb  befeftigen  unb  uerfal;  il)n,  unter  Anleitung  SRilbeä, 
nrieber  mit  ber  au3gebrod>enen  alten  SRetaflumfdjrift  SBeld^en  ©djjidf* 
falen  aud&  in  unferm  3$)rljunbert  firdfjltd&e  fcenfmäler  auSgefefct 
fein  fönnen,  erfuhr  ber  SSerein  nod&  im  vorigen  <3a&re,  ato  er  bie 
metallene  ©rabplatte  be£  Senator«  Stbrian  SftüHer  (t  1644),  meldte 
früher  im  Gljore  ber  ©t.  Slegibienfirdfje  gelegen  §at,  oon  einem 
Diepgen  Äupferfd&mieb  attfaufte. 

3Son  größter  Öebeutung  für  unfern  herein  ifi  bie  ©rünbung 
be£  SJereinS  für  $anftfdfje  ©efd&tdfjte  geworben.  S)ie  Säcularfeier 
be«  1370  gefdfMenen  ©tralfunber  gWeben«,  am  24.  Sttai  1870, 
führte  befanntlid^  jur  Stiftung  biefeS  über  bie  ©renjen  ber  geroöfjn* 
lid&en  ßoealintereffen  roeit  fjinaitögreifenben  Vereins.  Sei  ber  ©rün* 
bung  mar  unfer  herein  burdf)  ©taatöardfjioar  SBeljrmann  oertreten 
unb  beteiligte  ftd^  audf)  an  bem  austreiben  für  eine  $anfifdf)e 
SßretSaufgabe.3)  Sftadf)  bem  33efd&luf$  ber  ©tralfunber  ©elegirten  warb 
Sübedt  für  bie  etfte  (conftituirenbe)  SSerfammlung,  $fingften  1871, 
beftimmt.  S)ie  Anleitung  unb  Slnorbnung  berfelben  übernahm  unfer 
SSerein,  melier  audfj  bei  ber  jtoeiten,  1872  ebenfalls  am  Ijieftgen 
Orte  abgehaltenen,  Sßfingftoerfammlung  feine  fjelfenbe  #anb  bot.4) 
§atte  Ijieburdfj  ber  &anftfd)e  herein  in  unferer  ©tabt  fd&on  feftere 
SBurjel  gefaßt,  ate  in  anbern  früheren  SunbeSftäbten,  fo  ift  er 
bauemb  cm  ßübedf  gefnüpft  burdfj  bie  ftatutarifd&e  83eftimmung,  baß, 


»)  6.  ob.  <S.  192  ff.,  <S.6l  ff.  SBgl.  8öb.  931.  1870,  6.  217  ff.,  <S.  248  ff. 
$anf.  ®ef*idjt«bl.  1871  9to<for.,  <&.  III— XII.  SBenn  an  Iberer  <Stelle  (<S.  III) 
mitgeteilt  toirb,  bag  aud)  in  Sübecf  ber  24.  ffltoi  1870  fefHid)  begangen  fei,  fo 
beruht  bie«  auf  einem  3rrt$um.  5Die  Anrege  ju  einer  Seter  fanb  bamato,  fogar 
in  unferm  ©erein,  nid)t  bie  erforberli<fte  Styeilnaljme. 

*)  «üb.  91.  1871,  S.  249  fg.,  6.  254  ff.  1872,  @.  229  ff.  $anf.  ©efdjfdjtebl. 
1871  9ta$r.,  8.  XII— XXIV.  1872  Hadjr.,  <S.  XVII— XXVI. 

40# 


Digiti 


zedby  GoOgle 


618 

toie  toettanb  Sübedf  Sorort  be$  SBunbe«  war,  fo  unfere  ©tobt  ©ifc 
be«  SBeretnS  fein,  unb  toenigflen«  jtoei  STOitglieber  beS  SSotftanbS 
tyter  tyren  SBofjnftfc  $aben  f offen.6)  S)iefe  8efHmmung  ifi  eine 
§tftortfd&  gerechtfertigte.  2Bie  äffe  &anjtfd&en  @efdf)t<$t8ftubien  in 
Sübedf  al$  ber  £auptfunbftätte  be«  urfunblid&en  SOtateriate  itjren 
SWittelpunft  fud&en  muffen,  fo  barf  man  bei  Sübifd&en  ©efcljidfjt*' 
forfd^crn  ein  reges  Qntereffe  für  bie  ©efdjidfjte  ber  #anfe  in  erdetem 
SDta&e  oorauäfefcen,  unb  wenn  aud&  fetbftoerftänbltcJj  berufene  93e* 
arbeitet  berfelben  pdf)  nidjjt  immer  $ier  am  Orte  ftnben  fönnen,  ba 
fdfjon  bie  ba§u  nötigen  SBorbebmgungen,  auäreidfjenbe  9Rufee  unb  fjin* 
längliche  literarifdjje  #ülf3mittel,  oielfadj  fehlen,  fo  toirb  barum  bie 
3)iöglidjfett  ber  9Rttlettung  bur<$  Sübedfer  ntd&t  auSgefdjjloffen.  Stuf«» 
gäbe  unfer£  Socaloerein«  toirb  e8  aber  bleiben,  bafür  ©orge  ju 
tragen,  baf$  unfere  ©pecialfhibten  jtdf)  mögli<$fi  mit  ben  arbeiten  be« 
£anftfd(jen  ©efd&tdfjtSoeremS  berühren  unb  burdfjbringen,  um  ber 
beoorjugten  ©teffung,  toel^e  Sübedf  in  biefem  angetoiefen  ift,  äffe 
3eit  geregt  toerben  ju  fönnen.  SBie  nalje  bie  2$ätigfett  beiber 
SSereine  ftclj  begegnet,  ergiebt  fd&on  eine  Sergleidfjung  ber  gegen* 
feitigen  Urfunbenfammlungen ,  bie  ft<$  unabläfftg  in  bie  £änbe 
arbeiten.  @ine  nriffenfdfjaftlidfje  ©arfieffung  ber  Sübifd&en  ©efd&td&te, 
meldte  unfer  herein  als  le^ted  3iel  anftrebt,  fann  ftd(j  nur  auf  ber 
breiten  ©runbtage  ber  ©efdjidfjte  ber  #anfe  aufbauen,  otjne  beren 
oofffiäubige  Äenntnifena^me  fte  ftd&  nie  toirb  fdjjretben  laffen.  Qn 
Söürbtguug  biefer  SScr^ältniffe  ift  unfer  Senat  fofort  187.1  btn 
übrigen  Senaten  unb  SWagtftraten  ber  jefcigen  unb  früheren  &änfe* 
ftäbte  in  Unterftüfcung  beS  ^anftfd&en  ©efdftfd&tSoereinS  mit  ben 
nötigen  ©elbmitteln  oorangegangen,  unb  audj  unfer  herein  $at  ftcij 
jur  ^afjlung  eine*  iä^rlid^en  ©umme  an  jenen  bereit  erflärt.  8tu$ 
au&erfjalb  unferä  SSereinS  Ijaben  bie  Seftrebungen  be3  $anftfd&en 
©efdfjtd&töoereina  ber  a^etlna^me  unferer  SRitbürger  ftdf)  ju  erfreuen 
gehabt,  bodf)  fteljt  bie  3afy[  ber  SWitglieber  beffelben  am  Diepgen 
Orte  nodfj  in  feinem  SSer^ältniffe  §u  ber  Sebeutung,  meldte  bie  #anfe 
für  Sübedf  $at  63  toirb  unferm  SBereht  obliegen,  bie  Äunbe 
fjanftfcljer  ©efddidfjte  bei  \m&  mögltd&fl  ju  oerbreiten  unb  bem  Serein, 
melier  fid£)  tyre  ©rforfdjmng  jur  Aufgabe  gefefet  tjat,  neue  greunbe 
jujufü^ren. 


6)  £anf.  QtfäiQtthl  1871  toadjr.,  §.  XXIV. 


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zedby  G00gle 


019 

3u  ben  mit  un3  im  ©$riftettau*tauf<$  fie&enben  ©efettfc^aften6) 
finb  nad&folgenbe  #n}ugefommen : 

49)  S)ie  gHügifd^^Jottimerfd^c  äbtljetlung  ber  ©efeOfd^aft  für 
«Pommerföe  ©ef$t<$te  unb  Slltertyumghmbe  ju  ©reifämalb  unb 
©traifunb,  1867. 

50)  <EHe  ©efeDfd&aft  jur  »eförberung  ber  ©efd&id&te  ju  grei* 
bürg  im  ©retögau,  1868. 

51)  ©er  #arjt>erein  für  ©efd&td&te  unb  äÜertljumSfunbe,  18C8. 

52)  De  Vereeniging  tot  Beoefening  van  Overijsselsch 
Regt  en  Geschiedenis  te  Zwolle,  1868. 

53)  ©er  herein  für  bie  ®efd>i$te  »erlin«,  1869. 

54)  ©er  SSerein  für  Äunfi  unb  2tttertt)utn  ht  Ulm  unb  Ober* 
föwaben,  1869. 

55)  ©er  herein  für  bie  ©efdtfdjte  SeipjigS,  1870. 

56)  ©er  l)iflorifd)e herein  ju  ©ranbenburg  a.b.  $a*el,  1871. 

57)  ©er  &iftorif<$e  Äre&perein  für  ©c|)n>aben  unb  SReu* 
bürg,  1872. 

58)  ©er  SJerein  für  bie  ©efd&id&te  be«  Sobenfee«  unb  feiner 
Umgebung,  1873. 

59)  ©er  SSerein  für  bie  ©ef<$idjte  unb  2lliertf)um*funbe  be« 
Jjjerjogtljum*  unb  erjfüftö  2Wagbeburg,  1874. 

60)  ©er  SBerein  für  bie  ©efcfcidjte  ber  Sßfalj  }u  ©peger,  1874. 

61)  ©er  SSerein  für  ©efd&tdEjte  unb  attertyumsfunbe  ju 
Äafjla  (im  #erjogtf)um  ©a<$fen*2lltenburg),  1875. 

62)  ©er  herein  für  bie  ®ef$tdjte  ber  ©tobt  ©jemnifc,  1876. 

63)  ©er  Ijijlortföe  herein  für  ben  SRegierunggbejirf  9Warien* 
werber,  1876. 

2Bir  fmb  aufeerbem  mit  ber  SRebactton  ber  ^eralbif^^genea* 
logiföen  Sei^ift  $erolb  in  ©erlin  einen  2lu8taufd)  ber  gegen* 
fettigen  3eitfd#ften  eingegangen.  ©em  ©ermanifd&en  2Rufeum  m 
9türnberg  unb  bem  ßefeoerein  ber  ©eutfd&en  ©tubenten  in  SBien 
warb  unfere  3eitf($rift  gefd&icft,  unfere  93ert<$te  an  ba«  Suratorium 
be«  ©eutfäen  ^eid^  unb  SßreufnfdEien  ©taatöanjeiger«  in  Berlin 
unb  an  ba*  SÄufeum  für  SSölferfunbe  in  Seipjig. 

93on  ben  mit  un8  aerbunbenen  ©efeßfdjaften  ftnb  eingegangen: 
©ie  ©^le«mig^olfiein''fiauenburgif(|e  für  bie  Sammlung  unb  @r* 


•)  $b.  9,  ©.  559. 


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620 

Haltung  t>aterlfinbifd&er  8tttert$ümer  in  Äiel  (8b.  l,  6.  408  sub  3), 
bereit  Aufgaben  bie  ©efeBfd&aft  für  bie  ©efd&td&te  ber  ^erjogt^ümer 
©<$leSmig,  #olflein  unb  Sauenburg  mit  übernommen  fjat,  unb  bte 
SBefipljälifd&e  ©efeflfd&aft  jur  ©eförberung  naterlänbifd&er  Sultur  in 
SRtnben  (@bb.,  6.  409  sub  19). 

Smxä)  bte  ©Triften  biefer  unb  ber  früher  genannten  ©efelk 
fd&aften  unb  SSereine  $at  unfere  ©ibltot^el  einen  anfe^nli^en  3u* 
xoa$i  erhalten,    pr  ©efd&ettfe  an  blefelbe  ftnb  mir  aufcerbem  ju 
3)anf  oerpfftd&tet  bem  Senat  von  ßttbedf,  bem  3Bagifh:at  von  ©raun* 
fd&roetg,  bem  ©tabtratlj  von  Äampen,  ber  äfabemie  in  Petersburg, 
ber  Unfoerfttät  ®&rifHania,  ber  93ibliot$ef  in  ©reiben  unb    ber 
^utfd&*än$ropologifd&ett  ©efettfdjjaft  in  Berlin.    ©8  fyctbtn  uns 
femer  von  tyren  ©driften  jugefanbt  bie  Ferren  SJJrofeffor  5Daae 
in  SijrifHanta,  (Srnft  @bler  von  granjenSljulb  in  Älagenfurt,  Sßro* 
feffor  Dr.  ßanbelmann  in  Äiel,  ^ermann  in  6rfurt,  ©.  ©.  3.  von 
Äampfc  in  ©dfjmerin,  SDirector  Äraufe  in  SdoflodE,  Dr.  Sßijl  in  ©reif** 
roalb  unb  ber  nerftorbene  Dr.  Ä.  ©Ritter  in  ©d&roertn.  <£e«gteidfjen 
unfere  correfponbtrenben  SJWiiglteber  Qufttjratlj  Stumme,  Urd&toratf) 
SUebel  unb  ©erid&täratl)  ©etberfc,  meldte  injmifd&en  heimgegangen 
ftnb,  fo  mie  ber  Staatsrat!)  t>on  Sunge  unb  bie  Slrc^torät^e  ßtf<$ 
unb  SKafd^.    S3on  Diepgen  SWitgliebern  beretd&erten  unfere  Sibltotyef 
bie  uerflorbenen  $ajtor  Älug  unb  DberappeffationSratf>  SaSpegreS; 
©ecretair  Dr.  gfrandf  unb  DberappetfattonSratl)  Sßauli.    ©er  Severe 
rotes  t>on  feinen  ©Triften:  Sübedtifd^e  3ufiänbe  im  SWittelalter  ©b.  2, 
Sttb.   1872;  unb:  SübedTs  SBangelb  unb  Gapermefen,  @bb.  1875, 
bem  Setein  eine  Sfajaltf  ©jemplare  jum  SluStaufdd  mit  anbern  Set- 
einen an. 

§err  Äammeraffeffor  ©d&mibt  in  Äopenfyagen  machte  bem  9Ser* 
ein  eine  ©ammlung  norbifdfjer  Altertümer,  #err  Dtto  #elm  in 
Hamburg  eine  änjaljl  älterer  Slnftd&ten  t>on  Sübedf  §um  ©efd^ettf. 

2)ie  6rben  beS  Sßajtor  Älug  Übermiefen  bem  herein  btoerfe 
3Banufcripte;  au«  3RtlbeS  3lad&la{i  iji  alle«,  mos  ftd&  *uf  ßübedfö 
©efdfjid&te  unb  Sttltert^um  begießt,  ©gentium  beS  ©erein«  geworben. 

gür  alle  biefe  ®ef<$enfe  fei  liier  normal*  ber  fcanf  beS  ©er* 
ein«  auSgefprod&en. 

$>er  SBeretn  Ijatte  bie  gfreube,  ftdjj  an  jmei  Jubelfeiern  oer* 
bienter  SDtitglteber  beteiligen  ju  fönnen.  «m  13.  gitooember  l870f 
bem  £age,  an  meinem  vox  50  Jahren  baS  DberappettationSgeri<$t 
ber  wer  freien  ©täbte  Steutfd&lanbS  eingefefct  mar,  beging  Stoty 


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zedby  G00gk 


621 

*Pauli  ba$  (grimterungSfefi  feiltet  gleichzeitigen  ©inffflfjrung  in«  ©ertd&t 
(bamol«  als  6ecretatr).  Seiber  oerbot  urtferm  fjodjuerefjrten  lang* 
jährigen  SJorfifcenben  fein  bamaliger  ©efunb^eitöjuftanb  jebe  3luf* 
regung.  @o  mu&te  bet  SSerein  ftdf)  begnügen,  tym  burdf)  eine 
Deputation  eine  f<$riftlidfje  SBegrüJBung  tiberretdfjen  ju  laffen. 

Slm  6.  2Wai  1873  waren  60  Qa^re  oerfloffen,  feit  unfet  cotre* 
fponbtrenbeg  3Jtttglieb,  Slrdfjiüratl)  3)tof(f>  in  fernem,  an  ber  Äieler 
Uninerfttät  immatrtfulirt  marb.  S)ie  pfjilofopljifdje  gacultät  in  ßiel, 
unter  bem  Sßrobecanat  Sßrofeffor  Ufingerä,  benufete  bie  ©elegenljett, 
um  ben  mürbigen  ©eleljrten  jum  @f)renboctor  ju  promooiren.  Sine 
3ufammenfunft  in  Sübedt  warb  oerabrebet,  auf  roeldfjer  Ufinger  per* 
fönlid)  ba$  S)iplom  überreizte  unb  mit  einigen  greunben  unb  9Scr* 
tretem  unferS  SBereinS  am  ©octorfd&maufe  Sljeil  naljm. 

2)em  herein  finb  beigetreten  1868  ©enaiSfecretair  Dr.  @.  §aü) 
unb  Stctuar  Dr.  gunf,  1870  bie  Slctuare  Dr.  3Rütter  unb  Dr.  ©ettmer, 
SHbüocat  Dr.  91.  Srefjmer  unb  9Iector93uron>,  1871  Slbt)ocat  Dr.  geling, 
©anbibat  Sinbenberg  unb  2lctuar  Dr.  31.  §adf>,  1872  ©ecretair  Dr. 
grandf,  SSboocat  Dr.  3$.  $adf)  unb  Äunft^änbler  'S.  Äaibel,  1875 
Sanbmeffer  SKrnbt,  ^otograpl)  Sinbe,  Rentier  Srodt,  äfooocat  Dr.  $. 
SJenba  unb  Oberlehrer  Dr.  93.  @fdfjenburg,  1876  3oHinfpector  ©rof«. 

SSon  biefen  ift  Dr.  $>ettmer  fdf>on  am  6. 2fag.  1874  geftorben,  ßanbi* 
bat  Sinbenberg,  ate  er  in  golge  feiner  3Baf)l  jum  Sßaftor  in  5Ruffe  Sübedt 
oerliefc,  nrieber  au£gefd[)ieben.  3lu3  gleichem  ©runbe  traten  aus  bem  SBer* 
ein  Dberft  SefyrenÄ  unb  ©aubtrector  Dr.  Ärieg,  oon  benen  jener,  penfio* 
nirt,  ftd&  nadf)  Hamburg  jurüdfjog,  biefer  in  eine  anbere  amtltd&e  fettig* 
feit  ju  $otöbam  überging.  Dberft  SBetyren«  I)at  lange  3af)re  in  unfenn 
herein  nrfe  in  unferm  greiftaat  ber  Kartographie,  Stopograpfyie,  ©tatiftif 
unb  allem,  roaä  bamit  jufammenfiängt,  feine  aJlufce  geroibmet.  23au* 
birector  Ärieg  mar  ein  eifriger  ©rljalter  unferer  gotl)ifdf>en  Sauroerie 
unb  überhaupt  ein  greunb  unferer  ©efdfjidfjte  unb  2lltert£)umgfunbc. 
3)e$f)alb  mar,  jumal  bei  feiner  amtlichen  Stellung,  feine  SJtitgltcb* 
fd^aft  un3  befonberä  erroünfdfjt 

3u  correfponbirenben  äRitgltebern  l>at  ber  herein  1868  <{}ro* 
feffor  Dr.  SBattenbad),  bamate  in  Jpeibelberg,  jefct  in  ©erlin,  ernannt, 
1873  Dr.  Äoppmann  in  23armbecf  bei  Hamburg  unb  $rofeffor 
Dr.  Uffnget  in  Äiel. 

SDer  Severe  foHte  nidjjt  lange  ber  Unfere  bleiben.  ®r  erfcanfte 
plöfelidfj  am  ©ienpag  nad&  $fiugften  1874  auf  ber  SSerfammlung 
beä  ^anflfd&en  ©efdjjtd&teoerehtS  ju  Bremen  unb  ftarb  bafelbft  am 


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622 

folgenben  Sonntag,  ben  31 .  3Kai.7)  £)ur<$  feine  (Srroäljlung  rooflten  nrir 
tfjm  unfern  ®an!  für  bie  erfolgreiche  SefdEjäfrtgung  mit  bem  erften 
3»af)rf)imbert  unferer  ©efd&idEjte  auSbrüdfen,  bie  2öaf)l  tyat  tym  jebenfafls 
eine  große  $reube  bereitet. 

2luj$er  Ufmger  Ijaben  wir  fünf  unferer  correfponbirenben  9Rit* 
glieber  burdfj  ben  Job  verloren,  äße  rüfjmlidfift  genannt  auf  bem 
gelbe  ber  ©efd&idfjtö*  unb  töed&töforfd&ung.  @3  finb  $ofratl)  Dr. 
6t  ein  er,  £iftoriograpl)  be3  groffterjogl.  igeffifd&en  £aufeS  (t  in 
Sarmftabt  30.  2Rär$  I870)f  Slrdjiüar  Dr.  SeserfuS  in  Dlben* 
bürg  (t  30.  SRoDember  1871),  ßretögeridfjtSratf)  ©eiberfc  in  SlruS* 
berg  (t  17.  SKou.  1871),  ©ef).  Slrdfjforatl)  Giebel  in  S3erlin 
(t  8.  ©ept.  1872)  unb  ©el>.  Sfuftijratl)  ^rofeffor  Dr.  SBlu^me 
in  S3onn  (t  5.  gflot).  1874). 

S3on  tynen  §at  Sßrofeffor  SBlutime  ber  ©tabt,  melier  er  jetyn 
Qafjre  al$  SWitglieb  beS  ^öd^ften  ©erid&te  angehörte,  ber  ©efefl* 
fd&aft,  für  roeldfje  er  t^ätig  roirfte,  unb  iljrem  herein,  bejfen  ttr* 
hmbenbudfj  er  mit  in«  Seben  rief,  h\S  an  fein  ®nbe  bog  lebljaftefie 
Sntereffe  bewahrt,  ©eine  lefcte  ©abe  an  unfern  herein,  bie  jroeite 
$älfte  feiner  ©dfjrift  über  bie  Gens  Langobardorum,  traf  gleidf^ 
jeitig  mit  ber  -Jtadfjrtd&t  von  feinem  £obe  ein.8)  3Uid&  ben  anberen 
33erftorbenen,  wx  aUtn  bem  ©eridfctSratl)  ©eiberfe,  fmb  mir  für 
ßufenbung  mancher  mertfjooflen  ©dfjrift  t>erpflidfjtet.  2lm  nädfjffen 
berührt  bie  arbeiten  unferä  herein«  ber  Job  bc<8  2frdfjtoar  Set)  er  * 
fuS,  ba  mit  bemfelben  vorläufig  aße  9lu$ftd&t  auf  SBeiterfü^rung 
be«  $if$öfli($4iübifdf>en  Urfunbertbudf}«  üerfd&nmnben  ift,  roetd&eä  bem 
ftäbtifdjjen  jur  ©rgänjung  bient,  unb  beffen  erfter  oor  20  ^a|ren 
erfd&ienener  S3anb  nur  bte  jum  Jobe  be«  Sifd&of«  #ehtrtdfj  SBofl&olt 
(1341)  retd&t. 

SSon  Ijieflgen  SDHtgliebern  ftarben,  außer  $ettmer,  fieben.  ©rei 
gehörten  unferm  herein  früher  an,  tner  bte  an  iljren  Job. 

Senator  Dr.  £adf)  (geb.  12.  3Bärj  1800,  f  i.35ecember  1867), 
roie  fein  ber  juriftifdtjen  SBelt  befannter  33ater,  ein  eifriger  Sübtfd&er 
Patriot  unb  görberer  aßer  3>nftitute  ber  gemeinnüfcigen  ©efeflfdjaft, 
tu  r  Sflitgtieb  be3  älteren  gefd&idEjtlid&en  93erein£  bi£  1835. 9) 

Senator  Dr.  SRoedE  (geb.  7.  ^uni  1790,  f  29.  Januar  1869), 
roiebertjott   aorfifcenber  Sürgermeifter    unferer  ©tabt,    in  rocldfjer 

7)$anf.  ®efd)i*tebt.  39b.  l,  SBcrtoort;  3a1jrg.  1874,  <S.  16. 

8)  93q(.  (Stinfring  in  ber  SUlgem.  $eutföen  «iegraMe  93b.  2,  <S.  734  jf. 

»)  $b.  l#  ©.  1  jf. 


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623 

@igenf<$aft  er  fte  unter  anberm  aud>  auf  bem  granffurter  gürfiett^ 
tage  unb  bei  bem  33efu<fj  unfer«  jefcigen  Äaifer«  in  Sübecl  oertrat, 
war  3Wttglteb  unfer«  herein«  von  1853  bi«  1866.  @r  fd^lofe  fid^ 
bemfelben  an  in  $olge  ber  SBerfdfjmeljung  be«  2to«fdjujfe«  für  bie 
ßunflaltertyümer  mit  bem  ©efd>idjt«t)ereln.10)  $ür  Äunft  unb  Sllter* 
tyum  Säbedi  mar  er  ^afjre  1^9  al«  SSorftfcenber  be«  2lu«fd)uffe« 
unb  fpäter  ber  befonbem  $Berein«fectton  eifrig  bemüht.  ®r  Ijatte 
fdjon  Dörfer  al«  Sßrfoatmann  ftdfj  eingeljenb  mit  bem  ©tubtum 
^teftger  Äunjkefie  befdjäftigt,  Ijatte  burdj  SBort  unb  ©$rift  auf  bie 
53ebeutung  berfelben  fimgeuriefen  unb  mannen  ©traujs  in  biefem 
©inne  au«gefo<$ten,  roo  e«  galt,  für  bie  ©rfjaltung  eme«  S)enhnal« 
einjutreten  ober  bie  Sßegfüfjrung  eine«  Äunftroerf«  ju  fjinbem. 
©urd)  3lnfauf  gingen  anbere  in  feinen  83eft|  über.  @r  ifl  ber  @rfle 
geroefen,  melier  nad)  ber  SBefreiungSjelt  in  einer  unfern  firdjlid[jen 
unb  anbern  SJenfmätern  befonber«  oerberblid&en  Sßeriobe  fräftig  feine 
©timme  ju  ©unften  berfelben  er^ob.  ©eine  fpätere  Stellung  al« 
Senator  unb  Äirdfjem>orfief)er  oerljalf  biefen  Semülmngen  ju  aU* 
gemeinerer  ©eliung,  fo  bafc  fie  allmäljlufj  bei  allen  Äir^enoorftänben 
unb  bürgerten  Sejjörben  meljr  erfidjtlid)  geworben  finb.  2Ba«  SRoedf 
felbfi  an  Slltert&ümern  unb  Äunftfa^en  befaß,  ift  burd)  le|tnrittige 
3}erfügnng  unferer  ober  ber  Sammlung  be«  tyteftgen  Äunffoerein« 
emoertetbt  morben. 

DberappeHatton«ratl)  Dr.  @rnfl  Slbotf  S^eobor  2a«pepre« 
(geb.  ju  S3erlht  9.  Qult  1800,  t  ju  £aße  a./@.  15.  gebr.  1869), 
afabemifdjer  9te<$t«let)rer  in  ©erlin,  <paHe  unb  ©rlangen,  1846 
naü)  Sübecf  berufen,  trat  atebalb  ber  ©efellfdjaft  §ur  Seförberung 
gemeinnüfciger  2$ätigfeit  unb  unferm  SSerein  bei,  au«  tueldfjem  er 
mit  feinem  SBegjuge  na<$  §aüe  1865  au«f<$ieb.n)  Sei  feiner  großen 
Äernttnifc  aller  ©ebiete  be«  Staate  unb  Äirdjenred&t«  unb  bem  leb* 
^aftefien  Qntereffe  für  bie  2)cutfd)e  Sterritorialgefdfjtdjte  be!unbete  er 
fofort  bie  eingejjenbfte  Sfjetlnafmte  an  allen  arbeiten  unb  Unter* 
neljmungen  be«  herein«.  @r  gehörte  bem  SftebacttonSauSfdjuffe  für 
bie  3eitf<$rift  an,  warb  jebod)  an  eigenen  in  bie  Sübifdje  ©ef<$t<$te 
etnfdjjlagenben  arbeiten,  fo  lange  er  rüftig  mar,  burd)  bie  Obliegen* 
Reiten  feine«  9lmtc«  unb  fdfjriftfteHerifdfje  $f)ättgfeit  im  jurtftifdjen 
%aä)  gefjinbert.  ©eit  1862  in  golge  fd)tagartiger  3ufälle  von  ber 
2lu«übung  feine«  93eruf«  au«gefd>loffen,  fudfjte  er  burdj>  energifd&e« 


w)  $b.  1,  <5.  6.  »)  SüB.  Blätter  1869,  <S.  90  fg. 


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624 

fteftlialten  einer  für  iljn  minber  anfirengenben  ©eifteät^ätigfett  ftdj 
bie  nötige  fiebenSfriföe  ju  bewahren  urtb  tnad)te  ftdj  gu  bem  ©nbe 
mit  bet  ©efdf)id)te  unferer  2anbfd)aft  genauer  befannt.  grüdjte  biefer 
Vefdjäftigung  ftnb:  „$)ie  Vefeljrung  9torb*2llbingien8  unb  bie  ©rün* 
bung  beS  SQBagrtfd^cn  Sfötyum*  9llbenburg*2übe<f,  (©rem.  1864)", 
bem  Vürgermeifier  JRoedt  am  Qubeltage  feiner  fünfzigjährigen  Sßirf* 
famfeit  genribmet;  „Chronicon  Sclavicum,  quod  vulgo  dicitur 
parocbi  Suselensis"  (£üb.  1865),  ber  Unioerfttät  Atel  jum  jroei* 
lunbertjätjrtgen  ©ebädjtni&tage  ifjrer  ©rfinbung  überreicht;  unb 
„Ueber  Zeitalter  unb  ©ntftefjung  beS  Chronicon  Sclavicum11  (Qa^rb. 
ta  $J9$-  ©d)le$tmg*£olftetn  unb  Sauenburg  Vb.  9,  @.  16 1  ff.) 

©enatefecretatr  Dr.  @buarb  Saltyafar  Sßtncfler  (geb.  2.  gjfot 
1800,  +  10.  2tuguft  1871),  gehörte  unfern  herein  feit  1836  an 
unb  tyat  ficf)  an  ben  Vorarbeiten  für  ba§  Urfunbenbudj  niete  ^afyce 
emfig  beteiligt.  @r  gab  tnä^renb  feiner  Verwaltung  be£  2lrc^ix)S 
in  freunblid)fler  SBeife  jebe  roünfdjenäroertlje  SluSfunft,  leiftete  äße 
möglidje  $iüfe  unb  mar  namentlid)  unermüblt<$  im  Slbfdjreiben. 

^aftor  3RarcuS  ^oadjim  ßarl  Älug  (geb.  21.  gebruar  1799, 
t  21.  3»ära  1872)  mar  feit  1837  3Jtitglieb  beS  Verein«,  in  meinem 
er  gleidj  tljätig  für  bie  ©efd^id^te  mie  für  bie  flltert^ümer  fiübecfS 
fid)  ernrie«.  3n  ber  2lltertf;um3fectton  Ijat  er  feit  bem  Stüdtritt 
JRoedfe  ben  Vorftfc  geführt,  er  pflegte  bie  Ausgrabungen  be£  Ver* 
eins  ju  leiten,  bie  Vefdjreibungen  ju  liefern12)  unb  ift  in  weiteren 
Greifen  burd)  feine  „Opfer*  unb  ©rabaltertyümer  ju  SBalb^ufen 
(Süb.  1844)"  befannt  geworben.  @r  mar  SWitarbeiter  an  btn  beiben 
erfiten  Steilen  be£  Urfunbenbudjä,  ba£  geograpljifd&e  3tegifier  be$  erften 
ift  t>on  iljm  angefertigt  morben.  3Kandje  l}iftorifd)e  Slufiäfce  f)at  Älug  in 
ben  ßübecfifd&en  Vlättew  t>eröffentlid£)t,  mit  Vorliebe  mahlte  er  baju 
abfdfmitte  au»  Sübedfö  firdjtidjen  3uftänben.  3n  einer  eigenen 
©d>rift  Gilberte  er  1843  bie  Verl)ältniffe  ber  „Cübecftfd&en  Sanb* 
firdjen  feit  ber  Sieformation."  ©eine  umf angretdjfte  Arbeit  ift  bie 
„©efdjidjte  fiübedfe  roäljrenb  ber  Vereinigung  mit  bem  franjöftfdjen 
Äatferretc&e  1811-1813  (1856/7)",  beren  erfte  2lbtf}etlung  bem  *er* 
ftorbenen  Vürgermeifter  grifter  bei  beffen  fünfjigjäfjrigem  SKmtS' 
Jubiläum  überreizt  warb.13) 


")  93b.   1,  <S.  221   ff.  397  ff.   53b,  2,  <§.   146  ff.  354  ff.   553  ff. 

")  $0l.  über  i^n  2ö&.  Blätter  1872,  ©.  129  ff. 


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>gle  — J 


625 

Uttfetg  am  18.  September  1872  wrftorbenen  Sttitglieb«,  beÄ 
Senator«  Dr.  §.  ©reljmer,  ift  in  biefem  $anbcu)  auäfüljrlidfj 
gebaut  roorben.  ©leid)  feinem  SSater  unb  ©rofcoater,  ben  Sterjten 
S3re^mer  unb  SBattbaum,  warb  audj  Senator  S3ref)mer  in  allem  $tjun 
oormiegenb  burd&  bie  wärmfte  Eingabe  an  bie  SSaterftabt  geleitet. 
So  fd&ommgSloS  er  in  ben  fräftigen  3Kanne£jat)ren  mit  mand&er  Der* 
alteten  .^nftttution  aufräumen  tonnte,  fo  }äl)  ^tett  er  an  jeber  irgenb 
roie  bebeutenben  gefd&id&tlid&en  ©rinnerung,  ja  an  manchem  bered^tigten 
Stile!  2UtertI)um  fefl.  $>ie  Neigung  jum  Sammeln  atteg  S)enf* 
roürbigen  mar  ü)tn  uon  Steter  unb  ©rofeoater  oererbt.  2Bie  er  feine 
Äemttniffe  fiübifd&en  SRedfjtS  unb  ßübifd&er  ©ef<$td£jte  jum  SRufcen 
unferS  greiftaatö  t)em>ertyen  burfte,  fjat  Slrdfjtoar  2Bel)rmann  ein* 
ge^enb  gefd&Ubert,  audE)  wie  er  IjiiiorifdEje  unb  juriftifd&e  dueBen* 
fd&riften  ber  SSergeffert^eit  enijog.  @r  ift  ber  üfteugrünber  unb  lang* 
jätjrige  Seiter  beS  feit  1835  nneber  aufgerichteten  herein«  geworben, 
ba$  Urfunbenbudf),  für  beffen  erften  23anb  er  emftg  mit  abgefd^rieben 
unb  regiftrirt  fjat,  oerbanft  iljm  feine  @ntfief)ung,  ben  ©runbfiodf  ju 
ber  im  93eft|  be*  Vereins  befmblicijen,  feit  balb  40  ^aljren  anfefm* 
Ud&  wrmeljrten,  Sammlung  be$  f.  g.  Museum  Lubecensc,  ent* 
tjaltenb  Sanbfarten,  ©runbriffe,  äfoftd&ten,  SJilbniffe,  Siegel*,  SDtthtj* 
unb  fonfttge  auf  Sflbedf  bejügli$e3eid^nungenf  Ijat  SSreljmer  1839,  ba* 
mate  jroei  grofce  -Kappen,  f)at  er  gefdfjenft.15)  9LI&  er  feit  bem  ®nbe  ber 
trierjtger  3fal)re  feine  Äräfte  au$fdjjlief3lid()  bem  Staatöbienft  roibmen 
tnufcte,  $at  er  bie  arbeiten  beS  Vereins  als  eifriger  ©efudfjer  ber 
SSerfammlungen  mit  jletS  gleicher  £I)eilnal»me  begleitet.  Seine  amt* 
Ud&e  Stellung  gab  oielfad&e  ©elegenfjeit,  bie  3u>edfe  be£  herein«  ju 
förbern,  namentlich  bei  Ausgrabungen,  bie  er  nie  nerfäumte.  Seiner 
obrigfeitUd&en  Slnorbnung  nidfjt  minber  al£  feiner  perfönltdfjen  grei* 
gebigfeit  oerbanft  bie  ©ultur^ifiorifd^e  Sammlung  mandfjeS  mert^offe 
Stüdf.  So  gebührt,  roie  in  unferm  greijlaat,  audfj  im  herein  bem 
Verdorbenen  ein  bauewbeS  Slnbenfen. 

S)en  legten  fdEjroerften  SSerluft  §at  unfer  SSerein  am  19.  Sftoubr. 
1875   burdE)  ben  Job  be$  3MerS  3Wilbe  erlitten,  melier  un<8 


u)  ©.  489  ff.  —  (Sine  furje  Ueberfidjt  feine«  SBirfen«  gab  unmittelbar  na$ 
feinem  £obe  fein  sJfrffe,  Dr.  •&.  JNug,  in  ben  fcftb.  blättern  1872,  ©.  413  ff. 

16)  9ta(fe  biefer  Angabe  mögen  bie  früheren  Semerfungen  4<8b.  i,  ©.  407. 
$b.  2,  ©.  558  berid)tigt  werben.  3Rit  Dreier  bat  ber  Marne  Museum  Lubecense 
nid>t$  ju  ttjun.  Die  ba^in  geljeuben  Sleuferungen  berufen  auf  einer  93er* 
»e*felung  mit  bem  f.  g.  iDre^er'fdöen  SWufeum. 


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626 

S6  3$>te  atö  9Witgtteb  angehört  §at,  bodfj  fd&on  oot  melp  al* 
30  Qa^rert  für  ben  SSerein  tyätig  mar.  aber  ni^t  nur  jeitli4  audfj 
räumlid)  reicht  bie  ©umme  beffen,  ro<a  SWilbe  für  ben  herein  unb  tat 
©tnne  fehter  ©ejlrebungen  getyan  §at,  roeit  über  bie  ©renjen  feiner 
SRitgliebfdfjaft  IjinauS.  <£r  war  gletdjjfam  jKUfcIjroeigenb  ber  beauf* 
tragte  Vertreter  be«  SSerein*,  roo  e3  ft<$  um  irgenb  eine  ftrage  ber 
Äunfi  ober  beS  SHtertyum«  in  tyeflgen  öffentlichen  unb  prfoaten 
Äreifen  Ijanbelte.  ©o  wirb  e3  gerechtfertigt  erfd&einen,  bafc  toft  auf 
feine  fafi  trierjigjaljrigen  Serbtenfie  um  Sübedf  unb  auf  bie  Seben«* 
entaridfelung,  roeldfje  Üjn  ju  feiner  fo  befd&etbenen  unb  bodjj  fo  ein* 
flußreid&en  Stellung  in  unferer  ©tabt  ^eranbilbete,  ein  wenig  nä$er 
eingeben. 

Carl  Sultu«  SWilbe  mar  am  16.  gebruar  1803  in  einfad&en 
$äu«lidf>en  SSerljältmffen  ju  Hamburg  geboren,  ©ein  SSater,  ein 
©emürjfrämer,  fjatte  ftd&  tUn  mit  änftrengung  ju  einer  behäbigeren 
@pipenj  emporgearbeitet,  als  bie  gfrangofen^errfdfjaft  feinem  äBotyk 
fianbe,  wie  bem  fo  oieler  Slnberer,  ein  @nbe  ma<$te.  SRotl)  unb 
(gntbeipung  tyerrfd&ten  im  #aufe,  bi«  eine  Keine  Aufteilung  an  ber 
©tabtfaffe  bie  bringenbfien  ©ebttrfntffe  bedfte.  1814  warb  ber  Sater 
SBudfjfüljrer  beim  SBedfrfelfiempel  unb  rüdfte  fpäter  in  beffer  befolbete 
©teilen  auf,  bodfj  blieb  bie  ©nna^me  büJ  an  feinen  $ob  (1842)  eine 
befd&etbene. 

Unter  folgen  Umfiänben  lernte  SWilbe  frül)  ftd&  bereifen,  warb 
frity  auf  feine  eigene  Äraft  gemiefen  unb  eignete  fWj  jene  raftlofe 
^ätigfeit  an,  bie  itm  burdfj  fein  ganje«  Seben  auäjeid&nete.  2>ie 
Süden  be$  Unterrichte,  melden  er  nur  in  einer  (gtementarfd&ule 
genojfen  tjatte,  nmjste  er  burdfj  eifrige  Seetüre  fo  gut  auSjufüflen, 
bajs  er  ben  gleichaltrigen  Äunftgenoffen  balb  für  befonber«  bemanbert 
in  ber  jd&önen  unb  Äunftliteratur  fo  nrie  in  allem  SBiffen  galt.  @r 
Ijat  biefe  Slrt  ber  ©elbflbilbung  bi«  in  ba«  fpätefte  älter  fortgefefct. 
SRegelmäfjtg  mar  fein  £ag  jn>ifc$en  $anbarbeit  unb  Seetüre  geseilt. 
3n  je  me&r  3roei9e  be*  SMfc  unb  SBiffenfd&aft  jene  tynübergriff, 
befto  eifriger  fudfjte  er  ftc$  mit  ber  J^eorie  be£  betreffenben  3fadf>e« 
befannt  ju  mad&en.  SHefe  t>on  feinem  SSater  ererbte  Steigung  ber 
©elbftbele^rung  auf  ba$  $ol)e  unb  ©d&öne  in  Siteratur  unb  Äunft 
gerietet  ju  fjaben,  ift  ba*  SSerbienft  Qol).  amd&ael  ©pedfter«,  beffen 
#au«  ein  SDttttelpunft  nic^t  nur  für  Äünftler  unb  Äunfifreunbe, 
fonbem  für  alle  geifüg  bebeutenben  SWänner  Hamburgs  mar.  3RUbe 
warb  roie  m  Äinb  be«  $aufe«  be^anbelt.    $ier  lernte  er  bie  ^e 


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627 

8$tung  *ot  ber  &etmifdf)en  Äunft.  ©dfjon  1823  ftnben  wir  tytt  mit 
bem  begabten  3Met  ©tmtn  ©pecltet,  bem  ätteften  ©olme,  auf  einet 
SBanbetung  but<$  bie  notbetbtfd&en  Sanbe,  al£  beten  ©lanjpunfte 
Üjnen  @d&le«n>tg  (mit  #an«  ©tüggemann«  2lltatfdE)tanf)  unb  Sübedt 
etfd&ienen.  2)amaite  jeid&neten  fie  ba«  Stttatbitb  t>on  3Jtemling,  beffen 
©opie  fpätet  in  bet  ©pedftetfd&en  ©tembtudfetei  $etau«gegeben  tuatb. 
ftein  ©etingetet,  als  bet  funftoetflänbige  gtetyett  von  Sftumo^t, 
melden  fie  auf  feinem  ©ute  9totf)en&aufen  befugten,  roatb  bet  23e* 
tat^et  bet  fhrebfamen  Jünglinge,  ©einen  SBntfen  folgenb,  gingSRilbe, 
um  ft<$  oot  bem  ©efudE)  Italien«  etft  in  3)eutfdf)lanb  jum  3Kalet 
auSjubilben,  1824  im  gfttttjjaljt  nadE)  $>te«ben.  33i«  baljin  Ijatte  et 
im  ßeid&nen  ben  Untettldjt  ©etbt  $atbotff«,  im  SDlalen  ben 
ß^tifioffet  ©ulp«  unb  ©iegftieb  Senbijen«  genoffen,  benen  bie 
trtelen  bamate  in  $ambutg  aufgeroad&fenen  Äfinftlet  bie  ©tunblage 
Upet  £ed(jnif  aetbanfen.  $n  3)te$ben  fdjlofe  SDlitbe  eine  gfteunbfd&aft 
füt  ba«  Seben  mit  bem  Äupfetfted&et  S^aetet  unb  bem  93Übt>auet 
Sfttetfd&el.  Sflad^  einem  Scfyx  jutüdfgefe&tt,  Detlicf3  et  $ambutg  abet* 
mal«  im  ©ommet  1825  mit  bem  btei  3$}te  jängeten  ©troin  ©pedftet 
unb  roanbte  ft$  nadf)  Sftünd&en.*  Son  aßündfjen  au«  butdpmanbette  et 
im  nädjjften  Qaljt  Dbet*  unb  SRittelitalien  bi«  9tom,  bann  ©übofi*  unb 
©übmefibeutfcfjlanb  unb  fefctte  übet  ben  9tyein  nadf)  #ambutg  jutüdf. 
@me  jroeite  greife  nadf)  Italien  fällt  oom  £etbft  1830  bt«  in  ba* 
gtttlyaijt  1832.  ©ie  führte  SKilbe  nad(j  Neapel,  Pompeji,  pftum, 
©aletno  #nab,  am  längjien  uetroeilte  et  in  9tom,  Sßetugia  unb 
SCfftfx-  SHdfjt  gefüllte  ©fijjenbüd&et  unb  gtojje  2Kappen  voü  tum 
S^eil  fef)t  fotgfättig  au«gefitf)ttet  3eid&nungen  bejeugen  feine  emfige 
Sttfceit  Site  begetjiettet  SJete^tet  Doetbedfö  tjat  et  txmoiegenb  an 
Stteifietn  bet  ätteten  ©d&uten  feine  6$ataftetftubien  gemalt,  bauUn 
abet  bet  fünftletifdfjen  SSlnotbnung  umfangteid&et  Gompofttionen,  bem 
Setroetf,  bem  SJecotattoen,  bem  Soflüm  fein  Stugenmetf  jugemanbt. 
S)ie  Steife  mat  übet  ben  ©t.  ©ottjjatb  Ijinab  gegangen,  et  fel>tte 
butdf)  bie  meftlid&e  ©d&roeig  jutücf,  meiften«  ju  gufc  roanbetnb.  ©eine 
©tiefe  unb  Sagebfid&et,  t>oH  t)on  beobad&tenben  Semetfungen,  finb 
nod&  t>ot$anben.  @t  tyatte  einen  befonbeten  ©lidt  füt  bie  Sttdjjiteftut, 
füt  bie  ©gentyümltd&feit  bet  Stadjt,  füt  Sanb  unb  Seute.  S)aju 
lam  feine  natutmiffenf^afüidpe  SReigung;  fd^on  in  S)te8ben  benu^te 
et  bie  »efanntfd&aft  mit  5{h:ofeffot  3teid^enbad^  jum  S3eftett  feine« 
$etbatiumaf  auf  ben  äBanbetungen  fammelte  et  Ääfet  u.  a.;  felbft 
ein  eifriger  5Cutnet,  ftubitte  et  btn  attitöfelbau  u.  f.  m. 


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SWilbe  fottte  tro$  feine«  feljnlidfjen  2Bunf$e«  ntd^t  roteber  na<# 
Italien  formnen.  $)te  ©dfjmeij,  ©üb*  unb  SWittelbeutfdfjlanb  t>at  er 
in  nriebertjolten  gertenreifen  aufgefudfjt,  audfj  3)änemarf  Unntn  ge* 
lernt,  9torbbeutfd(jtanb  nadjj  ben  oerfd&iebenften  9tt<$tungen  burdfjjogen, 
tyeil«  um  bie  befonbern  ©dfjöpfungen  älterer  lanbfd&aftltdjjer  Äuttfi 
grünblidE)  ju  erfunben,  tfjeit«  in  2lu«fül>rung  tfjm  geworbener  fünft* 
lerifdfjer  Aufträge. 

SWilbe  §at  ftd&  nodf)  lange  bie  f.  g.  £tfiortenmateret  als  Seben^jiel 
gefegt,  bodf)  ift  er  über  einzelne  größere  ©ntroürfe  unb  einige  ju 
Äirdljenbilbern  befümmte  Delgemälbe  nid^t  l)inau«ge?ommen.  2ludf> 
ba«  Porträt  gelang  i&m  beffer  in  ber  3eic^nurt9r  a&  in  farbiger 
SluSfüljrung,  in  beren  Setjanblung  er  nid&t  glüdlid&  mar.  dagegen 
§at  er  in  ber  leeren  2>ecoration«malcrei  SBortrefflid&e«  geliefert, 
forootyl  enfauftif4  wie  al  fresco  gentalt,  wofür  er  in  Italien  fd&on 
etngeljenbe  ©tubien  gemalt  fyxtte.  Qn  Hamburg  fiettte  er  bie  @e* 
fdf>tdjjte  be«  Stoffes  Sejarb  au«  ber  ©age  oon  ben  §atmon«finbern 
an  bem  grontifpice  eine«  betn  ©pnbtfu«  ©teoefing  gehörigen  ©toll* 
gebäube«  in  #om  bar  (je|t  leiber  jerftört),  unb  fd&müdfte  gentein* 
fdf>aftlid&  mit  @rtmn  ©pedEter  einen  €aal  im  #aufe  be«  Dr.  Slbenb* 
rotf)  au«.  Qn  Sübedf  oerfa§  er  ©aal,  2)iele,  $reppenljau«,  ben  oberen 
SBorplafc  unb  mehrere  ^immer  im  erften  ©todf  be«  $aufe«  be« 
Gonful  9tölttng  mit  gefd&madEpotten,  jum  Sfjeil  feljr  IcbenÄfrtfd^en 
©ompofttionen  im  pompejanifdfjen  Stil.  3Hod^  1860  fjat  er  bie  oon 
©raf  33eijr*9legenban(f  mieber^ergefteßte  Äird&e  ju  ©emloro  ht  $om* 
mem  ganj  ausgemalt,  audfj  fpäter  oerfdfnebene  anbere  SBanbmalereien 
in  unferer  ©egenb  geleitet  ober  fel6ft  ausgeführt. 

3n  Sübedf  mar  er  feit  1823  mteberfjott  eingefc^rt  unb  mit  ben 
gamilien  Doerbedt,  Surtiu«,  Glaubiu«  u.  a.  in  freunbfdfjaftlid&e  ©e* 
jie^ungen  getreten.  S)ie  arbeit  im  Sflöttingfd^en  #aufe,  beffen  2u«* 
bau  bie  Üjm  befreunbeten  3lrdE)iteften  Sauenfteht  unb  nad&  beffen 
Xobe  ©a«carb  leiteten,  führten  iljn  ju  immer  längeren  Stefudjen  oon 
Hamburg  herüber,  bi«  er  feit  1838  in  biefem  ipaufe  feinen  bleiben* 
ben  SBoljnjifc  auffc&lug.  1841  warb  er  al«  gtifynttiltfyctt  an  unferm 
gatfjarineum  angepeilt,  meldte«  Slrnt  er  bi«  1864  t>erfal>.  ©8  genügte 
tt)m  al«  äußerer  2lnl)alt  für  eine  befdfjetbene  8eben«flettung,  im 
irrigen  feffelte  Um  an  ßübedt  ber  ^äu«lid^e  unb  gefettige  Serfeljr, 
für  ben  er  me^r  al«  mancher  anbere  Äünftler  empfängt  mar,  unb 
bie  SUtfftd&t  auf  june&menbe  SefdEjäfttgung  nadjj  feinem  ©efd&madf 
bei  oöttiger  Unabhängigst  be«  äBirfen«. 


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zedby  G00gk 


f  629 

£)a  et  nid&t  burd)  ©taffeletbttber  rafdjj  jur  ©eltung  fam,  rote 
wandle  fetner  genialen  Sanbsteute,  fo  mar  er  fd&on  um  be«  (SrroerbS 
«ritten  auf  anbere  arbeiten  Inngerotefen,  roelclje  mit  ben  f  uttftgefd&id&tltd&en 
6tubien  feiner  2Banberjai)re,  mit  feiner  naturroiffenfd&aftlidEjett  Sieb* 
fcaberei  fid&  begegneten.  SSon  ber  erften  Slrt  fjat  äWilbe  eine  große 
1  SJlenge  üerfd&iebenarttgfter  Seiftungen  befd&afft,  von  benen  mand&e  auf 
Öibedf  bejüglid&e  nod&  ermähnt  werben  foHen.  (SS  gehören  ba^in 
audjj  Qttufteationen  von  Sitein,  3uf<$riften,  Sötbrnungen  unb  ber* 
gleiten,  in  beren  atuSfitfjrung  3Bilbe  eine  große  geinfinnigfeit  befaß 
unb  otel  tedfmifd&e£  ©efd&idf.  Sammlungen  von  Initialen,  3ftanbt>er* 
jterungen,  Seiften  k.  aus  ben  namhafteren  2Ranufcripten  be« 
äWttelalterS,  meldte  ber  9tad&laß  enthält,  bejeuflen  feinen  gleiß  aud& 
nad&  biefer  ©eüe  fcin.  ©8  feien  l)ter  nur  genannt  ein  Q^renbflrger* 
brief  mit  ben  fämmtlid&en  Sßorträtftguren  beS  Senats  unb  ber 
©ptfcen  ber  SBürgerfc^aft  von  Hamburg,  roeld&er  bem  Ijanfifdfjen 
Sta&lljofSmeifter  ßolqufjoun  in  Sottbon  1835  überreizt  roarb,  unb 
baS  bei  uns  bewahrte  Stonffdjjretben  Hamburgs  an  unfere  ©tobt  nadjj 
bem  Sranbe  t>on  1842. 

Sluf  SDttlbeS  in  bie  äRebicm  unb  Statumnffenfd&aften  einfd&lagenbe 
3eid^nungen  einjugeljen,  mürbe  l)ier  nidjjt  am  Drt  fein.  @S  fei  nur 
ber  von  tym  ifluftrirten  äBerfe  Sßrofeffor  ©üntfjerS  „bie  @(>trurgifdf)e 
SWuSfeileljre  (1840)"16)  unb  „bie  $anb"  (1841)  gebaut,  gttr 
©untrer  jeid^nete  er  aud&  3>rre,  ftfc  Dr.  $rier  in  Hamburg  Seiten 
unb  Seid&enpräparate.  Sßffattjen,  Qnfecten,  Schmetterlinge  ^at  er  in 
fauberer  äuSmalung  fjmterlaffen  unb  einjelne  ©ruppen  oottftänbig 
ausgeführt.17)  S)abei  mag  nur  für }  feiner  SäJirffamfeit  für  bie  tyeftge 
SRaturalienfammlung  gebaut  werben.  211«  SJorfte^er  unb  fpäterer 
(Sonferoator  berfelben  fjat  2Jttlbe  breiig  Satire  lang  äße  Hauptarbeiten 
met>r  ober  weniger  allein  ausgeführt.  @r  l)ai  catalogifirt  unb 
numerirtf  er  $ai  conferoirt  unb  correfponbirt  unb  bur$  feine  §une^ 
menben  SBerbinbungen  nad&  außen  l>in  ben  SBad&Styum  ber  ©amm* 
lung  gemehrt.  @o  lange  er  nid&t  (als  (Sonferoator)  regelmäßig  auf 
bem  Staturaliencabtaet  arbeitete,  waren  ftetS  bie  SormittagSflunben 
beS  Sonntags,  nad&bem  er  ben  griUjgotteSbienft  im  $om  befugt 
1)<üttf  ber  (Entomologie,  bie  äöod&enabettbftunben,  in  benen  i$m  baS 
Std&t  für  Beid&nen  unb  SRalen  gebrad&,  neben  Seetüre  bem  ©eciren 

16)  3)a6  öremtfar  mit  ben  £>riglnaljetd)nungen  beftobet  fl$  auf  ber  ®tabt» 
bibliotbef. 

")  3n  ben  SBefty  ber  tyiejtgen  IRaturaiienfommlung  übergegangen. 


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zedby  G00gk 


630 

unb  Sßräpariren  von  ©feierten  beftimmt,  beten  bie  Sammlung  eine 
grofce  Sa§l  von  üjm  verfertigter  befiftt,  barunter  ben  erfien  ^ie^er 
gelangten  ©orilfo. 

3m  erften  S3anbe  biefer  3ettfd&rift18)  befinbet  flefc  ein  furjer 
SRefrolog  be«  GonfulS  ®&rifttan  Slbolf  SRölting.    ©8  ift  betreibe,  in 
beffert  #aufe  SRilbe  @rfafc  für  ba«  t^m  wrfagt  gemefene  efgene 
gfamtlicnglüdf  unb  eine  treue  Pflege  bte  an  ben  $ob  gefunben  fyxt. 
SWltingS  fad&funbiger  9tatf)geber  warb  vox  aßen  2Rilbe,  feit  SRölttng 
wie  a.  a.  D.  im  ©njelnen  gefd&tlbert  ifi,  bie  Seitung  ber  baulW&en 
Angelegenheiten  ber  3Jtartenfirdf>e  übernahm.  SludE)  ben  fpäteren  83au* 
wrfte&ern  fianb  2Rübe  Ijelfenb  jur  ©ette.    ©o  ifi  bie  wetyrenb  ber 
legten   tricrjig   %af)tc   befd^affte   roürbtge    äBteberljerfieBung   biefer 
unferer  ^auptfir^e  9Wilbe3  Sßerbtenfi.    3)0«  trfer  gegebene  $e;Hel 
roirfte  fegenSreidjj  auf  anbere  fird&tidfje  unb  bürgerliche  aSorfteljer* 
fd&aften,  roeld&e  mit  ber  3eü  W  gemalmten,  3Ätlbe«  ted&mfd&en  93etra# 
in  allen  irgenb  mie  fdfpierigen  gälten  Ijeranjujteljen.  gür  il>n  felbfi 
lag  hierin  eine  SBeranlaffung,  ftd&  in  bie  norbbeutfd&e  Äunfi  unb  ben 
eigentümlichen  ©til  unferer  ©tabt  unb  ©egenb  md)t  nur  für  SJtalerei, 
©eulptur,  2lrc&iteftur,  fonbern  für  äße  Äunftgeroerfe  immer  grünb* 
lid^er  einjuleben.    @r  fjat  baju  nad&  feiner  3lrt  rafilo«  gefammelt. 
©ein  eingefjenbeS  SBerftänbnifc  unb  bie  liebepoße  Eingabe  an  ba& 
alte  Äunftroerf  bewährten  fu§  am  ftdfjtlid&fien,  roo  es  galt  mit  SJenufeung 
be«  ©r^altenen  -JteueS  im  ©eifte  ber  alten  Äunfi  ju  erfinben.  ©eine 
©ewanbtfjett  in  aller  Ztfynit  fam  tym  babei  ju  Statten.    ©r  l)at 
nidfjt  blofc  gejetd&net  unb  gemalt,  er  fd&nifcte,  formte  unb  mobetthrte 
felber,  um  bem  au^fü^renben  Sedfjnifer  an  bie  $anb  ju  ge^en.  ©n 
pon  il)m  mobeHirter  $ängeleudf)ter    befinbet   ftdfj  im  5Röltingfd^en 
£aufe,  eine  ©tatuette  $einridf)£  beS  Söroen,  ju  einem  JBriefbefdfjrocfer 
benufct,  unb  einer  ber  Pfeifer  oom  $oljfrieS  be£  9WarfialItl)orS  fmb 
in  ber  früheren  ^affefdpen  gabrtf  ju  $rem£  nadf)  von  iljm  gefer- 
tigten  formen  in  SDleffing  gegoffen. 

gbenfo  aerfud&te  er  ftdj)  in  aßen  3lrtcn  graptyifdfjer  35arfießung. 
S)ie  Safein  ju  ffe&w  £eften  ber  Sübedfifdfjen  ©iegel  unb  t)iele3 
Slnbere  Ijat  er  felbft  auf  Stein  gejeidfjnet.  Unermüblidf)  mar  er  in 
eigener  ©inübung  neuer  StermelfältigungSmeifen ,  fogar  in  Äupfer 
$at  er  geäfct.  3)ie  auf  fold&e  Strt  ber  DeffentUdfjfett  übergebenen 
SBerfe,  meldte  er  tljeils  felbft  ganj  ausführte,  ttjeil«  nadp  feinen 

»)  ©.  410  ff. 


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zedby  G00gk 


631 

Segnungen  ausführen  liefe,  finb,  fo  weit  fie  ber  Sttbecftfdfjen  Äunfl 
angehören,  bie  „fcenftnaler  bitbenber  Äunft  (©rabptatten,  ßiegel* 
fu&böben,  ©laSfenfter),"  1843-1847  mit  Sßrofeffor  2>eecfe  ijerau** 
gegeben,  Sfaftdjten  von  ßübedf  au  „S)ee<fe'$  ftreie  unb  ißanfe*©tabt 
Sübedf,"  „gübecfer  21 93  ©."  „ber  SEobtenton»  in  ber  2Jtarienftrc$e." 
gür  unfere  aSeretn^eitfd^rift  lieferte  er  bie  2lbbtlbungen,  trfele  audfj 
für  bie  SJReflenburger  3$)rbüd&er  unb  äljnltcije  literarif<$e  Unter* 
Hemmungen. 

8öa«  SMilbe  an  ©aulidjfeiten  unb  Äunftroerfen  jeglidfjer  ©attung 
ttrieberf)erjteflen  Ijalf,  jufammenfefcte,  ergänze,  föuberte  unb  baburdj 
ber  3$ergeffenl>eit  entriß  ober  erft  in  feinem  wahren  SBertty  $inftettte, 
ifi  fd&roer  im  ©njetnen  üoUftänbtg  aufjujctylen.  Unfere  ganje  ©tabt, 
unfere  Äird&en  legen  auf  Stritt  unb  3:rttt  3eu9n$  banon  <&,  oor 
allem  bie  ajtarienftrd&e.  (Erinnern  mir  nur  an  bie  prächtigen  ©loa* 
fenfter,  bas  ©acramentyäuSlein,  bie  ©acrijtei  mit  ben  SRejien  be*  alten 
3Marienaltar$,  bie  9ieuetnrtdf)tung  ber  Drgel  mit  SRettung  ber  gotyifdjen 
fjfacabe,  baä  SBeftportal,  unartige  Silber,  ©rabplatten  u.  a.  m. 

äudj  mo  e£  galt  bie  neue  Äunft  ber  alten  anjufdjjlie&en,  roarb 
2Rilbe  unmittelbar  ober  fein  funbiger  SBeiratI)  angegangen,  ©er  Wvßbau 
ber  Doerbecffd&en  Äapellein  ber  3Rarienfir<$e,  bie  ©nrtdjjtung  be$ 
SSerfammlungäjimmerS  ber  $anbel«fammer  finb  fein  2Berf,  unfere 
neuen  Brunnen  I>at  er  in  ben  ©ntroürfen  mit  beurteilt,  in  ber 
Sluäfüljrung  mit  begutachtet.  • 

3n  einem  altlübtfd&en  Äunfljroeig  fottte  SKilbe  nid&t  bei  ber 
SReftauration  fielen  bleiben,  fonbem  ju  umfänglichen  eigenen  ©d&öpfun* 
gen  fortfdfjreiten,  bie  nod&  im  leeren  2eben*alter  feinen  Flamen 
weit  über  bie  ©renjen  unferer  ©tabt  getragen  Ijaben,  in  ber  ©la£* 
male r ei.  <£r  ^atte,  mie  alle«  ©ecoratfoe  im  ©anjen  ber  Äunft,  fo 
aud&  ©laSfenfter  fdjon  auf  feinen  SBanberungen  in  ben  ÄretÄ  feine« 
©tubium«  gebogen.  SSeranlaffung  ftd^  praftifdf)  mit  ifjnen  ju  befcljäf* 
tigen,  fanb  er  bei  SJermenbung  unb  SBiebereinrid&tung  ber  oorjüg* 
lid^en,  mi  ber  1818  abgebrochenen  SBurgfird&e  ftammenben,  gemalten 
gfenfler.  ©ie  Ratten  lange  oerpadft  geftanben,  bis  fie  na<$  unb  nadfj 
in  ber  3Warienftrd()e  fämmtlid^  angebracht  mürben.  S)ie  ©rgänjung  ftei* 
nerer  S)efefte  bei  ben  befter^altenen  genfierlud&ten,  ber  (Srfafc  grofeer 
Partien  bei  ben  t>erroafcrlofeten  unb  jerftörten  erforberten  ba$ 
genauefte  ©inbringen  in  bie  £ed&nif  be«  alten  SReifterS  (Francesco 
Livi  na%  fceedfe«  annähme).  SRilbe  fcatte  ba£  ©lüdf,  in  fiübedf  felbfl 
no<$  einen  ©lafermeifier,  ben  verdorbenen  SKdpeliu«,  ju  finben,  ber  bie 

41 


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zedby  G00gk 


632 

sott  bcr  3unft  geforberte  öeljonblung  gemalter  gfenfler,  ba«  ©rennen  u.  f. 
w.  nic^t  nur  gelernt,  fonbem  aucfc  eifrig  fortgetrieben  flotte  unb  ate 
moljtyäbtger  SDlann  eine  @i)re  bartn  fefcte,  bafc  feiner  ätoterftabt  biefer 
Sftuljm  ber  Äunfttedfmtf  erhalten  bleibe.  3Äit  biefem  unb  beffen 
fpäterem  ©eljülfen,  jefcigem  SRadjtfolger,  SBerfentin,  fonnte  SWilbe  feine 
©laMalereten  tyter  ausführen  unb  bte  erforberlidfjen  SSerfud&e  im 
täglichen  SJerfefjr  felbft  beobad&ten.  $)r  ganjer  3lpparat  mar  ein 
gemö^nlid&er  ©laferofen.  3^r  £erbetfdjaffung  be«  farbigen  ©lafeä 
in  möglidjji  reifer  SUlancirung  freute  3t^eliu«  auf  Steifen  in 
©eutfdfjlanb,  Belgien,  granfreidp  fein  Opfer  an  3eit  unb  @elb. 

©o  §at  SWilbe  bte  gemalten  genfter  ber  2WarienfidE)e,  barunter 
audjj  ein  ganje«  eigene«,  twHenbet,  be«gleidf)en  ein  von  ben  Äünftlern 
Hamburgs  geftifteteS  für  bie  <ßetrtfird&e  bafetbft.  $er  fd&on  ermähnte 
SfoSbau  ber  Äird&e  in  ©emlon>  na^m  aud&  feine  ©toämalerei  in 
2lnfprudf>.  2>ie  genjier  biefer  Äirdfje  unb  SJHlbeS  93el)anblung$roetfe 
berfelben  im  2tnfd^lu&  an  ben  ganjen  ßird&enbau  erregten  bei  einem 
33efud>e  in  ©emtoro  ba«  Qntereffe  be£  Äronprinjen  von  $reu§en 
unb  feiner  ©ematjlin  in  bem  ©rabe,  bafj  1865  eine  Sefteflung  an 
aWilbc  erging,  bie  oberen  genfterlud&ten  jroifd&en  ben  Stürmen  beS 
Äölner  S)om8  mit  einer  jufommenljängenben  Gompojition  au£ju* 
fdfjmücfen.  S)ie  Aufgabe  mar  baS  jüngfte  ©ertdfjt.  SDte  ftenfier  finb 
juSßftngften  i870nad^Äöln  abgeliefert,  fte^en  bort  aber  nodE)  unauS* 
<jepadEt  Äletnere  arbeiten  biefer  Slrt,  balb  9tefiauratton,  balb  neu, 
mitunter  axxä)  nur  3^^«ungen  unb  Segutad&tung,  £at  3JHlbe  t>ier  am 
Ort  ausgeführt,  j.  23.  im  &eiltgen*@eifHeofpitale;  aufjerbem  in  93rei* 
tenfelbe,  $lön  unb  ©opl)ien£of  bei  Sßreefc,  mo  er  bem  SBefifcer  bei 
Anlage  eine«  ÄirdjjleinS  für  bie  Umgegenb  nod&  in  feinen  legten 
£ebc3jal)ren  mit  feinem  Seirot^  be^ülflid^  mar. 

2ltö  ©laftnaler  fianb  SWilbe  im  beraubten  äBtberfprudSi  ju  ber 
mobemen  Sedjjntf,  meldte  bie  ganjeglädfje  ber  genfierlud&t  ate  eine  SBanb 
jur  $>arftellung  jufammen^ängenber  ©emälbe  auffafct,  unbekümmert 
um  bie  burdfjlaufenben  SRauerfiränge.  6r  ^ielt  an  ber  alten  Äunft 
feft,  bie  ba«  genfter,  als  jum  ar<peftonif<$en  Slufbau  gehörig,  in 
ben  S)ienfl  ber  Slrc^iteftur  nimmt,  unb  bewahrte  aud£)  in  bem  teppidjj* 
artigen  Untergrunbe  ber  ©Reiben  ben  ©fjarafter  ber  urfprüng* 
liefen  $enfiert>erl)änguttg,  melier  bie  gemalten  ©djjeiben  tyre  @nt* 
fle^ung  oerbanfen. 

3ur  @<pberung  von  3Jtübe«  SSielf eitigfeit  mar  eS  unumgänglich 
nötyig,  auf  feine  Setftungen  näl>er  einauge^en.  S)ie  Sefer  biefer  3ett* 


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zedby  G00gk 


633 

fdjttft  I>aben  barauS  ftd[j  überjeugen  fömten,  roaS  er  unferm  93erein 
gcroefen  ift,  rocß  wir  an  ifjm  t)erloren  tjaben.  Seine  SßereinStljätigfeit 
bebarf  nad)  betn  ©efagten  feiner  befonbern  3)arftettung.  SBaS 
praftifdj)  bei  uns  auszuführen  war,  fiel  ifjm  ju.  Unferen  Samm* 
fangen  war  er  ein  unermüblidfjer  SKe^rer,  ein  treuer  £üter.  3Wef)r, 
als  irgenb  ein  anbreS  äRitglieb,  erhielt  er  bie  lebenbige  SSerbinbung 
beS  Vereins  mit  ber  ©egenroart.  6r  f)<A  bem  herein  meljr  gegeben, 
als  biefer  tym  geben  tonnte.  SRur  auf  eine  nodf)  nid^t  f)ert>or* 
gehobene  Jhmfttf)ätigfeit  SRilbeS,  bie  SDarftetlung  von  SBappen  unb 
Siegeln,  Ijat  bie  S3erbmbung  mit  bem  33erein  einen  fe^r  förberltdjjen 
©nflufe  geübt  unb  baju  beigetragen,  aKilbe  aufeerljalb  fiübedfS  audfj  in 
biefer  Hmfid&t  bttannt  ju  mad&en. 

Sd&on  e^e  ÜJUlbe  in  ben  herein  trat  (1849),  Ijatte  er  bie  beiben 
Ie|ten  Siegeltafeln  jum  erflen  S3anbe  beS  Urfunbenbud&S  geliefert 
(1843),  bie  Siegel  ber  ^iefigen  StiftungS*2lrclju)e  gejeidjnet  ober  ab* 
gegoffen,  unb  fonft  jufammengetragen,  roaS  tym  unter  bie  $änbe 
!am.  93ei  ber  tym  eigenen  DrbnungSliebe  unb  feinem  Sammlertalent, 
alles  fofoYt  auf  SSorratl)  unb  ©rmeiterung  einjurtd&ten  unb  über* 
ftd&tltdfj  abjut^eilen,  vtx\af)  er  baS  ©efammelte  t)0ij  t>orn  herein  mit 
SRottjen,  fortlaufenben  aSerjei^niffen,  alp^abctifd^en  Stegifiem,  richtete 
bie  nötigen  Schubfächer  unb  Äaften  ein  u.  f.  xo.  Seit  er  bem 
herein  angehörte  unb  ben  Herausgebern  beS  Urfunbenbud&S  als 
Siegelf enner  beigegeben  war,  fomit  baS  StaatSarcljto  ftdfj  tym 
officiett  öffnete,  begnügte  er  fid)  nidfjt  mit  ber  Äenntnifwaijme  ber 
im  Urfunbenbud^  abgebrucften  2)ocumente,  meldte  er  nad&träglidS)  auf 
bie  Siegel  burdftfaty,  fonbem  bearbeitete  ftofcroeife  ben  ganjen  mittel* 
alterlid&en  2#eil  beS  SlrdfjfoS.  £>te  Sdfjubfädfjer  fd&rooHen  §u  Sdfjränfen 
an,  roeldfje  mit  ätögüffen  unb  ÜKatrijen  gefüllt  waren,  ein  Äaften 
mit  3ei3)nun8eTt  fügte  fid&  an  ben  anbem,  bis  fie  gleidf)  ftarfen 
Dctaubänben  in  langer  Steige  auf  bem  Süd^erborb  prangten.  2)er 
Sdfjafc  warb  fpflematifd^  burdE)  ben  ©rtrag  anberer  Strd&toe,  SluStaufdf) 
unb  fonft  t>erme£rt 

3um  jweiten  SBanbe  beS  UrfunbenbudfjS  jeid^nete  2Rilbe  nodf) 
bie  betreffenben  Sübecfifd&en  Siegel.  £>ann  befdfjlofc  ber  herein  bie 
Verausgabe  eigener  Siegelfjefte,  meldte,  aufcer  ben  Siegeln  Sübtfdjer 
Bürger,  aud^  bie  ber  ^olfteinifc^en  unb  meflenburgifd&en  Stäbte,  beS 
fjolftetaifdfjen  SlbelS  unb  ber  prflen  aus  bem  fcfjauenburgifäen 
Haufe  bis  jefct  umfaffen.  2Rilbe  lieferte  mdfjt  nur  bie  3^nungen, 
bie  er,  wie  erwähnt,  jum  großem  S^eil  felbft  auf  ben  Stein  trug, 


* 

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634 

fonbern  oom  fünften  $efte  an  audj  ben  Sejrt.  gut  bte  wer  erfreu 
<pefte  fjatte  ber  airdftforatij  SWafdlj  bie  (Srläuterung  übernommen, 
bie  meHenburgifdjen  Siegel  mürben  im  ©noernetymen  mit  3lrdE)toratl) 
Sifdf)  burdfj  3Witbenufcung  be«  Sd&meriner  Slrd&tobefunb«  auf  bie 
münfdJjenSmertye  SSottfiänbigfeit  gebraut.  Qu  ftolge  bavon  mürbe 
audfj  beim  SReftenburger  ttrfunbenbudjj  unb  anberen  borttgen  $ublt* 
cationen  bie  3eidjjnung  ber  Siegel  an  3Wilbe  übertragen.  ®r  marb 
ben  ^eralbifem  unb  Spljragifttfern  immer  meijr  befannt  unb  Ijat 
nod[j  manche  berartige  Slrbeit  ausgeführt. 

SHHe  tüchtig  feine  ßetfhmg  aud&  auf  biefcm  ©ebiete  mar,  bemeift 
ein  SBlidf  auf  feine  Stegelnadjjbilbungen.  Der  Äenner  mirb  mit 
Vergnügen  unb  33ele&rung  ben  gortfdEjritt  beobachten,  melier  fi<$  bei 
einer  Sßergleidjung  etma  ber  tafeln  gum  erften  8anbe  mit  benen 
jum  peiten  S3anbe  be$  fiüb.  UrfunbenbucfyS  unb  mieberum  ber 
fieberen  mit  ben  „Siegeln  be£  SWittelalter«"  t)erau$fteHt.  3Reljr 
unb  me^r  mädfift  ba«  l»eralbifdje  unb  fp^ragtfüfd^e  aSerfiänbnife  mit 
bem  SSebürfnife  beS  ÄttnfttcrS  jufammen,  audjj  in  bem  unfdjjeinbarfien 
mittelalterlichen  erjeugmfe  ba«  Äunfiobject  als  einheitliche  Sd&öpfung 
aufjufaffen,  fo  t^fe  fdfjliefelidlj  bie  fauberfte  ^eictynung  an  ber  genauen 
38iebergabe  be«  SBorljanbenen  ntdjjtä  oermiffen  läfct,  bie  ©gentium* 
Udjjfeit  beä  (SjemplarS  gewährt  bleibt  unb  ber  größere  ober  geringere 
Äunftmertt)  beä  Siegelbilbe«  dfjarafterifHfd(>  hervortritt. 

33ei  june^menber  Sdjjmädfje  m  ben  legten  fedf)3  Qa^ren  l>at  SKilbe 
immer  noä)  eifrig  fortgearbeitet,  bis  er  fiel)  am  Sdjjlufc  be«  Qa&reS 
i874oeranlafctfal),  feine  Functionen  al«  (Sonferoator  ber  oerfdfjiebenen 
Sammlungen  ber  ©cfellfdfjaft  jur  Seförberung  gemeinnütziger  SJtftig* 
feit  aufzugeben.  S)ie  ©efettfdfjaft  etjrte  tyn,  melier  lange  unentgelt* 
lid&,  unb  nur  roetyrenb  ber  legten  je^n  3^re  gegen  eine  Stemuneration 
oon  Seiten  ber  5Waturalienfammlung,  feine  SHcmter  oerroaltet  Ijatte, 
burdf)  3uerfennung  tyrer  golbenen  SWebaiHe.  3)a«  peinigenbe  ©efüljl, 
ju  oöütger  ttntyätigfeit  oerurt^eilt  ju  fein,  für  ben  beifjrieffoS  rührigen 
2Rann  ba£  fdfjroerfte,  &at  SRtlbe,  ©ott  Sob,  fein  oolle«  %af)x  ju 
tragen  gehabt. 

Seine  Sammlungen  fmb  ben  oerfdEjtebenen  jiäbtifd&en  ftnftttuten 
übermiefen  morben,  alles  auf  Sübedte  Äunfi  unb  ©efdjjtc&te  33ejügli<$e 
unferm  SSerein.  Sein  lebensgroßer  Äopf,  in  <po<$relief  geformt, 
erhält  in  ber  ©ulturfjtftortfdjjen  Sammlung,  ber  Stätte  feiner  SBirf* 
famfeit,  ba$  Slnbenfen  eine«  <£onfert>atorS,  wie  bie  Stabt  Sübedf 
feinen  jmeiten  beftfcen  mirb. 


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zedby  G00gk 


XXV. 

be8 
fBevtini  fut  gu&etf  tfcfje  ®efcf>tcfrte  ttnb  %Utvfyum*l  ttnbc. 

1876. 


A.   Diffige  HUtgliebrr. 

öberappeaationSgeric&teraty  Dr.  <S.  28.  Sßault  1837. 

SHirgermeifter  Dr.  £.  3$.  «Bctjn  1842. 

©iaatöardjfoar  <£.  $.  Sßefjrmann  1845. 

Sßrofeffor  g.  SB.  2»atitete  1845,  Sorftfcenber. 

Sitztet  e.  2^.  <ßault  1849.     • 

Sekret  Dr.  6.  §.  %.  gfleter  1853. 

Kaufmann  #.  Sextett«  fett.  1853. 

©fetibalmbirector  ST.  $.  Senba  1857. 

Oberlehrer  Dr.  $.  ©.  £olm  1857. 

Oberlehrer  H.  $.  H.  ©artori  1857. 

Slboocat  Dr.  £.  Älug  1862. 

Senator  Dr.  SB.  «reiner  1866. 

©enatsfecretär  Dr.  ©.  gfdjenburg  1866. 

©enatöfecretär  Dr.  @.  §ad)  1868. 

2Tduar  Dr.  3R.  gunf  1868. 

Slctuar  Dr.  £.  2JHUfer  1870. 

Sbuocat  Dr.  2L  ©refjmer  1870. 

Stector  3.  Suroro  1870. 

Stoocat  Dr.  ft.  geling  1871. 

2lctuar  Dr.  8.  §q<f>  1871. 

©ecretär  Dr.  <£.  grandf  1872. 

Slbüocat  Dr.  Sü).  §a$  1872. 


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636 


Jhutftyänblet  8.  ßaibel  1872. 
Seeibigtet  Sanbnteffet  @  Statbt  1875. 
Sßljotograpf)  §.  Stabe  1875. 
Rentier  g.  2B.  «rodf  1875. 
äboocat  Dr.  3.  »cnba  1875. 
ii  Dbwlefcet  Dr.  SB.  (Sfdjenburg  1875. 

3oainfpectot  3.  ©rofg  1876. 


1 1 


jr^ 


B.   CSorrefponbitettbe  Pitjliebet. 
®d).  Strd^itnrat^  Dr.  ßifdj  in  ©djroerin  1849. 
ätdjforattj  spaflor  Dr.  3Jtofdf)  in  fernem  1849. 
©el>.  ftegierungSratf)  $rofefJot  Dr.  SBaifc  in  SBcrlin  1849. 
Staatsrat!)  Dr.  wn  SSunge  b.  3.  in  ©otf)a  1849. 
fttrector  Dr.  ßlaffen  in  Hamburg  1854. 
Dberförftet  £aug  b.  3.  in  Sübetf  1860. 
«JJtofeffot  Dr.  SBattenbadf)  in  »erlin  1868. 
Dr.  Äoppmann  in  »armbed  bei  Hamburg  1873. 


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iVÜ  I 


Bufa*  Sit  ©.  587  Sö$.  389. 
3n    (SdjmeUet'0    53aftlf<bem   SBörtettud)    2.  8.    <5.   672    toirb   au*    einet 
SWüncfceuet  $)eutfd)en  £anbfd)rift  angeführt:    ,«&ort  men  je  toalbe  mangeR  fujjen 
tripel  uub  l>arban>nen  eil." 


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Seimvift 


be3 


jemns  für  gfitedri|ite  ftlfyidite 


imb 


53it  5  §<tfeftt  $ei<$twttgett. 


-^— HiH— *■*- 


gerbinanb    ©rautoff. 
1884. 


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QnljalL 


£cft   1.  ®cite 

I.     Unterfudjnngen  über  bie  sJtad)ridjten  $etmo(b3  Dom  ^Beginn 
feiner  SBenbcndjronif  bis  jum  2lu3ftcrben  be$  lübifdjen 
SürftentyanfeS.     SSon  Dr.  ©ermann  üon  33re3fa   .     .         1 
II.     (Sinigc  Sftotijcn  über  bie  9lmt£it>ofjmmgen  ber  ©ciftlidjcn 

in  Üübecf.     3ufümmengeftcflt  t>on  Dr.  9K.  ftnnf       .     .       GS 

III.  Beiträge  jur  Sübecttfdjen  ©cfätdjtc.     9$on  Senator  Dr. 

SB.  »rcljmer.     1  big  6 83 

IV.  ©djilbemngcn    Sübccfö    in    älteren    9teifcbcfd)reibnngcn. 

&xon  Dr.  2lb.  ©ac^ 120 

V.  Efyronotogifdjc  Siotij  Jum  ©treit  ber  ©tabt  £übctf  mit 
bem  Sbifdjof  Söurdjarb  üon  ©errfen.  SSon  Dr.  X^cobor 
$a% 134. 

«eft  2.*) 
I.     (VI.)     Karl   SBiQetm    Sßautt.     ©in   ScbcnSbüb.     Son 

©.  $oe( 1 

<ßauli'3  iuriftif^Utterarifc^e  Xtyätigfeit.    SSon  R. 

Srcnäborff 102 

II.     (VII.)     ®tn  Öfoftmaljl  bc3  MattyZ  üon  ßübedf  im  ^atyre 

1502.     SDJitgetfjeitt  üon  9tnton  ©ageborn    ....     112 
UI.     (Vin.)      Beiträge    jur    Sübccfifdjcn    ®cfd)tdjte.      SSon 

Senator  Dr.  SB.  Sre^mcr.     7  nnb  8 119 

IV.     (IX.)     £ie    ©cmätbc   im  ©aufe    ber   ©d)iffcrgcfcüfdjaft 

311  Sübccf.     SSon  Dr.  2f)eobor  ©ad) 136 

V.     (X.)     Urfprung  ber  auägcftopften  So  tuen  auf  bem  SRaty 

fjaufe  au  ßübeef.     SSon  ®emfelben       142 

•)  3)urdj  ein  Skrfefycn  ift  baS  zweite  §eft  nrieber  mit  neuer  flhimcrirung 
ber  9luffäfoe  unb  neuen  ©citeitäafjlen  begonnen  roorben.  Um  bie  ©tnijeitlidjfcit 
biejeS  SBanbcS  311  toatyren,  ftnb  im  3nl)alt$üer5eid)utfje  bie  Hummern  ber  9luf« 
fäfce  burd)ge$äf)lt. 


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£cft  3. 

VI.    (XI.)     Ausgrabungen  'in  SaMJübedf   im  3al)re    1882. 

SRit  fünf  Jafctn  3ci^nunflcn 145 

VII.    (XII.)    Öcfc^tc^te  ber  ©flooenfoffc.    8Son  2taat$ard)toar 

Dr.  SBetyrmann 158 

VIII.    (XIII.)    £er  föatf^err  SHepmber  üon  ©otttoebct  in 

Sage  unb  @efd)id)te.  93  on  Dr.  20.  SB  reiner  .  .  194 
IX.    (XIV.)    äüberfifd&e  Stubenten  auf  ber  Uniöerfität  ©rfurt. 

SSon  $emfelben 216 

X.    (XV.)    3uf°nimenftettung  ber  erhaltenen  Eintragungen 

in  bat  älteftc  Cberftabtbud).  9Jon  Xemfelbcn  .  .  222 
XI.    (XVI.)     3)ie   fiapetle   beS   fjeüigen    3oljanni3.      Son 

$emfclben 261 

XII.    (XVII.)     gin  Urzeit  über  Sübecf  au«  ber  3Hitte  be$ 

XV.  3aijrl)unbert$.     SSon  StaatSard&toar  Dr.  2Bef)r* 

mann 271 

XIII.  (XVIII.)  3Bar  ein  Sodann  $>oljer  3Kitgtieb  bc3 
Öübecfer  SiatljS?     3Jou  Dr.  «5.  »reljmer    ....     275 

XIV.  (XIX.)  Sodann  SlrnbeS  Scripte  über  bie  Aufnahme 
$önig  ß^riftian«  1.  üon  $änemarf  im  %afyct  1462 
unb  be3  #erjog$  9ttbrcd)t  bon  Saufen  im  ftaljre  1478 

in  Sübedt.     SDUtgetljeüt  t>on  Muton  #ageborn      .     .     283 
XV.    (XX.)      $er    Serein    für    Sübecfifdfje    ©efd&id&te    unb 
SUterttmmShmbe   toä^renb   ber  Sa^re  9Kid)aeti$  1876 

bi$  1884 311 

XVI.  (XXI.)  Seraeidfjnifj  ber  2Rttgtteber  be$  herein*  für 
Sübecfifdfje  ©efdjid&te  unb  2tttertf}um$funbe,  ajtfd&aelte 
1884 325 


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ttntcrfudmngen  über  bie  9ta$rt$fen  $efmolbö 

t>om  SBegtnh  fetner  SBenbenc&romf  bU  jum  $btdfierl>en 

bc$  lübtfd)en  $örfien$<utfed. 


*Bon  Dr.  «&ermann  »on  S3te6fa. 


eit  bem  erbitterten  Angriff,  ben  ©dürren1)  mit  benmnberung«* 
mürbtgen  ©d&arffmn  gegen  $elmolb$  2Bal>rl)eitöltebe  gerietet  tyat, 
ifl  e«  faft  ju  einer  moralifd&en  Verpflichtung  ber  gefdf)idf)tltc$en 
gorfd&ung  geworben,  bie  Unterfud&ung  ber  SBenbend&rontf  nodj  ein* 
mal  aufzunehmen,  bie  man  mit  ^irfeforn'S  SHffertatton2)  im  wefent* 
lidfjen  abgesoffen  mahnen  modfjtc.  Unb  jubem  ift  bieS  audj  fonft 
eine  SKotmenbigfeit.  35enn,  wenn  bie  von  ©girren  auSgefprodfjenen 
anftd^ten  ju  einer  bereinigten  Slnfd&auung  ber  ^ijiorifd^en  Äritif 
werben  fottten,  fo  fteöen  mir  für  bie  2)arfleHung  ber  wenbifd&en 
©efd&id&te  *wn  1066—1171  allüberall  auf  unjuoerläfftgem  Sumpfe 
boben. 

SHefe  ©rünbe  tyaben  fd&on  bie  twrtreffticije,  wenn  aud)  uieHeid^t 
etwa«  ju  fonfertjatioe  äbljanbtung  be«  §errn  Slrd&toratf)  Dr. 
äßigger3)  oeranla&t  Snbeffen  fann  tiefe  iurje  ©d&rtft  jur  SSiber* 
legung  ber  äu&erft  eingeljenben  unb  betaiDirten  ttnterfud&ungen 
©djjirrenS  nid&t  ausreichen ;  hierfür  bebarf  e3  metmef)r  ber  forg* 
fältigfien  unb  petnlidfjften  ttnterfud&ung  be$  ganjen  §clmolb  in 
allen  feinen  einjelnen  Seilen.  Qm  golgenben  foH  wenigfienä  für 
bie  erfte  §älfte  be$  erften  25ud&eS  ein  Serfudf)  in  biefer  SRid^tung 
gemalt  werben. 

»)  Beiträge  jut  £rittf  älterer  ^olfteimfdjet  ©efötdjtSqueHen.  Seidig.  1876. 
*)  $ic  eiatjen^^roni!  beS  ^reSbtytet  §elmolb.   §aUt.  1874. 
8)  Ueber  bie  neuefte  Äritif  beS  §elmolb.    gatyrb.  b.  Vereins  f.  metfl.  ©e* 
jdjitye  unb  2Utert$umStunbe  XUI.  ©^toerin.  1877. 


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3lttterftu$tmg  hex  j£<u$ru$ieti  <&efmoft>$  in  <ftap.  1—26, 
34—38  tut*  48* 

©&  tft  eine  tief  in  ber  SRatur  menfd&lid&er  Sinfeitigfeit  begrün* 
bete  ©d&roäd&e  atter  gefd&td&tlid&en  ©arflellungen,  baß  U)re  Sluffaffung 
bet  Vergangenen  beeinflußt  wirb  aon  ber  poütifd&en  Sage,  ben- 
Sntereffen  unb  ben  Sfofd&auungen  ber  eigenen  ^üt.  2)iefer  alte 
@rfaf)rung8fafc  ift  aud&  für  bie  Äritif  §elmolb«  von  ber  größten 
Sebeutung.  3u  @bren  feinet  33i$tumS  Sübedf  l)at  er  feine  SBenben* 
d&rontf  gcfd^rieben.  SWußten  nid&t  bie  Erfahrungen,  meldte  biefe 
Äird&e  in  ber  SäUgfeit,  bie  fie  ftd)  red^t  etgentU<$  jur  SebenSauf- 
gäbe  au£erfetyen,  in  ben  Sefirebungen  für  bie  Sefe^rung  ber  2Benben, 
gemadjt  Ijatte,  einen  tiefgefjenben  Einfluß  auf  fein  Sßerf  at&übtn? 
SM  man  bemnad)  ben  @eftd&t8roinfel  gewinnen,  unter  meinem 
Jpelmolb  bie  $>inge  gefefjen  fjat,  fo  muß  man  ft$  junäcbfi  barüber 
Aar  werben,  meldte  Stellung  §u  feiner  gelt  bie  maßgebenben  poli* 
tifd&en  ©eroalten  bem  neugegrünbeten  SiStum  gegenüber  einnahmen, 
unb  roetd&e  £ütfe  unb  görberung  fie  beffen  3Wiffton8befirebungen 
gemährten  ober  ju  geraderen  uermodtjten. 

S)ie  SWäc^te,  bie  hierfür  oorjugSroetfe  in  23etrad&t  fommen,  finb 
Wartung  uon  $amburg*©remen,  §einrid(j  ber  Söroe,  ©raf  Slbolf 
von  ©djjauenburg  unb  bie  £olfteiner. 

^Beginnen  wir  sunädfjft  mit  bem  Erjbifd&of. 

9Jton  follte  meinen,  baß  gerabe  er,  ber  ba8  33i$tum  gegrünbet, 
ifjm  aud&  ba$  aUertebljaftefte  unb  opferfreubigfte  Qntereffe  jugeroanbt 
^aben  müßte.  Snbeffen  ift  genau  ba8  ©egenteil  ber  %aü.  S)iefe 
im  erften  Slugenblidf  überrafd&enbe  ißanblungSmetfe  finbet  jebodfj 
tyre  einfädle  Erflarung  in  ber  heftigen  9ttoaUtät  unb  geinbfd&aft, 
bie  jtmfd&en  tym  unb  §einrtdf)  bem  fiömen  l)errfd&te.  3unä<P  übte 
bie«  SSer^altniß  einen  Einfluß  nur  infofern  auö,  als  e<8  Wartung 
jroang,  feine  Päne  ju  einem  feljr  ungünfligen  3eityUTtft  jur  Su$* 
fü^rung  ju  bringen.  3laä)  ©e^io^  fe&r  roa^rfd&einli^er  33er* 
mutung  ftanb  nämUdf}  §ehm<$  ber  Söroe  im  ©ommer  1149  mit 
ber  römifd&en  Gurie  in  lebhaften  Unter^anblungen  über  bie  SRedjjte, 
bie  itjm  für  eine  etwaige  ©rünbung  oon  S3ißtümem  im  Slaroen* 
lanbe  ju  gemäßen  feien;  rotffen  mir  über  biefe  päne  aud&  nid&t« 
©enaueä,  fo  fann  bodf)  fein  Sxottfd  fein,  baß  fie  bie  üRcdjte  be8 
ErjbifcijofS  flon  §amburg*33remen  roefentUc^  ju  beeinträdSJtigen  be* 


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zedby  G00gk 


8 

abftd&tigten.  @o  mar  c8  bettn  nur  ein  Stet  ber  SRotroc^r,  xottiti 
£artroig,  um  bem  £erjog  juüorjufommen,  int  £erbft  1149  jur 
SBieberaufridfjtuug  ber  2Benbenbi$tümer  fd&ritt.  3)er  3*üpunft  war 
freitid^  au$  anbem  ©riinben  für  bie  S)urd&fül;rung  biefeS  SßlaneS 
^öd^ft  ungeeignet.  35enn  £artroig3  Äaffe  war  in  biefem  Sugenblicf 
bur<$  feine  Steile  nadf)  9tom  unb  burdf)  bie  bebeutenben  Summen, 
bie  er  unjroeifeltiaft  bort  für  bie  ©rreid&ung  feiner  mannigfad&en 
großen  $\th  ju  Sefied^ungen  oerroanbt  tjat,  fo  außerorbentltdfj  er* 
fdfjöpft,  baß  er  oorläuftg  oöDig  außer  ©tanbe  mar,  au£  feinem  33er* 
mögen  ben  neuen  33i$tümern  bie  nötigen  ©ubfiftenjmittel  ju  ge* 
mähren.  SJicelin  roanbte  fidfj  baljer  an  ben  £erjog  mit  ber  Sitte 
um  Unterftfifcung.  §einrid&  ber  Söroe  erflärte  fid^  fjierju  audf)  bereit, 
aber  nur  unter  ber  Sebingung,  baß  SJicelin  fief)  oon  il)m  inoeftiren 
lafje.  (53  ift  nur  natürlich,  baß  ber  ßrjbifdfjof  unb  bie  ganje  bre- 
mifd&e  ©eiftlid&feit  9Kann  für  3Jlann  mit  ber  größten  ^eftigfeit 
unb  Energie  bem  Sijdfjof,  ber  ftd&  um  9lat  in  biefer  ©adfje  an  fte 
geroanbt  fjatte,  einer  fo  unerhörten  gorberung  ftd(j  ju  unterwerfen 
uriberrieten.  9lber  materiell  fonnte  man  bem  fd&roanfeuben  HKann 
feine  §itfe  bieten,  fo  fügte  er  fid&  enbtidf)  bem  unnriberfteljlid&en 
3)rudt  ber  SSerfjältniffe.  3Jtan  wirb  e£  Hartwig  nid&t  oerargen,  baß 
er  oon  biefem  Slugenbtidfe  an  feine  fjelfenbe  £anb  oöHig  oon  331* 
celin  ab}og.  Unb  bie$  traurige  33erl)ältniß  foDte  ftdf)  audE)  nid&t 
beffern,  als  ber  greife  23ifd&of  am  12.  $ejember  1154  enbUdfc  bie 
müben  SHugen  gefdfjloffen  fjatte,  ein  geiftig  unb  förperltdf)  oolifommen 
gebrochener,  be£  £eben$  überfatter  3Hann.  Qm  ©egenteil;  junäd&ft 
rourbe  aus  ber  füllen  Abneigung  eine  heftige  geinbfdjaft.  2luf 
2öunfd>  ber  §erjogin  dementia  mar  üon  ©eiftlidfjfeit  unb  SSolf  ber 
albenburgifd&en  Äird&e  einftimmig  £etnrid&$  be3  Söraen  ÄapeDau 
©erolb  jum  33ifdf)of  ernannt  roorben.  ©ine  fold&e  SBa^l  fonnte 
Hartwig  nid&t  miberjtanbSlog  über  fid&  ergeben  laffen,  jumal  in 
einem  äugenblicf,  ba  er  ben  Ärieg  gegen  ben  £erjog  plante.  @r 
fod&t  fie  unter  bem  roa&rfdfjeinlici)  oöDig  berechtigten  ©nroanb  an, 
baß  bie  bortige  Äird&e  o^ne  feine  ©rlaubniß  überhaupt  gar  nid&t 
wählen  bürfe,  weil  i^re  3uftänbe  nod&  unreif  unb  ungeorbnet  feien. 
SKIIein  burd&  bie  33ermittiung  $st\nx\ä)&  be3  Sömen  erhielt  ©erolb 
aon  $apji  §abrian  IV.  fetbft  bie  SBeilje.  @8  mar  politifd^  nur 
flug  getyanbelt,  baß  Jpartnrig,  nad&bem  fo  lein  ©piel  oertoren, 
wenn  aud(j  mit  innerem  Söiberftreben  bie  §anb  ergriff,  bie  tym 
©erolb  jum  ^rieben  entgegenftredfte,  jumal  er  in  |einer  augenbltdt* 

l* 


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zedby  G00gk 


Udjen  ßage  eines  ftürfpred&erS  bei  ipetatid)  bem  Söroen  bringenb 
beburfte;  er  mag  bamalS  fogar  ben  bringenben  Sßunfd)  gehabt 
Ijaben,  ben  Sifdjjof  etwa  burd&  ©eroatjrung  irgenb  roeld&er  ©infünfte 
ftd&  nodf)  näfjer  ju  uerbtnben,  allein  er  lebte  felbft  in  ben  aller* 
bärftigften  SBerpltniffen,  ba  er  auf  ben  roncalifd&en  gelbern  feiner 
fielen  uerluftig  erflärt  roorben  mar,  weil  er  feinem  @ibe  junriber 
üon  griebrid&  33arbaroffaS  erftem  SRömerjuge  fern  geblieben. 
§errfd)te  alfo  audf)  roieber  ein  leiblid)  befriebigenbeS  93erl)ältni6 
jnrifd&en  ben  beiben  Prälaten,  ein  mirfiid&eS  SöoljlrooDen  tonnte  ber 
ftolje  @rjbtfdf)of  bod&  für  baS  junge  SiStum  niemals  gewinnen,  baS 
bie  Urfad&e  fo  tiefer  Demütigungen  für  tyn  geworben  war,  jum 
roemgften  mdjjt,  fo  lange  fein  ©uffragan  mit  bem  leibenfdf)aftlid& 
getja&tcn  £erjog  in  enger  greunbfd&aft  fianb.  ©o  behielt  §art* 
roig  mä^renb  ©erolbs  Regiment  bem  SiSturn  gegenüber  im  großen 
©an jen  biefetbe  lau-gleidfigiltige  $olitit  bei;  fetbft  als  bie  6imoeit)ung 
ber  Äirdfje  ju  Sübedf,  ber  er  auf  SSunfdf)  beS  £erjogS  perfönlid) 
beiroo&nte,  alle  anbern  beteiligten  ju  reiben  ©penben  ueranla&te, 
blieb  er  allein  larg  unb  uerfagte  bie  erbetene  ©djenftmg  üon  9teu< 
münfler.  3Man  aerfk&t  biefe  Haltung  beS  ©rjbifd^ofs  fetjr  roof)t, 
man  t)crfte^t  aber  aud&  bie  Haltung,  bie  §elmolb  iljm  gegenüber 
eingenommen  &at.  @r  §atte  bie  bittere  @rf abrang  gemalt,  bafe 
ber  ßrjbiföof,  obfd&on  eS  bodf)  fein  eigenes  SBerf  mar,  bem  Stätum 
niemals  irgenb  meldte  birefte  £ilfe  ober  Unterjtü$ung  gemährt, 
roo^l  aber  burdfc  feine  Sßolitif  ifjm  mannigfad&e  SRa^teile  jugefügt 
tyatte.  S)ie  SWottoe,  bie  Hartwig  hierbei  leiteten,  mar  er  ju  einem 
Seil  rootjl  nidfjt  im  ©tanbe  ju  überfein,  jum  anbern  Seil  aber 
üermodfjte  er  ntd&t,  fte  in  ifjrer  Sebeutung  ju  mürbigen,  ba  i^m 
bie  görberung  beS  9JUfftonSroerfeS  §0$  über  aDen  prineipießen 
©treitigfeiten  fianb.  Söitt  man  eS  itjrn  verargen,  bafe  er,  eine 
gleite  ©eftnnung  aud&  tum  Hartwig  tyetfd&enb,  für  beffen  §anb* 
lungSroeife  feine  anbere  ©rtlärung  fanb,  als  bie  ©itelfeit  beS 
ftotjen  Prälaten,  ber  allein  banad)  trad&tete,  ©uffragane  unter  fidf) 
ju  §aben,  gleid&giltig  ob  biefe  im  ©tanbe  waren,  ü)re  ©tellung  in 
nmrbiger  SDBeife  ju  vertreten  ober  nidfjt?  ÜBan  wirb  eS  aud&  nid&t 
aD}uflrenge  tabeln  bürfen,  wenn  fein  Urteil  über  ben  ©rjbiföof 
pdf),  foroeit  bieS  mögtidf),  nodf)  uerfdfjärfte  burdj)  bie  Siebe  ju  feinem 
greunb  unb  Se^rer  ©erolb,  bem  Hartwig  ju  Anfang  fo  feinbfelig 
entgegengetreten.  SBalirfd^einlid^  tyätte  inbeffen  §dmolb  fe§r  oiel 
milber  über  $artn>ig  gebaut,  wenn  biefer  bem  SJiStum  menigftenS  ben 


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flatfen  mititärifdfjen  SdEjufc  getieften  Ijätte,  bcffcn  e3  bringenb  be* 
burftc,4)  Tollte  nidtjt  jebc  Hoffnung  auf  einen  @rfolg  be3  Sefe^ 
rung£merfe3  wHig  fd^roinben.  3lbcr  aud&  Ijier  Ijat  ftd^  ber  @rj* 
bifd^of  oerfagt. 

Um  fo  freubiger  unb  anerfennungSuoKer  wenbet  ftdf)  ber 
Gljronift  §einrid)  bem  2örocn  unb  bem  ©rafen  3Ibolf  von  Sd&auen* 
bürg  ju,  benen  faft  Allein  baö  33i8tum  fein  bisheriges  ©ebenen  ju 
banfen  Ijatte.  Unb  bieS  Gmporblüfjen  war  trofc  ber  mannigfachen 
anbern  Serbienfte,  lucld&c  kibe  Scanner  um  bie  junge  ^flanjung 
fi<$  erworben  Ijatten,  im  wefentlid&en  bod5  nur  mögtid)  geworben 
burdf)  ben  Sd&u£  gegen  bie  oerfjcerenbcn  Einfälle  ber  Slawen,  ben 
jeber  in  feiner  SBcife  bem  wagrifdjen  Sanbe  fjatte  ju  Seit  werben 
(äffen.  SSor  allem  Ijat  <gclmolb  für  bie  3KadE)tfülIe,  bie  §cinrid&f 
wie  in  feinem  £erjogtum  überhaupt,  fo  audf)  befonberS  ben  wen* 
bifd&en  33ölferfd^aftcn  gegenüber  behauptete  bie  allergrößte  Qoäjafy 
tung  unb  bie  fdjranfenlofcftc  Scwunberung  (oergl.  cap.  68,  c.  69, 
S.  135,  c.  72,  S.  143.  IL  c.  1,  c.  6,  S.  204,  c.  13  S.  219  unb 
fonft  oft).  3unäd;ft  freiließ  follte  biefe  gewaltige  3JIad&t  bem  SiStum 
audf)  nur  inbirect  ju  ©ute  fommen;  benn  in  feinen  jungen  Satiren 
gebaute  §cinrid&  bei  feinen  Slamenfriegen  nur  ber  Tribute,  n\6)t 
be3  6I)riftentum3  (c.  68.)  3m  ©egenteil;  er  fteHtc  fo  au&erorbent* 
lidf)  tjolje  2lnforberungcn  an  bie  2eiftung3fäf)igfcit  ber  28enben, 
ba§  fie,  ber  d&rifllid&cn  9kligion  keineswegs  abgeneigt,  bennodf)  bie 
2lnnaljme  ber  Saufe  verweigerten,  weil  fie  bie  iljucn  IjierburdE)  ju* 
wadfrfenben  neuen  2Iu£gabcn  ju  tragen  außer  Staube  feien  (vgl. 
c.  83  S.  164  u.  165.)  9)lan  barf  fidf)  überhaupt  nic^t  oer^e^len, 
baß  £einrid)  ber  Söwe  bem  Seelenheil  ber  Slawen  mit  ber  größten 
Äälte  besS  §ersen§  gegenüberftanb.  2lud)  in  biefer  grage  ließ  er 
fidf)  oon  rein  politifdjcn  9)}otiuen  leiten;  fo  lange  bie  3Kijji<m  nid)t 
einen  gaftor  in  ben  33ercd)nungen  feiner  StaatSfunft  bilbetc,  Ijatte 

4)  3U3  23eh>ei3  will  id)  tyier  eine  ^d>ft  c^araftcriftifc^c  Stelle  anführen 
au%  ber  einzigen  nodj  erhaltenen  Urhtnbe  $icelin§  (3eitförift  ber  Öefellfdjaft 
für  £cfylcötD.:£olft.^auenburg.  $efcfyicfyte  VIII),  bie  im*  £d)irrenauä  ben  papieren 
ber  ^ollanbiftcn  roieber  jugänglid)  gemacht  fyat:  Viginti  quippe  et  tribusannis 
ante  bujus  Hominis  adeptionem  ego  cum  fratribus  meis  pro  gloria  nominis 
Domini  in  praedieta  gentilitate  dilatanda,  inter  eos  multo  labore  enisus 
plnrimaqae  qnasi  intolerabili  vexatione  tarn  in  temporalium  direptione  et 
aedificiorum  cumbustione ,  quam  et  in  fratrum  vulneratione  et  occisiono 
villanorumque  mecnin  habitantium  captione  et  peremptioue,  ab  impiis  sum 
multotiens  impetitus. 


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audf)  tf)t  Präger  feine  wfeflid&e  Unterftfitmng  t>on  tfjrn  ju  erwarten. 
SBenn  £einrtdf)  ber  Some  nid&tebefioweniger  naä)  2)el)io'8  oben  er* 
wäljnter  §9pot§efe  fd^on  im  3a^re  1149  fidf)  mit  bem  ®e* 
banfen  trug,  felbft  Stötümer  im  SBenbenlanbe  ju  grünben,  fo  Ijatte 
er  nur  bie  äbfidjjt,  auf  biefe  SBcife  einer  3Jlad()terweiterung  be« 
Ijod&ftrebenben  ©rjbifd)of$  t)on  Hamburg  jmwrjuforamen,  unb  btefe 
auf  bie  Sänge  ber  3*it  boc^  unentbe&rtid&en  geifttid&en  3"ftUutiouen 
von  üorntjerein  fidf)  uöllig  abhängig  ju  mad&en.  ©iefer  nfid&ternen 
Sßolitif  entfprtdfjt  e£  burd&auä,  bafe  ber  föerjog,  nad&bem  er  fein 
3iel  freilid^  auf  anberem  SBege  erreid&t,  fid&  auf  bie  üöDig  un* 
genügenbe  ©d&enfung  beS  ®orfe$  Sofau  mit  ber  ^ertinenj  £>ut* 
janijja  befd&ränfte.  SltterbingÄ  gab  er  jugteidO  bie  3ufage,  bie  33er* 
pltniffe  beS  SiStumS  einge^enb  ju  orbnenf  fobalb  bie  politifd^e 
Sage  iljm  bie  3*ü  unb  bie  ÜJtögtid&feit  baju  gemäßen  mürben, 
allein  bie  ©rfüflung  biefe«  33erfpred&en£  liefe  oiele  f$a\)xt  vergebens 
auf  ftd&  warten,  obgleidf)  mittlerroeile  in  ©erotb  ein  3Jlann  ben 
33ifd(jof8jhtf)lbefiiegen,  ber  ju  ben  bebingungStofeften  Anhängern  beS 
&erjog£  gehörte.  6rft,  als  mit  ber  enbgiltigen  ©rtebigung  be$ 
Streite«  um  Saiern  $einrid[)  ber  Söme  freie  £anb  für  eine  ener* 
gifd&e  Sßotittf  im  Sorben  befommen  fjatte,  gewannen  bie  neube* 
grünbeten  SBiStümer  für  ifjn  ein  wirflid&eS  unb  lebhafte«  Qntercffc. 
©eine  2lbftd&t  mar  e$,  mit  aßen  attittetn  ber  ©üte  wie  ber  ©e* 
malt  bie  in  feinen  Wad&tfreiS  faflenben  wenbifdfjen  ©ebiete  ju  üer* 
beutfdfjen,  fei  e$  bur<$  Ausrottung  ober  burd&  ©ermanijtrung  ber 
flamifdjjen  (Sinwofmer.  gär  bie  Ausführung  biefcS  planes  mar 
bie  (^rijiianifirung  jener  ©tämme  ein  aufcerorbentlidjj  mertooBeS, 
fafi  unentbeljrlid&eS  Hilfsmittel.  Sollte  bie  SKiffion  aber  irgenbmie 
nennenswerte  ©rfolge  erringen,  fo  mußten  i^re  Präger,  bie  SiS- 
tümer  Stibecf,  Stafeeburg  unb  ©<$werin,  junäcfyft  materiell  unb  po* 
litifdj)  in  bie  Sage  x>erfefet  werben,  tf>re  Seftrebungen  mit  Äraft  unb 
ßnergie  »erfolgen  ju  fönnen.  ©o  wanbte  §einrid&  Ujnen  nun 
enblid)  feine  nad&brüdttidfje  Unterftüfcung  ju,  inbem  er  ifynen  privi- 
legia  de  possessionibus  et  de  reditibus  et  de  justieiis  unb 
ben  wenbifdjen  SHfd&ofSjinS  verlief  (cap.  87),  ber  in  $olen  unb 
Sommern  gebräudijlid)  war.  SJon  biefem  2lugenblidf  an  mufete  um 
fo  meljr  ein  mäkliger  Auffdjmung  ber  Bistümer  beginnen,  als  bie 
gewaltigen  %&&  &einridf)S  1160,  1163  unb  1164,  jeben  SBiber* 
ftanb  ber  ©lawen  erftidtenb,  einen  wiDigen  unb  frud&tbaren  ©oben 
für  bie  Sßtigfeit  ber  geiftlid&en  ©ewalten  föufen.    ©S   ifi  fein 


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SBunber,  baß  $elmolb,  unter  bem  unmittelbaren  ©nbrud  bieder 
©reigniffe  fte^enb,  t>on  ber  größten  £od&ad)tung  unb  SSereljrung 
für  bie  imponirenbe  Sßerfönlidtfeit  $einrid)$  be3  Söroen  erfüllt  i% 
SBenig  anberS  ftel>t  ber  (S^romft  bem  ©rafen  Sbotf  oon  #olftein 
gegenüber.  ®r  f)at,  obwohl  natürlich  in  geringerem  ©rabe,  aud) 
für  feine  üWa<$t,  feine  $olittf  unb  feinen  G&arafter  ba«  größte  Sob 
unb  bie  freubigfle  Slnerfennung,  allein  nid)tSbefton>emger  fann  er 
fidj  wegen  ber  Haltung,  bie  ber  ©raf  namentlid)  unter  SSicetin  bem 
©tötum  gegenüber  eingenommen,  eine«  leifen  Labels  gegen  Ujn 
nid^t  enthalten  (ogl.  c.  69,  6.  135,  c  71  @nbe,  c.  73.  @.  144. 
c.  75.  6.  147,  c.  83.  ©.  166.).  $n  ber  Zat  fonnte  ber  ©raf 
ber  neuen  3nPitution  junäd^fl  nidjt  mit  SBoljlmoBen  gegenüber* 
treten.  S)enn,  wollte  er  audjj  außer  2ld)t  laffen,  baß  in  bem  3318* 
tum  über  lang  ober  furj  i^m  ober  feinen  SRadfrfolgcrn  ein  gefä^r* 
li$er  politifd&er  9tebenbuljter  erftefjen  fonnte,  fo  fjatte  er  bodf)  auti) 
ganj  unmittelbare  @d&äbigungen  Don  ifjm  ju  erwarten.  SRußte  er 
j.  8.  fdjjon  einen  großen  Seil  ber  ©infünfte  beS  neuen  SBiStumS 
au&  feinem  eigenen  Vermögen  ^ergeben,  fo  broljte  i§m  jubem  in** 
befonbere  no$  burd)  bie  ©ewäljrung  eines  SBenbenjinfeS  an  ben 
Sifdjof,  bie  auf  bie  S)auer  faft  unabmei$li<f)  mar,  eine  roefentUd&e 
©djmäterung  feiner  roidjttgften  ©nnaljmequeHe,  beS  Tributs,  ben 
bie  magrifd&en  ©laroen  tym  ju  jaulen  Ratten  (c.  57.  ©.  116. 
c,  83.  ©.  164),  Einbußen,  bie  tyn  um  fo  empftnbli<$er  treffen 
mußten,  als  feine  ginanjen  ftd)  anfdjeinenb  feiten  in  befriebigenben 
Ser^ältniffen  befanben  (c.  67.  6.  13*2.).  Snbeffen  mürbe  feine 
Haltung  roof)l  fjauptfäd&tid)  burdf)  bie  Sefürcfytung  oeranlaßt,  baß 
bie  ©fifien j  ber  brei  ©istfimer  feine  bisherige  ftaroenfreunblidje  ^ottti! 
im  Ijödtften  ©rabe  gefäljrben  mürbe.  $>er  ©raf  Ijatte  fein  fiebelang 
ftd)  befirebt,  mit  ben  SBenben,  namentlid)  mit  bem  Dbotritenfttrften 
SRiclot  in  triebe  unb  greunbfdjaft,  wenn  nid)t  in  SJünbmß  ju  leben 
(C.  56.  ©.  114,  c.  57.  ©.  116.  c  62,  c.  71,  C.  86  ©.  174,  C  92. 
6.  187,  II.  c.  4.  ©.  199),  in  ber  Zat  bei  ber  unjureidjenben 
militärifdjen  3Rac^t,  bie  bem  ©d)auenburger  ju  ©ebote  ftanb,  ba* 
einjige  Mittel,  bem  burdf)  bie  ununterbrochenen  ©renjtriege  auf«  tiefte 
erfäöpften  Sianbe  bie  2Rögttdf)feit  ber  (Srtyolung  ju  gewähren.  ©d&on 
begannen  pdf)  al«  @rgebniß  biefcr  flugen  ^oUttf  leiblich  freunblid&e 
©ejieljungen  jmifcben  ben  beiben  ©renjoötfern  auSjubttben,  ba  fließ 
mitten  in  biefe  SSer^ältniffe  hinein  bie  Bewegung  be$  Äreujjuge« 
gegen  bie  SBenben  im  Qatjre   1147.    SRur  mit  bem  äußerften 


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SBibetfftebett  unb  allein  unter  bem  ®rud  ber  öffentlM&en  ÜWetnung 
Ijatte  ftd)  Slbolf  fd^einbar  btefem  Unternehmen  angefdjloffen;  bennod& 
war  bie  golge  ein  mehrjähriges  tiefes  üJU&trauen  SRiclotS  gegen 
ben  ©rafen,  baS  ftdf)  erft  mieber  in  fein  ©egenteil  üerwanbelte,  als 
äbotf  iljm  fräfttge  unb  erfolgreiche  Unterftüfcung  gegen  feine  auf* 
fianbif d)en  Äiciner  unb  Gtrcipaner  gewährte  (c.  71.)  Sine  grudjt 
biefeS  ÄreujjugeS  finb  in  gewijfem  Sinne  bie  brei  Bistümer,  itjre 
blo&e  ©jifienj  mu&te  ba^er  in  ben  SBenben  bie  Seforgnife  nor  ber 
SRüdffeljr  äljnlid&er  ^Bewegungen  roa$  galten,  mußte  iljre  Abneigung 
t)on  neuem  unb  um  fo  heftiger  gegen  bie  2)eutfdf)en  erregen,  als 
fte  ju  bem  ©egenfafo  ber  Nationalität  ben  fjalbeingefdfjlummerten 
ber  Sieligion  Ijtnjufügte.  SHefe  Befürchtungen  Ijaben  rooljl  in  erfier 
Sinie  bie  feinbli^e  Stellung  bejtimmt,  bie  ber  Sdjauenburger  bem 
SKfdfjof  SSicelin  gegenüber  eingenommen  fyit.  3>er  ma^tlofen,  un* 
bebeutenben  unb  unbead&teten  3RifftonStljätigfett  beS  ^Privatmannes 
tonnte  Slbolf  fein  SBo^lwoHen  unb  feine  Unterflüfcung  leiten;  trat 
fte  aber  auf  mit  ben  SRitteln  unb  ben  ^Prätentionen  beS  ©tfd&ofs, 
fo  mürbe  fte  feiner  wenbenfreunbtid&en  spolitif  gefäfjrlicl).  SBenn  er 
trofcbem  SSicelin  feine  &ilfe  nid&t  g#n§lid)  aerfagte,  wenn  er  ü>m 
bie  £älfte  beS  3*!Jnten  überliefe  unb  $einrtdf)S  beS  iöxotn  Sd>en* 
fung  oon  93ofau  mit  ber  ^ertinenj  S)uljanijja  feine  3uftimmung 
gab,  fo  ift  bieS  woljl  nur  bem  ginflufe  beS  i&erjogS  ju  t>erbanfen, 
mit  bem  er  in  jenen  Jagen  aufs  engfle  befreunbet  mar.  SRerl* 
wttrbiger  SEBcife  aber  änbert  fu$  SlbolfS  ^Jolitit  bem  SiStum  gegen* 
über  noBfommen  unter  ©erolbS  Regiment,  ©d&on  furj  oor  SicelinS 
£obe  tyatte  ber  ©raf,  bem  ©eifpiele  £etnri<$S  non  SRafceburg  folgenb, 
ftd)  bereit  erflärt,  300  £ufen  aus  feinem  fielen  bem  SHStum  ju 
überlajfen;  etwa  1156  löfte  er  bieS  3$erfpre<$en  wirflid)  ein  (c.  83. 
6.  166),  wenn  aud)  (rooljt  nur  in  gotge  eigener  fdjled&ter  ginanj* 
läge)  in  jiemlidj  unooDfommener  SBeife;  überhaupt  f)at  ft$  um 
biefelbe  &t\t  ber  ©raf  bem  Sifdfjof  fo  weit  genähert,  bafe  ein  freunb> 
lid&eS,  ja  fcratid&eS  33ert)ältni&  jTtnfd&en  beiben  fid)  auSgebilbet  Ijat 
(ogl.  befonberS  c.  83.  ©.  168  unb  169),  baS  £elmolb  in  bie  ju* 
friebenen  Sorte  jufammenfafet:  Crevit  igitur  opus  Dei  in  Wa- 
girensi  terra,  et  adjuverunt  se  comes  et  episcopus  ope 
vicaria.  SSiel  mag  ju  fotd&er  ©djwenfung  bie  ^erfönlidjfeit  ®e* 
rolbS  beigetragen  (jaben,  mefyr  nod)  bie  äBa&mefynung,  ba&  feine 
freunbttd&en  Sejieljumjen  ju  Niclot  burd[>  baS  ©efte^en  beS  8i$* 
tumS  in  feiner  SSeife  beeinflußt  loorben  waren,  inbeffen  ber  £aupt* 


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grunb  liegt  bodf)  xooljl  in  feinem  3Ser§ältni&  ju  $etnridf)  bem  Söwert. 
3n)ifdf)en  beiben  ÜKännem  mar  an  ©teile  ber  bisherigen  feljr  engen 
greunbfd&aft  (c.  70.  6.  139)  eine  jiemlid)  heftige  Spannung  ge* 
treten;  benn  ber  ©dfjauenburger  Ijatte  mehrere  gorberungen  beS 
£erjogS  runbroeg  abgefd&lagen,  toeld&e  biefer  in  ber  tf)m  eigenen 
rüdfid;tSloS  egoiftifd&en  Sßeife  ofjne  einen  ©Zimmer  beS  9ledf)tS  an 
iljn  gefteHt  Datte  (c.  76  unb  c.  85).  @S  ijt  erflärlidf),  bafe  ber 
©raf,  um  ipeinrid)  bem  Söroen  bie  ©elegenljeit  Ujm  ju  fdfjaben  nadjj 
3Wöglidf)feit  abjufc&neiben,  unb  jugleid)  feine  politifd&e  9Kad)tjteflung 
ju  ftärfen,  cS  um  fo  meljr  geraten  fanb,  mit  ©erolb  in  ein  freunb* 
lid&eS  unb  einträchtige«  SSerfjältnife  ju  treten,  als  biefer  in  einer 
ifjm  eoentueU  fetjr  gefährlichen  ©unft  bei  bem  §erjoge  mar.  Unb 
biefe  roofjlwoflenbe  Gattung  l)at  ber  ©raf  von  ba  an  unoeränbert 
biö  ju  feinem  Sobe  beibehalten  (c.  89,  c.  91  ©.  183,  c.  93). 
©tanb  alfo  aud)  ©raf  2lbolf  roenigfienS  anfänglich  ber  neuen 
Schöpfung  stemlid)  feinbfelig  gegenüber,  fo  fjatte  fie  i^m  bodö  ade« 
in  allem  nidjtSbefioroeniger  aufeerorbentlidE)  iriel  ju  uerbanfen,  be* 
fonberS  feiner  f  lugen  $otitif,  bie  ber  3JUffion  erft  bie  3Jtöglid&feit 
einer  frieblid&en  unb  ungeftörten  Sätigfeit  gewährte.  SMefe  $at* 
fad^e  finbet  benn  audf)  inbireft  ifjren  freubigen  2)anf  in  ber  fcf)r 
anerfennenben  gljarafteriftit,  bie  §etmolb  meljrfadjj  von  bem  ©rafen 
giebt  (ogl.  befonberS  c.  67  (Snbe  unb  IL,  5  Snbe). 

Wtbtn  bie  brei  biSljer  befprod&enen  politifdfjen  ^aftoren,  (5rj* 
bifd&of  Hartwig,  Jgeinrid)  ben  Söroen  unb  ©raf  SHbotf  treten  al« 
trierter  bie  £olfteiner.  Unter  ber  S*ti^un9  weniger,  fefjr  mächtiger 
©efdjledjjter  (c.  47,  c.  51.  ©.  105,  c.  86.  ©.  174,  c.  91,  ©.  183, 
II,  4)  fielen  fie  in  au&erorbentli<$  felbftftänbiger,  faft  bunbeSge* 
nöffifrfjer  Stellung  neben  bem  ©rafen  Slbolf  (c.  51,  c.  67,  c.  71, 
c.  91,  IL  c.  4  Anfang,  pergl.  aud)  I.  c.  49  unb  c.  56),  beffen 
friebliebenbe  ^olitif  fie  mißbilligen  (c.  67),  unb  in  heftiger  geinfc 
fdjaft  neben  ben  ins  Sanb  gerufenen  Äoloniften  (c.  63).  §elmolb 
fdjilbert  fie  als  ein  freifjeitSftoljeS,  unbotmä&tgeS,  friegS*  unb  raub* 
luftiges  33olf ,  baS,  nod)  in  faft  fyetbnifdfjen  änfd&auungen  befangen, 
Dom  ßljriftentum  faum  mefjr  als  ben  Tanten  fannte,  als  3Sicelin 
feine  Sötrffamfeit  unter  i^nen  begann  (ogl.  c.  47  unb  c.  67  u.  f.); 
er  bejeidtjnet  fie  als  ein  genus  agreste  et  incultum,  eine 
gens  libera  et  cervicosa,  gens  agrestis  et  indomita,  aud)  als 
onagros  indoinitos.  SBn  einer  ©teile  (c.  63  fönbe)  erjäljlt  er, 
ba&  allgemein  bie  SBefdjulbigung  auSgefprod&en  fei,  bie  §olfteiner 


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Ratten  aus  $afj  gegen  bie  Äoloniften  bie  Slawen  ins  Sanb  gerufen, 
unb  iljre  äedfer  feien  beStyatb  fajt  allein  vom  ??etnbe  wrfdjont  ge* 
blieben.  3)ie  Hrt  beS  Vortrage«  läfet  beutltd)  erfennen,  ba§  $el* 
molb«  eigene  2htjtd)t  mit  biefem  ©erebe  in  ©inftang  ftefjt.  $m 
Äapitel  91  ge^t  er  fogar  foweit,  bie  Sefdnilbigung  au«$ufpre<$en, 
bafe  fte  ben  23ifd)of,  ben  ©rafen  unb  bie  gefammten  beutfd&en  6in* 
wanberer  Ratten  etmorben,  baS  Sanb  üerwüjten  unb  in  bänifc$e£ 
©ebiet  überfiebeln  wollen,  weil  fte  auf  tyx  attcö  Sorrectjt,  einen 
geringeren  &tf)nttn  ju  jaulen,  als  bie  anbem  beutfdjen  ©renjbe* 
wotyner,  nidjt  ju  üerjidjten  gemeint  waren.  ®a&  bem  böfen 
9BiDen  bie  Sat  nidjt  folgte,  wrljinberte  nur  ein  Vertrag  ^erjog 
Jpeinridjä  mit  Äönig  SBalbemar,  ber  bie  aufnähme  pon  Ueber* 
läufem  t>erbot.  ©d&lie&lid)  fafjen  ftd)  bie  ^olfieiner  baljer  bod>  ge* 
nötigt,  in  eine  ©rfjö&ung  i^re«  ße^nten  einzuwilligen,  »erlangten 
aber,  um  fünftige  gorberungen  abjufdjneiben,  eine  Urfunbe;  als 
inbeS  bie  Notare  bafür,  wie  gebräudjlid),  eine  üRarf  ©olbc«  oer* 
langten,  ba  traten  fte  trofeig  oon  bem  ganjen  Vertrage  jurütf. 
2Cuf  biefem  ©tanbpunft  befanb  ftdj  bie  ©ad&e  nod),  als  §elmolb 
fein  erfieS  Sud)  fdjlofe;  weitere  SJer^anbluugen  waren  burd>  be$ 
33tfäof8  Sob  unb  ben  @infall  ber  Slawen  oerfjinbert  worben. 

2Ran  fteljt,  bafe  wieberum  ba$  Urteil  beS  (S^ronifien  mit  bem 
3ntereffe  feiner  Äird)e  merfwärbig  jufammenfäflt;  inbeffen  fofl  f)ier  nidjt 
unterfud)t  werben,  ob  unb  wieweit  Ijierburd)  feine  2lnfid)t  beftimmt 
worben,  eS  foU  nur  fonflatirt  werben,  bafe  $elmolb  perfönlid)  im 
tyodjften  ©rabe  gegen  bie  Jpolfieiner  eingenommen  ifl.  @S  ift  nun 
bie  Aufgabe  ber  folgenben  Unterfudjung,  ju  prüfen,  ob  unb  wie 
weit  bie  Erfahrungen,  bie  £elmolb  gemadtf,  unb  bie  wir  im  SSor* 
liergeljenben  ju  ffijjiren  gefugt  tjaben,  auf  feine  3)arfteDung  ber 
älteren  3eü  wn  ©influfe  gewefen  finb.  S)ie  3tefuttate,  bie  ft$  tyer 
ergeben,  muffen  für  bie  Äritif  ber  ganjen  ©fjronif  oon  um  fo 
größerer  3Bi<$tigfeit  fein,  als  gerabe  auf  biefen  Seil  ftd)  bie  be* 
beutenbften  Angriffe  ©djirrenS  gegen  ben  Ebroniften  ftüfcen.  S)ie 
Äapitel,  bie  un$  fyeute  befdjäftigen  follen,  jerfaflen  in  jwei  gänjltd) 
t>erfdjiebene  ©tüde.  35er  erfle  Seil,  c.  l— 24,  giebt  eine  ©efd&idfjte 
ber  SBenbenmiffton,  ber  jweite  c.  25—26,  c.  34—38  unb  c.  48 
eine  ©djilberung  ber  mannigfachen  Äämpfe  ber  ©renjftämme  mit 
ben  ©lamen;  mitbin  befjanbelt  ber  erfle  abfd&nitt  wefentlid)  ttrcfc 
lidfje,  ber  jweite  au$fd)lief3tid)  weltlidje  SMnge.  3ufäfliger  ober 
üieHeid^t  aud)   nid)t  jufäfliger  Seife  fällt  biefe  Seilung  audfj  mit 


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11 

ber  SJerfdfjiebenarHgfeit  ber  Duellen  jufammen,  bcnen  Jgelmolb  ge* 
folgt  ifi;  benn  bis  jum  ©djlufc  beS  24.  ÄapitelS  l)at  er  nodfj  meift 
fdfjriftltd&e  Duellen,  in  erfter  Sinie  2lbam  oon  Sternen,  benufeen 
tonnen,  im  jroeiten  ©tüd  fjat  iljm  nur  nodE)  münblid&e  Srabition 
ju  ©ebote  geftanben;  benn  barüber  mufc  man  fid)  flar  fein,  bafc  in 
ben  näd&flen  80—90  Satiren  nadf)  bem  3wfammenbru(§  ber  beut* 
f$en  §errfd&aft  im  6laroenlanbe  eine  literarifd&e  £f)ätigfeit  in  bem 
oon  ununterbrod&enen  Äriegen  jerfleifd&ten  norbalbingifd&en  Sanbe 
überhaupt  ganj  unbenfbar  ift. 

©8  ifi  billig,  ba&  mir  biefer  burd&  gorm  unb  ^ntjatt  gegebenen 
Teilung  be$  ©toffeS  audf)  in  ber  fotgenben  Unterfud&ung  2lu3* 
brudf  geben. 

1.  $}elmolb  im  ^nfdjluß  an  fdjriftlidjr  Srabition. 

3Ran  wirb  nid^t  meljr  als  eine  tmffenfdjaftltd&e  $9pottjefe,  bie 
in  ben  gefdjilberten  Erfahrungen  be£  S^roniftcn  tyre  rooljlbegrün* 
bete  ßrflärung  finbet,  barin  fud>eu  bürfen,  wenn  §etmoti>  im  ge* 
raben  ©egenfafe  ju  Slbam  uon  Bremen  ben  9Jttffton$erfolgen  bet 
geifHictjen  ©eroatten  mit  aJti&trauen  gegenübersteht  unb  nnrflidfje 
SRefultate  in  ber  ßljriflianifiruug  ber  Reiben  faft  allein  ben  weit* 
liefen  3Wäd)ten  jufdjreibt.  2lm  fd&ärffien  fprtdjt  fid&  biefer  Unter* 
fd^ieb  ber  änfd^auungen  bei  ber  2)arfteHung  ber  Sefefyrung  be$ 
6ad)fenoolfe3  aus.  Slbam  non  ©remen  legt  bei  biefer  ©elegen^eit 
ben  entfd&iebenfien  -Kad&brud  auf  bie  SJjätigfett  SBinfriebS,  2BiBe* 
tyabä,  SlubgerS  (I,  c.  9, 1 1  u.  1 2).  #elmolb  übergebt  biefe  SRänner  mit 
©tiflfdfjmeigen,  preift  aber  mit  bem  allergrößten  Sobe  ben  Atomen 
Äarl«  be$  ©rofcen,  beffen  SSerbienfte  ber  Ijamburgifcije  @efdf)id&t3* 
fd&retber  nur  obenhin  berührt.  Qn  ber  $f)at  fann  man  faum 
panegtjrifd&er  über  ben  granfenfaifer  fpred&en,  al«  e£  §etmolb  ge* 
tan:  Inter  omnes  ergo  strenuos  Christiane  fidei propagatores  qui 
pro  fidei  sue  merito  laudabilera  adepti  sunt  prineipatum,  glo* 
riosissimus  semper  elucet  Karolus,  vir  oranium  scripto- 
rum  preconiis  attollendus  et  in  fronte  statuendus 
eorum,  qui  pro  Deo  in  partibus  aquilonis  laboraverunt  (1, 3.)  Otto 
bem  ©rofeen  gegenüber  f  fityrt  er  freilid)  feine  fo  überföroänglid&e  Sprache, 
inbeffen  fdjjreibt  er  U)m  bie  gänjlid&e  Sefe^rung  ©änemart'S  §u,5)  unb  fagt 

6)  I,  c.  9.  Eo  tempore  Dania  plenarie  reeepit  fidem.  $ie  legten 
Sorte  finb  nidjt  aus  9lbam  entnommen,  fonbem  toon  §elmo!b  felbftftänbtg 
tymjugeftigt. 


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12 

an  anbetet  6teHe  oon  itym:  omne  Studium  intorsit  ad  gentium 
vocationem,  preeipue  vero  Sclavorum,  quod  etiam  pro  sen- 
tentia  ejus  ita  evenit,  Deo  cooperante  et  piissimi  regis  dex- 
teram  in  oninibus  corroborante  (c.  10).  3)en  ftieblicfyen  Qu* 
fiänben,  bie  biefe£  ÄatfetS  ftatfe  £anb  gef^affen,  unb  feiner  grei> 
gebigfett  banft  fetnet  nadj  £clmolb$  2lnftd&t  ba3  Bistum  älben* 
butg  fein  tafdjjeS  unb  ftäftigeä  2luf  blühen  (c.  12),  unb  ebenfo  folgt 
bem  SSetfaH  bet  faifettidjen  2RadE)t  audj  bet  be£  93i£tum$,  n)ie  bie 
fotgenbe  fefjt  bejctd&nenbe  Stelle  bciucift:  ceperunt  res  ecclcsiastice 
paulatim  titubare.  Nee  fuit  unde  Status  novelle  ecclcsic  ad 
plenum  posset  convalescere,  eo  quod  Magnus  Otto  iam  pri- 
dem  presenti  vita  decessisset,  medius  quoque  nee  non  et  ter- 
tius  Otto  bellis  Italicis  essent  oecupati,  et  ob  hanc  causam 
Sclavi,  temporis  oportunitate  freti,  non  solum  divinis  legibus, 
sed  et  imperatoriis  iussis  cepissent  paulatim  obniti.  Solus 
Saxonie  dux  Benno  aliquam  dorainationis  umbram,  licet  te- 
nuem,  pretendere  videbatur,  cuius  respectu  Sclavorum  im- 
petus  retardati  sunt,  ne  aut  fidei  cristiane  renunciarent  aut 
arma  corriperent  (I,  c.  14). 

Unb  bet  Ijoljen  Sebeutung,  bie  et  ben  roeltlid&en  ©eroalten 
für  ba$  gottfdfjreiten  bet  ,§eibenbefel)tung  eintäumt,  entfptidjt  eS 
nollfommen,  wenn  et,  fyiet  meift  mit  3lbam  non  Sternen  in  liebet- 
etnftimmung,  bet  fteilid>  au«  ganj  entgegengefefcten  ©tünben  ju 
betreiben  2lnfidf)t  gelangt,  fie  allein  obet  bod^  roenigftenä  in  etftet 
Sinie  füt  ba$  Stodten  bet  SRijfion  obet  ben  völligen  Slbfatt  bet 
Slaroen  oom  ß^tijlentum  oetantrootttid)  madfjt  (c.  14  6nbe,  c.  18, 
c.  16,  c.  21.  c.  25),  ganj  in  Sinologie  ju  feinet  Älage  im  69.  Äa* 
pitcl:  Pauci  autem  Sclavorum  applicuerunt  se  fidei,  eo  quod 
languor  fortissimus  esset  et  needum  essent  inclin&ta 
corda  prineipum  ad  edomanda  corda  rebellium.  SSot 
allem  in  bet  £anb  bet  Äaifet  unb  bet  fädj)ftfd&en  &etjöge  lag  e$ 
ja  audfj  in  bet  £at,  bem  Sanbe  ben  gtieben  unb  bem  Reiben* 
btötum  ungefdfjmätett  feine  Ginfünfte  ju  bemalten,  bie  beiben  53e* 
bingungen,  beten  3ufammenn>itfen  $elmolb,  wie  in  ben  fpäteten 
Äapiteln,  fo  audfj  f)iet  füt  eine  fegenStcidjc  (Sntnndtlung  be$  93e* 
feljtungSroetfeS  füt  unumgänglich  notroenbig  Ijätt  (ogl.  c.  14.  6. 
36,  c.  15,  c.  16,  c.  -22-24  unb  c.  14.  6.  35,  c.  18).  35a« 
Korrelat  füt  bie  Sßidfjtigfcit,  bie  et  bet  rocltlid&en  9Jla$t  beilegt, 
ift  e$  nun,  wie  fdfjon  oben  gefagt,  bafo  bet  ß^tonift  im  ©egenfafc 


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18 

gegen  SIbam  Don  Sternen  nur  gering  benft  t)on  ben  Erfolgen  ber 
rein  gciftUcften  3Jtiffton.  @3  lüiberiprid^t  bem  feineSroegS,  wie  eS 
auf  ben  erften  Slnfd&ein  ausfegen  möd&te,  wenn  er  mit  großer  Slner* 
fennung  oon  ber  3Mgfeit  ber  beiben  Jpeibenapoftel  SlnSgar  unb 
Unni  f priest ;  benn  beibe  SRale,  befonber«  bei  SlnSgar,  betont  er 
lebhaft  bie  Unterftüfcuug,  roeld&e  jene  Sßrebtger  be$  ©oangetium« 
von  ben  betreffenben  beulen  unb  namentlich  oon  ben  bänifd&en 
unb  fd&roebtfd&en  Jperrföern  empfangen  Ratten.  S)ie6)  feinbtidfje  unb 
fd&äbigenbe  Gattung  (oergl.  befonber«  c.  69.  6. 137.),  roeldfje  femer 
bie  Sremer  ©eifttid&feit,  wie  mir  oben  gefeiten,  bem  jungen  SJtötum 
3llbenburg4}übecf  gegenüber  eingenommen,  jjat  in  §elmolb  eine  tiefe 
Abneigung  gegen  fie  fjeroorgerufen,  bie  ityn  jebe  ©rroäfjnung  audfj 
nur  be$  tarnen«  Sremen  nadf)  3Röglidf)feit  oermeiben  läßt.  Umge* 
fe^rt  erjagt  er  jebod&  bem  entfpred&enb  nidf)t  ofjne  Vorliebe  t>on 
ber  §amburgtfd)en  Äird&e,  bie  roetyrenb  feiner  Sebjeiten  befanntttd) 
in  heftiger  Oppofition  bem  bremer  (SleruS  gegenüberflanb.  @3 
muß  aber  ju  $elmolb3  @l)ren  fonftatirt  werben,  baß  er  fid&  burdj) 
feine  Slbneigung  nidEjt  ju  irgenb  meldten  roirHidfjen  gälfd&ungen  ju 
Ungunften  be«  @r}bü8tum$  Einreißen  läßt.  5lur  in  einem  5ßuu!te 
Ijat  fidf)  Ipelmolb  §ier  ju  erheblichen  Slenberungen  be3  feiner  3)ar* 
ftellung  §u  ©runbe  liegenben  $efte$  bewogen  gefüllt.  2We  35er- 
bienfte  nämlidf)  um  bie  Stjrtjiianiftrung  ber  SBenben,  bie  SIbam 
Hamburg  jufd&reibt,  nimmt  er  oljne  SSkiterc«  für  Sltbenburg  in 
SfafprucI);  eine  ©d&roäd&e  freüidf),  bie  mir  bem  ©efd&id&töfd&reiber  be« 
Stötum«  Sübedf  um  fo  eljer  uerjetljen  bürfen,  ate  fte  ebenfalte  jum 
Seil  auf  ben  ©rfa^rungen  feine*  Sebenä  beruhte.  SBie  fonnte  QtV 
molb  ju  ben  93efeljrung8erfolgen  be«  6rjbi«tum«  Vertrauen  §aben, 
ba«  ben  SJejtrebungen  SBicelin«  unb  ©erolb«  nie  förbernb,  nur 
tyetnmenb  gegenübergeftanben  Ijatte?  28ad  ju  feiner  3*ü  bie  geifc 
liefen  ©eroalten  mit  i^rer  ÜKiffionSt^ötigfeit  erreicht,  ba«  Ijatte  nur 
bie  atbenburgifdf>e  &ir$e  errungen. 

S)ie  Parteinahme  für  feine  Äird&e  $ätte  Jpelmotb  nadfj  ©d&irren« 
unb  #irfeforn«  Slnfid&t  audf)  veranlaßt,  bie  oftlid&e  ©renje  be« 
liamburgifdfjen  Sprengel«  feit  ber  ©rünbung  be«  albenburger  S3t«* 
tum*  einfach  für  bie«  in  2lnfprudE>  ju  nehmen. 


6)  3*«  golgenben  benufce  id>  toielfad?  fdjon  befannte  SRefultate;  idj  fyabt 
beider  bie  öelföfteäen  für  bie  §ier  auSgefprodjenen  3lnfidjten  in  ber  Siegel 
nur  bann  angeführt,  toenn  meine  SRefultate  neu  ftnb  ober  mit  benen  anberer 
in  ©iberftrudj  fielen. 


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14 


Adam  in.  20  <3djt.  72.  In  ostio 
Peanis  fluvii  civitas  maxima  est,  quae 
Dimine  vocatur;  ibi  est  ter minus 
Hammaburgensis  parrochiae. 


Helmold  I,  20.  Est  autem  Penis 
fluvius,  in  cujus  ostio  sita  est  civi- 
tas Dimine.  Illuc  quondam  por- 
teudebatur     limes     Aldenbur- 


gensis  parrochie. 

3)iefer  33orrourf  ift  jebod^  meiner  2Retmmg  twd)  unbillig.  §el* 
molb  fyatte  ädern  2lnf$ein  nad)  ein  9ted)t  ju  biefer  annähme;  benn 
«bam  von  ^Bremen  ibentipcirt  ftdjtUct)  felbft  f$on  Sllbenburg  voü* 
ftänbig  mit  ©lamanien,  roenn  er  einen  Seil  ber  ©ifdjöfe  in  9Uben* 
bürg,  ben  anbern  in  Slavaniam  orbinirt  werben  läßt.  2)amit  wir 
aber  ja  nidjt  etwa  unter  ber  le&teren  Äategorie  oieUeid^t  Söeilj* 
btfd)öfe  ofyne  beftimmten  6ifc  uerfte^en  fönnen,  finben  fid)  einige 
oon  i&nen,  nrie  SReginbert  (2lb.  II,  44),  Senno  (ab.  IIf  47)  unb 
äb&elm  (ab.  II,  70)  in  gleid&jeitigen  Quellen  wie  Sljietmar  unb 
fiambert  als  albenburgifdje  33ifd)öfe  bejeidjnet,  unb  jum  Ueberflufe 
wirb  S3enno  in  einer  2lufeetdjnung  etwa  au$  bem  Saljre  1025 
(Mon.  Germ.  LL.  II,  173)  Slavensis  episcopus  genannt.  §ätte 
ba3  ©rjbtötum  einen  Seil  ber  menbifdjen  ©ebiete  ftdj  felbft  porbe* 
galten  unb  älbenburg  etwa  auf  SBagrien  beföränft,  fo  märe  biefe 
^bentificirung  jumal  burdj  SbamS  geber  faum  möglid)  geroefen. 
5)emnad>  ift  anjuneljmen,  bafe  #elmolb3  SKnfdjauung  motylbegrünbet 
mar.  SBeit  größere  ©eredjtigung  jebodj  fjat  ber  anbere,  gegen  £el>- 
molb  geridjtete  Säbel,  bafe  fein  fe§r  partes  Urteil  über  Sibalbert 
ben  ©rojjen  Don  Bremen  (c.  22):  patriarchatus  honorem  assequi 
voluit,  eo  scilicet  ordine,  ut  infra  terminos  sue  parrochie  12 
statueret  episcopatus  de  quibus  narrare  supervacuum 
est,  eo  quod  sapientibus  ineptie  quedam  et  delira- 
menta  visa  fuerint,  pon  bem  £aj3  gegen  ben  SWann  biftirt 
morben  fei,  ber  bad  Stötum  SKlbenburg  in  brei  Seile  jerlegt  Ijatte.7) 
3Man  barf  jebod^  ntd&t  t>ergejfen,  baß  gerabe  in  jener  3*üf  fcte  ba$ 
©rjbigtum  in  ber  tiefften  ©rniebrigung  gefe^en  Ijatte,  felbft  ein 
meniger  befangener  9Jtann,  ben  üRafeftab  feiner  3*ü  an  bie  5Ber* 
^ältnijfe  ber  früheren  legenb,  ju  einer  ctyntidj  Ijöfjniföen  SSerur* 
teilung  fold&er  Sßläne  fommen  mußte. 


')  Laspeyres  (£ie  Skfe^rung  9torbalbingten$,  Bremen  1864.  8.114—120) 
unb  anbete  fyaben  &u  belocifcn  gefugt,  bafj  bie  Einrichtung  breicr  SBenbenbiä* 
ttimer  mir  ein  unoollenbeteg  Sßrojeft  3lbalbert$  geblieben  fei.  $>iefe  ©treib 
frage  ift  burdj  bie  von  3a)irren  n>ieberentbetfte  Urhmbc  $icelin$  auf  einen 
ganj  neuen  33oben  gefteUt;  bort  f abreibt  berSMfdjof:  Ego  peccator  et  indignus 
post omnimodam    fere    abolitionem    Slavicoram   episcopatuum  ad 


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15 

SBei  bet  Slnttpatljte,  bie  bcr  Gtjronift  im  Saufe  feine«  ßebenS 
attmäljUdfj  gegen  #amburg*93remen  gefa&t  Ijatte,  mufete  eg  ein  fefjr 
naty  liegenber  äBunfdjj  für  tyn  fein,  fein  Stötum  Silbenburg  in  eine 
genriffe  Unabljängtgfeit  von  ber  bortigen  Äird&e  ju  bringen,  j.  33. 
etwa  baburd),  baft  er  e3  ftatt  oom  ©rjbifdfjof  oom  Äaifcr  grfinben, 
von  tym  audf)  ben  erften  33ifdfjof  einfefeen  liefe.  SHefer  Vorwurf  ift 
benn  audjj  pon  ©djjirrcn  gegen  Jpelmolb  erhoben  worben;  benn,  um 
ben  angegebenen  3roe<f  ju  erreichen,  fall  ipelmolb  bie  gigur  beS 
erjlen  ä3ifd&of$  ÜRarco  erfunben  Ijaben.  3>n  ber  $at  mufete  bie 
@mfiü)rung  biefer  $erfönlid)feit  um  fo  metyr  ba$  aKi&trauen  ber 
Äritif  erwedten,  als  ju  bem  Sprengel  biefeS  33ifd(jof$  nad&  fad* 
molbS  Angabe  aud&  Sd&leSurig  gehört  Ijaben  foUte.  @3  fd&ien  bem* 
naä),  als  ^ätte  $etmolb  auf  biefe  SBetfe  ber  Sege&rlid&feit  ber 
albenburgtföen  ©eiftUdftfeit  jugleidf)  2lu3brudt  unb  SBewetematerial 
geben  woDen.  äUetn  biefe  im  erften  Slugenblid  beftec&enbe  2lnftdf)t 
ift  meine«  ©ragten«  in  entfdfjeibenber  SEBcifc  burdjj  SBigger«  ein* 
geljenbe  Unterfucfjung  (Weuefte  Ar.  ©.  26—34)  miberlegt  worben. 
(Sr  Ijat  nadfjgewtefen,  bafe  in  ber  £at  ein  33ifd(jof  3Jtarco  wafjr* 
fd)einU<$  eine  3eit  lang  ©d;le3wig  unb  SHbenburg  jugleidE>  uer* 
waltet  Ijat,  allerbing«  als  f$le8wigfd&er  nid&t  al«  albenburgifd&er 
Sifd&of.  @ine  fold&e  ehemalige  Bereinigung  ber  beiben  SKöcefen 
fonnte  &elmolb  bod[>  auä)  nur  erbtd&ten,  um  einem  albenburgifdfjen 
2lniprud)  auf  ©dfjteSwig  äuSbrudf  ju  geben,  ben  man  bei  ©elegen* 
ijeit  ju  realiriren  wünfd&te.  2lnberweitig  wirb  un«  berartige«  nid&t 
berietet,  unb  £elmolb  felbft  lägt  in  feiner  2Beife  auf  ein  fold^ed 
SJeflreben  fd&liefeen;  wenigstens  fommt  er  in  feinen  beiben  33üd&em 
niemals  barauf  jurüdt,  felbft  nid&t  bei  ber  üfteugrünbung  ber  brei 
wenbifd&en  Bistümer,  obgleich  fid)  f)ter  bodf)  eine  Dortrefflidjje  ©e* 
legentyeit  geboten  Ijätte.  Bergleid&t  man  bann  no#  £elmotbS 
leibenfd&aftSlofe  SSorte  c.  vi :  Quo  defuneto  (b.  i.  SWarco)  Sles- 


Hamburgensem  metropolim  pertinentium  ad  episcopale  noraen  aflsump- 

tus 2>aS  2)tylom  ift  unafoeifetyaft  e$t  unb  ift  1150  gefdjrieben,  nur 

ein  3<*fc  ««dj  bcr  SReugrünbung  beä  »tötumS.  (S3  betoeift,  bajj  nic^t  etwa 
§elmolb  nur  eine  ©teile  2tbamä  fa(fc^  uerftanben  tyat,  fonbern  bajj  man  toon 
Anfang  an  in  ber  albenburgifdjen  öeiftlicfyfeit,  roeldje  biefe  tyr  fefyr  unliebfame 
Xatfactye  fieser  nidjt  erbietet  fyat,  allgemein  ftelmolbS  9(nfi(^t  teilte.  (S^  bleibt 
aUcrbmgS  noc^  übrig,  ba^  eine  gälfdjung  toon  ben  bremijc^en  (Srjbifcfyöfen  au«= 
gegangen  fei,  bie  tyre  Sere^tigung,  brei  ©uffraganbi^ttimer  ftatt  eines  ju  er* 
rieten,  auf  ben  Vorgang  5lbalbertS  ftü^en  mottten. 


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16 

wich  singulari  pontifice  honorata  est  mit  bcm  oben  citittett 
garten  Säbel  gegen  (Srjbifd&of  äbalbert,  ben  2)reiteiler  be$  alben* 
burgif<$en  23iStum3,  fo  n>irb  man  jugeben  muffen,  bafe  §elmolb  ft# 
perfönlid)  für  biefe  etwaigen  2Infprüd)e  wenig  ober  gar  nidjt  tnter* 
effirte.  Söir  werben  ba^er  ju  ber  2lnna§me  bere$tigt  fein,  bafe  er 
bie  SJkrfönttdjfeit  3Karcod  einer  im  Sanbe  umtyerfdjletdjenben  ©age 
entnommen  §abe.  3n  biefer  Vermutung  fönnen  mir  nur  bewarft 
werben  burd)  bie  Satfadje,  ba&  ber  ©^ronift  jenen  Sifdjof  über* 
Ijaupt  im  ©anjen  nur  4  3)tal  ermähnt.  ©cftenS  c.  12  bei  ber 
©rünbung  be3  33i3tumS;  jweitenS  nodj  einmal  in  bemfelben  Äa* 
pitel,  entfpredjenb  einer  ©igentümlid&feit  feiner  ©arfiettung,  ber  ju« 
folge  er  gern  am  ©d&tuffe  einer  (Srjctylung  beren  wefentUdjen  3n* 
^alt  in  wenigen  Sorten  nodj  einmal  jufammenfa&t;  brittenS  bei 
ber  9teugrünbung  beS  2}i$tum£,  c.  69  unb  tuerteuä  c.  14  im  2ln* 
fd)tu&  an  eine  ©teile  2lbamS.8)  £ätte  il)m  wirfltct)  an  feinem 
2Rarco  etwas  gelegen,  fo  l)ätte  er  bodj  wofjl  öfter  SJeranlaffung 
gefunben,  it)n  jit  ermähnen.  3Jtit  ber  Serantwortlidjfeit  aber  für 
bie  ^ßerfon  be$  HJlarco  felbft;,  wirb  man  audj  bie  Heinere  ber  (Sin* 
fefcung  be3  Sifdjof«  burd)  ben  Äaifer  Otto  bem  ©fjroniften  ab* 
nehmen  bürfen. 

©8  ift  nkt)t  mögltd),  biefen  3lbfd)mtt  ju  fd&tiefcen,  o^ne  juoor 
no<$  auf  eine  ©teile  einjugefjen,  bie  ber  ©egenftanb  feljr  heftiger 
Singriffe  geworben  ift.  2Jtan  Ijat  behauptet,  £elmolb  l;abe  im  ßa* 
pitel  14  3lbam  als  ©emäfjrSmann  für  2Jtarco  erf feinen  laffen 
wollen.  Dbgleidj  nun  unfere  bisherigen  33eoba<$tungen  biefer  2ln* 
ftdjt  wiberfpred&en,  fo  fönnen  wir  un«  einer  näheren  Unterfudjung 
ber  ©teile  ntdjt  entjie^en,  ba  fie  für  §elmolb  anföeinenb  ju  gra* 
üirenb  ift.  Skrgleid&en  wir  alfo  ju  biefem  3mecf  einmal  bie  Söorte 
ber  beiben  ©efctyidjtSfd&reiber: 


Adam  II,  24. 
In  Aldinburg  ordinavit  archiepi- 
scopus  primo,  ut  diximus,  Eg  ward  um 
vel  Evargum,  deinde  Wcgonem,  po- 
stea  Eziconem,  quorum  tempore  Sclavi 
permanserunt  christiani.  Ita  etiam 
Hammaburg  in  pace  fuit.  Ecclesiae 
in    Sclavania    ubique    erectae    sunt; 


Helmold  I,  14. 
Quatuor  pontifices  ante  excidium 
Aldenburgensis  ecclesie  extitisse  com- 
perimus,  videlicet  Marconem,  Ecwar- 
duin,  Wagonem  et  Eziconem,  quorum 
tempore  Sclavi  in  fide  perstiterunt, 
ecclesie  in  Sclavania  ubique  erecte 
sunt,    monasteria    virorum    et   muH- 


8)  3öie  bemnadj  §irfeforn  aß  <3ttifce  für  bie  gegenteilige  SReimmg  bie 
häufigen  (Srtväljnungen  beS  Stöarco  an  pafjenber  unb  unj>a{fcnber 
©teile  anführen  fann,  ift  mir  nidjt  toerftänblicfy. 


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zedby  G00gk 


17 


monastcria  etiam  virorum  ac  mulie-  !  erura  Dco  servientium  constructa  sunt 
rum  Deo  servientium  constructa  sunt '  plurima.  Testis  est  magister 
plurima.  Testis  est  rex  D an o-  Adam,  qui  gesta  Hämmern - 
rum,    qui    bodieque    superest,    burgensis  ecclesic  pontificum 


Suein;  cum  recitaret  Sclnvaniam  in 
duodeviginti  pagos  dispertitam  esse, 
affirmavit  nobis,  absque  tribus  ad 
cbristianam  fidem  omnes  fuisse  con- 
versos. 


disertissimo  sermone  con- 
s  er  i p s i t ,  qui  cum  commemoret,  Scla- 
vaniam in  duodeviginti  pagos  disper- 
titam,  affirmat,  absque  tribus  omnes 
ad  Cristi  fidem  conversos. 


gg  ift  junäd&ft  ju  bead&ten,  bafe  £elmolb  ja  immerhin  ein  ge* 
mijfeS  9ted)t  tyatte,  fid^  auf  SlbamS  3wgni&  W  berufen,  infofern  er 
I)ier  feine  ^ad^ri^ten  in  ber  £at  aus  ifjm  entlehnte;  cbenfo  ift  e$ 
von  SBidjjtigfcit,  ba£j  ü)tn  bie  2lenberung  be£  3eugniffeS  boä)  nur 
geringen  ober  gar  feinen  ©eminn  braute;  am  legten  ßnbe  fonnte 
e$  U)tn  bod)  jiemlidj  gleidfjgiltig  fein,  ob  fein  33ifd(jof  3Jtarco  t)on 
Sttbarn  ober  oon  Äönig  Suein  verbürgt  würbe.  @3  liegt  fogar  pfp* 
d&ologif$  weit  näljer,  fidf)  bei  foldfjer  ©clegenf)eit  mit  bem  minber* 
wertigen  3cu9ni&  Ju  begnügen,  wenn  burdf)  möglidfjft  treuen  2ln* 
fd&lufe  an  bie  SBorte  ber  Quelle  ber  ©inbrudt  ber  gälfdfjung  wr* 
miebenf  unb  ber  gewünfdfjte  ftxocd  im  wefentlidfjen  bod)  erreicht 
werben  fann.  QnbeS  wollen  wir  biefe  beredt tigten  Einwürfe  un* 
beamtet  laffen  unb  nur  jufefjen,  ob  bie  anberwettigen  Säuberungen, 
bie  §etmolb  f)ier  an  2lbam£  Steyt  fiefc  erlaubt  l)at,  bie  annähme 
rechtfertigen,  ba&  ber  ßfjronift  jenes  3eugnifc  mtrfli<$  auf  SKarco 
bejogen  ju  fetjen  wüufd&te. 

S3ei  2lbam  ift:  Testis  est  ic.  ein  felbftftänbiger  6afc,  ber  jebod^ 
bem  3^fammen^ange  nad)  unjweifelljaft  auf  ba$  uorfjergetyenbe : 
Ecclesiae  in  Sclavania  2c.  getjt,  unb  ber  audf),  wenn  man  bie 
Sßorte  nid&t  preffen  will,  auf  bie  brei  Söifd^öfe  nid&t  me^r  bejogen 
werben  fann.  ipetmolb  oerbinbet  nunr  abweid&enb  üon  2lbam, 
Testis  est  ac.  mit  bem  goigenben  bur$  ein  eingefdfjobeneä  qui. 
SDaburdE)  entfielt  ein  Safc  be£  ^nljaltS:  S3ürge  ift  ber  3Jtagifier 
3lbam,  welker  behauptet,  ba&  15  ©aue  im  ©lawenlanbe  befe^rt 
worben  feien.  §elmolb  fyatte  bemnadf),  wie  mid&  bünft,  als  Qn^att 
beS  3eugniffeS  bie  Ausbreitung  beS  6f)riftentumS,  nid&t  aber  bie 
©fiflenj  SWarcoS  im  2luge.  eine  jweite  Aenberung  fd&eint  nodf) 
beutlidjer  ju  fpredfjen.  SKbam  jäf)lt  bie  53ifdj)öfc  in  einem  felbft* 
ftänbigen  ©afc  auf.  £ätte  §elmolb  bem  entfpred&enb  etwa  ge* 
fd&rieben:  Quatuor  pontifices  —  extiterunt,  videlicet  Marco  — 
quorum   tempore    —    monasteria    constructa    sunt   plurima. 


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itizedby  G00gk 


18 

Testis  est  -  fo  mar  c8  faft  unmögtidf)  bie  legten  2Borte  anberS 
als  auf  bie  quatuor  pontifices  ju  bejiefycn,  jumal  §elmolb  ben 
(Safe:  lta  etiara  Hammaburg  in  pace  fuit  übergebt,  ©tatt 
beffen  wenbet  §elmolb  inbircftc  Sftebe  an,  welche  er  von  einem  ein* 
gehobenen  comperinms  (nic^t  legimus!)  abfangen  läßt.  Sic 
golge  ift,  bafe  ber  unbefangene  Scfer  2lbam^  93ürgfdf)aft  nur  auf 
ben  Sftelattofafc  quorum  tempore,  nidf)t  aber  auf  bie  burd)  com- 
perimus  felbftftänbig  gemalte  2lufjäf)lung  ber  uier  23ifd)öfe  be* 
jte^en  fann.  SRitbin  Ijätte  Jgetmolb  gerabe  ba£  ©egenteil  oon  bem 
erreicht,  wag  er  nadfj  ©d&irrenS  unb  igirfefomS  2lnfi$t  beabftcfjtigte. 
SBarum  tat  er  überhaupt,  roaS  er  tun  wollte,  ntdjt  ganjunb  liefe 
ben  ©afc:  Quatuor  pontifices  extitisse  ftatt  Don  comperimus  bireft 
tum  testis  est  abfangen?  deines  Cfra$ten$muJ3te$elmotb,  wenn  er 
einmal  fälfdfjen  roollte,  bod)  fo  änbern,  bafe  ein  jeber  audfj  ba$ 
^crauölcfen  mußte,  maS  er  f)erau£lefen  follte.  liefern  ©rforbernife 
nriberfpred&cn  aber  gerabe,  wie  mir  gefefyen,  bie  2lenberungen,  bie 
£elmolb  an  SHbamS  £ejt  uorgenommen  fjat.  ÜDUttyin  wirb  man 
an  biefer  ©teile  ben  Sljroniften,  jumal  wenn  man  ftd)  ber  uoran* 
gef djieften  SBemerfungen  erinnert,  uon  bem  SSormurf  be£  ^Betruges 
freifpredfjen  muffen.  Qnbeffen  fann  biefe  93eroei£fül)rung  erft  bann 
uöHtg  befriebigen,  roenn  mir  im  ©tanbe  ftnb,  ba$  3JZotio  aufju* 
finben,  meines  Jpelmolb  ju  einer  fo  auffaßenben  2tbroeidf)ung  uon 
ben  SBortcn  beS  Ijamburgifdjen  ©efdj)idjt£fd)reiber$  bewogen  f)at.  Qu 
biefem  3roed  muffen  mir  eine  anbere  ©teile  ju  $ilfe  gießen.  Qn 
ganj  analoger  SBeife  erfefct  er  nämlidj)  c.  16  roieberum  ein  3^ugnife 
StbamS  burd)  ein  anbereS;  ftatt  ber  2Borte  (Adam  II,  41):  Narra- 
vit  nobis  diu  memorandus  rex  Danorum,  fdjrcibt  §elmolbnäm* 
lid):  Narrant  seniores  Sclavorum.  63  fällt  auf,  bafe  ber  6t>ronift 
beibe  9Me  bie  33ürgfdj)aft  Äönig  ©ueinS  befeitigt  Ijat.  S5icfe  XaU 
fad^e  brängt  faft  unmiberfte^lid^  ju  bem  ©dfjlufj,  bafe  ber  Seroeg* 
grunb,  ber  ben  @(jromften  l)ier  mie  bort  in  feiner  £anbtung$weife 
leitete,  fein  ingrimmiger  &aj3  gegen  ba£  banifdje  93olf  unb  feine 
Äönige  mar,  bem  er  audf>  anberroärtö  in  feinem  53ud&e  metyrfadf) 
ben  unummunbenften  2lu£brud  giebt.  $ä)  fixere  jum  Semeife  bie 
$auptftette  an  (II,  13):  Diu  ergo  siluit  rex  Danorum,  dissi- 
mulans  gentis  sue  ruinas.  Reges  enim  Danorum  segnes 
et  discineti  et  inter  continuas  epulas  semper  poti 
vix  aliquando  sentiunt  percussaras  plagarum.  Tandem  veluti 
sompno   excitus  rex  Dacie 6$  ifl  faum  möglich  Ijörtere 


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zedby  G00gk 


unb  Ijöbnifdjere  SBorte  ju  rollen,  jumat  einem  SWanne  gegenübet, 
rote  SBalbemar  ber  ©ro&e  war. 

SBir  fommen  nun  ju  bem  für  JpelmolbS  ©tjarafter  weit* 
au«  bebenflid&ften  Seil  beS  ganjen  2lbf d^nitte^  r  ju  ben  Äapiteln, 
bie  übet  bie  (Sinfünfte  beS  SBtetumS  Sllbenburg  unter  feinen  erften 
SSifc^öfen  fymbeln. 

S£  wäre  eine  feljt  menfälid&e  ©dfjroädfje  geroefen,  wenn  £et* 
molb  ängeft$tö  bet  roaf)rt)aft  oerjroeifelten  Sage,  in  bet  fidf)  bie 
junge  Äird&e,  wie  mir  oben  gefeljen ,  unter  SJicetin  unb  ©erolb  be* 
funben,  ju  einer  3eüf  in  ber  fid)  bie  ftnanjietten  SDUttel  beS  3H0* 
tumä  nur  eben  fjod)  genug  beliefen,  um  eine  notbürftige,  feines* 
roegS  glänjenbe  ©riftenj  ju  geftatten,  fid^  ju  einem  frommen  93e* 
trüge  fjätte  tjinreifeen  laffen,  inbem  er  ben  früheren  unb  früljeften 
aSorgängern  feiner  Sifdjöfe  geroiffe  fingirte  reiche  ©infünfte  unb 
Sefifcungen  jugefd&riebcn  l)ätte,  auf  ©runb  beren  fid^  in  ber  ©egen* 
wart  coentuett  realifirbare  gorberungen  unb  Knjprüd&e  ergeben 
liefen.  3n  ber  Xat  ift  benn  auä)  biefer  SJorrourf  für  bie  Äapitet 
12—14  unb  18  in  einem  ber  fjeftigften,  aber  au<$,  wie  mir  fetyen 
werben,  am  meiften  berechtigten  Angriffe  von  ©girren  gegen  Jgel* 
molb  erhoben  roorben.  @S  ift  ba^er  bringenb  notmenbig,  ju  einer 
Unterfud&ung  ber  bort  nriebergegebenen  (Srjäljlungen  ju  fd&reiten, 
um  bie  Berechtigung  biefer  Behauptung  ju  prüfen.  3)enn  fo  er* 
flärUdf)  unb  menfdjli$}  üerjetylidf)  eine  foldf)e  $anblung$roeife  audf) 
wäre,  fo  mü&te  fie  bod)  unfer  Vertrauen  auf  bie  3uoertäffigfeit  beS 
ßljroniften  aufs  aßertieffte  erfdjüttern. 

3unäd(jft  motten  mir  uns  mit  ber  in  c.  13  unb  14  erjagten 
„gäbet  von  Billug  unb  Jgobica"  befestigen. 

(£3  fann  meiner  SJteinung  nad)  faum  beftritten  werben,  bafe 
roir  in  ber  £at  Ijier  ein  galfificat  oor  un$  Ijaben.  2Benigften$  ift 
e«  fefyr  auffaDenb,  baft  ber  ftinS,  ben  nad)  £elmolb  c.  12  unb 
c.  14  Otto  eingertd&tet,  fo  au&erorbenttidj  bem  gleist,  ber  oon 
<Qt\nx'\ä)  bem  fiömen  ben  ©tarnen  auferlegt  roorben  ift  (ogl.  Urf. 
65  unb  113  unb  Urf.  90  be£  3Redfl.  Urf.  BudfjeS  unb  §elmolb 
c.  87),  ma^renb  bodE)  feinS  ber  brei  genannten  Diplome  fidj  auf 
eine  Urfunbe  DttoS  be«  ©rofcen  ju  berufen  vermag.  S)er  ©tif* 
tungSbrief  beS  BtStumS  SUbenburg,  ber  für.  bie  Kontrolle  biefer 
@rjat)tung  entfd&eibcnb  märe,  ift  un&  leiber  nid&t  erhalten,  mag 
and)  fd&on  jur  3eü  btt  9teugrünbung  nid&t  metyr  ejifiirt  ^aben. 
3nbe3  wirb  ber  ©d&tuf3  geftattet  fein,  bafe  er  mefenttid^  auf  ben* 

2* 


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zedby  G00gk 


20 

felben  ?Principicn  beruht  fjabe,  weldje  für  bic  bei  ber  ©rünbung 
von  £aoelbcrg  unb  Sranbenburg  ausgefertigten  Socumente  maß- 
gebenb  gemefen.    grcilid}   waren  feit  jener  3*it  20  ^afjre  in'S 
Sanb  gegangen,  aber  biefe  Schöpfungen  Ratten  fid)  ja  bewährt,  eS 
lag  alfo  für  Otto  eigentlid)  fein  ©runb  t>or,  2l(benburg  in  anberer 
SBeife  ju  botiren.    ®a  muß  cS  benn  aÜerbingS  unfer  lebhaftes 
SDiißtrauen  ermeden,  baß  beibe  Stiftungsbriefe  von  einem  ffienben* 
jinfe  nidjtS  bringen.    2üol)l  t»erlcit)t  Dtto  an  £aoelberg  deeimam 
tributi,  que  solvitur  nobis  de  Radewer;   dechnam  etiam  tri- 
buti,  que  nobis  debetur  de  inferiori  marchia  (Sranbenburg  er* 
f)ält  nidjtS  ©ntfprcdjenbeS),  wol)l  befommen  beibe:  deeimationes 
provinciarum  —  unb  in  großer  güDe  Sanboerleüjungen,  aber  oon 
einem  berartigen  3infer  rote  fyn  £elmolb  für  baS  alte  2llbenburg 
angiebt,  gefdjwcige  benn  von  bemfelben,  ift  nid)tS  ju  lefen.    ®icfe 
£atfad)e  mad)t  £elmolbS  grjäljlung  bringenb  nerbädjtig.    Unb  fie 
trägt  audj  im  übrigen  ntdjt  ben  ßfjarafter  ber  2Bal)rfd)cinÜd)feit 
an  fid).    $)er  Sormanb,  ben  ganjen  DbotritenjinS  feiner  Softer, 
ber  9iid)te  beS  23ifd?ofS,  fdjenfen  ju  wollen,  hinter  welkem  SMÜug 
feine  eigentlichen  3roede  nerbirgt,  ift  bod)  ju  feltfamer  2lrt,  als  baß 
er  ni^t  ben  Sifdjof  fofort  tyätte  ftufctg  madjen  muffen.    Slber  aud) 
bei  ber  cljrlidjften  Ueberjcugung  von  ber  SHeblid)feit  beS  gürften, 
märe  eS  meljr  als  unftug  uon  SBago  gemefen,  wenn  er  felbft  unter 
günftigen  Sebingungeu  feine   gefammten    Einnahmen   an  baarem 
©elbe  gegen  unfid)ere  unb  fernliegenbe  Seftfcungen  Ijätte  aus  ber 
£anb  geben  wollen.    Söeit  bebender  nod)   finb  anbere  2)inge. 
60  j.  S.  muß  ber  eigentümliche  £on  frappiren,  mit  bem  einmal 
bie  eingelaufenen  ©efifcungen,  als  ville  amplissime  possessionis 
bejeidjnct  unb  jum  jweiten  neben  biefen  baS  SBorljaubenfein  nod) 
anberer  ©üter  f  onftatirt  nrirb,  que  ad  jus  pontificale  imperatoria 
jam  dudum  concessione  pervenerunt.   2Benn  ferner  bie  Äolo- 
niften   auf  ben  neu  erworbenen  Dörfern  ju  2lnfang  nur  beraubt 
unb  erft  nad;   beS  StfdjofS  ©efud?   teils  wrjagt,   teils  erfdjlagen 
werben,  fo  läßt  fid)  ber  $erbad)t  bod)  gar  nidjt  abweifen,  als  Ijabe 
SSago  nur  bie  ©elegenljeit  Ijaben  foKen,  burd)  bie  cingeljenbfte  unb 
grünblidjfte  Uuterfudjung  bie   Scfyulb  beS   gürften  unwiberleglidj 
feftjuftellen.    Jlidjt  weniger  uerbädjtig  ift  es  enblidj,  baß  ber  gürft 
mit  eigenem  ÜJlunbe  bie  einftigen  Slnfprüdje  auf  ben  tuclbefprodjenen 
3inS  anerfennen  unb  vox  allen  Singen,  baß  er  felbft  Ujn  auf  baS 
genauefie  unb  forgfältigfle  präeifiren  muß.    Unb  alle  biefe  3Jttfc 


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zedby  G00gk 


21  . 

trauen  erroedfenben  SWotitente  werben  fd^Iiefelid^  in  U)rer  Sebeutung 
roatyrtidf)  baburdf)  nid)t  abgeföroädjt,  bnß  bie  ©efdjid&te  in  eine  3eit 
oerlegt  wirb,  in  ber  naä)  Slbam  im  ©taroentanbe  SRu^e  ^errfd^te 
(Adam  II,  24). 

©S  fragt  fid&  nun,  wer  biefe  gälfd&ung  begangen  Ijat.  Sßäre, 
roie  ©girren  annimmt,  £elmolb  felbft  ber  Jäter  geroefen,  fo  f)ätte 
er  fidf)'  fdjjmerUd)  in  ben  SBiberfprud)  oernridfelt,  au  biefer  ©teile 
(c  14)  ju  fdfjreiben:  Fuit  hec  causa  inimicitiaruin  pre- 
cipua  occasio,  unb  bann  (c.  15)  nad)  2Ibam  II,  24  ju  berieten: 
Principes  Sclavoruin  —  fuerunt  eo  tempore  Missizla,  Naccon 
et  Sederich,  sub  quibus  pax  continua  fuit,  obwohl  er 
ben  3Riffiila  feiner  ©efdfjid&te,  einen  erbitterten  geinb  beS  ©Triften* 
tumS,  mit  bem  äbamS  gteid)  barauf  ibentificirt,  unb  mieber  c.  16, 
ebenfalls  im  ©egenfafe  ju  ben  au«  Äapitet  14  citirten  SBorten, 
nidfjt  ben  SBittug  ober  feinen  6ol)n,  fonbern  nad)  3lbam  (II,  40) 
aWiflimoi  unb  aWijjibrag  als  bie  p&rer  beS  grofeen  ©laroenauf* 
ftanbeS  ju  bejeidjnen.  §clmolb  fjätte  aud)  roo^l,  roenn  er  ber  @r* 
pnber  geroefen  wäre,  feine  (Srjäljlung  in  eine  metjr  ju  2lbamS  23e* 
rieten  paffenbe  3eüf  °^°  *urä  *w  ben  im  c.  16  gefdfjitberten 
grofeen  9luffianb  uertegt  unb  fid&  bemnad)  etwa  @jico  ftatt  SBagoS 
$um  gelben  ausgemalt.  @r  f)ätte  audE)  fidler  ben  ©$lufe  feiner 
©etdjndjte,  ioenn  fie  fein  eigenes  9Kad)roerf  märe,  nidfjt  uergeffen. 
S)cß  ift  i&m  aber  in  ber  SCat  jugeftofeen;  ja  man  fieljt  fogar  ganj 
beutlidf),  wie  iljm  bieS  jur  ©rfenntnife  gefommen  ift.  @r  entlehnt 
nad)  Seenbigung  feiner  gäbet  bie  oben  (©.  17  unb  18)  ausfuhr* 
lid>  befprod&ene  ©teile  aus  2lbam  II,  24  unb  fdjreibt  fie  ab  bis 
ju  ben  SBorten:  absque  tribus  omnes  ad  Cristi  fidem  con- 
versos,  will  nun  weiter  fortfahren,  mie  3lbam:  adiciens  etiam: 
Principes  ejus  temporis,  Missizla  —  fjier  ftoeft  er  aber,  betroffen 
oon  ber  ©leidf)l)eit  beS  Samens,  fdfjlägt  bie  Quelle  jener  @rjäf)lung 
nodf)  einmal  naä),  um  jujufe^en,  ob  Seibe  ibentifdj)  finb  unb  be* 
merft  bei  biefer  ©elegenfjeit,  bafe  er  ben  ©d^lufe  oergeffen.  ßugleid^ 
ftöjjt  er  bort  auf  ben  tarnen  SolijlauS,  erinnert  ftd),  audj) 
biefen  im  Slbam  gelegen  ju  Ijaben,  ftnbet  ifjn  audf)  im  ©d&olion  25, 
überjeugt  ftdf)  aber,  bafe  biefe  beiben  gürften  oerfd&iebene  SJlänner 
finb  unb  uerroenbet  nun  bie  9?adf)rid)ten  3lbamS  über  SoUjlauS 
unb  SKiffijla  für  feine  DarfteHung  unb  fügt  bann  ben  ©d&tufe  ber 
gabel  an.  ©nbüdj)  ift  ju  beachten,  bafe  £elmolb,  abroeidfjenb 
pon  SbamS  SBego,  fidf)  confequent  ber  9famenSform  SBago  be* 


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22 

bient,    unb    baß    er    im  Verlaufe    ber  ßrjätylung  jroetmat  bic 
SBenbung: 
c.  14:  Sicque  (possessiones  illas)  desolatio —consecuta  est 
c  15:  Sicque  (monasterium  illud)  desolatio  consecuta  est 
gebraust.    23eibe  6igentümUd)fcüen  laffen  fid)  faum  anberä  t)in* 
reidfjenb  erflären,  al£  burd)  ©nttefjnung  au$  einer  neben  2lbam  be* 
nufcten,  fdjriftlid)  japirten  Quelle. 

&aben  wir  e£  nun  I)ier  tueHeidfjt  mit  einem  feiner  3ei*  Su 
©unften  iljreS  23i$tum$  oon  ber  albenburgifdfjen  ©eiftlidjfeit  oer* 
fertigten  galfificat  ju  tun?  3lud&  bann  märe  unfer  Sljronifi  feinet 
megä  von  ©djulb  fretjufpred&en,  ba  itjm  in  biefem  fJaUe  bie  $at> 
fa$e  ber  gätfdjung  faum  tjätte  verborgen  bleiben  fönnen. 

9hm  mirb  man  jugeben  muffen,  bafe  am  erften  nod)  in  28a= 
grien  Slnfprfidfje  ber  lübifd&en  Sirdfje  2Iu£ftd()t  auf  Erfüllung  Ijaben 
fonnten,  ba  man  fciet  md()t  in  ©efa^r  fam,  mit  einem  anbern 
SJtötum  ju  fonfurriren;  bemgemäfe  Ijätte  ein  roagrifd&er  ftürft 
ber  £elb  ber  ©efd&idfjte  fein  muffen,  ftatt  beffen  ift  e£  ein  regulus 
Obotritorum;  entfpredfjenber  SBeife  liegen  audt)  bie  in  grage 
fommenben  ©üter  in  obotritifdtjem  ©ebiet:  aliquandiu  etiam 
apud  Obotritos  commoratus  predia colonis  exercenda  distri- 
buit.  §obica  wirb  ferner  in  ein  sJtonnenftofter  ju  3Kifilinburg 
gebraut,  unb  £elmolb  weift  gar  nod&  3U  erjagten,  bafe  btcö  ju  ber 
Äird&e  be£  Slpoftelfürften  ^etruS  in  berfelbcn  ©tabt  gehört  l)abe: 
Michelinburgensis  vero  ecclesia  fiiit  construeta  in  honore 
prineipis  apostolorum  Petri,  continens  monasterium  virginum. 
Unb  bied  Älofter  uerfdfjroinbet  jur  rechten  3^it,  um  läftige  fragen 
eines  unberufenen  Neugierigen  abjufdjneiben.  SMiffijla  giebt  2leb* 
tifftn  unb  Tonnen  ben  ©enoffen  feiner  Untaten  ju  grauen  ober 
fdfjidt  fie  ju  ben  Stauen  unb  äBUjen:  Sicque  monasterium  illud 
desolatio  consecuta  est.  Qbentiftcirt  man  enblidb,  rooju  mir  bodf) 
moljl  ba£  9ierf)t  fyaben,  bie  in  c.  18  namentlich  aufgeführten  2anb= 
guter  mit  ben  ville  amplissime  possessionis  (c.  14),  fo  ergiebt 
fidfj,  bafe  alle  brei  im  mecflenburgif  djen  Sprengel  liegen; 
benn  felbft  $)crUljfcme  t)atte  früber  einen  Seil  biefeS  Siätum*  ge^ 
bilbet;  erft  1167  (ogl.  2ft.  U.  33.  88.)  mürbe  befanutli^  ba$  Sanb 
93rejen,  in  meinem  SDafforo  gelegen  mar,  im  2lu3taufd[)  gegen  ba3 
Sanb  Sdfjroerin  an  Siafceburg  gegeben.  Unb  obenein  gehören  Wlo^ 
rije  unb  6usin  roirflid)  fpätcr  jum  Saubbefifee  be£  medlenburgifdjen 
23tetum£;  benn  fie  pnben  ft$  rooljt  roieber  in  SRecM.  U.  23.  100: 


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23 

His  in  eadem  dote  adjunximus  villam  in  Muriz  et  aliam 
in  Warnowe.9)  greilid)  befa&en  and)  bie  lübedfer  ©omtyerren 
jroei  villae  in  $)ar|$oroe  (ogl.  3R.  U.  SB.  78,  81,  82).  3nbe« 
bicfcr  eine  Umflanb  roirb  uns  nid&t  abgalten  bürfen,  ben  ft$  un* 
ipibcrfte^tid^  aufbrängenben  ©dfolufe  ju  }ieljen,  bafe  biefe  ©efdjidjte 
nid&t  von  ber  umgriffen,  fonbem  t>on  ber  mecflenburgifd>en 
©eiftlid&feit  erfunben  roorben  ift.  Unb  biefer  Verbad&t  oerringert 
fid&  nid&t,  wenn  man  fid>  erinnert,  baf$  baS  23i£tum  ©d&roerin  auf 
baS  in  alten  3eiten  unjwctfelfjaft  jum  {jaoel berger  Sprengel  ge* 
porige  Sanb  SKorije  (t>gl.  9K.  U.  33.  u  unb  52)  für  baS  ©ebiet 
feiner  ^arrodjie  2tnfprüdbe  crljob,  ein  Streit,  ber  erft  1252  im 
ganjen  ju  ©unften  Sd&roerinS  beigelegt  mürbe  (ugt.  Sigger: 
$erno  t).  ©dforo.  ©.  194).  üKan  traf  eben  jroei  fliegen  m^  einem 
©d&lage;  benn  man  er&ob  gorberungen  auf  ben  SöenbenjinS  unb 
fteflte  jugleidf)  feft,  baß  jenes  fianb  föon  in  grauer  Vergangenheit 
in  bie  ©prengelgrenje  SWedtlenburgS  gehört  §abe. 

3ft  unfere  Vermutung  aber  ridfjtig,  fo  ift  £elmotb  and)  Ijier 
von  bem  Verbaut  ber  gälfdfoung  freigefprotijen;  benn  ber  SBort* 
fü&rer  medflenburgifdfoer  ©egetjrlidfofcit  ju  fein,  baju  ^atte  er 
feine  Veranlaffung. 

s$lan  roirb  nun  nid&t  annehmen  bürfen,  ba§  alles,  roaS  fid(> 
in  c.  13  unb  u  cor  trägt,  erbietet  ift.  SDietneS  ©radjtenS  beruht 
bie  6r§ä^lung,  ba&  ber  Obotritenfürft  SiHug  fidfj  mit  ber  ©d&roefier 
eine«  SifdfjofS  oermctylt,  biefe  aber  fpäter  auf  9lntrieb  feinet  ©o^neS 
ajliffijla  oerftofeen  unb  feine  $odf)ter  £obica,  bie  er  immerhin  bem 
Älofter  entriffen  Ijaben  mag,  cuidani  Bolizlao  jur  grau  gegeben 
tjabe,  auf  einer  alten  ©age.  3)afür  fprtd&t  ber  üerbädjtig  an 
^JiHung  anflingenbe  9tame,  nrie  fdjon  Söigger  bemerft  t)at.  £ätte 
man  and)  biefe  ©efd&ictyte  erfunben,  fo  t)ätte  man  fidler  einen  un* 
perfänglid&en  flaimfd&en  Flamen  gewählt.  3fn  biefe  oorfjanbene  6r^ 
jäljlung  Ijat  bann  bie  medt(enburgifd)e  ©eiftltd&feit  uerftanben,  tyre 
SBünfd&e  in  ^Betreff  beS  2Benbenjinfe$  unb  ber  iJanbbotationen  ge* 
fd&idtt  einjuweben. 

ßä  ift  nid)t  ganj  Aar,  ob  berfelben  Duelle  aud&  £elmolb$  18. 
Äapitel  angehört.  (SA  ift  freilid^  unjroeifelfjaft,  bafc  &elmolb  aud& 
^ier  eine  föriftlid&e  üueUe  benufct  tyaben  mufe,  bie  jubem  auf  teil* 

•)   Sujin    ift  roafyrjdjeinli<$    Duefcin    im    Sanbe    Söarnotoe    (üßl. 
Sötößet:  9Recfl.  9lnnalen.    edjto>etin  1860.) 


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roeife  gute  ÜRadfjrtdfjten  funbirt  geroefen  ifl  6onft  Ijätte  er  nidf)t 
roiffen  fönnen,  bafe  gerabe  ju  SB  erben  §einrid)  II.  3ufammen* 
fünfte  gehalten  t>abe;  t>or  allem  aber  fönnte  er  nid^t  über  ben 
Slufentljalt  33ennoS  bei  23ernroarb  t)on  igilbeSljeun  unb  über  bie 
näheren  Umftänbe  feines  SobeS  fo  genau  unb  juoerläfftg  unter* 
rietet  fein.  Unb  ebenfo  wirb  man  audjj  fjier  eine  gätjd^ung  an* 
nehmen  muffen,  fcafür  fpridjt  nor  allem,  bafc  jroeimal  bie  SBenben* 
fürßen,  wie  früher  audi),  mit  eigenem  SRunbe  bie  Siebte  beS 
SMfdjjofS  betätigen  muffen. 

Unb  audfj  aus  bemfelben  Stanbpunfte  ift  c.  18  getrieben, 
wie  bie  oorljer  befprodfjenen  Äapitel.  SJor  allem  fommt  ijier  in 
SJetradfjt,  unb  jroar  in  erstem  SRafee,  roaS  oben  über  bie  brei 
predia:  Derithsewe,  Morize  unb  Cuzin  gefagt  roorben  ift.  Slbet 
audf)  aufeerbem  bleibt  nod)  genug  beS  $erbad)t  ©rregenben.  @S  ifl 
bodf)  feljr  auffällig,  bafc  ju  bem  Sage  oon  SBerben  omnes  prin- 
cipes  Winulorum  fommen  muffen,  Scheint  eS  nid&t,  als  fjätte 
man  fd&on  bie  ^ommernfjerjöge  Äajemar  unb  33ugeSlan>  im  2luge 
gehabt  (ogl.  3tt.  U.  23.  91)?  Unb  nid&t  minber  merfnmrbig  ift  eS, 
ba&  ipelmolb  gerabe  in  biefem  Äapitel,  von  feiner  geroöljnlid&en 
SBetfe  abroeid&enb,  bei  ber  Slufjä^lung  ber  ©lamenoölfer  bie  Dbo* 
triten  unb  JHjiner  üorauf  unb  bie  Sßagrier  an  bie  legte  Stelle 
fefet.  ©elbft  bie  ^olaben  geljen  tynen  poran,  für  bie  allerbingS, 
wie  baS  Sanb  SJrejen  beroeift,  bie  SKedflenburger  met)r  Qntereffe 
l)aben  mufcten,  als  für  bie  ©tarnen  eines  anbern  ©iStumS.  $l\ä)t 
einmal  bie  geograpfjifdje  Sage  wirb  man  jur  ©rflärung  anführen 
fönnen;  benn  bann  Ijätte  eS  Reißen  muffen:  Kicini  Obotriti  :c, 
flatt  umgefeljrt.  ©nblic!)  ift  ju  beachten,  bafc  ber  3wS,  ben  &erjog 
SBem^arb  für  ben  23ifd>of  bürdet,  per  omnem  Obotritorum 
terram  gejault  roorben  ift.  $)ie  anbern  SJölferfdjaften  werben 
nidf)t  ermähnt,  als  märe  bem  Serfaffer  nidfjtS  an  iljnen,  nur  an 
ben  Dbotriten  gelegen  geroefen. 

SBirb  man  alfo  nidfjt  jmeifel^aft  fein  fönnen,  baft  bie  ©runb^ 
tage  für  £elmolb  c.  18  ebenfalls  in  mecflcnburgifd&en  Äreifen  ent* 
ftanben  ift,  fo  fragt  es  fi$  bodf),  ob  §elmotb  erft  beibe  gabrifate 
ftinfilid^  in  einanber  gefd&roeifet,  ober  ob  fic  in  urfprünglid&em,  beab* 
fid&tigtem  ßufammenjjange  geftanben  fjaben.  ®egen  bie  lefctere  Sta* 
ftd&t  laffen  ftd&  uerfd&iebene  ©rünbe  geltenb  machen.  35ie  dürften 
ber  SBinuter  werben  fyier  jur  Verantwortung  gejogen,  quare  pon- 
tifici  legitimam  subtraherent  annonam,  bie  iljnen  (in  ber  5J$erfon 


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25 

SiQugS)  bo$  im  c.  u  red)tmäfng  abgetreten  mar.  grcilidf)  farnt 
man  einwerfen,  bafe  nad)  bem  SSerlufte  ber  als  ©ntfdfjäbigung  per* 
Helenen  ©ütet  bie  änfprüdfje  be3  SifdfjofS  auf  bie  annona  felbft* 
rebenb  nrieberauf  lebten.  2lber  uor  bem  Äaifer  erfennen  bie  ©tarnen* 
fürften  beibeä  an;  fie  geben  ju,  bafc  bie  memoratae  urbes  cum 
suburbiis  eorum  ber  Äirdje  unb  bem  SifdEjof  gehören  unb  oer* 
fpred&en  trofcbem:  omnem  censum,  quem  pro  deeima  Magnus 
Otto  ecclesiasticis  stipendiis  deputaverat,  ju  jagten,  ^nbeffen 
fönnte  man  ftdf)  aud)  l)ter  Reifen,  burd&  bie  §t>potljcfe,  baf$  ber  SCon 
auf  memoratae  liegt.  9Ran  fjätte  ftdf)  unter  biefen  bie  oon  Otto 
verliehenen  ©üter  ju  benfen,  bie  ja  aud)  SBittug  ermähnt:  adicio 
possessioni  tue  iu  singulis  urbibus,  que  sunt  in  terra  Obotri- 
torum,  villas  quas  ipse  elegeris,  exceptis  his,  que  ad  jus  pon- 
tificale  imperatoria  jam  dudum  coucessione  pervenerunt; 
bientdjt  ermähnten  ©üter  aber  mären  bann  biejenigen,  roeld&e  etnft 
t)on  ©iüug  tem  SMfdjjofe  abgetreten  roorben  waren.  35arauff)in 
lonnte  aUerbtngS  Senno  benßin^  unb  bie  memoratae  urbes  be* 
getreu.  SSett  me^r  mufe  unä  ber  angeblidE)  t)on  §erjog  Sernfjarb 
eingeführte  3^8  bebenflid)  madfjen:  de  quolibet  domo  paupere 
vel  divite  duo  nummi.  6$  ift  bod)  nid&t  recfyt  ju  begreifen,  mie 
bie  §älfdf)er  ben  öifcfyof  mit  einem  geringeren  $ix\\t  ft$  begnügen 
laffen  fönnen,  wenn  i^nen  an  bem  Ottos  I.  roirflidE)  etwas  lag. 
S)enn  roenn  93enno  au<i)  fpäter  an  ben  Äaifer  appeflirte  unb  fogar 
9tedfjt  befam,  fo  mar  bod&  für  einen  fargen  §erjog,  fobalb  man  auf 
©runb  beffen  2lnfprüd^e  erfjob,  ber  ©inrourf  naljeliegenb,  bafe  man 
ja  fdfjon  einmal  mit  einem  geringeren  3i"fe  fjabe  auSfommen 
muffen.  9lber  audf)  Ijier  läjjt  fidfj  tneUeidfjt  eine  genügenbe  (Srftä* 
rung  finben.  SSaljrfdjetntid!)  fam  e$  ben  3Becflenburgern  überhaupt 
nur  barauf  an,  möglidjft  oiele  auf  guten  Sfted&tStiteln  rufjenbe  SSop 
fdbläge  machen  ju  fönnen.  SBoDte  ipeinrid)  ber  Söroc  ben  3w$ 
Otto«  be£  ©rofeen  nidfjt  bewilligen,  fo  fdtfug  man  itym  ftatt  beffen 
ben  &erjog  SernfjarbS  üor,  jumal  biefer,  mie  ©d&trren  oermutet, 
roenn  überhaupt,  roatyrfdfjetnlid)  menig  ertragärmer  geroefen  märe; 
ging  er  auef)  barauf  nidfjt  ein,  fo  oertangte  man  roemgftenS  be* 
beutenbe  Sanbbotationen.  3Rag  man  aber  bie  2lnftoj$  erregenben 
SBiberfprüdje  jnrifd&en  c.  13,  14  unb  18  burdl)  bie  33egeljrltdE)feit 
ber  SDledflenburger  3U  erllären  fid)  bemühen,  ober  bur<$  ba<3  Se* 
ftreben  §elmolb$,  beibe  ^artieen  in  ©inflang  ju  bringen,  fo  nrirb 


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26 

man  bodj  #elmolb  bic  ©djulb  aud)  für  biefe  gälfdjung  feine«fall« 
auftreiben  bürfen. 

(§«  ift  bisher  gelungen,  für  c.  13,  14  unb  18  bie  Senuftung 
einer,  bcj.  jweier  fd^rifttid>cr  Cucllen  neben  SIbam  waljrfdjemlid)  5U 
ma^en;  eine  weitere  läfet  fidb  für  £elmolb  c.  16  nadjwcifen. 

3unäd)ft  fei  furj  bemerft,  bafe  £elmotb,  wie  f$on  §irfeforn 
gefeljen,  Dcrfü^rt  burd)  bie  9Borte:  Bernardus  enim  dux  — primo 
quideni  —  genteni  Wimilorum  —  adnecessitatempaganismicoegit 
(äbarn  II,  46)  bie  in  2lbam  II,  40  erjagten  ©reigniffe,  mit  benen 
au&  II,  46  oerbinbet.  5)em}ufotge  perwenbet  er  9lbam«  SBorte 
II,  46  jur  (Einleitung  für  bie  Sd)ilbcrung  be«  großen  ©lawenauf* 
ftanbe«,  ftetlt  aber  jum  3roecf  eine«  bequemen  Uebcrgang«  2lbam« 
Säfte  fo  um,  bafe  bie  Seljauptung,  bajj  23ernf)arb  ben  2lbfaH  ber 
SBenben  uerfdjulbct  fiätte,  an  ba«  (Snbc  gelangt  gerner  nimmt 
er  einige  ©djolien  ju  3lbam,  bic  er  irrtümlid)  auf  Scrnljarb  II 
ftatt  auf  beffen  itater  bejteljt  -  ein  3Jtt&oerftäabniJ3,  ba«  2lbam« 
SBorte10)  fel)r  erflärlid)  machen  —  ju^ilfe  unb  enbigt  ba«  Äapitel 
im  wefentlic&en  au«  2lbam«  fortlaufenber  ©rsä^lung  in  c.  40—43. 
3n  2lnf$tuf3  an  }iote  30  aber  fügt  er  ein  ©tücf  ein,  bafe  man 
leicht  geneigt  ift,  für  eine  eigene  äu«fd)müdung  be«  SJor^ergc^en- 
ben  }u  galten,  g«  ift  für  biefen  $md  von  Qntereffe  ju  wiffen, 
welche«  eigentlich  ber  äßortlaut  biefe«  ©djolion«  gewefen  ift. ,  6« 
Ijanbelt  fid)  um  bie  trielbcfprod)enen  Sföorte:  Theodericus  marchio 
intcreepit  consilium,  consanguineam  ducis  non  dandam  esse 
cani.  So  nämlid)  treibt  £elmolb  unb  cod.  4  (Havniensis)  be« 
2lbam  cod.  2  (Gudiamis)  Ijat  abwcidjenD  bauon  non  dandain 
esse  eam.  3öol;l  Ijicrburd)  ucranla&t,  I;at  igirfcforu  bie  im  erften 
Stagenblid  aufccrorbcntlid)  einleudjtenbe  £tjpott)efe  aufgeteilt,  bafe 
ber  ©djoliaft,  ahucid)cnb  oon  ber  ©ewoljnfyeit  be«  n.  3at>rl)unbert«, 
fiatt  ea  eam  gefd&rieben,  unb  «gclmolb,  oiellei^t  fd&ou  bie  uon  x\)m 
benuftte  2lbam  >£aubfdjrift,  barau«  cani  oerlcfen  Ratten.  $c  jünger 
nun  biefer  Irrtum  wäre,  mit  um  fo  größerer  9Ba^rfd)einli4feit 
müfetc  man  bie  alleinige  Verantwortung  für  bic  folgenden  3c^cn 
&elmolb  jufdjreiben.  6«  ift  alfo  mistig,  ju  wifjcn,  wie  urfprüng* 
lid)  ju  lefen  ftanb.  golgt  man  Jpivfeforn,  fo  bat  ber  nun  t>or* 
liegenbe  Saft  eine  boppcltc  ©gentümlidjfcit ;  er  \)at  jwei  ©ubjefte, 

»♦»)  $ic  Nebelten  folgen  auf  bic  Sporte:  sub  duce  Bernardo,  filio  Ben- 
lioniö,  qui  .  .  . 


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27 

bafür  feljlt  il>m  ober  baS  nadfj  Sinn  unb  Äonfiruftton  unentbefjr« 
lid^e  entferntere  Dbjeft.  gür  beibe  Satfadjen  täfct  fid&  feine  ge* 
nügenbe  6ntfdE)utbtgung  finben.  äufeerbem  verlangt  baS  an  pat^e* 
tij^er  ©teile  fteljenbe,  bodfjtönenbe  consanguineam  ducis  am  ftgni* 
ficanten  Orte  einen  oerädfjtlicljen  ©egenfafe,  ber  ebenfalls  feljlt, 
wenn  man  JpirfefornS  Äonjeftur  annimmt.  35iefe  ©ebroierigfeiten 
fallen  fort,  roenn  man  fidf)  ju  ber  anbern  SeSart  entfdfjliefcen  fann. 
3)anad&  märe  aber  umgetebrt  eam  au3  cani  Detlefen,  unb  ber  oon 
ipelmolb  benufcte  Äobep,  ber  biefem  Qrrtum  nidfjt  folgte,  bätte  roabr* 
febeintidjer  SBeife  fcfyon  ein  jtemlid)e$  2llter  gehabt.  $)emnadf)  fönnen 
bie  2Iu$fd)müdfungen,  bie  fxä)  an  eine  foldje  pifante  Slnefbote  fetyr 
balb  fnüpfen  mußten,  reebt  rooljl  fd&on  von  einem  anbern  tjcrrtiljren, 
als  oon  £elmolb.  Unb  für  bie  Slnnaljme  einer  befonberen  Quelle 
neben  Slbam  fpridf)t  in  ber  Zat  and)  fonft  mandfjea.  2>ie91ad)rid()t: 
Sane  eo  tempore  Sclavorum  dominio  potiti  sunt  Theodoricus 
niarchio  et  dux  Bernardus,  illo  quidem  orientalem,  isto 
occidentalem  possidente  proviiiciam  läßt  ftd)  faum  au£ 
münblidjer  Jrabition  erflären,  unb  bodf)  ftammt  fie  nid)t  au£  2lbam. 
gerner  fann  unmöglich  jemanb  aus  ben  @d)olien  30—32  ju  SlDam 
jmei  SJtarfgrafen  %f)toboxxd)  ^erauölefen. 

30.  Theodericus  marchio  intereepit  consilium,  consan- 
guineam ducis  proclamans  non  dandam  esse  cani. 

31.  Theodericus  erat  marchio  Sclavorum,  cujus  ignavia 
coegit  eos  fieri  desertores. 

32.  Theodoricus  marchio,  depulsus  ab  honore  et  ab  omni 
hereditate  sua,  prebendarius  apud  Magdeburg  vitam  finivit 
mala  morte,  ut  dignus  fuit. 

Cod.  4  t)at  benn  and)  Wfjon  in  31  iste  Tiadericus  unb  in  32 
nur  nodfj  qui  getrieben.  £elmolb  aber  fennt  jroci  S^oboridje; 
benn  er  fagt  im  übrigen  in  2lnfd)lu{3  an  "Jtote  32:  Theodoricus 
marchio  Sclavorum,  cui  cum  commemorato  eadem  fuit 
avaritia,  similis  crudelitas,  depulsus  etc. — vitam  finivit.  3>tefen 
Irrtum  fann  nur  eine  fcbriftlidje,  neben  2lbam  benufctc  Vorlage 
ueranlafjt  baben,  unjroeifelbaft  biefetbc,  roetebe  i&m  fd&on  bie  furj 
oor^er  citirte  9toti$  über  jenen  Wann  geboten  ^atte. 

©3  finben  fi<$  aber  nod&  anbere  auffällige  S)inge  in  biefem 
Äapttet  6o  ift  e$  einigermaßen  befrembenb,  baß  §elmolb  in  bie 
9lote  30  hinter  bie  3Borte:  Sermo  est  einriebt :  et  veterum  nar- 
ratione  vulgatum.    3m  ©runbe  genommen  fagt  biefe  SBenbung 


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28 

bodfj  nidfjtö  2lnbere£,  aU  bie  twrfjergeljcnbe  be£  ©dfjoliaften.  §ek 
molb  lucife  audf)  bcn  tarnen  be£  SBcnbcnftitftcn,  bcn  bie^ote  ni$t 
fennt:  idcm  Mistiwoi.  2Bir  Ratten  fdjon  einmal  ben  gafl,  bafe 
bcr  ßljronift  in  berfelben  äöcife  }wei  anfdjeinenb  oer^icbcnc  ©la* 
wenfürftcn  ibcntificirt:  Xec  preteruudum  videtur,  quod  idem 
Missizlaus  (c.  15).  ®amaU  fc^toffcn  wir  auf  eine  5it»citc  Duette. 
Sottte  t)ier  ber  gletd^c  gad  uorliegen?  3nbe£  trietleidjt  Ijat^etmolb 
nur,  um  bie  9tote  cinftcdfjten  ju  fönnen,  bem  bort  erwähnten  prin- 
ceps  Winulorum  ben  tarnen  eincä  ber  beiben  üon  SKbam  ange* 
führten  gürften  gegeben.  ©efjen  wir  junäd)ft  weiter,  £elmolb  er^ 
jäljlt,  ber  mit  ben  2öorten  consanguineam  ducis  non  dandam 
cani  fo  cifcenb  beleibigte  3Rifiirooi  fei  im  fjödftften  3<>rnc  abgereift; 
ber  §erjog  jebod),  jur  Scftnnung  gefommen,  l)abe  ifjm  33oten  naty 
geianbt  unb  iljm  nun  felbft  feine  9Ud^te  jur  6f)e  angeboten,  ber 
gürft  aber  fjabe  btcö  3Inerbieten  t)öl)nifd)  jurüdfgewiefen  unb  ge* 
brotyt,  fie  foüten  füljten,  wie  ber  §unb  beißen  fönne.  darauf  fei 
3)itftiwoi  nad)  •  ©lawien  jurücfgefctjrt  unb  fyabe  fidE>  primo 
omnium  nad)  9tetf)re  im  Sutijenlanbe  begeben,  fyabe  alle  öftlid&en 
©lawen  jufammengerufen  unb  iljnen  ben  ifjm  angetanen  ©dfjimpf 
erjcUjlt.  3cne  aber  f)ätten  iljm  geantwortet,  e£  fei  ifjm  9ied)t  ge* 
fd&eljen,  weil  er  feine  ©tammeSgenoffcn  Dcradjtet  unb  ftdf)  ben 
©adifeu  angcfcbloffcn  fyabt.  Qnbeffcn,  wenn  er  ifjnen  fdjmören 
wolle,  jene  $u  oerlaffen,  fo  wollten  fie  if)m  bciftet)en;  juravitque 
eis.  Wlan  foHte  nun  meinen,  £elmolb  werbe  fortfahren:  darauf 
fammeltcn  bie  öftlidjen  Slawen  foglcid^  ein  grofee£  £eer  unb 
brauen  unter  9)tiftimoi3  güljnntg  in  ©adfjfcn,  meinetwegen  audj 
in  9iorbalbtngien,  ein.  ©tatt  beffett  serreifet  ipclmolb  ben  gegebenen 
©ebanfenfaben  unb  auf  23crnf)arb£  Slufftanb  gegen  ben  Äaifer 
jurüdgreifenb,  t>ebt  er  oon  neuem  an :  Postquam  autem  dux  Ber- 
nardus,  emergentibus  causis,  arma  adversus  cesarem  corri- 
puit,  Sclavi,  oportunitate  aeeepta,  congregato  exercitu  totam 
primo  Nordalbingiam  depopulati  sunt  unb  fd)tiefet  ftdf)  nun  ganj 
an  9lbam$  %t$t  (c.  40  unb  folgenbe)  an.  2Iud)  ftelmolb  felbft 
tjat  biefen  ©ebanfenfprung  gefüllt,  ba£  beweift  bie  2tnmenbung  ber 
^artifel  autem,  bie  ber  (Sfjronift  neben  igitur  meift  nur  für  eine 
rein  äufeetlidje  Sßerfnüpfung  jweier  ©äfce  gebraust,  @£  mufe  un£ 
weiter  auffallen,  bafe  auf  primo  omnium  fein  deinde  folgt;  ferner, 
bafe  aHijjibrag  gar  feine  Serwenbung  an  biefer  ©teile  finbet;  $cl* 
molb  l)ätte  itjn  bod)  etwa  jum  ©pred&er  ber  Sutijen  madfjen  fönnen. 


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29 

21m  meiflen  frappirt  eSaber,  bafc  SRiftirooi  gerabe  nadf)  Sichre  gef)t; 
bei  freier  (Srfinbung  tjätte  &elmolb  iljn  bod>  nadfj  ajtedlcnburg  ober 
nadfj  Äijin  ober  allenfalls  nad)  Scnjen  fdjidfen  muffen;  ftatt  beffen 
nadf)  ber  £auptftabt  ber  Sutijen!  ßrinnert  man  fid^  nun  aber  ber 
oben  neben  Slbom  nadEjgeunefenen  Vorlage  £elmolb£,  fo  finbet  man 
bie  ©rflärung  aller  biefer  Singe  mit  Seidjtigfeit.  3Bir  Ijabcn  fon* 
fiatirt,  bafe  in  jener  Quelle  $erjog  öernljarb  unb  3Karfgraf 
XfjeoboridE)  ermähnt  fein  muffen,  befanntlid)  Ratten  fie  ben  ge* 
wattigen  ©lamenfrieg  im  Saljre  983  ju  befielen.  S)er  $eerb 
biefeS  2lufftanbeS  aber  war  ba£  fiutijenlanb  unb  einer  feiner 
gü&rer  mar  SJRiftui,  ber  Dbotritenfürft. 

ipelmolb  Ijatte  alfo  eine  ©d&rift  t>or  fid(),  roeld&e  jene  ßett  &e* 
Ijanbelte.  SScrfü^rt  burd)  bie  tarnen  be3  SRarfgrafen  Styeoboridf), 
be$  ©laroenfürften  2Hifiui  unb  beä  &erjog$  Sernfjarb,  ben  er  für 
Stewljarb  II  galten  mufete,  ba  er  ben  Sater  immer  Senno  nennt, 
l)at  er,  foweit  bieä  geljen  wollte,  bie  5Radfjridf)ten  feiner  beiben  33or* 
lagen  ju  vereinigen  gefugt.  2)arau$  ertlärt  fidE)  ba3  geilen  be£ 
deinde,  ba£  in  einer  t>on  £elmolb  nidjt  nriebergegebenen  ©teile 
fidler  gepanben  Ijaben  nrirb;  barauö  ba3  geilen  SDHjjibragS;  barauS 
bie  fiutijenftabt  Stetere  unb  barau<S  aud)  ber  üorfjin  beobachtete 
©ebanfenfprung.  9Bal>rfdE)einUci)  erjagte  £elmolb3  Vorlage  nadf) 
juravitque  eis  bie  Störung  SBranbenburgS  unb  &aoelberg3. 
S)amit  roufete  £elmolb  nid&tS  anjufangen;  fo  roanbte  er  ftd)  benn 
nun  toieber  2lbam  ju,  um  iljm  (incl.  ©d&olion  28)  pon  nun  an 
bi£  ju  (Snbe  be3  ÄapitclS  auSfc^Uefelic^  ju  folgen. 

©nblidj)  lägt  ftdE)  in  c.  22  ebenfafltö  mit  ©idjjerfjeit  bie  Sie* 
nufcung  einer  Quelle  neben  bem  fjamburgifd&eu  ©efdiidjtsfdjreiber 
beroeifen.  £elmolb  fdfjreibt  bort:  Quo  (b.  i.  ipeinrid)  III)  trans- 
lato  ad  superos,  successit  in  seeptrum  filius  eius  Heinricus, 
puer  octo  annorum.  3)iefe  5lotij  finbet  fu$  nid&t  in  äbam  uon 
93remen.  SBotyl  aber  ift  äfjnlidjeS  in  ben  Ann.  Disibodenbergenses 
ju  lefen  (1106):  Pater  ejus  cum  aegrotaret  —  rogavit  ad  se 
prineipes  et  —  imperavit,  ut  filio  suo  jurarent  ad  optinendum 
imperium;  quod  quidem  fecerunt,  cum  esset  octo  annorum 
et  nondum  baptizatus.  3$  roitt  f)ier  nidjt  unterfud&en,  ob  biefe 
Ueberetnftimmung,  nrie  redjt  rooljl  mögltd&,  nidfjt  tneHeidfjt  eine  rein 
jufäUige  ift;  jebenfaHö  fann  fie  nidjjt  etroa  au$  einer  gemeinfamen, 
mittelbaren  ober  unmittelbaren  Senufeung  ber  Albaner  Slnnalen 
hergeleitet  werben,  obwohl  biefe  $einti<$8  ©eburt  auf  1048  unb 


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80 

feine  £l)ronbefteigung  auf  1056  anfefcen;  neben  anbern  ®rflnben 
üorjüglidE)  barumnidE)t,  roeil  ipelmolb,  tjieruon  abweid&enb,  iljn  1050 
geboren  unb  1058  jur  £errfd()aft  fommen  täfet,  wie  bie  SBorte  be* 
weifen :  anno  post  incarnationem  Domini  millesimo  sexagesimo 
sexto,  anno  regni  Heinrici  quarti  oetavo.  9tud£)  in  anbern 
ßeitangaben  fd^eint  fid)  $elmolb£  üuclle  um  2  3fa^re  geirrt  ju 
fabelt,  £elmolb  fagt:  Ordulfus  ducatum  suseepit  gubemandura 
—  Denique  post  mortem  patris  vix  quinque  transierunt  anni, 
statim  Sclavi  rebellare  parantes  —  Godescalcum  interfecerunt. 
Wlitfyn  fefct  er  23ernf>arb£  Xob  auf  1061,  roetyrenb  1059  richtig 
gercefen  wäre.  3nbeS  ju  biefetn  Irrtum  fonnte  er  aud)  burd) 
2lbam  nerfü^rt  raerben;  biefer  giebt  nämlidf)  für  beS  &erjog$  £in* 
Reiben  (c.  42)  ba3  17.,  für  ben  ©laroenaufftanb  ba£  22.  3aljr 
be£  ©rjbtfdiofg  2lbalbert  an.  Sffiie  man  fid&  inbe£  entfdfjeibcn  mag, 
fo  wirb  man  bodf)  eine  Vorlage  außer  2Ibam  Ijier  für  §elmolb 
nid)t  ableugnen  fönucn,  nrie  bie  oben  citirte  Stotij  bemeift. 

äöenn  mir  nun  nod)  einmal  bie  9tefultate  unferer  bisherigen 
Unterfutfjung  jufammenfaffen,  fo  ergiebt  fi<$  ba£  gotgenbe;  SHe 
äenberungen,  bie  §etmolb  an  3lbam$  SBorten  norgenommen,  unb 
bie  3uftittf/  bie  er  ju  beffen  £ejte  fid^  erlaubt,  finb,  forocit  fic 
ntdfjt  anberen  Vorlagen  entflammen,  burdj)  bie  Erfahrungen,  bie  er 
in  feiner  eigenen  3eü  gefammett  Ijat,  beftimmt  roorben;  baljin 
rechne  idjj  t>or  allem  feine  änfd&auungen  über  bie  9tefultate  firdf); 
lieber  unb  weltlicher  ScfeljrungSunternefymungen ,  über  bie  SBebut* 
gungen,  beren  3ufammcnn)irfen  für  eine  fegensreidtje  SDUffionS* 
t^ätigfeit  notroenbig  fei,  über  bie  Ungtaubroürbigfeit  bremiföer 
ßtjriftianifirungSerfotge  unter  ben  SKenben  unb  über  bie  allem  ben 
fäd&ftfd&en  dürften  beijumeffenbe  ©<$ulb  beS  Abfalls  ber  ©laroen* 
ftämme  t>om  regten  ©tauben.  Wan  wirb  alle  biefe  äbroeidfjungen 
nur  genriffermafcen  rotffenfd&aftlidje  £rjpotl)efen  nemten  bürfen,  bie 
§elmolb  in  feiner  ®arfteflung  ber  älteren  ßat  jum  SluSbrudf  ge* 
brad)t  £)at.  SUeHcidfjt  Ratten  mir  inbeffeu  non  biefen  fingen  eine 
ganj  anbere  unb  unfer  Vertrauen  ju  bem  ßfjroniften  nafyeju  t>er* 
nidf)tenbe  2Infidf)t  gewonnen,  wenn  eine  Steige  9tad>ridf)ten,  bie  einen 
Ijod^ft  oerbädjtigen  ßtyarafter  tragen  ober  itjn  bodf)  im  3ufammcn' 
^ang  ber  SDarfieHung  empfangen,  in  ber  %atf  wie  wol)l  nermutet 
worben  ift,  oon  £elmolb  felbft  tjerrüfjrten ;  tdfj  benfe  twrjugSmcife 
an  ben  ©ifcfjof  SKarco,  an  bie  Sanbbotationen  bc$  alten  33ü8tum$ 
SUbenburg  unb  an  bie  Söenbenjinfe  Äaifer    Dttoä  unb  §erjog 


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31 

SernljarbS.  Sfllein  gerabe  btefe  SKbfdfjmtte  flammen,  rote  nadfjju* 
weifen  gefud&t,  jebenfaflS  anberStooljer,  unb^elmolb  barf  bieder* 
antroortung  für  fte  nid&t  auferlegt  werben.  9tur  an  jroei  ©teilen 
tnufe  ein  lebhafter  Säbel  gegen  ben  ß^roniften  auSgefprodjjen 
werben:  über  bie  Ijödtft  perfönltc^e  unb  parteüfdje  Haltung  nämlidj, 
weld&e  er  ben  bänifefcen  Äönigen,  unb  welche  er  t>or  allem  ber  bremsen 
Ätrdfoe  gegenüber  eingenommen  l)at.  greilidE)  mufe  e$  fonflatirt 
werben,  bafe  er  aud)  l)ier  fid^  auf  eine  rocfentlidj  pafftoe  Dppofttion 
befd&ränft,  infofern  er  überhaupt  pon  beiben  möglidtft  ju  fpred&en 
permeibet,  unb  bafe  er  por  aflem  nirgenbg  sJtadjrid)ten  ju  Ungunften 
be8  (SrjbtötumS  erbietet  ober  perfälfd&t,  au&er,  wenn  e£  ftd&  um 
SBenbcnbefeljrungen  ^anbett,  bie  er  aHerbingä  mit  einem  getroffen 
Sterte  feinem  SJiStum  Pinbtciren  fann.  Qmmer^in  mu§  biefe  feinb* 
feiige  Sßarteilidtfeit  be£  ß&romften,  mnb  befonberS  bie  lefetangefttyrte 
Satfadfje  unfer  Vertrauen  ju  i^m  foweit  erfepttern,  bafe  erft  eine 
linterfudfjung  nod£)  anberer  Seile  feinet  SBerfeS  uns  ein  enbgiltige« 
Urteil  über  feinen  ß^arafter  unb  feine  ©laubtoürbigfeit  wirb  fällen 
laffen  fönnen. 

2.  JHe  ftrntfhäntpfe  ber  norbelbifdjen  Stumme  unter  ©ottfdjalks 
Süljnen  unb  (Mein. 

SS  ift  fdfjon  einmal  fonftatirt  worben  (©.  10  u.  n)r  bafe  jrotfdfjen 
bem  beginnenben  unb  bem  portjerge^enben  Hbfd&nitt  nad&  gorm 
unb  3n^alt  ein  tiefge^enber  ©egenfafc  befte^t.  SMStyer  Ijatte  £el* 
-  molb  meift  fd&riftlidEje  Ueberlieferung  ju  ©ebote  geftanben;  t>on  jefct 
an  wenbet  er  ftdfj  auÄfdfjliefelidf)  münbtid&er  Srabition  ju.  £anb  in 
£anb  mit  biefem  3Bedf>fet  ber  Duellen,  unb  im  innern  3ufammen* 
Ijang  bamit  fteljenb,  geljt  jugletd)  audj  ein  SJBedjfel  beS  SntyaltS. 
©a$  £auptt$ema  feiner  bisherigen  ©arftellung,  bie  (Sntroidflung  ber 
SGBenbentmffton,  meidet  in  ben  folgenben  Äapiteln  toett  in  ben 
Jpintergrunb  jurüdf;  ftatt  beffen  ftnben  ftdjj  pon  nun  an  im  wefent* 
liefen  nur  ©dfjilberungen  pon  kämpfen  unb  ÄriegSjügen.  S)em 
entfpridfjt  e$  audf),  bafe  bie  SRäcfcte,  bie  bisher  bie  ©cene  beljerrfdfjten, 
jefct  fafl  pößig  pou  ber  Sü^ne  perfdfjroinben;  an  iljre  ©teile  treten 
bie  igolfleiner  unb  bie  beiben  feinblid&en  S)pnaftieen  beS  ©ottfd&alf 
unb  beS  ©ritt.  9lebcn  itjncn  fe^en  wir  nur  nod)  am  2lnfang  biefeS 
äbfd&nitteS  ben  fäd>flf<^cn  iperjog  uttb  am  @nbe  ben  älteren  ©rafen 
twn  ©dfjauenburg  flüchtig  auftauten. 

@3  roirb  bie  Aufgabe    ber  folgenbett  UnterfudEjung  fein,  ju 


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32 

prüfen,  weld&e  Stellung  ber  Gtyronift  triefen  üerfdjiebenen  politifd&en 
©ewalten  gegenüber  im  üorliegenben  ©tücf  einnimmt.  ®ie  Sie* 
futtate,  bie  mir  tjier  gewinnen,  muffen  für  unfer  Urteil  über  £el* 
molb£  Sl)arafter  üon  ber  allergrößten  äötdfjtigfeit  fein.  S)enn  e£ 
ift  wotjl  §u  bead&ten,  bafe  ber  ß^ronift  jefct,  t)on  ber  täfiigen  geffel 
unb  Äontrolle  jcber  fd&riftlid&en  Vorlage  befreit,  in  ber  Sage  ift, 
ben  ftd)  tym  bietenben  ©toff  DöUig  nad)  SöiUfür  ju  geftalten,  ba& 
alfo  bie  Senbenjen,  bie  tljn  beljerrfdjen,  (jier  ganj  rüdffid&teloS  unb 
ungefdjminft  $u  Sage  treten  muffen. 

@£  ftimmt  doM ommen  mit  ber  bisherigen  Haltung  §elmolb$  über* 
ein,  wenn  er  in  c.  25  bem  $<rjog  Drbulf  twrwtrft,  ben  SHbfall  ber 
©lawen  perfd&ulbet  ju  Ijaben,  unb  ebenfo  mag  bie  in  c.  34  unb  48  be* 
ijauptete  greunbfdfjaft  2lbolf3  mit  bem  tübtfd&en  gürftentjaufe  eine  auf  bie 
analoge  ^ßolitif  be£  ©oljneS  bem  Dbotritenfürften  -Jttclot  gegenüber  bc* 
grünbete  £t)potl)efe  fein,  ©ef)r  triel  mistiger  für  unfern  fttotd  ift 
e8,  ju  beobachten,  wie  er  ftcf)  bem  @efd&lcdf)te  ©ottfd&alfe  unb  be* 
fonberS  bem  dürften  £emri$  gegenüberfteHt.  ©girren  Ijat  mit 
grofeer  ©nergie  bie  SWeinung  t>erf od&ten,  bafc  £elmolb  bie  meiflen 
ber  folgenben  ©rjä^lungen  nur  erfonnen  ober  bodE)  wenigftenS  in 
fibertriebenftcr  Seife  airögefdjmücft  Ijabe,  um  ben  Stutjm  bcS  wagri* 
fdfjen  gürften^aufeö  unb  bamit  ben  feines  33ü8tum$  nad&  üRöglidf)* 
feit  ju  erljöljen.  Eine  gemiffe  Vorliebe  fann  unb  foD  freilid)  nid£>t 
geleugnet  werben,  inbeffen  überfdfjreitet  biefe,  wie  idfj  ju  beweifen 
fudEjen -werbe,  nid^t  ba$  3Jtafe  *wn  ©pmpatyie,  weldfje«  ipelmolb  ganj 
unwillfül)rlid()  für  bie  beutfdfj*  unb  dfjriftenfreunblidjje  Stynaftic 
empfinben  mufete.  Siel  wirb  ju  ©unften  &etmolb$  gewonnen  fein, 
mnn  biefer  Angriff  @d&trten3  als  ni<J)t  gerechtfertigt  erfannt  werben 
follte.  9Son  weit  größerem  Qntercffc,  wenn  nid&t  pon  entfd&eibenber 
83ebeutung,  mufe  uns  jebodj)  bie  Haltung  fein,  bie  er  ben  £oljteinern 
gegenüber  beobachtet;  benn  wenn  £elmolb  witftidjj  ber  SRann  ge* 
wefen  ift,  ben  ©girren  in  ifjm  üermutet,  bann  mufj  er  bei  ber  leb* 
fjaften  Abneigung,  bie  er  gegen  biefe«  9Solf  ^egt,  audfj  ^ier  tynen 
in  beftänbiger  femblic&er  Dppofition  gegenüberftefjen.  ©oute  fid^ 
aber  geigen,  baf$  umgelegt  bie  igolfteiner  in  bem  üorliegenben  31b* 
fdtjnitt  eine  Ijödfjft  efjrenooUe,  ja  ruljmreufje  Stolle  fpielen,  bann  wirb 
fid&  aud&  ber©df)tuf$  nid)t  länger  jurücforängen  laffen,  bafe^elmolb 
überhaupt  mdf)t  bie  ©cfd^id^te  im  SHenft  feiner  ^ntereffen  unb 
Senbenjen  ju  fätföen  ober  audE)  nur  }u  beugen  unternimmt.  S)iefen 


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33 

©eweiS  werbe  idfj  midf)  in  ber  folgenben  Unterfud&ung  ju  tiefem 
bemühen.  —  3$  ge^e  jur  ©pecialunterfudfjung  über. 

§elmolb  erjagt  c.  25  unb  c.  26,  bafe  bie  nationalljeibnifdfje 
gartet  nad(>  ©ottjdfjalfö  $obe  gegen  beffen  ©oljn  Sutne  ben  ßruto, 
ben  ©ot>n  be$  ©rin,  al3  ©egenfanbibat  aufgehellt  tyabe,  weil  fie 
bie  Stad&e  be$  ©oljneS  für  bie  Grmorbung  be£  SSaterS  gefürd&tet, 
unb  weit  fie  i^ren  fjeibnifd&en  ©öttern  habt  treu  bleiben  unb  ifyre 
Unab&ängigfeit  behaupten  wollen.  Sutue  fei  bann  in  ber  SCat 
vertrieben,  aber  von  ben  fäd&ftfdfjen  dürften  wieber  in  feine  iperr* 
fd&aft  etagefefet  worben.  darauf  aber  jum  jweiten  3Jtole  verjagt, 
l>abe  er  mit  $ilfe  ber  Sarben  einen  3«9  9^gen  Sßlön  unternommen; 
von  ben  norbetbifd&en  ©ac^fen  inbeS  nid^t  red&tjeitig  entfefct,  fei  er 
jur  Äapitulation  gejwungen  unb  von  ben  eibbrüd)igen  ©tawen  mit 
feiner  ganjen  3Jtannfdf)aft  niebergemadfjt  worben.  S)iefe  (Srjäljlung 
ift  für  unfere  ßwedfe  von  j>ct  flrö§ten  2Bidf>tigfeit.  2Bir  werben 
feljen,  bafe  jeber  Safe,  jebe«  2Bort,  jebe  Qxlbt  allein  in  ber  Slbftdjt 
gefd&rteben  finb,  bie  ftranSalbingier  t>on  ber  ©dfjulb  ju  reinigen, 
Sutue  unb  feine  Gruppen,  bie  anfdjeinenb  nur  ober  faft  nur 
au*  S>eutfd>en  beftanben,  fo  fdnmpflidf)  im  ©tid)  gelajfen  ju  Ijaben. 
9Bir  motten  biefe  Senbenj  an  ber  £anb  ber  (Srjätytung  fetbft  Der* 
folgen. 

Stuf  bie  Äunbe,  bafc  $er$og  SDtognuS  grofce  Unternehmungen 
gegen  bie  aufftänbiföen  ©tarnen  vorbereite,  Ratten  biefe  unter  %üty 
rungSruto$,  qui  erat  inimicicias  exercens  adversus  christianum 
nomen  et  honorem  prineipum,  bem  iperjoge  juvorfommenb, 
©ottfd&alfs  ©o^n  Sutue,  ben  unfere  erjä^tung  al«  bie  Sriebfeber 
biefer  Sßläne  bejeidEjnet  (exaeuente  eum  ad  id  Butue),  aus  bem 
lefcten  it>m  verbliebenen  SReft  ber  £errfd&aft  feine*  SSater*  vertrieben. 
$Ufefudjenb  wenbet  fiel)  ber  junge  gürft  nad&  Süneburg  an  ben 
§erjog  SWagnuS  unb  rebet  iljn  etiva  folgenbermafeen  an :  SDu  wei&t, 
wie  treu  mein  Sater  ©ottfd&atf  bie  ©tattyalterfdmft  ber  flawifdfjen 
^rovinj  ad  honorem  Dei  et  progenitoris  tui  immer  ver* 
waltet  unb  nid&tö  unterlaffen  fyat,  ba«  eultum  Dei  et  honorem 
prineipum  betraf.  2ludjj  id)  Ijabe  tfjm  nad&eifernb  omni  fide 
et  devotione  ben  Sefeljlen  bergürfien  geI)ord&t  unb  unseligen 
©efa^ren  mic&  entgegengeworfen.  SEBaS  würbe  mir  bafür  ju  Seit? 
3li(S)t&  al$  ber  leere  SRame;  bu  aber  jogfl  ben  Vorteil  barauS. 
Unb  welker  2ot)n  ift  mir  unb  meinem  SSater  geworben.  @r  Ijat 
fein  Seben,  idfj  mein  93aterlanb  verloren.    3$  fage  3)ir,  meine 

3 


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34 

geinbe  finb  Steine  geinbe.  Si  igitur  honorem  tuum  (!)  et 
salutera  tuorum  curare  volueris,  viribus  et  armis  utendum 
est.  Denique  fortuna  nostra  in  extremo  sita  est.  5)ie  feinb* 
Ud&e  ©efinnung,  toeldje  ftd&  in  biefer  SRebe  gegen  3Ragnu$  au3* 
fpric&t,  unb  roeld&e  fogar  bi3  ju  ber  htbireft  auSgefprod&enen  8e* 
fd&ulbigung  fid&  fortreiten  lägt,  er  fei  nid&t  für  feine  @$re  unb  für 
bie  Rettung  ber  ©einigen  beforgt,  wirb  faum  jemanb  in  3roeifei 
jieljen  wollen;  eö  fragt  ftdjj  inbeänodj),  t>on  roem  fie  ausgebt.  S)et 
©d&lufe  ber  SKnfprad&e  bringt  unä  3lufflärung  .  .  et  maturan- 
dum  est  ne  ultra  progredientes  inimici  etiam  Nordalbin- 
gorum provincia  abutantur. 

3n  ber  £at  fpridjt  ein  SRorbalbingier  au«  biefer  Siebe;  ba$ 
beroeifen  bie  tefcteit  SSorte,  roeld&e  in  IjödOfl  gefdjufter  SBeife  biefeä 
SSolf  felbft  als  &Üf3bebürftig  unb  nriberftanbSunfät)tg  erfd&einen 
laffen,  fo  bafe  e8  ftd&  felbft  nidf)t,  triel  weniger  anbere  ju  fd&Üfcen 
permag.  35amit  ift  aud&  jugletdfj  ber  ©runb  nerftänblicij,  ber  unfere 
Quelle  ju  iljren  fjöljnifcfcen  Singriffen  gegen  ben  £erjog  SRagnuS 
veranlag  fie  beabftdfjtigen  nid)t$,  als  if>m  oor  allen  bie  6<$ulb  an 
SutueS  Untergange  jujufdjreiben,  ein  Qxotd,  ben  man  natfirUdj 
um  fo  fixerer  erreichte,  je  heftigere  Sefdjulbigungen  man  gegen 
3Ragnu3  auSfprad).  liefern  ^ßrinjip  folgt  audf)  meiter^in  unfere 
Duelle,  ©ie  erjagt,  bog  SWagnuS,  obgleidd  er  eingefefjen,  bafj  bie 
mer  Stämme,  auf  beren  #itfe  er  ben  Sutue  nerroeift,  ben  Sngrift 
ber  geinbe  nur  jeitroeilig  (ad  tempus)  aufhalten  im  ©tanbe 
feien,  bodj>  mdtjt  felbft  auSmarfdOirt  fei,  weil  er  burdfj  magna  impe- 
dimenta  jurücfgefjalten  toorben.  S)iefe  großen  #mberniffe  erläutert 
fte  im  folgenben  ©afe  in  fd&neibenbem  §ot>ne:  Porro  dies  nup- 
tiarum  ad  presens  ducem  vetabat;  ber  Jperjog  fyat  Diel  SBidfj* 
tigere«  ju  tun,  er  mufete  $od&jett  galten. 

Sutue  gefjt  nun  mit  ber  eiite  ber  Sarben  über  bie  ©Ibe,  unb 
nnerooljl  bie  23oten  be$  $erjog$  ben  2lu$marfd&  ber  Storbalbingier 
auf  jcbe  SßJeife  befdjteunigen  (urgebant  populum  egredi),  fann 
er  bo$  bie  3^it  ntdfot  erwarten,  fonbem  eilt  norauS  nadf)  SBagrien 
cum  sexcentis  et  eo  amplius  viris  armatorum.11)    ©igen* 


")  (SS  bleibt  ft$  für  bie  tfritit  biefer  Duelle  jiemttdj  flleidjj,  ob  man  ben 
SluSbrucf  sexcenti  fyier  mit  unjäfyliae  ober  mit  600  überfein  h>iU,  audj  im 
feiten  gatt  »erfüat  ber  JJürft  über  eine  für  biefe  ©renjfämpfe  fe^r  ftattlidje 
©djaar;  jebenfaUS  jeiat  ber  3ufafc:  et  eo  amplius  ba3  99eftreben,  bie  SRenge 
re$t  grofj  erfahrnen  $u  laffen. 


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35 

tümtid)  fontraftirt  mit  biefen  Übertreibenben  SBorten  bie  twrfier^ 
getjenbe  93ef)auptung,  bafe  alle  trier  Stämme  —  t)icr  Ijaben  mit  nur 
bic  Sorben  t>or  un£  —  bem  2lnfturm  ber  Slawen  nur  twrübcr* 
gefjenb  ju  wiberftef}en  vermögen  Sin  jweiteä  intcreffantcö  Streif 
Ud)t  faßt  auf  biefe  3af)lenangabc,  wenn  man  eine  Spätere  91otij  ju 
$tlfe  jicljt,  weldfje  bie  Struppc  ber  ju  §ilfe  jieljenben  9iorbalbingier 
als  brevis  numerus  bcjeidjnct.  SDcr  §intergebanfe  ift  natürli<$, 
bafc  bie  Sarben  allein  ftarf  genug  gewefen  mären,  ben  geinb  ju 
plagen,  bie  Sdjaar  ber  SRorbalbingier  hingegen  ju  gering,  um  felbft 
bei  red&tjettiger  Unterftüfcung  ba£  furdjtbare  £oo£  jener  SDlänner 
abmenben  ju  fönnen.  —  Sutue  rüdt  alfo,  oljne  bie  £ilfe  ber  brei 
Stämme  ju  erwarten,  mit  feiner  5KannfdE)aft  gegen  $(ön  uor  unb 
finbet  bie  Stabt  apertam  et  vacuam  viris.  tiefer  Umftanb  Ijätte 
U)n  ftufcig  mad&en  muffen;  sunt  Ueberfhift  marnt  iljn  eine  beutle 
grau,  fid)  nidfjt  in  bic  gaUe  loden  ju  laffen,  am  aubern  SWorgen 
mürben  bie  Slamen  mit  mächtigem  ,§ecre  wieberfeljrcn  unb  ifjn 
einfdjltefcen.  Sr  aber  l)ört  nidjt  auf  bie  SBaruung,  fonbern  läuft 
fefjenbeS  2IugcS  in  fein  SScrbcrben!  Sinb  bie  £olfteincr,  ©tormarn 
unb  3)Ul)marfd)en  bafür  uerantmortlid)  ju  madfjcn?  33utue£  Seic^t^ 
Run  erfd&eint  um  fo  wtüerantwortlidjer,  als  eintretenbeS  gafleS  ein 
©ntfommen  faft  unmöglidE)  ift;  benn  bie  ©tabt,  ringsum  nom  ©ee 
umgeben,  ftel)t  nur  burd)  eine  lange  ©rüde  mit  bem  Sanbe  in 
Serbinbung,  unb  jebe  23arfe,  beren  man  fid)  etwa  jur  gluckt  l)ätte 
bebienen  fönnen,  ift  t>on  ben  flauen  ©(amen  forgfältig  über  Seite 
gebraut  roorben.  9lm  anbern  Sage  legen  fid)  in  ber  %at,  ut  ves- 
pere predictum  fuerat,  mie  bie  Quelle  nidjt  ju  erinnern  nergifet, 
infinita  agmina  uor  bie  Stabt.  2Ba£  vermag  gegen  foldje 
SRaffen  bie  geringe  2lnjaf)l  ber  brei  Stämme  ?  2Ibcr  bennod),  fobalb 
fie  e$  erfahren,  fliegen  (acceleraverunt)  bic  ©litetruppen  ber  $oh 
fteiner,  Stormarn  unb  ©itfymarfcfjen  ficrbei,  bie  belagerten  ju  ent* 
fe$en.  Sie  rüden  nor  bis  ju  bem  glühen  Suale;  bort  matten 
fie  §alt  unb  fd&iden  jur  5Borfid)t  einen  ber  flaroifdjen  Spraye 
funbigen  Später  vorauf.  S)er  aber  gcf)t  iu'g  fcinblidje  Sager, 
lägt  fid)  Dor  gruto  führen  unb  erbietet  fid),  Sutuc  unb  feine  ©efäljrten 
um  fdfjnöbeS  ©elb  ju  nerraten.  3U  &cm  3we*c  begiebt  er  fid)  na<I) 
$lön  hinein  unb  fagt  bem  SBenbenfürften ,  er  Ijabc  auf  (£ntfa| 
nic^t  ju  rennen;  benn:  venu,  inquit,  dissensio  in  populum,  et 
tumultuantes  inter  se,  reversi  sunt  unusquisque  ad  domiim 
suam.    Unb   ben  Sadjfen  roieberum  erjätjlt  er,  baß  Sutuc  gar 


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36 

teilte  ©efatjr  bebrolje,  bafe  er  feinerlei  ^Belagerung  aushalten  l)abe. 
„Quin  potius  vidi  Butue  et  eos,  qui  cum  ipso  sunt,  letos  et 
nil  habentes  turbulentie."  Atque  in  hunc  modum,  fäljrt  bie 
S)arfteDung  fort,  retardavit  exercitum,  ne  obsessis  fierent  pre- 
sidio.  Unb:  Factus  est  vir  ille  Butue  et  sociis  eius  materia 
perditionis,  fügt  ber  2lutor  befriebigt  Ijinju.  2)a$  $id  Teittei: 
airbeit  ift  im  roejentlidf)en  erreicht,  bie  9torbalbingier  finb  uon  ber 
©d&ulb  an  bem  @ci)idfal  itjrer  £anb$leute  freigefprod&en.  greiliclj 
fteßt  er  babei  tjotje  Anforderungen  an  unfer  Vertrauen.  2)urd>  eine 
fo  plumpe  £ift  Jollen  fid)  beibe  Seile  tjaben  tauften  laffen  ?  SJutue 
fafet  gar  feinen  SBerbadfjt?  grägt  nidjt,  nrie  jener  Äunbfd&after  un* 
bemerft  baS  Säger  ber  geinbe  pafftren,  nidjt,  roie  er  ju  ifjm  in  bie 
Stabt  gelangen  fonnte,  roäljrenb  bod^  ber  einjige  3u3ön9  fo 
au&erorbentlid)  leidet  ju  bemalen  mar?  Unb  bie  ©adrfen  fdEjenfen 
ber  9tadf)ridf)t  Vertrauen,  ba§  23utue  nid)t  belagert  roerbe,  obgleich 
fte  bodf)  nur  herbeigeeilt  maren,  it)ti  ju  befreien?  Söunbern  ftdj 
nid£)t,  bafj  ber  gürft  feinen  S3oten  mitgefd&tdft  ?  SBunbern  ftdj  nidfjt, 
bafc  er  ftiHe  liegt  in  Sßtön  unb  nidfjtä  gegen  bie  geinbe  unter* 
nimmt,  roäljrenb  er  ja  roofjl  auSgejogen  mar,  fein  Sanb  roieberju* 
erobern?  Dber  glaubten  fte  tuelleidjt  mit  bem  geringen  ©rfolge  ber 
Eroberung  t)on  5ßlön  ben  in  gro&em  SNa&ftab  angelegten  Ärieg  be* 
enbigt?  sJJlufete  e£  fte  bann  nidfjt  nricber  in  ßrftaunen  uerfefeen, 
ba&  nid^t  mit  bem  3Joten  jugleidj)  audj)  bie  93arben  jurüdftefjrten? 
Ueber  aBe  biefe  gragen  fefet  ftd)  unfere  (Srsäljlung  leidet  ^inroeg 
mit  ben  SBorten:  Atque  in  hunc  modum  retardavit  exercitum, 
ne  obsessis  fierent  presidio.  2Ba3  fonnten  am  6nbe  bie  brei 
Stämme  bafür,  raenn  fie  ftd&  t>on  einem  ©Surfen  hintergehen 
liefen!  3ulefct  l)ätte  aud£)  ber  brevis  numerus  i&rer  Gruppen  gegen 
bie  infinita  agmina  ber  ©larocn  nid&tö  au$juridf)ten  nermod&t. 
greili(^  begreift  man  nid&t,  warum  ßruto  nid)t  einen  Seil  feiner 
jaljllofen  ©paaren  abfcfyidt,  um  aud&  biefe  §anbüoll  Seute  nieber- 
t)auen  ju  lafjen,  roie  er  eS  Ijernadf)  mit  ben  Sarben  getan. 

$>od&  ber  SSerfaffer  uuferer  Duelle  füljlt  fiel)  burdj)  bie  SRefultate 
feiner  beengen  ©efd&idfjtäfälfdjung  nod&  nid&t  beruhigt.  S)a^  böfe 
©eroiffen  treibt  iljn  ju  immer  neuen  Anflogen.  ®er  Sffienbenfürft, 
ofjne  Hoffnung  auf  @ntfa|j,  unter&anbelt  nun  mit  ben  ©laroen, 
bietet  für  ba$  ©eföenf  beS  SebenS  ©olb,  6mto  aber  nerlangt 
nid&tö,  als  bie  Auslieferung  ber  2öaffcn.  Sutue  legt  bieS  SRefultat 
feiner  SJerljanblungen  ben  Gruppen  por,  fügt  aber  fofort  l)in$u,  er 


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$1 

fei  überjeugt,  bafe  bic  ©lamcn  ben  Vertrag  bred&en  würben,  unb 
bic  Sarben  fd&lie&en  fid£)  feiner  3Reinung  rfidtyaltStoS  an,  ftnb  aber 
bod&  bereit,  ftdfj  biefer  grofeen  ©efaljr  ju  unterteilen ;  benn  ber  Zok 
burd)  junger  tut  roefyer,  als  ber  $ob  burd&  ba$  ©ctywert.  älfo 
fapituliren  fte,  werben  t>or  Cruto  geführt  unb  bort  auf  bie  Se* 
fd&ulbigung  eines  flaroifd^en  SBetbeS  au«  $lön,  bafe  fte  ben  grauen 
ber  SBenben  in  ber  ©tabt  ©ewalt  angetan,  oon  tyren  empörten 
geinben  bi$  auf  ben  le|ten  SRanu  erfdjtagen. 

2Bie  triel  rafftnirteä  ©efdfjid  liegt  in  biefem  ganjen  testen 
©tüd!  Unb  bo$  jugleidf)  wietriel  Ungefd&id! 

3Bir  fiaunen  unwtflfürlid!)  über  ben  ©belmut  (SrutoS,  ber  fi$ 
mit  ber  2lu£lieferung  ber  Stoffen  begnügen  will,  wäljrenb  er  @r* 
gebung  auf  ©nabe  unb  Ungnabe,  minbefienS  aber  fyofytZ  Söfegelb 
©erlangen  famt;  ber  ©inbrudt  läfet  ftd^  gar  nietyt  abwehren,  bafe  bie 
Slawen  nad)  2lnftd&t  unferer  Duelle  wirflidfj  iljr  2Bort  ju  Ratten 
beabftdjtigten.  ©ie  (jaben  e3  erft  gebrochen,  atö  fte  bie  ©nte^rung 
ityrerSBetber  burdf)  bie  3)eutfcben  erfuhren;  Ijier  liegt  bie  ©rflarung. 
Sie  Sarben  follen  burdfcauS  tyr  ©d&idffal  felbft  oerfd&utbet  ljaben 
bureb  eine  JjjanblungSweife,  bie  ben  ebelmütigften  geinb  jum  Ser* 
tragäbrudfje  Einreißen  muffte,  ©gentümlidf)  contraftirt  bamit  freitidf) 
bie  Seftimmtbeit,  mit  ber  jene  felbft  einen  Srudfj  beS  Sertrage« 
üorau$fef)en:  Fides  enim  Sclavorum  quam  sit  mobilis, 
quam  incerta,  sepius  compertum  habeo,  fagt  Sutue.  Slber 
audf)  barin  liegen  wieber  mehrere  Singriffe.  2Benn  er  bie*  mußte, 
warum  mar  ber  $ürft  nidfjt  uorftdjtiger,  marum  ging  er  in  bie 
©tabt  hinein,  jumal  fie  fo  fdfjlectyt  perprotriantirt  mar?  SBarum 
hungerten  bie  Sarben  nidf)t  noeb  einige  3*ü  unb  warteten  auf 
@ntfafc?  $)te  brauen  SRorbelbinger  Ratten  fie  ja  bodf)  ftd&er  fyerauS* 
genauen,  menn  fie  erft  oon  ber  grä&lidfjen  ©rö&e  ber  ©efaljr  er* 
fuhren?  SBenn  bie  belagerten  aber  wirf  lieb  bie  ©tabt  nid)t  länger 
Ratten  fonnten,  wenn  fte  ben  fixeren  Job  oor  2lugcn  fatjen,  warum 
fugten  fie  niebt,  ftd)  burd()jufd()lagen  ober  menigftenS  itjr  Seben  fo 
teuer  als  mögltcb  ju  wrfaufen,  ftatt  in  biefer  fd&impffidEjen  SBeife 
ju  fapituliren? 

3cb  glaube  bie  beeibirt  norbatbtngifdfje  2*nbenj  biefer  @r* 
jäljlung  ift  bemiefen,  felbft  wenn  man  überfein  miß,  bafe  fte  ben 
Sarben,  ben  nädjften  Sanbäleuten  ber  9lorbalbingier,  burd&  bie 
me^rfad^i  wieberfebrenbe  Sejeicbnung  socii  eine  felftänbige  Stellung 
neben    bem    2Benbenfürflen    juweift.     Unb    man    mufe    fagen, 


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38 

unfere  Quelle  Ijat  e£  uerftanben,  mit  bet  größten  ftinbtgfeit  alle 
©rünbe  aufjufpüren,  roeldfje  bie  Verantwortung  für  ben  Untergang 
ber  Varben  von  ben  ßinjigen  abjulcnfen  geeignet  waren,  benen 
geregter  SSetfe  bie  ©dfjulb  beijumeffen  ift.  3)Jan  {tagte  bie  Um* 
ftänbe  an,  ben  $erjog,  ben  ßunbfdjafter,  ja  Vutue  unb  feine 
Gruppen  jetbft.  Vor  allem  fudfjte  man  burd)  bie  üRaffentyaftigfeit 
ber  2lnf  tagen  ju  wirfen;  freiließ  jum  grofeen  ©d&aben  iljrer  ©laub* 
mürbigfeit;  benn  überall  ücrroidfclt  man  fid&  in  2Biberfprüdj)e.  Um 
fo  bebeutenber  ift  ba£  ©efd&icf  unferer  Duelle,  ifjre  Vefd&ulbigungen 
oorjutragen.  Niemals  uerteibigt  fie  bie  SranSalbingier  bireft;  nie* 
maU  ermähnt  fie  eines  gegen  biefe  Stämme  auSgefprodfjenen  Vor- 
wurfs; baSMeS  ptte  mifetrauifd)  madjen  fönnen;  ja  felbft  anbere 
befcfyulbigt  fie  nid&t  bireft;  freilief)  mit  einer  SluSnafjme.  Von  jenem 
©pion  jagt  fie:  Factus  est  vir  ille  Butue  et  soeiis  eius  ma- 
teria  perditionis.  2Ran  beadfjte  aber,  bafe  t)ier  ber  §auptpunft 
beS  Angriffes  gegen  bie  brei  Stämme  lag.  ipier  mar  ein  ©ünbenbodt 
allerbingS  feljr  erroünfdfjt;  unb  ber  Jhmbfdjafter  mar  ja  ber  grofee 
Unbefannte,  beffen  ©jiftenj  freilief)  niemanb  bemeifen  aber  audfj 
niemanb  beftreiten  fonnte,  unb  ber  oor  allen  fingen  ntdfjt  im 
©taube  mar,  fidf)  ju  uerteibigen.  Unb  alle  biefe  Angriffe,  wie  ge* 
fagt  mit  biefer  einen  2luSuaf)me  immer  inbireft,  werben  ftets  mit 
ber  unfdjulbigfien  3)Uene  uorgebradfjt;  juweilen  nur  burdb  bie  ge* 
fdtjidfte  SXrt  ber  2)arftellung,  bie  für  fid)  fpredfjcn  muß,  meift  aber 
in  Meinen  überflüjfigen  Sieben,  bie  mit  bem  3wedf,  bem  fie  bienen 
muffen,  in  gar  feiner  Verbinbung  ju  ftcljen  fdtjeinen;  immer  inbeS 
finb  fie  ausgeführt  mit  einer  Vorfielt,  bie  eigentlich  jebe  Verteibi* 
gung  unmöglid)  madjt;  benn  für  t>^\  einjeluen  gaU  läßt  fidf)  nie 
bemeifen,  ba$  überhaupt  eine  9lnflage  beabfidjjtigt  mar. 

dloä)  eines  mu&  uns  in  biefer  (Srjäljlung  von  Qntereffe  fein. 
SSJir  tyabeu  feftgeftellt,  bafe  bie  überelbifdben  Saufen  ben  gürften 
Vutue  mit  feiner  üJtannfdjaft  im  ©tidfje  gelaffen;  nodf)  aber  wiffen 
mir  nidfjt  ben  ©runb  $<f)  glaube  bie  (Srflärung  liegt  in  ben 
Sßortcn  beS  ÄunbfdfjaftcrS  an  Vutue:  Venit  dissensio  in  populum, 
et  tumultiiaiitcs  inter  se,  reversi  sunt  unusqiiisque  in  domum 
suam.  (SS  liegt  ganj  in  ber  raffinirten  2ikife  biefer  Quelle  ben 
eigentlichen  Satbeftanb  baburdf)  als  eine  fdjänblidje  Verlcumbung 
fjinjuftcHen,  bafe  man  iljn  bem  rudjlofen  ©piou  in  ben  2Kunb  legt. 

@S  fragt  ftd)  nun,  in  meldte  $eit  wir  biefe  ganje  ©rjätylung 
SU  fegen  tyaben.    5DaS  Saturn  giebt  baS  Necrologium  Luuebur- 


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gicum  Monasterii  Sancti  Michaelis.12)  $)anad>  flarb  Godeschalci 
filius  am  8.  augufi.  S)a3  %a\)t  f)at  SBebefinb  u)  burdf)  ßombi* 
nation  perfd&iebener  angaben  auf  1071  beregnet.  S)ic  $at  mufe 
gefd&e&en  fein  nad&  bem  $obe  Orbulf«  (28.  ajlärj  1071),  jur  3eit 
ber  £od)$eit  be«  £erjogd  SJiagnuS  unb  (nadf)  einer  Stelle  abam«) 
im  JobeSjaljre  abalbertS  oon  Bremen.  9Jtagnu$  war  vermalt 
mit  ©op&ia,  ber  Sittroe  UbalrtdjS,  be8  9Jtorfgrafen  von  Qfirien 
unb  Ärain,  ber  am  6.  ÜRärj  1070  geftorben  war.  3)a$  Srauep 
ja^r  ©opljien«  ging  atfo  im  3Wärj  1071  ju  @nbe;  ba  fie  bereit« 
bie  erfte  Sugenb  überfd&ritten  fyaben  mufete  (fte  &atte  mit  Ulridf) 
fd&on  in  ad^tjä^riget  @&e  gelebt),  fo  ift  anjuneljmen,  bafe  bie  §od&' 
jeit  balb  barauf  ftattgefunben  l)aben  mirb;  jebenfafltö  wo&l  t>or  bem 
14.  3uni  1071;  beim  an  biefem  Sage  unterwarf  jtdj  SDtagnuS 
£einridb  IV.  unb  mürbe  pon  i&m  2  ^a^re  in  §aft  gehalten. 

SemnadS)  märe  bie  SSermälung  etwa  im  2Rai  gefdjloffen,  unb 
um  biefe  3eit  öutue  ju  bem  fäd&fifdfjen  £erjog  gefommen. 

Sm  wu&tigften  für  äöebefinbS  3e^beftimmunQ  ift  bie  fd&on  er* 
mahnte  ©teile  abamS  III,  63.  ©ie  lautet:  Nam  et  Hammaburg 
eodem  anno,  quo  metropolitanus  decessit,  incensa  et  bis 
vastata  est.  Pagani  victores  totam  Nordalbingiam  deineeps 
habuerunt  in  sua  ditione,  bellatoribusque  occisis  aut  in  cap- 
tivitatem  duetis,  provincia  in  solitudinem  redaeta  est.  ®3 
läjjt  ftd&  nidfot  leugnen,  bie  ©d&ilberung  pa&t  für  bie  in  §etmolb 
c.  25  unb  26  erjagten  ßreigniffe  unb  beren  folgen  redfct  moljl; 
unb  au$  im  übrigen  tyat  bie  $ere$nung  SBebcfinbö  niel  Söaljr* 
fd&einUd&eä.  Unb  bennotf)  jmeifle  id)  an  iljrer  Stidjtigfeit  3unäd)ft 
mirb  bie  9tad&rid&t,  bafe  ber  $erjog  feiner  £odj$eit  wegen  Sutue 
nid&t  fcabe  unterftüfcen  fönnen,  für  bie  (S&ronologie  cinfadj  ju 
ftreid&cn  fein;  benn  fie  beruht  nur  auf  $elmolb  c.  25  unb  erregt 
ba^cr  nadf)  ber  ganjen  Jenbenj  ber  bort  uon  bem  ßtyroniften  be* 
nuftten  Duelle  ben  unabweisbaren  SJerbadjt  böswilliger  SSerleum* 
bung.  S3on  2öi$tigfeit  bleibt  alfo  für  bie  3^itbeftimmung  nur 
nodfc  bie  v3ia^rid^t  abam*.  3Wan  fann  aber  jweifeln,  ob  fid)  biefe 
in  ber  Jat  auf  öutue«  $ob  bejie^t.  2öir  wollen  ba^ingcfteHt  fein 
laffen,  ob  abam  wirflicj),  wie  SBebefinb  annimmt,  mit  ber  ^Beübung 
eodem  anno,  quo  metropolitanus  decessit,  ba£  9tegierung$jal>r 

»*)  Söebdinb,  Sioten  gu  einigen  ©eföityfcj Treibern  be*  beutföcn  2Rittel* 
alter«.    8b.  III. 

>»)  92ote  17  unb  18.    »b.  I. 


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40 

äbalbertö  ober  nid&t  oielleidjt  ba«  bct  djrifilicfjen  äera  meinte.  Qn 
lefcterem  gaüe  fämen  wir  auf  1072,  unb  bamit  wäre  SScbeftnbS 
SBeredfjnung  ooDftänbig  umgeftofjen.  Mein,  nritt  man  au<$  Neroon 
ganj  ab\ttyn,  fo  mu&  e3  bodj  auffallen,  bafc  2lbam,  ber  fid^tlid^  für 
©ottfdfjatf  fid^  intereffirt,  nidfit  bei  ber  l)ier  fidf)  bietenben  ©etegen- 
Ijeit  ben  $ob  feinet  ©ofjneS  erwähnt.  3)ie3  ©rcignifc  mar  bodj 
fidler  für  if)n  fo  nrid&tig,  ba&  er  cö  memgften$  in  einem  ©dfjolion  Ijätte 
nadfjtjoten  muffen,  menn  er,  roie  f)ödf)ft  unroal)rfd)cinU<i),  e$  $u  9ln* 
fang  roirflidf)  oergeffen  §ätte.  SSor  allen  fingen  aber  märe  e* 
meinet  @ra<i)tcn3  3lbam  (III,  50)  unmöglich  gemefen,  bie  2Borte 
magno  uterque  Sclavis  excidio  genitus  oon  ©ottfdfjalfö  Söhnen 
ju  fdfjretben,  menn  ber  ©ine  ber  beiben  ©ruber  am  plöner  @ee 
mit  600  gjlann  erfdfjlagen  lag.  So  ptte  2lbam  bod)  l)öd()ften$  in 
fdfjneibenbem  &of)ne  ober  in  bitterer  Ironie  fd&reiben  fönnen;  beibe 
©efü^le  mufeten  iljm,  jumal  naety  bem  3ufammen^ang  ber  ©teile, 
tJöllig  fem  liegen.  SHefer  $affu$  ift  meiner  äWeinung  nadf)  nur 
eine  ben  ©lamen  gegenüber  auSgefprodfjene  ®rof)ung,  ganj  im 
©inne  ber  23orte  be$  englifd&en  £erolb£  in  ber  Jungfrau  oon  Dr* 
lean«  (l.  SSlufjug,  11.  auftritt): 

3Kein  gelbljerr  lebt  in  pUe  ber  ©efunbljett 
Unb  Äraft  unb  lebt  eudf)  allen  jum  Sßerberben. 

SDttr  fd&eint  e£,  als  ob  Slbam  für  bie  2Bteberaufridf)tung  be3 
ßljriftentumS  in  flamifd&en  Sanben  gerabe  auf  bie  ©öljne  ©ott* 
fd&atfö  feine  Hoffnung  fefcte.  £>ann  aber  fann  3Jutue  im  3a^re 
1075,  §öd&ften$  1074,  mo  Stbam  biefe  SBorte  gef<f)rieben  ljaben 
muß,  nodf)  niä)t  tobt  gemefen  fein,  unb  ba£  Slutbab  oon  $lön 
fönnte  früfjeftcnS  am  8.  Sluguft  1074  ftattgefunben  Oaben,  mafp* 
fdjeinlid)  nodE)  fpäter.  $>er  in  ber  oben  citirten  ©teile  3lbam3  er* 
mahnte  ßinfaH  ber  SBenben  märe  bann  nur  einer  ber  nad&  bem 
3ufammenbrud^  ber  beutfdfjen  ^errfcfyaft  im  ^afjre  1066  gerotfe 
häufigen  SSerfjeerungSjüge  ber  ©lamen  nadf)  SranSatbingien  tjinein, 
beffen  Sebeutung  2lbam  au$  Scnbenj  nur  aufeerorbentlidE)  über* 
trieben  ^ätte. u)  3$  gebe  jebodf)  gern  ju,  bafe  mein  Seroetö  fein 
unumftöfjlidfjer  ift. 

$laü)  ber  Haltung  ber  Queue  fann  tyre  @ntfiel)ung  in  Xxatö* 
albingien  nidf)t  jmeifelliaft  fein,  tnbe£  fommen  für  biefen  Sßunft 

u)  £ie  ©cfylufctvorte  jdjeinen  bie§  ju  betoeifen:  .  .  provincia  in  soli- 
tudinem  redaeta  est,  ut  diceres,  in  boni  pastoris  fine  etiam  pacem 
terris  ablatam. 


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41 

no<$  jtoet  ©gentümlid&feiten  unferer  (Srjäljlung  in  Setradfjt.  ©rftenÄ 
begegnet  unÄ  ber  9tame  ber  ©arben  außer  in  c.  25  unb  26  in 
#elmolb$  ganjem  SEBerfe  nur  nodf)  jtoeimal,  nämlid^  in  c.  16  in 
Slnleljnung  ttn  Slbam  unb  c.  34,  toaf)rfdf>einlidf>,  rote  wir  fpäter 
fe^en  werben,  in  3ufaroro*n§ang  ntit  unferer  ©rjctylung,  unb 
jtoeiten«  brauet  $elmotb  für  bie  SMtlparföen,  abroeidf>enb  oon 
feinem  fonftigen  ©prad&gebraudf),  nadf)  welkem  er  fie  Thetmarsi 
ober  Thetmarzi,  ^öd^fiend  Thetmarci  nennt,  in  c  25  unb  26 
fonfequent  bie  gfortn  Thetmarchi.  3Jton  roirb  ouf  ©runb  biefer 
Abweisungen  oerfudfjt  fein,  ben  @ntfteljung$punft  biefer  @rjäf)lung  in 
eine  #elmolb*  fonftiger  Srabitionäfpljäre  etwa«  femer  liegenbe  ©egenb 
ju  oerfefcen,  alfo  etwa  nad&  ©itljmarfdjen  ober  in7«  fübtid&e  ©tormarn. 

&elmotb  oerläfet  nun  bo8  ©ebiet,  toeld&e«  iljn  bisher  oor* 
jugäroeife  befdjäftigt  l)at,  unb  wenbet  fiel)  in  ben  fotgenben  Äa* 
pitetn  ber  2>arftellung  ber  allgemeinen  9tetdf>8gefc$id&te  ju.  ©iefer 
Seil  ift  aus  naljetiegenben  ©rünben  augenbttdtlid)  für  und  oon 
geringem  Qrttereffe,  mir  ge^en  baljer  fofort  ju  c.  34  über,  in 
welchem  $elmolb  ju  bem  eigentlichen  Stoff  feine«  SBerfe«  jurüdf* 
teljrt.  #ier  unb  in  ben  näc&ften  ©rjäljlungen  bringt  er  un«  bie 
©Sitberung  einer  Steige  &öc$ft  rufjmreid&er  unb  glüdlidf>er  Unter* 
netymungen  be«  Söenbenfürften  ipeinridfj,  bie  ©dfjirren  ju  ben  \)tf* 
ttgften  Angriffen  oerantaffen.  ©girren  gel}t  fogar  foroett,  bie 
^ßerfon,  bie  ©dfjtdffale  unb  bie  Säten  feine«  fogenannten  ©lamen* 
tyeinridf)«,  fomeit  fie  un«  oon  ipelmolb  berichtet  werben,  §um  großen 
Seil  gänjlidf)  in  grage  ju  jiefjen. 

gür  bie  ruhige  Beurteilung  biefer  grage  ift  bod>  feljr  ju  be* 
ad&ten,  bafe  e«  fid;  Ijier  oielfadf>  um  Satfad&en  Rubelt,  bie  foum 
ntefjr  al«  50  galjre  rüdttoärt«  lagen,  unb  bafj  e«  in  ber  ganjen 
©egenb,  bafc  e«  namentlich  in  Sfibedf  oiele  Seute  geben  mufcte,  bie 
ben  gürflen  §einridf>  no<$  red&t  tooljl  oon  Slngefid&t  ju  Slngeftd&t 
gefannt  Ijaben  motten.  2Bar  baburdf>  freiließ  aud)  eine  Ueber* 
treibung,  eine  ©lortftcation,  felbft  eine  ©ntfteflung  feiner  Säten 
teine«toeg«  abgefd&nitten,  fo  mufete  biefer  ttmftanb  bodf)  $elmolb, 
felbft  wenn  er  ber  gälfc&er  gemefen  märe,  für  ben  ifjn  ©girren 
l#lt,  eine  gemiffe  Steferoe  auferlegen,  meldte  ©girren  bei  feiner 
jwetfelfüd&rtgen  Äritil  biefer  Äapitel  bodf)  nid^t  Ijinreid&enb  in  @r* 
mägung  gejogen  Ijat. 

©inen  ipauptpunft  feiner  Singriffe  bilbet  bie  Slnfid&t,  bafs  ber 
^einrid^  £elmolb«  unmöglidf)  mit  bem  Slbam«  ibentifdf},  b.  !>.,  bafc 


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ber  faftifd&  itt  Sübedf  fpäter  reftbirenbe  gürfl  nid&t  bet  ©ruber 
Sutue«,  ber  ©oljn  ©ottfdjalfö  unb  ber  bänifd&en  ÄönigÄtod&ter  fein 
fönne.  @«  ift  nun  befanut,  ba§  aud&  ©ajo  ©rammaticu«  (©. 
618—626)  ben  gürften  £einrid&  fennt  unb  i&n  ote  ©o$n  ©Ott* 
fd&att«  unb  ber  ©igrib  bejeid&net.  ©girren  fud^t  bie«  3ewßnife 
burefy  bie  öeljauptung  ju  befettigen,  bofe  ©ajo  au«  ipelmolb  ge* 
fdfjöpft  f)abe.  Sßigger  ober  Ijat  ©.  47—49  ben  flaren  öeroet«  ge* 
liefert,  bafc  für  bie  3*ü  Einrieb«  biefe  annähme  nid^t  jutrifft 
Stamit  ip  ©girrend  oben  erwähnte  änfid&t  nriberlegt.  3nbe«  jum 
Ueberflufc  rechtfertigt  fiel)  $elmolb  audf)  felbfi  @r  nennt  al«  &etn* 
rid&«  ©ityne:  SWifhie  (c.  37)f  ffiolbemar  (c.  38),  3mentepold()  unb 
flanut  (c.  46).  3n  SKifiue  fe&rt  ber  SRame  oon  ©ottfdjalf«  ©rofe* 
oater  9Kiftirooi  nrieber,  in  Äonut  ftnben  wir  ben  SJeroei«  finer 
aSerroanbtfdfjaft  mit  bem  bänifd&en  Äömg«§aufe,  unb  n>enn  Sappen* 
berg«  mir  feljr  roaljrfd&eintic&e  Vermutung  autrifft,  bafe  3roinife 
(3roentepold^  ©obn  c  48)  ein  ©iminutio  von  ©uein  ift,  fo  fjätten 
mir  fogar  einen  bireften  §inroei«  auf  ben  Sater  ber  ©igrib.  ©o 
fdfjeinen  bie  Flamen  ber  SRadfjfommen  $einrid&«  ben  ©eroei«  ju 
liefern  für  feine  SHbftammung  foroo&l  oon  ©ottfd&alf,  al«  aud&  oon 
ber  bänifd&en  #önig«toci)ter. 

3ft  aber  bie  Sbentttät  beiber  §einrid&e  einmal  anerfannt,  fo 
entbehren  ©d&ircen«  Sebenfen  über  £einrid&«  3llter  unb  feine  glud&t 
na$  ©änemarf  jeber  ©runblage.  ©ie  mürben  übrigen«  audf)  im 
rocfentlic^en  jur  ©eite  fallen,  wenn  meine  oben  au«gefprod&ene 
Vermutung  berechtigt  ift,  bafe  äbam«  äöorte:  uterque  magno 
Sclavis  excidio  genitus  nicht  einen  §inmeiS  auf  bie  Sergangen* 
tjeit,  fonbern  auf  bie  3wfunft  enthalten  foflen. 

ipier  ift  auö)  ber  Ort,  einen  anbern  gegen  §elmolb  erhobenen 
Sorrourf  jurücfjuroeifen.  ©girren  legt  $elmolb  bie  äbfid&t  unter, 
burdE)  geroiffe  gefd&idfte  Manipulationen  ©ottfebalf  unb  feine  $laty 
fommen,  bie  roabvfd&einlid)  im  füblid)en  ^olabien  gefjerrfd&t  Ratten, 
in  ben  äugen  be«  fiefer«  al«  roagrifdfoe  dürften  erfd&einen  ju  laffen. 
3Kan  fönnte  bie  Jatfad&e  jugeben  unb  bie  böic  Slbficbt  bodj  be* 
ftreiten ;  benn  Jpetmolb  f onnte  fetyr  roobl  ber  anfielt  fein,  ein  alben> 
burgifdfje«  gürftentjau«  oor  ftdf)  ju  Ijaben,  roenn  er  fafj,  bog  fomo^l 
ein  9lad)fomme  biefe«  ©efcijlecijte«,  al«  aueb  ein  ©profi  feine«  alten 
geinbe«  ßruto  in  2Ubcnburg  ieitroeilig  i^ren  ©i$  Ratten.  C.  69  fagt 
er  bei  ©elegenljeit  ber  Sifitation«reife  SSicelin«  nad&  älbenburg: 
Princeps  terre  vocabatur  Rochel,  qui  fuerat  de  semine  Cru- 


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43 

tonis,  ydolatra  et  pirata  maximus,  unb  c.  83  ftnbet  ©erolb 
ebenfalls  an  jenem  Orte  bei  bem  regulus  Pribizlavus,  einem 
sJtod)fommen  ©ottfdjalfö,  gaftltcbe  Slufnatjme. lö)  §elmolb  Ijätte  alfo 
fc^r  tt)oE)l  in  gutem  ©tauben  Ijanbeln  fönnen.  ^nbeffen  wirb  W 
bie  Slnfid^t,  ein  angeftammteS  wagrifdfoeS  gürftenljauS  in  ©Ott* 
fdjalfö  @efdf)le$t  ju  feljen,  nidbt  aufregt  erhalten  laffen,  wenn  man 
aud)  jugeben  mufe,  bajg,  feit  SRiclot  ben  größeren  öfilidjen  Seil  be8 
2anbe$  an  jidjj  gertffen,  bie  beiben  ftreitenben  Stjnaftieen  ©ottfd&alfö 
unb  @ruto£  in  ber  2at  ungefähr  auf  SBagrien  befd)räntt  gemefen 
fein  werben,  mefleidjt  einfcblie&li<$  eines  $eiU  twn  ^olabien.  Siel* 
mefjr  werben  mir  in  ©ottfd&alf  einen  Obotritenfärften  fe^en  muffen. 
2)enn  crfienS  wirb  audf)  fein  ©rofwater  SRifhii,  wenn  anberS  ber 
SKiftui  bc3  SutijenaufftanbeS  983  unb  ber  9Hiftiwoi  2lbam$,  wie 
feljr  wafyrfcbeinlid),  ibenttfdf)  finb,  üon  Dietmar  unb  anberen  ein 
gürft  ber  Dbotriten  genannt,  bann  aber  erfctyeint,  wie  2Bigger 
(Üteuefte  Ar.  6.  42,  43)  gezeigt,  bie  ffltecflenburg  entfd&teben  als 
ber  £auptfifc  ©ottfdfjalfö,  wie  au«  2Ibam£  faft  gleichzeitigem  33eridj)t 
fjenwrgebt;  benn  mätjrenb  in  Sübcdf,  2Ubenburgf  Senjen  unb  9tat$e* 
bürg  nur  je  ein  Äloftcr  gewefen,  gab  e£  ju  3Medtlenburg  beren  brei; 
unb  eben  bort  befanb  fid)  audE)  beim  2lu$brudf)  be$  grofeen  2Iuf* 
ftanbeS  be£  gürften  ©emalin,  bie  bänifd&e  ÄönigStodjter,  mit  ifyren 
grauen.  £at  benn  aber  nun  §elmolb  wirflid)  in  ©ottfdjalf  einen 
wagrifdjen  gürften  oermuten  laffeu  wollen?  3»n  biefem  gaße  mußte 
er  bod;  wenigfienS  t>ermeiben,  ifjm  eine  anbere  Sejeicbnung  ju 
geben,  er  nennt  tfm  aber  flar  unb  unumwunben  einen  prineeps 
Obotritorum  (c.  21).  ®amit  fdjeint  mir  eigen tlid)  ©girren« 
Slnfic^t  fd)on  tyinlängUd)  wiberlegt  ju  fein.  9ftdf>tSbejioweniger  will 
id>  auf  eine  ber  von  ©djirren  gerügten  ©teilen  eingeben,  weil  fie 
aud)  anberweitig  intereffant  ift.  Sefanntlicij  erjagt  2lbam,  bafs 
©ottfd&alf  nadfj  ber  ©rmorbung  feine«  SSaterä  Uto  bie  läneburger 
©d&ule  unb  ben  d&riftlidjcn  ©lauben  oerlaffen,  fidf)  mit  ben  S3i* 
nulern  oerbunben  unb,  mit  iljrer  £ilfe  bie  ßfjriften  befämpfenb, 


15)  ©girren  ijält  biefen  Sflann  freiließ  nicfyt  für  ibentifefy  mit  bem  in  o.  49 
erwähnten  Pribizlavus,  l'ratruelis  Heinrici,  c.  55  audj  Pribizlavus  de 
Lubeko  genannt;  er  meint,  §elmolb  fdjeine  ben  fcefcteren  gerabc  burd)  bie 
angeführten  ^ufäfce  *>on  fc«n  3Ubcnburger  nnterfdjeiben  511  wollen,  ^nbeffen 
erflären  fieb  biefe  53e$eidmunjen  nwfyl  tnel  einfacher  auS  bem  93eftreben,  eine 
SScrwec^luna,  mit  }>ribt§lan>,  WclotS  ©etyn,  $u  üermeiben,  beffen  9tome,  als 
§elmolb  förieb,  roatyrfdjeinlicij  in  aller  SRunbe  gemefen  fein  ttrirb. 


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44 

Diele  taufenb  ©acfjfen  erfragen  fytbe.  §elmotb  (I,  c.  19)  erlaubt 
fidf)  hieran  nur  geringe  3Robificationen,  füfyrt  aber  bie  lefcte  Wafy 
ridjt  weiter  au«:  ©ottfd&alf  oermüjtet  ganj  9torbalbingien  in 
ber  fd&recflid&ften  SBeife,  fo  baß  nur  Sd&eljo  unb  Sofelbeburg  nodf) 
3uflud()t«orte  für  bie  perfolgte  SJeoölferung  bilben.  ©ine«  Sage«, 
betroffen  oon  ber  entfefctidben  ©inöbe,  bie  er  gefcfyaffen,  bereut  er 
feine  ©raufamfett  unb  giebt  fid&  batyer  einem  Saufen,  einem  horao 
pauper,  Holzatia  genitus,  ben  er  jufällig  trifft,  ju  erlennen 
unb  oerfpridfjt,  bie  iljn  umgebenbe  Stäubcrbanbe  au«jutiefern;  ju 
biefem  3roe<fe  verlangt  er  inbeffen  eine  3ufammenfunft  mit  ben 
Häuptern  ber  ©adfjfen.  SHefe  trauen  tfjm  aber  nid&t  Salb  barauf 
wirb  er  gefangen.  S)ie  tjeroorgeljobenen  2Borte  tyaben  ©girren  ju 
ber  SKnftdfjt  gebraut,  ipelmolb  habt,  entfpredfjenb  ber  tym  juge* 
fd&riebenen  Senbenj,  mit  bem  ganjen  ©tüdfe  im  wefenttid&en  nur 
beabfid&tigt,  ©ottfc&alf  in  möglidfjfl  unoerbäd^tiger  SSeife  in  ipolftein 
auftreten  §u  laffen.  9tun  Ijat  e«  an  fid&  oiel  aBabrfd&einlid&c«,  bafc 
ber  SBenbenfürft  feinen  Stoß  gerabe  gegen  9torbalbingien  geführt 
tiaben  wirb,  ba  bie«  ©ebiet  fetjr  triel  weljrlofer  balagf  al«  bie 
übrigen  fäd)ftfc$en  ©ebiete.  ©eljen  mir  ütbe«  audfj  Neroon  ab,  fo 
erfd&eint  e«  bodf)  befrembenb,  baß  £elmolb  felbft  bie  Orte  3feef)oe 
unb  Söfelnburg,  für  bie  er  fonfi  Einerlei  befenbere«  Qnterejfe  an 
ben  Sag  legt,  bie  jubem  an  ber  ©übgrenje  £olftein«  liegen,  mit 
9tomen  anführt,  wäfyrenb  bod&  bie  giction  in  ber  Siegel  fonfrete 
angaben  oermeibet.  gerner  ift  ju  bead&ten,  baß  bie  Hälfte  unge* 
fäljr  biefer  Partie  au«  5Bcd)fctrebcn  befte^t,  ein  gewöhnliche«  2ln* 
jeid&en  münblid&er  Srabition. 

3n  ber  %at  mußte  fid)  bie  fagenliafte  Ueberlieferung  mit  SBor* 
liebe  mit  bem  Wanne  befd&äfttgen,  mit  beffen  $obe  ba«  ßfjrtfientum 
jenfeit  ber  hiebet  >@lbe  )ti  ©runbc  ging  unb  auefy  für  bie  norbal* 
bingifdfjen  2)eutfd^en  eine  fernere  3*it  begann.  6«  ift  ba^er  triel 
erftaunltdfjer,  baß  wir  nirf>t  meljr  berartige  ßpifoben  in  £elmolb 
mieberfinben,  al«  baß  un«  überhaupt  etwa«  erhalten  ift.  S)ie  ©r* 
flärung  liegt  oieHeidfjt  barin,  baß  ber  ©lawenfüvft  in  Wedflenburg 
bem  tjolftetnifdjen  ©eftd^t«freife  bodf)  ju  weit  entrüdft  mar.  ©in 
9Jloment  inbeffen  mußte  ben  2ran«albingiern  bod)  oon  großem  $n* 
tereffe  fein.  üttan  mußte,  baß  @ott)d)alf  fpätcr  jwar  ein  fefjr 
frommer  6f)rift  gewefen,  in  früheren  Qafyxtn  aber  bie  d)rifi(id)en 
©adErfen  auf«  graufamfte  befämpft  fjatte.  2öa«  lag  nä^er,  al«  Um, 
womöglid&  oifion«artig,  au«  einem  ©aulu«  einen  $aulu«  werben 


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45 

ju  laffcn.  $)ie«  etroa  mag  ber  (Straftet  bcr  ©age  gerocfen  feinf 
bic  igetmolb  f)ier,  fo  gut  e«  angeben  wollte,  in  2Ibam«  erjä^lung 
eingefd&oben  Ijat;  unb  auf  biefe  9Seife  crflärcn  fidf)  mobl  am  ein* 
fadfjften  bic  ©d&roierigfciten,  bic  ©d&irren  gcfunbcn. 

2lucf)  in  bcr  crftcn  §älfte  be«  34.  Kapitel«  rorrben,  rote  an 
bcr  eben  bejubelten  Stelle,  bie  fritifdfjen  Sebenfen  ©darren«  gegen 
bie  ©laubroürbtgfcit  ber  bort  gegebenen  ©rjctylung  IjauptfädfjUdf) 
burdE)  ba«  üorfjin  befprodjene  2Jerbad()t«moment  veranlagt.  Sttudf) 
\)itx  foU  ber  Stjronift  2llbenburg  nur  ermähnt  Ijaben,  um  Süagrien 
al«  ba«  eigentliche  ©tammlanb  be«  Sffienbcnfürften  §emridf)  er* 
feinen  ju  laffen.  ^nbe«  nrieberum  ift  ©d&irren«  SWifetrauen  un* 
berechtigt,  £elmotb  treibt:  Heinricus  —  egressus  Dacia,  re- 
versus  est  in  terram  patrum  suorum.  Cui  cum  Cruto  in- 
troitum  precluderet  omnem,  ille  collecto  —  navium  numero 
percussit  Aldenburg  et  omnem  maritimam  Sclavorum  provin- 
ciam.  3unäcl)ft  rechtfertigt  bcr  ©egenfafc  oon  Dacia  ju  terra 
patrum  suorum  ben  ©d;lufe,  bafe  ipclmolb  mit  bcr  lefcteren  23e* 
jeid&nung  nid&t  einen  Seil,  fonbern  ba«  ganje  ©laroenlanb  gemeint 
tyat;  ferner  fprid&t  £elmolb  im  erften  unb  jroeiten  ©afc  t>on  jroci 
oerf^iebenen  Bügen,  baljer  ift  audf)  au«  biefem  ©runbe  nid)t  ge* 
ftattet,  anjunebmen,  ba&  §clmolb  Sllbenburg  mit  ber  terra  patrum 
suorum  Ijabe  ibentificiren  motten;  eublid^  ift  bic  ©rroätjnung  biefer 
©tabt  ^icr  uottftänbig  am  Pafce.  ©girren  unterläßt  mtfyt,  mefjr 
aus  einmal  barauf  Ijinsuroeifen,  bafe  Sllbcnburg  bei  2lbam  ben  33ei* 
namen  maritima  fityre,  unb  bafe  bie  Sanbüerbinbung  mit  ben 
übrigen  flaroifdfjen  Sßrotrinjen  roaljrfd&einltdf)  eine  fef>r  fdfjtedjte  unb 
unbequeme  geroefen  fei.  ©erabe  biefe  ©rünbe  mußten  einem  3Rann, 
ber  oon  ber  ©ee  au«  in  ©lamien  gufj  faffen  wollte,  biefe  ©egenb 
ju  Angriffen  äufcerft  roertoott  unb  uorteilljaft  mad&en.  @o  mar 
audf)  &einri<i)  uerftänbig  genug,  jumal  er  fyier  auf  bie  §ilfe  ber 
3)eutfd)en,  ber  alten  23unbe«genoffen  feine«  ©efdfjledfjt«,  rennen 
fonnte,  ßruto  in  ber  äu&erften  ^eripljerie  feine«  üDtodjtfreife«  an* 
jugreifen,  ftatt  tpridfjter  SBeife  mit  feinen  geringen  Äräften  mitten 
in«  &erj  be«  feinbUdjen  ©ebicte«  ftofeen  ju  motten. 

äudj)  ber  %rti)alt  ber  ©rsä^lung  felbft  proteftirt  lebhaft  gegen 
ben  33erbad&t  ber  ©rfinbung  burd&  §elmolb.  ©r  ift  furj  folgeuber: 
Jpeinridt)  jroingt  burdf)  roieberljclte  ßinfättc  t>on  ber  ©ee  Ijcr  ben 
alten  ßruto,  ifjm  einige  Drtfd&aften  (villas)  abjutreten,  fegt  fidf) 
mit  tfjm  in  ein  äufeerlid^  gute«  SBerljältiüfe,  labt  il>n  ju  einem  ©aft* 


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46 

mat)le  ein,  läfet  it>n  hierbei,  als  er  trunfen  ift,  erfdfjtagen  unb 
heiratet  fjemadfj  feine  ©emalin  ©laioina,  bie  i$m  bei  bieder  SRorb* 
tat  be^itpCid^  geroefen  ift. 

@S  unterliegt  feinem  S^eifel,  bafe  eine  fotd&e  JganblungSioeife 
überaus  praftifdj  unb  in  biefer3*it  fetneSroegS  unerhört  ift;  £ein* 
rid&  ^ätte  in  2)änemarf  bafür  red&t  gute  ©tubien  machen  fönnen; 
man  mödfjte  aber  faum  behaupten,  bafc  fie  if)tn  befonberS  jur  3tobe 
gereifte.  @S  ift  baljer  gar  fein  erfidjtlidjer  ©runb  porfyanben, 
warum  &elmotb  btefe  Xatfadfje  jur  ©dfjanbe  feinet  gelben  ^ätte  er* 
fmnen  follen.  3**r  ©egrünbung  oon  £errfc&erredf)ten,  wie  Sdjirren 
nrifl,  mar  eS  bod)  nidfot  nötig  1  Keffer  als  er  eS  burd)  bie  ab* 
ftammung  oon  ©ottfdfjalf  getan,  fonnte  er  biefe  bodf)  gar  nid&t  fun* 
biren.  28oHte  aber  $clmolb  bem  £einric$  nur  eine  berühmte  ©e* 
matin  oerfd&affen  —  ein  SDlotiü,  baS  ©girren  ebenfalls  oermutet, 
—  fo  beburfte  eS  bod^  toa&rltd)  feine«  SRorbeS!  ®S  fieljt  nid^t 
anberS,  je  metjr  man  ©dfjirrenS  aflifetrauen  gegen  §elmolb  teilt,  um 
fo  ft^erer  mufe  man  annehmen,  bafe  biefc  Sxttfad&e,  bie  feinen 
SBünfcijen  gerabeju  ins  ©eftd&t  fdfjlägt,  nidf)t  oon  Ujm  erfunben, 
fonbern  aus  einer  anbern  Quelle  übernommen  ift.  3n  ber  $ar* 
fteüung  ber  SKebenumftänbe  freiließ  läßt  fi$  eine  £einridf)  günftige 
geber  gar  nicfyt  oerfennen.  S)ie  ©rmorbung  unb  baS  ef>ebred&e* 
rifdje  SJer^ättnife  liefe  fic$  nid^t  ableugnen;  fo  wirb  benn  §einridfj 
nur  als  ter  angegriffene,  ntdfjt  als  ber  Angreifer,  nur  als  ber  $er* 
führte,  nidjt  als  ber  3>erfül)rer  ljutgefteflt.  9ttd&t  er  trautet  nad& 
bem  SBefifce  ber  ©laioina,  fonbern  fie  nad&  bem  feinigen.  9ttöf)t 
er  ftellt  bem  ßruto  nadfj,  fonbern  btefer  iljm,  unb  nur,  um 
nid&t  baS  gleite  ©d&idtfal  oon  ber  £anb  feine«  geinbeS  ju  er* 
leiben,  läfct  er  il)n,  oon  ber  ©latoina  über  feine  böfen  $läne  unter* 
rid&tet,  bei  einem  ©aftmaljle  erfragen;  aber  felbft  bei  biefer  @e* 
legenljeit  nrirb  bie  angäbe  oermieben,  bafe  bie  %at  auf  feinen  9Je* 
fef)l  ooüfüljrt  toirb.  S)enfbar  ift  es  immerhin,  toenn  audf>  feines* 
toegS  nottoenbig,  bafe  $elmolb  felber  biefer  milbc  SRebaftor  mar, 
inbeS  werben  mir  nodf)  eine  jroeite,  minbeftcnS  ebenfo  roaljrfd&ein* 
Ud&e  äRöglid&fett  fennen  lernen. 

Sie  in  ber  jroeiten  $älfte  beS  34.  ÄapitelS  erjagte  $atfad&e 
einer  ©dfjlac^t  auf  bem  fmilower  gelbe  fyat  felbji  ©<f)trren  jugegeben 
(©.  129),  toennglcid)  er  fie  an  anberer  ©teile  (2lnm.  8.  ©.  257 
unb  256)  toieber  oöüig  in  grage  ju  jie^en  fd^eint.  2Bie  midjj 
bünft,  beftätigt  fid^  bie  (Srjäljtung  burdt)  bie  eingefügte  fleine  SHnef* 


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47 

böte,  bafe  bie  Slawen,  wie  biejenigen  berieten,  beten  93äter  ju* 
gegen  gewejen,  t>on  ben  ©trafen  ber  untergebenben  Sonne  ge* 
blenbet  worben  feien  Qn  bet  $at  muffen  bie  SBenben,  qui  ha- 
bitant  ad  austrum  et  Orient em,  nnter  normalen  Sct^ättniffen 
mit  bem  ©ejtcbt  nadj  Sonnenuntergang,  bie  3)eutfdjen,  welche  im 
wefentlid&en  oon  SQBeften  ber  famen,  mit  bem  2lntli&  gegen  Dfien 
gefönten  baben. 

@S  fragt  ftdf)  nun,  wober  Jpetmolb  bie  ©rjä^lung  oon  ber 
Sdjlad&t  bei  Smttome  entnommen  l)at? 

(SS  mufc  auffallen,  bafc  in  ber  ganjen  jweiten  $älfte  beS  c.  34 
eigentümliche  Sejiebungen  unb  ©egenüberflellungen  ju  bem  ©eriebt 
über  ben  Untergang  ©utueS  wieberfebren.  ©S  mag  t>ielleid&t  auf 
ijjelmolb  bireft  jurücfgefüljrt  werben  fönnen,  wenn  bie  üJtotimrung 
beS  ÄampfeS  ber  Slawen  an  beiben  Stellen  felbft  bis  auf  ben 
SBortlaut  biefelbe  tfi: 

c.  25.  c.  34. 

Slavi  —  tanta  animi  obstinatia  li-  Audientes  —  Sclavorum  populi  — 

bertatem  defendere  nigi  sunt,  ut  prius  quod  surrexisset    inter   eos  prineeps, 

maluerint   mori,  quam   christiani-  qui  dicat  subjacondum   cristia- 

tati«     titultim     resumere     aut  nis  legibus  et  tributa   princi- 

tributa  solvere  Saxonum  prin-  pibus  solvenda,  vehementer  indi- 

cipibus.  gnati  sunt. 

aber  für  bie  ©leicb^eit  ber  Stellung  §einri$$  wie  SutueS  ju 
$erjog  9JtognuS  wirb  ipelmolb  fd&on  nid^t  mebr  nerantmortlid)  ge* 
maebt  werben  bürfen.  2)ie  SBenbung  fecitque  ei  (b.  i.  3RagnuS) 
juramentum  fidelitatis  ac  subjeetionis  entfpridjt  wobl  ber  pro- 
curatio  Sclavice  provincie  ober  folgen  Söenbungen,  wie:  .  . 
Saxonum  prineipibus,  quibus  pater  ejus  devotus  semper 
et  fidelis  extiterat  ober  nichil  pretermittens  eorum,  que  ad 
eultum  Dei  et  fidem  prineipum  jure  pertinuerint  unb  ä£ntid>en 
Stellen  in  c.  25. 

9tod)  weit  merfmürbiger  aber  ift  es,  ba&  ^ier  ebenfalls  bie 
Sorben  auftreten,  bie,  wie  gefagt,  fonft  nur  in  2lnlef)nung  an  Sttbam 
einmal  erwähnt  werben.  SRflerbingS  mufe  eS  auffallen,  ba&  bie 
gorm  Thetmarchi  l)ier  nid^t  wieberfebrt,  ftott  beffen  Reifet  es 
Thetmarci.  Severe  $orm  fmbet  fidf)  inbeffen,  wenn  fonft  nidjtS  über* 
fe^en  ifl,  nur  einmal  im  £elmolb  wieber,  in  c.  6  in  einer  aus  äbam 
entnommenen  Stelle;  freiließ  bot  bort  feiner  oon  beffen  uns  befannten 
CobtceSbie  Variante  Thetmarci.  ^ebenfalls  fie^t  aber  biefe  gorm  ber 
beS  c.  25  unb  26  no$  am  nä#en;  ja  id>  nebme  faum  Stnftanb,  auf 


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46 

©runb  bet  Dielen  anbermeitigen  93erwanbtfd>aften  anjuneljmen,  bafe 
&elmolb  fetbft  ober  feine  abtreibet  in  ber  ftlüd&ttgfeit  bo$  h  au«* 
gelaffen  traben.  2)a$  ifl  um  fo  etjer  möglich,  als  ber  -Warne  l)ier 
nur  einmal  porfommt;  bei  einer  jmeiten  ©elegen^eit  erfegt  il>n 
£etmolb,  ber  bie  2ran$albingter  fonfl  in  fafl  ermubenber  ©leiefc 
mä&igfeit  in  i&re  brei  Stämme  jertegt,  auSna&mämeife  bur#  <»- 
terique  Saxones  Sclavis  contigui.  3U  *>en  w*&*  äufeerlidjen 
ttebereinftimmungen  red&net  es  enblid)  nod&,  ba£  ftd)  an  beiben 
Orten  bie  un$  fonfl  faft  nie  im  §elmolb  begegnenbe  SBenbung: 
fortissimi  Bardorum  2c.  ftnbet. 

Staju  fommen  manntgfac&e  Sejiefcungen  innerer  ärt.  SBJä^ 
renb  j.  93.  bamals  bie  Sarben  allein  unter  SButue  bem  geinbe 
gegenübergeftanben,  unb  ber  iperjog  fomo&l,  als  bie  brei  norbelbifdjen 
©tamme  iljren  Hilferuf  nid^t  gehört  Ratten,  fommen  fie  tyer  auf 
ipetnrid&S  $otfd>aft  omnes  (alfo  aud)  ber  $erjog)  prompto 
animo  et  voluutario  corde.  2Iber  trog  ber  grofeen  Gruppen* 
$al)l,  bie  man  bemgemäfe  permuten  möd>te,  ffityt  ftd)  3Kagnu$  bem 
ipeere  ber  Slawen  gegenüber  ju  fd>wadr,  benn  fmb  e$  audj  nidjt 
wie  bamatö  infinita  agmina,  bie  i^m  gegenfiberftetyen,  fo  ift  ba$ 
©lawentyeer  bo$  grandis  et  armis  instruetus.  S)er  $erjog 
märtet  baljer  fluger  Seife  nod>  auf  Serflärfung,  eine  SSorftc^t  f  bie 
33utue  einfi  unterlaffen  tyatte,  obwohl  er  weit  fd)wäd>er  gewefen. 
Statt  alfo  fofort  anjugreifen,  jief)t  SJtagnuS  ben  ganjen  Sag  mit 
Unter^anblungen  Ijtn,  bi«  jene  §ilf$mannfd)aft  eintrifft;  bann  crfl 
beginnen  bie  ©adtfen  bie  Sd>la#t  unb  ftegen  glänjenb.  2llfo  bur# 
eine  ÄriegSlift  mar  ©utue  ju@runbe  gegangen,  burd>  eineÄriegS* 
lifl  erfo<^t  mau  bte*mat  ben  Sieg,  gür  bie  annähme,  bafe  in  ber 
%at  bie  ju  bem  iperjog  fiofcenbe  Setftärtung  einem  tenbenjiöfen 
3mecf  bienen  foflte,  föeint  ber  Umflanb  ju  fpred>en ,  bafe  mir  gar 
nid&tö  ©enauereS  über  fte  erfahren.  SQBo^er  fommen  fte?  Ser  ftnb 
fie?  Sarum  treffen  fie  fpäter  ein,  als  bie  anbern  Gruppen?  Sie 
Reifet  i&r  gü&rer?  3n  melier  Seife  greifen  fte  in  bie  Sd>la$t  ein? 
Sluf  alle  biefe  fragen  erhalten  mir  feine  äntwort.  3Ran  fann  alfo 
eigentlich  nur  über  ben  $\otd  jwetfelljaft  fein,  beffentmiUen  fie  in 
©cene  gefegt  werben.  33ieHeid)t  wollte  man  nur  no$  einmal  barauf 
Ijmwetfen:  wenn  ber  mächtige  §erjog  md&t  anzugreifen  wagt  otyne 
weitere  ttnterftüfcung,  wie  Ratten  e$  bamatö  bie  £ranäalbingier 
gefonnt;  nieHeid^t  wollte  man  aud)  biefe  2Xbfid^t  neben  ber  oben 
permuteten  errei<$en.    Äurj  immer  nod)  flingt  ti  aud  ben  Sorten 


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49 


tyerauS,  baf$  bie  $olfieiner,  ©tormarn  unb  SHtymarföen  nt$t 
©d)utb  geroefen  an  ber  9tiebcrlage  23utue3  unb  ber  93arben  ober 
bod)  jum  ntinbeften  fic  ni<f)t  l)ätte  abroenben  fonnen  unb  nur  fetbft 
mit  inS  SSerbcrben  fjineingeriffen  roorben  waren.  SIber  fjeute  cnb* 
Ud)  ifi  ber  £ag  ber  ©djmadf)  gefüfjnt ! 

9io<$  frappirenber  ift  e£,  wie  eigentümlidj  bie  SBirfungen  beiber 
(Sreigniffe  forrefponbiren: 


c.  26. 

Invaluitquo  Cruto,  et  prosperatum 
est  opus  in  manibus  ejus,  obtimütque 
dominium  in  universa  terra  Scla- 
vorum. 

et  attrite10)  sunt  vires  Saxonum 
et  servierunt  Crutoni  sub  tri- 
buto,  omnis  terra  videlicet  Nordal- 
bingorum. 

Et  repleta  est  terra  latruneulis, 
facientibus  mortes  et  captiones  17)  in 
populo  Dei.  Et  devoraverunt  gentes 
Saxonum  toto  ore. 

Et  devoraverunt  gentes  Saxonum 
toto  ore.  In  diebus  illis  surrexerunt 
de  populo  Holzatorum  amplius  quam 
sexcente  familie  transmissoque  amne 
abierunt  via  longissima  querentes  sibi 
eedes  opportunas,  ubi  fervorem  perse- 
cutionis  declinarent. 


c.  34. 
factus    quo    est    apud    Sclavorum 
gentes  notissimus. 


Servieruntque  a  die  illa  omnes 
ille  orientalium  Sclavorum  nationes 
Heinrico  sub  tributo. 

Precepitquo  Sclavorum  populo,  ut 
coleret  vir  agrum  suum  et  exerceret 
laborem  et  utilem  et  commodum  ex- 
tirpavitque  latruneulos  et  viros  de- 
sertores  de  terra. 

Et  exierunt  Nordalbingo  rum  populi 
de  munitionibus,  in  quibus  conclusi 
tenebantur  propter  timores  beUorum,  et 
reverßi  sunt  unusquisque  in  villam 
et  possessionem  suam,  et  reedincate 
domus  et  ecclesie  beUorum  tempesta- 
tibus  dudum  dirute. 


3Ran  famt  ja  fagenf  baf*  biefe  parallele  von  §elmo!b  tyer* 
rütyre,  bann  müfete  fie  inbeg  einen  beftimmten  3n>ecf  f)aben;  ber 
fönnte  aber  nur  bie  SerljerrUd&ung  £einrid)S  fein,  welcher  nad) 
Saljrjefjnten  enblid^  nneber  bem  Sanbe  grieben  unb  9tut)e  bringt. 
3)em  gegenüber  ifi  jebod)  ju  bead&ten,  baf$  menigftenS  ba8  birefte 
£ob  beS  Söenbenfiirfien  gerabe  an  biefer  ©teile  bodf)  nur  mäßig 
ift;  man  tjergleid^e  nur  jum  Semeife  £elmolb3  entfpred&enbe  Sorte 
über  Sruto.  2lud)  in  ber  ©dfjtad&t  fpielt  er  merfroürbiger  SBeife 
gar  feine  SRoHe.  §elmolb  Ijätte  audj  rootjt,  roenn  er  bie«  ©tüd 
tüirfUdf)  mit  ber  abfielt  getrieben  l)ätte,  $emridf)  ju  preifen,  bie 


le)  c.  34  analog:    Nordalbingorum  populos,    quos    Cruto    vehementer 
attriverat. 

11)  c.  34  analog:    qui  (Sruto)  tradidisset  eos  in  mortem  et  in   ca- 
ptionem  et  in  exterminium. 

4 


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50 

fegen*reidfjen  SBirfungen  feiner  ^errfd&aft  bereit*  gleidj)  nadfj  Eruto* 
©rmorbung  gebracht;  benn  bamal*  ftanb  $einrid)  auf  eigenen 
güfjen,  bie  ©rfolge  wären  atfo  alle  in  triel  ^ö^erem  Orabe  fein  ge* 
wefen,  al*  nadj)  jener  ©djjtad&t,  in  ber  nidjt  er,  fonbern  9Jlagnu* 
gefiegt.  $emnad)  werben  wir  bie  parallele  jtmfdjlen  c  26  unb  c.  34 
roofjl  unbebenflidj  §elmotb*  ©eridfjterftatter  jufd&reiben  bürfen.- 
9limmt  man  enblid&  nodf)  l)inju,  bafe  in  bemfelben  Äapüel,  ftc^tlic^ 
nidjt  mit  ber  Haren  ©rfenntnife  oon  ber  ©emiffenlofigfeit  bicfer 
£at,  erjagt  wirb,  wie  ber  SWann,  ber  einftmal*  in  fd&änbUdfjem 
Sreubrud^  Sutue  unb  bie  Sarben  Ijatte  ermorben  laffen,  jefct  burd) 
ben  nod)  oiel  abfd&eulid&eren  £reubrud&  be*  eigenen  SBeibe*  ju 
©runbe  gegangen  ift,  jo  wirb  man  fid&  ber  SSermutung  laum  per* 
fdfjtie&en  fönnen,  bafe  bie*  Äapitel  berfelben  Xrabitton*fpl)cire  eut* 
ftammt,  wie  jene  erften  (c.  25  unb  c.  26),  unb  bafe  e*  gewiffep 
ma&en  bie  Antwort  auf  bie  bort  erjagten  ßreigniffe  bilbet.  SHefe 
§9P0tf)efe  wirb  nod&  burd)  eine  anbere  Beobachtung  gejiüfct  2ro$ 
ber  flortyn  fonftatirten  £atfadf)en  lögt  fiel)  nämlich  au<$  in  ber 
jmeiten  §älfte  be*  34.  Äapitet*  ein  gewiffe*  Qntereffe  für  $einrid) 
nid&t  perlennen.  @*  jeigt  ftd&  in  ben  SBirfungen  be*  ©iege*,  bie 
eben  nur  nidf)t  grofe  genug  gefdfjilbert  werben,  um  tenbenjiöfe  ©r* 
finbungen  $elmotb*  fein  ju  fönnen;  e*  jeigt  fid&  barin  bafe  §ein* 
ridf)  oon  SDtagnu*  fjodj)  aufgenommen  wirb  (magnificatusque  est 
apud  eum),  unb  bafe  auf  feine  Sotfd&aft  iperjog  unb  £ran*albin* 
gier  prompto  animo  et  voluntario  corde  herbeieilen.  Slm  meifien 
aber  tritt  biefe  Vorliebe  für  ben  äBenbenfürften  ju  Sage,  fo  oft  er 
mit  ben  SSölfern  Xrau*albingien*  in  Sejie^ungen  tritt:  Sed  et 
Nordalbingorum  populos  —  iste  convoeavit  in  unum,  et  iniit 
cum  eis  pactum  firmissimum,  nulla  bellorum  tempe- 
state  convellendum.  —  eoquod  —  surrexisset pro  eo  prin- 
ceps  novus,  qui  diligeret  salutem  Israel.  —  Servierunt- 
que  ei  ex  animo,  properantes  cum  eo  ad  varia  bello- 
rum pericula,  parati  cum  eo  aut  vivere  aut  mori 
for titer.  $arau*  wirb  man  mit  9ted)t  ben  Sdfjlufc  jiefjen 
bürfen,  bafe  bie  Stjmpatljie  für  §einrid^  an  biefer  Stelle  unb  bamit 
audf)  in  bem  ganjen  fiapitel  ben  SRorbatbingiern  jujufdjreiben  ifl 
Unb  jugleid&  ergiebt  ftd)  Ijierau*,  bafe,  wie  c.  25  unb  26,  aud& 
c.  34  au*  uorbalbingifdjem  ©tanbpunft  gefd&rieben  ift,  ber  freiließ 
^ier  nidjt  fo  fd&roff  ^eroortritt,  wie  bort. 

6*  ift  nod&  ein*  nadjjuljolcn.   Sdfjirren  bejweifelt  bie  ©jiftenj 


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51 

her  ©laroina  überhaupt,  roenigften«  fofern  fte  juerfl  mit  Sruto  per* 
heiratet  geroefen  fein  foflL  ©r  ftägt  fidf)  barauf,  ba§  fie  nur  burd) 
£elmolb  unb  ben  5ßre8bt)ter  SftemenfiS,  eine  Queue  britten  9tange3, 
bejeugt  fei.  ©girren  meint  (t>gl.  @.  157  unb  158),  bafe  £elmolb 
feinem  ©einriß  nur  (>abe  eine  berühmte  ©ematin  geben  wollen. 
*9Wan  mag  ba$  3eu9n$  be^  ^reSbgterS,  ber  in  biefen  Seilen  auf 
£elmolb  beruht,  jur  Seite  fdjieben,  obgleich  3ufäfce  beroeifen,  ba& 
er  noä)  eine  jroeite  Quelle  benufct  Ijaben  muft.  ®r  fdfjreibt: 18) 
Junior  filius  nobilis  viri  Gotschalci,  dictus  Hinricus,  demum 
de  Dada  rediens  cum  magna  potentia  etCritonem  postmulta 
certamina  interfecit  prope  Plone  et  uxorem  eius  in  matri- 
monium  sibi  copulavit,  cum  qua  castrum  Plone  et  ter- 
ram  Wayrorum  iu  dotem  reeipiens,  Slavinam  bapti- 
zari  fecit  et  sie  totam  terram  paeifice  possedit.  Slber  audj 
eine  anbere  Queue  berietet  baffelbc.  Cornelius  Hamsfort, 19) 
allerbütgS  erft  ein  2lutor  be$  16.  igatyrljunbert,  ber  aber  meijl  gute 
Quellen  benufct  fjat,  f treibt  in  feiner  Chronologia  seeunda: 
Anno  Domini  MCV.  —  Cruco  senex  tyrannus  obotritorum 
Hanetum  a  Dano  equite  in  commessationibus  Plonen- 
sibus  insidiis  uxoris  Slavinae  Pomeranae,  Svantiboris 
filiae,  et  Henrici,  Godscalci  filii,  Regni  consortis  trueidatur. 
@$  mufe  alfo  neben  Jpelmotb  nod)  eine  Ueberlieferung  gegeben  Ijaben, 
bie  benotete,  bafe  ©laroina  ©roantiborä  Softer  geroefen,  unb  bafe 
bie  ©rmorbung  6ruto£  bei  Sßlön  nor  fidj  gegangen  fei.  3)ie  lefcte 
Üatfadjf  ift  für  uns  oon  au&erorbenttidjem  Qntereffc.  ©8  mürbe 
in  ben  Stammen  beSßap.  34  fo  norjüglidfi'liineinpaffeu,  roenn  ßruto 
an  berfelben  ©teile  niebergeftofeen  märe,  mie  93utue,  ba&  man  fiel)  ber 
Sktmutung  nidjt  erwehren  fann,  bie  Angabe  $am$fort8  unb  beä 
Sßreabgterä  feien  an  lefcter  ©teile  aus  berfelben  Queue  gefloffen, 
au«  ber  $elmolb  gefd&öpft  l)at,  b.  I).  nieDei^t  avß  einem  alten 
Soiföliebe. 

S)em  3atyre  JpamSf  ort$  1105  werben  mir  rool)l  fein  Vertrauen 
fdjenfen  bttrfen;  feine  3<*l)fenangaben  finb  nid&t  junerläffig.  Jpin* 
gegen  gemattet  bie  gemeinfdjaftlidjc  Angabe  ber  ^ilbe^eimer  Slnnalen 
unb  be$  Slnnalifta  ©a? o  ju  1093:  Magnus  dux  Saxonum  Sclavos 

18)  Chronicon  Holzatiae  auetore  presbytero  Bremensi.    Mon.  Germ   88. 
XXI. 

19)  Cornelii   Hamsfortii    chronologia    seeunda:   Script,   rer.   Dauic.   ed. 
Langebeck  I. 

4» 


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52 

rebellantes,  14  urbibus  captis,  subegit  rooljl,  bie  fmilomer 
©d)tadf)t  in  biefe«  %a\)t  ju  fcfecn.  GrutoS  ©rmorbung  würbe  bann 
roa^rfd&emUdfj  in  ba8  Safjr  porljer  unb  $einrid&«  erfte  SanbungS* 
perfudfje  nodE)  mehrere  3>af)re  rfidfroärtS  ju  fefeen  fein. 

®ie  Heine  ©pifobe  pon  ber  ©rmorbung  be«  ©rafen  ©ottfrieb 
übergebe  td&;  felbft  ©girren  \)at  biefe  erjä&lung  nid&t  angegriffen  f 
fte  wirb  and)  burd&  anbere  Quellen  geftüfct,  porjüglicl)  burd&  ben 
annalifta  ©ajo.    SKit  Üjm  muffen  mir  audj  bieS  Ereignis  in  ba$ 
3al)r  llio  fe&en,  für  ba8  audj  anbere  ©rünbe  fpred&en. 

&elmolb  erjctylt  weiter  in  c.  36,  n>ie  $einridf)  ptofeUdfc  in 
feiner  Surg  Sübedt  pon  ber  ©ee  fjer  pon  SRügern  überfallen  wirb, 
redf)tjeitig  entfliegt,  oon  ben  §olfteinern  §ilfe  §ott  unb  jurüdfe^- 
renb  über  bie  SRüger  burdf)  eine  ÄriegSUfi  einen  großen  Sieg  er- 
ftd&t  SHud&  biefer  ®rjä^lung  gegenüber  perf)ält  fidfj  ©girren  äu&erft 
ffeptifdfj;  jum  tninbeften  nimmt  er  an,  bafe  bie  S)etail£  2tu$* 
fd&müdfungen  &etmolb$  finb,  bie  er  fidf)  nadf)  SambertS  5)arfiellung 
pon  §einridf)3  IV.  gludfjt  pon  ber  fcarjburg  unb  ber  ©df)lad&t  an 
ber  Unftrut,  bie  U>m  Pietteidfjt  burdf)  ©ffetjarb«  Sßermittelung  §uge* 
fommen  fei,  felbftftänbig  erbietet  Ijabe  (pgl.  Slnm.  8).  SBigger  tyat 
biefe  2(u$füt)rungen  ©.  51  jurüdtgenriefen,  fo  bafe  e$  einer  SBiber* 
legung  an  biefer  ©teile  nidfjt  bebarf. 

®ie  3lrt  unb  SBScife,  in  ber  ©girren  bie  2Rögtidf)fett  einer 
folgen  ©fpebition  jugiebt,  erregt  ben  (Sinbrudf,  als  rotnn  er  fic  in 
äBirflid&feit  eigentlich  pöllig  bereifte  (pgl.  ©.  129—131  unb 
2tnm.  8 ).  Unb  bod)  f)at  ein  fold&er  3ug  an  fidfj  gar  nid&tö  Un- 
ipaljrfd&emüd&e«.  6r  nrieb£rt)ott  fidf)  ju  3roentepotdf)$  3c^"f  c-  48f 
unb  in  geroiffer  Söeife  aud)  in  SftaceS  UcberfaUf  c.  55:  Non 
multo  post  venit  quidam  Race  de  semine  Crutonis  cum 
classica  manu,  arbitratus  se  hostem  suum  Pribizlaum  Lubeke 
reperturum.  SKber  mir  erfd&eint  überhaupt  ein  3roctfet  an  b\t\tt 
©rjäfjtung,  jum  tpenigften  foroeit  §elmotb$  guter  ©taube  in  grage 
fommt,  pollfommen  unmöglich  ®r  madtjt  bie  beftimmte  Angabe: 
Feceruntque  tumulum  magnum,  in  quo  projeeerunt  corpora 
mortuorum,  et  in  monumentum  victorie  vocatus  est 
tumulus  ille  Raniberg  usque  in  hodiemum  diem.  Magni- 
ficatusque  est  Dominus  Deus  in  manu  cristianorum  in  die  illa, 
statueruntque  ut  dies  Kalendarum  Augusti  cele- 
bretur  omnibus  annis  in  signuum  et  recordationem, 
quod  percusserit  Dominus   Ranos   in  conspectu  plebis  sue. 


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53 

3)ergleid&en  ^Behauptungen  fonnte  bod^  $elmolb  unmögltdfj  oljne 
©runb  aufteilen,  wenn  er  fo  leidet  ju  fontrolliren  war,  wie  in 
biefem  ^aüt,  am  rocnigftcn  ben  lübifdfjen  ©omljerren  gegenüber, 
beren  6tabt  nur  eine  Heine  3Heile  uon  2ttt4*übe<f  entfernt  liegt. 
üWöglid)  fogar,  bafe  man  jenes  geji  twn  bort  nadE)  bem  neuen  Sübedt 
Ijinübergenommen.  @S  Ijanbelt  fid^  atfo  nur  bar  um,  ju  ermitteln, 
meldte  Cluelle  £elmotb  l)ier  benufct  fjat;  anfd&eincnb  eine  anbere 
als  in  c.  34,  benn  liier  unterfiüfcen  §einrtd^,  rote  eS  freiließ  audj 
in  ber  üRatur  ber  @adf)e  liegt,  nur  bie  &olfteiner,  nid^t  bie  ge* 
fammten  9lorbalbingier  unb  jweitenS  finbet  ftd&  baS  gewö&nlid&e 
3eic^en  eines  Quellen  wed&fetS,  eine  SBieber^olung;  benn  wäfjrenb 
§elmolb  c.  34  fdfjon  einmal  bie^einridf)  unterroorfenen  SSölfer  an* 
gegeben:  Servieruntque  a  die  illa  omnes  ille  orientalium  Scla- 
vorum  nationes  Heinrico  sub  tributo,  wieberfjolt  er  fie  f)ier  nod& 
einmal,  übrigens  in  ftdfjtlidfj  übertriebener  SBeije:  Servieruntque 
Ranorum  populi  Heinrico  sub  tributo,  quemadmodum  Wagiri, 
Polabi,  Obotriti,  Kicini,  Cyrcipani,  Lutici,  Pomerani  et  uni- 
verse  Sclavorum  nationes,  que  sunt  inter  Albiam  et  mare 
Balticum  et  longissimo  tractu  portenduntur  usque  ad  terram 
Polonorum.  2ludE)  mit  ber  in  c.  38  benufcten  Ueberlieferung  ftefjt 
biefe  6r§ä^lung  In  SBiberfprudfr,  benn  wäljrenb  l)ier  gejagt  wirb 
bafe  bie  SRüger  tributpflichtig  geworben,  als  (Srfotg  MefeS  3ugeS  ge* 
bad&t  eine  ganj  unbenfbare  £atfad(je,  unternimmt  ^einrid)  c.  38 
feinen  3ug  gegen  SRügen,  nid&t  um  auffianbifd&e  Stebellen  nieberju* 
werfen,  fonbern  ad  rependendam  talionem;  aud)  wirb  nirgcnbS 
bort  einer  früheren  Unterwerfung  ober  eines  alten  Tributes  ge* 
badfjt,  obglei<$  bie  ©etegenljeit  baju  ftd>  me^r  als  einmal  bietet. 
(Snblidfj  ift  ju  beadfjten,  bafc  Ijter  ber  einjtge  Drt  ift,  an  bem  &U 
molb  aud&  beS  -JiamenS  Rani  für  bie  Stüger  Erwähnung  tut:  Rani, 
qui  ab  aliis  Runi  appellantur.  So  fdfjeint  alfo  biefeS  Kapitel 
ifolirt  bajufteljen.  SMan  wirb  hieraus  nod)  ein  ©tüdt  auSfdEjeibcn 
muffen,  bie  Ctyarafteriftif  beS  rügifd&en  3SolfeS,  bie  woljl  §clmolb 
fctbft  jujufdfjreiben  ift.  S);e  (Sntfleljung  beS  9tefteS  ijl  meines  @p 
ad&tenS  nad&  2Ut*£ttbedt  felbft  ju  verlegen,  ßine  Steige  Heiner  3"ge 
fpredjen  baffir,  twr  allem  bie  Serrainfenntnifc,  bie  unaerfennbar 
Ijeroortritt;  ferner  fpielen  gerabe  bei  Sübedt  bie  Keinen  ßpifoben, 
bie  an  ftety  überflüffig  finb,  bie  ber  ßrjctytung  aber  eigentlich  erft 
iljren  @f)arafter  geben,  ©o  wirb  uns  bie  Siebe  ^einrid^S  an  ben 
prineeps  militie  sue  mitgeteilt,  bie  er  t)ält,  beoor  er  bie  ©tabt 


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54 

wrläßt,  um  Jgilfe  ju  Ijoten,  ferner  wirb  erjagt,  baß  £emrid)  fid& 
ben  ^Belagerten  von  bem  ©ipfel  eines  beftimmten  Sergen  au£  ge* 
jeigt,  unb  baß  fidfj  in  ber  Stabt  baä  ©erüdfjt  oon  feinem  £obc  oer* 
breitet  t)abe.  2Iu$  bem  (SntfteljungSort  ber  Quelle  erflärt  fi<$  aud) 
leidfjt  bie  große  Uebertreibung  beä  6rfolgc3  biefeS  Siegel,  meldte  in 
ber  langen  Sifte  unterworfener  Softer  unb  in  ber  Benennung  <gem* 
ridfja  als  rex  SKuSbrud  finbet.  3n  ber  ehemaligen,  melleidfjt  fogar 
nodfj  gegenwärtigen  Steftbenj  be3  lübifdfjen  gürftenljaufeS  mußte 
biefer  ©leg  ja  um  fo  metjr  überfd&äfct  werben,  afe  er  $at)T  für 
$af)x  gewiß  feierlich  am  ©ebenftage,  bem  1.  Sluguft,  wiebcrerjä^lt 
worben  ift.  £tcr  fonnte  audf)  am  eljeften  bie  Sejeidfonung  £eumd)3 
als  Äönig  emporfommen.  ©3  mag  unentfd&ieben  bleiben,  ob  unb 
in  wie  weit  biefe  Titulatur  berechtigt  ift  —  bie  versus  antiqui 
de  vita  Vicelini20)  unb  bie  epistola  Sidonis,  ebenfo  bie  oon 
Seinen  aüerbingS  angegriffene  Urfunbe  157  be£  §amb.  Urf. 
33dE>&  nennen  ilju  audf)  Äönig  —  {ebenfalls  wirb  man  ,§elmolb 
nidjt  bie  tenbensiöfe  ßrfinbung  btefer  Öejeidjnung  jufd&reiben  bürfen; 
benn  abgefeljen  baoou,  baß  er  iljn  an  anberer  ©teile  (c.  41)  audf) 
Sclavoruiii  regulus  titulirt,  fo  nennt  er  ifjn  l)ier,  wo  er  jum  erften 
5Dtale  bie  23cseid)nung  Äönig  anwenbet:  rex  in  omni  Sclavoruin 
Nordalbingorum  provincia,  ba£  et,  weldtjeä  man  früher  jum 
Serftänbniß  eingeföoben,  feljlt  in  ben  £anbfäriften.  3)icfe  Sd&reib> 
weife  beutet  ftd)tUd()  auf  3  weifet  £elmolbS.  ©r  faub  waljrfdjeinlidf) 
Sclavorum  et  Nordalbingorum  unb  ftrid)  da$  et,  weil  tym  biefe 
öejeid^nung  )u  unglaublich  fd)ien.  2>arau$  würbe  fidj  audf)  bie 
wunbertidfje,  fonft  im  Jpelmolb  nid^t  wiebcrfeljrenbe  Benennung  ber 
SBagrier  als  norbalbingüdjer  Slawen  am  einfachen  erflären. 

®o<$  bis  jefct  ift  ein  $unft  übergangen  worben,  ber  für  unfer 
Urteil  über  £elmolb  uon  ber  allergrößten  Söidfjtigfeit  ift;  es  foH 
mdfjt  baoon  gcfprodfjen  werben,  baß  bie  §olfteiner  auä)  in  biefem 
Äapitel,  in  weldfjem  fie  allein  unb  nidf)t  nur  in  ©emeinfdfjaft 
mit  ben  anbern  (Stämmen  ber  Jiorbalbingier  auftreten,  ebenfalls 
eine  eigentümlid)  felbftftänbige  Stellung  neben  bem  Sßtenbenfürften 
behaupten,  tnel  wtdjtiger  ift  e$,  baß  $elmolb  biefelben  3Wänner, 
wcldfje  er  in  c.  47  als  nichil  de  religione  nisi  nomen  tantum 
cristianitatis  haben tes  bejcidfjnet,  fjier  sublato  clamore  in  ora* 


ao)  SSeibe  in  ber  Gueflcnfcunmlung  ber  öef.  f.  ©cfyU^o(ft.*2auen&.  0e= 
föic^te  II.  (1874)  6.  127-203  ed.  N.  Beeck. 


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55 

tione  et  ymnis  angreifen  läßt  S)amit  fc^eint  mir  eigentlidfj 
&elmolbS  3uverläffigfeit  erroicfen.  Qtnn  gerabe  MefeS  Sob  l)ätte 
er  au$  verriebenen  ©rünben  iljnen  fid&er  am  legten  erteilt,  wenn 
er  nrirttidf),  tvie  iljm  vorgeworfen,  bie  ©efd&id&te  ber  früheren  $t\t 
nur  nadfj  ben  ©eft<f)t$punften  befjanbelt  fjätte,  meldte  itjm  bie  @r* 
eigniffe  ber  eigenen  ©egemvart  boten. 

©ine  3^angabe  läfet  fidf)  für  bicfe  ©ypcbition  ber  9tüger  nid&t 
mad&en.  £elmolb  fclbft  f)at  fein  35atum,  unb  bie  anbem  gtei$* 
jeitigen  Duellen  laffcn  un£  vottftänbig  im  ©tieft. 

SBiefleidfct  ba$  eigentümliche  ©reigmfe,  ba$  un&  §clmolb  au« 
ber  $t\t  £einrid)$  erjablt,  ift  bie  in  c.  37  vorgetragene  ©pifobe. 
Um  bie  aufftänbifdfoen  SJrijaner  unb  ©toberaner  ju  jüdjtigen,  unb 
einem  allgemeinen  Slbfall  vorjubeugen,  }iel)t  £einrid)  cum  amicis- 
simis  suis  Nordalbingorum  armatis  in  fetyr  verwegenem  SHarfd^c 
quer  burd)  tfatvifdfjeä  ©ebiet  nad&  $avelberg  unb  belagert  e$  mit 
$ilfe  ber  herbeigerufenen  Obotriten.  ^nbe«:  crevit  obsidio  in 
dies  et  menses.  Sein  ©of)n  3Wiflue  benufct  eine  fidf)  bietenbe  ©elegeu* 
ijeit,  jieftt  otyne  SJormiffen  be§  33ater$  in  einem  jtveitägigen  3Watfdfje 
mit  200  ©ad&ien  unb  300  ©latven,  lauter  auSerleieuen  Gruppen, 
per  angustias  nemorum  et  difficultates  aquarum  et  paludis 
maxime  in  ba$  fruchtbare  ©ebiet  ber  frieblid&en  Siner  ober  Sinogcn 
überfällt  bicfe  vottfommen  unvorbereitet,  plünbert  mit  aufeerorbent* 
lidfjem  Srfolg  unb  tritt  bcutebelaben  ben  §eimtveg  an.  Sluf  {einem 
eiligen  Stüdf  jug  wirb  er  in  bem  umvegfamfien  Seile  jene«  Sumpfes 
von  ben  Semo^nem  ber  umliegenben  Drtfcfyaften  angegriffen,  bie 
fidf)  unterbeä  in  gewaltiger  SJiaffe  jufammengerottet,  um  bie  ©e- 
fangenen  ju  befreien,  ©ie  aber  reiben  biefc  geinbe  vollftänbtg  auf, 
nehmen  fogar  ben  gärfien  gefangen  unb  erreichen  nun  ungetjinbert 
ba«  §auptf>eer.  sJtad&  einiger  $eit  bitten  bie  Srijaner  unb  bie 
übrigen  auffianbifdjen  SSölferf^aften  um  ^rieben,  ftcllen  bie  ver* 
langten  ©eifeln,  unb  fiegreidjj  fefjrt  «§einridj  mit  ben  9lorbalbin* 
giem  jurüdf . 

®a£  @igentümlid)e  biefer  ©rjäljtung  ift,  bafe  £elmolb  von 
einem  Unternehmen,  meldte«  anfdfjcinenb  mehrere  SWonate  in  2ln* 
fprueft  naljm,  nidf)t$  ju  berieten  tveife,  al£  einen  Keinen,  aDerbingS 
Mtyc  fedfen  unb  erfolgreichen  Seutejug,  ber  meüeid^t  alle«  in  allem 
eine  SSodfje  in  3lnfprud^  nafjm  unb  auf  ba$  Slejultat  be£  §aupt^ 
fampfeS  von  gar  feinem  Einfluß  geivefen  ijl  3luf  biefen  merf* 
nmrbigen  ©ebanfen  ^ätte  felbft  ber  raffinirtefte  gälfd&er  nityt  fommen 


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56 

Wimen.  6t  Ijätte  oon  bem  ^auptunternetymen  geroifc  oiel  ju  erjagen 
geraupt  unb  f)ätte  bied  mit  Sügen  unb  SluSfd&müdfungen  umrooben. 
aber  gerabe  Ijier  erjagt  §elmolb  fid&tUdj  ofjne  ^ntereffe  ober  ri<§* 
tiger  ofjne  Äenntnifc.  @r  beutet  roof)l  einmal  auf  Äämpfe  ljut, 
wenn  er  fagt,  £emrid>  fei  cum  ingenti  periculo  nad&  £aoelberg 
gefommen,  aber  felbfl,  wie  ber  Ärieg  eigentttdfj  geenbigt  fjabe,  tft 
U>m  unbefannt.  Db  unb  mit  meinem  (Srfolge  gegen  bie  ©tobe* 
raner  gefömpft  roorben  ift,  toeife  er  nid&t  anjugeben,  nid&t  einmal, 
ob  §aoelberg  fapitulirt  Ijat.  hingegen  fd&ilbert  er  ben  ©treifjug 
gegen  bie  Sinogcn  mit  offenbarer  greube  unb  einge&enber  Äenntnife. 
SSor  allem  beweift  ber  2lutor  eine  genaue  SJelanntfd&aft  mit  bem 
$erratn;  benn  in  ber  £at  fityrt  ber  2Beg  oon  fcaoelberg  in  baS 
©ebiet  ber  Sinogen,  bie,  nrie  SSigger  beroiefen  ^at,  um  ^ßuttli^  ge* 
rooljnt  §aben  muffen,  burd&  fef>r  fumpfiqe  ©egenben.  Ueberljiaupt 
ift  bie  ganje  ©egenb  um  ^aoelberg  nod)  fceute  oon  Rennen  unb 
Sudjen  burdfjjogen,  mie  Diel  mefjr  im  Mittelalter.  SBoljnten  etwa 
gar  bie  Sinogen,  nrie  man,  freiließ  anfd&einenb  mit  Unrecht,  aud& 
permutet  Ijat,  um  fiinum,  fo  Ijätte  SJtiflue  ben  fumpfreid&ften  Seil 
biefeS  ©ebiete*  pafftrt,  nämUd&  eine  grofee  ©tredte  beS  9U)hi*  unb 
$aoelludf)&  ©S  ifl  gar  nidf)t  anjunelpen,  bafe  $elmolb  biefe  ®e* 
biete  aus  eigener  Slnfd&auung  gefannt  Ijätte.  gemer  ^errfd^t  in 
ber  ©d&ilberung  eine  au6erorbentli$e  Slnfd&autidfjfeit  unb  griffe; 
man  fieljt  j.  $3.  nod&  bie  gurdEjt  oor  ber  Städte  ber  Ueberfadenen 
fid&  in  §elmolbS  SBorten  roieberfpiegeln:  cumque  maturantes 
reditum  difficiliora  paludis  transirent.  ©3  mirb  audj)  taum  ein 
3ufatt  fein,  bafe  §elmolb  gerabe  Ijier  eine  genaue  9lngabe  ber 
©treitfräfte  ma$t  —  fie  ift  oben  ermähnt  —  bie  tl>m  felbfl  bei 
ber  ©d&lad&t  auf  bem  fmilomer  gelbe  unb  ber  Belagerung  oon 
Dlben*2ubefe  feljlt.  3lm  auffattenbflen  aber  erfd&eint  e$,  ba&  $el* 
molb,  ber  fonfl  an  ßeitangaben  aufeerorbentlidf)  arm  ift,  ja,  man 
barf  e$  fagen,  fte  gerabeju  oermeibet,  an  biefer  ©teile  bie  ©auer 
be8  $inmarfd&e$,  bie  an  fidf)  jiemUdfj  gleid^gittig  unb  oon  unterge* 
orbnetem  Sntereffe  ift,  genau  anjugeben  meife,  nämlid&  2  Sage, 
ipält  man  nun  nod&  bie  lebenbige  ©dfjilberung  biefe«  ©treifjuge* 
neben  bie  ganj  blaffe,  farblofe  S)arfieüung  be«  §auptunternet)men8 
fo  ifl  flar,  ba&  jene  ©pifobe  md&t  erfunben  fein  fann,  fonbern  auf 
bem  Berid&t  eine«  SeilneljmerS  berufen  mufe.  ©8  ift  aud&  pfgd&o* 
logifd&  oöflig  erflarlid^,  bafe  biefe  fedte,  ru^m^  unb  beutereid&e  Xat 
oiel  beutlid^er  im  ©ebäd&tntö  be«  SSolfeä  fid&  erhalten  ^at,  al«  bie 


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57 

langweilige  unb  tattgn>ierige  Belagerung  ber  ©tabt.  3P  ober  jene 
©pifobe  ed)t,  fo  ift  bamit  aud)  Qtinxifyi  3«9  «ad&  £aoelberg  ge* 
ftd&ert.  SBeld&en  @rfolg  er  freUid)  gehabt,  bafe  läfct  ftd^  m<$t  be* 
urteilen;  mögtidfj,  bafe  baä  geringe  3"tereffe  für  iljn  baoon  Ijer* 
rüljrt,  bafe  er  nid&t  fe^r  glänjenb  verlaufen  ijt  ©ne  gemiffe  93e* 
ftätigung  ber  Unternehmung  giebt  un£  eine  9lotij  ber  SRofenfctber 
ännalen,  bie  aud)  im  2lnnalifta  ©ajo,  in  ben  SJtagbeburger  Stnnalen 
unb  anberen  Duellen  wieberfe^rt  unb  wafjrfdfjeinlid)  au$  bem  Ort* 
ginat  ber  SRofenfelber  ännalen  ftammt:  1100  .  .  Brandenburg 
urbs  Slavorum  ab  Udone  marchione  obsessa  et  capta  est. 
Unterftüfct  wirb  biefe  9la<^rid^t  noclj  burdjj  bie  Ann.  Hildeshei- 
nienses:  1100  .  .  Udo  marchio  et  plures  Saxonum  barbaros, 
qui  et  Liuttici  vocantür,  invasit  et  honorifice  triumphavit. 
3)a$  aGBa^rfd^einlic^c  ift,  ba&  Ubo  unb  §einrid)  gegen  bie  Srijaner 
unb  ©toberaner  einen  gemeiufdjaftUdjen  $ug  unternommen,  unb 
ber  eine  fi$  nor  Sranbenburg,  ber  anbere  oor  £aoclberg  gelegt 
fjaben.  $arau$  würbe  ftdj  aud)  erflären,  warum  ipelmolb  nur  non 
ber  Umgenannten  ©tabt  fpridfjt,  wäljreub  bod)  bem  2lnfange  be3 
Äapitelä  ju  golge  fi$  bie  Unternehmung  gegen  beibe  SJölfcrfd^aften 
rieten  foD. 

Säfet  ftdf)  nun  au<$  eine  gewiffe  Vorliebe  für  £einrid>  nidjt 
oerfennen  —  fo  j.  $.  werben  bie  Srijaner  unb  ©toberaner  als 
Stebetten  bejeid&net,  wäljrenb  fie  waljrföeinlidfj  nie  unter  £einridf)3 
©cepter  geftanben,  t>ieHeid^t  bamals  unterworfen  werben  foUtcn  — 
fo  ift  bod)  bie  ©lorification  nidjt  grofc  genug,  um  annehmen  ju 
fönnen,  ba&  biefe  ©pifobe  ju  ipetnridiS  ©unften  Don  Jpelmolb  er* 
funben  ober  audfj  nur  auSgefdfjmücft  worben  fei;  fclbft  baS  $n* 
tereffe  für  9Riftue,  ben  güfjrer  bei  jener  ru^mooDen  ©fpebition,  er* 
ftreeft  fic^  nic^t  über  bie  Nennung  be<8  Sftomenä  IjinauS.  ©tel)t 
bemnadj  bie  ©^mpat^ie  ber  @rjäl)lung  nid&t  in  erfter  fiinie  auf 
©eiten  ber  SBenbenfürflen,  fo  mub  eine  Sßenbung,  weldfje  bie  5Worb* 
albingier  als  bie  beften  greunbe  £einrid)$  fjinfteDt,  eben  pon  biefen 
©tammen  ausgegangen  fein.  ftelmolb  fdjreibt  aber:  Perrexit 
cum  amicissimis  suis  Nordalbingorum.  Seflätigt  wirb 
biefe  Vermutung  burdfj  ben  ©d&lu&  beS  ÄapUelS:  Atque  in  hunc 
modum  sedatis  rebellibus,  Heinricus  ad  sua  reversus  est. 
Nordalbingorum  quoque  populi  ad  sedes  suas  re- 
versi  sunt.  S)ie  £eimfef)r  ber  -Korbalbingier  beburfte  in  ben 
äugen  biefer  Quelle  tbtn  nodj  einer  befonberen  @rwäf>nung. 


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58 

2fo$  liier  werben  wir  alfo  bered&ttgt  teilt,  einen  norbalbin* 
gifd&en  Urfprung  unserer  Duelle  anjune^men. 

2Benn  irgenbroo,  fo  erfd&eint  bei  flüchtigem  §infef)en  in  bem 
3ug  gegen  Stügen,  c.  38,  bie  £elmolb  untergefd&obene  Senbenj  ber 
SSerljerrUdfjung  £emrid>$  erroeiäbar.  ©3  ift  baf)er  nid&t  ju  t>er* 
rounbern,  roenn  ©girren  jum  Seil  auä)  au$  anbem  ©rünben 
(ngl.  SStam.  8)  iljn  bejroeifelt.  Qn  ber  $at  wirb  £eüirid)  nirgenbS 
fonft  fo  gepriefen,  nirgenbä  fonft  feine  3Jtodf)t  fo  gewaltig  gefd&il* 
bert,  roie  tjier.  Misitque  nuncios  in  universas  Sclavorum 
provincias  ad  contrahenda  auxilia;  convencruntque  omnes 
pari  voluntate  eademque  sententia,  ut  parerent  jus- 
sionibus  regia  cxpugnarentque  Ranos,  et  fuerunt  innu- 
merabiles  quasi  arena  maris.  Nee  hiis  contentus  raisit 
ad  accersiendos  Saxones,  eos  scilicet,  qui  de  Holzatia  et 
Sturmaria  sunt,  commonens  eos  private  amicitie.  Et 
secuti  sunt  eum  pleno  corde,  numero  quasi  mille  sex- 
centi .. . 

Revera  nomini  tuo  magno  condigna  satisfactio! 

Soli  duces  (seil.  Sclavorum)  egressi  sunt  ad  salutandum 
regem  et  excercitiun  peregrinum  (seil.  Saxonicum)  et  pronis 
vultibus  adoraverunt  .  .  . 

Corruit  ille  (seil,  flamen  Rugianorum)  ad  pedes  princi- 
pis  dicens:  Ne  irascatur  dominus  noster  super  servos 
suos.  Ecce  terra  in  conspectu  tuo  est,  utere  ea  ut  libet, 
omnes  in  manu  tua  sumus;  quiequid  imposueris,  feremus. 

6$  fragt  ftdfj  jebodfj,  ob  bie«  ^ntereffe,  ober  ob  nid&t  oielleid&t 
ein  anbereä  in  erftcr  i*tnie  ftc&t,  uiclleidjt  gar  ba$  eine  burdf)  ba« 
anbere  bebingt  ift.  Unb  in  ber  SCat,  wenn  mir  genau  juicljen,  finb 
e£  bie  Sadfjfen,  roeldfje  bie  ipauptrotte  fptelen,  ii  scilicet,  qui  de 
Holzatia  et  Sturmaria  sunt.  3)ie  ©rjäfjlung  begleitet  auf  bem 
ganjen  3uge  nur  fic;  fie  roeife  nid^t,  roie,  roann  unb  roo  §einridf) 
feine  flaroifdjen  £Uf3truppen  gefammelt,  roeldfje  Stämme  if)m  Untere 
ftüfcung  gefdfjidft,  roeld&e  Unternehmungen  er  ctroa  norfyer  auäge* 
füfjrt;  fie  beginnt  erft  mit  bem  2lufbrud)  ber  ©ad&fen.  @$  ift  be* 
jeidfoncnb,  bafe  fie  nidfjt,  roie  bie  Benben,  fommen,  ut  parerent  jus- 
sionibus  regis,  fonbern  au«  befonberer  greunbfdjaft  (commonens 
eos  private  amicitie);  fie  folgen  feinem  Stufe  pleno  corde  in 
ber  anfeljnlid>eu  ©tärfe  non  1600  3Kann.  3n  langem  SRarfdfje 
begeben  fie  ft$  nadjj  2öolgaft,  ba$  ifjnen  ^einrid^  jum  9tenbe}t>ou3 


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59 

benimmt  §at.  S)ort  erwartet  fic  ber  gtirft,  bet  ju  btefem  $md 
fem  ftawifdfoeä  &eer  uerlaffen  l)at.  3lm  anbern  3Rorgen  fjält  er  eine 
2lnfpradf)e  an  fic.  @r  fagt  tynen  feinen  SDanf  bafür,  bag  fie  feinem 
Stufe  fo  bereitwillig  gefolgt  feien.  3)ie  Söorte  finb  in  ber  %at 
jum  Seil  bödf)ft  d>araf tcriftifd^ :  Magna  vobis,  o  viri,  debetur 
gratulatio,  qui  ad  ostensionem  benevolentie  vestre  et 
fidei  invicte  longius  venistis  —  Sepius  quidem  aeeepi 
gustum  audacie vestre  et  fidelitatis  experientiam  — 
nichil ita  elucet,  sicut  hujus  devotionis  exhibitio,  semper 
memoriter  retinenda,  semper  omni  studio  pronie- 
renda.  @r  fagt  il;nen  weiter,  bajs  bie  Stüger  um  ^rieben  ge- 
beten  gegen  eine  3<#un9  üon  200  3Jtarf:  Super  hac  re  nichil 
mihi  sine  vestro  consilio  definieudum  est:  si  decre- 
veritis  aeeeptandum,  aeeeptabo,  si  recusandum  recusabo.  $n 
biefen  2öorten  tritt  bie  eigentliche  SCenbenj  biefe£  StütfeS  wol)l  am 
ftärfften  tyxvox.  $n  einem  3ugc,  ben  £einrid)  axtö  Ijödfrft  perfön; 
lidjen  ©rünben  unternommen,  legt  er  nidfjt  etwa  ben  güljrern  ber 
t)crfdf)iebenen  ©tämme  ober  bem  ganjen  £ccre,  trieHeidjt  fogar  mit 
genriffer  Seuorjugung  ber  2>eutfdf)en,  bie  ©ntfrfjcibung  über  Ärieg 
unb  ^rieben  uor,  fonberu  unter  oöütger  3Kifeadf)tung  feiner  gc* 
fammten  anöern  SCruppen  befragt  er  nur  bie  Sadjfen.  $war 
fiabcn  bie  SHüger  it)iu  feinen  ©oljn  crfdfjlagen,  aber  bennodj:  Si 
decreveritis  aeeeptandum,  aeeeptabo,  si  recusandum,  recusabo; 
er  ncrjid)tet  bereümilügft  auf  feine  9tadf)e,  wenn  e£  bie  6adf)fen  fo 
wollen.  Um  fo  rüfymlid&er  für  fie,  weldfje  „honoris  —  atque  virtutis 
cupidi  gloriam  pro  questu  maximou  duxerunt,  wenn  fie 
t önigÜdjer  beuten,  als  ber  Äönig :  Ranos  igitur,  qui  tilium  tuiini 
oeeiderunt,  pro  ducentis  marcis  in  gratiam  reeipiendos  nostro 
consilio  dicis?  Revera  nomini  tuo  magno  condigna  sa- 
tisfactio!  Absit  a  nobis  talis  injuria  —  Nee  enim 
ideo  uxores  —  reliquimus,  ut  hostibus  cavillationem 
et  filiis  nostris  opprobrium  sempiternum  heredi- 
temus,  %n  ber  %at  eine  brillante  ©elbftironie  berdueße!  QebeS 
SSort  erfdEjeint  wie  ein  §of)n  auf  bie  93el)auptung,  bafe  §etnrid)  in 
biefer  93eifc  feine  Stocke  jjätte  aus  ben  §änben  geben  fönnen. 
2öäre  nid)t  aller  ©dfjimpf,  ben  bie  ^olfteiner  für  fid)  furzten,  jeljn* 
fad)  auf  baS  $aupt  be$  gürften  felber  gefallen? 

3nbe£  burdf)  ifjre  Söorte  ermutigt  (His  adhortationibus 
animatus),  befdfjliefet  ber  gürft  ben  Ärieg  unb  jie^t  mit  i^nen 


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60 

an'«  9Jteer,  wo  bic  Sparen  ber  Slawen  fie  erwarten.  3>eren 
p^rer  treten  au«  ben  Steigen  Ijerau«  ad  salutandum  regem 
et  exercitum  peregrinum,  et  pronis  vultibus  adora- 
verunt.  2Xlfo  berÄönig  unb  ba«  frembe  £eer  werben  auf  gleite 
Stufe  gcfteDt!  ÜJlan  wirb  wofjl  faum  fef)tgel)en,  wenn  man  axiä) 
ba«  adorare  gleid&mäfjig  auf  prft  unb  Sadfjfen  verteilt. 

211«  §einridE)  nun  fragt,  wer  au  ber  Spifce  einljerjicfien  wolle, 
erbieten  fid)  jroar  audf)  bie  pljrer  ber  Slawen  um  bie  2Bette,  bie 
Sadfjfen  aber  berufen  fidf)  barauf,  bafe  bie«  ifjr  alte«  gute«  9tedf)t 
fei:  „Nostri  juris  esse  dinoscitur,  ut  ad  bella  procedentiuin 
nos  prinri,  redeuntium  novissimi  inveniamur."  Et  annuit  eis 
rex.  2)enn  er  fürdjtet  bie  Sreulofigfeit  ber  Slawen,  wäfjrenb  bie 
2>eutfdf)en  natürlich  oollfommen  juoerläffig  finb:  Licet  enim  Scla- 
vorum  multus  esset  numerus,  Heinricus  tarnen  se  non 
credebat  eis,  eo  quod  ipse  nosset  omnes. 

60  georbnet  fefcen  fie  nadj  SRügen  über.  211«  §einridfj  bort 
bie  Sdfjladjtreifje  ber  getnbe  glaubt  fjerannatjen  ju  feigen,  fdEjidft  er 
eine  Slnjaljl  uon  ÄunbfdEjaftern  uor.  6«  fann  un«  wirfltdf)  ein 
Sädfjeln  abgewinnen,  bafj  bie  Saufen  felbft  baburdf)  jtdj  au«jeid^nen 
muffen,  ba&  tf)r  Später  am  fdfjnellftcn  jurüdffcfjrt:  Missus  ergo 
cum  aliquantis  Sclavis  Saxonum  speculator  iu  mo- 
mento  reversus  est. 

2luf  bie  9tod)ridE)t,  bafe  bie  geinbe  naf)e  feien,  fjält  £einrid) 
eine  SRcbe  ad  socios,  er  mad^t  fie  barauf  aufmerffam,  bafe  e« 
fein  ßntrinnen  gebe,  rtng«um  feien  fie  üom  ÜJkere  eingefdfjloffen, 
geinbe  oor  iljnen,  geinbc  im  ?Rüdfcn  (hostes  ante  nos,  hostes 
post  nos),  unb  feine  fixere  Statte  gebe  e«  für  bie  gluckt,  fie 
müßten  bafjer  al«  SWänner  fämpfeu  unb  fiegen  ober  untergeben. 
9tod)  bem,  wa«  bie  bi«l)erige  Unterfudfmng  ergeben,  fann  e«  gar 
feinem  Bweifel  m$x  unterworfen  fein,  bafe  unter  biefen  socii  nur 
bie  Saufen,  nidjt  ba«  ganje  £eer  uerftanben  werben  bärfen.  $>cnn 
erften«  bejdjäftigt  fiel)  bie  ganje  SJarfteüung  überhaupt  nur  mit  ben 
$eutfdE)en  unb  läfet  bie  SBenben  ganj  Uuf«  liegen;  jum  jweiten 
aber  beftrebt  fie  fid)  fortbauernb,  jene  nur  in  einem  bunbe«ge* 
nöfftfdfjen,  nidfjt,  wie  bie  Slawen,  in  einem  Untertanennerfjättniffe 
ju  £einridf)  barjuftellen.  3ft  biefe  $ef)auptung  aber  richtig,  fo 
muffen  bie  hostes  post  nos,  wie  a\\6)  SBiggcr  (S.  52)  fdfjon 
annehmen  311  fönnen  glaubte,  bie  flamifd&en  Gruppen  $cinrid)« 
fein,  oon  benen  furj  oorfjer  gefagt  worben  ifl:   Heinricus  tarnen 


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61 

se  non  credebat  eis,  eo  quod  ipse  nosset  omnes.  $n 
bcr  %at  lag  bie  ©efaljr  fe^r  naty,  bafc  ein  grofcer  Seil  ber  fftmmt* 
lidf)  erft  hirjc  $t\t  wicber  unterworfenen  Sßenben  mit  bcn  Slügern 
gemeinfdfiaftUd&e  ©ad&e  mad&te,  wenn  §einrid)  baS  ©lud  nidf)t  treu 
blieb.  3Jtit  bicfer  annähme  aber  fällt  ein  §aupteinrourf  ©dEjirrenS 
gegen  biefe  6rjäf)lung,  ber  bie  hostes  post  nos  aU  bie  offene 
©ee  beutenb  (©.  262)  £elmotb  mit  fidf)  felbft  im  2Biberfprudf) 
glaubt,  weil  er  ja  hirj  Dörfer  Dom  gefrorenen  SJtecr  gefprodfjen. 

SRadfj  biefer  Slnfpradfje  fteHt  §einridf)  fein  &eer  in  ©c&ladfjt* 
orbnung:  ipse  constitutus  in  fronte  cum  robustissimis 
Saxonum.  SnbeS  e$  fommt  nid&t  jur  ©df)ladf)t.  Die  SRüger 
fd&icfen  tljren  Dberpriefter,  um  über  ben  ^rieben  ju  unter^anbeln. 
©er  bietet  400,  800  SDtarf,  aber  baS  &eer  murrt  unwillig  unb 
will  ben  Ärieg.  2)a  ftürjt  jener  bem  dürften  ju  güfcen  unbunter* 
wirft  tym  ba3  £anb  auf  ©nabe  unb  Ungnabe.  £einridf)  perlangt 
4400  SKarf  unb  eine  Stnja^l  ©eifetn,  feljrt  nadf)  §aufe  jurüdf  unb 
entläßt  fein  £eer.  Seadfjten  mir  jum  ©dfjlufc  nodf),  baß  ba$  3>n* 
tereffe  für  bie  ©adfjfen  ftdfj  an  biefer  ©teile  nid&t  einmal  baburdj) 
entfd&utbigt,  bafc  fie  fidf)  etwa  irgenbwie  bei  biefem  3uge  ctuSge* 
jeidfjnet  Ratten  —  e$  fam  ja  gar  nid&t  jur  ©df)ladf)t  —  fo  wirb 
man  fidf)  nidjt  peilen  fönnen,  bafe  biefe  ©rjä&tung  au%  ganj 
fd&roff  fädfjfifd&em  ©tanbpunft  gefd&rieben  ift.  Unb  jefet  werben 
mir  jurücffd&auenb  audf)  fagen  bürfen,  bafe  bie  porljin  fonflatirte 
©tjmpatfjie  für  £einridf)  audf)  wefentltdf)  bur$  biefeS  3JtotiP  bebingt 
ift.  Söenn  man  bie  oben  citirten  ©teilen  nodf)  einmal  pergleid&t, 
fo  wirb  man  finben,  ba&  ein  großer  Seil  bapon  in  erfter  fiinie 
au$  ber  Vorliebe  für  bie  ©adfjfeu  gefdfjrieben  ift.  QnbeS  ben  beften 
SJeweiS  pielleidf)t  für  unfere  2lnfidf)t  liefert  ber  etgentümlidfje  Um* 
ftaub,  bafc  £elmolb  bie  ^elbentaten  feinet  SieblingS  in  einem  SDtifc 
erfolge  enbigen  lägt,  ber  um  fo  fernerer  wiegt,  atä  £einridf)  bicS- 
mal  audf)  ben  £erjog  Sotljar  ju  §ilfe  gerufen  tjat.  2Bar  &elmolb 
wirftidf)  ber  SDlann,  ben  ©girren  in  it)m  erfennen  ju  muffen  glaubt, 
unb  mar  e$  wirftidf  feine  2lbfidf)t,  ©einriß  ju  oerljerrüdfjen,  fo 
mar  es  für  if)it  gerabeju  unmöglich,  biefen  jmeiten  rügifdfjen  3ug 
beibehalten,  gefdfjweige  benn,  ifjn  etwa  neu  ju  erfinben. 

2Bie  fdfjon  öfter,  werben  mir  audf)  f)ier  roieber  annehmen 
muffen,  bafe  ber  SBerid^t  pou  einem  Slugenjeugen  t)errüf)rt,  natürtidfj 
pon  einem  ©adfjfen.  Dafür  fpridfjt  fdfjon  an  fidf)  ber  Umftanb,  baß 
er  nur  eiufeitig  ben  $>eutfd)en  auf  tyrem  3uge  folgt,  von  ben 


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6& 

Slawen  ni<$tö  berichtet,  aber  audfj  anbete  ®inge  beroeifen  bieg. 
S)ie  öueDe  toeife  genau,  obgleidf)  fte  ben  9Jtarf<I)  im  ©anjen  jiem* 
lidf)  fummarifd&  be^anbelt,  bafc  man  bei  SSotgafl  mit  §einrid&  ju* 
fammengettoffen  unb  bort  übernachtet  Ijabe,  unb  bafe  gleidfj  am 
folgenben  SWorgen  ber  gürft  jene  öfter  ermähnte  Sftcbe  gehalten, 
©ie  weife,  maS  fdfjon  an  fidf),  jumal  bei  bem  mit  3^itangaben  fetyr 
fparfamen  £elmolb  aufcerorbentlicJ}  auffallen  mufe,  bafe  man  um  bie 
9.  ©tunbe  in  Stügen  gelanbet,  unb  ba&  fofort  bie  näd>flen  Ort* 
fd&aften  angejünbet  roorben  finb.  3lm  frappirenbften  aber  ift  fol* 
genbe  ©teile,  bie  faft  unabweisbar  auf  einen  Slugenjeugen  beutet: 
Statimque  ubi  transmissis  silvis  et  arundinetis  venerunt  super 
mare,  ecce  illic  agmina  Sclavorum  de  universis  pro- 
vineiis  diffusa  erant  super  faciem  maris,  distineta 
pervexillaetcuneos.  ©i<$tlid& ift  bem Seridfjterftatter , welkem 
ipelmolb  folgt,  bieS  ein  fyödftft  überrafdjenber  unb  imponirenber  9ta* 
blidt  geroefen.  SDudf)  aud)  o^nebieS  mufjte  fiel}  ber  2lugenblidf  ber 
Bereinigung  mit  ben  Sßknben  einem  Stugenjeugen  befonberä  lebenbig 
in'«  ©ebädjjtnifc  einprägen.  2öir  Ijaben  alfo  rooljl  ben  Seridfjt  eineä 
£eilnel)mer$  oor  un$,  ber  Jpelmolb  uermuttidd,  roie  bie  übermal* 
tigenbe  3Jkffe  ber  Sieben  ju  beroeifen  fd&eint,  in  ber  ©eftalt  eines 
fädjjfifd&en  33olföliebe3  uorlag. 

SBenn  e£  nod>  eine«  legten  SBeroeifeS  bebürfte,  um  ju  f onflatiren, 
bafe  biefe  erjctylung  nid&t  Don  $elmolb  felbft  Jjerrüfjrt,  fo  fd&eint  eS,  liegt 
er  in  golgenbem.  S)cr  ßljronift  erjäljtt,  §einridj  Ijabe  ben  Slügern 
als  griebenäbebingung  bie3af)lung  einer  ©umme  oon  4400  SBZarf 
auferlegt.  SHefe  abjuroagen,  fyabt  er  tynen  eine  statera  gravissimi 
ponderis  gefd&idft  S)ie  Sftüger  aber  Ratten  faum  bie  $älfte  aufbringen 
fönnen:  puto  statera  delusi  fagt  föelmolb  unb  fäljrt  bann 
fort:  Quamobrem  iratus  Heinricus  —  paravit  seeundam 
profectionem  in  terram  Rugianorum.  2Jtu&  bie  9Jlotunrung  beä 
jroeiten  3u9e^:  Quamobrem  iratus  fdfjon  einen  eigentümlichen 
©inbrudf  erregen  gegenüber  bem  Dorljergeljenben  delusi,  fo  ifi 
bod^  nodj  Diel  auffälliger  bie  Einfügung  beS  puto.  ©id&tlidb  ^at 
e«  unfern  ß^roniften  befrembet,  bafc  ein  fo  mäd&UgeS  SSolf  wie  bie 
Stüger  nid&t  eine  ©umme  Don  4400  SSRarf  ju  jaulen  im  ©tanbe 
geroefen  fein  fottten,  roäfjrenb  ba$  Keine,  auf'«  äu&erfte  auSge> 
fogene  äBagrien  in  einem  ein jigen  Qa^re  (oergl.  c.  83)  lioo  SUiarf 
aufgebraßt  fjatte.  ©o  übt  benn$elmolb  an  bem  ifyn  oorliegenbeu 
SJerid&t  Ärittf,  inbem  er  jt<$  burdfc  ba$  eingcfd&ubene  puto  statera 


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68 

delusi  bie  iljm  fonft  unfafeltd&e  $atfa<Jje  ju  erftären  fud&t.  ©8  er* 
fd&etnt  fetyr  benfbar,  bag  audj)  bcr  Dorljergeljenbe  ©a£:  Posuit  igi- 
tur  eis  Heinricus  in  appensione  Stateram  gravissimi  ponderis 
benfetben  ©rünbcn  feine  (Sntftefjung  üerbanft. 

©o  &at  benn  alfo  aud&  bie  Unterfud&ung  bicfc«  ÄapitelS  wie* 
berum  ergeben,  bafe  $elmolb  bie  l)ter  vorgetragenen  SRad&rid&ten 
nid>t  erfunbw,  audfc  nid)t  auägefd&müdft  &at,  jonbern  bafe  er  fie 
einer  Vorlage  entlehnt  fcat,  bie  jroar  audj  ein  genriffeS  Sntereffe 
für  ^einri^  empfinbet,  aber  in  erfter  fiinie  einen  fd&roff  norbatbin* 
giften  ©tanbpunft  einnimmt.  S)anad&  werben  mir  bie  beiben 
3üge  $einrid)3  anftanbStoS  als  I)iftorifd&  annehmen  fönnen.  @$ 
mirft  ftd)  nun  bie  fd&ttrierige  grage  auf,  in  meiere  Qa^re  biefe 
beiben  ©jpebitionen  unb  ber  für}  barauf  erfolgte  Xob  $einrid&S  $u 
jefeen  finb.  9tod&  ben  äu&erft  fc&arfjinmgen  Unterfudfjungen  ©girren« 
in  ben  Seiträgen  (6.  10—48)  unb  befonberä  im  17.  Sanbe  ber 
gorjd&ungen  (6.  376—390),  jdjien  eS,  als  müfete  man  auf  bie 
weitere  Senufcung  bcr  d&ronologifd)en  Angaben  §elmolb$  oorläuftg 
üerjidjten.  2lüein  bie  Sachlage  tjat  fidf)  injurijd&en  üollfommen  ge* 
änbert.  ©erabe  bie  für  un&  augenblidftid)  mid^tigften  3^itbeftim* 
mungen  §etmolb£  fcaben  burdj)  bie  fd&on  mc^rfad^  ermähnte 
Urfunbe  eine  im  Ijöd&ften  ©rabe  uertrauenSroürbige  Unterfiüfcung 
empfangen. 

$elmolb  erjäfjlt  in  c.  47  befanntlidjj,  bafe  Sicelin,  nad&bem 
er  in  SDtogbeburg  Don  @rjbifd&of  Norbert  bie  ^riefterroetye  empfangen, 
fidf)  jum  dürften  £einrid&  begeben  l>abe,  um  bie  ©rlaubnifj  oon 
tym  ju  erroirfen,  baS  (Soangelium  unter  ben  ©tarnen  prebigen  ju 
bürfen.  9tad&  ©eroäljrung  biejer  Sitte  fei  er  noef)  einmal  nad> 
©ad&jen  jurficfgete&rt,  um  feine  l)äu$lid&en  Angelegenheiten  ju 
orbnen.  2)a  tjabe  Ujn  bie  -Had&ridjjt  uon  ^einrid^S  plöfclid&em  £obe 
ereilt. 

Norbert  mürbe  1126  (Srjbiföof  unb  betrat  am  18.  $utt  be3* 
felben  3al)re$  jum  erften  SKale  SKagbeburg;  banad)  wäre  §einri$, 
beffen  £obe$tag  uns  ba$  Necrologium  Luneburgicum  erhalten 
Ijat,  am  22.  9Kärj  1127  geftorben  unb  SSicetinS  erfte  Slnmefen^eit 
in  §olfiein  fiele  früf>efien$  etroa  in  ben  §erbft  be$  3al>re$  1126. 
SHefe  Sered&nung  f>at  burdfj  SSicelinS  unjroeifelljaft  ed&te  Urfunbe 
eine  ganj  überrafd&enbe  Seftätigung  erfahren.  35er  SifdEjof  fd&reibt: 
Viginti  quippe  et  tribus  annis  ante  hujus  (seil,  epis- 
copalis)   nominis   adeptionem   ego  —  pro  gloria  nominis 


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64 

Domini  in  praedicta  gentilitate  dilatanda,  inter  eos  multo  la- 
bore  enisus  ...  23  $aljre  nnrfte  SSicclin  alfo  fd^on  im  Slawen* 
lanbe,  als  er  jum  SMfd&of  erhoben  warb.  S)ie<8  gefd^a^  naö)  feiner 
eigenen  Angabe  am  25.  September21)  1149.  3JMtl)in  ijl  er  etwa 
im  £erbft  ober  SBinter  1126  na<$  $olftein  gefommen,  genau  wie 
wir  nadf)  §elmolb$  Angaben  bereit«  oermutet  Ratten.  £>amit  er- 
hält be8  Sljroniften  ©rjäljtung  an  biefer  ©teile  einen  folgen  ©rab 
von  ©laubroürbigfeü,  ba&  mir  aud)  feiner  SRad&rid&t  von  bem  3u* 
fammentreffen  be$  SifdjofS  mit  ^einrid^  unb  Don  bem  £obe  beS 
SBenbenfürften  unbebingt  werben  Vertrauen  fdjenfen  bürfen,  eine 
für  bie'Ärittf  &elmolb$  fetjr  n>id)tige  S^tfad^cj  unb  jugleid)  ergiebt 
fidf)  bamit  als  §einrid)8  £obe£tag  mit  faß  mattiematifdjjer  ©idjer* 
§eit  ber  22.  3Kärj  be«  3al>re$  1127. 

SBie  §elmolb£  SBorte  (6nbe  c.  38):  modico  supervivens 
tempore  beroeifen,  fällt  ber  jroeite  $uq  gegen  3Wgen  nidjt  lange 
Dor  &einridj$  £ob.  ©r  ift  unternommen  roorben  mit  $ilfe  §erjog 
SotfjarS.  3)iefer  mürbe  1125  jumÄaifer  gemäht,  mithin  fällt  jene 
©ppebition  uermutlid)  in  ben  SBinter  1124/25  unb  §einrid)S  erfier 
Äriegäjug  gegen  Stügen,  wenn  auf  £elmolb$  SBortlaut  proxima 
hieme,  que  mare  pervium  reddidit,  ni$t  proxima,  que  mare 
pervium  reddidit,  hieme  äBert  ?u  legen  ift,  in  ben  SBinter 
1123/24.  ällerbingS  bleiben  immer  nod)  ungelöfie  ©d&roierigfeiten. 
S)ie  SWotij  be£  fac^ftfd^ett  Snnattften  unter  bem  3a§re  1 114:  Liu- 
derus  dux  Saxonie  expeditionem  movet  super  Dumarum  Sla- 
vum  eiusque  filium  et  eos  ad  dedicioaiem  coegit.  Principem 
quoque  Rugianorum  ad  se  in  bellum  venientem  sagaci 
vigilitate  circumvenit.  Qui  ut  circumventum  se  vidit  pacem 
colloquiumque  ducis  depoposcit,  germanum  fratrem  suum  ob- 
sidem  dedit,  peeuniam  copiosam  spopondit,  fidem  sacramento 
confirmavit  legt  bei  bem  gänjUdjen  SKangel  anberer  &ierf>er  ju 
jiefjenber  9todjrid)ten  trofc  ifjrer  oerfjältni&mäfeig  geringen  3lnflänge 


81)  3Me$  Saturn  ergeben  bie  2öorte  ber  Urfunbe:  Datum  —  VII.  Kai. 
Oct.,  ipso  scilicet  primo  anniversario  die  episcopalis  consecrationis  do- 
mini  Vicelini.  hingegen  flirrt  §elmolb  c.  78:  ßedit  autem  (ViceUnus)  in 
episcopatu  annis  quinque  ebdomadibus  novem  auf  ben  10.  Oct.,  ba  ber  93i* 
fc^of  am  12.  2)e$.  geftorben  ift.  2)em  gegenüber  neige  iety  ju  ber  Stermutung, 
bajnn  jener  Urfunbe  nic^t  VII.  Kai.  fonbernVII.  Id.Oct.  ju  lefen  ift.  2>abur$ 
tarnen  ftnr  für  SBiceltnS  (Sonjecration  auf  ben  9.  Dctober,  ein  Saturn,  baS  faft 
genau  mit  §e(mo(b$  Angabe  tibereinftimmt. 


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66 

an  §etmolb£  (Srjctytung  ben  2Bunfd(j  na§e,  bie  oon  bem  ßljroniflen 
unb  bem  Slnnalifien  gefd^itberten  ÄrtegSjüge  ju  ibentificircn.  SM 
man  übet  ^clmolbS  modico  supervivens  tempore  ftdfj  Ijtnmeg* 
fefcenb  bieö  tun,  fo  fiele  $eintid)g  jmeite  Unternehmung  gegen 
9tügen  in  ben  SBintet  1113/14  unb,  unter  ber  gleiten  3$orau3; 
fefeung  wie  oben,  feine  erfte  ©fpebition  in  ben  SBinter  1112/13. 
SlucJ)  für  bie  folgenben  (Sreigmffe,  um  aud)  beren  Chronologie  Ijier 
ju  erörtern,  laffen  fid)  beftimmte  3*üangaben  nid&t  mad&en.  SDie 
©renjtermine  bilben  ber  %ob  £einrid()3  am  22.  9Rärj  1127  unb 
bie  (Srmorbung  Äanutö  am  6.  ^nuar  1131.  S)icfe  ©atirungen 
tonnen  mir  als  juoerläffig  betrad&ten,  alleä  anbere  ift  unfid&er. 
2Bal)rf<$einli<$  ift  es,  ba§3roinife  1129  ermorbet  morben  ift;  bann 
bleiben  für  bie  SroiWeiten  ber  Srüber,  ben  SCob  Äanutä,  ben  3ug 
gegen  2Berle  unb  Äijin,  ben  Einfall  ber  9tüger  na<$  SBagrien,  ben  Job 
3mentepolcfy8  unb  bie  Stegierung  3^inifeö  nur  bie  furje  3^it  oon  jroei 
Qa^ren.  ©enauere  SBeftimmungen  laffen  fi<$  nidjt  geben.  UebrigcnS 
ift  bie  unljeimlidje  ©d&nelligfeit,  mit  ber  fid)  ber  3erfefcung$procefe 
ber  3Wad{)t  beä  lübifd&en  gürftent)aufe$,  mie  er  fi<$  in  ber  raffen 
golge  ber  ßreigniffe  funbgiebt,  pottjogen  l)at,  ein  Semetö,  baj*  fic 
allein  auf  ber  S3ebeutung  biefeä  einen  3)tonne$  beruht  Ijatte. 

@ö  erübrigt  nun  nodj,  bie  wenigen  9todjridf)ten  über  ben  2luS* 
gang  be«  magrtfd&en  ^errfd^ergefd^lec^te^  ju  unterfud&en.  2öir 
finben  memge$  in  c.  46,  baS  2SefentU<$e  c.  48.  Qn  faft  er* 
mübenber  ©leidjmäfeigfeit  nrieberljolen  ftd>  and)  Ijter  mieber  bie* 
felben  ©igentümlidtfetten,  bie  mir  nun  fd&on  fo  oft  beobachtet  Ijaben. 
SCBicbcr  Ijören  mir  bie  norbalbingifcfce  Duelle  Sprechen.  3Wit  ber 
2Kac&t  ber  $olfteiner  (sumptis  Holzatis)  belagert  3wntepold&, 
nad&  21lletnt)errfd)aft  trad&tenb,  feinen  jüngeren  ©ruber  Äanut  in 
ber  93urg  Sßlön.  ©tefer  aber  richtet  an  bie  £olfteiner  oon  ber 
SlRauer  au«  eine  Stnrebe,  in  ber  er  fie  erinnert,  bafc  ja  au<$  er 
ein  ©o^n  £etnri<$3  fei  unb  fie  bittet:  revertimini  ad  Judi- 
cium et  obtinete  mihi  apud  fratrem  meum,  ut  det  por- 
tionem,  que  me  jure  contigit.  S)ur<i)  biefe  äßorte  merben  fie 
tnilber  geftunmt,  decreveruntque  virum  justa  postu- 
lantcm  exaudiri.  Adhibitaque  opera,  germanos  dis- 
cordes  reconciliaverunt,  partita  inter  eos  provincia. 
Slfo  bie  ^olfteiner  nehmen  eine  t>oUfommen  bominirenbe  Stellung 
ein.  9tod&  in  c  38  fianben  fie  nur  neben  ^eiurid^,  f)ier  fielen 
fie  fd&on  über  ben  roenbtfd&en  gürften.     6ie  jieljen  ben  Streit 

5 


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66 

ber  beiben  Sßrätenbenten  oor  Ujr  gorum  unb  entleiben  ttjn  nad) 
tyrem  ©rmeffen.  Unb  wie  fie  gewollt,  fo  gefd^ie^t  e$;  bic  beiben 
SBrfiber  oerföljnen  ftd&  unb  tyertföen  oon  nun  an  frieblid)  neben* 
einanber  in  ben  tynen  oon  ben  $olfteinern  jugewiefenen  fiänber* 
teilen,  greilidf)  balb  barauf  wirb  Äanut  in  Sutilinburg  ermorbet 
unb  3roentepold)  ift  bod&  äHetnljerrföer.  6r  gel)t  nun  an  bie 
Unterwerfung  ber  aufgejtenbenen  ©laweuftämme.  6r  ruft  ben 
©rafen  äbolf  mit  ben  #olftemern  unb  ©tormarn  ju  #ilfe,  jieljt 
tnS  Sanb  ber  Dbotriten,  erobert  SBerle,  jie^t  oor  bie  urbs  Kici- 
norum  unb  unterwirft  audfj  fie  naä)  fünfwöd&entlid&er  Belagerung, 
hierauf  feljrt  fimtittpold)  uadf)  ßubefe  jurüdf.  Nordalbingi 
quoque  ad  sedes  suas  redierunt.  2lud)  l)ier,  wie  c.  37, 
glaubt  bie  Quelle,  bie  £ehnfel)r  ier  Storbalbtngier  befonber«  er* 
wähnen  ju  muffen.  9iod>  einen  Slac^ejug  ber  Slüger  gegen  fiubefe, 
welker  mit  ber  3*tftörung  oon  ©tabt  unb  Burg  enbet,  weife  un$ 
§elmolb  }u  erjagen.  9Ud)t  (ange  Ijernadf)  wirb  3*oentepold(>  oon 
einem  feljr  reiben  $olftetner  $)afo  ermorbet  Salb  barauf  finbet 
auä)  be*  gürften  So&n  3urinite  in  ©rtyeneburg  ein  gleite«  @nbe 
unb  ipemrid&S  Stamm  ift  erlofd&en,  wie  er  e$  Dornet  geahnt  3hui& 
liier  werben  mir  bie  3Rad)ri<$ten  jener  norbalbingifd&en  Quelle  im 
ganjen  als  Ijiftorifd)  juoerläjftg  betrauten  bürfen.  SBenigftenS 
3wentepol<$«  3ug  in«  Dbotrttenlanb  fdjetnt  burdj  bie  genaue  8ln* 
gäbe  ber  gielc  unb  befonberS  ber  S)auer  oon  &ijm$  Belagerung 
gejtd&ert 

SEBir  Daben  gefeljen,  bafe  bie  wefentlidjjen  ©gentfimltd&feiten  ber 
^ier  oorgetragenen  ©arftellung  biefelben  jtnb,  wie  bie,  meldte  in  ben 
oon  ©ottfd&alte  ©ö^nen  ^anbetnben  (Stallungen  oocmalten.  SHe 
lefctbeforodjenen  flapitel  fo  wenig,  wie  bie  Säuberung  t>on  ButueS 
Untergang  ftnb  jur  Ber&errltd&ung  be3  lübtföen  gfirftenl)aufe$  be* 
fonber«  geeignet  ©er  ©djlufc  liegt  na&e,  bafe  audj)  c.  34—38 
§elmolb  biefe  abfielt  fem  gelegen  tjat,  jumal  aud)  ber  Anfang 
unb  ber  StaSgang  $einri<$S  bem  SBenbenfürften  fetneöweg«  günftig 
lauten.  SBenn  wir  oielmeljr  nod&  einmal  bie  Ueberlieferung  über 
©ottfd&alf«  Söljne  unb  @nfel,  wie  fie  uns  bei  $elmolb  oorliegt, 
überfd&auen,  jo  muffen  wir  jagen,  immer  ift  ba3  SRejultat  baffelbe 
gewefen,  immer  l)at  e*  fid^  ergeben,  bafc  bie  StarfieHung  für  bie 
norbelbifdjjen  ©ad&fen,  oorjugSweife  für  bie  $olftemer,  nid&t,  wie 
©girren  meint,  für  bie  wenbtfd&en  gürften  ftd&  in  erfter  Sinie 
interejfirt    S)ie3  tritt  am  fd^roffflen  ju  $age  bei  bem  UeberfaD 


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üott  $tön,  bem  guge  gegen  9tügen  unb  ben  SJjronfirettigfetten 
jttrifäen  3wentepold)  unbÄanut,  e$  war  aber  and)  in  ben  fämmt* 
lidfjen  anbeten  ©rjäljlungen  beutli<§  erfennbar.  5)amit  ift  aber  ju* 
gleich  au<$  ernriefen,  bafe  &elmolb  nid&t,  wie  iljm  Sorten  uorge* 
roorfen,  biefe  2)inge  ganj  ober  tetlroetfe  erfunben  ober  audf)  nur 
eine  fid)  tl)m  bietenbe  annaliftifc^e  Slufjeidjnung  roUKärli$  erweitert 
unb  auSgefdfjmüdtt  $abe,  fonbern  ba&  tljm  für  biefe  3)inge  jiemlidf) 
au£füljrU<$e  münblid&e  33eridf)te  üorgetegen  Ijaben.  (Snblidf)  aber  er* 
giebt  ftd&  barauä  audfj  bie  Statfad&e  —  unb  ba3  ift  ba$  roid&tigfte 
SRefultat  unferer  Unterfud&ung  biefe«  2lbfd&mtteS  —  ba&  &elmolb 
trofe  feiner  entfd&iebeuen  Abneigung  gegen  bie  £olfteiner  fid&  in 
allen  biefen  ©rjäljtungen  mit  ber  größten  Unparteilichkeit  tynen 
gegenüberfteüt  S)iefe  Beobachtung  brängt  faft  unroiberftel>Ud&  ju 
bem  ©d&lufe,  bafe  ber  ßljronift  feine  2lnUpatf)ieen,  wenn  er  fie  aud& 
femeSroeg«  üerbtrgt,  bo$  in  feiner  ©efdjid&töbarftellung  nirgcnbS  in 
unerlaubter  SBeife  jum  Sluäbrucl  bringt.  3ft  biefe  2lnftd)t  beredt 
tigt,  fo  ift  @$irren$  Sßolemif  gegen  £elmolb  jeber  Soben  entjogen. 
3roet  feiner  Singriffe  glaube  tä>  bereite  jurfidtgeroiefen  ju  f)aben; 
weber  Ijat  er  ft<$  plfd&ungen  in  ber  ©efdjidjjte  ber  alteren  alben* 
burgtfd&en  33tfd(>öfe,  nod^  tenbenaiöfe  ©rfinbungen  ober  ©ntfieHungen 
ju  ©unften  beS  lübtfdjen  £einrtd&  ju  ©d&ulbcn  fommen  laffen. 

34  ^ge  bie  bestimmte  Hoffnung  unb  (Srroartung,  bafe  eine 
genaue  üueüenunterfud^ung  be$  über  33icelin  fyanbelnben  Slbfc&nittä 
au<$  ben  britten  grofeen  Singriff  jumdjte  madjen  wirb,  ©d^on 
finb  mittlerweile  feine  Slnfid&ten  burdj  jene  roiebergefunbene  Urfunbe 
aud)  an  biefer  ©teile  heftig  erfd&ttttert  roorben. 


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II. 

(ginige  9tott$ett 
u&et  bie  2tittt*ttH>t)ttimgeit  ber  ©eifilic^en  in  2übt&. 

3ufammengefh lit  »on  Dr.  9W.  gunf. 


<*5d)on  frü^  ftnbet  ftd)  in  ben  ©egenben,  in  benen  georbnete 
ftrdjlidje.  33erl)ättniffe  beftanben,  bie  @inrt<$tung,  bafe  bem  Pfarrer 
einet  Äirdje  eine  2Bol)nung  jur  3?enufcung  als  Sfjetl  feine«  3Jmt$* 
emfommcn«  überroiefen  rourbe,  juerft  als  ©Ute,  b&  unter  ben 
Äarolmgern  gefefcli<$  üorgefd&rieben  würbe,  bafe  jebe  Sßfarrfirdje 
ein  jur  SBoljnung  für  ben  Pfarrer  bestimmtes  ©runbftüd  tyabcn 
folle,  bem  gretyett  oon  allen  Saften  jugefid)ert  würbe1).  60  n>aren 
benn  aud)  in  Sübed  oon  alterd^er  fämmtlic^e  Ätrdjen  im  SBefifee 
eine«  ©runbfiücfö,  meldte«  in  ben  älteren,  lateuüfdj  getriebenen 
®tabtbü<$ern  ate  „dos  ecclesiae",  in  ben  fpäteren,  feit  ber  SRitte 
be«  fünfzehnten  QaljrDunbertS  plattbeutfdj  geführten  als  „SBebeme 
ber  Ätrd>e"  bejeid)net  roirb.  Sefeterer  ÄuSbrucI,  für  ben  fidj  an 
anberen  Orten  aud)  bie  93ejei<$nung:  SBibbem,  Sßtbum,  SBibmut, 
SBtttljum  ftnbet,  ift  abzuleiten  oon  roibmen,  ml)b.  widemen  a^b. 
widimjam  urfprüngltd)  =  ftiften,  au$fktten2),  unb  Ijat  ftcfc  in  ber  ab* 
geförjten  gorm  „Sffiebe"  no$  bis  auf  ben  heutigen  £ag  bei  uns 
erhalten. 

2luf  jener  dos,  2öebeme,  roofjnte  ber  Pfarrer,  rector  ecclesiae, 
ber  „Äerfljere".  Unter  tf)m  gab  eS  nodj  eine  «nja^l  anberer 
<3etfUid)en3);  biefelben  Ratten,  rote  eS  fd&etnt,  in  ber  SRegel  feine 
Amtswohnung,  bod)  finben  ftd>  bei  einigen  Äirc&en  feit  bem  fünf* 
je^nten  3a$rl)unbert  Käufer  mit  ber  Sejetdjnung  „papen  collatie" 
(„SßapenfloS"),  ^e  jüngeren  ®eifttid>en  als  SBotynung  bienten. 

©ei  @infül)rung  ber  Sieformation  rourbe  bie  3al>l  *>**  ©cip< 
Udjen  in  ber  SBeife  feflgefleüt,  bafe  an  6t.  3Rarien:  ein  Superin* 


l)  Richter  Lehrbach  des  Kirohenreohts.    4.  Aufl.  Leipzig  1853.  §  292.  289 
*)  Bbelung,   SUörtwbud;  ber  $od;b<utf$en  9Runbart.    2.  2lu3ß.  £&.  4. 

2t\pM  1801   ©.  1526.   —  Söeiganb,  beutföeä  aßörterbud;.  2  9Cufl.   ob.  2. 

GKefeen  1876.  ©.  1110. 

•)  ©routoff  $tftorifd;c  ©driften,  »b.  1.  Kttbecf  1836.  0.  257  ff.  241  ff. 


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69 

tenbent,  ein  $aftor,  brei  Sapellcme,  an  6t.  Safobi:  ein  <Paftor, 
brei  ©apelläne,  an  ©t.  Sßetri,  St.  Stegibien,  nnb  3)om  je  ein  5ßaftor 
unb  jtoci  Sapefläne  fein  foDten. 

3n  93ejug  auf  biefelben  befiimmt  bie  Äird&en  *  Drbnung  unter 
Anbetern:4)  „Sllle  fd)ölen  Ijebben  bequeme  tmb  frtjge  mamnge,  onn 
allent  roat  bar  to  Ijoeret  mrit  fameren,  bomben,  ?ad)elauen,  Dinftem, 
tafelen,  bendfen,  fponben  fd)alme  eljn  t>$ri$ten.  3Bente  pbt  i&  ere 
erue  npdjt.  Od  tjebben  fe  nen  gelt  bar  tljo."  S)e3  SBeiteren  wirb 
bann  nod)  ausgeführt,  bafc  fte  oor  allen  fingen  ein  befonbereS 
©tubirjimmer  fjaben  muffen,  in  bem  fte  fi<$  aud&  umjie^en  fönnen, 
wenn  fte  *ßeftfranfe  befugt  fjaben,  bamit  fie  ben  «nftetfungÄfloff 
md&t  übertragen. 

S)ie  SSorfie^er  ber  einjelnen  Äirdjen  finb  benn  aud)  bemüht 
geroefen,  biefer  «nmeifung  gemäfc  bie  nötigen  SBoljnljäufer  ju  be* 
Raffen,  bod)  laffen  ftd)  jefct  nidjt  me^r  alle  für  ben  ganjen  3eit* 
räum  feit  ber  Deformation  nad&roeifen.  ßbenfo  lägt  ft<$  aud)  nur 
für  ba$  gegenwärtige  3al)rf)unbert  genau  angeben,  roer  in  jebem 
einjelnen  §aufe  gewohnt  fyat,  ba  nid^t  für  jebeä  Slmt  ein  be* 
fttmmteS  §auS  angeroiefen  mar,  fonbern  nid)t  feiten  ein  ©eifilid^er 
in  bem  $aufe,  in  meinem  er  ft<$  einmal  eingewohnt  tyatte,  nerblteb, 
aud)  menn  er  in  eine  Ijöfyere  ©teile  aufrücfte,  unb  ein  neu  ge* 
matter  in  ba£  gerabe  frei  fteljenbe  $au$  einjietjen  mußte. 

1.  St.  Parten  *£trd)e. 

3m  Sa^re  1284  ifl  an  ber  Jtorbfette  ber  oberen  9Rengftrafee, 
ber  ÜWartenfird&e  gegenüber,  bie  3öot)nung  für  ben  rector  ber 
Äirdje  erbaut.  @ie  beftanb  in  einem  §aufe,  ba$  weiter  jurüdfliegt 
als  bie  übrigen  £äufer  ber  ©trafje,  oorn  mit  einem  breiten  £ofe, 
ben  eine  üRauer  non  ber  ©trage  trennte,  ©djon  jtemltd)  frülj 
fommt  für  biefelbe  bie  abgefürjte  gorm  „3öebe",  unb  für  ben  93e* 
wofiner  berfelben  im  SSoltemunbe  bie  Sejeid&nung  „ber  §err  auf 
ber  SBebe"  oor.5) 

2)er  lefcte  rector  Marianus,  Qoljan  Slobe,  mar  ein  ftreübarer 
£err.  6r  mar  früher  be$  dtat^ed  Secretarius  gemefen,  unb  nriber* 
ftanb   auf«  ipeftigfite  bem  ©inbringen  ber  Deformation,  mie  ftd) 


4)  £ubecfijd?e  tfirdjenorbnung    t>on  3o§.  33ugen$agen  ^om.  ^tibeef  1531. 
(«Reuet  ftbbrudf  1877  ©.  139.) 

5)  ®rautoff.   1.  c.   ©.  224. 


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70 

u.  21.  auü)  aus  einem  @pottgebid)t  ergiebt,  baS  bet  Sljronift  ipanS 
Slegfman  aufbewahrt  f)at6)  ®d&lie&Ud&  pertljeibigte  er  noc$  bis 
aufs  «eufeerfte  fein  9ted&t  an  bem  £aufe,  mufete  eS  aber  bod)  ge* 
fd^e^cn  lajfen,  bafe  baffelbe,  -  jefet  3».  SR.  D.  •»  7  —  jur  3öo^ 
nung  für  ben  eoangelifd^en  ©uperintenbenten  beftimmt  rourbe. 

9tid)t  lange  barnad)  mürbe  oor  bemfelben,  oorne  an  ber 
©tra&e,  ein  ©ebäube  aufgeführt,  beftefjenb  aus  jmei  Käufern,  bie 
burd)  einen  2J)orroeg,  über  roeld&em  fid&  einige  ßinimer  beftnben, 
mit  einanber  oerbunben  finb.  S)aS  öftlidje  biefer  ©ebäube  nebft 
ben  3immern  über  bem  S^orweg  —  jefct  Jti  5  —  würbe  SBolj; 
nung  eines  ©eiftlidEjen,  baS  roefttid&c  SBittroen  *  SBoljnung  für  bie 
©uperintenbenten*,  unb,  wie  es  fdjeint,  aud&  Ijm  unb  roieber  für 
$rebiger*2Bittroen. 

3m  Anfange  biefeS  SaljrljunbertS  ift  SefctereS  t>on  einem 
©todfentäuter  beroofjnt  geroefen,  bann  bem  ©erooljner  beS  £aufeS 
Jß  5  jur  ©enufcung  überlaffen,  bis  es  1840  von  ©runb  aus  neu 
gebaut  unb  jur  SBoljnung  für  ben  ÄTtfter  beftimmt  mürbe,  beffen 
an  ber  Üttorbfeite  ber  Äird&e,  öftlid)  von  ber  Äapelle  beS  Sobten^ 
tanjeS,  angebautes  £auS  abgebrochen  mürbe.  $)ei  ©elegen^eit 
biefeS  Umbaues  beS  roeftlidjen  unb  einer  Jtefiaurirung  bcS  öftlid&en 
£aufeS  mürben  bie  an  bem  Eingänge  jur  Söebe  beftnblidEjen 
fteinemen  93ctfdf)läge,  unb  bie  einen  ^eil  ber  ©tra&e  oor  ben 
Käufern  etwa  in  ber  93reite  beS  jefcigen  «Sp^alttrottoir'S  be* 
gränjenben  fjöljernen  ©itter  entfernt. 

©leidföeitig  mürbe  bie  (Sinjäunung  beS  jum  £aufe  Jti  5  ge- 
hörigen ©artenS  auf  ber  SBebe,  meiere  aus  Ijo^en  gemauerten 
Steinpfeilern  mit  bajroifdjen  befiublidjem  ^olj  ©tadet  beftanb,  ab* 
gebrochen,  unb  mürben  unter  berfelben  bie  16  ÄaHftein  Figuren 
mieber  aufgefunben,  roeld&e  früher  an  ben  SBänben  ber  Sergen* 
fatyrerfapcHe  aufgeteilt  gemefen  fein  f ollen ,  unb  fidfj  jefct  in  ber 
culturljiftorifd^en  Sammlung  beftnben7). 

3mifd)cn  ben  gebauten  beiben  ©ebäuben  rourbe,  oljne  3weW 
ebenfalls  um  bie  9Kitte  beS  16.  SatjrljunbertS,  nodf)  ein  britteS 
£auS  als  SBo^nung  eines  @eiftltdf)en  —  jefet  Jß  6  —  Ijineingebaut. 


«)  §an§  SRegtman  <5$ronif,  aum  3a^rc  1528.  ©rautoff  1.  o.  ©.  260.  261. 
*)  Verzeichniss  der  Culturhistorischeu  Sammlung.  Fortsetzung.  Lübeck. 
1864.   ©.  178.  M  1206. 


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71 

@ewot)nt  t)aben  im 
£aufe  Jß  5: 
$reb.  Sari  Slugufi  Sd&marfc,  ^ßaftor  1799,  ft.  1800,  l.  2)tat. 
*jkeb.  Dr.  «bolpfj  ß^riftian  £aoerfaat,  1800,  it.  1838,  5.  Sunt 
$reb.  griebridj  Gfjrifiopf)  Äöppen,   1840,  2.  2)ecbr.,  biß  1847, 

3.  Muguft. 
gtoftor  Dr.  Sodann  «egtbtuß  Submig  gunf,  1847,  22.  Septbr.,  biß 

1859,  27.  Mprtl. 
gJaftor  S^eobor  £olm,  1859,  18.  9M,  ft.  1878,  18.  3uli. 
$reb.  ßubnrig  äbolpb  krummer,  1878-1880,  29.  September, 
^jkeb.  e^riftian  griebriefc  SRartl),  feit  1880,  9touember. 

§aufe  J&  6: 
Sßreb.  33ernl)arb  $etnrid)  t>on  ber  &ube,  1794,  Sßaftor  1800,  13. 

9loobr.,  jt.  1828,  26.  5)ecember. 
^aftor  Dr.  ^o^atm  «egünuß  Subioig  gunf,  1829,  14.  ÜJtoi,  biß 

1847,  22.  Septbr. 
Sßreb.  ^ermann  griebrtd)  SBeder,  1847,  ft.  1866,  18.  9iooember. 
ijkeb.  Subroig  Sbolpf)  Srummer,  1867-1878. 
*jkfior  ©ottljarb  $aul  (SmU  Seopolb  griebrid)  Slanfe,  feit  1879, 

3.  Januar. 
S)aß  $auß  ^i  7  ftanb  nad)  bem  am  3.  -Jtooember  1796  er* 
folgten  Sobe  beß  ©uperintenbenten  Dr.  ^ofjann  äbolpb  ©d&inmever 
junädjfi  unbewohnt,  fpäter  würbe  eß  oermietfjet.  SSon  1830  biß 
ju  feinem  £obe  am  18.  Dctober  1831  wohnte  ^ter  bet  $reb. 
©ottlieb  Jpeinrid)  Äafd&e,  beffen  SBUtroe  biß  Djtern  1832,  feitbem 
$reb.  $eter  ^ermann  SDtünjenberger. 

3n  ber  ^unbeftrafce,  an  ber  ©übfeite,  jefet  ^c-Duart. 
JS  89—91,  mar  ein  ©runbftüd  feit  1488  33tcarien^auß,  feit 
1500  roirb  eß  „prester  collacie"  genannt.  SJieHeidjt  bat  eß  auä) 
nodf)  na<§  ©infütjrung  ber  Sieformatton  einem  ber  ßapeDäne  alß 
SBoljnung  gebient,  ift  Jebodf)  1556  feitenß  ber  SSorfteber  ber  9Jtarien* 
firdie  uerfauft. 

@ine  S3ube  bafelbfi,  —  jefct  M  106  —  oermad)te  tyaul 
33erftrate  1570  an  ben  ^rebiger  &inrid)  Stölfe,  ber  fie  fofort  an 
bie  SSorfte^er  ber  üWartenfirdje  uerfaufte.  $n  i^rem  $eftfce  blieb 
fie  biß  1754,  unb  mürbe  bann  an  ^ofjann  9tifolauß  Jßäfd&e  Der* 
fauft.  ®aß  §auß  Ji2  1 1 1  bafelbfl  oermaebte  ^ermann  Bergmann 
1558  ber  3Jiarienfird)e.  3)affelbe  biente  jeitmeilig  bem  Drganiften 
jur  SBo^nung,  unb  mürbe  1750  an  Qofymn  äBeßfel  oerfauft 


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72 

ferner  gehörte  ber  Äird&e  ein  &au3  an  ber  ©ttbfeite  ber  mttt* 
leren  gleifd^auerftrafee  —  jefct  3o!)3.*£luart.  Ja  122.  -  ©affelbe 
roirb  U94  „GollatienljauS"  genannt,  unb  foQ  oon  $an$  ßaftorp 
—  oieUeid)t  bent  sJJtitfiifter  ber  ©ängerfapelle8)  —  ber  Solarien* 
ftrdfje  gefd&enft  fein  jur  JBoljnung  für  ©eiftltdfje  an  berfelben.  3m 
16.  Qa^rljunbert  wirb  c^  jufammen  mit  bem  9tcbent)aufe  M  I23r 
toel<$e$  1450  oon  bem  legten  93cfi^er  M.  Theodoricus  Georgii, 
scriptor  judicii  inferioris,  ber  ©tabt  oermadf)t  toorben,  unter  bem 
9tomen:  „de  papen  collatie"  erwähnt;  nac&bem  SefctereS  aber 
1661  oon  ben  Ferren  ber  Äämmerei  an  ©altjer  3enitf^  oerfauft 
toorben,  bleibt  ©rftcre^  allein  toteber  ba$  „(MatienljauS",  unb 
f  djeint  ba«  fpäter  mel)rfad(>  ermähnte  „^aftoratjjauS"  ber  ©t.  9Rarten* 
fird&e  geioefen  ju  fein. 

£ier  liaben  u.  «.  getoofjnt: 
^Jaftor  Dr.  SlitotauÄ  $unmu3,  1623,  15.  ÜKai  -  @nbe  1624*). 

$reb.  M.  ipermann  Sintijon  Styon,  fl.  1750,  24.  9too.10). 
gJaftor  Dr.  3o!jann  ^ermann  Söedfer,  1751,  26.  9Wärj,  fl  1759, 
7.  Hprtt10). 

Sßaftor  3o$amt  Hermann  $armfen,  ft  1799,  23.  Januar. 
SJSreb.  ©ottlieb  §einrid)  Äaföe,  1800-1830. 

3m  folgenben  Satire  nmrbe  ba3  $au«  in  öffentlid&er  95er* 
fleigerung  oerfauft. 

©in  $au8  „baoen  bem  SBiffjufen",  oermutljUdf)  baS  an  ber 
•Jtorbioeftecfe  be3  ÄirdE$ofe3  bei  ber  Äapefle  am  ©tegel  belegene 
$au$  Jd  203,  jefct  ?Imt£iool)nung  beS  ©argträgerä,  mar  1538 
bem  $aftor  3$)ann  Söal^off  für  feine  ScbenSjeit  oon  ben  33or* 
fiebern  ber  Äird&e  oerfauft,  bodf)  toarb  biefer  SJerfauf  wieber  rüd* 
gängig  gemalt,  unb  ba3  $au3  einem  in  bcmfelben  Qaljre  neu 
angefteüten  ^räbifanten  ate  2öol)nung  angemiefen.  3n  bemfelben 
Ijaben  getoofynt  bie  ^rebiger: 

Qo^ann  Seppe. 
M.  ©eorg  SBartl). 
3Kid&ael  Sroft. 


•)  (Srautoff  1  o.  ©.  281. 

•)  Diarium  Pastor.  Marian.    ©.  14. 

w)  baf.  6.  146.  147. 


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73 

©ine  otibtc  2Bo!jnung  in  berfelben  ©egenb,  uielleidf)t  bic  fpätet 
oom  Äirdjenuogt  benufcte,  1834  abgebrod&ne,  warb  ebenfalls  1538 
für  einen  ^räbifanten  eingerichtet,  unb  fpäter  oon  bcm  ^rebiger 
£inridf)  9lölFe  bewohnt 

©nbUd)  fauften  bie  Horftetyer  ber  3Jtarienfird()e  jur  JBoljnung 
für  einen  Sßrebiger  im  3a$te  1539  twn  ftatob  SUbow  eine  ©übe 
an  ber  Dftfeite  beS  ©d&üffelbubenS  —  jefct  9W.*Q.  M  220.  2)er 
lefcte  ^rebiger,  weldfjer  f)ier  wohnte,  war  ©abricl  Sembcfe  von 
H95-  1798,  in  welchem  Saljre  er  ftdf)  baS  in  ber  Oberen  ^oljanniS* 
ftra&e,  $ol>S.*  Quart.  Jß  5,  belegne  $auS  f auf tc ,  baS  er  bann  bis 
ju  feinem  am  14.  ?lpril  1807  erfolgten  Stöbe  bewohnt  fjat. 

S)aS  £auS  im  ©d&tiffelbuben  wirb  feitbcm  oermiet^et.  $affelbe 
ftö&t  mit  feiner  Stüdffeite  an  einen  ßomplep  uon  ©cbäuben  jmifd&cn 
bem  Äirdi^ofe  unb  bem  weiten  ßrambuben,  bie  aus  3?ubeu  ju* 
fammengebaut  ftnb,  welche  jum  Stjeil  uon  alterSl)er  ber  Diarien» 
fird&e  gehörten,  fo  bie  jeßt  mit  Jfszn  bejeid&nete  SBoljnung,  mctd&e 
oon  jeljer  bie  2Berfmeifter*2BoI)nung  mar,  unb  bie  baneben  belegene 
Ja  218,  welche  bis  1834  für  bie  2ö:rfmeifter*28ittwen  beftimmt 
war,  bann  bem  Äirdjemwgt,  nadEjbcm  beffen  auf  ber  9Jorofeite  beS 
ÄirdfjfjofeS  in  gleitet  Sinie  mit  ben  fog  „©acferbuben"  ftetjcnbe 
2Bot)nung  gleid)jeitig  mit  biefen  abgebrochen  mar  —  wofür  bie 
$irdf)e  aus  bem  für  ben  2lbbrudf)  jener  Käufer  gefammelten  gonbs 
ßt.#  556.  erhielt11)  —  eingeräumt  würbe.  S)aS  §auS  Jii  213 
unb  214  ift  1503  aus  ©ottfjarb  sßleSlow'S  9k$laf$,  baS  ^3  216 
1548  oon  »nna,  beS  (StauS  Sänge  SBittwe,  gefauft. 

3m  %a\)Tt  1528  taufte  bie  3Jlaricnfird&e  vom  Statfje  baS 
£auS  in  ber  SBa^mftrafee  -  jefct  3ol)S.=£luart.  As  497  für  200  #. 
SDaffelbc  würbe  1531  uerlaffen  unb  jugefd&rieben,  unb  biente  bem 
Organiften  M.  Hartljolb  als  Söoljnung.  1555  würbe  eS  für 
400  .#  an  Qinxiä)  Äoler  wieber  oerfauft. 

2)ie  3Berfmeifter*2Sot)nung  oermiet^eten  bie  Sorftetjer  ber 
#irdf)e  1531  an  ben  SßrotonotartuS  M.  $?ernfjarb  £einemann  für 
ine  3eit  feines  SebenS.    @r  ftarb  jebocfc  föon  1532,  13.  91oo. 

33on  1564  — 1580  fyat  bie  3flarienfird)e  audf)  in  ber  großen 
©d&miebeftra&e  ein  £auS  —  je&t  9Jt.*£l.  Xs  979/980  —  befeffen. 

(Sine  furje  3*ü  lang  fjaben  fidfj  bie  ©eiftlid&en  ber  3Jtatten* 
ftrdfje  audf)  eines  ©artenljaufeS  ju  erfreuen  gehabt.   S)er  9latt)Sf)ert 


»}  Diar.  Past.  Mar.   @.  503.  504. 


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74         • 

3ot)attn  gfid&ttng  bcjHmmte  in  feinem  hirj  oor  feinem  am  24.  3Rai 
1637  erfolgten  Zobt  errichteten  SEeflamente:  „3Jieinen  £of  aufeer 
bem  93urgtt)ore  belegen  legire  unb  üermadje  td)  ju  eroigen  Sagen 
ben  fämptlidjen  ^rebigern  an  S.  SDtarien  Äirdjen  alliier,  aufy 
babeneben  oon  1000  9Jtarf  Kapital  bie  jctyrlid&en  Renten,  baoon 
fie  nebft  ttjren  $aufefrauen  äße  ftafyt,  etwa  umb  ^jtngflen  aufe, 
ftdj  auf  bem  £ofe  oerfammten,  einen  frölidjen  guten  Sag  itjnen 
mad)en,  aud)  meiner  unb  meiner  feligen  lieben  (Styefrauen,  babei 
unb  fonften  afleroege  @l)riftltd)er  SBeife  gebenden,  unb  erfudje  fie 
baneben  fleißig,  bafj  fie  ftd)  über  folgen  ©arten^off  frcunblidj  oer- 
gleiten,  unb  mie  itjnen  für  anbern  motjl  anfielet  unb  gebühret, 
id)  axiä)  fein  anberS  ljoffe,  gute  ©inigfeit  unb  ©teidjeit  beSroegen 
galten  motten."  ®ie  Unterhaltung  biefe«  ©arteng  mürbe  inbefe  ju 
foftfpielig,  unb  fo  mürbe  er  fdjonii652  mit  3uftimmung  ber  Sefta* 
mentarien  für  2000  3Jtorf  mieber  oerfauft12). 

S)er  fragtid&e  ©arten  mar  ba«  an  ber  Scfe  ber  ©ertrubenftrafce 
J&  3  belegene  früher  bis  an  bie  Sraoe  ge^enbe  ©ntnbftüdf,  ba£ 
lange  %t\i  im  2?cftfce  beS  Senator  Otölting  gemefen  ift.  3)a£  §au$ 
lag  früher  unten  im  ©arten,  am  gufee  be£  Ijoljen  UferS,  mürbe 
bort  1843  abgebrochen,  unb  jtatt  beffen  ein  neueä  £au3  oben  am 
Srinf  erbaut. 

2.    ».  aakobt  =  Btrdje, 

S)er  Qafobi'Äir^^of  mar  urfprünglt<$  fomotjl  an  ber  2üeftfeite 
nadjj  ber  93reitenjka&e  ju,  mic  an  ber  Oftfeite  nadj  ber  Äönigftrafee 
ju  burdf)  eine  3Rauer  begräbt,  bie  üerfdfjiebene  S5urd)gänge  unb 
3)urd&faljrten  Ijatte.  S)ie  (Srftere  mürbe  1837,  bie  Severe  1839 
abgebrochen. 

«n  ber  ©übfeite  be$  Äird&&ofe8  lag  bie  um  ba3  Sfatjr  1300 
erbaute  SSJoljnnng  bc3  rector,  bod)  naljm  fie  nidjt,  mie  ©rautoff 
meint13),  bie  ganje  Breite  beö  Äirdjljofeä  ein,  benn  bie  beiben  in 
ber  33reitenftra6e  an  ber  @dfe  beö  Äird)l)ofe3  belegenen  Käufer  — 
jefct  3üc.*ü.  X5770  unb  771  —  l)aben  ftd)  urfprünglid)  nidjt  im 
53eftfee  ber  Äirdie  befunben. 

3efct  fteljt  an  jener  ©teile  ba£  ^aftoratfjauS  -  3!ac.*£l. 
Ja  102  —  unb  baneben  ein  Heineren  §auö  -•  Jis  703  —  roel<$e3 

19)  fleue  £üb.  SBlättcr  1839.   <5.  324.  355  Slnmcr!.   —  ^erjridjnifc  ber 
^nüat-SBo^lt^ätigfeitS^nftalten  1877.   S.  33. 
»)  ©rautoff  1.  c.   ©.  224.  225. 


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75 

bis  1837  SBittroenfymS  war,  bann  Sßofjnung  beS  $l)urmbläferS, 
feit  ber  3Bitte  bct  fünfziger  Qaljre  jur  «ufbeiuafjrung  uon  Sau* 
ntaterialien  benufct  nrirb. 

3n  (öfterem  Ijaben  gerooljnt: 
^aftor  ^Seter  ipinrid)  Sßeterfen,  1788,  ft.  1799,  26.  Januar, 
^aftor  granj  ©ernljarb  "iPrunS,  1799,  ft.  1800,  2.  "Mal 
*J5aftor  ©ottlieb  ärnolb  2*ec!er,  1800,  ft.  1829,  28.  Stooember. 
?ßaftor  i^erntyarb  ©fd&enburg,  1830,  ft.  1632,  30.  September, 
^aftor  griebrid)  «uguft  gabriciuS,  1832,  ft.  1840,  21.  g*br. 
<jkftor  3Jtarcu8  3oa<$im  Äarl  Älug,  1840-1868. 
Sßaftot  griebrld)  ©uftat)  «bolpl)  $ofmeier,  feit  1868. 

«n  ber  ÜWorbfeite  ber  Äirdjje,  jnrifdjen  biefer  unb  bem  Äauf* 
berg,  Ijat  otyne  3roeifel  fd&on  fe&r  frülje  eine  $äufer*9teit)c  geftanben, 
bie  fid)  im  ^efifte  ber  Äird&e  befanb.  £ier  nmrbe  1262  bie  lateint* 
fdje  6df)ule  ju  6t.  Qafobi  angelegt.  9tad)  ber  Sieformatton  finb 
einjelne  biefer  Käufer  al$  ^rebiger^SSofynungen  benufct;  fo  erjä^tt 
ber  ^rebiger  §enricu$  3Kenne  in  feinen  Stufjeic^nungen,  bafe  er, 
t)on  1577—1579,  in  bem  am  SBeiteften  nacJ)  ber  (Sngelögrube  ju 
gelegenen  £attfe  gewohnt  Ijabe.  3)er  jeßige  Wan  ftammt,  nrie  bie 
an  ber  sJtorbfeite  beweiben  befinblidje  Qafjreöjafjl  1602  ergiebt,  aus 
bem  anfange  beS  17.  ^a^unbertö.  @r  umfafjt  fünf  Käufer: 
Ji  705.  2Berfljau$,  jefct  SBo^nung  beS  Drganiften. 
Jfi  706.   6t.  3fafobi*Änabenfd()ule. 

Ja  707.  grüljer  SBo^nung  ber  äöittroen  Don  Äirdjenbcamten,  feit 
1813  längere  3^t  unbewohnt,   bann  bem  nebenliegcnben 
6d)utl)aufe  jugetegt. 
M  708.   ^rebiger  *  SBUtroenljauS. 
Ja  709.  ^ßrebiger  -  SBofjnung. 

3m  fieberen  Gaben  gewohnt: 
$reb.  »em^arb  Sföenburg,  1797-1802. 
^reb.  $einrid)  Saäpar  SDtünjenberger,  1802,  ft.  1831,  1.  gebruar, 

beffen  SBBittroe  btS  1833. 
$reb.  SUepanber  SJttdjelfen,  1833-1869. 
*jkeb.  Qofiann  ©fjrifttan  6ommer,  feit  1869. 

©in  ©runbftücf  in  ber  gifdjergrube,  jefet  SR.*9K.*£l.  Ja  360-362, 
befafe  bie  3<rtobi*Äird)e  oor  1299,  in  welkem  $a\)xt  baffelbe  Der* 
fauft  würbe. 

3n  einem  Vertrage  üon  1492  wirb  einer  in  ber  Äönigprafee 
belegenen  unb  jur  SafobUÄird^e  gehörigen  Sßapen*(Matie  erwähnt. 


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76 

33ieBeu$t  ift  bctmit  baS  £auS,  jefet  3ac*  Quart.  Jß  644,  gemeint 
meines  in  jenem  ^afjre  bem  ^tieftet  SHicolauS  Suneburg  burdf) 
©rbfdjjaft  juftel.  Sin  anbereS  £auS  bafelbft,  jefet  3ac*  Quart 
Jii  698,  mar  1466  gleichfalls  burdf)  ©rbfd&aft  in  ben  9?efife  beS 
^riefterS  ßoert  ©ufeom  gelangt.  @ine  fernere  ^apen^oßatie  bejafe 
bie  ^afobi^ird&e  in  ber  gifd&ergrube ,  -  jefet  ÜR.*SJR.;Q.  Jß  344 
—  1529  bis  1575.  Sludf)  in  ber  ©röpelgrube  ^atte  fie  mehrere 
Käufer,  bie  jum  Jljeil  als  28ittroenmol)nungen  gebient  tyaben  follen, 
unb  im  vorigen  Qafjrljunbert  oerfauft  mürben. 

S)aS  §auS  in  ber  Äönigftra&e,  ^c.^üuart.  Jii  701  mürbe 
1549  bem  3)aoib  3Kenne  für  $aftor  $eter  Sljriftian  ober  ßljriftiani 
oon  griemerSfjeim,  ben  erften  eoangelifd&en  $aftor  ber  ©t  «gafobi* 
Äird)e  ju  treuen  Rauben  jugefd&rieben.  9tadf)  bem  am  3.  9lprU 
1574  erfolgten  $obe  beS  fieberen  mürbe  eS  1575  an  bie  SSorfieljer  ber 
6t.  3afobi*Äird)e  cebtrt,  unb  ift  feitbem  $rebtgerroot)nung  geblieben. 

§ier  wohnten: 
<ßreb.  ©ottlieb  SSrnoIb  93edfer,  bis  1800. 
Sßreb.  33ernt)arb  @fdf)enburg,  1802-1830. 
*ßreb.  Garl  Sluguft  gabriauS,  1831,  ft.  1835,  20.  3an. 
*ßreb.  3ol)ann  ipeinrid)  gtefc,  1835-1852. 
*ßreb.  Sluguft  griebrid)  Sütge,  feit  1853. 

3)ie  beiben  an  ber  entgegengefefcten  Seite,  in  ber  breiten* 
ftrafee  bei  bem  $ird&f)ofe  belegenen,  fdfjon  ermähnten  Käufer,  jefct 
^ac^Quart.  Ja  770  unb  771,  fauften  bie  Sorfteljer  ber  Safobi« 
Äird&e  1526  oon  £anS  Bremer.  $>aS  £auS  Jii  77  t  oerfauften 
fie  1529  mieber,  baS  Ja  770  uerfauften  fie  1532,  fauften  eS  aber 
1539  mieber  jurücf. 

3>n  bemfelben  fjaben  gemotzt: 
qireb.  granj  SJernfjarb  93runS,  bis  1799. 
sjkcb.  griebridf)  Süuguft  gabriciuS,  1799-1832. 
2)ann  bie  2&ittme  beS  ^rebigerS  SDiünjenberger,  bis  1837. 

Qn  biefem  Satire  mürbe  baffelbc  jitr  SSofjnung  beS  ÄüftcrS 
beftimmt,  nad)bem  baS  bisherige  §auS  beffelben  —  Jii  704  — 
auf  bem  Äirdf)t)ofe  belegen  unb  oon  einer  mächtigen  alten  Sinbe 
befd&attet,  abgebrochen  mar. 

3.    %t  JMri«&trd)e. 

3)ie  ju  Amtswohnungen  ber  ©etfilidfjen  unb  Beamten  be* 
ftimmten  §äufer  lagen  urfprünglic^    am  $etri*Äird!jJ)ofc-     Sine 


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77 

Sßrebigerrooljnung,  in  weiter  u.  3t  ber  Sßrebiger  Sljeobor  SBaftmer, 
geft.  1578  ,  gewohnt  fjat,  ba«  äöerfmeifter*,  unb  ba«  Äüflerljau« 
lagen  an  ber  Sübroeftfeite  bcö  Äird>l)of£.  3)iefelben  würben  1600 
unb  1601  abgebrochen,  unb  an  tyrer  ©teile  35  ©etoölbc  ju  95c* 
gräbniffen  unb  ein  £eid)enl)aua  erbaut14). 

2)a«  §au«  an  ber  sJtorbfeite  be«  Äirdjljof«,  an  ber  weftltdjen 
©de  be«  fog.  $ieb«ftegel«  ober  ber  ®et)e$firaten  —  jefct  2ft.*B. 
Jß  308  —  war  no$  bt«  jum  Qatjre  1795,  in  meinem  e«  an 
Sofymn  £errmann  93roctmann  oerfauft  rourbe,  SlmtSmoljnung 
eine«  ©eiftltdjen. 

3m  Qafjre  1540  fauften  bie  SJorfteljer  ber  $etri*Äirdf)e  üon 
@efa,  be«  £an«  Senfeftafe  2öittrocf  ba«  an  ber  -Jtorbfeite  ber  großen 
$eter«grube  auf  ber  ©de  be«  Äotf  gelegene  §au$  --  jefct  9».  *£L 
-A3  417.  —  5)affelbe  mürbe  jur  SBofjnung  be«  ^aftor«  beftimmt, 
unb  bef$atb  bie  „$Paftorei",  audfi  rool)l  bie  „SBebeme  ber  6t.  $etri* 
Äirdje"  genannt  Seit  bem  vorigen  $al)rf)unbert  ift  es  bie  SBBcrf^ 
meifterrooljnung. 

1592  Ijat  Suca«  Steffen«,  einer  ber  SBorftefjer  ber  $etri*Äir$e, 
feinen  aWitoorfte^ern  „tl)o  betyueff  tyrer  Verden  unbe  roo^ning  bc« 
tyern  paftort«  bafelbft  tljo  ewigen  tt)ben  barbt)  tfjo  btproen  von 
freien  willen  oerefjret"  fein  ipauS  in  ber  grofjen  Sdjmiebeftrafee  — 
jefct  9R.«£L  Ja  975  —  fdjon  1594  aber  l)at  er  baffelbe  nrieber 
juriufgefauft. 

3m  Satire  1600,  t>ermutt)lid)  in  SSeranlaffung  be«  2lbbru<$« 
ber  ^rebigerrootinung  auf  bem  Äirdjljofe,  unb  ber  gleidjjeittg  er* 
folgten  Sßaljl  be«  *ßaftor«  gu  3ietljen  ®««par  &oljte  jum  $rebiger 
an  ber  SßetrUÄird&e,  fauften  bie  SSorfte^er  üon  3od)im  Stöbe  ein 
$au«  in  ber  grofeen  Sdjmiebeftrafee.  @«  mar  maljrfcfycinUdf)  nid>t, 
it)ie  Sdjroeber  in  feinen  2lu«jügen  au«  ben  Dber*Stabtbüdjem  an* 
giebt,  ba«  §au«  Jß  978,  fonbem  ba«  feanS  Js  979,  roeldje«  bis 
1757  im  Seftfce  ber  Äird^e  gemefen,  unb  bamat«  an  Staniel  Sarbin 
oerfauft  ift. 

Sobann  rourbe  im  Qa^re  1603  ein  §au«  an  ber  Sübfeite 
ber  grofcen  $eter«grube  —  jefet  Jß  452  —  t>on  9Ri$el  Siricf« 
gefauft,  ba«  jmifd&en  1660  unb  1666,  oietleidjt  in  SSeranlaffung 
ber  3Baf)l   be«  fßaflor9«  3o^ann  Nicolai    ober  Glaeffen,    1663, 


M)  SDctlef  $retyer  S&rontf.  —  @.  fteeefe,  Sttbecfifdje  Ortsnamen  auS  bem 
fcoriflen  Sa^rtyunbcrt.    Sttbedf  1859.  <3.  5. 


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78 

10.  fcecember,  SßaftoratfjauS  mürbe,  wie  ftdj  barauS  ergiebt,  ba§ 
baS  §auS  Ji  416  cor  1660  als  neben,  nad)  1666  als  gegenüber 
bem  $aftoratt)aufe  bejeid&net  mtrb. 

$ier  wohnten: 
^Paftot  ^oljann  ©erwarb  Äöppen,  1788,  ft.  1813,  29.  9Wärj. 
iaftor  Gorb  griebridj  2Befterroicf,  1814,  ft.  1821,  27.  gebr. 
Sßaflor  ipermann  griebrid)  SBeljn,  1821,  ft  1846,  20.  gebr. 
^Jüpor  granj  Ulridj  S^eobor  aHeger,  1846,  ft.  23.  3)ecember. 
^afior  griebrieb  (S^riftop^  Äöppen,  feit  1847,  3.  äuguft 

1757,  nacb  bem  Verläufe  bcS  §aufeS  in  ber  gr.  ©dbmiebe* 
ftrafee,  würbe  baS  an  ber  -Jtorbfeüe  ber  gr.  SßeterSgrube  belegene 
£auS  —  jefct  Ja  416  -  angelauft.  3>n  bemfelben  tyat  julefct  ber 
Jßrebiger  Gorb  grtebrid)  Söcftcrmicf  von  1788  — 1814  gemobnt. 
9la$  beffen  SBabl  jum  Sßaftor  unb  Um jug  in  baS  gegenüberliegenbe 
?ßafioratt)au$  mürbe  eS  Sßoljnung  beS  ©argträgerS,  unb  1855 
nrieber  uerfauft. 

(Snbltd)  mürbe  1783  baS  an  ber  ©übfeite  ber  gr.  $eterSgrube 
naä)  ber  iraoe  ju  gelegene  §au$  —  jefct  Jß  460  —  als 
5Prebigerf)au8  angefauft. 

§ier  motten: 
Sßreb.  Submig  ©uf)l,  1783-1793. 
5ßreb.  Hermann  griebrWd  ©e^n,  1793- 182 i. 
$reb.  Submig  2luguft  Söefterroief,  1821,  ft  1833,  9.  S)ecbr. 
5ßreb.  granj  Ulrid)  2$eobor  SWeger,  1833  -  1846. 
Sßreb.  äBilbelm  ßubroig  ©uljl,  1846-1876. 
Sßreb.  ätoguil  $f>eobor  3iefc,  feit  1876. 

4.    St.  3Ugibien  =  #irdjf. 

9fa  ber  9torbfeite  beS  nörblufcen  arme«  ber  unteren  «egtbien* 
{trage  ber  Äirdfje  gegenüber  ift  um  1300  bie  Sßfarrmoljnung  ge* 
grünbet.  Sie  erfte  baS  9ta$barl)auS  betreffenbe  Snfcription  oon 
1288  bejeidjnet  SefctereS  no$  ntd)t,  mo^t  aber  bie  jmeite  non  1305 
atö  apud  dotem  ecclesiae  gelegen. 

2)oS  jefet  an  ber  ©teile  fte&enbe  §au8  —  3oIm£L.  Jß  640 
~  ift  nad»  bem  £obe  beS  $aftor£  Sodann  Gtjrifiopl)  9Röttratl), 
4.  3uli  1827,  melier  fd^on  als  ^rebiger  feit  1783  &ter  gemo&nt 
&atte,  oon  ©runb  aus.  neu  gebaut,  unb  mirb  feit  1828  oon  bem 
ißrebiger,  bann  (1833)  Sßaftor  unb  ©entor  Dr.  Sodann  ©art 
ßinbenberg  bemo^nt. 


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79 

£a«  betrieben  liegenbe  Qavß  —  Jß  641  —  fauften  bie  SSot^ 
fieser  ber  Ätrd&e  1544  oon  $acob  Siemenfmber'S  Äinbem.  9tod) 
bem  am  20.  gebr.  18 15  erfolgten  SEobe  be£  SßaftorS  «Ibredjt 
SBolfgang  -Jtöltmg,  toetd&er  Ijier  wohnte,  nmrbe  ba3  &au3  per* 
mietet,  1831  öffentlich  jum  SJerfauf  gebrad&t;  ba  fi<$  aber  fein 
Ääufer  baju  fanb,  nmrbe  e£  umgebaut  unb  mieber  jur  Sßrebiger* 
2Bol)nung  beftimmt. 

©eübem  wohnten  l)ier: 
$reb.  6arl  SBilljelm  Sfäemeper,  Dctbr.  1831 ,  ft.  1842,  30.  $>ecbr. 
$reb.  $eter  grtebrid)  3uliu3  £unl)arbt,  1843,  ft.  1876,  7.  ©eptbr. 
5ßreb.  Sari  $()eobor  §olm,  feit  1877. 

®er  britte  ©eiftüdje  tooljnte  permutt)li$  in  einem  ber  an  ber 
Sftorbfeite  berÄir^e  tljetlS  an  biefelbe  angebauten,  tljeils  amÄird)* 
l>ofe  belegenen  porlängft  abgebrod&enen  Käufer.  3m  porigen  $aljr* 
^unbert  nmrbe  für  benfelben  ba$  in  bem  jüblid&en  Slrme  ber 
äegibienflrafee  an  ber  ®de  beÄ  Äird^ofeS  gelegene  $au3  —  jefct 
3ol)£.*  Quart.  M  618  —  gefauft. 

§ter  roo&nten: 
$reb.  $einri<$  griebrtd)  SRiemeper,  bis  1809. 
*Jkeb.  ^einric^  (Sljriftian  3iefc,  1809,  M*or  1827,  ft.  1834,  lO.Quli. 

3m  Qäfyct  1835  mürbe  bajfelbe  nrieber  perfauft. 

gerner  gehört  ber  äegibien*Äird^e  ba«  an  ber  SBeftfeite  be8 
Äird&^ofe«  mit  ber  gront  nad)  ber  Äird&e  ju  gelegne,  in  brei 
Käufer  geseilte  Duergebäube.  2)a$  £au$  Jß  634,  eljemat«  2Berf* 
meifterroo^nung,  wirb  oon  bem  ©arg träger  bemo^nt,  Jß  635  ip 
bie  3lmtöioof)nung  be£  ÄüfierS,  Jß  636  be£  Äird^enoogtö.  (Sin 
auf  bem  Äirdf$ofe  belegenes,  an  bie  Storbfeite  ber  Äircfce  ange* 
baute«  $au«  Jß  637,  toeldjeS  unten  ein  SRagajin,  oben  ben 
„SBitttoenfaal"  für  bie  $rebtger*äBUtn>en  enthielt,  iji  1878  ab* 
gebrochen. 

5.   Jörn. 

S)ie  ©etftltd)feü  unb  bie  Ätrd&enbeamten  be3  S)om  Ratten  pou 
Anfang  an  eine  grofje  Stojaljl  oon  ©runbfiüden  in  ber  Umgebung 
beffelben  ju  iljrer  Serfügung15). 

«n  ber  SRorbofifeite  be«  ©om*£irci)l)ofe$  lag  ber  93tfd)of8l)of, 
mit  einem  grofeen  ©arten,  melier  jt<$  btö  jur  SDtü&lenjtrafce  er* 

16)  Dgl.  Söetyrtnann,  SWittfyeüungen  übet  ba£  ehemalige  Sübetf  ifdje  2)omcat>Uel, 
in  ber  3citf^rift  beS  «ctemS  für  £ü&.  ©efö.  u.  Bltertyumdf .  ob.  3.  Sübetf  1876 


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fc     80 

firedte.  9todf)bem  ba«  ©tunbftücf  1819  in  ba8  Sigentljum  be£ 
Senator«  3Jienfce  übergegangen  mar,  würben  bie  alten  ©ebäube 
abgebrochen,  unb  ein  neue«  £au£  an  ber  9Rül)tenftra&e  —  9R.*£L 
^2  873  —  erbaut 

•Weben  bem  SifdfjofSljofe,  an  ber  ©efe  ber  3Kunfterba()n  — 
J&  856  —  lag  bie  £>omprobftei,  beren  ©ebäube  jefct  von  ber 
työljeren  33ürgcrfd&ule  benufct  werben. 

«n  ber  @dfc  be$  gegefeuerS,  ba,  roo  jefct  baS  2Baifenljau£ 
fte^t  —  Jß  854  -  lag  bie  2)ed&anei. 

®ie  £>omf}erren  *  ßurien  lagen  auf  ber  ^arabe  —  Jd  950, 
951 ,  952,  (nad&  2Ibbrud&  ber  ©ebäube  1823  mit  bem  ©arten  be£ 
SöaifenljaufeS  vereinigt),  953,  954,  955,  956,  —  bem  $ferbe* 
marft  —  Xs  957, 958  —  unb  ber  Keinen  ^faffenftrafee  -  Jß  917  — ; 
bie  übrigen  bem  Äapitel  gehörigen  ©runbjtüdfe  am  95auf)ofe,  in 
ber  ^artengrube,  bem  gegefeuer  unb  ber  fleinen  ^faffenfirafce,  roo* 
felbft  bie  Käufer  Jd  915,  916,  meldte  im  15.  ^atjrljunbert  in  baS 
eigentfjum  ber  Äirdje  gelangten,  als  Sßapen*6olIatien  bejcicfynet 
werben.  (Sin  £au$  in  ber  3Jlüf)lenftrafee  —  jefct  3K.*Q,  M  905 
—  befafe  bie  3)om^ir$e  t)on  1521  —  1535. 

3n  ber  oben  an  ber  üflorbfeite  ber  ipartengrube  belegenen 
Gurie  wohnten  u.  21.  um  1366  ber  ßanonicuS  6t)ert)arb  oon 
ajloljren,  in  ber  jroeiten  Hälfte  be3  15.  3a^unbert8  ein  5Doml;err, 
roeld&er  S)octor  ber  Geologie  mar,  benn  fie  wirb  um  jene  %t\t 
„be$  boctorS  Ijoo  in  ber  tilgen  ferifft  tom  bome"  genannt.  SHe* 
felbe  naljm  bei  ©infüljrung  ber  Skformation,  1530,  ber  9iatl)  in 
SBcfd^iag,  unb  befummle  fte  jur  SBojjnung  beS  eflangelifdfjen  ^aftorS, 
roa$  fie  audj  feitbem  geblieben  ifi.  %n  neuerer  $t\t  W  fic  in  ben 
3afjren  1829/30  unb  1879  einen  Umbau  erfahren. 

£tcr  wohnten: 
^Saftor  Qo^ann  §enrid(j  (SarftenS,  1785,  ft.  1829,  21.  Qan. 
Sßaftor  Sodann  griebrtdf)  ^eterfen,  23.©ept.  1830,  fl  1845,  I3.9»ai. 
Sßaftor  Qofjann  griebrid)  ^eterfen  junr.,  1845  —  1852. 
^Saftor  Sodann  $einrid&  3icfc,  1852-  1879. 
Sßaftor  (Sgintyarb  griebridj)  Sßeterfen,  feit  1879. 

2)a$  §au&  an  ber  9torbfeite  ber  ©ffengrube  -  JS  800  - 
tauften  bie  Sorfteljer  ber  Som*ftir$e  1567  oon  £inrid()  ©djepenflcbe. 

ipier  wohnten: 
^reb.  ^oljann  griebrid;  ^eterfen,   b.  3lclt.,  1827  ^ßaftor,  bis  1830. 


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81 

Sßreb.  ^otiann  griebridj  ^eterfen,  b.  Qüng.  (bcr  nad&  feiner  (St* 
wäl)lung  1827  junäd&ft  miet^meife  in  bem  £aufe  M  862 
am  35omfitd)f)ofe  gewohnt  fiatte)  1830—1845. 
^reb.  griebrief)  ^Jeter  Submig  Suger,  fett  1846. 

ßine  fernere  ^rebigerwofjnung  war  ba£  baneben  Uegenbe,  ur* 
fprünglic!)  bem  2)omcapttel  gehörige  unb,  wie  c£  fd&eint,  fd&on 
früf)  an  bie  SDom^iird&e  übergegangene  S^anä  am  gr.  33aul)of  Jß  823. 

3n  bemfelbcn  wohnten: 
$reb.  ^f)ilipp  Bieter  ©djröber,  ft.  1808,  5.  9ioo. 
?ßreb.  §einrid(j  griebridE)  9Ziemer)erf  1809,  ft.  1853,  l.  SDlärj. 

Waä)  bem  Jobe  be£  Sefttercn  rourbc  ber  ju  bem  ipaufe  ge* 
t)örige  ©arten  bem  ^rebigerljaufc  in  ber  (Sffengrube,  Jß  800,  ju* 
gelegt,  ba£  $au£  felbft  aber  üetfauft,  unb  bafür  ba3  bereite  im 
$erbft  1851  angefaufte  in  berfelben  Steige  am  gr.  23auf)ofe  etroaS 
weiter  nörblidj  gelegne  §au$  —  M  824  — ,  weld&es  ebenfalls 
früher  bem  ®omcapitel  geljört  l)atte,  jur  ^rebigerwotjnung  beftimmt. 

&ier  wohnten: 
$reb.  $eter  9ticolau3  £einri$  ßarftenS,  1854,  ft.  1862. 
*ßreb.  Sari  gerbinanb  ©rautoff,  1862,  ft.  1863,  31.  3Kai. 
$reb.  (Sginfjarb  griebrid)  ^eterfen,  1863—1879. 

Qm  Qa^re  1879  mürbe  auö)  bicfe3  &au3  wieber  oerfauft,  unb 
mürbe  ber  weftlid&e  Sljeil  be£  s#aftoratf)aufe3  in  ber  §artengrube 
jur  Söoljnung  für  ben  jweiten  ^rebiger  ausgebaut.  ißier  wofjnt 
feit  SDJärj  1880  $reb.  Gart  §an3  ipeinrtdE)  Slereboe. 

9Bofjnungen  für  bie  ^rebiger^ittwen  finb  am  $)om  nie  gemefen. 


Slufeer  an  ben  fünf  §auptfirdE)en  maren  oon  ber  ^Reformation 
an  bi$  in  unjer  Qa^unbert  nod^  brei  ©eiftlid&e  an  Jlebenfird^en 
angeftellt. 

einer  mar  für  ba£  SPutßf (öfter,  ba3  §eil.*®eift*$ofpital  unb 
ba3  ^oden^auS  beftimmt,  unb  follte  jugleidf),  mie  bie  Äird&enorbnung 
jagt16):  „alfe  eijn  notfnecf)t  gebruefet  merben,  mor  ein  ©appeüan, 
er>n,  troe,  bre,  ebber  üeer  mefen  tfyom  l)ögeften,  merbt  feljlenbe 
Sßnbe  od  woljr  me  p  ber  peftilentie  nidjt  genod;  l;abbe  an  benn 
anberen  ßappellanen." 

2)er  ^rebiger  ijatte  früher  feine  3mt<S*2Bol)nung  im  23urg* 
flofter,  worauf  bie  nodf)  jefct  üortjanbene  ^ejeidfjnung  bc3 
„*ßaftoren*£ofe3"  beutet,  mie  aud;  bie  2Rittf)cilun(j17),  bafe,  als  ber 

,6)  Üitc^enorbnung  cit.  ©.  93.  ")  Diar.  Past.  Mar.  ©.  10. 

6 


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$rebiger  <£$riftop$  ©afebotf  im  3a$re  1610  t>om  Silage  getroffen 
morben,  fein  ^Rac^folger  M.  Sllbert  Steintet*  in  bie  t>on  tym  be* 
nufcte  SBofcuung  gejogen,  i&m  felbji  unb  feiner  gfamitie  aber  „  oben 
auf  bem  Älofter  ein  Ort  jur  SBofywng  angeroiefen"  fei.  9tad>  bem 
am  ii.3uli  1793  erfolgten  $obe  be*  Sßrebigerö  3>ol)ann  ipafe  mürbe 
biefelbe  ju  baufällig  befunbenf  unb  bajjer  feinem  9lad)folger  ©ottlieb 
5Ricolau$©tolterfo&t  etneaßo$nung«*@ntfd)äbigung  gejagt,  für  meldte 
berfelbe  bis  1802  im  weiten  Ärambuben  M  245,  bann  in  bem  bem 
SRattyaeuS  SRobbe  gehörigen  in  ber  Sreitenftrafce  an  ber  (Sät  ber 
giföergrube,  jefct  9W.*3W.£L  ^2  805,  belegenen  §auje  roo^nte,  auf 
beffen  Diele  er  am  6.  9tot>br.  1806  oon  einer  franjöftftfcen  Äugel 
getroffen,  fein  Seben  oerlor18).  —  6ine  $rebiger*2Btttmenroo$nung  be* 
fanb  ji$  gletcfyf  aH3  im  Innern  ber  Surg.  S)er  Äüfler  mo&nte  aufeer< 
tyalb,  in  einem  ber  an  ber  ©übfeite  ber  Surgtreppe  gelegenen  Keinen 
Käufer,  roel#e  urfprfinglid)  fämmtlid)  fid)  im  ©gentium  be8  8urg* 
Jtlofterä  befanben,  unb  1805  erlauft  mürben. 

gerner  mar  am  3ol>anni$flojier  ein  @eifllid&er  angefleQt,  ber 
feine  SBo&nung  in  einem  ipaufe  auf  bem  3o$anni$|ofe  fcatte.  3)er 
le|te,  $reb.  $aut  S)etlet>  3ie|,  fiarb  1812,  3.  gebr. 

3lm  6t.  Sinnen*  Slrmen^  unb  SBertyaufe19)  mar  früher  ein 
„Sßräceptor"  angefteDt,  ein  ni<$t  *  orbinirter  Geologe,  melier  an 
Sonn«  unb  gefttagen  Vormittags  ju  prebigen,  täglich  eine  3?et* 
ftunbe  ju  galten  unb  ben  Unterricht  unb  bie  ©eelforge  an  ben 
©eroo^nern  beS  Älofterä  roa&rjune^men  fjatte.  SDie  SSerroaltung 
ber  ©acramente  ftanb  ben  jflngften  Sßrebigern  am  SDom  unb 
©t.  Slegibien  ju.  S)er  Sßräceptor  Oatte,  roie  e8  f$eint,  b\&  gegen 
®nbe  be*  oorigen  3al)rl)unbertS,  „frepe  2Bol>nung"20),  t>ermutl)Ud& 
im  Älofter*@ebäube.  Später  mo^nten  bie  Sßräceptoren  in  vtt* 
fd^iebenen  ©egenben  ber  ©tabt 

3m  3a|re  1833  mürbe  bie  ©teile  in  eine  SßrebigerfUDe  *er* 
manbelt,  unb  rourbe  ba«  oormalige  „Siineburg'*  ärmen&au*"  — 

»•)  Neue  £üb.  IBL   3a$ra.  1835.   ©.  346. 

I9)  2He  Sorfte&er  be«  im  3a$re  1502  geftifteten  ©t.  2lnnen*$HofterS,  eine« 
SRonnenffofter«,  lauften  1517  ein  §au«  an  ber  Oftfeite  ber  3Rtt$lenftraf$e  — 
jefct  3o$«.*Duart.  M  779  -  trieUeity  at«  Söo^nunß  für  tyren  ®eiftU$en.  2)a« 
baneben  Uegenbe  ®runbftütf  M  780—782  Wirb  fett  1589  al«  „papen  collatie" 
bejet^net,  warum?  ift  ntyt  etftytikty,  ba  e«  fi<$  fortbauetnb  im  »eftfce  *>on 
^rtoatyerfonen  befunben  ^at 

,0)  Staribtrte  Drbnung  für  ba«  ©t.  Sinnen  SCrmen*  unb  Söerlfyiu«  *>om 
3a$r  1777.  ©.  92.  §  8. 


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83 


St.  Stnnenfirafce  3ot)3.*Q,uart.  Jß  808  —  raeldjeS,  nad&bem  bte 
Stiftung  au£  SKangel  an  3Jlitteln  eingegangen  mar,  1834  bem 
6t.  Sinnen  *£lofter  überlaffen  war,  jur  2lmt$rooljmmg  für  ben 
Sßrebiger  ausgebaut 

£ier  wohnten: 
$reb.  £einric§  (Sljriftian  griebrid)  93ang,  ft.  1837,  6.  San. 
SJSreb.  ßtyriftian  SMcbrid^  ©onaoentura  oon  ©rofeljetm,  1837—1840. 
Sßreb.  $einri<$  granj  ©aniel  i^ang,  1840—1876. 

SWacfybem  Sefcterer  penftonirt  unb  bie  ^Jrebigerfteüe  aufgehoben 
raorben,  rourbe  ba3  £au3  Derfauft. 


111. 

Beiträge  jut  »ubetftfAen  ©ef$i$te* 

2*on  (Senator  Dr.  20.  Q3r ferner. 


1.    Sie  fübcdufdjen  Peginenljäufer. 

Seit  bem  33eginn  be$  brennten  3af)rf)unbett$  würben  in 
ben  meiften  flanbrifdjen  Stäbten  ^genannte  Scgtncnjjäufer  ge* 
grünbet,  in  benen  unocrtyeiratljete  grauen  jimmer  na(§  ßcroiffen 
Siegeln  unb  unter  SBeobadjtung  beftimmter  gemeinf<$aftli$er  religio* 
fer  Uebungen  jufammenlebten;  fte  ernährten  ft<$  größtenteils  aus 
eigenen  ÜKitteln  ober  bur<$  eigenen  ©rroerb,  unb  Ratten  nur  für 
bie  Stauer  iljreS  2lufentl)alteS  in  ber  3lnftalt  Äeufäljeit  unb  orb* 
nungSmäfeigen  ©efjorfam  ju  geloben.1)  ©ei  bem  häufigen  9lufent* 
Ijalt  Sübedifdjer  Äaufleute  in  glanbern  mürben  biefelben  bort  mit 
jenen  Stiftungen  befannt  unb  Ijierburd)  iroeifelSoljne  aeranla&t, 
gleite  Snftalten  audj  in  ifper  SJaterflabt  ju  begrünben.  93i$  jum 
^Beginn  be$  trierjeljnten  3>aljrl)unbert$  finb  l)ier  beren  fünf  ent* 
ftanben,  bie  unter  bem  tarnen  conveiltus  saneti  Johannis,  con- 
ventus  saneti  Egidii,  conventus  Cranonis,  conventus  Crispi 
unb  conventus  domini  Volmari  feitbem  häufig  ermähnt  werben. 

3Son  biefen  lag  ber  conventus  saneti  Johannis  an  ber  @de 
ber  3ojjanntöftraf$e  unb  be$  9tofengarten3,  unb  jroar  an  jener 
Stelle,  roeld&e  jefct  ber  jum  Jpaufe  Jß  36,  3ac*  Quart.,  gehörige 
3immerplaft  einnimmt;  ber  conventus  saneti  Egidii  §atte  feinen 

l)  griebric^  Dctfct  SJetgifäc  ©tubien  <S.  221  unb  folgenbc. 

6* 


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84 

$tafc  an  ber  fübroefllidfjen  @dfe  bcr  platea  Noelis  (Staoenftrafce) 
unb  beS  2legibtenfird()l)ofS.  5>er  conventus  Crispi  unb  bcr  con- 
ventus  Cranonis  bcfanben  fid^  bcibc  in  bcr  fteinen  33urgfka&e, 
crflercr  in  ben  Käufern  Xs  768,  769,  774  unb  775,  lefcterer  in 
bcm  §aufe  Xs  788,  bcm  jefcigen  Sied&enljauS.  3)er  conventus 
domini  Volmari,  ber  fpäter  aud&  ben  SRamen  Satfjarinenconoent 
fü^rt,  lag  in  bcr  ©lodfengiefeerftrafee  beiberSattyarmenfirdf)e.J5  250; 
feit  bem  2tnfang  beS  adf)tjeljnten  SaljrfjunbertS  wirb  er  als  ©djul* 
coDegenroittroenfiauS  üerroanbt. 

S3on  biefen  33eginenf)äufern  finb  bie  älteften  ber  conventus 
saneti  Johannis,  roeld&er  in  naljer  Sejietyung  ju  bem  St.  ^oljanniS; 
flofter  geftanben  ju  Ijaben  fdfjcint,  unb  ber  conventus  saneti 
Egidii.  S)eS  erfteren  roirb  bereits  1270  gebaut,  ba  in  biefem 
Qa^re  itjm  von  ber  Stabt  jroei  ©arten  bei  ber  neuen  SWü^le  über* 
laffen  würben.2)  3)eS  lederen  gefd()tef)t  nidjt,  wie  2Me  in  feiner 
grünbtid&en  -Kacfyrid&t  t)on  Sübecf  angiebt,  erft  —  1301,  fonbern 
bereite  1297  im  ätteften  uns  erhaltenen  Dberfiabtbud(j  (Seite  262 
sub  Jß  1722)  ©rroäljnung,  bod)  f)at  betreibe  ftdjerlid&  fd&on  tnele 
3al)re  üorfjer  beftanben.  Uebcr  iljre  Stifter,  Ijat  ftd)  bis* 
f)er  SeftimmteS  nid&t  ermitteln  laffen;  roaljrfd&emlidf)  roerben  fie 
nid^t  von  einem  einjelnen  Bürger,  fonbern  burdfj  ein  3ufammen* 
roirfen  mehrerer  ^erfonen  ins  Seben  gerufen  fein. 

2lnberS  roirb  eS  ftdl)  mit  bem  conventus  Cranonis  Debatten 
$aben,  als  beffen  Stifter  2ßillefinuS  Srane  ju  betrauten  fein  bürfte. 
©erfelbe  gehörte  in  ber  legten  £älfte  beS  brennten  3al)r^unbertS, 
obgleidfj  er  nid;t  9iatl)Smann  mar,  bod)  ju  ben  angefetjenften 
bürgern  bcr  Stabt;  audf)  roirb  er  ju  ben  Stiftern  beS  ipeiligen^ 
©eiftljofpitalS  ju  jäljten  fein,  ba  unter  ben  Silbmffen,  bie  rooljl  be* 
reitS  im  Slnfang  beS  oierjefinten  ^afjrljunbertS  an  ber  nörblid&en  ÜKauer 
ber  Äapeße  beS  Spitals  angebrad^t  finb,  fidf)  audf)  baS  feinige  befinbet 
3)ie  Segrünbung  beS  SonoentS  mufe  üor  bem  Qafire  1284  erfolgt 
fein,  ba  in  ben  mit  jenem  Rafyvt  beginnenben  Dberftabtbüdjem 
@igentf)umSübcrtragungen,  biefidjauf  baS$auS  besiegen,  nid&tmeljr 
üorfommen.  ®ie  (Behauptung  üftefle'S,  bafe  bie  gunbation  t)on  bem 
Sifd^of  93urdE)arb  beftätigt  fei,  ftüfct  fid^  auf  eine  9iotij  in  bem  von 
tym  eingeteilten,  jefet  abljanben  gefommenen  äbminiftrationSbudd, 
nadi)  roetd)cr  früher  ein  ^krgamentbrief  jenes  Sifd&ofS  über  bie 
SBegrünbung  ber  Stiftung  üorljanben  geroefen  fein  foD. 

»)  Äübecfifc^ed  Urfunbcnfcud&  %^\\  II,  <5.  33. 


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85 

SeftimmtereS  läfet  fid&  über  bie  Stifter  ber  bciben  anbettt 
Sonoente  angeben.  Sd&on  3Me  §at  unter  93ejugnal)me  auf  eine 
im  Süberfifd^en  Urfunbenbud^  S^eit  2  Seite  75  abgebruefte  ©im 
tragung  in  ba&  Dberftabtbudf)  oom  %a\)X  1295  behauptet,  ba§  ber 
Stifter  be^  conventus  Crispi  ^oljanneS  SriSpuS  geroefen  fei. 
2)ie  frühere  annähme,  er  l>abe  3JtauritiuS  (SrtöpuS  gereiften,  füfjrt 
er  mit  9ted)t  barauf  jurtidt,  bafe  auf  ber  ®iele  bcö  Sonaente  eine 
SMlbfäule  beS  ^eiligen  3Korifc  aufgestellt  mar.  3ene  SRotij  be3 
Stabtbud&e$  mirb  unterftüfct  burdl)  ba$  Seftament  beS  Qo^anne« 
(Srtmer  Dom  3a§re  1330,  in  meinem  jener  ßonoent  gteid^faUd 
conventus  Johannis  Crispi  genannt  mirb.  Sßenn  nun  aber  3JieHe 
ferner  bie  SKnftd^t  au$fprtd)t,  ber  Stifter  l)abe  im  3a£te  1260  ge* 
lebt  unb  fyabt  bamalä  ba$  ©au«  begrünbet,  fo  ift  er  ju  berfelben 
erfid&tiid&  nur  baburd)  oeranla&t  roorben,  bafe  er  in  bem  älteften, 
feitbem  teiber  verloren  gegangenen  Dberftabtbudj)  in  jenem  3a§re 
ben  9iamen  Cannes  SriSpuS  aufgefunben  Ijat.  3JMt  größerem 
JRed&te  mirb  als  Stifter  ein  ju  ßnbe  be$  brennten  Qa^unbertS 
met)rfa<$  in  Urfunben  ermähnter  So^anneS  ßrtepuS  angelegen  roerben 
bürfen,  tum  bem  e£  ba^ingefteUt  bleiben  muf$,  ob  er  mit  bem  im 
3al)re  1260  aufgeführten  Cannes  ©riSpuS  ein  unb  biefelbe  Sßerfon 
ift.  2)erfelbe  mufe  eine  Ijeroorragenbe  Stellung  eingenommen  ijaben, 
ba  er,  obgleidE)  er  nid^t  im  Statte  fafe,  bodfj  me^rfadf)  in  Urfunben8) 
dominus  genannt  mirb,  eine  3?ejeic^nung,  bie  bamate  aufeer  ©eift* 
liefen  unb  SRat^männern  nur  fe&r  angejetjenen  unb  reiben  $er* 
fönen  beigelegt  rourbe.  3>n  bem  Sefiamente  be$  9Mcolau£  SSromeb 
t>om  Qa^re  12894)  unb  be$  9lubolpf)  S3obin  oom  Qa^re  12925) 
ift  er  ju  einem  ber  JeftamentSejecutoren  ernannt  morben,  unb  jroar 
in  bem  erfteren  gemeinfam  mit  mehreren  SRat^männern;  audj 
jaulte  er  ju  ben  roenigen  ©ürgern,  bie  oerpflidjtet  maren,  ein 
StreUrofe  ju  galten6).  Seinen  SReidfjtljum  unb  feinen  frommen 
Sinn  befunben  bie  großen  Sdjenfungen,  meldte  er  Älöftern  unb 
milben  Stiftungen  jugeroanbt  f)at.  3)em  $eiligen*©eiftl)ofpital  oer* 
machte  er  40  SUtorf  Pfennige  jur  Unterhaltung  breier  Sampen  in 
berÄranfenftube.7)   2)a$  Älofter  Sieljna  bebaute  er  mit  einem  33er* 


8)  2üfced.Urlunbenbu(Weill6.G14.  SHecflenburfler3a&rbüc$er25©.  201. 
4)  Stibec!.  Urtunbenbucty  Xfjeil  I  @.  487. 
6)  Süberf.  Urfunbenbu$  X^etl  I  ©.  538. 
•)  Sübecf.  Urfunbenbud)  %ty\\  II  ©.  941. 
')  Sübetf.  ttrfunbcnbudj  X&etM  ©.  614. 


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86 

mäd&tntffe  non  192  2Rarf  ^Pfennigen,  bercn  Stenten  im  betrage  non 
12  SWarf  anfänglidf)  nerföiebenen  Tonnen,  Später  bem  Älofter  felbfl 
jufaDen  foDten8).  2)em  6ifterjienf er  Softer  ju  SRcinbccf  Ijat  er 
©üter  in  SRofenow  unb  grauenmarf  überwiefen,  bie  non  erfterem 
wegen  tljrer  entfernten  Sage  unterm  13.  UM  1297  an  ba«  Äloper 
Steljna  oerfauft  würben9).  2Bäre  fein  Xeftament  erhalten,  fo  würbe 
baffelbe  unjmeifetyaft  nod&  non  anberen  fefjr  erheblichen  93ermad)t? 
niffen  ju  a^nli^en  frommen  3roe<Ien  un«  SKadjridjt  geben,  benn  e« 
tjt  nid^t.  anjune^men,  bab  ftd&  von  allen  feinen  Sd&enfungen  anber* 
weitig  eine  Äunbe  ermatten  §at  Qo&anne«  6ri«pu«  wirb  1296  ober 
1297  gefiorben  fein,  weil  im  Qaljre  1298  bie  äu^ja^lung  ber  non 
U>m  in  feinem  £eftamente  ^interlaffenen  SBermädjtniffe  erfolgte. 
SDa  be«  conventus  Crispi  bereit«  im  ^atjre  1295  im  Dberftabt* 
hxö)  ©rwfi^nung  gefd&ie^t,  fo  muß  er  benfelben  nod&  bei  feinen 
Sebjeiten  begrünbet  tyaben.  2)a«  $au«,  weld&e«  er  ju  biefem  Qmdt 
beftimmte,  befaß  er  fd&on  nor  bem  Qafjre  1285,  ba  in  bem  un«  er* 
fytltenen  Dberpabtbud^  über  ben  ®rwerb  beffelben  ni<$t«  Der* 
jeidjnet  ifl. 

SSon  bem  conventus  domini  Volmari  bemerlt  üJleUe,  baß 
fein  Stifter  unbefannt  fei.  S)e«  (Sonnent«  gefd)iel)t  juerfi  1312 
©rwäljnung,  in  welkem  ^atjre  Oerarbu«  be  Signo  iljm  in  feinem 
Sefiamente  bie  Jpälfte  feine«  Settgerätlj«  nermad&t.  3)a  berfelbe  in 
ber  erflen  Hälfte  be«  tnerjefmten  QaljrOunbert«,  alfo  ju  einer  3*it, 
ba  bie  Sßerfon  be«  ©tifter«  nodj  allgemein  befannt  mar,  ftet«  con- 
ventus domini  Volmari  benannt  wirb,  fo  barf  fdjon  au«  biefer 
Sejetdjnung  mit  Sefttmmtljeit  gefd&loffen  werben,  baß  ber  Stifter  ein 
9tatl)«$err  ober  ein  @eiftUd)er  gewefen  ift,  benn  nad)  bem  3af>re 
1300  wirb  nur  biefen  ^ßerfonen  ber  Slitel  dominus  beigelegt, 
©eiftttd&e  befaßen,  wenn  fie  nidjt  jur  bifdjöflidjen  SBürbe  gelangten, 
ju  jener  3cit  metft  nidjt  bie  SWittel,  um  größere  Stiftungen  ju  be* 
grünben,  e«  muß  batyet  ber  dominus  Volmarus  unter  ben  Statt)* 
männem  ber  Stabt  gefugt  werben.  Unter  biefen  finbet  fid)  baju* 
mal  nur  einer,  ber  ben  SJornamen  Volmarus  führte,  nämlid)  Vol- 
marus I  de  Attendorn,  unb,  baß  biefer  ber  Stifter  be«  ©onnent« 
ifi,  wirb  beftätigt  burd)  ba«  im  Qa^re  1322  errid&tete  Seftament 
ber  3Rargaretye  ©tingenberg,   in  weldjem  bem  conventus  domini 


•)  fiübed.  Urhmbenbuc$  %f)t\l  I  ©.  625. 
9)  SRetttcnburßcr  3a$rbüc$cr  25  ©.  201. 


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87 

Volmari  de  Attendorn  ein  Sermäd&tnife  au«gefe$t  ift,  foroie 
baburd),  ba&  nad&  bem  Oberfiabtbud)  Volmarus  de  Attendorn 
1301  ba8£auS  faufte,  in  meinem  fpäter  berßonwnt  beftanb.  @ä 
finbet  fidf)  nämlid&  in  jenem  Safere  folgenbe  (Eintragung :  Volmarus 
de  Attendorn  emit  ab  Hassone  apud  sanetam  Katharinam 
domum  quandam  sitam  apud  chorura  beate  Katerine.  Uebet 
fpäteren  6igentljum8n>edf)fel  jene«  £aufe«  enthalten  bie  Oberftabt* 
büd&er  feine  Angaben.  Volmarus  I  de  Attendorn  tft  nadj  aßet 
33Ja^rfc^einli(§feit  1305  geftorben.  3U  Anfang  biefe«  $af)ti$  (12. 
Januar)  wirb  er  nocl)  in  einer  Urfunbe  be«  ßfibedfer  ©omfapitelS, 
bie  fid>  auf  eine  von  ifrn  in  ber  Sßetrifird&e  begrünbete  Sicarie  be* 
jieljt,  als  lebenb  erwähnt  S)er  mit  i^m  gleichnamige  unb  öfter 
mit  ttjm  oerroedjfelte  Volmarus  II  de  Attendorn  ift  erft  im 
Qa^re  13 12,  alfo  §u  einer  3*ü,  mo  ber  conventus  domini  Vol- 
mari bereit«  beftonb,  ju  9totl>e  geroä^tt. 

3)ie  in  ben  Gonoenten  moljnenben  grauen  führten  neben  bem 
tarnen  Seginen  aud&  benjenigen  ber  „SBilligen  2lrmen";  menigfien« 
werben  fte  mef)rfad&  in  Seftamenten,  j.  SB.  in  bem  1350  errichteten 
be«  ÜRarquarbu«  Sangljefibe,  unter  biefem  tarnen  erwähnt  ©ie 
gehörten  jumeifl  ben  unteren  ©täuben  an,  t>ornemlid&  jogen 
fid)  bie  alten  S)ienftfrauen  ber  Sßatricterfamilien  borten  jurüdt, 
bod&  fanben  ftd&  unter  itynen  btömetlen  au6)  grauen  au«  ben  ange* 
fernen  gamiUen  ber  ©tabt.  Ucber  bie$al)l  ber  in  ben  einjelnen 
Käufern  wo^nenben  Seginen  unb  über  bie  ©afcungen,  benen  fie  fid) 
ju  unterwerfen  Ratten,  Ijaben  fidf)  Angaben  nid&t  erhalten.  Se* 
fannt  ifl  nur,  bafi  bie  2lufftd)t  in  jebem  6om>ente  oon  einer 
3Meifterin  geführt  würbe  unb  bafe  biefe  gemeinsam  mit  jwei  Sür* 
gern,  bie  Sorfieljer  genannt  werben,  aud)  ba«  Sermögen  be«  ßon* 
uente«  ju  vermalten  §atte.  S)ie  ^nfaffen  behielten  nad)  ifcrem 
(Eintritte  ityc  Vermögen  unb  blieben  berechtigt,  über  baffelbe  fowofjl 
bei  Sebjeiten  al«  aud)  lefctwUIig  ju  oerfügen.  ©o  gehörte  ber  Segine 
£atefe  ffiitmacf  feit  1322  ba«  auf  bem  langen  So^berg  sub^3  347 
belegene  £au«  t&rc«  Sater«,  fie  uerfaufte  e«  1341  üjrem  Sruber 
9Ucolau«  SBitmadf  unb  erbte  e«  uon  biefem  1343.  gür  iljre  2Bol)* 
nung  werben  bie  Seginen  in  ber  Siegel  eine  3a^un9  ni<$*  in  lüften  ge* 
Ijabt  l)aben,  bod^  ergiebt  fiel)  au«  einjelnen  (Eintragungen  be«  9Ueber* 
ftabtbudj«,  ba&  bi«weilen  eine  SDUetlje  ju  jaulen  mar:  fo  üermietfjet 
1461  ©efefe  Üoninge,  3Mfterin  be«  Äatfcarinenconuente«,  einer  grau 
eine  Söo^nung  bafelbft  auf  £eben«jeit.  ^ren  Unterhalt,  ben  woljl  eine 


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88 

jebe  für  ftdj  ju  betitelten  fyatte,  gewannen  bie  Seginen  aus  ben 
©rträgniffen  tyreS  ^riuatuermögenS  unb  ben  jatjlreidjen  milben 
©aben,  bie  ifjnen  namentlich  in  Seftamenten,  unb  jwar  uielfadj 
nid&t  bem  ganjen  ©onnente,  fonbern  jebcr  Snfaffin  bejfelben  für 
fidj  jugcwiefen  würben,  unb  au&  bem  33erfauf$erlö$  ber  non  ifynen 
gefertigten  arbeiten.  2Bie  in  anbern  ©täbten,  fo  werben  fte  fid) 
au$  in  Stibecf  uornemlid)  mit  ber  SBeberei  beschäftigt  fyaben, 
wie  fi<$  benn  in  SBcjug  auf  ben  unmittelbar  beim  2legibien^ 
consent  belegenen  @egeberg8*6onüent,  ber  im  Saufe  ber  3e^ 
ben  ©fjarafter  eines  SBeginen  *  Gtonuentö  angenommen  §u  Ijaben 
jd&eint,  au«  bem  Qaljre  1480  fotgenbe  audj  in  ©ejug  auf  ba£ 
Sübecfifdje  SBappen  bead)ten£wertl)e  (Eintragung  im  9tteberftabtbud> 
finbet: 

Witlick  zy,  dat  de  ersame  rad  to  Lubeke  umme  nut, 
vromen  unde  wolvart  des  gemenen  besten  erer  keiserliken 
stad  Lubeke  den  gestliken  susteren  iu  s.  Michaelis  convente 
by  s.  Ilien  belegen  sunte  Augustini  ordens  wesende,  anders 
hern  Johans  Segeberges  convent  genomet,  unde  ok  en  sulves 
to  gude  gegunt,  gestadet  unde  nrildichliken  togelaten  heft, 
drierleye  sorte  van  lakene  to  makende,  so  se  darvan  etlike 
alrede  gemakede  lakene  vor  den  radstol  vor  ogen  brachten  to 
bezeende  Darupp  de  ersame  rad  sodaner  lakenen  halveu 
besloten,  bewillet  uude  belevet  heft  in  desser  nabescreven 
wyse,  dat  men  dat  beste  laken  tekenen  schal  mit  eneme  arne 
mit  eneme  dubbelden  hovede  uppe  enen  zyden  unde  uppe 
der  anderen  zyden  dat  lubesche  schilt.  Dat  andere  laken 
darnegest  best  wesende  mit  eneme  arnde  ok  mit  eneme 
dubbelden  hovede  unde  en  klene  schilt  vor  der  borst  hebbende. 
Unde  dat  derde  lakeu  dat  legeste  unde  geringeste  mit  deme 
lubeschen  schilde  allene  to  tekende.  Unde  sodane  lakene 
krumpen  scholen  hebben  in  der  lenge  twyntich  eilen  en  verndel 
myn  edder  meer  unvorfenklik,  unde  scholen  wesen  dree  eilen 
breet'  myn  en  verndel  ock  unvorfenklik  dergeliken.  Unde 
Hans  Slyeman,  Hinrik  Hovemann,  Hinrik  Hemmelman,  be- 
setene  borger  to  Lubeke,  hebben  vermiddelst  eren  uthge- 
streckeden  armen  unde  upgerichteden  lyfliken  vingeren  sta- 
veder  ede  to  den  hilligen  swerende  vorrichtet,  dat  se  na 
ereme  besten  vermöge  darup  zeen  willen,  dat  sodane  lakene 
na  ereme  werde  und  nicht  arger,  dan  alze  dar  vor  ogen  ge- 


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89 

toget  zin,  gemaket  und  van  en  gesegelt  scholen  werden.  Unde  de- 
sulven  erbenomeden  personen,  de  de  lakene  maken,  scholen  ere 
merk  unde  teken  in  sodane  lakene  mede  inaken  unde  worken. 
Screven  van  bevele  des  rades,  am  Sonnavende  na  Alle  Godes 
hilligen  (4.  Nov).    Io.  B(racht)  notarius  subscripsit. 

$laä)  ber  Sieformatton  mürben  bie  33eginenl)ciufer  ju  roeiblidjen 
2lrmenl)äufern  umgeftaltet. 

2,    Per  iütefte  Üibediifdje  Sdjüijenplai}. 

3n  feiner  ©efdjidjte  be$  alten  Sübeclifdjen  @^tt^enf)ofe^  bemerft 
bcr  oerftorbene  ^cofeffor  $eedfc,  baß  im  Mittelalter  öfter  eines 
t)or  bem  93urgtt)or  belegenen  $apagot)enbomS  gebaut  rotrb.  SQSann 
fold&e£  gefdfjeljen  unb  wo  berfelbe  belegen  gerocfen  tft,  Ijat  er  anju* 
geben  unterlaffen,  unb  bod)  finb  OTittfjcilungen  hierüber  nid)t  ofjne 
Sntereffe. 

Soweit  bisher  ju  ermitteln  mar,  gefd&ief)t  beS  ^apagotjcn* 
bom£  juerft  in  einer  Eintragung  be£  OberftabtbudfjS  oom  Satire 
1475  Ermahnung,  meldte  lautet: 

Taleken  Kastorpes  mylder  dechtnisse,  Engelbrecht,  Ge- 
seken  Castorpes,  Hanses  elichehussfrouw,  vnde  Hanse  Vickynck- 
husen  hefft  gegeven  in  synem  testamente  Engelbrecht  Vickyng- 
husen  eynen  garden,  genomet  de  Apenborch,  belegen  buten 
dem  Borchdore,  so  desulffte  belegen  is  nicht  verne  van  dem 
Papagoyenbome  by  der  Kerchryngs  garden. 

£)a&  berfelbe  in  ber  SJlitte  beS  fedö}ef)ntcn  QaljrfjunbertS  nodf) 
beftanben  f)at,  ergiebt  fidj  <*u$  ber  nad&folgenben  Eintragung  au$ 
bem  3af)re  1542. 

Tho  den  vormunderen  Anneken  Stricks  vnde  erer  dochter 
Elseben  is  gekomen  eyn  hoppenhoff  mit  dem  kleynen  krut- 
garden  buten  deme  Borchdore  belegen  bi  dem  Papengoyen- 
bome. 

Unter  ^apagopenbom  ift  ba£  fyöljerne  ©erüft  ju  oerflefjen, 
auf  meinem  ber  abjujd}tcf$enbe  33ogel  aufgerichtet  mürbe.  3)er  ju 
bemfelben  gehörigen  ©djteftbaljn  (©djottbafjn)  mirb  nod)  158?  ge* 
bad)t,  bod}  barf  IjterauS  mo^l  nidf)t  unbebingt  gefolgert  merb:n, 
baß  bamal£  bie  Sßogelftange  felbft  nod)  geftanben  fyat  unb  jum 
s43ogelfd)ie&en  benufct  roarb. 


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90 

93on  bcr  Slpenburg,  roeld&e  au$  einem  Suftgarten  mit  einem 
Keinem  ©artenljaufe  beftanb,  für  weldjeä  ju  jener  3*it  im  ©tabtbud&e 
regelmäßig  bie  93cjeid)nung  Sergfrebe  norfommt,  Ijet&t  es  1600, 
baß  fie  unmittelbar  bem  ©arten  beä  Dr.  2Batermann  benad&bart 
geroejen  fei.  lieber  bie  Sage  be$  leiteten  giebt  bie  nadrfolgenbe 
ßintragung  in  ba$  Oberftabtbu<$  nom  Saljre  1585  nähere  Suf* 
flärung. 

Der  achtbare  Theodoricus  Watermann  Doctor  hefft  ge- 
kofft  van  David  Menne  als  volmechtigen  des  testamentes 
weilanth  herrn  Peter  Vrimersheim  Pastorn  tho  Sanct  Jacob 
einen  bomgarten  allernegest  der  Therbruggen  vor  dem  Borch- 
dore  bi  der  Schottbahnen. 

£>afe  unter  J^eerbrugge  eine  2lnlegebrücfe  beim  £l)eerl}ofe 
ju  nerfte^en  ift,  wirb  baburd)  beftätigt,  bafe  eS  1587  im  ©tobt* 
bud)  Reifet: 

Claus  von  Stiten  hefft  gekofft  von  Hinrich  Schepenstede 
einen  garden  belegen  vor  dem  Borghdore  vp  der  Schottbahne 
bi  dem  Teerhave. 

£)a  bei  ben  2lbgrabungen,  roeld&e  in  ben  legten  Seiten  jurßr* 
Weiterung  unjereS  £afen3  ftattgefunben  Ijaben,  feftgefteüt  ift,  bag  fid) 
ber  alte  £f)eerl)of,  ber  erft  im  Anfange  be$  fteb§et)nten  QafjrfjunbertS 
bei  ben  bamalS  aufgeführten  neuen  93efeftigung£anlagen  perlegt  ifi,  in 
unmittelbarer  91äf)e  ber  jefcigen  ipafenmeifterwoljnung  befunben  &at,  fo 
fann  e$  feinem  3wetfel  unterliegen,  ba&  ber  ^apagopenbom  an  ber 
fübroefttidjen  Seite  ber  2?urgtl)or  greiroeibc  unmittelbar  öftlicty  neben 
ben  bort  erridjteten  ©artenfjäufern  belegen  geroefen  ift.  ®ie  ©egenb 
um  benfelben  mar  fdjon  im  fünfjefyntcn  3af)rf)unbert  bidjt  mit 
@artenf)äujern  befegt;  e£  roirb  baf)er  nur  mit  Srmbrüflen  ober 
Sogen  nadj  bem  SJogel  gefdjoffen  fein,  roie  benn  aud)  in  Stoftocf 
im  $a\)n  1580  bie  ©efellfdjaft  ber  Sanbfatjrer  Ärämer*Gompagnie, 
bie  bort  ba£  öffentliche  SSogelfd^ie§en  abhielt,  fi$  bafjin  einigte,  bafe 
nur  mit  23ogen  gesoffen  werben  foDe  (cfr.  SDlecflenburger  3a§t* 
büd^et  7  pag.  207).  2)ie3  erftärt  e$  audj,  bafe,  al£  man  in  ber 
Stöttte  beö  fedjSjeljnten  ftaljrljunbertö  fyierfelbft  befölofe,  fid>  beim 
33ogelfd)tc&en  beS  geuerrot)r3  ju  bebiencit,  ein  neuer  ©djüfcenplafc 
beim  SReuterfrug  unmittelbar  oor  bem  £olftentf)or  fyergefteUt  mürbe. 

(Sine  eigene  ©djüfcengejeflfdjaft,  wie  foldje  föon  im  Ausgange 
he«  fünfjcljnten  3al)rl)unbert3  in  SBiSmar  unb  SRoftocf  oorfommt, 
wirb  in  fiübeä  bis  jur  üRitte  be3  fedjSjeljnten  ^afjrljunbertS  nid^t  be* 


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91 

flonbcn  fjaben,  benn  e£  gefcfjiefjt  einer  folgen  iteber  in  ben  Gtjro* 
nifen  nod)  au<f),  worauf  ein  befonberer  SBertl)  ju  legen  ift,  in  ben 
Xeftamenten  6rmäl)nung;  tefctereä  aber  würbe,  wenn  eine  foldje 
Dorfjanben  gewesen  wäre,  unjweifeltjaft  gesellen  fein,  ba  jene  93er* 
einigungen  regelmä&ig  nidf)t  nur  roettUdje  fonbern  auef)  geiftlicfye 
3wedfc  verfolgten  unb  ba  e$  üblidj  war,  Jollen  Vereinen,  wenn 
man  ifynen  angehörte,  lefctwillig  eine  ®ait  ju  l)interlafjen. 

35a  üon  ber  Slpenburg,  welche  in  unmittelbarer  SRctye  be£  $apa* 
gotjenbomS  gelegen  §at,  berietet  wirb,  bafe  auf  tljr  bie  $atri3ier 
im  fünfjefjnten  Qafjrfjunbert  atljäfirlid)  ba£  9Mfeft  feierten,  fo  barf 
wofyl  angenommen  werben,  bafe  baS  Sdjiefeen  nadf)  bem  tyaya* 
gotjenooget  ju  ben  geftticfyfeiten  gehörte,  welche  fic  bei  jener  @e* 
fegen^ett  üeranftalteten,  unb  bafe  bie  Setljeiligung  an  bemfelben 
auf  itjre  ©enoffen  befdjränft  war. 

3.    Sie  bronjenen  Sacramfntsljäusdjen  unfrrrr  Birdjen. 

3u  ben  fäönften  3^tben  ber  9Jtarienfird)e  gehört  befanntlidf) 
ba£  an  ber  9torbfeite  beä  Slltarß  aufgebaute  SacramentätjäuSdfjen. 
lieber  bie  (Srridjtung  beffelben  ift  ber  nadjfolgenbe  im  2lrcf)iD  ber 
Äirdje  aufbewahrte  Vertrag  abgesoffen  worben: 

Witlik  sy,  dat  int  jar  MCCCCLXXVI  des  vridages  vor 
sunte  Michele  de  ersame  her  Hinrik  Kastorpp  vnde  her 
Ludeke  Bere,  vorstendere  vnser  leven  Vrouwen  kerken  to 
Lubeke,  vnde  her  Pawel  Slagge,  werkmester  darsulves,  synt 
overeenkomen  unde  hebben  vordinget  myt  den  bescheden 
mannen  Klawes  Ruwese  und  Klawes  Gruden,  dat  se  scholen 
unde  willen  bereden  dat  Sacramentes  hus  to  dem  corpus  unde 
den  vote  dar  vnder,  dat  rede  ghegoten  vnde  betald  is,  myt 
allen  masselryen  twe  edder  dre  woninghe  hoch,  so  des  nod 
unde  behuff  is  na  uthwisinge  des  holtwerkes,  dat  dar  alrede 
to  ghesneden  unde  ghemaket  is,  dat  to  beredende  unde  to 
tzirende  na  eren  besten  vif  synnen  van  creme  eghenen 
myssinges  tuge,  afgank,  kost  unde  schaden  uppe  ere  eghene 
eventur.  Unde  wan  dit  berede  is,  so  wille  wij  vorstendere 
vorbenomed  edder  unse  nakomelinge  den  bescheden  mannen 
Klawes  Ruwese  vnde  Klawes  Gruden  geven  van  eynem  jewelken 
lispunde  redes  werkes  sos  mark  lubesch,  vnde  wes  men  noch 
van  bilden,  van  holte  edder  ander  masselryen  noch  snyden 


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92 

mot  undenichten-  is,  dat  willen  wy  vormundere  van  des  godes- 
huses  wegen  bekosten  unde  betalen.  Jodoch  is  bevorwordet 
unde  besproken,  oft  en  dit  vorscreven  sacramentes  hus  myt 
deme  werke  darto  behorende  tho  kostel  in  de  hand  worde, 
so  dat  se  sik  in  der  warheit  myt  den  sos  marken  van  deme 
lispunde  tho  gevende  nicht  beholden  konden  unde  myt  eren 
schaden  were,  wes  denne  Klawes  Ruwesee  in  loven  seggende 
werd,  sulk  ghebreck,  uppe  dat  wy  eren  schaden  io  nicht  be- 
gheren,  darvmme  wille  wy  uns  myt  en  gudliken  unde  leff- 
liken  vorgan.  Vurdermer  so  hebben  sik  de  ersamen  Klawes 
Ruwesee  unde  Klawes  Grude  vnder  sik  malkander  vordragen 
unde  overeenkamen  van  dessulven  werkes  wegen,  so,  wan  dat 
vullenkomen  unde  rede  is,  so  schal  men  aftrecken  alle  unkost, 
dat  sy  knechtelon,  kost,  holt,  kalen  unde  alle  werktouwe 
unde  myssink,  dat  darto  komen  is,  myt  deme  affgange  unde 
alsus  alle  ander  unkost,  unde  was  dar  denne  overblifft,  dat 
men  wynninge  rekenen  mach,  dar  äff  schal  hebben  Klawes 
Grude  de  twe  penuinghe  unde  Klawes  Ruwesee  den  drudden 
penningh.  Des  wil  Klawes  Ruwesee  nicht  verbunden  wesen  in 
deme  vorscreven  werke  myt  der  hand  to  vilen  edder  to  ar- 
beidende,  he  en  willet  denne  don  myt  guden  willen,  doch  myt 
gudeme  rade  unde  vorderinghe,  wor  des  to  donde  is,  nicht 
utghesunderget  wesen,  men  myt  den  besten  sik  darane  to 
bewisende.  Unde  dat  dit  duss,  so  vorscreven  is,  van  beiden 
delen  belevet  unde  myt  guden  willen  vullentogeu  is,  so  is 
desser  scriffte  twe  alleyns  ludende,  de  me  uth  der  anderen 
by  a  b  c  d  ghesneden,  dar  äff  de  ene  by  her  Pawel  Slaggen, 
werkmestere,  unde  de  andere  by  Klawes  Ruwesee  unde  by 
Klawes  Gruden  vorghescreven. 

Stuf  bet  SRücffeite:  Tzarter  over  de  sacristie  in  Marienn 
Kercken  uppgerichteth. 

®q  in  bcm  obigen  Vertrage  9tifolau$  Sturoefje,  ber  im  Ober* 
ftabtbud)  aud)  9tifolau$  9tugt>efe  fjeifet  unb  atä  ©olbfdjmieb  bejeidjnet 
wirb,  ftctS  an  erfter  Stelle  erwähnt  wirb,  unb  ba  ifjm,  obgteidj  er  nur 
feinen  9latt)  erteilen  foDte  unb  md)t  verpflichtet  würbe,  an  ber 
SluSfüljrung  ber  Arbeit  fid)  felbft  ju  beteiligen,  ber  britte  Sljetl  beä 
aSerbienfteö  jugebiHigt  roarb,  fo  barf  mofjl  angenommen  werben, 
bafj  non  tfjm  bet  $lan  ju  bem  SacramentöfjäuSdjen  angefertigt 


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03 

roarb,  unb  bafc  bcm  9ticolau$  ©ruben,  ber  ßrjgiefcer  war,  nur  bie 
Ausführung  bcr  Arbeit  oblag. 

91ad&  einer  Aufjeid&nung  in  ber  ßfjronif  be3  9?ergenfafjrer8 
fierften  Dan  ©efjren  roarb  ba3  6acrament£f)äu3dS)en  1479  octava 
visitationis  (9.  Suli)  in  ber  Äird&e  aufgefaßt;  bie  Äoften  werben 
oon  ilmt  auf  4000  9Marf  angegeben.  SJieS  ifl  jebodfj  nur  an* 
näfjernb  richtig,  wie  fidE)  au&  ber  nad&fotgeuben  in  baS  9ted[)nung3* 
bud^  ber  2KarienfirdE)e  aufgenommenen  Abred&nung  ergiebt. 

Item  a.  82  des  Donnerdages  vor  sunte  Bertolomeus 
daghe  vorsloge  wy,  dat  dat  sacramentes  hus  gekostet  hefft. 
Int  erste  dat  wy  Clawes  Rugese  vnde  Clawes  Kruden  geven 
hebben  summe  2479  #  3  P.  Item  noch  dat  darto  komen  is 
an  kopper,  dat  wy  betalt  hebben,  192  #  4  |J.  Item  to  snydende 
dat  bildewerk,  darna  al  ding  gaten  wart,  kostete  in  al 
151  h  10  fS  Item  geven  vor  den  Vot,  dar  id  huss  uppsteit, 
to  murende,  vor  de  anker  an  dat  huse,  dat  hus  to  makende, 
darmenin  got,  unde  ander  Unkosten  27  £.  Item  kostede  de 
gardine  to  guldende  mit  den  blomen  to  makende  in  al  28  $. 
Item  geven  vor  golt,  dar  dat  Hus  mede  verguldet  wart,  ane 
id  arbeit  234  .#.     Summa  in  al  bouenscreven  3112  #  2  P. 

35on  ben  fiöljernen  9Kobcücnf  meldte  für  bie  ©umformen  an- 
gefertigt mürben,  befinbet  ftd&  nod)  eine  große  Stnja^l  im  SSerroafjr* 
fam  ber  SDtorienfirdje.  Sin  glüdticfycr  QufaU  Ijat  e8  oerljinbert,  baf$ 
bicfe  nid)t  bie  alleinigen  3e^gen  oon  ber  Äunftfertigfeit  ber  ÜÄcifter 
be$  ©acramentSljäuSd&enS  geblieben  finb.  3m  3a^r^  1817  ^atte 
nämlid&  bie  Sorftefierfdjaft  ber  9Rarienfird)e,  meldte  ber  2lnfid^t 
mar,  bafc  bie  ©d&öntjeit  be$  QuelUnifdjcn  Altars  burd)  ba^  alte 
nur  an  früheren  Aberglauben  eriunernbe  6acrament<äf)äu$d()en  fe^r 
beeinträchtigt  rocrbe,  ben  Sefdf)luf3  gefaxt,  baffelbe  abjubredEjen  unb 
als  altes  9Jlctatt  ju  verlaufen.  3U  biefem  23ef)ufe  waren  bereite 
SJerfjanblnngen  mit  einem  Hamburger  Kaufmann  eingeleitet.  2)ie* 
felben  jogen  ftd)  jebo<$  in  bie  Sänge,  weil  man  fid^  über  ben  ^ßretö, 
ber  für  ba£  $funb  be£  oortjanbenen  9Retall£  bejafilt  werben  foDte, 
nid&t  einigen  fonnte.  Sd&on  mar  bie  Sorfteljerfdjaft  gewillt,  iljre 
gorberuug  §u  ermä&igen,  als  ber  fpätere  Sürgermeifter  SRoed  ju* 
fällig  Äunbe  oon  ber  ©abläge  erhielt,  unb  in  einem  Auffafce,  ben 
er  in  Jis  92  ber  Sübeder  Anjeigen  oom  $ai)tt  1817  einrüden  liefe, 
SBerroaljrung  gegen  ben  SSerfauf  einlegte.  ®r  jog  fidf)  Ijierburcl) 
freiließ  ben  lüften  &oxn  ber  93orftel)erfdf)aft  ju,  ber  in  einer  ©r* 


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94 

Rettung  in  Jß  94  ber  2lnjeigen  jum  2lu3brudfe  gelangte,  bodf)  ber 
SJerfauf  unterblieb,  unb  ba£  ©acrament£l)äu3cl)en  war  für  bic  Qu* 
fünft  gerettet. 

9la$  bem  Vorgänge  ber  9Jtarienfird)e  würben  balb  barauf 
aud)  für  bie  Slegibienfirdje  unb  bie  ^ßetrtfirdje  äfjnlidje  au£  SSronje 
gegoffene  ©acramcntätjäuSdfjen  burd)  ben  ßrjgiefeer  9lrnbt  3ttufemann 
angefertigt.  %n  erfterer  Äirdje  ift  baffelbe  nadf)  ben  Angaben ,  bie 
Äerften  Dan  ©efjreu  in  feiner  ßfyrontf  gemadjt  fjat,  fd&on  1478 
aufgeteilt,  für  baffelbe  fott  eine  Summe  oon  noo  #  oerau§gabt 
fein.  Salb  barauf  warb  auä)  an  bie  §erfieüung  eincö  ©acramentS* 
l)äu3d&en$  für  bie  ^etrifirdfje  gebaut,  benn  £an$  Äpl  Dermadfjte  in 
feinem  1484  errichteten  Scftament  jum  ©uffe  beffelben  einen  grofeen 
SDlörfer.  Sollenbet  mürbe  e$  1487,  ba  in  biefem  3af)re  bie  SSor* 
ftefjer  ber  ^etrifird&e  in  itjrem  Sud&c  oerjeic&neten ;  Iteui  anno 
1487  do  wart  dat  sacramenteshuyss  tlio  sunte  Peter  vpge- 
richtet  unde  kostede  boven  XIII  C  Mark,  hyr  dede  wy  tho 
den  vorstenderen  van  des  werkhuses  wegen  alse  her  Dyrik 
Basden  unde  Moryss  Dyman  XC  mark  unde  dat  ander  gelt 
wart  dartho  gegeven  van  guden  vrunden  unde  van  bürgeren. 
Unmittelbar  nadj  ber  Soflenbung  warb  2lrnbt  9Jtufemann,  wie  eine 
©injeid&nung  in  ba£  Dfteberftabtbudf)  berietet,  weit  er  bie  2trbeit 
nid^t  „von  aisulken  guden  gude  unde  kopper,  alse  dat  wesen 
scholde,  sunder  vele  blyes  unde  andere  materiell  darto  gedan, 
allikewol  syk  vor  gudt  kopper  betalen  laten",  Don  bem  Statte 
in  fernere  ©träfe  genommen. 

S)iefe  beiben  ©acramentäfjäuädjen  werben  mofjl  balb  nad) 
ber  9ieformation  aus  ben  ÄirdEjen  entfernt  fein,  ba  ifjrer  in  ben 
93efdE)retbungen,  bie  au&  bem  fiebjeljnten  Satjrfjunbert  ftammen, 
nidfjt  metjr  gebaut  wirb. 

$on  einem  bronjenen  ©acramentötiäuSd&en,  ba£  fidj  in  ber 
3)omftrd()e  an  ber  ©übfeite  neben  ber  Xaufe  befanb,  weife  man 
nur,  bafe  e8  1684  entfernt,  unb  bafe  fein  @rj  }um@uß  ber  grofeen 
spulaglodfe,  ben  1699  ber  6f)urbranbenburgifd)e  ©tüdtgiefeer  3oad&im 
£annibal  ausführte,  oermanbt  warb. 

4.    ßtn  Snjurienproreß  am  bem  Saljre  1714. 

2IIS  im  Safyxt  1714  ber  bamalige  ©igentljümer  ber  Soeben 
foppel  Slbbe  ©eoerin  auf  ben  ju  jenem  ©eljöfte  gehörigen  SKiefen 


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95 

baS  Suföroerf  bis  unmittelbar  an  bie  SBafenifc  tyatte  abbauen  laffen, 
erhoben  bie  beseitigen  Sßattbürger,  benen  bie  Slufftdjt  unb  bie 
Unterhaltung  ber  fiäbtifd&en  geftungStperfe  oblag,  hiergegen  SBiber* 
fprud&,  inbem  fte  behaupteten,  bafc  ba$  SufdEjroerf  auf  fämmtlid&en 
tpä^renb  be3  SBtnterS  von  ber  äöafenifc  überfluteten  Uferftrecfen  ber 
©tabt  jufiebe  unb  pon  i^tien  jur  5lu$befferung  be^  SBatteS  ju  per* 
toenben  fei.  auf  tfcr  ©rfud&en  perfügten  bie  sperren  be3  SDtorftattS, 
bafe  bie  grage,  wem  ber  Sufcb  am  2öafenifcufer  gehöre,  jur  @nt* 
f Reibung  be3  SftatyeS  ju  perftetten  fei,  unb  bafe,  btö  biefe  erfolgt, 
bas  abgehauene  §olj  an  Ort  unb  ©teile  perbleiben  foHe  ftrofcbem 
liefe  ©eperin  baffeibe  burdf)  feine  Seute  abfahren  unb  jur  S>ic^tung 
porljanbener  Äntde  perroenben.  ©obalb  fold&eS  bie  SQBattbürger  er* 
fuhren,  fd&idten  fte  i^rerfeitö  Arbeiter  na$  ber  2öeberfoppel,  liefen 
pon  biefen  bie  3fiune  roieber  auäetnanberreifjen  unb  baS  §olj  jur 
©tabt  auf  bie  äBätte  fahren,  hiergegen  warb  ©eperin  bei  bem 
Statte  porftettig.  Qn  ber  pon  Üjm  unterzeichneten  eingäbe  befd&ut* 
bigte  er  bie  SBaßbfirger  eine«  spoliums,  bat,  fte  bieferljalb  ju  be* 
[trafen  unb  fte  gleid&jeitig  ju  pertparnen  „bafc  fte  ^infü^ro  Ujre 
„§änbe  nid^t  tpeiter,  als  Sljnen  gebühret,  auSftreden  f ollten,  bamit, 
„mag  fte  felbfien  jum  ©Freden  ber  SJerlejjer  ber  äBall  Zäunte  an 
„iljre  Sßfäble  auf  bie  SBätte  malen  laffen,  pon  tljnen  felbfien  an 
„anbern  Orten  nid&t  bürfe  eyerjieret  werben."  2)urcb  biefe  lefctere 
Sleu&erung,  bie  baburdE),  baf*  ber  SRatl)  tynen  bie  SBefätoerbe  beS 
©eperin  }ur  SSerantioortung  abfc^riftlic^  gugeflettt  Ijatte,  ju  iljrer 
Äunbe  gelangt  war,  fanben  ftd&  bie  SBaflbürger  fd&roer  beleibigt, 
benn  auf  ben  am  äBalle  aufgefteßten  Safein  maren  biejemgen, 
tpeldje  bie  bort  road&fenben  SBäume  befdjäbigten,  mit  bem  abbauen 
i^rer  $anb  bebroljt.  2)e$bölb  erflärten  fie  in  einer  bem  Statte  ein* 
gereichten  SSorfteßung  bie  8leufjerung  be«  ©eperin  „pro  atrocis- 
sima  injuria"  unb  baten,  iljn  für  f old&e  „infame  Snjurie"  ju  einem 
öffentlichen  SBiberruf  ju  perurtbeilen;  }ugleidjj  fügten  fieljinju,  bafc, 
tpenn  ber  Statb  tf)nen  eine  fold&e  ©enugt^uung  nid&t  perfd&affe,  fie 
ftdf)  <m  bie  gefammte  SBürgerfd&aft  roenben  mürben,  weil  fte  „am 
9BaEe  ntd&t  por  ftd&  fonbern  nomine  tfjreS  GoDegit"  fäfeen.  S)a 
ber  Statij  bie  beiben  Angaben,  o$ne  ft<$  auf  bie  angeblid&en  3n* 
jjurien  tpeiter  einjulaffen,  an  bie  Ferren  beS  2Jtarftaflte  unb  beS 
2BaDe8  peruriefen  Ijatte,  bamit  biefe  burdfc  eine  an  Ort  unb  ©teDe 
vorgenommene  Seftdjtigung  feftftedten,  ob  bie  $üf<$e  auf  ben  ber  ©tabt 
juftänbigen  Sänbereien  genauen  feien,  fo  toanbten  fid&  bie  3BaU* 


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96 

bürget,  bic  injwifdjen  erfunbet  Ijatten,  bafc  bie  ©ngabe  be3  ©eperin 
pon  bcm  Ober*  unb  Sftiebergerid&töprofurator  Sßeter  ätabreaS  paeder 
uerfafet  fei,  an  bte  bürgerten  ßoßegien  unb  riefen  beren  2Jer* 
mitflung  an.  SHefe  jögerten  nidjt,  bem  ©rfudjen  golge  ju  geben. 
Qn  einer  unterm  20.  3Rärj  17  u  bem  9lat^e  jugefteßten  ©ingabe 
führten  fte  au$,  bog  eine  ben  SBaHbürgern  zugefügte  #eletbigung, 
ba  btefelben  pon  ben  bürgerlichen  ßottegien  ernannt  worben,  aud& 
gegen  bie  lefcteren  gerietet  fei;  fte  perlangten  beatjalb,  bafe  ber 
©oneipient,  ber  bie  bürgerlichen  SoHegien  „ju  infamen  fieuten" 
gemalt  Ijabe,  wegen  feiner  „©d&anbfd&rift",  bamit  er  fünfttg  bie 
bürgerlid&en  SoBegien  tyonetter  tractire,  feiner  beiben  ^Jrocuraturen 
entfefct  werbe.  S)er  SRaty  becretirte  hierauf  unterm  14.  2lprtt,  bafe 
ba«  Supplicatum  „ben  Ferren  beS  ©eridjtö  jugefteDt  werbe,  bie 
„werben  $eter  2lnbrea£  paeder  über  baffelbe  perneljmen,  unb  ob 
„er  fid>  jum  (Sonciptenten  beS  ©upplicatö  Stbbe  ©eoertn  contra 
„bie  Söattbtirger  befenne,  aud&  ifjm  auf  ben  gaD  tfjm  wegen  ber 
„barinne  enthaltenen  unjiemltdjen  unb  anzüglichen  Schreibart  ju 
„einer  billigmäfcigen  ©atiSfaftton  ber  SBaDbürger  anhalten,  babei 
„aber  (Sin  £od)würbtger  Statl)  ftd)  bie  ©eudjjtiSftrafe  per  expressum 
„referoirt  tyaben,  wie,  wenn  foldjeS  gefdjefjcn,  werben  gebaute 
„Ferren  in  ber  SBallbürger  unb  beS  Sßetcr  StnbeaS  paeder«  ©egen* 
„wart  bie  Injurien  in  bem  queftionirten  Supplicato  beliren  unb 
„foldjer  ©eftalt  biefelbe  gänjlicf)  aboliren." 

Obwohl  bereit«  por  5lu$ferttgung  biefeä  3tatij*befd£)eibe$  ber 
Sßrofurator  paeder,  welker  burd)  ÄranHjeit  am  Sluäge^en  per* 
Ijtnbert  war,  einen  23ePoHmäd)tigten  an  bie  fämmtltdjen  wott* 
fü&renben  3lelterteute  ber  bürgerlichen  ßollegien  unb  an  bie  SBafl* 
bürger  abgefanbt  unb  itjnen  §atte  erflären  laffen,  bafe  eS 
md)t  in  feiner  abfielt  gelegen  tjabe,  bie  SBallbürger  ju  beleibigen, 
weshalb  er  pon  einem  weiteren  Verfahren  gegen  iljn  Slbfianbju 
nehmen  erfud&e,  fo  beruhigten  ftd)  bo#  bie  bürgerlichen  ßoUcgien  nid^t 
bei  bem  ergangenen  3)ecrete;  fte  erflärten  Ptelmetyr  in  einer  neuen 
unterm  19.  2Ipril  bem  Senate  jugejiellten  Eingabe,  bafc  fte  ftd>  mit 
einer  „bittigmäfjigen  ©attöfaetton  unb  einer  abbitte"  nid&t  be* 
gnügen  fönnten,  pielmetjr  barauf  befielen  müßten,  bafe  paeder,  ba 
bie  pon  tym  porgebradjten  Qnjurien  „hoc  casu  atrocissime  et 
infamie"  feien,  feiner  ißrofuraturen  entfefet  werbe. 

3)iefe  ©ingabe  warb  paeder  pon  bem  Statte  jur  Verantwortung 
jugeftellt.     3n   einer    unterm   28.   Slpril    ausgefertigten  ©4>rift 


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97 

räumte  er  fein  2?ergef)en  offen  ein,  nerfud)te  e3  aber  bamit  ju  ent* 
fd&ulbigen,  bafe  er  wegen  Äranftjeit  ben  Qnfjalt  jener  ©tngabe  nid^t 
genau  Ijabe  beurteilen  fönnen,  bafe  con  Abbe  ©eoerin  ba£  6on* 
cept  berfelben  mel)rfad&  abgeänbert  fei,  unb  ba&  er  fie  feinerfeitö 
nic^t  unter jctdjnet  §abt)  ferner  §ob  er  fjeroor,  bafe  er  bie  Eingabe 
„al£  advocatus  in  extrajudicialibus"  abgefaßt,  unb  bajj  biefe 
feine  $()ätigfeit  in  feinerlei  Sejtefjung  ju  ben  ibm  übertragenen 
Sßrocuraturen  ftelje;  fdjjliefelicl)  erflärte  er,  bafe  er  bereit  fei,  ben 
SBattbürgern,  gegen  bie  er  nidfjtS  fd^led>tc^  wiffe,  fein  Sebauern 
über  bie  von  üjm  in  ber  (Singabe  gebrausten  AuSbrüde  auSju* 
fpredjen,  unb  bat,  bie  ©ad&e  hierbei  berufen  ju  (äffen. 

Sie  bürgerlichen  Kollegien,  benen  biefe  SBorftettung  mitgeteilt 
warb,  unb  beren  Aeltefte  injwifcfyen  burdfj  greunbe  be$  paeder  ge* 
wonnen  waren,  erflärten  unterm  28.  3Jiai,  ba&  fie  auf  ityr 
Segefjren,  paeder  foße  oon  feinem  2)ienfte  unb  33rob  gebraut 
werben,  ferner  nid)t  mefjr  befielen  wollten  „ftntemalen  baburd) 
feine  grau  unb  ßinber  am  meiften  leiben  würben",  bafe  fie  aber 
verlangen  müßten,  paeder  foHe  oor  bem  Statte  in  öffentlicher 
Aubienj  im  Seifein  ber  SQBallbürger  feine  ^njurie  wiberrufen,  unb 
aufeerbem  ju  ©unften  be£  6t.  Annen  *5?tofter3  in  eine  ©elbftrafe 
von  nunbeftenS  600  <$  nerurtfjeüt  werben,  hieran  fnüpften  fte 
nod)  ba£  @rfud)en,  ber  Statt)  möge  eine  3Serorbnung  bafjin  ergeben 
laffen,  bafe,  wenn  in  3u^nft  bem  Statte  Injurien  entljaltenbe  ßin* 
gaben  aud)  gegen  ^rtoatperfonen  übergeben  werben  follten,  bie* 
felben  unter  Auferlegung  einer  ©träfe  gegen  ben  SittfteDer  unb 
ben  Skrfaffer  fofort  jurüdjugeben  feien,  unb  bafe  bem  birigi* 
renben  Sürgermeifler  aufgegeben  werbe,  foldje  ©Triften  in  feinem 
£aufe  nidjt  anjuneljmen. 

Dljnc  auf  ba£  lefctere  ©rfucfyen  weiter  einjugefjen,  perurttyeilte 
ber  SRatl)  unterm  8.  Quni  paeder  jur  3a^un<l  einer  ©elb^ 
ftrafe  con  100  *$  unb  jur  Seiftung  einer  Abbitte  por  bem  Dber* 
geriet  ober  oor  einer  ©enatöcommiffion.  Sefcterer  Auflage  fam 
paeder  baburdf)  na<i),  ba&  er  nor  jwei  üKUgliebern  be«  Statte« 
unterm  18.  3uli  erflärte  „bafe  er  foldie  in  bem  Supplicato  ge* 
„fefete  fjarte  expressiones  ni<$t  aus  übler  Intention,  bie  SBall* 
„btirger  ju  befd&impfen  unb  ju  injuriiren,  gefdjrieben  fjabe,  fonbem 
„bafc  er  trielmetyr  foldfjeS  feljr  bebaure  unb  Ujm  leib  fei.  Unb  be& 
„wegen  er  will  gebeten  tjaben,  bafe  fie  ü)m  fold>e£  d&riftlidj  per* 
„jetyen  mögen,  wie  er  benn  non  ben  perorbneten  ÜBaUbürgem 


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08 

„nidjtS  als,  mag  ber  @l)re  gemäfc,  gu  fagen  roiffe,  unb  fie  attcr 
„SBege  für  rebüdjje  unb  Sonette  Seute  gefannt  unb  gehalten  $abe, 
„aud&  biefetben  nod&  bafür  erfenne  unb  Ijalte." 

S)ie  SBaDbürger  fd&einen  bei  ber  Setftung  biefcr  (ätyrenerflärung 
ntd&t  gegenwärtig  geroefen  gu  fein. 

5.   ?if  Solbatenunruljen  im  Stoljre  1796.*) 

3Beniger  gum  ©d&ufce  gegen  äußere  geinbe,  als  gur  Slufrcc^t^ 
Haltung  ber  Drbnung  im  Innern  ber  ©tabt  unb  gur  Slbroeljr  ber 
aus  ben  benadjjbarten  Sänbern  einbringenben  2anbfireid&er  untere 
Ijielt  bie  ©tabt  bis  gu  iljrer  (5im>erleibung  in  baS  frangöftfd&e 
Äaiferreid)  eine  eigene  ©arnifon,  für  beren  äuSrüftung  unb  Unter* 
Haltung  fie  jä^rlid^  ungefähr  1 10,000  $  verausgabte.  S)en  Ober* 
befefjl  über  biefe  Struppe  führte  gu  ©nbe  beS  porigen  3a$r$unbertS 
ber  ©eneralmajor  t>on  ßljafot.  Unter  iljm  befehligten  ein  Obrift* 
Üeutenant,  ein  SDlajor,  brei  ßapitaine,  fünf  ^remierlieutenantS  unb 
fed^d  ©efonbelieutenantS,  fo  bafe  ba£  gefammte  DfficiercorpS  aus 
fttnfgeljn  Sßerfonen  befianb.  SHe  ©amifon  gerfiel  in  groei  Steile, 
bie  Artillerie  unb  bie  Infanterie. 

S)ie  ©orge  für  bie  erftere,  bie  nidfjt  febr  gafylreid)  war  unb 
fap  audfd^tieBtid^  gur  Seroad&ung  ber  auf  ben  SBätten  aufgefaßten 
©efd&üfce  oerroanbt  mürbe,  lag  einer  eigenen  (Sommiffton  beS©enate$, 
ben  fogenannten  Jgerren  ber  Artillerie,  ob.  3)ie  tyr  angefangen 
©olbaten  trugen  grüne  SRöcfe  unb  gelbleberne  £ofen  mit  fdjjroargen 
Stiefeletten,  bie  ßonftabler  als  AbgeidEjen  ein  braunes  ©d&urgfeD 
unb  eine  3Wüfce  in  gorm  eines  ©ienenforbs,  porne  mit  einem 
meffingenen  ©djilbe  gegiert,  baS  ben  lübecfifdfjen  Abler  geigte.  9tadf> 
ber  im  ^aljrc  1805  oorgenommenen  ©ntfeftigung  ber  ©tabt  mürbe 
biefelbe  aufgehoben. 

S)ie  Infanterie  mar  ben  Sefetjlen  ber  fogenannten  ÄriegS* 
commiffarien  beS  Senats  untergeorbnet,  fie  befianb  aus  ungefähr 
500  2Rann,  bie  in  5  ßompagnien  eingeteilt  maren;  pon  biefen 
bilbete  eine  bie  ©renabiercompagnie.  ©ämmtlid^e  ©olbaten  waren 
in  rotye  3töcfe  mit  meinen  Auffdjjlägen,  roeifee  äöefie,  roei&e 
SBeütfleiber  unb  fd&roarge  ©tiefeletten  gef leibet;  auf  bem  Raupte 
trugen  bie  ©renabiere  gur  Unterfd&eibung  pon  ben  SßuSquetieren, 
bie  mit  einem  breiedtigen  §ut  oerfe^en  waren,  eine  rotf»e  ©pifc 

.*)  StuSjua.  aus  einem  im  3a^re  1853  in  ber  Oefettföaft  jur  ©eförberung 
gemeumttfciaer  2tyätia,!eU  gehaltenen  »ottrage,  ögl.  fteue  Sttbed.  »lättet  1853 
JM  26  ff. 


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S9 

mfi$e,  bie  mit  einem  großen  mcffmgnen  Sd&ilbe  t>erfeljen  mar,  auf 
bem  als  abjeid&en  ber  lübedifdje  9lbler  ft$  befanb.  2)a£  ge* 
puberte  §aar  mar  oorne  mit  jroci  Socfen  gegiert,  nad£)  fjinten  lief 
eö  in  einen  rootylgebrefjten  3&Pf  aus.  S)te  Jämmtltdje  9Rannfdjaft 
rourbe  au£  atter  Ferren  Sänbern  angeworben,  fie  verpflichtete  fid& 
auf  unbeftimmte  3eit.  211$  Solb  empfingen  bie  ©emeinen  jctyrlidj 
40  Zfydltx)  hierfür  mufeten  fie  fid^  aber  nid)t  nur  befolgen  unb 
für  itjr  Unterfommen  forgen,  fonbern  fid)  aud&  iljre  Äleibung  feibft 
anjd&affen.  S3ei  if»rer  Anwerbung  erhielten  fie  trom  Staate  aufeer 
ben  äBaffen  nur  einen  §ut  unb  ein  $aar  Stiefeletten,  bie  Patron* 
tafdje  unb  S)egenfoppeL  $n  ©rfranhmgSfällen  rourbe  tfjnen  fojlen* 
freie  SBeljanblung  burdf)  einen  ©amifonmebicuS  gemeiert,  ber  für 
feine  23emüt)ungen  jäljrlid)  150  £  empfing,  gür  bie  gelieferte  2tuS* 
rüftung  tyatte  jeber  neu  aufgenommene  10  *#  in  bie  fogenannte 
9tefrutencaffe  ju  erlegen.  $)iefe  Gaffe  mar  im  Saljre  1745  be* 
grünbet,  bamit  roo  möglidjj  eine  gleite  Uniformirung  ber  ganjen 
©arnifon  erhielt  roerbe;  ju  biefem  Qxotdt  fjatte  man  anfangt  jebem 
eintretenben  SHefruten  eine  roeifce  SDBeftc  unb  eine  roeifce  §ofe  per* 
abreißt,  £ieroon  mar  man  fpäter  mieber  abgefommen,  um  baä 
©elb  jur  2lnfd)affung  ber  oben  ermähnten  SluSrüftungSgegenftänbe 
ju  t>erroenben.  S)ieje  erforberten  jebodj  eine  bei  SBeitem  geringere 
Summe,  als  jctyrlid)  tron  ben  angeworbenen  eingejagt  rourbe,  fo 
baJ3  fid)  aHmäljlid)  ein  beträchtliches  ßapitat  anfammelte,  tron  bem 
im  Qatire  1796  ungefähr  40,000  #  jinSbar  belegt  roaren. 

©in  großer  £l>eil  ber  Solbaten  roar  in  jener  3^it  üertyeirattjet. 
S)a  fie  mit  bem  geringen  Solbe  unmöglich  fid)  unb  iljre  gamilie 
erhalten  tonnten,  fo  betrieben  fie  meiftenS  ein  9tebengeroerbe;  ber 
eine  arbeitete  in  einer  gabrif,  ein  anberer  jog  mit  Dbft  unb  @e* 
müje  tyauftren,  ein  britter  üerbiente  fidfj  als  2lrbett8mann  fein  Srob, 
piele  enblid)  ernährten  fid)  baburd^,  bafe  fie  für  ityre  Äameraben 
SBa^tbienfte  traten.  2>er  Siegel  nadf)  follte  nämlid)  lieber  in  jener 
3eit  alle  brei  Sage  bie  SBad&e  bejiefyen,  bod^  fonnte  er  fid^  burd) 
Stellung  eines  ©rfafcmanneS,  melier  10  ü  erhielt,  oon  bem  SBadfjt* 
bienfl  freimachen.  S)ic  3a^'  btx  ju  befefcenben  Söadjjen  roar  eine 
feljr  grofee,  ba  aufeer  ben  brei  Söadjen  im  Innern  ber  Stabt  (am 
Äufjberg,  am  9tat{$aufe  unb  auf  ber  ^arabe)  fidf)  an  allen  Sporen 
boppelte  SBadjen  befanben,  oon  benen  bie  eine  unmittelbar  bei 
ber  Stabt,  bie  anbere  am  äu&em  Sfjore  tier  Sefeftigung  lag. 
Slufjerbem  roaren  an  allen  ßaubroe^rpäffen  (oor  bem  93urgtl)or 

7* 


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zedby  G00gk 


100 

ju  ©d&lutup,  ©d&marjmül)len  unb  Sranbenbaum;  por  bcm  §olflen* 
tt>or  ju  £rem8,  ÄrempclSborf,  ©teinrabe  unb  £oljenftiege;  por 
bem  9Jlüt)lent§or  gu  SRotljenlKmfen,  am  ©rönauerbaum  unb  am 
ßrumefferbaum)  Sßofttrungen,  bic  auf  längere  3cit  oon  einigen  ©ol* 
baten  bejogen  mürben.  2tej3  nun  audjj  tymanb  alle  SBadjjtbienjte,  meldte 
it)m  oblagen,  burdjj  einen  anbern  perridfjten,  fo  fjatte  et  bodt)  nodE)  im 
Safjf e  10  «#  oon  feinem  ©olbe  erübrigt,  bie  er  ju  feinem  eigenen  Unter* 
t)alt  nerroenben  f  onnte.  S)ie3  mochte,  t>ereinigt  mit  bem,  roa£  er  fonft  ju 
perbienen  im  ©tanbe  mar,  für  geroötjnlid&e  3eiten  attetbinß*  J)in* 
reidjen,  um  Um  ju  ernähren;  trat  aber  SE^eurung  unb  SRangel  an 
SebenSmitteln  ein,  foroar  aud&  ber  ©olbatSrübfal  unb9lottjau3gefe$t. 
Qm^te  1794  mar  bie  @rnbte  in  ^ieftger  ©egenb  tm&rat&en, 
fo  bafc  im  folgenben  Qaljre  alle  SebenSbebürfniffe  bebeutenb  im 
greife  fliegen.  S)e$$alb  manbte  ftd&  am  23.  gebr  1795  baS 
SKilitair  burdjj  ben  ßicentiat  ßembfe  mit  einer  Sittfd&rift  an  ben 
9tatl>,  bamit  biefer  tynen  @rleid)terung  »erraffe.  Sie  ©erlangten  eine 
@rl)öi)ung  tyreä  ©olbe«  um  10  4  unb  SSerminberung  ber  SBBad^t^ 
bienpe  burd&  ©injie^ung  einiger  länblid&er  SJJoftirungen.  ©er  9tat$ 
beauftragte  fofort  bie  Äriegöcommiffarien,  i^m  über  ben  ©runb  ober 
Ungrunb  biefe«  ©efud&S  SBertdfjt  ju  erstatten.  $a  biefer  ©eridf)t 
einige  3eit  auf  fid^  roarWn  liefe,  fo  mar  nadf)  2lblauf  eine«  ÜJtonatS 
ben  SittfteHern  nodf)  fein  33efd&eib  erteilt.  S)iefe  pereinigten  ftd) 
batyer  am  13.  3Wärj  um  8  Ufyr  9Jiorgen3  in  einer  3a$  t>on  un* 
gefäljr  150  üRann  unb  begleiteten  bie  oon  itmen  jur  Verfechtung 
Ujrer  ©ad&e  gemähten  ©eputirten  jur  SBo^nung  be£  bamaligen 
birigirenben  SürgermeifterS  Sünedfau,  um  tyn  einerfeitö  um  33e* 
fdfjleunigung  tyrer  ©ad&e  anjuge^en  unb  anbererfeitö  ftdO  ju  per* 
geroiffem,  ob  if)re  S)eputirten  aud&  mirflid&  für  fie  bie  ©upptif  ein* 
gegeben  unb  baS  hierfür  gefammelte  ©elb  ntd&t  unterfcfjlagen  Ratten. 
S)er  §err  Sürgermeifter  fudjjte  fie  ju  beruhigen,  inbem  er  itjnen 
perfprad&,  iljre  ©acfje  folle  untcrfudfjt  werben,  hiermit  maren  bie 
©olbaten  jufrieben  unb  jerftreuten  ftd&  alsbalb  in  ber  ©tabt. 
SBortfütyrer  bei  biefem  Vorgänge  mar  ber  ©efreite  §adfert,  gegen 
ben  fofort  eine  UnterfudEjung  eingeleitet  mürbe,  ©o  mie  e$  tyiefe, 
§adfert  fei  jum  Serfjör  in$  ©eridEjt  geführt,  perfammelte  fidf)  mieber 
eine  beträd&tlid&e  ©olbatcnmenge,  brang  in  ba$  9tatl)l)au3  ein  unb 
peDte  jtdf)  im  ©ange  oor  ber  ÄriegSjlube  auf.  3We^rfad^e  SBe* 
mfi&ungen  beS  DbriftlieutenantS  ©anber,  fie  jum  äöeggeljen  §u  be* 
Toegenf  maren  vergeblich;  man  perlangte  vielmehr,  eS  foUe  niefct 


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zedby  G00gk 


101 

gegen  einen,  fonbern  gegen  alle  bie  Unterfudfnmg  eingeleitet  werben. 
@rft  al«  Rädert  au«  bem  SBerljör  entlaffen  würbe,  folgte  iljm  bie 
SJtenge  twm  3*at^^aufe.  2)a  fid)  J)erau«geftetlt  f)atte,  baß  bie 
35eputirten  bemüht  gewefen  waren,  bie  übrigen  ©olbaten  baran  ju 
Ijinbern,  iljnen  in  corpore  jum  Sürgermeifter  ju  folgen,  fo  würben 
fte  nur  ju  einer  gelinben  ©efängnißftrafe  verurteilt,  gür  ben 
gaH,  baß  von  feuern  von  ©eiten  ber  ©olbaten  Aufläufe  unter/ 
nommen  werben  fottten,  warb  angeorbnet,  baß  ftet«  4  Sürger* 
compagnien  bereit  gehalten  würben,  um  einen  etwaigen  Slufftanb 
fofort  im  ©ntjie^en  unterbrücfen  ju  fönnen.  S)ie  ©olbaten  oer* 
gelten  fid&  aber  fortan  rufjtg,  benn  e«  fjatte  berStotl),  ba  bie  ein* 
gebraute  Sefd&werbe  begrünbet  erfunben  würbe,  nad&  nortjerge* 
gangenen  Unter^anblungen  mit  ber  Sürgerfd&aft,  befdjloffen,  ben 
©olbaten,  fo  lange  bie  Xfjeurung  anhalte,  wöd&entlidf)  ein  Joggen* 
brob  verabreichen  ju  laffen,  be«gleid&en  iljnen  ntdfjt  mefjr  bei  ifjrer 
SJierteljaljrlötynung  ba«  Sarbiergelb  abjujie^en,  unb  enbÜdf)  ftd&  alle 
gjlü^e  ju  geben,  tynen  fünftig  oljne  Sßudjer  jur  Tilgung  ifjrer 
©Bulben  bet)ülflid()  ju  fein. 

211«  bie  Sljeurung  oerfd&wunben  war,  bradjte  bie  Sürgerfd&aft 
bei  bem  Statte  in  2lnrege,  ob  e«  md&t  jwedfmäßig  fei,  jefct  mit  ber 
2lu«tl)eilung  eine«  93robe«  wieber  aufhören,  ba  bie  SReftutencaffe, 
au«  ber  man  bi«ljer  bie  Mittel  genommen,  l)ierburd&  fd&on  13,000  # 
eingebüßt  $abe.  S)ie  Ärieg«commiffarien,  benen  biefe  ©ingabe  jur 
Segutad&tung  überwiefen  war,  erfannten  an,  bie  Saft,  welche  burdfj 
jene  S3robau«t^eilung  für  bie  Stefrutencaffe  entfiele,  fei  eine  äußerft 
brücfenbe,  fo  baß  biefelbe  für  bie  3utunft  faum  i^ren  anbern  93er* 
pflid&tungen  nadjfommen  fönne;  e«  fei  be«tjalb,  weil  ber  ©runb  jur 
93robau«tt)eilung  je^t  weggefallen  fei,  jmeefmäßig,  biefelbe  ganj  ein  ju* 
fleüen;  ba  jebodE)  ju  befürchten  fei,  baß,  fo  wie  man  ben  ©olbaten 
Ujr  55rob  entjie^e,  große  Unjufrteben^eit  unter  i(jnen  entfielen 
werbe,  fo  fei  e«  jmeef  mäßiger,  oor  ber  §anb  if)nen  nod&  ein  Ijalbe« 
93rob  ju  gewähren,  jugleid)  aber  bie  nötigen  2lnjklten  ju  treffen, 
um  jeben  Unfug  fofort  in  feinem  beginne  unterbrüäen  ju  fönnen. 
2)ie  3tid)Ugfeit  biefe«  SSorfd&lag«  erfannte  ber  9latlj  an,  unb  fo 
würbe  befdfjtoffen,  nur  nodf)  bi«  jum  3uni  1796  mit  ber  'Stobau«* 
Teilung  fortjufaljren,  ba  al«bann  bie  93ürgercompagmen  üjre  ga^nen^ 
wad&en  bejogen,  unb  ba^er,  oljne  baß  Ijierburd)  SKuffe^en  entftanb, 
für  ben  nötigen  ©djufc  gegen  eine  etwaige  Empörung  ber  Sot* 
baten  geforgt  werben  fonnte.  311«  jener  3eitpunft  eingetreten  war, 
erließ  ber  ©enat  bie  Verfügung,  ben  ©olbaten  foHe  fortan  nur 


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zedby  G00gk 


102 

nod&  alle  tnerjefjn  Sage  ein  33rob  t)era6reid&t  werben.  SHefe  93e* 
jltmmung  follte  brci  Sage  nad)  einanber  auf  ber  $arabe  verlefen 
werben.  2lm  10.  3unt*  1796  gelangte  auf  biefe  2ßeife  jene  21m 
orbnung  junt  erften  3Me  jur  Äenntnife  ber  ©arntfon.  ®ie  Un* 
rutje,  weldfje  fte  erjeugte,  war,  wie  man  vorauSgefetyen  fjatte,  eine 
grofee.  ®er  ©ine  eilte,  fte  bem  2lnbern  mitjutljeilen,  unb  3lfle 
famen  überein,  man  muffe  fid)  vereinen,  um  gemeinfam  bie  nötigen 
©dritte  jur  SBtebererlangung  ber  jur  iQälfte  entjogenen  33rob* 
lieferung  ju  rtjun.  hierbei  jeigte  ftd)  ber  ©renabier  SBetterig,  ein 
Sübecfer  ©tabtfinb,  vor  Slllen  gefdjäfttg.  6r  liefe  jtdf)  feine  ÜJtülje  Der* 
brie&en,  um  feine  Äameraben  ju  bewegen,  ftdj  am  folgenben  Sage, 
einem  Sonnabenb,  3tbcnbs8  vor  bem  innem  $olftentf)ore  bei  ber 
SBo^nung  beS  geuermerferä  23ttt  ju  verfammeln.  3ut  fejigefefcten 
ßeit  fanb  ftd)  aud)  eine  SRenge  berfelben,  mit  tljren  Slrbeitöfleibern 
angetfjan,  am  verabrebeten  Drte  ein.  §ier  rief  man  nod)  2We  an, 
bie  jufäBig  be$  2ßegc£  famen,  unb  forberte  fte  jum  2Infdf)tuf}  auf. 

S)ie  bort  verfammelten  ©olbaten  befdfjloffen ,  ftdf)  wieber 
an  §acfert  ju  wenben,  bamit  er  bie  gü&rung  iljrer  6ad>e  über* 
neunte.  SJiefer  aber  Ijatte  genug  an  ben  (Srfa&rungen,  bie  er 
beim  auflaufe  im  vergangenen  Satire  gemalt  fiatte,  er  fdjtug  Ujnen 
be^alb  Ujr  anliegen  ab.  ÜJtan  einigte  ft$  batjer  ba^in,  am  fol* 
genben  Sonntag  SKorgen  auf  ber  $arabe  ju  erfd&einen,  um  bort 
in  ©efammttyeit  ben  Dbriftlieutenant  Sanber  anjugeljen,  fidj  für 
fte  beim  Senate  ju  vermcnben.  Sluf  bafe  Äeiner  ityrer  Sadje 
untreu  werbe,  mürben  bie  Tanten  aller  änwefenben  ju  Rapier 
gebraut. 

2lm  folgenben  borgen  fanben  fte  fid),  mit  ifjrem  ©eitenge- 
wefjr  bewaffnet,  in  grofeer  2htjal)l  auf  ber  ^arabe  ein.  60  balb 
ber  Dbriftlieutenant  ©anber  bort  erfdjien,  famen  ttjm  bie  60I* 
baten  fämmtlid^  entgegen.  Stuf  feine  grage,  roaä  e$  ju  bebeuten 
Ijabe,  ba&  fte  fid^  in  fo  ungewöhnlicher  9Jienge  auf  ber  Sßarabe  ver* 
fammelt  Ratten,  antworteten  fie,  ba&  fte  nur  gefommen  feien,  um 
2)a$,  was  üerlefen  werben  foUe,  anhören.  S)er  Dbriftlieutenant 
verweigerte  bie  Serlefung  be3  ©enatäbecretö,  inbem  er  bemerfte, 
fie  würben  btefeg  nod)  frül)  genug  fennen  lernen,  bodj  fei  er  bereit, 
fte  fdjon  jefct  mit  bem  3nl)alt  beffelben  befannt  ju  madjen.  9tod&* 
bem  biefe«  gefeiten  war,  verlangten  (Stnige,  ba£  Srob,  weldEjeä  fie 
btö^er  befommen  Ratten,  möge  iljnen  no<$  femer  belaffen  werben. 
211*  hierauf  ber  Dbriftlieutenant  erflärte,  bafe  bicfeS  nt<$t  gefd&eljen 


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103 

werbe,  bafc  ober  Qeber,  ber  hiermit  ni^t  jufrieben  fei,  feinen  9lb* 
fcfcieb  erlangen  fönne,  trat  ber  ©renabier  SBBettcrig  au$  bem  Raufen 
fyenwr,  pellte  ftdf)  mit  bem  £ute  auf  bem  Äopfc  twr  ben  Dfftjter 
f)in  unb  rebete  tfjn  mit  podfjcnbem  $one  an.  ©eine  Äameraben, 
namentlich  ber  2Ru3quetier  £eifterfamp,  fd&rteen  ju  gleicher  $eU: 
SBenn  man  6twa£  nid)t  mit  ©utem  ermatte,  fo  muffe  man  eS  mit 
©ewalt  nehmen;  audjj  riefen  fie  bem  DbriftHeutenant  ju:  er  foHe 
nid&t  fo  eifrig  werben,  fie  ftänben  bod)  alle  für  einen  3Rann,  unb 
aeijnlid&eS  meljr.  Sefcterer  wenbete  [xä)  hierauf  ju  SEBetterig  mit 
bem  Verlangen,  ben  £ut  ab  junetjmen.  81$  biefer  jebodfj  barauf 
nid^t  tjörte,  fd&lug  er  i^m  benfelben  com  Äopfe  unb  forberte,  ba 
bie  aWenge  näfjer  unb  vatyt  aufbrängte,  jugleid^  bie  ü)n  beglei* 
tenben  Dfftjiere  auf,  ityre  Degen  ju  jie^en,  bamit  nid^t  gegen  bie 
©uborbination  gefjanbelt  werbe.  Slfle  Dffijiere,  mit  2UiSnaf)me 
eines  einzigen,  famen  biefem  Sefe^le  nadf).  $n  gotge  t)ien>on  tieften 
audfj  einige  ber  ©olbaten,  unter  benen  SaHtyorn  unb  ipeifterfamp 
biefeS  fpäter  jugefianben  tyaben,  fid^  perteiten,  ifjr  ©ettengewetjr  ju 
entblößen,  bodj  fteeften  fie  e£  fogteid^  wieber  ein.  SBätjrenb  beffen 
l>atte  ein  anberer  3Ru$quetter  mit  tarnen  Äoefter  fic$  an  bie  auf* 
marfdfjirte  SBadjjmannfdjjaft  gewanbt,  unb  biefelbe  aufgeforbert,  ftd^ 
tyren  Äameraben  anjufcfjlie&en.  Sttefe  liefe  ftdf)  jebodjj  Ijierju  nid&t 
bewegen,  nur  ein  ßinjelner  wagte  e$,  fyerauäjutreten,  ging  aber, 
fo  wie  er  bemerfte,  bafe  bie  übrigen  feinem  Seifpiel  nid&t  folgten, 
tnd  ©lieb  jurüä.  Unterbeffen  waren  bie  Dffijtere  auf  Äoefter  ju* 
getreten  unb  tjatten  ityn  angefaßt,  um  ifm  ju  arretiren;  e$  gelang 
jebodfc  feinen  Äameraben,  itjn  wieber  iljren  §änben  ju  entreißen. 
3?on  ber  ^arabe  perfügten  ftd)  bie  ©olbaten  auf  ben  üRarftplafc. 
$ier  würbe  juoörberft  eine  Sammlung  oeranftaltet,  um  wo  möglid) 
Jpadfert  burd)  ©elb  ju  bewegen,  ftd&  i^nen  anjufdjliefcen.  ®o<f)  blieb 
biefer  ©runb  ben  meiften  ©ebern  unbefannt,  Siele  gaben  eben  nur, 
weil  aud&  bie  Ruberen  einen  Beitrag  leiteten,  ©obann  würbe  eine 
Deputation  an  ben  bamaligen  ÄriegScommiffariuS  Senator  ©reen 
gefanbt,  um  bei  biefem  barum  nad&jufudfjen,  bafe  iljnen  nodf)  ferner 
ba«  entjogene  SSrob  gelaffen  werbe.  S)od&  Ijatte  \\)tt  Sitte  feinen 
erfolg.  SRad&bem  bie  ©olbaten  biefen  SluSgang  in  ©rfa^rung  ge>- 
brad&t,  üerliefeen  fie  ben  5Harftplafc  unb  jerftreuten  ftdf)  in  ber©tabt. 
©ofort  nadf)  abgehaltener  ^Jarabe  ftattete  ber  DbriftHeutenant 
©anber  bei  feinem  9Sorgefe|ten  über  ben  Vorfall  Serid&t  ab. 
S)a  weitere  Unruhen  befürd&tet  würben,  fo  würben  jwei  Bürger* 


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104 

compacten  aufgeboten  unb  burdfj  fie  bie  9tatl$au3n)ad&e  unb  bie 
SBörfe  befefct;  jroei  anbere  Sürgercompagmen  blieben  in  Sleferoe. 
©in  SBegefjren  beä  $räfe£  ber  Sürgercapitaine,  jum  ©d&ufee  ber 
&auptroad)e  Äanonen  auffahren  ju  (äffen  unb  fie  mit  ber  jur  $e* 
bienung  nötigen  ärtilleriemannfd&aft  ju  ocrfefjcn,  würbe  Don  ber 
£anb  geroiefen,  weil  man  ntdf)t  fidler  fei,  bafe  bie  ©olbaten  ft<$  nid)t 
ber  Äanonen  bemächtigen  unb  biefe  atebann  jum  Ütadjtljeile  ber 
Särger  gebrauten  fönnten. 

2)ie  ©olbaten  beabftdEjtigten  aber  nid&t,  fidf)  burdfj  ©eroalt* 
tljätigfeüen  if)r  9ied)t  ju  oerfdjaffen,  oielmeljr  roaren  bie  ijjaupt* 
fityrer  ber  Seroegung  am  äKittage  erfud&t  roorben,  fid&  an  ben 
©eneral  Gljafot  ju  roenben,  um  burdf)  beffen  §ülfe  eine  9tüdfnat)me 
be£  S)ecrete3  ju  ernrirfen.  Seoor  fie  biefen  Auftrag  ausführten, 
jogen  fie  von  2Bad(je  ju  2Bad&e,  tranfen  mit  ber  SBad&mannfdjaft 
unb  forberten  fie  jugleid^i  auf,  fid)  burd)  3^^un9  «ine«  ©djillingeS 
bei  ber  ©ad&e  ju  beteiligen,  hierbei  roaren  bie  Slbgefanbten  au& 
einanber  gekommen,  fo  bajs  nur  ein  Sfjeil  oon  ifjnen  nad)  SRarlg 
gelangte,  roo  ber  ©eneral  roäljrenb  ber  Sommer  jeit  wohnte;  bort 
baten  fie  U)n  im  Flamen  ber  ganjen  ©arnifon  um  feine  35er* 
roenbung.  S)iefe  fagte  er  ifynen  aud)  ju,  jugleidfj  befahl  er,  in  3tu^e 
ben  Sefdjjeib  ju  erwarten.  Sei  fdjjon  angebrod&ener  Dämmerung 
famen  fie,  jiemltd&  aufgeregt  fpredfjenb,  nrieber  jur  Stabt.  3>n  tot 
Surgftrafee  oewneS  fie  ein  Sürgercapitain,  ber  im  Sd&lafrode  unb 
9tad)tmü|e  oor  feiner  Sljüre  fianb,  fraft  feinet  2lmte£  jur  Stulpe. 
Site  einer  ber  Solbaten  ftdEj  t)ierum  nidfit  Wimmerte,  tnelmefjr  einen 
2Bortftreit  begann,  befahl  ber  Sapitain  einem  3Watrofen,  3Kitglicb 
feiner  ©ompagnie,  ber  im  SonntagSanjug  mit  feiner  pfeife  im 
3Wunbe  babeifianb  unb  fid&  bie  Sadfje  mit  anfal),  ben  Solbaten  ju 
üer^aften.  Scfcterer  cntflol),  jog  aber  auf  ber  glud&t  jur  33er* 
t&eibigung  feinen  Säbel.  Der  äKatrofe,  melier  ü)n  ereilt  fcatte, 
entriß  i^m  benfelben,  unb  braute  fobann  ben  äBiberftrebenben  jur 
ÄuIjbergSmad&e  in  2lrreft.  ^nännfdjw  Ratten  feine  ©enoffen  iljre 
äBotynungen  aufgefud&t.  So  fdfjeiterte  ber  eine  %i)ül  ber  Deputation. 
Der  anbere,  ju  bem  SBetterig  gehörte,  nmnbte  fid),  ba  er  l)örte, 
bie  ©enoffen  feien  fd&on  weit  t>orau£,  gar  nidfjt  nad&  SUlarlp,  fon* 
bem  liefe  fidf)  nad&  ber  Soljmityle  überfein.  Son  liier  festen  bie 
Solbaten  etroaS  angetrunfen  am  äbenb  jur  Stabt  jurüd.  3luf 
bem  SRarfte,  mo  ftdj  eine  ßompagme  ber  Sürgerroetyr  befanb, 
warb  itynen  Don  einem  beim  ?läblerfd^n)ibbogen  aufgehellten  Soften 


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105 

bet  Durchgang  unterfagt.  als  fte  tro$  beS  Verbote«  i^ren 
2öeg  fortfefeen  wollten,  entfianb  eine  ©d&lägerei,  bei  ber  bie  Bürger* 
we^r  bie  ©olbaten  entwaffnete  unb  fie  bann  nadf)  ber  fRat^auö- 
madfje  in  Hrrejt  brad&te.  So  befanben  ftdf)  fämmtlidje  SRäbelöfü^rer 
burdj)  einen  3ufaH  f^on  am  2lbenb  gefangen  in  ben  Jpänben  ber 
Beprbe,  of)ne  bafc  biefe  fidj  ernftlid)  bemüht  ^attc  f  ifjrer  Ijabljaft 
ju  werben. 

S)ie  Aufregung,  weld&e  burdfc  jene  Unruhen  tyierfelbft  fjeroop 
gerufen  würbe,  war  eine  äufeerft  grofje.  ©cfcou  am  folgenben 
Sage  trat  bie  Bürgerfd&aft  in  i^re  (Soflegien  jufammen  unb  braute 
an  ben  $tati)  ba£  Begehren,  man  tolle  ft$  ber  sJtäbel3füf)rer  auf 
ber  ©teile  bemächtigen  unb  fte  auf  baS  nad&brüdlicijfte  beflrafen, 
ba£  gefammte  äRtlitair  aber  entwaffnen,  unb  bann  bie  ©injetnen  be* 
fragen,  ob  fie  unter  ben  früheren  Sebirtgungen  nod&  ferner  fortju; 
bienen  bereit  feien,  biejenigen,  weld)e  fid)  fjierju  entfdbUefeen  wür* 
ben,  oon  SWeuem  in  @ib  unb  $flid)t  nehmen,  bie  übrigen  aber  fof ort 
au$  ber  ©tabt  entfernen.  Qu  M*fw  legten  3Jfaferegct  Ratten  fidjj 
fd&on  am  12.  3uni  bie  ÄriegScommiffarien  entfdjloffen.  63  würben 
be3l)alb  in  ben  näd&ften  Sagen  aüe  Sotbaten,  bie  ftd)  am  2luf*( 
flanbe  nid)t  beteiligt  Ratten,  oorgeforbert.  sJiur  brei  oon  ifynen 
forberten  ifyren  2lbf$ieb,  ber  itjnen  audf)  fogleid)  gewährt  würbe. 
SIDe  anbern  perfpradjen  non  feuern,  ber  Stabt  treu  ju  bienen. 

©obann  würbe  mit  ber  Untermietung  begonnen;  fte  richtete 
fid£)  pornämlidf)  gegen  Söetterig,  als  Sttnftifter  beS  ganjen  auf* 
ftanbeS,  gegen  Sattyorn  unb  §eifterfamp,  weil  fie  ityr  ©eitengewefyr 
in  ©egenwart  ber  Dffijiere  aus  ber  ©djeibe  gejogen  Ratten,  gegen 
Äoefter,  weil  er  bie  SBad&parabe  jum  Seitritt  aufgeforbert,  fobann 
gegen  diejenigen,  weldjje  fid)  bei  ben  Deputationen  ber  ©olbaten 
beteiligt,  unb  enblid)  gegen  2ltle,  weld&e  am  ©onntag  äbenb  mit 
ben  Bürgern  in  Streit  geraden  waren.  3lber  aud&  Rädert,  ber 
güfjrer  ber  frühem  Bewegung,  würbe,  obgleich  er  fid)  bieSmal  pon 
ber  ganzen  <&ad)t  ferngehalten  fjatte,  ins  Berl)ör  genommen.  Das 
ÄriegSgeridfjt,  weites  bie  Untermietung  ju  führen  tjatte,  beftanb 
aus  ben  ÄriegScommiffarien  beS  Senates  unb  aus  Offizieren  ber 
©arnijon,  unter  benen  ftd&  audf)  ber  Dbriftlieutenant  ©anber  befanb. 
3)aS  ©erfahren,  welkes  man  beobachtete,  war  ein  f>öd)ft  fumma* 
rifdjjeS.  Die  Verhafteten  würben  einjeln  twrgeforbert  unb  über 
tfjre  Beteiligung  bei  ber  9teoolte  befragt.  3öaS  fie  in  biefer  Be* 
jie^ung  Dorbrad&ten,  genügte  xwttfommen,  benn  man  ^ielt  eS  nidjjt 


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106 

für  etforbettid),  ftdf)  burdf)  geitgen  bat>on  ju  oergewiffern,  ob  bic 
©injelnen  ju  cid  ober  ju  wenig  gegen  fidj  auSgefagt  fjatten.  Sebtg* 
lid&  bie  SRäbelSfütjrer  würben  jweimal,  baS  tefcte  SM  jebodjj  nur 
über  befiimmte  2lrtifel,  verhört  6ine  33ertf)etbigung  würbe  fämmt* 
tiefen  angesagten  nid&t  gemattet,  fxc  begnügten  ftdf)  beätjalb,  unter 
§inwetö  auf  grau  unb  Äinb,  um  gelinbe  Strafe  nad&jufud&en. 
Sdf)on  am  20.  3uni  warb  bie  llnterfudfjung  für  gefdfjloffen  erflärt 
unb  bie  Sad&e  bem  Senate  jur  gäBung  eine«  @rfenntmffe3 
überwiefen.  SSeoor  bicfeS  abgegeben  rourbe,  befragten  bie 
ÄriegScommtffarien  ba£  DfftjiercorpS  um  feine  Stnfidfjten  barüber, 
meldte  ©trafen  am  jwecfmäfcigften  gegen  bie  Scfculbigen  avß* 
jufpred&en  unb  an  roeldjem  Orte  fie  ju  üoBjie^en  fein  würben. 
35a  SRiemanb  jmeifelte,  bafe  gegen  einjelne  ätagefd&ulbigte  auf 
$obe$ftrafe  erfannt  werben  würbe,  fo  erflärten  fiel)  bie  Ge- 
fragten faft  einftimmig  baljin,  bie  Sdfjulbigen  müßten  arquebufirt 
werben,  ber  paffenbfie  Ort  hierfür  fei  auf  bem  SBafle  oor^anben; 
nur  ein  ©injiger  fdjlug  ben  ^arabeplafc  oor. 

3lm  l.  3uli  fprad)  ber  Senat,  nad&  oorangegangener  Geriet* 
erftattung  be£  $)omprobfte$  S)reper,  baS  Urtfjeil;  burdf)  baffelbe 
würben  SBetterig,  SaBljorn  unb  §etfterfamp  wegen  bo^aft 
unternommener  Meuterei  unb  ©mpörung,  audf)  gröblich  beleibigter 
Suborbination,  tynen  jur  wo^berbienten  Strafe  unb  Snberen  jutn 
abfd&recfenben  Seifpiet,  oerurtljeilt,  burdf)  bie  Slrquebufabe  oom 
2cben  jum  £obe  gebracht  ju  werben.  Äoefter  unb  ein  anberer 
Solbat  würben  wegen  beffelben  93ergef)en$  ju  jwölfmaligem  ©äffen* 
laufen  burdf)  boppelte  ^arabe  oerurtljeüt,  fobann  foßten  fie  ate 
ehrlos  caffirt  unb  nad&  abgefdjnittcnem  3°Pfe  <*u$  Mer  ©tabt 
©ebiete  gefd&afft  werben,  mit  angebrofjter  2Barnung,  ftdf)  in  ber* 
fetben  bei  Strafe  be£  StaubbefenS,  SBranbmarfä  unb  ewiger  fpinn* 
l)äu£lerifdf)er  £aft  nidjt  wieber  betreten  ju  laffen.  ©egen  fünf 
üJUnberbetfjeiligte  würbe  bie  Strafe  eines  oftmaligen  ©affenlaufeitö 
auSgefprodfjen,  auef)  fie  würben  unter  ben  obigen  Snbrotjungen  ber 
Stabt  uermiefen.  Rädert  würbe,  obgleich  er  ftdf)  com  ganjen  Stuf* 
ftanbe  fern  gehalten  Ijatte,  bodf)  ber  weitere  äufent^alt  in  ber 
Stabt  unterfagt. 

2)tefeä  (Srfenntmfc  würbe  ben  2lngefdf)ulbtgten  am  4.  Quli  be* 
fannt  gemalt,  unb  hierbei  jugleid^  ben  jum  @rfd&iefeen  Serurt^eil* 
ten  geftattet,  au$  ber  3ö^I  tyrer  greunbe  biejenigen  ju  wählen, 
weldfje  bie  Strafe  ooBjietjen  foBten.    2lBe  brei  x>erjtd)teten  jeboc^ 


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107 

barauf,  von  einer  folgen  ©nabe  ©ebraudj)  ju  machen.  3U* 
Vofljtetyung  be£  UrtfjeilS  war  ber  6.  3uli,  unb  jum  Ort  für  bie 
(Syecution  ber  ^arabeplafc  feftgefefct.  2ln  jenem  Soge  f>atte  ber 
6enat  adjt  Sürgercompagnien  aufgeboten  unb  mit  700  ©emefyren 
au«  bem  3*ugl)aufe  oerjef)en  (äffen.  S)iefen  fjatte  fid^  noeb  eine 
freimißige  Sürgermefyr  au$  jungem  Seuten  angefcfjloffen,  non  benen 
ein  $l)eil  unter  bem  Oberbefehl  be3  2Beinf)änbler3  Qoad)im  Sranbt 
beritten  mar.  %mi  jener  Sürgercompagnien  befefcten  ben  ©tabt* 
loafl,  eine  ba$  9tatt)t)au£,  eine  baS  ÄaufleutecompagniefjauS,  bie 
vkx  anbern  bie  ^arabe  unb  alle  (Singänge  ju  berfelben.  S)ie 
freimißige  berittene  23ürgerroef)r,  meldfje  im  Verein  mit  ben 
gteitenbienern,  ßnod&enljauern  unb  ^Pferbefäufern  ein  ßorpS  non 
50  3Jlann  bilbete,  fteflte  jtcb  in  einer  Steige  mit  bem  SRücfen 
gegen  bie  Äurfcrocffd&e  Gurie,  ben  jefcigen  2Saifenf)au£garten, 
mit  gejogenen  ©äbeln  unb  gelabenen  ^ifioten  auf.  berfelben 
gegenüber  ftanben  100  SKann  ©olbaten,  fämmtlidf)  mit  abge^ 
jogenen  Bajonetten.  Von  ledern  mürben  jroölf  3Rann  auSge* 
roät)lt,  um  bie  ©yecution  ju  noßjie^en,  unb  ju  biefem  3roecfe  &or* 
läufig  oberhalb  ber  ©ffengrube  poftirt.  S)er  $lafc,  an  bem  bie 
©djulbigen  erhoffen  werben  foflten,  befanb  fid>  auf  ber  ^arabe 
bei  ber  (SingangStyür  jum  3wg!)aufe;  bort  mar  ein  jroanjig  gufe 
Ijoljer  ©anbberg  aufgeföüttet;  oor  biefem  ftaub  ein  Sefjnftufjl,  auf 
ben  ftd^  bie  armen  ©ünber  fefcen  foflten,  um  nid)t  burd)  Veme^ 
gungen  ba3  ftd&ere  3ielen  ber  aWannfdjaft  ju  nerfytnbern.  2lfle  be* 
nad&barten  Käufer  maren  mit  einer  ungeheuren  ajlenfdjenmenge 
befe|t,  bie,  um  beffer  feljen  ju  fönnen,  bie  meiften  $)&ä)tt  abge* 
beeft  tjatte. 

Um  7  Ufjr  3Rorgen3  mürben  bie  Verurteilten  nom  Statin 
foaufe,  mo  fic  iljre  legten  SEage  jugebrad&t  Ratten,  burdjj  eine  ftarfe 
2lbt^eilung  Vürgermeljr  unter  einem  großen  3"laufe  oon  aJtenfd&en 
jum  SRid^tpla^e  geführt.  Oberhalb  ber  $)anfmärt$grube  mürben 
fie  einer  2RÜitairroa$e  übergeben,  bie  fte  in  bie  2Jtitte  beä  $arabe* 
plafceS  geleitete.  9ladf)bem  if)nen  berSlubitor  tyier  tyr  SobeSurtyeil 
nod&  einmal  porgelefen  Ijatte,  mußten  bie  jum  $obe  Verurteilten 
iljre  ©otbatenfleibung  ablegen  unb  einen  meinen  leinenen  Äittel 
anjietjen.  Saßtjorn  unb  §eifierfamp  mürben  fobann  in  bie  bort 
liegenbe  SBad&e  gebracht,  SEBetterig  aber  jum  9lidf)tpta$  geleitet 
6r  mar  ein  grofjer  t)übj$er  SRann,  oon  gurd>t  mürbe  feine  ©pur 
an  iljtn  malgenommen,  benn  auf  bem  furjen  2Bege,  ben  er  no<$ 


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_106 

ju  mad&en  Ijatte,  grüfete  er  feine  unterm  ©eweljr  jM&enben  Äatne* 
raben  unb  winfte  i^nen  mit  ber  £anb.  9}adf)bem  er  jum  9tid&tftul)fe 
gelangt  war,  wollten  Um  bie  Stocffnedfjte  auf  bemfelben  feflbinben, 
bod£)  unterliefeen  fie  eS  auf  feine  2}erfid()erung,  fity  rut)ig  Behalten 
ju  motten,  hierauf  trat  ber  ©arnifond&irurguS  oor  unb  befeftigte 
U)tn  auf  ber  Stelle  feines  £erjenS  ein  fd&warjeS  aus  Saft  auSge* 
fd&nitteneS  $erj.  Son  tfym-  liefe  SBetterig  fidE)  aud&  bie  Säugen 
burdf)  ein  %ufy  oerbinben.  2luf  ein  fobann  von  einem  Hauptmann 
gegebene^  Stxtytn  traten  oier  SJtann  dou  bem  jur  (S^ecution  be* 
orberten  ßommanbo  in  eine  ©ntfernung  oon  ungefähr  4  Sd&ritt 
twr  ben  Sanbberg  t)in.  Sowie  ber  Offijier  mit  bem  S5egen  winfte, 
gaben  fie  geuer.  Sie  Ratten  fo  glüälidf)  getroffen,  bafe  2Betterig 
auf  ber  Stelle  tobt  mar.  Sein  Äörper  mürbe  fofort  in  einen  Sarg 
gelegt,  unb  biefer  tjinter  bem  Sanbberg  aufgeteilt. 

hierauf  mürben  Saliern  unb  §eifterfamp  gemeinfam  auf  bie 
Sßarabe  geführt,  unb  in  ifjrer  ©egenwart  ein  2)ecret  beS  Senates 
Beriefen,  nadfj  meinem  berfelbe  bejcfjtoffen  Ijatte,  bafe  jene  beiben 
burdE)  ÜBürfel  entfdjeiben  foHten,  mer  twn  ilfnen  ju  erfc&iefeen  fei. 
3Kan  perfprad)  nämlidfj  ben  mit  ber  SobeSftrafe  ju  oerfd&onen, 
melier  bie  l)öd)ften  2lugen  werfe.  Sogleidf)  rourbe  eine  Trommel 
Ijerbeigefdjjafft  unb  ben  Verurteilten  oier  2Sürfel  bargereid&t.  23aDU 
tjorn,  ber  juerft  marf,  fjatte  baS  ©lücf,  19  3lugen  ju  erjieleit. 
§eifterfamp  ergriff  beSljalb  bie  SBürfel  mit  jitternber  §anb  unb 
liefe  fie  lofe  auf  bie  Srommet  fallen.  £>odf)  blieben  nur  brei  ber^ 
felben  barauf  liegen,  ber  trierte  rollte  auf  bie  6rbe.  Obwohl  nun 
bie  brei  äöfirfet,  meldte  axtf  ber  Trommel  lagen,  nur  neun  äugen 
jäf)lten,  unb  alfo,  menn  audf)  ber  oierte  Söürfel  eine  SecfjS  gejeigt 
Ijätte,  bodf)  baS  ©efd&iä  ftdf)  nidjt  ju  feinen  ©unften  auSgefprod&en 
bätte,  fo  befahl  bennod)  ber  babeiftcfjenbe  2lbjutant,  ©eifterfamp 
fotte  nodE)  einmal  fein  ©lue!  oerfudfjen.  3cftt  gelang  es  biefem, 
21  SHugen  ju  merfen.  S)a  oon  feiner  Seite  hiergegen  Ginfpradje 
gefd&af),  fo  mufetc  bie  ßjeeution  an  Saltyorn  twHjogen  werben. 
SHefer  mar  burdf)  baS  fo  ebtn  Erlebte  faft  ganj  gefühllos  geworben 
unb  liefe  ruljig  aüeS  mit  ftdj  gefd&efyen.  Seiber  gelang  es  bieSmal 
ben  Solbaten  ntdfjt,  tyn  ebensogut  ju  treffen,  wie  feinen  ©efätjrten. 
Dbwo^l  twn  4  Äugeln  burdfobotyrt,  lebte  er  nod&.  &eSl)alb  fprang 
aus  bem  Gommanbo  ein  anberer  Solbat  fjertwr  unb  fdfjofe  tym 
mitten  burd&S  £erj,  worauf  er  alsbalb  leblos  jufammenfiürjte. 
hierauf  mufeten  bie  Uebrigen  ©äffen  laufen,  um  bann  fogleid)  auf 
23agen  aus  ber  Stabt  gebraut  ju  werben. 


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109 

SCuf  bie  Solbaten  madjjte  biefe  (Specution  einen  fe^r  fiarlen 
©nbrudf;  fie  oertjielten  ftdf)  fortan  rutyig,  jumal  man  Ujnen 
roieberum  toöd&enttid^  ein  Srob  jufommen  liefe. 

S)ie  große  Seforgniß,  welche  biefe  Unruhen  unter  ben  SBe* 
wofynern  ber  Stabt  fyeroorriefen  unb  bie  fdjweren  Strafen,  weld^e 
gegen  bie  an  benfelben  SBct^eiligten  ooHfiredft  würben,  finben  ityre 
ßrttärung  in  ben  bamatigen  3eitumftänbcn.  ®ie  franjöftjdfje  SReoo> 
lution  ^atte  furj  oorljer  einigen  unruhigen  Äöpfen  aus  bem  ©efellen* 
ftanbe  bie  33erantaffung  gegeben,  an  ben  Äird&tyüren  $a£quiße  anju* 
heften,  unb  in  iljnen  jum  offenen  Slufftanbe  auf  juforbern.  3Kan  wußte, 
baß  ^ierburdE)  in  ben  untern  Älaffen  eine  gewiffe  ©etyrung  ent* 
ftanben  war,  unb  fo  glaubte  man,  e£  fyabe  unter  ben  Solbaten 
ein  ßomptott  beftanben,  ba$  jum  3")ecfe  f»abe,  fämmtlid&e  Offiziere 
ju  arretiren,  baS  3eu9^au^  unb  ba$  Sßutpermagajm  in  Seftfc  ju 
nehmen,  bann  ben  Sßöbel  auf  feine  Seite  ju  jietyen,  unb  mit  biefem 
gemeinfam  bem  Senate  unb  ber  Sürgerfd&aft  ©efejje  oorjufdjreiben. 
SSon  ädern  biefem  fjat  bie  Unterfud&ung  nidjjt  baä  ÜJUnbejie  er* 
geben.  Slber  nid&t  nur  bie  2lbft$t,  audf)  bie  Zfyat  ift  oon  Seuten,  bie 
jur  ielben  3*it  fyw  Übten  unb  fd&rieben,  unrichtig  bargefteßt  worben. 
9laty  ü)nen  foll  ber  Obriftlieutenant  oon  ben  Solbaten  tljätlid)  miß* 
l)anbelt  unb  nur  burd)  ba3  ^injutreten  ber  Dfftjiere  oom  £obe* 
errettet  fein.  33ermutl)U$  burd&tiefen  ©erüd&te  biefer  3lrt  gleidE)  3ln* 
fang£  bie  Stabt,  unb  ftub,  ba  ba$  (Srgebmß  ber  Untermietung 
nid^t  jur  öffentlidjen  ihinbe  gebraut  warb,  fpäter  burd)  bie  §ärte 
ber  oottjogenen  Strafen  nidjt  miberlegt,  fonbern  etjer  beftärft 
worben. 

6.    Jif  Jarletjnsobligationfn  unb  beren  Tilgung. 

$)a  bie  großen  2fa8gaben,  ju  benen  ftdf)  ber  Sübecfifd&e  Staat 
nad&  ber  ©rftürmung  ber  Stabt  am  6.  9too.  1806  unb  ber  i^r 
folgenben  fortbauernben  Sefefcung  burdfj  franjöfifd&e  Gruppen  ge* 
nötigt  faf),  burdf)  ben  Setrag  ber  auSgefd&riebenen  (Kontributionen 
unb  ber  ben  Sürgern  unb  ©inwofjnem  auferlegten  gejwungenen 
anleiten  nid&t  oöttig  gebedEt  werben  fonnten,  fo  warb  burd&  Statin 
unb  Sürgerfd&luß  oom  26.  Dct.  1808  beftimmt,  baß  ber  $Berfud& 
gemalt  werben  foße,  bei  Ijieftgen  unb  auswärtigen  Sapitaliflen  eine 
Slnlei^e  oon  600,000  ^  aufjune^men.  gür  biefelbe  foHten  Sd&ulb* 
oerfd&reibungen  unter  bem  Stamen  S)arlet»n$obligationen  auägefiettt 


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110 

werben,  bie  am  l.  9too.  1809  rüdfjal)lbar  unb  bis  ba^in  mit  6  °/0 
ju  oerjinfen  feien.  2IIS  Unterpfanb  für  bie  auf  ben  Srcbit  beS 
Staate«  auSjugebenben  Obligationen  waren  ber  mit  ifjrer  JBer* 
waltung  betrauten  StartetjnScommiffion  t>on  einer  anfe^nlid^en  3a§l 
^iefiger  Äaufteute  unb  Sapttaliften  auf  fidf)  felbfi  auSgefteflte  §ppo* 
tyefwed&fel,  bie  in  ityrem  ©efammtbetrag  ber  £öf)e  ber  anleite  ent* 
f prad&en,  übergeben  worben.  !$ntn  warb  ju  tfjrer  ©td&erljeit  wie* 
berum  baS  gefammte  Vermögen  ber  fogenannten  ©flaoenfaffe  per- 
pfänbet.  ©affelbe  beftanb  aus  637,850  fr  in  £auSpfanbpöften, 
71,500  fr  in  ©tabtfaffebriefen,  20,000  fr  in  Obligationen  beS  ©t. 
SlnnenflofierS  unb  einem  baaren  Äaffenfalbo  oon  1206  fr  12  ß,  ju* 
fammen  alfo  auS  730,556  fr  12  (S.  2luS  ben  grträgnifjen  biefer 
Äaffe  foDten  audjj  bie  Sinfen  ber  anleite  gebedft  werben.  Sei  fort* 
bauembem  ©elbbebürfnife  mürbe  ber  betrag  ber  2lnleil>e  burdf)  9tatl) 
unb  Sürgerfd&lufe  oom  14.  35ec.  1808  auf  800,000  fr  erl)öf)t.  3)a 
bamalS  ©eiber  fd&mer  im  &anbel  nufcbar  anjuwenben  ober  fonft 
fidler  unterjubringen  waren,  fo  fanben  jene  Obligationen  binnen 
furjer  3eit  willige  Slbneljmer,  au<$  mar  eS  nid&t  mit  großen  ©d&wie* 
rigfeiten  t>erfnüpft,  bie  Qn^aber  berfelben  am  l.  9too.  1809  ju  t>er* 
anlaffen,  bie  oerfallenen  Obligationen  gegen  neue  gleidjlautenbe,  am 
l.  SRooember  1810  fällige,  ju  oertaufd&en.  3)a  eine  9tüdfjal)lung 
an  biefem  Sage  nidf)t  ju  ermöglichen  mar,  metmeljr  weitere  ©etb* 
bebürfniffe  Sefriebigung  erfjeifdjten,  fo  warb  bur<$  9tat§  unb  Sür* 
gerfd&tufc  oom  8. 2lug.  1810  beftimmt,  bafc  neue  Obligationen,  unb 
jwar  bieSmal  im  Setrage  oon  1,300,000  fr,  ausgegeben  werben 
follten.  SDer  3in^f^6  berfelben  warb  auf  5  %  f ^f*9^fcfet ;  jugleiv^ 
würbe  angeorbnet,  ba&  oon  einer  ©idjerfteDung  bur<$  2Be$felt>er* 
pfltdf)tungen  gänjlicl)  Slbftanb  genommen,  unb  an  beren  ©teile  aufcer 
bem  ©apUaloermögen  ber  ©flaoenfaffe  eine  oon  ben  ^iefigen  bür* 
gerlid&en  ßoQegien  unb  ben  mitben  Stiftungen  ju  leiftenbe  Sürg* 
fd&aft  jum  belaufe  oon  minbeftenS  700,000  fr  befteUt  werben  foUe. 
3u  bem  ®nbe  würben  bie  3leltefteu  unb  SSorfie^er  jener  SoHegien 
unb  Stiftungen  jur  Uebernafjme  beSfalftger,  iljren  aSermögenSoer* 
Ijältniffen  entfpredfjenber  93erpfltdf)tungen  aufgeforbert,  unb  iljnen 
fd&on  im  SSorauS  bur<$  9iatl)  unb  Sürgerfdfjlufe  bie  Ermächtigung 
Ijierju  erteilt;  jugteiefc  würbe  ifjnen  für  alles  baSjenige,  was  fie 
etwa  bur<$  wirtliche  SRealifirung  ber  eingegangenen  SSerpflid&tungen 
einbüßen  follten,  eine  @ntf$äbigung  burdf)  neu  auSjuiieUenbe  ©tabt* 
taffenbriefe  jugefid&ert. 


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zedby  G00gk 


111 


Qener  Slufforberung  würbe  in  bcr  SBeife  entfprodjen,  bafe  t)ott 

ben  bürgerten  (Megien 

bic  ^unferfompagnte    .    .    . 

.   für      1000  $ 

bie  Äaufleutecompagme     . 

.     *       8000  * 

ba$  ©dfjonenfaljrercoQegium    . 

.      *      40000   * 

boö  SftoögorobfafjrercoQegium  . 

.      *     150000  * 

ba$  Stigafaljrercpileguun    . 

.     .     *        7000  * 

ba$  Sergenfaljrercollegium . 

.     .     *        8000  * 

bic  Ärämercompagnie    .    . 

.     .      *      20000  * 

bie  ©d)iffergefeQf$aft    .    . 

.     .     *        3000  * 

237000  # 

von  ben  milben  Stiftungen 

ba$  ^eilige  ©eifiljofpital     . 

.     .   für  200000  £ 

ba£  Qoljannteflofter  .    .    . 

.     .     *     100000  * 

ber  ElemenSfalanb   .    .    . 

.     .     *     100000  * 

ba$  @t.  Sfirgenljofpital .    . 

.     .     *       "iOOOO  * 

ba$  SBrigittenftofler  .    .    . 

.     .     *       15000  * 

bie  SBefierauerftiftung    .    . 

.     .     *       40000  - 

bie  Sßardjam'fdje  Stiftung  . 

.     .     *         6000  * 

531000  # 
im  ©efammt  atfo  für  768,000  ^  bie  33ürgfdjaft  übernahmen. 

S)a  l)ierbur<$  bie  anleite  öötttg  geft<$ert  fd)ien,  f  o  ftie jü  beren  Unter* 
bringung  auf  feinerlei  ©djroierigfeit.  2ll£  aber  einige  3Bo<$en  fpäter 
bieÄunbe  Ijierljer  gelangte,  bafe  ber  franjöftfdje  Senat  am  i3.3)ec. 
1810  auf  Antrag  beSÄaiferä  Sftapoleon  befötoffen  Ijabe,  bie  ©d&elbe*, 
2RaaS*,  allein  *,  @m£*,  SBBcf er  ^  6lbe*  unb  Jraoemünbungen  mit 
granfreid)  $u  vereinigen,  entfianb  alsbalb  bie  ^Befürchtung,  bafc 
©ettenS  ber  franjöfifäen  SRegierung  bie  3)arlel)n$fd)ulb  mdjt  aner* 
fannt  werben  mürbe.  $n  golge  hiervon  ftodte  plöfelid)  bie  6ircu< 
lation  ber  Obligationen  unb  e3  föroanb  beren  ßrebit  von  Sage  ju 
Sage.  ,  Stauer  warb  auf  ben  bringenben  Antrag  ber  ßommiffion, 
toetdje  mit  ber  SSerroaltung  ber  ©arlefjnSfaffe  betraut  mar,  burdf) 
©enatöbccret  oom  24.  S)ec.  18 10  ber  SJorftanb  ber  ©flaüenfaffe 
ermächtigt,  ba£  gefammte  Vermögen  berjelben  an  bie  als  Vertreter 
ber  Sn^aber  von  SDartetjnS*  Obligationen  benannten  Äaufleute 
<£.  ®.  3Hüfler  unb  3-  £•  ©acberfe  einzuliefern;  gleichzeitig  rourbe 
ber  SßrotonotariuS  beauftragt,  Üjnen  ni<$t  nur  bie  Sßöfte  ber  ©flauen* 
faffe,  fonbern  anä)  bie  Sßfanbpöfie,  roeld&e  bie  ©oDegien  unb  ©tif* 


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zedby  G00gk 


112 

hingen  in  ftolge  ber  oon  iljnen  eingegangenen  Verpflichtungen 
cebiren  würben,  im  Obern  Stabtbudfje  jujufd&reiben  unb  jwar  mit 
ber  9?ote,  baf$  eine  weitere  Verfügung  über  biefe  Sßöfie  ri\ä)t  otyne 
3JUtwirfung  ber  2)arlel)nScommtffton  gefdjjeljen  fönne.  SMe  3ufd)rift 
ber  oon  ben  Stiftungen  unb  Kollegien  jur  Söfung  tyrer  über* 
nommenen  Verpflichtungen  überwiefenen  Sßfanbpöfte  fjatte  nämlidfj 
oorerft  nur  ben  Qvotd,  in  benfelben  ben  Qnfjabern  ber  5)arlel)nS= 
Obligationen  eine  fpccieDe  §t)pot^ef  ju  befteHen,  wetdje  nur  bann 
angegriffen  werben  follte,  wenn  jur  VerfaQjeit,  am  11.  9too.  1811, 
nid)t  anberwettig  bie  Tilgung  ber  Sdjulb  erfolgen  würbe,  weSljalb 
benn  au$  bis  bafjin  ber  3inSgenufc  ber  ^Jfanbpöfle  ben  Stiftungen 
unb  ©oDegien  infoweit  vorbehalten  bleiben  follte,  als  fie  berfelben 
jur  Slbfyaltung  ber  ifjrtfcn  obtiegenben  Saften  bebürfen  würben. 
Setjr  balb  jeigte  eS  fi<$  jebodf),  baf$  burdf)  biefe  Maßregeln  ber 
Srebit  ber  ftarleljnSobUgaUonen  nidjt  aufregt  erhalten  werben  fonnte, 
unb  bafe  bei  ber  Unmöglid^fcit,  i^re  Sinlöfung  jur  VerfaUjeit  burdj) 
anberweitige  SRittel  ju  betroffen,  ju  beren  Tilgung  baS  gefammte 
Vermögen  ber  Sflaoenfaffe  unb  bie  fämmtUd&en  oon  ben  Stiftungen 
unb  SoQegien  cebirten  Sßfanbpofie  erforberlidf)  fein  würben.  Qtyre 
Verwenbung  für  biefen  3roeci  genehmigte  auf  einen  beSfaUjtgen  in 
Verbinbung  mit  ben  9tepräfentanten  ber  DbUgationSinfjaber  oon 
ber  3)arlefjnScommiffion  gesellten  Antrag  bie  ginanjfection  beS 
bamalS  nodj  prooiforifcl)  beibehaltenen  Senate«  burd)  Verfügung 
oom  13. 9Wörj  181 1.  35ie  ©eneljmigung  war  jeboct)  an  bie  Vebingung 
gefnüpft,  baß  bie  ju  einer  Vefdjtußfaffung  ju  beruf enben  ^nljaber 
ber  Obligationen  ftdj  hiermit  einoerftanben  erflären  würben,  unb 
baß  bie  betreffenben  Stiftungen  unb  ©ottegien  bereit  feien,  ftdj  bie 
Veräußerung  ber  von  i^nen  bis  bafjin  nur  als  Sid&er^eit  cebirten 
Sßfanbpöfte  gefallen  ju  laffen.  SRadfjbem  biefe  leitete  Vebingung 
bur<$  t^eilS  auSbrüdlt<$e,  tljeilS  fiiUfd&meigenbe  Einwilligung  erlebigt, 
unb  bemgemäß  bei  ben  Sßfanbpoften  bie  oben  erwähnte  befdfjränfenbe 
9lote  getilgt  war,  würben  in  ben  ßufammenfünften  fämmtlid^er 
^ntjaber  ber  S)arle^nSobligationen  am  22.  Slpril  unb  3. 3uni  18 11 
folgenbe  Vefd&lüffe  gefaßt: 

l.  „SDie  ©inlöfung  ber  unterm  l.  SHoo  1810  ju  bem  ©efammt* 
„betrage  von  1,300,000  #  ausgegebenen  StafjrtefjnSobligationen  ge* 
„fd&tetjt  fofort  burcl)  beren  2luStaufd)  gegen  Sßfanbpöfie,  meld&e  ent* 
„weber  als  ©gentium  ber  bisherigen  Sflaoenfaffe  ober  in  golge 
„ber  oon  Stiftungen  unb  SoHegien  erfolgten  ßefftonen  jur  S)iS* 


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zedby  G00gk 


115 

„pofttion  bcr  3)arle§n«*©ommifrton  gepeilt  unb  ben  Steprafentanten 
„ber  Obltgation«in{jaber  jugeförieben  pnb.  Slu«  bem  bermaligen 
„öon  bcr  ©flapenfaffe  unb  wn  erhobenen  3^n^en  Ijerftammenben 
„Saffenbeftanbe  bcr  ©arleljn«*gommiffion  erhalten  äße  ^nljaber 
„ber  Obligationen  2%  3wfen  biä  Oftern  1811. 

2.  „diejenigen  3nl)aber,  weld&e  sugletdj  ©djulbner  be«  einen 
„ober  anbem  cebirten  ^fanbpofien«  finb,  fönnen  bamit  in  bcr 
„ SBetfe  compenjiren ,  bafe  biefe  Sßöfte  gegen  (Anlieferung  beren  33e* 
„trog«  in  35arlef)n«obligationen  getilgt  werben. 

2.  „®ie  übrigen  Qnljaber  oertauf<$en  iljre  S)artel)n«obligationen 
„gegen  biejenigen  Sßfanbpöfte,  weldfje  iljnen  tum  ber  ©ommiffton  unter 
„Sßitwirfung  eine«  3lu«fd)uffe«  ber  ^n^aber  werben  jugetfjeilt  werben. 
„SHefe  5ßöfte  werben  iljnen  jum  freien  ©gentium  übertragen  unb 
tt jugefd&rieben  unter  folgenben  33efdjranfungen  in  ber  S)i«pofitton 
„barüber: 

a.  „S)ie  Sßöfte  bürfen  binnen  ber  nädjfien  5  Saljre  gar  nid&t 
„gefünbigt  werben,  infofern  bie  Sßfanbfdfiulbner  bafür  4% 
„3infen  jur  SSerfaüjeU  prompt  bejahen  unb  bie  Käufer  in 
„baulid&em  Suftanbe  unterhalten; 

b.  „in  ben  nädjftfotgenben  5  3ctt)ren  barf  unter  benfelben 
„93orau«fe|ungen  jätyrltd)  nur  ein  fünftel  be«  Sofien«  ge* 
„ffinbtgt  werben. 

4.  „©ammtlid&e  ben  SRepräfcntanten  bcr  Qnfjaber  cebirten 
„^fanbpöfte,  welche  nadj  ooBftänbig  beschaffter  ©nlöfung  ber  ©ar* 
„letynSobligationen  übrig  bleiben,  bilben  einen  @ntfdjäbigung«fonb 
„für  alle  Stäben  unb  Äoften,  weld&e  bie  urfprüngttd&en  Qn^aber 
„ber  3)arleIjn«obligationen  an  ben  oon  t^nen  eingetauföten  Sßfanb* 
„pöflcn  binnen  ber  nädfrflen  io  Saljre  erleiben  motten.  2lu«  bie* 
„fem  6ntfd)äbigung«fonb  fönnen  Sßöfte  umgetauföt  werben,  bie 
„wegen  9Udf)terfüllung  ber  üorbemerften  SJebingungen  geridjtlid) 
„verfolgt  werben  mufften;  aud&  f ollen  au«  ben  2luf  fünften  biefe« 
„6id^er^cit«fonb8  nad)  Slbjug  ber  baoon  abju^attenben  ßafien  unb 
„©ntfdfjäbigungen  jö^rlid^  einige  ber  umgetaufdjten  Obligationen 
„mittelfi  SScrloofung  eingelöft  werben." 

®ie  Verwaltung  be«  @i^cr§eit«fonb«  unb  bie  wlle  33efugm& 
ju  allen  fid>  barauf  bejtetjenben  gerid&tttdjen  unb  au&ergerid)tUd)en 
£anblungen  warb  ben  bi«tjerigen  SRepräfentanten  ber  Qnljaber,  ben 
Äauflcuten  S.  ©.  Füller  unb  3.  §.  ©äberfc,  übertragen,  wetdjen 
babei  jur  Gontrole  unb  befonber«  jur  9tod)fidS)t  unb  Ouittirung 

s 


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zedby  G00gk 


114 

bet  jäljrUdjen  SÖmuniflrattonSred&nung  t>ier  Qn&aber  twn  Obli* 
gationen,  namlidf)  bet  Sßrotonotar  fiemdfe,  8.  &  SReperfief,  6.  §. 
Äurfctjalj  unb  Simon  £affe  beigeorbnet  würben. 

SSon  ben  SRepräfentanten  würben  atebalb  bie  ©djulbner  ber 
sßfanbpöfte  burd)  ein  gebrudtteS  ßtrculair  oon  ber  ^erfon  ifjre« 
neuen  ©läubigerS  unb  von  ben  ©ebingungen  in  Äenntnife  gefefct, 
nad&  benen  bie  SRüdfjaljtung  be$  SßfanbpojtenS  erfolgen  foQte;  gteid^* 
jeitig  würben  bie  ©laubiger  aufgeforbert,  wenn  ein  ©d&ulbner  feiner" 
Verpflichtung  jur  SRüdfjaljlung  nid&t  entfpred&e,  Neroon  ben  SReprfc 
fentanten  2Injeige  ju  mad^en,  bamit  biefe  an  ©teile  jene«  Sßfanb* 
poftenä  einen  anbem  ttberweifen  tonnten. 

3n  ©emäffteit  jener  ©efd&lfiffe  würben  MS  jum3uli  18  n  an 
StorlefjnSobUgationen  eingelöst  burdf)  Tilgung  Don  ^fanbpöfien, 
welche  bie  Eigner  ber  Obligationen  felbft  fd&utbeten,  948,200  £,  unb 
burd&ßeffion  t)on  ^fanbpöften  350,800  ^  jufammen  alfo  1,299,000  # . 
§terna$  blieb  nodf)  eine  Obligation  oon  1000  #  rtidtftänbtg,  welche 
erft  1818  angemelbet  unb  eingelöfl  würbe. 

S)a  ben  SReprafentanten  aus  bem  Vermögen  ber  ©ftauentaffe 
unb  t)on  ben  Stiftungen  unb  Sollegien  Sßfanbpöfie  im  ©etrage  oon 
1,405,850  \#  flberroiefen  waren,  fo  oerblieb  na$  beenbigter  <£in* 
jieljung  ber  Obligationen  an  ^fanbpöjten  nodj)  ein  ©arantiefonb 
oon  105,850  l)  §ierju  famen  72,305  £  ber  ©ttaoenfaffe  ge* 
porige  ©tabtfaffeobligationen  unb  20,000  $  in  ©d&uttwerfd&ret* 
bungen  be£  ©t.  Sinnen  armen*  unb  2Berfl)aufe$.  SHefer  ©arantie* 
fonb,  welker  ben  Qn^abern  ber  eingetauföten  ^fanbpöfte  im  8e* 
trage  oon  350,800  £  bis  jum  3aljre  182 1  in  ber  oereinbarten 
Söcife  atä  ©id&erf)eit  biente,  warb  wäljrenb  ber  ©auer  ber  franjö* 
ftfd^en  £errfd)aft  uon  ben  beiben  SReprafentanten  unter  9Ritwirfung 
ber  ernannten  SRerriforen  ber  SBeftimmung  gemäfe  oljne  anbermeitige 
Stajwifd&enfunft  nerwaltet.  $Rad&  SöieberljerfteDung  ber  früheren 
SSerfajfung  würbe  in  SSeranlaffung  ber  ©enatäbecrete  oom  8.  3uni 
1814  unb  5.  gebr.  1815  aUjityrUdf)  SRed&nung  abgelegt.  Da  im 
3a£re  1821  bie  grift  ablief,  bis  ju  welker  ber  gebilbete  ©arantie* 
fonb  ben  Qn^abern  ber  S)arle^nSobligationen  atö  ©td&er&eit  für 
bie  tynen  cebirten  Sßfanbpöfte  bienen  foQte,  fo  würbe  burdj)  beeret 
oom  23.  äugufl  1820  eine  au$  SRitgliebern  beS  Senat«  unb  ber 
JBiirgerjd&aft  gebilbete  gemeinfame  Sommiffton  niebergefefct,  um  bie 
Verwaltung  jene«  gonb«  ;u  übernehmen  unb  bie  gän }Ud&e  ©eenbi* 
gung   ber  Angelegenheit  Ijerbeijufüljren.     Von    berfelben  würbe 


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115 

utitcrm  22  Sept.  1820  eine  öffentlid&e  33e!anntmad>ung  erloffen, 
in  weiter  fie  baran  erinnerte,  bafe  bie  ©ntfdfjäbigungSanfprüdfje  ber 
oormaligen  Snfyaber  wn  StorletynSobligationen  an  ben  ©id&er* 
IjeitSfonb  für  bie  ilmen  übermiefenen  ^fanbpöfie  mit  Dflern  unb 
Rannte  1821  t)on  felbft  aufhörten,  audf)  biebarauf  fid&  bejieljenben 
9toten  unb  Sorbeljalte  als  unrotrffam  n>egfielen  f  infofern  nid&t 
etwaige  ätafprüd&e  in  ben  gebauten  Serminen  geltenb  gemalt  feien 
unb  nadfjgemiefen  merbe,  bafe  eine  Äünbigung  ber  ^fanbpöfte  ep 
folgt,  beren  SRüdfjaljlung  aber  nid&t  ftattgefunben  §abt.  3n  gotge 
Neroon  mürbe  oon  ben  übermiefenen  ^Sfanbpöfien  ein  ©etrag  twn 
74,600  b  getünbigt,  bo$  marb  nur  für  ad)t  $öfte,  bie  ft$  jufammen 
auf  15,800  #  betiefen,  ber  ©idf)erf)eit$fonb  in  3tafprud)  genommen, 
gür  benfelben  entftanben  tjierauä  nur  geringe  SSerlufte,  ba  bie 
fd&liefclidfje  Slbmidftung  günftig  oerlief.  ©leid&jeitig  mürbe  oon  ber 
gommiffion  auf  eine  Siquibation  be£  iljr  übermiefenen  ©id&er* 
tyeitäfonbS  Sebad&t  genommen.  Qu  biefem  Seljufe  mürbe  für  eine 
pünttlidfje  Seitreibung  ber  3mfen  unb  9RietI)en  geforgt;  bie  Stegrefc* 
forberungen  an  Sebitmaffen  unb  an  einzelne  ©dfoulbner  megen  er* 
Uttener  SSerlufte  beim  SSerfauf  t>on  ©runbftüdfen,  bei  benen  bie  auf 
i^nen  ruljenben  Sßfanbpöfte  nid&t  jurüdf  bejaht  roaren,  mürben 
überaß  geltenb  gemad&t,  fobalb  na<$  forgfältiger  Unterfud^ung  3lu8* 
ftdfjt  auf  ©rfolg  oorljanben  fd&ien,  bod)  marb  hierbei  ftet$  ber  3Beg 
ber  gütlichen  Unterljanblung  ber  rüdffid)t$lofen  Slnmenbung  geriet* 
lid&er  3roang3majsregeln  oorgejogen.  3)ie  bem  @ntfd&abigung$fonb 
angefaflenen  Käufer  fud&te  man,  fo  gut  e$  anging,  ju  pertaufen. 
3u  bem  6nbe  mürben  biefe  ©runbftüdfe  unter  3uJie!Jun9  °ön  Sau* 
oerftänbigen  ^infid^tlid^  \fyctS  baulid&en3ufianbe£  unb  tyre$bamaU* 
gen  aaBert^eö  genau  unterfudjt,  bie  für  notfjmenbig  erad&teten  9tepa* 
raturen  mürben  nerfügt  unb  aisbann,  nadfjbem  juoörberft  ber  öffent* 
Üd&e  Verlauf  ju  einem  angemeffenen  ©infame  unb  unter  mögtid&ft 
erletd&ternben  Sebingungen  meifienS  o^ne  ©rfolg  perfud&t  mar,  bie 
©runbftüdfe  unter  ber  £anb  »erlauft;  nur  jroei  Käufer  im  ®e* 
fammtmert^e  oon  4000  &  ermiefen  fid&  als  unperfäuflidf). 

©d&on  nad&  einem  Saljre  mar  bie  ©ommifjton  in  ber  Sage, 
iljre  ©t^lufered&nung  bem  ©enate  ju  überreifen;  jufolge  berfelben 
befafe  bajumal,  nad&bem  alle  Stnfprüdfje  ber  ^nfjaber  oon  Storlednä* 
Obligationen  erlebigt  maren,  ber  ©id&erljeUSfonb  ein  Vermögen  t>on 
168,312  $  8  Vt  18.    S)affelbe  beftanb; 

8* 


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zedby  G00gk 


116 

aus  ^fanbpöfien  im  Setrage  t>on  69,020  A  —  (8 

in  jroei  Käufern  im  SBcrt^c  oon  4,000  *    —  * 

in  ©tabtlaffeobligationen  oon  .    .  72,305  *    —   * 

unb  in  baarem  ©elbe  t>on  .    .    .  22,987  *  81/*  « 


168,312  #  81/»*- 
3n  biefe  Sted&nung  war  nid^t  aufgenommen  bie  20,000  #  be* 
tragenbe  ©d&ulb  be$  „armen*  unb  2Berff)aufe3  ju  6t  2tnnen", 
obgleich  baffelbe  mit  bem  Vermögen  ber  ©Kaoenf äffe ,  ber  jene 
gorberung  iuflanb,  bem  ©id&erljeitafonb  ün^aljre  1811  fiberariefen 
mar.  ©8  gejd&al)  fold&eS  in  ©emäfe^eit  eines  ©enatebecrete«  oom 
3a^re  1817.  311$  nämlidf)  in  biefem  Sa&re  bie  Stepräfentanten  ber 
Qn^aber  ber  Starletynöobligattonen  oon  ber  Verwaltung  jener  ©tif* 
tung  bie  in  ben  auägeftettten  Obligationen  uerfd&riebenen,  bisher  nid&t 
berichtigten  2!/2  %  S^fen  begehrten,  berief  ftd&  bie  ledere  barauf, 
bafe  ber  ©llaoenfaffe  im  Safjre  1795  burdfj  SRatlj*  unb  ©ürgerfdfjlufe  bie 
Verpflid&tung  auferlegt  roorben,  bem  Sirmen*  unb  ©erlaufe  aDjäljr* 
U6)  3000$  ju  bejahen,  bafe  biefe  3a&lung  feit  bem  Qa^re  1811  rfidf* 
flänbig  unb  bafe  Ujr  Ijierburdfc  eine  gorberung  ertoadjfen  fei,  meiere  bem 
betrage  ber  alten  ©dfoulb  entfpred&c  unb,  in  ©egenred&nung  gebraut, 
biefelbe  tilge.  3)iefe  Darlegungen  waren  oom  ©enate  als  ju* 
treffenb  anerfannt,  bod^  mar  bie  SRüdtgabe  ber  ausgefeilten  Obli* 
gationen  an  bie  Sorfte^erfd^aft  be£  armen*  unb  SBerfl&aufe«  bisher 
ntd&t  erfolgt 

3n  bem  Verid&te  oom  15.  5ttug.  1822,  mit  meinem  bie  ©om* 
mifjton  tyre  2tbred&nung  begleitete,  rourbe  oon  tyr  barauf  tynge* 
roiefen,  bafc  bie  ©ollegien  unb  Stiftungen  jur  Tilgung  ber  Dar* 
le^nöobligationen  nur  fooiel  Ijerjugebeu  Ratten,  al«  jur  oollftänbigen 
©nlöfung  berfelben  nadf)  2lbjug  be$  baju  junädfjft  angemiefenen 
Vermögens  ber  ©flaoenfaffe  erforberlid^  fein  werbe,  unb  ba&  ballet 
jebeö  ©oQegium  unb  jebe  Stiftung  oon  bem  verbliebenen  Ueber* 
fd&uffe  iljren  3lntfjeU  nadj)  SRa&gabe  be3  geteifteten  (Sinfd&uffeS  ju* 
rfidff  orbern  lönne;  audf)  warb  baran  erinnert,  bafc  benfelben  für  bie 
eingetretenen  SJerlufte  bie  2lu$l)änbigung  oon  breiprocentigen  ©tabt* 
laffeobttgationen  jugeftc&ert  fei.  hierbei  warb  aber  bie  befümmte 
3uoerft$t  au$gefprod&en,  bafs  fowoljl  bie  Stiftungen  als  audji  bie 
©oHegten  auf  jeben  9tegre&anfprud&  an  ben  Staat  t>erjidjjten  wür* 
ben,  ba  fie  bie  ju  patriotifd&en  3roedfen  gemachten  äufwenbungen 
längft  oerfd&merjt  Ratten,  unb  ba  eine  ©eltenbmad&ung  UjreS  Stentes 
bie  o&neljin  f$ou  fo  großen  finanjiellen  Verlegenheiten  be8  Staate« 


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zedby  G00gk 


117 

auf  eine  Ijödfjft  btüdfcrtbe  Seife  üermefyren,  unb  bie  bisher  mit  ®r* 
folg  burd&gefüljrten  ajtofcregeln  jur  allmäljlidjen  SKbbürbung  ber 
fdfjmeren  Sdfjulbenlaft  mannigfadf)  uermefjren  unb  in  ifjren  SBirfun* 
gen  oer^ängnifeoott  ftören  würbe;  ja  e$  würbe  fogar  ber  Hoffnung 
SuSbrucf  gegeben,  bafc  bie  Verwalter  ber  Sollegien  unb  Stiftungen 
in  bemfelben  gemeinnützigen  Sinne,  mit  bem  fie  bem  Staate  in 
ben  Briten  fjödftfter  Vebrüdfung  ju  feiner  9tettung  be^ülfUdj  ju  fein 
ftd&  beeifert  t)ätten,  audfj  feinen  SKnfianb  nehmen  bfirften,  auf  bie 
3urü(fforberung  be3  auf  fie  entfaHenben  Dcr^ältnifemäfeig  Keinen 
2lntf)eite  an  bem  Sidfjert)eit£fonb  ju  uerjidfjten,  wenn  baburdf)  ein 
für  ben  ©taat  wohltätiger  3roecf  Ju  streiken  fei.  211$  einen 
folgen  bejeidjnete  bie  Sommiffton  bie  Verbefferung  ber  Stedhufc* 
fafjrt,  bie  bamalS  von  ber  Äaufmannfcljaft  fefjnlidjft  gewünföt 
nmrbe  unb  ju  beren  Sluäfülirung  bereits  Vorarbeiten  unternommen 
waren. 

S)iefer  Veridfjt  gab  iem  Senat  Verantaffung,  unterm  31.  8lug. 
1822  bei  ber  Vürgerfd&aft  ju  beantragen: 

bog  bie  Sdfjlu&redfjnung  als  richtig  anjuerfennen  unb  bem* 
gemäfe  bie  bis  baljin  beftellt  gewefene  SHbmtniftratton  unter  2ln* 
erfennung  ifjrer  uielfälUgen  Vemüfjungen  unb  iljrer  rütymlid&en 
Sorgfalt  aller  weiteren  Verpflichtung  unb  Verantworttidjfeit  ent* 
fliegen  werbe, 

bafe  ber  SßrotonotariuS  ju  beauftragen  fei,  mit  ber  Tilgung 
ber  annodf)  bei  fünfunbfünfjig  ©tabtbud&gpöflen  uerjeid&neten,  feit 
Rannte  182  i  aber  gänjtidfj  unwirffam  geworbenen  -Jtoten  mm 
3lmt$wegen  ju  oerfa^ren, 

bafe  bie  Sdfjutbperfd&reibungen  be3  ©t.  2Innen  2lrmen*  unb 
SBertyaufeS  über  bie  im  Qafjre  1795  oon  ber  Sflaoenfaffe  an* 
geliehenen  ©eiber  bemfelben  früherem  Vefdjjluffe  gemäfe  jurüdf- 
gegeben  würben, 

unb  bafe,  unter  twrauSgefefcter  Verjid&tteiftung  üon  Seiten 
ber  beteiligten  Stiftungen  unb  (Sollegien  auf  alle  weiteren  2ln* 
fprüd&e  an  ben  nodfj  oor^anbenen  SicberfjeitSfonb  unb  an  bie 
Stabt,  ber  gefammte  Salbo  aus  ben  2)ar(ef)n£obligationen  unb 
$>arlef)n$medfjfeln,  nadf)  SStbjug  ber  an  bie  Sd(julbcnregulirung£* 
commiffion  jur  gänjltd&en  Tilgung  abjugebenben  Stabtfaffeobli* 
gationen  jum  belaufe  t>on  72,305  $,  bem  ginanjbepartement  jur 
fünftigen  Verwenbung  für  bie  Verbefferung  ber  Stedfniftfa^rt 
mit  ber  ermäd^tigung  ju  überweifen  feif  be$  oorl>anbenen  unb 


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zedby  G00gk 


118 

tto<$  au  geminnenben  baoren  ÄaffenbejtanbeS  fid)  einftoetlen  t>or* 

fd^ufetoeifc  jur  Seftreitung  bcr  Saufoften  für  bie  in  ÜJtotöling  jur 

aufnähme  für  bic  aus  bcr  Stabt  verbannten  Quben  ju  errief* 

tenben  Käufer  ofjne  3wfen  ju  bebienen. 

S)icfem  Slntrage  erteilten   bie  bürgerlichen  ©offegien  unterm 

2.  SWot).  1822  tyre  3wfttmmung;  gleidjjeitig  verjidjteten  biefelben 

für  bie  von  tynen  im  Qaljre  1811  hergegebenen  (Selber  auf  aße 

Slnfprüd&e  an  ben  Staat  unb  an  ben  ©id^er^eitöf onb.  StteÄrämer* 

fompagnie  fnüpfte  an  Ujre  3uftimmung  jebo<$  bie  Sebingung,  ba&, 

rotnn  fte  t>on  ben  Segataren  wegen  ber  avß  tyrem  Seflamenten* 

fonb  entnommenen  16,000  #  in  5lnfprud()  genommen  werben  foßte, 

fte  bieferljalb  oon  ber  (Sentralarmenbeputation  vertreten  merbe. 

5Die  Qunferfompagme,  bie  nur  nod)  au$  jroei  SDHtgliebern,  bem 
Senator  o.  ©w£  unb  bem  ©utöbeft^cr  o.  £einfce,  bejianb  unb 
beren  SSotum  beSljalb  ruljte,  warb  burdj  ein  eigene«  Senatöbecret 
aufgeforbert,  wegen  ber  von  iljr  hergegebenen  1000  b  eine  gleiche 
SJerjidjtletfiung  au$jufpredf)en.  S)a  fie  bajumal  ber  3ßtrentienfd(ien 
Stiftung  eine  größere  Summe  fd&ulbete  unb  feine  üJttttel  befafe,  um 
biefelbe  ju  benötigen,  fo  erteilte  fic  erft  bann  i^re  ßinnriflgumg, 
ate  jene  Stiftung  iljrer  gefammten  gorberung  entfagt  Ijatte. 

3fac$  bie  milben  Stiftungen,  roeldje  im  auftrage  be£  Senates 
burd)  bie  ©entratarmenbeputation  ju  einer  gleiten  SSerjidjt* 
leifhmg  aufgeforbert  mürben,  jögerten  nid&t,  bem  ©eifpiele  ber 
bürgerltd&en  (Soflegien  ju  folgen,  ba  audf)  fie  e8  als  i^re  $fUd)t 
anerfannten,  bem  Staate  in  feiner  bamaligen  bebrängten  finan* 
jieDen  Sage  jur  §ülfe  ju  lommen  unb  ü>m  feine  neuen  Sd&nrierig* 
feiten  bei  ber  Orbnung  berfelben  ju  bereiten. 

S)a  tyernacfc  bem  Staate  ein  freies  SkrfügungSredjt  über  ben 
gefammten  S3eftanb  be£  Sid&erljeUSfonbS  jufianb,  fo  warb  bie  6om* 
mtffton,  meldte  bisher  bie  SBerroaltung  geführt  Ijatte,  burdj  ©ecret 
oom  2.  Slpril  1823  beauftragt,  benfelben  bem  ginanjbepartement 
ju  überliefern.    2)iefe£  empfing: 

an  Stabtfaffenobligationen     .    .    72,305  #  —  f! 

an  Sßfanbpöften 67,820  *  —  * 

in  jroei  Käufern  einen  SBertlj  von     4,000  *  —  * 
in  baarem  Selbe 27,091  *  V»  * 

jufammen  171,216  #  V*  #• 
SDie  Stabtfaffenobligationen  mürben  atebalb  vernietet,  ba$ 
baare  @elb  jutn  Aufbau  ber  3Rot8ttnger  Käufer  vermanbt  unb  bie 


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zedby  G00gk 


119 

*ßfanbpöfie  für  bic  beabftdjtigte  Serbefferung  be$  Stedtnitfanat* 
aufbewahrt,  bie  oon  iljnen  eingel)enben  3wfen  a&e*  &er  foufenben 
3aljre$red)nung  gutgefd&rieben.  3U  cine*  Serbefferung  beS  ©ted* 
mfcfanatö  ift  e3  nid)t  gefommen,  ba  bie  ©tabt  nid)t  im  ©tanbe 
war,  bie  grofeen  hierfür  erforberltd&en  ©elbmittel  aufjubringen;  e$ 
oerbiieben  baljer  bie  Sßfanbpöfte,  foroeit  fie  nid^t  oon  ben  (Signern 
ber  betreffenben  $äufer  gefünbigt  unb  iljr  Setrag  atöbann  jur 
Tilgung  ber  alten  ©d)ulb  oermanbt  würbe,  im  93eftfe  ber  ©tabt* 
faffe;  nod)  jefct  ftnb  oon  benfelben  jroölf  Panbpöfte  im  Setrage 
Don  21,600  #  oortjanben,  bie  fämmtlid)  im  ©tabtbucfc  auf  bie 
S)arleljn$commiffton  gefdfjrieben  finb.  SBegen  iljrer  Umfd&rift  auf 
ba$  ginanjbepartement  finb  in  neufter  3cü  Anträge  an  ben 
Senat  gerietet  roorben.  S)a  biefer  l)ierju  feine  3uftimmung  erteilt 
l>at,  fo  wirb  bie  ganje  Slngelegentyett  noc$  oor  beginn  be8  3a\)xt% 
1881  }um  enblidjen  Slbfd^luffe  gelangen. 


M  a  d)  t  r  ö  g  e. 


L  JJu  bem  Huffa^e  über  bie  Heginettcotttiettie.    3n  bem  auf 

bem  ©taatöardtfö  befinblidjen  ©jemplar  ber  „Lubeca  religiosa*4 
beS  ©enior  t)on  3Me  ift  bie  2lbfc$rift  einer  t>om  Statte  am  25. 
Slpril  1438  erlaffenen  Seginenorbnung1)  enthalten.  9tad&  berfelben 
fonnten  nur  unbefd&oltene  grauen  unb  Jungfrauen  aufnähme  in 
ben  6om>ent  erlangen.  2ln  ber  geftlidtfeit,  meldte  am  $age  be3 
©ntrittS  einer  neuen  Segine  fiattfanb,  burften  ifjre  Serroanbten 
unb  greunbe  nur  in  geringer  &a\)l  tfjeüneljmen,  fie  mufeten  um 
9Rütemadjt  ben  ßonoent  räumen.  3lur  mit  ©eneljmigung  ber 
üWeiflerin  mar  e8  ben  Seginen  geftattet  ben  ßonuent  ju  Perlaffen, 
unb  roarb  i^ncn  atebann  jebeämal  eine  Segleiterin  beigegeben  unb 
jroar  ber  jungen  eine  alte  unb  feine  anbere,  bod)  fonnten  SWutter 
unb  Jodjter,  roenn  fie  ju  gleicher  3eit  im  ßonoent  waren,  ofjne 
weitere  Segleitung  gemeinfam  aitögefym.  S)e$  8benb$  mu&ten  bie 
Seginen  um  fieben  Ufjr  im  ßonoente  jurüd  fein;  nur  menn  fie 
SHenfie  ate  Äranfenmärterinnen  leifteten,  mar  Neroon  eine  2lu$* 


l)  2)iefelbe  toirb  im  nädtften  Stonbe  beS  ttttbediföcn  Uttunbenbudß  ab« 
gebrudt  »erben. 


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zedby  G00gk 


120 

nannte  geflattet.  Sm  gafhtadjtabenb  würbe  ber  ®onocnt  fd&on  um 
nier  UI)r  geföloffen.  3um  aSerlaffcn  bcr  ©tabt  mufeten  aufeer  bcr 
aWeiftcrin  au<$  bic  SBorflefjer  Ujre  ©eneljmigung  erteilen.  93eginen, 
roeld&e  fu$  ber  Drbnuttg  nid^t  fügten,  bie  SReifterin  fälfd^Hc^  an* 
föulbigten  ober  ftd)  einem  lieberlidjen  Sebenäioanbel  ergaben,  waren 
aus  betn  (Sonnente  auäjufc&liejjen.  Sie  oerloren  atebann  baä  ®elbf 
roeldjeS  fie  etngebradjt  Ratten,  au<$  burften  fie  fortan  nidjt  me^r 
bie  Äleibung  einer  Segine  tragen,  $infid)tUd)  biefer  Äteibung  ift 
in  einem  Spätem  3*tfa&  ju  jener  Orbnung  beftimmt: 

Item  so  schal  nene  Beghine  dreghen  snorde2)  rokke 
under  edder  baven,  offte  kraghede  hoyken,  snorde  scho, 
witte  offte  vale  scho,  pattynen3)  edder  klapglotzen,4)  corallen- 
viftige5),  noch  yenighe  andere  werlike  tzyringhe,  vnde  ok 
nenerleye  remen,  men  witte  lynnene  ghordele,  suchte  kleder 
unde  suchte  peltze  mit  Witten  ecgen6)  unghesnoret,  knopede 
swarte  scho  unde  botzen7)  scholen  se  dreghen.  Se  scholen 
ok  buten  huses  nenewys  mit  mutzen  ghan  offte  unghedoked, 
men  se  scholen  alleweghe  ghedoket  ghan,  under  myt  huven, 
unde  gekyndoket,  unde  darto  ere  hoyken  vorwart  to  holden, 
sick  temeliken  to  bedeckende. 

2.  JJu  bem  Huffa^e  über  bie  Sacramrntfiljäufidjfn  uttferer 
Utrdjen,  3m  S)ome  ift  ba$  SacramentS&auSd&en  erft  nad)  bem 
3al?re  1484  errietet  roorben,  ba  $anS  Äqnt  in  bem  Seflamente, 
meldte*  er  in  jenem  ^atjre  errichtete,  beftimmte: 

Item  to  deme  Dome,  to  deme  nyen  Sacramenteshus  geve 
ik  enen  Rynschen  Gulden  unde  enen  Grapen. 


IV. 

®$tlberungen  £übecf$  in  älteren  9tetfef>ef$retf»tngen. 

93on  Dr.  «b.  $ad). 


(§!$  ift  nid)t  unintereffant ,  au3  älteren  SRcifebefdjreibungen  bie 
barin  enthaltenen  Säuberungen  unferer  ©tabt  jufammenjuftenen. 

*)  mit  ©djnüren  »eruiert.  8)  Slofcnftänje. 

8)  W*  3ftauenjd?u$e.  •)  einfaffung. 

)  ^oljfd^e.  7)  grobe«  ©dju^wert. 


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zedby  G00gk 


121 

3Wag  aud),  wo  foldfje  Steifen  ber  3*ü  nadfj  nur  burd)  roenig  Qalire 
getrennt  finbf  in  ber  äußeren  unb  inneren  spijpftognomie  Sübedte 
faum  eine  Slenberung  roatyrjuneljmen  gemefen  fein ,  unb  bafjer  eine 
gemiffe  ©nförmigleit  ju  befürchten  fielen,  fo  übt  bodfo  nrieberum  ber 
uerfd&iebene  ©tanbpunft,  wetzen  bie  einjetnen  Steifenben  bei  ifyren 
äufjeidjnungen  einnehmen,  ber  National--  unb  StammeSunterfd&ieb, 
foroie  baÄ  ©injelintereffe,  t>on  meld&em  au«  fie  bie  grembe  über* 
fjaupt  unb  bie  ipanfeftabt  an  ber  $rat>e  inSbefonbere  auffaffen  unb 
beurteilen,  einen  9teij  auf  ben  Sefer  au«.  $>tefer  (Sinbrucf  wirb 
bann  nodj  erf)ö£t  burdfc  bie  lleberjeugung,  baß  jene  Säuberungen, 
eben  weit  fte  junädbft  nidf)t  für  We  DeffentUd&fett  befHmmt  waren, 
ben  unmittelbaren  ©nbrudf  in  oottfter  $reue  rotebergeben,  bie 
SÄuffaffung  be$  ©d&reiber«  ungetrübt  burdf)  irgenb  roeld&e  Stüdtfid&ten 
abfpiegeln.  ©aß  nid&t  äffe  nad&fieljenben  SKuSjüge  von  gleidjem 
SBert^  ftnb,  nimmt  bem  ^ntereffe  nidjtS,  unb  aud&  ba8  minber  Sin* 
jieljenbe  !ann  immerhin  jurSrgänjung  unb  Erläuterung  beSUebri* 
gen  bienen. 

1.    Samuel  Bifdjrl  oon  01m.   1586. 

3u  Ulm  1563  geboren,  mürbe  Äied&el,  ber  burd)  gtüdflidje 
SermögenSuerfyältmffe  ganj  unabhängig  gefteflt  mar  unb  feinen  be- 
ftimmten  SebenSberuf  gewählt  ju  t)aben  fdjeint,  fd&on  fe^r  frül)  t>on 
lebhaftem  SBHffenäbrange  jum  Steifen  getrieben,  ©iner  Steife  nad) 
granfreiefc  folgte  einige  $atyct  fpäter  eine  Äreuj*  unb  Ouerfatyrt 
burdfj  bie  alte  3Belt,  beren  (Srgebniffe  er  in  einer  £anbf<$rift  fol* 
genben  $Uel£  nieberlegte: 

Kurzer  Bericht  unnd  Beschreibung  meiner  Samuel  Kiechel 
von  Ulm  gethonen  Heys  von  23.  May  des  1585  jars  büs  uff 
ultimo  Juny  anno  89  erstlich  von  Ulm  us  nach  dem  könig- 
reich  Beheim  und  dann  fortan  in  andere  königreich,  lanndt 
und  stött;  volgendts  die  reüs  von  Vönedig  aus  nach  dem 
heüligen  landt  gen  Jherusalem  durch  Samariam,  Galileam, 
durch  das  königreich  Syriam,  Halepo,  Cipro,  Ägipten,  zu 
sant  Catharina  oder  uf  denn  berrg  Synai,  ittem  in  das  könig- 
reich Candiam,  nach  Rhodis  neben  andern  insuln  des  Arci- 
pelagi,  wie  auch  nach  Constantinopoli  unnd  mer  ortenn  inn 


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122 

Levanntte,  wölche  ich,  gott  zum  höchsten  gedanct,  glicklich 
durchzogen,  verricht  und  zum  ende  gebracht  habe.1) 

am  i.  Januar  1586  reift  er  oon  3Wünftet  ab  unb  gelangt 
bei  anljaltenbem  ©<$neeroettet  unb  jftengem  groft  über  D^nabrüd, 
Bremen  unb  Stabe  am  10.  Qanuar  nad)  Hamburg,  beffen  er  gar 
nidjt  weiter  ermähnt ,  obgleid)  er  bort  einen  Jag  ftitt  gelegen  tyxt 

Denn  vi  düs  zu  müttag  fuehr  ich  zu  schütten  hünweg, 
uf  wölehem  unser  neun  personen  sassen,  und  der  fuehnnan 
wahr  düe  zehende,  müt  dreyen  pferten,  hatten  sehr  gut  ge- 
bahnten weeg,  kamen  des  abents  in  l  dorff  genant  Holden- 
kling,2)  einem  vom  adl  gehörig,  aldo  wür  yber  nacht  bliben; 
ist  von  Lüböckh  5  meyl. 

Denn  13  düs  morgens  früeh  hünweg  ward  der  weg  so 
glatt  und  hehl,  das,  wo  es  ein  wehnig  abwärts  oder  ableeg, 
such  der  schütten  gleich  uff  ein  seytten  begab,  das  er  unns 
eher  als  in  einer  stundt  zweymal  umbstürzt.  Kamen  uf  denn 
müttag  gehn  Lyböckh,  wölehes  5  meil  vom  nachtleger.  Denn 
14  düs  morgens  früeh  güeng  ich  hünaus  nach  dem  hafen, 
wöleher  2  meyl  von  der  statt,  Tramin3)  genannt,  ein  dein 
offen  stättlin,  gemelten  herrn  von  Lübeckh  gehörig;  doselb- 
sten  ist  das  blockhaus  wüe  auch  die  lucern4)  zu  sehen,  in 
wöleher  düe  nachtlüehter  gebrant  werden,  domüt  sich  düe 
schiff  in  der  seh  wüssen  darnach  zu  verhalten,  es  müessen 
düe  grosen  schiff,  wölche  uf  dem  arm,  der  von  do  nach  der 


*)  $>ie  Steifen  be*  ©amueUliedfel.  herausgegeben  üon  Dr.  Ä.  2X  §as$ler. 
SMbliotfjef  beS  littcrartfdjen  Vereins  in  Stuttgart,    öanb  86.   Stuttgart  1866. 

2)  $öltenflinfen  (gemitynlta)  5?lm!en)  abiige*  Gut  an  ber  öarnifc,  ca.  6 
Mil.  mm  Dlbeäloe,  roeldjeS  neben  bem  ^aupt^ofe  au$  bie  örtfdjaft  Ättnfcn 
umfafjt.  Saffelbe  befanb  fidj  feit  1560  im  «efifce  be*  Amtmannes  $u  ©ottor*>, 
SRorifc  ftanfcau  311  §anerau.   (©gröber  Sonographie  oon  £olftein  s.  v.) 

3)  =  Iraocmünbe.  Xcx  sJieifenbe  fyat  ben  Namen  gefdjrieben,  roie  tyn 
ba*  SBolf  auejpradj.  )lo$  tyeute  tann  man  bei  beuten,  welche  ftdj  be$  $latt.- 
beutföen  al*  Umgangäfpractye  bebtenen,  baä  Söort  „Xramünn"  als  $e3eitt> 
nung  für  ba$  6täbtd>en  am  Sluöfluffe  ber  Xraoe  bören. 

4)  $er  Üeudjtttyurm  fear  1539  neu  erbaut,  nadjbem  ber  früher  »or^anbene 
1534  oon  ben  fcolfteinern  jerftbrt  toorben  mar.  9ia$  ber  Slufaeic^nung  im 
älteften  Üämmcreibua^e  (l'üb.  Urf.  23.  II,  <S.  1080)  custodi  lucerne  in  Travene- 
munde  dabimus  annuatim  XXIUI  solidos  ....  beftanb  ein  £eu$tfeuer  fdjon 
jmifc^en  1316  unb  1338.  £arnad>  ift  örautoff  §ift.  ©Triften  I,  181  ju 
berichtigen 


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123 

statt  geth,  nicht  inlaufen  oder  weytter  fahren  könden,  such 
dahtin  legen,  düe  güeter  doselbsten  us  und  innladen.  Von 
do  güng  ich  des  tags  wüder  nach  der  statt. 

Lyböckh,  ein  mechtige,  vöste,  wolerbaute  und  eine  von 
den  4  stötten  des  reichs,  in  wölcher  strenge  und  ernstliche 
justitia  so  wol  dem  reichen  als  den  armen  gehalten  würt, 
dann  sich  eben  dozumal  ein  handel  mütt  einem  holsteinischen 
edlmann,  düe  Ranzau  genant,  ohngevahr  des  stattlichsten  ge- 
schlecht s  im  landt,  wölcher  einen  brauersknecht  uff  denn  todt 
gestochen,  gefencklich  eingezogen  wurde.  Do  er  nun  inner- 
halber 14  tagen  und  wehnig  stunden  gestorben  wehre,  hette 
er  müessen  vermög  der  statt  recht  das  leben  lassen.  Ge- 
melte  statt  hat  auch  vül  handlung  gögen  Dennemarckh, 
Schwödenn,  Danzüg  und  Lüflandt,  sein  auch  sehr  mechtig  zur 
seeh,  als  süe  sich  im  krüeg  zwischen  beden  hüebey  gemelten 
königen  erzegten  und  bewisen.  Es  pflegen  auch  ihre  schif 
järlichen  in  Spania,  Portugal  und  andern  fernen  orten  zu 
seglen,  es  würt  hün  und  wüder  an  underschidlichen  orten 
sehr  vil  geschüz  in  sondern  dozu  verordneten  heüsern 
gesehen. 

Stie  halten  einen  strengen  process  gögen  ihren  bürgern:5) 
wan  einer  von  einem  frembden  schuldtforderung  halber  für 
der  obrigkeüt  verclagt  würt,  mues  er  eintwöders  in  kurzen 
tagen  bezalen,  genügsame  caution  thuen,  wo  nicht  der  müttl 
eines  vorhanden,  würt  er  dem  nachrichter,  wölchen  man  den 
böttl  nennt,  bevolhen,  welcher  dann  alle  rathstag  uf  dem 
haus  sein  mues.6)  Der  beleitett  in  düe  bötely,  do  andere 
dergleichen  leüth  mehr  sein.  Nun  würt  der  nachrichter  an 
denen  orten  von  andern  leithen  nicht  gescheit  oder  abge- 
sondert, als  wol  bey  unns  beschicht,  dann  er  geth  zu  gesell- 
schafften und  ztinften,  süzt  neben  er  liehen  leüthen  zu  tusch, 


ö)  $gl.  lieber-,  ©ctft*  unb  Stypetfatiomöerictytaorbnung  (abgebrudt  fyinter 
ber  3olio*Shi30abe  beS  6tabtre$tS  von  1728.  2ln$ang  ©.  17)  2lrt.4:  3ft  im 
©aftrettyt  SBeflagter  unfer  93tirger,  unb  erjctyeint  (auf  bie  Eabung),  (o  foU  nad) 
©aft*®eridjtä=©ebraud}  föleunigfi  auf  feine  ©üter  jprocebirt;  erfdjeint  er  aber 
ni$t,  atöbann  enttoeber  auf  beffelben  ©uter  in  contumaciam,  ober  gegen  bie 
^erfon  ad  capturam  »erfahren  »erben. 

•)  Ueber  bie  ©eföitye  be«  Sro&n  in  früheren  3eiten  t>gl.  Neue  £ttbectifd>e 
Rätter  1840,  206. 


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124 

yedoch  hat  er  sein  besonder  trinkgeschtir,  und  das  noch 
mehr,  wan  ettwan  ein  gesellschaft  such  befündt  von  bürgern 
und  andern  ehrlichen  leüthen,  gelin  süe  zu  ime  in  sein  be- 
hausung,  bey  ime  zerenn,  dann  er  büer  zu  schenckhen  pflegt;7) 
wölchs  bey  unns  ein  selzam  aussehen  haben  würde,  aber 
landts  art,  landts  manir.  Es  hat  zu  Lüböckh  ein  stifft  oder 
bistomb,  bün  aldo  in  düe  9  tag  still  gelegen,  eh  ich  gesell- 
schafft bekam,  in  Dennemarckh  zu  reüsenn.  Denn  24  düs 
vormüttag  fuehr  ich  zu  gutseben  von  do  hünweg  neben  einem 
rosskamm,  einem  kaufmann  von  Hamburg  und  einem  Denne- 
märker,  kamen  des  abents  in  ein  dorf  im  landt  zu  Holstein, 
genant  Rotmansdorf,8)  aldo  wür  düe  nacht  geblieben;  ligt 
von  Lüböckh  6  meyl. 

2.    JWidjael  Brandt  oon  Frankfurt  a/&   1590. 

%tar\üf  1569  geboren,  So^n  eine«  $fat*er«,  bejog  1584  bie 
Untoerfttät  granffurt  jum  ©tubium  ber  Geologie,  mußte  biefelbe 
jebodf)  fd&on  im  folgenben  Satyt  wegen  be«  äuäbrudje«  ber  $efi 
uerlaffen,  unb  ging  auf  Steifen  nad)  Sßien.  9Son  bort  jurfitfgefef>rt 
nerfat)  er  furje  3*rt  in  einer  SSorflabt  granffurt«  ben  Sdjulbienfi, 
unb  roanbte  ftd)  bann  roieber  ben  Stubien  ju,  biö  er  1590  @nbe 
Slpril  feine  jroeite  Steife,  na<$  2)änemarf,  unternahm,  um  „etroafe 
2Better«  ju  fetjen  unb  ju  erfahren."  grand  ge^t  buxä)  Sommern 
unb  SRedlenburg,  über  Stoftod  nad)  Äopenljagen,  non  roo  er  über 
Stofiod,  2Bi$mar,  Sübed ,  Hamburg  u.  f.  tu.  Ijeimfetjrt  unb  am  20. 
Quti  nrieber  in  feiner  ipeimatf)  anlangt. 

©er  nadjftefjenbe  SKbf^nitt  au«  ber  Sefdjreibung  biefer  Steife 
ift  bem  in  ber  3tatlj$bibUotf)ef  ju  3ittau  bewahrten,  nom  bortigen 
Statt)  berettroilHgft  jur  Senufcung  bargeltetjenen  SJtanufcrtpt  ent* 
nommen,  roeldje«  übrigen«  jeneSefdjreibung  nur  in3lbfd)rift  enthält9) 


')  1683  würbe  bem  Büttel  bae  galten  fifeenber  öäftc  unter  jagt.  Neue 
fcüb.  »lätter  1853,  112. 

*)  StatjenSborf  (t>ormal8  ftatmeretorp)  $orj  an  ber  fcanbftrajje  »on  ^Udn 
nac$  }keefe  im  ®ute  Mjrborf.  ein  SBtrt^auS  bajelbft  Reifet  Itylenfrog. 
Sdjröber  u.  Snernafcti  Topographie  »on  ftolftein  s.  v. 

°)  Ueber  bie  fcanbförift  unb  ben  SJerfaffer  \>al  beS  Weiteren:  t>.  $ülorc 
^anberungen  eine*  fatyrenben  «SdjülerS  burdj  Sommern  unb  3Heflcnbura.  1590 
in:  Salttföe  Stubten  XXX  @.  57-64. 


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126 

■Jtod&bem  ber  SSerfaffer  für}  SStömar  gefd&tlbert  fjat,  roo  er  nur 
eine  9tad)t  geblieben  fei,  fä^rt  er  fort: 

„2)en  anbem  SDtorgen  bin  id&  non  bannen  mit  einem  Steuer* 
mann  unb  ©efäljrten  von  bannen  gejogen,  unb  ftnbt  unterlegend 
fommen  in  ein  Kein  ©täbttein  Sarr^o10)  genannbt,  xodty*  Srountn 
t>on  ätbel  ju  gehörig,  fo  audf)  tyren  @ij  barinnen  gehabt,  barinnen 
wir  bie  Slbenbmaljljeit  gehalten,  unb  metl  mir  in  ber  Verberge 
nod(>  bret>  ©efäljrten  befommen,  unb  fic  luft  in  ber  nad&t  fortju* 
}iel>en  Ratten,  finb  mir  mit  einanber  fortgeretfet,  bife  etroan  eine 
ÜReil  megeS  für  Sübedf,  in  berfelben  nad&t,  Ijaben  mir  bie  ganfce 
nadfjt  ben  tag  nadj  Jtormegen  martö  fe&en  fönnen,  big  mieber  an 
ben  SWorgen,  ftnbt  enblid&en  fommen  ju  einen  ort,  ba  ein  3Jtoraft 
unb  SBaffer  fampt  müßten  geroefen,  ba  man  auf  {einer  feiten  fyxt 
meinen  nodjj  für  über  fönnen,  fonbem  burdf)  ein  $fjor  unb  5ßfort 
gemußt,  rocldfjeS  bie  nad&t  alljeit  gefd&loffen  worben,  bafjer  ber  ort 
aud&  ber  Sdjlupf11)  genennet  roorben,  bet)  melden  mir  beg  jroo 
fiunben  liegen  muffen,  el>e  e3  aufgefd&loffen,  attba  id&  midf)  audj)  in 
ber  nad&t  in  falten  SBaffer  gebabet,  rneil  audfj  bet>  ber  nad&t  fefjr 
gefdjroülig  ift  geroefen,  meil  bep  ben  tagen  fürnel)mli<J)  gro&e  £ijje 
gewefen,  t>on  bannen  finbt  mir  mit  bem  tage  fort  gereifet,  unb 
neben  ber  9tid&tftabt12)  ba  tricl  Stäber  unb  Stangen  gefianben,  unb 
bie  Übeltäter  attba  fonberlid&en  gerietet  morben,  bodj)  aber  ba« 
&o&e  ©erid&tc  unb  ber  galgen  babep,  unb  finb  mit  bem  tage  an 
ßttbeef  fommen,  baoon  roetter  melbung  gefdj>el>en  foll. 

9»n  jTübedi  (er  grofjen  unb  roettberuljmtfn  Jletdjs*  un*  $ee«$taftt. 

S)iefc  l)errtidf)c,  fdf)öne,  unb  weit  berühmte  Seeftabt  Sübedt,  bie 
fürnemfie  unter  allen  SBcnbifdfjen  Stabten  in  Sadfjfen,  liegt,  wie 
ejlid&e  motten,  in  einem  Äleeblat,  junfd&en  ber  Sanbföaft  9Redtten* 
bürg,  Saufen,  unb  §olftein  ober  an  ber  ©d&roartauro,  fo  cor  jeiten 
SJagria,  iejt  aber  $otftein  genannbt,  anfänglid^en  oon  giföern, 
bet)  ber  ©ee  ober  3Reer  an  einem  guten  2tnfurty  bemo^net,  unb 
fott  t>on  bem  SBenben  unb  einem  ßfjriftltd&en  Äönig  ©ottfd&atdf, 


M)  2)affom  ? 

")  <5%lutvtip.  Ueber  bie  »ebeutung  biefe*  Samens  fcgl.  28.  9RantelS  im 
©omftonbenjblatt  für  nieberb*utfc$e  S*>ra$forf$ung  1878  M  1. 

")  2ttfo  auf  betn  Söege  über  Sffiedloe,  ber  bamal*  gehenließen  &mbjtoafce 
»on  9Recflenburg. 


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zedby  G00gk 


IM 

umb  bo«  3»al)t  (S^rifii  1040  ju  bauen  angefangen,  Ijernadf)  ift  fie 
uom  Äönige  §enrid&  be£  vorigen  ©oljn,  Magna  Colonia,  bafe  ift 
©rofebefajjung  ober  ©rofeburg  genennet  worben,  jutejt  ift  fie  jtmfd&en 
bie  Xrabe  unb  Slßagnij  bep  bem  ©d&iffreid&en  äßafeer,  ba  fie  nodj 
fielet,  gefejjt,  unb  uon  einen  ©raffen  oon  $olflein,  §errn  SRubolp&en 
non  ©d&offenburg  umb  baS  Qa^r  (grifft  1140.  aber  ju  unfern 
ßcitcn  ift  gar  eine  grofee  unb  rooljlgebauete  Äapferlicbe  grepfiabtr 
unb  berühmte  ©eroertftabt  ju  2öafeer  unb  ju  fianbe,  aud&  woljl 
gejieret  mit  flattlid&en  groäfen  ftardten  fteinfjäufern,  unb  feinen 
SßaUarten,  liegt  nad)  ber  Sänge  unb  jtemÜd)  fyofy,  Ijat  aud&  fd&öne 
weite  ®afyn  ein  fein  reinlich  unb  fauber  Sold,  oon  ben  6im 
too^nern  gehabt. 

6ie  Ijat  fünff  oome^me  §aupt  Äird&en,  bie  $farr  Ätrd&en  ju 
unfer  lieben  grauen,  ifi  eine  fd^öne  unb  unterbaute  Ätrd&en  ge* 
roefen,  mit  oielen  berrlid&en  Süffeln  unb  gemäßen  gefämüdet, 
bet)  melier  jroeen  fjofje  ©pijjen.  $n  meinem  eine  fd&öne  ftngenbe 
u^r,  S)ie  alle  3cü  e"t  ®ef*i§  uon  einem  geifilid&en  Sßfalm  nadf)  ber 
3eit  finget,  aucfc  offt  mit  ben  ©tunben  umb  roed&fett,  roetd&e*  mit 
luft  unb  lieblidj)  anhören,  aucfc  befeen  nid&t  überbräfeig  werben 
tonnen,  S)ic  anbere  Äircjje  ift  genannbt  S.  Jacob,  meldte  aud&  fein 
gejieret  mit  einer  ^o^en  ©pifcen,  bie  ©ritte  S.  Maria1  s),  be? 
melier  ein  reiche«  &o8pitat  SDie  oierbte  S.  Petrus,  roeld&e  audt> 
too^lgejieret,  baneben  au$  eine  ^o^e  ©pigjen,  bie  fänfte  S.  Johannes 
ber  2)om,  melier  gebauet  nom  2Hfd&off  Ser^art  im  3a^r  ©^rifü 
1163,  roeldfje  aud&  grofe  unb  fd&ön  geroefen,  bet)  einen  luftigen  $laj 
unb  weiten  räumen  ort  ber  ©tabt  gelegen,  beg  roeldder  aud)  jroeene 
gleite  bofce  ©pifcen,  gleich  wie  bep  ber  Oberpen  ißfartfird&en,  in 
biefer  ßirdjen  ift  ein  fd&öner  Greujgang  geroefen,  babet)  eine  3ung* 
frau  ©dfjulen  jugerid&tet,  ber  Stombed&ant,  l)at  eine  fdfjöne  8urg 
audf)  barbep  gehabt,  wie  ein  ffirfUidf)  ©djlofe,  wie  e&ebem  nodf)  oiel 
3)oml)erren  aUba  gehabt,  beren  ade  in  fd&önen  unb  fein  gebauten 
Käufern,  neben  ben  $om,  unb  auf  ben  gafeen,  ba  man  au«  ber 
©tabt  Ijinauff  gcljet,  gewönnet. 

©8  &at  audfj  nodf)  rooljl  me&r  Äird&en,  Älöfler  unb  Gapetten, 
in  biefer  ©tabt  gehabt,  aufe  welkem  jum  tljeil  Jpogpital,  arme 
barinnen  ju  erhalten  gemadfjt,  ijUdje  aber  rauft  unb  oebe  gemefen. 


u)  seil.  SWaöfcalena,  bie  SJurgfirctyc. 


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zedby  G00gk 


(Sine  feine  unb  roofjlbeflattte  $articular»@d&ulen  &at  e«  aud) 
allbar  geljabt,  barinnen  oon  tneler  großen  Surfd)  eine  große 
freqvenz  geroefen. 

3m  $aljr  1530  umb  Petri  unb  Pauli  ift  ber  gemeine  au 
ßübecl  umb  unfer  Religion,  ber  ©nangelifd&en  2el)r,  unb  gebraudf) 
ber  $od)rofirbigen  ©actament  angehalten  roorben,  wie  audj  balb 
tyernadjer  barauff  bie  bäpfUidjen  Ceremonien  niebergelegt,  unb 
burd)  ben  §odf)gelel)rten  SRann  Doctor  Qoljann  SSudfjen  $agen, 
eine  Äirdjenorbnung  publiciret  unb  geftedet  roorben,  e«  ftnb  audj 
jur  felben  faxt,  bie  jroeeen  Älöfter,  nemlidf)  ba«  Surgflofter  jur 
porfefjung  ber  armen,  unb  S.  Catharinen  Älofter  jur  gemeinen 
©d&ule  angerichtet  roorben. 

8ud&  ift  biefe  ©tabt  mit  Dielen  Ijerrlid&en  frönen  ^läjjen  unb 
großen  märdten  gejieret  geroefen,  wie  e«  benn  aud)  ein  gewaltige« 
große«  unb  fd&öne«  SRatljljauß  aQba  fajt  mitten  in  ber  ©tabt  ge* 
Ijabt,  burd)  meldte«  man  fein  in  bie  länge  geljen  fan,  feljr  nolfreid) 
ifi  biefe  ©tabt  geroefen,  oon  t>ielen  frembben  Söldern,  unb  man* 
djerlet)  nationen,  fo  jur  ©eeroärt«  au«  anbern  Sänbem  anfommen, 
unb  ü)ren  ©eroerb  unb  $anbel  ju  roaßer  unb  lanb  aQba  führen. 
SBie  e«  benn  aud&  ein  fe&r  rootjtyabenbe«  rcidfje«  unb  fürnel)me« 
SSoldt  aUba  Ijat,  mit  ber  Äauffmannfdjafft  ift  e«  alfo  jugangen,  wie 
e«  in  ben  großen  Sfteid^fiäbten  gebräud)ttdf)en,  al«  Senebig,  San* 
con14),  SRürrenberg,  Slugfpurg  unb  Sien,  in  Defterreidf),  baß  man 
alle  tage  genugfam  aQba  befömmet.  S)ie  Älcibung  unb  gemeine 
Sraud&e  unb  fitten  ber  (Stnrooljner  finb  nid&t  in  großen  übermütig* 
Udjen  Sßrad&t  geroefen,  bet)  @<$roarfcen  SDto^renfopf  am  Surgtljor16), 
ba  id)  jur  Verberge  eingeteilt,  ift  mir  oon  bem  SBirt&e  triel  gut« 
nrieberfafjren,  benn  er  ein  feljr  guter  frommer  mann  geroefen,  feljr 
gute«  ®ier  l)at  e«  aUba  gehabt,  wie  e«  benn  jroepertep  aUba 
brauet,  ba«  2Bet«toer  wirb  3frael  genannbt,  barumb  baß  e«  fo 
ftard,  ba«  rot&e  ober  gerflen  fjat  einen  geraupten  ©efd&mad,  fte 
werben  in  Preußen,  gen  Stanjig  unb  2)ännemard,  gen  (Soppen* 
fiagen,  unb  anbere  örter  jur  ©eeroert«  gefityret. 

6«  ift  biefe  ©tabt  aud)  feljr  fefie,  benn  erfUidfjen  ringsumher 
ein  breite«  3Ba«fer  barauff  mel  gejämljter  ©d&roanen  biejbarauf 
geniejiet  unb  geredet,  fonberlidfjen  auf  ber  feite  nadf)  bem  Sanbe* 


")  ©o  bad  SRanufcript.    S3ieUeic^t  Bonbon? 
")  2>aS  $au*  läfjt  ft$  ntyt  mfy  ermitteln. 


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zedby  G00gle 


188 

merW,  ift  fie  mit  guten,  bieten  unb  ^o^en  matten,  wie  eine  %tftun$ 
perfe&en,  aud&  mit  einer  ftareten  $ofcen  ringmauren.  Sie  $at  mer 
nornefjme  ftardfe  unb  root)lberoaf)rte  $aupttl)or,  benebenft  vielen 
Pforten  na$  bem  SBafeer  ber  $rabe  unb  ber  SBagmjroert«,  für  bem 
Surgtljor  nad)  bem  richte  fjinaufj  ift  ein  fd&öner  luftiger  ©pafcier* 
gang  von  luftigen  @idf)enbäumen,  bie  mit  gleife  in  orbnung  ge* 
jeuget,  barunter  man  in  einem  feinen  ©chatten  gefjen  fan,  wie  e$ 
benn  für  benfelben  t^or  piel  fjerrlid&e  f^öne  £opfgärten,  aud& 
Äraut*  unb  anber  luftige  garten  fjat,  nadj)  bem  SBa&er  hinunter 
gelegen,  für  bem  anbern  tfjor  bep  ben  gepflangten  Säumen  ifl  ein 
wohlgebaute^  §ofpital,  ba«  $odtent>aufe  genannbt,  roie  benn  aud& 
für  ben  3Wül)lentl)or  e$  tmeberumb  ein  IprrUd)  ipofpital  gehabt, 
S.  Georgen  genannbt,  für  meinem  t&or  e«  triel  fd&öne  Saum* 
garten  gehabt,  fonften  l>at  e8  umb  bie  ©tobt  Diel  fd&öne  gärten, 
unb  audfj  guten  boben  jum  21  cf erbau,  bafc  &olfteiner  tljor  ift  ge* 
wattig  fd^ön  erbauet  gemefen,  wie  ein  ©<Jjlo&,  be&gleic&en  in 
S)eutfd)lanb  nid&t  ju  finben,  man  l)at  ju  ber  3eit  nodf)  immer  me$r 
baran  gebauet,  unb  ba&elbige  gejieret 

£>a$  SBafcer  bie  Srabc  unb  SBagnij,  fo  tum  ber  ©tabt  in 
einen  breiten  tieffen  gang,  wie  ein  glufe  einen  weiten  roeg  in  bie 
©ee  ge&et,  auf  melden  audfj  bie  ©d&iffe  aus  ber  ©ee  an  bie  ©tabt 
lauffen,  wie  benn  jur  felben  Qtit  niel  grofee  ©d^iffe  mit  boppelten 
topfegeln  aUba  gemejen,  wie  benn  audj)  ijttd&e  gro&e  Skiffe  unb 
©atteeu,  bie  fie  ju  tyrer  ÄriegeSrüjtung  jur  Seewärts  gebrauchen. 

Stadlern  id&  midi)  nun  in  biefer  großen,  fdf)önen,  unb  roeitbe* 
rühmten  9teid&  ©tabt  nadf)  notyburfft  befe&en,  bin  id&  ben  6.  Julij 
umb  glocf  3  nachmittag  tmeberumb  non  bannen  gejogen,  unb  für 
bem  tljor  einen  2Banber$gefetten  angetroffen,  mit  bem  id)  benfelben 
tag  gereifet,  bift  ju  einen  offenen  gledten  genannbt  Dlbanfd&lo1*), 
attba  wir  ju  nad&'t  blieben,  be$  anbern  tageä  ftnb  mefjr  gefe&rten 
)u  und  fommen,  bafe  unfer  10  roorben,  unb  be$  morgend  fritye 
fort  mit  einanber  gejogen,  unb  finb  unterlegen  bei  einem  S)orffe 
an  einem  ort  fommen,  attba  einer  mit  einem  rabe  gerietet  ge* 
roefen,  ber  ein  mörber  29  $erfonen  gewefen,  nrie  an  ben  Änepeln, 
fo  ringft  ^erumb  an  ben  Stabe  gegangen,  ju  fe&en,  bama$  ftnbt 
mir  fommen  umb  bie  Se&perjeit  umb  glocf  nier,  ju  ber  fd&önen 
©ewerbftabt  unb  &anbet$*©tabt  Hamburg. 


"•)  Oib&iot. 


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ifc9 


3.    M.  de  Monconys.  1663. 

Uebct  bic  Sßerfönlidtfeit  be$  SBerfajferS  finbcn  mir  in  Moräri, 
le  grand  Dictionnaire  historique,  Basle  1732,  V,  330  fotgenbe 
angaben: 

Monconys,  Balthasar,  6toit  fils  du  Lieutenant  criminel 
de  Lyon,  oü  il  commen^a  ses  6tudes  dans  le  College  des 
Jesuites.  La  peste  qui  d6sola  Tan  1628  une  partie  de 
l'Europe  Tobligea  de  passer  en  Espagne  et  d'aehever  ses 
exercises  dans  Tuniversite  de  Salamanque  oü  il  prit  ses 
d6gres.  Apres  y  avoir  etudi6  quelqueteraps  les  Math6ma- 
tiques  et  particulierement  TAstrologie  judiciaire  et  avoir  fait 
quelques  expäriences  de  Chimie  il  passa  ,en  Portugal,  oü  il 
fit  admirer  la  facilit6  avec  laquelle  il  dressoit  ses  horoscopes. 
De  lä  il  s'en  alla  dans  les  pays  orientaux,  oü  il  eut  grand 
soin  de  visiter  tous  les  S<javans,  pour  apprendre  d'eux  s'il 
restoit  encore  parmi  ces  peuples  quelques  traces  de  la 
Philosophie  de  Tristmegiste  et  de  Zoroastre,  que  Pythagore 
et  Piaton  y  avoient  autrefois  cherch6  dans  leur  jeunesse. 
Mais  n'ayant  rieu  trouve  qui  put  Tarreter  il  revint  en  Europe 
et  tourna  toutes  ses  etudes  ä  la  connaissance  de  la  Physique 
et  des  Mathßmatiques  par  le  moyen  desquelles  il  entretenait 
commerce  avec  tous  les  plus  Schavans  de  ce  temps-lä.  Paris 
fut  le  thßatre  oü  il  fit  paraitre  les  rares  qualit6s  de  son 
6sprit  et  oü  il  se  fit  estimer  de  tout  ce  qu'il  y  avait  d'habiles 
gens,  entre  autres  des  amateurs  de  la  Chimie,  dont  il  poss6- 
dait  les  plus  secrets  mysteres.  II  mourut  ä  Lyon  28-/4.  1665. 
Nous  avons  de  lui  ses  voyages  en  trois  tomes  in  quarto  que 
Ton  peut  regarder  pltitot  comme  un  amas  de  choses  rares 
et  recherch6es  que  comme  une  simple  description  g6ographique. 
11s  n'ont  Gt6  imprim£s  qu'apres  sa  mort  par  les  soins  de 
son  fils. 

SDie  föeifebefd&retbung  ift  in  gorm  eines  £agebud)8  gehalten, 
unb  im  S)rucf  mefjrfad)  aufgelegt.  2)a3  -Jtadtftetjenbe  ift  ber  1695 
in  $art3  unter  bem  Xitel  Les  Voyages  de  M.  de  Monconys 
erfd&ienenen  2lu3gabe,  III,  60  ff.  entnommen. 

©eine  Steife  burd&  J)eutfd&lanb  im  Sept.  1663  bei  ßaiferg* 
roerty  beginnenb,  fommt   ber  SSerf affer  burd)  bie  5ll>empromnjr 

9 


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ISO 

äBefipfjaten,  £annooet,  ata  8.  Dct.  nad)  Hamburg,  von  roo  eS  am 
14.  weitergebt  nad)  fiübed. 

Le  14.  M.  Bidal  Resident  de  France,  vint  prendre  le 
matin  dans  son  carrosse  M.  le  Duc,  pour  aller  ouir  la  Messe 
chez  lui,  aprfes  laquelle  il  vint  diner,  &  partit  sur  le  midi 
en  carrosse,  &  quelques -uns  des  siens  avec  les  hardes  dans 
un  chariot,  pour  Lubek,  &  de  \k  k  Leipzich,  moiennant  120. 
richdales.  Nous  fümes  coucher  dans  une  m6chante  maison 
d'un  petit  Village,  nommö  Sanchenemb17)  sur  les  terres  du 
Duc  d'Estin,  6loign6  de  Hambourg  de  cinq  milles  d'Alle- 
magne.  Le  chemin  fftt  fort  beau  par  un  paus  bien  eultivfi, 
mßme  dans  les  taillis,  &  dans  les  bois,  deux  desquels,  par 
oü  nous  passämes,  6toient  fort  grands:  les  dehors  de  Ham- 
bourg sont  fort  beaux  de  ce  cot6,  oü  sont  les  fourches  ä  une 
portäe  de  mousquet  enferm6es  d'une  clöture  de  brique.  II 
y  pendoit  huit  hommes ,  ausquels  on  avoit  laissö  tous  leurs 
habits.  Nous  avions  portö  bonne  provision  de  Hambourg 
avec  grande  prevoiance,  car  nous  ne  trouvämes  aneune  chose, 
&  nous  couchämes  tous  sur  la  paille,  &  M.  le  Duc  aussi. 

Le  15.  nous  partimes  k  sept  heures,  &  arrivämes  ä  onze 
heures  k  Lubek,  quoi  qu'on  ne  contat  que  trois  lieues:  mais 
le  chemin  6toit  tr&s-niauvais,  &  sembloit  tout-ä-fait  k  celui 
d'enfer,  qui  est  proche  de  Nevers.  Le  palsage  est  assez 
beau,  &  il  y  a  plusieurs  petits  Villages,  dont  les  maisons, 
quoi  que  de  terre,  &  couvertes  de  chaüme,  sont  tr&s-propres, 
avec  quantitä  de  belles  fenÄtres  bien  vitröes.  Lubek  est  une 
assez  grande  Ville,  mais  beaueoup  plus  longue,  que  large, 
dont  les  rues  sont  fort  larges,  &  propres:  il  y  a  trois  places 
assez  belles,  les  maisons  de  briques,  dont  quelques-unes  sont 
ä  l'Angloise,  quarr6es  &  toutes  en  vitres;  les  autres  sont  en 
creneaux  comme  Celles  de  Hollande;  mais  ont  les  portes 
hautes,  rondes  &  orn6es  de  belles  sculptures  avec  de  grandes 
sales  ä  Tentr6e,  comme  Celles  de  Hambourg.  Les  Eglises 
sont  bien  tenues,  &  ont  doubles  esquilles,  couvertes  de  euivre; 
dans  celle  du  Dome,  il  y  a  peint  contre  la  muraille  l'histoire 
du  Duc  Henri  Leo  de  Saxe,  qui  trouva  en  ce  lieu  un  Cerf 
qui  avoit  une  Croix  sur  la  töte,  &  un  Collier  au  col,  oü  il  y 


lf)  6anbe«neben. 


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131 

avoit  6crit,  que  Charlemagnc ,  qui  6toit  mort  il  y  avoit  400. 
ans,  lui  avoit  fait  mettre  ce  collier,  &  en  ce  lieu  ce  Duc, 
qui  avoit  et6  depossedä  par  Frederic,  fit  batir  cette  Eglise 
du  Dome:  les  fortifications  de  la  Ville  sont  fort  belles,  de 
beaux  &  grands  bastions  avec  de  fausses  braies,  &  de  pro- 
fonds  foss6s:  mais  il  n'y  a  point  de  contrescarpe,  ni  de  demi- 
lune,  sinon  une  devant  la  porte  par  oü  Ton  vient  de  Ham- 
bourg,  duquel  cöt6  Ton  refait,  &  augmente  un  trte-beau 
bastion,  La  riviere  de  Trave  passe  a  uu  cote  de  la  longueur 
de  la  Ville,  &  forme  un  fort  bon  port,  quoi  qu'assez  6troit, 
oü  les  petits  vaisseux  peuvent  arriver,  au  delä  duquel  sont 
les  rempars  qui  le  couvrent  tout:  Tentrie  du  port,  qui  est 
la  sortie  de  la  riviere  est  ä  Tautre  bout  de  la  Ville,  au 
travers  de  la  courtine,  qui  est  perc6e  pour  cela;  &  devant 
la  porte  de  la  Ville,  qui  est  dans  cette  meine  courtine,  il  y 
a  un  fort  bei  ouvrage  a  cornes,  dont  les  bastions  sontentiers: 
toutes  les  portes  de  la  Ville  sont  fort  belles,  mais  princi- 
palement  Celle  qui  va  ä  Holstein.  Outre  cette  riviere  de 
Trave,  il  y  en  a  encore  une  autre  petite,  qui  vient  de  cot6 
de  Saxe,  laquelle  remplit  les  fossez  qui  sont  du  cötö  du 
Levant  opposez  au  port,  &  comme  eile  est  bien  plus  haute 
que  la  Trave,  dans  laquelle  eile  se  va  jetter,  eile  fait  aupara- 
vant  deux  chütes,  dans  chäcune  desquelles  eile  fait  moudre 
des  Moulins,  dans  les  dits  fosses:  ainsi  la  Ville,  qui  est  en 
longueur  du  Septentrion  au  Midi,  est  beaucoup  plus  basse  a 
TOccident  tout  du  long  du  port:  eile  est  gouvernöe  par 
quatre  Bourguemai tres  &  seze  Senateurs  perpetuels,  ausquels 
apartient  toute  la  Justice,  Police,  &  gouvernement  de  la  Ville, 
&  du  territoire,  qui  peut  etre  de  20.  ou  22.  lieues  de  circuit, 
dans  lequel  ils  ont  deux  ou  trois  petites  Villes:  ils  ont  seuls 
la  cröation  de  ceux  qui  meurent  de  leurs  Corps:  quand  c'est 
un  Bourguemaitre  ils  le  cröent  du  Corps  des  Senateurs,  & 
si  e'est  un  Senateur,  ils  le  tirent  du  Corps  des  Bourgeois: 
mais  ils  ne  procedent  a  la  creation  des  Senateurs,  qu'il  n'y 
en  ait  quatre  ä  creer,  &  pour  le  Bourguemaitre,  ils  laissent 
une  annße  entiere  sa  place  vacante,  puis  en  cr6ent  un18):  il 


,s)  (Srft  bar  Sicccfc  »om  £).  Januar  1669  beftimmte,  bafi  bic  «Heutva^ 
eines  SlatySmttgliebcS  innerhalb  trier  Söoctycn  nacty  Eintritt  ber  35acanj  ju  ge= 
j$e$en  tyibt. 

9* 


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132 

y  a  trois  conipagnies  en  garnison,  &  tant  dans  la  Ville  que 
dans  le  territoire,  ils  ont  7.  ou  8.  cens  hommes;  mais  comme 
c'est  une  Ville  anceatique,  qui  est  toüjours  dans  la  ueutra- 
lit6,  eile  ne  craint  guere  la  guerre:  Les  femmes  y  portent 
des  grandes  capelines  de  paille,  qu'elles  tiennent  en  Tair  sur 
la  tete  avec  les  deux  mains,  &  des  manteaux  sur  les  äpaules 
faits  comme  ceux  des  hommes,  &  des  cales  qui  däcendent 
jusques  sur  les  sourcils,  &  qui  retournent  sur  les  temples,  & 
laissent  les  oreilles  döcouvertes.  Le  Bourguemaitre  envoia 
un  Capitain  PapresdinSe  a  M.  le  Duc,  qui  le  conduisit  voir 
les  fortifications,  &  le  pont.  M.  le  Comte  de  Guiche  y  ötoit 
encore,  &  nous  le  renconträraes  chez  un  Libraire,  oü  j'achetai, 
Specimina  anatomica  de  Bils,  &  Tapresdin6e  sur  les  rempars. 
L'Hotel  de  Ville  n'est  pas  grand'  chose,  Ton  y  garde  la  peau 
de  plusieurs  Lions  remplie  de  paille,  qui  les  represente 
comme  vifs,  avec  un  poisson  Spada:  Le  soir  je  fus  voir  M. 
le  Comte  de  Guiche,  qui  nie  fit  souper  avec  lui,  avec  lequel 
je  m'entretins  plus  de  quatre  heures,  pendant  lesquelles  il 
me  dit  une  infinite  de  vers  de  Lucian  &  de  Lucrece,  qu'il 
s<jait  fort  bien:  avec  une  infinite  d'autres  heiles  sciences, 
dont  il  a  grande  connoissance.  Nous  logeAmes  aux  Armes 
de  Hambourg19),  dans  une  des  places  la  plus  proche  de 
Pentr6e,  oü  le  carrosse  entroit  dans  la  sale,  avec  les  4  che- 
vaux:  Thote,  qui  nous  mena  au  Dome,  etoit  un  bon  homine, 
fort  caressant,  mais  qui  n'entendoit  ni  Francis  ni  Latin. 

Le  16.  nous  parü'mes  ä  7  heures  &  un  quart  pour  aller 
ä  Travemund  petite  Ville,  distante  de  deux  milles  d'Alle- 
magne  de  Lubek,  de  qui  eile  dopend,  situee  sur  Textremite 
ou  embouchüre  de  la  riviere  de  Trave,  d'oü  eile  tire  son  noni 
de  Travemund,  qui  veut  dire  la  bouche  de  la  Trave.  La 
Ville  est  petite,  fortiftee  de  quatre  bastions:  mais  bons,  & 
bien  faits,  &  la  riviere  qui  y  forme  un  port,  est  beaueoup 
plus  large  que  la  Seine  a  Paris:  son  embouchüre  n'est  pas 
k  une  porttfe  de  pistolet  de  la  Ville,  oü  eile  a  bien  mille 
pas  de  largeur:  on  y  arriva  ä  dix  heures  *k  un  quart,  nous 
fümes  jusques  ä  la  Mer  ä  pi6 :   au  bord  je  trouvai  un  petit 

19)  Hamburger  Verberge,  jetjt  3tabt  Hamburg.  £a*  ©irt^an*  ftanb 
bis  1808  im  (Sigenttyum  bet  Hamburger  Äämmerei,  weldie  es  verpachtete. 


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133 

caillou  sur  lequel  £toit  crue  une  petite  plante,  dont  les  racines 
ne  s'en  pouvoient  d6tacher,  &  l'apresdinee  nous  primes  un 
bateau,  &  nous  nous  y  fimes  conduire  un  peu  avant:  l'eau 
do  cette  Mer  paroit  fort  belle,  &  calme,  n'aiant  pas  de  flux. 

Je  pesai  son  eau,  qui  se  trouva  peser  seidement  22386. 
au  lieu  que  celle  de  Calais  pesoit  22862.  tj*  Veau  douce  au  dit 
Calais  22274.  dont  VSquation  itoit  49.  si  bien  que  la  difference 
itoit  une  quarante-untime,  fy  presque  une  quarante-deuzihne 
partie,  fy  parce  que  Viquation  de  cette  derniere  nest  que  neu/; 
la  diference  d'avec  Veau  douce  est  d'une  deux  cens  dix-sep- 
tiime.  $  la  difference  des  deux  eaux  de  mer  d'une  cinquante- 
troisieme. 

Nous  dinämes  a  l'enseigne  de  la  Couronne,  dans  une 
maison  tres -propre,  dont  la  sale  6toit  lambrissäe  d'un  tr6s- 
propre  sapin,  avec  une  frise  &  corniche  bien  travaill6e.  La 
plüpart  des  maison  s  sont  de  bois,  les  au  tres  de  brique,  & 
toutes  assez  basses.  En  revenant  nous  trouvämes  M.  le 
Comte  de  Guiche,  qui  y  alloit,  pour  s'y  embarquer,  &  quaud 
nous  repassames  la  Trave,  a  Tendroit  oü  Ton  la  passe  dans 
un  Bac,  im  Bourgeois  de  Hambourg  qui  parloit  Latin,  nous 
accosta,  &  aiant  demande  place  a  M.  le  Duc,  il  nous  instrui- 
sit  de  plusieurs  choses  durant  tout  le  cheniin;  en  allant  les 
Broüillards  nous  avoient  emp6ch6  de  voir  la  beauttf  du  paus: 
ce  que  nous  vimes  au  retour,  &  comme  les  fourehes  sont 
proche  de  la  Ville,  &  le  lieu  oü  Ton  decapite,  qui  est  clos 
de  murailles,  nous  renträmes  par  l'endroit  du  port,  qui  est 
bien  plus  bas  que  la  porte  de  la  Ville  oü  il  faut  nionter  par 
dedans  Touvrage  ä  corne:  Phötesse  revint  d'une  Nöce  sur 
le  tard. 

Le  17.  nous  partimes  ä  huit  heures  &  demie  de  Lübeck, 
&  arrivames  k  une  heure  &  demie,  ä  Mossen20)  petite  Ville 
situ^e  au  bord  d'un  lac  distante  de  4.  milles  de  Lübeck  de 
qui  eile  dopend;  nous  en  partimes  ä  trois  heures,  &  arri- 
vames ä  cinq  heures  trois  quarts  ä  un  petit  Village  nomm£ 
Zeveneic21),  apartenant  au  Duc  de  Saxe:  nous  eümes  un  peu 
de  plufe  pendant  2.  heures:  il  n'y  avoit  rien  de  particulier 
dans  le  paisage. 


fl)  6iebenei(^en. 


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134 

Le  18.  aiant  assez  mal  pass£  la  müt,  sur  une  mdchante 

coitre  ötenduö  sur  le  quarreau,   &  £t6  eveilte   par  un  chien 

qui  otoit  demeurß  enferme  dans  la  chambre;  &  en  suite  des 

les  deux  heures  du  matin   par   des   batteurs  de  bl£,  tout 

contre  notre  porte:    nous  nous  levämes  ä  quatre  heures,  & 

partimes   ä  quatre    &   demie,    &   allämes    passer   TElbe  ä 

Ertembourg*2),   oü  eile  est  large  comme  trois  fois  la  Seine 

ä  Paris,  &  fort  basse;  nous  demeurames  ä  attendre  le  bateau, 

ou  a  passer,   une  heure  &  demie;   &  puis   passant  par  un 

paYs  tout  de  landes  &  tout  baign6,  nous  arrivämes  ä  deux 

heures  &  demie  ä  Lunebourg,   distante  de  4.  milles   de  la 

couchöe. 

(gertfefcung  folgt.) 


V. 

(£f)ronoIogtfd)c  S^ottj  jum  Streit  ber  ®tabt  tfübeef 
mit  bem  33tfc&of  23w$arb  oon  ®ertfen, 

93cn  Dr.  Itjecbor  $ad)  in  äWümfefn. 

<*$n  einer  2lnmcrfung  ouf  ©.  599  be$  britten  2tonbe3  biefer  3cit^ 
fdfjrift  octfudjte  idj  einen  ^nrt^um  Sedfcr'ä  in  feiner  „©efdjid&te  ber 
©tabt  Sübed'  I,  ©.  249  311  berichtigen,  unb  barjurtjun,  bafe  ba$ 
©efänge  unb  ©eläute  in  allen  f)tcugen  Äirctyen  nid)t  erft,  wie 
93erfer  tmü,  am  Martin  ^Sijdjofä*  Sage  (11.  9toobr.)  1317,  fonbern, 
jinar  na$  bem  21.  3Jlap  aber  vox  bem  27.  Dctobet  13T7 
nriebetbegonnen  f)abe.  Grft  nachträglich  bin  id)  auf  folgenbe  ©teile 
in  fcetmar'«  @f)ronif  ad  ann.  1317  auftnerffam  geworben: 

„  Srjnnen  ber  tr)b  roeren  hoben  ber  bomfjeren  unbe  bet  ftat 

to  lubefe  in  be£  paneS  Ijooe  tfyo  aoiuion,  bc  mon>cn,   bat  bc 

fang  quam  roeber  to  lubefe  procefft  et  martiriam*)  be  bar 

legtet  roa£  in  bat  uegtyentepenbe  iar." 
Jpierju  mad)t  ©rautoff:   8üb.  Gf)ton.  I,  208  bie  änmerfung: 
*)  „Statt  biefer  unnerftänblidien  SBorte  ift  rootyl  „die  Ger- 

vasii  et  Protasii  martyrum"  ju  lefen,  wie  fd^on  Steitnar  Äocf 

»»)  Slrtlenburfi. 


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135 

im  Chron.  Rufi  corrigirt;  bort  feinen  aber  bie  SBorte  ur* 
fprüngtid^  ganj  gefehlt  §u  Ijaben." 
allein  beibe,  ©rautoff  fomobl  wie  Äodf,  irren,  wenn  fie  ba* 
burdf)  bie  SBieberaufnaljme  be3  Sangen  auf  ben  19.  Sunt  1317, 
ben  £ag  Gervasii  et  Protasii,  annehmen;  beibe  Ijaben  benfelben 
gefefe^ter  gemalt  (faüö  nidfjt  etwa  bod)  ein  «Schreibfehler  in  ber 
£anbfd)rift  ber  iDetmar'fd&en  ©bronif  oor^anben  fein  fottte).  $)enn 
nid)t  „die  Gervasii  et  Protasii  martyrum"  ift  anftatt  ber  an* 
geblidf)  unoerftänblid&en  SSJorte  „processi  et  martiriam"  ju  lefen, 
fonbern  melme&r  „processi  et  martiniani".  2)en  33emei£  bafür 
liefern  bie  „Annales  Lubicenses"  ($erfc:  Mon.  Germ.  Script. 
XVI  pg.  413  seq.),  in  benen  e£  ad.  aun.  1317  Reifet: 

„Eo  tempore  papa  relaxavit  interdictum,  quod  plus 
quam  18  annis  erat  positum  in  civitate  Lubicensi  et  recon- 
siliatis  (sie!)  per  episcopum  Raceburgensem  cymeteriis  vio- 
latis  resumpta  sunt  divina  officia  cum  magna  celebri- 
tate  et  gaudio  cleri  et  populi  in  die  beatorum  Processi 
et  Martiniani  martyrum." 

S)a$  geft  biefer  ^eiligen  fällt  nun  eigentlid)  auf  ben  2.  ^uli. 
Snbeffen  lefen  wir  bei  ben  Sollanbiften  (Acta  Sanctor.  Juli  Tom. 
I  pg.  360  J  JUm  3.  3uli: 

„SS.    Processus  et  Martinianus,  qui  ad  diem  praeee- 
dentem  pertinent,  in  Martyrologio  juxta  ritum  sacri 
Ordinis  praedicatorum   differuntnr  ad  hunc  diem, 
suspicor  ob  festum  Visitationis  B.  M.  V.,  quod  ibi  notatur 
„totum  duplex",   ipsi  vero  proprium  fortasse  habeant  hoc 
die  de  iis  Sanctis  officium.4' 
SSBenn  wir  nun  erwägen,  bafe  ber  Sljronift  S)etmar  bem  3JU* 
nGtitenorbcn  ber  granetöcaner  angehörte,  bafc  ferner  in  biefem  Drben 
wie  überhaupt  in  ber  Stabt  Sübedt  bie  SSerebrung  ber  Jungfrau 
SKaria  eine  ganj  Ijeworragenbe  war,  mithin  audf)  ba3  geft  ber  Visi- 
tatio  in  Sübecf  fidler  ein  „totum  duplex'4  mar,  fo  werben  wir  fidler 
annehmen  bürfen,  bafc  audf)  in  fiübedt  ba£  geft  „Processi  et  Mar- 
tiniani Martyrum"  aus  fold&em  ©runbe  nom  2.  auf  ben  3.  $uli 
tranäferirt  würbe.    9JUtl)m  fönnen  wir  mit  ©idfjertyeit  behaupten, 
ba&  ber  feierliche  ©otteSbienft  mit  ©efang  unb  ©lodfengeläute  in 
Subedt  wieber  begann  am  3.  3uli  1317,  bem  fünften  ©onntage 
na$  Xrinitatiä. 


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zedby  G00gk 


Truif  »cn  £.  (».  iflatoqcn«  in  gübetf. 


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Google 


I. 

Gart  Sobelin  ^oulü 

Grin  Sebenabllb  von  ©   $oel. 


MJe 


Penn  beim  2Ibjdf)eiben  bebeutenber  2Renfdf)en  ber  natürlid&e  SBunfd), 
fid)  ba£  ®a\\ii  i^rer  Sßerföntidtfeit  ju  oergegenmärtigen,  geneigt 
madjt,  auf  Stimmen  ju  Ijorcljen,  meld&e  über  ben  (Sntroicflungggang 
iljreS  aufeern  unb  innern  Sebenä  nähere  SKufftärung  ju  erteilen  im 
Stanbe  ftnb,  fo  barf  bag  namentlid)  aud)  in  Setreff  be£  am  18. 
3Jlärj  1879  oerenrigten  Dber*2lpp.*©er.*9tatl)  Dr.  $auli  gelten,  ber, 
auSgejeidjnet  burd)  alle  ©genfdjaften  be$  ©eifteS  unb  £erjen8, 
meldje  bem  S)afein  §alt,  SBürbe  unb  @f)re  t>erleil)en,  jugteid)  mittels 
feiner  Seiftungen  auf  nnffenfc&afttid&em  ©ebietc  fid)  einen  f»od)ge* 
arteten  tarnen  ju  oerf Raffen  gemußt  f)at.  Unb  fo  mögen  benn  bie 
iiad)folgenben  Slätter  einer  freunblidjen  Slufna^mc  empfohlen  fein, 
welche  biefem  ßroede  ju  bienen  beftimmt  ftnb,  unb  jroar  in  ber  SBetfe, 
baß  eine  Scbilberung  ber  einfachen  äußern  SebenSfdjidfale  mit  bem 
reiben  geifiigen  Sinljalt,  melden  fie  umfdjlie&en,  ben  Anfang  bilben, 
unb  eine  93efpre$ung  ber  33erbtenfte,  meldje  fid)  ber  Serftorbene  um 
bie  görberung  ber  Äunbe  be£  bcutfd^ert  9tedjte£  erworben,  in  ge* 
fonberter  SDarftclIung  fid^  jenen  3Jtittljeilung*n  anfdjlie&en  wirb. 


I.   £etßmtft,  üwbfleit  wib  3*flettb.  1792-1811. 

£anbelt  es  ftd^  aber  um  ben  $tafc,  melier  ber  ©fijje  anju* 
weifen,  bie  ju  entwerfen  mir  unternommen  fyaben,  wo  fönnte  ber* 
felbe  paffenber  gefunben  werben,  als  in  biefer,  ber  Vergangenheit 

3eltf^r.  f.  Sfib.  Öef$.  »b.  IV,  £eft  2.  1 


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Sübedf«  genribmeten  3*itfd)tift!  3)enn  ber  SBtarnt,  wettern  fi*  gilt, 
Ijat  red&t  eigentlich  Sübedf  angehört,  ipter  ftanb  feine  SBiege,  Ijier 
|ot  er  fid),  unmittelbar  nadf)  Slblauf  feiner  UntocrfitcitSjaljre,  nieber* 
gelaffen,  f)ier  feinen  £au«fianb  gegrünbet,  unb  roa^renb  ber  Stauer 
von  jroei  SKenfd&enaltern  ba«  gelb  feiner  ^ätigfeit  gefunben,  unb 
Ijier  enblid&  ifi  er  audj  jur  legten  9lu^e  eingegangen.  Silber  nod> 
weiter  jurüdf  reiben  bie  gäben,  roeld&e  tljn  mit  Sübedf  oerbanben. 
•Jiadf)  einer  feljr  forgfältig  geführten,  im  Seftfc  ber  gamilie  befind 
liefen  genealogifdfjen  Ueberftd&t,  bie  jurüdfreid&t  bi«  jum  exfien  An- 
fang beS  16.  ^aljrljunbert«,  mar  ein  Sprößling  biefer,  urfprünglidj) 
rooljl  ber  $falj  angeljörigen,  gamilie  bamate  anfaffig  in  ber  ©tabt 
Altena  in  SBeftfalen.  SWitglieber  ber  gamilie  Ijaben  biefer  ©tabt 
al«  SBürgcrmeifter,  Sflic^ter  unb  Sftatljleute  gebleut,  unb  itjr  entftammt 
audf)  ber  ©rofeoater  unfre«  $auti,  melier,  geb.  1710,  von  Slltena 
nad&  Sübedf  übergefiebelt,  Ijier  einem  angefeljenen  £anblung«l)aufe 
Dorftanb,  unb  als  fluger,  fparfamer,  nur  feinen  ©efd&äften  lebenber, 
nad&  ben  überlieferten  3eugniffen  aber  frommer  unb  gro^erjiger 
SWann  fid^  ein  fcfyr  beträd^tlid^eS  $8ermö$en  ju  erroerben  umfjte. 
3)er  ältefte  von  ben  Söhnen  fegte  bie  $anblung  be«  SSaterS  fort, 
unb  ber  nädEjfte  nadf)  iljm,  Sflbrian  2Bilt)elm  gereiften,  geb.  in  Süberf 
1749,  rourbe  aus  feiner  @l;e  mit  9Ragbalena  Sßoel  ber  SSater 
unfrei  am  18.  SDecbr.  1792  in  Sübccf  geboreneu  Sßauti,  bem  in 
ber  Saufe  ber  5Rame  Garl  2Bilf)elm  ju  %i)ül  gemorben.  Qener  mar 
ein  SKann  oon  ehrenhaftem  ßfyarafter,  menfdjenfreunblUfc  gefinnt, 
unb  babei  oon  ungewöhnlich  fd&öncm  Steuern,  bem  audfj  ein  ge- 
nriffe«  liberale«  SBefen  gar  rooljl  anftanb,  aber  ba  er  neben  ber  redjt* 
fd&affenen  Statur  nidjt  ben  öfonomen  ©inn  be«  93atcr«  unb  beffen 
latent  für  ©efdjäfte  geerbt  &atte,  fo  fam  e«,  bafe  er,  babei  oom 
©lücf  nid&t  begünftigt,  unruhig  tljätig  balb  in  faufmännifd&en  ©pecu* 
lationen,  balb  im  (Srroerbe  von  ©ütern,  bie  er  fpäter  nrieber  per* 
äußerte,  im  Saufe  ber  Satire  ben  größten  £l>eU  feine«  SJcrmögenS 
jufefcte.  SDie  gamitie  roo&nte  anfangs,  nadf)  ber  3a^re«jeit  roedfrfelnb, 
SBmter«  in  iljrem  Sübedfer  Jpaufe  unb  Sommer«  auf  bem  ©ute 
3ieron>  in  Söledflenburg ,  roeldfje«  ifym  feine  grau  jugebrad)t  Ijatte, 
Ijernadf)  auf  SRonbeSljagen  in  Sauenburg,  ftebelte  i.  $.  1794  na<$ 
2lltona  über,  um  ftdfj  fpäter  (1808)  nadf)  ben  SSerlüflen,  meldte  bie 
©ontinentalfperre  aud)  über  ifyn  gebrad&t,  be«  wohlfeileren  Seben« 
wegen  bauemb  in  fflüdteburg  nieberjulaffen.  ©einen  Äinbem  ifl  er 
ftet«  ein  Uebeooller  SSater  gewefen,  unb  fle  f;aben  e«  an  6m)ieberung 


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8 

biejer  ©eftnnung  nidjt  fehlen  taffen  f  ober  ein  urirffamer  [(Srnflufc 
fonnte,  ben  Umftänben  nadfj,  nic^t  woljt  von  iljm  ausgeben,  ba  in 
ben  Sagten  ifjrer  erften  ©ntroidelung,  roäfyrenb  fie  ben  Sommer  auf 
bem  Sanbe  jubradfjten,  be«  ©ater«  faufmännifebe  ©efdfjäfte  biegen 
oorjugsroeiie  in  Cübcdf  feftf)ietten  ober  ju  Steifen  nötigten,  unb  jur 
SMinter8jeit  mannigfache  ©efdjäft«*  unb  mittelbar  mit  biefen  jufammen* 
pngenbe  ©efellfd&aft«*  unb  fonftige  2lnfprüd&e  einer  me&r  al«  blo« 
ftüc^tigen  Sefd&äftigung  mit  ben  Äinbern  Ijmbernb  in  ben  2Beg 
traten.  Unb  fo  mar  cS  bie  Butter,  melier  junädftft  bie  Aufgabe 
jufiel,  auf  ba«  geiftige  Seben  ber  Äinber  einjunrirfen,  eine  Aufgabe, 
an  beren  Söfung  fie  mit  Ijingebenber  Siebe  gearbeitet  fyat 

ßiner  urfprünglidf)  tyoDänbifdfjen,  aber  burdlj  brei  ©enerationen 
in  SHufetanb  anfäffigen  gamilie  angetyörig,  mar  fie,  gletdj)  iljrem  einige 
Sa^re  jüngeren  ©ruber,  ber,  fpäter  mit  einer  £odf)ter  be^  al«  IjanbelS* 
n>iffenfdf)aftUdf)en  ©dfjriftfteller«  befannten  Sßrofeffor«  33üfd^  wrmäljlt, 
in  3lltona  gelebt  bat,  in  SHrd&angel  geboren.  S)er  SSater  fiebette  in 
ttyrer  Äinbbett  mit  einem  anfeljnlid&en  Vermögen  ,  ba«  er  tfjeilroeife 
in  9J?ecflenburgifd)en  ©ütern  anlegte,  nadf)  Sübedf  über,  gamilien* 
Stad&rid&ten  fd&ilbern  iljn  at«  einen  2Jtann  pon  heftigem,  leibenfd&aft* 
tigern  äöefen,  t>on  vielem  SSerftanb  unb  leidster  gaffungSgabe,  ber 
namentlich  bie  meiflen  (Suropäifdfjen  ©prägen,  wenn  gleidf)  feine 
correct,  bodjj  gefprod&en,  am  beften  oieDcidit  biefranjöfifdfje,  beren  fidf) 
aueb  bie  ©efd&nrifter  In«  in  tyre  fpätere  ^ugenbjeit  bei  ber  Gorre* 
fponbenj  ju  bebienen  pflegten.  SRad)  bem  frühen  £obe  tyrer  üRutter 
naljm  fieb  ber  SSater  feiner  einjigen  £od&ter  mit  boppelter  3ärtltd&feit 
an,  namentlich  forgte  er  burdE)  bie  rid&tige  3lu«roaljl  tüchtiger  Selber 
für  eine  attfeitige  (Sntnridfelung  ifyrcr  reiben  ©eifte«gaben,  unb  eine 
tyr  ganj  cigcntl)ümlidf)e  ©rajie  bc«  ©erftanbe«,  t)erbunben  in  ber. 
3>ugenb  mit  bem  anmutljigften  Sleu&ern  unb  einer  feetenoollen,  treffe 
lid)  gefd&ulten  Stimme,  matten  fie  jum  bemunberten  SDMttelpunft 
eine«  großen  Greife«  von  Sefud&ern,  melden  be«  ©ater«  gajllid&e« 
§au«  geöffnet  mar.  Slber  Ijityer  ju  fd&äfcen  al«  biefc«,  unb  Ijöjjer 
at«  bie  ©idfjerljeit  unb  ©eroanbttjett  im  gefettigen  Seben,  mar  Ujr 
tiefer  fttttieber  ©ruft,  tf)r  rege«  $Pflidf)tgefül)l,  unb  au«  ber  mit  iljrem 
geifte«permanbten  ©ruber  geführten  ©orre«ponbenj  ergiebt  ftdf),  nrie  fie, 
bem  ünbli^en  älter  felbfl  nod)  nid&t  lange  entwarfen,  fd&on  einen 
fütlidfjen  ©influfe  geübt  Ijat,  beffen  jener  nod&  im  fpäten  Sllter  mit 
banfbarer  Slübrung  eingeben!  geblieben  ifl  S)en  gleiten  23e* 
mü^ungen  um  iljre  Äinber  fam  nun  aber  audf)  ber  ttmjug  ber 

1» 


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zedby  G00gk 


ftamilie  nad)  ältona  fe&r  gu  Statten  butdj  iljren  SBcrfe^r  befonberS 
mit  ben  öerwanbten  ©liebem  eines  ÄreifeS,  Don  welkem  Slifi  im 
jweiten  Sanbe  feiner  SWemoiren  ein  fo  anjie^enbe«  öilb  entworfen  f>at.*) 
igiet  fanben  fidj)  SKenf^en  Bereinigt,  bie,  auf  SReifen  unb  bur$ 
ben  SBerfeljr  mit  bebeutenben  ber  §eimatt)  wie  ber  grembe  ange* 
porigen  Sßerfönlid&teiten  gebilbet,  in  einer  großen,  weiten  SBelt 
lebten,  wo  man,  otyne  ftd()  burdj)  Autoritäten  blenben  ju  laffen,  ben 
politifd&en  Gegebenheiten  mit  öerftänbnißoollem  ^fntcteffe  folgte,  bie 
litterarifdjen  ©rfdfjeinungen  mit  felbftftänbigem  Urteil  ju  prüfen 
wagen  burfte,  unb,  unbeirret  burdf)  ben  trügerifd&en  ©lanj  äußerer 
@rf Meinungen,  an  ben  wefentlid&en  ©ütern  beutfd&er  fcäuälid&feit, 
^erjli^en  gamilien*  unb  greunbfd&aft&fiebenä  feftyielt. 

Unb  biefe  &t\tr  meldte  bie  gamilie  in  Slltona  jugebrad^t,  ifx  e8 
aud&,  an  meldte  fid&  bie  erften  beutlid&en  (Erinnerungen  unfere* 
greunbeä  tnüpfen.  ©eine  SWuttcr  war  im  Qf.  1798  über  Strasburg 
nadj)  $ari$  gereift,  wo  fid)  bie  ältefte  Softer  ®mmp  mit  2)aron 
£)ietri<$,  einem  BMitgliebe  ber  betannten  6lf affer  gamilie  permä^lte; 
fie  ^atte  bie  jweite  Xod^ter,  ©opt)ie,  mitgenommen,  wätyrenb  Garl 
fammt  feinem  jungem  ©ruber  6mil  unb  feiner  ©djmefter  gannp 
unter  be£  StoterS  Dbt>ut  unb  ber  fpecieDen  Sluffidfjt  einer  treuen 
weiblichen  ©eele  in  2lltona  jurüdfgeblieben  mar.  35amalä  beftanb, 
unter  ßeitung  beä  2lbb6  ©uiot,  eine,  tum  (Sinljeimijdjjen  unb  gremben 
t>ietbefud)te  Sßenfionäanftalt  in  Slltona;  unb  an  ben  $ier  gegebenen 
fie^rflunben  fyxt  aud&  Garl  Sljeil  genommen.  3n  allen  iljren  ©riefen 
erfunbigt  fid)  nun  bie  3Jlutter  in  ben  järtlidfjften  SuSbrüdfen  nad& 
tyrem  ßarl,  nadfj  feinem  SBefinben,  na$  feiner  Sluffüfjrung.  „21<I> 
übertrage",  Reifet  e$  fo  einmal,  in  einem  ©dfjreiben  an  Ujre  ©djjmägerm, 
„wenn  $)u  ben  etyrlidjen  jungen  füffeft,  etwas  auf  it)n  »on  ber 
Störung,  bie  id)  jebeämal  empjtnbe,  fobalb  1$  mir  lebhaft  uergegen* 
wärtige,  wie  er  fo  fc&lud&jenb  oon  mir  Slbfd&ieb  naljm  unb  midf)  nid&t 
fortlaffen  wollte.  2lud&  wirb  meine  Slbwefentjeit  m\6)  nidjjt  auä  feiner 
©eele  treiben;  er  ift  fo  e^rlic^  unb  innig  an^änglid^,  baß  e3  mit 
unauSfpredjlidf)  wofyl  tl)ut,  unb  id^  tyänge  an  bem  jungen  mit  aller 
Siebe,  ber  td&  nur  fä^ig  bin."  Unb  in  einem  fpätern  ©riefe  Reifet 
eS:  „Sari  t>at  vorläufig  an  ©^reiben,  Sefen  unb  Steinen  voü- 
tommen  genug;  was  foUte  er  ©efaUen  finben  fönnen  an  einem 


*)  W-  3-  ®.  Mft,  tfebenSermnerungen  %ty.  II,  6.  47  ff. 


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Unterricht  in  ©egenftänben,  bic  nur  für  ©rößere  befiimmt  finb; 
bann  märe  er  ein  SBunberfinb,  unb  SBunberfinber  lieben  mir  eben 
nid&t.  ©onft  weife  idtj,  er  f)at  ^inen  feljr  gut  organiftrten  Äopf,  ober 
barauf  üertraue  id)  weniger,  als  auf  fein  $erj;  bie  Äinber  in  ber 
Schule  Ratten  U)n  immer  fefjr  lieb;  gelogen  t)at  er  nur,  wie  aud) 
anbere  Äinber  e3  uerfudjen,  er  l)at  aber  bie  Abfd&eulid&feit  feljr  balb 
begriffen,  unb  bafe  er  feine  gurdjtfamfeit  oerlieren  mürbe,  fobalb  er 
mit  anberen  Äinbern  in  Serüljrung  fätrie,  roufete  idtj  im  SSorauS,  unb 
fd&idte  iljn  beäljalb  frülje  bafjin,  um  i^n  abjufdjleifen/ 

2Bof)l  fonnte  bie  treffliche  grau  in  guten  ©rmartungen,  benen 
fie  mit  Vorliebe  nachging,  ftd^  gelegentlich  täufdjen,  in  Setreff  tl)re$ 
ßarl  täufdjte  fie  fidf)  inbeffen  nid&t;  audj  mar  er  in  ber  2#at  gut 
aufgehoben  ju  &aufe  mie  außerhalb,  menn  er  oon  ©onnabenb  bis 
5Jtontag  auf  bem  frönen  Sanbfifce  ju  9Jcumül)len  an  ber  @lbe  ju* 
braute,  wo  feine  Angehörigen  mit  ber  ©ieoefing'fd&en  gamilie*)  einen 
gemeinfamen  &au$l)alt  führten,  unb  inbem  bie  Sante  ein  S3rieflein 
Garr$  bem  irrigen  ausliefet,  f treibt  fie  ber  SKutter:  „©teüefingS 
finb  fdfjon  jur  ©tabt  gebogen,  aber  biefe  5Rooember^age  finb  fo 
milbe,  bafe  mir  unfern  Aufenthalt  l)ier  verlängern,  ©ein  @arl  ifi 
gefunb  unb  ©uiot  liebt  iljn  feljr.  liefen  SBHttag  bringt  mein  sJKann 
i&n  mieber  IjerauS,  um  tyn  bis  2Rontag  ju  behalten,  ©einetroegen 
freut  e§  mi<$,  bafe  mir  bie  längfte  3*ü  braufeen  geblieben  finb;  id) 
tyabe  ben  lieben,  guten  jungen  bann  fo  nalje  bei  mir,  unb  merbe 
tt)n  jeben  Abenb  fefjen  tonnen." 

Unb  mie  fold&ergeftalt  feine  erfte  Äiubljeit  unter  bem  ginflufe 
guter  ©elfter  geftanben,  fo  liefe  fidf)  bie  3Ruttcr  angelegen  fein,  burdf) 
eine  forgfältige  SBa^l  tüd&tigcr  £au3tef)rer  förbernb  auf  bleiernere 
günftige  ©ntmidlung  be$  begabten  Änaben  ^injumirfen.  ßine  3*it* 
lang  Ratten  bie  Äinber  Unterrid&t  befommen  uon  bem  befannten 
©d&mtbt  üon  Sübedt,  unb,  nad&bem  biefer  burd)  ber  SDtutter  3Jer^ 
mittelung  eine  Aufteilung  an  bem    oom  ©rafen  9teuentlom  auf 


*)  $er  au<ty  alä  tyanbelSrecfytlittyer  ©ctyrtftftetter  befannte  ®eorg  ©teüelmg, 
(Sfyef  eineö  grofien  §anblung§tyauf eS ,  üerfyeiratfyct  mit  bev  1760  gebotenen 
^otyanna  SWargaretfye  SleimaruS,  (Snfelin  be$  ^üofopfyen  §ermann  Samuel 
SReimaruS,  unb  Softer  be3  SlrjteS  unb  ^rofefforS  3.  2t.  #.  3leimaru8 ;  fte  War 
eine  burtty  Gfoben  bc$  ®eifte$  unb  JperjenS  gleich  auSgejeidjnete  ftrau,  unfetem 
g-teunbe,  beffen  Xaufyatfym  fie  audj  n>ar,  bis  an  tyr  (Snbe  eine  mütterliche 
greunbin  unb  uon  tym  auf's  innigfte  verehrt. 


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zedby  G00gk 


XroDeburg  begrünbeten  Seminar  gefunben,  wanbte  fie  ft<$  an  um 
mit  ber  Sitte,  it)r  einen  geeigneten  9tad)folget  nad&juweifen.  2Iu« 
feinem  @rwieberung«fdf)reiben  t)om  l.  Sept.  1801  mögen  nadf)- 
fotgenbe  bejeid&nenbe  SBorte  fjier  eine  SUifnafjme  ftnben:  „$1)Tt& 
auftrage«  eingeben!,  Ijabe  tdfj  midf)  Ijte  unb  ba  nadfj  einem  Sefjrer 
für  3$re  Äinber  umgefe^en,  aber  in  ber  2Ibgefdjicbenl)eit,  worin  id& 
lebe,  bis  jefct  nodfj  niemanb  futben  fönnenr  ber  mir  einer  folgen 
Stelle  in  bem  ©rabe  würbig  jn  fein  fd&iene,  ben  bie  lieben«würbigen 
33er$ältniffe,  in  bie  er  als  §au«lel)rer  einer  folgen  gamilie  treten 
mürbe,  ju  forbem  berechtigen.  3fnbeffen  fyabt  id&  von  Dielen  Seiten 
©uteS  Don  bem  jungen  33ofe  gehört,  bem  älteften  Sofjne  be«  be- 
rühmten Sutiner^,  unb  burdfj  einen  feiner  greunbe  bei  ifjm  an> 
fragen  taffen,  üb  e«  in  feinem  pane  liege,  eine  berartige  Stelle 
anjunelimen." 

§at  ftd&  biefer  Sßlan  nun  aud&  nidf)t  realifiren  laffen,  fo  gelang 
e«  ibr  bodf),  in  ber  $erfon  eine«  jungen  9Kanne«,  Samens  ©anfen, 
ber  fpäter  eine  gleite  Stellung  auf  9lunbf)of  bei  ber  9tumot)r1^en 
gamilie  befteibet  unb  eine  Softer  be«  £aufe«  ge^eirat^et,  einen 
Setyrer  ju  engagiren,  ber  fidf)  in  gleicher  Sßeife  ba«  3u*rauen  ber 
©Item,  wie  bie  warme  2lnl)änglidf)fett  feiner  3ö9^n9e  Ju  erwerben 
»erftanb.  ®er  liebebebürftigen  Statur  be«  Änaben  entfpracb  e«  mefjr, 
ftd&  einem  9Kanne  ^injugeben,  ber  ganj  jur  gfamilie  gehörte,  al«  an 
bem  Unterricht  einer  öffentlichen  2lnftalt  S^eil  ju  nehmen,  wo  auf 
bie  33ebürfniffe  be«  einzelnen  nid()t  in  gleid&em  SJtaafee  9lücfftcf)t  ge- 
nommen werben  tann,  unb  fo  f dfjreibt  er  einmal  in  fpäterer  3*ü 
(1827)  feiner  Sd&wefler  ganntj:  „sJJlan  legt  im  allgemeinen  in 
unferer  3^it  ein  gar  ju  große«  @ewid)t  auf  bie  intellectuellen  Äräfte 
unb  beren  2lu«bilbung;  e«  giebt  aber  eine  Äraft,  bie  unabhängig  von 
ben  natürlichen  anlagen  ift,  unb,  wenn  fie  unfer  innere«  burd^ 
bringt,  un«  in  jeber  SBejiefjung  ju  tüd&tigen,  brauchbaren  9Renfd^en 
mad&t.  ©ie  fd&einbare  ,3ncapacität  unb  S)tdfl)äutigfeit  ber  Äinber 
bat  audf)  gewifj  fe^r  oft  tfjren  ©runb  in  ber  trodtenen  Sd&ulmetl)obc, 
bie  für  tyren  ©eifi  mdf)t  anregenb  genug  ift,  unb  oft  audjj  in  ben 
©egenftänben  be«  Unterrichte«,  unb  bafc,  wenn  man  if)ncn  dou  einer 
anbern  Seite  beijutommen  fudjte,  fie  fid)  audE)  ganj  anber«  jeigen 
würben.  Stodjj  forbert  ba«  Naturell  einjelner  Ätnber  fel)r  entfd&ieben, 
bafc  iljnen  in  einem  gewiffen  2llter  ^rtuatunterridfjt  erteilt  werbe, 
fo  wie  id&  benn  j.  Ö.  glaube,  bafj,  wenn  iä)r  ftatt  einen  <gau«lcf)rer 
in  meiner  Äinb^eit  ju  erhalten,  in  einer  öffentlichen  2lnfialt  gelaffcn 


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zedby  G00gk 


wäre,  bei  meinem  üWangel  an  Sammlung  idf)  oöllig  flupibe  unb  un* 
roiffenb  ^ätte  bleiben  muffen." 

2Bte  fe^r  er  jtdf)  aber  bem  treuem  3Ranne  uerpflid&tet  gefüllt 
l)at,  ber  biefe  Stellung  einige  Sa^re  in  ber  gamilie  eingenommen, 
bat)on  legt  ein  93rief  S^^gnife  ab,  ben  er  im  3.  1817  feiner  HRutter 
gefd&rieben,  nad&bem  er  auf  einer  burdj'S  öftlidje  ^olftein  unb 
S$le$nrig  unternommenen  Steife  audf)  feinen  alten  Selber  roieberge* 
fetyen.  „3$  fanb  il)n,"  fd&rcibt  er,  „bei  feiner  Schwiegermutter; 
fdjon  t)om  britten  3Mroe*  ty*  erfannte  er  mtd)  an  meiner  Stimme, 
unb  balb  tag  id)  in  feinen  3lrmen.  2teu&erlid&  fc^r  ueränbert,  ifi 
er  innertid)  ganj  berfelbe  geblieben,  unb  e$  mar  mir  ein  feltfam 
fdjöneS  ©efüf)l,  fo  nad&  unb  nad),  mag  idf)  früher  beroufetloS  unb 
gleicftfam  afjnungäooll  in  il)m  geliebt  Ijatte,  roieber  ju  erfennen,  mir 
SRedjenfd&aft  baoon  ju  geben,  um  e$  fortan  mit  ©emufetfein  feftju* 
galten  unb  ju  lieben.  Sfftögen  ftdj  SBicle  bei  ifjm  an  anberen  SHngen 
unb  3ufättigem  unb  äeu&erlidbfetten  flogen  unb  iljn  banadj)  beur* 
teilen,  id>  weife,  bafc  ein  ipünmel  Ijinter  biefen  SBolfen  fte&t,  ber 
über  mid)  als  Äinb  feine  reiben  Segnungen  auSgegoffen  ^at,  unb 
ben  nid)t$  mir  oerbunfeln  foll." 

SBie  ber  Serte^r  mit  biefem  3Hanne  für  fein  ©emüttjäleben 
förbertidf)  gemefen,  fo  wirb  beffen  Unterridjt  aud)  ber  @ntroidetung 
feiner  ©eifteäfräfte  jü  ©ute  gefommen  fein,  benn  in  feinem  15. 
SebenSjaljrc  (1807)  mürbe  er  für  reif  erflärt,  in  bie  ^rima  beS 
2lltonaer  ©pmnafiumS  aufgenommen  ju  werben,  äug  ber  bamaltgen, 
roie  au£  ber  gteid>  barauf  folgenben  in  öücfeburg  »erlebten  $eit, 
wo  er  ba«  bortige  ©pmnafium  befud&te,  fe^lt  e£  an  beftimmten 
Stodfjridfjten;  aber  feine  fpäteren  münbUdjen  SSteufeerungen  laffen 
fd&liefeen,  bafe  e$  mit  ber  Sttltonaer  änftatt  nur  mäfeig  befteDt  ge^ 
roefen,  unb  ber  <£onfirmattong*U]iterrid[)t  beS  $aftor3  ©abain, 
$Prebiger$  an  ber  franjöf.  reformirten  Äirdje,  melier  bie  $amilte  roie 
väterlicher,  fo  mütterlk&er  SettS  angehörte,  rotrb,  ba  biefer  im  Ue* 
brigen  fromme  unb  milbe  SKann  feine  moralifdEjen  SBerljaltung&aWaafc 
regeln  nid)t  in  genügenbe  Serbinbung  mit  ben  ttjatfäd&lic^en  ©runb* 
tagen  ber  c&riftlid&en  Se^re  ju  fefcen  wrftanb,  fctyroerlidf)  oon  naty 
faltigem  ©influfe  auf  einen  Qöngling  gemefen  fein,  bem,  roie  er 
fpäter  einmal  fagt,  bie  Sieligion  immer  Sad&e  be3  §erjen$  unb  nid&t 
ber  S)emonftration  gemefen.  „(S3  ift  mir,"  fo  f^reibt  er,  „iron  jeljer 
ber  ©ebaufe  gräfeltdfj  gemefen,  bafc  man  ftdj)  ben  Äopf  über  SHnge 
jerbred&eu  foll,  bie  einjig  ba$  JQerj  ju  füllen  unb  ju  entjünben  be* 


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8 

fiimmt  firtb.  Hamann  fagt  trgenbwo :  „Optimus  maximus  oertangt 
^ulSfdfjläge  unb  nid)t  Äopfbrcdjen",  unb  ber  UnterrM&t  wirb  immer 
barauf  ausgeben  muffen,  bem  fälimmften  Uebcl,  meld)e$  bem  SRenfdjen 
begegnen  fannf  oorjubeugen,  nämlid):  baS  Sftecept  ftatt  bet  äftjnei 
ju  oerföluden," 

n.    3M*etfitSt*§eit  1811-1816. 

2)ie  in  Sfideburg  t>erlebten  Sage  finb  il)m  in  angenehmer 
©rinnerung  geblieben,  ©eine  SKutter  war  bort  in  nähere  öe* 
jie^ungen  ju  ber  gamilie  be$  bürgerlich  gefinnten  unb  fefyc  unter* 
richteten  gürfien  unb  ben  gef  eiligen  Greifen  getreten,  „guten  unb 
gebilbeten  SKenfdjen,  bie  erfi  oon  it)r  roa^re  ©efelligfeit  gelernt 
§aben,"  wie  e$  in  einer  fpäteren  äufjeidmung  tljreS  ©rubere  Reifet. 
9Jtit  feinen  ©d&wefiern,  ber  oerwittweten  grau  oon  ®tetri<$,  ferner 
©opljie,  bie  ftdfj  i.  3».  1819  mit  bem  Amtmann  Änopf  oerel)eltdjte, 
unb  gannp,  ber  fpäteren  ©attin  be8  Hauptmanns  oon  6ampc,  nrie 
nid&t  weniger  mit  feinem  ©ruber  ®mil,  ber  ftd)  bem  Kaufmanns* 
fianbe  gemibmet  unb  fpäter  in  ©nglanb  ftd)  nieberliejs,  wo  er  nodd 
lebt,  l)at  er  fiet«  in  beftem  brtiberlid)en  ©inüerneljmen  gefianben, 
unb  bie  gamilie  füllte  fid^  roo^l  aufgehoben  im  SJerfeljr  mit  wol)l> 
gefinnten  3Jtenfd)en  unb  bem  @enu§  ber  anmutigen  Umgebungen 
be$  ©täbt^en«.  (Sari  Ijatte  mittlerweile  fein  19.  SebenSjatp  ooQ= 
enbet,  unb  ber  3eitpunft  mar  fierangefommen,  wo  er  bie  Untoerfität 
befud&en  fottte.  S)anfbar  blidtc  er  auf  feine  Vergangenheit  jurücf, 
benn  burd)  ben  frühen  SSerte^r  mit  Dorjüglidjen  3Renfd&en  mar  er 
in  einer  2ltmofpf)äre  f)erangewa<$fen,  wel<f)e  U>n,  glei^fam  o^ne  fein 
SBewufetfein,  fo  mand&e  freiere  unb  größere  SebenSanfidjten  |atte  ein* 
atfrnen  taffen,  beren  anbere,  unter  minber  gttnftigen  Umftänben  grofe 
geworbene  junge  Jßeute,  menn  überhaupt,  bod)  oft  erfi  nad)  müttfam 
gewonnenen  ©rfatyrungen  frolj  werben  mögen.  Unb  fo  fd&rieb  er  oon 
Tübingen  au«,  wo  er  feine  ©tubien  begonnen,  nad)  &aufe:  „SBifet 
iljr,  lieben  ©djmefiern,  wa£  euer  ©rief  auf  3  £efttgfte  in  mir  erregte? 
eö  war  bie  banfbare  ©mpfinbung  unfereS  ©lüde«,  oon  Äinb^eit  auf 
unter  ber  Seitung  unb  ©inwirfung  fo  Ijerrlidjer  TOenfd&en  gelebt  ju 
Ijaben,  bie  unfer  inneres  jum  2lnf  lange  ber  polieren  unb  f djöneren 
iöne  fiimmte,  für  metdje  Siele  fo  otyne  allen  ©inn  finb;  benn  ba£ 
$er}  unb  ©emtitf)  be$  2Renfdjen  läßt  fid)  auSbilben  unb  mufe  au$ 
auägebilbet  werben,  wie  ber  ©efömacf  be3  ÄünftferS,  ber  wo&l  taum 


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9 

ju  einer  £öf)e  gefictgett  werben  fattn,  wenn  e«  i^m  frülje  an 
wedfenben  $eifpielen  gefehlt  f)at.  Dljne  fie  gefjen  bie  SKenfdjen  nur 
ju  häufig  oor  bem  gehaltreichen  ©emälbe  be«  Seben«  wie  oor  einer 
artigen  Stapete  üorüber,  merfen  nid&t  auf  bie  feineren  ©trid&e  unb 
Nuancen,  unb  gelangen  an}&  @nbe,  ofjne  ba«  füfee  SRätf>fcl  gelöft  ju 
Ijaben,  ba«  in  bem  ©anjen  waltet  unb  if)m  feine  eigentl>ümli<f)e  93c^ 
beutung  gtebt" 

3lu«  ber  Qdt  feine«  Aufenthalte«  in  Tübingen,  von  Dflern 
1811  b\&  bafyn  1813,  Ijaben  fid&  nur  wenige  oon  Sarf«  ©riefen 
erhalten;  e«  war  in  wandern  Setrad&t  bie  reid&fte  unb  glüdflidjfte 
feine«  2tbtn&,  unb  wenn  fie  trieHetd&t  für  fein  gadjftubium  weniger 
erfpriefclidf)  gewefen,  al«  für  feine  2lu«bilbung  im  allgemeinen,  fo 
l)at  ba«  fid^erlid^  ni$t  fowofjl  an  if)m  gelegen,  al«  an  .ber  23ef<$affen* 
ljeU  ber  Vorträge.  2Bie  e«  tym  aber  fpäter  bei  feinen  wiffenf^aft» 
lid&en  Arbeiten  t)or  allen  fingen  auf  ©rünbltc^feit  ber  gorfd&ung 
unb  Ätarljeit  ber  Starfteflung  anfam,  fo  tyatte  er  twr  bem  Sejie^en 
ber  Unioerfttät  ba«  Stebürfnifc  empfunben,  bei  einem  erfahrenen 
SDtonne  nadf)  ber  äKetljobe  $u  forfd&en,  wie  er  am  beften  feine  ©tubien 
ein  Juristen  Ijabe.  Unb  ba  meinte  er  in  Äarl  ©ieuefing  bie  geeignete 
$Perföntid)feit  ju  finben,  ber,  um  einige  3al)re  älter  al«  er,  unb  ba* 
mal«  beim  ©efanbten  am  2öeftfälifdf)cn  $ofe,  SBaron  Steinhart),  an* 
gefteDt,  iljm  burd&  alle«,  wa«  er  üon  üjm  wufjte,  oon  je^er  im  fyotjen 
©rabe  imponirt  Ijatte.  Unb  auf  feine  33ittc  um  Jöelefjrung  erhielt 
er  unterm  11.  üKärj  1811  eine  Antwort,  worin  fidf)  be«  SSerf affer« 
geiftreidfje  ®enf weife  au«fprid(jt,  unb  weld&e  üon  un«  be«l)alb  bem 
Hauptinhalte  nadf)  mitjutljetlen  ifi,  weil  bie  f)ier  au«gefprod&enen 
©runbfäfce  in  2Bal)r$cit  bie  jenigen  $croefen  finb,  nadf)  wetzen  unfer 
greunb  feine  ©tubien  eingerid&tet  l)at. 

„3$  mürbe,"  fd&retbt  er  nadf)  einigen  einleitenben  ©orten,  ,,ba« 
grünblidfje  ©tubium  ber  3uri«prubenj,  wa«  niebt  oljne  melfetttge« 
Qntereffe  für  3)idf)  fein  fann,  al«  eine  ©d&ulb  anfe^en,  bie  idf)  abju* 
tragen  fjätte,  um  mit  befto  freierem  ©eroiffen  nadfjljer  bie  Au«bilbung 
ju  fud&en  weldfje  anf  bem  ©oben  ber  erfüllten  ^flid&t  au«  bem 
Reitern  Umgang  mit  ebleren  Jöiffenfd&aften  entfpringt.  2Btr  leben 
in  fo  trüben  3*ten>  ba$  feiner  von  un«  auf  ein  anbere«  ©rbtljeil 
rennen  barf,  al«  auf  erworbene  ftertigfeiten.  3$  füljle  nur  ju  feljr, 
n>ie  wichtig  e«  ift,  irgeub  eine  fold&e  gertigfeit  ju  Ijaben,  bie,  gleich 
fam  immer  §u  realiftren,  audf)  allen  Sefifctljümern,  bie  man  fonfi 
nodf)  Ijaben  mag,  Seben  giebt.    S)iefe  3Rünje  mufe  für  S)id&  ba« 


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10 

juriftiföe  Söiffen  fein.  ©ie  ©efeflfdjaft  forbcrt  oon  jcbem  il>re  %b 
gaben  an  ©elb  unb  an  £f)äUgfeit.  SBir  bürfen  nid&t  mel>r  leben 
wie  bie  ^ßatriard^cn  auf  ifjrem  £au$  unb  $of,  o^ne  etroaS  anbereS 
ju  bauen,  als  mir  oerje^ren  fönnen,  in  Betrachtung  ber  ©efiirne. 
28ir  muffen  tiwa&  l)aben,  n>a$  wir  oerfaufen  fönnen,  um  mit  bem 
©elöften  bie  SHnfprüd&e  beS  Staates  ju  befriebigen.  ®o  muffen  urit 
auc^  irgenb  ein  §anbroerf  oerPeljen,  wa$  uns,  wie  ber  2t<fer  bem 
Sauer,  bie  ©runblage,  id)  nriH  nid)t  fagen,  äu&erer  Silbung,  aber 
unfereä  irbifd&en  Treibens  ifi.  SBenn  man  in  frönen  Serljältniffeit, 
in  reid&lidfjem  Seben  erlogen  ift,  fo  fommt  man  nur  $u  letdjt  babin, 
bem  $anbroerf  geringeren  SBertf)  beijuteger,  e$  ju  oerfäumen,  ober 
iljm,  um  e£  ju  fteigern,  oermanbte  S3eftrebungen  unterjufdbieben,  bie 
juroeilen  benfelben  SRamen  führen,  ©tubiren  fjeiöt  fo  gut  bem  CUieC 
beS  2Siffen$  ftd^  entgegenbrängen ,  als  jum  2lrjt,  jum  Slboofaten, 
jum^ßrebiger  fidfo  oorbereiten,  unb  nid)t$  ift  bodf)  mistiger,  atsbeibe 
SBebeutungen  ftrenge  ju  fdjeiben.  SHefe  ©pradfjoerroirrung  mad&t  e$ 
jefct  jum  Ztyil,  bafe  ba3  9Serf)ältnifj  unbraud&barer  ©tubenten  fo  oiel 
gröfjer  ift,  aU  ba$  unbraudfjbarer  Xifdbler,  QimmtzUutt,  ©dbneiber." 
—  (9ladf)bem  bann  ber  SrieffteDer  oon  ber  üJtögltdfjteit  gefd&rieben, 
matbematifdje,  ptjifotogifdEje  unb  biftortfdje  SoDegien  in  Tübingen  ju 
Ijören,  fttyrt  er  fort  mit  ben  SBorten:)  „©Ott  gebe  aber,  bafe  S>u 
mit  ebeln  unb  fleißigen  jungen  Seuten  ju  redjt  oertrauter  greunb- 
fdfjaft  gelangen  mögeft.  @troa£  beffereS  fann  man  niemanb  nmnfdjen; 
aber  auf  ber  Unioerfität  ift  bie  greunbfd&aft  mefjr  als  bie  Suft,  bie 
man  atfjmet.  2We  anbere  ©efeDigfeit,  felbft  bie  9tul>e  ber  gamiUen, 
ju  benen  ®u  bod)  nie  gauj  gehören  roürbeft,  wirb  S)ir  baneben 
jdfjaal  unb  unfdfjmacHjaft  bünfea.  CSs3  ift  eine  fdjöne  ginrid&tung, 
bafe  junge  SDtänner,  bie  fonft  überall  in  feine  roedfenbe  Serü^rung 
mit  cinanber  fommen,  auf  ber  llmoerfttät,  gerabe  in  ben  Sauren, 
wo  alle  Äräfte  in  regem  2Bad&3tf)um  finb,  fo  aneinanber  gebrängt 
werben,  bafe  feine  3etftouung  fie  oer^inbert,  ba^  gleite  Seben  in 
einanber  ju  erfennen." 

©inb  mir  nun  auc$  über  ba£  Stnjelne  feinet  Tübinger  SebeitS 
uur  unootlfommen  unterrichtet,  fo  nriffen  mir  bodfj,  bafe  er,  an  bem 
©tubentenleben  in  ooUcm  SJiaafee  S^eil  nelpncnb,  nid&t  nur  bem 
2Bunfd;c  jenes  93ric^ftcUersS  gemäfe  mit  Dielen  f)od#erjigen  3ün9; 
Ungen  Biinbmffe  ber  engften  greunbfdjaft  ju  fnüpfen  gemußt,  fonbent 
ftd)  gleichzeitig  mit  allem  ßifer  unb  ber  ganjen  (Snerge  feinet  2Men$ 
bem  §auptjroedfe  feine«  UnioerfitätÄ^SebemS  gemibmet  Ijat,   metteity 


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ii 

and)  btefe$  nadj  ©ieoefing'S  Stecept,  bcr  iljm  bie  Qnftituttonen  nadfj 
$ofadfer  alsS  ba3  befte  2lnfang£coHegtum  geprtcfen  ^attc,  mit  bcm 
§in juffigcn :  „2)u  mußt  babei  fleißig  3ufUnianS  Snftitutionen ,  etwa 
nad)  £öpfner1£  ßommentar,  mit  ßujieljung  von  ältalbedf'ä  furjem 
Slbriß  fefjr  ernftfjaft  ftubiren,  unb  3)"u  faunft  2)id)  barin  ,  unb  jtuar 
gleidf)  im  erften  Qofyct,  wenn  tdf)  ffiir  ratzen  foll,  nidjt  genug 
vergraben." 

$5ren  mir  aber  nun  junädjft,  roaS  von  tflüpfel  in  „©uftao 
©d&roab'S  Seben"  über  be£  lederen  anfängliche  Steuerungen  ju  unferm 
gteunbe  fon>ol)l  erjagt  wirb,  als  wie  biefer  ftdj)  im  fpätern  Verlaufe 
felbft  barüber  äußert.  Sie  Ratten  fid)  im  grüljjafyr  bc$  3-  18 1 1  im  &aufe 
be3  ^rofefforS  ©Araber  hnnzn  gelernt,  unb  in  Sdpab'3  3)iograpf)ie 
Reifet  e3  bann:  „^auli'S  SIeußereS  mar  oon  einueljmenbftem  SBefen, 
er  Ijatte  eine  jugenblidfje  Sftegfamfeit  unb  SBärme,  uerbunbeu  mit 
feinen  Sitten,  bie  if)in  leidet  greunbe  erwarben.  @r  mar  erfüllt  oon 
benfelben  geiftigen  unb  poetifd&en  Qntcrcffcn  rote  ©dfjroab,  unb  eben 
fo  für  tiefere  £er}en«8freunbfd)aft  geftimmt.  SDem  ©tubentenleben 
mefyr  als  ber  burdf)  flöfterlidjen  3roang  befd&ränfte  ©dfcroab  juge^ 
tljan,  braute  biefer  ifjn  in  Serbinbung  mit  anberen  greunben,  unb 
roäfjrenb  ber  gerien  mar  er  ein  gern  gefefjener  ©aft  bei  ©dfjroab'ä 
@ttern  in  Stuttgart"  Qn  einem  ©riefe  ©d&roab'ä  an  einen  gemein* 
fdjaftlidfjen  greunb  au£  bem  ftatyxt  18 ] 2  fjeißt  e$  bann:  „tyauli  ift 
ganj  in  ba£  ©tubentenleben  nerfenft;  feine  roarmen  ©efüt)te  ftnb 
nid)t  meljr  fo  auf  (Sinjelne  concentrirt,  unb  er  fann  mir  nid)t  mcljr 
fo  mete  3lufmerffamfeit  fdjenfen,  benn  ate  befdjeibencr  ifolirter  gud)3, 
wie  ®u  tf)n  gefannt  fjaft.  Qe^t  ift  er  ein  flotter  Surfd)  geworben, 
unb  ttjetlt  feine  Stunben  in  einen  Ungeheuern  gleiß  unb  ein 
burfdf)tfofe£  Seben,  ba$  tfjm  übrigens  rcrf)t  woljl  anftebt.  Slud)  Ijat 
er  fief)  burd)  einige  Suiten  2lnfet)en  ju  üerfdfjaffen  gemußt.  UebrigcnS 
bin  idf)  überjeugt,  baß  fein  $erl)ältmß  ju  mir,  wenn  e$  nid)t  fo  järt* 
lid;  ift  mie  2lnfang£,  burdfjauS  nur  3^reuunf)  unb  feine  Äälte 
(beren  er  nie  fällig  ift)  jur  Urfac^e  fjat." 

Unb  hierin  batte  <SA)xoab  ridjtig  geurtfjeilt,  benn  btö  ju  beffen 
$obe  baben  bie  greunbe  mit  einanber  in  (SorreSponbenj  geftanben, 
bie,  menn  auö^  oft  burd)  lange  Raufen  unterbrochen,  immer  ba£ 
gleiche  ©epräge  roarmer,  Ijerjlicber  Siebe  trägt,  meiere  fie  in  ber 
fdbönen  Qiigeubseit  3ufammengefü^rt.  SBir  merben  im  Verlaufe 
unferer  förjäf)lung  ©clegen^eit  fjaben,  mand&eg  barauö  mitjutljeilen, 
mie  e5  ftdb  ben  Seben^ereigniffen  anfd^ließt,  unb  benfelben  jur  6r* 


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12 

täuterung  biertt.  #ter  mögen  aber  junäd&ft  2Borte  $auli'8  au£ 
früherer  unb  fpäterer  3*ü  einen  $lafc  finben,  tnfofern  fie  un$  t&eite 
auf  ben  beginn  feiner  greunbfdfjaft  mit  biefem  bid&terifd&  begabten 
unb  oielfeitig  gebitbeten  SRann  unb  anberen  greunben  jurüdtfü&ren, 
unb  ttjeilä  wn  ber  nachhaltigen  3)auer  magrer  ftreunbfd&aft  3^w9^i6 
ablegen,  ©o  Reifet  eS  in  einem,  gleich  nad[>  t&rer  Trennung,  im 
3a^re  1813  getriebenen  ©riefe:  „Sßarum  lä&t  S)u  nidfjtä  oon  2Hr 
Ijören?  2Benn  ber  ©tern  S)eincr  greunbfd&aft  fid^  oerfxnfiert,  fo  ijt 
mir  aud&  ber  ganje  $immel  getrübt.  3$  ma9  ?°^e  traurige 
SDinge  nid&t  benfen !  Äomm\  geljen  mir  jufammen  auf  meine  Stube, 
ober  auf  roetd&e  S)u  roiUft,  auf  jene,  mo  unfere  greunbföaft  begann, 
mo  S)u  midfj  avß  ber  ©efettfäaft  tobter  Stömer  in  ©eine  unb 
aRaper'S  lebenbige  SRitte  t)inein$ogfl,  mo  mir  in  unferen  §erjen  ba$ 
gleite  Seben  inniger  unb  mäd&tiger  empfanben,  unb  S)u  in  einer 
Weiteren  unb  glüdtlidf)  beginnenben  Siebe  ju  fömetgen  anfingft,  ober 
in  eine  jmeite,  mo  mir  in  ba$  l)immUfdf)e  9tedfartt)al  t)mauSpf)anta; 
firten,  ®u,  Äöftlin  unb  idf),  al$  bie  flotte  ©eele  unb  ber  reidje  ®eifl 
unfere«  $ßautt>*)  fid^  uns  ju  entfalten  begann,  ober  in  bie  britte, 
mo  mir  in  gleicher  SiebeSglutl)  atmeten,  unb  un$  ber  gleite  ©c^merj 
über  unferen  ^aulrj,  ein  ^immlifd&eS  ?3anb,  Dereinigte,  mo  idf>,  oer* 
jmeifelnb,  an  ©einem  §erjen  mie  immer  afleä  £ol)e  unb  ©üfee  ber 
greunbfdjaft  empfanb  —  auf  eine  biefer  fofe'  uns  getyen,  unb  bann 
fragen,  ob  unfere  greunbfd&aft  oergänglidj  ift,  ob  von  räumlichen 
SSerbältniffen  abhängig,  ober  ob  fie  nidfjt  melmeljr,  mie  ba$  (Slcment, 
morin  fie  lebt,  über  3*ü  unb  9taum  ergaben  ift." 

©päter,  am  13.  Januar  1S31,  föreibt  er  bem  greunbe:  „311$ 
S)u  S)id&  am  24.  2lpril  1828  tynfefctcft,  um  meinen  ©rief  oom  10. 
Dctober  1825  ju  beantmorten,  tjielteft  5)u  ftatt  aller  @ntfd&ulbigung 
nur  bie  Sitte  nöt^ig,  überjeugt  ju  fein,  bafe  S)u  im  $erjen  no# 
ganj  ber  ?ltte  feieft.  Unb  idf),  inbem  id&  biefen  ©einen  lieben  Srief 
Ijeute  nad&  faft  3  ^aljren  beantworte,  mödfjte  bamit  anfangen,  $id> 
ju  bitten,  mir  fogar  bie  ©Ute  ju  erlaffen,  momit  ®u  anftngft,  ba  fie 
etmaö  betrifft,  n>a8  fid^  nad&  meinem  ©efüfjl  ganj  t)on  felbft  ©et* 
ftebt;  idjj  miß  nidf)t  reben  t>on  bem  ferner  ju  löfenben  Sanbe  gemein^ 
fam  »erlebter  3ugenbjett,  aber  id&  meine:  3Henf  d;en,  bie  bie  2Bal)t* 
(jeit  motten,  muffen  fid^  aud)  immer  ma^aft  nä^er  fommen."  Unb 
i.  3.  1842,  naddbem  ©c&mab  Üjn  1841  in  Sübedf  befud&t,  Reifet  e$: 

*)  $er  weiter  unten  genannte  9tamen$»etter  unfere«  gteunbe*. 


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„SSäre  t$  nid&t  ein  fo  fauler  ©rieffteUer,  fo  |attefl  SHt  längjt,  unb 

namentlich  au«  ben  Sagen,  in  benen  id&  bie  3a^rc«feicr  unferer 

äßteberoeretnigung  nadj)  längerer  äußerer  Trennung  in  lebenbiger 

©ergegenroärtigung  alle«  ©efeeligenben  berfelben,  im  ©eifi  gefeiert 

fyabt,  ein  Sßort  ber  Siebe  Don  mir  erhalten,    ©o  empfange  benn 

roemgftenä  jefet  meinen  fpäten,  aber  barum  nic^t  weniger  marmen 

S)anf,  bafe  £>u  ju  mir  gefommen  unb  mir  in  bem,  wenn  audt)  an 

ftdj  furjen,  bodfj  bejügli<$  ber  S)ir  jugemeffenen  3*ü   langen  Qu* 

fammenfein  von  neuem  bie  ©emiftyeü  gegeben  $aft ,  ba&  ba#,  roa& 

mtd&  Dor  nun  31  ^atyren  ju  S)ir  tyingejogen,  unb/  ungefäljrbet  wn 

ben  3ufäDiigfeiten  ber  äufceren  Stellung,  innig  t>erbinbet,  bafe  eS 

2Baljr$ett  ifi."    Ueber  bie  ganje  unb  Dolle  ©ebeutung  aber  beffen, 

roa«  er  l)ier  SSaljrljeit  nennt,  §at  er  fidjj  in  einem  früheren,  au&  bem 

3a^re  182 1  getriebenen  ©riefe  gegen  ben  greunb  mit  ben  ©orten 

auSgefprod&en:  ,,@«  ifi  mir  ein  rü^renber  unb  erfjebenber  ©ebanfe, 

bafc  id^  faft  alle  diejenigen,  mit  benen  tc§  in  fdfjöner  Qugenbjeit 

midfj  Derbrübert,  jefct,  in  ernfteren,  reiferen  Sauren,  roo  ftdf)  entfdfjieben 

l)at,  roa«  mir  motten,  in  einem  f)öljeren,  in  bem  magren  ©inne 

©ruber  nennen  fann;  benn  e«  giebt  fein  roaljre«,   fein  bletbenbe« 

©ruberbanb,  al#  ba«,  xoaS  burdf)  ben  £tmmel  ge^t,  gemoben  unb 

gefnüpft  unb  gehalten  oon  $)em,  burdf)  ben  alle  S)inge  gefdjjaffen 

finb,  unb  ber,  unfer  ©ruber,  uns  in  allem  gleid&  geworben  ifi,  auf 

bafe  6r  un«  fidjj  gleich  machte  in  SlHem,  aber  befonber«  in  ber  Siebe." 

Unb  roie  Diele  junge  SKänner  fanben  ftdfj  nic^t  bamai«  in 

Tübingen  Bereinigt,  bie,  burd&  gleite«  ©ud&en  unb  ©treben  auf 

einanber  angemiefen,  einen  ©unb  fd&loffen,  beffen  SBirfungen  fidfj, 

einem  listen  ©dfjeine  gtetdj),  über  ifjr  ganje«  ikbtn  üerbreiteten ! 

S3on  ber  großen  3<*l)l  berer,  roeld&eu  fyauli  näljer  getreten,  feien 

f)\tx  nur  genannt:  bie  beiben  ©ruber  ©netylage  au«  ©erlin,  ber 

fpätere  aRebijinalratf)  £affe  in  ©aljuffeln  unb  S)octor  ©tinfcing  in 

«Itona,  unb  oon  SanbSleuten  ©d&mab1«:  ber  Geologe  Ofianber,  ber 

3urift  Äöftlin,  ber  $f)Uofop§  ©igroart,  bie  beiben  ©ruber  Äarl  unb 

?luguft  3Maper  unb   ein  frity  t>erftorbener  SRamenSoetter  unfere« 

gteunbe«.  U^lanb,  einer  etwa«  früheren  ©eneration  ange^örig,  flanb 

mit  Dielen  SDtitgliebem  biefe«  Äreife«  in  genauen  ©ejieljungen,  mie 

er  benn  aud&  unferen  $auli  in  fpäteren  Sauren  in  Sübedt  befugte. 

Unb  mie  groß,  mie  oer$eif?ung£oo(l  mar  bie  3*it,  in  ber  fte  lebten, 

wie  fpannenb  bie  ©egenmart,  mie  au«ftd()töt>ott  bie  3^funftl    ©ine 

fernere  Stacht,  bie  fo  lange  auf  3)eutfdfjlanb  gelegen,  fd)ien  meinen 


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14 

ju  follcn ;  Ijalb  erlogne  Silber  einer  grofcen  rufymteid&en  Vergangen* 
tyett  gewannen  frifdje  garben,  unb  t^eitten  iljr  ßidfjt  ber  ©cgenwart 
mit;  bie  Älänge  uralter  £elbenfage  begeifterten  21tt  unb  3ung;  mit 
tiefer  ©prad&forfdjung  ging  beutfdfje  Sichtung  &anb  in  &anb;  ein 
fprubelnber  üuell  frifdjen  2ieberfegen$  ergufe  fidj  befrud&tenb  über 
ba$  erftorbene  geiftige  ©ejtlbe,  unb  ein  warmer  2luferftel>ung$l)aud) 
jerrife  bie  JobeSnebel,  unter  benen  bie  Jperjen  baljingefied&t  Ratten, 
unb  burdtftrömte  fie  mit  Gräften  be£  Sebeng  unb  ber  Siebe!  Unb 
mit  ooUen  Bügen  jogen  unfere  jungen  greuube  bie  fie  umgebenbe 
&immel£luft  ein,  oljne  ju  aljnen,  bafe,  wie  frühen  Slüt^en  ber  groji 
broljt,  fo  auä)  ba3  Sanb  be$  SraumeS  nur  ju  oft  Straum  bleibt,  unb 
bie  falte  Söirflidfjfeit  ber  begeifterten  Hoffnung  ©d&ranfen  entgegen* 
feftt,  bie  in  ifyrer  ^Berechtigung  2lnerfennung  »erlangen,  mnn  aber  un- 
beredfjtigt,  fid)  meift  nid^t  o^ne  fdfjwere  kämpfe  befeitigen  laffen,  unb 
beren  SRefultat  bann,  felbft  im  günftigften  gaUe,  niemals  ganj  bem 
Qbeal  entfprictyt,  ba3  bie  $l)antafie  bem  93efd)auenben  urfprüngltdb 
in  greifbarer  SRttye  oor  Slugen  gefieHt  tyatte.  9?od;  nid&t  in  fold&er 
SBeife  enttäufdfjt  über  fidf)  wie  über  SHnbere,  jogen  fie  Reitern  ©inneS 
baljin,  auf  2lu£flügen  in  bie  9tälje  unb  gerne,  je  nad&bem  Slbfid^t 
ober  Saune  fie  trieb,  fid)  ber  tjerrlidjen  ©egenben  beS  SanbeS  et* 
freuenb,  ober  in  gefeüigen  3ufarom*nfitofan,  an  Vorträgen,  bie  ber 
eine  ober  ber  anbere  f)iclt,  ftdj  ju  erbauen  unb  ju  ergöfcen,  unb  im 
gegenseitigen  ©ebanfenauStaufdf)  afleS  ju  ner^anbeln,  wa£  in  ityret 
engeren  Umgebung  uorfiel  ober  bie  größeren  Sebenäfrctfe  bewegte. 

Unb  a\x6)  fonft  fehlte  eS  ben  jungen  Seuten  nidfjt  an  SSerfetir; 
wie  mir  $ßauli  bei  ©dfjwab'S  ©Item  unb  bei  Sßrofeffor  ©d)raber 
wofjl  aufgenommen  fa^en,  fo  Ijatte  er  aud)  Betritt  ju  £errn  oon 
SBangenljeim,  —  bem  weiteren  Seferfreife  befannt  bur$  feinen 
SebenSabrife  in  v.  £reitfd&fe'3  „Ijiftorifd&en  unb  politischen  2toffä|jen" 
—  jenem  ebeln,  freifinnigen  9Kann,  ber  bamafe  ate  Kurator  in 
Tübingen  fungirte,  eine  belifate  Stellung,  bie,  beiläufig  bemerft,  )u 
einem  Sluftritt  2lnlafc  gegeben,  beffen  l)ier  gebaut  werben  möge,  roeil 
unfer  Sßault  babei  eine  Stolle  gefpielt  Ijat.  2luf  einer  Steboute  Ijattc 
nämlid^  ber  ßurator,  in  beffen  SRatur  etwas  StufbraufenbeS  lag,  ge 
legentlid^  irgenb  eineö  3SorfaHeö  fid&  über  ©tubenten  in  einer  SBeife  ge^ 
äußert,  wobur<$  biefe  ftdf)  in  iljrer  ©cfammtljeit  Beriefet  füllten  unb 
ben  @ntjd)Iu6  faßten,  eine  Deputation  aufs  ©d&lofj  ju  fcnbenf  ju 
beren  SRitgliebern  aud&  Sßauli  gehörte.  S)em  Weiteren  unb  geifc 
reiben  3Kanne,  ber  f eiber  ©tubent  gewefen,  unb  ate  foldjjer  feinet 


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16 

3eit  eine  grofee  Stoße  gefptelt  fyttte,  gelang  eS  leicht  ^  otyne  feiner 
Stttirbe  etmaS  ju  oergeben,  ber  Angelegenheit  eine  beftiebigenbe 
SBenbung  ju  geben;  benn  t)on  einer  Deputation  moflte  er  ntd&tS 
miffen;  er  liefe  fie  gar  nid)t  oor  fidf).  2ltS  er  aber  einige  Sage  fpäter 
au£  einem  6oHegium  trat,  beren  er  cinjelne  ju  befugen  pflegte,  unb 
$auli7S  gewahr  mürbe,  fo  näherte  er  fidE)  biefem  mit  ben  Söorten: 
„®lauben  Sie  nidf)t,  bafe  idfj  %t)ntn  3$r  auftreten  übel  genommen; 
\6)  bin  felbfi  ©tubent  gemefen  unb  weife,  bafe  ©ie  ftd)  nid&t  von  ber 
Deputation  auSfcbtiefeen  fonnten.  $erfönüd&  fann  idj  es  3#nen  ntd&t 
gebenden.  Äommen  Sie  morgen  ju  mir  jum  ©ffen."  Stuf  einer 
Steife,  bie  äBangenbcim  i.  3.  1824  burdj  91orbbeutf(^lanb  madljte, 
fam  er  audf)  nadf)  Sübedt,  unb  braute  einen  2lbenb  bei  $auli  ju,  mo 
mit  anberen  aud)  biefeS  SBilb  einer  Weiteren  Vergangenheit  nor  tyren 
SBlidten  porüberjog. 

Der  Vorfall,  oon  bem  mir  eben  gefprod&en,  mag  fid&  in  ber 
legten  3*it  feines  SlufentfjatteS  in  Tübingen  jugetragen  baben;  gerne 
märe  er  länger  bort  geblieben,  fein  glci&  ^atte  ibn  ben  5ßrofefforen 
roertl)  gemadfjt;  burdj)  fein  freies  SBJefen  unb  bie  bei  oerfd&iebenen 
6f)renl)änbeln  bemiefene  ritterliche  Haltung  genofe  er  grofee  Artung 
unter  ben  ©tubirenben,  unb  ©egenb  mie  3Jlenfdf)en  feffelten  tfjn  ber* 
tnafeen  an  jenes  fööne  Sanb,  bafe  er  eS  immer,  unb  audf)  nodfj  in 
fpäteren  Sauren,  mie  feine  jmette  ipeimatf)  betrachtet  l)at;  eS  liegt 
t)or  uns  ein  ©rief  Äöfttin'S  aus  bem  Qaljre  1858,  morin  er  bem 
greunbe  fdfjreibt;  „Du  Ijaft  bei  Deinem  Sefuctye  im  vorigen  ©ommer 
©d&roaben  Deine  geiftige  £eimatl)  genannt,  unb  bie  Steigung  blidten 
laffen,  bafe  nad)  fiöfuug  Deines  Dienftner^ältniffeS  Du  audj)  leibUdfj 
Didjj  bafelbft  anjuftebeln  mfinfdfjteft.  3tun  bie  greunbe,  bie  Du  im 
oorigen  ©ommer  befugt,  ftnb  ©ottlob  alle  nod&  Dorf)anben,  unb 
manche  mären  nodf)  311  jtnbcn,  bie  bamalS  nidjt  ju  §aufe  ober 
Deiner  (Erinnerung  nid&t  gegenmärtig  maren.  SOBie  mürben  mir  Didfj 
nrißfommen  Ijeifeen!"  Silber  mie  eine  folebe  $t\t  ber  SBieberfe^r  ntd&t 
für  iljn  fommen  follte,  fo  mufete  bamalS  audf)  oon  einem  oerlängerten 
Aufenthalte  in  Tübingen  abgefe^en  merben. 

inmitten  beS  romantifdfjen  SebenS,  baS  fie  führten,  mar  aber 
ben  jungen  Seuten  bie  ©ebeutung  beS  SöorteS  „practifdfj"  bodf)  nie* 
mals  aus  bem  ©inn  gefommen,  unb  jeber  non  ifjnen  fud&te  fidf)  fo 
ober  anberS  bamit  abjufmben.  Jtun  mar  jebodf)  aufeerljalb  3Bttrtem* 
berg'S,  mo  ftd)  ber  ftönig  junädfjft  jurüdtyielt,  im  übrigen  Deutfcfc 
lanb  baS  Seben  fe|r  „practifdf)"  aufgetreten,  unb  baS  tapfere  $er§ 


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16 

imfete«  greunbe«  fe&nte  W  banadf),  an  bem  Äampfe  ft&eil  ju 
nehmen,  ber  gegen  ben  fremben  3mingl>erm  ausgebrochen  war, 
aber  aud)  fonfi  bewegten  tyn  ernfie  ©ebanten,  unb  ntd&t  oljne  fd&merj* 
Udfje  SBunben,  auf  bie  tljeitwetfe  fd&on  oben  in  einem  ber  ©riefe  an 
©djwab  fjmgebeutet  worben,  foflte  er  au«  einem  Sanbe  fd&eiben,  bem 
er  fi$  baburdfc  nur  um  fo  inniger  t>erbunben  füllte,  beiläufig  möge 
tyier  gunädfjft  einer  ©egebenljett  gebaut  werben,  auf  meldte  er,  unge* 
ad&tet  be«  ©erbruffe«,  ben  fte  iljm  ju  Slnfang  bereitet,  fpater  in 
fiterer  Unterhaltung  gelegentlich  mit  ©ortiebe  gurfidfgetommen  ift. 
6r  Ijatte  nämlidf)  im  iperbft  be«  3al)re«  1812  ju  einer  beabftd&tigten 
©d&meijer  Steife  im  ©orau«  ©etb  aufgenommen,  aber  feinen  @ntfd&lu& 
gleich  geänbert,  unb  fiatt  beffen  in  ber  fjeriengeit  fleißig  gearbeitet 
2)at>eim  machte  fid&  erjiere«  gletd&  fühlbar,  unb  ba  er  lange  nid&t  ge* 
trieben  unb  man  ftörenbe  ©inflüffe  be«  ©tubententeben«  auf  feinen 
gleij3  unb  bie  öfonomen  ©erljältniffe  fürchten  mochte,  fo  wanbte  bie 
beforgte  SKutter  fidfj  an  üjren  ©ruber,  ber  e«  nun  an  fetjr  ernften 
@rma&nungcn  nid&t  fehlen  liefe,  bie,  weil  Döflig  unbegrünbet,  ben 
Empfänger  be«  ©riefe«  auf«  tieffie  oerlefeten  unb  eine  fdjjarfe  @r* 
wieberung  feinerfeit«  jur  golge  Ratten,  ©ein  Dntel  aber  fd&rieb 
barauf  ber  ©d&wefter:  „SBegen  ©eine«  6arl7«  tannft  S)u  ganj  un* 
beforgt  fein,  benn  er  ijat  mir  grob  geantwortet"  Slnber«  al«  ber 
Dorüberge^enbe  ©erbrufe  biefe«  ©orfalle«  wirfte  auf  tyn  unb  feine 
©enoffen  ber  $ob  jweter  SDUtgUeber  be«  engeren  greunbe«treife«, 
Sluguft  SWaper'«  nämlid)  au«  §eilbronn,  unb  3luguft  Sßauty«  au« 
3Maulbronn.  ^cnen,  ber  ben  greunben  burdfj  tyoty  bidjtcrifdfje  ©e> 
gabung,  burd)  fein  tjerrUctye«  mufitalifc&e«  latent  unb  reiche«  @c* 
müt^8leben  fef)r  nalje  geftanben,  tyatte  bei  ber  2lu«§ebung  für  ben 
ruffifd&en  gelbjug  ba«  2oo«  getroffen,  unb  Sßauli  na^m  in  Stuttgart 
Slbfäieb  oon  tym  mit  bangen  Stynungen,  meldte  ber  @rfolg  nur  ju 
feljr  red&tfertigen  follte.  Slu«  3Ro«tau  batirten  ftd&  feine  legten  ©riefe, 
unb  bi«  jum  3)orfe  ©erejina  tonnte  man  feine  ©pur  verfolgen;  bort 
fd&eint  er  im  Sßaffer  ober  twr  Äälte  umgetommen  gu  fein,  ©n 
3Jtttgenoffe  feine«  ©lenbe«  aber  beridfjtete  über  tyn,  bafe  er  immer 
feljr  x>erfd&loffen  unb  ju  feinen  ©efityle«  gewefen  fei,  al«  bafe  er  bie 
unbefd&reibtid&e  Slo^eit  unb  ben  ^öDifd^en  Jammer  biefe«  Kriege« 
ijatte  ertragen  tonnen. 

9Ud&t  weniger  al«  ju  3Rat)er  f^atte  fidf)  aber  Sßauli  ju  feinem 
obgenannten  9tamen«oetter  ^ingejogen  gefällt,  einem  jungen  BHann 
pon   porjfiglidjjen  ©eifte«gaben  unb  ebelfter  ©eftnnung,   ben  ein 


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17 

•Jterüenfieber  im  19.  Sebenäjaljre  ba&in  raffte  jum  tteffien  ©d&merjfc 
ber  greunbe,  non  wetzen  Sd&roab  in  einem  9ladf)ruf  it)m  ba$  fd&öne 
3eugiu&  gegeben:  „Sine  gülle  non  umfaffenbem  ©eifte  natym  er, 
fd&on  l)inau$gereift  über  ba$  geroöl)nUdf)e  Wlaafc  an  jugenblidjer  StuS* 
bilbung,  unb  eine  roatyrljaft  angeborene  Sugeutf'  in  feltener  Unbe* 
fledttljeU  mit  m'£  ©rab.  Obfd&on  in  tlöfterlic^er  ©rjieljung  aufge* 
mad&fen,  warb  er  bod&  burd)  bie  Semüfjungen  eines  trefflichen  33aterS 
unb  burdf)  eine  tiefe  Setbenfd&aft  für  gelehrtes  unb  babei  fünftte* 
rif<$e$  SBiffen,  bie  jmar  ftitt  unb  unbemerfbar,  aber  um  fo  mäd&ttger 
auf  if)n  roirtte,  ju  einer  melfeitigen  ©eifteSbilbung  unb  einer  freien 
Sebem&anfid&t  geführt,  unb  eine  lebenbige  unb  roatyre  Geologie  er* 
fegte,  was  i^m  an  (Srfafyrung  unb  felbfterroorbener  Äenntnife  ber 
SBelt  abgeben  mod&te." 

aber  ntbtn  ber  Trauer  um  ben  SSerluft  biefer  ttjeuren  greunbe 
mar  e$  nod&  ein  anberer  ©dfjlag,  ber  tyn  getroffen,  unb  rool)l  bie 
näd#e  SSeranlaffung  mürbe,  ba&  er  nid)t  erft  im  £erbft,  fonbem 
fd&on  im  SRärj  1813  fid^  uon  Tübingen  üerabfd^iebete.  2Bie  ©dfjmab, 
bem  er  fid&  burdf)  biefe  ©leid&artigfeit  ifjrer  Sd&idffale  um  fo  enger 
tjerbunben  füllte,  fyatte  er  nämlid^  eine  letbenfd&aftlid&e  Neigung 
ju  einer  jungen  2)ame  gefaxt,  bie  er  in  ©efellfd&aften  unb  auf 
Säßen  gefef)en,  unb  bie  ifyn,  ofyne  bafe  er  ifjr  nctyer  getreten,  burdfj 
bie  greunblic^feit  ifyreS,  ifjm  übrigens  nid)t  allein  geltenben,  33e* 
nehmen«  unb  ein  anjieljenbeS  Sleufeere  bergeftalt  feffelte,  bafe  e£ 
um  feine  SRutye  gej^e^en  mar  unb  ber  Sinn  für  ernfte  ©efd&äfti* 
gung  fidf)  ju  nerflfidfjtigen  brofjte.  5Rad)  feiner  offenen  Slrt  fyatte 
er  über  feinen  ©eelenjuftanb  feiner  SiebltngSfd&mefter  ganmj  ge* 
fd&rieben,  bie  U)n  in  ben  bringenbften  SfoSbrüdfen  befd&roor,  nid&t 
ein  Scrljältnife  fortjufefcen,  beffen  SluSftd&tSlojtgfeit  beiben  Steilen 
nur  ©dfjaben  unb  ©d&merjen  bringen  fönne.  Sejei^nenb  für  bie 
Seibenfdjaftlidfjfeit  feines  Temperaments  unb  bod&  audf)  nid&t  weniger 
für  bie  gejUgfeit  feines  (Sljaraf  terS,  ift  nun  bie  Antwort  beS  93ruberS, 
ber  iljr  am  l.  gebruar  1813  fd&reibt:  ,,©o  lange  meine  Siebe  in 
ben  Öränjen  einer  feiigen  SInfd&auung  ruljte,  bie  fie,  i^rer  Statur 
unb  i^rem  ©egenftanbe  nac$,  nie  überleiten  burfte,  mar  iä)  glüdf* 
Ud&,  mein  ganjeS  SBJefen  oon  überfd&roänglicfiem  Seben  erfüllt  unb 
oon  einem  magifd&en  Sid&te,  mie  baS  beS  9RonbeS,  überfirömt.  3$ 
liebte  fie  mie  eine  ^eilige  unb  betete  fie  an,  unb  mar  fo  menig 
oerlangenb,  bafj  fidf)  burdf)  biefe  Siebe  ein  fdfjöneS  Serljältnife  mit 
einem  feuern  greunbe  fnüpfte  unb  mir  üereint  biefeö  fjofje  Seben 

3ettf*t.  f.  «ü&.  <Mti.  »b.  IV,  fceft  2.  2 


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18 

genoffen.  Sin  93lid,  (Sin  ©rufe  genügte  und  unb  gab  un«  für 
mehrere  Sage  ben  fdjönften  ©enuß.  ®egen  £erbft  vorigen  Qaljre« 
verließ  mi<b  biefer  greunb,  unb  jwar  ju  regtet  3*ü,  ober  jur  un- 
teren (wie  $)u  ioiHfl)f  benn  fdfjon  begann  iä)  midf)  mit  bem  bloßen 
Stnfd&auen  ntdfjt  ju  begnügen;  id&  wollte  tiefer  in  ba«  SBefen  biefe« 
entjüdfenben  ©efd&öpfe«  eingeben;  ba  ftonb  mir  nun  ein  SJtenfdj 
entgegen,  ber  mit  ber  größten  ÜRarrfjeit  bie  größte  Unverfcbämtbeit 
verbanb  unbf  äußeren  SSorjügcn  vertrauenb,  fid)  Steckte  anmaaßte, 
bie  tym  nidjt  infamen.  3<b  trat  if)m  verfdbiebentlid)  in  auffaUenber 
2Seife  entgegen,  aber  immer  wieb  er  eben  fo  auffaHenb  mir  au«, 
meOeid^t  bewogen  burdf)  ba«  ©lud  meiner  SBaffen.  2Rit  meiner 
SSeradfjtung  gegen  i^n  wudf)«  mein  Scbmerj,  ba«  ©ilb  ber  ©eltebten 
burdfj  biefen  ©efellföafter  entftettt  ju  feben,  unb  ba  ii)  bemerfte, 
baß  \$  ü)T,  bie  burdfj  einen  &\tfaü  von  jenen  ßoUiftonen  SRad&ricbt 
erbalten,  niebt  gleichgültig  mar,  audb  meine  Siebe.  -Jtun  mürbe  i<b 
aber  aud)  gewahr,  baß  biefe«  Serbältniß  midi)  ju  fc§r  jerfireute 
unb  nad^tbeilig  auf  meine  Stubien  wirfte.  3$  jog  midb  jurüdf, 
wollte  ba«  geuer  in  feinem  beginne  erftidfen,  aber  e«  ifi  fefcon  ju 
fpät,  unb  nadj)  jebem  vergebltcben  SBerfudfje  lobert  e«  nodj)  geller  auf. 
2Mne  ©runbfäfce,  beren  geftigfeit  ©u  in  liebevoller  Sorge  p  be* 
jweifeln  fdjeinft,  verbieten  mir,  für  jefct  menigften«,  jebe«  nähere 
$erf)ältniß;  aber  mieb  länger  in  biefer  Entfernung  ju  galten,  ifi 
mir  aud)  unmöglich  baljer  muß  id)  fort,  muß,  ba  e«  vieUeicbt  nodb 
3eit  ift,  ber  Entfernung  eine  Söunbe  übergeben,  bie  fonft  nid&t 
metyr  ju  feilen  märe  unb  fo  fd&on  Parte  -Warben  jurücflaffen  wirb." 

Unb  niefct  o^ne  guten  ©runb  ^atte  er  biefc«  gefebrieben, 

benn  nmljrenb  Scbwab'«  Siebe  mebr  ben  Sljarafter  einer  jener  vorüber* 
gc^enben  jugenbUcben  Neigungen  trug,  bie,  audfj  wobl,  weil  fte  un* 
erwiebert  blieb,  ftdfj  verlor,  nad&bem  er  ben  £tfbinger  2lufenbalt 
mit  Stuttgart  vertaufdfjt,  f onnte  ^Jauli  feine«  Sd&merje«  lange  nidfct 
§err  werben,  unb  at«  fpäter  Schwab  tym  fein  ©lädt  fcfcilberte,  ba« 
er  in  feiner  SJerbinbung  mit  einem  ebeln  weiblicben  Söefen  ge* 
funben,  antwortete  Sßauli  unterm  31.  SJtärj  1818.  „2luf  eine  SJcr- 
binbung  wie  bie  ©einige  barf  tdfj  wobl  nid&t  rennen;  benn  jene« 
unglüdtfelige  SBerfjältniß,  ba«  tiefer,  al«  S)u  vielleid&t  afjnfl,  in  mein 
innerfle«  Seben  eingegriffen,  f)at  mir  in  biefer  8}ejief>ung  eine  feit* 
fame  Stellung  gegeben.  Qfl  e«  mir  bodE),  al«  ^atte  t<b  mi<b  gleidfj* 
fam  geifiig  ju  frübe  ausgelebt,  al«  Ijätte  tcb  mieb  einmal  über* 
fprungen,  unb  fönnte  be«f)alb  nun  nidf)t  einmal  mejjr  gelten." 


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19 

@o  oertiefe  er  benn  bamalS  Tübingen  mit  jerriffenem  föerjen, 
um  ftdf)  ju  ben  ©einigen  nadfj  Sücfeburg  ju  begeben,  mo  feine 
©dfjroefier  gannt)  fid^  ju  uerefjelidfjen  im  Segriff  ftanb.  ©einer 
SUhitter  aber  fd>ricb  er  furj  üorljer  ju  tyrem  ©eburtStage  (23. 
gebruar):  „©dtjon  jum  jroeiten  9Me  feiere  idj  ©einen  ©eburtStag, 
ber  baS  ganje  §auS  immer  in  eine  feftUdfje  unb  liebefelige  SBe* 
roegung  fe$t,  üon  eud&  getrennt;  jroei  Qafjre  bin  xä)  fd&on  ©einer 
aufeeren  ©orge  entzogen,  tljeure  -Dhitter,  unb  ben  33er§ältntffen,  in 
benen  mir  bie  fjerrlid&fie  3*it  meinet  SebenS  batym  fd&roanb.  ftvoti 
Saljre  aber  genofe  xä)  audf)  fd&on,  felbfttljätig  mein  Seben  befttmmenb, 
ber  fdfjönen  ©aat,  bie  S)u  in  mein  innerftcS  Seben  fjineinftreuteft. 
3)ir,  meine  geliebte  SKuttcr ,  banfe  xä)  alles,  banfe  idf)  audfj  biefe 
fd&önflen  ^a^re  meinet  SebenS,  nidfjt  foroot)l,  roeit  ®u  mid&  leite* 
teft,  als  weil  £>u  mir  jenes  ©emutf)  eingabst,  oljne  meines  fte  mir 
gehaltlos  oerffödEjen  waren,  oljne  roeld&eS  jeber  baS  Seben  nur  wie 
auf  einer  flüchtigen  ©efd&äftSretfe  ober  jtnntofen  Sufireife  burd&fliegt. 

2>er  ftete  £inbli<f  auf  ben  ftrotd  meines  SebenS  (ju  einer 

fefien  Stellung  ju  gelangen)  ift  es,  ber  nüdfj,  oerbunben  mit  bem  $e= 
beutenben  ber  fttit,  ju  zwtw>  Opfer  beftimmt  f)at,  baS  id&  fonft 
meiner  Vernunft  nid&t  gebraut  l)cttte,  unb  meinem  §erjen,  ©ott 
weife,  wie  ferner  roirb.  SBenn  bie  ©änger  ber  33orjeit  unb  tfjre 
neueren  ©c^üler  uns  mit  ber  lieblid&en  ©age  eines  golbenen  Seit* 
alters  entjüdfen,  fo  fann  id&  mir  baffelbe  nur  als  eine  3*U  beulen, 
roo  äJergangenfjeit  unb  3u^unfl  nur  Jur  Serfüfeung  ber  ©egenroart 
beitragen,  unb  roo  man,  wie  in  einem  fd&önen  Traume,  aus  bem 
unS  nid&tS  auffdjredft,  fein  Seben  in  eroiger  SBonne  baljin  bämmern 
fönnte.  2)iefeS  3beal  ju  realifiren,  mar  baS  Tübinger  Seben  ganj 
gefd&affen,  roenn  nidfjt  immer  einige  Jone  einer  ernften  $txt  fid& 
jroifdienburd)  Ratten  üernefimen  laffen.  ©d&on  nefjme  idfj,  oon 
tnilberen  Stiften  begünftigt,  nadj)  unb  nad&  uon  mannen  treueren 
©egenben  unb  $ßläfcen  2lbf<f)ieb;  enger  mit  meinem  JgerjenSfreunbe 
jufammengefd^loffen  burd&lebc  id)  nodf)  einmal  im  ©eift  mein  ganjeS 
tyiefigeS  Seben  unb  burd&bete  mit  iljm,  roie  an  einem  Stofenfranje, 
bie  ganje  SReilje  ber  fd&önen  unb  feiigen  Momente." 

©iefen  ©efüf)len,  bie  U)n  beim  $bfdf)ieb  oon  Tübingen  befeelten, 

Ijatte  ©d&roab  burdfj  nadfrfolgenbe  in  beS  greunbeS  ©tammbudf)  ein* 

getragene  fttxhrx  einen  berebten  2tuSbrudf  gegeben: 

2ßaS  läfji  bu  hinter  bir,  jevtijjneö  §erj? 
Sebenb'gc  greunbe,  btc  uerQebenS  deinen, 


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&0 

Xief  unter'm  ©rabe^üijel  (Sincn, 
©ntrüdft  ben  &nbern  unter  ©ig  unb  ©rj. 

2Ba$  läfjt  bu  hinter  btr,  jerrijmeS  iperj? 
3erftörten  ©djmerj  fcon  alten  £iebe${c|etnen, 
Umtoöltt  Don  Mratootyn  ac§!  baS  SMlb  ber  Steinen, 
Unb  gurdjt  für  Hoffnung,  unb  ftatt  greube  ©djmerj! 

Stfirf  ab  benn  ber  (Srinn'rung  trübe  SJürbe, 
93Itcf'  uortoärtS  auf  bein  aätyrenb  Skterlanb, 
$a  blü^t  bir  anbre  2ieb'  unb  anbre  Sßürbe! 

Unb  hrirb  bir  toobl  itn  ^etfenben  Getümmel, 
<So  tritt  fyerfcor  audj,  tt>a8  bir  je$t  toerfc$tt>anb, 
Unb  #teb'  unb  greunbfdjaft  roinft  fcerflärt  bom  Fimmel. 

SDie  ganje  Steife  nad&  Südteburg  legte  er  ju  gufc  jurüd ,  unb 
jwar  bis  ©etmolb  in  Segleitung  feines  greunbeS  &affe;  er  a^nte 
nid&t,  baß  er  biefen  greunb  erft  naä)  mefjr  als  30  ^aljren  jum 
erften  3Jlale  wieberfeljen  follte  in  SSerantaffung  ber  93ereljeUdf)ung 
ber  Softer  beffelben  mit  bem  älteften  ©of)ne  feiner  Sc^wefier  gannt). 
Seiber  eignete  ftd&  ber  erfte  (Smpfang  in  33üdteburg  nid&t  baju,  Um 
in  eine  freubige  Stimmung  ju  t>erfefcen.  ®ie  burdfj  Unwetter  unb 
böfe  SBcge  üerfpätete  @rfd&einung  eines  finfter  blidfenben  bärtigen 
SKanneS  liefe  SDtutter  unb  Sdjweftern,  bie  überbieS  burd&  ©erüd&te 
von  ftd?  umfjertreibenbem  böfem  ©efinbel  geängftigt  waren,  baS 
©d&Ummfte  befürchten,  bis  enblidf)  ber  Sßanberer  mit  bem  befannten 
Älange  burd&brang  unb  ber  SRäuberangfl  ein  @nbe  madfjte. 

33ermunbern  faun  eS  nun  nidjt,  bafc  unferm  greunbe,  einem 
Seben  plöfcUdE)  entriffen,  baS  tym  bie  beften  unb  ebetften  greuben 
gemährt  Ijatte,  bie  enge  &etmatf)  junäd^ft  nid&t  red^t  fdijmedfen  wollte, 
unb  er  mit  einer  gewiffen  ©rämlid^feit  auf  baS  fpiefcbürgerlid&c,  ben 
unmittelbaren  Sttufcen  in'S  SKuge  faffenbe  treiben  ber  Seute,  bie  fid& 
oor  iljm  Ijin  unb  ^er  bewegten,  nteberfd&aute,  unb  fo  fd&retbt  er  mit 
ber  Ueberlegenljett  eines  jungen  9JtonneS,  welkem  bie  Sergangen* 
§eit  ein  leeres  Element  beS  SDafeinS  eröffnet  f)atte,  feinem  greunbe 
naä)  Stuttgart:  „(Sin  foldjeS  fennt  man  Ijier  nic&t;  am  lüften  achtet 
man  bie  „practifd&en"  9Jtcnfd&en;  eS  giebt  aud&  faft  feine  anbern  Ijier, 
unb  bod&  finb  fie  wa^aftig  nid&tS  anbreS  als  bie  2luSwüdf)fe  einer  f  ranf  * 
fjaften  ßeit,  bie  baS  §ö<pe  aus  ben  3lugen  verloren  l)at.  Dbgtetdj  biefe 
Äranftjeit  allgemein  Derbreitet  ift,  fo  giebt  eS,  glaube  idEj,  bei  eud)  bo<$ 
meljr  Qnbuubuen,  bie  jenes  fd&öne  Seben  im  ©leidige wiegte  ber  3Renfd)en 
wieber  fyer jufteUen  fud&en.  5Die  polittfd&en  Stnfxd&ten  finb  faft  bie  emjigen, 
wobei  id)  fie  unb  fie  mtdf)  fd^meden  fönnen.  @in  politifd^eS  ©lement! 
©ie^e,  baS  ift  eS!  unb  alfo  ein  „practifd&eS"  Seben  werbe  id^  ^ier  mit 
bcn  Seuten  fütjrcn,  unb  nun  betrachte  ben  £auf<§,  ben  id^  gemalt" 

Slber  bie  §eUfraft  ber  3ugenb  ift  grofe,  unb  ein  energifd^er 


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21 

©eifl  fantt  an  eitlem  jieHofen  §inbrüten  nid&t  lattgc  ©efaHen  pnben. 
®ie  freunbtidfje,  in  einem  frönen  nnb  wn  einem  roofjlgeftnnten 
prften  regierten  Sänbdfjen  belegene  ©tabt  barg  nid&t  blo«  $I)i* 
lifter,  Jonbern  aud&  ^öfjer  gefilmte  ^erfönlid&feiten,  bie  einer  ebetn 
©efettigfeit  pflegten,  an  ber  £l)eil  ju  nehmen  fdjjon  allein  feine 
muftfalifdfje  Begabung  unfern  greunb  aufforberte;  bie  anmutige 
©egenb  lub  su  fommerUdtjen  Ausflügen  ein,  unb,  hatten  iljn  brau&en 
23erg  unb  2Balb  erfreut,  fo  füllte  er  fidfj  ju  £aufe  im  täglichen 
33erfef)r  mit  ben  ©einigen,  namentlich  mit  feiner  SDlutter,  von  einem 
§audfje  pfjerer  ©efittung  unb  jugleidf)  eine«  griebenS  umroeljt, 
beffen  jauberfjaften  (Sinflufe  jeber  empfunben  Ijat,  ber  mit  biefer 
feltenen  grau  in  nähere  SSerbinbung  getreten  ift.  Unb  fo  braute 
ber  gleidjmäfng  fi$  roteberfyolenbe  £act  be«  täglichen  Seben«  aUge* 
madf?  einen  B^ftanb  ber  SRulje  unb  ©ammlung  f)ert>or,  in  meinem 
ein  Strahl,  oon  bem  Sichte  feiner  poctifdtjen  Vergangenheit  aufge* 
fangen,  fiel)  genügenb  ernric«,  aud&  bie  ©egenroart  mit  fcppferifdfjen 
Äräften  ju  befruchten. 

2Bte  eö  ifym  fpäter  roetyrenb  feine«  Aufenthalte«  in  SJüdteburg 
nadf)  Seenbigung  feiner  frtegerifd&en  Saufbafjn  erging,  fo  audE)  jefct; 
er  wrfenfte  ftdf)  in  bie  poetifd^e  Sitteratur  SDeutfd&lanb«  unb  frember 
SBölfer,  unb  manche  ber  in  feinem  5Radf)laffe  befinbltd&en  bidfjterifcfjen 
33erfud£)e  werben  biefem  3eitabfd&nitte  angehören,  infofern  fte  äugen* 
fdEjeinlidj)  baju  beftimmt  ftnb,  ba«  fragen  einer  Saft  erteidbtern  ju 
Reifen,  bie  feine  ©eele  bebrüdfte,  unb  fo  fdjretbt  er  an  feinen  greunb 
©d&roab:  „3Rem  ftille«  Seben  Ijicr  ift  nid)t  ganj  otyne  ©enufc,  unb, 
wenn  aud&  nidfjt  fo  tebenbig  nrie  einftmal«,  boc^  aud;  nid&t  tobt. 
2Ba«  iü)  in  meinem  erften  Tübinger  ©ommer  mit  bem,  unfrer  Siebe 
entriffenen  treueren  SKaper  anfing,  unb  worin  feine  oerljängm&üotle 
Aushebung  un«  ftörte,  ba«  Qtalienifcbe,  fjabe  id>  feit  einigen  2Bod&en 
mit  (Sifer  fortgefe|t,  unb  jefct  bie  greube,  mid)  an  ben  grüßten 
jener  fegen«reid£)en  italifd&en  93lüt^ejett  ju  erlaben.  2lud&  in  anbern 
Sprachen  lefe  i$  tnel  unb  fudfje  mir  überhaupt,  roa«  mir  an  natür* 
lidjem  bewegtem  Seben  be«  §erjen«  abgebt,  burd&  ba&  fööne  Seben 
ber  Sunft  ju  erfünfteln." 

Silber  bie  SBunbe,  woran  er  litt,  liefe  fid&  tüdfjt  feilen  burdfj  bie 
Äunft  unb  ein  iljr  gemeintes  Seben,  unb  ebenf  owenig  tjermod&te 
biefe«  bem  orange  ju  gebieten,  ber  tljn  forttrieb  au«  bem  engen 
iljn  umfangenben  Äreife,  (jmauS  in  ben  Äampf,  ber  in  S)eutfd&lanb 
für  bie  Ijeittgften  ©üter  geführt  mürbe.  S)a^in  mar  gleid&  Anfang«, 
nad&bem  er  Tübingen  t>erlaffen,  fein  ©treben  gegangen,  unb  ben 


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22 

©runb,  warum  ftdf)  biefeS  nidfot  fofort  realiftren  tiefe,  wirb  man  in 
politifd&en  Erwägungen  fudtjcn  muffen,  ©obalb  er  freie  £anb  bc* 
fommen,  madjte  er  fid;,  unb  jmar  mit  einem  (Smpfef)lungäfd(jrcibcn 
ber  Sßrinjeffin  SBityelmine  an  ben  ©rafen  Sattmoben,  auf  ben 
2Beg,  naefcbem  er,  Slbfdjieb  neljmenb,  feinem  greunbe  ©djmab  ge* 
^rieben:  „Söaä  idE)  fo  lange  mit  mir  herumgetragen,  wirb  mir 
jefct  enblidj  auSjufityren  möglidf).  9Rorgen  in  aller  grülje  geljt  e$ 
fort.  SRein  Stiel  in  bie  3ufunft  ift  wie  ber  in  bie  tyimmliföe 
2tbenbröttjef  bie  mir  jefet  eben  entgegenkamt,  unb  wenn  audj  etwas 
blutrot^,  uns  bodf)  eine  fd)öne  ÜHorgenrötfjc  anfünbtgt.  3tö*  9^ 
\ä)  mit  frohem  £erjen  entgegen,  mag  audj  bie  9ladjt  mir  oertjängen 
möge.  2lu$  if)r  oerflärt  fid&  ber  gotbene  Jag  ber  gretyeit!  3^n 
ftetS  oor  2lugen  unb  bie  geliebten  Silber  ber  Vergangenheit,  oor 
allem  ©einer  greunbfd&aft,  im  $erjen,  jie^e  idf)  mit  bem  frifdjeflen 
SRutlje  von  bannen,  ©o  lebt  benn  wotyl,  tyr  lieben  greunbe"  u.  f.  ro. 
©d&wab  aber  antwortete:  ,$)u  bift  mir  burd)  biefen  Stritt  no<$ 
befreunbeter  geworben,  wie  e£  immer  ge^t,  wenn  eine  innerlid&e 
©eftmtung,  bie  mir  an  einem  igerjenSfreunbe  erfennen  unb  lieben, 
bie  tuelletd&t  fjauptfäd&ltd)  unfere  greunbfd&aft  ju  $m  begrünbet, 
wenn  eine  fold&e  nun  fdjnell  unb  unoermutljet  tn'S  2 eben  ljinau$> 
tritt  unb  in  preiSwürbigen  (Sntfdfjlüffen  unb  Saaten  ftdf)  offenbart. 
SBaS  aber  fyat  midfj  meljr  an  2)idj  gebunben,  als  Sein  beutfd&eS 
£erj."  Unb  wie  ben  Segen  beS  2)idf)terS,  fo  naljm  er  aud^  ben 
ber  Butter  mit  auf  ben  2Seg.  ©ie  fd^rieb  il)m:  „D!  mein  geliebter 
(Sari,  mie  werbe  idf)  2)id)  an  mein  §erj  brfidfen,  wenn  £u  einjl 
fyeimfetyrft  unb  mir  oereint  aufrufen  bürfen:  baS  f)errlid&e  Satep 
lanb  ift  oon  feinem  ^od&e  befreit!  Sann  feljrft  $u  jurücf  ju 
Seinen  SRufen  mit  bem  ©efüljl  ber  2öürbigfett,  als  ein  ÜKann  oon 
&)tt  auä)  in  bie  ©d&ranfen  treten  ju  bürfen." 

Siefe  Sefriebigung  foUte  ber  järtlid&en  2Rutter  werben,  aber 
freiließ  otyne  bafe  eS  bem  ©oljne  oergönnt  gewefen,  Lorbeeren  beS 
9tuf)meS  ju  pftüdfen.  darüber  erteilt  in  feljr  bejetdjnenber  2Seife 
bie  nadjfolgenbe  ©teile  eines  SriefeS  2luShinft,  ben  er,  nadf)  Südfe* 
bürg  jurüdfgefelirt,  an  ben  greunb  rtdfjtete:  „2BaS  midj  ju  ben 
2öaffen  führte,  unb  bafe  eS  ntdjt  allein  oaterlänbifdjjeS  ©efüljl  war, 
fonbern  au6)  ber  äBunfd)  unb  bie  Hoffnung,  ben  ©dfjmerj  einer 
tiefgefränften,  fefjnfud&tSoolIen  Siebe  unb  mand&eS  unbefttmmte 
£eimmel}  meines  Innern  in  bem  begeifterten  unb  ftürmtfd&en 
treiben  beS  ÄriegS  ju  oerfenfen,  wag  mir  ba5  ^eilige  ©d^wert  in 
bie  $anb  gab,  ba«  weifet  S)u,  ober  fannft  S)u  S)ir  benlen.    fä 


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23 

reifte  mit  guten  Empfehlungen  twm  tyefigen  gürftenljaufe  in'S 
2öaUmoben7fd&e  Hauptquartier,  ju  einer  Qütt  wo  unfer  aller  £eil 
nodf)  feljr  fd&wanfenb  unb  ungewtfe  war.  3$  würbe  als  Sergeant 
angepellt  unb  jwar  in  einem  SorpS,  wo  id)  e£  am  wenigften  ge« 
wünfdfjt  fjätte.  2lber  meine  äußere.  Sage,  fo  unangenehm,  ja  fo  un- 
erträgtief)  fie  audj  jefct  würbe,  üerfd&wanb  mir  bod)  ganj  in  bem 
peinlichen  ©efüfjt,  wäljrenb  bie  fxegeSreid&e  Seipjtger  Sd&lad&t  ge* 
W&tagen  mürbe,  unb  wetyrenb  be£  allgemeinen  glorreichen  Bor* 
rüdfenS  untätig  in  ben  9Kedflenburgif<f)en  Sannenwüften  liegen  ju 
muffen.  @nbe  9tonember  begann  meine  militärifdje  S^ätigfeit,  ber 
Äampf  gegen  bie  S)änen,  ber  ju  einem  unaufljörlid&en  Umverteilen 
im  igolfteinifdfjen  führte;  bann  im  gebruar  bie  Belagerung  non 
©lüclftabt.  $ä)  war  mittlerweile  Dffijier  geworben;  aber  aud)  baS 
mar  für  midj  fein  igeil;  ber  rotfje  9lodE  brannte  auf  meinem  Seibe 
mie  ljölUfd)eg  geuer;  baju  ber  fdjeufeUd&e  Sienft  oor  ber  geftung, 
ba£  beinahe  3  ÜWonate  lange  Siegen  auf  ©inem  $lafce,  ober  nur 
oerungtüdfte  Unternehmungen,  immer  Sag  unb  9ta$t  ber  raupen 
^a^re^jeit  aufgefegt,  fein  IjerjUdbea  SBort  in  einem  falben  3>al)re, 
überhaupt  fein  Sroft,  feine  Beruhigung  in  meinem  Berufe,  fonbern 
gezwungen  tyn  nur  in  mir  feibft  ju  fu<$en.  2Bol)t  fdjwebten  ba 
oft  treuere  ©eftalten  unb  wonnige  Stunben  uor  meiner  Seele,  aber 
baS  Sd&eu&Ud&e  ber  ©cgenwart  unb  mandje  geiftlofe  3^tftreuung, 
j.  93.  ba$  Spiel,  brüdtte  unb  fd)eudf)te  afleS  anbere  fyinmeg.  §abe 
id&  midf)  bodb  nie  recfyt  rein  über  ba$  2Baffenglüdf  meiner  beutfd&en 
Brüber  freuen  fönnen  unb  fd&lug  feibft  bie  enblic^e  9lad)rtdf)t  beS 
©injugeS  in  Sßartö  mie  ein  bumpfer  ©lodtenton,  oon  bem  man  un* 
gewifc  ijl,  ob  er  greube  ober  Sdjmerj,  §od)jeit  ober  Seid&e  bebeute, 
in  meine  D&ren.  Stber  für  mid&  bebeutete  e£,  wenn,  aud)  nidfjt 
lefctereS,  fo  bodf)  ba«  6nbe  meiner  Seiben,  beim  fobalb  ber  grtebe 
gewifc  mar,  f)ielt  i<$  um  meinen  äbfd&ieb  an,  ben  xd)  aud)  üor 
einigen  Sagen  erhalten  f)abe.  2lbcr  mie  freunblid)  mir  and)  jefct 
bie  (Erneuerung  be£  alten  SebenS  jufprid&t,  fo  bin  id)  bod)  roeit 
entfernt,  aDe£,  wa£  idt)  in  ber  3n)ifd^enjeit  gelebt  unb  gewirft,  mie 
fdjled&teS  3Jtad)werf  bei  Seite  ju  werfen;  im  ©egentf)eil,  es  wirb 
mir  immer  ein  fefiUd&e3  ©ewanb,  ein  wahres  beutfd&e*  National* 
fleib  bleiben.  3öa$  fann  id)  bafür,  bajs  bie  £(jat  nidjt  bem  SBiDen 
entfpradi;  bag  aber  biefer  fidf)  gleicty  geblieben  btö  sulefct,  baoon 
fönnte  ein  Sonnet  jeugen,  ba£  id)  im  £olfteinifdfjen,  nad)  mannen 
©efa^ren  in  fd&eufetidfjen  Strapazen,  auf  falter  gelbwad&e,  gebietet 


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24 

fjabe.  einige  anbete  fdfjwad&e  93erfucf)e  aus  meiner  jefcigen  Stulje 
joflft  $)u  auä)  gelegentlich  Ijaben." 

Unb  in  ber  St^at  ent?pra<§  baS  Seben,  weldfjeS  er  wätyrenb 
ber  Sommermonate  beS  Sa^reS  1814  in  Sücfeburg  führen  burfte, 
ganj  bemjemgen,  worüber  wir  if)n  oor  feinem  2tufbrud&e  jum  Äriegc 
tyaben  berieten  fjören  unb  in  biefem  ©inne  fdfjreibt  er  feiner  SRutter 
nadj  2)riburg:  „3$  fann  nid&t  uml)in,  baS  Seben,  weld&eS  idfj  jefct 
füljre,  mit  einigen  wenigen  3Robificationen,  als  mein  wahres  Sie* 
ment  ju  betrauten.  9iie  bin  idfj  me^r  mit  poetifd&en  3been  unb 
anlagen  gefegnet  worben  als  jefct,  wo  in  einem  füllen,  befdjaulidjen 
Seben  mandje  ©inbrüdfe  unb  Saaten  früherer  ßeiten  wteber  lebenbig 
werben  unb  ju  leimen  beginnen."  Sle^nlid^  lauten  bie  SBorte  an 
feinen  greunb:  „2Benn  iö)  einen  greunb,  wie  ®id(),  tyier  f)ätte,  fo 
fönnte  tdfj  in  bem  richtigen  3uge,  worin  iä)  mid&  bewege,  Salpe 
lang  fortleben,  ^oetifdtje  Silber  ftrömen  mir  reid^lid^  ju,  aber 
freilidf)!  mein  lalteS  ipauptfiubium:  ^uriSprubenj,  Staatsrecht  unb 
was  ba  ^ineinf dalägt,  fowie  bie  Soeben  einer  ©eburt  —  unftreitig 
fdfjwieriger  unb  fdfjmerjtid&er,  als  baS  ©mpfangen  —  oerftfnbern 
mtdfj  fo  Diel,  wie  \ä)  wol)t  möchte,  feft  geformt  ju  Sage  ju  förbem. 
SSon  biefem  Söemgen  l)at  uor  einiger  3eit  ©örreS  etwas  in  ben, 
bei  eudfj  verbotenen  „Styeinifcijen  ÜJiercur"  aufgenommen.  @S  ift 
bie  erfle  unb  einjige  SRomanje,  weld&e  idf)  niebergefdfjrieben :  „$>a£ 
Sieb  Dom  alten  gelben" .*) 

33Bie  genufcreidf)  unb  erfreulich  nun  aber  aud&  bie  fold&ergefialt 
in  ber  £eimatl)  jugebradfjten  Sage  iljm  erfdfjetnen  motten,  ba« 
Seben  ftettte  anbere  2lnfprüd)e  an  Um,  Slnfprüdfje,  benen  nic^t  mit 
poettfdjjer  33efdf)äftigung  genügt  werben  fonnte,  fonbern  nur  mit 
„praftifd&en"  Stubien,  geeignet,  einer  fpäteren  felbftftänbigen  ©piftenj 
in  ber  bürgerlichen  ©efellfd&aft  ben  SBeg  su  bereiten,  unb  ba  ©öttingen 
ber  Ort  war,  weldjer  bem  oorliegenben  $wedfe  twrjugSweife  ju 
bienen  fd^ien,  fowotjt  wegen  ber  SSorjüglid^feit  feiner  Setyrer,  als 
auäj  weil  ber  ©elegenljeiten-  ju  3erftreuun9en  W  #**  weniger 
als  anberSwo  barboten ,  fo  ftanb  eS  fdfjon  t)on  früher  f)er  feft,  ba& 
tßauli  Ijier  bie  legten  3a$te  feiner  UnioerfttätSjeit  Derbringen  fottte. 
3tber  nidfjt  otyne  eine  gewiffe  2lppreljenfton  machte  er  ftd^  mit  beginn 
beS  SBinterfemefterS  1814  borten  auf  ben  2öeg.   $fym  graute  oor 


*)    25icfe§  ©cbic^t,  toelc^eS  feine  9tamen3unterf$rift  trufl,  finbet  fi$  jelt* 
famertoeife  jefct  in  ben  gefammetten  Sidjtungen  3Waj  ö.  Sdjenfenborf'3. 


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25 

ber  einförmigfeit  beS  fiebert^  unb  eitteö  troefenen  ©tubiumS;  auf 
feiner  fjerbfttidfoen  Steife,  bei  faüenbem  Saube  unb  tiefen  2Begen,  er- 
Wen  baS  Sanb  iljm  trautig,  fatt  unb  öbef  boppelt  öbe,  weil  feiner 
Seele  fidf)  unwillfüf)rttd&  immer  bie  lieblichen  ©egenben  unb  freunb* 
tidfjen  formen  beS  StafeinS  uergegenwärtigten,  beren  er  roät^renb 
feinet  Stübinger  Slufent^alte^  frol)  geworben  mar.  Unb  nun  gar 
bie  greunbe!  Surfte  er  Ijoffen,  wäfjrenb  ber  legten  Satire  feiner 
UniüerfttätSjeit  §erjenSbünbniffe  ju  fdfjliefeen,  wie  eS  ifjm  in  ben 
erften  gelungen  mar!  35aS  alles  mod&te  ifjn  mofjl  fd&merjlidfj  bt* 
wegen;  aber  als  ©egengewid&t  mad&te  fidf)  ber  fefie  ©ntfcfilufe  geltenb, 
etwas  Saftiges  ju  lernen,  um  bereinfi  etwas  Süd&tigeS  leiften  ju 
fönnen,  unb  wenn  audj  baS  Seben  fid^  für  fyn  ernfter  ju  geftatten 
begann,  fo  follte  er  bod)  erfahren,  bafe,  wie  treue  Sßflidftterfüllung 
ityren  Sofjn  in  ftdf)  felber  trägt,  fo  für  i^n  biefer  junädfjft  fd&on  in 
ber  S3efriebigung  mit  einer  SBefdE)äftigung  gefunben  werben  modfjte, 
welche  iljm  2lnfangS  wenig  Derlodfenb  erfd^ienen  war,  unb  bafe  warm* 
fü^lenbe  unb  polieren  $kUn  entgegenfd&lagenbe  junge  §erjen  ftd^er 
fein  fönnen,  foldjen  ju  begegnen,  bie  mit  gteid&er  ©efinnung  baS 
gleite  Sebürfnife  ber  üJttttljeüung  unb  beS  ShtStaufdfjeS  gegenfeitiger 
©ebanfen  unb  ©mpfinbungen  üerbinben. 

2lber  §ören  wir  nun  ben  SBanberer  felbft  erjagen  oon  feiner 
Slnfunft  in  ©öttingen,  unb  oon  bem,  was  U)m  bort  ferner  begegnet, 
©eine  Steife,  bie  in  ber  erften  Hälfte  beS  Dctober  erfolgen  follte,  t)er* 
fpätete  ftd&  etwas,  weil  er  einer  Slufforberung,  ben  18.  Dct.  nod&  in 
Südeburg  ju  feiern,  gefolgt  war.  „3$  üerfpred&e  mir  bort,"  fyatte 
er  an  ©d&wab  gefdfjrieben,  „für  etwas  anbereS  als  ^uriSprubenj 
feinen  ©ewinn;  eS  ift  bort  ein  leberneS,  auSgetrocfneteS  93olf!" 
©tmgermafcen  tröflltdfo  war  tfjm  ber  ©ebanfe,  feinen  greunb  Dftanber, 
welker  eine  $auSlef}rerftelIe  in  Bremen  angetreten,  nad)  Sfcrab* 
rebung  nod^  in  ©öttingen  ju  treffen.  3)iefer  aber  tjatte  über  bie 
ifcm  jugemeffene  3eit  "i$t  märten  fönnen,  unb  fo  Reifet  eS  benn  in 
einem  Briefe  an  ©dfjwab:  ,,©eit  langer  3eit  Won  war  meine  näd&fte 
©efjnfudfjt  unb  Hoffnung  auf  biefe  gufammenfunft  gerietet,  als 
auf  ben  lebenbigen  3Q8iebergenufe  meines  fünften  fiebenS.  SBie 
innig  erfreute  midfj  bie  Äu4jid>t,  einige  £age  mit  bem  treueren 
greunbe  fo  oieleS  burd&jureben  unb  §u  empfinben!  ©tatt  bejfen 
begegneten  wir  uns  in  Storb^eim,  unb  eS  lief  nun  aUeS  in  eine, 
freiließ  nidfjt  leere,  aber  bod)  rafcf)  twrüberraufd&enbe  Ijalbe  ©tunbe 
auS,  in  ber  Sffiieberfe^en  unb  3lbf$ieb  ineinanber  ftürmten.    ©anj 


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26 

ju  Stoben  gebrüdft,  futyr  tdj  traurig  meinem  neuen  Seben  entgegen, 
unb  ber  trübe  .£>immcl,  bie  tyerbftUd&en  Serge  unb  SSälber  mahnten 
mtd&  nur  nodjj  metjr  baran,  bafe  i#  ben  listen  fjeitern  ©onnenftraljl 
be3  gritylingS  einft  genoffen.  @o  rollte  iä)  in  ben  mobernen 
3Kufenftft  tjtnein.  Aalt  ftarrte  mir  aded  entgegen!  S)iefe  dop 
nehmen  weiten  ©trafen!  ©o  gar  feine  Slljnung  fjeimttd&en  füllen 
©lüdteS!  Unb  ?o  roanbele  id&  audf)  Ijier  unter  ben  ÜRenfdfjen  nur 
mit  falber  Seele  fyerum;  meinem  befferen  Steile  nad)  jenem  erften 
fd&önen  Abfd&nitt  meiner  ©tubentenjeit  jugeroenbet.  Unb  roie  nun 
bie  goüegien  begannen,  unb  td&  be£  SageS  über  roenig  ju  mir  felber 
fommen  fonnte,  ba  mar  e$  rounberbar,  wie  bie  Sßäd&te  meiner 
©eljnfudjt  9kf)rung  gaben  unb  mir  lauter  Silber  meiner  SCübinger 
3eit  oorjauberten."  „33on  ©tubenten,"  Reifet  e$  bann  in  einem 
ber  folgenben  ©riefe,  „&abe  iö)  nod&  gar  feinen  fennen  gelernt. 
3$  fomme  audf)  nic^t  anberS  als  im  Goüegium  mit  i^nen  jufammen, 
unb  überhaupt  ift  tyr  Jon  unter  einanber  fo  fteif  unb  formell,  bafe 
man  fdt)on  mit  ^fcmanb  in  ganj  befonbcre  Scrüljrung  fommen  mufe, 
bamit  biefe  ©dtjaale  ftd&  abreibe  unb  ba3  gegeufeitige  innere  SBefen 
fidt)  aufbaue." 

Unb  bo$  follte  e8  Üjm  gleich  im  erften  Vierteljahre  feinet 
$ortfein£  nid&t  an  öefanntfdjaften  fehlen.  Sßtte  einen  ©obn  be3 
<gaufe3  fal;  er  fiel)  junädjfi  aufgenommen  tum  grau  oon  SRobbe, 
geb.  o.  ©d&löjer,  bie  burdfj  gäben  oerjätjrter  greunbfdjaft  mit  feiner 
9Wutter  unb  bereu  Angehörigen  in  §amburg>2ittona  oerbunben  mar. 
33on  fpeäeHen  £anb£leutcn  ftubirten  bamalä  in  ©öttingen  SRartini 
unb  Sßlefötng;  a(S  einen  fräftigen  lebenbigen  ÜRenfcfcen,  mit  bem 
er  in  Sejtetjung  getreten,  ermähnt  er  gr.  Ullrichs  au£  granfen, 
unb  femer  fjatte  er  gleidj  Anfangt  einen  jungen  DlberS  au£ 
Sremen,  ©ofyt  be£  Aftronomen,  fennen  gelernt,  ber,  nad&bem  er 
l  V»  3a^te  ©taat$ratl#*2lubiteur  in  $arte  geroefen,  feine  ©tubien 
in  ©öttingen  aufT3  9teue  begonnen;  „mit  tym  oertebte  idf),"  fügt 
er  Ijinju,  „meinen  SSeifjnad&tSabenb  in  ganj  vernünftigen  $e* 
fpred^ungen."  Son  anbern,  beneu  er  fi$  nätjer  oerbinben  follte, 
mirb  gleich  bie  Siebe  fein,  nadjbem  mir  jttoor  oernommen,  wie  fu$ 
ju  Anfang  fein  Ztbtn  in  ©öttingen  unb  ber  ©ang  feiner  ©tubien 
gcftaltet  £ören  mir,  roie  er  ft$  barüber  in  nadftfolgenben  Sriefen 
gegen  feine  3Kutter  auSfprid&t:  „$d)  \)<\bt  fjeute,"  fd&reibt  er  (23. 
October  1814),  „brei  ^anbectencollegien  bei  igeife  gehört,  unb  barf 
mir  baoon  oiel  oerfpred&en  für  mein  jurifüfd&e$  SBiffen.  £>ie  3uri$* 


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ptubenj  intcrefftrt  mid)  als  Srotnriffenfd&aft  nidfot  burd)  itjre  ©injel* 
tjeitcn,  fonbern  idj  roiH  i£>r  ©efammteS  nur  fdfjneß  unb  poüftänbig 
crfaffcn  im  §inblidt  auf  ben  fünftigen  praftifdfoen  ©ebraudf),  unb  fo 
finb  biefe  3  Stunben  täglich,  worin  einem  grünbltdfte  Äenntnife, 
praftifd)  unb  einfad),  roie  es  fidfj  für  eine  fo  gemein  *  menfdjUdje 
2Biffenfd(jaft  paßt,  gereicht  nrirb,  feljr  nriflfommen.  Ueberfjaupt  §abz 
id)  bie  2lbfid)tr  biefen  SBinter  baS  liebe  Jus  mit  aßen  meinen  fünf 
©innen  einsaugen,  um  midfj  in  biefem  fte^enben  $luffe,  wie  ein 
fjifd)  in  feinem  ©lemente,  eintycimifdf)  ju  madfjen,  unb  basS  ift  in 
©öttingen  gar  feine  Äunft,  ba  bie  SDteiften  fdfcon  burd&  bie  Sänge* 
meile  jum  gleiß  genötigt  unb  f)tngcfdj}obcn  werben",  unb  in  feinem 
nädbften  ©riefe  t)om  12.  Dioüember  fd&reibt  er:  „ÜWein  ganjeS  Seben 
ift  ein  ©emifd)  von  3/4  ^anbecten  unb  V4  $roceß.  Um  6  Ulir 
ftelje  iä)  auf  unb  arbeite  bis  9  Uljr,  roo  mein  erfleh  ^anbecten* 
coBegium  beginnt;  bie  Bwifd&enftunbe  t>on  10  -  11  Vfyx  fülle  id) 
tljeilS  mit  3eitunfl3lectüre  (her  Hamburger  ßorrefponbent  unb 
9t(>eimfd(je  3Rercur)  tljeilS  mit  Siolinfpielen  auS;  um  11  Utyr 
empfängt  mid)  baS  jroeite,  unb,  nad&bem  i<$  gegeffen  unb  fpajiert, 
um  2  Uljr  baS  britte,  unb  fomie  id&  midjj  non  biefem  fd&merjlidf) 
getrennt  fjabe,  ftredtt  audf)  fd&on  Sßrofeffor  äReifter  feine  2lrme  nad) 
mir  au£,  um  im  Sßroceffe  ftdf)  meiner  ju  bemeiftern ;  unb  fomit  fyabtn 
um  4  Utjr  meine  ßoüegien  iljr  6nbe.  SJon  ber  übrigen  SageSjett 
ift  bie  erfte  ©tunbe  jum  SRuficiren  mit  bem  jungen  3tobbe  beftimmt, 
unb  bie  übrigen  reid&lidf)  mit  ©tubien,  jefct  nod)  bloS  mit  juriftifdfjen, 
angefüllt,  bie  ©tunbe,  mo  tdf)  ju  Slbenb  fpeife  ober  bei  Stobbe'S  Ztyt 
trinfe,  aufgenommen.  S)u  fiefjft,  baß  mein  Seben  nur  ein  Stoppel* 
concert  üon  $anbecten  unb  5ßroceß  ift,  mit  einer  obligaten  Violine. 
S)ie  $rofa,  in  melier  ftdf)  fold&ergeftalt  einförmig  unb  falt  mein 
®afein  ba^infc&leppt,  märe  mir  nod)  fd&auberljafter  unb  t>erjroeif* 
lungSuoIIer,  märe  nid&t  jugleicfc  eine  Slrt  von  $eiterfeit  in  mir  er* 
jeugt,  bie  jener  Stimmung  einigermaßen  baS  ©egengenricfyt  fjält; 
unb  baS  ift  baS  ©efüf)t  ber  erfüllten  $flid^t.  SDer  Äampf  beS 
ibealen  unb  beS  reellen  SebenS,  bem  idfj  in  Tübingen  beinahe  unter* 
legen,  ift  auSgefämpft;  baS  leitete  ift  im  äußeren  Seben  in  bie 
ooHen  SRed^te  eingetreten,  roeld&e  eS  burdf)  bie  bürgerliche  $terfaffung 
erhalten  fjat,  unb  jenes  anbre  Ijat  fiel)  in  feine  eigentliche  £etmatf), 
in  baS  ©emütlj,  jurüdgejogen." 

Siber,  wie  ein  tüchtiges  2lngreifen  beS  SffierfeS,  baS  man  ju 
f Raffen  berufen  ift,  fowo^l  unmittelbar  biefem  ju  ©ute  fommt,  als 


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28_  _ 

aud)  förbernb  unb  crfrifd&enb  ftdf)  bcm  ganjen  ©etfkSleben  mitju- 
feilen  pflegt,  fo  bewahrheitete   fidE)  baS  namentlich  bei  unserem 
greunbe,  für  ben  übrigen^  in  biefer  Sejieljung  audfc  baS  Safyx  1815 
befonberS  bebeutungStwU  werben  fotlte,  burd)  ßtnbrüde  mancherlei 
2lrt,  weld&e  bie  ßreigniffe  ber  bamaligen  3eü  anf  iljn  fjernorbradfjten. 
3unädj)ft  ift  liier  beS  SobeS  feines  SSaterS  ju  gebenfen,  unerwartet, 
ba§  er  fo  nalje  beoorftänbe,  für  ben  ©o^n,  als  er  um  bie  3*ü  ber 
SabreSwenbe  feiner  3Rutter  froren  ©inneS  fdtjrieb:  „3$  afyme  l)ier 
redfjt  auf  in  ben  reinen  SBintertagen!    2öaf)rlid&  eS  ifi/  als  wenn 
bie  §erbftftürme  alle  bie  unruhige  irbifdjje  ©ebnfud&t  beS  grübltngS 
unb  ©ommerS  üernid&ten,  bamit  man  in  ben  füllen  Rettern  SBinter* 
tagen  flarer  flauen  unb  frommer  empfinben  !önne  jene  ^eilige 
Slütfje  beS  ^immelS,  beren  feligeS  Seben  audfj  in  unferen  £erjen 
anjufrifdEjen,  bie  beiben  gemeinten  gefte:   SBeiljnacbten  unb  Dfiern, 
beftimmt  flnb."  Unb  nun  fam  tym  biefe  ^acljridfjt  ju!  2)er  Sßater 
mar  in  Sübecf,  wofjin  er  gereift,  plöglid&  auf  ber  ©trafee  oon  einer 
Seängftigung  befallen  worben,  unb  ^atte  faum  3*ü  gefunben,  nad& 
$aufe  ju  fahren  unb  ftd^  in  einen  Se^nftu^l  ju  fegen,  um  bann 
augenbltdlidfj  ju  oerfebeiben.    $er  treue  ©oljn,   welker  mit  finb* 
lidfjer  Siebe  bem  33erftorbenen  angefangen,  ber  eS  feinerfcitS  nie* 
malS  an  Sewetfen  ^erjlid^er  3""^flung  unb  hoffnungsreicher  (Sr* 
Wartungen  tyatte  fehlen  laffen,  würbe  burdfj  bie  SobeSbotfdljaft  tief 
erfd&üttert.    „SHdj,"   fdjreibt  er,   „was  burdfjfubr  nid^t  alles  meine 
©eele!    Vorwürfe,  bem  treueren  ©ntfd&lafenen  irieHeidjt  nidfjt  alles 
gewefen  ju  fein,  was  itjm  feine  legten  3lugenblicfe  Ijätte  oerfüfecn 
fönnen,  ber  ©ebanfe,  iljm  nodj  ben  legten  ©ru§,  bie  (Srmicberung 
feines  legten  freunblidfjen  93riefeS  fdjulbtg  ju  fein,  ba§  ber  t&cure 
25ater  bie  legten  entfdfjeibenben  SDtomente  otyne  bie  ©einigen  juge* 
bradfjt  u.  f.  w.    ©ottlob,   ba&  feine  legten  Stugenblicfe  niebt  quak 
ooD  gewefen,  bag  feine  gläubige  ©eele  fidfj  fanft  aufwärts    ge* 
fdjwungen  in   bie  listen  Söo^nungen  ewiger  ©etigfeit!    ©r  &atte 
feine  irbtfd&en  Hoffnungen  metyr,  als  bie  in  feinen  Äinbern.    Unb 
woju  forbert  jein  £ob  mxä)  anberS  auf,  als  ftc  ju  erfüllen.    Unb 
gewife,  id&  fü^le  mid^  oon  neutm  ÜWut^e,  oon  neuer  Äraft  befeeli, 
womöglich  noeb  ernfter,  nodf)  ftärfer  biefem  frönen  Berufe  ju  leben, 
unb  baS  äußerlid)e  ©lud,  weites  bem  ©ntfdjlafenen  bienieben  un* 
erbittlid)   ben  Slüden   gelehrt,  burdfc   ein  männliches  bürgerliches 
Streben  ju  feffeln!" 


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Unb  rote  ernfl  eS  il)m  gemefen  mit  2luSf Urning  bieferSorfäfce 
baS  ergeben  bie  ferneren  ©Filterungen  feincö  SebenS  unb  feiner 
©tubten,  weld&e  in  ©öttingen  erft  redfjt  eigentlich  nadf)  jenem,  ifjm 
von  ©teüefing  empfohlenen  $lan  eingerichtet  waren,  nämlid&:  mit 
einem  beftimmten  $\d  vox  2lugen,  junädjft  unb  Ijauptfäd&lid)  ber 
nadfj  bort  tjinfüljrenben  geraben  Stiftung  ju  folgen,  gewiß,  „baß 
tt)m  aUeS  anbere  bann  tum  felber  juf  allen  werbe."  ©o  Reifet  es 
in  einem  SBriefe  an  ©dfjwab:  „sJKem  fjiefigeS  ßeben  fließt  jiemli^ 
einförmig  baljin.  ©öttingen  ift  ganj  ber  Ort,  um  jemanb  §ur  ®rbe 
tyerabjujieljen,  was  mir  audfj  fc^r  notljwenbig  unb  meinem  Berufe 
angemefjen  ift.  liefern  gemäß  ift  benn  aud)  mein  §auptjlreben 
rein  „prafttfd&."  $)tnn  ju  bem  feften  SöiHen,  ber  einmal  gemähten 
Seftimmung  ju  genügen,  fommt  burd&  ben  £ob  meinet  SaterS  nodf) 
eine  anbere  ^eilige  Serpflidjtung  l)mju.  3luF  ift  burdfj  bie  SJieber* 
geburt  unfereS  BaterlanbeS  ber  ©inn  für  ein  beutfd&eS  Seben  unb 
©treben  feljr  lebenbig  in  mir  geworben.  3$  fjabe  midj  beStyalb 
mit  Unterbrüdfung  mandfjer  früheren  Sßläne  ganj  auf  meine  33ater* 
ftabt  Sübedt  befd&ränft,  unb  bie  äuSfidijt  balb  tfjätig  ju  werben,  in 
baS  neu  ermatte  fieben  eines  eljrwürbigen,  reid)ftäbttfdj)en  ©emein* 
wefenS  einjugreifen,  fann  für  mtdf)  ntdjjt  anberS  als  erfreulich  fein; 
jumal  ba  baS  zufällige  Slnfe^en  meiner  gamilie  unb  ber  Umftanb, 
baß  id)  ber  ©rfte  bin,  ber  von  ben  neuerbingS  ben  SReformirten 
bewilligten  Stedjtcn  ber  S^eilnafjme  an  ben  ©tabtämtern  ©ebraud^ 
madfjt,  mir  meinen  2Beg  fetyr  erleichtern  wirb.  Bon  Umgang  jtem* 
lidj  entblößt,  fülle  id^  im  Uebrigen  bie  3*it,  meldte  iä)  früher  mit 
SHr  unb  anberen  greunben  jubradfjte,  mit  bem  ©enuffe  ber  f)err* 
liefen  ©ebilbe  altbeutfdjer  $oefie  aus.  Bon  ben  Nibelungen,  bie 
iä)  früher  nur  ttjetlwetfe  aus  ber  (meiner  3Beinung  na<§)  fel)r 
mittelmäßigen  t>.  b.  £agen'fd)en  Bearbeitung  fannte,  unb  bie  id& 
jefct  in  ber  Ijcrrlidfjen  beutfd&en  Urfpradfje  gelefen  l)abe,  fann  i$ 
nücf)  gar  nid&t  trennen,  fo  erwärmt  mid&  bie  innige  beutfdfje  ©tutt), 
welche  biefe  9tiefenbid&tung  bewahrt,  unb  bie  aus  iljr,  wie  bie  ©onne 
am  erfien  ©d&öpfungStage,  emporftraljlt."  Unb  fo  tönt  es  uns  au<$ 
auS  fonftigen  ©riefen  entgegen.  „3$  bin  jefct  gerne  liier,"  Reifet 
eS  in  einem  berfelben.  „®ie  3weige  meiner  Sßiffenfdtjaft,  welche 
mtdfj  jefct  bejd&äftigen  (außer  bem  SRömifdjen  Stecht  bie  SDeutfd&en 
Stedjte  unb  baS  ^anbelSred^t)  finb  mir  erfreulich,  baS  potittfd&e 
©tubium  jietjt  mid&  aud&  an,  unb  idf)  erübrige  nod)  3ci*  5U  meinen 
altbeutfd&en  Seftrebungen,  weites  mir  eine  waljre  ©rquidung  ift." 


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36 

„Studj  ifl  bie  ^eilige  Säcilia  nodf)  immer  meine  liebe  fettige, 
ober  mit  anbern  SBorten:  ba«  corpus  juris  ift  fein  $inberni§  für 
meine  Siebe  jur  3Buftf.  Sie  £rio«  mit  Soui«  Stobbe  unb  Sranbi« 
befeeltgen  mir  manche  2lbenbfiunbe,  unb  feit  einigen  Sagen  bin  idj 
audjj  in  eine  ©ing*2tfabemte  eingetreten." 

2Benn  ijier  eine«  jungen  SJianne«  tarnen«  Sranbi«  ermahnt 
wirb,  fo  fütjrt  un«  ba«  ju  einer  33efpredE)ung  von  S3erl)ättniffen,  bie 
ft<$  ttjeilmeife  ju  ben  engften  $reunbfd)aft«bünbmffen  gehalten  foüten. 
©d&on  ju  Anfang  be«  3af)re«  1815  ermähnt  er  be«  angenehmen, 
leljrreid&en  Umgänge«  mit  ben  ©ebrübem  SBranbi«,  Söhnen  be« 
£ofarjte«  93ranbi«  in  Äopenfyagen,  oon  benen  ber  ältere,  Sector 
ber  $t)iloiopl)ie  in  Äopenfjagen,  fid^  bamal«  auf  Urlaub  in  ©ötttngen 
befanb,  um  bie  ©d&äfce  ber  Stbtiotyef  ju  benufcen;  er  bejeidjnet  fie 
in  einem  Sriefe  an  feine  SDlutter  al«  treffliche  unb  fräftige  SDienfd&en, 
an  beren  3lbreife  er  nur  mit  ©d&merjen  benfen  fönne,  unb  fügt 
bann  fjinju:  „audf)  fjabe  id&  bei  9tobbe?«  einen  jungen  Seemann* 
£olweg  au«  granffurt  fennen  gelernt,  ju  bem  manche  freunblid&e 
Slljnung  midj  Ijinjiefjt."  Unb  tiefe  2Ifjnung  Ijat  tyn  nic^t  betrogen, 
bcnn  nur  ber  Job  fonnte  ein  93ertyältmß  löfen,  ba«,  im  begegnen 
auf  bemfelben  uriffenfdjaftlid&en  gelbe  angefnüpft,  burdf)  bie  gleiten 
Ueberjeugungen,  audf)  auf  poiitifd&em  unb  religiöfem  ©ebiete,  t>on 
benen  beibe  burdfjbrungen  waren,  je  länger,  befio  mefjr  ben  (Sljarafter 
tyerjlidfjer  Siebe  unb  rüdff)alt«lofen  Vertrauen«  annehmen  foflte. 
,,8Ü«  gleiä)  wedfenb  für  ©eift  wie  für  $erj,"  bejeic^net  $auü  in 
feinen  bamaUgen  Sriefen  ben  SJerfcljr  mit  §olroeg,  unb  gegen  ©dfjmab 
in«befonbere  bemerft  er:  „3$  wollte  S)u  fennteft  U)n,  bejfen  tiefe« 
unb  reiche«  ©emütt)  midfj  nodfc  öfter  an  2ttd&  erinnern  mürbe,  wenn 
fein  tounberbar  oerfd&loffene«  äBefen  e«  nid&t  fo  wenig  tfyäte."  Unb 
toie  mit  ^olmeg,  fo  fnüpfte  fidf)  junädjft  burdf)  ba«  Jus  ein  33er* 
fjältmfc  audfj  mit  einem  anbern  Planne  an,  beffen  5lame  in  ber 
golgejeit  ein  trielgenannter  werben  follte,  mit  ipaffenpflug  nämlt$. 
Ueber  biefen  fdfjrieb  er  junäd&ft  an  feine  ©cbmefler  gannp:  „Slußer 
mit  £olweg  fjat  fidf)  in  ber  legten  $eit  ein  innige«  SSerijältnife  mit 
einem  jungen  Reffen,  9tamen«  ipaffenpflug,  angefnüpft.  3Bir  fanben 
un«  fefjr  fdjneU  ineinanber,  weld&e«  aud&  natürlid^  genug  juging. 
S)enn  er  tyxt  mir  feitbem  geftanben,  baß  er  fd&on  ben  ganjen  vorigen 
SBinter  ein  große«  Verlangen  getragen  fjabe,  mi<$  fennen  ju  lernen. 
2)a  nun  ein  gleite«  aud&  einigermaßen  bei  mir  fiattgefunben,  unb 
bie  ©elegenljett  un«  jufammenbradfjte,  fo  umfaßten  mir  un«  balb 


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31 

re<$t  innig,  $aben  au<$  fettbem  nid&t  von  etnanber  gelaffen,  unb 
auf  mannen  5lu$flügen  in  bie  fd)önen  Umgebungen  ift  er  mein 
Segleiter  gewefen."  Später  treibt  er  feiner  SKutter:  „SJietn 
Uebfter  greunb  ipolweg  ift  mit  33eginn  be<8  SöinterfemefterS  naö) 
Serlin  gereift;  aber  ein  anberer,  £ajfenpftug,  ift  mir  burd&  feine 
empfänglic^feit  für  aDeS  ©d&öne,  fein  reines  oaterlänbifd^e^  Streben 
unb  gleiches  ©tubium  bodf)  audf)  feljr  lieb  unb  mertlj  geworben. 
SBir  ftnb  feit  SKidjaeliS  in  ein  £au8  jufammengejogen,  unb  fjaben 
ein  $rit>atej;aminatorium  iufammen,  unb  burd)  feinen  liebeng* 
würbtgen  groltfinn  unb  feinen  Söifc  f)at  er  mir  fdfjon  manche 
melandjolifd&e  üRficfe  oerfd&eudfjt." 

$on  jungen  Seuten,  benen  er  fonft  in  bamaliger  $ett  nctyer 
getreten,  fei  Ijter  nod^  namentlich  gebaut:  ©ömmermg'S,  ©otyneS  be3 
befannten  3lnatomen,  eines  eminenten  3Jtenfd()en,  ben  er  wäljrenb 
einer  langwierigen  2lugenfranff)eit  pufig  befugt  unb  gewaltig  mit 
Ujm  über  $l)Uofopf)ie  biSputirt,  unb  eines  §errn  ü.  §aytf)aufen,*) 
„ein  ädfjter  Siebermunb,  ber  audEj  bamit  umgebt,  fd&öne  SJolfSÜeber 
in  SKufif  IjerauSjugeben."  SHefe  neuen  greunb*  unb  Sefannt* 
fdjaften  t)ermodt)ten  aber  fretlidjr  ntd&t  bie  Erinnerungen  an  früher 
gefd&loffene  ju  Derbunfein,  unb  wie  würben  feibige  aufgefrifdfjt,  als 
©djwab,  üon  einer  Steife  bur<$  SftorbbeutidEjlanb  über  ©öttingen 
fjeimfetyrenb,  ad&t  Jage  bei  tym  raftete!  „SBeld&e  Sage,"  fd&rieb  er 
nadjj  &aufe,  „wirb  baS  2Bieberfel)en  beS  feueren  mir  bereiten,  unb 
wie  wirb  ber  lebenbige  ©rufe  aus  jener  blumenfd&wangeren  Sugenb* 
jeit  midf)  erquicfen!"  „2ldE)t  hirje  Sage  mar  er  bei  mir,"  Reifet  eS 
bann  fpäter,  „munberbar  bewegt  von  alten  Erinnerungen,  wie  üon 
frifd^en  Etnbrüdfen  ber  Steife,  —  ju  meiner  unfägltd&en  greube 
burdf)  bie  innigfte  9Rtttf)eUung  über  alles,  was  bem  9Jtenf($en  baS 
2Bertf)efte  unb  §ödfrfte  ift,  unb  ben  Sroft  beim  2lbfdE)ieb,  bafe  äd&te 
greunbfdfjaft  über  alle  Entfernung  oon  SReilen  unb  Qa^ren  ergaben 
ift,  ja  burd^  biefelben  nur  nodf)  mefyr  t>erflärt  wirb."  Er  begleitete 
ben  greunb  bis*  Eaffel,  unb  „id&  blieb,"  wie  eS  bann  no<$  weiter 
Reifet,  „auf  Sitten  meinet  greunbeS  igaffenpflug  nodf)  einige  Sage 
bei  tym,  unb  brauste  meinen  Sntfd&luf*  nidtit  ju  bereuen,  ba  id(j 
bort  in  einem  fetjr  lieben  gefeflfd&aftlid&en  Äreife  mand&e  trefflidfje 
SUtänner  fennen  gelernt,  unb  unter  tfjnen  einen  ber  Srüber  ©rimm 

*)  Sluguft  toon  §astyauten,  befannt  burd)  jeine  ©Stiften  übet  tt>eftytyftütd)e 
Stgrattoer^ättniffe  unb  über  bie  (anblicken  3uftänbe  SiujjfanbS? 


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32 

(bet  anbete  roar  in  $ari8).  SBefannt  war  mir  baS  Srüberpaat 
fdfjon  au£  itjren  grünblicljen  Bearbeitungen  altbeutfdjer  S)id;tungen 
unb  ber  @bba,  foroie  auti)  aus  i^rer  trefflichen  3citf d^rif t :  ben  „alt* 
beutfdfjen  SBälbern." 

SBie  biefe  legten  SBorte  uns  einen  ©nbltdt  gewahren  in  feine 
beutfd&en  ©tubien,  fo  muffen  mir  jefct  aber  aud&  nod&  mit  ein  paar 
SBorten  auf  bie  Stimmung  jurüdtfommen,  bie  iljn,  wie  fo  mand&e 
junge  beutfdfje  §erjen  befeelte,  ba  man,  nad&  bem  erflen  Siege  über 
granfretcfy,  oljne  gerabe  bie  ©djroiertgfeiten  ber  Sage  fid>  gehörig 
ju  pergegenroärtigen  ober  beftimmte  formen  angeben  ju  fönnen, 
wie  e$  ju  ermöglichen  fein  mödjte,  ber  2Bieberf)erfieUung  eines 
9teid&e$  beutfd&er  §errltdf)feit  mit  Hoffnungen  entgegenfal),  bie 
benn  freilidfj  burd)  2lUe^f  roaS  über  bie  SBerljanbtungen  auf  bem 
SBiener  gongrefc  verlautete,  bie  bitterften  SEäufd&ungen  erfahren 
foQten.  2Bte  wenig  ober  nidfjtö  änberte  bann  ber  jroeite  Sieg  an 
ben  fingen,  unb  rote  traurig  enbete  bie  grofce  nationale  23eroegung 
in  Verfolgungen,  £efeereien  unb  Serbäd&tigungen  aller  Srt  auf  ber 
einen,  unb  Unmutl),  ©roll  unb  bitteren,  roie  feinbfeligen  (Smpftnbun* 
gen  auf  ber  anbern  Seite! 

Unb  mit  letDenfd&aftlid&em  6ifer  feljen  mir  nun  audfj  unfern 
greunb  an  ben  potitifd&en  ©reigniffen  Sljeil  nehmen,  roo  ftd)  ®e= 
legen^eit  bietet  für  bie  gute  ©ad&e  eintreten,  unb  bemüht,  bie  S^^n 
ber  3*ü  Ju  beuten.  3"  Ausgang  beS  ^aljreS  1814  fammelt  et 
feine  ©ebanfen  in  ben  SBorten:  „SBenn  idf)  auf  ba8  alte  3a^t 
jurücfblidfe,  fo  fage  i<$  mir:  bie  3*ü  tag  ba  roie  ein  bearbeitetet 
fruchtbarer  Soben,  in  ben  man  alles  ©ute  f)ineinfäen  fonnte,  ftdfjer, 
baf*  e«  in  üppiger  glitte  aufgeben  mürbe.  S)a8  SSolf  unb  bie 
Sefferen  fyabtn  au<$  nid&t  ermangelt,  e3  ju  ttjfun;  bie  ©tofjen  bet 
®rbe  aber  tjaben  Selbfifud&t  eingefaet,  unb  ifjre  ©aat  gel>t  nun  auf 
toie  jene  be£  GabmuS,  roo  tiefige  Streiter  aufrauhen,  bie  fidf)  ein* 
anber  anfielen  unb  jerfleifdfjten.  SDaS  ipetj  fefpt  fid^  mir  im  Seibe 
um,  roenn  idf)  ben  ©fanbat  betraute,  unb  fo  mu&  es  Qebem  ergeben, 
ber  nur  etroaS  beutfdf)  empfinbet  unb  fdfjon  im  ©eifte  bie  beutfd&e 
£errltdf)feit  au«  if)ren  Krümmern  roieber  emporfieigen  falj.  aber 
fie  ift  audlj  jum  £I)eit  im  ©mporfteigen  begriffen;  ber  ©tnn  für'S 
allgemeine  ift  mefjr  als  je  ermaßt,  unb  roie  bie  eigene  Äraft  bet 
Station  bod&  eigentlich  am  meiften  baju  mitgeroirft  l>at,  baS  franjö^ 
ftfd&e  %oä)  ju  fprengen,  fo  mufe  man  ^offen,  bajj  oon  tfjr  audjj  aüeS 
fernere  £eil  ausgeben  roirb,  ja  man  barf  behaupten,  bafi  es  nur 


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33 

bann  etwa«  SBal^afttge«,  3eütt)ümUd&eS  werben  fönne,  fo  rote  unfte 
eidjen  audfj  nid&t  urfprünglidjj  fünfttidf)  von  außen  emgepftanjt, 
fonbern  eben  butd)  bie  etgenfte  -Jlatur  unfre«  SanbeS  erjeugt  finb." 
9Jun  aber  erfäod  im  3Kärj  be£  3>a$reS  1815  bie  Äunbe  von 
bem  SBiebererfdfjeinen  •Kapoleon'«  auf  franjöfifdfjem  ©oben,  unb  ju 
ben  freiwilligen,  weldtje  ftd)  jum  Stenft  bei  ber  Ijanfeattfdfjen  Segion 
gemelbet,  gehörte  aud&  unfer  $auli,  ber  inbeffen,  big  fie  gegen  ben 
geinb  geführt  werben  würbe,  (srlaubniß  erhielt,  in  ©öttingen  ju 
bleiben.  3)er  entfdfjeibenbe  ©ieg  bei  SBatertoo  mad)te  weitere  2ln* 
ftrengungen  nidfjt  nötljig,  unb  jubelnb  begrüßte  er  ba8  große  @r* 
eigniß  mit  ben  Sßorten:  „Söieber  wäre  ba$  ftolje  33abel  in  unfern 
Rauben!  6£  ift  bod;  ein  erl)ebenbe£,  ^errlid^e«  ©efüf)l,  baß  feine 
©df)lcd(jtigfeit  unb  falte  ©elbftfudfjt  be$  Einzelnen  fäljig  ift,  ben 
Strom  be$  ffted&teö  unb  ber  2öaf)rl)eit  ju  irren  unb  ju  fjemmen, 
ber  unauföaltfam  forträumt,  ba$  9tetd)  be£  SrugeS  unb  ber  @ott< 
lofigfeit  ju  üerfdjlingen.  33iel  ebleS  bcutfdfjeä  SBlut  §at  freilid) 
fließen  muffen,  um  ba3  SBort  „Sieg"  ju  ootlenben,  aber  bafür 
ftef)t  es  au<$  in  fo  großen  glüljenDen  SH^  baf  baß  e3  wo^t  aitö 
ewigen  Seiten  wirb  gefdjaut  unb  angeftaunt  werben."  S)ie  Stegen 
freube,  ber  man  fid;,  wie  überall,  fo  aud)  in  ©öttingen  Eingab, 
ließ  tfjn  aber  an  biefer  noc&  fein  ©enüge  finben;  er  befd&loß,  ben 
18.  Dctober  auf  ber  Sßhrtburg  ju  feiern,  unb  aus  ber  ©djtlberung 
biefe«  8lugftugeS  tritt  uns  feine  (SigentljümlidjfeU  mit  fo  beutlidjen 
3ügen  entgegen,  unb  ntd&t  weniger  ber  ßontraft  beS  ibealen 
©djwungeS,  oon  bem  gehoben  er  fid)  auf  ben  2Bcg  madjjte,  unb 
ber  nüchternen,  ja  platten  Söirflidjfeit,  weldfje  U)tn  bort  begegnen 
follte,  baß  wir  fie  in  etwa«  au&fül)rtidjerer  SBeife  mttjutljeilen  uns 
gebrungen  füljlen.  „Qd;  entfd&loß  midf)  fdfjneU,"  fdjreibt  er,  „naljm 
ben  Keinen  9left  meiner  SaarfdEjaft  jufammen,  ftedte  mein  geliebte* 
Stibelungenlieb  in  bie  Safd&e  unb  mad&te  midf)  am  16.  Dctober  be$ 
3Jlorgen£  allein  auf  ben  Sßeg,  nid&t  afjnenb,  baß  biefe  Keine  Steife 
mir  eine  Steige  getäufditcr  Erwartungen  unb  üerfetytter  steine  fein 
werbe.  3$  ftieg  jwar  nad&  einem  rüftigen  SWarfd^e  am  -Jladf)* 
tnittage  be£  18.  in  baS  ßifenac&er  Sdjal  fjinab;  au<$  ladete  mtdfj 
ba8  ©täbtdjjen  mit  ben  legten  Sonnenflrafjlen  red&t  gafifreunblid^ 
an,  unb  §odj  ob  bem  tyerbfttid&en  S3ergwalbe  f)db  fid),  nidfjt  ftolj 
auf  iljre  fdjon  t>alb  gefunfenen  3Kauern,  aber  auf  bie  jwei  ^eiligen 
Sßefen,  bie  fie  cinft  umfdjloß,  twn  golbenem  &eitigenfdf)eine  um* 
floffen,  bie  alte  SBJartburg  empor.   211«  id&  aber  in  bie  ©tabt  fam, 

3ettf^t.  f.  «ü6.  &t\ä).  JBb.  IV,  ^efi  i  3 


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34 

fanb  tdj  fte  jum  plagen  mit  Stoffen  angefüllt.  2BaS  i$  gleidfj 
fürchtete,  würbe  nur  beftäügt.  2Bte  SBlci  lafiete  biefeS  SBolf,  jebe 
freubige  Srljebung  o^neljin  nidjt  fc^r  begeiferter  3Kenfd&en  Ijinbernb, 
auf  ©tabt  unb  ©egenb.  S5ie  SBartburg,  biefer  Ijerrlid&e  SDüttel* 
punft,  blieb,  wie  man  mir  faßte,  bunfel  unb  tobt;  auf  bem  benadj* 
barten  SßeterSberge  aber  würbe  eine  (Sompagnie  beS  SanbfturmS 
ein  Steuer  anjünben.  60  machte  i<$  midf)  benn  hinauf,  unb  tarn 
gerabe  an,  als  baS  geuer  emporloberte.  Slber  eS  war  bort  eben 
au$  nur  biefeS  gfeuer  ju  finben,  in  ben  ÜRenfdfjen  feines,  ober 
bodj  nur  ein  fetyr  fd&led&teS;  nur  etwa  00  motten  ftd&  jufammen* 
gefunben  Ijaben.  2)ie  gemeineren  fangen :  „ein  freies  Seben  führen 
wir"  unb:  „eS  ritten  brei  SReiter  jum  3$ore  l)inauS"  unb  riffen 
einige  $ottti)  bie  Honoratioren  fror,  bafc  i^nen  bie  Rtync 
(läpperten,  ob  bem  braufenbem  iperbfifturm,  bei  bem  mir  eS  redjt 
rootyl  mürbe.  @m  Äerl  jagte  immer  bie  Qugenb  oon  ber  ber  ©tabt 
jugele^rten  Seite  beS  geuerS  meg,  bamit,  roie  er  fagte,  bie  (Sin* 
rootyner  bod&  aud&  Sßlaifir  Ratten.  Äurj,  eS  mar  bort  oben  fo,  baft 
t<$  ri\ä)t  nmfcte,  ob  id&  lad&en  ober  beulen  follte.  ©eSroegen  fagte 
td&  nrie  tyx  Sieb:  „abe!  abe!  abe!  fingt  unb  friert  i^r  bis  $um 
lüngfien  Sage,"  unb  ftürmte  in  ^eiliger  SButl)  ben  SBerg  l)inab,  in 
bie  ©tabt  unb  auf  mein  3immer>  *>a  fefttc  id&  midf)  bem  füllen, 
wflen  3Wonbe  gegenüber,  unb  backte  an  mandjeS,  bag  mir  bie 
3$ränen  in  bie  Säugen  traten.  £)ann  na^m  id)  mein  Nibelungen' 
lieb  in  bie  $anb,  unb  erroärmte  mid^  an  ber  ftiüen  ©lutl),  bie  in 
biefem  finblid&  (laren  unb  bod&  unergrünblid&en  Siebe  flammt,  fo 
bafe  id&  ben  Slbenb,  melden  16)  in  ber  lebenbigften  Serü^rung  mit 
ber  ©egenroart  ju  feiern  Ijoffte,  nur  mit  bem  Ijerrlidfjen  SRad&flange 

einer  Ijalb  mpfiifd&en  Stiefenjeit  ausfüllte. 2>en  anbem 

Sag  ftieg  i<$  jur  SBartburg  empor,  melbete  midf)  beim  SafteBan, 
unb  glei$  fjatte  fo  ein  2)radf)e  von  SBeib  bie  ©bluffet  unb  mi# 
in  iljren  Älauen.  @S  ifi  furd&tbar,  bafe,  roenn  aus  alten  Ruinen 
bie  SBorjeü  uns  begrüßen  nriH,  unb  in  allen  fallen  unb  ©emäd&ew 
piel  fdfjöne  Silber  grauer  Sage  füll  t>or  uns  aufzeigen,  fafi  immer 
fo  eine  ©aricatur  ber  neuen  3*ü  mit  ungeroafd&nem  3wg  öfleS 
in  uns  roegjunrifd&en  ftd^  bemüht.  S)enn  wenn  man  aud)  bie 
O^ren  jumadfjt,  mit  ben  Slugen  ifi  eS  bodf)  nidfjt  fo  leidet  getf>an. 
S)odj  gaben  bie  üRauern  mir  mit  füllen  3ungen  gar  viele  emfle 
unb  freunblid&e  Äunbe,  tyier  pon  bem  lieben  Dr.  Sut^er,  nrie  er 
trofc  aller  ainfed&tungen  beS  Teufels  bie  fjeilige  ©d&rift,  fromm 


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85 

fhmenb,  Derbeutfdjte,  unb  in  bct  fleincn  Äird&e  ftdjj  unb  feine 
greunbe  in  ^eiligejt  SBorten  unb  Keinen  Siebetn  an  bem  alten 
Ätange  ber  lieben  SRutterfprad&e  erfreute;  bort  Don  ber  ^eiligen 
©ifabett»,  wie  fie  bie  SHtmen  fpeift  unb  bie  Äranlen  mäfd&t,  bie 
flUIe  ÜRagb,  bie  fromme  grau,  wie  fid&  SBrob  unb  SBein  tt>r  ju 
Sieb  in  Sftofen  flerroanbelten,  fie  aber  in  immer  gteidjer  ©emutl) 
bem  Jperrn  bleute  f  aon  böfen  üRenfd&en  pertrieben  unb  perftofcen; 
bort  enblid&  pon  ben  begeifierten  ©ängern,  wie  bie  $einrid)  pon 
Dfterbingen,  bie  SBolfram  oon  ©fd&enbadf)  unb  bie  nmnberbaren 
ÄlingSoljr  aus  Ungarlanb  auf  lob  unb  2tbtn  f  ampften.  2)aS  äße« 
faf)  unb  Ijörte  t$,  trofc  ber  alten  Älappermfil)le,  bie  mir  immer  in 
ben  2öeg  trat,  red)t  beutlidf),  unb  Pietteid&t  mar  ber  SttfrofoSmuS 
auf  Äofien  be$  aRafrofogmu«  in  lebenbiger  3J)ätigfeit,  benn  über 
ber  ganjen  weiten  8tugftd)t  Ijhtg  ein  Soleier  pon  trüben  Sftebeln. 
®a  gebaute  id&  ber  fcpnen  Sftomanje  Äerner'S: 

3u  Wartburg  unter'm  tfinbenbaum 
$er  junge  £anbgraf  lag  im  £raum, 
63  fangen  bie  ÜRadjtigaUen. 

3)er  HRonb  30g  burdj  ben  §immel  blau, 
&er  Sanbgraf  faty  bie  jartfte  grau 
Ueber  ferne  SBerge  hmllen. 

—  —  Steine  Stulje  über  ba$  SBaterlanb  ttyeile  ify  übrigeng  nid&t; 
nad&  meiner  SWeinung  fie^t'Ä  bei  uns  ebenfo  fd&led&t  avß  roie  in 
granlreidf),  nur  bajs,  unferm  SBefen  gemäfe,  bie  Spaltungen  tiefer 
finb,  unb  bie  fernblieben  ßlemente  fid&  nid&t  in  fo  lautem  Äampfe 
ergeben,  (Srroäge  bie  UnjufriebenlieU  in  ben  Sßreufnfd&en  Sft^ein^ 
prooinjen,  ben  neuen  ©d&malj'fd&en  $anbel,  in  ben  bie  Sßreu&ifd&e 
Regierung  Ijeimtidf)  nur  ju  feljr  impticirt  fein  fott,  bie  furd&tbare 
Stimmung  in  ©ad&fen,  mofelbft,  roie  in  S)armftobt,  bie  geier  be* 
18.  verboten  mürbe,  unb  5Du  Ijaft  fd&on  ^inlänglid&  äußere 
©pmptome."  9Ud&t  lange  &t\t,  nad&bem  Sorfteljenbe«  gefd&rteben, 
verging,  unb  es  foUte  fid&  tym  ©elegen^eit  bieten,  roiber  ba«  feige 
Unroefen  ber  ßeit  jelbft  3eugnife  abjulegen.  (Sc  mar  in  ben  SBeÜf 
nad&töferien  ju  ißaufe  geroefen;  „in  @öttingen  angelangt/'  fd&reibt 
er  bann,  „fanb  id&  auf  meinem  ©d&reibüfd>  einige  auf  ©c&malj  be* 
jüglid&e  SSrofd&üren;  bie  pon  ©d&leiermad&er  fprang  mir  foglet$  in 
bie  Slugen,  unb  id)  mad)te  mid&  auti)  fofort  barüber  ^er;  fie  fyxt 
mir  feljr  rool)l  gefallen;  benn  fo  bitter  bie  Sronie  ift,  womit  er  ju 


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36 

Sfofang  ©d&malj  unb  beffen  ©djjrift  be^anbelt,  mit  befio  Ijeiltgerem 
@rnfi  entroidfett  er  ftd&  nad&ljer  über  bie  ©ad&e,felbft;  —  bann  log 
t>or  mir  eine  fd&eufelid&e  ©iatribe  gegen  ätatbt,  ftaljn,  ©örreS  unb 
bie  übrigen  t>ermeintltd&en  ©eljetmbünbler,  unb  anbre«  an  9tecen* 
fionen  unb  SBrofd&firen,  roo  in  biefem  ober  jenem  Sinne  biefe  8fa* 
gelegensten  bed  Sage*  befpro^en  würben,  ©er  Äampf  nrirb 
immer  lebhafter,  unb  roenn  e«  roaljr  ifl,  bafe  bie  ©ef^id^te  i^re 
9tet>oluttönen  erft  innen  brauet,  elje  fie  äufeerlid&  tjeroortreten  ,  fo 
fielen  uns  grofee  SHnge  beoor.  ffyt  mißt,  wie  fet>r  ba*  &eran* 
na^enbe  @nbe  ber  UnioerfttätSjeit  mid&  mafjnt,  ljau8l)ättertfd>  mit 
meiner  S^it  umjuget>en,  unb  bodfj!  es  liefe  mir  feine  9tul)e,  id& 
mufete  in  biefen  Sagen  ben  Ärei«  meiner  geroö^nlid&en  ©efd&äfti* 
gungen  t>erlaffen,  um  gegen  einen  biefer  politifd&en  Uebeltyäter  gu 
gelbe  ju  sieben,  ©in  ©eljetmratl)  3)abeloro  nämltd&,  ber  als  Qurift 
einen  jtemlid)  bebeutenben  9luf  Ijat  unb  ftd&  §ier  auffielt,  liefe  ftd&'ä 
einfallen,  eine  Heine  ©d&rtft  brudfen  ju  laffen  jur  ©rläuterung  beS 
13.  SlrttfelS  ber  SunbeSacte,  roorin  er  bem  beutfd&en  SSolfe  alle 
Sterte  auf  eine  lanbflänbifd&e  Sterfaffung  abfprid&t,  unb  babei  bie 
gemeinfie  unb  ge^äffigfte  ©eftnnung  an  ben  Sag  legt,  furj,  eine 
©dfjrtft,  gegen  roeld&e  bie  ©dfjmalj'fdfje  golben  ift.  Qd)  erhielt  fte 
foroie  fte  erfd&ienen  mar,  unb  jufäflig  an  bemfelben  Sage,  an  bem 
mir  ba«  traurige  ©d&idfal  beä  SR^einifd^en  2Werfur'8  funb  mürbe. 
SDie  ©alle  lief  mir  über,  foroie  id&  fte  gelefen;  fd&neü  tunfte  id) 
meine  geber  barin,  unb  förteb  bem  $errn  t>on  ©abetoro  einen 
berben  JBrief,  worin  td&  i&m  unter  anberm  rietl),  ©öttingen  fo  balb 
wie  mögttdi)  ju  aerlaffen;  bie  ©d&rift  feilte  i<$  fogleidjj  allen 
greunben  unb  8?efannten  mit,  unb  biefe  roteber  ben  irrigen,  fo  bafe 
fie  balb  jiemlidfj  aflgemein  verbreitet  mar;  unb  fte  verfehlte  m$t 
if>re  SBirfung!  Sitte,  bie  nur  etwa«  fräftig  füllten,  mürben  in 
2Butty  oerfefct,  unb  es  fam  fogar  baju,  bafe  eine«  SageS  am  gellen 
SWittage  unter  gemattigem  3ufammentauf  oon  ©tubenten  bie 
SDabeloro'fdfje  ©d&rtft  an  ben  ©<$anbpfal)l  geheftet  unb  bem  SSerfaffer 
ein  $ereat  gebraut  rourbe.  ©iefer  entfernte  ftdjj  atebalb  au* 
©öttingen ,  l)at  aber  feitbem  in  ber  (Saffeler  3*itong  ftdjj  auf  eine 
Srt  Beweinten  laffen,  bafe  mir  unmöglidj  fdfjroetgen  lonnten,  roeS» 
l>alb  tdjj  benn  nun  im  Flamen  ber  tyieftgen  ©tubenten  eine  ©egen* 
rebe  eingefanbt  l>abe.  —  —  —  Sefct,  ba  bie  grofee  Iferrltd&e 
©ümme  in  ©oblenj  (©örreS)  Derfiummt  ift,  l)at  Seber,  bem  ©ott 
§era  unb  ©prad&e  gab,  eine  boppelte  SBerpffi^tung  «uf  ft<$,  beibe* 


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37 


ju  gebrauten,  unb  wenn  eS  jugenbltd&en  Äräften  aud;  nid&t  ge* 
geben  ijt,  etwa«  SßofitioeS  ju  erraffen,  fo  muffen  fie  fid)  um  fo 
metyr  auf  bie  SJerntdfjtung  beS  ©erneuten  unb  aSerberblidjen  rieten." 
einige  $t\t  twr  btefer  litterarifdjen  $eljbe  mar  er  übrigens  in 
einen  anbern  ißanbel  oerwidfett  worben,  ber  leidet  einen  üblen 
2luSgang  ^ätte  geroinnen  fönnen  unb  beffen  f)ier  nodf)  erwähnt 
werben  möge;  er  fjatte  ttämlic^  in  einem  3)ueD  eine,  bem  erfien 
2tnfd&etne  nad&,  fe^r  gefährliche  Sffiunbe  baoongetragen,  unb  melbete 
btefeS,  einigermaßen  wteber  tyergefteHt,  feiner  2Kutter  mit  ben 
SBorten:  „3)ie  Urfad&e  meines  ©UDfdfjweigenS  ifi  eine  Htägige 
Unpäjstidjfeü  gewefen,  unb  ba  iä)  bie  jüngfl  oon  2)ir  auSgefprod&ene 
männltd&e  3lnfidf)t,  bafe  meine  6§re  bie  Steinige  fei,  ntdfjt  oergeffen, 
fo  barfft  S5u  nun  audfj  nidjt  erfd&redfen,  wenn  \ä)  3)ir  mitteile, 
bafe  i$  jene  14  Sage  an  einer  böfen  unb  bo<§  glüdflidjen  äöunbe 
laborirt  fyabe,  bie  mir  in  einem  S)ueD  auf  eine  tüdftfdfje,  wiber* 
red)tUd()e  SBeife  beigebracht  worben.  Dbgleid^  mein  ©egner  mir 
bie  tyalbe  23rufi  uon  ber  §erjgrube  bis  in  bie  Strotzte  hinein 
burd&boljrt  t>at,  mar  id)  bod^  jum  (Srftaunen  unb  burd&  bie  §ülfe 
meiner  funfioerfiänbtgen  greunbe  fomoljl,  als  oorjügltd)  burdf) 
meine  f)errlid&e  sJtotur  in  14  Sagen  twflig  wteber  fyergeflellt,  fo  baß 
id)  jefct  nur  nodf)  eine  gelinbe  Sctymung  beS  linfen  2lrmS  üerfpüre, 
bie  fid)  audf)  nad)  unb  nadd  verliert.  Unb  babei  fytbe  id&  bie  breu 
fad^e  greube,  bajs  bie  ©ad^e  uneutbedtt  geblieben  tft,  ba&  td&,  ba 
meine  greunbe  in  ben  (Megten  für  midf)  nad&fd&rieben,  nid&tS  oer* 
fäumt,  unb  bagegen  eine  überflüfftge  unb  t)inberlid)e  9Jtaffe  SluteS 
lo«  geworben  bin  unb  mtdf)  bemjufolge  freier  benn  je  juoor  füljle." 
Unb  wo^l  mod&te  er  ftdj)  glüdftid&  preifen,  jo  (eisten  ÄaufeS  batwn* 
gefommen  ju  fein,  benn  fd&on  war  über  aW  biefem  ©tubtren  unb 
S)enfen,  §anbeln  unb  Seiben  bie  3*ü  näfjer  gerüdt,  wo  er  bie 
Unfoerfttät  wrlaffen  unb  ein  neuer  SebenSabfdfjmtt  beginnen  fotttc. 
S)ie  ©efüljle,  weld&e  tl)n,  auf  biefem  ©d&eibepunfte  ftcfjenb,  be* 
megten,  fpredfjen  ftd&  lebhaft  in  einem  ©^reiben  an  ©d&wab  aus, 
wenn  eS  jjier  tjei&t:  „Qdjj  nähere  midj  jefct  mit  fdfjneKen  ©^ritten 
bem  ©übe  meiner  langen  Surfd&enjett.  ©o  einfam  am  Sterbebette 
eines  jo  frönen  2Ibfdf)nitteS  unfereS  SebenS  ju  fielen,  ift  aber  bod& 
ein  trauriges  @efüf)l!  SBäre  fie  nur  erfi  tobt,  unb  idf)  fönnte, 
einem  neuen  Seben  Eingegeben,  in  frifd&e  SJerljältniffe  entrüdtt,  ben 
fel)nfud^tSüoDen  Slidt  nadf)  jenen  feiigen  Sagen  rieten;  aber  baS 
©terbenfe^en  ift  fd&merjlid^  unb  eine  Ijarte  Aufgabe,  unb  bie  lefcte 


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38 

3eit  in  ©öttmgen  war  für  midj  ba^cr  feine  fef>r  erfreulid&e.  SRe^t 
in  practtfdden  JBefd&äftigungen  unb  ©tubien,  wie  fte  jur  S.orbe* 
reitung  für  weinen  bürgerlid&cn  Beruf  nötljig  waren,  begraben, 
tonnte  tdjj  mid&  feiten  ju  einem  redfjt  freubigen  ©afein  ergeben. 
Snbeffen,  wenn  aud&  baS  SEBefen  biefer  UnfoerfitätSjeit  juweilen 
weniger  reatiftrt  wirb,  fo  ift  e$  mir  bodfj  an  ftdf),  burd)  bie  §rei* 
t>ett  von  äufeem  SBerljältniffen  unbf  mag  bei  und  ©efdjäftöleuten 
nod&  ganj  befonber«  eintritt,  burd&  bie  Unberülirrtiett  von  irbifd&en 
ober  tnelmeljr  bürgerten  Begebungen  fo  unenbUd&  treuer." 

„S)aS  emjtge,  was  mir  meine  Bufunft  in  einem  fetteren 
Sid&te  erfreuten  läjjt,  ift  baä  innere  ©effiljl,  baä  mtd&  treibt,  auf 
irgenb  eine  Slrt  in  unfre  bewegte  3*it  einzugreifen,  unb  wa«  mid) 
baljer  wünfd&en  mad&t,  lebenbig  in  bie  öffentlichen  Berfjältmffe  ein- 
geführt  ju  werben.  Unb  biefe  Ungebulb,  bie  mtd&  treibt,  mand&eS 
©djle$te,  waä  id&  als  fold&e$  fenne,  ju  oernid&ten,  Ijat  mid&  audj 
jüngft  jur  S^eUnaljme  an  ber  2)abelom'fcfcen  ©efdftfd&te,  ober  vith 
mel)r  ju  tyrer  Anregung  unb  fpäter  gu  iljrer  3tu3fed(jtung  bewogen. 
Biefleid&t  ift  SMr  ber  »rief,  ben  idE>  bemfelben  über  feine  fd&änblid&e 
©d&rift  in  ber  erften  SButl)  gefd&rieben,  fowie  meine  Beantwortung 
feiner  öffentlichen  Sfaftage  ju  ©eftd&t  gefommen." 

„erwähnen  mu&  id&  aber  bod&  au<§  nod&,  bafe  td&  biefen 
SQBinter  Ijier  jwei  fet)r  frolje  (Srfd&emungen  aus  Tübingen  gehabt. 
SHe  erfte  war  S.  aKaper,  ber  mir  in  ber  furjen  3*it,  bie  idf)  Ijier 
mit  tym  oerfeljren  fonnte,  unenblidf)  lieb  geworben  ift.  ©ein  ftUleä, 
gemfitljitd&eä  äBefen,  was  fid^  ganj  bei  bem  reinen  Sichte  einer 
treuen  Siebe  entfaltet  ju  ^aben  fd&eint,  t>at  etwa«  ungemein  3ta* 
jteljenbeS,  ja  wirflid^  ^oetifd^e«.  3)ie  jweite  frolje  (Srfd&einung  war 
fein  ©d&wager  Urlaub,  ja  er  felbft,  benn  er  unb  feine  ©ebidbte 
fmb  @inÄ,  ba  fte  ifjm  aus  bem  mnerften  ©cmütlje  gefloffen  ftnb. 
S)eS^alb  fönnen  fie  aud&  ben  gleiten  9teij  felbft  bei  benen  nidfjt 
t>erfet)len,  bie  geneigt  finb,  erft  auf  bie  gorm  unb  bann  auf  baä 
5Befen  ju  feljen.  2)iefe  flare,  ftiHe  SEiefe,  au3  ber  uns  ber  ipimmel 
anblidft,  jief»t  afle3,  wie  in  @ötl>e'S  atomanje  ben  gifd&er,  ju  ftd& 
hinein." 

3n  ber  S^t  <d*  e*  biefe  S^en  fd&rteb,  war  er  f<$on  mit 
@jamen*3M>etten  befdfjaftigt,  bie  tfjm  faum  eine  freie  ©tunbe  liegen, 
um  an  irgenb  etwa«  anberS  ju  benfen,  unb  oon  ben  ©einigen  auf» 
geforbert,  fein  ©Zweigen  ju  bred&en,  antwortet  er:  „3>a!  i$  §abe 
tHer  SBod^en  gef ^wiegen,  aber  bebenft,  Ü)r  Sieben,  wie  einem 


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39 

atmen  Teufel  ju  äRutye  ifi,  ber  futj  oor  bem  eintritt  auf  ba$ 
tüdifd^e  Sweater  ber  2Belt,  wofür  er  eigentlich  nidjt  gemalt  ift, 
nod&  mand&e  Südfe  in  feiner  inneren  ©arberobe  auSjufüUen  unb 
man$e8  ©tüdf  ju  fltdfen  genötigt  ifi,  unb  ü)r  wäret  tnilbe  unb 
nadf)ft<$tig  gegen  tyn.  Unb  nidfjt  waljr?  ©in  ©rief,  ben  man  nic^t 
con  amore  f treibt,  ifi  eigentlich  eine  Süge,  ba  man  ben  anbern, 
wenn  man  e$  ü)tn  audlj  nidjt  fagt,  glauben  madfjt,  man  l)abe  fi(§ 
nid&t  länger  galten  fönnen;  man  ftetyt'S  einem  folgen  ©riefe  audj 
fdfjnell  an,  ba  er  balb  verlegen  wirb  unb  ntd&t  redfjt  weife,  was  er 
jagen  foll.  2Bie  t<$  jefet  lebe?  id&  braud&'S  ntd&t  erp  ju  erflären, 
benn  if>r  fönnt  wo^l  benfen,  bafc  idf)  mid&  ber  2)octorwfirbe  mit 
allen  Gräften  würbig  ju  mad&en  fud&e;  benn  erlangen  fönnte  idf) 
fie,  wann  tdf)  wollte."  Heber  ben  glüälidfjen  ©rfolg  feiner  2Jlü^en 
unb  Stnftrengungen  melbet  er  bann  fpäter:  „9Wein  (Spanten  ift 
benn,  nad&bem  bie  erforbcrlid&en  fdfjrtftlidfjen  arbeiten  befdjafft,  fe^r 
glüdflidfj  oon  Statten  gegangen.  S)rei  ©tunben  bearbeiteten  Re 
nud&,  bis  fie  erklärten,  jefct  fei  id&  au£  bem  Stoßen  ^erauSge^obelt, 
unb  fönne  burdlj  ba3  3)ip(om,  nad&bem  id&  meinen  übrigen  $Pfltd&ten 
genügt,  bie  gehörige  Politur  empfangen;  ju  biefen  Sßfltd&ten  gehört 
eine  ©töputatton  unb  S)iffertation,  unb  fo  werbe  id&  nadf)  bem 
©d&luffe  ber  (Medien  no<$  einen  3Jlonat  f)ier  oerweilen  muffen." 
$lod)  fernere  oier  2öod&en  unb  audf)  biefe  -Jiötye  waren  überflanben, 
unb  er  fonnte  nun  melben  (15.  Slpril  1816):  „Sttein  anfänglicher 
SBiberwiUe  gegen  bie  Disputation  f)at  ftdfj  nidfjt  feftgefefct.  ©at)  tdf) 
fie  2lnfang£  wie  eine  fatale  öffentliche  Älopffedjterei  an,  fo  erfd^ien 
fie  mir  nadfj  unb  nad)  als  ein  ebleS,  getfttgeS  Stürmer.  *3#)  poll* 
enbete  fd&nell  eine  Siebe  über  baS  ©tubtum  tcr  fturtöprubenj,  fefete 
einige  $l)efen  auf  unb  lief  naä)  Opponenten  Ijerum,  ja,  ^atte  fogar 
ben  Uebermutf),  $etfe  unb  Sergmann  baju  auf juf orbern ,  mu&te 
mtdf)  iebodf),  ba  Selbe  grabe  Sleifeanflalten  matten,  mit  ganj 
Stabern  begnügen.  ÜKit  biefen  bradt)  tdf)  benn  aud&  einige  Sanjen, 
unb  würbe  bann  auf  bem  SGBa^lplafee  felbft,  mnn  audf)  nid&t  mit 
©taub  unb  33lut,  bodf)  mit  ©dfjweife  bebedt,  jum  2)octor  gefdfjtagen. 
3Heine  Siebe,  worin  tdf)  ntdfjt  fowo^l  bie  legten  tropfen  au«  alten 
Folianten  attögebrüdt,  al8  oielmeljr  mid^  in  frtfd&en  unb  freien  Sin* 
ftdfjten  meiner  2Biffenf<$aft  ergangen  batte,  fd&eint  nidf)t  ganj  leer 
perljaHt  ju  fein,  unb  überhaupt  bin  idf)  fafi  nie  fo  mit  mir 
feieben  gewefen." 


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40    _ 

S)q8  afabemifd&e  Seben  war  fomit  beenbtgt  unb  baö  bürgen 
Ud&e  foBte  an  befielt  ©teile  treten.  Sorget  brängte  eS  aber  unfern 
greunb,  ftd^  nadf)  ben  änftrengungen  ber  lefcten  3eit  burdfj  einen 
meljrwödfjentlid&en  äufent^alt  bei  ben  ©einigen  in  2)üdfeburg  ju 
erholen,  ©einer  ©eftnnung  nadf)  burdf)  nnb  burdf)  beutfd^f  mar  mit 
bem  Slnjuge  aud&  ber  äußere  3Henfd&  nrieber  in  fein  beutfdfjeS  9tedf)t 
eingefefct,  unb  in  einem  mdf)t  lange  t>or  feiner  £eimreife  ge* 
fdfjriebenen  ©riefe  Reifet  eS  in  biefer  23ejtet)ung:  „2)anf  für  ben 
neuen  Äragen,  er  t>at  meine  fe^r  l)öd&  gefpannten  Erwartungen 
poDDtommen  befriebtgt,  unb  inbem  i<$  U)u  umbtnbe,  bin  td)  burd) 
ein  neue*  freunbltdfjeS  $anb  an  unfere  alte  etgentyümlidfje  %taty 
gefettet  SKeine  Abneigung  gegen  bie  franjöftfd&en  3Roben  nimmt 
immer  mel»r  ju,  gegen  biefe  SDtoben,  wo  bie  pfle  ber  Statur  burdj 
f$le$te  ßunft  befd&nitten  unb  entfleflt  wirb  (bur<$  Sriftren,  SRajiren), 
ba«  aberf  wobei  bie  Äunfl  ttjätig  fein  fönnte,  ganj  oon  üjr  ent* 
blö&t,  an  einer  wiberltd&en  ©lätte  unb  Äunftloftgfeit  taborirt.  $at 
fi<§  bodd  leiber  in  allen  S)ingen  bie  Äunft  ju  fe^r  oom  Ütbtn  ge* 
trennt  unb  fid?  in  nur  gar  ju  Dielen  burd&  bie  traurigflen 
Spaltungen  offenbart.  Unb  fo  Ijabe  idf)  audf)  bie  franjöfifd&e  ipaar* 
trad^t  mit  ber  beutfdjcn  SBeife  oertaufd)t,  unb  bitte  @ud)  alfo,  mid& 
von  je|jt  an  mit  grabe  über  ben  Äopf  gefd&eitelten  unb  an  beiben 
©eiten,  fowie  hinten  lang  tjerabfjängenben  paaren  ju  bentenr 
weld&eä  audf)  unftreitig  ein  fd&lid&tercS  unb  richtigerem,  mithin 
beutfd&ereS  SInfeljen  giebt,  als  jene  wmbtgen  grifuren.  3$  Ijoffe, 
audf)  in  Sübedf  beutfdf)  auftreten  ju  bfirfen." 

liefern  ibealen  Söunfdfjc,  mit  bem  inneren  beutfd&en  Seben  in 
ber  bürgerlichen  ©efeBfd&aft  audf)  beffen  äufeereS  ©epräge  feftljalten 
ju  bürfen,  foBte  benn  freilidf)  ber  unerbittliche  9tcali3mu3  ber  sJlatur 
unb  ber  ©itte  ftegreidf)  entgegentreten,  inbem  ba$  fpärlidf)  werbenbe 
$aar  nadf)  biefer  ©eite  l»m  balb  jjebe  sBafjl  au$fdf)lo&,  unb  im 
Uebrigen,  wie  in  anbern  3)ingen,  fo  audf)  tyittftd&tlidf)  bc«  ©ewanbeS, 
bie  Siegel  ft$  mäd&tiger  erwteS  als  bie  SuSnaljme,  unb  ber  S)rucf, 
ben  bie  §errfdf)aft  beS  graefs  übte,  fidf)  als  ju  mäd&tig  erwies, 
um  ein  langes  SBiberftreben  ju  ermöglichen. 


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41 


III.    Jltooftat  von  1816—1820. 

63  war  am  14.  $uli  1816,  bem  Sage  Bonaventura,  als 
ber  24jäljrige  junge  SRann  feine  Saterftabt  wteber  betrat,  bie  et 
in  feiner  Äinbfjett  oerlaffen  unb  fcitbem  nid&t  wiebergcfeljen.  2öaö 
bamals  fein  inneres  berocgt  unb  baS  §erj  empfunbcn  Ijaben  mag, 
barüber  l;at  er  fid^  nid&t  auSgefprod&en ;  jener  Sag  aber  ift  feinem 
©ebädfjtmfc  unauSlöfd&lidf)  eingeprägt  geblieben,  unb  25  Qaljre  fpäter 
fd&reibt  er  feiner  Sicbling«  ^  ©d^wcftcr :  „igeute  mufe  td(j  ju  S)ir 
reben,  ju  3)ir,  bem  SSBefen  auf  ©rben,  uon  bem  \6)  weife,  bafe 
SlfleS,  was  meine  ©ruft  bewegt,  fei  eS  greub'  ober  Seib,  in  ber 
feinigen  bie  leidet  anflingenbe  ©atte  finbet;  benn  tyeute  finb  es  25 
3af)re,  bafc  id)  in  bie  3$ore  meiner  SBaterftabt  wie  ein  QfrembUng 
einjog.  @S  war  ein  ferner,  fiiller,  fonnen^efler  ©onntagmorgen, 
als  id&  langfam  im  ©anbe,  oon  3tafceburg  I)er  faljrenb,  bem  Orte 
meiner  3uhinft  midf)  naljte.  eine  fanft  bewegte  Suft  trug  bie 
Söne  aller  ©lodfen,  bie  bie  Äirdfje  einläuteten,  mir  ju;  baS  mar 
ber  juerfl  oernommene,  wenn  audf)  ntdf)t  oerflanbene  0tuf  meiner 
SSaterftabt,  bie  idf)  aljnungSuofl  betrat.  Qefet  fietye  i$  auf  ber  &öf)e 
beS  SebenS,  unb  nid^t  lange  mefjr,  fo  fenft  ftd&  ber  $fab  abwärts. 
S)aS  SReifte,  was  td&  bamalS  aljnte  unb  Ijoffte,  ift  jefct  (Srinncrung, 
unb  bie  lebenbige  Erinnerung  beffen,  was  tefj  Ijier  gefunben  unb 
uerloren,  erlangt  unb  oerfäumt,  2WeS,  2WeS,  ein  ©efityl,  gemifdfjt 
aus  ©d>am  unb  ®anf,  2Bel)mutf)  unb  greube,  prefft  unb  f>ebt 
meine  33ruft,  unb  mad^t  fidf)  immer  von  feuern  in  einem  Strom 
uon  Sfjränen  Suft,  bem  id&  vergebens  ju  mehren  midf)  bemühe." 

2ln  jenem  Sonntag  SRorgen  aber,  als  er  juerji  feit  ben 
3al>ren  früher  Äinbljett  wieber  bie  Stürme  feiner  SBaterftabt  ge* 
wahrte,  werben,  neben  ber  banlbaren  ©rinnerung  an  bie  fd&önen, 
mit  ben  ©einigen  verlebten  Sage,  bodf)  wol)l  aorne^mUdf)  ptactifd&e 
©ebanfen  unb  ©orgen  eS  gewefen  fein,  bie  fid&  in  tym  regten, 
meldte  2lufnaljme  er  finben,  wie  er  fid^  junädjft  einjutid&ten  unb 
ber  ©efd&äftSfteiS  fidf)  geftalten  möd&te,  in  ben  als  2lboofat  einju* 
treten  feine  ©eflimmung  mar.  „2tuf  meinem  SBege  nadd  SübedE," 
etjäfylte  et  fpätet,  „bei  ©t.  Sütgen  baS  fd&mudfe  2ttmenl)auS  ge* 
ma^tenb,  badete  i<$:  in  einet  ©tabt,  bie  fo  für  tyre  Sirmen  forgt, 
barf  mir  für  meine  3wfunft  nidfjt  bange  fein."  Unb  gewiß,  mit 
ber  ärt,  wie  fidf)  bie  ©mge  gleidf)  Anfang«  für  tyn  geftalteten, 
fjatte  er  alle  Utfad&e,  aufrieben  ju  fein;  ben  ja^lreid^en  aJlitgliebern 
ber  gamilie  feines  SaterS  pon  igattö  au«  empfohlen,  wohnte  \mb 


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42 

lebte  er  junädfjft  al£  ©oft  bei  einem  ber  Srüber  feine«  33ater£, 
„in  einer  Stube/'  nrie  er  feiner  Butter  fdfjrieb,  „oon  bereit  2öanben 
befannte  unb  unbekannte  gamilienbilber  auf  mtd&  mebcrblicfen, 
grabe  oor  meinem  Sifcplafee  2)u  unb  mein  guter  Sater;  ü>r  feib 
ate  Brautpaar  gemalt,  unb  euer  2tnbltcf  l)at  mid)  föon  oft  rounber^ 
bar  bewegt."  SDann  fäfjrt  er  weiter  fort:  „td&  bin  allenthalben 
mit  meinem  empfange  feljr  jufrteben,  befonbetö  bei  benen,  bie  5Hr 
fd&on  früher  burdj  grcunbfdjaft  ober  SBoIjlroolIen  oerbuuben  waren, 
unb  bei  benen  id)  nun  ben  großen  Sortfjetl  t)abe,  meine  greunb* 
fd&aft  auf  ben  alten  Stamm  ber  Seinigen  pfropfen  ju  bürfen. 
Duerbedf ,  ben  bie  3*ü  *)art  mitgenommen  unb  tief  gebeugt  Ijat,*) 
Seäborpf,  3Joeg,  ßurtiuS,  ©ütfdjoro,  oieler  anberer  ju  gefdfjweigen, 
Ijaben  mir  tfjren  öeiftanb  auf  eine  Slrt  üerfprod&en  unb  biefe  SJer* 
fpred&ungen  audj  fdfjon  jum  Sljeil  fo  betätigt,  bafe  teij  in  biefer 
$infid)t  fel;r  beruhigt,  ja  erfreut  bin.  Selber  ift  nur  Ijier,  wie  fafl 
überall  in  ber  Ijanbelnben  2Mt,  burcl)  bie  unnatürlichen  3eiten  eine 

*)  Sie  fyeqlidjcn  Sejiclmngen,  toeldje  biefen  würbigen  SJlann,  ben  aud} 
als  Siebter  befannten  $3ürgermeifter  Cocrbetf,  3>ater  be$  3Jialer§  unb  bc$ 
späteren  D.*3l.=0kr.--3iatl)3,  an  ^auli'S  2)httter  fnü>ften,  fpredjcn  fid^  in  einein 
Briefe  beffelben  Dom  2.  3anuar  1806  au«,  beffen  t^eUweif  SHitttyetluug  un§ 
audj  befonber*  um  beSWillen  "geftattet  fein  möge,  weil  wir  bacurefy  einen 
intereffanten  erinbtief  in  bie  erft:  Jugcnb  feinet  berühmten  Solmeö  gewinnen 

„Ertauben  Sic/'  fdjrcibt  er,  „meine  uerefyrtefte  Jreunbin,  %1)ntn  meinen 
ftrifc  3u  empfehlen,  ^d)  fdjicfe  ilm  md)  Hamburg,  um  über  feinen  Seruf  $ur 
Munft  atö  Xifdjbein'3   unb  SJtotyer'S  3Runbe  fein  (Snburt^eil  $u  empfangen. 

— Vorläufig  ift,  in  SJorauSfefcung  cincö  günftigen  Sluäfyrudjeä  über 

tyn,  mein  23licf  auf  Sßien  gerichtet,  al3  tfunftfdjule  für  tyn,  tyemaety  auf 
$aris,  alö  tfunftafabemie;  Italien  wirb  enbüd)  feine  §eimat  werben 
muffen.  So  verliert  ilm  benn  wohl,  wenn  cv  einmal  aufbricht,  ba*  33ater: 
fyauä  für  immer,  ©ine  Sorge  liegt  mir  aber  babei  nod)  auf  bem  £er$en: 
ber  für  ifyn  fo  wütige,  fo  unentbehrliche  $(n^alt  in  ber  grembe  unb  in  einer 
großen  »erberbten  Stabt.  3$  fyabt  beötyalb  an  SRein^olb  gejdjrieben,  bet  tint 
Sdjwefter  in  $öien  $at,  Weldje  bort  uerfyetrat^et  ift.  9tur  unter  ben  gitti^en 
einer  fdjüfccnben  unb  liebreichen  gamilie  wirb  mein  grifc  gebeten  tonnen ;  auf 
ftdj  felbft  ju  berufen,  ift  er  nod)  gar  $u  unfähig,  unb  id)  weift  in  biefer  §in* 
fidjt  überhaupt  ntcfyt,  wie  er  ftd)  burd)fa)lagen  wirb.  2)odj  $a3  fei  üertraucnS* 
iwtt  £em  überlaffen,  ber  un§  leitet  nadj  feinem  %\tfy.  —  —  —  2Hc 
Sc^Wierigteiten ,  womit  er  $u  fämpfen,  ftnb  tym  alle  au^einanbergefe^t.  & 
be^arrt,  unb  fo  möge  er  benn  gefyen  in  ®otte£  tarnen,  wenn  anberS  bie 
prüfenben  Kenner  i^n  ber  &*eityc  würbig  erflären.  3»  biefem  3«^  fommt 
er,  jugleia)  3^"  Segen  311  erbitten,  al§  einer  fid)tbaren  3)iufe.  Segen  Sie 
il)iu  biefen  tl;euern  Segen  auf  fein  noefy  fa^ulblofeö  öaupt,  bamit  er  geftärft 
werben  möge,  mut^ig  feinen  2£eg  fortjuwanbeln  in  3lein^eit  be§  ^erjend  unb  bed 
2eben0,  otyne  wela^e  ein  Ätinftler  biefeS  ^eiligen  Samens  untoert^  ift"  u.  f.  te. 


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43 

unnatürlid&eStodfung  beS  SerfeljrS  herbeigeführt;  in  einer £anbets* 
ftabt  l)ängt  aber  alles  metyr  ober  weniger  ab  t>om  ©lüdf  ber  Äauf* 
leute,  unb  blüljt  bafjer  nur  ber  ipanbel  etwas  wieber  auf,  fo  finb 
aud)  wir  Quriflen  geborgen."  S)ann  Reifet  es  in  einem  fpätercn 
Briefe:  „Sin  eigen tlid&en  Sßroceffen  fe^lt  cS  mir  bis  jefct  noc&  ganj; 
bodj)  ift  mir  baS  fo  wenig  befrembenb,  als  unangenehm,  Dagegen 
mar  es  mir  fe^r  erwünfd)t,  bafe  mir  t>on  ber  Jöaucommiffion  ein 
Auftrag  würbe,  baS  jiemlidf)  anfeljnlid&e  2lrdf)to  biefeS  Departements 
in  Orbnung  ju  bringen,  ein  ©efd&äft,  baS,  menn  aud)  uid^t  fel>r 
anjietjenb,  mir  bodE>  bie  6injid&t  in  mand&e  33erf)ältnifle  oerfd&afft. 
(Sinjelne  Heinere  ©adfjen,  als  SBittfd&riften  u.  bgl.,  fallen  aber  bod) 
audf)  fd^on  oor,  unb  fo  fe^e  id)  ganj  wofylgemutl)  in  bie  gerne,  benn 
id)  firebe  äu&erlicd  nid&t  naä)  Vielem,  unb  baS  Wenige  wirb  mir 
gewife  ju  %ty\l  werben.  3Mfl  S)u  aber  roiffen,  n>aS  meine  liebfte 
$Befd)äftigung  ifi,  fo  petnimm,  bafc  id&  mid)  bis  über  bie  Dljrcn 
pertieft  ijabe  in  baS  ©tubium  beS  Siebtes  unb  ber  ©efd&idjte 
meiner  23aterftabt,  über  aDeS  anjieljenb,  weil  es  mtdfj  mit  neuen 
tebenbigen  Sanben  an  biefelbe  fettet.  (Srft  jefct  fityle  idj  midf) 
würbiger,  fie  meine  SJaterjlabt  ju  nennen,  feitbem  idf)  begonnen, 
biefer  frönen  ^flid^t  nadfjjufommen.  ^tnn  wie  uns  an  bie 
Sleltern  bie  Sanbe  beS  SluteS  fnüpfen,  fo  ift  es  nur  baS  tyftorifd&e 
SBanb,  baS  uns  an  baS  23aterlanb  fettet.  2i$ie  lebeubig  wirb  mir 
l)ier  jefct  aDeS!  Die  9Kauem  unb  Steine,  bie  mid^  freiließ  immer 
fo  bebeutungSooll  anblidften,  als  Ratten  fie  mir  uiel  ju  erjäljlen, 
befommen  jefct  ©prad&e,  unb  erjagen  mir  Söunber  oon  Ujrer  gejiig* 
feit,  aber  nodf)  meljt  pon  ber  feflen  Sreue  unb  Süc&tigfett  tyrer 
»ewo^ner.  Der  trefflid&e  9Rörtel,  ber  jene  fo  feft  madjte,  ift  oer* 
loren,  unb  ad&!  wo  ift  biefer  fiarfe  unb  treue  Sürgerfinn,  baS 
innige  Sinbemittei  beS  ©taateS?" 

Ueber  bie  woljlwoDenbe,  iljm  in  Sübedt  ju  2$eil  geworbene 
aufnähme  gingen  ber  SJtutter  au<§  pon  anbeni  Seiten  befriebigenbe 
SRad&rid&ten  ju,  unb  fo  fddrieb  i&r  bie  ©ieoefing  aus  glottbedt: 
„©eftern  überrafd&te  uns  Dein  6arl  mit  feinem  Ijerrlid&en  ©efid&t, 
baS  ptöfcli$  burd&'S  genfter  gudtte.  ®r  war  ungemein  frof)  unb 
UebenSwürbig.  ©ein  Onfel  wollte  i^n  gar  nid&t  pon  fid^  laffen, 
unb  aud&  unfer  S3og^t#)  §at  fic^  &erjUd&  über  tyn  gefreut.    @r  ge* 


*)  $cr  als  Slaronom  betonnte  Saron  S3oß$t,  »eftyet  »on  ftfott&ecf,  na$et 
grwnb  üon  $auU'3  eiterigem  §aufe. 


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44 

fällt  ftd)  in  Sübecf  unb  er  gefällt,  ©u  fannfl  redf)t  mit  $\wtxfi$t 
an  biefen  So^n  benten,  unb  mein  mütterlid&eS  ^erj  füf)lt  baS  leb* 
!>aft  für  3>id&  mit." 

©eipife!  aber  audf)  in  feiner  Stellung  als  »nroalt?  9lun!  oier 
3a§re  lang,  btS  jum  Saljre  1820,  als  foldfjer  befdfjäftigt,  fud&te  er 
fid)  toofjl  gelegentlich  einjureben,  bamit  ein  geeignetes  gelb  für 
feine  2$ätigteit  gefunben  ju  tyaben,  unb  fo  fd&reibt  er:  „S)er  ©eruf, 
bem  iä)  mid&  befHmmt,  ifi,  baS  pon  ©ott  eingefefete  Sledfjt  ju  oer* 
matten.  ©tefeS  treu  unb  forgfältig  tf>un  ju  tonnen,  barauf  ifi 
natürlidfj  ein  großer  Sljeil  meiner  ©ebanfen  gerietet  3$  ftubire 
paterlänbifd&eS  SRedfjt  unb  beffen  SaftS,  paterlänbifd&c  @efd)idf)te, 
mit  aller  Äraft,  unb  Ijabe  mand&mal  fd&on  ©elegenljett  gehabt,  baS 
@rtoorbene  ju  benufcen,  ntd&t  fotooljt  in  eigenen  ©efd&äften,  als  in 
mannen,  pon  anbem  Sfted&tSgelc&rten,  als  pon  Operbecf,  Sud&Ijolj 
unb  Sembfe  mir  übertragenen."  Unb  nad&bem  jtoei  3af>re  Der* 
ftrid&en,  Reifet  eS  in  einem  anbem  ©riefe:  „SReine  SerufSgefd&äfte 
gelten  ifjren  ebenen  ©ang  fort;  idf)  befreunbe  mid&  immer  me^r 
mit  Ujnen,  unb  Ijabe  aurf)  baS  ©lud,  manche  gute  ©adje  burdfou* 
fefcen,  roeil  ftdf)  bic  fd&led&ten  nid&t  ju  mir  menben." 

Qn  SBirflid&fett  fonnte  aber  bodf)  feinem  freien  unb  aud&  nadf) 
äußerer  ©elbftflänbigfeit  trad&tenben  ©inn  eine  fo  unsere,  pon 
jufäDigen  Umftänben  unb  ber  ©unfi  9lnbercr  abhängige  Sage  auf 
bie  Sänge  nid^t  jufagen,  unb  audj  bem  ©efd&äfte  felber  mit  fo 
mandfjen  SBiberroärtigfeiten  fad)lid)er  wie  perfönlidfjer  3lrt,  bie  eS 
im  ©efolge  l)atte,  ließ  fi$,  bei  feiner  reijbaren  9tatur,  nid&t  roo^l 
ein  rechter  ©efdjmadf  abgewinnen. 

©einem  eigentlichen  unb  urfpvüngltd&en  SBunfdf)  märe  eS  am 
entfpred&enbften  geroefen,  wenn  bie  Slbpofatur  fi$  tym  als  Srücfe 
geboten  f)ätte,  um  in  fläbtifd&en  ©efd&äften  SBerroenbung  ju  flnben, 
unb  fo  reflectirte  er  in  ber  erfien  3eit  feines  Sfibedfer  Aufenthaltes 
auf  bie  ©teile  eines  SegationSfecretairS  in  granffurt,  fomie  auf 
bie  eines  ©enatSfecretairS.  (§r  feinte  ftd&  na<$  einer  lebenbigeren 
93erüf>rung  mit  bem  öffentlid&en  Seben,  als  einjelne  öffentliche  pon 
Ulm  gehaltene  Vorträge  fold&e  gewähren  motten. 

@S  mar  nämlid^  bie  patriotifd&e  ©efellfd&aft  jur  SJeförberung  ge* 
meinnfifciger  23)ätigfeit,  pon  melier  er  ftdf)  junäd&fl  bie  9Rögltdjjfett 
eines  aWitmirfenS  für  baS  ©emeimooljl  oerfpred&en  mod&te,  unb,  im 
3al)re  1817  jum©ecretair  biefet  ©efellfdEjaft  ernannt,  f treibt  er  feinet 
Butter  (ben  17.  ©ecember  1817):   „Qu  mannen  jeitraubenben 


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45 

©efd&fiften,  woju  biefe  ©teile  im  Anfang,  unb  e§e  id&  ganj  mid& 
^inetngefe^t,  mid&  überhäuft,  fomntt  nun  no<$,  bajs  tdfj  bet  Sluf* 
forberung  gefolgt  bin,  in  einer  ber  näd&flen  ©jungen  eine  Sor- 
lefung  ju  galten.  S)u  fte^fl,  nun  mufe  icj>  nolens  volens  gemein*» 
nü|ig  feinf  unb  td)  bin'3  aud&  fdfjon  gewaltig,  fpred&e  übet  armen* 
anhalten ,  9tettungSl)äufer,  ja  fogar  über  Hebammen  *  Unterrid&t. 
Sine  @inna^me  ifi  mit  ber  ©teile  nid&t  t)erbunbenf  aber  man  nrirb 
bem  Sßublifum  befannt,  unb  fo  magfl  2)u  mtdf)  im  ©etft  afle 
SHenfiag  oon  7—8  U^r  ätbenbÄ  t>or  einer  meljr  ober  weniger 
ja^lreid&en  33erfammlung  neben  bem  jefcigen  SHrector  Dr.  Sre^mer 
fielen  feljen.  SWeine  nad&fie  SSorlefung  wirb  bie  intereffante  S5it* 
marfifd&e  ©efd&id&te  betreffen,  unb  eine  folgenbe  waf)rfd()einlid&  twn 
ber  Ijanfeatifd&en  Ijanbeln.  Säugnen  n>itt  i<$  übrigen«  nidjt,  bafe  mir 
oorüberge^enb  ber  ©ebanfe  gefommen,  mid&  in  SJremen  ju  etabltren 
wegen  einiger,  mir  jugefommener  glänjenber  ©dfjilberungen  in  ©e* 
jie^ung  auf  9ted&t3gelef)rte,  nadfjbem  iä)  burdfj  einen  mefleid&t  ju 
grofeen  3Jtongel  an  Vertrauen  ju  ben  tyeftgen  33erljättmffen  bafür 
empfängttdf)  gemalt  morben  mar.  3>iefeö  Vertrauen  l)at  fid&  aber 
wieberljergejtellt,  unb  befonberS  &at  midf)  bie  Ueberjeugung  jurütf* 
gehalten,  bajs  eS  eine  freute  Söiflffiljr  ift,  einen  Ort  unb  SSerplt» 
niffe,  beren  fegenäretdfjer  ßinflufj  fidfj  nid&t  perfennen  läfet,  otyne 
bringenbe  SRotlj  gegen  einen  anbern  ju  wrtaufd&en.  3)enn  wenn 
man  bebenft,  wie  bebeutenb  unb  beftimmenb  oft  für  unfer  ganjeS 
Seben  fold&e  örtlid&e  SSer^ältniffe  ftnb,  fo  brängt  ft$  einem  uon 
felbfl  ber  ©laube  auf,  bajj  man  in  biefelben  burd&  eine  ganj  be* 
fonbre  aSeranjialtung  ©ottes  hineingeführt  ift,  bie  man  oljne  befonbre 
Eingebung  ober  fpred&enbe  9lotl)menbigfeit  ju  nid&te  machen  mürbe." 
©o  mürbe  if>m  tägU<§  Harer,  bajj  er,  mie  bur<$  feine  33e* 
fd&äftigungen,  fo  audf)  burdf)  bie  SBenfd&en,  SSerwanbte  unb  foldf>e, 
bie  fid&  tym  als  greunbe  anfd&loffen,  Sübedt  angehöre  unb  I)ier 
immer  fefiere  SBurjeln  fragen  werbe.  3U  ten  SSerwanbten  ge^ 
gärten  bie  ja^lreid^en  ÜHitglieber  ber  ^lafcmann'fd&en  gamilie,  unb 
bie  ©üte,  womit  namentUdö  bie  eble  grau  ÜWartanne  ^ßlafcmann, 
grau  be«  fpateren  ©enatorS  Sonrab  Sßlafcmann,  tyn  aufgenommen, 
weife  er  md)t  genug  ju  rühmen.  Sefreunbet  war  er  von  früher 
mit  SRoecf  unb  würbe  e$  jefct  namentlich  mit  Doerbedf,  mit  Sßafior 
©eibel,  beffen  Äird&e  er  angehörte,  unb  mit  bem  nadfterigen 
Senator  GlaubutS,  welker  fid^  jwei  3a^re  oor  feiner  Slnfunft  in 
Sfibedf  niebergelafjen;  ber  gefeWgen  Äreife  aber  waren  triele,  in 


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46 

bencn  er  ju  Sittfang  t>etfef)tte.  „2)ie  ©efellfd&aft,"  fagt  et  einmal, 
„gehaltet  fidf)  I)iet  na<§  Steigen;  in  unftet  gamitie  ifi  jroat  aud) 
eine  fotd&e  Steige;  id&  binbe  nud&  aber  nidljt  fet>t  batan,  fonbetn 
tanje  ad  libitum  jnnfd&en  unb  aufct  ben  SReiljen  Ijetum.  So 
effe  id)  alle  ÜRittroo^  bei  qjlafemann«  unb  bin  SlbenbS  aRatianne'S 
Stotlefet,  unb  nid&t  weniger  angenehm  bin  i<§  ©ienfiagS  Äbenb* 
bei  DoetbedfS  butd&  bie  I)immlifd)e  SWuftfa,  inbent  ftd&  bann  Ijiet 
ein  Weinet  ÄteiS  von  ©ängetn  unb  Sängerinnen  aetfammelt,  um 
untet  ©anälanb'S  Seitung  Gljotäle  unb  anbete  Sompofitionen  oon 
Ijofiem  unb  etnftem  (Sljatactet  ju  fingen." 

Um  fidf)  felbft  fteiet  ju  [teilen  unb  aud&  um  feinen  Stege* 
Nötigen  jebe  ©6ne  ju  etfpaten,  Ijatte  et  im  3aljte  1817  beS 
DnfePS  &au$  oetlaffen,  unb  ein  $aat  fteunblid&e  3iwwet  in  einem 
£aufe  bct  Sedfetgtube  von  bet  SWuttet  be$  befannten  SKalerS 
Sllbcnratl)  gemietet,  unb  fpeifie  feitbem  aud&  mituntet  im  SfBitt^ 
tyaufe;  einjetne  SBod&entage  waren  abet  feft  befe^t f  al«:  bei  bem 
Dnfel,  bei  SßtafcmannS,  bei  Doerbedt  jun.,  foroie  bei  GlaubiuS,  mit 
bem  et  audfj  ein  $aat  Slbenbfiunben  ©riedjjifdjj  trieb,  unb  inbem  et 
in  einem  feinet  SStiefe  eine  genaue  ©dfntberung  feine«  nrtntetttdjcn 
roöd&entlid&en  SebenSlaufeS  erteilt,  Reifet  e«  Ijiet  am  ©d&tuffe: 
„Slm  2)onnetfiag  bin  td&  ben  sJJUttag  bei  meinem  gteunbe  (SlaubtuS, 
unb  getye  um  8  Uljt  ju  ©eibet,  bet  an  biefem  Slbenb  eine  ©tunbe 
in  feinet  SBoljnung  vox  einet  jiemlidf)  ja^lteid^en  33etfammlung 
au«  allen  ©tänbenf  namentlich  ben  unteten,  bie  ©d&tift  auslegt. 
©3  ift  eine  fdfjöne  ©tunbe ,  feiten  oljne  ©enrinn,  wenn  audj  nur 
mittelbaren,  inbem  butdfj  ben  ©egen,bet  auf  allet  geistlichen  ©e* 
meinfd^aft  tuljt,  manche  fdfjon  etbaute  ©eele  gut  SBütbigung  unb 
Sßtüfung  einjelnet,  bisset  unbead&tet  gebliebenet  Stellen  bet  ^eiligen 
©djtift  Eingeleitet  nritb.  ©pätet  bleibt  ein  engetet  ÄteiS  jufammen, 
aufeet  mit  unb  ©eibel  no<$  &err  oon  2lberla8  nebft  §tau,  ein 
(Sanbibat  SJtofd&e,  Xtinette  (SlaubuiS,  Setty  ©d&ubadt  unb  äRartanue 
Sßlafcmann." 

Bit  tjeben  biefe  ©teile  auSbrüdflidf)  Ijetoot,  weil  fte  un*  eine 
paffenbe  SSeranlaffung  bietet,  übet  ben  teligiöfen  SntnricflungSgang 
unfte«  gteunbeS  unb  ben  eigentlichen  Äetn  feine«  SöcfenÄ,  rootaui 
emjelne  im  Dbigen  aufgenommene  SBtieffieHen  fd&on  Ijtagebeutct, 
nunmetyt  eine  jufammenljängenbe  9Jttttt>eilung  folgen  su  lafien. 
»on  feinet  SWuttet  mat  ftüf>e  bet  ©ame  echter  gtömmigleit  bem 
empfänglichen  §etjen  be«  Änaben  mitgeteilt  rootben,  unb  ber  «er^ 


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47 

feljr  mit  geijtoermanbten  jungen  üRännem  in  Tübingen  fammt  an* 
regenben  Erfahrungen,  bic  er  in  ©öttingen  gemalt,  trugen  mäd&ttg 
baju  bei,  ba«  2Badf)«t$um  biefeö  Äeime«  ju  förbern.  2)er  natura 
faltigen  SHlMlnbetung  be«  vulgären  Sßanttyetflen  wiberfprad)  fein 
$erfönlidftfeit«*@efül)l,  unb  ber  felbftgefaDfüdjtigen  Vernunft*  Sin* 
betung  be«  oulgären  Stationaliften  fein  98a(i$eit«fum.  aber  fonnte 
er,  fo  fragt  man,  fid)  nidfjt  genügen  laffen  an  bem  Sidjte,  ba« 
feine  über  alle«  perefjrte  SJlutter  burdf)'«  Seben  geleitet,  meinem 
bie  greunbe  folgten,  unter  benen  er  mit  tyr  an  be«  ®lbe  gelebt, 
unb  beren  einer  ben  ©egenfafe  i^reö  ©tanbpunfte«  unb  be«jenigen 
eine«  gewiffen  d&rtftltd)  correct  gefdmtten  3Wanne«  gelegentlich  mit 
ben  SBorten  bejeid&net  (>atte:  ,,@«  J)errfd&t  ein  23iberfprud&  in 
feinem  Snuem;  ber  Äopf  mad&t  vergeben«  2lnfprüd&e  an  ba«  £er$, 
bem  e«  eigentlich  an  Siebe  unb  SBärme  fetylt;  feine  religiöfen  Qbeen 
bienen  nur  baju,  i^n  ju  beunruhigen;  fie  ge^en  au«  einem  SBebürf* 
niffe  be«  SBcrflanbcö  f>eroor,  fönnen  aber  feine  SBurjel  in  feinem 
SBefen  f äffen,  weil  ba«  fromme  ©efüfjt  nid&t  ba  ift,  bie  Religion 
ber  Äinb^eit,  bie  id&  bie  äteligion  o^ne  Flamen  nennen  möd&te,  bie 
aud)  bem  fpeculatto  Ungläubigsten  nod)  beiwohnen  fann,  unb  einen 
fo  frommen  Ijellen  ©d^ein  über  ba«  ganje  Seben  unfere«  treuem 
SReimaru«  geworfen  l)at?"  ©emife!  fein  §erj  f)ing  an  ben  SWenfdfjen, 
mit  melden  bie  fyeuerften  (Erinnerungen  vergangener  3eit  tyn  per* 
fnüpften,  unb  in  2lnla&  eine«  bort  abgeftatteten  93efud&e«  fagt  er: 
„äöieber  fanb  idf)  mid^  in  bem  Äreife  biefer  ebeln,  getft*  unb  ge* 
tnütypoUen  3Renfd&en,  beffen  ©eele  ber  tljeure  Dnfel  ift.  äBeldfj1 
einen  ©d&afc  oon  äBatyrljeit  unb  Siebe  birgt  biefe«  §erj!  Unb  bie 
©iepefing!  SKe^r  a\k  früher  nodf)  ift  mir  btefe«  9M  bie  fd&öne 
Älat&ett  be«  ©eifte«  unb  bie  ftetige,  immer  rein  unb  rüfjrig  alle« 
umfd)lie&enbe  Siebe  biefer  l)errtidf)en  grau  mo^lt^uenb  gewefen,  unb 
iä)  banfe  ©ott  mit  ganger  Seele,  bafe  er  mein  innere«  Säuge  immer 
meljr  öffnet  für  bie  ftiUe  ©röfee  eine«  folgen  ®emütye«l" 

Unb  bo<$!  bie  &ier,  neben  bem  grunbfäfctidj)  auÄgefd^loffenen 
SBeftreben,  etwa«  beweifen  ju  wollen,  wa«  fi$  eben  nid&t  be* 
weifen  lä&t,  ein^erge^enbe  bemütljige  Unterwerfung  unter  eine 
unfidfjtbare  äJtad&t,  beren  Äeru  eine  Siebe  fein  mufe,  bie  in 
a^nung«oollen  Momenten  ba«  offetjbarung«bebürfttge  menjd&lid&e 
&erj  gu  f puren  wäljnt,  mar  ein  foldfjer  ßufianb  ba«  &eiligtyum 
felber,  ober  nid&t  oielme^r  nur  ber  SJorljof  jum  £eiligtl)um,  ber 
SBorljof,  in  welkem  er  felbfi  fo  lange  geweilt  Ijatte?    „2Bie  ein 


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48 

£irfd&  fd&reiet  nadf)  frtfd&em  Söaffer,  fo  freiet  meine  ©eele,  Sott, 
ju  SDir.    SKeine  Seele  bürftet  nadf)  ©Ott,  itad^  bem  lebeubigen 
©ott!    SBaun  werbe  tdf)  baljmfommen,  bajs  tdf)  ©otte«  Slngefi^t 
fd&aue?  3Jlein  $erj  l)ält  $)tr  oor  ©ein  2Bort:  ifjr  foUt  mein  Snt* 
tife  fud&en.  2)arum  fud&e  id&,  £err,  S)ein  Sintlifc!'   2tbet  fielet  ni$t 
gefd&rieben:  „(Sr  ift  ein  aerjetyrenb  geuer!  @r  rooljnt  in  einem  un- 
jugänglid&en  Sichte,  meldfje«  nie  ein  SKenfd^  gefefjen  tyat,  nod&  feben 
fann?"    SBoljl!  aber  fo  mufe  ®r  IjeraiuSgetreten  fein,  @r  mufe  ftd^ 
gefdfjidfjtlidf)  offenbart  l)aben  ofyie  jenen  Derje^renben  3otn*6ifer 
göttlicher  Siebe  (£efef.  24,  12.  13.  #of.  7,  13.),  greifbar,  ftd&tbar 
geworben  fein  in  menfd&Ud&er  6rf$einung  unb  einem  milben  gött* 
Ud&en  ©lanje,  ber  ba«  Stoge  nidfjt  fiarr  mad&t,  fonbem  bie  @e^ 
fraft  fd&ärft,  unb  burdjj  2JHttI)eilung  btefe«  feine«  «td&te«  bie  bofe 
ginfiernifc   ju  oermd&ten  trautet?     ©old&e  ©ebanfen   beroegenb, 
fafc    er    in    einfamen    SCbenbflunben,    feine    SebenSroege    übe* 
benfenb  unb  mit  ber  ^eiligen  ©d&rift  beföäfügt,  audf)  n>of>l  bie 
Briefe  feine«   teuren  greunbe«  Dfianber   jur  Jpanb    nefmtenb, 
in    meldten    fidf)    mit   tiefer  ©peculation    unb    gefunber    d&riji* 
lieber  9Jh)jHf  ein  fo  rege«  Sebürfnife  practifd&er  änroenbung  be« 
©ebadfjten  funb  t^ut,  bafe  $auti,  fall«  ntd&t  bie  fet)lenbe  Äraft  in 
fpäteren  Qaljren  e«  unterfagt  tyätte,  moljl  baju  gefommen  märe, 
fie,  mit  einer  ©inleitung  oerfe^en,  bem  S)rudt  ju  übergeben.    Unb 
über  biefem  Sinnen  unb  gorföen,  unter  Pier  Sitten  unb  gießen 
foUte  benn  audf)  für  iljn  ber  Stogenblidf  fommen,  ba  bie  Stämme* 
rung  be«  Dfiermorgen«  ber  Dfterfonne  meinen,  unb  unter  bem 
©influfj  Ujrer  ©trafen  ein  neue«  Seben  in  tl)m  roadf)  roerben  foDte. 
6r  ijat  ftd&  fd&riftltdf)  nirgenb«  barüber  auSgefprodjjen.  <S«  mar  ba«  crflc 
Gapttel  be«  ©oangeltum«  Qoljanni«,  meldte«  il)n  in  gemeinter  ©tunbe 
überwältigte,  unb  in  einen  fdfjroer  ju  befd&reibenben  Buflanb  ttefften 
©d&merje«  unb  ^öd^fter  ©eligleit  oerfefete,  t>on  roeld&em  feine  SDiuttet 
ni<$t«  afjnen  fonnte,  al«  er  il)r  am  12.  ©eptembet  1816  fdjrieb. 
„3n  ber  legten  3eit  war  mir  törperlidf)  nid&t  woljl  ju  9Rutf>e; 
Döttig  fdfjlaflofe  9Md&te,  mit  anbern  fingen  uerbunben,  mirften  fo 
auf  meinen  ©eift,  bafc  id&  in  eine  Stimmung  geriet^,  bie  id&  um 
nid)t«  in  ber  2Belt  sunt  jweiten  SOtate  befämpfen  möd^te.    S5Jo« 
mir  fonft  am  liebften  mar,  miberftanb  mir,  unb  ma«  mir  am  ent* 
femtefien  lag,  ftrebte  id^  ju  beft^en,  unb  ba  id^  e«  nid^t  tonnte, 
füllte  i^  mid&  oerlaffen  unb  wie  in  einer  @inöbe.    3e|t  ift  e« 
beffer  geworben."  ©ud^fiäblid^  mar  ba«  Söort  be«  S)id^ter«  bamal« 


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49 

an  it)m  in  ©rfüBung  gegangen:  „Unter  taufenb  feigen  SJjranert 
fitytt'  id)  mir  eine  SBelt  entfielen";  bie  alte  war  vergangen,  eS 
war  alles  neu  geworben,  neu  bie  aWenfdjen  unb  neu  bie  tyn  um* 
gebenbe  ©dfoöpfung!  @f)e  mir  aber  barauf  nä&er  eingeben,  möge 
junäd&ft  ein  merfmürbiger  SBricf  an  ©dfjmab  nom  16.  ^\x\i  1817 
Ijicr  2lufnaf)me  pnben,  ber  ben  greunb  non  ben  geiftigen  9Sor* 
gangen  in  Äenntnife  fefct,  bie  ifjn  in  ber  lefcten  3*it  betroffen: 

„2Biewof)l  ber  23rief,  ben  id)  5>it  uor  anbertfjalb  3aj)rcn  ge* 

trieben,  unbeantwortet  geblieben,  fo  benfe  nid&t,  bafe  idE>  S)ir  biefeS 

au<$  nur  im  geringften  juredjne.    SoBtefl  2>u  gefunben  Ijabcn, 

wonadf)  $)u  gerungen,  ein  £erj,  baS  ftdt>  S)ir  in  Siebe  ergeben? 

5lun,  ein  fotd&eS  fann  mir  $)eineS  ntd^t  entjogen  fjaben;  eS  fann 

eS  beSwegen  nidfjt,  weil  uns  ein  Jperj  Bereinigt,  baS  über  unfern 

£erjen  fie^t.    2)u,  mein  geliebter  greunb,  fannteft  biefeS  £erj 

fd&on  bamalS,  als  wir  uns  julefet  fal)en,  S)u  fü&lteft  fd&on,  bafe  eS 

in  ber  großen  ©ruft  ber  aWenfd^^eit,  wie  in  ©einer  eignen  fragen 

mu&,  SDu  rangfi  fc&on  nadf)  bem  ^rieben,  ber  p^er  ift,  benn  aBe 

Semunft.    3$  ^nte  eS  nur  biefeS  iperj,  i<$  fannte  GtyriftuS  nod& 

md&t,  unb  baS  Sebfirfmfe,  tyn  su  lieben,  i§n  in  mir  aufzunehmen, 

unb  mit  aller  Äraft,  bie  @r  mir  baju  uerlei^en  würbe,  banadfj  ju 

ftreben,  mein  2Befen  immer  meljr  mit  bem  feinigen  ju  t>erfdfjmeljen, 

wat  nodfj  tüd&t  in  mir  lebenbig  geworben.    3)u  ftanbefi  fd&on  in 

bem  neuen  Sunbe,  i<$  nodfj  im  alten,  wenn  audj)  im  Ausgange 

beffelben,  wo  ^ropfjetenfiimmen  in  mir  atynungSnoB  ben  neuen 

3!ag  begrüßten.  @S  ift  anberS  mit  mir  geworben,  wenn  audfj  lange 

nod)  nidtjt  gut.    ©Ott  fjat  mir  ben  aBein  wahren  2Beg  jum  £eil 

gejeigt,  (§r  l)at  mir  fein  ewiges,  gnabenreid&eS  2tntli|  in  ©jjrifio  JU* 

geroenbet,  bafe  id&  t)infort  3ftn  in  aBem  unb  aBeS  in  3#m  fefje 

unb  verlangen  foBe.    Qroax  fud^t  ber  Teufel,  ber  3Wörber  von  3ln* 

fang,  aud&  ben  neuen  aWenfd&en,  ber  in  mir  warfen  wiB,  ju 

morben;  er  trachtet  ben  8au  ber  Äird&e,  ben  idf)  in  meinem  Innern 

gränbe,  ju  oer^inbem;  aber  ©ott  Sob,  bafe  id&  jefct,  ba  idE>  etwas 

bauen  wiB,  audf)  bie  feinften,  nod()  auf  ßcrfiörung  tradfjtenben 

Gräfte  lebenbiger  füllen  unb  erfennen  fann,  um  ju  wiffen,  wie  idfj 

ifynen  we^re.    SSersei^'  mir,  bafe  id)  meinen  SRunb  nid&t  ju  jfigeln 

roeifj,  aber  wo  unfer©d&afc  ift,  ba  ift  aud&  unfer  $erj,  unb  wopon 

cd  voll  ift,  baoon  ge^t  eS  leidet  über,  ©tefje,  iä)  bin  cntjädtt,  3#n 

gefunben  ju  ^aben,  beSfialb  fann  id^  nod^  ni^t  uon  3#ro  abfegen, 

atö  meinem  ©rretter  unb  ©efeetiger.  3fi  erp  mein  Sebcu  me^r  in 

3eiWt.  f.  «üb.  Öefä.  »b.  IV,  §eft  2.  4 


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50 

$fym,    fo  werbe   tdfj  weniger  baoon  fpred&en,  unb  mein  ßcben 
bePo  me$r." 

„2Bie  e«  mir  ergangen  ift,  feitbem  wir  un«  faljen,  mirp  S)u, 
ba  S)u  nun  weifet,  auf  wetd&em  SBege  mid&  innerlidfj  ber  £err  ge- 
führt tyit,  mo$l  faum  begierig  fein  ju  erfahren,  unb  bodj  foUft  S)u 
e«,  ba  ja  bie  äufeern  2eben«mege  fold&e  waren,  um  mxä)  auf  jenen 
ju  leiten.    S)u  fennp  bie  Umgebungen,  in  benen  td&  in  ©öttingen 
lebte,    ©ie  besagten  mir  nid&t  auf  bie  Sänge,  namenttidfj  Raffen* 
pflüg,  Don  bem  td&  mid)  ^atte  bereben  laffen,  mit  ifjm  jufammen* 
jujief»en,  ein  übrigen«  guter,  reiner  30?enfd(),  mürbe  mir  bodjj  julefct 
butd&  fein  ju  feljr  nadf)  aufeen  gefefjrte«  SBefen  fremb,  unb  ba«  3«' 
fammenleben  täpig,  bo#  mirfte  fein  Umgang  ba«  ©ute,  bafc  id> 
trtele«  oon  bem,  wa«  iä)  an  tym  perbammte,  audf)  in  mir  watyr* 
na§m.    3w  ß^ufe  be«  SBinter«  famen  jmet  »ruber  ©ad,  Srigabe* 
prebiger  in  ber  Sßreufcifd&en  2trmee,  na<$  ©öttingen;  iö)  mar  Diel 
mit  tynen  jufammen,  unb  bie  ©öttinger  Geologen  gaben  ju  mannen 
ernpen  ©efpräd&en  über  ba*  $etligpe  unb  beffen  (Sntwetyung  auf 
biefer  Uniperfität  SJeranlaffung;  audjj  prebigten  pe  ein  paar  3Ral 
(na<i#er  mürbe  e«  iljnen  verboten),  unb  bie  innere  Segeiperung 
biefer  SRanner  ergriff  midfj  bepo  mef)r,  je  nüchterner  unb  fätter  alle 
meine  Umgebungen  waren.    3$re  legten  prebigten  leuc&teten  wie 
jwei  gadteln  in  einer  pnpern  9lad&t  2Rein  trofcige«  unb  ©erjagte« 
§erj  war  in  biefer  3*it  fe^r  bewegt,  oon  irbifd&en  ©ingen  tyin  unb 
ijergePofeen,  unb  t>on  einem  unbePimmten  etwa«  umfjergejogen. 
3n  eben  biefer  3eit  emppng  idd  einen  »rief  twn  unferm  Dpanber, 
an  bem  mein  trodtoe«  £erj  wie  3wtber  geuer  png.    tiefem 
treuem  greunbe  oerbanfe  tdfj  fe!)r  tnel;  ber  #err  §at  p#  feinet 
al«  SBJerfjeug  ju  meinem  ©eile  bebient.    3m  3Kai,  nad&bem   id& 
ffioctor  geworben,  erliefe  td&  ben  mir  t>erf)afeten  SWufenpfe,  unb  jog 
auf  einige  28od&en  nad&  ©üdfeburg,  unb  »erlebte  bort  fcfcöne  Sage 
im  ©d&oofee  meiner  gamilie  unb  einer  reid^en  fjerrlidf>en  SKatut  im 
sollen  Sd&mudt  be«  grüf)Ung«.    ©8  war  bie  Steige  einer  frönen 
3ugenbjeit,  bie  id&  bebäc&tig  au«fd&lürfte.    3$  freute  mi$  ein 
wenig  dot  meiner  neuen  SePimmung  in  ber  Saterpabt;  id&  fc&eute 
mid&  innerlidfj  gegen  ben  Sern  be«  bürgerten  Seben«,  in  ben  i<$ 
mxä)  nun  einfpinnen  laffen  foQte,  unb  bodfj  jog  nüd)  balb  eine  un* 
bejwingli^e  ©efjnfud&t,  eine  feltfame  innere  Unruhe  ^ie^er.   ©eioif; 
war  e«  bie  SUjnung,  bafc  i#  f)ier  werben  würbe  ein  ©efegnetet  be£ 
§erw,  unb  baburdj  ju  ber  greift  unb  bem  grieben  gelangen. 


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51 

ben  bie  SBelt  nid^t  geben  unb  nid&t  nehmen  fann.  (53  war  gefiern 
ein  Safjr,  als  id&  l)ier  angefommen,  ein  3af)r,  roeld&e*  td&  um  alle 
©djäfce  ber  2Belt  nidfjt  weggeben  möd&te!  ©eltebter!  tdj  fc^idte  SHr 
l)ier  „bie  beutle  Geologie,"  ein  föittid&eS  SBüdfjlein,  baS  unter 
einem  einfad&en  ärmlid&en  ©ewanbe  einen  unenblidfjen  SReidfjtljum 
Ijimmlifd&er  2Betel)eit  verbirgt.  Safe  e3,  auf  ben  ©runb  beS  ewigen 
SBorteS  gebaut,  ben  ©dffleiu  eine«  neuen  Stempels  fein,  in  bem  mir 
Ijinfort  jufammen  beten,  benn  ba$  Sitte  ift  oergangen  unb  e$  mufe 
äße«  neu  werben.  Safe  uns  mutt)ig  einem  l)oljen  ewigen  Qidt 
nacfyftreben;  je  näljer  wir  Sftm  fommen,  befto  nä^er  fommen  wir 
aud)  un£,  benn.  wo  ba£  Sid&t  ift,  ba  Ijören  bie  garben  auf." 

2Bie  lebenbig  erinnert  biefe  ©d)ilberung  nid&t  an  jene  grofce 
3eit  ber  ©rtyebung  be3  beutfd&en  33olfe£  au«  bem  (Slenbe  ferner 
brüdenber  grembljerrfcijaft,  unb  jugteid)  be3  fragen«  unb  ©udjenS 
fo  vieler  Seelen  na<$  bem  £eil$4Brunnen,  beffen  Sßaffer  ben  3Jor* 
fahren  bie  reid^fte  ©rquictung  im  Seben  unb  ben  beftett  SErofl  im 
Sterben  gefpenbet  Ijatte.  äBeld&er  ©d&utt  lag  aufgehäuft  über 
Meiern  ebeln  ©d&afc,  unb  wie  entftellt  erfd&ten  ba«  urfprfingtidfje 
Gl)riftentf)um,  „tljeite,"  nad&  ben  SBorten  unfrei  greunbeS,  „auf* 
gelöft  in  ein  Unbing  t>on  natürlicher  Religion  ober  pantyeiftifd&er 
SkUeitäten,  t^eitö  aber  burd&  eine  erbärmliche  SKufflärung  in  ben 
ffotf)  getreten!"  Unb  wie  flammte  nun  in  ben  oerfd&iebenften 
©egenben  S)eutfd|)lanb$  ber  ©ebanfe  auf,  vox  allen  fingen  nadf) 
biefer  ©eite  Ijin  eine  Neugestaltung  ju  bewirf en,  „überjeugt,"  wie 
man  ftdf)  füllte,  „ba&  eine  wa^re  Teilung  unb  Heiligung  ber 
3Henfd&l)eU  nur  twn  innen,  burd^  Sßflegung  ifjreS  innerlichen  Seben« 
ausgeben  fönne."  UeberaU  fanben  SSerfammlungen  flatt,  in  benen 
mit  neuen  3u«gen  geprebigt  würbe,  unb  wie  in  Sübedt  fo  traten 
an  anbem  Drten  ©leid&geftnnte  in  Vereinen  jufammen,  fei  e$  ju 
bloS  erbaulid&en,  ober  auä)  ju  praftifd&en  3wedten,  beren  SBUtglieber 
als  fold&e  überall,  wo  fie  ^infamen,  freubig  aufgenommen  würben, 
unb  bem  Sewufctfem  einer  weit  oerbreiteten  größeren  ©ememfd&aft 
neue  Stauung  gaben.  3Jiele  foldjer  äBanbrer  fprad^en  aud&  bei 
Sßauli  ein,  wir  wollen  aber  nur  SineS  SefudEjeS  Ijier  nä^er  ge* 
benfen,  weil  [\ä)  in  ber  ©d&ilberung  bie  fyotyn  Erwartungen  ber 
bamaligen  3ei*  unb  ber  gehobene  ©eift,  ben  fie  erjeugt,  in  be* 
rebter  SEBeife  abfpiegeln.  ©8  war  gleid)  naä)  ber  SBartburgfeier  im 
3<a£re  1817,  unb  ber  93efud&enbe  ein  §err  Don  $lel)we,  berfelbe, 
welker  fpäter  als  ©cneral  im  3)ueD  ein  fo  trauriges  ©nbe  finben 

4* 


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52 

follte.  2Ber  fonnte  baS  a^nen,  als  er  bamalS  feigen,  froren 
SJtutljeS,  auf  einer  SBanberung  burdf)  S)eutfd&lanb  begriffen,  bei 
unferm  greunbe  eintrat,  ber  ifjn  auf's  $erjlid)fte  aufnahm,  unb  in 
biefer  Seranlaffung  feiner  SRutter  fd)rieb:  „@S  jeigt  fxd^  bodfj  immer 
meljr,  loeldje  Äräfte  ©ott  bur<$  bic  große  3ei*  fo  **m  &erjen  ber 
neuen  SBelt  in  unferm  3>eutfdfjlanb  Ijat  aufregen  motten.  SSon 
bem  ftarfen,  frifd&en  ©eift  biefer  $ugenb  läßt  fid&  umfomeljr  hoffen, 
ba  er  oor  einem  työljern  ©eifte  fidf)  bemüt&ig  beugt,  unb  eS  tebenbig 
ffi((t  unb  taut  befennt,  baß  nur  in  3$m  unb  burdj  3fon  fid&  alles 
neu  gepalten  fann.  ©d&leiermad&er  fagt  fe^r  roa^r:  „9hir  Steligion 
bewahrt  oor  ©nfeitigfeit,  unb  beSwegen  fann  eine  attfeitige  ®er* 
roanblung  nur  aus  iljr  Ijeroorgeljen."  Unter  benen,  bie  auf  ber 
SBartburg  auf  bie  ©emüttyer  genrirft,  jätyle  idfj  einen  fe&r  liebend 
mürbigen  $reunb,  ben  $reufnfd)en  ©arbetyauptmann  t)on  Sßlefjtoc 
au8  Sittljauen.  ®r  fam  auf  einer  großen  gußretfe  burdj'S  ganje 
33atertanb  l)ier  an,  unb  ein  paar  Sage  genügten,  um  uns  auf's 
engfie  ju  oerbinben.  ®r  t»at  fetyr  früf)  bie  mititatrifd&e  Saufbaljn 
begonnen,  unb  mit  fünf  SBrübem  ben  ©efreiuugSfrieg,  faft  aBe 
©dfjlad&ten  nutfdfjlagenb,  burdjgefämpft.  grüner  mollte  er  ft<$  ein* 
mal  ben  SBiffenfdjaften  roibmen;  roeil  aber  in  il>m  ber  ©eift  nodj 
nid^t  erroadjt  mar,  fo  mahnte  er,  audfj  in  biefem  SHnge  fei  fein 
©eift,  ber  SRenfdfj  muffe  ityrer  entbehren,  unb  roarf  fte  jur  Seite. 
Qnjnrifd&en  ift  aber  ein  anbrer  tyerrlid&er  ©eift  in  il)m  erroeeft  unb 
genährt,  einjig  unb  allein  burd&  bie  ^eilige  ©d&rift  unb  bie  große 
3eit.  SBie  ein  ^roptyet  fte^t  er  nun  ba  in  Äraft  unb  Älarbett, 
ein  {jodjj  begnabigter  2Renfd),  unb  jefct  oerad&tet  er  audjj  nid&t  baS 
SBiffen,  benn  er  meint,  man  muffe  oiel  tyaben,  um  niel  bem 
§erm  ^eiligen  ju  fömten,  unb  er  ift  jefct  in  SSerlin,  um  fidfj  ganj 
ben  SBiffenfd&aften,  befonberS  ber  ©efd&id&te,  ju  ergeben." 

Unb  er,  ber  t(ier  mit  fo  IjoffnungSnotter  greube  beS  ©eifieS 
ber  beutfd&en  3fugenb  gebenft,  als  eines  ©eifteS  ber  grömmigfeit 
unb  2)emutl),  meldf)'  erfdfjütternben  ©nbrud  mußte  eS  niefct  auf  t§n 
Ijeroorbringen,  als  biefe  Stiftung,  ungepflegt  unb  mißleitet,  in  Ujr 
©egentyeü  umfd)lng,  unb  bur<$  bie  %i)at  ©anb'S  fid&  ein  äbgrunb 
por  ifjm  eröffnete,  bem  gerabe  baS  ^öd^fte  Streben  am  leid&teften 
nerfatten  fann,  roo  es  fid^  einer  jügettofen  p&antafte  überlaßt  unb 
nidjjt  t)on  ber  SBBa^r^eit  geleitet  wirb.  „SHJaS  fagft  S)u,"  fragt  er, 
„SU  ©anb'S  £f)at?  @r,  ber  ein  Dpfer  biefer  SJjat  gerootben, 
Äofeebue,  t)erbient  nid^t,  baß  man  feiner  ermähne,  roo^l  aber  bie 


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53 

2$at  unb  bcr  Spater,  bie  man  nidjt  ifolirt,  fonbem  al«  Sfygge* 
geburten  eine«  ©eifieS  betrauten  mufe,  in  bem  unftreitig  etwa« 
©rofceS  lebt  ober  fpudtt.  2)aS  finb  bie  gräfelid&en  ©rjeugungen 
biefer  SWefaDtanjen,  biefer  unjtid&tigen  93erbinbungen  jwifdfjen 
Fimmel  unb  @rbe,  jwifd&en  irbtfd&em  unb  ^itnmlifd&em  SJaterlanbe, 
bie  üou  einem  großen  Sljeil  unfrer  beulen  ^fugenb  eingegangen, 
unb  ju  benen  fo  ebte  aWänner,  wie  2trnbt  u.  91.,  ol)ne  e£  ju  a$nen, 
bie  Suppler  geworben  finb.  @rbe  unb  $immel,  irbifdf)e£  unb 
tyimmtifd&eS  SSaterlanb  ftnb  ein  SBudEjflabe,  unb  ©eift  nur  in  einem 
(Stnjigen  ganj  unb  ewig  vereint,  unb  werben  e£  nur  für  $eben, 
infofern  er  in  bicfeS  ©injigen  gufcfpuren  tritt.  2Beld&e£  Ungeheuer 
auä  bem  dfjrifttidfien  ©eutfd&en,  ober  trielmeljr  aus  bem  beutfdfjen 
Sljriftentljum  werben  fann,  ba«  fieljt  man  an  ©anb,  unb  burdf)  nichts 
l>at  wo^l  Äofcebue  feine  Serad^tung  ber  2)eutfd&en  unb  fein  9liä)U 
begreifen  biefeö  ©eifieS  mefjr  an  ben  Sag  gelegt,  al$  bafe  er  biefen 
©eijl  fo  fdfjmctyt  unb  bod&  in  ©eutfdfjtanb  blieb.  §offentUdfj  wirb 
biefe  3$at  mannen  jungen  ©d&wärmer  jur  SSefinnung  bringen, 
nur  muffen  fie  feinen  beutfd&en  9toä  meljr  tragen,  feitbem  foldje 
©d&anbtyat  in  iljm  begangen  worben!" 

Stber  wie  erfreulich  grabe  if)n  in  jener  3*ü  ber  erflen  Siebe 

£tmmel  unb  @rbe  anlasten,  il)n,  um  mit  Hamann  ju  fpred&en: 

„beffen  Jpimmcl  im  §erjen  unb  beffen  §erj  im  ipimmet  war,"  baS 

geigt  fid^  in  allem,  was  tfjm  bamalS  baljeim  ober  auf  Seifen  be* 

gegnete.    „%d)  fjabe,"  Reifet  e3  in  einem  ©riefe  aus  bem  3al)re 

1819,  „in  biefer  3^it  eine  boppelte  greube  gehabt;  bie  eine  ift  bie, 

ben  lieben  Ijerrtid&en  ©d&ubert  fennen  gelernt  ju  fjaben;  ef)e  er 

Subwigäluft  üerliefe,  wo  er  feit  ein  paar  Streit  bie  ©rjie^ung  ber 

Äinber  be$  ©rbprinjen,  wie  ber  2Beimarifdf)en  5ßrinjeffin  leitete,  um 

feine  ^rofeffur  in  erlangen  (SKineralogie)  anjutreten,  fam  er  nadf) 

Siibedf,  ein  Meiner,  finblid&er,  freubiger  unb  fefjr  liebenber  2Rann, 

unb,  wa«  benn  feiten  oon  einem  folgen  ©rabe  ber  Siebe  unb 

g-reubigfeit  getrennt  ift,  von  tiefer  ©rfenntnife  ber  SBa^eit;  bie 

anbre  ift  bie  be£  Sßrofeffor'ä  SRenge.    ®iefer  SJWann,  einer  ber$e* 

beutenbften,  bie  mir  nod&  im  Seben  begegnet  finb,  wenn  mdf)t  ber 

Söebeutenbfie,   traf  f)ier  um  Oftern  be£  oorigen  Saures,  auf  einer 

tmneralogifd&en  Steife  na<$  Q^lanb  begriffen,  mit  @mpfe$lung£briefen 

ein-    Sßlafcmann,  ber  feit  lo^a^ren  fd&on  eine  Sammlung  tertiärer 

g-offilien  auf  bem  Speiser  liegen  batte,   liefe  fie  burclj  ÜJtenge  be* 

fe^en,  unb  biefer  ftd)  babur$  ucrfüjjren,  ftatt  2  Sage  Ijier  10  ju 


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54 

Weifen.  2Bir  fanben  uns  unb  waren  balb  nertraut.  @S  waren 
fdfjöne  Sage;  audj  ©Hubert  war  anwefenb.  Qnbeffen  reifte 
aRengenad&gslanb;  bort  §at  er  uicr  2Jtonate  jugebrad&t,  mcl3Rerf* 
würbiges  für  feine  Sßiffenfdfjaft  entbedtt  unb  für  fein  fieben  erfahren, 
unb  enblidfj  im  &erbft  auf  gefafjroollcr  gafjrt  bie  SRüdreife  über 
©d&ottlanb  angetreten.  9todfobem  er  grau  unb  Äinber  in  Jpanau 
befugt,  fam  er  Slnfang  9Jtärj  l)ier  an,  unb  jog,  metner  ßinlabung 
folgenb,  bei  mir  ein.  ©o  t)aben  wir  benn  tägltdfj  jufammen  ner^ 
fefyrt;  idfj  referoirte  nur  fo  t)iel  3^  ftl*  jur  Sefd&affung  meiner 
2ttwofatur*©efdfjäfte  eben  nöt^ig  war,  bie  anbre  opferte  idf)  ifjm. 
Unb  er  ift  btefeS  DpferS  mertl)!  9luS  bem  niebrigflen  ©tanbe  ge> 
boren,  iwn  Qugenb  auf,  bei  einem  fjei&en  durfte  nad&  SBiffen,  allen 
menfddttd&en  Unterricht,  fowie  bie  ©elegenljeit,  fid&  aus  Supern  ju 
belehren,  entbeljrenb,  ift  er  burdfc  feine  äußere  Sage  frülje  auf  bie 
alleinigen  wahren,  lebenbigen  Quellen  ber  23af)rf)eit,  ju  benen  oicle 
erji,  nadjbem  jie  lange  in  ber  2Büfte  menfdjlid&er  Qrrtpmer  um* 
Ijergeirrt,  gelangen,  fyingewiefen  worben,  nämtief)  auf  bie  ^eilige 
©d&rift,  auf  fxd^  felbft  unb  auf  bie  9totur,  unb  baburdf)  ber  ©efaljr 
entgangen,  ber,  adf>,  fo  Zeitige  entrinnen,  burdf)  nad&betenbeS  Sluf* 
nehmen  gewiffer  trabitioneüer  3?orurtf)eile  unb  Sügen  fidf)  ben  3u* 
gang  jur  2öat>r^eit  unb  ber  Süafjrfjctt  ju  fi$  ju  erfahrneren.  Unb 
fo  ift  er  benn  gan§  bur<$  ftdf)  felbft,  aber  nid&t  ofync  f)öf)ere  &ülfe, 
bie  einem  folcfyen  nid^t  aus  fid&  IjinauS,  fonbern  in  fid^  hinein 
füljrenbcn  ©tubium  feiten  fefjlt,  ju  ben  tyerrlid&ften  unb  erfreulichen 
Ueberjeugungen  gefommen,  wenn  ibm  au<$  bie  Äunft,  fie  flar  unb 
oerftänblid^  auSjufpred^en,  nod^  gar  fefjr  mangelt.  3$  erwarte  it>n 
in  einigen  Jagen  t)on  Berlin  jurüdf,  um  itjn,  na<$  einer  noch- 
maligen Seife  na<$  bem  Sorben  (©cijmeben  unb  SRufelanb)  waljr* 
fd&einlid&  auf  immer  f>ier  ju  beftfcen." 

Ob  ber  33erfel>r  mit  biefem  in  Ijoljem  ©rabe  merfwürbigen 
unb  ebel  gefinnten,  aber  eycentrifd&en  Jljeof opfjen ,  weld&er  längere 
3eit  in  Sfibedt  perlebt  unb  julefct  nadf)  Sluftralien  gejogen,  wo  er 
ftd&  non  Äorbfled&ten  ernährt  unb  eines  XageS  tobt  in  einem  Ijotytcn 
Saum  gefunben  worben  ift,  immer  bie  gleite  Slnjie^ungSfraft  für 
Sßauli  gehabt  tyaben  würbe,  baS  bürfte  bei  ber  Unruhe,  bie  in 
üHenge'S  9tatur  lag  unb  ba  Sßauli'S  grömmigfeit  einen  wefentlid) 
prafttfdfjen  @f>arafter  trug,  einigermaßen  fraglicf)  erfreuten,  wenn- 
gleich jene  fpeculattoe  Stiftung  ftd&  mit  einer  t>ermanbten  Seite 
feine*  SBefenS  berührte,  unb  jwar  biefeS  meljr,  als  bei  feinem 


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55 

greunbe  $olroeg  in  Sertin  ber  gall  xoax,  meldet  feinen  empfe^lungä* 
brief  fetyr  offen  unb  unbefangen  mit  ben  2Borten  erroieberte:  „3$ 
Ijabe  miä)  eine  ganje  2Beite  auöfü^rUd^  unb  ungeftört  mit  Seinem 
munberltd&en  ^eiligen  unterhalten.  3)a  märe  e«  mir  benn  fetyr 
lieb  geroefen,  etmaS  ©enauere$  oon  tym  unb  feinen  Ueberjeugungen 
ju  Ijören  unb  ju  lernen;  aber  leiber  bin  id&  in  fingen  ber  @r* 
fenntnife,  befonberS  einer  folgen  Ijöljeren  Srfenntnife,  Diel  ju  unge* 
übt,  als  baf3  iä)  mid(j  leidet  in  eine  fotd&e  Ueberjeugung  hinein* 
finben  fönnte.  3$  fagte  e«  ifjm  audj  felbft,  bajs  iä)  bi$  jefct  nod> 
feinen  Segriff  oon  biefer  (jityeren  (Srfenntmfe  in  ©a<$en,  roeld&e 
nid&t  bie  ©eligfeit  betreffen,  ^ätte,  o&ne  fie  jebodjj  läugnen  ober 
oermerfen  ju  motten.  S)cnn  oerbinben  tf)un  biefe  SHnge  nid&t, 
mie  9Jtenge  auä)  felbfi  jugab,  unb  fo  fam  e$,  ba&  mir  und 
meniger  ^erjlicl)  jufammenfanben,  al«  iä)  t&  naä)  ©einen  äeufce* 
rungen  über  tyn  geroünfd&t  tyätte."*) 

2lber  mie  Diele  3Wenfdf)en  maren  e$  ni^t,  benen  er  in  jenen 
Satiren*  auf  ©runb  gleid&er  rcligiöfer  Ueberjeugungen  netyer  ge- 
treten !  3u  öllen  3^iten  ein  greunb  oon  gu&reifen,  bur^roanberte 
er  bamate  in  freien  ©tunben,  oft  in  Begleitung  feine«  treuen 
greunbeS  (SlaubiuS,  bie  frönen  ©egenben  ber  £erjogtyümer,  unb 
freute  fi$  babei  mie  an  ben  3fteijen  ber  SRatur,  fo  an  ber  93egeg* 
nung  mit  geiftoermanbten  ^erfönlk&feiten.  „3n  Äiel,"  fd&reibt  er, 
pon  einer  folgen  gu&reife  Ijeungefetyrt,  „befud&te  iä)  $arm3  unb 
tiatte  bie  SBonne,  nadjbem  iä)  ben  ganjen  Sag  über  nudf>  beS 
#errn  in  ber  mannigfaltigen,  überfd&mängtid&en  ©d&ön&ett  feiner 
©dfjöpfung  erfreut  Ijatte,  nun  aud&  midj  ju  erbauen  unb  ju  ftärfen 
an  feiner  Äraft  unb  ^errlid^leit  in  einem  mcnfd&licfcen  ©emüt^e, 
ba£  nur  $fon  miO.  Sin  gro&eS  §erj,  bog  gröfeer  iji,  als  unfre 
§erjen,  braute  un«  balb  fe^r  natye." 

@m  anbere3  SKal  §atte  er  jur  ^fingftjeit  einige  Sage  einem 
2luäfluge  in'S  Sauenburgifd&e  gemibmet  unb  f treibt  barüber:  „3lm 
©onnabenb  oor  bem  3feft  ging  idfj  fort  unb  fe^rte  nadj  5  Sagen, 
oon  benen  icb  jroei  in  bem  UebUdjen  Stafeeburg  jugebrad&t,  gefiärlt 
unb  erfrifd&t  an  Seib  unb  ©eele  roieber  Ijeim.  SDie  Sage  in  SRafte* 
bürg  perlebte  id&  mit  bem  bortigen  Stector  SRufemurm  unb  feinem 
gleidö  trefflid&en  ©d&roager  SBrnbt,  jrceicn  ebenfo  grünblidf)  gelehrten, 

*)  3$on  bem  öeifie  unb  bev  ganjen  Eentoeife  biefeö  ungewöhnlichen 
3Henfd)en  jeugen  einige  Briefe  unb  2luffäfce,  bie  ftd}  in  ^auli'S  9tod}la|j  Dor* 
gefunben. 


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56 

afö  warmen  dfjriftlid&en  3JMnnem;  ifjr  SBirfcu  in  ber  ©djule  ifi 
föftUdj),  burdf)  ba£  geben  in  iljrer  Scljre  fowotyl,  wie  burdfc  bie  Seljrc 
in  intern  Seben.  grüner  fdjou  mit  biefen  beiben  fyerrlidjen  Männern 
befteunbet,  würben  wir  jefct  nod)  uertrauter.  Stafceburg  liegt  un- 
enblidfj  reijenb,  unb  e$  ift  wunberbar,  weld&e  immer  ftärfere  2Jtadjt 
eine  reiche  9iatur,  befonberS  im  grüljling,  auf  midf)  ausübt.  ©3 
ift  ba£  ntdfjt  eine  poetifd&e  ©egeifterung,  in  ber  ebenfowoljl  bie 
böfen,  rote  bie  guten  Gräfte,  weldje  in  ber  sJ?atur  fmb,  mit  uns  tyr 
©piel  treiben  fönnen,  benn  ben  ©eiflern  ift  nidjt  ju  trauen,  nein! 
idEj  fül)le,  e3  ift  ba$  immer  beutlid^ere  Serneljmen  be£  großen 
§erjen$,  ba3  in  allem  geben  Wägt,  baS  tief  verborgene  unb  bodjj 
allen  Df>ren,  bie  nur  Ijören  wollen,  ftdf)  funb  gebenbe  Staujdien  be£ 
eroigen  unüerfiegUd&en  Urquelle  aller  ©d)önl)eit,  ba£  aus  biefem 
§erjen  fid&  ergief$t.  Unb  adf)!  biefeS  unerme&lid&  große,  unauS* 
forfölidl)  grofee  &erj  ift  ja  baffelbe,  was  in  bem  9Henfd&en  3efu 
ßfjrifto  fo  brüberlid()  ju  uns  tritt  unb  fo  jugänglidf),  ja  fo  unfer 
geworben  ift,  ba&  roir  un$  felbft  nityt  uäljer  finb.  3a,  ba3  iftT£, 
baß  roir  beim  frifd&en  2lnbltd  feiner  unenblidjen  ©d)önl)eit,  feiner 
eroig  Italien  Siebe  feliger  roieber  inne  roerben,  unb  ifyrem  beffernben 
uub  tyetligenben  ©eifte  in  9teue  unb  25emutlj  meljr  nod)  unä 
öffnen." 

Unb  roie  beglüdte  iljn  bann  auf  einer  rocitem  Steife  ba£ 
Söieberfetyen  ber  ©einigen,  unb  inSbefonbere  audj)  ber  Aufenthalt  in 
Bremen,  einer  ©tabt,  in  welc&er,  roie  roir  früher  gehört,  fein  gort* 
fommen  il;m  gefilterter  erfd&ienen  roar,  al£  in  Sübedt!  „5Ba£  foH 
idj  SDir  fagen,"  fd&reibt  er,  „t>on  bem  Ijerrlid&en  3Kenfen  unb  feinen 
greunben,  unb  oon  ber  Siebe,  mit  ber  ade  biefe  SDienfdfjen  mir  ent; 
gegengefommen;  idjj  weife  woljl,  fte  fjat  midi)  gebemütf)igt,  aber  audj 
geftärft.  %ä)  I)abe  Bremen  in  biefeu  wenigen  Sagen  fo  lieb  ge* 
roonnen,  baß,  roenn  alle  ©triefe  riffen,  id&  bod^  ber  tron  mannen 
Seiten  an  \n\6)  ergangeneu  9lufforberung,  midj  Ijier  nieberjulaffen, 
faum  wtberfteljen  unb  aud)  mit  bem  $erjeu  folgen  würbe.  S)u 
weifet,  eS  ift  nidjt  grabe  meine  Seibcnfdjaft,  oiele  33efud>e  5U  madjen, 
ba&  fte  midfj  leidet  oerbummen.  §ier  aber  fönnte  tdf)  nie  genug 
friegen;  id)  würbe  nur  meljc  ©tfrifd&ung  baoon  tragen.  @in  guter 
©eift  befcelt  alle  biefe  9Henidf)en;  ein  ernfter,  aber  fricblid)er  ®eifi 
ber  Siebe!  2öo  id&  bei  beut  einen  abbradjj,  fnttpfte  id)  bei  bem 
anbern  wieber  an,  unb  bei  feinem  gab  \d),  ofjne  nidjt  wieber  ju 
empfangen.     9üdf)t    leidet    (jat    ein  2lufentljalt    meljr   meine   6r= 


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57_ 

Wartungen  übertroffen;  id)  füllte  midf)  fo  rcd&tin  meinem  (Slement, 
unb  fonnte  mtdf)  ba  fo  frei  nnb  ungeljinbert  bewegen,  burfte  feine 
Slcufeerung  meines  Qnnern  fdjeuen,  oon  ben  Wenden  mel;r  fort; 
gejogen,  als  jurüdgeljalten." 

2öie  ocrfdfjteben  mar  oon  bem  (jier  gegitterten  aber  baS 
toben  in  Hamburg,  meines  er  Jjeimfeljrcnb  befugte.  $icl  metjr, 
als  er  wünfd&te,  in  bie  üerjdfjiebenartigften  ©efeflfdjaftsfteifc  l)inein* 
gejogen,  l)ielt  er  ftdfj  boc^  befonbcrS  an  SKcrle  b'SIubtgnä,  ben 
fpäteren  ©enfer  ^ßrofeffor,  bamals  ^rebiger  ber  fran$öftfd&en  ©e- 
meinbe  in  Hamburg,  melier,  jung  an  ^afjren,  aber  reid)  an  6t* 
fenntnifc,  mit  jünbenber  Äraft  unbefannt  geworbene  uralte  SBalp* 
Reiten  oerfünbigte  unb  burd&'S  ganje  Seben  ununterbrochen  mit 
Ujm  in  33erfef)r  geflanben  l)at.  %n  fjol)em  ©rabe  befriebigt  füllte 
er  ftdl)  tyxnaä)  burd&  bie  ©efanntfdjaft  mit  Dr.  gerb.  Scnefe. 
„3$  fanb  in  ifjm,"  treibt  er,  „einen  eblen  ÜJtann  Don  ernftem 
Streben,  groß  in  ber  Siebe  unb  ftarf  im  ©tauben,  ber  ja  immer 
burdf)  Siebe  tfjätig  fein  foH.  9$on  neuem  empfanb  idf)  Ijier  aufs 
Sebenbigfte,  bafc  bie  einjig  fefte  33afiö  jebweben  gefetiigen  93erfet)rS 
bie  ©inigfeit  in  ber  großen  §auptfad)e  ift.  SJtag  man  benn  and) 
im  ßinjelnen  oou  einanber  abweisen,  man  wirb  nie  ganj  aus* 
einanber  faden,  unb  bie  einjelnen  SHffonanjen  werben  fiel)  in  ber 
Harmonie  beS  ©anjen  immer  wieber  auflöfen.  @r  befd&äftigt  fidf), 
gleidf)  mir,  mit  beutfcfjer  <giftorte,  unb  fo  finb  wir  and)  burd^  ein 
roiffenfd&aftlid&eS  93anb  vereinigt  S)ie  Hamburger  ©cfdfjicijtc,  bie 
er,  unb  bie  Sübedifd^e  ©efd&id&te,  bie  idf)  ftubire,  mögen  fxdj  wotjl 
gegenfeitig  Sidfjt  bringen,  unb  fo  fjaben  wir  uns  als  braue  Serg* 
leute,  bie  mit  bem  Sid&te  ber  Siebe  in  bie  liefen  alter  3*ü  tynab* 
fteigen,  üerbrübert."  auf's  Sebtiaftefte  füllte  er  fid)  audj  wieber  ju 
Äarl  ©ieoefing  f)ingejogen,  ber  ifjn  l)inwieberum  bem  ^rofeffor 
9?eanber  aus  Berlin  juftifjrte,  ffan  bem,"  wie  er  fd)reibt,  „xä)  eine 
in  manchen  33etra<$t  Ijödjft  liebe  unb  tljeure  SBefanntfdjaft  gemalt 
Ijabe;  idf)  bin  fafl  brei  ©tunben  bei  ifjm  gewefen,  unb  bie  Serüljrung 
t>eS  £ödf)ften  unb  Siefften  fonnte  nid&t  ol;ne  wa^re  gegenfeitige  23e* 
rtifjrung  ber  $erjen  gefdje&en." 

$8on  grauen,  mit  benen  er  berjeit  in  SSerbinbung  gefianben, 

erwähnt  er  Souife  SReid&fjarbt.    „@ie  war  mir,"  fagt  er,  „immer 

*  intereffant  burdf)  bie  Siebe,  womit  fie  fidf)  mandfjer  Sieber  ange* 

nommen,  bie,  wie  bie  S3lumen  beS  gelbes,  von  ben  ÜKeiften  t>er* 

achtet  unb  nur  oon  Äinbern  unb  armen  Seuten  gepflfidt  werben, 


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_58__ 

wctyrenb  man  mand&e  ftretf^auSpflanje  forgfättig  in  köpfen  auf* 
jieljt."  ®ine  anbrc  greuubin  fyat  er  in  8lmalie  ©ieoeftng  gefunben, 
bie  in  fpäteru  ^afjren,  wäljrenb  bcr  ©ommerjeit,  fidf)  immer  eine 
3eitlang  bei  i^m  einquartieren  unb  bort  iljre  3a$re$berid&te  an* 
jufertigen  pflegte. 

Qm  allgemeinen  jagte  itjm  inbeffen  baS  Hamburger  Seben 
wenig  ju;  Ü)m  wiberftanben  bie  jalflreid&en  &errengefeDJd)aften,  „bei 
benen  man  fo  oiel  i&t,  ba&  man  nid^t  jum  ©pred&en  fommen  fann; 
gewife,  miß  man  nidjt  ©efaljr  laufen,  bafe  ganj  Hamburg  ft#  ju 
$obe  i&t,  fo  bleibt  nid&tö  übrig,  als  ba$  Ueberf  freiten  einer  be* 
fUmmten  Slnja^l  von  ©Rüffeln  ober  ©äflen  mit  abgaben  ju  be* 
legen;  benn  ba$  geiftige  Seben  wirb  naä)  unb  nad&  erfiidtt,  unb 
ba£  ift  bo#  eigentli<$  ba$  Seben.  Äam  e8  jum  ©efpräd)  unter 
ben  aMännem,  fo  betraf  eä  bie  franjöftfdf)en  Anleihen  unb  bie  eng* 
lifd^en  Angelegenheiten,  unter  ben  grauen  üorjüglid^  ba$  Sweater. 
3)ie  3*üereigniffe  werben  in  Hamburg  im  ©anjen  lebenbiger  aufgefaßt 
unb  umfaffenber  angefetyen,  als  f)ier  (b.  l>  in  Sübed),  woljl  weil 
Hamburg  überhaupt  rnetyr  ber  SBclt  angehört,  unb  fie  bort  bie  folgen 
aller  @reigniffe  unb  3teränberungen  unmittelbarer  empfinben.  @3  ifl 
aber  nid^t  ju  läugnen,  bafe  bie  gro&e  9Jlenge  Don  s)teuigfetten  unb 
bie  große  Sebenbigfeit  unb  ÜBeitläufigfeit,  mit  ber  man  biefen  ©toff 
be&anbelt,  audjj  fein  SEabelnSroertfjeS  Ijat,  inbem  ftd)  barin  über* 
fjaupt  ein  übergroß  Rängen  am  3cülidf)eu,  an  ber  Srjdjcmung 
mamfeflirt,  weld&eS  uns  ju  fefjr  jerftreut  unb  üom  Swigen  abführt. 
3$  table  gewiß  nidjt  berartige  3>ntereffeu  an  ben  ©rfd&emungen 
ber  ©egenwatt,  namentlid)  ber  politifdfjen,  aber  ma$  id&  table,  ift, 
wenn  biefe  $olitif  jum  geiftigen  ScbcnSelement  wirb,  unb,  über 
itjre  Ufer  tretenb,  jebeä  anbre  Seben  überfd&memmt  unb  erfiidt 
9latürlid&  mar  i$  au<f)  in  glottbed,  wo  ba$  Seben  mefjr  ben 
ßljarafter  cincö  ruhigen,  ftillen  3ufammenfein£  trug,  an  bem  bie 
frcunbltdjen  Silber  ber  Äinb^eit,  Reiter  grüßenb,  oorüberjogen- 
3Jlit  welcher  SBärme  mid)  alle  aufnahmen,  braud&e  id)  iti$t  ju 
fagen.  sJWeinc  äetjuUdtfeit  mit  S)ir,  liebe  Butter,  fanben  fie  immer 
me^r  juneljmenb.  2W>!  manche,  bie  baö  alte  Scfyilb  feljen,  glauben, 
ber  alte  liebe  2Birtl)  wo&ne  audj  nod&  in  bem  £aufe;  ba  finben  fie 
fidE)  benn  oft  gar  arg  getäufät,  unb  ber  neue  Söirtt)  empfinbet  eS 
Denn  audt)  feljr  fcbmerjlid),  baß  er  nidf)t  für  Siele  gemalt  ifi,  unb 
muß  fid^  bann  bamit  tröften,  baß  e£  feiiger  ift,  SBenigeu  Diel  ober 
etwas,  ate  Sielen  wenig  ober  md&t$  ju  fein/' 


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59 


IV.  gecxetait  Beim  §texawettation*-§exi$t  von  1820-1843. 

©o  waren  bic  ctftcn  4  ^afyre  beS  Sübedfer  Aufenthaltes  in 
reidjer  görberung  feinet  ^nucru  Hergängen,  unb  nun  joDte  bie 
3Jtöglidt)feit,  an  bie  er  fdfjou  frül)e  gebadjt,  fid)  uernrirflidficn,  inbem  er 
am  13.  ^ooember  1820  jum  ©ecretair  beS  neuen  DberappeHattonS* 
©erid)teS  ernannt  rourbe,  unb  bamit  ein  neuer  2U>fd&nitt  beS 
SebenS  feinen  Slnfang  nafym.*) 

@S  fönnte  auffaDenb  erfdfjetncn,  bag  ein  Wann  non  ^auli'S 
Sebeutung  überhaupt  auf  ben  ©ebanfen  famf  um  baS  Amt  eines 
©ecretaitS  fid>  ju  bewerben,  unb  uod)  mef)r,  baß  er  in  bemfclbeu 
So  lange  ausgemalten.  2IUein  abgefeljen  von  feiner  fcfyou  ermähn- 
ten  Abneigung  gegen  ben  äbüofatenberuf,  fiel  in'S  ©enridfjt,  bafj 
fein  2tmt  iljm  bie  itrillfommcne  Wufee  für  feine  nriffenfd&aftlidfjen 
23efd)äftigungen  gemährte,  jugleid)  aber  in  ben  ©efdjäfteu,  bie  eS 
mit  fid>  brachte,  fid)  weit  über  fonftige  Remter  biefer  3lrt  erfyob. 
§atte  er  bod)  allen  33eratl)ungen  beS  ©eridf)t3  beijuwof)nen  unb 
bie  SJoten  ber  etnjclnen  3Witgliebcr  unb  beren  ©rgebniffe  ju  rebi^ 
giren.  3n  einem  ©erid)te  uon  ber  öebeutung  beS  Sübedfer  Ob .* 
2Ipp-@eridjteS,  bei  ber  ©rünblid>fcit  ber  ®iSfuifionen,  bei  ben  fyer* 
üorragenben  ja  tfyeilweife  glänjenben  Gräften,  bie  in  iljm  oertreten 
waren,  —  man  benfe  an  3Hänner  wie  §eife,  ßropp,  Pfeiffer,  2Jlul)me 
u.  f.  n).  —  fonnte  eine  SJjeilnaljme  an  ben  Verätzungen  nid&t  anbcrS 
als  in  fyoljcm  9Kafee  anregenb  unb  förbemb  mirfen,  förbernb  unb 
frudjtbringenb  namentlich  aufy  für  bie  wiffcnfdfjaftüd&en  gorfdjungen, 
mit  benen  unfer  greunb  balb  faft  feine  gefammte  freie  $eit  aus* 
füllte.  Scjeidfinenb  für  bie  Stellung,  weldje  er  in  feinem  9Imte  fidf) 
errang,  ift  es,  ba&  .$eife,  melier  grofee  ©tüdte  auf  Um  l)ielt,  ifym 
uidjt  feiten  2Iften  jur  Delation,  natürlich  oljne  SJotum,  überwies, 


*)  3BaS  bie  nädtfte  Veranlagung  feinet  Sßafyl  betrifft,  fo  fyat  er  gelcgent* 
lidj  einmal  barüber  bemerft:  „3113  ^rotofotlfüfyrer  bei  ber  GKfetlfdjaft  $ur  93c- 
förberung  gemeinuüfciger  Xtyätigfeit  »erfuhr  idj  fefyr  genau  tyinfidjtliä)  ber  3Iufs 
$eid)nung  be£  Vorgetragenen,  ©o  aud)  namentlich  in  betreff  eines  Vortrages 
über  ben  ©teefnifc;  (Sanal.  3)er  ©tynbicuS  (Mtjdjoro  bat  mid)  in  irgenb  einer 
Veranlagung  um  biefeS  ^rotofoH,  unb  in  golge  befjen  bin  idj  ©ceretair  beim 
Ob.=2tyfc;*öerid?t  geworben.  3US  ßonjulent  einer  VerftdjerungSgefeUfdjaft  unb 
Slbüofat  üerbiente  id)  jroar  metyr,  als  mir  bie  neue  ©teile  einbrachte,  allein 
ber  ®ebanfe,  immer  5lbfcofat  ju  bleiben,  mar  mir  bo$  &u  fdjrecflid),  als  bafc 
idj  nidjt  mit  greuben  biefe  Veränberung  fjtxttt  begrüben  foUen." 


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60 

nrie  Jpeife  benn  aud&  fd&on  ja^tetattg  üor  feinet  fdfjtie&Udfjen  @r* 
nennung  kitte  33eförberung  jum  Stotty  ju  beroirfen  fidf)  beftrebte. 

Uebrigen«  ernrieberte  $ault  bie  $od&fd()ä6ung  §eife'«  femerfcU« 
burdfc  eine  tyofje  SJereljrung  biefe«  au«gejeidf)neten  3Jlanne«.  3n 
berebter  2Beife  gab  er  bei  beffen  Heimgänge,  nadfjbem  e«  if)tn  oet* 
gönnt  geroefen,  nodfj  eine  Steige  oon  ^a&ren  a^  9tot]&  nc&en  $m 
ju  arbeiten,  jener  SSere^rung  am  ©rabe  be«  Heimgegangenen  8u$* 
brud;  bie  SRebe  finbet  ftd)  in  &eife'«  Seben  oon  Dr.  uon  Sippen 
mitgeteilt.  ®ine  ©teile  berfelben  möge  ijier  angeführt  werben, 
weil  fie  dfjaraftertfHfdf)  ift  für  fault'S  3luffaffung  uon  ben  @r* 
forberniffen  eines  tüdfjtigen  Stifter«.  SRadjbem  er  oon  ber  ©rünb* 
Udtfeit  unb  Umoerfalität  ber  juriftifd&en  Silbung  be«  $etmge* 
gangenen,  von  ber  ©d&ärfe  unb  gein^eit  feine«  SBerftanbe«  ge* 
f proben,  fetyrt  er  fort: 

,,3)a«  roiU  idfj  t)or  2Wem  preifen,  ba&  er  ben  überreichen 
©dfjafc  feine«  SBiffen«  nie  ju  eitlem  $runf  oermenbete,  fonbern  nur 
bie  glänjenben  äBaffen  barau«  entnahm,  um  bie  uorliegenben 
fragen  grünblidf)  ju  entfdfjeiben:  biefe  fortroetyrenbe  Unterorbnung 
be«  ©elefjrten  unter  ben  Stifter,  biefe«  befd&eibene  9Raa(#atten. 
5)a«  will  td)  oor  allem  preifen,  bafe  er  bie  ungemeine  ©d&ärfe 
feine«  SBerftonbe«  nie  ju  unnüfcem  tyeoretifd&em  &aarfpalten  unb 
jum  ©rgeljen  in  teere  ©pifcfinbtgfeUen  mi&braud&te,  ja,  bafe  er,  ein* 
geben!  ber  ©efafjr,  bie  bem  auf  bie  ©pifce  getriebenen  Siebte  brol)t, 
in  UnredEjt  umjufdfjlagen,  immer  geneigt  mar,  in  ferngefunbem 
praftifd^en  Jafte  bie  äufeerfte'  ©pifte  ber  juriftifd&en  ßonfequenj  ab* 
3ubredfjen  unb  bem  magren  3iedf)te  ju  opfern.  S)a«  will  id)  preifen, 
ba&  er  trofe  ber  f)ödjflen  äd&tung  oor  ben  gormen  ber  3tedj>t«oer* 
folgung,  ja  eitte«  9tigon«mu«  in  Slufred^t^attung  berfelben,  bod& 
immer  baljm  ftrebte,  bem  materiellen  SRedfjte  §um  ©iege  über  ba« 
formelle  ju  oerljelfen."  Sin  einer  anbem  ©teile  Reifet  e«:  „$atte 
er  nidjjt  irren  fönnen,  er  märe  ntdf)t  9Renfd&  gewefen.  SDein  immer 
mar  er,  unb  ba«  finb  nidjt  alle  ÜUtenfdfjen,  fowte  er  erfannte,  geirrt 
3u  fyaben,  fofort  geneigt,  c«  frei  unb  offen  einjuräumen.  W\t 
biefer  ©eftnnung  l)ittg  jufammen  feine  Soleranj  gegen  frembe 
Srrtljümer.  intolerant  mar  er  nur  gegen  Ungrünblid&feit  unb 
ßonfufton." 

Gl;e  er  aber  fein  neue«  Samt  antrat,  füllte  er  ba«  SBebürfmfe, 
fiä)  barauf  burdj  eine  größere  Seife  unb  iljre  ftärfenben  ©inbrüde 
oorjubereiten,  bereu  (Snbjiel  bie  ©dfjweij  war,  unb  wotyin  er  über 


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Gl 

Gaffel,  burdfj  Balingen ,  bann  über  Nürnberg  unb  bur<$  baS  ge* 
liebte  Sßürtemberg  feinen  SBeg  nafjm.  „3n  Caffcl/'  treibt  et 
feiner  ©dfjroefter,  „würbe  \6)  von  meinem  alten  greunbe  unb 
©tubenburfd&en  Jpaffenpflug  mit  unbefd&reiblid&er  Siebe  unb  greube 
aufgenommen,  fanb  ifjn  trefflicher  entroidtelt,  als  id&  eS  irgenb  ju 
hoffen  geroagt,  fprad)  auc§  bie  Srüber  ©rimm,  unb  fat)  midfj  fold&er* 
geftalt  für  meinen  @ntfdf)luft,  über  ßaffel  ju  gefjen,  xiiäjliä)  bc* 
loljnt."  Stuf  feiner  SQSeiterreifc  £atte  er  ftd&  ben  §u&  Beriefet,  unb 
feltfam  Ringt  eS  für  uns,  mnn  er  im  ferneren  Serlauf  feiner 
Sfteifebefd&reibung  erjetylt:  „3$  verliefe  ©otya  mit  no<§  offenem 
gufee  unb  fuljr  bis  ©tabt  Qlm.  Äurj  t>or  biefer  ©tabt  märe  eS 
uns  beinahe  fd&limm  ergangen.  S)enn,  wie  mir  grabe  langfam 
einen  föügel  l)inanfuf)ren,  in  einem  £of)lwege,  mürben  mir  von 
Stäubern  angehalten,  bie  uns  nötigen  wollten,  fülle  ju  galten. 
2)a  mir  aber  in  eben  bem  2lugenbtidte,  als  einer  berfelben  unfern 
gerben  in  bie  3ü9*l  föBen  wollte,  bie  £öl>e  beS  2lbljangeS  er- 
reidfjt  fjatten,  fo  fonnte  im  §erunterfa^ren  bie  grofce  ©d&neHigfeit 
unfrer  $ferbe  uns  retten,  unb  mir  erreichten  wohlbehalten  baS 
Stabilen ,  mo  mir  benn  erfuhren,  ba&  man  bereits  uor  einigen 
Sagen  einer  Sanbe  auf  bie  ©pur  gefommen  fei,  aber  bis  bal)in 
vergebens  nad&  yfyc  geftreift  tjabe."  S)ann  Reifet  eS  im  fpätern 
Serlauf  beS  SriefeS:  „Qn  Nürnberg  mufete  id&  bei  ©Hubert  ab* 
fteigen,  unb  ijabe  in  feiner  unb  ber  lieben  9Wänner  Äraft,  Äanne 
u.  f.  m.  ©efellfd&aft  redjt  glüdtlid&e  unb  leljrreid&e  Sage  Deriebt; 
unb  barauf  ging'S  nad&  Stuttgart.  SBetd^'  ein  @efüf)l  midf)  ergriff, 
roie  baS  t^eure  SBfirtemberg  mit  feinen  blü^enben  SBeinbergen  unb 
bie  ferne  ^errUd&e  Sllb  fid^  oor  mir  ausbreitete,  baS  wirft  S)u  be* 
greifen,  bie  S)u  bie  greuben  unb  and)  bie  ©dfjmerjen  fennfi,  bie 
für  mxö)  in  biefem  lieben  Sanbe,  baS  idfj  nur  wie  mein  jmeiteS 
Saterlanb  anfeilen  fann,  eingefd&loffen  finb.  ©ottlob!  bie  ©d^merjen 
finb  pon  mir  genommen  unb  bie  greuben  Ijaben  fidjj  ncrflärt,  unb 
bodjj !  roie  ging  mir  baS  iperj  auf  in  greub'  unb  Seib,  wie  i<$  baS 
Sanb  erblidfte.  3$  rootjne  bei  meinem  treuem  greunbe  ©djwab, 
ber  nebft  feinem  lieben  SBeibe  alle  grcunblid^feit  ftfd&öpft;  aud& 
anbre  alte  ©efellen  felje  i$  l)ier,  unb  erquidfe  midfj  mit  iljnen  an 
ber  alten  3^it.  3efct  fd&lägt  mein  $erj  in  aller  ©eljnfucijt  bem 
SBieberfe^en  meines  ttyeuerften  geliebten  Dfianber  entgegen  unb 
bem  3wfammenleben  unb  Qneinanberleben  mit  iljm,  meinem  in* 
nigflen  Sruber,  ben  id&  auä)  roof)l  meinen  geifitid&en  Sater  nennen 


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62 

fann;  fjabe  idfj  i$n  gefeljen  unb  genoffen,  bann  mag  au«  meiner 
übrigen  Steife  werben,  wa«  ba  wolle,  ba«  Sd&önfte  ift  bann  mein." 
Unb  auc§  biete«  ©enuffe«  foütc  er  t^eil^aftig  werben,  wie  er  im 
golgenben  berietet:  „93on  Stuttgart  ging'«  über  Tübingen  nad) 
SÖtefoingen  ju  meinem  geliebten  Ofianber,  nad)  bem  mein  £erj  ft<$ 
t)or  allen  anbern  fefwte,  weil  e«  if)m  meljr  Derbanft,  al«  mir 
9Renfdfjeu  pergelten  fönnen.  Stcft!  weld&e  Sage  fjabe  iä)  ba  erlebt! 
in  bem  lieben  SRefcingen,  an  ber  ©emeinbe,  an  bem  &er$en  biefe^ 
unau«fpre<$ltd()  geliebten  greunbe«!  ftdj  glaube,  bie  ©ngel  im 
Jjjimmel  Ijaben  fidf)  über  un«  freuen  muffen,  wie  mir,  ©in  §erj 
unb  ©ine  Seele,  idt)  mit  if)m  unb  feiner  lieben  grau,  fo  traultd& 
bei  ciuanber  fafcen,  ©lief  unb  §erj  auf  ben  gerietet,  ber  alle« 
fättiget  mit  2Bof)lgefallen.  2Ba«  gef)t  über  ben  ©enufe,  fo  in  Siebe 
ju  fd&mcdten,  wie  freunblic^  ber  §err  unfer  ©Ott  tfi!" 

9Jttt  ben  fd&önften  ©rinnerungen  bereid&ert,  fetyrte  er  fold&er^ 
geftalt  jurücf  na<$  ber  SSaterftabt,  um  in  feinen  neuen  SBtrfung«* 
frei«  etnjutreten. 

©er  5Dlutter  fd&rieb  er  balb  nad&  antritt  feinet  2lmte«,  am 
Sd&luffc  be«  ^aljre«:  „grägft  2)u,  wie  gefällt  S)ir  ba«  neue  Slmt? 
fo  mu&  id)  Sir  gefteljen,  iä)  fanu  nid&tS  weiter  antworten,  al«: 
e«  ift  ein  2lmt,  ba«  mir,  fo  lange  iä)  allein  fie^e,  meljr  einträgt, 
als  id)  oerjeljren  fann,  unb,  wenn  td)  einmal  nid&t  mel)r  allein 
flehen  foUte,  ein,  wenn  anä)  nid&t  reid&lid&e«,  bod&  audj  ntd)t  grabe 
fnappc«  2lu«fommen  geben  wirb,  ein  Slmt,  ba«  aufcerbem  wenige, 
wenn  aud&  nidjt  grabe  feljr  angenehme,  bodf)  audjj  nid^t  unange* 
nefyne  ©efdf)äfte  giebt;  ba«:  nid&t  unangenehm,  liegt  barin,  bafe 
fie,  wenn  aud&  nid&t  feljr  oicl  geiftige  2^ätigfeit  er&eifd&en, 
bod&  Stoff  baju  geben;  benn,  l)abe  i<$  glekfc  felbft  nid)t  oiel  ju 
probuetren  unb  ju  erforföen,  fo  tyabe  idj  um  fo  triel  me&r  3Jeran* 
laffung,  man<$em  jurifttfd)  intereffanten,  oon  ätabern  ©rforfd&ten 
nad&jubenfen,  —  wie  oiele  meiner  SBefannten  beneiben  mir  nid&t 
ba«  ©lüdf,  an  allen  S)i$cuf fronen  ber  ©erid&t«mttgüeber  2$eU 
nehmen  ju  fönnen  —  ba«:  nic^t  unangenehm  liegt  ferner  audj 
barin,  bafe  meine  ©efd&äfte  weber  ju  ben  medfjanifd&en,  nod&  ju  ben 
innerlich  jerreijjenben  gehören,  beren  i6)  al«  Slbüofat  bi«  jum  ©fei 
£atte.  3)a«  nid^t  feljr  angenehme  berfelben  ift  nun  aber,  bafe  fie 
meinen  ©eift  nidtf  feljr  befd&äftigcn." 

„3)od&  wir  ajlenfd&en  wiffen  nic^t,  wa«  wir  wollen,  unb  wenn 
Uy«  genau  bebenfe,  fo  ift,  wie  bie  3eit  nodf)  me^r  lehren  wirb, 


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biefe  8lrt  ber  SBefc^äftigung  grabe  eine  foldfje,  wie  idf)  fte  fjaben  foH. 
3$  weife  wotyl,  bafc,  of)ne  SRufjm  ju  melben,  mand&e  erworbene 
Äenntnife  unb  gäjjigfcit,  mand&e  Qciftige  Äraft  jefct  unbenufet  in 
mir  liegen  bleibt,  wa«  benn  natürlid^  über  furj  ober  lang  nid&t 
Ijeilfam  auf  fte  nrirfen  wirb;  iä)  flirte  aud^  wol)l  bie  @efal)r,  bafc 
meiner  natürlichen  SErägfjeit  in  ben  fingen  biefer  SHSclt  babur<$ 
leidet  ein  ^olfter  untergelegt  werben  fönnte.  aber  am  @nbe,  wenn 
mir  nur  bie  ©teile,  bie  un«  auf  @rben  angewiefen  tft,  gang  au«* 
füllen  unb  treu  oerwalten,  fo  liegt  nid^t  gar  triel  baran,  ob  Kräfte 
unb  9Wittel,  bie  un«  in  einer  anbern  Stellung  nüfeltcl)  unb  nöttyig 
mären,  ju«  ober  abnehmen;  benn  biefe  9Wittet  unb  Äräfte  fjaben 
bod&  an  fid&,  o^ne  bie  9Köglid)feit  ber  2lnwenbung,  feinen  SßertI) 
unb  feine  SSebeutung.  £at  Qemanb  fid^  für  bie  falte  3<>ne  Sßetje 
angefefjafft,  fo  ftnb  fie  tym  freiließ,  menn  iljm  eine  SBefiimmung  in 
ben  Tropen  wirb,  fo  jiemlid^  entbehrlich;  aber  fann  f old^ed ,  wenn 
e«  tym  übrigen«  woljl  geljt,  ©runb  fein,  mit  feinem  Slufenttjalt  in 
ben  Tropen  unjuf rieben  ju  fein?  Sei  aUebem  fann  id&  nid&t 
läugnen,  bag  e«  mir  erwfinfd&t  märe,  menn  ber  SSorfd^lag  be«  ©e* 
ricfjtö,  bafe  bie  ©täbte  mid^  jum  ftänbigen  ©uppleanten  bei  bem« 
felben  ernennen  möchten,  fo  ba&  id&  in  33erl)inberung«fällen  bie 
Süden  ausfüllte,  angenommen  würbe;  iä)  befäme  baburdE)  einen 
©porn,  mid&  in  berjenigen  äBiffenfdfjaft,  bie  oljne  2Iu«fid()t  auf  äfo* 
wenbung,  wenigsten«  wa«  i^ren  bogmatifd&en  $ljeil  betrifft,  feine 
gro&e  2lnjiet)ung«fraft  auf  mi<$  ausübt,  weiter  ju  bringen,  wa« 
bod&  nöt^ig  ift,  wenn  iä)  mic^  ber  $offnun<),  trielleidEjt  bereinfl  }um 
9lat$  gewählt  ju  werben,  gan§  mit  greube  unb  Siulje  über* 
taffen  will." 

§atte  er  aber  bur<$  fein  SKmt  feften  gufj  gefaxt  in  ber  bürgen 
Ud^en  ©efeUfd&aft,  fo  burfte  nun  auö)  eine  £au«frau  nidfjt  fehlen, 
unb  eine  foldje  würbe  itjm  ju  Sljeil  in  ber  $erfon  eine«  jungen 
3JtäbdE>en«,  9tamen«  (Smmp  SJleper,  SEodfjter  eine«  ßonboner  Äauf* 
manne«,  weld&e,  jum  SBefud^  eine  Seitlang  anwefenb  bei  feiner 
greunbin  SWarianne  Sßtafcmann,  il)u  burdE)  tyre  lieben«würbige 
Sitbung  unb  anmutige  (Srfd&einung  gefeffelt  f>atte,-  unb  mit  ber 
am  20.  Januar  gefdfjloffenen  SJerbinbung  würbe  ein  SBefen  fein 
eigen,  weldfje«  ifjm  wäfjrenb  ityrer  3  5 jährigen  @f)e  eine  treue  Seben«* 
gefä^rtin,  in  ber  ernften  ©rfaffung  ber  fjöd&ften  S)inge  eine  @e* 
fmnung«genofftn,  eine  fo  forgfam,  wie  freunblid&  fdfjaltenbe  §au«* 
frau,  unb  ben  Äinbetn  bie  liebewDfte  3Jtutter  gewefen  ift.  3n  ben 


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64 

Briefen  aus  bamaltger  $t\t  fprtdjt  ftd&  tief  empfunbener  $ant  auS 
fttr  bicfeS  fcfyöne  ©lüdf,  baS  einen  üerflärenben  Schein  warf  über 
fein  2lmtr  über  fein  ganjeS  Scben,  unb  fo  Reifet  eS  in  einem,  gegen 
SaljrcSfd&lufe  an  feine  ©d&mcfter  gerateten  ©d&retben:  „Äönntc  id> 
überhaupt  burd)  trbifdfjeS  ©lud  allein  bef riebigt  werben,  fo  müfete 
eS  jeftt  fein,  in  einem  2lmt,  baS  mxä)  nid&t  übermäßig  befd&aftigt, 
mir  bannt  SDtufcc  unb  ©elegenljett  ju  weiterer  SluSbtlbung  gewahrt, 
unb  ein,  wenn  nid;t  reid&lid&eS,  bod&  für  jefct  l)tnreid(jenbeS  2luS* 
fommen  giebt,  fo  bafe  auSfd&weifenbe  $läne  unb  ©ebanfen  meber* 
gehalten,  unb  jugletdj)  burdfj  ben  SBtidf  in  bie  3ufunft  baS  ©treten, 
midf)  weiter  ju  arbeiten,  angefaßt  wirb,  unb  bei  allem  bem  unb 
über  allem  bem  jur  ©efäfyrtin  ein  3öefen,  ju  bem  mtd(j  md&t  eine 
jugenblid&e  Seibenfd&aft,  bie  bereite  tyren  ©tadlet  oerloren,  tynge* 
füljrt  l)at,  fonbem  mit  ber  id)  mid;  jeben  Sag  inniger  uerbunben 
füj)le  burety  btejentge  Siebe,  bie  baS  Sefte  ift,  was  wir  l)ter  unten 
fyaben,  unb  in  beren  £reue  wir  uns  bilben  unb  bereiten  taffen  jur 
©ewifeljcit  berjenigen  ®abtn,  oon  benen  fie  uns  Unterpfanb  unb 
SBorfdjmadf  ift." 

2)aS  $ai)i  feiner  e^elid^en  Serbinbung  follte  aber  au<$  nodfc 
in  anbver  SGBeife  für  tbn  bebeutfam  werben,  inbem  ber  ÄreiS  feiner 
SerufSgefd&äfte  burd^  ©rnennung  jum  5Sorfte^er  ber  reformirten 
Ätrd&e  erweitert  würbe,  inbem  er  femer  ein  §auS  etgentl>ümlid& 
erftanb,  weld^eö  bie  Familie  bis  jum  Qa^r  1827,  wo  ein  »or  bem 
9Rfi$lent$or  belegenes  an  bie  ©teile  trat,  bewohnt  tyat,  unb  enbltd> 
inbem  fein  ©lüdf  gegen  «^atjreSfdfjlufc  burdjj  bie  ©eburt  eines  Äinb* 
letnS  gefrönt  würbe,  unb  im  ®ollgefüf)l  beS  reid&en  über  Ujn  au$* 
gefdmttcten .  ©egenS  fdfjreibt  er  an  bie  SWutter:  „9JUr  tyat  ber 
§immel  im  Dorigen  Qaljre  2öcib  unb  Äinb  befd&eert,  unb  midf)  am 
eigenen  beerbe  baS  ©tüdf  pnben  unb  geniefeen  taffen,  was  einem 
fonft  nur  am  elterlichen  ju  £f}eil  werben  fann.  Slber  je  inniger 
idf)  burdlj  biefe  ^eiligen  SBanbe  befeeligt  werbe,  beflo  mel)r  ern>eitctt 
ftd)  baS  $erj  für  bie  Siebe  ju  allen,  an  bie  midf)  bie  -Katar  fle» 
wiefen  Ijat,  unb  fd&liefjt  fi$  bleute,  liebe  SWutter,  als  an  Steinern 
©eburtstage,  mit  boppelter  Siebe  an  bie  ©einige." 

SIS  er  biefe  3*Uen  fdjrteb,  fonnte  er  freiließ  nid&t  aljnen,  bafe 
baS  Sanb  biefer  Siebe,  wcld^e  feine  Äinbfjeit  bewad&t  unb  behütet, 
unb  auf  bem  ferneren  SebenSwege  ifym  baS  ©elcite  gegeben,  fo 
balb  gelöft  werben  follte.  $n  ben  erfien  Sagen  beS  3a§reS  1825 
würbe  ifjm  feine  über  2llIcS  geliebte  SHuttcr  entriffen,  ein  SobeSfoD, 


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BS 

bct  um  fo  crfd^ütternbcr  auf  ifjn  roirfen  mufete,  weil  -Kadfjrid&ten 
über  tyr  Stefferroerben  ifcn  abgehalten  Ratten,  fte  nodfj  einmal  nor 
t(jrein  ©nbe  mieberjufe^en.  „3)anf,"  treibt  er  feiner  ©d&roeftcr, 
„fyetfeen  3)anf,  bafc  S)u  c£  über  $)id>  gewonnen,  mir  ju  fdjjreiben, 
rote  bie  eroig  ©etiebtc  gerieben.  SHty!  roie  fie  gelebt,  roie  fie  für 
mid&  gelebt,  ba£  weife  iä)  nur  ju  gut,  ba8  ift  mit  unau$löfdf>Udf>en 
3»geu  mir  tief  in'S  £erj  gefeuft;  nun  rocife  id&  aud&,  roie  fte  ge* 
ftorben,  unb  banfe  ©Ott,  baf$  td)  auf  iljren  £ob  ^inblidfen  fann, 
roie  auf  i^r  Seben.  3$  K^e  fie  rufjig  in  heitrer  (Srgebung;  aud& 
mid)  roill  fie  anlad&eln,  audtj  mir  reicht  fte  bie  treue  #anb;  id&  fe^e 
ben  ipimmel  in  ifyren  2lugen,  ben  Fimmel  unb  feinen  ^rieben,  in 
ben  fie  jefct  eingegangen  ifi;  i<§  fefye  feine  Spuren  auf  tyrem 
bleiben  2lngeftcf)te,  unb  banfe  S)em,  bcr  ifjn  ifyr  gab!  —  unb  bod) 
fann  iä)  ber  unfägtid&en  SBetymutl),  fie  für  biefe  @rbe  nid^t  me^r 
ju  tyaben,  nid&t  £err  werben,  fann  bie  £(>ränen  nid&t  fiiUen,  bie, 
foroie  id&  au§  ber  ^Bewegung  unb  bem  @erSufd&  be$  täglichen 
SebenS  meiner  lieben  ©infamfeit  roiebergegeben  bin,  iljrem  treuem 
Slnbenfen  fliegen.  S)ann  ftredfe  id&  bie  SKrme  gen  Fimmel,  unb 
rufe  fte  bei  bem  teuren  2Kutternamen,  unb  bann  ifi  mufö,  als 
füljle  xä)  ifjre  feiige  SRä^e,  al$  fage  fte  mir,  roie  rooljl  tfjr  fei,  unb 
bafe  fie  audf)  bort  uns  bie  liebe  SWutter,  bie  bcfie,  treufte  greunbin 
fei,  unb  mefyr  für  uns  tfyun  fönne,  als  tyiemeben,  unb  beffer  fä^e, 
roie  audfj  roir  fie  lieb  gehabt  fjaben." 

Unb  als  nun  bie  grüfjlmgSjeit  fam,  roooon  er  ftdf)  immer  fo 
eigentfjümlidf)  beroegt  füllte,  ba  Reifet  e$  in  einem  folgenben  ©riefe: 
„3$  l)abe  2)idf)  in  biefen  frönen  grüljlingStagen  im  ©eift  an 
unfrer  SKutter  ©rab  begleitet,  unb  mid&  gemetnfcijaftlidf)  mit  S)ir 
burdf)  ben  ©lauben  geftärft  unb  erquidft  gefüllt,  bafj,  roie  biefe 
gritylingSfonne  bie  fätummernben  Äeime  ber  9latur  ju  ntutm 
Seben  roedft,  fo  audf)  ber  föfttid&ere  ©ante,  ben  roir  in  bie  @rbe 
gelegt  Ijaben,  oon  ber  eroigen  ©onne  ber  ©elfter  beim  Slnbrud) 
beS  großen  grül)Ung$  berührt,  ju  einem  f)errlidfjeren  Stafetn  ft<£ 
entfalten  roirb." 

3lber  boppelt  roar  roo^l  ba$  ©efd&tdf  ju  preifen,  bafc,  roctyrenb 
ber  falte  £aud)  be$  £obe3  ^ier  bie  flamme  ber  früfjeflen  Siebe 
auSgelöfd&t,  nun  in  ber  neu  begrünbeten  §au«lid^feit  ftd)  ein  D-uett 
ftifd&er  Siebe  aufgetfjan  I>atte.  ©in  l)albe$  Qaljr  nor  biefem  fd&mers* 
lidjem  fcobeSfatt  roar  $m  ein  jroeiter  ©of)n  geboren  roo'rben.  lieber 
betbeS  läßt  er  ftd)  gegen  feinen  ftreunb  ©d&roab  mit  ben  ©orten 


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au&:  „60  §at  ber  gütige  ©Ott  mir  nun  jroei  ©ötyne  gegeben,  unb 
id&  bin  überfetig  in  ifyrem  Seftfce.  S)a  aber  ba$  ©d^önfte  unb  Sefte, 
ma8  wir  ^ienieben  befifcen,  unfer  £erj  nid&t  füllen,  fonbern  er* 
weitem  joU  jur  aufnähme  beseitigen  ©üter,  $u  beren  ©ebroud^ 
unb  ®tnub  es  berufen  ift,  fo  l;at  ©Ott  e£  für  nötbig  gefunben, 
mir  ba£  Sljeuerfte,  was  id)  jonft  auf  Srben  tyatte,  ju  nehmen,  in* 
bem  er  in  ben  erften  Sagen  biefeö  $af)xt&  meine  geliebte  sJWuüer 
t)on  l)ter  abgerufen.  —  —  —  34  t)erbanfe  iljr  mefjr,  als  mir 
SWenfdjen  belohnen  fönnen,  unb  ^offe  mit  3ut>erft$tr  c$  werbe 
mir,  roa$  mein  $erj  tjier  entbehren  mußte,  bort  ju  Stjeil  werben, 
mtd)  nämttd)  gememfd&aftticf)  mit  ifjr  Steffen  ju  freuen,  ber  in  über* 
fdjroängUdjer  ©nabe  unfer  fel)r  großer  Sofjn  fein  will."  Sroflreicty 
burd)  ba£  3uf°mmenlk&cn  mit  kintn  treuen  ©dfjweftern  mar  ferner 
ein  SBefud),  ben  er  ifjnen  in  ©üefeburg  abftattete,  unb  wie  feine 
©tubten  —  mit  StaubiuS  trieb  er  fiubecenfien,  mit  fiinbenberg  la£ 
er  ba8  neue  Seftament  in  ber  Urfprad&e  —  einen  geifttg  an* 
regenben  unb  förbernben  ßinfluß  übten,  fo  ging  ü)tn  immer  ba3 
$erj  auf  im  SBerfcfjr  mit  d&riftlidfjen  3Jtännern,  einzelnen,  ober  ju 
2Jtef)reren  oereint,  wie  beren  fid^  j.  SB.  bamatS  auS  allen  ©tänben 
unb  einerlei,  welcher  Sonfeffion  ange^örig,  an  jebem  ©onnerftag 
Slbenb  unter  einer  alten  Sinbe  auf  bem  ©eljöfte  SKarlp  ju  wr> 
fammeln,  unb  in  wol)ltl)uenbem  brüberlid&em  2lu3taufd[)  iljrer  ©e> 
banfen  einige  ©tunben  jujubringen  pflegten.  2Segen  $ault'3  be* 
fonberer  Beteiligung  möge  e£  aber  in  biefem  3ufammenl)ange 
auä)  nod)  gemattet  fein,  eines  gefieS  ju  gebenfen,  baS  ju  @I)ren 
be$  SßaftorS,  fpäteren  ÄirdjjenratfyS  SHufemurm  in  £errenburg  bc* 
gangen  würbe.  @S  galt  ben  30.  9iooember  1825,  als  ben  Sag 
feiner  fitbernen  &odf)jeü  ju  feiern,  unb:  „bem  treuen  §irten  ju 
§errenburg  am  30.  9looember  1825/'  fo  lautete  ein  ©ebid&t,  baS 
von  $ault  (abjufingcn  nad)  ber  9Mot>ic:  SSJie  fdjön  leudjt't  un$ 
ber  aWorgenftern)  ju  biejem  Sage  gebietet  morben  mar.  „@£  jog," 
fo  lautet  e$  in  einer  uns  burdf)  bie  ©üte  be£  &errn  ©enior 
ßinbenberg  geworbenen  -Dtittljeilung,  ,,ju  ber  geier  eine  ganje 
(Saoalfabc  ^inau«,  ©eibel  mit  mehreren  grauen  ju  Söagen,  Sßauli, 
greller  unb  idf)  ju  9lof$.  SBei  Stifte  intonirte  ein  alter  el)ren* 
werter  Äüfter  baS  $auU'fd)e  Sieb.  3113  aber  fpäter  bie  roarm  %t- 
worbenen  ©äfte  bei  Umreidjung  eine«  oon  ßübedt  geteuften 
SßofaleS  ba«  Styemweinlieb  t>on  (StoubuiS  fangen,  fonnte  ber  alte 
fiüfter  jwar  ni<$t  intoniren,  aber  bei  bem  SJlocföbergSoerfe  er^ob 


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e/ 


67 

er  ftd)  graüitätifd^,  unb  oerneigte  fidf)  nadf)  allen  Seiten  mit  ben 
SBortcn:  „$)anfe,  meine  ,§crrn!"  ju  größter  £eiterfeit  aßet  2ln* 
wefenben.  Sei  ber  näd&tlid&en  §eimfel)r  würben  bie  brei  Steuer, 
bie  einen  9tid)tweg  eingefd)tagcn  unb  von  einem  heftigen  ©d&nee* 
fturm  überfallen  mürben,  leidjt  Schaben  tyaben  nehmen  fönnen, 
wenn  ntdjt  bie  ^Jferbe  beffer  als  bie  9)tenfdjen  ben  2öeg  gefunben 
pten." 

©o  fehlte  eS  in  jenen  Qaljrcn  neben  bem  ©rnft  audfj  md)t  an 
frofjen  ©reigniffen  oerfctjiebenfter  2lrt,  unb  roie  feljr  burfte  er  ju 
biefen  (enteren  einen  Scfucb  feines  treuen  greunbcS  £olweg  redfc 
nen,  ber  auf  einer,  im  grüljling  beS  SafjreS  1826  burdf)  SRorb* 
beutfdjlanb  mit  feiner  grau  unternommenen,  Steife  aud)  üübtd  be* 
rührte  unb  bei  i^m  einfette.  „9ttdjtS  ift  uns  über  Sübedt  ge- 
gangen," fdjrieb  £olweg  nadfjljer,  „mir  Ratten  baS  Sefte  bamit 
gletd)  norweg  genommen;"  unb  $auli  unterrichtet  feine  ©d&wefier 
Don  biefer  frofjen  Begegnung  mit  ben  SBorten:  „Söic  angenehm 
\)at  biefer  ©efuef)  midj  überrafcfjt,  S)u  weifet,  na$  bem  unfrucfyt* 
baren  Solbatenleben  mürbe  td)  bur<$  feine  Stefanntfdjaft  erft  mieber 
eincö  geiftigen  lebenbigen  SBerfefjreS  frol).  ©eitbem  Ijat  er  ftd)  in 
ber  gelehrten  2Belt  einen  grojgen  9Jamen  ermorben,  unb  babei  bodt) 
jene  UebenSmürbige  ©tnfalt  unb  &inblidf)fett  beS  SBcfenS  fo  ganj 
unueränbert  bewahrt,  weldjc  midf)  in  ©öttingen  ju  ifjm  fnngejogen, 
unb  mir  jefct  mieber  auf  Ijerjerfreuenbe  äöetfc  entgegengetreten  ift." 


£abcn  mir  aber  im  SSorfleljenben  bie  ©djiäfale  unfreS  greunbeS 
bis  bafyin  oevfolgt,  mo  fein  Scbcn  in  jeber  2Jejief)ung  einen  feften 
SBeftanb  gewonnen,  fo  mödfjte  eS  nun  an  ber  3eit  fein,  einen  ©lief 
auf  bie  Sefdfjäftigungen  ju  werfen,  womit  er  bie  fo  retdfjltdf)  Ujm 
^u  £(jeü  geworbenen  SMufteftunben  auSjufüHen  ftrebte.  @r  f)at 
einmal  ftd)  barüber  im  allgemeinen  mit  ben  2öorten  auSgefprod&en: 
„®ie  Slrt,  wie  ber  SWenfd)  fidf)  feinen  9JJitmenfdf)en  nüftlidj  machen 
fann,  ift  je  nadf)  ben  ®abcn  nerfdfjicben;  maS  mid)  betrifft,  fo  adljte 
idj  eS  mit  unb  neben  ber  93erpfÜd)tung ,  meinem  SKmte  mit  aller 
Sreue  unb  ©ewiffenljaftigfeit  norjufteljen,  als  meinen  SJcruf,  für 
(Srfenntnife  ber  äßat)rl)eit  ju  wirfen."  $n  ber  SCfjat  entfprangen 
bie  Strömungen  feines  SebenS  einer  unb  berfelbcn  Quelle,  bie 
21  Uem,  was  er  trieb  unb  anfaßte,  baS  ©epräge  tytngebenber  Siebe, 


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68 

Sauterfeit  unb  9ßal)rf)aftigfeit  aufbtücfte.  Saffcn  wir  aber  f)icr, 
um  baran  im  ßinjelnen  einige  5)Uttf)eitungeu  ju  fnüpfen,  über  bie 
SBege,  meldte  er  bei  feinen  arbeiten  eingetragen,  eine  ©teile  aus 
einem  ©riefe  folgen,  ben  er  im  Satire  1835  feiner  ©dfjwefter  gc> 
fd&rieben.  „3$  Ijabe  immer,"  fjeifet  eS  barin,  „befonbcrS  feitbem 
id)  t>or  15  ^atyren  meine  gegenwärtige  ©teile  erhalten,  bie  Um 
möglidftfeit  gefügt,  mi<$  auf  meine  2lmtStf)ätigfeit  ju  bef^ränlPn. 
2Wem,  ba  id)  einerfeitS  nid^t  glaubte,  jum  ©djriftfteller  in  meinem 
gad&e  berufen  ju  fein,  unb  bie  3^  ber  Unbrauchbaren  ju  per* 
mehren  mir  ©emiffenSfadfje  mar,  anberentfjeilS  eS  mir  aber  tbtn 
fo  fern  lag,  auf  ein  praftif<$eS  3^  W  meine  ©tubien  einjurid&ten, 
fo  üerlor  id&  midjj  mit  biefen  etwas  ju  feljr  ins  allgemeine,  griff 
balb  biefen,  balb  jenen  ©egenftanb  meiner  äBiffenfdjaft  auf,  unb 
liefe  ifyn  roieber  fallen,  fowie  ein  anbrer  mir  eine  intereffantere 
©eite  barbot.  21m  längften  fwben  midf)  in  ben  legten  $aljren 
ÜDlaterialien  ju  einer  ©efd&tdjte  beS  ©eerecljtS  gefeffelt.  %u  3ci*en 
liefe  iä)  aud&  alle  juriftifdfjen  ©tubien  faft  ganj  bei  Seite  liegen, 
wie  namentlich  oor  einigen  Sauren,  als  id&  unfer  ©efangbud;  auf- 
arbeitete. Slbcr  in  biefer  Slrt  beS  2lrbeitenS  liegt  fein  red&ter 
©egen.  ©eitbem  bafjer  eine  längere  Slbfjanblung,  bie  \ü)  im  3al)rt 
1830  tyabe  abbrueten  laffen,*)  ftdf)  eines  mir  unerwarteten  Sei; 
f alles  in  ber  jurifüfdjjen  2Belt  erfreut,  unb  felbft  von  SWännem, 
beren  2Bertf)  mir  üiel  gilt,  moljl  aufgenommen  ift,  bejonberS  aber 
feitbem  id&  immer  mefjr  erfannt,  bafe,  um  in  unferem  ©eridjte  weiter 
ju  fommen,  fd^riftfieHerif^cr  9tuf  erforbert  wirb,  Ijabe  id)  meinen 
©tubien  eine  Stiftung  mefjr  ju  biefem  3^  Eingegeben,  unb  finbc, 
bafe  id(j  woljl  baran  getrau  Ijabe.  S)urd&  ßropp'S  £ob  ift  für  baS 
eigentliche  beutfdje  9te$t  eine  Südfe  bei  uns  entftanben,  bie  ber 
Ausfüllung  bebarf.  hierauf,  unb  jwar  junädfjft  auf  baS  tübifdjc 
SRed&t,  Ijabe  id&  baljer  meine,  fdfjon  früher  mit  Siebe  begonnenen 
©tubien  auf's  9Ieue  birigirt,  unb  babei  bisher  nod&  ganj  unbe* 
fannte  unb  ungebahnte,  unb  batjer  etwas  muffelige  SBege  einge* 
fd&lagen,  bie  fid&  mir  eröffnet  unb  reiben  Soljn  t>erfyeifecn.  ©tefen 
Söinter  Ijabc  id)  meifi  mit  S)urc§forfc^en  unb  ©ftrafjiren  alter  Ut* 
funben  jugebradjt,  unb  einen  reiben  SSorratl)  fd&äfcbaren  SKaterialS 
gefammett,  ben  idfj  fortwäljrenb  ju  mehren  bebaut  bin.  S)od^  Ijabe 

*)  „Ueber  baä  in  Hamburg  geftenbe  Siecht,  toonadj  gt&ci  gleidtfönuige 
(Snttcfyeibungen  ftecfytsfraft  büben."  (§eife  unb  <$xop\>,  junfiifcfye  9lbl)anb(imgen 
ob.  II,  e.  183-2G3.) 


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^le  ^ 


69 

idf)  jefct  fdfjon  mit  bem  angenehmen  ©efd&äfte  be«  3ufammenfleflen« 
unb  Verarbeitend  begonnen,  unb,  fo  ©Ott  will,  benfe  idf)  nodf)  in 
biefem  ^afyre  bie  @rftling£ftud)t  meiner  gorfdjungen  an'«  ßtcijt 
treten  31t  laffen." 

3föit  biefen  SBorten  fjat  er  feine  „Slbfjanblungen  au«  bem 
£übifd>en  Siebte"  im  Sinn,  beren  erfter  Sanb  im  Qaljre  1837  er^ 
fernen  ift,  unb  worauf  wir  fpäter  jurüdfommeu  werben,  nad&bem 
wir  un«  üorfjer  einiger  früheren  arbeiten  erinnert;  e«  gehören 
baju  feine  in  ber  ©efeUfdfjaft  jur  ©eförberung  gemetnnüfciger 
$()ätigfett  gehaltenen  Vorträge,  ben  t>erfd)iebenartigftcn  ©egen- 
ftänben  genügtet,  üon  beren  einem  er  fi<$  wofjl  mel)r  üerfprodEjen, 
alä  erreicht  worben;  nämlich  ber  naeper  audf)  in  2)rudf  erfdfjienene 
Vortrag  über  bie  Sranntweinnotl),  melden  er  feiner  ©d&wefter  mit 
ben  SBorten  überfeubete:  ,,3d)  wfinfd&e  biefer  Keinen  ©dfjrift  bort 
biefelbe  Sfjeilnatjme,  meldtje  fie  ju  meiner  bantbaren  $reube  fjter 
gefunben;  benn  bereit«  Ijat  fidjj  ein  Ärei«  wadferer  SJtänner  mir 
angefd^loffen,  unb  e«  unterliegt  wofjl  feinem  3we^e^  ba$  junäd&fi 
von  oben  Ijer  fräftige  SJta&regeln  gegen  biefc«  Uebel  ju  gewärtigen 
fein  werben."  2öir  übergeben  bie  übrigen,  unb  oorläufig  audf)  nod) 
bie  Vorträge,  weldfje  er  al«  SKitglieb  ber  ÜJiiffion«gefetlfdf)aft  unb 
be«  herein«  für  Verbreitung  ber  3Mbct,  gehalten,  um  etwa«  nätyer 
auf  feine  oben  erwähnten  l)t)mnologifdf)en  Veftrebuugen  einjuge^en, 
weil  biefe  e«  finb,  meldfje  ifjn  neben  jenen  wiffenfd&afttid&en  arbeiten 
mofjl  am  längften  unb  intenfioften  gefeffelt,  unb  fo  möge  l;ier  ju^ 
näd)ft  folgen,  mag  er  unterm  13.  Januar  1831  an  ©d&mab 
barüber  gejdfjrieben:  „Vtidtft  2)u  auf  meinen  2lrbeit«tifd),  fo  ftnbeft 
S)u  l),  9ied()nung«büdf)er  ber  reformirten  ©emeinbe,  mit  beren  Ab* 
fd&liefcung  id)  al«  2lettefter,  bei  beginn  be«  neuen  ^aljre«,  befdfjäf* 
tigt  biu,  2)  mehrere  3Serte  über  ba«  ©eeredjt,  ba«  gegenwärtig 
ben  ©egenfianb  meiner  wtffenfdfjaftttdfien  gorfdfjungen  bilbet,  unb 
enblidf)  3)  auf  befonberen  9tepofitorien  eine  gro&e  SRenge  ©efang= 
büdjer  unb  l)t)mnologifdf)er  Sffierfe.  3)ie  9ted&nung«büd&er  unb  ba« 
©eeredfjt  werben  $)iä)  fül)l  gelaffen,  bei  ben  ©efangbüd&ern  aber 
wirft  ®u  otyne  3roeiM  bie  Ofjren  gefpifct  fjaben.  (Sin  bringenbe« 
Sebürfnife  unferer  ©emeinbe,  ba«  gleidjwoljl  t)on  unferm,  übrigen« 
in  meler  £infidt)t  uortreffüdfjen  ^rebiger  nid()t  in  bem  9Jtaafee,  al« 
c«  wol)l  follte,  anerfannt  wirb,  Ijat  mid)  üeranla&t,  meine  9Jtu&e* 
ftunben  ber  Bearbeitung  eine«  neuen  ©efangbudje«  ju  wibmen. 
£)ie  Hoffnung,  e«  Sitten  red^t  ju  madfjen,  mu&  man  babei  von 


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_70 

Dom  herein  aufgeben.  -  —  —  2BaS  bie  äftyctifd&c  Seite  bec 
Sad&e  betrifft,  fo  beruht  baS  5)kifte  auf  inbioibueBcm  ©efü&l  unb 
einem  gewiffen  $act,  ber  nid)t  Men  in  gleichem  3Kaße  gegeben  ift. 
Eben  fo  große  unb  nod)  größere  Sdjwierigfeiten  bietet  aber  bie 
bogmatifdfje  Seite  bar,  wo  bie  Verpflichtung,  aÜeS  na<$  ber  Sdjrift 
ju  rieten,  gorberuugen  [teilt,  bie  eben  fo  unabweisbar  finb,  als 
fie  ben  Stab  über  eine  große  9tnja(;(  übrigen^  Ijerrlidjer  SiÄr 
bred&en." 

Seine  greunbe  Dftanber,  Sdfcwab  unb  2)etf)mann*§olweg, 
weldjen  er  wegen  beS  Unternehmens  getrieben,  antworteten  t>5$~ 
li$  erfreut,  unb  er  felbft  läßt  ftdf)  bann  in  einem  ferneren  Briefe 
an  Sd&wab  com  30.  Slouember  1S3^  barüber  mit  ben  9Borten  ner- 
nehmen:  „9hm  nex^  etwas  oon  meiner  Arbeit,  bie  iä)  in  biefet 
3eit  uoßenbet,  unb  bie  mir  unter  «Kern,  was  iä)  erlebt,"  —  (eS  ift 
ber  um  jene  3ei*  erfolgte  £ob  einer  in  finblid&em  Mter  oer- 
ftorbenen  Softer  gemeint)  —  „ein  nidjt  geringer  £roft  unb  Segen 
gemefen  ift;  benn  idf)  fann  wofjl  fagen,  baß  id)  midf)  in  bie  alten 
Sieber  nidjt  nur  ^tneingelefen,  fonbern  aud&  Ijtneingebetet  tyabe,  was 
man  benn  freiließ  au<$  nur  bei  biefen  Siebem  fann.  6$  freut 
mid&,  baß  2)u  ®id&  mit  ben  oon  mir  angegebenen  ©runbfäfcen, 
roonadf)  ju  oerfaljren,  einoerftanben  erflärt  §aft;  inbeffen  ©runbfäfce 
finb  etwas,  unb  bie  2luSfüljrung  etwas  anbcreS,  unb  fo  möge  S)ir 
benn  auci)  biefe  jufageu.  3ln  Siebe  jum  2öcrf  l)at  eS  mir  nid)t 
gefehlt,  unb  biefe  im  Verlauf  berfelben  eljer  ju*  als  abgenommen. 
$aß  id)  uorjugSmeife  ältere  Sieber  aufgenommen,  b.  fj.  aus  ber  3^it 
oor  ©eUert,  wirft  S)u  nid&t  mißbilligen,  benn  bie  meiften  neuen 
finb  im  Vortyof  gefungen,  unb  nid)t  im  $eiligtl)um,  unb,  fo  lieb 
©eKert  mir  als  3Wenfdj  ift,  feine  Sieber  Ijabcn  midf)  nie  ange* 
iprodfjen.  SlnberS  ift  eS  freiließ  mit  ben  neueften,  ben  Änapp'fdjcn 
Siebern,  ba  ift  ©lutf)  beS  £errn,  maljre  Vegeifterung!  inbeffen 
leiben  audj  biefe  Sieber  an  einer  Äranfljeit,  bie  Äranf&eit  ber  3*ü 
ift.  2>er  Sänger  fteljt  ifolirt  ba,  nidfjt  als  lebenbigeS  ©lieb  einer 
®efammt$eit,  aus  beren  §erjcn  er  IjerauSfänge,  unb  fo  tritt  benn 
an  bie  Stelle  beS  weiten  ©efammtgefütjleS  eine  gewtffe  fpifce  Suk 
jeetioität,  weld&e  ben  Siebern  größtenteils  ben  gfjarafter  beS 
Äirdjenliebcs  entjieljt;  inbeffen  ift  baS  bodf)  bei  ben  gcftliebern  mit* 
unter  ansutreffen ,  unb  oon  biefen  f)abe  id)  benn  auä)  einige  auf- 
genommen. Sollte  übrigens  bei  ber  2IuSmat)l  ber  Sieber  eine  ge^ 
wiffe  einfeitigteit   beS   ©efdjmaäeS    bebenflidd   erlernen,    fo   ift 


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zedby  G00gk 


7\ 

ba$  feljr  natürlich,  roeil  id>  recfjt  eigentüdf)  auf  midfj  rebu* 
cirt  mar." 

„3n  ben  mit  ben  alten  Siebern  vorgenommenen  SJeränbe* 
runden  bin  td(j  l)in  unb  roieber  weiter  gegangen,  als  meine  m> 
fprüuglidje  2lbfid)t  mar;  aber  e£  gereut  mid)  nidfjt.  3$  arbeitete 
ja  nid)t  für  mid),  fonbcm  für  eine  ©emeinbe,  bie  feljr  t>erfd()teben> 
artig  sufammengcfetjt  ift.  äöenn  ber  2lpoftel  SJkuluS  feinen  greunb 
Simot&euS  um  ber  $uben  mitten  befd&nitt,  roie  l)ätte  id)  nidjt,  felbft 
bei  meinen  £iebting£liebern,  um  meiner  fdfjroadfjen  SSrüber  mitten 
ba£  ÜKeffer  gebraudien  fotten,  um  fte  unanftößig  }u  madfjen." 
Später,  al£  Sdfjroab  bem  23üd&lein  eine  fefjr  anerfenncnbe  Sftecenfion 
geroibmet,  banft  er  iljm  mit  ben  Söorten:  „Seiber  ift  baffelbe  außer 
Sübed  nod)  menig  oerfauft;  idj)  fjänge  an  felbigem,  bem  id&  eine 
feelige  3*ü  ^inburc^ ,  roo  idfj'ganj  in  bem  ©lement  biefer  ßieber 
lebte  unb  roebte,  bie  beften  Gräfte  meinet  2Befen3  ganj  jugeroenbet, 
unb  von  meinem  id)  mel  mefjr  empfangen,  als  xdf)  ^abe  geben 
fönnen  unb  motten.  3d)  roeife  baber,  e$  ift  ein  Segen  barin,  unb 
fo  roünfdfje  tcf),  bafe  e3  in  Dielen  Orten  unb  fterjen  bc$  beutfdf)en 
33aterlanbe£  eine  freunblidje  2Utfna£me  finbe;  e3  mirb  fie  ntdfjt 
unbeloljnt  laffen." 

3u  meinem  3Jlaafee  bei  ben  Dielen,  feit  jener  3ei*  ta  äljnlidfjem 
©eift  rebigirten  arbeiten  biefer  SBunfd^  Erfüllung  gefunben,  ift 
uns  ntdf)t  befannt;  in  ben  legten  Sauren  feinet  SebenS  befd&äftigte 
er  fid^  aber  nodf)  mit  Vorarbeiten  für  eine  neue  2Iu3gabe,  unb  fein 
Sntereffe  ift  hierbei  nidfjt  flehen  geblieben;  e3  erftredte  ftd)  aud) 
auf  baä  lutljerifdje  ©cfangbudf)  feiner  SSaterftabt.  ,,3d£)  mar  mit 
arbeiten  überhäuft/'  fd&reibt  er  feiner  Sdjroefter  unterm  3.  3Wär} 
1840,  „ba  erfd&ien  baS  neue  luttjerifdje  ©efangbud),  b.  i).  ber  ®\\V 
rourf,  beffen  Sefanntmad&ung  geroiffermaa&en  ben  3roccf  ^atte,  an 
bai  Urteil  ber  ^ieftgen  ©emeinben  ju  appettiren;  unb  jugleid) 
gelangte  an  mtd&  bie  ©Ute,  bur<$  eine  öffentliche  Beurteilung 
beffelben  bie  Seitung  ju  übernehmen.  anfangs  lehnte  idf)  e$  ab, 
weil  id)  gleich  roufete,  roie  tief  mid&  baä  in  biefe  Sadje  hineinführen 
mürbe;  aber  eben  um  ber  Sadfje  mitten  liefe  idf)  mid;  bodf)  enblid^ 
bereit  finben,  unb  fo  fjat  mir  biejeä  ©efangbudf)  ben  ganjen 
35ecember  fet)r  oiele  33e?d()äftigung  gegeben,  beren  grudfjt  ein  2luf* 
fafc  ift  oou  28  Spalten.  Selber  aber  bin  id)  bur$  meine  SRecen* 
fion  in  unangenehme  &änbel  oerroidfelt  morben,  bie  nod)  ntd&t  ju 
@nbe  -finb  unb  mir  bie  greube  ber  Arbeit  übel  Derfaljen."    33iefe 


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72 

Erfahrung  t;at  iljn  aber  nidfjt  abgehalten,  als  im  Qaljre  1875  eine 
nene  Ausgabe  biefeS  ©efangbudjeS,  nebft  einem  Anfang  oon 
Siebern,  oeranftaltet  werben  foflte,  in  feinem  breiunbacfytjigflen 
SebenSja^re  eine  Abtjanblung  bruefen  ju  laffen,  weld&e  außer  einer 
gefd&id&tlid&en  Einleitung  eine  Äritif  bcS  gegenwärtigen  ©efang* 
bud&e«  enthält,  mit  befjerjigenSwertfjen  SBinfen  für  bie  neue 
Ausgabe,  unb  i^nen  ifl  benn  auä)  eine  banfbare  Aufnahme  §u 
3^eil  geworben. 

©etjen  wir  nun  über  ju  einer  Sefpred&ung  beffen,  was  $auli 
auf  bem  ©ebiete  beS  beutfd&en,  fpecieH  beS  flatutartfdfjen  SRed^tcö 
feiner  Saterfiabt  geleifiet,  fo  brausen  mir,  einer  fompetenteren 
geber  überlaffenb,  bie  SJerbienfte  gu  f djilbern,  welche  er  fidf>  in 
biefer  ©ejie^ung  erworben,  biefer  feiner  ^ätigfeit  ^ier  nur  im 
allgemeinen  ju  gebenfen.  Sie  läßt  fid)  äu&erlidE)  jurüdffübren  auf 
Anregungen,  bie  oon  jener  metyrgenannten  ©efeUfdjaft  jur  33e* 
förberung  gemeinnüfctger  Sljätigfeit  ausgegangen  finb.  SMefe  er* 
nannte  nämltdf)  im  Qaljre  1821  einen  gefdf)idE)tlid)en  AuSfd&ufe  für 
baS  Sammeln  unb  galten  ber  Quellen  unb  2>enfmäler  ber 
lübifd&en  ©efd&idjjte.  S)ie  nädjfle  grud&t  feiner  Arbeit  waren  bie 
Don  ©rautoff  oeröffentltd&ten  lübifd&en  ßtyronifen;  fpäter  gab  baS 
Don  SJöfjmer  ebirte  granffurter  Urfunbenbudf)  33eranlaffung,  an  eine 
äfjnlid&e  Arbeit  für  Sübedf  ju  benfen.  2Ran  legte  gleidj)  ipanb  an'S 
SBerf  burdf)  Sammeln  unb  Abtreiben  ber  einjelnen  Urfunben;  bie 
Verausgabe  beS  erfien  23anbeS  erfolgte  bann  im  3aljre  1843,  unb 
tyaxili  war  eS,  t)on  beffen  $anb  bie  tefcte  ©eftaltung  biefer  Arbeit 
tyerrübrt,  unb  ber  fte  mit  einer  aufflärenben  SJorrebe  eingeleitet  ^at. 
entging  nun  bem  Quriften  nid&t  baS  reiche  Material,  wcld&eS  ftdf) 
audfj  für  baS  ältere  SHed&tSleben  feiner  Saterftabt  biefen  gefd)id&t* 
lid&en  3)enf malern  entnehmen  liefe,  fo  war  eS  an  SBid&ttgfett  bodb 
nidfjt  ju  oergleid&en  mit  einer  bisher  nod&  gar  ntd&t  benufcten 
Duelle  jur  Aufftärung  beS  Sübifdjen  Stentes,  worauf  Sßauli'S  Auf* 
merffamfeit  burdfj  ßtaubiuS  Ijingclenft  worben,  bem  Ober*  unb 
Weber  *Stabtbud(j  nämlidfj,  entf)altenb  bie  retdftfte  Sammlung  oon 
OriginaWlrfunben  über  äße  unb  jebc  9tcd[)tSgefd)äfte.  35er  &ebung 
beS  Ijier  verborgenen  SdfjafeeS  galten  fortan  bie  SOtufeeftunben, 
wetdje  feine  Stellung  itym  gewährte,  unb  bie  gfruebt  feiner  Arbeit 
bitbet  junädfjft  baS  in  ben  3aljren  oon  1837  bis  1841  unter  bem 
allgemeinen  Xitel:  „Abljanblungen  aus  bem  Sübtfdfjen  9tedf)te"  in 
brei  ©anben  bejubelte  lübifd&e  @rbredf)t  unb  e^clid^e  ©ütcrredjjt, 


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73 

woburdf)  „e8  gelungen  mar,  bie  melfadf)  getrübten  ©runbfäfce  bet 
wid&tigfien  Steile  unfrei  bürgerlichen  9ted)te3  nrieber  in  iljrer  Stein; 
t>cit  barjulegen."  ©in  vierter,  erft  1865  ausgegebener,  23anb  ber 
Slbfjanblungen  befd&äftigt  ftdf)  mit  ben  f.  g.  Sßiebolbärenten,  ober 
ben  Stentefäufen  beS  Sübifd&en  Siebtes. 

2öir  fjaben  tyn  früher  äu&em  fjören,  baß  oijne  bie  Sin* 
wenbung  ber  bogmatifd)e  SC^cil  feiner  2Btffenfd)aft  i^n  nidf)t 
fonberlidj  angejogen,  unb  al£  Sftatl)  Ijat  er  beuriefeu,  in  rote  f)of)em 
2Haaf$e  iljm  bie  93efäf)igung  ju  biefer  ätaroenbung  eigen  war.  6r 
mar  ober  ju  feljr  Äinb  feiner  3e^f  <*l*  *>ö&  $n  ~  m^  c'ner 
reiben  $ß$antafte  auggeftattet  —  nid^t  boc^  baS  JQiftcrtfd&e  beä 
SRed&tölebenS  unb  ber  9tedf)t£entnri(felung  immer  üorjugSroeife  an* 
gejogen  unb  gefeffelt  ptte.  Söofjl  tjatte  er  gegebenes  Stecht  anju* 
roenben,  aber  immer  lag  tym  babei  ba3  geworbene  im  ©inn,  ba3 
geworbene  btö  jurüdf  ju  ber  gc^cimnijsoollen  ©eburtsftätte  urfprüng* 
liefen  SolfölebenS.  3"  f«inw  geliebten  i*aterftabt  fall  er  fieb  im 
©etft  aller  Orten  umgeben  dou  ben  Silbern  vergangener  Sage; 
bie  Käufer  erjagten  tfjm  alte  @efd)id)ten,  in  färben  beö  £cbcn£ 
gefletbet  traten  vor  feine  2lugen,  bie  einft  barin  il)r  ÜSefen  getrieben, 
unb  feine  el)rfur<i)tSt>otlen  Slicfe  folgten  ber  tmtrbigen  @rfd)einung 
jener  feft  unb  fidler  einfiertretenben  ©eftalten,  bie  ber  ©tabt  im 
Saufe  ber  3<*i)rl)unberte  al$  Siatfjmänner  gebient,  unb  in  bereu 
@fyre  bie  eigene  gefunben  Ratten. 

Sieles,  roa$  tfjm  in  fold&er  SBeife  entgegengetreten,  tjat  er 
mittete  feiner  in  verriebenen  Qa^ren  gehaltenen  unb  fpäter  in 
jroei  Sänben  (1847.  1872)  unter  bem  SCitel:  „SübedEifd&e  3uftänbe 
im  ajttttelalter"  neröffentlid&ten  Vorträge,  benen  im  $al)xt  1873 
ein  britter  mit  felbfiflänbigen  2luffäfcen  fidf)  angefdjloffen ,  jur  all* 
gemeinen  Äunbe  gebraut,  bie  9Uemanb,  namentlidj)  audfj  wegen  beä 
SnljaltS  ber  mitgeteilten  Urfunben,  oljne  reiche  Seleljrung  au« 
ber  £anb  legen  roirb.  ®ie  Siebe  aber,  meiere  er  ber  Sorjeit,  wenn 
aud&  nidfjt  auf  Äoften  ber  ©egenroart,  fo  bod&  nidf>t  eben  ju  i^rem 
greife,  jugeroenbet,  fpridfjt  ftd&  in  einem  biefer  Vorträge  fo  beflimmt 
au$,  bafe  bie  beSfaUfigen  Söorte,  als  ba£  SSorbemerfte  befiätigenb, 
§ier  eine  Suf nannte  finben  mögen:  „3$  glaube/'  fagt  er  nämlid), 
„man  barf  breift  behaupten,  baf$,  wenn  oft  ba£  Mittelalter  in 
feinem  ganjen  Umfange,  unb  namentlich  baS  beutfdEje,  ein  barbari* 
fdf)e$  genannt  wirb,  biefeS  auf  einem  9Jtangel  an  richtiger  unb 
üoBftänbiger  Äenntnife  beffelben  beruht.  Solan  brauet  ju  bem  (Snbe 


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74 

eigentlich  nur  auf  bie  Schöpfungen  ber  bttbenben  Äunfi,  auf  bie 
Sauwerfe,  Ijinjuweifen,  bie  al3  ftumme  unb  bod)  rebenbc  Stufen 
au£  jener  3$orjcit  in  bie  unferige  Ijerübcrragen;  beim  eine  3*ü 
ber  Barbarei  uermag  fotd&e  Jßerfe  uon  eben  fo  tiefsinniger  unb 
erhabener  ßoneeption,  ate  tcdjnifdjer  s]Jteifterfd)aft  nidjt  l)ert>or$u* 
bringen;  unb  c£  würbe  ba£  einjige  Seiltet  in  ber  2öcltgefdnd)te 
fein,  bafe  eine  Station  nad)  einer  9tid)tuncj  fo  ©roßeä,  ja  Unüber- 
trefflid)e3  gefdjaffen,  unb  auf  allen  anbern  ©ebieten  be<3  Sebeitö  in 
ftnfterer  Barbarei  bat)in  gegangen  wäre.  Unb  wenn  wir  im 
©taatöleben  einen  eben  fo  fyofjen  ©tyl  ber  Äunfi  wafjrneljtuen,  wenn 
mir  fetjen,  wie  bie  Serfaffung  be£  beutföen  9teid)e3  auf  ber 
breiten  ÖaftS  gemeiner  greifyeit  in  organifdjer  ©lieberung  ju  einem 
funftreidjen  Saue,  gleidj  jenen  SDomen,  fid>  ergebt  nnt  jufammeu; 
fd)Ucf$t,  fo  füljlen  mir  un£  geneigt,  bie  2lnftage,  wenigftenS  ber 
politifdjen  Barbarei,  auf  eine  3*ü  jurüdsuweifen,  bie  jenen  ©au 
oerwittern  unb  jerrütten  liefe,  ofjne  bie  @d)öpfung£fraft  $u  be* 
fiften,  einen  anbern  tum  gleicher  ©djönljeit  an  bie  ©teile  ju  fefcen." 

Unb  gewife!  bie  ©efinnung,  rocld)er  biefe  Sßorte  2lu$brud 
geben,  entfpridjt  ganj  bem  ©eifte,  ber  fid;  un3  in  ber  Seljanblung 
ber  3iedjtSaltertl)ümer  feiner  93aterftabt  funb  getrau.  — 

3Run  aber  möge  in  2Infnüpfung  an  oben  2)Utgetf)eilte!3  nod) 
6inige£  au£  feinem  Seben  berichtet  werben,  wie  foldjeö  ftdj  roäi)- 
renb  bc«  2lbfd)mtte£,  ber  uns  jefct  bcfdjäftigt,  geftaltet 

igattc  fein  2lmt  ifjm  früher  weniger  jugefagt,  weil,  wie  er  ein* 
mal  erflärt,  ,,id)  meine  9Jhtfee  nid^t  benufce,  wie  id)  wof)l  fönnte, 
benu  e£  fef)U  mir  ber  äußere  2lntrieb,  unb  bamit  für  Qcmanb,  ber, 
wie  id),  eben  fein  leibenfdjaftlidjer  3urift  ift,  unb  bagegen  anbere 
Sicbling^Jteigungen  Ijat,  fcljr  ml,"  fo  war  ba£  anberS  geworben, 
nad&bem  er  mit  ben  eben  befprodjenen  jurtftifdjen  ©tubien  be* 
gönnen.  „(SS  ift  mir  an  fid)  jufagenb,"  fdjreibt  er  jefct,  „burdj 
bie  Serbinbung  mit  grünblidf)  gebilbeten,  jum  Sbeil  jetjr  au£ge* 
jeidjneten  SKänuern  oon  wiffenfdjaftlidjer  3lu3bilbung,  unb  bann 
mödjte  id)  and)  meine  2age  wegen  ber  angenehmen  Üftufce,  bie  fie 
gewährt,  mit  feiner  anbern  uertaufdjen."  3n  gleichmäßiger  SBiebep 
feljr  ber  Sage  mit  i&ren  greuben  unb  ©orgen  floß  it)m  bie  3«ü 
ba^in:  „Heureux  le  peuple,  dont  Thistoire  ennuie,"  fd)reibt  er 
einmal  feiner  ©djmeftcr,  „bieä  fann  id)  and)  auf  mid)  anmenben, 
wenn  mein  Üebeu  fo  in  ebenem  ©leife  bafyin  geljt,  bah  id)  faum 
eine  Bewegung  fpüre,  unb  eben  beSwegen  bie  Sage  unb  2Sod)en, 


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75 

wie  auf  einem  Stampfroagen ,  fo  unenblicty  fd>ncH  ba^infe^iefecn. 
2öir  leben  überaus  [tili  unb  cinfam."  Später  Reifet  e£  bann- 
„s]Weine  Äinber  warfen  fröf)lid)  fjeran;  e3  rufjt  bod)  ein  unglaub^ 
Udfjer  Segen  barin,  fo  immer  ein  5)}enfd)enleben  nad)  bem  anbern 
fid)  unter  unfern  §änben  unb  an  unferm  §erjen  entfalten  ju 
feljen;  man  lebt  fort  in  immer  fidj  erneuernber  Sugenb,  unb  fann 
md)t  alt  werben,  unb  aus  ben  Qrrgängen  be§  oermorrenen  SebenS 
ruft  un£  bie  füge  Stimme  einfad&er  unfdfjulbiger  üttenicbfyeit,  au£ 
bem  9Kunbe  ber  Säuglinge,  au£  benen  felbft  ©ott  fid)  ein  £ob 
juberettet,  immer  nrie  eine  Ijalbuerflungene  Sage  §u  ben  einfachen 
©efüfjlen  ber  3Wcnfd;lid>fcit  unb  be£  patriard)alifd)cn  SebeuS  jurüd 
Seit  iljrer  ©enefung  ift  meine  liebe  grau  fräftiger  als  je,  unb 
2lbenb3,  nadf)bem  id)  mein  Sageroerf  oollenbet,  aufgelegt  aud)  )u 
gemeinfamer  Seetüre,  gerner  fann  id)  felbft  m\6)  ber  öereid)erung 
meines  ScbenS  burd)  eine,  früher  in  bem  3)ia6e  uid)t  geübte,  unb 
erft  jefct  auf  ein  beftimmteS  $iel  geridjtete  Jljätigfeit  nur  er* 
freuen,  unb  enblid)  läfet  meine  ©efunbijeit  nichts  ju  roünfd&en 
übrig." 

Serienreifen  mit  ben  Söhnen  ober  greunben,  foroie  ©efudje 
feiner  ©efdjroifter  unb  oerefjrter  greunbe,  bie  bei  i^m  einfeljrten, 
unter  benen  Ijier  nur  an  älmalie  Sieoefing,  an  ben  ^orftetyer  be£ 
Staunen  £aufe£,  SBidjern,  an  ben  tjannooerfdjen  SegationSratl)  oon 
SlrnSroalb  unb  beffen  grau  erinnert  werben  möge,  unterbrad&en 
ju  QtiUn  bie  Stille  beS  täglichen  SebenS.  33or  2lttem  erfreulidj 
aber  mar  Ü)m  ba£  SBieberfefjen  feinet  SugenbfreunbeS  S<#roab, 
ber  im  $al)re  1841,  auf  einer  Steife  naef)  Äopentjagen  begriffen, 
mer  Sage  bei  if)m  oerlebte.  ,,2leu6erUd),"  fd)reibt  er  feiner 
©djtoefter,  „fanb  id)  iljn  fo  oeränbert,  bafj  id)  ityn,  wenn  er  mir 
3ufäüig  begegnet  märe,  nid^t  rotebererfannt  l)ätte.  2»er  fd^lanfc 
Jüngling  mar  ein,  wenn  and)  nkbt  biefer,  fo  bod^  beleibter  3Jtann 
geworben,  bie  fünft  lebhaft  oortretenben  beroeglidjcn  Slugen  Ratten 
fi<$  füll  jurüdgejogen,  unb  an  bie  Stelle  ber  golbgelben  Sodfen,  bie 
fonft  fein  §aupt  umwallten,  mar  ein  furjeS  fübergraueS  §aar  ge* 
treten,  flber  innerlid)  Ratten  bie  3afjre  in  unferm  SSerbältnife  ju 
cinanber  feine  Seränberung  fjeroorgebracljt,  unb  ber  Segen  jugeub* 
liefet,  auf  gutem  ©runbe  erbauter  greuubfdfjaften  fyat  fidt)  in  ben 
fdjönen,  nur  ju  fcbnell  batjin  eilenben  Sagen  auf'sS  9teue  über* 
\ö)xvänQiiä)  beroäljrt." 


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76_  __ 

©ie  tollten  ftdj  nid)t  wteberfeljen ,  aber  aus  bem  legten  ber 
uns  erhaltenen  ©riefe  ^auli'S  (1810)  fei  tjicr  nodf)  eine  ©teile  an; 
geführt,  worin  gleidfjfam  bie  Serföljnung  alter  (Erinnerungen  unb 
neuen  ScbenS  gefeiert  wirb,  wenn  er,  banfenb  für  bie  ßufenbung 
einer  Sammlung  früherer  unb  fpäterer  @ebid)te,  bem  gteunbe 
fd)reibt:  ,,©o  wofylttjuenb  midf)  otele  ©einer  neuen  unb  neueflen 
©ebidjte  anf preisen,  fo  füljle  idf)  mtdfj  bo<i)  immer  wieber  von  ben 
alten  Älängen  angejogen,  bie  nor  35  Qafjren  mein  Qljr  berührten. 
Unb  glaube  nid&t,  baß  btefe  Siebeöltcbcr ,  biefe  SiebeSflagen  mir 
ferner  fielen  als  bamalS,  nein,  fie  flehen  mir  oiel  näljer,  aber 
freiließ  nur  burd^  geiftltd&e  Deutung,  bie  mir  aber  wie  oon  felbft 
fommt: 

öieb  mir  ben  Surft,  ber  nie  511  ftitten, 

Wieb*  mir  bein  Reiben,  beinc  <Sc&madj, 

unb  baS  tjerrltd&e  Sieb:  0!  aller  Serge  Duetten!" 

Solcher  ©tärfungen  burdf)  93efu<f)e  unb  Steifen  beburfte  eS  aber 
nid&t  bloS  im  £inblidf  auf  oor^ergegangeneS  angcflrengteS  arbeiten, 
fonbern  weil  it)m  anä)  tief  etnfdfjneibenbe  ©d&merjen  nidfj*  erfpart 
geblieben  ftnb,  wie  namentüdf)  ber  Kummer  um  ben  Serluft  eines 
geliebten  $öd)terdf)enS!  2Bie  jubetnb  Ijatte  er  am  8.  Januar  1830 
bie  ©eburt  beS  ftinbleinS  feiner  ©dfjwefier  mitgeteilt.  „3a,"  fd&rieb 
er,  „meine  liebe  ©etymefter,  ©Ott  f)ört  ntdjt  auf,  baS  §auS  3)etneS 
SruberS  ju  feguen  unb  über  §offeu  ju  geben.  3Ktr  unb  meiner 
ßmmt)  ift  norgeftern  $ad)mittag  ju  unfern  brei  ©öljnen  ein  liebes 
Stödjterdjen  gefdjenft!  9Rtr  ift  baS  ©cfüljl,  eine  %oö)tex  ju  ^aben, 
fo  neu  unb  eigen,  bafc  mir  oft  ift,  als  märe  idE)  jum  erflcn  3Ral 
Sater.  9tun!  3)er,  welcher  biefeS  Äinb  unb  mit  bemfelben  eine 
neue  fjeiltge  Scrpflidjtung  mir  gegeben  Ijat,  ber  möge  mir  2Bei& 
Ijeit  unb  Äraft  nerleiben,  fold&e  fo  ju  erfüllen,  bafc  iti)  bereinft  mdfjt 
mit  ©df)anben  beftcfye."  Äaum  jmet  ^aljre  follte  er  biefeS  neuen 
©lüdeS  ftdj  freuen  bürfen;  in  einem  ©riefe  an  ©dfjwab  00m  30. 
vJtooember  1832  fd&reibt  er  biefem:  ,2113  idf)  5Dir  jule^t  fd&rieb, 
füljrte  iä)  SDid)  in  bie  SKttte  meines  fjäuSlidjen  ÄreifeS,  worin  mein 
liebes  $öd)tercbeu  $ba  mir  bamalS  ganj  befonberS  eine  Quelle 
füfeer  greuben  unb  Hoffnungen  mar.  ©eitbem  entwidfelte  ftd& 
biefeS  Äinb  auf  baS  2lllerlieblid)fte,  fo  ba&  felbfi  grembe  oon  feinem 
bolben  2\$efcn  fid)  wunberbar  gefeffelt  füllten.  6S  mar  fo  etwas 
@igentl)ümlid)eS  in  biefem  Äinbe!  3ld&!  waS  war  eS  mir  unb 
metner  ©mmp!    2Bie  oft  )a\)  eS,   wenn  id)  eS  noll  Qnbrunfi  an 


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77 

mein  $erj  brüdfte,  üerwunbert  auf  meine  frönen,  bie  bod)  nur 
aus  greube  unb  Stanf  ;u  2>em  floffen,  ber  eS  uns  gegeben!  Sie 
genofj  fdf)eiubar  beS  üollfommenften  SBofjlfemS,  als  idj  am  20. 
3)ecember  SDiorgenS  wie  gewöljnUdj)  jur  ©efftou  gelten  wollte;  ba 
werbe  idf)  gerufen,  baS  Äinb  war  ptöfcltcf)  t>on  Krämpfen  befallen 
worben  ,  unb  ber  herbeigerufene  2lrjt  erflärte  fofort  ben  3^flanb 
für  hoffnungslos;  er  Ijatte  nur  ju  SRedjit,  fdjou  nadf)  einer  ©tunbe 
war  fie  nidEjt  mefyr  fjienieben.  3Wein  erfter  ©dfjmerj  mar  fo  ^eftig, 
bafj  eS  lange  bauerte,  bis  bie  Duelle  beS  beften  SrofteS,  bie  tief 
in  meinem  $erjeu  IjeruorquoO,  ftdf)  Satin  machen  fonnte.  Slber 
fie  mar  ba;  ftarf,  im  $immel  felbft  entfprungen,  naljm  fie  bie 
glutben  beS  ©<$merjeS  in  fidS)  auf,  audfj  mit  iljnen  fid^  üerftärfenb. 
S)enn  @in  @efül)l,  ©in  ©ebanfe  nur  lebte  in  meinem  &erjen: 
2)er,  ber  biefeS  Äinb  fjienteben,  in  biefem  Sanbe  ber  ©ünbe  unb 
beS  £obeS,  eine  Siebe  ftnben  liefe,  bie  nid&t  aufhören  wirb,  tym 
nadjjjumeinen ,  foDte  ber  es  bort  in  ben  SBofjmmgen  beS  SebenS 
pcrfäumen?  DIein,  eS  wirb  eine  Siebe,  unb  bie  forgenbe  liebenbe 
Pflege  einer  Siebe  finben,  gegen  weldje  äße  Gltern*3ärtltd&feit 
Ijienteben  nur  ©d&atten  unb  5Bu#abe  ift.  2öie  fönnte  id(j  mein 
Äinb  äurüdfwünfdfjen!  SöoHten  aud&  in  unbewachten  Slugenblidfen 
Älagen  unb  S^ränen  mir  entquellen,  fo  mehrte  idf)  tynen  nid&t; 
fie  waren  mir  3etd&en  unb  Sßfänber  ber  größten,  treuefien  Siebe 
Steffen,  ber  mein  ftinb  ju  fid&  genommen,  unb  werben  eS  fein,  bis 
id(j  eS  feiig  roieber  umfaffe,  unb  fd&aue,  maS  id)  geglaubt  Ijabe. 
Snjwifdjjen  waren  meine  nur  ju  reijbaren  SRerpen  burdjj  biefen 
heftigen  ©d&tag  auf's  §eftigfte  erfd&üttert  worben,  unb  eS  §at 
SWonate  gebauert,  elje  idf)  t>on  ben  golgen  midf)  Ijabe  erholen 
fönnen." 

Unb  nie  mir  il)n  f)ier  um  fein  entfd&lafeneS  Sinb  trauern 
fe^en,  fo  foQten  iljm  nun  au<$  batb  jene  treuem  SEBefen  entriffen 
werben,  bie  als  fyetle  ©terne  feiner  Äinbljeit  geleud&tet  Ratten.  2lm 
13.  Quni  1832  benadfjrid&tigte  fein  greunb  Äarl  ©ieoefing  il)n  uon 
bem  $obe  feiner  SWutter  mit  ben  SBorten:  ,,©ie  mar  auef)  £)ir  mit 
wa&rtyaft  mütterlicher  Siebe  jugetyan,  unb  iljr  2lnbenfen  möge  ba«» 
burdfj  gefegnet  bleiben,  baf$  eS  biejenigen,  weld&e  bie  überftrömenbe 
gülle  mo^lrooßenben  §erjenS  erfannt,  unter  einanber  »erbunben 
erhält.  S)er  Siebe,  bie  fie  befcelte,  Ijat  aud&  baS  2Bort  ©otteS 
ewige  Stauer  uerljei&en,  wetyrenb  glänjenbe  ©aben  t>ergel)en.  ©ie 
gehörte  burdlj  bie  ©eftnnung  iljreS  eltertid&en  £aufeS  ju  ben  2iuS* 


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78 

nahmen  ifjrer  ©eneration,  bie  ben  unartifutirten  SBiebertyaU  be£ 
göttlichen  Stufet  in  Unfdbutb  unb  Siebe  erhalten.  Unfre  ©eneration 
fonn  nur  bie  ©timme  be$  Stufenben  nor  bem  Slbgrunb  bewahren, 
bie  üemefjmlidje  Stimme  be£  SHufenben  —  wann  mcf)r  als  jefct, 
in  ber  SBfifte!" 

SBie  tief  bie  2Baf)rl)eit  biefer  äöorte  oon  unferem  greunbe 
empfunben  worben,  baS  ergiebt  bie  folgenbc  ©teile  auS  einem 
Briefe  an  feine  ©cfjwefter:  „2Bie  tief  iä)  mit  cudf)  Süllen  ber  feuern 
@ntfd)lafenen  nachgeweint,  baß  braud&e  idf)  3)ir  ntdjjt  ju  fagen,  benn 
3)u  weifet,  bafe  idf)  fie  wie  eine  jweite  Sttutter  geliebt  l)abe.  2Bic 
gern  wäre  icfj  hingeeilt,  um  in  ber  gemeinfamen  Srauer  anä) 
meines  feiles  bie  Stanbe  mit  ben  Hinterbliebenen  fefier  ju 
fd()lie6en.  „$)ie  äßetöljeit  woljnt  im  $aufe  ber  £raucrnben,"  jagt 
ber  ^rebtger!  D!  möge  aud)  bie  Siebe,  bie  fo  gang  baS  ©igen* 
tl)um  ber  treueren  ©ntfd&lafenen  gewefen,  als  tyx  einjigeS,  aber 
unfdjäfebareS  äkrmäd&tnife  iljnen  bleiben,  bie  Siebe,  ber  ewige 
5>aucr  per^eifeen  ift,  wetyrenb  bie  glänjenbften  ©aben  üerge^en, 
wie  eS  berjenige  ifjrer  ©ötyne,  bem  biefe  ©aben  am  reidljlidjfien  ju 
£l)etl  geworben,  in  feinem  Briefe  an  mtdfj  fo  fdfjön  unb  waljr  fagt. 
3ft  bod)  jenes  anbre  äßort  beS  weifeften  ÄönigS:  „S)er  Altern 
©egen  baut  ben  Äinbern  Käufer"  fd&on  fo  fd&ön  in  (Erfüllung  ge* 
gangen.  Äarl  ©ieoeftng  foU  feinem  greunbe  £anburp  getrieben 
tyaben,  iljre  beiben  3Jtütter  fd&ienen  broben  gut  angcfd&rieben  ju 
fein,  ba  fie  gleidjj  fo  gut  für  ü)re  Äinber  geforgt  Ratten." 

9tod&  einige  f$a\)it  weiter,  unb  aud&  fein  Dnfel  war  an  baS 
3iel  feiner  Sage  gelangt,  nad&bem  er  fidj)  burdf)  bie  Energie  feine« 
©etftcS  Don  biejem,  wie  früher  von  bem  ©d&lage  erholt  ^atte,  ber 
i^m  unb  bem  grcunbcSfreife  burd^  ben  $ob  feiner  ebeln,  mclbe* 
trauerten  ©attin  wiberfaljren  war.  ©egen  @nbe  beS  3al)reS  1832 
tonnte  Üßauli  über  ifjn  noef)  feinem  greuube  Schwab  fd)reiben : 
,,3df)  befdjränfe  mein  9letfen  jefet  barauf,  ba&  idf)  in  ben  Serien 
entweber  meine  ©cijmeftern  in  ©üdteburg  ober  meinen  alten  D&eim 
in  SUtona  befudje,  ber  nad&  einem  manrngfadj)  geprüften  Seben  bie 
Sftefultate  beffelben  verarbeitet,  immer  gletd)  Reiter  unb  lebenbig,  obgleich 
in  feinen  äßünjd&en  meljr  bem  igimmel,  als  ber  @rbe  angeljörenb,  oon 
welker  oor  wenigen  SKonaten  feine  liebfte  bewährte  greuubin  unb 
meine  jweite  SHuttcr,  bie  ©ieuefing,  2lbidf)teb  genommen  f)at."  Unb 
gleid)$eitig  mclbet  er  feiner  ©d&mefter  über  einen  foldjen  ©efu$: 
„@r  war  Reiter  unb  lebenbig  wie  immer,  fdjcrjte  mit  ben  Äinbern 


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79 

trofc  ber  befien  alten  3eitr  ift  in  feinen  Bewegungen  rafdj)  unb 
jugenblidf)  wie  früher,  furj,  madjt  nid)t  ben  ©inbrudf  eines  ab* 
netymenben  ©reifes.  3Bel<y  föftlid&eS  ©emütl),  weld&e  SBelt  ooH 
gfrieben  unb  Siebe  ift  in  biefem  3Wanne!  9JUt  iljm  wirb  ber  Heine 
Ueberreft  beS  ÄrcifeS  unferer  3**genb  feine  Seele  auSfjaud&en,  unb 
balb  feine  ©pur  oerfd&wunben  fein."  Unb  als  nun  im  ^aljre  1837 
Diefer  gall  eingetreten,  ba  fdjreibt  er  an  bie  ©dfjwefter:  y,$n  bem 
©ebanfen  an  ben  lieben  Serftorbcnen  ^aben  wir  uns  oljne  Qm\H 
oft  begegnet;  id)  fyabt  ifjn  beweint,  wie  man  nur  einen  SJater  be* 
weinen  fann.  SBoÜte  id)  fagen,  es  wäre  mir  mit  it)m  eine  un* 
enblidf)  tljeure  Erinnerung  ju  ©rabe  gefunfen,  fo  wäre  baS  eine 
leere  $l)rafe.  Sßter  fein  Seben  fo  oott  unb  fd&ön  ausgelebt  l)at, 
wie  er,  ber  läßt  unenblidf)  Diel  jurüdf,  was  man  liebenb  liegen 
fann.  2Wein  mit  iljm  ift  nun  wirflid)  ber  Se^te  ®erer  gerieben, 
an  benen  unfer  Seben  fid)  fyeraufgeranft  Ijat,  ber  Scfcte  oon  benen, 
bie  auf  uns  mit  elterlicher  Siebe  blidften,  bei  benen  wir  unS  als 
Äinber  füllten.  SHefeS  ©efityt,  baS  $erljältni&,  aus  bem  eS  ent* 
fprang,  muffen  wir  nun  ju  entbehren  lernen,  unb  baS  geljt  bem 
&erjen,  bem  eS  eine  füfee  ®ewof)nl)eit  war,  faucr  an.  hinfort 
fielen  wir  fo,  wie  unfre  @ltern  ftanben,  als  wir  Äinber  waren. 
SBir  Ijaben  nichts  meljr  hinter  unS;  ba  ift  alles  weggcbrod&en ;  wir 
finb  ganj  auf  baS  angewiefen,  was  oor  unS  ift,  auf  unfere  Äinbcr. 
S)arum  lafe'  uns  bem  &crrn  banfen,  bafo  wir  etwas  oor  uns  fjaben. 
D!  eS  muß  fdjjwer,  fe^r  fd&wer  fein,  baS  hinter  fid&  wegfterben  ju 
fefjen,  wenn  man  nichts  oor  pdf)  fjat." 

Seine  ©efdjmißer  waren  eS  nun,  unb  namentlich  feine 
©d&wefter  ganng,  benen  er  feit  biefer  Qtit  metyr  nod),  als  fonfl, 
angehörte,  unb  Sefcterer  uameutlidf)  aud)  burd)  ben  Umftanb,  bafc 
tfjr  ältefter  ©ofjn  jwet  Starre,  wäfjrenb  er  bie  Sübcder  ©<%ule  be* 
fudjte,  in  feinem  &aufe  2lufnal>me  gefunben  l)atte.  S)aS  tief" 
empfunbene  23ebürfni{3  ber  2Wittf)eilung,  bcS  ©ebenS  unb  ©mpfangenS 
alles  beffen,  was  baS  £er$  in  Seib  ober  greube  bewegen  mod&te, 
tl>ut  fidf)  in  allen  feinen  ©riefen  funb,  unb  würbe  burd)  bie  gegen* 
feitigen  Sefudfje  immer  neu  angeregt.  „%$  fjabe  auf  meiner  9Widt* 
reife,"  fdjreibt  er  einmal,  „fo  lebenbig  im  ©eift  unter  üuä)  fort* 
gelebt,  Qtjr  treuem  ©ef^wifter,  bafc  id)  nid&t  anberS  benfen  fann, 
als  audf)  3f)r  ^obt  midi),  nadfjbcm  id)  6ucf)  oerlaffen,  nod)  lange 
mit  ben  ©ebanfen  (Surer  Siebe  begleitet,  ©ie  lebt  fort  in  meinem 
iperjen  unb  in  meinem  SUtunbe,  alfo  bafj  aud&  meine  liebe  grau  fid& 


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80 

ü)tet  freut  unb  mit  mir  @ud)  prüft:  &abt  $)anf,  tjabt  3>anf!" 
S)ann  Reifet  e3  wieber  in  einem  anbern  ©riefe  an  bie  ©djroefler 
ganni):  „®anf,  feigen  $anf,  bafe  2>u  mir  aDeS  auSfprid&fi,  was 
2>ein  £erj  bewegt  unb  befd&äftiget;  benn  bafc  menfd&lid&e  iperj  ifl 
fo  eingerichtet,  ba&  tljm  nid&t  motjl  fein  tann,  bafe  e«  barbt  unb 
fränfelt,  oljne  ein  j weitet,  worin  cS  greube  unb  ©d&merj  cm& 
flutten  fann,  um  jene  hoppelt  ju  geniefeen,  biefen  nur  fjalb  §u 
füllen.  3)afe  S)u  nun,  wäfjrenb  id&  m\6)  be«  uottfommenen  SBoljl* 
fein«  aller  SJteinigen  unb  beS  grütylingS  erfreue,  an  ba8  Äranfen* 
bett  Seine«  armen  3Ranne£  gefeffelt  fein  mufet!  SQBctc^  ein  bemfitlji« 
genbeS  3cu9ni6  if*  &  bodf)  non  ber  gefallenen  ©rö&e  be«  Sroenfd&en, 
uon  bem  ©ebunbenfem  feiner  (Smpftnbungen,  bafe  er  fid)  frol)  unb 
glüdtticlj  füllen  fann,  wäljrenb  diejenigen,  für  meldte  fein  £er$  fo 
lebhaft  f<$lägt,  Me  iunerUdf)  i^m  fo  natyt  ftetyen,  non  ©orgen  unb 
Seiben  umgeben  finb!  %n  ber  Zfyat,  nädjjft  bem  ©enuffe  eigenen 
©lüdfeä,  ba«  fo  oft  ben  3Bunf$  in  un£  erjeugt,  bafe  e8  ben  @e^ 
liebten  nergönnt  märe,  eö  mit  ju  geniefeen,  ifl  e8  tyr  Seiben,  ba$ 
uns  bie  fjemmenbeu  ©d&ranfen  biefeS  jeitlid&en  2)afein8  mit  einiger 
Sitterfeit  fd&mccfen  Ifißt.  Soll  icfj  S)ir  ©ebulb  unb  Ergebung 
prebigen?  3$  glaube,  id&  mürbe,  wenn  idj  bie  ©rgebung  unb 
greubigfeit  fäfie,  womit  2>u  3)ein  Seib  trägft,  unb  bie  Sßflid&ten, 
bie  e£  LDir  auffegt,  erfüttfi,  lieber  non  S)ir  lernen,  als  S)ir  prebigen 
mögen.  Slber  t^ätc  icb  e8  au<$,  fo  bürfte  iä)  bod&  fd&werlid&  bie 
Antwort  bef orgen:  „Ser  ©lücflid&e  Ijabe  gut  prebigen,"  benn  bin 
i<f)  glüdflid;,  fann  icb  glücfU<$  fein,  wenn  diejenigen  leiben,  weld&e 
mein  Jpcrj  liebt?  ©inb  nidfjt  Steine Seiben  aud&  bie  meinen?  3td^! 
bürfte  idfj  nid&t  Ijoffen,  auef)  bann  geglaubt  ju  werben,  wenn  i<$ 
entgegnete,  bafc  idfj  baS  nidjt  für  ©lud  ad&te,  xotö  bie  Reiften 
fo  nennen,  bafc  für  mief)  bie  watire  greube  unb  ba$  wa^re  Seib 
nur  innerliti)  ifl,  unb  burd&  nid&tö  3leugereö  genommen  unb  erftottet 
werben  fann?" 

T.    &betappe1tation*ietiQt*tat$.  1843—1876. 

S)od&  genug  berartiger  ÜWittbeilungen !  3Bir  finb  im  Skrlauf 
unferer  ßrjetylung  jefct  ju  bem  3*itpunfte  gelangt,  wo  Sßauli,  in  golge 
ber  Berufung  be8  2lpp.*9tatbS  Sluljme  nad)  Sonn,  an  beffen  ©teile 
afe  SRatb  in  ba$  ©ertdfjt  eintreten  follte,  bem  er  fo  lange  atö 
©ecretair  gebient  Ijatte.  Slä  er  in  früheren  ^atjren  einmal  glaubte, 


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81 

9tuäfid)t  ju  fyaben,  als  9tatf)  einjutreten,  erfüllte  bet  ©ebanfe  iljn 
mit  ©orge.  „3$  Ijabc  ©rünbe,"  treibt  er,  „bie  mi6)  faft  wüufdjen 
laffen,  ju  bleiben  xoai  id)  bin,  wo  id)  alle  3^it  unb  Äräfte,  bie  idj 
als  9tatl>  ganj  unb  auS?dj)Uefelidf>  baju  würbe  anwenben 
muffen,  btn  Stugia^ftaU  ber  Xljemi«  auSjumiften,  wiffenfd&aftlidfjen 
gorfdfjungen  unb  ©rjeugniffen  wibmen  fann,  bie  miefj  je  metyr  unb 
met)r  anregen  unb  befriebigen,  unb  felbft  eine  Serbefferung  meiner 
äußeren  Sage  nidjjt  btoS  in  2lu£fid)t  ftetlen,  fonbern  fd;on  jefct  ge* 
toäfjren  unb  nod)  metjr  gewähren  mürben,  menn  e£  mir  möglidf) 
märe,  um  be£  ©elbeS  wegen  ju  fcfyrciben.  —  —  —  UebrtgenS 
barfft  2)u  bie  obigen  2lu3brücfe,  womit  id;  bie  SEl)ätigfeit  unfereS 
©eridjjteS  bejeidtjuet,  nidfjt  mißoerftetjen.  $ä)  [teile  baS  9Ud£)teramt 
an  ftd)  fefyr  l)od),  unb  wer  e£  begehrt,  ber  begehrt  ein  großes  Sing. 
Slüein  bei  einem  ljöd()ften  ©ericfjt,  wo  bie  Referenten  bie  Sitten 
breier  ^nftanjen,  ja  oft  ganje  Serge  twn  Slften,  unb  welker  9Iften, 
eycerpiren  muffen,  nur  bamit  bem  formellen  9ted;te  ©enüge  gefcfyelje, 
wirb  nad)  bem  gegenwärtigen  ©tanbpunft  unferer  9tedE)tSpf(ege  baS 
9tid)teramt  auf  eine  traurige  SBeife  ücrfümmert.  ^afii  fommt, 
baß  nad)  ber  SKrt,  wie  bie  ©adfjen  l)icr  betyanbclt  werben,  man 
ben  DJiift  immer  treten  muß,  ofjne  3lu^fid;t,  je  ju  ß*nbe  ju  fommen. 
(Sin  gewiffeu^after  Referent  barf  ftd)  auf  nidjtS  2lnbercS  eintaffen, 
als  auf  feine  2lften,  muß  fid)  für  alles  Slnbere  in  ber  SBelt  ben 
ÜJlunb  üerbinben,  weil  er  immer  meljr  Slften  im  §aufe  fjat,  als  er 
ju  erlebigen  im  ©tanbe  ift." 

2llS  er  fidf)  aber  nun  im  3al)re  1843  jum  Sftatl)  beförbert 
falj,  war  bamit  boefy  offenbar  ein  2öunf<$  feinet  SebenS  erfüllt, 
wie  fidf)  baS  unuerfennbar  folgenben  2leußerungen  ber  SBcfriebigung 
entnehmen  läßt,  bie  \iö)  in  einem  am  ©cfyluffe  beS  ;3al)reS  ge* 
fdfjriebenen  Briefe  finben:  „2Bir  leben  in  biefem  Söinter  ein  ganj 
befonberS  ftilleS,  IjäuSlidjeS  Seben,  was  jumeift  in  ber  großen 
lleberljäufung  mit  Berufsarbeiten  feinen  ©runb  fjat;  benn  ba  id) 
ba$  SCalent  Ijabe,  rafdlj  ju  arbeiten,  fo  werben  mir  üorjugSmeife 
eilige  arbeiten  aufgetragen.  5)a  aber  biefe  arbeiten  regelmäßig 
aud)  meinen  ©eift  anftrengen  unb  angenehm  befd&äftigen,  unb  idf) 
arbeiten  muß,  ify  mag  wollen  ober  nid^t,  fo  fjaben  Ijtjpocljonbre 
©rillen  bei  mir  feine  «Stätte,  unb  iä)  laffe  mir  bie  ©tiHe  unb  (Sin* 
fönnigfeit  unfrei  SebenS  wofyt  gefallen,  obgleich  in  mandfjen  2lugen* 
blicfen  fid;  bie  Seforgniß  einftcllt,  fo  nai)  unb  nad&  jum  bürren 
juriftifd^en  SJkaftifer  cinjutrodfnen.    3lber  gewiß!  meine  amtlidje 

&tit\ä)x.  f.  m.  öefö.  33b.  IV,  §eft  2.  6 


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82 

©tettung  faßt  mir  meljr  unb  mc^r  ju,  ba  tdfj  eineStljeit«  fetye,  bag 
tdfj  ifjr  geroad&fen  bin,  unb  auberntljcil«  au$  babei  lernen  fann." 
SJHt  welker  ©eroiffenfyaftigfeit  unb  mit  welkem  (Erfolge  er 
ben  ^JfCid^ten  feinet  Sfaitc«  bi«  ju  bem  3luflcnbtide  nadjjgefommen, 
roo  eine  ^ö^cre  §anb  bie  geber  iljm  an$  ber  {einigen  genommen, 
ba«  nätyer  au«jufüljren,  fann  nid&t  unfere  Aufgabe  fein,  t>od>  wollen 
mir  ^ier  einhalten,  wa«  ein  anbetet*  im  Ueberblicf  über  bie  amU 
Ud&e  ftljätigfcit  unfere«  greunbe«  in  golgcnbcm  treibt:  „3m 
3afjre  1843  mürbe  er  als  Stotf)  in  bem  ßottegium  be«  ©eridfjte« 
angefteUt,  al«  -Jtacljf  olger  be«  9tatl)e«  23lul)me,  ber  bamal«  au«* 
fd&ieb,  um  eine  ^rofeffur  in  Sonn  anjunetymen.  &eifc,  feine 
grofce  SBefäfyigung  anerfennenb,  tyatte  fdfjon  früher  feinen  ©intritt 
in  biefe  Stellung  genmnfcfjt;  baS  wed&felnbe  SßräfentationSredjt  ber 
©täbte  ^atte  aber  nid&t  etjer  (Gelegenheit  baju  geboten.  9ltS  9tatl) 
ift  $auli  nod&  über  25  Qa^re  lang  im  ^öd^ften  SRid&teramt  in 
2$ätigfeit  geblieben.  Söäljrenb  biejer  ganjen  3*ü  ^t  er  fid)  in 
ber  Ausübung  feine«  SBerufeS  allfeitig  ber  pollften  ätoerfennung  ju 
erfreuen  gehabt.  Q^m,  ber  feine  Äräfte  bem  ©ertd&t  oon  beffen 
erfter  ©rünbung  an  Ijingebenb  gemibmet  tjatte,  mar  es,  wie  taum 
einem  Slnbern,  wa&re  ißerjenSfadlje,  bafc  ber  bem  Sollcgium  ge* 
fteUten  fyotyn  Aufgabe  im  Pollen  3Wafee  genügt,  unb  baS  Slnfeljen, 
weld&e«  ftd&  ber  @eridf)tSl)of  fd&on  in  ben  erften  3al)rje()uten  er* 
worben  l)atte,  ungefdfjwäd&t  forierljalten  werbe.  Sr  fetbjt,  ein  um 
gemein  rüftiger  unb  rafdjer  Arbeiter,  wufete  bodf)  mit  poller  ®rünb* 
lid&feit  in  bie  Söfung  ber  gragen  einzubringen,  bie  if)tn  al«  SRefe* 
reuten  ober  Sotanten  in  ben  ju  entfdfjeibenben  Ratten  entgegen* 
traten.  Sei  umfaffenben  Äenntuiffen  im  ©ebiete  ber  9lec&t«wiffen* 
fd&aft  überhaupt,  jeid&nete  er  fid&  bod&  ganj  befonber«  burdfj  feine 
au«  ben  grünblid^ften  ©tubien  Ijerporgegangene  Äunbe  be«  beutfd&cn 
unb  be«  batauf  ruljenben  tianfeatifdjen  9ledf>te«  au«,  unb  &at  ba* 
bur<$  in  ben  Verätzungen  be«  ©ertd&te«  eine  tjöd&jl  perbienftooUe 
SBirffamfeit  geübt,  ©ein  jurifitfdfje«  Urteil  mar  ein  ebenfo  flare« 
al«  felbftftänbige«  unb  entfd&iebene«,  unb  wenn  e«  $m  babei  bis* 
weilen  nidf>t  gang  leidet  würbe,  fidf)  in  abmcid&enbe  Slnfid^ten  hinein* 
jubenfen  unb  beren  @ewidf>t  genügenb  abjuwagen,  fo  Ijalf  tf)m  bod& 
feine  fjingebenbe  pflichttreue  fd&lie&lidd  immer  über  bie  barau«  §et* 
porgetyenben  Schwierigkeiten  fyinweg.  Sitte«  in  allem  wirb  i()m  bie 
Sfoerfennung  gefiebert  bleiben,  baj$  er  attejeit  nid&t  blo«  ein  bem 
befteibeten  ärnte  poB  genügenbe«,  fonbern  ein  porjügltd&e«  SRitQlieb 


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63 

beS  f)öd)ftert  ©erid&tSljofeS  geroefen  fei.  pr  bie  oon  bcm  $räfi* 
beuten  Dr.  Äierulff  feit  18G5  herausgegebene  Sammlung  ber  6r* 
fenntniffe  beS  Dber>9lppelIationS<@erid)teS  mar  er  bis  ju  feiner  @r* 
franfung  ein  eifriger  Mitarbeiter." 

£infic!)tUdf)  beS  äußern  SebenS,  baS  ft<$,  bem  bisherigen 
a^ulid^  f  gleichmäßig  fortgefponnen ,  glauben  mir  uns  §ernadf) 
auf  einige  Slnbeutungen  befdfjränfen  ju  bürfen.  SBenn  mir  iljn 
aber  bie  Seforgnife  fyabtn  auSfpredfjen  Ijören,  fortan  mit  nichts 
ferner  fid)  befd)äftigen  ju  bürfen,  als  maS  unmittelbar  feines 
StmteS,  fo  ift  baS  nidf)t  bud)ftäblicf)  ju  nehmen,  namenttid&  audf) 
nidfjt  in  betreff  feiner  nriffenfdbaftlidfjen  £f)ätigfeit  —  mir  erin* 
nern  an  feine  oben  ermähnte,  freiließ  naef)  uorlängft  jufammen* 
gefteHten  Materialien  ausgearbeitete  ©dfjrift  über  bie  f.  g.  SBiebolbS* 
reuten,  unb  beSgleid&en  an  bie  SRebaction  beS  UrfunbenbudjeS  — 
nod)  weniger  aber  in  Sejieljung  auf  religiöfe  Sagesfragen,  bie.tfjn 
ja  immer  unb  üou  jefjer  auf's  angelegentliche  befdfjäfügt  Ratten, 
unb  auf  bie  mir  l)ier  mit  einigen  SBorten  jurüdffommen  muffen. 


6r  l>at  einmal  feinem  greunbe  6d&roab  gefd&rteben:  #/3Wcin 
Äated&iSmuS  ift  um  trieteS  Keiner  geworben,  teurer  greunb:  aber 
SfjriftuS  immer  föftltd&er,  immer  unentbehrlicher,  immer  meljr  2llIeS, 
je  mefir  id&  mein  eigenes  SRid^tS  erfahre/'  Unb  in  einem  ©riefe 
an  bie  ©d&wefter  Reifet  eS:  „SBenu  S)u  mid)  jur  Äritif  ©einer 
Ueberjeugungen  unb  jur  Darlegung  meines  ©laubenSbefenntniffeS 
aufforberft,  fo  möd&te  iä)  lieber  baoon  abfegen.  $ä)  möchte  gerne 
©eljülfe  deiner  greube  unb  ©eines  ©lüdfeS,  aber  ungern  9ttdf)ter 
©einer  Ueberjeugungen  fein,  unb,  was  baS  ©laubenSbefenntnife  be* 
trifft,,  fo  jetgt  ja  bie  ©efcfjidfjte  unb  tägliche  ©rfaljrung,  bafe 
©laubenSbefenntmffe  meljr  trennen  als  vereinen,  unb  idfj  mödfjte 
Don  ©ir  burdf)  nid()tS  in  ber  SBelt  getrennt  fein;  aud&  brause  idf) 
©ir  mein  Sefenntnifc  nid&t  abjulegen,  nimm  ©eine  Sibel  unb  lies 
baS  ©oangelium  QotjanniS,  unb  ©u  wirft  eS  ba  auf  jebem  Statte 
finben;  benn  eS  concentrirt  ftcf)  ganj  in  bem  l)od$eUigen,  föfttidfjen 
Flamen,  wooon  gefdfjrieben  fte^t:  ba&  6r  ben  Quben  ein  Slergernife 
fei  unb  ben  ©rieben  eine  $f)orl)eit,  benen  aber,  bie  an  3#n  glauben, 
göttliche  ßraft  unb  göttliche  2öetSl)eit."  ©aS  mar  fein  immer 
Keiner  geworbener  Äated&iSmuS! 

gragt  man  aber  nadE)  bem  firdljlidfjen  Sefenntnife,  fo  mar  eS  baS 
feiner  33äter,  ber  ref ormirten  Äird&e,  bie,  mit  ber  lutyertfdfjen  berfelben 

6* 


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84 

SBurjcI  entfproffen,  nur  bafe  fie  uadf)  bem  oerfdjiebencn  geizigen 
SBebürfnife  einen  oerfdjiebenen  ©ntwitftungSgang  eingefdfjlagen,  burdj 
gleite  SebcnSfraft  getragen,  bie  Aufgabe  fyat,  mit  jener  pereint, 
gegen  ben  Slberglauben  unb  Unglauben  ju  fämpfen.  50Jit  greuben 
trat  er  bafyer  gleidj)  na<$  feiner  Slnfuuft  in  Sübedf  bem  im  $a\)Tt 
1814  oon  ^Jaftor  ©eibel  begrünbeten  SMbcloerein  bei,  meinem  er 
bis  jumSatyre  1853  angehörte,  unb  ein  uns  ju  £änben  gefomme* 
ner  Vortrag,  ben  er  als  Vicc^räfeS  beS  Vereins  gehalten,  ift  ein 
föfttidfjeS  Bcugnife  beS  tiefen  ßrnfteS,  womit  er  bie  Sad&e  betrieben, 
unb  ber  Prengen,  bie  ©emiffen  fd)ärfenben  gorberungen,  meldte  er 
an  bie  VereinSmitglieber  fteüt.  ßbenfo  war  er  gleich  anfangs  ein 
SDlitglüb  beS  im  Qaljre  1820  burdj  ben  23ürgermeifter  Doerbeä 
unb  ben  Stufftfd&en  ©encratconful  non  äberfaS  gegrünbeten  SÄif* 
ftonSoeremS,  wie  er  eS  audf)  bis  jum  Qaljre  1856  geblieben  ift,  unb 
bie  oon  itjm  als  äBortfüfjrer  erftatteten  SJerid&te  jeidmen  fiel)  eben 
fo  fetyr  aus  burd)  bie  Ätar^eit  feiner  coneifen  2)arftettung,  wie 
bur$  bie  Äraft  unb  aBärme  beS,  oon  ber  innigften  Ueberjeugung 
getragenen,  2BorteS. 

SBar  eS  ifjm  vergönnt,  Ijier  im  herein  mit  anbern  9Hännem 
für  bie  Verbreitung  beS  (SoangeliumS  ju  wirfeu,  fo  ift  er  aber 
aud)  wieberljolt  bis  in  fein  fpätereS  SHlter  felbftftänbig  aufgetreten, 
fei  eS  in  Sefpredfjung  allgemeiner  religiöfer  fragen,  fei  eS  in  Vcr* 
tfieibigung  ddrifilid&er  3Baf)rf}eit  gegen  offene  ober  oerftedte  2Biber* 
fad^er.  3n  jener  Vejiefjung  barf  auf  ein  fdfjon  1830  erfd&iencneS 
merfwürbtgeS  Sd&riftdjen,  betitelt:  „$er  ©abbatl)  ber  Quben,  in 
feinem  Verfyältnife  }um  d)riftlid)en  Sonntag",  aufmerffam  gemad&t 
werben,  merfwürbig  burd)  bie  geiftootte  Deutung  göttlicher  Defo* 
nomie  in  bem  ©ange  feiner  9teid()SgcidE)id&te  unb  ben  tyoljen,  ftdf) 
barin  jeigenben  ©rab  eoangelifd)er  grei^eit.  3laä)  ber  anbem 
Stiftung  benfen  wir  junäd&ft  an  ein  im  ^atjre  1835  erfdjteneneS, 
baS  Verfahren  ber  Vraunfd&weigifd&en  ^Regierung  wiber  ben  bortigen 
^ßaftor  ©eibel  betreffenbeS  Sdjjriftd)en,  weld&cS  einen  fe&r  beadf)ten£> 
werten  Veitrag  liefert  jur  Sammlung  oon  Veifpielen  ber  3Rafc 
regelung  d&rtftticfycr  Sßrebiger,  benn  wie  ber  Verf affer  fagt:  „2Benn 
bie  Verfünbigung  göttUdfjer  2öal)rf)eit  uon  ber  grofeen,  bem  ©ött* 
liefen  entfrembeten  3Rel}rf)ett  unfereS  ©ef^lecfjts  oerworfen  unb 
oon  Vielen  oerläftert  wirb,  fo  ift  baS  §war  betrübenb,  aber  in  ge* 
wiffem  Sinne  in  ber  Drbnung.  $war  wäre  f*e  Küfo  was  fic  ifl: 
göttliche  SBa^eit,  wenn  fie  nid&t  am  @nbe  Siedfjt  behielte,  aber 


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85 

fic  wäre  e3  aud)  nicfyt,  wenn  ftc  gleidf)  bei  intern  erften  Auftreten 
von  einer,  burdf)  Säfte  unb  ^rrttjum  oerberbten  unb  in  ber  Säge 
grofe  geworbenen  sDZcnge  mit  33eifallftatfdf)en  aufgenommen,  unb 
nicfyt  oielmefjr,  fyier  leife,  bort  taut  unb  cntfdjieben ,  jurüdfgemiefen 
mürbe."  Unb  bann  fäfjrt  er  fort:  „$ie  3Saf)r^cit  tjat  tyrem 
mefcnttidjen  3n§alte  n<*$  in  ben  Sefenntni&fdjrtften  i()ren  2lu£* 
brucf  gefunben,  unb  wcnngleidE)  bie  $tit  ber  faft  allgemeinen  @m* 
pörung  ber  Vernunft  wiber  bie  $önig<o*2lutorität  be£  göttlichen 
2Borte£,  unb  ber  in  golge  berfelbeu  eingetretene  3uPan^  innerer 
Anarchie  unb  gemiffenlofer  ^nbiffereuj  e£  bafjin  f;at  fommen  taffen, 
ba&  man  an  ben  meiften  Orten  ftd)  nid&t  eben  fonbertidf)  bantm  be* 
fümmert,  ob  bie  jur  3?erfünbigung  beS  SoangetiumS  berufenen  ber 
übernommenen  Serpflid&tung  entfpredf)cn,  ober  nid&t  oielmeljr  grabeju 
entgegenjubeln,  fo  Ijat  boef)  btö  jc^t  feine  Dbrigfeit  fiel)  oon  bem 
revolutionären  ^rineip  in  ber  Äirclje  fo  weit  fortreiten  laffen,  ba& 
fie  einen  ^rebiger  grabe  be^alb,  weil  er  nadj  ^flicljt  unb  @e* 
wiffen  baS  ßuangelium,  ben  ©rjmbolen  feiner  Äirdfje  gemäfe,  uer* 
fünbigt,  abjufefccn  gewagt  Ijätte.    2)a$  ift  jefct  gefdfjeljen"  u.  f.  m. 

Unb  wie  er  bann  im  weitem  Verlauf  ber  ©d&rift  mit  rüdf* 
fyaltlofem  greimutt)  biefe  Angelegenheit  befyanbelt,  fo  fjat  er  auä)  in 
3eitfd)riften  unb  Sagesblättern,  in  fpäteren  Sauren  namentlich  audE) 
in  ber  9ßeuen  coangclifdjen  Äird&enjeitung,  wo  fi$  ber  2lntaJ3  bot, 
für  bie  von  iljm  t»crfodf)tcne  <Snd>e  euangelifdfjen  ©laubenS  unb 
et)angeltfd)er  gretyeit  mandje  Sanje  gebrochen.  SDer  letztgenannten 
3eitung  tjat  er  jtdf)  feit  Ujrem  erften  ©rfd&einen  mit  Vorliebe  juge^ 
wenbet,  wäljrenb  er  burefy  ben  in  ber  ^engftenberg'fdjen  3^itung 
fyerrfdfienben  ftarren,  eyetufiuen  ©eift,  fidjj  biefer  je  länger  befto 
metyr  entfrembet  füllte.  2lm  unleiblidfjften  jeigte  fid£)  if)m  aber  ein 
fol^er,  wie  er  fagt,  „in  ber  ipiberroärtiöften  aller  (Srfdfjeinungen,  bafe 
Sutfjeraner,  fiatt  ftdf)  mit  ben  3teformirten  jur  Kräftigung  be8 
*Proteftanti£mu8  ju  wrbinben,  nid&t  nur  allen,  einer feitö  auf  9lb* 
wetir  ber  Uebergriffe  ber  nie  ruljenben  fattjolifcfjen  Äird&e,  unb 
anbererfeits  auf  33efämpfung  ber  auflöfenben  lenbenjen  beö  un* 
gläubigen  ütabicaltömuS  gerichteten  gemeinfamen  Seftrebungen  ftdE) 
entjogen,  fonbern  audf)  i^re  ©efd&üfce  gegen  bie  ©d&meflerfirdEie 
richteten." 

Unb  als  nun  Severe«  in  feiner  unmittelbaren  9läf)e  gefd&efjen 
war,  inbem  oon  einer  Äanjel  ^erab  bie  Se^re  ber  reformirten 
ßird&e  al«  fd&riftwibrtg,  als  Qrrtefjre  bejeid&net  würbe,  ba  liefe  es 


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il)m  feine  9tul;er  unb  er  machte  feinem  tief  empfunbenen  Unwillen 
fiuft  in  einer,  1»55  unter  bem  Sitel:  „(Sin  2öort  über  ben  Streit 
ber  ßonfeffionen,"  erfd&ienenen  Sdfjrift,  auf  bic  Ijier  nur  fjinge- 
wiefen  fei  Statt  eines  2luSjugeS  mögen  aber  einige,  an  einen 
jungem  greunb  barüber  gerichtete  3Sorte  mitgeteilt  werben,  bet 
ü)m  üon  einem  fidf)  naljeuben  SalomonifdEjen  $riebenSreidje  ge^ 
fdjrieben.  „$i)  fc^e  nid^t  fo  Ijoffnungöuoll  in  bie  Sufunft,  n>ie 
2)u.  Unter  ben  Dielen  bebenflidjen  ßrfd&einungen  ber  ©egenwart 
ifi  mir  am  bebenflidtften  ber  fiel)  immer  mefyr  gettenb  mad&enbe 
ftatre  confeffionette  Dogmatismus.  2Benn  irgenb  etwa«,  fo  ifi  er 
geeignet,  baS  Äommen  beS  Sietd&eS  ©otteS,  worum  mir  täglidjj 
bitten,  aufjutyalten.  Qe  flarer  mir  biefeS  ift,  um  fo  metyr  fjabe  id>, 
nadf>bem  bei  ©elegentyett  ber  neulicben  geier  beS  SteligionSfriebenS 
biefer  ©eift,  in  offener  Slnfeinbung  ber  reformirten  Setyre,  uon  bet 
Äanjel  fyerab  fid^  tunb  gegeben  l)at,  mid&  oerpflid&tet  gehalten, 
offen  bagegen  auf jutreten,  unb  mitten  jroifdben  meinen  2lften  Ijerau* 
eine  fleine  Sd&rift  ausgeben  laffen,  melier  id&  bie  SBirfung  wünfc&e, 
bag  Sitte,  benen  bie  Äirdfje  über  bie  ©onfeffion  gel)t,  fid^  ju  feftem 
SBiberftanbe  gegen  jene  grunbnerberblid&e  Stiftung  enger  an  ein* 
anber  fd&Uefcen  mögen.  $ä)  uermag  nun  einmal  ben  Ijöljern  9teali& 
muS,  beffen  bie  lutfjerifcjje  Äird^e  fidj  rü^mt,  n\6)t  anjuertennen; 
unb  {ebenfalls  ift  ber  Spiritualismus  ber  reformirten  Ätrdje  ge= 
eignet,  jenen  §u  ergänzen.  —  —  —  3U  einem  Salomonifcjjen 
Steige  ifi  eS,  wie  3)u  ftelrft,  in  mir  nod&  nid&t  gefommen,  mein 
©laube  mufe,  wie  S)aoib,  nod)  oom  Äriege  leben.  2lber  mit  wem 
ftänbe  idj  fonft  auf  fo  gleichem  Stanbpunfte,  wie  mit  S)ir!  Safe 
unS  fortfahren  in  uno,  vero,  bono,  per  teQci  yga^aira  instar 
margaritarum  traetanda,  bann  werben  mir  burd)  ©otteS  ©nabe 
uns  aud&  gegenfeitig  immer  meljr  fein."  Sebauern  mag  man 
übrigens  immerhin,  bafe  bie  non  iljm  oertretene  Staftd&t  aud&  2(n* 
tag  feines  SluStritteS  aus  bem  3KiffionSoerein  würbe;  aber  ber 
©runbfafc,  oon  meinem  biefer  urfprünglidd  geleitet  worben  war, 
ba&  unter  ben  Reiben  nid&t  eine  lutfjerifd&e  unb  eine  reformirte 
Ätrd&e,  fonbern  nur  eine  eoangelifd&e  gepflegt  werben  bürfe,  fdjten 
ü)m  aufgegeben  mit  bem  gefaxten  33ef<J)luffe,  neben  bem  Safeler 
Snftitute  ober  anbern  äljnlid&en  ©eifteS,  aud&  ber  feitbem  ent* 
ftanbenen  Seipjigcr  eoangelifd()4ut^erifd^en  aJliffionSgefettfdjaft  Unter^ 
ftüfcungen  jufommcn  ju  laffen.  S)ie  2lnfid(iten,  oon  welken  bie  in 
reichem  Segen  wirfenbe  Safeler  9KifftonSgefellfdfjaft  geleitet  wurber 


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_87 

roarcn  nun  einmal  redfjt  eigentlich  itnb  ju  fefjr  feine  eigenen ,  als 
bog  et  eS  mit  feinem  ©enriffen  Ijätte  Bereinigen  fönnen,  audf)  nur 
fdjeinbar  einen  ©tanbpunft  ju  Dcrlaffenf  melden  gcltcnb  ju  madjen 
er  audj  in  mehreren  berjeit  ausgegebenen  @d)tiftd)en  bemüht  ge* 
roefen  ift. 

©d)liej$li<f)  fei  nod)  einer  2lnfprad)e  gebadjt,  bie  $auli  im 
.gatyre  1806  in  feiner  ©genfd&aft  als  3lettefter  bei  ©elegen^eit  ber 
geicr  beS  soojäljrigen  Jubiläums  ber  reformirten  Äirdje  in  feiner 
Saterftabt  gehalten.  6S  ift  baS  roefentlid)  ein  SDanfeS*  unb 
griebenS*2öort.  2US  $f)atfatf)en ,  „bie  nur  ber  ©efd)id)te  ange* 
l)ören,"  ermähnt  er  freiließ  beS  2)rudfeS,  unter  bem  bie  ©emeinbe 
i)kx  früher  gelebt,  aber  beftanb  fie  nitf)t  urfprünglid)  aus  folgen, 
meldfje  von  ben  eignen  ©laubenSoerroanbten  verfolgt  unb  jur  2luS* 
roanberung  genötigt  roorben  waren?  „S)ie  ©efjeimniffe,"  fagt  er, 
„finb  ©otteS,  aber  bie  Offenbarungen  finb  unfer  unb  unferer 
Äinber.  2öie  aber  fdjon  im  Sereidje  ber  Offenbarung  alle 
SSerfudje,  ben  Sieid&tljum  göttlid&er  SBa^cit  in  bie  bürftigen  goP 
mein  menfdjlidf>er  ©pmbole  ju  jroängen,  mefjr  jur  Trennung 
führen,  als  jur  Bereinigung  -  „nur  bie  befreienbe  2Bal)rl)eit  einigt, 
nicfyt  tyre  9ta<$al)mung"  —  fo  gilt  baS  nodf)  uielme^r  t>on  ben  35er* 
fudjen,  in  baS  2>unfel  göttlicher  ©e^eimniffe  einbringen  unb  fte 
begrifflieft  faffen  ju  rooHen.  ©inen  folgen,  ebenfo  bebenflid&en  als 
beflagenSroertljen  SBerfudj  fjat  bie  reformirte  Äird&e  ^ollanbS  gemalt, 
in  Sejietyung  auf  baS  unerforf<ftlid)e  aSerfjältmfe  göttlicher  Statin 
fdfjlüffe  jur  menfdjlidjen  gretyeit  im  Qafjre  1618  auf  ber  S)ort- 
red&ter  ©pnobe.  35ie  «uffaffung  ber  firengeren  Partei  ber  Salm* 
niften  fiegte  Ijter  über  bie  milbere  ber  2lrminianer  ober  9temon* 
ftranten.  Unb  wenn  fd>on  bisher  beibe  Steile  fidf)  mit  ben  geiftp 
flen  SBaffen  ber  SBiffenfcftaft  lebhaft  befämpft  Ratten,  fo  lag  eS  in 
bem  ©eijte  jener  3*it,  bafe  fortan  bie  fiegreidje  Partei,  geftüfct  auf 
ben  tobten  Sud&ftaben  beS  neuen  ©pibol'S,  bie  anbre  mit  bem 
2lrm  ber  weltlichen  Dbrigfeit  verfolgte"  u.  f.  ro. 

Socft  genug!  SBir  glauben  ben  religiöfen  unb  fird&lid&en 
©tun  unfereS  greunbeS  burdf)  bie  wrfieljenben  3JUtt&eilungen  ^in- 
länglidf)  beleudjtet  ju  Ijaben,  unb  wenn  mir  nodf)  etroaS  Jjinjufügen, 
fo  fpridfjt  ftd&  foldfjeS  in  bem  2öunf$e  aus,  bafe  audf)  feine  hierauf 
bejüglidfjen  Suff  äße,  gebruefte  roie  ungebruefte,  foroeit  fie  eine  über 
ben  «ugenblid  l)inauSreid)eube  ©cbeutung  ljaben,  ju  einer  ©amm* 
iung,  gleidf)  benen  über  Sübifdje  Sttterttjümer,    vereinigt,    bem 


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88 

$)ru<J    übergeben    unb    fomit   ju    allgemeinerer  Äunbe    gebraut 
werben  möchten. 

Dun  fei  aber,  el)e  wir,  uns  jum  6df)lu&  menbenb,  ber  SebenS* 
fd&idffale  feiner  legten  3d)rc  gebenfen,  nodfo  mit  einigen  Söorten  an 
bie  Stellung  erinnert,  welche  er  ben  Politiken  fragen  gegenüber 
eingenommen  Ijat.  (£r  mar  nad)  ber  ganjen  Did&tung  feinet  ©eiftcS 
fein  greunb  fprungweifer  ßntwidfelungen  unb  am  menigften  gc^ 
waltfamer  Devolutionen,  unb  fonnte  fidf),  was  inSbefonbere  2)eutfd^ 
lanb  betrifft,  eine  glüdtlidfje  polttifd&e  Brunft  nur  in  SSerbinbung 
benfen  mit  ber  retigiöfen  2luferfiel)ung  unb  Deugeftaltung  beS 
SBolfSlebenS.  3)ie  feit  ber  DeftaurationSjeit  in  ber  franjöfifd&en 
$)eputirtenfammer  abgelefenen  Sieben,  weldfje  in  2)eutfd&lanb  fo 
Diele  ©emütljer  tympatfjifd!)  berührten,  Ratten  tyn  falt  gelaffen,  n>eil 
ein  3uftan^,  wo,  genauer  betrautet,  bie  2lbgeorbneten,  in  Parteien 
jerftüftet,  weniger  bie  ^ntereffen  beS  33olfeS,  als  iljre  eigenen  »er* 
traten,  unb  roo  jenes  burdfj  ein  jaljllofeS  Söeamtenfyeer  oon  aller 
potitifdfjen  £f)ätigfeit  in  Angelegenheiten,  bie  es  bo<$  fetbft  junä^p 
betraf,  auSgefdjjloffen  mar,  ifjn  an  ben  entgegengefefcten  erinnerte, 
auf  weldjen  ber,  in  bie  politifd&en  3uftänbe  ©nglanb'S  tief  einge* 
weihte  Diebuljr  mit  ber  Semerfung  hingewiesen ,  bafe  bie  greiljeit 
ungtetdjj  mefyr  auf  ber  Verwaltung  beruhe,  als  auf  ber  Verfaffung. 
„3öie  erfreulich  ift  eS,"  fd&reibt  er  feiner  6d&wefter,  „aus  Die* 
bufir'S  Briefen  einen  SDann,  ben  man  bisher  fdjon  als  einen  ber 
gelehrteren  unb  grünblid^ften  gorfdfjer,  ben  SDeutfdjlanb  je  tjerüot- 
gebraut,  fannte,  nun  aud)  als  3Jtcnfdjen  innig  lieben  ju  lernen. 
Dbgletdf)  freiftunig  in  ber  ebelften  33ebeutung  beS  SBorteS,  war  er 
bodf)  weit  entfernt  von  ber  Hoffnung,  burd&  fogenannte  liberale 
formen  allein  baS  £eil  ju  begrünben,  brang  überhaupt  meljr  auf 
Deformen  ber  Verwaltung,  als  ber  ©efefcgebung,  unb  fanb,  wie 
alle  tiefem  3Jtenf<$en,  eine  ju  enge  ßonnepion  jwifd&en  bem  poli* 
tifdfjen  unb  moratifd&en  3^ftanbe  ber  3Renfd^en,  als  bafe  ifjm  eine 
Verbefferung  beS  erfteren  ot)ne  ben  lefcteren  pon  großer  8e^ 
beutung  erfdjienen  wäre.  3)aS  Söleifte  in  biefer  93ejie^ung  ift  mir 
ganj  aus  ber  ©eele  gefdfjrieben,  unb  id^  lefe  es  mit  tjödjrfiem 
©enufc." 

Dun  aber  waren  bie  formen  franjöftfdfjen  SkrfaffungSlebenS 
oorlängft  audf)  nadf)  3)eutfdf)lanb  importirt  worben,  mit  ber  wunber* 
Ud&en,    bie    greiljeit   einfdjnürenben    @udf)t,    burd&    eine    glutl> 


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_  89 

unauSgefefet  ftdjj  brängenber  ©efefce  ju  binben  unb  fiel)  binben  ju 
laffen,  unb  wäljrcnb  bic  niebrigeren  fallen  ben  ©djatt  ber 
SBorte  nid&t  fo  weit  forttönen  ließen,  wie  bev  SBcfcScmpel 
in  $ariS  eS  ermöglichte ,  fo  forgte  bodfj  ©dfjwab  bafür,  unfern 
greunb  mit  9tadf)rid)ten  über  baS  öffentliche  Seben  feiner  §et* 
matt)  ju  unterhalten ,  unb  wenn  eS  in  einem  beSfallftgeu  ©riefe 
am  ©dfjluffe  l)ieß:  „Unferm  greunb  §affenpflug  taffc  tef)  bie  trau> 
rige  Öerüljmtfjeit,  bie  er  fid)  im  conftitutioneDen  £eutfdE)(anb  er* 
worben,"  fo  antwortete  $auli,  ber  eben  üon  einer  Steife  burd) 
S)eutf^lanb  jurüdfgefeljrt  mar,  bem  greunbe  (21.  October  1834): 
„Qdj  nafjm  meinen  2Beg  über  ©öttingen  nad)  Gaffel,  unb  tyatte 
baS  igntereffe,  l)ier  ben  wieberäufinben ,  mit  bem  icf)  eine  3^i^ött9 
am  SJertrauteften  gelebt  (jabe.  ®u  wirft  eS  natürlid)  finben,  baß 
midf),  ber  id)  £aftenpflug  als  einen  reblidjen,  ftrebfamen,  wenn* 
gleich  etma§  ber  Imagination  unterworfenen  jungen  9Kann  in 
©öttingen  gefannt,  unb  ifjn  fpäter  in  ßaffcl  lebenbig  vom  $va\u 
gelium  ergriffen  wiebergefunben  Ijatte,  baS,  was  in  neuefter  3*ü 
bie  3eüungen  über  ifjn  üerfünbet,  nidfjt  \)at  irre  madfjen  fönnen. 
35aju  fommt,  baß  mtdf)  baS  3)refd)en  beS  leeren  ©trofj'S  moberner 
poUtifdfjer  S^eorien,  wie  eS  bie  £auptbefd)äftiguug  nieler  unfrer, 
in  einer  unglüdlidjen  ^arobirung  ber  granjofen  begriffnen  beutfdjen 
£anbftäube  bilbet,  fdjon  nor  längerer  3*ü  pd&lidfj  angeefelt  Ijatte, 
id)  alfo  einer  Dppofition  gegen  biefeS  3)refd^en,  beffeu  ©eflapper 
in  Reffen,  wie  an  anbern  Orten,  baS  ©freien  beS  SolfeS  nadf) 
Srob  übertönt,  nid&t  eben  feör  abljolb  fein  fonnte,  unb  id)  in  bem 
SCräger  berfelben  ebenfowenig  unreine  SBeweggrünbe  aujunefjmen 
midf)  befugt  unb  peranlaßt  fanb,  als  id)  beren  bei  mir,  auf  meinem 
äußerlidf)  uöllig  inbifferenten  ©tanbpunft,  mir  bewußt  war.  ©o 
fanb  iä)  benn  audf)  £affenpflug,  bis  auf  ben  tiefen  ©d&merj  um 
feine  SebenSgefäfjrtin ,  uöUig  als  ben  alten  wieber,  nur  gereifter, 
llarer,  oerebelter,  unb  id&  überjeugte  midf)  fetyr  balb,  baß,  wie  i$ 
eS  fdfjon  tjermutfjet  fjatte,  er  nidfjt  fowof)t  bie  einmal,  wenngleich 
übereilt,  gegebene  SBerfaffung,  als  melmeljr  eine  Partei  befämpfte, 
bie  fie  auf  iljre  SSkife  beuten  unb  anwenben  will,  monadf)  alles 
Siegieren  eigentlich  unmöglich  gemalt  werben  würbe.  3n  bem 
23ewußtfein,  feine  Stellung  nur  jum  heften  beS  SanbcS  ju  be* 
nufcen,  war  er  ebenfo  entfd&toffen,  ftdf)  auf  feinem  Soften  ju  be^ 
Raupten,  als  milbe  in  bem  Urzeit  über  feine  ©egner,  bie  iljrer* 
feitS   —   benn  idfj  fpra<#  ifjr  ipaupt  —  mit  einer  93itterfeit  unb 


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2Butl)  ifjn  Dcrfolgten,  bie  nur  ju  beutlidf)  oerrietl),  welker  ©eifi  in 
il)nen  nurffam,  unb  meldjer  Art  bie  Sad;c  ift,  um  bie  fie  eifern. 
StefeS  in  ßrroieberung  auf  Seine  etwas  fyarte  Aeufeeruug  über 
§affenpflug,  bie  otyne  3weifel  auf  äljnlidjen  Öeridfjten  beruht,  benn 
übrigens  glaube  idf)  Sid&  genug  ju  fennen,  ba§  nrir,  in  ben  Sßrim 
jipien  einig,  uns  fefyr  batb  uerjiänbigen  würben."  ©ein  billig 
benfenber  Dnfel,  bent  er  über  btefe  Angelegenheit  gefdjrieben,  ant* 
wortete  i^m  unterm  18.  3uli  1833:  „Sie  Scrf Rieben ^eit  ber  An* 
fixten  Seiner  beiben  greunbe  in  Saffcl,  bei  gleidf)  guten  ©eftn* 
nungen,  ifl  mir,  nad)  ben  uerfdljiebenen  Stanbpunftcn,  uon  benen 
aus  jeber  bie  Sage  ber  Singe  beurteilt,  fiöd^fl  begreifltd).  Ser 
eine,  mit  ben  Sdjwierigfeitcn  beS  StegierenS  vertrauter,  legt  baS 
§auptgewi<Jjt  auf  Kräftigung  ber  Autorität,  wäfjrenb  ber  aubre, 
berufen,  bie  5Re<f)te  beS  SolfeS  ju  pertreten,  beffen  6ifer  wad&  er- 
halten ju  muffen  glaubt  jum  SBiberftanb  gegen  eine,  oon  ben 
großen  SJtäcbten  auSgefjenbe,  alle  gretljeit  bebrotienbe  Steaction. 
£at  jener  ftdj  feiner  unrechten  SDlittel  bebient,  fo  ift  fein  Scftreben 
lobenswert!),  wie  beS  Sedieren,  wenn  er,  o^ne  bie  Abftd&t,  auf> 
regenb  ju  wirfen,  im  richtigen  Sinn  baS  SJolf  oertritt.  Senn  von 
ber  Steaction  märe  weniger  ju  beforgen,  wenn  bie  Äammern  ftdj 
me^r  mit  beut,  was  $otl)  tljut,  mit  bem  magren  3Bot)l  beS  25olfe 
befd&äftigten,  unb  fief)  baburd)  waljrljaft  populär  in  Seutfdfjlanb 
matten.  Ueber^aupt  beforge  id),  ba§  bie  meiften  unfrer  33er* 
faffungen  bem  üaterlänbifd&en  SBoben  fremb,  ber  eigentümlichen 
(Sntwtdtelung  Ijinberlid)  finb.  33eratf)enbe  Sßerfammlungen  Ratten 
rooljl  überall  als  eine  Scfjule  poUtifdjer  ©Übung  uorange^en  unb 
eine  wttfommenere  Drganifation  beS  ©anjen  uorbereiten  follen." 

Sb  Sßault  jene  Auffaffung  ber  £effif$en  SJerfaffungSfämpfe 
aus  ben  breifeiger  ^afjren  audj  fpäter  nodf)  unoeränbert  feftge* 
galten,  namenttidE)  nadf)  einem  in  feinem  91ad)laffe  gefunbenen  oer^ 
traulidjen  Memoire  £affenpflug'S  über  bie  ©efdjidfjte  unb  bie 
©rünbe  ber  Aufgabe  feines  9KinifterpoftenS,  unb  ob  er  baS  fpätete 
Auftreten  feines  alten  greunbeS  burdfjweg  gebilligt,  fteljt  fe&r  ba&tn. 
3n  perfönlidjen  öerfeljr  ifl  er,  abgefetjen  non  einem  23efud&e  in 
Berlin,  wo  £affenpflug  bamalS  Dbertribunalratl)  mar,  im  Ratyct 
1844,  nidfjt  wieber  ju  $m  getreten,  unb  eine  ßorrefponbcnj  fei^eint 
in  ben  legten  $al)rjel)uten  nid)t  meljr  fiattgefunbeu  ju  Ijabcn. 

£atte  er  nun  aber  auclj  auf  eine  burd&weg  friebUd&e  ©nt* 
nridfelung  ber  öffentlichen  ßuftänbe  nid&t  gehofft  -  in  ben  breiiger 


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^a^ren  fdfrreibt  er:  „$er  aufmerffame  SJcobad^tcr  fann  an  einer 
gänjlid&cn  Umwanblung  nid&t  jweifeln,  woburdf)  bic  äußeren  Ver* 
tyältniffe  ber  äRenfd&ljeit  in  eben  bem  9Ra&e  von  oben  naä)  unten 
gefeiert  werben,  wie  eg  bie  Ijcrrfd&enbe  ©eftnnung  fdjjon  längft  ift" 
—  auf  bie  ^ßlöfclicfjfeit  be£  1848  loSgebrod&enen  ©turntet  war  er 
boc&  wo&l  nid^t  vorbereitet;  als  2öortfüf)rer  beS  üHifffonSoereineS 
Ijielt  er  bamatS  eine  2lnfpradf)e,  bie  mit  ben  SSorten  beginnt:  „$a& 
über  bie  SBirffamfeit  eines  d>riftti<^en  Vereins,  jumal  eines  Vereins 
für  bie  Verbreitung  beS  ©oangeliumS  unter  ben  Reiben,  in  unfrer 
3eit,  in  unferm  Vaterlanbe,  nur  mit  einem  eigentümlichen  bitter* 
füfeen  ©efüfjle  gerebet  werben  fönne,"  unb  nadEjbem  er  ber  ©eg* 
nungen  gebaut,  bie  burdj  göttliche  ©nabe  grabe  bem  beutfdfjen 
Volfe  wtberfatjren,  weiter  fortfährt:  „2BaS  ifl  eS  benn,  was  baS 
SSolf  in  feinen  tiefften  liefen  aufwühlt  gegen  alle  göttliche  unb 
menfdblid&e  Orbnung;  was  ift  eS  benn,  was  bic  furchtbare  Setjre 
emporbringt,  baS'  SRcd^t  im  Staate  woljne  nur  ba,  wo  bie  ©tärfe 
fei,  nämtid^  bei  ber  9KeE>rf>eit  feiner  ©enoffen?  Qft  baS  nidjjt  ber 
©eift  aus  bem  2lbgrunbe,  beffen  25iener  bie  finb,  bie  ba  greUieit 
oer^eifeen,  fo  fic  bod&  felbft  Anette  finb  beS  VerberbenS?  gaben 
wir  eS  nid&t  erlebt,  bafj  bie  Vertreter  ber  ganjen  Nation  i^r  gro&eS 
2öerf  ber  ©rünbung  einer  beutfd&en  Verfaffung  uidfjt  nur  ol)nc  ©ott 
begonnen,  fonbern  baS  Srfletyen  feinet  ©egenS  für  baS  überflüffigfte 
S)ing  auf  ber  SBelt  erflärt  fyabtn?  §at  nid&t  biefe  Verfammlung 
bie  Äirctje,  in  ber  unuerfennbaren  2lbftd)t,  nid)t  etwa  fie  allein  auf 
tyren  ewigen  lebenbigen  gelfen  ju  [teilen,  fonbern  um  il;r  biefe 
oermeintlid^e  tefetc  ©tü$e  ju  entjietjen,  oom  ©taate  getrennt,  unb 
bamit  ja  üjre  Meinung  nidfjt  zweifelhaft  bliebe,  baS  uralte 
^eilige  Vanb  ber  ©d&ule  unb  ber  Äirdfje  gelöfet?"  u.  f.  w.  u.  f.  w. 

Segten  fi<$  freiließ  allgemadf)  bie  SBogen  feiner  ©mpfinbung, 
welche  l)ier  einen  fo  berebten  SluSbrucf  gefunben,  mit  bem  3urüdf* 
treten  ber  flutljenben  äußern  Bewegung,  —  bie  bamalS  auSge* 
fprodfjenen  Ueberjeugungen  Ijaben  in  unoeränberter  ©tärfe  bei  i^m 
fortgelebt,  unb  nodj  in  einem  2Iuffafce,  feinen  fpäteren  2ebcnSjaf)ren 
angcljörig,  eifert  er  namentlich  gegen  ben  f)offät)rttgen  2tnfprud& 
2111er,  bis  auf  ben  SCagelöljner  fjerab,  am  ^Regiment,  an  ber  ©efefc* 
gebung  Sfjeil  nehmen  ju  bürfen. 

2)er  ©türm  übrigens  —  unb  baran  fei  (jier  nodf)  julefct  er* 
innert  —  ber  ©türm,  weld&er  bamalS  bie  ©elfter  bewegte  unb  an 
ben  geiftigen  @rjeugniffen  rüttelte,  fonnte  aud)  bie  ©d&äfcung  beS 


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92 

ÜöertfjeS  feiner  iüiffcnfd;aftti<35en  arbeiten  nid>t  unberührt  (äffen;  er 
tiattc  fic  von  §avß  au$  nid&t  al§  ein  Elaborat  tobtet  ©cleljrfam- 
feit  betrachtet,  fonbern  gehofft,  burdf)  eine  35arftcflung  ber  Mtd)t& 
Qnftitute  in  iljrcr  wahren  ©eftalt  auf  eine  richtige  unb  frud)t= 
bringenbe  gortcntwidfelung  bc£  nodf)  £ebcn£fäf)igen  fyinjuwirfen. 
9lber  wie  luenig  baran  je§t  nodf)  $u  benfett,  ba$  bejeugen  bie  Söortc 
ber  SSorrebe,  womit  er  jenen  legten  Sanb  feiner  2lbfjanblungen 
herausgegeben,  wenn  er  f)ier  fagt:  „2)ie  Seröffentlidfjung  ber  in  ben 
brei  erften  Steilen  biefeS  SBerfeS  bargefteDten  (Srgebniffe  mü^eooBer 
gorfdfjungen  auf  bem  ©ebiete  be$  üaterftäbtiftfjen  9ted)t3  gcid&alj 
in  ber  Hoffnung,  baburdf)  eine  neue  Stemfion  unfere«  f.  g.  reui; 
birten  Statute  ju  ueranlaffen  unb  anjubaf)nen,  einer  Arbeit,  uon 
ber  ft<$  nidfjt  behaupten  läßt,  bafe  fie  ben  SSerbienften  unferer^or^ 
fahren  um  bie  2lu$bilbung  beS  beutfd&en  SHed;tö  bie  Ärone  auf» 

gefefct  fjabe.  — $ä)  afytte  aber  nidfjt,  bafe  fo  balb  eine  3eit 

fommen  werbe,  wo  bie  ©efefcgebung  in  feiger  beifpiettofer  SBeife 
gleidf)  einem  (ange  aufgehaltenem  Strome,  bie  3)ämmc  gegebener 
guftänbe  burd&brecfyenb,  fidE)  über  alle«  Seftefjenbe,  ntd&t  nur  be3 
öffentlichen,  fonbern  audf)  beS  ^rtoatredjjt«  bermafeen  jerftörenb  er* 
gießen  werbe,  bafe,  wer  jefct  jene«  retribirte  Statut  mit  ben 
9lugen  burdfjmanbert ,  ben  Sinbriuf  einer  grünblidf)  oerwüfteten 
Stabt  empfängt,  in  ber  l)ie  unb  ba  nur  einjelne  längfi  unbewohnte 
unb  !aum  bewohnbare  &ütten  flehen  geblieben  fmb.  S)a$  ift  nun 
freiließ  ein  wofjluerbiente3  ©eridfjt;  benn  feine  Sünben  ftnb  grofe 
unb  nur  ju  lange  fd)on  in  ©ebulb  getragen.  9ttdf)t  fo  einfad)  ba- 
gegen  mödfjte  ba«  Urteil  über  ben  äöertt)  SDc^icnigen  fein,  roaS 
man  an  Stelle  beS  3^ftörteu  gefdjaffen,  ob  man  bie  Aufgabe,  nid&t 
ein  neue«  9ted)t  ju  erfmben,  fonbern  ben  wahren  ©runbfäfcen  be£ 
althergebrachten  tjeimifdjen  Siedet«  mit  fdfjonenbcr  $anb  eine  seit- 
gemäße  entwidtelung  ju  geben,  rid&tig  erfaunt  unb  befriebigenb 
gelöft  l;at.  —  —  So  niel  ift  flar,  bafe  burd)  bie  neuefle  ©efefc* 
gebung  meine  feitfjerigen  gorfd&ungen  größtenteils  jum  SBertf)  ober 
Unwertf)  rein  antiquarifcfyer  fjerabgefefct  ftnb." 


2Bie  boppelt  wot)ltl)ätig  mußte  e8  aber  für  if)n  fein,  fid)  unter 
folgen  Umftänben  in  einer  Stellung  ju  bepnben,  beren  ©efdjäfte 
it)m  nid)t  geftatteten,  me(and)oUf<^en  ßmpfinbungen,  wie  wir  foh&e 
\)kv  auäfpredben  fjörten,  lange  nadjjufjängcn.    grciltdf)  noci)  meljr 


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93 

forgte  bafür  ba£  fiebert  mit  bem  2Bed)fel  froher  unb  fdjmerjlidfjer 
ßreigniffe!  6r  falj  feine  alten  $reunbe  oor  fiel)  f)tufterben,  unb 
ebcnfo  feine  ©efd&nrifter,  mit  2lu£naf)me  beä  23ruber£,  ber  ifjn  über* 
lebt  f)at;  im  Qabre  1857  verlor  er  feine  ©Ijefrau,  unb  im  $afyxt 
1866  folgte  bicfer  feine  einjige  heißgeliebte  Softer,  bereu  etjelid&eS 
©lud  fo  ganj  aurf)  fein  eigene^  geroefen  mar.  @rf$ütternb  finb 
feine  Älagen,  bie  er  gegen  einen  greunb  in  SBerautaffung  biefer 
oerfd&iebcnen  SrauerfäBc  laut  werben  läßt,  aber  baneben  fefylt  e£ 
nie  an  troftüollen ,  ber  lauterften  Quelle  eutflte&enben  23etrad()> 
tungen.  „Sroft,"  fd&reibt  er  nad&  bem  Sobe  feiner  im  Qaljre 
1851  uerftorbenen  ©djroefter  gannt),  „Sroft,  unb  meljr  als  ba3, 
gewährt  mir  bie  ftete  $ergegennmrtigung  ijjrcS  geiftigen  2Befen£, 
ityrer  unuergänglidien  @d)önt)eit,  bie,  inbem  fie  meine  Seele  mit 
©ntjüden  erfüllt,  mir  jug(etd)  ein  neuer  innerer  2lntrieb  wirb,  in 
felbftuerläugnenber  Streue  ben  fdjjmalen  Sßcg  fortjupilgern,  ber  ba- 
tjtn  füfyrt,  wo  mein  ©laube  fie  in  3^t»erfi(^t  weife,  unb  mir  tbtn 
bcäljalb  bie  ftärfenbe  ®en)if$eit  il;rer  $äbe  giebt,  wie  berjenigen 
©otte£,  melier  Slllen  nalje  ift,  bie  auf  feine  ©nabe  hoffen." 

Unb  feine  £au£frau,  bie  wäljrenb  einer  36jäf)rigen  3*übauer 
ifpn  fd&affenb  unb  forgenb  jur  Seite  geftanben!  „Se^unbbreifeig 
Qa^re,"  fdjreibt  er,  „Ijaben  ein  gewaltiges  Sted&t,  unb  taffett  tief 
empfmben  bag  SBort  ber  ewigen  3ßaf)rl)eit:  „63  ift  nidf)t  gut,  bajj 
ber  9)icnfd^  allein  fei,"  unb  fo  tarnt  mein  UebebebürftigeS  altes 
Jperj  fidj)  nodj  nid&t  red^t  an  ben  ©ebanfen  gewönnen,  bie  nodf) 
üor  mir  He^enbe,  uorauSftd&tlid)  uid^t  !urje  23al)n  meines  fiebenä 
allein  burdjjpilgern  ju  follen,  fein  liebenbeä  Sffiefen  um  mid)  jtt 
Ijaben,  ba£  greub  unb  Seib,  namenttidf)  bie  Äinber  betreff cnb,  mit 
mir  ttjeilt,  unb  mir  einmal  fanft  bie  Slugcn  jubrüdtt,  roenn  fie  einft 
ju  einem  feiigen  (Srroadjen  fid^  fdjltefeen." 

VI.    J)te  festen  <£ebm*ia§te. 

SSofjl  foHte  er  SRed^t  Ijaben  mit  ber  Ijier  auSgefprod&enen  6r* 
Wartung  eines  iljm  md;t  nafje  beoorfteljenben  (SnbeS,  benn  erft  22 
3a^rc  fpäter  ift  er  feiner  ©attin  im  £obe  nachgefolgt  Slber  bie 
9)lad)t  ber  $eit,  meldte  Slubern  Teilung  bringt,  mie  Ijätte  fie  nidjt 
auefy  auf  tfjn,  unb  grabe  auf  il)n,  ber  ja  geroofjnt  mar,  in  iljr  nur 
„ein  §eute  ber  ©itrigfett"  ju  erfennen,  ttjren  (Sinftufo  geltenb 
machen  follen!    3)ie  ^afyu  famen  unb  gingen  mit  tyrer  ©cfynur 


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94 

auf  einattbet  fotgenbcr  Sage,  beten  jeber  feinen  SSfafprudf)  ma<$te 
an  bie  Äräfte  beS  fo  arbeitst  nötigen ,  wie  arbeitsfähigen  2HanneS; 
bie  Seitung  beS  freunblid&en ,  motjlgeorbneten  ipauSroefenS  fall  er 
ben  ipänben  einer  forglidf)  unb  liebevoll  fd&affenben,  altbewährten 
$reunbin  ber  Familie  anvertraut;  eS  fehlte  nidEjt  an  @infpred&en' 
ben,  nidfjt  an  ©efud&enben,  gelegentliche  Steifen  brauten  ©rfrtfdfjung, 
unb  eine  ©ctyaar  ftöljlidf)  Ijeranmad&fenber  @nfel  erfüllte  fein  £erj 
mit  inniger  greube!  —  aber  in  biefem  gleid&mäfeigen  3uge  foDte  eS 
nid&t  bis  ju  ®nbe  fortgeben,  beun  am  5.  «pril  1869,  als  er 
ÜDtorgenS  eben  im  Segriffe  fianb,  ftd)  in'S  ©erid&t  ju  begeben,  traf 
tyn  ein  ©d&laganfaU,  ber  feiner  bisherigen  ©efdljäftStyätigfeit  für 
immer  ein  3^  fe^te.  2öot)l  fudjte  fein  raftloS  arbeitenber  ©eifi 
mit  aller  Äraft  fidf)  bem  läfjmenben  ßinfluffe  beS  UebelS  ju  wiber* 
fefcen,  unb  baS  audf)  nid&t  ofjne  (Srfolg.  5öie  er  bie  SBefinnung 
feinen  Slugenbltdf  verloren,  fo  fal)  er  ftdj)  audf)  rafd^  im  freien  @e* 
braud&  feiner  ©lieber  wiebertjergefteHt ,  unb,  burfte  er  ju  Slnfang 
bem  Äopfe  feine  Sttnftrengungen  jumutyen,  fo  richtete  er,  bei  feinem 
unabweisbaren  SfjätigfeitStriebe,  feine  Stube  ein  ju  einer  ©d&m|* 
Sßerfftätte;  bajwtfdfjen  natjm  er  bie  ©eige  jur  &anb,  unb  wie  er* 
freute  eS  baS  &erj  beS  alten  3JlanneS,  unb  weldf)'  liebli^eS  S3ilb 
gemährte  eS,  wenn,  von  ben  Jonen  angezogen,  ein  ja&mer  Äanarien* 
vogel  tierangeflogen  fam,  fid)  erft  auf  baS  §aupt  beS  ©pielenben, 
bann  auf  baS  ^nftrument  nieberliefe,  unb,  baS  ßöpfdfjen  ljm  unb 
tyer  beiuegenb,  mit  gellen,  freunblidfjcn  SSugen  in  bie  feinigen  flaute. 
SlDgemadj)  Ijob  ftd)  fein  3^ftanb  in  bem  3Raf}e,  bafe  er  hoffte, 
wieber  in  feinen  ©efd&äftSfreiS  eintreten  ju  fönnen,  aber  eS  blieb 
eine  innere  geiftige  ©d&ranfe,  bie  baS  unmöglich  machte,  ©eltfam 
genug!  ®r  burfte  balb  wieber  mit  2efen  beginnen;  metjr  SJtüfje 
verurfad&te  iljm  baS  ©d&retben,  baS  SSnfangS  in  ber  mec&amfd&en 
Stjätigfeit  beS  2lbfd&reibenS  von  Urfunben  beftanb,  bann  na^m  er 
audlj  bie  ßorrefponbenj  mit  feinen  abmefenben  Äinbern  unb  mit 
greunben  wteber  auf,  aber  fretlidf)  nid&t  ofjne  bafj  biefen  bie  ©puren 
ber  änfirengung  unb  SDMtye  barauS  entgegengetreten  mären,  unb 
cnblidfj  l)at  er  mdfjt  nur,  in  Slnfnüpfung  an  ben  von  iljm  im  3a£re 
1824  in  ber  ©efeüfdjjaft  gemetnnü&iger  ^ätigfeit  über  ben  äbpffi- 
nifd^en  SKiffionar,  ben  Sübedfer  Sßeter  £et)ling  gehaltenen  Vortrag, 
einen  Sluffafe  für  SBarnecfS  ÜWiffionSaeitf^rift  gefd&rieben,  fonbernr 
wie  wir  oben  gehört,  begann  er  auty  wieber  mit  feinen  ©efang* 
bud&*  arbeiten,  unb  fürs  vor  feinem  £obe  erfd&ten  nod&  ber  brittc 


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95 

33anb  feiner  „Sübedifdfjen  3«Pänbe  im  Mittelalter."  Unb  au<$  im 
gluffe  feiner  SRebe  fehlte  iljm  nid)t  leicht  ber  rid&tige  AuSbrud; 
aber  er  permocfytc  nkfjt  einer  ®töfuffion  ju  folgen;  fdfjon  imßwie^ 
gefpräd)  fonnte  er  oor  einjelnen  ganj  geroöljnUdjjen  SBorten  fielen 
bleiben  unb  fid^  erft  äterftcmbnifc  fdjaffen,  nadtjbcm  er  fie  mit  bem 
ginger  oor  fidf)  ^ingejei^net ;  roofyl  la£  er  felber,  wenn  aud)  lang* 
fam,  t)or,  aber  bem  Sorlefenben  lief)  er  üergebtidf)  fein  £)l)r,  unb 
für  bie  Sßrebigt  in  ber  Äird&e  mar  bicfeS  t>erfd)loffen. 

SBie  fd&merjlidfj  ü)m,  bei  feiner  lebhaften  9latur  unb  bem  S3e* 
bürfnife  be$  ©ebanfenauStaufd&e« ,  biefe  geiftige  geffelung  geroefen, 
ba£  brauet  Ijier  nur  angebeutet  ju  werben;  roofyt  aber  bürfen  mir 
auSbrücflidj  t)ert)ort)eben,  bafj  er  fidf)  in  ba£  Unt>ermeiblid()e ,  als 
eine  von  oben  iijm  rotberfatyrene  ©d&itfung,  mit  ©ebulb  unb  mann* 
lidfjer  gaffung  ergeben.  ®r  fjatte  feine  ©tunben  feft  eingeteilt 
nad)  ben  £age£jeiten,  in  fiefung  t>on  Supern  ernftern  ober  leidfjtern 
QnljalteS,  in  fdjriftlidje  SBefd&äftigungen ,  in  Uebung  Don  äJtufif 
u.  f.  n).  3Jttt  bem  lebenbigften  3ntereffe  ift  er  bis  jutefet  ben 
öffentlichen  Angelegenheiten  gefolgt;  9ftemanb  ift  mit  mefjr  S^eilna^me 
ben  &elbentl)aten  ber  beutfd&en  Armeen  im  Äriege  gegen  granfreid& 
gefolgt,  unb  wie  ifym  bie  Aufrid&tung  beS  S)eutfd)en  9ieid)3  jur  Ijöd&ften 
©enugtljuung  gereifte,  fo  J)at  er  audf)  mit  feiner  Anerfennung  für  bie 
2Känner,  bie  baju  mitgenrirft,  nidf)t  jurüdgefialten.  $i£  jum  legten 
SebenSja^re  unternahm  er  audf),  roie  in  früherer  3*ü,  Steifen,  bie  ilju 
gelegentlich  über  Sttorbbeutfdfjlanb  l)inau£,  nadfj  SBürtemberg,  nadfj  ber 
©dfjwetj  führten,  wo'  er  in  ©enf  bie  SBittroe  feines  greunbeS  SKerle 
b'Aubign6  befudjte,  unb  in  SBafel  bei  feinem,  im  fpäteren  Alter 
gewonnenen  greunbe,  bem  ^Jrofeffor  ©dfjnell,  porfprad).  Qmmer 
aber  freute  er  ftdf),  in  fjetfeer  ©ommevjeit  Ijeimgefefjrt,  bann  roieber 
feiner  SJaterftabt  mit  iljren  grünen  Umgebungen,  ben  Ijerrtidfjen 
Alleen  unb  anmutigen  SBaHanlagen,  bie  er  täglidf)  ju  roieberfyolten 
SRalen  ju  burdjjroanbern  pflegte.  Sei  ber  AuSftdjtSloftgfeit,  bie  ©e* 
fd&äfte  roieber  aufnehmen  ju  fönnen ,  mar  er  inbeffen  im  3al)re 
1876  um  feine  (Sntlaffung  eingefommen,  bie  iljm  pon  ben  Senaten 
ber  brei  ©täbte  unter  e^renbfter  Anerfennung  feiner  ikrbtenfle  um 
baä  ©erid&t  unb  bie  roiffenJcljaftUdie  gortlnlbung  beS  Siedete«  ju 
Sljeil  würbe,  ©inem  greunbe  fdfjrieb  er:  „SHe  3lrt  unb  SBeife, 
nrie  in  Sübed  bie  93ürgerf<$aft  ben  Antrag  bc§  Senate«  ange* 
nommen,  §at  midj  tief  gerührt."  eine  fd&öne  Anerfennung  feiner 
Sßerbtenfte  um  bie  SSaterftabt  mar  U)m  aber  am   13.  9topember 


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96 

I870r  als  bcm  Sage,  ba  er  twr  50  ^aljren  <&&  ©ecretair  in'S 
©erid)t  eingetreten,  burdj  3ufdf)riften  beä  «Senates,  ber  ©efcilfd&aft 
jur  Seförberung  gemeinnüjjiger  $f)ätigfcit  unb  beS  SSereinS  für 
Sübecfifd&e  ©efd&id&te  unb  SUtertljumSfunbe,  ju  $f)eit  geworben;  bie 
Senate  ber  freien  Stäbte  ehrten  ityx  in  biefer  SJerantaffung  burdfc 
eine  an  il;n  entfanbte  Deputation,  weld&e  bie  twHfte  SBürbigung 
feiner  $crbienfte  befunbete;  ber  Senat  feiner  SBaterftabt  nod&  aufcer* 
bem  burdfj  Serleifyung  ber  großen  ©tjrenbenfmünje,  unb  in  feinem 
Schreiben  fpracl)  fid^  bie  SBürbigung  beffen,  was  er  als  3JUtglieb 
beS  ©erid&teS,  fowte  wiffenfd)aftlid)  geleitet,  mit  ben  SBorten  auS: 
„baf;  er  nid&t  nur  in  feinem  93erufe  als  SBtitglieb  beS  ^öd^ften 
©eridjteS  ber  freien  Stäbte  2)eutfd)lanbS  ein  felteneS  JBeifpiet  am 
geftrengtefter  Sljätigfeit,  gewiffenljaftefter  Unparteüidttfeit  unb  fdjarf* 
finnigfter  9ted)tSftnbung  gegeben,  fonbern  burdf)  feine  müljeüotten 
unb  bafjnbredjenben  gorfcfyungen  auf  bem  ©ebiete  lübifdjen  9led^tc^ 
unb  fcübifäer  ©efdjjidfjte,  fid)  ein  unoergänglid&cS  SJerbienft  um  bie 
görberung  beutfd&er  9tcdfjtSmiffenfd)aft  unb  tnSbefonbere  um  feine 
Saterftabt  erworben  tjabe." 

2>cm  SebenSbitbe  unfereS  greunbeS,  bem  mir  bis  l)ter,  n>o 
fein  tljätigeS  Söirfen  ein  (Snbe  genommen  unb  nur  nod)  wenige 
3al)re  ber  Stille  unb  beS  SBartenS  auf  ba«  @nbe  folgen,  unfern 
S3lid  jugewanbt,  fehlen  aber  nod)  einjelne  3fyt,  bei  benen  wir 
na$t)olenb  unb  ergänjenb,  wo  fte  angebeutet  waren,  no<$  t>er> 
weilen  muffen.  ©S  ift  fdfjon  erwähnt,  baf$  Sßauli  in  früheren 
Qa^ren  fiel)  in  l)äuSUdf)em  Greife  an  gemeinfamen  ernften  ©efängen 
beteiligt  fjat,  audfj  feines  früf)  geübten  unb  nadf)  ;gat)rjel)nten 
wieber  aufgenommenen  ^iolinfpielS  ift  gebadet.  2lber  bie  2Rufif 
war  ifjm  mefjr,  als  ein  gelegentlicher  3eitoertreib,  fie  war  i^m  ein 
SebenSbebürfnifc,  er  Ijatte  „9Jtuftf  in  iljm  felbft."  SSon  bem  feelen* 
DoBen  ©efange  feiner  SMutter  an,  ber  auS  ben  Sagen  ber  Äinbfjeit 
in  i&m  nad&flang,  Ijat  fein  2tbtn  lang  eble  Sonfunft  tljn  im  $n 
nerften  berüljrt.  £)aS  ©bie,  ©infame,  ©rgretfenbe  ber  9Rufit  fpra<$ 
ju  if)m;  ba«  ßünfilidje,  Sßifantc,  oljne  inneren  ©e^alt  Stenbenbc, 
galt  i^m  nid^tö.  S5ie  alten  2Reifier  &at)bn,  ©lud,  3Jlojart,  #änbel, 
and)  Seett)ot)en,  waren  feine  Sieblinge,  unb  immer  ergriffen  U>n  bie 
älteren  tief  empfunbenen,  einfad&en  ßompofttionen  @ötl)e'fd&er  unb 
anberer  Sieber  unb  33olfSweifcn.  SluSübenb  war  er  nid&t  irgenb* 
wie  fyeruorragenb,  wenn  er  audfj  gelegentlich  in  öffentlichen  auf 
füljrungen  von  Oratorien  mitgewirft  §at,  aber  er  befafe  eine  wo^l« 


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97 

tautcnbe  Senorfiimme ,  in  bic  er  audf)  StuSbrudt  ju  legen  roufste, 
unb  e£  ift  feinen  Äinbern  eine  liebe  ©rinnerung,  nrie  er  mit  ifircr 
äRutter  jum  Älatrier  SolMieber  ober  bie  Qdktftyn  unb  9tei* 
d&arbtfd&en  (Sompofitionen  fang.  S)a  er  mit  einem  auSgejeidfjneten 
muftfalifd&en  @el)ör  unb  ©ebädf)tm&  begabt  mar,  fo  hafteten  ganje 
©pmptyonien  unb  Opern,  wie  aJlojart'S  SDon  ^uan,  in  feinem  ©e* 
bäd&tnifj,  er  pflegte  oft  barauS  t>or  fidf)  \)\n  ju  fingen,  wie  er  benn 
behauptete,  ba&  er  berou&t  ober  unberoufet  immer  eine  SRelobie  mit 
fidfj  herumtrage.  2Ü3  nad&  bem  6d^laganfaDe  baS  ©ebädjtmfc  für 
baS  SBort  unb  baS  SSerftänbnife  ber  gefprodfjenen  9tebe  fidf)  anfängt 
Ud&  üermirrte,  waren  ifjm  bie  äKetobien  in  feinem  Innern  treu  ge* 
blieben.  *öi£  julefct  f>at  er,  toenn  er  nur  irgenb  e£  üermodfjte,  bei 
feiner  ßoncertauffüljrung  gefehlt,  bie  fym  ©enufc  oerfpradf).  ®aä 
SBiolinfpiel  eines  -JReifierS  tonnte  itjn  no<$  lange  nadf#er  in  ber 
©rinnerung  in  Sntjüdten  perfefcen. 

2lu£  berfelben  Quelle  inneren  ©efütylSlebenS  ftojg  au<§  ba8 
SSerftänbnife  unb  bie  greube  an  äd&ter  $oefie,  an  beren  befien 
Älängen  ber  f)0<$gebilbete  ÄreiS  fidf)  erquidfte,  unter  beffen  @in* 
flufc  baS  erroadfjenbe  Seroufetfein  ben  pjjantafieoollen  unb  roarm 
empfinbenben  Änaben  [teilte;  feine  Qugenb  fiel  in  bie  3eit  btx 
SRomantil;  audj  l)ier  mar  baS  einfach  9Jtenfd|)Ud)c ,  ba£  §erj  93e* 
wegenbe,  maS  aus  ber  £tefe  ber  beutfd&en  23olföfeele  in  feinen  ßiebern 
quillt,  ba£  auf  it>n  roirfte.  ©öttje  Ijat  er  ftetS  §oä)  oereljrt,  unb 
fidj  faft  SlHeS  angefd&afft,  roa£  in  Sejug  auf  biefen  an  Srieffamm* 
lungen  unb  fonftigen  -Jtacfyrtd&ten  erfdfjienen  ift.  5)ie  2ßal)rf)eit  mar 
e£,  bie  er  audf)  „in  ber  3)idjtung  ©dreier"  fudfjte.  *öi£  in  fein 
ljol)e$  2ltter  ^atte  er  ftdf)  eine  jugenblidje  (Smpfänglidjfeit  bewahrt, 
unb,  nrie  er  ba  mo^l  beim  SSorlefen  ber  poetifd&en  3)arfiellung  ein* 
faä)  rüljrenber  menfd&lid&er  ©efdjicfe,  oon  ^Bewegung  übermannt 
innehalten  mujjte,  fo  fonnte  iljn  ber  änblidt  eines  guten  SuftfpielS 
ober  einer  SReuter'fdfjen  @rjäl)lung  aufs  ^öd^fte  ergäben,  unb  bie 
Stiftungen  eines  guten  ÄomtferS  oeranlafeten  tyn  noä)  lange  in  ber 
(Erinnerung  jum  tjeiterften  Sadfjen. 

S5em  grünbltd&en,  auf  bie  (Srfenntnife  beS  SBerbenS  ber  menfd^* 
liefen  SMnge  genuteten  Sinne  unfereS  greunbeS,  ber  fidf)  nic&t 
mit  ben  Sftefultaten,  wie  fie  oorliegen,  begnügte,  entfprad)  feine 
Neigung  für  alle«  ©eftyid&tlid&e.  ©eine  fad&wiffenfd&aftlid&en  33e* 
fttebungen  erhalten  t)ieburd()  tyr  ©epräge.  93on  bem  tym  9tal)e* 
Uegenben  ging  er  aus  unb  brang  forfdjenb  weiter,  bis  baS  33er* 

äeUför.  f.  Sftb.  Öefd^.  8b.  IV,  §cft  2.  7 


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^le  — - 


98 

gangene  ftdf)  i§m  erbeute.  S)aS  angeworbene  l>at  immer  einen 
mäd&ttgen  3au&er  <*uf  tf>n  geübt,  oljne  bafj  er  ©leid&gültigem,  nur 
weil  e£  alt,  SBertl)  beigelegt  Ijätte  @o  war  e8  mit  feiner  Sater* 
{labt;  f)ier  fpradlj  2llle8  &u  ifjm,  was  an  ©Ijrmürbigem  au8  einer 
ruhmreichen  Vergangenheit  unb  an  eigentümlichen  SebenSäufee* 
rungen  überfommen  mar.  Unb  bann  bie  ©efd&idte  ber  SSötfer,  unb 
por  Sttem  bie  feine*  eigenen,  wie  fyabtn  fie  immer  feinen  ®eifi  be* 
toegt!  S)er  ©efdjidjte  mar  ein  grofeer  2$eit  feiner  pielfettigen 
ßectfire,  in  beren  ©ereidj  er  immer  baS  93efte  jog,  gewibmet.  aber 
aud&  in  weiteren  Äreifen  ift  er  befirebt  gemefen,  ben  Sinn  für  bie 
©efdjidjte  ju  beleben  unb  ju  beförbern.  Sänge  f)at  er  bem  §ifto* 
rifdfjen  2efe*33erein,  beffen  SBUtbegrünber  er  mar,  porgeftanben,  unb 
meldte  SSerbienfle  er  fid^  um  bie  arbeiten  be$  Vereins  für  fiübedfifdbe 
©efd&id&te  unb  SlltertfjumSfunbe  erworben,  beffen  SSorftfcenber  er  fo 
Diele  Saljre  gemefen,  baoon  legt  jebeS  £eft  biefer  «Sätfcfcrift  ein 
rebenbeä  3e^gnife  ab.  60  fonnte  e$  nid&t  fefjlen,  ba&  er  pon 
mandfjem  auswärtigen  gefdfjidfitUd&en  Vereine  ju  feinem  SDUtgliebe 
gemault  mürbe,  mie  er  benn  audj  an  ber  ©ermanifien*83erfamim 
lung,  bie  1847  in  fifibed  tagte,  in  Ijeroorragenber  Stelle  beteiligt 
mar.  —  @o  reidf)  fein  geifttgeS  geben  mar  unb  fo  mannigfach  bie 
Sefirebungen,  benen  er  feine  Äräfte  liel),  au$  einem  DueH  flofe 
alle«  unb  einem  ftvtU  ftrebte  SlUeS  ju. 

aber,  fo  motten  mir,  e^e  mir  uns  jum  6df)luffe  wenben, 
fragen,  mar  baS  lidfjtljelle  33ilb,  bem  mir  fjicr  begegnen,  unb  nrie 
unfre  ©arftettung  c8  entmorfen,  ganj  o^ne  gärbung?  Äann  man 
mit  bem  oben,  nadfj  Hamann  pon  i^m  gebrausten  Sorte  fagen: 
„3Bo  Stdfjt  ift,  ba  tjören  bie  garben  auf?"  5Dann  märe  er  lein 
2Renf<$  gemefen,  unb  baä  tyat  er  fetbft  am  wenigften  pon  fid)  ge* 
glaubt.  3unädf)ft  lägt  ftdf)  nid&t  behaupten,  bafc  er  wätyrenb  feine* 
ßebenS  im  gewöfjntid&en  Sinne  beö  SBorteS :  „populär"  gemefen  ift 
£)aju  mar  er  ju  wenig  mit  unb  unter  ben  Seuten,  unb  fein  ge* 
legentlidljeS  auftreten  in  SBort  unb  ©d&rift  glidj)  alljufe^r  bem 
eine«  jümenben  Sßropljeten,  als  bafc  bie  a^geSmeinung  ftd&  tym 
fjätte  juwenben  mögen.  2lber  in  feinem  äöefen  lag  etwa8,  n>a£ 
aud&  näljer  ©tcfjenbe  gelegentlich  perftimmen  modjjte,  unb  bem  wir 
bafter  etwas  näljer  na$geljen  muffen.  @r  £at  einmal  feiner 
©d&wefter  getrieben:  „3JUt  jebem  SDtenfcfcen,  glaube  idf),  lä&t  fufc 
gut  leben,  ber  nur  aufrid&tig  ifi  unb  fid&  giebt,  wie  er  ift  5>a3 
©runbelement  aller  Trennung  unb  was  aBe  wa^re  @emeütfdf>aft 


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zedby  G00gk 


99 

tjinbert,  baS  ifi  bic  Süge;  wo  bie  ift,  ba  fann  eigentlich  audj  von 
feiner  Soleranj  bie  Siebe  fein."  Unb  in  einem  anbern  ©riefe  fagt 
er:  „3$  bin  mir  fetjr  bauernber  äntipat^ieen  beroufet,  aber  fie 
finb  nid&t  gegen  3Jienfdt)en,  fonbern  gegen  Derfe^rte  Senbenjen  ge* 
rietet,  gegen  3Kenfd)en  roenigftenS  nur  infofern,  als  8üge  in 
tyrcm  treiben  ifi.  2Bo  id)  äufrid&tigfeit  ber  ©efinnung  fel)e,  mürbe 
id)  eS  mir  nid)t  t>erjetf)en  fönnen,  geheimen  ©roll  in  mir  }u  nähren, 
unb  mein  3°w  tonn  in  gellen  flammen  auflobern,  aber  eS  fef)lt 
tym  ©ottlob  an  anberm  bauemben  ©toff,  als  SBibermiBen  gegen 
baS  Söfe  an  fidf)." 

$>aS  ©etbftjeugnife,  roeldjeS  er  fidf)  ^ier  aufteilt,  ift  roaljr, 
aber  roie  ein  2luflobern  feinet  3orne3,  au#  °^n^  bofe  Jener  ßtunb* 
üerberbtidfje  ©toff  porljanben  geroefen  märe,  mo  er  tnelmeljr  nur 
9tüdfid&tSloftgfeit,  9todfjläffigfeit  ober  bergleidfjen  t>ermutf)ete,  mand&mal 
in  ber  $orm  gef ränfter  Siebe,  fi<$  tyeftig  geltenb  machen  fonnte, 
fo  erroieS  ft$  audfj  baS  Söort  eines  ©ritten,  meines  ifjrn  aus  bem 
3ufammenl)ange  geriffen  ju  Dtyren  gefommen  mar,  mitunter  be* 
ftimmenb  für  fein  Urteil,  baS  als  SorurtljeU  bann  fein  {Benehmen 
beeinflußte.  SBoljt  Ijatte  er  ferner  9tedf)t,  roenn  er  ben  Segriff 
„Süge"  auf  alles  eitle,  felbftgefäUtge  SBefen  ausbeute;  menn  er 
aber  banadE)  audj)  fein  intolerantes  ©erhalten  einrichtete,  fo  liefe  fidf) 
bagegen  fagen,  ba&  eS  aud&  eine  nid^t  perjie^enbe,  fonbem  er* 
äieljenbe  £oleranj  giebt,  morauf  er  felbft  geroiffermafeen  in  einem 
©^reiben  an  feine  ©d&roefler  t)ingebeutet,  menn  er  U)r  fdjretbt: 
„2Bie  mit  ben  ©eifteSfräften ,  fo  ifi  eS  audj)  mit  ben  fittlidfjen 
©igenfdfjaften;  ber  eine  beftfet  tum  Statut,  was  ber  anbere  nid)t  Ijat, 
bem  einen  mirb  roie  t>on  felbft  ju  S^eil,  roaS  ber  anbre  müfrfam 
im  garten  Äampfe  erringen  mufe;  biefer  fann  baS  3*!)nfa$e  über* 
nmnben  fyaben  t)or  jenem,  unb  eS  bleibt  bod&  nodf)  mand&eS  jurüdf, 
roaS  uns  bei  jenem  nid&t  ftört."  ®iefe  langmütige,  erjteljenbe 
Xoleranj  aber,  ift  nid&t  fie  gcrabe  oft  bem  ©türm Angriffe  florju* 
jictjen,  namentlidj  mo  eS  fid)  um  ©eltenbmadfjung  ber  fjödjfteu,  ber 
djriftlid&en  2öal>rf)eit  fjanbelt?  Unb  in  einem  Ijerrlidfjen  Briefe  an 
feine  ©d&roeftern,  bie  fidf)  burdf)  feine  ^Beurteilung  iljreS  ©tanb* 
punfteS  oerlefct  gefüllt,  lautet  es  audj)  roie  ein  falbes  SBefenntnife, 
toenn  mir  l)ier  lefen:  „3$  roeife,  bafe  baS,  roaS  idf)  befenne  unb 
glaube,  SBatyrljeit  ift;  idf)  roeife,  bafe  id)  (£udf)  lieb  Ijabe,  roie  wir 
einanber  lieb  l)aben  foUen,  unb  weife,  bafe  id&  aus  Siebe  bie  2Bal>r* 


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zedby  G00gk 


100 

\)tit  gejagt  Ijabe,  wenn  idfj  gleich  weife,  bafe,  menn  i$  beffer  liebte, 
idfj  fie  oießeid&t  audlj  beffer  gefagt  Ijätte." 

S)a&  eS  il>m  nid&t  immer  gelang,  auf  baS  2Befen  Staberer 
etnjuge&en,  mie  ftd&  foldfjeS  burdf)  ©rjietyung  unb  Seben  entmidtelt 
unb  auSgebilbet,  führte  mitunter  ßonfticte  J>erbei  unb  verlängerte 
fie  audfj  moljl  o^ne  SRoty,  bie  nadfj  tfjrer  mirflid&en  Sefd&affenljeit 
faum  einen  tragifdfjen  ßtyarafter  Ratten  annehmen  bürfen;  unb 
maS  enblid&  im  SSerfe^r  mit  Sfobern  biefen  audlj  nid^t  eben  besagen 
mod&te,  baS  mar  feine  Abneigung  gegen  Sangemeile  unb  rotrfltdjen 
ober  permeinten  Unoerflanb,  beren  2Burjetn  mo^l  tief  l>aben  liegen 
muffen,  weil  fie  ftdjj  bei  ©iScuffionen  ober  Vorträgen,  Ujm  felbft 
unbemu&t,  fo  leidet  in  ©eberben  unb  halblautem  ©elbfigefpradf) 
funb  tljun  fonnte.  aber  mie  fo  ganj  tritt  bod&  baS,  maS  mir  l)ter 
gerügt,  jurüdt  gegen  bie  SSorjüge,  mit  benen  mir  uns  burdf)  bie 
Starftettung  feitteS  SebenS  pertraut  gemalt  ljaben.  ©emife  jeber, 
ber,  bei  tym  eintretenb,  in  fein  ernfteS  SlntUfc  geflaut,  mit  ben 
teudfjtenben,  gletdfjfam  nad&  $nnen  gefegten  äugen,  unb  ber  bo&en, 
freien  unb  reinen  Stirn,  Ijat  mdjjt  anberS  als  pon  tiefer  Gtyrfurd&t 
erfüllt  merben  fönnen  oor  biefer  ebelnßrf Meinung!  ®r  tyafete  aUeS 
Slrge  unb  Unreine  au«  bem  ©runbe  ber  ©eele,  in  melier  baS 
Ijöd&fle  3beal  ber  9Wenfd(jf)eit  feine  Sertlärung  gefunben,  unb  burdj 
feine  grömmigfeit,  feine  2Satjrf)afUgfeU  unb  Sauterfeit,  oerbunben 
mit  jenem  tyerrttd&en  SUtanneSmutt),  ber  U>n  ot)ne  alle  Slüclftd&t  auf 
SWenfdjenfurd&t  unb  SUtenfd&engefäfligfeit  in  ben  Äampf  getrieben, 
mann  unb  mo  immer  eS  galt,  ein  Seugnife  abjulegen  für  bie 
böd&ftcn  SebenSgüter,  burdf)  baS  SlHeS  erfd&emt  er  uns  redfjt  eigent* 
Udf)  als  SJorbilb  eines  beutfd&eu  2WanncS,  beutfdf),  mie  er  fid^  fein 
aSolf  in  beffen  SBieberljerfteflung  münfdfjte,  unb  beutfdf),  mie  ber 
©eift  gemefen,  meinem  bie  fjebren  ©otteSljäufer  feiner  S3aterfiabt 
il)r  S)afein  perbanfen,  unb  ben  ju  oerförpern  unb  tebenbig  barju* 
peüen  er  burdj)  feinen  Sanbel  mie  burdf)  feine  arbeiten  bemüht 
gemefen  ift. 


SBBer  U)n  ein  Qabr  oor  feinem  Serf Reiben  gefcljen,  bem  fonnte 
nadd  ber  WrpcrUdfjen,  mie  geiftigen  Slegfamfcit  nid&t  eben  ber  ©e* 
banfe  eines  nalje  beoorfteljenben  6nbeS  tommen.  @o  erging  eS 
menigftenS  einem  greunbe,  mit  bem  er  jur  gritytingSjeit,  in  fpätet 


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zedby  G00gk 


101 

9todjmUtag3fhmbe,  auf  ben  jd)ön  gebahnten  Sßegen  am  2BaH^2lb^ 
l)angc  luftroanbeltc.  Stuf  ein  leife  mal)nenbe£  glüftern  ber  von 
tinbem  §audje  bewegten  Saummipfel  mar  ein  Content  lautlofer 
©tiHe  gefolgt;  bie  Sonne  umroebte  mit  nerflärenbem  ©djeine  bie 
buftenben  23lütf)engcbüfd)e,  unb  uerftreute  Steter  trieben  if)r  magi* 
\Ö)t$  ©piet,  rooljin  immer  baS  äuge  ftd)  tuenben  modjte.  3)a  fa&te 
er  plöfelid)  ben  2Irm  bc3  ©egteitcrS,  unb  fagte  mit  jener  innigen, 
weisen  Betonung  ber  2öorte,  bie  iljrn  fo  eigen  mar,  menn  bie 
§errlid)feit  ber  ^atur,  in  beren  §erj  er  fjineutgefdjaut,  i()m  $my 
nifj  gab  oon  bem,  ber  burd)  ben  £aud)  fetncjS  3Jtunbe3  ba£  2lfleä 
bereitet:  ,,£errlid)!  fjerrlid)!  motjl  merben  mir  Seiben  \u\&  mdjt 
mieber  t)ier  jur  gritylingSjett  begegnen,  aber  gel)e  id)  nid)t  einer 
üiel  größeren  £errli$feit  entgegen?"  ©r  l)atte  9tedjt  gehabt,  benn 
elje  ber  grü^ling  be£  %at)xt8  1879  mteberfeljrte,  mar  er  in  golge 
einc£  neuen  ©c^laganfalle^ f  ber  iljn  am  16.  gjtärj  betroffen,  am 
18.  9)tärs  abgerufen  morben.  ®urd)  bie  am  ©arge  oon  ^Jaftor 
3)eif$  gehaltene  Siebe  mürbe  ba3  2lnbenfen  be$  ®ntfd)lafenen  in 
mürbiger  SBeife  gefeiert,  unb  eine  jaljlreidje  3Serfammlung  Setb* 
tragenber  folgte  ber  cntfeeltcu  §ülle  ju  iljrer  legten  SJlu^eftätte,  bie 
ja  für  bcn  Sebenben  oorlängft  iljrc  bunfeln  ©Freden  uerloren 
Ijatte. 


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102 


?autV$  itttiptf^nttetattf^e  fföättflßcit. 

6.  2B.  Sßauli  tjatte  am  o.  üJlärj  18 16  cor  bcr  ©öttinger 
jurijtifd&en  gacultät  ba£  @jamen  cum  laude  praecipua  beflanben, 
unb  mar  bann  am  13.  Slprtf  pon  Slnton  Sauer,  bcm  zeitigen 
S)ecan,  einem  befannten  Griminalifien ,  jum  S)octor  promopirt 
roorben.  @S  perging  lange  $eit,  elje  eine  juriftifdfje  Strbcit  ^auli'S 
an  bie  Deffentlid)fett  trat.  Sie  war  gelegentlich  feiner  praftifc&en 
23)ättgfeit  erroadrfen,  unb  beljanbelte  ben  ated&tSfafc,  monadf)  eine 
Partei,  metd&e  jmei  fibereinftimmenbe  Urteile  erlangt  Ijat,  pon 
meiterm  Slppettiren  auSgefdfjloffen  ift,  ober  baS  Sßrincip  ber  fog. 
sententiae  duae  conformes.  SBenn  bie  Slbljanblung  tljrem  Sitel 
nad)  ba$  %\)tma  aud>  nur  in  feiner  Sebeutung  für  ba$  ipambur* 
gifd&e  SRedfjt  erörtern  nrifl,  fo  geljt  fie  bodfj  pon  fo  allgemein  rotfien* 
fd&aftUdfjen  ©efid&töpunften  au$,  unb  bemä^rt  biefe  in  Ijiftorifdfjer 
33egrünbung  wie  burdf)  9tedf)t$pergleidf)ung,  bafc  baS  gegenwärtig 
angefe^enfle  unter  ben  2et)rbü$ern  be£  $rojeffe3,  23efcelI3  ©tjftem 
bei»  orbentli^en  6u>ilprojcffeS  (Auflage  3  [1878]  §  54,  ©.  707),  fie 
al$  in  jeber  Sejieljung  muftergültig  bejeidfjnet. 

©<$on  ber  ©tanbort  beS  SluffafceS  ift  bejeicfjnenb.  Sie  juri* 
fiifd&e  Sitteratur  f>at  nid&t  piel  Sammlungen  aufjuroeifen,  bie  fi<$ 
an  ßlafficität  mit  ben  jurijttfdjen  Slb^anblungen  pon  §eife  unb 
Sropp  meffen  fönnen.  SBenn  bie  Herausgeber  ^auli'S  Arbeit 
unter  ben  iljren  einen  Sßtafc  annriefen  (33b.  2  [1830]  9io.  7,  ©. 
183—263),  fo  mar  ba$  eine  ber  eljrenbften  2tnerfennungen. 

@rft  bie  näd&ften  Qafyre  führten  $auü  ben  ©tubien  ju,  bie 
feine  eigentfyümttdf)  nriffenfdfjaftticfye  ©tettung  begrünben  folltcn. 
„@$  mar  im  ^aljre  1834,  al3  idjj  ba$  ©lüdt  f)atte,  in  ben  ©tabt 
büd&ern  ßübedfS  bie  gülle  ber  bisher  pon  niemanbem  geahnten 
©djjäfee  ju  entbedfen:"  fo  fonnte  er  pon  fidE)  nadj)  44  3a&ren  an 
ber  ©pifce  einer  neuen  aus  jenen  gunben  gefd&öpften  2lrbeit  fdjrct* 
ben;  bennf  mie  man  pon  9tanfe  gefagt  l)at,  baß  feine  in  jungen 
Qa^ren  gefammelten  penctianifd&en  ©efanbtfd&aftöberid&te  iljn  nie 
perlaffen  Ijaben,  fo  finb  Sßauli  bie  Sübeder  ©tabtbüdljer  btö  an'3 


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zedby  G00gk 


103 

@nbe  feiner  £t)ätigfeit  treu  geblieben.  $auÜ'ft  UmperfUätejaljre 
waren  in  bie  $t\t  besS  grofcen  Sluffdjrounge«  ber  red)töI|ifiorifd&en 
©tubien  gefallen.  $at  er  auä)  nid&t  ju  ben  güfeen  ©apignt)'«  unb 
Äarl  griebrid)  gidEjtjorn'«  gefeffen,  i^re  getjren  l)aben  auf  if)n  rote 
auf  alle  empfänglichen  ©emtittjer  jener  $t\t  etngenrirft.  3)ie  Ve> 
fdf)äftigung  mit  altbeutfdfjer  Sitteratur,  ber  er  jtd)  in  ©öttingen  mit 
fo  grofeer  Vorliebe  gewibmet,  traf  jufammen  mit  ben  lebenbigen 
©inbrücfen  einer  grofeen  Vergangenheit,  wie  fie  iljn  in  Sübedf 
umgab,  unb  einem  in  feiner  ^Jerfönlid&feit  tiegenben  unnriberftelj* 
lid&en  triebe,  bem  unerforfd&ten  ftitten  Vtlbung«projeffe  ber  S)inge 
nad^juge^en.  %n  ber  l)eunatt)lidf)en  ©efdjidfjte,  auf  beren  @rfor* 
fd)ung  tyn  alle«  Ijinbrängte,  mufete  if)n,  ben  Quriften,  nor  allem 
ba«  9Jedf)t  anjic^en.  S)ie  3lot^menbigfeit  ber  Ouellenfiubien ,  bie 
Bearbeitung  ber  beutfd&en  ©tabttfd^tc  Ratten  bie  güljrer  ber  Ijifio* 
rtfd&en  9led&t«fd&ule  nrieberfjolt  ben  SDtitfire'benben  an&  #erj  gelegt. 
3lu  bie  Sübedfer  ^uriften  war  bizkx  9tuf  uid&t  pergeben«  ergangen. 
Unter  ben  SRätljen  be«  (jödftften  ©etid&t«  nrirfte  griebrid)  ßropp, 
ber  pon  feiner  £eibelberger  ^rofeffur  bie  Vorliebe  für  „bie  beut* 
fd&en  9kd()te"  unb  bie  Vorarbeiten  ju  einer  2lu«gabe  ber  Sledfjt«* 
büdjer  mitgebracht,  unb  SRitte  ber  jroanjiger  Saljre  jenen  frönen 
21uffafc  über  ben  $)tebftaf)t  nad&  bem  Siedete  pon  Hamburg,  Sfibecf 
unb  Vremen  fd&rieb;  wirfte  Sodann  griebrid)  fyafy,  ber  bie  Gobice« 
be«  lübifd&en  9ted&t«  fammelte,  um  bie  erfte  fritifd&e  unb  poH* 
ftänbige  Aufgabe  ber  alten  Statuten  nadE)  bem  3Rufier,  roie  e« 
§omeper  für  bie  Veröffentlichung  beutfd&er  9ted()t«quefleu  por  Sttugcn 
gefieflt  tyatte,  §u  ©tanbe  ju  bringen,  ©tüdfttd&e  ©ntbedungen 
belohnten  unb  förberten  ben  gifer.  S)er  ©enatäfecretair  ©ütfd&oip 
fanb  ba«  fog.  lübifd&e  gragment,  in  bem  fpätere  gorfdfcung  bie 
ältefte  gorni  ber  lateinifd&en  Statuten  Sübedt«  erfannte;  wenige 
3al)re  fpäter  #etnri$  Vref)tner,  bantal«  2Bette*3lctuar,  ben  3*ec^t0* 
cober,  ben  1348  iperr  Stybemau  ©üftron)  to  des  Stades  behof 
Ijatte  treiben  laffen,  unb  bie  beiben  Folianten,  ipetdfje  bie  Urfdljrift 
ber  (Sljrontf  be«  grancu&caner'fiefenteijler«  3)etmar  enthielten.  3u 
ifynen  gefeilte  fidfj  nun  $auti. 

®ie  alten  Ober*  unb  9Ueber*©tabtbüdf)er,  einft  3Me  unb 
©reger  rooljtbefannt,  waren  ben  nad&folgenben  ©efdfjled&tern  au« 
ber  Äunbe  gefommen.  211«  fic  jefct  roieber  au«  Stdjt  gebogen  rour* 
ben,  mar  leiber  ber  ältefle  mit  bem  Satjre  1227  beginnenbe 
Vanb  be«  Ober  ©tabtbud^e«  perfdfjwunben,  aber  pon  1284  ab  war 


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104 

bodfj  bie  gern  je  9teif)enfolge,  unb  ebenfo  oon  131 1  ab  bie  üolk 
ftänbige  ©erie  ber  5Htcber  *  ©tabtbüdfjer  bis  auf  bie  ©egenroart 
twrljanben. 

@S  waren  neue,  bisher  ganj  unbenufcte  Quellen,  auf  welche 
er  ben  Slidt  lenfte:  2luf}eid&nungen  eigener  2lrt,  äu&erfi  infjalt* 
reidfj  für  bie  lebenbige  ©rfenntnife  beS  9tedf)tS,  aber  nur  bem  ergiebig, 
ber  fte  ju  erfd[)tie§en  wufete. 

SBtfctg  üergleid&t  $auli  ben  Snfyalt  ber  Stabtbüdjer  mit  einer 
Ijebrätfdljen  ©dfjrift  oljne  fünfte,  bie  ber  Serftanb  erft  f in  ben  foff. 
„2)iefe  fünfte  finb  bie  9ted()tSfäfce.  8tS  wir  biefe  unb  jwar  bie 
redfjten  gefunben  Ijaben,  ift  uns  bie  Urfunbe,  wenn  wir  gteid&  tyre 
äBorte  oerftefjen,  twllig  tobt."  2)ie  ©djwierigfeit  lag  barin,  bafj 
bie  angewanbten  SRed^t^fä^e  ftdf)  nic^t  etwa  furjer^anb  aus  ben 
©tatutenbüd&ern  jufammenfudben  liefeen,  fonbern  oft  genug,  wie  fte 
im  ©emot)nl)ettSred&te  würjelten,  aud)  in  unaufgcjeidjnetem  Suftanb 
verblieben  waren.  §ier  galt  es,  aus  anberen  Urfunben  ober  aus 
ben  2lufjetdf)nungen  über  bie  9ted)tSgefd&äfte  ben  StedfjtSfafc  felbft  ju 
ermitteln.  Stabei  md&t  fel)l  ju  greifen,  baS  Stefonbere  unb  baS 
Sittgemeine,  bie  2luSnal)me  unb  bie  Siegel  richtig  ju  fdfjciben, 
erforberte  juriftifd&en  £act,  ber  aufeer  burdj)  gtünbltdje  ©tubien  unb 
geiflige  Anlage  wenn  irgenbwo,  in  einem  Tribunal  von  ber  ©tel* 
lung  beS  Sübedfer,  im  gefd&äftlidfjen  33erfel)r  mit  SWännem,  wie  ber 
Sßräftbent  $eife  einer  mar,  gewonnen  würbe. 

3Ran  mu&  baS  Siedet  ber  3cü  nadfo  aßen  feinen  9tid&tungen 
tjin  immer  lebenbig  gegenwärtig  l)aben,  bamit  bei  bem  Sefen  einet 
jeben  Urfunbe  bie  redete  ©aite  anflingen  fönne:  fo  formulirt 
Sßauli  felbft  bie  gorberung,  bie  an  ben  Herausgeber  ober  Gearbeitet 
eines  ©tabtbud&eS  ju  [teilen  ift  3Kan  mirb  (Hnjufefcen  bürfen : 
ntdljt  bloS  baS  Siedet,  audfj  bie  ©Ute,  baS  ganje  Seben  ber  33er* 
gangenljeit  mu&  fennen,  wer  biefe  unmittelbaren  $eugniffe  be£ 
geübten  SledfjtS  verwerten  will.  2Ber  l)ätte  biefen  gefteigetten 
2lnforberungen  beffer  genügt  als  Sßautil  @r  tjatte  fidf)  ben  gangen 
Umfang  ber  tübifd&en  unb  ber  Ijanftfdfjen  ©efdfjtdfjte  ju  eigen 
gemalt,  wie  er  baS  Stecht  in  allen  feinen  ©rfdfjeutungen  verfolgte. 
Uebcratt  bebaut,  ber  SBa^eit  auf  ben  ©runb  ju  fommen,  Ijatte 
er  Ijter  wie  bort  bie  lauteren  Eluellen  auf  gefugt,  bie  bamals  nod) 
nidfjt  fo  bequem  gefaßt  ju  Sage  lagen  wie  gegenwärtig,  ©r  Ijattc 
einen  fd&arfen  Slidf  für  baS  Seine  unb  @<$te,  unb  wä^renb  no$ 
Ijeutjutage  lübtfc&eS  unb  m<fjt4übtf<$cS  SRed&t  mit  einanber    rxx* 


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105 

mifd&t  werben,  Ijattc  er  fd&on  por  Qafyä  SBuSgabe  richtig  erfannt, 
in  melden  £anbfd|)rtften  ba$  ttrfprünglidfoe  lübifd&e  9ted)t  befd)loffen 
fei,  wie  er  nad)  ityrem  @rfd(jeincn  fd&ärfer,  al£  fte  eS  unternommen, 
bie  ßntttridlungSftabien,  bie  ba£  lübifdfje  SRedfjt  burd&laufen ,  pon 
einanber  unterschieb. 

Qm  3<*f)re  1837  peröffentlid&te  er:  Sbljanblungen  au£  bem 
lübifd&en  SRed&t.  ©rfter  $ljeil.  2)a3  9ted)t  ber  (Srbgüter,  einfi  pon 
ßropp  al<3  Sljema  einer  eigenen  Slrbeit  angefünbigt  0äbl)blgn.  2, 
©.  503),  an  beren  2tu£fül)rung  i&n  ein  früher  Job  perfjinbert 
fytt,  mar  bie  junädftft  enoäljlte  Aufgabe,  ©leid)  ä.  g.  Sidfjljorn 
fafct  er  ben  3roedf  &er  SRe^Mgeföidjjte  praftifdfr;  er  ift  fein  Sinti* 
quarier.  6m  bamalS  nod)  in  ©eltung  fle^enbe^  ^nftitut,  reidf)  an 
©d&nrierigfciten  unb  Streitfragen,  bilbete  ben  ©egenftanb.  2lber 
gletdfj  bem  3Reifter  glaubt  er  ben  &wd  nur  in  rechter  ©Hinblick 
feit  unb  2Biffenfd&aftlid)feit  erreid&en  ju  fönnen.  6r  gel)t  be$l)alb 
pon  ben  älteften  3^wgniffen  aus,  fudjt  fie  forgfältig  unb  nüdf)tcrn 
ju  erfaffen,  perfolgt  fie  in  Ujrer  gortentmidfelung  bis  jttr  3e^  ^cr 
Sfcpiforen,  immer  ben  ^ntjalt  ber  Statuten  an  ben  Urfunben  ber 
©tabtbüd&er  prüfenb  unb  jene  au%  biefen  erganjenb.  ©o  gelingt 
c3  Ujm,  bie  ©renje  jtPifdfjen  bem  9ledS)t  ber  ©efefcbüdfjer  unb  bem 
beS  SebenS  ju  finben,  ba$  roa£  in  bem  neueften  9ted)t,  nrie  e3  bie 
9ftepifion  oon  1586  feftgefieDt  §at,  confequente  unb  inconfequente 
gortbilbung  be$  alten  urfprünglidljen  9tedfjt3  ift,  pon  einanber  ju 
fd&ciben.  Sr  ift  nid&t  gut  ju  fpred&en  auf  bie  3Jtänner,  bie  jur 
3eit  ber  gröfeten  SJerroirrung  in  ©prad&e  unb  Stecht  ba$  über* 
f ommene  ©tatutenmaterial  bur<§  bie  ©rille  römtfdfjer  ^been  tnufter* 
ten  unb  eine  ©efefcgebung  fd&ufen,  in  ber  pon  ben  Serbienften 
ber  33orfaf)ren  um  2tu8bübung  be$  beutfdljen  SRed&tS  wenig  ju 
erfennen  ift.  63  genügt  iljm  nid&t  an  ber  tljeoretifdfjen  ©rfenntnife 
ber  perfd&iebenmertljigen  Öeftanbtfyeile  im  geltenben  Sfted&te,  feine 
arbeiten  ljaben  ben  3we<t  e^c  SRe^ifion  ber  Stepifion  anjubaljnen. 
<ßauli  l)at  bann  felbft  nodb  bie  3*ü  erlebt,  bie  pon  einer  9teform  in 
foleb  befd&eibenen  ©ren§en  nid^tö  meljr  roiffen  wollte,  bie  pon  bem 
repibirten  ©tatut  nur  33rudf)ftücfe  unb  krümmer  übrig  ließ,  ein 
^rocefe,  an  bejfen  (Snbe  mir  nodl)  nid&t  angelangt  finb.  9Jtocf)ten 
feine  arbeiten  audfj  ba3  $id  ber  SReform  eines  beutfd&en  ^articular* 
red^t«S  nic^t  erreichen,  er  Ijat  bie  ©enugtfjuung  erlebt,  fie  ein  2ln* 
fefjen  weit  über  bie  engen  ©renjen  eines  $articularred&tö  hinaus 
geminnen  ju  feljen.  2öo  e$  bie  Ermittlung  ber  eigentümlichen 
3been  beS  beulen  3ted&t3  gilt,  fei  e8  im  Sntereffe  ber  Ijiftorifd&en 


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106 

SBiffenfdjaft,  fei  eS  jum  3roecf  wieberbetebenber  SSerwertljung  fold^er 
©lemente  für  bie  moöerne  ©efefcgebung.  werben  $auli'£  gorfdjungen 
an  i^rem  Steile  mitwirfen.  $>er  3lutor  ^atte  gemifj  pon  porntyerein 
einen  anbern  ©ebanfen  als  ben  eines  particularred)tlidf)en  Sd&rift; 
ftellerS,  ber  für  baS  cngbegrenjte  ^ßublifum  eines  SouberredbtS 
fdjreibt.  ©d&merlidf)  teilte  er  jenen  lange  $t\t  Ijerrfd&enben,  auefc 
t>on  @idf#orn  oertretenen,  Srrtbum,  ber  in  bem  ©adfjfenfpiegel  baS 
gemeine  beutfdje  $rioatredf)t  beS  Mittelalters  erblidfte  unb  alles 
t>on  Ujm  2lbwei<$cnbe  für  ^iarticularrcd)t  fjiclt.  $>aS  ^ripatredjt 
beS  Mittelalters  ift  eben  ju  feiner  $t\t  ein  einheitliches  gewefen. 
®aS  ©acfyfenrecbt  war  ein  $arttcularred)t  rote  anbere  neben  tym. 
2)aS  beutfd&e  ^tioatrec^t  beS  Mittelalters  ift  uns  nur  in  Sonber* 
regten  überliefert,  unter  benen  baS  lübifd&e  Siedet  permöge  feiner 
SHcin^eit,  ber  Jrefflid&feit  feiner  Ueberlieferung,  beS  sJteid)tl}umS  feines 
3inl)alteS  einen  ber  erften  päfce  einnimmt.  5ß.  tritt  benen  entgegen, 
bie  flaptfdfjen  ßinftufe  im  Siebte  SübedtS  annehmen  wollen,  unb 
mad&t  fidb  ju  bem  Semeife  antjeifd&tg,  bafe  eS  feine  cinjige  SBeftün* 
mung  enthalte,  bie  fid&  nidfjt  in  anberen  9tedt)ten  mieberfänbe,  beren 
rein  beutfdfjer  Urfprung  nie  bejwetfelt  roorben  ift.  3)aS  ältefte 
bcutfd&e  Statut  pon  Sübedt  gilt  iljm  mit  Stecht  als  eines  ber  fdfjön* 
ften  unb  lauterften  ©rjeugniffe  beS  beutfd&en  9ied)tSgetfteS 

2BaS  oon  bem  erften  Stljcil  ber  2lbf)anblungen  aus  bem 
lübtfd&en  SRedjte  gefagt  ift,  gilt  in  nid&t  minberem  ©rabe  pon  beffen 
9todf)folgem.  S)er  jmette  1840  erfdjienene  St^eil  befjaubelt  ein 
nicfyt  weniger  controocrfenrcidfjeS  Stfjema  als  ber  erfte,  nämlid^: 
bie  efyeltd&en  @rbred)te.  SBenn  er  Ijofft,  ber  perbreiteten,  aber 
fdfjon  pon  ßropp  angefochtenen  Meinung,  ba&  im  lübifd&en  Siedete 
baS  Strftem  ber  allgemeinen  ©ütergemetnfd&aft  befolgt  werbe, 
pollenbS  ben  Soben  auSjufdjjtagen,  fo  Ijat  bie  neuere  gorfdfjung 
(Sd&röber,  ©efdfj.  beS  eljel.  ©üterr.  II,  3,  ©.  305)  ftdfc  bem  nid&t 
anjufdjliefeen  permod)t,  unb  ift  ju  ber  fdfjon  pon  $affe  por  fed&Sjig 
Sauren  oertretenen  anfielt  jurüdtgefe&rt.  1841  folgte  ber  britte, 
baS  (Srbre^t  ber  SJlutSfreunbe  unb  bie  Jcftamente  beljanbelnbe 
Sljeil.  Stafdf)  ijinter  einanber  war  baS  äBerf  bis  fo  weit  erfd&ienen. 
@rft  nad)  t±  ^aljren  gefeilte  ftd>  wie  ein  9iadf)jügler  baju  ein 
oierter  Sljeil,  bie  fog.  SöiebolbSrenten  ober  SRentcnfäufe  beS  lübi* 
fdjen  SKcdjtS  bebanbetnb  (1S65).  3um  größten  S^eil  fdjon  früher 
bearbeitet,  war  ber  2lbfd)luft  burdjj  ben  Mangel  an  Mu&c  perjötjert 
9la$bem  ^Jauli  1843  jum  9tatl)  beS  DberappeUattonSgcrictytS 
erwählt  worben,  Ijatte  er  nur  nodj  bie  ©ertd&tSferten  jur  gort; 


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107 

füljrung  feiner  fdfjriftfieDerifd&en  arbeiten  oerwenben  fönnen,  unb 
au3  bemfetben  ©runbe  fidf)  ju  einer  @infdf)ränfung  feines  S^emaS 
perfteljen  muffen,  baS  urfprünglitf)  bie  nermanbten  Siebte  anberer 
norbbeutfd&er  ©täbte  mit  umfaffen  fottte.  aber  aud)  in  biefer 
©eftalt  fam  ba£  Suc$  feljr  gelegen,  unb  ergänze  bie  Unterfudfjun; 
gen  über  bie  Sientengefdfjäf te ,  welche  feit  längerer  3eit  einen 
©egenftanb  befonbern  ^nteteffeS  für  ^uriften  unb  sJJationalöfono* 
men  bilbeten. 

SlUe  trier  Steile  ber  2Ibl)anblungen  auä  beut  lübif^en  Siebte 
tragen  auf  bem  Sitel  bie  9iebenbemerfung :  ©röfetentfyeilS  nadf) 
ungebrudten  Quellen.  2)aS  f)at  nid)t  bloä  ben  Sinn,  ba&  ber 
SJerfaffer  foldje  ju  feinen  arbeiten  benufct  t>at;  er  legt  fie  bem 
öefer  aud)  por  tfyeilS  in  ber  gorm  eine$  angehängten  Urfunbcn^ 
budjeS,  tf)eil£  in  ber  pon  au3ftil)cüd)en  9Rittl)eilungen,  bie  bem 
Seyte  etngefdjaltet  ober  in  2lnmerfungen  untergebradjt  finb.  ©r  will 
baburd)  ben  Äunbigen  in  ben  ©tanb  fegen,  bie  3)arfteflung  an  ber 
£anb  ber  Duellen  felbft  ju  prüfen;  benn  „mir  ift  bie  2Bal)rf)eit 
lieber  als  meine  $orjMung  pon  berfelben."  S)aju  fommt,  ba& 
bie  Quellen,  um  meldte  e$  fidfj  Ijanbett,  ferner  jugänglid)  finb  unb 
mo^l  größtenteils  bleiben  werben.  ®er  ®rucf  biefer  ©tabtbüdfjer 
ober  audfr  nur  einer  SttuSwaljl  berfelben  nrirb  wofjl  ein  frommer 
2öunfd)  bleiben;  unb  felbft  wenn  er  in  ©rfüßung  gc^cn  foKte, 
beforge  icfy,  baß  bie  PoUftänbtgcn  3lbbrüdfe  ber  ©tabtbüdjer  fd&wer* 
lief)  ben  Seferfrete  finben  werben,  ben  ^auli'S  auSjüge  gefunben 
unb  belehrt  t>aben. 

S)ie  ©tabtbüd&er  Sübedtö  bilben  bie  Unterlage  nodj)  für  eine 
jweite  ^ubtication  ^auli'S.  ©te  ift  nid&t  wie  jene  .erfte  gelehrter 
Statur,  ©inb  aber  bie  „2lbl)anbhmgen"  9Rufter  roiffenfcbaftlid&er 
Unterfudfjungen,  fo  bürfen  bie  „Sübedtifdjen  3ufiänbe"  atö  SSorbilber 
polfötbümlid&er  Seljanbtung  eines  gelehrten  SljemaS  gelten.  Unter 
bem  SCitel:  Sübedtijdje  3^nbe  ju  Anfang  be£  oierjetjnten  Qa^r- 
l)itnbert§  (Sübed  1847)  ließ  $auli  fedf)3  Vorträge  erfd&einen,  bie  er- 
wäfjrenb  ber  ^aljre  1838— 1846  por  ber  ©efeUfdfjaft  jur  SBeförbe- 
rung  gemeinnü^iger  2$&tigteit  gehalten  fjatte.  SHefer  ritymlidfjft 
befannte,  feit  bem  @nbe  be$  oorigen  ,3af)rl)unbert£  blü^cnbe  Sübedter 
©ürgernerein  fdjlic&t  ©tubirte,  Äaufleute,  $anbwerfemeifter  in  ftd&, 
unb  ^Jauli  \)at  es  perftanben,  bem  Qntereffe  äUer  geredjt  ju  wer* 
ben,  otyne  glänjenbe  Styetorif  einerfeitS,  oljne  perfladjenbe  Sßopula* 
riftrung  anbererjeitS.    ©owoljl  ba  wo  tjiftorifd&e,  als  ba  wo  redf)t; 


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108 

lidje  ©egenftänbe  ju  bctyanbeln  finb,  firebt  er  nadf)  Ätarljett  unb 
SlnfdEjaulidtfeU.  S5ort  fommt  tym  bic  tebenbige  SJorftcHung,  bic 
ber  3w^örcr  oon  bem  ©ebiet  ber  ©tabt,  iljren  ©trafeen,  itjren 
Käufern  mitbringt,  erteieftternb  ju  Statten ;  Ijier  fuetyt  er  ba$  Ver* 
ftänbnifj  ju  erreichen,  inbem  er  oon  bem  ftxotd  ber  SftedjtötnfHtute 
auSge^enb  barlegt,  mit  melden  Mitteln  bie  ©egenroart,  mit  melden 
bie  Vergangenheit  bie  Aufgabe,  ben  £eben£oert)ältniffen  gered&t  ju 
werben,  ju  erfüllen  ftrebt.  28o  er  babei  genötigt  ift,  auf  ©runb* 
fäfce  beS  Mtä)t&  unb  ber  Sßirt^f^aft  einjugeljen ,  bie  felbfi  ben 
©ebilbeten  unferer  3*ü  nw&t  geläufig  finb,  werftest  er  bie  Er- 
legung fo  ju  geben,  bafe  er  fein  $l>ema  im  2tuge  behält,  unb  bod& 
ben  3u^8rcr  nid)t  mit  bürftigen  2lUgemeinf)etten  abfpeifl  ©ein 
SBunfd)  mar,  feinen  ©cgenftanb  bem  Saien  fafctidd  unb  bem  ©eleljr; 
ten  nid&t  langweilig  ju  befjanbetn.  2Ran  mödjte  ben  jatylreidjen 
6d)riftfteUern  unb  Stebnern  ber  ©egenroart,  bie  ftdj  ein  ä^nlid^e^ 
Problem  ju  löfen  bemühen,  empfehlen,  biefe  lehrreichen  Vlätter  auf* 
jufd&tagen.  @ie  fönnten  ftdf)  ©lad  roünfd)en,  wenn  tyre  Vorlefungen 
wie  biefe  bem  Slugenblidt  gebient  Ratten  unb  nodj  nad)  breifeig, 
t>ierjig  Qa^ren  jur  £anb  genommen  mürben,  um  eine  ebenfo 
juucrläffige  unb  ausgiebige  als  in  anfpredjenbfter  gorm  bargebotene 
Velel)rung  ju  gemäßen.  Ratten  mir  met)r  Vüdjer,  bie  nrie  SßaulvS 
Sübedfifdje  3uftänbe  getreue  unb  anfdf)auli<$e  Vorfiellungen  über 
9tedjt&  unb  Sulturjuftänbe  ber  Vergangenheit  verbreiteten,  ober 
mürben  bie  oortjanbenen  me^r  gelefen,  fo  bürfte  man  tjoffen, 
lebenSooHere  unb  lebcnSroaljrere  2Infd)auungen  oon  mtttelalter* 
lidjen,  inSbefonbere  aud)  ftäbtifdjen  3uf*änben  anzutreffen,  ate  fie 
^eutjutage  felbft  in  gelehrten  Äreifen  gefunben  merben. 

@rft  im  3af)re  1872  erhielt  ber  erfte  Vanb  ber  8übedfifd&en 
3upänbe  einen  Jladtfolger,  ber  jroar  nrie  jener  aus  Vorträgen  ent* 
ftanben  ift,  aber  nidjt  meljr  fo  gefdjtoffene  feft  umrahmte  3)arflel* 
lungen  enthält  Ve^anbelte  ber  erfte  ba$  ©tabtgebiet,  bie  ©tabt, 
einmo^nerfdjaft,  SRatf)  unb  Vogt,  gamilien^  unb  @rbred)t,  ©rebit* 
wefen  unb  £anbel£t>erfef>r,  fo  beginnt  ber  jmeite  mit  eiuer  Vor* 
lefung  über  einjetne  Grfdjeinungen  be£  beutfdjen  SRittetalterd, 
unter  benen  inSbefonbere  gfetjberedjt  unb  geljmgerid&te  berfidffid&tigt 
finb,  unb  enthält  bie  Sammlung  be8  meitern  jroei  9iummern,  meldte 
t)crfd)iebenartige  SKittfyeUungen  aus  ben  älteren  ©tabtbüd&ern  brin* 
gen.  S)em  6ljarafter  ber  frühem  Vorträge  finb  bie  beiben  äfpt* 
üd&er,  roeld&e  bie  ©treitigfeiten  jnrifc&en  ©tabt  unb  Viatyum  fiübed 


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109 

befjcmbeln,  unb  Sübed  al«  Sßed&fclplafc  fc^ilbern.  SRodf)  weiter  t>on 
bem  SSorbilbe  be^  erften  entfernt  fidf)  ber  britte  1878  erfd&ienene 
Sanb  ber  Sübedifdjen  Bufiänbe;  er  ift  nid&t  au«  JBorlefungen 
erroad&fen,  unb  giebt  nur  eine  Steige  redf)t«l)iftorif<f)er  Slnmerfungen 
unb  Erläuterungen,  bie  auf  ben  gaben  ber  Slrttfelfolge  be«  rem* 
birten  lübtfd&en  ©tatut«  gereift  finb.  3Bie  feljr  fid&  nun  audf)  eine 
abnähme  in  ber  gorm  bemerflic^  madjjt,  fo  foU  boä)  ber  Sieidjtljum 
an  intereffantem  unb  belefjrenbem  3ttatertal,  ben  aud)  $t)eil  2  unb 
3  bieten,  ntdjt  oerfannt  nod&  unterfd&äfct  werben.  Qubtm  finb  fie 
gleidf)  bem  erften  Sljetl  mit  einem  ben  ©tabtbüdjjern  entnommenen 
ttrfunbenbud&e  au«gerüftet,  ba«  bem  fiefer  ©toff  nidf)t  blo«  jur 
(Kontrolle,  fonbern  aud&  jur  eigenen  gorfdfjung  oorlegt. 

SDie   üon  ^ßauli  unb  Ujm  ©leid&ftrebenben  auSgetjenbe  SHnre* 

gung  jufammen  mit  bem  auffdOnmng,  ben  bie  beutfdjje  ®efdf)td(jt«* 

forfd&ung  feit  ben  breiiger  Qaljren  natjm,  Ijatte  aud&  in  Sübed 

ben  (Stfer  roadOgerufen,  fid&  ber  Urfunbenfdjjäfce  anjunetymen,  meldte 

ba«  8lrd&ü>  ber  ©tabt  birgt.    SJtan  tjatte  au&  bem  oorfjin  genann* 

ten  Sürgeroerein   junäd&ft  eine  ©ection  für  bie  @rf  orfdfjung  •  ber 

lübifdjjen  ©efdOtd&te  gebilbet,  bie  fidf)  fpäterfjin  ben  9tamen:  herein 

für  lübifd&e  ©efdjjid&te  beilegte,  unb  fidf)  bie  befonbere  Aufgabe  fegte, 

ein  Urfunbenbucty  ber  ©tabt  Sübed  ljerau«jugeben.     SSie  an  bem 

herein,  fo  fjatte  $ault  an  biefer  Arbeit  ben  unmittelbaren  2lntf)eil. 

Unb  al«   ber  herein  fiel)   1855  jur  Verausgabe  einer  ßcitfd^rift 

entfd&lofe,  treffen  mir  Dorn  erften  $eft  an  Sßauli  unter  itjren  tyätig* 

ften  SDUtarbeitem.     ©r  beginnt  l)ier  bie  SSeröffentUdjungen  au« 

bem  Xagebud&e   be«  SBürgermeifter«    §enrtdf)   Srofc«  (f   1623), 

beren  gortfefcungen  fidf)   bann   burdf)   bie  §efte   biefcö  unb  be« 

nädjften  ©anbe«  tjinjtetyen.    ©o  oerbienftlid)  bie  mü^eooKe  Arbeit 

ift,  fo  gefd&tdt  bie  *u«iüge  au«  bem  ©anjen  au«gerocity(t  unb  burdf) 

leljrreid&e  (Stnfd&attungen  oerbunben  finb,  man  möd&te  münfdfjen,  e« 

itmre  ein  anberer  3Wobu«  ber  5ßublication  gemäht.  SDte  Seröffent* 

Ud(>ung«n)etfe,  bie  bei  ben  ©tabtbüdfjern  nadf)  bem  oben  abgeführten 

angemeffen  mar,  wirb  faum  al«  entfpredfjenb  gelten,  mo  e«  fidf) 

um  eine  Ueberlieferung  oon  beftimmter  litterartfd&er  gorm  Ijanbelt. 

35ie  3luf jeidfjnungen  eine«  SBtonne«,  ben  SDiantel«  einen  ber  größten 

SBürgermciftcr  nennt,  bie  Sübed  je  gehabt,  oerbienen  eine  2Biebcr* 

gäbe   in   originaler,  unoerfürjter,   unjerriffener  ©eftalt,  mit  ben 

nötigen  (Erläuterungen  au«  ber  3eitgefd^id>te  Derfefjen.     Um  be« 

utöglid&en  33ejfern  nrillen   foH   ba«  ©ute  ber  ^auli'fdjen   Arbeit, 


Digiti 


zedby  G00gk         — 


_110_ 

roeld&e  bieö  fo  äufeerft  intereffante  Jagebudf)  überhaupt  crft  jugäng* 
li<$  gemalt  Ijat,  ntdbt  oerfannt  werben;  möge  aber  bie  ßrtfienj 
be$  Outen  ber  9lad)folge  bcS  93effern  ntd&t  im  9ßege  fielen,  Diel- 
metir  bie  umfangreiche  $robe,  meldfje  $auli  bargeboten,  jur  §erau$* 
gäbe  beä  ©anjen  burdf)  eine  funbige  §anb  anregen,  bamit  ba3 
£agebud&  be<8  fiübeefer  SürgermeifierS  £enrid&  SBrofeä  fid^  ben 
Autobiographien  anreihe,  beren  unfere  ältere  fiitteratur  einjelne 
Dorjtiglictye,  aber  fetneStoegS  fo  Diele  aufjumetfen  fjat,  ate 
nadfj  bem  SJertt)  biefer  lebenbigften  aller  ©efd&id&täjeugniffe  ju 
münden  märe,  unb  als  bafe  eine  fo  gehaltvolle  wie  bie  von 
SBrofeS  oermifet  merben  fönnte.  Slufeer  einigen  Keinem  auftauen 
jur  ©efd&idjte  ber  erften  Sudjjbrucferei  in  fiübeef,  jur  @efd&t<$te  be§ 
SrrenljaufeS,  über  bie  Sädter  roäljrenb  ber  §ungerjaljre  1545 — 47, 
ift  üon  Sßault'S  Setfteuern  jur  ßeitförift  befonberä  bie  ab^anbUing 
über  bie  urfprünglid&c  $cbeutung  ber  ehemaligen  SBette  (99b.  l), 
^eroorju^eben,  ba  fie  in  einer  fo  umfid&tigen  unb  erfd&öpfenben  955eife 
Sn^alt  unb  SBertl)  eine«  alten  ©tabtbuc&S,  be$  über  vadiorum, 
barlegt,  bafe  fte  alle  an  eine  foldfje  ^Jublication  ju  fnüpfen* 
ben  2Bünfd&e  befriebigt.  3lu6erbem  ift  bie  im  3.  Sanbe  ent* 
tyaltene  Unterfudf>ung  über  ba$  Sfibedifd&e  3Kangelb  ju  nennen,  bie, 
um  eine  bem  fiübedtifd&en  Gapermefen  ber  ÄriegSjatyre  1510—11 
geroibmete  Starflellung  bereichert,  im  befonbern  Slbbrudt  unter  bem 
Xitel:  fiübedfö  SDtangelb  unb  Saperroefen  erfötenen  ift.  (fiüb.  1875.) 

3$  barf  biefe  ©arfteüung  enben  wie  id&  fie  begonnen,  unb 
il)r,  wie  e$  ber  SSereroigte  ju  tljun  pflegte,  eine  urfunblid&e  2Rit- 
Rettung  anfügen.  2llä  i&m  jur  geier  feinet  fünfzigjährigen 
$>octorjubiläum$  bie  ©öttinger  jurifüfc&e  gacultät  als  bem  jure- 
consulto  legum  jurisque  scientia  ornatissimo,  de  jure  patrio 
scriptis  meritissimo,  magistratui  laudatissimo  gratulirt  Ijatte, 
banfte  $auli  burdfj  folgenbeS,  an  ben  jcittgen  SDefan,  Sßrofeffor 
Dr.  Sriegleb,  gerichtete  ©^reiben: 

&od&geel)rtefter  £err  £ofratl>! 

5)a«  oorgeflern  9tamen3  ber  von  fönen  oertretenen  f>od>löb* 
liefen  gacultät  burdf)  §erm  ^täfibenten  Äierulff  mir  überreizte 
2)iplom  Ijat  midf)  junädtrft  im  ijödjfien  ®rabe  überrafd&t,  weil  ic$ 
auä  ©rünben,  bie  in  meiner  Sßerfönlic&feit  liegen,  ben  Säg,  an 
meinem  id&  naty  langer  Unterbredfjung  meiner  ©tubien,  faum  brei 
©emefier  au«  bem  Sefreiungäfampfe  Ijeimgefe&rt,  por  nun  50  Qa^ 
ten  bie  juriftifdfre  S)octormürbe  erlangt,  gefUffentlid&  ju  tJetf>eunUd|>cn 


Digiti 


zedby  G00gk 


111 

bemüht  geroefen  war.  @S  tjat  midlj  biefe  fo  überaus  efjretwoHe  2tuS* 
jeufjnung  fobann  aber  audj)  in  SBatirtjeit  tief  bekämt,  ba  9tte* 
ntanb  meljr  erfennen  fann  als  id)  felbft,  bafj  mir  baburety  über 
35erbtenft  tmeberfaljren  ift,  ütbem,  roenn  eS  mir  gelungen  fein 
fofltc,  burd)  meine  roiffenfdjaftüdjen  arbeiten  baS  Serftänbnife  beS 
9tedf)tS  meiner  Saterftabt  ju  förbern,  iä)  biefe  roeit  mefir  ben  von 
mir  neu  angebahnten  Quellen,  als  ber  öenufeung  unb  SJerarbei* 
tung  beS  ©ntbedten  ju  banfen  fyabt,  unb  tdf)  nur  lagen  fann,  bafe 
es  mir  an  bem  reblid&en  Semüljen  nie&t  gefehlt  fjat,  nadf)  meinen 
geringen  Äräften  bie  3Ba^rf)eit  ju  erforfd&en.  Um  fo  metjr  fütjle 
iä)  micl)  aufgeforbert,  ber  f>od&löblidf)en  gacultät  meinen  tiefgefühlten 
ehrerbietigen  3)anf  für  bie  fo  überaus  freunblid&e  unb  eljrenbe 
Slnerfennung  btefeS  meinet  Strebeng  tiieburd)  auSjuf pred&en  ,  eine 
Slnerfennung,  bie,  roenn  nod)  Qatjre  ungejd&roäd&ter  Äraft  •  oor  mir 
lägen,  mir  ein  ernfter  Sporn  fein  mürbe,  baS  mir  t>crlicf>cne 
geringe  Sßfunb  im  35ienfte  ber  SSiffenfdjaft  nodj)  beffer  als  bisher 
ju  Derroertljen. 

Qnbem  idf)  Sie,  {(odfjgeebrtefter  £err  §ofratt>,  erfudjje,  biefen 
meinen  t)eret)rungSüoÜen  3)an!  ber  fjod&löblidfjen  gacultät  funb* 
geben  ju  wollen,  ergreife  idf)  mit  befonberem  Vergnügen  biefen 
Slnlafe,  6ie  pcrfönlidf)  meiner  auSgejeidfonetften  ipodOadEjtung  ju 
oerfid&ern.  3ftr  ganj  ergebener 

fiübedt,  b.  15.  äpril  1866.  «ßauli. 

$auli  rou&te  fe&öner  ju  fdfjreiben  unb  ju  reben,  als  cS  Ijier 
gefd&eljen  ift.  3$  roetfe  fein  beffereS  öeifpiel  anjuf  ityren ,  als  bie 
2Bortc,  bie  er  am  Sarge  bcS  Sßräfibenten  §eife  fprad).  3lber  ben 
Äem  feines  ganjen  SebenS  unb  StrcbcnS,  ben  Srieb,  bie  2öaf)rf>eit 
ju  erforfd&en,  bringt  audj)  baS  oorftefyenbe  Schreiben  jum  2luSbrudf, 
unb  eS  jeigt  ben,  ber  fo  VorjüglidfjeS  geleiftet,  als  einen  SDlann 
fo  befdjcibenen  Sinnes,  baf$  bie  Urfunbe  jur  gtfenntnife  feines 
SBcfcnS  nid&t  unmertl)  erfd&ten.  %n  jener  SRebc  ju  Sljren  Reife'S 
erbat  ^ßauli  fi$  unb  feinen  Sollegen  oon  (Sott  bie  Äraft,  il)r  2lmt 
fort  unb  fort  in  ber  unermübeten  SerufStreue  unb  bem  ©eifle 
geimffenljaftefter  ©rünblid&fett  ju  ocrmalten,  roooon  ber  Verstorbene 
ein  fo  leudf)tenbcS  Vorbilb  ^interlaffen  fyabt.  $)er  Slüdfblidf  auf 
^auli'S  juriftifcHttterarifdfje  $t)cittgfrtt  urirb  mit  bem  SRadOruljm 
fdjlicjscn  bürfen,  baf$  er  in  nicfyt  minber  fyolpm  Sinne  als  feines 
9tid)teramteS  auä)  feines  ämteS  als  Sd&riftftcUer  gewartet  fjat. 


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zedby  G00gk      - 


112 


11. 

@t»t  $afhtmt)l  be@  sMii)t*  öoii  Süftctf  im  ^nljrc  1502. 

3Wtt0ct^ctlt  öon  3lnton  ^agcborn. 


Mc  folgcnbe  äufjeidjnung  ift  ber  Script  unb  bie  9ted)nung£= 
abläge  über  ein  2M)l,  meldjeS  ber  9tatl)  pon  fiübeef  am  12.  unb 
13.  3uni  1502  auf  ber  OlauSburg  peranftaltete,  unb  für  roeU&cS 
er  feine  feit  24  ^aljren  gefammelten  Strafgelber  perroanbte.  Sie 
ift  pon  ^ntereffe,  ba  fie  uns  eine  nieberbcutfdje  Speifefarte  be£ 
auSgeljcnben  Mittelalters  pollftänbig  mitteilt,  unb  Stuffdjlufe  über 
bie  greife  ber  Lebensmittel  in  jener  &tit  gemährt. 

$)aS  £>ocument  befinbet  fid)  im  tjiefigen  StaatSarcfyipe.  6S 
würbe  in  einer  Sabe  unter  anberen  Steten  ber  ehemaligen  Ääm= 
merei  aufgefunben.  6S  ift  perjetdjnet  auf  jroei  golioblättern 
Rapier,  meiere  in  ber  9JUtte  gebrodjen  unb  jufammcngetieftet  fmb. 
3)ie  Sdjrtft  nimmt  bie  fieben  erften  Seiten  pöllig  einr  auf  ber 
adjten  ftef)t  bie  ^»M^angabe : 

,3tem  bit  ig  be  refenfdjopp  oan  ber  jdjafferpe,  be  be  rat  tyabbe 
opp  ber  DleffSbord)  pan  eren  brodegelben,  bo  men  fereff  1502  beS 
funbageS  por  SJiitii.1) 

6ine  9lbfd>rtft  finbet  fid^  am  Sdjluffe  eines  Sßapier^Sobejc  bcS 
Diepgen  StaatSardjipeS ,  melier  bem  @nbe  beS  16.  3al)rl)unbert£ 
angehört,  unb  ber  aufcerbem  eine  ßopie  ber  beiben  älteften  23ü<$er 
ber  Qunferßompagnie ,  foroie  äfofjeid&nungen  über  ben  SBiebet* 
beginn  berfclben  im  Qaljre  1580  unb  bie  imQaljre  1586  befdtfoffe* 
neu  neuen  Statuten  ber  ©efellfdjaft  enthält.  S)er  äbfd&retber  fyat 
mehrere  Stellen  beS  Originals  falfd)  gelefen,  unb  pielfad)  bie  nieber* 
beutfdjen  formen  burd)  l)od)beutfd)c  befeitigt.  S)iefe  Sopie  ift  per* 
mutljlid)  bie  „feljr  feltene  unb   alte  $anbfd>rift,"  meiere  3.  g. 


>)  3uni  12. 


Digiti 


zedby  G00gk 


113 

Sßeterfen  bei  feinem  2luffafce  über  baS  lübedtfdfje  ^ßatriciat1)  benufcte 
unb  avß  roeldjer  er  bafelbft  einen  2Iu£jug  mitgeteilt  j)at,  benn 
ber  ledere  bietet  gleichfalls  f)odf)beutfd&e  formen  unb  fjat  neben 
neuen  £efefet)lern  ganj  biefelben,  wie  bie  2lbfdf)rift  in  bem  ermähn* 
ten  (Sobey.  Sag  biefer  ^eterfen  cor,  fo  erflärt  fidf)  audlj  am  leid)* 
teflen  beffen  ^rrttjum,  nidf)t  ber  Statt),  fonbern  bie  3Welbrüber 
Ratten  fid&  ju  bem  3Kaf)le  Bereinigt.2) 

$)er  SeridEjt  über  baffetbe  ift  ©.  $)eede  burdf)  bie  Slrbeit  uon 
Sßeterfen  befannt  geworben.  $)a£  Srucpüd,  roel^eS  er  unter  ben 
Seilagen  ju  „§iftorifd[)e  9iad^rici)ten  üon  bem  lübedifdjen  ^atriciat"3) 
gegeben  l)at,  ift  eben  baffetbe,  n>cld(je£  oor  ifjm  fdfjon  Sßeterfen  mit* 
geseilt  Ijatte.  allein  beffen  2lbbrud  biente  i!)m  als  Quelle.  ®r 
l)at  ü)n  getreulidf)  mit  allen  fiefefeljlern  in  feine  ©d^rift  aufgenom* 
men,  baju  aber  burdf)  baS  Seftreben,  bie  mittelnieberbeutfdfjen  gor* 
men  tjerjuftellen,  roa£  if)m  nidfjt  gerabe  geglüdt  ift,  ben  £ejt  nodjj 
mefjr  corrumpirt.  Um  fo  mefyr  ift  eine  neue  twUftänbige  äßteber* 
gäbe  be8  ganjen  SertdjjteS  gerechtfertigt. 


Stern  anno  1502  ben  I2ten  bad&  oan  Qunio*)  fielt  be  erfame 
rat  Dan  Subed  en  erltf  lad^  opp  ber  DlepeSbordf)  oan  eren  brode* 
gelben  wm  24  jaren  oargarbbet,  fo  bat  be  fumme  roa£  jumma  65  lj2  #. 

3tem  be  fd&affer£  roeren  t)er  ^pnriid  Saftorpp  unbe  fjer  iper* 
men  3Reper. 

3tem  tyiir  tljo  frege  nrii  no<§  en  aem  tüiinS,  fjabbe  gegeuen 
l)er  S)iiberiid  Safeboro  in  ftjnem  teflemente.4) 

Qtem  be  tjeren  l)iir  na  oolgen  roeren  pr  to  ber  falatie  bii 
namen: 

a)  Sunigimo  S. 


>)  Sübetftfäe  SBlätter,  1827  Wo.  13  m  21. 
»)  ebb.  *Ro.  16  ©.  98  ff. 

8)  3a^rbttd)er  beSSSeretna  für  mecftenburgifdjc  ©efcfytctyte  unb  2Utertyuma* 
funbe,  herausgegeben  fcon  Sijdj,  X  ©.  50  ff. 

. 4)  2)a3  Seftamcnt  2)ietri$  SBafcbotu'S  ift  bon  1483,  «Wod.  18  battrt.  2>ie 
betreff enbe ©teile  beffelben  lautet:  3tew  fo  ge&e  i!  bente  erfamen  rabe  to  £u* 
be!e  ene  ame  9Uinfd)eS  htyneS  to  fruntlid)er  bedjtniffe,  ftcf  bar  frolirf  mebe 
to  malenbe. 

3ettf$r.  f.  Süb.  ttefö.  8b.  IV,  §eft    2.  8 


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zedby  G00gk 


114 


borgemcfterä ; 


ljer  Qo^an  $arffe, 

tjer  Sübeman  33erd, 

t>er  £artiid>  oan  ©tüten 

Ijer  ©atriit  Styoeft, 

fiet  SSolmer  SSarenborpp, 

t)er  $afytx  Sangen, 

l)er  3of)an  SBere, 

tyet  3of)an  Äerdrtjnd, 

§er  £iinrüd  SBeSoale, 

§er  ^pnrpd  2Bütte, 

Ijer  Hernien  2)atfon>, 

Ijer  ©oert  »an  9tentelen, 

l)er  Sotjan  Sttieftatt, 

tjer  Qo^an  2Reger, 

^er  SJreberüd  3oer£, 

(>et  So&an  Siinfel, 

fjer  Sernt  Somfjoroert. 
©effe  roeren  Ijür  al  müt  eren  ororoen. 
©aftc : 

bod^tor  Dftyufen  ferd^er, 

f>er  SBabe  oan  2tt>eleoefi  l>ot>ettman, 

boctot  Sßafebuff*)  fünmcuS, 

boctor  ©gffrübua  mebehtö, 

mefter  $artrot)gu$  Sredrool,  ) 

mefter  £enniingu£  Öftren, 

mefter  $ol)an  Stöbe, 
Qtem  broften  roeren  be  oorbenomeben  fd^afferö. 
Stern  nod)  bet  deren  fdjende,  nod)  be  marfdjalf  &Unrücf  oan 
9tenen  fnape,  Sofjan  Sotemer  fnape,  £an3  Patfce,  £an3  ÄufenS 
ber  §er[en]b)  jdjaffer,  no$  troe  rübenbe  benerS. 

3tem  be  4  fyuffbenerS  Reiben  be  roadjt:  troe  cor  ener  portten 
unbe  be  anbeten  troe  cor  ber  porten  na  ber  $emiil$eiitt. 
Qtem  be  falgreoe  roaff  portner. 

Stern  oor  bem  torne  faett  en  ritbenb  bener,  giind  äff  unbe  an. 
Stent  (jiir  roaff  be  fpelegreoe,  nod)  bat  grotte  fpiil1)  unbe   bc 
trumpperS. 

»)  flafebuff  2. 
*)  $ie  ©tabtmuftfanten,  an  ifjret  ©pi$e  ftanb  ber  fpelgretoe. 


fcriioe[t}B. 


Digiti 


zedby  G00gk 


115    _ 

Stent  l>ür  to  fiabbe  roü  ber  bereit  rübcnbc  Äorf  unbe  Sott 
Stalenbord)  Dor  fofemefterS  unbc  jobben  oolf  t^o  12  Daten  unbe 
rüdjten  an  albus  t)iir  na  twlgenb.  . 

Stern  int  etfte  maff  be  Dleoeftbord)  bedangen  miit  toppüferiie 
Ü)o  beiiben  fiiben  unbe  mütt  bendetafen  opp  et  fäonfte,  unbe  en 
frebentie,  bar  men  bat  fulnerfmübe  opp  fette,  oan  bten  treben. 

Stern  be£  funnbageS  mgttbage  roort  l)iit  an  gerügt  albus. 

Stern  4  vaH  in  elf  not  enen  ftyiinten,  t)ür  bü  4  riinberen 
braben,  ^iir  bii  fennepp  unbe  olitoen. 

Stein  bar  negefi  gefoben  roülttbratt. 

Stern  barnegeft  geftuefett  fdjapptrteff,  fyürbü  jalffementen  puber.1) 

Stern  bar  negeft  pottfyafi2)  mütt  rojiinen. 

3tem  bar  negeft  manbelmoft,  ^iirbii  {»eübefdje  fofen.3) 

Stern  bar  negeft  gebrat  üan  enetn  grotten  l)ertte,  f)üx  bii  ora* 
nien  oppel;  Ijür  bii  enen  froanen  geftoffertt  mütt  be«  feiffetö 
moppen  oor  ber  boift. 

Stern  nodj  enen  pamen  of  geftoffertt  na  fiiner  art  mütt  bem 
moppen;  f)ür  gebaden  tjertte  norgulben. 

Stern  Ijür  nod)  bü  troielpe  gebad. 

Stern  fyix  negeft  botter  unbe  fefe,  f)ür  bii  fiubefdjen  fofen. 

Stern  bar  negefi  gaff  men  ©amafd&en  ,4)  roater  ut  fufoeren 
tjantbefen. 

Qtem  bar  negeft  frügeffe  appel;6)  §ür  bii  anne$  fonfed. 

Stern  ru)A)  in  fuloeren  fäalen  Samerfdje  note.6) 

Stern  t>an  gebrendfen  gaff  men  §amborgera)  beer,  ©meS  beer,7) 
Stünden  roiin;  item  roben  @arfd)onijer8)  unbe  caoent9)  uor  be 
uroroen  unbe  fiubefd)  beer  nor  bat  wtt. 

»)  §anborger  £. 

*)  ©efoür^ufoer. 

*)  Sopf  braten,  ©r  unt.» treibet  fidj  baburdj  öom  grapenbrabe,  bafe  ba3 
gleifdj,  betwr  e£  gebraten,  in  Heine  ©tücfe  jerfdjnitten  tuirb,  toätytenb  ber 
grapenbrabe  öon  einem  einjtgen  ©türfe  gleifdj  IjergefteUi  wirb. 

8)  fluten,  foeldje  mit  tyeibnijdjen  ©ötterbilbcrn  toergiert  finb? 

4)  ^anbttid^et  &on  2)amaft. 

5)  Krieger  Siegel,  eine  ©orte  jiemttdj  großer  rotier  lle^fel. 

6)  Sombarbiföe  9Mffe. 
*)  ©imbeefer  2Mer. 

8)  SBein  au$  ber  ®a$cogne. 

9)  Dünnbier. 

8* 


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116 

3)eäL  junnbag  anenbeS  tor  maltüt  get>en  nrii: 

Snt  erftc  be  folben  rpnberen  braben,  l)ür  bü  gerofiett  fd&app* 
t>leff;  nodj  be  folbcn  fdjünfen,  tjür  bü  fennepp  unbc  oliioen. 

Stem  bar  negeft  jjoner  tniitt  bügotcn.1) 

Stern  bat  negeft  gefoben  ftoet  miitt  peterfitfliien  in  etüde. 

Stern  bar  negeft  groppenbrabe  miitt  rofiinen. 

Stern  bar  negeft  en  mene  moefi,  tjiir  bü  en  gebadf. 

Stern  bar  negeft  gtjebratt  Dan  bem  groten  nuilbe,  f)ür  orranpen 
appel,  gebrabcn  Ijoner  unbe  en  gebad. 

Qtem  bar  negeft  botter  fefe  fofen,  fo  beä  erfien  bageS,  unbe 
rofenroatter  unbe  bar  na  froet,2)  fo  Dornen  gef  cremen. 

SDtonbacty. 
Stern  in  erfle  gefoben   tjoner,  §eet,  roiitt  unbe  miitt  ener 
foppen,  §iir  bü  pulffe.3) 

Stern  bar  negeft  geftudett  fdjappoleff,  t)ür  bü  falfementen. 
Stern  bar  negeft  gefoben  nriilt. 

Stern  Itfir  negeft  gefoben  fioer  in  ftuden  mitt  peterfiilüen. 
Stem  l)ür  negeft  en  moefi  van  fuffereüe,  I)ür  bü  en  $eba&. 
Stern  §ür  negefi  gebrat,  fo  Dornen;  fefe  botter,  fo  beä  oorbageä. 

Stern  beä  manbage  aoenbeS. 

Stern  int  erfte  folben  braben  unbe  geroflett  fdjappoleff,  $ür 
bü  gebraben  fprene.4) 

Stern  bar  negefi  grappenbrabe  mit  rofiinen,  f)ür  bü  gronen  lajl 
müt  etliid). 

Stern  l)ür  negeft  gefaben  fprene,  Ijür  bü  gefoben  ^efebe  miitt 
botter. 

Stern  bar  negeft  roün  moefi,  t)ür  bü  en  gebaut  van  lobben.*) 

Stern  l)ür  negefi  gebraben  fconer  unbe  gebraben  fioer,  fttr  bü 
nod)  gefoben  freoete  in  ettüfe  unbe  peper,  \)\ix  bü  oranien  appel, 
Ijür  froanen,  paroen,  gebaden  tjertte. 

Stern  §ür  negeft  botter,  fefe,  fofen. 

Stern  bar  negefi  rofemoater,  appel,  fo  Dorfjen. 


2)  ©aucc. 

*)  grüßte. 

8)  glciWbrci? 

4)  ©taare. 

6)  etoctfijdje,  t>orne&mü$  baS  biete  Storbertyetf  berfelben. 


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117 

Stein  I)Ur  Ijebbe  nrii  ti)o  gefjatt,  fo  f)ür  na  oolgett: 

Sn  erfte  83  Ijoner,  flaen  to  Ijoppe  jumma     .    .    4  #    7  fl 

Stern  oor  cncn  Ijaloen  offen  unbe  ttoebotelünge,1) 

jumma 7  #    3  (8 

Stern  geoen  oor  cn  oerenbel  oerfd&er  botter  unbe 

ll   punt  ungefolten  botter  to  mofen  unbe  4  oerf<$e 

bottet  opp  be  taffeien,  jumma 2  #  14  0 

Stemno^troetunnen^ambotgerberffmittbemungelbe  4$  10(5 
Stern  nodj  troe  tunnen  6mefd)e$  beer«,  ftaen  jumma    5  .# 
Stern  oor  enen  ftoer  mitt  ber  ooerfture,2)  jumma    3  .#  11  0 
Stern  geoen  opp  ber  apptefen  oor  l^  punt  enge* 

oerft,   l  punt  peperS,  3  oerenbel  negelSfen,  7  loett 

faffranS,  en  oerenbel  mufdjaten  blomen  unbe  en  oerenbel 

fanel,  G  punt  fuderS,  tyo  tioppe  jumma 6  fr.  13  0 

Stern  no<$  oor  900  eüger,  ftaen  jumma  .  .  .  2  fr 
Stern  oor  12  faffe  folen  unbe  §olt,  jumma  .  .  l  fr 
3tem  no$  oor  26  punt  rofittren  unbe  25  punt 

manbelen,  to  tjoppe  jumma 2  $  10  0 

Stern  oor  orrannien  appel  unbe  oor  Samerfdje  note  10  0 

Stern  3  punt  an^Sfonfed  unbe  friigeffe  appel.    .    l  fr  14  (J 
Stern  nod)  geoen  oor  fefef  folt,  grutte,  peterfütttten, 

fiippollen  unbe  oor  4  tortüfen,3)  tf)o  fioppe  jumma     .    l  fr    9  (3 
Stern  utgeoen  oor  12  ftiige  fprenen  unbe  3  ftooe* 

fen  robe«  toün$,  jumma 2  .#    4  0 

Stern  geoen  ben  tioen  fofenmefterS,  jumma  .  .  3  fr 
Stern  nodj  geoen  ben  breger$,  jumma  .  .  .  .  l  fr 
Stern  ben  f djottettoafd&era  unbe  ummelopper£,  jumma  6  0 

Stern  in  ben  münfeüer  oor  nmnbaftart,4)  jumma  20  J  fr 
Stern  nodj  oor  4  fdjünäen  unbe  fped  unbe  3  fofen, 

fyo  l>oppe  jumma 2  #    9  0 

Stern  nod)  geoen  oor  etiidj,    laft,   brabenfer,5) 

otiioen,  anber  unfofi l  #    6  0  • 


*)  Hammel. 
8)  3ityrlo$it. 
8)  $ßa$3!er$en. 


4)  (Sin  fiifjet  foanifäer  ©ein.  „^ieUeictyt  erhielt  er  einen  3ufafc  tton 
3ucfer  unb  anbern  Sngvebienjien,  um  ifyn  füjjer  311  machen,  unb  ba^et  feinen 
tarnen."  fficfyrmann,  ber  lübecfiföe  Stat^tveinfeUer  (3citjdjrift  be«  herein« 
für  Mb.  @eföi$te  unD  SUtertyumetunbc,  »b.  2,  ©.  87). 

6)  60  beutiiety  ba3  Original.    2)ie  Slbfärift  tyat:    93tabenferer. 


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118 


3tem  genen  bcr  fofenbedferfc^cn,  jumma     .    .    .    1  $ 
3tem  not  brott  bem  beder,  femmelen,  fd&ontoggen, 

jumma 2  $ 

$tem  genen  bcn  fpeluben l  f 

3tem  geocn  bem  melet,  be  btaben  tljo  notgulben 

unbe  ftoffeten l  |S 

Stern  nodj  utgeoen  not  froiitten  ülcff  unbe  blott, 

jumma 5  n 

Stent  no<$  30  to  Icfcn  not  be  notfiotnen  §eten, 

jumma 2^6f> 

3tem  fo  l)eff  in  al  beffe  foft  gefoft,  fo  normen  ge* 
fcteoen  t$  bü  petffelen,  jumma 83$     ljj 

Stern  be  unfangegen  tfc,  \o  t)üt  in  bet  W&tiiff 
fieiitt,  miitt  bem  ame  toiinS  oan  feliigen  tyeten  ©ütiüf 
83afeboroenf  jumma 80^ 

6o  tjebbe  ic  mer  utgenen,  ban  unfangen  notge* 
fctenen,  bat  ic  tagtet  biin,  jumma 2  £  9  f». 

Jpiit  ttjo  toaff  t&o  notne  en  ftucfe  tniilbeS  quam  nan  9tittfce[t]on>e 
unbe  troe  aoenbe  grone  nüfdje  unbe  ttoe  tunnen  Subefö  beer«. 

Omnia*)  sunt  soluta  per  Davidum  Divetz  proconsulem 
anno  ut  supra  Jovis  22.  Junii.1) 

a)  2)et  3atylung3ttermetf  ifi  öon  anberer  §anb. 
*)  2>er  22.  3uni  b.  3.  1502  fiel  auf  einen  5Witttt)o^. 


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119 


111. 

Beiträge  $ut  l'iibcrfifdjc«  Wcfdjidjtc. 

35on  Senator  Dr.  9£.  33rcfymer. 

7.    fllitglieber  bts  JSatljce  von  JUgn,  Jtcual  unb  JDorpot, 
weldje  in  Lübeck  geboren  ftnb. 


lei  bcm  regen  ^aubetöoerfc^r,  meieren  oon  2Uter$tjer  Sübedt 
mit  ben  lieolänbifcfjen  unb  efttänbifd;cn  ©labten  unterhalten  tjat, 
würben  biefe  lederen  mit  befonberer  Vorliebe  üon  benjenigen 
Sübedfern  aufgefaßt,  meldje  ftd)  fern  t)on  ber  £eimatl)  iljre  roirt^ 
fdjaftlidje  (Sptfteng  grünben  wollten;  benn  von  bort  au£  tonnten  fie 
otyne  grofec  2)tüf)e  bie  S3ejieljungen  ju  üjren  2terroanbten  unb 
greunben  aufrcdjt  erhalten,  anä)  burften  fie  in  ifjnen  mit  ©ennfc 
(jeit  auf  eine  görberung  unb  llntcrftüfcung  i^ver  neuen  Unterne^ 
mungen  rennen.  33iclen  bcrfclbeu,  bie  fid)  bauernb  anftebclten,  tft 
c£  gelungen,  an  tyrem  neuen  2i?ol)norte  ju  folgern  2Infef)cn  unb 
©influfe  ju  gelangen,  bafe  fie  bort  ju  ÜKitglicberu  be^  StatfjeS  crroätjlt 
mürben.  Ueber  biefe  Vorgänge  genaue  Äunbe  ju  erhalten,  bürfte 
audf)  für  bie  ©efci&td&te  SübecfS  üon  Qntereffe  fein,  unb  fo  ift, 
ba  bie  nadjfolgenben  fürjlid)  über  bie  StattySltnien  ber  ©täbte  Sliga, 
Jteoal  unb  ®orpat  oeröjf  entließen  Söcrfc: 

Sie  3Ugtfd&e   9tatf)$Ume    oon    1220—1770  tum   §.  fr 

Sötptir.    3tiga  1877. 
5Dic  Renaler  9tat^Slinie  nebft  einem  2lnf)ang  über  3liga 

unb  ®orpat  t)on  Dr.  %  ©.  von  23unge.    SReoal  1874. 
Siegel  aus  bem  9tei>aler  9lat^atd&it)  üon  (£.  v.  9]ottbedt. 

Sübecf  1880. 
auSfüljrlidfje  S3erjei(^niffe  ber  bortigeu  SRatl^crren  enthalten,  ber 
SSerfud)  unternommen  worben,  au«  ben  in  ifynen  gemalten  5lnga* 
ben  unb  an%  9iotijcn,  bie  ficf>  in  ben  Ijiefigen  Stabtbüd&ern  finben, 
eine  ßufammenfteHung  berjenigen  ^erfonen  anjufertigen,  meldte,  in 
fiübedt  geboren,  in  jenen  ©täbten  jur  9lat^roürbe  gelangten.    S)a 


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120 

aus  älteren  3*iten  nur  t>on  wenigen  9tat§«mitgtiebern  i$r  ©eburt«* 
ort  befannt  ift,  fo  fann  ba«  SScrjeid^nife  auf  Soflflänbigfett  feinen 
Stnfprud)  ergeben,  aud&  beruht  bei  allen  benjenigen  ^erfonen,  oor 
bereu  Atomen  fidf)  ein  gragejetdjen  befinbet,  bie  Angabe,  fte  feien 
in*  Sübed  geboren,  nur  auf  einer  2Rutl)ma&ung. 

©injugefügt  ift  eine  3Kittfyeilung  über  biejenigen  Sßerfonen, 
roeldfje  in  ben  ätteften  Ijieftgen  9tteberftabtbüdf)ern  at«  3Jlitglieber 
be«  Statte«  lieotänbifd&er  ober  efltänbifd&er  ©täbte  namhaft  gemalt 
finb,  ba  Ijterburdf)  bie  oeröffentlidjjten  SRat^Slinien  emjelne  ßrgän* 
jungen  erfahren;  be«gleidfjen  finb  biejenigen  lübedtfd&en  3tatl)«&erren 
aufgeführt,  roeldje  in  einer  jener  ©tobte  geboren  finb. 

9ttga. 

©bertiarb  Sulmerincq.  Statten:  1741—1745,  geb.  ju 
Sübed,  23.  Stpril  1686.  @r  war  ein  ©oljn  oon  ätaton  Sulmerincq, 
ber  oon  Sübecf  nadf)  3ttga  überfiebelte. 

»ert^otb  grebertf«.  9tatf)«l>err  1532-1548.  ©emSSater 
bewohnte  ba«  §au«  Ärä&enflrafce  Jß  405. 

Sodann  ©ottteben.  3tat$«l>err  1680-1684,  geb.  nac& 
Sötp^r  (a.  a.  D.  ©eite  189)  ju  Sübed,  8.  San.  1620.  Ueber 
feine  gamitie  ift  bt«  jefct  nidjtS  9täl>ere«  befannt. 

©ern&arb  ß^riftian  ©rimm.  Slat^err  1827-1855, 
geb.  ju  Sübed,  27.  Sept.  1788.  ©ein  SSater  war  ber  au«  23i«mar 
etngeroanberte  fd&roebifd&e  ©eneralconful  ;3ol)ann  2lnton  ©rimm. 
S5effen  jüngerer  ©ol>n  (Sbmunb  2BU§elm  ©rimm,  ber  oon  1846- 
1867  bem  9tigifd)en  9latf)  angehörte,  ift  in  9Uga  toätyrenb  einer 
längeren  äntoefenljeit  feine«  $ater«  am  18.  ©ept  1794  geboren. 

ß^riftian  ©iebridf)  ©rofd&off..  Statten  1801-1803, 
nad)  93ötpf)r  (a.  a.  0.  ©eite  233),  geb.  ju  Sübed  ben  29.  äpril 
1740.  3n  ben  Saufregiftern  jene«  Qa^re«  wirb  fein  3iame  nid&t 
aufgeführt. 

$eter  £aed«.  9tatf)«l)err  1704-1710,  geb.  nad&  3Me'« 
Angabe  1652,  na<$  83ötl)fül>r  1654.  ®r  mar  ein  ©o&n  oon  3oljann 
£aed«.  211«  er  1710  fein  ahnt  at«  Stat^err  niedergelegt  &atte, 
lehrte  er  nad&  Sübed  jurüd,  roofelbft  er,  o^ne  Äinber  ju  hinter* 
laffen,  am  6.  ^uli  1721  oerftorben  ift. 

Sodann  £inrid&«.  9tatl)«l>err  1726—1740,  geb.  ju  Sübed 
am  8.  9too.  1667.  Sr  mar  ein  ©oI)n  be«  SUtfltder«  §tnrid&  §inrid&«. 

?  Sofjanne«  §ogl)emann.  3tat§«§err  1286—1298.  S)er- 
felbe  mar  woljl  enttoeber  ein  ©o^n  be«  3of)ann  £ogl>emann,  ber 


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121 

von  1256—1260  als  Sübedtfctyer  9iat§«t)err  florfommt,  ober  aud) 
feine«  ©ruber«  $einridj,  ber  nadf)  ben  un«  bur<$  9Me  erhaltenen 
Angaben  be«  älteften  Dberftabtbudj«  brei@öf)ne:  ©einriß,  Qo^ann 
unb  ßfjriftian  Ijmtertaffen  Ijat.  ®tefe  muffen,  ba  bie  gamilie 
§ogljemann  }U  ©nbe  be«  brennten  Qa^r^unbert«  nidjt  mel>r  in 
Sübed  anfäfftg  mar,  entroeber  jung  t>erftorben  ober  auSgeroanbert  fein. 

?  3ol)anne«£aifer(@aefar).  9tatf)8f)err  1338.  2>aber9tome 
fiaifer  für  jene  3*iten  ein  fefjr  ungeroöf)nltd)er  ift,  fo  liegt  bie  33er* 
mutljung  nalje,  bafc  ber  9ligtfd)e  9latl)«f)err  ein  @of)n  be«  Sübedtfdjen 
3tatfj«l)errn  Spanne«  Äaifer  (1292-1315)*)  geroefen  ift,  jumal 
ber  lefctere  in  fe^r  naljen  Sejietjungen  ju  Sftiga  gefianben  §at.  ®r 
§ielt  fxd^  bort  1299  längere  3eit  al«  Vertreter  Sübed«  auf,  um 
bie  3tmetra<§t  jnufdjen  ben  bürgern  unb  ben  SBrübern  wm  beut* 
fdfoen  #aufe  au«juglei<$en,  audj  mürben  burdj)  feine  Vermittlung 
oier  9ttgifd&e  SRat^erren  non  ber  Umen  broljenben  ©efangennaljme 
Seiten«  mehrerer  Drben«ritter  befreit,  (©rautoff,  £übedtfd&e  ß§ro* 
ntfen,  Süjeil  I,  Seite  419.) 

?©obfcalcu«Äuro.  Sftat^err  1287^  1292.  @r mar  jmeifel«- 
o^ne  ein  SKitgtieb  ber  2übedifd)en  gamilie  Äuro,  oon  ber  im  brei* 
je^nten  Qa^unbert  oier  ^ßerfonen  in  ben  9tatl)  gelangten. 
2Rännltd)e  2tngel>örtge  jener  .gamilie  ftnb  im  oier Junten  $ofyc* 
^unbert  nidjt  metyr  in  Sübed  nad&roei«bar,  fie  mufe  alfo  au«geflor* 
btn  ober  au«geroanbert  fein. 

?  ^oljanne«  be  Sangtjefibe.  9lat^err  1309-1326. 
Dbroofil  au«  ber  gamilie  Sangfjefibe  *Riemanb  jum  £ii6edfer 
9tatt)«l)erm  ermäfilt  ift,  fo  gehörte  fie  bodfj  im  anfange  be«  Pier* 
je^nten  igaf)rf)unbert«  ju  ben  angefe^enfien  ber  Stabt. 

gribericu«  be  Sübefe.  9tatf)«f)err  1231.  2)a bie gamilien* 
namen  im  anfange  be«  brennten  ^ci^r^unbert«  erfi  im  ßntfte^en 
begriffen  finb,  fo  läfet  bie  SBejetd&nung,  be  Sübefe,  mit  öeftimmt^eit 
barauf  fd&Uefeen,  bafc  er  au«  Sübed  in  SRiga  eingeroanbert  ift. 
93ieHeid&t  ifl  er  ibentifd)  mit  gribericu«  S)umber,  ber  1227  fein  in 
Sübecf  an  ber  ßde  ber  Sedergrube  belegene«  $au«  an  §mridf) 
oon  Sod^olt  oerfaufte  unb  bann  1228  mit  bem  Statfy&tjerrn  9Jtembern 
(1224—1234)  al«  ©efanbter  Sübed«  ju  ©molen«f  bei  ben  SSerfjanb* 
lungen  mit  3Rete«lat>  Stanriboroitfcl)  auftritt,  ©effelben  gefdf)iet)t  fpäter 

*)  £ie  ben  tarnen  ber  £übecfifd)en  SRatf^erren  in  Älammer  beigefügten 
3afyre8jal;len  be^eid^nen  ben  3*üraum,  innerhalb  beften  fte  bem  Statte  ange« 
fyört  fyabtn. 


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122 

in  Sübed  nidjt  mct)t  ©Trocknung,  grebericu«  S5umber  mar  otcHci^t  ein 
Sotjn  be«  gribericu«  Stultu«,  ber  mof)l  ibentifdfj  ifl  mit  bem  9tatl)«f)emt 
gubericu«  (5>eedc,  SHat^Unie  *\s  77).  33on  tt)m  bejeugt  Siföof 
©ertolb  1230  (Utf.  b.  ©tety  Sübed,  Seite  67),  bafe  er  eine  SStfarie 
in  ber  2)omfircf)e  gegrünbet  f)at.  Sei  ber  SBefiatigung  biefer  ©ttf* 
tung  (Urfb.  b.  %'M\).  Sübed,  Seite  72)  giebt  tym  jroar  ber  Sßapft 
(SregorIX.  ben  Sitel  miles;  fjierau«  barf  aber  ntdfjt  otyne  Sßeitere« 
gefolgert  werben,  bafe  er  mirflidjj  ein  SRitter  gemefen  ift,  benn  bie 
©etftlidtfeit  mar  ju  jener  3^it  mit  ber  33erleif)ung  oon  e§ren< 
bejeidfjnungen  überau«  freigebig. 

Slbolpl)  Süber«.  9iatf)«t)err  1679-1680,  geb.  ju  Sübed 
ben  11.  3lpril  1023.  ®r  mar  ein  ©o&n  be«  Sübedifdjen  Sürger« 
3ol)ann  Süber«  au«  beffen  @l>e  mit  (Slfabe  Siobbe,  einer  Softer 
be«  Sftat^errn  2Ibotpl)  Stobbe.    (1612-1617.) 

?  ßonrab  be  SWorum.  SRat^err  1286-1303.  9M) 
ben  Angaben  aMe'«  befafc  ber  Sübedifdje  Statten  ^ermann  o. 
ÜBorum  (1243-1262)  einen  ©of)n  (Sonrab,  ber  t>ieHeid)t  mit  bem 
9Ugifdf)en  9latl)«f)errn  ibentifd)  ift. 

?  ^ermann  be  Olbenoere.  Statten  1307.  Sie  gamilie 
ölbenoere,  meld&e  ben  tarnen  nad)  ifjrem  in  ber  grofeen  9Utcn= 
feiere  belegenen  ©tunbbeftfc  erhalten  Ijat,  ftanb  ju  2Iu«gang  be$ 
breijefjnten  3af)rl)unbert«  ju  Sübed  in  t)ofjer  33lütl)c,  it>r  wirb 
jroeifel«o()ne  ber  9tigifd)e  9ktt)«f)err  angehört  fjaben. 

Sorban  *pie«foro.  9tatf)«f)err  1540.  @r  mar  ein  Sotyn 
be«  Sübedifdjen  Bürger«  2Ue£anber  9Jle«foro  unb  (Snfel  be«  9tatl)& 
Jjerrn  ^orban  $le«fon).    (1439  -  1  isi.) 

Qoljann  d.  Meutern.  Statten  1685-1692,  nad&  8öt$> 
fübr  (a.  a.  0.  Seite  191)  geb.  ju  Sübed  ben  10.  2lpril  1635. 
Heber  feine  gamilienangef)örigfett  mar  nidf)t«  ju  ermitteln. 

?  ?  ^obanne«  be  Söarenborpe.  3ßatf)«f)err  1306-1330. 
®ie  2lnnal)me,  bafe  er  in  Sübed  geboren  ift,  beruht  nur  auf  ber 
©letrfjljeit  be«  Tanten«  mit  ber  in  Sübed  anfangen  gamilie 
SBarenborpe. 

Henning  SBarmboefe  (mo^l  ibentifd^  mit  bem  t>on  ©öt^fu^r 
aufgeführten  igeinrid)  Söarenbed).  Statten  1490-1496.  & 
mar  ein  Sofm  be«  Sübedtfdjen  3Künjmeifter«  Sertljolb  SBatmboefe 
unb  ein  Sruber  be«  Sübedifd&en  9tatlj«ljerw  ipemridf)  SBarmboefe. 

(1506  —  1532.) 


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123 

?  ©otfcalcu«  SDBeff elcr  (Sampfor).  Stottert  1306.  ®ain 
her  gamilic  SSeffeler,  bic  im  breijefjnten  unb  merjeljnten  ^afirfjun* 
bcrt  in  Sübed  ljofje«  Sinken  genoß,  bcr  Vorname  ©ottfd&alf  ein 
fe^t  gebräuchlicher  war,  fo  barf  rooljl  angenommen  werben,  bafe 
ber  Stigtfd&e  Slat^err  il)r  entflammte. 

Wdtjt  berüdfidtjtigt  ift  ber  üon  93ötf>fül)r  aufgeführte  9iatf}«l)err 
33runo  SBarenborp,  ba33unge(a.  a.  £>.,  ©eite  18)  barin  beijupflid&ten 
ift,  bafe  an  bem  Orte,  roo  feiner  (Srraätmung  gefd£)ief)t,  ber  Sübccfifd^e 
33ürgermeifter  gleiten  SRamen«  (1289—1341)  gemeint  ift. 

Sll«.3RttgUeber  be«  SRigifdien  Slatfie«  werben  in  ben  älteften 
Ijieftgen  SRieberftabtbüd&ern  ermähnt. 

1340  ^oljanne«  ^Jape  proconsul. 

1343  So^anne«  $at)fer. 

1349  £inricu«  9Kege  unb  ©erarbu«  3JUt)e.  Siefelbcn 
fjatten  gemetnfam  eine  gorberung  oon  1 266  #  Pfennige  an  bie 
Sübedifdfjen  93ürger  2lbraf)am  S3ere  unb  ©erwarb  Satfoiu. 

1358  ^oljann  Sernij.  1360  ^ofjann  be  33ocrne.  S3eibe 
Tanten  werben  fid)  wof)l  auf  ben  9tat^t)erm  bejieljen,  ber  in  ber 
SRtgifdjen  StatfySlinie  Sotjanne«  Sorne«,  Sornfe  ober  33orenfee  Reifet. 

1360  SBulferbu«  be  ©unteren  proconsul. 

1360  9)  man  53lanfenften.  ®a  betreibe  bisher  al«  9ttgifdf)er 
9tatf)«tjerr  unbefannt  ift,  fo  gelangt  im  anfange  As  l  bie  fid&  auf 
ifm  bejieljenbe  Eintragung  in  ba«  Dlieberftabtbud)  jum  SIbbrud. 

1368.  1373  Sernljarb  §oeppener. 

1437  Slegnem«  ©oltrump. 

1438  §einrid)  ©pping^ufen. 

35er  9iigifd&e  SHat^err  SBerner  Witt)  1547-1559  fc^eint 
gegen  6nbe  feine«  Seben«  nad&  Sübed  äbergefiebelt  ju  fein,  ba  feine 
in  Jpoüanb  anfafftgen  ©<$roeftern  burdf)  iljren  Seoollmädjtigten  1567 
por  bem  SRieberftabtbud)  erflären  laffen,  bafe  fxe  bie  irrten  üermad)* 
ten  Segate  üon  feinen  Seftamentarien ,  ben  Sübedif^en  bürgern 
3tatf)«f)err  3odf)tm  Älcpel,  9totl)«l)err  Sodann  Äampferbefe,  35irtf 
2Beffell)ot>et  unb  $an«  grife  au«bejaf)lt  erhalten  §aben. 

33on  ben  Sübedifdfjen  Statfy&tjerren  ift©ottf<$all3;immer* 
m  an  n  ( 1 5 1 9 — 1567)  in  9üga  geboren ;  audf)  fd&eint  bie  Sßatrijierfamilie 
$)arforo,  beren  2lngel)örige  bereit«  ju  Slnfang  be«  uierje^nten  3al)r* 
tyunbert«  in  angefetyener  Stellung  ju  Sübed  üorfommen,  nid^t,  urie 
früher  angenommen  warb,  au«  Stafforo  ju  flammen,  fonbem  über 
9Uga  tjier  eingeroanbert  ju  fein,  ba  in  lefcterer  ©tobt  ju  jener  3ei^ 
bereit«  mehrere  9totl)«l}erren  biefe«  -Kamen«  porfommen. 


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124 


?  Siebemann  (SoeSfelb.  Statten:  1335—1349.  3)ep 
felbe  mtrbwoljl  auSfiübed  ftammen,  benn  tjiertommen  1311  jtuei 
Särger  mit  -Kamen  Siebemann  @oe8felb  oor,  bie  beibe  Äauftyanbel 
betrieben  fjaben  werben,  ba  von  Ujnen  ber  eine  in  ber  Sraunftrafee, 
ber  anbere  in  ber  gifdjftrajge  wofjnte. 

$an«3acob  @gger8.  Statten:  1752—1755, nad&Sunge'S 
Angabe  (a.  a.  D.  Seite  93)  in  Sübed  geboren. 

?  &etnrtcu3  be  ©ffenbe.  Slat^err  1360— 1368.  erwirb 
jwetfel3ol)ne  ber  Sübedifd&en  gfamtlie  be  (Sffenbe  angehören,  ba  in 
tyt  ber  Vorname  £emrt<f)  ein  fefjr  gebräud&lid&er  mar. 

Soljann  £aefS.  Stattet*  1642-1663,  nad>  ©unge'S 
Angabe  (a.  a.  0.  Seite  99)  in  üübed  geboren. 

33ertolb  &amer.  Sftat^rr  1314-1335.  S)a  bie  9Rit* 
glieber  ber  föeoaler  9tatl?8famtlie  £amer  ba«  nämltd&e  Söappen, 
ein  agnus  dei,  führen,  mie  ber  Sfibedtfd&e  Statten:  Sodann  $amer- 
(1293—1305),  fo  finb  biefelben  unjwetfelljaft  ate  feine  SRac&fommen 
anjufeljen.  hierfür  fprt<f)t  no<§,  bafe  nad)  bem  Sobe  be«  Sübedfi* 
fd&en  Sftatljgljerrn  männlid&e  9to<$fommen  beffelben ,  obmo&l  er 
fold&e  Ijtnterlaffen  ju  Ijaben  fdjeint,  nidjt  mtf)t  in  Sübedt  twrfom* 
men,  unb  bafe  fein  Vorname  «3o^ann  von  trielen  SDlitgUebern  ber 
SReoaler  gamitie  geführt  marb. 

Stabe  9tubolp§  Sonbicer.  SRat^err  1693-1698,  nad& 
Sunge'S  Angabe  (a.  a.  D.  Seite  113)  in  Sübed  geboren. 

Slrnbt  oon  3»inben.  SRat^err  1696-1710, nad&  «unge'a 
3lngabe  (a.  a.  0.  Seite  115)  in  Sübecf  geboren. 

?  ^ermann  2Wore.  Statten:  1319-1351.  2)erfelbe 
mar  woljl  ein  Soljn  oon  ©ottfrieb  3Rore,  ber  oon  1289-1291  in 
bem  ßübeclifdjen  9iatl>  gefeffen  (jat.  S)er  Sorname  ^ermann  war 
in  ber  gamilie  3Rore  ein  fefjr  beliebter. 

3lmbt  *pa<Iebufdj.  Stattet*  1542-1571.  @r  mar  ein 
Soljn  be8  £übecfifd&en  33ürgermeifter8  Dr.  9Rattl)eu$  $a<febuf<$ 
(1522-1537)  au«  beffen  ©Ije  mit  6§riftinc  SRnnge;  fein  ©ruber 
mar  ber  Sübedifd&e  9tatf)3l)err  $ieront)mu$  ^adebufd&.  (1541  —  1550.) 

3ol>ann  ^almebacJj.  Sftat^err  1413-1433.  Sein  Sater, 
£inri$  $almeba$,  mar  ein  angefefjener  Äaufljerr.  53unge  (a.  a. 
0.  Seite  120)  nimmt  an,  bafe  er  1414  Statten:  geworben  ift, 
bod&  wirb  tfjm  im  ljiefigen  Dberfiabtbudf)  bereite  1413  ber  Xitel 
consul  Revalensis  beigelegt     Um  ba£  3al)r   1432   ijl  er  aus 


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125 

©rünben,  roeldje  bie  SSertteter  ber  anbeten  £anfefläbte  nid^t  für 
genügenb  erachteten,  au«  bem  Statte  au«gefiof$en  roorben  (Stopp, 
ipanfereceffe  £t)eil  2  ©ette  3).  ©r  fjat  bann  feinen  bauemben 
Slufcntfjalt  in  Sübed  genommen,  ba  er  1434  üor  bem  Sübedifdjen 
Stall)  (Slntjang  J&  2)  (einen  brei  fiinbem  2lu«fpru<I)  an  iljrem  -Kutter* 
gut  leifiete,  unb  balb  barauf  (Sln^ang  Jß  3)  feine  in  SRenat  lagern* 
beri  Äaufmann«güter  an  feinen  ©ofjn  unb  feinen  Steffen  oerfauft. 
Qm  Qafjre  1443  erwarb  er  ba«  in  ber  St.  SHnnenfirafje  gelegene 
£au«  X&  800,  in  bem  er  wofjl  bereits  feit  1437  wohnte,  ba  e« 
in  biefem  Saljre  fein  SSermanbter  £einrtd)  Sßatmebad)  faufte.  Sil« 
er  e«  1444  wieber  oeräufeerte,  bebang  er  jid)  für  bie  3*ü  feine« 
Seben«  eine  2Bol)nung  in  bemfelben  au«. 

?  £einrid)  5ßeperfad.  Statten  1383.  SDerfelbe  mar 
pieüeic^t  ein  ©oj)n  be«  Sfibedifdjen  9tatlj«f}errn  Semfjarb  ^eperfad 
(1358—1366),  feinen  SSomamen  ^eintieft  W  er  öt«bann  oon 
feinem  mütterlid&en  ©rofeoater,  bem  Sübedifdjen  9tatl)«f)errn  #em* 
ridj  $ape  (1333—1359)  erhalten. 

3Rattijeu«  Pforte.  SRat^err  1630-1641,  nad)  SBunge'8 
Angabe  (a.  a.  D.  ©eite  120)  in  Sübed  geboren. 

(Sberljarb  t>on  SRentelen.  Statten  1525-1532.  (Sr 
war  ein  ©oljn  be«  Sübedtfdjen  Statfy&ljerrn  (Sberljarb  oon  Stentelen 

(1501-1520). 

#einrid&  ©d&lüter.  Stattet*  1661-1667,  na<f)  93unge'« 
Slngabe  (a.  a.  0.  ©^ite  128)  in  ßübed  geboren. 

?  5ßeter  ©todel«borpe.  Statten;  1362—1369.  ©aber 
Stame  barauf  Ijmweift,  bafe  bie  gamilie  au«  bem  bei  Sübed  bele* 
genen  2)orfe  ©todeläborp  flammt,  unb  ba  nad)  9lu«n)ei«  be« 
Dberftabtbudj«  im  trierje^nten  3af)rl?unbert  mehrere  Sßerfonen  bie*» 
fe«  SRamen«  in  Sübed  anfafftg  waren  (1352  wirb  ermähnt  Sßeter 
@todel«borp,  ein  ©oljn  be«  ©tebridj  ©todeläborp),  fo  barf  wotyt 
angenommen  werben,  bafe  er  au«  Sübed  in  Steiml  emgewanbert  tft 

?  Sodann  ©tolterooet.  9tati)«l>err  1385-1415.  Seit 
Slnfang  be«  trierjel>nten  Qa^unbert«  fommt  in  Sübed  eine  ange* 
fetjene  bem  flaufmann«fianbe  ange^örige  gamilie  ©tolterooet  t>or, 
in  ber  mehrere  ©lieber  ben  Sornamen  Soljann  führten,  fo  ba& 
t>ermut|et  werben  barf,  ber  SReoaler  3tat^«§err  flamme  au«  Sübed. 

#eiman  ©man.  Qn  ber  9tat$«linie  oon  SBunge  wirb  er 
ni$t  al«  9tepalfd>er  Statten:  aufgeführt.  S)a&  er  1437  biefe 
SBfirbe  befleibete,  ergiebt  ftd)  aber  au«  ber  im  Slnljang  Jß  4  abge* 


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126    __ 

brucften  Eintragung  in  ba$  9tieberftabtbud).  ®r  wirb  in  Sübecf 
geboren  fein,  ba  er  ftd)  in  bem  nämlichen  ^afjre  üor  bem  i'übedi* 
fdjen  Statte  mit  feinen  brei  23rübem,  bie  fämmtlidj  perföntid^  an* 
mefenb  waren,  über  bie  SC^eilung  ber  üäterlidjen  unb  mütterlichen 
@rbfd&aft  auSetnanber  fefcte  (Slnljang  M  5). 

?  ©otfd&atf  Simmermann.  Stot^err  1435-1451.  ®a 
ju  Anfang  be$  fünfjefjnten  ^afjrfjunbertä  mehrere  ßaufleute  mit 
■Jtomen  Xpmmermann  in  Sübed  üorfommen,  unb  ba  er,  wie  eine 
Eintragung  in  ba$  Düeberftabtbud)  (Slnljang  Jü  6)  nadjroeift,  jur 
3eit  feinet  (SintrtttS  in  ben  Stehler  9iatfj  einer  iganblungSfocietät 
angehörte,  bie  in  Sübecf  iljren  ©ifc  fyatte,  fo  barf  rooljl  angenommen 
werben,  baß  er  in  Sübecf  geboren  ift. 

$f)üipp  SHntyagen.  Statten:  1647— 1657.  ©emSBappen, 
im  obern  gelbe  jroet  ©terne,  im  untern  brei  in  einanöer  Derroadj* 
fene  Blumen,  ift  baS  nämliche,  roeldjeS  bie  Stibecfer  StatfjSljerren 
^oljann  1  Sintjagen  (1608-1630)  unb  3of)ann  II  33inl)agen  (1637 
bis  1641)  führten,  jo  bafe  feine  2lbftammung  au£  Sübecf  ni$t  ju 
bezweifeln  tji 

Daniel  SöijHng&aufen.  9tat^err  1654-1669,  nad) 
SBunge'3  2lngabe  (a.  a.  0.  ©eite  141)  in  Sübed  geboren. 

9iid)t  in  Sübed  geboren,  aber  bod)  2lbfömmlinge  Sübecf  tfdjer 
gamilten  finb  bie  SRetwler  SRat^erren  2)a!)l,  §ünerjäger, 
Stobbe  unb  äötbbefing. 

£einrid)  SDaljl  9tat^l;err  1604—1632  mar,  wie  91ottbecf 
(a.  a.  0.  ©eite  43)  angiebt,  ein  ßnfel  be<8  Sübecfifcfyen  93ürger£ 
Sodann  $aljl,  beffen  ©oI)n  ^cinrid^  3)aljl  in  9teoal  eingetuanbert  ift. 

Jürgen  &ünerjager. .  9lat^rr  1557-1594,  beffen 
©o^n  unb  (Snfct  gleichfalls  SRitglieber  beS  Stehler  SRat^e^  nnu> 
ben.  6r  mar  ein  ©ofyn  beS  $)orpater  33ürgerineifter3  ©obeco  $üner* 
jäger*,  ber  SSatcr  be$  lefeteren  mar  ber  Sübecf  ifdje  Kaufmann  3o* 
^ann  §ünerjäger,  fein  ©ro&oater  baS  SDtitglieb  ÖeS  neuen  9lati)e$ 
^einrid)  Jpünerjäger. 

SDie  Stehler  gamilie  9tobbe,  t)on  ber  oier  üJlttgliebcr  nad& 
einanber  ju  äiatljStyerren  erwägt  mürben,  ftammt,  roie  fdjon  it>r  SBappen 
ergiebt  (ein  fpringenber  &unb,  ber  einen  Änodjen  im  3Jhtnbe  trägt), 
twn  ber  Sübecfifdjen  gamilie  ab,  unb  jmar  üon  Öernljarb  Sftobbe, 
einem  ©ruber  be$  Sübecf  ifdjen  SRatt^errn  Slbolplj  9tobbe,  ber  im 
Slnfang  beS  fiebjeljnten  Qa^r^unbertö  pon  Sübecf  nad>  Steoal  über« 
fiebelte. 


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127 

Sodann  SBibbeftng.  SRat^crr  1620— 1642.  gr  mar  matjr* 
fdjeinlid)  ein  ©oljn  be£  £ieront)mu£  Söiebeftng,  bcr  feinen  2Bo!jnfifc 
oon  Sübeä  nad)  9Uga  üerlegte.  ©eine  3u9e^örigfeit  ju  ber  Sü* 
becler  gfamtUe  beweift  t>a&  gleid>e  Söappcn,  ein  ©tord). 

2ll£  Steoaler  Statuierten  werben  in  ben  älteften  -JUeberftabt* 
büdjern  ermähnt: 

1344  «go^anneS  non  Sremen. 

1360  ©erroinuS  oan  betn  9lobe. 

1360  £errman  oan  ber  §oet)e. 

1374  £einrid)  SBulff. 

1380  ©otfdjalf  van  ber  ©rugge. 

1402  3lrnolbu$  ©affenberg. 

1431  Softe  S5otftclf  ipermann  Sippe,  Jpinric  t>am 
Sippen,  SBerner  van  ber  Sefe,  ©rjfe  9tid)erbe£,  ^oljann 
Olbenborp. 

1436  2t)bericu^  upper  ipepbe. 

1437,  1439,  1442  ipeimann  ©man. 

1439  $ol)anne$  2)ufebordj. 

1439  &etnrku$  ©d)iloent. 

1442  älbertuS  Slumor. 

1434  3>of}anne$  pam  £ame  rector  scholarum. 

2lu$  $kval  gebärtig  mar  ber  Sübecltfdje  Statten:  ;$of)ann 
©tolterfoljt  1530—1558.  SermutfiÜd)  flammten  t)on  bort  au<$ 
bie  SRat^erren  ^ermann  Sänge  unb  ^o^ann  v.  Jperoorbe, 
foroie  ba3  3Jtttglieb  beS  neuen  9tatf)e£  & einridj  Äroroelt. 

9iad)  ben  angaben  von  SRottbed  (a.  a.  D.  ©eite  20)  lebte  in 
SReval  um  1323  ein  ipermann  Sänge,  ber  einen  boppelföppgen 
abier  als  SBappen  führte.  S)a  fid)  be£  nämlidjen  SBappeng  ba8 
gWitglieb  be8  neuen  9tatlje$  Sofjann  Sänge,  ein  ©o&n  beS  9tatl)& 
ijerrn  ipermann  Sänge  (1370  —  1387),  bebiente  unb  ba  in  Sübed 
anfäfftge  SBorfafjren  be$  lederen  nidE)t  nadjroetöbar  finb,  fo  liegt 
bie  33ermutf)ung  nafje,  bafe  er  non  auäroärtS  eingeroanbert  unb 
ein  ©oljn  be£  Renaler  ipermann  Sänge  geroefen  ift.  S)er  mit  iljm 
gleid&jeitige  9tatf}£l)err  Sofjann  Sänge  (1368—1385)  gehörte  einer 
anberen  gamilie  an. 

@in  ©ofyn  beä  9teoaler  StatljSljerrn  Qo^ann  v.  iperforbe 
(1389—1397)  bürfte  Sodann  v.  #erforbe  (1416—1425)  fein,  ber, 
nadjbem  er  bem  neuen  Statte  angehört  l;attc,  bei  ©infefcung  be£ 


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128 

alten  Statte«  1416  jum  9Ritgliebe  beffelben  erroäljlt  warb;  et  ift 
bet  erfle  feine«  Samens,  ber  in  Säbecf  nad)roei«bar  ift. 

3u  (Snbe  be«  oierjeljnten  ^aljrljunbert«  fommt  ber  9tame 
Äroroell  suerft  in  Sübed  nor;  if)n  führten  jroei  angefetyene  Äauf< 
leute;  t)on  bieten  fjatte  ber  eine,  Sodann  mit  33ornamen,  bie  Sottet 
be«  9tatf)«l)erren  2)anquarb  oom  @ee  (1366-1378)  jur  grau,  ber 
anbere,  roeld&er  ben  gleiten  SSornamen  führte  unb  1385  juerfl 
nadjroei«bar  ift,  war  mit  einer  Softer  be«  9iatlj«I)errn  §artmann 
«Peperfad  (1369-1384)  wrmäljlt;  er  mar  2JUtglieb  ber  Sirfel* 
gefcDfdjaft  unb  trat  in  ben  neuen  Statt)  ein.  ®a  im  oierjefytten 
Qa^unbert  in  3tet)al  eine  gamilie  SroroeH,  au«  ber  fieben  $er* 
fönen  in  ben  bortigen  9tatl)  gelangten,  in  ^o^er  SBtütye  fianb,  fo 
ift  ju  oermutfyen,  bajs  bie  beiben  fiübeder  Bürger  berfelben  ange* 
l)ört  Ijaben. 

S)ie  Angabe  oon  Äirdjring  unb  3RüHer,  bag  ber  Subeder 
9latf)«f)err  Sodann  Äollmann  (1424—1456)  au«  Steoal 
flammte,  ift,  raie  faft  alle  Anführungen  berfelben,  bie  ftdj  auf  bie 
älteren  3eüen  bejie^en,  eine  irrige,  benn  er  ift  in  ßübed  geboren. 

Dorpat 

SBennemar  be  ©ffenbe.  6r  mar  ein  ©ol)n  be*  SBerneruS 
be  ßffenbe,  eine«  frühem  9ta#«&errn  in  3Bi«bt),  ber  fid)  um  1357 
in  Sübed  niebergelaffen  Ijat. 

©obeco  igünerjäger,  ein  ©oljn  be«  2übedifd>en  ^Bürgers 
Qo^ann  ipünerjäger  (fte^e  oben). 

Hermann  3ad&tn.  1351-1355.  ©ein  SSater  ®erarbu$ 
3ad)in  mar  ßübedifdjer  Bürger. 

£itbebranb  SJiding^ufen.  ©r  mar  ein  ©o&n  be«  Sübedi* 
fd^en  Äaufmanne«  ©iegfrieb  SSiding^ufen.  1437  teilte  er  mit 
feinen  SBrübcrn  bie  oäterlidje  ©rbfdjaft. 

3n  ben  älteften  SRieberfiabtbüdjern  unb  in  ben  älteren  Ober* 
fiabtbüdjenr  roerben  al«  SRitgUeber  be«  S)orpater  Statte«  ermähnt: 

1340  SBinanbu«  be  SBeuelputte. 

1352—1359  Stebemann  Stutenbed.  ©erfelbe  unterhielt 
feljr  lebhafte  $anbet«bejiel?ungen  mit  Sübed. 

1357  ©obfcatcu«  be  6a«pele. 

1367  SBennemaru«  be  ©ffenbe. 

1373  ipeinricu«  van  ber  SBBcje. 

1391  SBolteru«  oan  ber  »ordj. 

1398,  Hoo,  1401  3o$ann  Gloot. 


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zedby  G00gk 


129 

1423  §einricu$  93utenfdfjoen. 
1430-1437  <penricuS  oam  £ole  proconsul. 
1431  Siebemann  SSofS  proconsul. 


1433  QoIjanneS  93ot)fter  monetarius. 

3n  feinem  1333  errichteten  £e[tament  gebenft  ^oljanneS 
6o3felb  feines  Sd&nriegeroaterS  domini  £eibenrife$  van  ber 
£epbe  in  ©orpat. 

SJon  ben  Sübedfifd&en  SRatfy^erren  nrirb  ©obfcalcuS  be 
Seil  in  (1335-1350)  roo^l  au3  SDorpat  ftammen.  (Sr  Ijat  ft<f) 
als  ber  erfte  feines  sJtamen<3  in  Sübecf  niebergelaffen  unb  mufe 
einer  feljr  angefefyenen  gamilie  angeprt  l)aben,  ba  er  bie  Softer 
be£  Sübedfiid&en  9tatfy8ljerrn  ©otfdjalf  be  Sßarenborp  in  lata  platea 
(1324—1346)  jur  grau  erhielt.  2öai)rfd)emli<$  mar  er  ein  @ol>n 
üon  ©ottfd&alf  t)on  33eHin,  ber  oon  1331-1336  als  $orpater 
Stattet*  ermähnt  wirb,  unb  ber  fid)  1336  in  Sübedf  jum  Sefudfj 
auffielt  (cf.  ßüb.  Urfb.  Xljeil  2  6.  632.). 

Db  ber  £übedtifd)e  SRat^err  igermann  Sorfte  1391  — 
1406  von  SDorpat,  roofelbft  ein  Qofiann  SSorfte  von  1370—1374 
als  Statten:  ermähnt  roirb,  ober  au«  Steoal,  mo  ein  Sodann 
SSorfte  um  1385  bem  Statte  angehörte,  abftammte,  läfet  fid)  ntd&t 
nctyer  feftfiellen,  jebenfaQS  ift  er  von  auswärts  in  Sübecf  ein* 
geroanbert. 

2luS  anberen  ©täbten  StertanbS  roerben  bie  nadfjfotgenben 
9totl)Sl)erren  in  ben  ätteften  9üeberftabtbüdf)em  ermähnt: 

SBenben. 

1342,  1343,  1344  $tnricuS  Stetjnefe. 
1355,  1360  £inrkuS  ©pmomS. 
1351  £enricuS  be  ßpmften. 
1359  £inrkuS  be  (Sffenbe. 
1385  SlrnolbuS  ©d&erboro. 

SSeltyn. 

1387,  1389  ©obfcalcuS  ©tedfen. 

Bernau. 

1376  gonrabuS  oan  §arle. 

1436  3;of)anneS  be  §arle  magister  civium. 

1441  Slotger  ©criuer. 


Bettfät.  f.  S&fc  öcfö.  3Bb.  IV,  ^eft   2. 


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130 

Unnötig. 

gfttttagttttgeit  in  6a$  3tteberftabt6u<$. 
JtS  1. 

1360  Nicolai.  Johannes  de  Wittene  tenetur  domino  Ywano 
Blankensten  consuli  in  Ryga  200  marcas  minus  12  marcas 
denariorum  proximo  festo  Penthecostae  persolvendas.  Bertoldus 
Ruzenbergh  et  Johannes  Surebrock  aut  alter  eorura  possunt 
tollere  debitum  et  jubere  deleri  praesens  scriptum. 

Ja  2. 

1434  Odalrici  episcopi.  SBitlif  fp,  bat  be  erfame  t>et  3o$an 
Sßalmebadfj  nor  beme  tabe  jegenroorbid!>  unbe  nor  beme  bofe  van  jtf 
fd^id^tebena  orbenunge  unbc  fd^utinge  unfeS2ubeff<$en  redfjte*  fpne  föne 
$inrtfe,  Sftepmbolbe  unbc  ©etefen  in  nafcrenener  topfe,  roeS  cne  geboren 
mo<$te  oan  ereme  moberlifem  eroe:  befd&ebebe,  tefenbe  unbe  gaff 
eneme  jemelten  elnen^unbert  marf  Sftigefdf),  bar  up  ty  ene  beroifebe 
in  juroer  ftab  Sfteoelc  oefteinljunbert  marf  9Ugefd&,  be  gan  uppe 
rente,  alfe  juroer  flab  bot  bat  clarUfen  inne^olbet  unbe  ben  guben 
luben  rool  tmtlit  i$,  be  fobanne  rentfje  alle  jar  utgeoen;  unbe  litt 
gept  äff  froepfiunbert  mar!  9Ugef<$,  be  Ijoren  to  ener  officiacien, 
be  mögen  fe  gumten,  roeme  fe  mitten,  ebber  fe  fuloen  ber  brüten. 
SJorber  fo  foflen  be  erbenomeben  fine  föne  geoen  erer  fufler 
in  beme  clofiere  to  Steoele  alle  jar  negentepn  marf  9Ugefdf),  of 
foDen  fe  geoen  eneme  preftete,  be  f)et  tyx  Sßeter  ©roning,  alle  jar 
negen  marf  Sligefdj  to  ber  tut  fineS  leoenbe«;  beffet  gept  oan  bet 
oorfcreoenen  erfffd&id&tmge  äff.  Stern  een  fteenljuä,  bar  ftnt  to 
neer  leite  f  unbe  Piff  ftenljuS,  be  oorlatet  $e  finen  oorfctenenen 
fönen  oor  a$tef)unbert  marf  Stigefdf),  toente  Ijer  3ol>an  be  fuloen  bar 
oore  foffte  oor  be  werbe  van  troentpmbert  (Sngetefd&en  nobelen. 
3tem  ooemrifet  |er  Soljan  ben  benomeben  finen  fönen  tioeg 
garben  oor  juroer  flat  belegen  oor  tioeptyunbert  marf  SUgeWr, 
unbe  enen  garben  mit  ben  fdfjunen  befjolbet  fjer  3o^an  fuloeit 
Qtem  benufet  (je  fpnen  fönen  oeer  pannen  oor  ttoep^unbert  marf 
SWgefdj;  item  betopfet  $e  ene  in  ingebome,  alfe  gut  alfe  troepljun' 
bert  [marf]  9Ugef$,  unbe  ib  fp  beter;  item  benrifet  ty  ene  een 
foppet,  bar,t$  to  oeerlobige  marf  fuloerS  unbe  ttoepunbebortufc 
gutbene  oingeren,  oor  ljunbert  marf  Sligefdr,  item  betotfet  §e  ene 
ttopntidfc  fc&pppunt  toaffe«  3teoeteSfdjet  toid&te,  toor  fe  be  entfangen 
Jollen,  bat  oinben  fe  tool  in  fcrifften.  $tt  mebe  f$oten  be  oorfcte* 


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zedby  G00gk 


131 

üenen  ftne  föne  Dan  §et  ^o^anne  erbenomeb  genfclifen  gefdjidjtet  unbe 
gegeben  roefen  Dan  aßen  eren  mobetltfen  etfflifen  awalle  unbe 
guberen  na  Subeffdfjen  redete,  unbe  roete,  bat  fynen  fönen  an  beffen 
üorgerorben  fummen,  gifften  unbe  gatjen  en  btefe,  bat  rott  fjet  Sofian 
ene  ade  roege  uetbeteten.  Unbe  §e  fettebe  t)or  uns  ben  etbenome* 
ben  jtnen  fönen  to  ootmunbeten  be  begebene  manne  Sibeman 
89ofl)olte,  Stttnbe  Subben,  SDtatquatbe  Raffen  unbe  ©erbe  SBtamfleben, 
juroe  mebeborgere. 

J&  3. 

1434  Assumpcionis  Marie.  Hinricus  Palmedach  filius  do- 
mini  Johannis  Palmedages  et  Hinricus  Palmedach  filius  Gerrardi 
Palmedages  coram  libro  recognoverunt,  se  et  suos  heredes  con- 
juncta  manu  teneri  prefato  domino  Johanni  Palmedage  et 
suis  heredibus  800  marcas  Lub.  den.  super  festum  Penthe- 
costes  proxime  aflFuturum  ultra  ad  annum  expedite  persol- 
vendas,  pro  quibus  dominus  Johannes  Palmedach  coram  libro 
recognovit,  se  dictis  Hinrico  et  Hinrico  Palmedage  vendidisse 
et  vendidit  30  lastas  Bayessches  saline,  1200  lenenwandes, 
tres  schippunt  blies,  tres  schippunt  hoppen,  1  tunnam  cla- 
vorum  et  2000  pile,  quas  ipsi  Hinricus  et  Hinricus  Palme- 
dage nomine  domini  Johannis  antedicti  in  civitate  Revaliensi 
sublevare  debebunt. 

Xs  4. 

1437  Kyliani.  £et  £enneman  ©man,  rabman  to  9tenete,  oot 
bem  bofe  §eft  befant,  bat  Ije  mit  £etmen  Setnfiotppe,  £etman 
tilgen  tyeft  tefenffd&opp  geljolben  van  tyx  Qo^an  OlbotppeS  roegen 
unbe  ÜDftdfjel  £Ubebtant  alfe  van  feltfdjopp  oan  anbeten  bingen, 
be  fe  unber  en  to  fjope  fyat  fjebben  bet  an  beffen  badj,  fo  bat  fe 
fiel  otunbttfen  gegeben  fjebben  unbe  mal!  anber  notnoginge  bau 
jjebben  b\)  fulf  begebe,  bat  unber  Hermen  tilgen  befianbe  blifft 
upp  tefenffdjopp  tnriffdjen  f)et  Soljan  Dtborppe  unbe  em  100  matf 
unb  22  marf  2ubef<f),  bar  upp  #etmen  §ilge  to  adjtet  iS  2 
Sfteoelffdje  fdfjippunt  roaffeä  unbe  85  mar!  9tigefd()  unbe  lj  matf 
fd&pn.  Umme  be  troe  fdjtppunt  roaffeS  fdjolen  fid  SMbettf  Semmet 
unbe  fjet  Qo^an  Dlbenbotpp  oetlpfen,  fo  bat  Rennen  igilge  fpn 
2  fdjippunt  maffe£  upp  beffen  funt  2Widf)el  fd&al  betalt  fijn.  Qtern 
alfe  umme  be  85  marf  l£  matf  fdfjijn  Ijebben  l)et  ipenneman 
unbe  £etmen  £ilge  ooet  en  btegen:  roett  fafe,  bat  Ijet  Qo^an 
Dlbenbotpp  toolbe  bat  bp  bltoen,  bat  $etmen  &ilge  $et  So^anne 

9* 


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132 

Ijebbe  to  genen,  ummc  ntdjt  bar  nid^t  nor  tml  to  bonbc  bc 
85  mart  H  mar!  fdjqn,  fo  fdjal  ftf  §ermen  £ilge  be3  roeren 
mit  redjte  to  Subefe  nor  bcm  rabe.  SDat  mebe  fal  ^ernten  oan 
Ijcr  Soljan  fdjeben  roefen,  unbc  tö  ije  ban  jentd)  gebref  an  £er* 
men$  entad)teringe  van  ben  2  fdjtppunt  roaffeS  unbc  üan  ben 
85  märten  lj  ^^rt  fd^n  jegen  bc  122  märten,  bat  fal  §et 
Qo^an  Hermen  gut  mafen  ,  bar  iS  Ijer  &enneman  ©man  gut 
nore.  Unbe  Ijer  ipenneman  oertatet  ipermen  tilgen,  ^ernten 
Sernftorpp  nan  ber  roegen  nan  aller  anfprafe  qrotit  unbe  lofe,  \o 
bat  ere  gubere  ort)  umbefdjebtget  mögen  naren  van  tjer  go^an 
Dlbenborpp,  3Jii$el  £ilbebrant  wegen. 

^2  5. 

1437  Visitacionis  Marie.  Dominus  Heynemannus  Swan  con- 
sul  civitatis  Revaliensis,  Segebodus  Swan,  Heydenricus  Swan 
et  Nicolaus  Swan  fratres  coram  libro  recognoverunt,  se  in 
oranibus  ipsorum  bonis  hereditariis  paternis  quam  maternis 
esse  penitus  divisi  et  separati,  et  quod  unus  ad  alteruin 
amplius  nichil  aliud  postulare  aut  petere  habebit,  quam  fra- 
ternalem  dilectionem.  Unde  dimiserunt  se  mutuo  et  unus 
alterum  pretextu  illius  ab  omni  ulteriori  monicione  seu  im- 
peticione  penitus  qwytum  et  solutum. 

Jß  6. 

1436  Marie  Magdalene.  Dominus  Gotschalcus  Tymmer- 
man  consul  Revalensis,  Johannes  Tymmerman  fatres  et  Olri- 
cus  Spegel  coram  libro  recognoverunt,  se  in  omnibus  ipso- 
rum bonis,  societatibus,  composicionibus  et  computacionibus 
mercatorialibus  hucusque  in  presentem  diem  inter  ipsos 
habitis  penitus  divisi  et  separati,  unde  antedicti  dominus 
Gotschalcus  et  Johannes  Tymmerman  pretextu  illius  ante- 
dictum  Olricum  Spegele  dimiserunt  ab  omni  ulteriori  moni- 
cione seu  impeticione  penitus  qwitum  et  solutum;  similiter 
Olricus  Spegel  prefatum  dominum  Gotschalcum  et  Johannem 
Tymmermanne  pretextu  illius  dimisit  ob  omni  ulteriori  moni- 
cione seu  impeticione  penitus  qwitum  et  solutum. 


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133 

8.    Per  lern  jtatlje  gehörige  SBetnberg. 

9lodfj  je$t  fügten  in  Säbcd  jwei  ©runbftücfe  ben  Jtamen  SEBein^ 
berg,  üon  benen  bog  eine,  ber  große  98einberg,  an  ber  öftlidjen 
Seite  ber  nad)  Slafceburg  fütyrenben  Sanbftraße  in  unmittelbarer 
9täf)e  beS  alten  ÄlofterljofeS,  ba£  anbere,  ber  Keine  2Seinberg,  an 
ber.Stabtmauer  beim  ÄräfjenteidE)  sub  Jß  736  belegen  ift  3Son 
i^nen  weife  bie  Sage  ju  berieten,  baß  fie  einfl  ber  ©tabt  geljör* 
ten,  unb  baß  ber  oon  itynen  gewonnene  2Bein  im  SRat^feHer  au8* 
gefd&enft  fei.  3»n  wie  weit  bie«  begrünbet  ift,  wirb  ft<Ij  aus  ber 
nadjfolgenben  2)arfleHung  ergeben. 

©d&on  in  feljr  alter  $t\t  muß  e£  in  ber  5Wctye  unferer  ©tabt 
28einberge  gegeben  Ijaben,  benn  na<§  einer  Qnfcription  be£  Ober* 
ftabtbudjeS  au$  bem  Qaljre  1295  (Sübedifd&eS  Urfunbenbudf)  1, 
©eite  579)  würben  bem  S)aniel  ©torm  jetjn  3odj  ßanbeS  twr  bem 
$olfteintl)or  bei  ber  SBoIjnung  be£  Eremiten  oerfauft,  bamit  er  auf 
Ujnen  Hopfengärten  ober  SBemberge  anlege;  trieDeidjt  finb  biefeS 
bie  nämlidjen  Sänbereien,  oon  benen  ba$  ^eilige  ©etfltjofpital 
wetyrenb  ber  3a$re  1372—1384,  wie  baS  SBette*,  Söiefen*  unb 
©artenbuefy  befunbet,  fed&3  3Jtarf  jäljrlidf)  für  einen  3Beinberg  ber 
©tabt  ju  bejaf|len  l)atte.  2lu£  fpäterer  3e^  wirb  un&  berietet, 
bafe  im  Qafyre  1517  bie  Sorfte^er  be3  @t.  SfonenHofier«  einem 
SifariuS  ber  SWarienftrdje  gematteten,  twr  bem  SJtüljtentljor  auf 
bem  großen  unb  Keinen  ©olbberg  einen  Ziid)  anjulegen  unb  jwar 
unter  ber  Sebtngung,  baß  er  ben  Keinen  ©olbberg  mit  Dbflbäumen 
unb  SBein  bepflanzen  folle. 

6ine3  ber  ©tabt  gehörigen  SBeinbergeS  gefdjieljt  juerft  im 
Qa^re  1359  @rwäl)nung,  ba  naci)  einem  Sermerf,  ber  fidj 
im  jweiten  Äämmereibudj  oorfinbet,  bamatö  juerft  bem  Soerljarb 
©ratyoger  jwei  ßübecfifdje  ©olbgulben  für  bie  äfoffid&t  über  ben 
SEBeinberg  be8  9tatf)e8  bejaht  mürben.  SHefer  SBetnberg  mar 
nod()  in  ber  3Kitte  be8  ftebje^nten  Qa^unbertö  oorljanben,  unb 
wirb  wo§l  erfl  in  golge  beä  ÄaffareceffeS  üon  1665,  in  weldfjem 
bem  9iatf}e  eine  beftimmte  ßompetenj  ausgeworfen  würbe,  einge* 
gangen  fein.  S)ie  Bearbeitung  beffelben  war  einem  eigenen  SBeam* 
ten,  SBeinmeifter  genannt,  übertragen,  ber  im  fiebjeljnten  3al>r* 
fjunbert  jäljrlidj  außer  fünf  @Hen  %\xty  jur  Äleibung  ein  ©eljalt 
von  12  _£  bejog;  hierfür  Chatte  er  jebodj)  bie  ©töcle,  an  benen  ber 
SBein  gejogen  würbe,  für  eigene  Sfte^nung  ju  unterhalten.  2)a$ 
geringe  ©efjalt,  ba8  if)tn  angewiefen  warb,  erllärt  fidj)  barauS,  baß 


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134 

et  wotyt  einjelne  Steile  beS  SBetabergeS  für  eigene  9ted&nung  mit 
onbeten  ©artenfrüd&ten  befleHen  unb  bie  Ujm  übrig  bleibenbe  $t\t 
unb  SlrbeitSfraft  anberweitig  oerwertfjen  fonnte;  beS^alb  ^atte  et 
audlj  Slnfangä  für  baS  ifjm  jur  SBoljnung  fiberlaffene  ipauS  unb 
für  ben  SBeinberg  (de  domo  et  vinea)  eine  jctyrltdfje  Sßadjt  oon 
3  3KarI  ju  bejahen,  im  folgenben  ^aljrljunbert  njarb  es  it>m  als 
Amtswohnung  unentgeltlid;  überlaffen,  unb  fo  wirb  eS  aud)  root)l 
für  bie  golgejeit  geblieben  fein.  2)aS  oon  tym  bewohnte  £au$ 
lag  unmittelbar  oor  bem  innem  3Jtül)lentl)or,  unb  fo  barf  woljl 
angenommen  werben,  bafc  baS  an  biefeS  ipauS  anftofeenbe  SSor* 
lanb,  weld&eS  ftd)  jwtfdfoen  ber  ©tabtmauer  unb  bem  firäljenteid) 
oom  3)Wtylentf)or  bis  $u  ben  ©leiten  unterhalb  ber  S5üoefen< 
ftrafee  erftredt,  oom  9lat^e  als  SBetnberg  benufet  warb.  2)urd&  feine 
Sage  mar  eS  ijieju  befonberS  geeignet,  ba  eS,  fid^  allmä^li(%  nad) 
bem  SBaffer  abflad&enb,  wetyrenb  beS  ganjen  XageS  oon  ber  ©onne 
befd&ienen  werben  fonnte,  wätjrenb  bie  fjofie  ©tabtmauer  gegen  bie 
SRorbtoinbe  ftd&ern  ®df)ufc  gemährte.  S)er  S^eil  biefeS  ©runbfiüdä, 
für  ben  ftdfj  ber  9iame  3Seinberg  bis  je|t  erhalten  l)at,  toarb  fpäter 
einem  SBttrgermeifier  jur  SBotymng  angetoiefen,  im  Qa^re  1685 
aber  für  1603  ^  an  einen  Sßrioatmann  oerfauft 

gür  ben  großen  SBeinberg  fommt  im  ©tabtbudf)  juerfl  im 
Qa^re  1793  biefer  9Jame  oor;  bis  ba^in  wirb  er  nur  als  ein  Stüd 
Sanb  bejeidjnet,  boä)  fd&eint  er  ben  -Kamen  SBeinberg  fdfjon  früher 
geführt  ju  l>aben,  benn  1595  wirb  im  Dberflabtbud&  ein  §opfen> 
garten,  ber  nadf)  früheren  2lufjet^nungen  oor  bem  2Rül)lentl)ote 
„bp  ben  ©d&obanbfoljlen"  lag,  bejeid&net  als  belegen  „negeft  be$ 
roinmeifterS  £ofe,  als  man  geit  na  bem  graoen."  S)ie  fjier  erwähn* 
ten  Äul)len,  in  benen  oon  bem  3lbbedfer  baS  gefallene  33ielj  oer* 
graben  warb,  werben  nod^  je$t  neben  bem  großen  SBeinberge  ju 
bem  gleiten  3wede  benufet.  SluS  ber  SBejeidfjnung:  ber  winmeifier 
^of  barf  wo^l  gefd&toffen  werben,  baß  er  in  alten  QtiUn  bem 
SBeinmeifier  unterftanb,  alfo  gletd&faHS  oom  Statte  jum  SBeinbau 
benufct  würbe,  Sine  gleite  9hmal?me  fd&emt  berechtigt  in  Sejug 
auf  ein  anbereS  ©runbftfidf,  welches  t>or  bem  ^oiflent^or  bei  ben 
SReiferba^nen  lag.  ©affelbe  gehörte  bis  1514  ber  ©tabt;  als  eä 
in  biefem  ftaljre  oon  ben  Äämmeretyerren  oerfauft  warb,  wirb  e$ 
bejeid&net  als  „ber  Äo^of  anberS  ber  SBpnljof  genomet." 

5Die  auf  bem  SBeinberge  beS  StattjeS  gewonnenen  Xrauben 
würben  nic^t  gefeltert,  fonber^  ber  SBeinmeifler  ^atte  fie  ben  Ääm> 


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135 

mereiljerren  jujufieflen,  bic  fte  unter  bie  2RUglieber  be«  9latyt& 
üertfjeilten.  ©oldjeö  gefd&af)  bereits  1359,  babamalä  ber  SBeinmetfter 
bei  feiner  SlnjMung  oerpflid&tet  warb,  omnes  uvas  inde  derivantes 
dominis  camerariis  praesentare.  ©leicfceS  fanb  audj  nod)  in  fpäterer 
3eit  ftatt,  benn  in  ben  Äämmereiredjnungen  au$  betn  Anfang  beS 
ftebjeljnten  Qa^rfjunberte  gefd)tef}t  afljälpUdj  eines  £rinfgelbe«  @r* 
roä^nung,  baS  bem  Söeinfäröter  t)erabreid)t  würbe,  wenn  er  bie 
2Beintrauben  in  Segleitung  be£  2Betnmeifier£  bem  altejlert  Ääm* 
meretyerm  überbrad&te. 

«u$  in  Sraunfdjroeig  gab  e£,  wie  iperr  SlrAioar  igaenfelmann 
bejeugt,*)  im  trierjeljnten  ^afjrfjunbert  einen  bem  Statte  gehörigen 
Steingarten,  beffen  Trauben  an  bie  ©efreunbeten  oertfyeilt  mürben; 
e£  barf  ba^er  rootyl  angenommen  werben,  bafe  and)  bei  anbern 
norbbeutfd&en  2Betnbergen,  beren  IBorljanbenfein  SRorbljoff  (S)er  oor* 
malige  28embau  in  3torbbeutfdjlanb.  ÜDttinfier  1877)  in  großer 
Qaty.  nadjgeroiefen  &at,  bie  auf  ifjnen  gewonnenen  SBeintrauben 
md)t  gefeltert,  fonbern  als  %xud)t  oerje^rt  mürben. 

*)  (Strömten  bcr  beutfdjen  ©täbte.    $b.  6,  ©eite  158. 


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136 


IV. 

Sie  (Semälbe  im  £>aufe  bei;  ^djiffergcfcHfdjoft 
jtt  Sübeif . 

Sßon  Dr.  Xfyeobor  $a$  in  Mncfyen. 


5Do 


Pa8  #auS  ber  ©dfjiffergefellfdjaft  jeigt  al£  ©d&mudf  ber  obe^ 
ten  2Banbf)älften  ber  SerfammlungSfjaHe  eine  Steige  üon  OetgemäU 
ben  auf  Seineroanb,  meld&e  ©cenen  au£  bcr  öibel  beljanbeln,  benen 
erflärenbe  SBorte  al£  Unterfdjrift  beigefügt  finb.  2)ie  uom  rein 
fünftleriföen  ©tanbpunfte  au&  nid&t  bemerfenaroertljen  ©cmälbe 
werben  nadf)  einer  auf  tynen  befmblidjcn  ,3af)re3jal)l,  1624,  betn 
XVII.  Qafyrfyunbert  jugefdfjrieben,  welker  3C^  ftc  ^re  gegenmär* 
ttge  ©eflalt  audj  roofyl  üerbanfen  werben,  abgelesen  oon  ber  por 
wenigen  Qaljren  erfolgten  2lbwafd)ung  unb  SReftaurirung.  2>ie 
natoe,  ja  berbe  unb  auf  nid[)t  Dementen  ©efd&ntarf  beredjnete 
Sluffaffung  ber  einjelnen  Sccnen  ^at  uon  jeljer  Sintjeinüfdjen  wie 
gremben  ein  £ädt)eln  abgerungen,  ba$  burd)  bie  einigerma&en 
urmüdfjftgen  Serfe,  weldje  alö  ©rläuterung  bie  einjclnen  Silber 
begleiten,  nur  nodE)  üermeljrt  werben  fonnte.  SDiefe  SScrfe  pflegte 
man  bisher  für  ben  berben  SluSbrud  be$  bem  äJerfammlungSfiauie 
wettergebräunter  ©eeleute  ftd^  anpaffenben  JpumorS  irgenb  eine£ 
in  Sübedf  Ijetmifdjen  ober  fe&ljaften  ©eifteS  ju  galten,  welker  um 
1624  lebenb,  bie  ©Über  t>erftänblidE)er  ju  madfjen  ftdf)  bemühte. 
Severe  2lnfidfjt  muffen  mir  al£  üoflftänbig  irrig  aufgeben,  benn  bie 
SSerfe  finb  faft  Ijunbert  ^afjre  älter  als  bie  t)on  1624  batirten 
©emälbe.  £rofc  ber  bei  üerfdjiebcnen  Uebermalungen  unb  9tefiau* 
rirungen  untergelaufenen  SJUfeuerflänbniffe  unb  geiler  ift  jene 
Jfjatfadfje  unbeftreitbar.  Qene  SSerfc  finben  fiel)  bereite  in  einem 
1564  erjd)ienenen  Sudje,  wcldEjeS  ben  Xitel  fü^rt: 

SBol  geriffnen  ünb  gcfdfjmbten  figuren  9lu&  ber  93ibel.    3* 
Spon,  S5urd&  £an<8  SCorneftuä.  M.  D.  LXIIII. 


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zedby  G00gk 


137 

Unter  „Bibel"  ifl  tyer  ba$  ölte  Seftament  nebft  ben  2tyo* 
frppfjen  ju  perfiefien,  wie  burdfj  ben  Sitel  be£  jioeiten  2$etle8 
bejeugt  wirb: 

SOBol  gerinnen  tmb  gefdfjnibten  figuren  Slufe  ber  neuroen  Sejta* 
ment.    3»  2?on.    S5urd&  §an«  SornefiuS.  M.  D.  LXIIII. 

3)ie3  33ud&,  im  Dctaoformat,  jetgt  auf  jcbet  Seite  in  ber 
oberen  £älfte  in  jQoljfdfjnitt  eine  biblifd&e  ©cene,  in  ber  unteren 
&älfte  je  oier  biefelbe  ertlärenbe  gereimte  ßeilen  *n  beutfdier 
©pradje.  3)ie  in  Ujrer  21u3füijrung  meljr  al$  mäßigen  £oljfd(jnitte 
entflammen  einem  Bibelroerfe  aus  ber  Dfficin  „beS  fleißigen  be* 
rümpten  trucferljerren  Rannte  Sornefp,  melier  foldfje  figuren  mit 
großem  fofien  in  bie  Bibel  (S)ie  ban  fold^e^  onb  gröfeerS  flcife  mol 
rourbig)  reiben"  tiefe.  Bon  ben  $oljfd)mtten  biefeä  Btbelroerfeä 
nun  wollte  £orneftu$  (S)e  SourneS)  jugleid)  ©eparatauSgaben  per* 
anfialten,  in  ber  Slbfidjt,  „bie  felbigen  für  fünftler,  maier,  tmb 
hinftliebl)aber,  rote  man  audf)  bie  fünfttid&e  §olbeinifd)e  tmb  fleißige 
beä  ©ebolbS  Beljmen,  biblifd&e  figuren  ju  famen  getrudjt  Ijat,  fon* 
berlidp  an  tag  ju  geben,  tmb  ju  jebem  figurltn  IUI.  latetnifd&e 
ßarmina,  beffgleicfcen  Staltanifd&e  ©panifdfje,  tmb  fjranjoiftfd^e  ret)* 
men,  tril  Sanbern  ju  mehreren  oerftanb  ju  fegen."  3)abei  erfd)ien 
nun  aud)  eine  beutfdt)e  SluSgabe  roünfdbenSroertl),  eben  bad  Budf), 
beffen  Xitel  oben  roiebergegeben  ift.  S)ie  Bearbeitung  besorgte 
Eafpar  ©<^ex;t  t>on  2Sorm8,  melier  un«  in  feiner  Borrebe 
„©eben  ju  SBormä  ben  III.  tag  September«,  im  jar  M.  D.  LI." 
barfiBer  im  2lnfd&lufc  an  bie  eben  fdjon  barauS  mitgeteilten  SBorte 
folgenbe  8u8funft  giebt: 

„$>erl)alben  aud&  id&  foldfje  fämmarien  tmb  inljalt  ber  fapitel 

jum  tfyeil  auf*  lieb  beS  naterlanbS,  auff  ba$  fold&e  fünftltd&e 

bücfylin  au<$  ju  tm«  Seutfdfjen  bradfjt  mürben,  jum  tljetl  auf* 

erforberung,  tmb  belonung  be£  truefertjerren  gebadete  Figuren 

mit  teutfd&en  reimen  begabt  f)ab." 

9tun  ijanbelte  es  fidfj  aber,  um  bem  Budfje  audfj  ben  nötigen 

Slbfafe  möglich  ju  ft<$ern,  nodf)  barum,  baffelbe  einer  angefefjenen 

SßerfönlidftfeU  ju  roibmen.    Starüber  Reifet  e$: 

„SHeroeil  aber  gemelter  Joannes  XorneftuiS  mir  fonberlidf) 
befolgen,  fotd&e  Xtjpoä  einem  fümemen,  gelerten,  berümpten 
man,  funftter  ober  funftltebfyaber,  bebicierren  onb  jufdfjreiben. 
SBeU  au$  fold&e  biblifdje  figuren  oon  eim  erfamen,  molge* 
lerten  man  fo  fleißig  tmb  rool  bem  waren  £ejt  nadfj  orbiniert, 


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zedby  G00gk 


138 

barfcu  oon  bem  malet  fo  rein  onb  lieblich  gertffen  mtb  mit 
tanbfd&afften,  flebtlin,  teuren  onb  perfonen  fo  fleißig  gemietet, 
and)  oon  bem  formenfd&neiber  alle  Unen  fo  fleißig  nadfjgefolgt, 
onb  nidfjtS  oerftert  roorben,  ba$  tdfj  fotdjeS  büd&lin  toürbtg 
gefdfjejt  einem  fürnemen  gelerten,  onb  berämpten  man  ju 
jufenben"  :c. 

@o  toarb  benn  bieg  Sud)  „bem  efjrrourbtgen  onb  §od)  gelar* 
ten  2)octor  5Rico(ao  ©erbelio  baiber  regten  3)octori"  geroibmetf  in 
ber  Hoffnung  ,  er  werbe  „biefe  figuren  ju  jeptten  an  ftatt  einer 
erfrifdfjung  be3  gemüts,  onb  bie  mübe  geifter  ju  erluftigen  oon 
Matt  ju  blatt  ommenben  onb  oberfeljen."  &  ftnb  im  ®anjen 
232  ^oljfd&nitte  aus  bem  alten  unb  96  au£  bem  neuen  Xefta* 
mente,  jebeS  Silb  mit  oier  gereimten  3etten  afe  Unterfdfjrift 

S)iefen  Werfen  beS  ©afpar  ©d^ept  oon  2Borm£  oom 
Qa^re  1551  finb  nun  bie  Unterfd&riften  ber  Silber  in 
ber  ©dfjiffergefellfd&aft  entnommen.  (Sine  3ufammenfieHung 
ber  unter  ben  ©emälben  befmblid&en  3etlen  mit  ben  entfpredjenben 
Werfen  beS  Safpar  ©cfcetjt  ertoetf  t  fold&eS  mit  ©oibenj.  9?ur  bür* 
fen  toir  bejüglidf)  ber  Slbtoetdjungen,  meldte  uns  babei  entgegemre* 
ten,  nidfjt  ben  Umftanb  überfein,  bafc  bei  jioei  Silbern  nad&ioeiS* 
lid)  erft  in  aHerneuefter  3eit  bie  jefctgen  SJerfe  an  Stelle  ber 
älteren  getreten  ftnb,  bei  einem  britten  eine  berartige  fpätere 
Ueberarbeitung  meljr  als  roal)rfdf)einlid&  ifi;  femer,  baß  in  ber 
@df)iffergefeDfd(jaft  mehrere  in  ben  Jpoljfömtten  auf  oerfd&iebenen 
blättern  be^anbelte  ©cenen  auf  einem  ©emälbe  fid)  oereinigt 
finben,  enbltd),  bafe  bie  jefcige  Orthographie  ber  Silberunterfc^riften 
golge  nufeoerftänbltd&er  Sluffrif jungen  ift. 

SBir  laffen  jefct  bie  3ufammenfieHung  folgen. 


A.  4  *)  Genes.  L 

33on  anbegin  fdjuff  ©Ott  ber  tyerr. 
§imel  &nb  erben  tmb  ba$  meer. 
2tucty  (Sonn  tmb9Äonb  am  tyimel  $o$, 
3uletft  $lbam,  feinr  bilbnufc  nadj 
A.  *  verso  Genes.  II. 

©Ott  blajjt  ein  feel  in  SlbamS  leib 
3luf3  feinen  rtypen  nimpt  ba3  toeib: 
(Srlaubt  im  alle  anbre  frtidjt, 
Dn  fcon  bem  bäum  be3  labend  ni<$k 
*)  2)icfe   toorgefefcten  33ud)ftaben  bejietyen  fidj,   in  Ermangelung  einer 
fortlaufenben  ^aginirung,  auf  bie  Seseidjnung  ber  Slattlagen  beS  33u($e$. 


$d}iffergefelT(<$<ift. 
I.    [Sdjöpfung  unb  Siinbenfall.] 

93on  anbegin  fctyuf  ©ott  ber  §err 
§immel,  ©rbe  unb  ba$  2Reer 
2ludj  6onn  unb  3Ronb  am  fcimmel  $od) 
3ulefct  Slbam  feiner  Silbnifj  nad). 

©Ott  blieö  eine  ©eele  in  SlbamS  £eib 
2lu3  feiner  SRtypen  ntmt  ba$  SÖJetb. 


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139 


2lbam  fa§  fein  ©el;ütfin  fa)on 
SBadjenb  oor  feinen  2Iugen  ftotyn. 

Surd)  falfc^c  Sift  bic  giftige  ©$Iang 
Sie  erften  Sttenfcfyen  leibet  3u>ang, 
Sa«  »om  23aum  be«  £eben«  af«en 
Unb  ©ott«  ©ebot  fobalb  oergaf«en. 

II.    [Pie  Biinöflutlj.] 
®ott  t^at  9toe  ben  ©ünbflu«  !unb 
33efabl  im  auc$  jur  felbcn  6tunb 
Sie  2lrd)  ju  matten,  ba  er  bleib, 
95orot  Saf«er  mit  famt  $inb  unb  2Beib. 

Sie  2Baf«er  nahmen  übertäubt 
günf  SEonat  lang  lam  nit  311  Sanbt, 
Sie  2lrd>e  auf  bem  9&af«er  flofj, 
Sarnacty  ging  ba«  2ßaf«er  grofj. 

2luf  ben  Gebirge  geremeni 
etunb  ftit  bie  2lrd},  !ein  3Renf$  metyr, 
$ein  (Ereatur  ioar  mefyr  genefen, 
Sen  h>a«  in  2(rdj  toar  getoefen. 

III.    [M\]  und  feine  Softer.] 
©djh>ebef  unb  $e$  fünf  ©tebt  f  ütbtanbt, 
Sie  (£ngel  fürten  bety  ber  §anbt 
Sotty  famt  3U)o  Xöctytern  unb  fein  Söeib, 
Set  toarb  ju  einet  (Satjfeul  ifyr  Seib. 

Sie  Softer  2ot§«  bauten  bei?  ftd) 
$ein  Sflann  toar  nun  mefyr  auf  ©rbretd), 
Sem  $ater  jebe  ttunefen  madjt 
Unb  lag  bety  tym  biefetbige  9»tod)t. 

IV.    [Hbrot|am  und  $faac] 
@ott  ttcrfudjt  balb  ben  2lbral;am, 
Db  er  im  ©lauben  tvoH  beftefyn, 
ftei&t  i^n  batb  feinen  lieben  So^n 
®ebcn  ju  einem  Opfer  fdjon. 
2U«  Slbrafyam  getabe  unb  fdjnett 
3(ufrid}tcn  toolt  be«  §errn  93efe$l 
Sßeil  Sfaac  ber  Siebe  ©ofyn 
Errettet  ttnrb  burety  ben  @ngel  fetyon. 


21.  8  Genes.  IL 

©Ott  nam  ein  ripp  auj$  Slbam«  leib, 
Sieloeiler  fälieff,  fäuff  braufi  ein  toeib: 
2lbam  fa&  fein  gegriffen  fdjon 
Söacfyenb  nor  fienen  Äugen  fton. 
A#  sverso  Genes.  III. 

Sur$  falfdjen  lift,  bie  gifftig  fdjlang, 
Sie  erften  menföen  latyber  &n>ang; 
Sa«  fte  00m  bäum  be«  laben«  af«en 
SSnb  ©ott«  gebott  fo  batb  i>ergaf«en. 

B.  Genes.  VI    &  VII. 
©ott  t^ett  9toe  ben  finbtftuf«  funb, 
93efaty  im  audj  jur  felben  ftunb: 
Sie  ardj  ju  madjen,  ba  er  bleib, 
95orm  n>af«er  mit  fampt  linb  unb  foetyb. 

B.  vereo  (Jenes.  VII. 

Sie  tt>af«er  namen  überljanb, 
günff  monat  lang  tarn  nit  ju  lanb 
Sic  ardj,  fo  auff  bem  n?af«er  flofj, 
Sarnacfy  oergieng  ba«  n>af«er  grofc. 

B.  2  Genes.  VIII. 
2Iuff  bem  gebirg  2lrmeniae, 

©tunb  ftillbie  arety :  fein  menfd)  fünft  mee 
^oa>  ereatur  ma«  mehr  genäfen 
Sann  nur  loa«  in  bet  ardj  tva«  gu>äfen. 

Qm  8  vereo  Genes.  XIX. 

Sc^toäbet  onb  bäa^  f ünff  ftett  wtbtant, 
Sie  ®ngel  fütten  be^  bet  ^anbt 
Sot^  farn^t  jtoo  tödjtem  t?nb  feim  tweib, 
Ser  toarb  gu  einr  fatft  faul  it  leib. 

C.  8  Genes.  XIX. 

Sie  tötyetn  £ot^«  bauten  bet;  fidj, 
Äein  man  war  nun  metyr  auff  erbrich, 
Sen  »atter  ^cbe  trunefen  ma^t, 
S8nb  lag  bety  im  bie  felbig  nad)t. 

C.  6  Genes.  XJOI. 

Abraham  ©Ott«  ge^ai^  n>olt  t^un 
Stab  opfern  feinen  lieben  fun: 
©ott  fietyt  fein  gleubig  ^er|  onb  willen, 
Saft  in  fold^  Opfer  nit  erfüllen. 


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140 


V.    [$ücob'5  Äroum.]*) 

„Sacob,  wo  büft  bu?"  ruft  ber  §err. 
3cfy  ^abc  einen  Xraum  faßt  er: 
Unb  träumte  öon  ber  Himmelsleiter. 
SaS  ftimmte  ©Ott  ben  §erren  Reiter, 
(Sr  rief  aus  feinem  Himmelszelt: 
Sa  wotyl  bie  Stadjel  bir  gefällt 
Sien'  ifyrem  $ater  fteben  3a^r 
SaS  er  als  3Mb  fte  Sir  bewahr. 

TL  [Stoffs  bie  jeljn  Gebote  empfan- 
gen*; das  goldene  *aU>.] 

Ser  barg  raucht  bie  bafaun  erflang 
Xonner  unb  blifc  bem  oolf  tfyat  bang 
2luS  lauter  feur  rebt  bamalS  ©ott 
Unb  gab  9Roft  bie  3c$n  ©ebot. 

Sfrael  feines  ©otteS  oergafS, 
2118  3RoftS  ifmt  ju  lang  aujS  Was. 
(Sin  falb  fte  gafScn  für  i^ren  ©ott 
Unb  bäten  an,  baS  war  ja  tyott. 

VII.    [Sufamta  unb  bie  3Uten.] 

©ujanna  baS  feljr  ©diöne  s3Mb 
Sn  ©arten  wolt  Waffen  ihren  £eib 
3Weö  2llte  fid)  oerftetfen  balb 
holten  ©ufannen  mit  ©ewalt 
3ur  unjucfyt  jwingen  baS  frome  Weib 
Socty  Wirb  tyn  nietyt  ju  ttyeil  ityr  leib 
Daniel  errett  fie  »on  ber  ©cfyanb 
35on  ©Ott  Warb  er  ju  ©ute  gejanbt 
2£ie  ber  gerechte  überWinbt 
Scfct  man  an  ©ufanna  befinbt 
Unb  wirb  bejaht  nad)  ber  Xfyat 
(Sin  jeber  wie  erS  oerfdjulbet  fyat. 

Till.  [Das  Jlrtljeil  bes  Salomo.] 

©alomoneS  Weisheit  wirb  fe^r  fein 
©efpuret  an  swett  finbern  flein, 
Ser  eines  lebet,  baS  anber  tobt 
Sie  2tttitter  Ratten  brum  gros  not 


I       d.  "  vew0  Genes.  XXVIII. 

I  6t>n  lauter  lang  am  ^imel  ftan 
I  Sie  (Sngcl  auff  onb  ab  brauff  gon 
I  ©a$  3acob  fd&laffenb  auff  ein  ftatn, 
]  mtt  oil  jufag  im  ©ott  erfdjaton. 
D.  3  Genes.  XXIX. 

ftactycl  ir  föaff  gern  getrennt  $ett, 
3acob  ben  ftaön  oom  brunen  ttyet : 
6r  ftifjt  fte,  onb  bient  bety  üaban, 
Eierten  tar,  ety  er  fte  gwan. 

K.  (6)  Exod.  XIX. 

Ser  berg  raucht  bie  bifon  erflang, 
Xonber  onb  bltfc  bem  tootef  ttyet  bang: 
2lufj  lauter  f eür  rebt  bamalS  ©ott ; 
95nb  gab  9Hofi  bie  je^cn  gbott. 

K.  e  voran  Exod.  XXXII. 

3Srael  feines  ©ottS  oergafS 
3ÜS  9)iofeS  in  ju  lang  au&  wafc : 
(Sin  falb  fie  goffen  für  ein  ©ott 
2mb  battenS  an,  baS  war  ein  tyott. 


[Sicje  ©cene  ift  in  bem  (Satyar 
©cfycot'fdjen  33udje  nid)t  aufgenommen, 
obwohl  fie  fonft  gerabe  bejonbers  bc= 
liebt  war.l 


[9ludj  biejc  fouft  fo   beliebte  ©cene 
fetylt  in  bem  ©dKtyt'fdjen  93ud>e.] 


*)  Sic  Scrfe  unter  biefem  33ilbe  finb,  als  baffelbe  oor  einigen  Sauren 
reftaurirt  warb,  an  ©teile  ber  im  lef  erlieft  geworbenen  alten  33er fe,  t>on  3W« 
luftigen  3e<$brübern  \n  ^er  @efellfc§aft  ganj  neu  oerfafjt  worben. 


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zedby  G00gk 


(C. 


8  2lufc  bem  n  e  uto  e  n  Eeftamente). 
S.  Luc.  XV. 


$er  fun  ber  Ware  üerloren, 
$am  tyeim  in  feer  groffer  armutty: 
©ein  t-atter  tyät  jftn  aufjerforen, 
$nb  gab  jftm  ein  lamb  &or  bterutty. 
(£r  tft  foeifc  t>nb  toolgeleret: 
95nb  töredjt  nit,  toer  hnberferet. 


141 


©in  jeber  ber8  lebenbig  begert 
©alomon  tyetfct  nehmen  ein  ©djwerbt 
Qu  treuen  baS  lebenbigc  Äinb 
(Srfannt  ttrirb  bie  9Jiutter  gefdjnnnb. 
Älug  Urteil  fömt  üon  §erm  geroijj 
SDer  «Richter  alter  9ttd)ter  ift. 

DL.  [«lt  tdjnif»  oom  or  rlorentn  Btljn.]*) 
2)er  i>erloI?rne  ©o^n  ftc^  nictyt  fagen  lieft 
2)erott>egen  ber  SSater  ityn  aus  bem  §aufe 

9Rtt  ©Rieten  et  fein  ©ut  fcerprafjt 
®ertett  baburdj  in  bittre  Weif). 
3ule|t  er  bei  ben  ©cremen  faf^ 
2lu3  junger  mit  tynen  Xr&ber  frafc. 
$od)  fc^lug  er  in  fid)  unb  befferte  ftd) 
2)er  Stoter  tym  üom  ipergen  üerjiety. 

(Sine  Sßetgteid&ung  bcr  (jefct  fdfjon  triebet  faft  bis  jut  Unfennt* 
tid&feit  nadfjgebunfetten)  ©emätbe  mit  ben  entfpted&enben  ijjotjfd&nit* 
ten  etgiebt  al$  Stefultat  bie  völlige  Unabljängigfeit  be$  Diepgen 
SBaletS  t)on  feinen  SSotbilbem.  ftxoax  ftetjt  et  in  ifonogtapljifd&et 
£infxd)t  ganj  innettjalb  bet  tjerfömmtidfjen  S)arftellung$n>eife;  et 
jeigt  biefelbe  3)etb^eit  unb  nafoe  SRealität,  roeld&e  ba$  ganje  SWtttet* 
altet  t)inbutd&  bie  ®atfteBungen  biblifd&et  ©cenen  butd&jief)t  unb  iljnen 
einen  gemeinfatnen  £ppu$  aetleityt;  abet  in  bet  ©tuppitung  bet 
einjelnen  ©eftanbtljeite  fomic  in  mannen  (Sinjeljügen  tritt  eine 
t>on  betn  SSorbitbe  freie  Sluffaffung  Ijetoot.  3)ie  ©eftatten  jeigen 
in  iljren  33ett)ältniffen ,  namentlich  in  ben  Semegungen  beuttid) 
itatienifd&en  ©inftufe,  bodf)  ift  bet  Äunftroettl)  bet  ©emölbe  roie  bet 
bet  £ol}f(§mtte  gleich  gering.  Uebet  ben  3Halet  fjat  biSjefct  feine 
2lu$funft  gefunben  roetben  fönnen.  Qm  2ltdf)u>e  bet  ©d&iffetgefeQ* 
fdfjaft  foll  nad&  Slngabe  bcö  b.  $.  S3otftel)etS,  £ettn  9totrigation8* 
legtet  £ljiei,  fidfj  eine  SKoti}  ftnben,  n>onad&  bie  ©emätbe  im  3at)te 
1624  bet  ©d&iffetgefeflfd&aft  gefd&enft  tootben  feien,  bo<§  fei  bet 
•Warne  be$  ©d&enferS  nid&t  genannt.  3)ie  (roiebetaufgefrifd&te)  QaljteS* 
jaljt  1624  auf  bem  erften  ©emätbe,  bet  ©d&öpfung,  iji  unjroeifet* 
^aft  äd&t.  2öefentlid^  roäte  trielleidf)t  bie  2lui5funft,  meldte  eine  auf 
bemfelben  Silbe  obet^alb  bet  jefcigen  Untetfd^tift  befinbli^e,  fd^ma^ 
fiberfttid&ene  jtoeijeilige  Snfd^tift  geben  fönnte.  5Rut  einjelne  Sud^ 


*)  3luc^  bie  $iet  folgenben  95erfe  fxnb  erft  bei  ber  3fleftaurirung  ber  ©Über 
an  ©teile  ber  unleferti^  geworbenen  alten  Unterfc^rift  neu  ^injugebi^tet. 


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zedby  G00gk 


142 

(laben  unb  wenige  SBorte  finb  nodf)  lesbar;  fo  j.  8.  gerabe  unter- 
halb ber  Satyregjaljl  bie  9tomen  /f3tobe"  unb  .  .  .  „So&aufen," 
trielleid&t  tarnen  bamaliger  Slelteften  ober  tarnen  ber  ©genfer? 
©ine  Entfernung  be$  Ueberftrtd&e$  wäre  meljr  als  eine  abermalige 
Uebermalung  ju  empfehlen  geroefen. 


V. 

ttrtytmtg  ber  ftitSgeftopftett  Soweit  auf  bem  Matfjfjaufe 

ju  Sftbeif ♦ 

SJon  Dr.  Xtyeobor  £adj  in  Wunden. 


Wer  bis  in  alle  ßinjetyeiten  fid&  baS  9tatl)l)au$  ju  ßübedf 
betrautet  unb  in  SBinfeln  unb  aSerfleden  umtyerjufpäljen  fi$  bie 
Sfltüfje  nimmt,  bem  werben  aud)  fümmerlid)e  Sftefte  von  auSgefiopf* 
ten  Söroen  nid&t  entgegen,  ©tnb  biefe  Spiere  aud&  Döllig  bem  3<*l)n 
ber  3eit  Jum  Dpf«  gefallen,  fo  ift  e$  bodf)  immerbin  üon  Snter* 
effe,  ben  Urfpnmg  unb  bie  £erfunft  berfelben  feftgefteüt  ju  fc^en. 
©ie  ftanben  früher  auf  ben  burd)gef)enben  tyaihn  be$  grofeen  Ober* 
gemäßes  be$  f.  g.  „langen  &aufe£,"  ba  roo  jefct  bie  Stäumlid&feiten 
ber  ©tabtfaffe  ftd)  beftnben;  nadj  biefen  Söroen  ijiefe  jener  Staunt 
ber  Söroenfaat;1)  oon  ifjnen  erjäfjlte  bie  ©age,  fte  ftammten  au$ 
ber  3cit  ÄaijerS  griebridE)  Sarbaroffa.  2Ü3  biefer  Äaifer  im  Saljre 
1181  gegen  §einrid^  ben  Samen  cor  Sübecl  jog,  mar  fein  Sager 
„ber  ©age  nadf)  am  Sauerfjof,  roo  bie  ©tabt  ju  (Streit  if)re£  ©tif* 
terS  ßöroen  füttern  liefe,  bie  baS  SSolf  nod&  ju  unfern  3eiten  auf 
bem  9tatf$aufe  jeigte."2) 

Eine  anbere  Ueberlieferung  liefe  biefe  Söroen  fogar  „im  Samen» 
roalbe  gefangen  fein."3)    gär  bie  eine  wie  für  bie  anbere  ©eftalt 


')  $eede,  &    $ie  freie  unb  §anfeftabt  Sübecf.    4.  SfafL  1881,  ©.  26. 

8)  2)ccde,  @.    öef$id?te  ber  ©tabt  Sübecf.    1844,  ©.  25. 

3)  «Rac^ric^t  Don  ber  ©tabt  Sübetf  ©.  82.  $ie$  o&ne  Ort«--  unb 
SatyreSangabe  fohne  otyne  Nennung  be$  SerfafferS  toatyrfdjeinlidj  in  ber 
SHegnerifdjen  33uc^anbtung  erfcfytenene  23udj  fanb  id)  auf  ber  ipof*  unb  Staate 
btbliottyef  ju  2)lüncfyen  (B.  R.  Mon.  Germ.  spec.  329.  8°).  (Sin  gtteiteö  <r$eim 
piax  befifct  bie  ©tabtbibttotyef  in  £übecf.  2Mc^  $u$  ift  bie  er  fte  SiuSgabf 
be3  be!annten  toon  SHeüYfctyen  SBetleS  über  bie  ©tabt  £übecf,  beffen  britte 
Ausgabe  ©ctynobel  beforgte. 


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143 

ber  Sage  tonnte  man  barin  einen  Sfa^alt  finben  wollen,  bafe  bet 
„Sauertyof"  in  ben  alten  Urfunben  balb  „villa  dicta  Loven," 
balb  „curia  dicta  to  dem  lowen,"  balb  curia  dicta  ad  Leonem" 
genannt  roirb.1)  2)ennod)  entbehren  beibe  Ueberlieferungen  jegtid^er 
SSegrünbung,  unb  bie  ausgetopften  Söroen  flehen  mit  bem  Sauer- 
§ofe  unb  ben  bort  gehaltenen  bejio.  gefangenen  Söroen  in  feinerlei 
Sufammentyange.  S)a$  erfannte  fdfjon  ber  ungenannte  SSerf affer 
ber  in  änmerfung  3  citirten  „9tadjrid)t  aon  ber  ©tabt  Sübed ;" 
aber  bie  tron  itym  gegebene  ©rflärung  beS  Urfprunge«  ber  auSge* 
ftopftcn  Söroen  ift  ebenfalls  perfekt.  ®r  fagt  nämlid&  bei  Sefpredjung 
be«  SBappenS  ber  ©tabt  Sübed: 

„Gfyt  gribericu$  83arbaroffa  i§r  ben  Slbter  erteilet,  §at  fte 
einen  Söroen  im  ©djilbe  gefüljret,  ju  beffen  Anbeuten  bie 
auSgejtopften  Söroentjäute  fonber  3^eiff cl  auff  bem 
9tat§t)aufe  gejeiget,  meldte  aber  meinem  gebunden  na<$  Diel 
e^enber  au£  ber  grembe  ba^in  gebradjt,  afe  ba&  fie  secund.  com. 
trad.  im  Saroenroatbe  folten  gefangen  fein." 

3n  legerem  fünfte  §at  ber  ungenannte  Serfaffer  DoBfommen 
Sfted&t.  Qene  früher  auf  bem  3tatf)t)aufe  auSgeftopft  aufgeteilten 
Söroen  ftammen  in  ber  Styat  au$  ber  grembe;  bie  Söroen  rourben 
am  ®nbe  be$  15.  Qa^unbertö  t>on  bem  SRat^e  ber  ©tabt  Äampen 
in  ben  SRieberlanben  als  feltene  Äoftbarfeit  lebenbig  bem  Statte 
ber  ©tabt  Sübed  jum  ©efd&enfe  gemad&t,  unb  tron  teuerem  fpäter 
auSgefiopft  auf  bem  oberen  ©aal  beS  9tat$)aufe$  aufgehellt,  roo 
fie  nodj)  im  vorigen  Qatyrljunbert  ju  feljen  roaren.  2llle$  btefeS 
erhellt  beutlid)  au$  einer  SHotij  in  ber  ©jjronif  ber  ©tabt  Äampen, 
in  weiter  eS  folgenberma&en  tjetfct: 

„Qn  ben  leeuroentoren  [bei  bem  gifötljor  in  Äampen  nämltdf)] 
werben  be  leeuroen  onberljouben ,  be  nu  en  ban  uit  ©panje  en 
Sßottugat  roerben  ooergejunben.  3n  tyet  jaar  1477  onttnng  be  ftab 
uit  ©panje,  en  in  1483  t>an  portugefdje  fooptieben,  telfenS  troee 
bejer  bieren  ten  geföenfe,  roelfe  in  ßeelanb  aangefamen  en  boor 
famper  fiepen  ^erroaartä  gebragt,  in  bien  toren  geplaatfi  roerben, 
onber't  opjigt  Dan  een'  leeuroenroaere,  bie  troor  Ijet  onber^oub  jijner 
waafcud&tige  gaften  boorgaanä  eenige  beeften  en  fd&apen  op  @et)e* 
ningen  moeji  roeiben.  (Senige  jaaren  later  f$onf  be  raab 
t>ilf  of  je«  bejer  leeuroen  aan  be  ftab  Subed,  roaar  bejelt>e 


*)  $auü,  <&.  SB.    Stibecüföe  3uftttnbe.    I.  ttrf.  93.  9lo.  12;  15  ff. 


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144 

naberfjanb  opgejet,  op  be  booenjaal  oan  ljet  raabfjuiS, 
in  be  vorige  eeuro  nog  gejicn  werben."1)  b.  §.  ju  beuifd): 

„Sn  bcm  Söroentfyurm  würben  bie  Söroen  unterhalten,  roeldje 
bann  unb  wann  au$  Spanien  unb  Portugal  überfanbt  tourben. 
3m  $af)r  1477  empfing  bie  ©tabt  au3  <Sipan\tnr  unb  im  3al>r 
1483  üon  portugiefifd&en  Äaufteuten  jebeSmal  jroei  foldjer  Spiere 
jum  ©efd^enfe,  roeld&e  in  ©eelanb  angefommen  unb  burd)  fiam* 
pener  ©djiffe  Ijieljer  geführt,  in  biefem  $f)urm  untergebracht  wür- 
ben, unter  2lufftd)t  eines  SöroenroärterS,  ber  für  ben  Unterhalt 
feiner  frefefüd&tigen  ©äfte  burd)gel)enb$  einige  SRinber  unb  ©djafe 
auf  ©d)et>eningen  auf  ber  28eibe  Ratten  mufete.  ©inige  Safjre 
fpäter  fdjenfte  ber  Sftatij  fünf  ober  fed)£  biefer  Söroen  an  bie  ©tabt 
Sübeä,  roo  biefelben  fpäter  aufgeteilt  auf  bem  oberen  ©emad)  be$ 
3tatl)l)aufeS  nodj  im  porigen  Safjrfjunbert  gefeljen  tourben/' 

9)üt  biefer  aus  l)ifiorifd)en  Quellen  ber  ©tabt  Äampen  ge> 
fd)6pften  Angabe,  roonad)  wenige  3aljre  nad)  1483  (ober  na<& 
1477?)  fünf  bi^  fed)£  Söroen  nad)  Sübecf  oon  Äampen  jum 
©efdjenf  gefommen  mären,  fteljt  eine  anbere  2lngabe  nid&t  ganj  in 
©inflang,  forooljl  l)infid)tlid)  ber  3af)re$jal)l  wie  ber  ätajaljl  ber 
überfanbten  Söwen.  @ine,  anfd)einenb  am  ©bluffe  be$  15.  Qa^ 
IjunbertS  gemalte  Eintragung  in  einem  alten  $ergenfaf)rer>3tedj' 
nungsbudje  enthält  unter  anberen  djronifalifcben  9totijen  aueb  bie 
SUifjeid&nung: 

„2lnno  Lxxxiij  quamen  troe  loutoen  van  ßampen  to  iubefe." 

S)ie  werte,  nad)  be$  33erfaffer£  $obe  neu  bearbeitete  Auflage 
von  6.  SDeecfe:  bie  freie  unb  $anfeftabt  Sübecl  (1881  ©.  2C)  giebt 
ba$  Qa^r  1482  al3  ba$  ©djenhingajaljr  an,  o^ne  bie  3al)l  ber 
2ötoen  ju  nennen,  ober  bie  Quelle  jener  QajjreSjaljl  nä^er  erfennen 
ju  laffen.  3Jlögen  nun  1483  ober  1482  tmrfltdj  nur  jroei  Soweit 
twn  ber  ©tabt  Rampen  gefd&enft  fein,  fo  muffen  mir,  ba  Ueberrejte 
pon  mehreren  Söwen  oorfianben  finb,  eine  2Bieberl)olung  folgen 
©efd)enfe$  annehmen.  SDie  Angabe  ber  Äampcner  ©Ijromf  ift  fid&et 
unjweifelfjaft  unb  bamit  Urfprung  unb  iperfunft  &er  auSgejtopften 
Söwen  nadjgewiefen. 

*)  SRoulin,  ß.     öiftori^c  tfamper  Äronij!.    Xtveetcr  Sruf.     1839;  I» 
pg.  243. 


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VI.     (XI-) 

Ausgrabungen   in  Mit  *2Äbt&. 

im  Satjre  1882. 
SRtt  5  Safein  getdjnungen. 


ÜJie  erften  Ausgrabungen  in  bem  an  ber  ©inmünbung  ber  ©djmartau 
in  bic  Jrabe  gelegenen  33urgmatt,  meiner  bie  ©tätte  bon  2llt« 
üübtd  bejeicfynet,  mürben  in  ben  Sauren  1852 — 57  vorgenommen, 
©ie  ergaben,  mie  ber  im  erften  JBanbe  biefer  3ri*fdjrift  ©,  221 — 248 
abgebrutfie  JBeric^t  nadjmeifi,  fo  intereffante  SRefultate,  ba$  eine 
gfortfefeung  berfelben  feljr  münfäenSmertt)  erfdjien;  bod)  mirften 
mandfje  ©rilnbe  jufammen,  baft  erft  im  3frül)ial)r  1882  bog  SBerf 
mieberum  in  Angriff  genommen  werben  lonnte.  3)er  Umfang  beS 
SerrainS  machte  es  notfymenbig,  fidj  bei  biefem  Unternehmen 
junäcf)ft  auf  einen  beftimmten  $ljeil  ju  befdjränfen;  es  marb  batjer 
befdjloffen,  öon  bem  bei  ben  erften  Ausgrabungen  aufgebeeften 
3runbament  ber  innerhalb  beS  93urgmall$  belegenen  Äirc^e  in  füb- 
ticket  Stiftung  natf)  ber  Strabe  ju  öorjuge^n,  bog  Uebrtge  aber 
fpäteren  9?ad)forfd)ungen  ju  überlaffen.  (Sine  grünblidje  35urd)= 
forfdjung  beS  JerrainS  bis  jur  Jiefe  beS  UrbobenS  ift  fdjon  be& 
fyalb  erforberlid),  meil  bie  Ijier  ftd)  finbenben  SRcfte  ber  SJorjeit  mit 
größerer  @emifcl)eit,  als  eS  bei  anberen  gunbftätten  möglich  ift,  fid) 
auf  Ijiftoriftf)  befannte  3*ten  unb  3uftänbe  jurficffüfyren  (äffen. 
35er  menbtfd)e  Ort  5Ufc2übecf,  in  meinem  jur  Qtxt  beS  d)riftüd)en 
SBcnbenfürften  ©ottföalf  (1043—1066)  eine  djriftltdje  ©emeinbe 
be^tanb,  ift  in  ber  3^it,  mo  S^riftent^um  unb  §eibentf>um  in  biefer 
©egenb  mit  emanber  rangen,  ju  mieberljolten  SKalen  jerftört  unb 
nriebet  aufgebaut  morben.  3n  mie  frütje  $tit  feine  ©rünbung 
hinaufreicht,  unb  ob  eS  in  Ijetbnifdfen  Qtittn  jerftört  mürbe,  ift  un* 
befannt;  narf)  ben  oorliegenben  SRad)ricf)ten  mürbe  es  matyrfdjeinticl) 
8tf<$t.  *•  »•  f.  ö.  «•  iv,  8.  10 


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146 

1066  jerftört,  ctfä  ©ottfc^alfö  ©rmorbung  baä  ©ignal  ju  einem 
allgemeinen  ^eibnifc^en  Stufftanb  gab;  eine  jmeite  3^örung  berietet 
§elmolb  um  baS  Sa^r  1128,  nadjbem  ^einridj,  ©ottfcfyatfS  ©ofjn, 
geftorben  mar;  bie  britte  fanb  1138  ftatt,  unb  nad)  berfelben  mürbe 
ber  Drt  nic^t  mieber  ^ergeftcUt.  35anad)  ift  anjuneljmen,  bafc  SRcftc 
aus  ben  Seiten  bor  1138  fid)  in  berfäiebenen  <&d)\d)ttn  überein* 
anber  ftnben,  unb  bie  Ausgrabungen  Ijaben  bieS  beftätigt;  bie  gunbe 
finb  nitfjt  Don  fotdjer  SBerfdjiebenljeit,  bafe  man  roeit  auSeinanber 
tiegenbe  Sßerioben  ber  SBemotynung  anjunefymen  genötigt  mdre. 

33ie  Ausgrabungen,  metdje  im  sMax  1882  unter  fieitung  einer 
öom  SSerein  eingefefcten  ßommiffion  unb  fpeciett  beS  SanbmefferS 
£errn  6.  Slmbt  öorgenommen  mürben,  begannen  bamit,  ba&  baS 
lerrain  oon  ber  ©ttbfeite  beS  ÄirdjenfunbamentS  an  in  einer  iJänge 
Don  76  m  bis  jur  $raöe,  unb  einer  ©reite  öon  28  m,  ber  &u& 
beljmmg  beS  gunbaments  entforedjenb,  in  numerirte  Quabrate  öon 
je  oier  SWeter  ©ette  eingeseift  mürbe  ($af.  I).  ©obatb  man  in 
bie  liefe  grub,  jetgte  es  fid),  bajs  es  erforbertid)  fei,  menigfienS 
auf  eine  liefe  tum  1,40  m  unter  ber  Dberfante  beS  Äirdjenfunba« 
mentS  l)inunterjugef>n.  3)a  aber  ©runbmaffer  ju  Jage  trat,  fo 
mar  e3  notljmenbig,  ben  öorfyanbenen,  in  öftlic^er  unb  weiterhin 
nörbtidjer  9iid)tung  nad)  ber  ©tfjmartau  fä^renben  StbjugSgraben 
($af.  I  A  B  C)  bebeutenb  ju  öertiefen.  $>iefe  jeitraubenbe  unb 
foftfpirfige  Arbeit  Ijatte  jur  S°^9e/  ba%  Don  ben  133  Ouabrateit 
nur  14  Doßftänbig  unb  9  unöollftänbig  abgegraben  merben  fonnten; 
fie  Ijat  aber  bafür  einen  grüubticfien  ©nbtid  in  bie  ßonftruetion 
beS  SRingmaÜeS  gemährt. 

Sei  ber  Vertiefung  beS  ber  ©djmartau  junädifttiegenben  Steile* 
be3  ©rabenS  (C)  fanben  fid)  reid)üd)e  ©puren  öon  Aorten,  gebraut* 
tem  fieljm,  audj  Änodjen  unb  Sopffdjerben;  eS  f>aben  alfo  Ijitr 
aurf)  aufeertjatb  beS  StingmaßeS  fid)  Söotjnftätten  befunben.  An  ber 
6<fe  beS  ©rabenS  (bei  B)  fanb  fid)  nod)  1  m  unter  bem  SRittcl« 
mafferftanb  ein  .Hjierfnorfjen.  ©ed)3  9Keter  oberhalb  biefeS  ?ßuntteä 
beginnt  bie  Ijödjft  merfmürbige  ©ubconftruetion  beS  SRingmaQeS, 
melier  in  feiner  jefeigen  abgeebneten  3form  eine  SBreite  oon  36  m 
§at,  unb  beffen  f)ödjfter,  3,25  in  über  ÜRittetmafferftanb  (iegettber 
$untt  fidj  22  m  oberhalb  ber  @cfe  befinbet.  S)er  SBaH  ift  auf 
einer  breiten  Unterlage  öon  #ötjern   erbaut,   meiere   $ori- 


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147 

jontat  in  ber  8Kct)tung  be3  SßalleS  liegen,  alfo  beim  Vertiefen  be3 
©rabeng  burcfyfcfjnitten  merben  mußten.  3^if^e^  ber  ermähnten 
6cfe  unb  bem  ljöd)ften  Sßunft  be$  SßatleS  fonben  fiel)  in  ber  Xiefe 
Dom  SQSaffcrftanb  bis  1  m  über  bemfetben  jtoei  ©ruppen  Don 
größtenteils  eigenen  10  bis  22  cm  ftarfen  Siunb^öljern.  S)ie 
erfte  ©nippe  ($af.  II  a)  enthielt  auf  3  ra  Derttjeift  17  $öljer, 
bie  in  blauen  fietjm  förmlich  Derpatft  waren;  ber  33oben  über  unb 
Dor  benfelben  beftanb  größtenteils  aus  gelbem  fiefym.  9?ad)  einem 
3roifc^enraume  Don  ettoa  1  m  folgte  meiter  nadj  ber  §ölje  beS 
SBaHeS  ju  bie  $auptlagerung  Don  114  $ötjern  auf  einer  ©tretfe 
Don  6  m  ($af.  II  b).  §ter  tagen  oft  8  ©tü<f  fenfredjt  überein» 
anber;  aud)  biefe  ^öljer  waren  mit  £et)tn  Derpacft  unb  nadj  ber 
inneren  ©eiie  ber  95urg  ju  burd)  fenfred)t  eingetriebene  Sßfäfjte  ge» 
galten.  Bmifdjen  biefen  big  1,3  m  über  ben  SBafferftanb  reiben» 
ben  Sßfäljten  unb  bem  tagemben  £otje  mar  eine  SDienge  mofylerljat» 
teuer  ftarfer  93irfenrinbe  aufgeföidjtet;  fie  bitbete  eine  bicf)t  abfefyliefcenbe 
©tf)id)t  gegen  ben  oberhalb  gelagerten,  eine  ©d}id)t  Don  2  m  bil« 
benben  naffen  ©augfanb.  SBeiter  nad)  Dorne,  am  Anfang  ber  bitter 
tagemben  £ötjer,  ftnbet  fid)  etrna  1  m  über  benfelben  eine  faft 
3  m  lange  ftarfe  ©d)id)t  Don  gebrannten  fietjmftüden  (£af.  II  c), 
unter  benen  einjelne  größere  ©tüde  bie  ?tbbrüde  Don  runben  ^ötjem 
jeigen.  SBir  fjaben  l)ier  bie  Stcfte  einer  aus  f.  g.  fiefymftafen  t>er» 
gefteßten  SJiauer  Dor  uns,  meiere  root)l  als  bie  33efeftigungSmauer 
anjufefjen  ift. 

SBetter  nad)  bem  Innern  ber  93urg  ju,  roo  ber  SBall  bie 
größte  $ölje  erreicht,  finbet  fiel)  abermals  eine  gunbirung  beS 
SB  alles,  befteljenb  aus  einer  5  m  taugen  fiagerung  Don  lorf, 
bie  etoaS  unter  ben  SBafferftanb  l)inabretd)t  (Jaf.  II  d).  35iefetbe 
fonbert  fid)  in  eine  obere  ©d)id)t  Don  fanbigem  fdjmarjem  £orf, 
eine  10  cm  ftarfe  reine  ©anbfdjid)t,  eine  35  cm  ftarfe  mit  Änodjen 
Dermifdjte  ®of)lenfdjid)t,  enbtid)  eine  ©d)id)i  fetjr  gerben  SorfS,  ber 
bie  @igentf)ümtid)fett  f)at,  baß  er  eine  Süienge  ©fenbtau  (SSiDianit) 
enthält.  Stm  mefttidjen  (Snbe  mar  biefe  ©djidjt  begrenjt  burd)  ein 
Ijorijontat,  quer  jum  ©raben,  tiegenbeS  ^oljftücf  (5  cm  fyodj, 
23  cm  breit)  unb  burd)  jtoei  t)inter  einanber  fenfredjt  ctngcfcfjla* 
gene  Sßfäfyle,  bie  roieberum  burd)  jmei  tforijontat  tiegenbe  $öljer 
gehalten  finb.     2>er  SJoben  oberhalb   ber   Jorffdjidjt  befteljt  meift 

lO* 


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148 

auS  grauem,  burd)  ®ol)lcnfptitter  gefc^tüärjtem  ©anbe.  SBir  fjaben 
f)ier  bermutfjlirf)  bie  ältcfte,  in  ifyrem  oberen  Jfyeil  Don  Störung 
betroffene  SBefeftigung  oor  unS.  äöetter  naef)  innen  ju  fanb  fid)  in 
bem  öon  Äoljtenftüden  bürdeten  Stoben  eine  Quantität  2ftift 
(£af.  II  e),  bie  beim  erften  Stuf  graben  garbe  unb  ©erudj  be* 
friftfjen  £uf)büngerS  jeigte,  in  einigen  Jagen  aber  unter  bem  ©n= 
flufj  ber  Suft  fo  bunfef  mie  Sorf  mürbe.  3n  bem  SRift  waren 
nod)  ju  unterfdjeibeube  breit  gebrückte,  mit  ^oljfplittcm  bermifd)te 
©d)ilfgräfer,  ferner  «Sterben,  ftnodjen  unb  ein  eiferneS  SKefferdjen 
mit  ©puren  Don  (Sifenblau.  @S  finb  bie  tiefte  einer  SBoljtumg 
mit  ©taügebäube,  bie  fitf)  unmittelbar  an  ben  SefeftigungSmaQ 
anfdjtofe. 

SBon  ber  foeben  befcfyriebenen  ©teile  ift  baS  ftirdjenfunbament 
nod)  36  m  entfernt.  Stuf  biefer  ©tretfe  fanben  fief}  mehrere  ©pu* 
ren  früherer  Slnfieblungen.  3ln  jmei  ©teilen  jeigten  fid)  gteid)  an 
ber  Oberflädje  4  in  lange,  10  cm  ftarfe  ©djidjten  üon  gebranntem 
Sefjm  mit  9lfdje  unb  Soljle  Dermifdjt,  ( Jaf.  II  f  g),  barunter  aber, 
alfo  als  ©puren  älterer  Stnfteblung,  nod)  ftärfere  $lfd)en=  unb  Äotylem 
fd)id)ten  (Jaf.  II  h  i),  foroie  fcfymale  Streifen  ungebrannten  fieljmS. 
UeberaH  fanben  fid)  Diele  ®nod)ett,  Derroftete  ©fentljeite  unb  Sopf- 
fdjerben,  aud)  einzelne  rolje  ©teingerätfye  unb  an  einigen  ©teilen 
aud)  gfifdjfdjuwen. 

9lai)  biefen  bei  Vertiefung  beS  9lbjugSgrabenS  angefteUten 
Unterfudjungen  mürbe  an  oielen  anbern  ©teilen  beS  SBatleS  burd) 
Sofyrungen  ringsum  (£af.  I  1 — 18)  nadjgeroiefen,  bafc  überall  in 
einer  Jiefe  Don  2  m  §olj  liege.  $>ie  Slrt  ber  fiagerung  beffelben 
unb  baS  Vorljanbenfein  oon  $orffd)id)ten  tuirb  burd)  fpätere  SftarfM 
forf jungen  feftäufteüen  fein,  öemerfenSroertf)  ift,  bafj  ber  innere 
Staunt  beS  SBurgmalleS  früher  beträdjtlid)  größer  mar,  afe  er 
jefct  crfdjeint,  nadjbem  ber  SBall  jiemlid)  abgeebnet  ift.  2)ie  SluS« 
be^nung  beträgt  jefct  Don  -Korb  nad)  ©üb  65  in,  Don  Oft  nad) 
SBeft  75  m;  rennet  man  aber  Don  ^ßfa^lmer!  ju  Sßfaljlroerf,  fo 
ergeben  fid)  110  bejm.  135  m.  Sine  fernere  33ol)rung  bis  8  m 
Jiefe  in  ber  SDlitte  beS  23obenS  ber  Sirene  ergab  folgenbeS  SReful: 
tat:  bis  ju  1,30  m  töulturboben,  bis  3,30  m  grauer  ©anb,  bis 
5,30  m  geller  ©anb,  bis  5,5  o  m  blauer  Jfjou,  bis  6  m  ctmaS 
gellerer  aber  fd)ärfercr  ©anb,  bis  6,70  m  fetjr  feiner  tonhaltiger 


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149 

©anb,  bis  8  m  tljonfreier  etmoS  gröberer  ©anb,  ber  jutefct  feljr 
feft  mar.  S)a3  gange  Jerrain,  bie  burd)  ben  Bufammenfluß  ber 
©cfymartau  unb  ber  Xra&e  gebilbete  §a(binfel,  ift  banacf)  afä  eine 
burdj  natürliche  Slnfcfjmemmungen  entftanbene  Slnfyöfye  ju  betrauten. 
©3  begann  nun  ba§  3)urcf)graben  ber  oben  ernannten  Quabrate. 
©leichjeitig  mürbe  ein  ©raben  in  fübtidjer  Stiftung  ($af.  IDE) 
längs  ber  SBeftfeite  ber  jur  SluSgrabung  auSerfetjenen  fjfäcfje  bis 
burd)  ben  SRingmaH  ljinburdj,  44  m  lang,  1  m  breit,  1  m  tief 
fjergefteüt,  um  ju  fefyen,  mie  bie  Lagerung  ber  ©d)idjten  fid>  jeige. 
3)ie  oberfte  ©djid)t,  30  bis  50  cm,  bot  fdjmarjen,  mit  gebrannten 
Seljmftücfdjen  öermifdjten  93oben.  9ln  einer  ©teile  (Saf.  II  k)  befanb 
firf)  ein  ganjeS  Sager  öon  £f)ierfnod)en,  10  bis  35  cm  ftarf.  S33citcr= 
Ijin  jeigten  fidj  mehrere  .©teilen  burd)  bie  äNenge  gebrannter  Xf)on» 
brocfen  als  etwa  30  cm  breite  gunbamente  öon  ©ebäuben, 
bie  bisweilen  quer  gegen  ben  ©raben  ftanben,  bisweilen  3  big  4  m 
lang  im  ©raben  ju  verfolgen  waren  ($af.  II  1).  3wifdjen  biefen 
grunbamenten  geigten  fid)  an  jroei  ©teilen  ©teinpftafterungen* 
(£af.  II  m),  bie  erfte  25  m  üon  ber  Äird>e,  60  cm  tief  liegenb, 
3  m  lang  im  ©raben  ju  verfolgen,  eine  regelmäßige  ©teinfefcung 
oon  etwa  10  cm  großen  Sßflafterfteinen;  bie  jweite  7  m  weiter, 
1  m  tief  liegenb,  eben  jo  lang,  grabe  an  ber  Ijödjften  ©teile  beS 
SRingroalleS.  Selber  fonnten  bie  Ouabratc,  in  meldte  biefe  Sßftafte* 
rungen  fid)  Ijineinftrecfen,  nidjt  weiter  aufgegraben  werben,  lieber 
ben  Sßflafterfteinen  lag  föofyle  unb  gebrannter  Seljmfdjutt. 

auffällig  mar  es  nun,  baß  ein  SÖieter  tiefer  im  ©augfanb 
fidj  ein  großes  30  cm  ftarfeS  ©türf  ©idjenfyolj  fanb,  unb  mit 
bemfelben  in  gleicher  Siefe  mieberum  Sßflafterfteine  ($af.  II  n)  in 
einer  Sänge  bon  3,5  o  m;  fie  f feinen  gegen  ben  weiterhin  folgen* 
ben  ©anb  burd)  $öfjer  gehalten  morben  ju  fein,  ba  fiel)  bort 
©puren  von  verfaultem  $olje  öorfanben.  3)iefe  Sßffafterung  fdjeint 
bie  ältefte  (SingangSftraße  ju  bejeid)nen.  2)er  93urgmaß  ift 
nämlidj  fein  gefrfjloffener  ÄreiS;  gerabe  an  biefer  ©teile  (£af.  I  E) 
jeigt  eS  fid),  wie  ber  füblidje  Iljeil  beS  SßaHeS  nad)  außen  vor* 
fpringt,  fo  baß  ein  von  beiben  ©eiten  burd)  bie  (Snben  beS  SBafleS 
gefertigter  Zugang  gebilbet  wirb. 

2)a3  Ausgraben  ber  me^rermä^nten  Ouabrate  felbft  mürbe  in 
ber  SBeife  votljogen,  ia^  in  ber  erften  Steige  berfelben,  anfdjließenb 


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160 

an  ba$  Äirdjenfunbament,  ein  ®raben  öon  1,80  m  Jiefe  ^crgcfteDt 
mürbe;  biefer  würbe  mit  ben  gefammetten  Keinen  Steinen  etma 
30  cm  Ijocf)  gefüllt  unb  fpäter  mit  ffloben  aus  ber  jmeiten  Steige 
ber  Quabrate  ganj  gefüllt.  3unäd)ft  mürbe  ba3  Sirdjenfunba* 
ment  unterfudjt.  S3  ift  1,4 o  m  breit  unb  befielt  au$  fünf  SRetyen 
öon  ©teinen;  aufeen  unb  innen  liegt  je  ein  breiterer  ©tetn,  in 
ber  ÜRitte  brei  Heinere.  2)a3  Ofunbament  ift  0,6 o — 0,7  5  m  tief, 
e3  liegen  brei  ©djidjten  ©teine  übereinonber.  Oft  finb  bie  ©teine 
nur  runb,  boclj  fommen  aud)  öiete  Seiten  rot)  behauen  öor,  me$f>alb 
fid)  auf  ber  Oberfläche  be$  angrenjenben  SterrainS  eine  SRenge 
©teinfplitter  fanben.  Unter  bem  Qfunbameni  ergaben  fid>  nod) 
Änodjen  unb  Jopff  ererben;  aud)  im  3nnem  ber  Sfirdje  finben  fid) 
biefelben  reicfjlid)  in  geringer  Jiefe.  3)ie  Äirdje  ift  alfo  auf 
bem  93oben  einer  früheren  Änfiebtung  erbaut,  ma3  fteft 
aud)  ax&  ber  58efd)affenf)eii  ber  ©d)id)tung  auf  30  cm  neben  bem 
gfunbament  erfennen  liefe.  3)ie  obere,  40  cm  ftarfe  ©d)id)t  enthielt 
grauen,  mit  $ol)len  unb  fieljmftüddjen  öermtfdjten  SJoben,  biefem 
folgte  eine  tjellere  ©anbfdjidjt,  bann  bis  1  m  Siefe  mieber  ftofjlc 
unb  ©anb,  sutefct  geller  ©anb  ober  SBiefengrunb. 

3)ie  gfunbe,  meiere  man  bei  ben  erften  Ausgrabungen  im 
Snnem  ber  Äirdje  machte  (93b.  I  ©.  237,  238,  242,  243),  ßim* 
men  burdjauS  ju  ber  annähme,  bafe  fie  in  ber  oorlefcten  ^eriobe 
2llfcS*übetfö,  unter  Äönig  $einrtd),  erbaut  ift.  3)aft  fie  nad)  ber 
3erftörung  öon  1128  nod)  einmal  IjergefteHt  mürbe,  lägt  fidj 
f fliegen  au3  $elmolb3  9?ad)rid)t  (1,49)  bafe  fötub  fiamarb  bie  öon 
£einrid)  erbaute  Äirdje  ein  meinen  liefe. 

S$  mar  nun  feftjuftellen,  ob  in  ber  SWälje  ber  Äirdje  fid) 
©puren  öon  ©ebäuben  geigten.  SKalje  ber  runben  SlpfiS  ber  ÄirAe 
fanb  fic§  in  geringer  Jiefe  eine  etma  1  qm  grofee  ©teinfefeung  öon 
großen  Steinen,  jebod)  nur  einen  ©tein  Ijod)  (Jaf.  III  a).  ©in 
SWeter  entfernt  baöon  lagen  gleich  unter  ber  Oberfläche  (lab.  III  b 
unb  b  l)  mieber  jmei  fünftlidje  ©teinfefcungen  öon  Keinen  runb= 
lidjen  ©teinen,  üietleidjt  eine  $eerbftetle,  bann  unter  berfelben  bis 
90  cm  tief  fanben  fid),  au$  älteren  Slnfiebelungen  ftammenb,  eine 
SRenge  ©erät^e:  ein  ftamm,  mehrere  SBürtel,  ein  bronjener  ©pont. 
(Sifenttjeite,  gif djf puppen  unb  ein  Anoden  öom  ^atynenfufe;  aud) 
mar  unter  ber  2Küte  ber  ©teinfefcung  ($af.  III  b)  ber  Üteft  einer 


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151 

10  cm  ftarfen  Setymbiele  ju  erfennen.  ©ed)8  SKeter  meitet  meft 
lid)  tag  in  geringer  Jiefe  fyart  am  Sirdjenfunbament  eine  jufam* 
mentyängenbe  ©djid)t  oon  gebranntem  Seljm  (£af.  III  c),  bie  öer* 
muttylid)  bom  Äirdjengebäube,  nid)t  oon  einem  anberen  ®ebäube, 
fyerftammt.  3n  einer  Gmtfermmg  oon  4  m  Don  ber  Äirdje  fhtbet 
fid)  nämtid)  fonft  nirgenb§  eine  ®ebäubeftmr,  nur  auf  ber  2Befi= 
feite  ift  ba£  fd)on  1852  entbecfte  größere  ©teinfunbament  öorgela* 
gert,  in  feiner  Sänge  genau  jum  Äirc^engebäube  ftimmenb,  alfo 
melleid)t  ju  einem  ffirmeiterungSbau  beffelben  gehörig. 

SRad)  bem  SBeftenbe  ber  SHrdje  ju,  2  m  Don  bem  grunbamcnt 
entfernt,  fanb  ftd)  75 — 95  cm  tief  ein  roof)lerl)altene$  menfd>lic§e8 
©felett,  auSgeftredt  mit  bem  Stopf  nad)  SBeften  liegenb,  bie  güfee 
ein  menig  tiefer  afe  ber  Äopf.  ©omoljl  bie  Sage  beffelben  mieS 
barauf  fyin,  bafi  e3  bort  beftattet  morben  fei,  als  aucf}  bie  beiben 
oierecügen  SRägel,  roetdje  ficf>  etmaS  oberhalb  be$  ©djäbelS  unb  jur 
Sinfen  be3  ©felettö  fanben,  unb  ©puren  be$  bemutterten  $ot§e5 
nebft  jmei  fefyr  oerrofteten  SRägefn  am  gufeenbe.  Seigaben  timrben 
nidjt  gefunben.  ffitmaS  tiefer  lag  eine  10  cm  ftarfe  Soljlenfd>id>t 
mit  Anoden  bermifdjt,  fo  bafe  e3  fcfyeint,  bafc  bie  Seidje  in  bem 
öon  früheren  SBränben  fjer  mit  Äoljle  &ermifd)ten  ©oben  neben  ber 
Äird>e  (auf  bem  Äird^of)  beftattet  morben  ift.  @3  mar  bieS  baS 
(Singige,  ma$  oon  menfdjtidjen  Äörperreften  gefunben  mürbe,  mal)* 
renb  2tyerfnod)en,  öon  ©djmeinen  unb  Sftnbem,  btemeilen  aud) 
oon  $unben  unb  SSögeln,  in  fo  großer  SÄenge  öorfamen,  bafc 
fdjtiefclid)  eine  ÜRaffe  oon  über  1000  Sßfunb  conftatirt  merben 
fonnte.  3)iefe  fätodjen  fanben  fid)  überall  öereinjelt;  nur  in  ber 
9?älje  be$  ermähnten  menfdjlid)en  ©fetetts,  1  m  meiter  fübtic^,  lag 
70  cm  tief  ba$  ootlfffinbige  ©felett  eine«  9iinbe3.  SJon  ben  §ör» 
nern  roaren  jebod)  nur  bie  Snfäfce  öor^anben,  fo  bafc  ju  öermurtjen 
ift,  bafe  ber  Äaba&er  Ijier  eingegraben  mürbe,  nad)bem  £aut  unb 
^örner  abgejogen  maren. 

Site  öon  ben  junäd)ft  in  Angriff  genommenen  brei  Steigen  öon 
Ouabraten  bie  obere  ©djidjt  abgeräumt  mar,  mürbe  öerfud)t,  burd) 
abfegen  be£  (ofen  93oben§  ein  83ilb  öon  ben  oorljanbenen  fefteren 
Sel)mfdjid)ten  ju  geminnen.  2)od)  fonnten  mit  einiger  ©tdjerljeü 
nur  an  jmei  ©teilen  (£af.  III  üuabrat  X  unb  XIII),  6  m 
füblid)  öon  ber  Äirdje  Setymbielen  nadjgemiefen  merben.    3)ie 


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152 

Stodjgrabungen,  meldte  1852 — 57  angefteüt  mürben,  f  deinen  an 
mehreren  ©teilen  ben  8ufammenl>ang  ber  ©djidfjten  jerftört 
ju  l)aben.  Gtmag  metter  füblid)  (Duabrat  XVII)  fanb  fid) 
1,46  m  tief  ein  öon  bier  eigenen  Sorten  eingefaßter  Stemm  öon 
1  qm  Umfang.  I)er  Saum  barüber  mar  boflftanbig  mit  Äfdje, 
Aorten  unb  heften  öon  gebranntem  fieljm  gefüllt;  ber  JBoben 
rtnggum  jeigt  fid)  atg  reiner  grauer  ©anb.  Sg  fc^etnt  ein  SBrun« 
nen  gemefen  ju  fein,  bejfen  obere  §ot}betleibung  entfernt  morbeu 
ift,  mäljrenb  bie  unterften  Sohlen  burdj  bog  SBaffer  gefd&üfct  maren, 
big  burd)  ben  Don  ung  ^ergeftellten  Slbjugggraben  bog  ©runbmafter 
fid}  fenfte. 

Wafyt  bem  SBeftenbe  ber  ®ird)e  (Quabrat  VI)  fanben  fid)  1  m 
tief  jmei  fenfredjt  fte^enbe  SBoljten,  burd)  Sßfäl)td)en  in  ifyrer  ©teHung 
befeftigt,  unb  eine  gleiche  SBotytenfefeung  tiefe  fid)  burd)  bie  angren* 
jenben  gelber  big  jum  SBafl  l)in  öetfotgen,  mo  bie  Sohlen  2,25  in 
tief  lagen.  3Kan  mufc  eg  mot)l  für  eine  Äbjuggrinne  galten,  bie 
fcermutljlid)  big  jur  Jraöe  burd)  bag  (Singanggtyor  bt^  SBurgmalleg 
l)inabfüljrt;  iljre  meitere  Srforfdjung  mujjj  fpäteren  Nachgrabungen 
öorbeljalten  bleiben.  S)ie  äuggrabungen  mufeten  für  biegmal  abge> 
brodjen  werben,  lange  efye  bog  in  Äugfidjt  genommene  Serrain 
burd)forf  d)t  mar;  fpätere  f^orf  jungen  namentlid)  am  28aH  merben 
nod)  intereffantere  SBeftimmungen  über  benfetben  ergeben. 

Unter  ben  Qfunbgegenftänben  finb  folgenbe  auf  £af.  IV  unb 
V  abgebitbete  ©egenftänbe  befonberg  bemerfengmertlj: 

laf.  IV  gig.  1.  3)er  öierte  S^eit  eineg  5Bronje*8rmreif3, 
aug  fed^g  3)rätl)en  geflößten. 

3fig.  2.  (Sin  Keiner  ©djmudgegenftanb,  ber  fic§  im  Slbranra 
aug  ben  an  bag  SBeftenbe  ber  Äircfye  anftofcenben  Oudbraten  fanb. 
©in  rotbrauner  ©tein  (Älmanbin),  12  mm  lang,  9  mm  breit, 
4  mm  bid,  öon  oöater  ©eftalt,  gefaxt  in  22farätigeg  ©olb.  fhn 
Staube  beg  ©teing  liegen  jmei  ©treifen  ©olbfitigranbratf),  t>on 
benen  ber  obere  tner  Keine  breitawige  JBlätter  an  ber  ©ehe  bes 
©teing  bitbet,  mätyrenb  ber  untere  grabe  anliegt.  (Sin  britter  ©trei« 
fen  liegt  an  ber  unteren  gtädje  beg  ©teineg  an,  unb  ift  mit  bem 
jmeiten  burd)  14  Heine  ©ofbperldjen  uerbunben.  3)ie  SRuctfeite 
jeigt  an  ben  beiben  ©eitenfanten  jmei  fenfredjt  abfte^enbe  ©oftfc 
bledje,  oon  benen  bog  eine  jur  JBefeftigung  ber  SKabel  bieute,  bog 


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153 

anbere  eine  Oefe  bilbet,  tyinter  meldte  bie  ©pi&e  bcr  ÜKnbet  getyaft 
merben  fonnte. 

fjig.  3.  Jfyeil  eines  mit  Änöpfdjen  in  beftimmten  Ornament» 
Unten  öergierten  SronjebefdjlageS. 

gig.  4.    ©tüd  einer  Sronjefpange  (§aarfd)inud). 

Qfig.  5.  ©in  fel)r  berrofteter  merfroürbiger  ©egenftanb,  ber 
faft  ausfielt,  aö  märe  ein  Sftagel  mit  fe^r  großem  Sopf  burdj  einen 
ebenfoldjen  quer  burdjgefdjtagen.  2)a  bic3  im  falten  ^uftanbe  aber 
nidjt  möglich,  fo  mufe  biefe  SSerbinbung  fd)on  in  ber  ©djmiebe 
#gemad}t  fein,  unb  ttrirb  baljer  eine  beftimmte  9(bfid)t  vorgelegen 
fyaben.  SSießeidjt  ift  ber  $opf  auf  ber  einen  ©eite  abgebrochen/ 
unb  ift  ba§  Snftrument  ein  3)otd)  gemefen. 

fjig.  6.  ©in  fefyr  toerrofteter  eifemer  ©d)ilbbudel  öou  125  mm 
©urdjmeffer,  45  mm  Ijod).  §ln  ber  $antc  finb  bie  Sftetlöctjer 
beut(id)  ju  erfennen. 

gig.  7.  ©ine  roenbifcfye  SÜiün^e  au§  Tupfer  geigt,  ebenfo  mie 
bie  1852—57  gefunbene  (3eitfd)r.  93b.  I  $af.  I  gtg.  7,  8),  auf 
ber  SSorberfeite  ein  mit  Keinen  fünften  berjterteS  Äreuj.  9lnf  ber 
SRüdfeite  ift  eine  öon  brei  ©äulen  getragene  Äircfye  fidjtbar.  9tel)n* 
tidje  35arfteflungen  bon  fiveuj  unb  $irdje  fommen  a\\$  ber  fjter  in 
SBetrac^t  !ommenben  3tit  (10.  mxb  11.  Saljrljuubert)  auf  alten 
®enaren  ber  @rjbifd)öfe  Don  Jrier  unb  Äöln  unb  ber  ^erjöge  öon 
93atjern  öor.  Sgl.  #atte,  ®in(.  in  ba$  ©tubium  ber  ShtmiSmatif, 
SJerlin  1882,  ©.  90  ff.  ®rofd>enfabinet  (iiei^ig  1753)  IX  gatf) 
$af.  9,  X  gad)  £af.  1,  XI  %a%  £af.  1. 

gig.  8.  ©in  bronzener  ©pom,  in  jmei  Steile  jerbrodjen, 
roetdje  fid)  an  getrennten  ©teKen  in  einer  Slnljäufung  öon  Slfdje 
fanben.  ®ie  gorm  beffelben  entforidjt  ber  im  10.  unb  11.  Satyr* 
Ijmtbert  öorfommenben.  (3)ie  Ä'riegStoaffcn,  oon  Sluguft  Dentin, 
1869  pag.  364.)  2)er  ©porn  pafft  nur  für  einen  fefyr  Meinen 
gfufc,  bie  lichte  Sänge  ift  9  cm,  bie  SBeite  7  cm.  2>ie  obere 
Seite  ift  mit  bem  in  9Ut*£übecf  aud;  auf  ben  lopff ererben  t>iet= 
fad)  tjorfommenben  $rei$ornament  öer^iert,  mätyrenb  bie  untere 
glatt  ift. 

gig.  9.  $f)cU  eines  fnödjernen  ÄnopfeS,  ober  mefleidit  eines 
Äamtm  ober  3Keffcrgriffc3,  mit  bemfelben  5fteiSoruament  berjiert 
tote  ber  ©porn. 


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154 

Qfig.  10.  6m  feljr  niebtid)er  jiertidjer  ©d)teifftein  bon  rotfy 
btäutirfjem  feinem  ©anbftein. 

3'ig.  11.  Stunbe  eiferne  Äuget  Don  24  mm  ®urrf)meff  er,  auf  ber 
einen  ©eite  eine  gerabe  ^Statte  Don  10  mm  3)urd)meffer,  meiere  am 
9ianbe  mit  Weinen  fünften  oerjiert  ift  unb  im  Smtem  jmei  Keine 
Greife  unb  eine  Art  aSJctppcnfdjttb  jeigt.  2)ie  Äuget  beftetjt  aus 
einet  fefyr  bünnen  2Raffe,  bie  faum  anjufaffen  ift,  beren  Äern  au$ 
einem  roenig  fefteren  SRoft  gebitbet  roirb. 

©ine  anbere  Äuget,  an  beren  einer  ©eite  eine  platte  tag,  ift 
(eiber  jerbrod>en.  @ine  britte  Äuget  ift  ju  feljr  vergangen,  um  fie 
au%  ber  Umhüllung  töfen  ju  fönnen. 

Unter  ben  ftarf  berrofteten  Sifentljeifen  fanben  fid)  nämlidj 
mehrere  30  bis  40  mm  2)urd)meffer  ^attenbe  runbe  ©tüt!e,  bie 
burd>  iljr  fpejiftfd)e$  ©emicfyt  auffielen.  £er  SRoft  mar  aber  nur 
burd)  geringes  ©ffiljen  ju  töfen,  unb  bann  fonnte  man  bie  Äugetn 
aflmäfjtid}  aus  bem  9toft  aualöfen. 

3ln  einer  Äuget  jeigten  fief)  ©puren  oon  grüner  gärbung,  nrie 
öon  SBronjepatina,  bie  aber  nur  in  ganj  feinen  Statteten  auflag. 

$ab.  V  gig.  1.  6in  ®erätlj  oon  Anoden,  mol)l  bie  @<t)u& 
platte  einer  ©irfjetfjeitSnabet.  3)ie  äußere  Stäche  ift  am  burdjtod^ 
ten  £ljei(  gtatt  gearbeitet,  roäfjrenb  bie  fpifce  ©eite  nur  rot}  geglättet 
ift,  unb  ba3  innere  norf)  ÜKarfrinnen  jeigt.*) 

gig.  2.  Pfriem  bom  9Kittetfufefnoct)en  Dom  Äatb.  @3  fritb 
bergleidjen  Pfriemen  im  (Sangen  jefct  4  ©türf  gefunben,  in  ben 
Sauren  1852—57  3  ©tücf. 

3fig.  3.    Pfriem  öom  ©riffetbein  eines  jungen  SßferbeS. 

Sturer  bem  abgebitbeten  ift  jefct  norfj  ein  äljniidf>er  gefunben; 
in  ben  früheren  Sauren  audj  nur  ein  ©tücf. 

Witten  ben  auf  ben  Jafetn  abgebitbeten  ®egenftänben  finb  noch 
at$  weitere  Qrunbftütfe  anjufüljren: 


•)  ^rofeffor  Dr.  ftraa*  in  Stuttgart,  »eifern  baS  ©erat!}  sugefanbt  max 
fdjreibt:  „$er  Anoden  ift  bit  (&pipf)\)\e  ber  @atral«95HrbeI  bom  $o*  unb  est' 
ftammt  einem  jüngeren  Snbiüibuum,  an  meinem  fidj  bie  (5j>ü>l)i)fe  nodj  lewfei 
bon  ben  $ornfortfäfeen  be$  britten  SBirbetö  be$  #eiligenbeine$  ablöftc."  flucti 
er  fjält  bie  platte  für  eine  ©rfjnfcptatte  einer  ©tdjcrljeitänabel,  njefdje  toennit 
telft  ber  beiben  Oeffnungen  angenietet  mar.  G$  fdjcint  übrigens,  \>a%  bk 
9tobel  tuäfjrenb  ber  Arbeit  öerungfücfte  unb  bei  Seite  geworfen  würbe. 


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166 

Qtoti  gebogene  tjatbrunbe  93ron$eftangen,  19  unb  Iß  cm  lang, 
Die  offenbar  jufammengef)ört  unb  etwa  einen  (Simerfjenfet  gebilbet  Ijaben. 

®riff  öon  einem  ®old)  ober  einem  in  biefer  5orm  a^  §aar* 
pfeil  btenenben  Oegenftanb;  berfelbe  befielt  au3  jroei  platten,  bie 
auf  ein  bünneä  93ted)  (?)  aufgenietet  finb.  $)ie  platten  finb  ca. 
10  mm  breit,  bie  Duerftange  60  mm  lang  unb  ber  ®riff  mit 
jQuerftonge  44  mm  lang. 

3)er  ®ebraudj  oerfdjiebener  Heiner  fefjr  jerftörter  SBronjerefte 
ift  ferner  anjugeben. 

3tn  (Sifengerättjen  fanben  fid>  bie  S5b.  I  $af.  2  gig.  1,  3,  7, 
13,  11,  15,  20  abgebilbeten  2Äeffer,  ©d)tüffet  unb  Miete  öielfad) 
öor,  foroie  aud)  ein  grofceS  SBorfjängefdjtofi  (roie  fic  nodj  jefet  ju 
ben  ©djtagbäumen  in  ben  gorften  gebraucht  werben)  unb  befjen 
©djtüffet  (a.  a.  O.  £af.  2  gig.  17).  (Sbenfo  eine  ©id>el  (a.  a. 
O.  Saf.  2  gig.  5  b)  unb  ein  §ufeifen. 

gerner  brei  eifeme  ©poreu;  au8  ben  früheren  Sauren  beftfct 
bie  ©ammtung  öier  ©tüd. 

2tu3  Änodjen  brei  öollftänbige  Äämme  unb  öerfdjtebene  23rud)' 
ftüde,  bie  im  ®(mztn  auf  neun  berfd>iebene  ftftmme  fdjliefeen  laffen. 
Sn  ber  ©ammtung  befinben  ftrf)  brei  ©tüd  (togt.  a.  a.  O.  laf.  I 
gig  9  unb  Sutbenfömibt  1.  IX  £af.  6). 

£)rei  fteine  fnödjerne  Pfriemen  mit  üod)  (a.  a.  O.  £af.  I  gig.ll). 

©ine  fnödjerne  SWabel,  Pfriem  ober  $aarpfeit,  22  cm  lang, 
8  mm  bid.  (Sin  be$gl.  145  mm  lang,  7  mm  bief,  an  beiben 
(Snben  ftnfc. 

©in  tnödjerner  Pfriem  jum  ©puffen  ber  Saut,  14  cm  lang 
unb  15,  refp.  9  mm  bid. 

S3ier  BtMt  öon  SRe^frone,  brei  Heinere  ©proffen  öom  8iel}. 

3mei  ©proffen  öom  $trfdjgenmf). 

(Sine  lange  ©tange  mit  Ärone  (42  cm  lang)  öom  iQirfd), 
ofynt  Stu^entyroffen.    2)rei  gefägte  Anoden  (jroei  baöon  öom  £irfd)). 

(Sin  feljr  grofeer  (Sberjaljn,  22  refp.  30  mm  bid,  unb  aufeer- 
bem  eine  3Kenge  fleinerer. 

(Sin  abgefägter  ftarfer  ©djenfettnodjen  öom  Ütinb,  auf  beffen 
abgefägter  Qftädje  ein  fleiner  $rei£  eingerifct  ift,  nrie  er  auf  beut 
©porn  (f.  o.  £af.  IV  gig.  8)  jur  SSerjierung  bient. 

3tn  geuerfteingerätljen  fanben  fidj:  fünfje^n  fteine  gute  geuer» 


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156 

fteimneffer;  jebn  runbe  Schaber;  fünfunbbreifcig  fjcucrftcinf glittet; 
eine  grofte  nur  im  SRotjen  bearbeitete  fteuerfteinaEt,  aus  fdjledjtet 
3Kaffe,  batjer  bei  ber  Arbeit  jerbrocfyen  unb  unooüenbet;  eilte  SßfeU* 
fpifee,  fe^r  fatiber  gearbeitet,  35  mm  lang,  14  mm  breit;  ein  ju 
gleichem  Qwed  brauchbarer  Sfeuerftemfplitter  45mm  lang,  20mm  breit. 

ferner  fanben  fid)  jmet  ©tüde  Sernftein  unb  ber  britte  Ztyü 
eiltet  f leinen  5Bernftein*gtngerringeS;  ad)tjef)n  SBürtet;  aus  ben 
früheren  Sauren  befifct  bie  ©ammtung  neunje^n  ©tüd. 

Aufcer  bem  auf  $af.  IV  gig.  10  bargeftellten  ©dfteifftein 
finb  nodj  fteben  anbere  öon  öerfdjiebener  gorm  gefunben.  Qu 
früheren  gunbe  tjatten  18  ©tüd  in  bie  ©ammhiug  geliefert. 

SJon  ben  feramifäen  ©egenftänben  ift  nur  ein  £opf,  145  mm 
fyoä),  unten  85  mm  unb  oben  145  mm  roeit,  jum  größten  TljeU, 
fomte  ein  Meiner  4  cm  fjoljer  £opf  foroeit  ermatten,  baft  bie  gönn 
mieber^ergefteüt  roerben  tonnte.  Unter  ben  reidjüdj  aufbewahrten 
©gerben  finben  fidj  bie  öerfdjiebenften  formen  unb  Serjienmgen, 
nrie  fie  93anb  I  £af.  3  abgebilbet,  lieber,  fomofjt  oon  Söffen  tme 
Don  3)ede(n,  fo  bafc  eS  ferner  fällt,  eine  Ausmalt  ju  treffen,  ba 
bie  jurüdgetegten  ©gerben  immer  ein  anbereS  SKufter  jeigen.  3)ie 
©ejammtmaffe  ber  bei  Aufbedung  ber  unterfud)ten  gelber  gefunbenen 
©gerben  betrug  450  Sßfunb. 


2Bir  fönnen  beti  8erid)t  über  bie  Ausgrabungen  in  SlU^übed 
nid)t  abfdjttefcen,  ofjne  bie  ^Beobachtungen  anjufüfjren,  roetdje  gleich 
jeitig  getegentlid)  ber  Jratoencorrection  bei  ^erfteÜung  be£  f.  g. 
2)urd)ftid)eS  ^ufjbufö>A(t*Sübed  gemalt  finb.  ©iefer  2>urd>ftrdj 
burrfjfdjneibet  baS  lerrain  am  regten  Iratoenufer,  ?ltt«£übed  unmit 
telbar  gegenüber.  Qunädjft  bem  gluffe  mar  ein  ausgebeutet  ctroa 
200  m  breitet  JumpfartigeS  SBiefenterrain,  bem  fid)  bann  bie  be> 
beutenben  $öljen  (15,5  m  fjöljer  als  ber  SBafferftanb  ber  ü£rat>e) 
anfdjtoffen.  SBä^renb  bei  ben  Arbeiten  in  ben  fanbigen  ^ö^en 
and)  nid)t  baS  ©eringfte  gefunben  warb,  bot  baS  SBiefenterrain  beS 
Sntereffanten  befto  metjr. 

SSie  auf  ber  beigegebenen  Äarte  laf.  I  erfid)tlid),  ge^t  eine 
ganje  Steige  Sßfäfjte  F  bis  G  öom  feften  Ufer  in  ber  SRtcfytutig 
auf  9l(t*£übed  ju  bis  an  bie  Jraoe,  fo  baß  biefetben  ju  einer 
Sörüde  gehört  Ijaben  fönnen.    SlKe  ^ßfäljle  Ratten  eine  mit  f^arfen 


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157 

Snftrumenten  fjergeftellte  ©pifce  unb  maren  oben  angebrannt;  fie 
beftanben  au3  Sirfen»,  Suchen*,  ©rlen*,  Orienten*  unb  (Sitfjenljofä, 
meld)  (efetere^  ntdjt  ranb,  mie  baS  übrige,  fonbern  nur  feitlid)  be= 
Ijauen  mar.  35ie  Sßfäl)le  fanten  unter  einer  75  cm  biefen  3Koor* 
fd)id)t  jum  SSorfdjein,  unb  fteljen  nod)  etma  2  m  tief  im  sJJioor. 
hieben  unb  gioifc^cn  ben  Sßfäfylen  lag  eine  9ftenge  fdjmädjereä  §otj 
unb  SReifig,  tljeifä  öerfoljlt,  tl)eil3  ftarf  toerfault.  9ln  oieten  ©teilen 
fauben  fid)  reidjlidje  $ol)fenmaffen  jmifdjen  £ef)m  unb  fauftgrofcen, 
gefdjtagenen  ©ranitfteinen.  2Bir  Ijaben  f)ier  atfo  bie  |>eerbfteHen 
üon  SSotjnungen. 

SBei  bem  Sßunite  H  fommeu  feljr  öiele  Änodjen,  namentlich 
bom  ©djmein,  öor,  fomie  ^otjfpaljne,  hartgebrannte  äeljmbroden 
bom  Sßanbbemurf,  jaljlreidje  Abfälle  bon  feinem  Seber,  §afetnufc 
fdjafen  unb  ©ererben  öon  $öpfergefd)irr  mit  ber  Drnamenti!  Don 
9llkSübed.  Slud)  fanben  fid)  jmet  tyatbberbrannte  Ijöljerne  runbe 
©dualen,  ein  tjöljerner  ©riff  mit  eingeritten  33erjieruugen,  ein 
3)ammbrettftein  unb  eine  bünne  bronjene  Keine  ©djale,  bie  buref) 
bie  §tfee  be£  %e\m%  fjatb  aufgerollt  mar.  2lm  rechten  Ufer  be3 
neuen  2)urd)ftid)3  bei  J,  ba  roo  bie  Jorfmiefen  aufhören  unb  ber  fefte 
©anbboben  beginnt,  mürben  ebenfalls  mehrere  §eerbftatten  gefunben, 
au§  einer  Unterlage  Don  fauftgrofren  ©ranitfteinen  beftefjeub,  über 
melden  erft  eine  ©d)id)t  Slofjten,  bann  eine  30  cm  birfe  Sage 
Setjm,  julefet  abermals  eine  ©d)id)t  ©teine  lag.  3n  ber  SKätje 
mürben  brei  §anbmüf)lfteine  öon  etma  50  cm  3)urd)meffer  gefunben. 
9lm  linfen  Ufer  be3  neuen  3)urd)ftid)e$  bei  R,  etma  ber  borermäf}n> 
ten  ©teile  gegenüber,  fanben  fiel)  bie  ©ererben  einer  Urne  mit  ben 
Ornamenten  öon  2llt*£übecf,  fomie  eine  Seite  an$  jmei  ©türfen, 
bereu  ©lieber  au£  gemunbenem  Sifen  mit  Oefen  an  bem  (£nbe  be» 
ftanben;  an  bem  einen  ©nbe  ber  Sfette  maren  offene  §afen,  unb 
öon  ber  anbem  Seite  ein  flacher  9ting  mit  einem  Sod)  jur  93efeftt= 
gung  an  einem  §otj.  Wtbtn  ber  Urne  fyatte  ein  ©felett  gefegen, 
öon  meldjem  Steile  be3  ©djäbete  abgeliefert  mürben.  $)iefe  meni* 
gen  gunbe  bemeifen,  bafc  ba$  SllfcSübecf  gegenüber  tiegenbe  fefte 
Ufer  ber  Sraöe  ju  gleicher  &\t  mit  Sllt^überf  menigftenä  an  ein» 
jelnen  ©teilen  bemotjnt  mar;  mefletdjt  merben  bei  Jpäteren  6rb* 
arbeiten  bort  nod)  me^r  Sßotjnftätten  entbedt,  bie  ju  $l(t*£übed 
gehörten,  menn  aud)  nur  öon  ber  ärmeren  SBeöötferung  bemoljnt. 


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158 


VII.  (XII.) 

©efdjtdjte  ber  Sffotoenfaffe, 

$on    StaatSardjtoar    Dr.    SBc^rmanit. 

^eitbem  auä  bem  nörblid)en  9lfrifa  ba$  Sf)riftentl)um  burdj  bcn 
3Kul)amebani3mus  üerbrängt  morben  mar,  Ratten  bie  SBemoIjner  ber 
Süftenlänber  Seeränberei  gegen  btc  Sänften  getrieben;  befonberä 
heftig  aber  geföaf)  bie3,  feitbem  ju  @nbe  be3  fünf je^nten  3al>rl)un> 
bertö  ber  Äönig  gerbtnanb  ber  Äatfyotifdje  bie  9iid)t*El)riften  au* 
bem  {üblichen  Spanien  oertrieben  ftatte.  Sie  flogen  metftenS  nad) 
ber  gegenüberliegenben  Äüfte  unb  nahmen  burdf)  Seeräuberet  Stacke 
an  ben  öerljaftten  Stiften,  anfangt  tjietten  fie  fid)  auf  bem 
mittellänbifdjen  äJieere,  aber  im  Saufe  be£  fecf)$äet)nten  3af)rf)unbcrt$ 
fuhren  fie  aud)  burdj  bie  3Keerenge  öon  ©tbraltar,  beunruhigten 
bie  mefttidjen  sJKeere  unb  $äfen  unb  brangen  immer  weiter  gegen 
SRorben  öor.  1631  machten  fie  einen  ©infaü  in  3»rlanb,  1637 
fogar  in  3$tanb. 

3m  fed)3jel)nten  Safjrtjunbert  entftanb  aud)  entmeber  ber  £anbel 
SübedS  nad}  Spanien  ober  entnadelte  ftdj  plä^üd)  ju  einer  aufcer« 
orbentlidjen  93ebeutfamfeit.  §rüf)er  nämlid)  maren  bie  Spanier  in 
bie  nieberlänbifdjen  §äfen  gefommen  unb  Ratten  ftdj  bort  mit  ben 
iljnen  unentbehrlichen  norbifdjen  ^ßrobuften,  meldje  Ijauptfädjlid} 
Ijanfeatifdje  Skiffe  borten  brauten,  oerforgt.  Site  aber  ber  Ärieg 
ber  Siieberlänber  gegen  Spanien,  ber  julefet  bie  ©ntftetyung  ber 
Üiepubltf  ^poltanb  herbeiführte,  biefen  2Beg  unterbrach,  fuhren  bie 
^anfeaten  mit  itjren  SBaaren  nad)  Spanien  felbft,  unb  ber  Raubet 
baljin  mürbe  in  furjer  3ett  fa  beträchtlich,  bafc  fid)  in  ßübeef  bie 
©efcllfc^aft  ber  Spanienfatjrer  bilbete  unb  fdjnefl  bie  angefeljenffe 
unter  ben  faufmännifdjen  Korporationen  mürbe.  Siatürlid)  litt  nun 
aud)  bie  tübecfifdje  Sdjiffafjrt  burd)  bie  Seeräuberei  unb  genrijj  um 
fo  meljr,  ba  Öübecf  feine  Sdjiffe  nic^t,  mic  größere  ÜÄädjte,  burd) 


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159 


eine  bebeutenbe  Kriegsmarine  fiebern  formte,  auef)  niemals  befonbere 
Verträge  mit  beit  SRaubftaaten  gefdjtoffen  morben  ftnb.  Unter  bie* 
fen  Staaten  mar  ber  bebeuteubfte  Algier.  2)af)tn  mürben  bie  auf 
ben  ©djiffen  gefangen  ©enommenen  gebracht,  unb  ein  IjarteS  ©djid* 
fat  martete  ifyrer  bort  in  ber  Sieget.  Brom,*/  meun  fie  fid)  mt> 
fdjliefjen  fonnten,  baS  Sljriftentljum  ju  öertäugnen  unb  bie  mufja* 
mebanifdje  Steligion  anjunefjmen,  mar  iljr  fiooS  erträglid)  genug, 
©o  mie  bie  2)et)S  öon  Sltgier  längere  $eit  felbft  Renegaten  maren, 
fo  oermanbten  fie  aud)  bie  Sonöertirten  ju  mancherlei  35ienften  unb 
Slnftellungen,  unb  biefe  maren  bann  menigftenS  gegen  SJianget  mit) 
SJiifjljanbtungen  gefd)ü£t.  SDie  93efef)rungSüerfud)e  gelangen  aber 
roof)t  überhaupt  nidjt  fjäufig,  unb  aud)  bei  ben  (übecfifcfyen  C^efan- 
genen  nur  feiten,  unb  bann  äußerte  fidj  ber  §afj  unb  bie  ^Barbarei 
ber  Slfrifaner  in  ben  ärgften  Sfttfjfjanblungen,  mit  melden  fie  bie 
armen  ©efangenen  überhäuften.  2)ie  Angehörigen  in  fiüberf  Ratten 
bann  fein  anbereS  äKittel,  bie  Styrigen  aus  bem  fcfjrecf liefen  3«s 
ftanbe  ju  befreien,  ats  fie  loSjufaufen.  Stber  baju  tjatten  nur 
Sßenige  fefbft  baS  SBermögen;  ben  9Jleiften  blieb  nidjtS  SlnbereS 
übrig,  a(S  Sammlungen  ju  biefem  $mdz  anjuftcllen.  2)iefe  rour* 
ben  benn  auef)  gemöt)n(id)  toeranftaltet,  auef),  mie  j.  33.  eine  beSfall^ 
fige  ©upptif  ber  ©djiffergefetlfdjaft  aus  bem  Saljre  1585  ergiebt, 
ber  ©enat  felbft  um  eine  ißeifteuer  gebeten.  SBurbe  nun  aud)  folcfye 
^ütfe  mofjt  nidjt  öermeigert,  fo  mar  bod)  ber  ©rfotg  ber  ©amm» 
tungen  immer  unfidjer.  2)ie  geringfte  ^oSfaufungSfumme ,  bie 
ermätjnt  mirb,  ift  100  ©türf  oon  Sldjten  ober  fpanifdje  Sßiafter, 
nad)  unferm  ®etbe  ungefähr  eben  fo  Diel  ©pecieStljater,  unb  biefe 
©umme  fommt  nur  fetten  öor;  ber  geroöfynlidje  SßreiS  für  einen 
©efangenen  mar  fdjon  ju  Slnfange  150  bis  200  ©tücf  oon  Sichten, 
unb  fpäter  mürben  bie  g^berungen  nod)  öiel  fjöfjer  gefteltt.  ©otd)e 
©ummen  mochten  mofjt  einmal  ober  ein  ^Jaar  2Wal  oljne  2Küt)e 
£ufammengebrad)t  merben  fönnen;  als  aber  biefetben  Sitten  häufiger 
famen,  mürbe  eS  fdjmer  unb  eS  bauerte  Saljre,  bis  bie  ©ammter 
tfyten  3w<f  erreichten. 

3m  Stnfang  beS  fiebjetjnten  3faf)rl)unbertS  mürbe  bie  ©ee= 
räuberei  immer  auSgebefjnter,  bie  Qaijl  ber  genommenen  ©d)iffe  unb 
ber  mit  i^ren  Sefafeungen  in  bie  ©efangenfdjaft  geführten  ©d)iffer 
immer  größer.     2)ie  tläglidjften  Shiefe  famen   aus   Sltgier   fyieljer, 


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160 

bie  betrübenbften  ©djifberungen  be$  6tenb$,  in  bcm  bic  armen  ®e* 
fangenen  fd)macf)teten.  ©ie  mürben  bei  ben  f^üfeen  aufgefangen, 
Reifet  e3,  auf  bie  güfie  unb  auf  ben  Setb  gefdjtagen,  empfingen 
metjr  als  fymbert  ©djläge  auf  einmal,  mürben  mit  Seiten  fyart 
gefcf)toffen  unb  erhielten  jur  9taljrung  SBaffer  unb  SBrob.  Dabei 
enthalten  bic  ©riefe  ^Betreuerungen,  bafc  bie  ©efangenen  fiel)  burd) 
alle  3)iif#anbtungen  md)t  mollen  üom  ©fjriftentljum  abroenbig 
madjen  laffen,  unb  Jprecfjen  bic  Hoffnung  au#,  baft  bie  SBerfudjung 
nid)t  alljugrofe  merben  möge.     ®iner  biefer  ©riefe  Reifet  fo: 

Laus  deo  semper.    ben  20.  3uli  1629  gefäreöen  in  Slffeer 
in  Scrberien. 

Äinbtlife  iieöe  unb  £rume  alletibt  tfyoboren.  min  tyarbtlebe 
SSabcr.  3ume  ©ejunbtfjeit  benetjenft  minc  fyarbtle&e  ©roftmober 
famntt  ©meftern  unb  93röbem  i$  mg  eine  grote  ^rönbe  öon 
3um  tljo  öornemenbe.  Qtnn  mat  Dan  megen  mtjnc  Sßerfone  ber 
©efunbtljeit  Ijafoen  anlanget,  t£,  ©ott  bem  SlUme^tigen  fe 
babor  getaöct,  nod)  pafyüd.  ©ott  ber  8lDmecf)tige  be  moHe  un3 
Ijenforben  bt)  be  beftenbige  ©efunbtljeit  ergoßen  umme  fineS  leöen 
©öneS  Sefu  ©Ijrifti  miHenn.  2Sat  aöerft  ferner  mine  grobt 
(Slenbt  onbt  arme£  SlenbeS  ©tabereij  anlanget,  i£  gar  befroerlicf, 
alfe  mt)  arme  bebröfebe  SungenS  quabt  merben  gemartert  unbt 
geptaget.  Denn  mine  tefte  Patrone  be  Ijefft  mt)  fo  öeel  gefta* 
gen,  babt  icf  menbe,  feen  Sfttnfclje  mere  gebaren,  be  fütfeä  Äonbe 
erbutben.  2We  gefdjuljt  ibt  barümme,  up  babt  icf  md)t  im(I 
torftfef)  merben,  önbt  fyefft  mt)  barna  an  ein  anber  Sßatron  ood 
föfft,  metfe  i£  be  teibige  DümeH  öör  ben  ©rfteren.  De  totfl 
nicf)t  fjebben,  bat  noef)  ein  ©Triften  SDfajnfctje  ttjo  mt)  lamen  fc^aEL 
3bt  roerbt  f (immer  mit  mt)  ge^anbett,  alfe  mit  einem  ©djelme 
unbe  Deöe  in  unfe  Santt  geljanbelt  merbt.  Dar  mag  tljo  fe 
gtjan,  mer  bar  mill,  a&erft  tl)o  mt)  ©ott  betert  nidjt  $d  niott 
mt)  ^otben  gtief  mo  ein  Äülen  firf  unber  ber  Rennen  fcorbarget 
öor  bem  §aöecf.  ©ott  bem  2Wmed)ttgen  fo  ibt  geflaget,  in^it 
arme  etenbige  ©laueret).  Denn  icf  metl)  nid)t,  mor  itf  ibt 
flömenn  fdjall;  moferne  mc$t  ©ott  unb  gube  fiübe  miHen  fief 
erbamten  taten  unbt  mg  utt)  biffem  Stenbe  ljetyen,  bt)nn  icf  eroig 
öertaren.     Deun   xd  merbe  alle  Dage   ljartli<f  brun  unbt   blas 


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zedby  G00gk 


161 

geflagen  unb  nod)  boöcn  habt  roerbe  bt)  matten  gföten  upgefjan* 
gen  unbe  fjebbe  mefyr  alfe  200  ©tage  up  enen  Sag  barumben 
entfangen.  Unb  botf)  fcfyalt  bc  §imbt  mt)  bar  triebt  tfyo  Wegen, 
bar  Ije  ml)  menet  tl)o  tljo  fyebben  mit  ber  $üfye  tan  ®ott.  3n 
bemc  fo  möge  gt)  roeten,  mt)n  fyarbttebe  SBaber,  babt  tv\)  tjebben 
ein  ©upplifajion  betbe  an  be  sperren  unb  an  be  SßrebigerS  im 
gelilen  gttfle  otf  an  be  Dtbeften  in  be  ©efeUfcfyop  nmme  §efy 
unbt  93t)fta»bt  tljo  unfer  toorlöjung.  ©o  motbe  icf  Suro  frfinbt* 
tief  fammt  allen  mtynen  gnben  grfinben  gebeben  Ijebben,  menn 
bar  etma§  mertt  borfamen  t>an  ber  @uty)ttfaäion,  3ty  motten  mtjn 
93efte^  meten.  Senn  itf)  bljnn  öor  200  ©tütf  öon  Sichten  öor* 
föfft,  benn  unber  300  fann  id)  nitfjt  mebber  öon  em.  Senn  icf 
metfj  ibt  mot,  batt  ibt  in  Sumer  SSermögen  nitfjt  i3,  funber  ©ott 
ber  SWmecfytige  be  werft  ml)  Sinnen  ©lenben  anfe^en  unbe  gube 
Sfibe  ermefen,  be  fitf  mt)n  armes  junget  Seben  erbarmen  taten. 
Unbe  motten  borfj  min  ©meftern  unb  SSröber  öeet  ©uteS  unbe 
fünft  alle  gube  grünbe.  §irmit  Sfutü  unb  ml)  ©ott  betmten  tfyo 
langer  ©efunbtfyeit.    ©efdjreben  mo  bomen. 

3(uwc)  £  S  (tjarflet>e)  @(ön) 
^inritf)  |)agen,  ©ta&e  in  SlfferS. 

@3  mar  natürlich  baß  foltfje  ©rfjitberungen  allgemeine  ST^ctt- 
nafyme  erregten;  nicfjt  nur  ber  auf  trielfacfye  993ctfc  überhaupt  bemie* 
fene  SBofyltfyätigfeitSfinn  mürbe  fyier  rege,  fonbern  man  fonnte  na- 
ment(id)  ben  ©ebanfen  mcfjt  ruljig  ertragen,  baß  burtfj  bie  äÄtfr 
fyanMungen  unb  83efel)rung3t)erfud)e  ber  ©rjfeinbe  be§  &f)riftentl)um3 
ba3  ©eetenljett  djriftticfjer  SRitbrüber  gefäfyrbet  merben  fönne.  2lu3 
beut  retigiöfen  ©efitfjtSpunft  mürbe  baljer  bie  gange  ©acfje  fyaupt* 
fäd)Iirf)  aufgefaßt,  in  ben  Äirtfjcn  gefrf)at)en  regelmäßige  grürbitten 
für  bie  gefangenen  Sfyriften  in  ber  Stürfei  unb  Söerberei  (eine  ©itte, 
bie  fitf)  in  ber  ©djtutuper  Äirtfje  nod)  bte  jum  3af)r  1829  ermat- 
ten t)at).  3n  ben  föirtfjen  mürben  autfj  fefyr  fyäufig  bie  ©ammlun* 
gen  angefteüt.  Sie  SReligion  gebot  bann  aber  audS),  nidjt  bei  un* 
tfjätiger  Sfyeitnafyme  ober  bei  falber  §ütfc  ftefyen  gu  bleiben,  fom 
bem  9Kaßregetn  ju  ergreifen,  burtf)  meltfje  eine  regelmäßige  unb 
fdfynettere  SoSfaufung  ber  ©efangenen  bemirft  mürbe.  Ser  erfte 
93erfutf)  ju  folgen  2Raßregetn  mürbe  im  3aljr  1627  gemarfjt.  $m 
Stfät.  b.  8.  f.  ö.  «.  IV,  8.  11 


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162 

7.  3uti  biefeä  SafjreS  erliefe  ber  9tatlj  auf  Slnrege  ber  ©d)iffer; 
gefeflfc^aft  eine  SBerorbnung  be3  SnljattS,  bafc  Don  allen  8djiffen, 
bie  nai}  äBeften,  nad)  granfreid),  Portugal,  Spanien  unb  Stalien 
fahren,  für  jebe  Steife  ber  ©djiffer  5  rrifr,  ber  ©teuermann  5  n$£, 
ein  Dfficier  3  ## ,  ein  SBootömann  2  m#,  ein  ^Mitfer  (@d>tff& 
junge)  1  mfi  geben  fülle,  unb  jwar  bie  §ätfte  bat>on,  wenn  fie 
t>on  f)ier  gefjen,  bie  anbere  .§ätfte,  wenn  fie  jurüdfommen.  üefc 
(Selber  füllen,  fjeifct  e3  in  ber  Sßerorbnung,  in  einen  barju  anrief 
tenben  unb  an  einen  gemiffen  Ort  fefcenben  haften  gelegt,  unb  gu 
©rlebigung  allfoldjer  armen  ©efangenen  angewanbt  unb  gebraust 
werben. 

$>iefe  Slbgabe  mürbe  nun  jttmr  Jettbem  bejaht;  benn  e3  Ijeiftt 
in  einer  fpätern  SSorfteltung  auSbrüdlid),  bafc  ber  SSerorbnung  na^ 
getebet  fei;  allein  fie  brachte  unerwartet  wenig  ein  unb  reifte  bei 
weitem  ntdjt  fyin,  um  bie  ©efangenen  }u  befreien.  S)ie  klagen  ax& 
Sllgier  Ijörten  ba^er  nid)t  auf  unb  famen  aud)  ttyeife  birect  in 
^Briefen,  t^eil^  burd)  bie  Slngeljörigen  ber  ©efangenen  an  ba* 
ÜRinifterium.  $>iefe3  manbte  fidj  am  1.  Sanuar  1629  mit  einer 
SSorfteltung  an  bie  ©djonenfaljrer,  fd)ilberte  ben  Häßlichen  3uftanb 
ber  ©efangenen,  „bie  nicfjt  allein  bem  Seibe  nad)  in  äufeerfter 
SErübfeligfeit  unmenfdjlidj  unb  etenber  al3  ba$  33iet)  ttjr  Seben  $u 
bringen  muffen,  fonbern  and)  be$  öffentlichen  ©otteSbienfteS,  c^rtft- 
liefen  Unterrichtet  unb  SrofteS  in  Äranftjeit  unb  SobeSgefafyr  b^ 
raubt  jur  SSerleugnung  if)re3  (£briftentf)um3  graufamblid)  angetrie 
ben  werben,"  unb  iat,  bafe  man  auf  2Kittel  finnen  möge,  bie  Sinnen 
ju  befreien,  $ugteid)  erbot  ftdj  bie  ©djiffergefetlfdjaft,  bie  aller 
btngS  bei  ber  ganjen  @ad)e  am  meiften  beseitigt  mar,  ju  einer 
©rljöfyung  ber  früher  feftgefefeten  Slbgabe,  bajj  nämlidj  bie  93efafcung 
fämmtlidjer  Skiffe  einen  Shilling  von  jeber  Söiarf  ^euer  abgeben 
folle.  2>ie  ©djonenfaljrer  feilten  biefeä  ©rbieten  unb  jene  ©ingabe 
beä  2Jiinifterium£  ber  übrigen  Saufmannfdjaft  mit,  bemerften  iebod) 
fogteid)  babei,  bafe  aud)  eine  fo  erljöljte  Slbgabe  nidjt  Ijinlängtid) 
fein  werbe,  unb  fälligen  üor,  aud)  öon  allen  @d)iffen,  fomoljl  öon 
ben  in  ber  Sßeftfee  ate  öon  ben  in  ber  Oftfee  fa^renben,  eine  Slk 
gäbe  511  ergeben.  2)afe  aud)  bie  in  ber  Oftfee  fafjrenben  mit  einer 
Slbgabe  belegt  werben  füllten,  rechtfertigten  fie  baburd),  bafe  „ifciger 
3eit  33ejd)affenl)eit  nad)  bie  Uuftdjerljeit  ber  Oftfee   nic^t   weniger 


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163 


ju  beforgen,  unb  bcr  §anbcl3mann  nebft  bem  ©djiffSüolf  bergteidjen 

©efaljr  merbe  au£ftel)en  muffen,  ober  barin  leidjt  geraden   fönne," 

and)  mürben  alle  freubig,  meinten  fie,  „fo  eine  geringe  ©teuer  ju 

ber  SJiitbürger,  33tut3freunbe  unb  ©laubenSgenoffen  (Srlebigung,  bie 

gleidjmol  ju  biefer  <S>tatt  unb   bero  93ürgcrfdf)aft,   fonberlid)   i^rer 

.fj>errn,  9iufcen  unb  2öoI)tfart  fid)  gebrauten  taffen   unb   in   foldje 

£eibc&  unb  ber  Seelenvoll)  lommen,"  ^ergeben.     $)a   bie  Äowf» 

mannfdjaft  mit  ben  gemachten  $Borfd)(ägen  einoerftanben  mar,  tra= 

ten  junädjft  am  21.  gtbruar  bie  ©d)onenfaljrer=  unb  SBergenfafjrer* 

Slelteften  jufammen,  trafen  einige  genauere  S3eftimmungen  über  bie 

SDiittel,  bie  ©efangenen  31t  befreien,  unb  bie  Slrt,  mie  biefe  Befreiung 

erfolgen  fotte,  unb  befdjloffen,  ben  ©enat  um  ^öeftätigung  ber  oou 

ttjnen  gefaxten  33efd)(üffe  gu  erfudjen.     2)er   Watt)  beauftragte  bie 

sperren  ber  2Bette,  fid)  mit  ben  Steuerleuten  unb  gradjtfyerren  ber 

<Sd)onen»,  Sftomgorob»,  Sergen»,  9tiga*,   £otm=  unb  ©panienfaljrer 

ju  Dergleichen,  „mte  biefer  ©tabt  ©d)iffe,  ©üter  unb  feefaljrenbeä 

SJolf  ju  bem  gebauten  ^mde  of)ne  grofce  33efdjmerbe  befegt  mer* 

ben  fönnten."  ©e^r  balb  mürbe  man  habet  über  folgenbe  Sßunfte  einig: 

1.    $)aJ3  Ijinfül)ro  t>on  allen  ©djiffen,  fo  burd)  ben  Orfunbt 

ober  Seit  entmeber  nad)  Sßortugall,  Spanien,  Italien,   graut 

reief)  ober  anbern  bergteidjen  Ccrtern  öon  Rinnen  fegein,  erftlid) 

ber  ©djiffer  für  jebe  Saft  @ut,  e£  fei  mag  e3  motle,  2  (J,  oon 

©tütf*©ütern  aber,  mie   bie  Flamen  fjaben  mögen,  nad)    beren 

2Bertl)  öou  jeber  ^unbert  3Jiarf  and)  2  %  oon  ^oljmaaren  nad) 

©röfce  be3  ©d)iff3  für  jebe  Saft  2  |8;  bann  öon  benen  ©Riffen, 

fo  nad)  §oÜanb,  Sngellanbt,  ©djottlanb,  ©eelanb  in  gtanbern, 

nad)  Sergen  in  Siormegen,  Hamburg,  ^Bremen  ober  mo  bergteidjen 

Derter  unb   ^ßfä^e   Stauten   Ijaben   mögen,   feiner   attöbefdjeiben, 

laufen,   ber  ©djiffer  für  eine  jebe  Saft  ©uteS,   e3   fei   ma£   e3 

moile,  ©inen  Shilling,  unb  öon  allen  ©tüdgütern   nad)   beren 

SEBertlj  für  jebe  100  ?#//  1  ß,  oon  ^olsmaaren  aber  nad)  ©röfce 

be3  ©djiffs  für  jebe  Saft  1  #  geben  unb  entrichten  foH.     SSon 

ben  ©ütern  in  ber  Oftfee  foll  für  eine  jebe  Saft  6  &,  oon  ©tuet 

gutem  nad)  beren  Sßrete  für  jebe  100  n$  6  ^fc,  unb  oon  £o(j- 

loaaren  nad)  ©röjse  bes  @d)iff3  für  jebe  Saft  6  ,&   erlegt   mer* 

ben.      ®eft    foDen   bie   ©Ziffer,   fo   nad)   Portugal,  $i$panten, 

Stalten,  Qrranfoetd)  unb   bergtetdjen  Dertern   laufen,  oon  jeber 

11* 


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104 


3Karf  ifyrer  $euer  2  fl,  bie  ©Ziffer  aber,  fo  in  ber  9torb*  unb 
Oftfee  fegein,  t>on  jeber  SRorf  iljrer  $euer  1  fJ,  unb  ifyr  gc^euer^ 
te$  ©djipoolf  ljalb  fo  tuet  tton  ifyrer  §euer  entrichten,  meldte* 
fomot(l  öon  ber  §in«  als  ^enwteber « Sieijfe  abgetragen  roerben, 
unb  alle  ©djiffe,  fo  aud)  an  frembe  Oerter  befrachtet  unb  öon 
bar  ablaufen,  barin  begriffen  fein  foHen. 

2.  $)ie  ©innafyne  fotdjer  ©etber-  befangenbe  follen  oon 
benen  pro  tempore  toerorbneten  §t3panifd)en  Qfradjtljerren  unb 
JBorfteljern  ber  ftaufmannSbröge  jeberjeit  jroeen  unb  oon  ben 
©d)tffer*Stelterleuten  einer  alle  äBerfeltage  auf  ber  IriSpanifctyen 
3ulag3bube  be3  9Korgen3  öon  9  bi§  10  Uljr  unb  be$  9tad>mit 
tag$  öon  2  bis  3  Uljr  aufwarten  unb  bie  ©ebüljrnife  forooljl 
öon  ben  ©ütern  als  öon  ben  ©Ziffern  unb  beren  SJolf  butd) 
bie  ©Ziffer  (meldjeS  ein  jeber,  et)e  er  au3  bem  Saum  leget  unb 
feinen  Sßafcäettel  erlanget,  aUba  einzubringen  foll  fdjulbig  fein) 
empfangen,  baöon  richtige  SRedjnung  galten,  unb  in  ben  adjt  %a- 
gen  nad)  ber  ®röge  Segnung  jebeä  3af)re3  in  Seifein  ber  üep 
orbneten  beiben  jüngften  Statiner™  jur  #ulage  unb  be3  Äauf 
mannS  unb  ber  ©Ziffer  *  Steuerleute  (beren  au3  jebem  fiollegio 
einer  neben  bem  älteften  §t3|>amfd}en  3frad)tt(errn  unb  älteften 
SSorfte^er  ber  ÄaufmannSbröge  bei  Sßoen  eines  9ieid)3tf)alet3  für 
bie  Sinnen  ju  erfdjetnen  fcf)utbig)  richtige  Stedjnung  tljun  fotten 
unb  ju  bero  SBeljuf  eine  üabe  verfertigen  laffen,  barinnen  bie 
©innafyme*  unb  SluSgabebüdjer  unb  SRedjnungen  öermaljret  merben 
fönnen,  unb  foHen  bie  pro  tempore  ältefte  IriSpanifdje  3rrad}t 
ljerren  fambt  bem  älteften  Sorfteljer  ber  ÄaufmannSbröge  barju 
einen  ©djlüffel,  ben  anbem  bie  Slelteften  ©djonenfafyrer,  ben 
britten  bie  ©djiffeoSlelterleute  tyaben. 

3.  ©ollen  ber  ©djiffer*2letterleute  ber  jefct  in  Jürfetj  noch 
©efangenen  Flamen  unb  3unal)men,  mann  fie  genommen  roorben, 
mit  mem  fie  gefegelt,  mie  fie  fidj  Debatten  unb  anbete  Unit 
ftänbe  fdjriftlidj  übergeben,  unb  mann  fjiernedjft,  bafc  bod>  ©ott 
in  ©naben  vergüte,  ©djiffe  foHten  genommen  werben,  e$  eben 
mäftig  atfo  galten  unb  batton  eine  richtige  33erjeid)mJ3  auätyinbi 
gen,  bamit  burd)  einbettigen  (SonfenS  aller  ju  ber  Sledjnung  2c 
putirten,  bie  fid>  gerinnen  allerbingS  nad)  obgefefeter  Crbnung 
rieten  f ollen,  unter  benen,  fo  fidj  mo^l  unb  übel  Debatten,  ein 


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165 


Unterfdfjieb  gemocht,  unb  biejenigen,  fo  am  tengften  gefangen  ge* 
loefen,  allemal,  ba  fte  e3  roürbig,  audf)  juerft  erlebiget  unb  barm 
einige  ©unft  ober  greunbfcfyaft  nid)t  angefeljen  werben  möge, 
hierunter  foQen  mit  begriffen  fein  alle  biejenigen  ©Ziffer,  fo 
naef}  ber  SRorbfcc,  aU  gtanfreief},  ©ngtanb,  §ol!anb,  ©eelanb, 
glanbern,  Sergen  ober  mie  bie  9tamen  Ijaben  mögen,  fegeln  unb 
über  SBerfyoffen  (meines  ©ott  öerljüte)  öon  ben  Xürdfen 
genommen  mürben,  foHen  biefer  Belage  geniefeen  unb  baöon 
gelöfet  merben.  ©ie  foHen  aber  ©tütfe  ju  führen  nid)t  t>er> 
bunben  fein. 

4.  ®a  leine  bittet  borljanben,  auf  einmal  alle  ober  inet, 
fo  auf  einem  ©djiffe  gefangen  morben,  ju  löfen,  auf  folgen  gall 
foK  barumb  getofet  unb  meme  ba3  Soo3  ber  Drbnung  nad)  ju» 
fällt,  berfelbe  angejeic^net,  and)  fobalb  ©elb  einfömbt,  foldfjer 
Orbnung  nad)  gerabe  gelöfet  toerben,  unb  foH  barju  allerförber* 
titfjft  ein  gactor  beftellet  unb  öerorbnet  merben. 

5.  SBofeme  bei  ber  ©efangenen  Qrreunben  unb  SSermanbten 
einiger  SSorratf)  an  ©elbe  noc^  öorfyanben,  fo  ifjnen  jufommen 
ober  fünftig  in  Qtit  mätjrenber  ©efängnift  ober  audf)  innerhalb 
3af)re3frift  nadf)  i^rer  örlebigung  an  ©ie  erbttcf)  fallen  möchte, 
folcfjeä  foll  audj  ju  ber  erlebigung  beigebracht  unb  mit  gebraudljet 
roerben,  unb  foHen  biejenigen,  fo  33ermögen3  unb  fiel)  fetbft  löfen 
fönnen,  tum  biefer  Äodecten  ein  metyrerS  ntrfjt,  benn  ein  SJier* 
ttjtxl  tfjrer  SRanjion  ju  genießen  unb  ju  ermarten  ^aben.  @3 
follen  aud)  bie  ©Ziffer,  fo  ftdf)  gegen  ben  greinb  toof)l  Debatten 
unb  über  ba3  genommen  merben  motten,  ju  itjrer  erlebigung  ein 
2)rittentl)eil  ju  genießen  l)aben. 

6.  2)amit  and)  ber  ©djabe  nidjt  über^euffet  unb  ju  grofc 
toerbe,  ift  für  gutl)  angefeljen,  feine  ©djiffe  ungemontiret  nad) 
Sßortugall,  ^Spanien,  Stauen  unb  anbere  bcrgletcfjcn  gefährliche 
Derter  laufen  Jollen,  fie  Ijaben  bann  jum  menigfien  fed)$  ©ottetinge 
auf  it)ren  ©Riffen;  ba  aber  über  SBerljoffen  foldjeS  gefdjelje,  fjeim* 
lid)  ober  öffentlich,  biefelbe  fo  e£  ttjun,  f ollen  biefeä  95eneficii 
öerluftig  unb  barinnen  nid)t  begriffen  fein. 

7.  ©o  ift  and)  uor  gutl)  angefefjen,  bafc  t(tnfül)ro,  fo  lange 
foldje  ©efaljr  mähret,  gemontirte  ©djiffe  bei  glotten  unb  Sßar* 
tfyeljen  abfahren  unb  fegeln,  Slbmirafebriefe  aufridf)ten,  firf)   auf 


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zedby  G00gk 


166 

ben  SRotfyfall  gegen  ben  $einb  fefcen,  ©djiff  unb  @ut  befeitbtren 
unb  fafoiren  follen,  unb  fo  über  ^8er^offen  einer  ober  meljr,  e» 
fei  ©d)iffer,  Steuermann,  33ot3mann  ober  anbere  Dffictr  befun^ 
ben  würben,  ber  firf)  befefal^  uid)t  gebüfjrtid)  Debatten,  fonbern 
miber  ben  9lbmira(3brief  gefyanbelt,  ber  ober  biefelben  füllen  nidjt 
allein  be3  hierin  begriffenen  Seneficii  toertuftig  fetyn,  fonbern  audj 
bor  uneljrürf)  geachtet  unb  öon  benen  Sntereffenten,  Gebern  unb 
(Schiffern,  fo  baburrf)  Schaben  erlitten,  mit  9ted)te  öerfotget,  unb 
öon  @inem  ©urbaren  $latt)t  naä)  geftatten  ©adjen  mit  nrittfülp 
tiefer  ©träfe  beleget  werben. 

8.     Unb  roeü  ber  Äauffmann  av&  mitleibentidjent  4?erfcen 

unb  ®emüt()e  firf)  megen  ber  ©djiffer  unb  feefaljrenbeS  ©dnff£ 

tiolU  belegen  ju  laffen  geneigt,  at£  motten   fid)   aud)   Ijinferner 

ber  ©rfjiffer  SCeltcrleutc  für  fid)  unb  i^re  SRadjfotger   über    bie 

©ee*9iedjte  unb  motjfoerfafete  §änfeefdje  ©djiffSorbnungen,  fonber= 

lid)  in  ber  Anno  1614  beim  4tcn  Jitul  unb   1   SKrtifel  beffen 

-SnljaUä:  bafj  fein  ©d)iff»üolf  oljne  pasport  angenommen  werben 

fott,  ju  galten  unb  fidj  in  allen  barnad)  ju  richten,  hiermit  Der 

binbtid)  gemalt  Ijaben. 

®iefe  fünfte  mürben  Jämmt(id)  Dom  ©enate  beftätigt  unb  ju> 

glcirf)    öon    bemfetben   beftimmt,   baft   „jur  auffielt,   Srinnenmg, 

Sjecution  unb  33eförberung  be3  ganjen  2Serf3  bie  5ur  SSette  oer= 

orbneten   9?atl)3ljerrn   beftänbiglid)   öerorbnet   fein"    f outen.     2)ies 

gefdjaf)  ben  8.  9Kai  1629,*)  melier  lag  batjer  als  ber  Stiftung^ 

tag  be3  Snftttutö  an^ufe^en  ift.     3)ie  freiwillige  Stiftung  gereicht 

ben  Stiftern,  ben  Äaufteuten  unb  Schiffern,  jur  (Sfjre,  umfometjr, 

ba  fie  in  einer  3eit  ber  93ebrängnif$  gefrfjal).     ©ie  fällt  in  bie  S^ 

be3  breifeigjätyrigen  Äriegeä,  unb  e$  tjatte  furj  Dörfer  eine  boppelte 

neue  ©teuer  übernommen  merben  muffen,  eine  jur  3öet)rl)aftmad)ung 

ber  ©tabt>  eine  jmeite  jur  unerfäftfid)  gemorbenen  9tu£tiefung  ber 

Xraöe.     SDarauS,   baft  man   bie   öon   Sorfarcn   in   ©efangenfcfyaft 

®efd)(eppten  Sdjtaöen  nannte  unb  auä)  je&t  mieber  einen  bejonbe* 

reu  ftaften  für  bie  ©innaljme  be3  ©elbeS  beftimmte,  erflärt  fid)  ber 


*)  ^ternad)  ift  bie  unttare  ?tnfü^rung  ber  Skrorbmmg  bei  Treuer,  (*in 
leitunö  in  bie  £üb.  Skrorbnungen,  ©.  452  9to.  XVII  ju  berichtigen,  lieber 
eine  $crorbnung  öon  1614  ift  9lidjt3  51t  finben. 


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167 


urfprüngticfje  SWame  ©djta&entajten,  melier  fpäter  nad)  unb   nad) 
in  ©ttaöentaffe  übergegangen  tft. 

Sm  1.  Stuguft  beffelben  SaljreS  rourbe  mit  (Srfjebung  ber  ©et* 
ber  angefangen.  3)a£  näci^ftc  unb  mid)tigfte  ©efdjäft  mar  nun  aber, 
bie  SRamen  unb  bie  näheren  33erl)ältniffe  ber  in  Sllgter  (befangenen 
auSjumitteln,  unb  e3  mürbe  befcl)loffen  (nad)  §  3  ber  Stiftung^ 
urtunbe),  einen  förmlichen  SBeridfjt  anfertigen  ju  taffen  unb  barin 
mögtidjft  genau  anjugeben,  mer  bie  ©efangenen  feien,  mit  mem  fie 
gefegelt  unb  mie  fie  ftd)  bei  tfjuen  unb  bei  Stnbern  Debatten,  mann 
fie  genommen,  Satyr  unb  Jag,  mie  alt  fie  feien,  ob  fie  nocf)  SSater 
unb  2Rutter  ober  Qfreunbe  Ratten,  ob  ©rbgut  an  fie  gefallen  ober 
ob  nodj  6tma§  5U  öermutljen  fei,  mo  fie  ju  £aufe  gehören,  ob  e§ 
Sübfdje  Sinber  ober  ftxtmbt  feien,  ob  aud)  ©etb  ju  itjrer  (Srtöfung 
gefammelt  ober  gegeben  morben  ober  nod)  3emanb  ju  geben  gemeint 
fei,  nrie  Ijod)  fie  öertauft  unb  mofür  fte  fönnten  gelöfet  merben,  ob 
aud)  Semanb  öon  ben  ©efangenen  geftorben  ober  türtifdf)  gemorben. 
@3  täfct  fid)  (eidjt  einfe^en,  bajj  ein  fotdjer  ©eridfjt  eine  feljr  fc^mie-- 
rige  unb  nur  tangfam  ju  befdjaffenbe  Slrbeit  mar.  ©rft  nadf)  jmei 
3at}ren,  ben  17.  October  1631,  tonnte  er  übergeben  merben,  unb 
e3  ergab  fidf)  nun,  bafc  feit  1615,  atfo  feit  16  Sauren,  22  ©d)iffe 
üon  ben  Äorfaren  genommen  feien,  nämlid)  1615  1,  1618  1,  1620 
2,  1621  5,  1622  4,  1623  1,  1624  1,  1626  3,  1627  1,  1628  2, 
1621)  1,  unb  bafc  öon  ben  Sefagungen  berfelben  nod)  84  Sßerfonen 
in  ber  ©efangenfcfyaft  fdjmadfjteten.  S)iefe  überrafdjenb  grojje  Qaty 
jcigt,  mie  bringenb  notljmenbig  e3  mar,  bajj  man  Stnftalten  traf,  fie 
^u  befreien.  3Son  ben  ©efangenen  maren  4,  mie  e$  Reifet,  türtifdf) 
gemorben,  bon  SSielen  Ratten  nur  feljr  unfid)ere  9?adjridf)ten  etngejo* 
gen  merben  tonnen.  3n  mie  turjer  3^it  nun  bie  80,  metdfje  ber 
93erirf}t  als  ju  Söefreienbe  aufgab,  mirtfidf)  befreit  morben  feien,  ju 
roeldjem  greife  unb  mit  metdjen  Mitteln,  (äftt  fid)  nidjt  angeben. 
35afi  bie  ©flabentaffe  allein  ifyre  Befreiung  nidjt  bemirten  tonnte, 
liegt  am  Jage,  baju  reiften  iljre  Sräfte  bei  roeitem  ntd^t  t)in,  fie 
tonnte  nur  eine  Seifteuer  geben  unb  Sammlungen  mußten  ba3 
ilebrige  Ijerbeifdjaffen.  ©o  mar  e3  nod)  länger  a(3  tjunbert  Saljre 
©ebraucf),  unb  menn  man  ben  mitbtfyätigcn  ©inn  unferer  SBorfafjren 
6ebentt,  bon  bcm  mir  ja  fo  biete  83emeife  l)aben,  fo  mirb  man 
leidet  bie  Ueberjeugung  geminnen,  ba%  menn  aud)  bie  Sammlungen 


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168 

in  bcr  testen  Qtit  weniger  ergiebig  gemefen  maren,  fie  bodj  tum 
neuem  retdjttdj  mürben,  ba  angefeljene  äftänner  fid)  bafür  üermen* 
beten  unb  bie  Sftott)  öffentlich  jur  Spraye  tarn,  ©ine  befonbere 
©djmierigfeit  bei  ber  s2lu3(öfung  lag  nod)  in  ber  meiten  Sntfer* 
mmg,  meldje  e3  nötfyig  madjte,  fid)  immer  frember  §anblung§l)äufer 
ju  bebienen,  unb  bieCleidjt  and)  in  ber  Unrebtidjfeit  ber  türftfdjen 
|>erren.  (SS  fdjeint  menigftenS,  baß  biefe  btämeilen  ifjre  ©flauen 
fetbft  bann  nod)  nid)t  freiließen,  menn  fie  Söfegetb  für  biefelbcn 
empfangen  Ijaiten.  äftan  barf  bteö  mol)t  tfyeilS  barauS  fließen, 
baß  fet)r  Ijäufig  ^Beiträge  jugefi^ert  merben  mit  ber  33emerfung, 
menn  ber  ©djlame  mirflidj  auf  ber  Sljriftenfeite  angelommen  fei, 
tfjeite  barauS,  baß  bie  ©flaöenfaffe  im  3af)r  1650  befdjtoß,  einen 
eignen  Sommifjair  nad)  Algier  ju  fenben,  bamit  bie  Befreiung  ber 
armen  ©efangenen  befto  gefcfjminber  unb  gemiffer  erfolgen  möchte. 
©3  maren  üon  ben  berfd)iebenen  Kollegien  eigne  Seputirte  ermaljlt 
morben,  um  über  biefe  <&ad)t  ju  beraten,  unb  bem  gemähten  ßom^ 
miffair,  $an3  ©djartau,  mürbe  aufgetragen,  fid)  in  f)öd)fter  ©eljeime 
unb  nad)  beftem  Sßerftanbe  ju  bemühen,  baß  bie  armen  gefangenen 
©d)tamen  t»ermittctft  einer  gemiffen  9tanjion  ober  ööfegetb  bon 
ifyrer  garten  Sienftbarfeit  möchten  erlöfet  unb  befreiet  merben. 
150  bis  200  ©tüd  oon  Sldjten  mürben  ifym  als  9iorma(fumuie 
für  ben  Stnjelnen  beftimmt,  aber  e§  mirb  aud)  Ijier  auSbrücflidj 
bemerft,  baß  ba$  ©elb  begaljtt  merben  falle,  menn  bie  ©efangenen 
in  Öiüomo  mürben  angefommen  fein.  3f)m  fetbft  mürben  monatlich 
36  ©tücf  öon  Sitten  unb,  menn  er  fein  ©efdjäft  gtüdlid)  unb 
Jd)feunig  üollenbet  fyabz,  fo  oiel  ©elb  jugefidjert,  ate  ju  einem  etjr* 
tiefen  ftletbe  öonnötljen  fei,  iljm  and)  berfprodjen,  baß,  menn  er 
fetbft  ba3  Ungtütf  Ijaben  follte,  in  ©efangenfdjaft  ju  geraten,  bie 
©Kaöeucaffe  ifjn  fogleid)  au§  i^reu  eignen  SDtitteln  befreien  molle. 
§an$  ©djartau  öerfprad)  bagegen,  fid)  alterförberfamft  über  £mm* 
bürg  ober  Slinfterbam  nad)  9ügier  ju  begeben,  fid)  bort  ju  ertunbi* 
gen,  mie  lange  ein  Seber  fdjon  in  ber  ©efaugenfdjaft  gemefen  fei, 
unb  fie  bann  ber  SReilje  nad)  auSjulöfen. 

•ftadjbem  nun  auf  biefe  Söeife  t>ermutf)lid)  fämmtlidje  in  Algier 
bcfinbticljen  üübeder  befreit  maren,  Derminberteu  fid)  bie  ?lnfprüd)e 
au  bie  ©flaöenfaffe.  öS  mürben  mofyt  nod)  üBeifteuertt  für  (Stilreine 
gegeben,  unb  nidjt  blo£  für  §iefige,  fonbem  aud)  für  gfrembe,  na» 


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169 


mentltdj  für  Hamburger,  fomie  and)  für  |)iefige  außerhalb  SanbeS 
gefammelt  mürbe,  aber  bie  Slnjaf)!  ber  £ütfcfucf)enben  nmrbe  boct) 
geringer,  moju  t)ictletcf)t  aud)  ba3  mefcntlid)  beitrug,  baft  bamatS 
fdjon  bie  ©djiffaljrt  nad)  ben  füblidjen  §äfen  geringer  mar,  aU  ju 
Stnfange  beffetbeu  unb  ju  (Snbe  be$  bongen  3aljrl)unbert3.  SDie 
©ffaöenfaffe  gelangte  batjer  nad)  unb  nad)  ju  einigem  ftapital. 
(Slje  man  anfing,  bieg  jinSbar  in  ©runbftücfen  ju  belegen,  biente 
e3  fyäufig,  um  beut  öffentlichen  Slerar  atö  temporären  ©etbbertegen* 
Reiten  ju  Reifen,  ©o  mürben  3.  93.  fdjon  1666  ber  ©tabt*Saffe 
1)000  wji  geliehen,  1671  3000  rr$,  1680  3000  tf#  jur  Seja^ 
lung  ber  Süneburgifdjen  ©eiber,  1682  4000  n$l  jur  5>eclinirung 
ber  jüngft  angefangenen  ©tecfni^örafft,  1683  10500  ##  jur 
tfyeilmeifen  S3ejal)tung  einer  Stnmeifung,  bie  ber  Sönig  öon  $)äne= 
mar!  einem  Kaufmann  9lnbrea3  feinen  an%  ©uf)l  auf  bie  Stabt 
gegeben  tyatte.  Sotdje  2lnleit)en  lommen  aud)  fpäter  nod)  öfter 
oor.  Sie  mürben  mefyrentfyeilS  fdjnell  jurücfgejaljtt  unb  behalt 
and)  feine  Qitftn  berechnet.  916er  bie  SBieberbejaljlung  ber  brei 
julefet  genannten  Summen  fcerjögerte  fid)  öon  3aljr  ju  Safyr.  3ll£ 
baljer  ber  Siatf)  im  Saljre  1704  abermals  4000  •§>  ju  Ijaben 
müufd)te  jum  ?tnfauf  einer  ^artfjei  SKIjeinmeinS,  madjte  bie  ©Haben» 
faffe  ©djmierigf  eiten ;  fie  bat  junädjft  um  einen  förmlichen  ©djulb* 
brief  über  bie  julefet  augetietjenen  1 7  500  mfl  unb  erbot  ftd),  menu 
biefer  SBunfd)  erfüllt  fei,  20  bi§  30000  m$Z  üorjuftrecfen,  aber  nid)t 
um  bamit  2Sein,  fonberu  um  bamit  Saffabriefe  aujufaufen,  ba  man 
gemifc  für  biefe  Summe  Safjabriefe  bis  jum  belauf  öon  50000  mft 
l)aben  fönne.  Stber  für  biefe  ©eiber  follten  bie  fämmtlicfyen  jmölf 
bürgerlichen  Kollegien  iljre  *<panb  fefcen,  mie  t>or  menig  Sauren  bei 
Sinterung  ber  100000  w#  gefdjeljen  fei,  fo  «§err  Stomas  Stoben* 
ijagen  fyergefdjoffen,  unb  bie  ©tabtlaffe  fottte  berfprecf)en,  nebft  rid)= 
tiger  ^in^afjfung  t>on  3  pct.  iätjrlid)  10  000  mfl.  abjutragen;  menn 
bann  baS  Kapital  tu  brei  Sauren  jurücfgejablt  fei,  lönne  eS  immer 
roieber  ju  bemfelben  Qxot&t  angeliefjen  merben.  35er  dlaif)  na^m 
biefen  SSorfdjlag  an  unb  trug  ben  Ferren  beS  28einfeHer3  auf,  an- 
bermeitig  ®elb  beibringen. 

3n  ber  gotge  aber  ftngeu  bie  $al)luugen,  meldte  bie  (Sinnaljme 
ber  ©ffaöenfaffe  bilbeten,  anf  nidfjt  mefyr  regelmäßig  ju  gefc^e^en, 
unb  nament(id)  l)  orten  bie  in  ber  Dftfee  fafjrcnben  ©d)iffer  entmeber 


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170 

in  #olge  einet  aflmäljtigen  ©emoljnljeit  ober  in  ftotge  eines  JBe* 
fdjtuffc^  öon  ©eiten  ber  SBorfteljer  ber  ©ffaöenfaffe  auf,  iljre  Ab» 
gaben  ju  entrichten.  2)aljer  wanbten  ftdj  bie  commercirenben  Äot» 
legien  nebft  ber  ©cfyiffergefellfcfjaft  im  3al)re  1728  mit  einer  93or= 
fteflung  an  ben  fRat^,  in  melier  fie  jagten,  e3  werbe  itjm  wo^l 
nicfjt  nnbefannt  fein,  bafe  öormal»  georbnet  unb  gebräud)licf)  gerne* 
Jen,  bafc  ©Ziffer  unb  SBotf,  welche  in  ber  2Beft*@ee  gefahren,  öon 
jeber  SOfarl  |>euer  einen  ©djifling  an  ben  ©djlaöenfaften  fjätten 
abgeben  muffen,  bafe  aber  biefe  gnte  Drbnung  einige  3a^re  tjer 
nit^t  beobachtet  unb  bie  fdjutbige  Abgabe  nidjt  geteiftet  fei,  we& 
tyalb  benn  anä)  fdfjon  mehrmals  bei  Ungtücföfällen  bie  $affe  md>t 
im  ©tanbe  gewefen  fei,  mit  jureidjlidien  beitragen  ju  affiftiren. 
Sin  biefe  SorfteÜung  fdjtofj  fid)  bie  93itte,  ber  9tatl)  möge  bod)  bie 
SBerorbnung  unöerjügtidj  an  ber  3**lage,  *n  &er  ©djtffergefeflfdfjaft 
unb  am  SBaum  wieber  afpgiren  laffen  unb  e£  jugleid)  baljin  birigi» 
ren,  bafc  and)  öon  ben  $euergetbern,  bie  in  ber  Oft*  unb  9iorbfee 
öerbient  würben,  eine  tttoa  Ijatb  fo  grofte  Slbgabe  bejaht  werbe, 
weil  borf)  bie  ©cfyiffe  nidjt  immer  in  bemfelben  gatyrmaffer  blieben, 
fonbern  batb  in  ber  Oftfee,  ba(b  in  ber  Sßeftfee  führen,  unb  baljer 
fämmtfidj  in  ben  Qfall  fommen  fönnten,  bie  §ülfe  ber  ©ffaöenfaffe 
in  Stnfarud)  nehmen  ju  muffen.  S)er  ©enat  erlief  bie  gewünfätc 
SSerorbnung  in  S5ctreff  ber  SBeftfeegelber  fogleidj,  in  ©etreff  ber 
Dftfeegelber  einige  Sßodjen  fpäter.  3>er  Sinffufe  biefer  üRafiregel 
auf  bie  (Sinnaljme  ber  ©flaöenfaffe  trat  im  nädjften  3atjre  noö) 
nidf)t,  aber  fcfjon  1730  unb  bann  in  ben  fotgenben  Saljren  öefto 
merf(icf)er  Ijeröor.  S)enn  wäfyreub  1729  nur  1685  w#,  in  früherer 
Seit,  wenigftenS  feit  1704,  faft  immer  weniger,  1711  nur  608  «#, 
1717  nur  573  mfi  eingenommen  würben,  flieg  bie  ©nnaljme  1730 
ptöfctirf}  auf  3768  mjif  ^iett  fidf)  öon  ber  3eit  an  lange  in  ber 
Siegel  auf  berfelben  .§ö§e,  unb  würbe  fpäter  oft  noef)  bebeutenber. 
(Sine  genauere  Äemttnift  öon  ben  33erfjättniffen  ber  ©Haben* 
faffe  unb  bem  Fortgänge  berfelben  täfet  ftct>  erft  öon  bem  3a^re 
1732  an  gewinnen,  ©rft  öon  biefem  Safyre  an  finb  bie  Sßrotofolle 
nod)  öor^anben,  obgleich  nid)t  ganj  öottftftnbig,  e3  fehlen  namenfc 
lid)  bie  3a^re  1737  unb  öon  1746  bte  1749,  ma£  blo§  beStjatb 
Ijier  befonberS  bemerft  wirb,  weil  auef)  in  biefen  Sauren  wieber 
tübecfifdje  ©cfjiffe  öon  ben  Sllgierern  genommen  würben.    $>afj  fdjon 


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171 

früher  Sßrotolotte  geführt  mürben,  geljt  au«  einet  Stnbeutung  be« 
Äaffabucf)«  fjeröor,  meldje«  bom  Satyre  1704  an  borljanben  ift,  unb 
in  metdjem  bei  ©etegenfjeit  einer  ©nnaljme  im  Safyre  1709  auf 
ba«  Sßrotofollbud}  bermiefen  mirb. 

3tot  3at>re  1732  waren  bie  @inrid)tungen  bei  ber  ©Wabenfaffe 
fdjon  fo,  mie  fie  bi«  auf  bie  neuefte  Qtit  geblieben  finb,  unb  alle 
bie  mannigfachen  Stbmeidjungen  bon  ben  früheren  93eftimmungen 
fdjon  in«  Seben  getreten,  oljne  ba%  fid)  angeben  läfet,  ju  melier 
3eit  unb  auf  meiere  SCBcifc  fie  entftanben  fein  mögen.  Die  größere 
9lu«bet)mtng  be«  Snftitut«  Ijatte  and)  bie  Stnftellung  mehrerer 
Beamten  nöttjig  gemacht.  9tnftatt  ber  SSorfte^er  felbft  nahmen  jmei 
©djreiber  bie  ©etber  ein  unb  beforgten  bie  93ud)füt)rung;  SBefucfyer, 
beren  Qatji  fidj  mit  ber  Qtxt  bermeljrte,  faffirten  bie  Renten  ein 
unb  berricfyteten  bie  SBotengefdjäfte.  Die  Selber  mürben  an  ber 
Zulage  erhoben,  ba^er  auef)  bie  ,3ulag«beamten  jugteirf)  im  Dienft 
ber  ©ftabenfaffe  ftanben.  ©ie  mürben  junädjft  in  bie  fogenannte 
Heine  ßabe  gelegt;  ju  beftimmten  Qtxttn,  in  ber  Siegel  alle  Ijalbe 
3a^re,  berfammette  fid)  ba«  ganje  Departement,  jaulte  bie  eingegan* 
gene  ©umme  nadj,  berglid)  fie  mit  ben  Stufgaben  ber  ©rfjreiber  unb 
legte,  fie  in  bie  grofee  Sabe.  ©pater  naljm  ber  ©tfjonenfafjrer* 
Wettermann  fie  ju  fid>,  nadjbem  er  barüber  quitirt  Ijatte.  Die  Slb* 
gäbe  auf  SBaaren  erhielt,  maf)rfd)eintid),  meil  man  gemoljnt  mar, 
ju  bem  bie  .  ©efangenen  in  3llgier  bejcidjnenben  28ort  ©djlaben 
immer  „arm"  Ijinjujufefcen,  unb  jum  llnterfdjieb  bou  ben  anbern 
Slbgaben,  bie  an  ber  Zulage  bejaht  mürben,  ben  tarnen  Slrrnen» 
gelb.  @«  mürbe  jmar  nadj  einem  bon  btn  urfprfinglitfien  93efttm* 
mungen  faft  gänjtid)  abmeidjenben  Jarife  erhoben;  bennod)  ift  fein 
Bmetfet,  bafc  mit  bem  Stauten  Strmengelb  jene  1629  feftgefefcte  3tb* 
gäbe  bejeidjnet  mirb.  Die«  geljt  außer  au«  bem  fdjon  ©efagten 
aud)  nod)  au«  einigen  unberfennbaren  Slefyntidjfeiten  in  ben  Slnfäfcen 
ber  Stbgabe  unb  auefy  nod)  barau«  Ijerbor,  baß  fie  Ijaufig  ©flauen» 
ober  Slrmengelb  genannt  mirb. 

Sn  ben  SBerfammlungen  be«  Departement«  mürbe  über  bie 
SJermenbung  ber  ©eiber  beraten  unb  berftigt;  fie  fanben  jur  Sin* 
faffirung  ber  eingegangenen  Stbgaben  regelmäßig  ©tatt,  außerbem 
fo  oft  e«  nötfyig  mar;  audj  an  ber  SBörfe  mürben  SBefpredjungen 
gehalten.     Sticht  jmei  Senatoren,  mie  urfpriingltd}  beftimmt  mar, 


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172 

fonbern  nur  einer,  beut  biefeS  ©eföäft  befonberS  übertragen  würbe, 
präfibirte  beut  Departement,  metcfjeS  nacf)  ber  urfprünglidjen  Sfeffc 
fefcung  au£  bem  mortfüljrenben  Sleltefteu  ber  ©dfjonenfaljrer,  bem 
älteften  95orfte^er  ber  ©panifcffen  SMecten  unb  einem  Getieften  ber 
©djiff ergcfcüfc^aft  beftaub.  Der  ©cf)onenfaIjrer"3lettermann  mar  ber 
Äaffenfüfyrer,  alfo  berjenige,  bem  bie  Sprung  ber  ®efd)äfte  Ijaupt- 
fädjlid)  oblag.  Säfjrlid)  gefrf)at>  bie  StedjnungSabtage,  aber  oljne 
ba$  Deputate  ber  übrigen  bürgerlichen  Kollegien  babei  gegenwärtig 
gemefen  mären. 

©iner  ber  midjtigften  fünfte  bei  ber  ganzen  SBermattung  be- 
traf bie  SSerficfjerungen  ber  ©cf)iff3mannfdjaften  gegen  Jürfengefaljr. 
Die  Stlgierer  fteigerten  nämlid)  ilijre  g-orberungen  für  bie  ©efange« 
neu  feljr  bebeutenb;  maren  früher  150  bi§  200  ©tücf  bon  Sitten 
eine  Ijinlängtitfje  Stanjion  gemefen,  fo  mürbe  fpäter  ba%  ädjtfadje, 
ja  ba§  Qtijtfaty  geforbert.  Um  nun  nid)t  in  ben  gall  ju  fom= 
men,  baß  burd)  ju  große  äufammentreffenbe  3a^ungen  ba$  93er-- 
mögen  ber  Saffe  ju  fef)r  angegriffen  merbe,  befcf)foffen  bie  SSorfte^er 
im  Safjre  1730,  baß  jur  Söfung  eine§  ©d)iffer3  4000  mgl,  eineä 
Steuermanns  2000  n$ ,  eines  3im^^ntaun§  1500  m}i ,  etne§ 
Sorf)3  1000  rri)/.  unb  jebeS  gemeinen  3Kanne3  800  rnf/.  auSgefefct 
fein  fottten;  ma£  bann  an  ber  SRaujion  nod)  fefjle,  muffe  burd) 
Gollectiren  ^erbetgefdfjafft  mevben.  Daß  bie  Sammlungen  bi£, 
m  eilen  nod)  einträglid)  maren,  ge^t  barauS  fyerbor,  baj3  in  eben 
bem  Saljre  1736  bie  ©flaöenfaffe  4991  t?#  3  f!  einnahm,  meiere 
in  ben  Äirdjen  für  bie  armen  ©flauen  gefammelt  maren.  ®3  muß 
aber  mot)t  eine  befonbere  ©elegenfyeit  biefe  ©ammtungen  beranlaßt 
§aben,  als  regelmäßig  mieberfefyrenbe  (Sinnaljme  finben  fie  fid)  nidjt. 
3m  folgenben  Safjre  gingen  55  n$  ein,  meldje  für  einen  ©teuere 
mann  gefammelt  maren.  Dodj  aud)  fo  bebeutenbe  ©ummen,  aU 
eben  jur  SRanjion  auSgefefet  maren,  mollte  man  ntd)t  risftren  auf 
einmal  bejahen  ju  muffen,  baljer  mürbe  befdjloffen,  für  bie  3Kanm 
fdjaft  jebeS  nad)  Portugal  ober  Stanfreid)  abgeljenben  ©djiffeS  jmei 
Drittel  ber  obigen  ©ummen  ju  ücrfidjem.  9tod)  in  bemfelbeu 
3al)re  aber,  in  meinem  biefe  23efd)tüffe  gefaßt  unb  efye  fie  au&je* 
füljrt  maren,  geriet^  ber  ©djiffer  3ol).  |>einr.  23ufd)arbt  mit  feiner 
ganzen  Sefafcung  in  Sllgicrifdje  ©efangcnfdjaft.  Da  fiegte  ba3 
2Rttleib  unb  ba3  SöiHigfeitögefitfjl  über  ©parfamfeit  unb  ©orge  für 


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173 


bie  3ufunft  bcr  Shffe;  „meil  bic  nnnen  3Kenfdjen  fo  ftefyenttid) 
um  t^rc  Befreiung  baten,"  befdjfoffen  bie  «öorftefjer,  in  Srmägung 
beg  großen  Ungtütfg  bie  gange  bagu  nötige  ©umme  tjergugeben, 
bie  fid)  auf  ca.  21  700  m$  betief.  Stber  eg  marb  augbrüdlid)  bc= 
merft,  bag  fönne  nur  für  bag  eine  50fal  gefdjefjen,  unb  im  folgen* 
ben  Saljrc,  alg  mieber  ein  Schiffer,  $ot).  fmbemor,  auggulöfcn  mar, 
blieben  bie  $orftel)er  bei  iljrcn  iöefdjtüffen  unb  gaben  nur  ca. 
1 1  000  my.  fyer.  ©oldje  Vorfälle  geigten  bie  SKüfelidjfeit  bcr  Ser* 
fid)emngen.  Qtvax  mürben  nirf)t  alle  ©djiffe  tierfidjert,  mag  fdjon 
begljalb  nidjt  gefdjelijen  fonnte,  mcil  man  bie  Steifen  berfelben  nid)t 
immer  fannte,  unb  bie  Webereien,  metdje  btgmetlen  fclbft  berfidjer; 
ten  unb  bie  auggegebenen  Summen  bann  vergütet  erhielten,  eg  nid)t 
immer  für  nötfjig  achteten,  bie  Steifen  ilijrer  ©djiffe  angugeigen.  9üid) 
ging  man  balb  bon  ber  Seftimmung  abf  bie  nad)  granfreidj  geljen* 
ben  ©d)iffe  gu  berfidjern,  unb  berfidjerte  nur  bie  nad)  Spanien  unb 
Portugal  unb  nad)  ben  frangöfifdjen  $öfen  beg  Sftittetmeerg  gef)en= 
ben.  2)ennod)  bilbeten  bie  3$erftd)erungen  t?on  nun  an  eine  beben* 
tenbe  STuggabe,  bie  mot)t  bie  anfänglichen  (Srmartungen  meit  über- 
ftieg,  unb  bie  überbieg  gänglidj  bem  9lu3lanbe  gu  ©ute  !am.  Slu^ 
fangg  mürbe  nämtid)  immer  in  Slmfterbam,  bann  auä)  in  Soubou 
unb  in  Hamburg,  erft  feit  1779  fyier  berfidjert.  Die  Prämie  betnu] 
1  big  1 V«  pct.  Unb  nun  geigte  eg  fid)  gar  1 748  unb  1 750,  ba\) 
man  nidjt  einmal  ben  geljofften  Stufen  üon  biefen  Serfidjernngcu 
fjatte.  3n  biefen  Sauren  mürben  nämlid)  bie  ©djiffer  Xfjomag 
3>of).  SSogbein  unb  äubm.  SBieinfe  öon  ben  Sorfaren  genommen. 
3für  ben  erften  mit  feiner  Sftannfdjaft  maren  8700,  für  ben  le^te* 
9500  f(.  Ijotl.  t>erfid)ert,  bie  Stangiongjummen  aber  betrugen  23  900 
unb  18  335  fl.  tjoll.,  unb  bie  ©fta&enfaffe  faf)  fid)  genötigt,  fie  311 
begasten.  Wü  äKüfye  ermirfte  fie  einen  tfyeilroeifen,  nidjt  bebeutem 
ben  (Srfafc  für  bie  eine  ©umme.  3)er  ©djiffer  sJfteinfe  mar  nämlid) 
and)  toon  ben  Sffjebevn  auf  beren  eigne  Soften  toerfidjert  morben, 
unb  biefe  meigerteu  nun,  nad)bem  er  auggelöft  mar,  bie  ©umme, 
bie  fie  öon  ben  Slffecurabeuren  erhoben  Ratten,  ber  ©flanenfaffe  gu 
übertaffen;  erft  alg  ein  Sßrocefc  barüber  fd)on  anhängig  mar,  öcr= 
ftanben  fie  fid)  oergteidjgmeife  gur  Ballung  öon  1000  w//,  momit 
fiel)  bie  ©tlaöenfaffe  gufrieben  gab. 

2)urd)  biefe  SorfäHe  mürbe  bie  Slufmerffamfeit  abermatg  auf 


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174 


bie  SSerfidjerungeu  fyingelenft,  unb  baä  Departement  manbte  fid) 
1751  mit  ber  anfrage  an  bie  bürgerlichen  Äoüegien,  ob  man  nidjt 
fünftig  größere  Summen  öerficfyern  fotte,  inbem  e3  jugtetd)  oor- 
ftetlte,  bafc  eine  öftere  SBieberljolung  fotrf>er  Ölungen  bie  ©jtftcnj 
ber  ®affe  in  ©efaljr  bringen  würbe,  äugleid)  fam  wieber  in  An- 
rege, ob  bie  ©flabenfaffe  berbuuben  fei,  fo  bebeutenbe  Salbungen 
für  bie  9tu3löfung  ber  befangenen  ju  leiften.  Slud)  barüber  erbat 
ba3  Departement  fid)  bie  Üöieinung  ber  Kollegien.  3ur  83efpred>ung 
über  beibe  fünfte  öerfammetten  ficf>  im  December  1751  bie  äelte* 
ften  ber  Kollegien  unb  faxten  ben  33efd)luJ3,  bafe  man  über  bie 
1736  jur  SRanjionirung  beftimmten  ©ummen  ntcJ^t  mieber  t)inau3= 
geljen  foQe,  in  |>infidE)t  auf  bie  SSerfidfjerungen  aber  ben  SBorfteljern 
ber  ©flabenfaffe  freie  £anb  ju  (äffen  fei,  ob  unb  wie  öiel  fie  öerftdjera 
wollten.  Die  ©djiffergefellfdjaft,  welche  \id)  namentlich  bem  erften 
fünfte  fyeftig  wiberfefcte,  fonnte  mit  tfyrem  SBiberfprudje  nidjt 
burdjbringen.  Die  ©flaöenfaffe  mar  mit  ben  itjr  jugefommenen 
Seftimmungen  ganj  jufrieben,  l)telt  jebod)  bie  SBeftätigung  berfetben 
burdj  ben  SRatlj  für  notfymenbig;  ber  Statt)  forberte  aber,  ef)e  er  fie 
erteilte,  eine  Srflärung  ber  ©djiffergefellfdjaft  barüber.  Unb  nun 
entwitfelte  biefe  in  einer  ausführlichen  (Eingabe  alle  bagegen  fpredjen* 
ben  ©rünbe.  ©te  ftellte  bor,  bie  ©flabenfaffe  fyabz  bie  SSerpflid)» 
tung,  bie  ©efangeneu  auSjulöfen,  fo  lange  nod)  ©elb  öorljanben 
fei,  benn  baju  fei  fie  geftiftet  worben;  fomme  ba£  borgefdjtagene 
SBerfaljren  jur'SluSfüljrung,  fo  mürben  bie  ©efangenen  gar  feine 
Hoffnung  Ijaben,  befreit  ju  werben,  unter  itjren  Söerwanbten  unb 
greunben  würbe  SRurren  unb  Unjufriebenljett,  ja  bietteidjt  ein 
Slufftanb  erregt  werben,  fein  SKenfd)  würbe  me^r  nad)  ben  gefährlichen 
©egenben  fegetn  wollen  unb  ber  Raubet  baburef)  empfinbtidjen 
©d)aben  erteiben.  3ur  Unterftüfcung  ifyrer  Slnfic^ten  reiften  bie 
©djiffer  augteidj  ein  fcon  22  ^anblung^äufern  unterjetd)nete3  @ut* 
achten  ein,  in  wetdfjem  ifyren  ©rünben  ööHig  beigeftimmt  unb  über» 
bieö  angeführt  würbe,  fcfyon  ba$  ©erüd)t  bon  bem  SSor^abcn  ber 
©flaoenfaffe  Ijabe  bie  5otge  gehabt,  bafe  mehrere  ©c^iffe,  bie  Don 
granfreid)  nacJj  ©t.  UbeS  Ratten  fegetn  follen,  mit  SBallaft  nadj 
§aufe  gefommen  wären,  weil  bie  äftannfdjaft  auf  feine  SBeife  ju 
bewegen  gewefen  wäre,  bie  Steife  nad)  Portugal  ju  unternehmen. 
9lad)   biefen  eingaben  becretirte  ber  9tat^,   ba$  bie   ©Kaöenfaffe 


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175 


öerpflidjtet  fei,  jeben  unter  Sübetfifdjer  flagge  fafyrcnbcn  ©eemann 
au^julöfen,  menn  er  gefangen  genommen  merbe,  fo  lange  nod)  öJefb 
öorfyanben  fei. 

©lücflidjer  SBeife  aber  trat  im  Saufe  be3  ganjeu  3at)tl}iinbert3 
ber  galt  nidjt  ein,  bafc  bie3  3)ecret  Ijatte  jur  9lu3fül)rung  fommen 
muffen;  erft  im  Slnfang  be^  gegenwärtigen  3at)rI)uubertS  mürbe 
mieber  ein  £überfifdje§  @d)iff  genommen.  1769  mar  bie  Oiefaljv 
jeljr  bringenb,  ging  aber  glüdlid)  vorüber.  3n  biejem  3af)rc 
fdjmärmten  bie  Giraten  bi3  meit  in  i>a$  atlantifd)c  3Jieer  (jinein 
unb  matten  and)  bie  Reifen  nad)  ben  franjöfifdjeu  £>äfeu  an  ber 
SBeftfüfte  unfidjer.  gür  folc^e  Steifen  mürbe  in  ber  Siegel  nidjt 
üerfidjert;  ba  nun  aber  gerabe  eine  Sftenge  Sübedifdjer  Schiffe,  fo= 
moljt  bon  tjier,  aU  t>on  Hamburg,  Sioftotf  unb  Königsberg  im  S3e= 
griff  maren,  ba^in  abjuge^en,  fd)ien  e3  ber  ©ftaoenfaffe  eben  fo 
mifetid),  bie  ©efangennefymung  eines  ober  mehrerer  berfetben  ju 
risfiren,  als  bie  bebeutenbeu  Prämien,  metd)e  bie  SBcrfidjerung  ge- 
lüftet Ijaben  mürbe,  ju  bejahen.  Um  )\d)  nun  in  feinem  gafle 
einer  $8erantmort(id)feit  megen  eigenmächtigen  SSerfafyrenS  aus-jufe&cn, 
manbten  fid)  bie  SSorfteljer  Jomofyf  an  ben  &tnat  aU  an  bie  Öür= 
gerfdjaft,  unb  baten  um  93erf)altungSrege(n.  916er  fie  erhielten  ben 
33efdjeib,  fie  möchten  tfyun,  ma3  ifyicn  fetbft  i>a$  Stngcmcffenfte 
fdjiene.  ©o  unterblieb  beim  bie  $erfid)erung,  mobitrd),  mie  fdjon 
bemerlt,  gtüdtidjer  Süetfe  fein  Schabe  oerurfadjt  mürbe.  iHud) 
mehrere  anbere  9Jia(e,  aU  bie  @d)iffal)rt  ungemüfyutid)  uufidjer  mar, 
tourbe  fein  fiübedifcfjeS  ©djiff  genommen. 

2)ie  ©flanenfaffe  fonute  baljer  roäljrcnb  eine»  3eitraum3  t»on 
mefjr  afe  50  3al)ren  bie  iljr  juflie^enben  ©innaf)men  sunt  bei  mei* 
tem  größten  Steile  ju  ifyrem  eigenen  SKii^en  oermenben,  unb  gelangte 
balijer  Ijauptfädjfid)  non  biefer  3eit  an  uad)  unb  nad)  ju  fefyr  am 
feljntidjen  Kapitalien.  3)ie  ©inna^me  au3  t>cn  abgaben  fcon  ©d)iff& 
fyeuer  unb  t>on  äBaaren  betrug  gemöfynlid)  4  bi*  5000  mfc  im 
3af)re,  oft  ftieg  fie  fyöfyer  unb  erreichte  in  einjeluen  Sauren  fogar 
9000  rrify.  Slu^gaben  maren  nur  bie  geringen  ©eljalte  ber  33eaim 
ten  unb  bie  Prämien  für  bie  $>erfid)erung  ber  nad;  gefäljrtidjen 
©egenben  I)in  geljenben  ©djiffe,  alles  Uebrige  mürbe  belegt.  2)abei 
öerfu^r  man  mit  großer  Siorfidjt,  fo  baft  mäfyrenb  ber  ganjen  geit 
nur  unbebeutenbe  SJerlüfte  norfamen.     SJon  biefer  SBorfidjt  finbet 


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176 


fidj  fd)on  im  Sct^re  1749  ein  oud)  in  anberer  ©infidjt  intereffanter 
33emei£.  2)a  nämlid)  bamalS  bie  Käufer  }o  fc^r  im  greife  fielen, 
fallen  bie  SBorftcfjcr  fogteidj  bie  Sßüfte  nad),  um  firf)  ju  überzeugen, 
ob  fic  and)  alte  Ijinlänglid)  ficf>er  lägen,  unb  ämölf,  bei  melden 
baS  nid)t  ber  gall  ju  fein  fd>ien,  mürben  geftinbigt.  3ll£  im  Sfafyre 
1705  bie  93ranböerfid)erung3faffe  geftiftet  mürbe,  brangen  bie  93or* 
ftefyer  ber  ©flaöenfaffe  fogleid)  barauf,  bafc  alle  ^öufer,  in  melden 
(Mb  öon  biefer  Saffe  lag,  gegen  geuerSgefaljr  öerfidjert  fein 
mußten.  3n  ©arten  öor  bem  Jfjore  mürbe  nur  fo  öiel  ©elb  ge* 
geben,  als  ber  SBertl)  ber  ©runbftüde  aud)  ofyne  bie  ®ebäube  fieser 
ftellte,  meil  bie  öranbfaffe  feine  öor  ben  Jfyoren  belegenen  ®e* 
bäube  öerfidjerte.  9hir  erfteS  ^ßfanbgelb  ju  geben,  mar  fd)on  fäagft 
übfid)  gemefen,  unb  nur  in  einjetnen  fällen  mürbe  eine  SluSnafjme 
gemacht,  man  fing  aud)  an,  nur  ein  drittel  beS  JajatiouSmertljeS 
auf  ein  £au£  ju  leiten.  3)iefe  leitete  33efttmmung  ging  öon  ben 
SSorftefjern  felbft  auS;  nur  erfteö  ^ßfanbgefb  auSjuteiljen  mürbe  fpäter 
aud}  burdj  ein  9iatl)3becret  öorgefdjrieben.  2)ie  Unterbringung  ber 
©eiber  mürbe  burd)  foldje  33efdjränfungen  freilief)  mit  ber  3cü 
fdjmierig.  grüner  Ratten  immer  Siele  ©elb  öon  ber  ©ftaöenfafjt 
gefugt,  unb  oft  Ratten  berartige  Sßünfdje  unerfüllt  bleiben  muffen, 
aber  e3  melbeten  fid)  immer  meniger  Üeute,  unb  obgleid)  man  fdjon  öfter 
mefjr  als  ein  drittel  beS  $aj;ation3merrt}3  in  §äufem  belegt  fjatte, 
fo  maren  bod)  Sßeitjnadjt  1792  20000  rnfl  baar  in  ber  Saffe,  ju 
benen  fid}  SRiemanb  gemelbet  tyatte.  2)a3  SBermögeu  ber  Saffe  Der« 
mefjrte  fid)  mit  jebem  3al)re  um  ein  öebeuteubeS,  unb  erreidjte 
1798  bie  $5$e  öon  910894  w#  4  f». 

33efonberer  ©egenftanb  ber  3lufmerffamfeit  blieben  fortmä^renb 
bie  SBerfidjerungen.  21(3  1791  ein  ©djtff  im  Sunbe  öerungtüdt 
mar  unb  bie  Slffecurabeure  fid)  meigerten,  bie  Prämie  jurütfjujal)* 
(en,  befd)tof$  bie  ©ftaöenfaffe,  fünftig  feine  Slffeairanj^olicen  anju* 
nehmen  als  mit  ber  auSbrüdlid)  Ijinjugefügten  SBebingung,  bafe  bie 
Sßränue  jurütfgejafytt  merben  muffe,  menn  baS  ©djiff  öerunglütfe, 
tty  eS  ©fagen  im  Äattegatt  paffirt  fyabe.  3m  Saljre  1796  jogen 
bie  SSorfte^er  in  (Srmägung,  bafe  feit  46  Sauren  fein  SübedftfdjeS 
©djiff  öon  Äorfaren  genommen  fei,  alfo  alle  feitbem  bejahten 
Prämien  Ratten  gefpart  merben  fönnen.  ©ie  beregneten  ferner, 
bafi  bie  feit  1765  bejahten  Prämien  unb   bie  Binfen,   bie   burdj 


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177 

SBeteguttg  becfelben  aU  Kapitalien  Rotten  gemonnen  merben  fönnen, 
jufammengelegt  mürben,  fiel)  eine  ©umme  Don  73  000  mfi  ergebe, 
um  meldje  ba3  Kapital  ber  ©flafcenfaffe  bebeutenber  fein  fönnte. 
35a  nun  bie  ©djiffaljrt  bei*  Sübeder  waij  bem  mittellanbifdjen  SKeere 
ganj  aufgehört  ^attc,  aud)  mir  fetten  einmal  ein  ©d)tff  nad)  Äabij 
ober  ©efcilla  abging,  bie  gatjrt  im  aitantifdjen  Ocean  aber  burd) 
franjöfifdje  unb  portugiefifdje  ©djiffe  fjinlänglid)  gefiebert  festen,  fo 
mar  ba3  Departement  ber  SUieinuug,  man  fönne  bie  SBerfidjerungen 
in§  künftige  für  gemöfynlid)  ganj  nntertaffen,  unb  e§  genüge,  etma 
in  einzelnen  befonberä  gefährlichen  Qfällen  ju  berfidjern.  Daju  fam 
nod),  baß  e§  bod)  gebräudjlid)  mar,  unb,  um  bie  ^ßrämienauSgaben 
nidjt  adjufe^r  31t  ertjöljen,  and)  bleiben  mußte,  eine  üiel  geringere 
©umme  jit  ücrfidjew,  als  bie  9Iu£töfung  einer  ©djiffSmannfdjaft 
geloftet  fyaben  mürbe,  bie  ©flabenfaffe  atfo  borf)  im  fjalt  eine£  Un* 
glüdS  einen  großen  3Scrtitft  fyättc  erleiben  muffen.  ©0  fe^r  nun 
aber  bie  SSorftefyer  auef)  öon  ber  SRidjtigfeit  iljrer  $nfid)t  fiberjeugt 
waren,  fo  glaubten  fie  borf)  aud)  biennal,  um  fid)  nid)t  einer  großen 
SBerantmortlid)feit  auSjufefeen,  nid)t  iljrer  eigenen  3Keinung  allein 
folgen  ju  bürfeu,  unb  baten  bafyer  ben  ©enat  um  feine  SBeftätigung. 
Diefer  forberte  jutior  ein  ©utadjten  ber  commercirenben  Kollegien, 
unb  ba  biefe  ba3  Vorhaben  ber  ©ftabenfaffe  burd)au3  mißbilligten, 
becretirte  er,  baß  e3  bei  bem  bisher  üblichen  Verfahren  bleiben 
muffe.  Dabei  mar  e§  beutfid),  ba$  ber  ©enat  bem  SBunfdje  ber 
Kollegien  gefolgt  mar.  Daß  biefe  fid)  burd)  ben  (Sinftuß  einjelner 
i^rer  3){itglieber  Ratten  beftimmen  laffen,  in  bereu  3ntereffe  e$  ge- 
legen, bie  SBerftdjenmgen  beibehalten  ju  feljen,  mar  moljl  bloß  eine 
SScrmut^ung,  bie  bamate  öon  ©inigen  gehegt  mürbe. 

Da  nun  ba3  Vermögen  ber  ©ffaöenfaffe  fo  bebeutenb  mud)3, 
fo  mar  e£  äiemfid)  natürtid),  baß  man  e£  aud)  für  anbermeitige 
©taat^mede,  mo  mau  um  (Selbmittel  in  Verlegenheit  mar,  in  ?tn* 
fpruef)  nafym,  unb  bie  Vorftefjer  ließen  ftd)  baju  ani)  bereitmillig 
finben.  Qutxft  mürbe  auf  ben  Slntrag  ber  bürgerlichen  Kollegien, 
tüiemo^l  unter  anfänglichem  SBiberfprud)  ber  ©djiffergcfellfdjaft,  unb 
in  $olge  eines  beiftimmenben  9iatl)£becret£  1782  befd)loffen,  bem 
SBafferfdjout  fein  jäljrlidjeS  ®el)att  mit  1000  ???fi  au^uja^len. 
Qazu  tarn  feit  1793  aud)  ba3  ©etjalt  be3  Dispacheurs,  metdjeS 
000  m$/i  jäljrlid)  betnig.  Sin  3al)r  1794  übernahm  bie  Kaffe  bie 
3tfd)r.  b.  ».  f.  ü.  @.  IV,  3.  12 


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178 

3alj(uttg  öon  500  SrufaboS  ober  860  mfi  4  f8,  meiere  bem  tyan* 
featifcfyen  ßonfut  in  ßifjabon  al3  ©efc^enf  für  feine  jum  ©eften 
ber  Ijanfeatifdjen  ©tfjiffafyrt  angemanbten  SBemüljungen  gegeben  mer* 
ben  follten.  @&  mar  nämtid)  ju  ©nbc  be3  3at)re3  1793  unter 
©ngtanbä  SSermittelung  ein  Sßaffenftiflftanb  gmifdjen  Portugal  unb 
Algier  auf  ein  3afyr  gefcfyluffeit  morben,  in  Qfotge  beffen  Portugal 
feine  $rieg$fd)iffe  öon  ber  SDieerenge  öon  ©tbraltar  megjog  unb 
ben  Äorfaren  ben  Ccean  öffnete.  3)ie  Slbftdjt  babei  mar,  bem 
franjöfifc^en  §anbel  Slbbrucf)  ju  tljun,  aber  bie  ©efaljr  mürbe  audj 
für  bie  Ijanfeatifdje  ©djiffafyrt  fo  groft,  bajj  bie  Slffecuranjprämien 
t>ier  auf  5  pct.  ftiegen.  2)er  $ßortugiefifcf)e  £of  mürbe  nun  bemo-- 
gen,  audj  für  bie  Ijanfeatifcfyen  ©tfjiffe  ©idjerfjeit  su  forbern,  roorauf 
bie  Prämien  mieber  auf  l1/*  pct.  Ijerabgingen.  gür  feine  erfolg* 
reichen  93emüt>ungen  in  biefer  9lngelegeuljeit  erhielt  ber  Ijanfeatifdje 
©eneralconful  in  ßiffabon  ba$  angegebene  ©efrfjenf.  UebrigenS 
bauerte  aud)  ber  Sßaffenftillftanb  felbft  nid)t  lange.  3n  bemfefben 
3fat)re  1794  machte  bie  @ftat>cnfaffe  bem  ©t.  Sinnen  Ernten*  unb 
2Berfl)aufe  eine  Slnlei^e  t>ou  20  000  n$l  ju  2  7*  pct-,  bie  in  jmei 
Sauren  jurüdgeja^It  merben  füllten,  aber  baju  fam  e£  nidjt.  Sm 
Safjre  1795  mürbe  ber  Äafje  burd)  ein  9tatf)3becret  bie  3$erpflid}= 
tung  auferlegt,  ju  ben  Öebürfmffen  üon  ©t.  Sinnen  jäljrtitf)  3000  mfr 
fyerjugeben.  3)ie  bcrmaligcn  bürgerlichen  SBorfteljer  toermafjrten  ftd) 
jmar  bagegen,  bafc  ber  ©enat  auf  foldje  SBeife  über  ba3  öon  tljncn 
ju  toermaltenbe  Vermögen  üerfüge,  milligten  inbefc  in  S3etrad)t 
be3  roof)trt)ätigen  ^meefeä  in  bie  $aljfung.  <8U  ten  *8ermögen^ 
fteuern,  meiere  feit  1796  mehrmals  angeorbnet  mürben,  um  bie  feljr 
bebeutenben  3al)lungen,  meiere  Sübcrf  fomoljl  jur  Unterhaltung  ber 
bamafä  üon  ^ßrenfccn  aufgehellten  2)emarcationSlinie  af3  jum  9ieid)s* 
friege  gu  leiften  Ijatte,  beftreiten  ju  fönnen,  gab  bie  ©flaöenlaffe 
anfel)nlirf)e  ^Beiträge,  ba£  erfte  3Kal  2000  w?fc,  bie  folgenben  SKale, 
meil  iljr  JBermögeu  burrf)  anbere  ilmftänbe  fefyr  angegriffen  mar, 
meniger.  91oct)  größere  35ienfte  nämlirf)  at£  burrf)  bie  früheren 
3al)lungen  leiftete  bie  ©flaüenfaffc  bem  Staate  in  ben  3afyren 
1798  bis;  1800.  3m  3at)re  1798  forberte  bie  Regierung  ber  fran* 
jjöftfdjen  SRepublif  burdj  ben  f)aufeattfc^en  Agenten  in  Sßari*  öon 
ben  brei  £>anjeftäbten  eine  2lnleit)c  t>on  18  Millionen  Stores,  roo= 
bei  fie  gleid)  fetbft   beftimmte,   bafe   {Bremen   baöon    7    sJKitlioiten, 


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179 

Hamburg  7  SDiillionen  unb  Sübed  4  3Rttli  onen  ^ergeben  follc. 
$)ie  fjurbentng  mürbe  öon  ber  93ürgerfd)aft,  ber  ber  ©enat  fie  mit-- 
t^ettte ,  faft  etnftimmig  entf Rieben  öermeigert,  tljeifö  meil  man 
fürrfjtete,  burd)  eine  foldje  Unterftüfcung  granfreidjS  ben  Unmttten 
ber  Ofetnbe  beffetben  auf  fid)  git  jiefyen,  tfyeifä  meil  burd)  bie  unge» 
teuren  ^Beiträge  ju  ben  Soften  ber  3)emarcation3tinie  unb  burd)  bte 
ebenfalls  gewaltigen  3ö¥^ngen  an  Äaifer  unb  fRcicf)  bte  Äräfte 
ber  ©tabt  fo  feljr  erfc^öpft  maren,  bafe  man  fd)on  beabfidjtigte,  bei 
bem  Äaifer  unt  eine  ^erabfefcung  ber  ©eiträge  einjufommen,  metdjeS 
©efnd)  aber  notfymenbig  abgefdjlagen  merben  mufete,  menn  Sübetf 
grofce  ©ummen  an  $ranfreid)  gab.  9lud)  fdjien  e§,  wenn  einmal 
grofce  Dpfer  gebraut  merben  follten,  bod)  natürlicher,  fie  bem  2)eut* 
fdjen  93aterlanbe,  als  ben  $einben  beffetben  ju  bringen.  2Bar  e3 
nun  allerbingS  and)  mifilid),  ber  franjöfifc^en  9tegierung  ju  mifr 
.  fallen,  fo  freien  e$  in  Setradjt  aller  Umftänbe  bod)  ba$  SBefte,  bie§ 
SKiftfallcn  ju  erregen,  ju  gewärtigen,  baft  ba3  in  ftxauhcid)  beftnb* 
lidje  lübedijdjc  ©igeutfjum  in  ©efdjlag  genommen  mürbe,  unb  bie 
95ürger,  bie  babei  berlören,  ju  entfdjäbigen.  3lber  bie  franjöfifc^e 
SRegierung  naljm  bie  abtefjnenbe  Stntmort,  meldje  ber  ©enat  nun 
mit  ber  93ürgerfdjaft  oötlig  übereinftimmenb  erteilte,  gar  nid)t  an; 
ber  SJiinifter  $aflet)ranb  [teilte  trielmetjr  ba3  be^fallfige  ©djreiben 
bem  fyanfcatifdjen  Slgenten  ungelefen  unb  mit  ben  tjeftigften  ©roljun* 
gen  begleitet  jurücf,  mieberfjotte  feine  gorberunj  unb  verlangte  bin* 
neu  fürjefter  $eit  Slntmort.  3)a  nun  Hamburg  ftd)  fdjon  ba^in 
entf  Rieben  fyattc,  menigftenS  einen  I^eit  ber  geforberten  ©umme 
unb  jmar  ate  ®efd)enf  fjerjugeben,  unb  öon  SBremen  baffetbe  ju 
ermarten  mar,  fo  glaubte  Sübecf  ftd)  ntc^t  auSfdjltefcen  gu  fönnen, 
unb  e§  marb  befd)l  offen,  ber  franjöftfcfyen  ^Regierung  leine  Stnteilje, 
aber  ein  ©efdjenf  Don  500000  n?ft  ju  madjen.  $)abon  mürben 
benn  400  000  m$  aus  ben  Äapitatieu  ber  ©ftaüenfaffe  genommen. 
3m  3a^r  1805  fam  bie  ©tlabenfaffe  gum  legten  9Ra(e  in  ben 
£$afl,  iljrer  eigentlichen  öeftimmung  gemäft  ©elb  ju  öermenben. 
^Ecr  ©djiffer  ©af3  mar  Don  ben  SJiaroccanem  genommen,  unb  bie 
Sflaöenfaffe  ranjionirie  Ujii  nebft  feiner  33efafeung  für  16  553  rr$ 
£3co.  2)abei  mar  aber  üon  ben  Stfjebern  be3  ©d)iffe3  bie  33ejafeung 
3um  ©efyuf  ber  SSerfi^erung  um  einen  3Kann  ju  gering  angegeben, 
unb  bte  ©flaüenfaffe  magerte  fic^  nun,  bie  SRanjion  für  biefen,  bie 

12* 


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180 

1500  mfi  betrug,  ju  bejahten,  fonbern  verlangte  bicö  bon  bett  9U)e* 
bcm.  ÄtS  aud)  bieje  btc  3^tung  weigerten,  entftanb  ein  Sßrocejj, 
ber  erft  1810,  nadjbem  er  in  jmei  Snftanjen  günftig  für  btc  ©fla* 
öenfaffe  entfd)ieben  mar,  burd)  einen  SSergleidj  in  ber  Slrt  beigelegt 
würbe,  bafc  bie  Styeber  1125  tt$  bejahten.  3n  gfolge  jenes  Un* 
faltö  würben  gemeinfdjaftlid)  mit  ^Bremen  (Hamburg  Ijatte  fcfyon 
1802  trieben  mit  SKarocco  gefdjloffen,  bem  fid>  SübedE  unb  ^Bremen 
bamalS  nidjt  Ratten  anfdfjfiefeen  wollen)  unb  unter  Sermittelung 
Portugals  Unter^anbtungen  mit  SDtorocco  angefnüpft,  unb  bie 
maroccanifdje  Regierung  jeigte  fid)  geneigt,  ben  beiben  ©täbten 
gegen  ein  jäljrtidjeS  ©ejdjenf  von  5000  Sßiaftern  ^rieben  jujugefteljen. 
Aber  bie  (Sreigniffe  ber  fotgenben  3at)re  brauten  biefe  Untersank 
lungen  erft  in  ©tillftanb,  bann  in  Sergeffenljeit. 

3)er  verhängnisvolle  6.  SRovember  beS  SatyreS   1806   braute 
ber  ©flavenfaffe  feinen  mefentlidjen  Serluft;  nur  876  rrifr,  meiere 
ber  Monitor  gerabe  im  $aufe  gehabt  Ijatte,  gingen  bei  ber  Sßlün* 
berung  verloren.    2)ie  ©flavenfaffe  verlangte  in  Setradjt  ber  Um- 
ftänbe  weber  von  iljm  nod)  von   feinen  Sürgen   ©rfafc,  moju   fie 
berechtigt  gewefen  märe,  fefcte  jebod)  feft,  bafe  ein  SKonitor  fünftig 
nie  wieber  mefyr  als  3  bis  400  mfl  mäljrenb  einer  SRadjt  im  $aufe 
t>aben  bürfe.    $urje  &it  barauf  überliefe  fie  einem  ßommiffair  be£ 
©enatS  6000  mfli  jur  Seftreitung  ber  bringenbften  ausgaben,  unb 
als  biefe  ©umme  fdjon  nadj   jmei  3Konaten  jurüdgegeben    mürbe, 
überliefen   bie   Sorfteljer  fie   im  Sfyril    1807   ber  ©tabtfaffe    bi* 
2Rtd)aeliS  befjelben  SafyreS  gegen  1  V*  pct.  3injen.    ferner  mürben 
nod)  nadj  Sinmilligung  beS  ©enats  unb  ber  Sürgerfdjaft  im   9lo» 
vember  1807   ber  im   SRovember   1806   gebilbeten  Unterftüfcutig& 
commiffion  3000  m$l  auSgejafjtt,  unb  auf  bie  Sitte  ber  Slrmm* 
anftalt  im  8tyril  1809  berfelben  3000  n$  unverjinSlid)  bis  9Widjaelte 
beffetben  SafyreS  angelieljen.    Slber  ade  3a^ungen  waren  unbebeu* 
tenb  gegen  bie  ungeheuren  gorberungen,  weldje  bie  fremben  ©einalt 
f)aber  machten,  unb  bie  ©flavenfaffe  entging  burd)  iljre  freiwilligen 
Seiträge  bem  iljr  bevorftcfyenben  ©efdjide  nidjt.     Um  bem  Staate 
möglidjft  fctjneU  immer  baareS  ©etb  ju  liefern,  beffen  er  bamalS  fo 
bringenb  beburfte,  bitbete  fict)   auf  ben  Sßunfd)   beS  Senats    eine 
$arleljnSgefellfd)aft,  weldje   fid)   verpflichtete,   600000  ti#  toorju? 
jdjiefcen.     $iefe  Summe  würbe  faäter  um  200000  rrif/L   erfjdijt 


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181 

3ur  ©irfferfyeit  ber  ©(äubiger  mürben  bic  Sapitalieu  bcr  ©Waben* 
faffe  unb  einiger  anberen  öffentlichen  Snftitute  angemiefen,  audj  folt 
ten  ans  ben  (Sinnafjmen  bei*  ©flaöeufaffe  bie  ginfen  bejaht  mer* 
ben.  3)ie3  gef djal)  im  Cctobcr  1808;  jmei  Sfaljre  fpäter,  im  SDecem* 
ber  1810,  forberte  ber  Senat  bie  ©flaöenfaffe  auf,  ben  SRepräfen* 
tanten  ber  Snljaber  bon  ©arlefyn&Dbligationen  iljre  fämmttidjen 
^Jfanbpoften,  Saffabriefc  unb  Obligationen  öon  ©t.  Sinnen  ju  über* 
liefern,  um  bicfe  Kapitalien  einer  borau$ju}ef)enben  (Sinjie^ung  öon 
©eiten  ber  ^ranjofen  jit  entjief)en,  bornet)mlid)  aber  um  ben  35ar* 
teiljern  ju  geben,  ma$  ber  ©taat  unter  ben  bamaligen  Umftänben 
irgenb  geben  fonnte.  3n  ben  testen  lagen  be3  $ecember3  geftfjal) 
bie  Uebertragung,  unb  bamit  l)örie  bie  ©ftabenfaffe  auf,  eignet 
93ermögen  ju  befi&en;  fie  beftanb  bem  9?amen  nad)  nod)  fort,  big 
im  3luguft  1811  einem  83efd)luffe  be£  probiforifcfjen  9Jhmicipal-- 
ratljeS  jufotge  a\\d)  bie  fämmtlictjen  Rapiere  an  bie  Stegtftratur 
abgeliefert  mürben.  3)amit  mar  benn  bie  ©Haüenlaffe  ballig  auf* 
gehoben,  gür  ben  ?lugcnbticf  mürbe  fie  nid)t  bermifct,  benn  audj 
fmnbel  unb  ©djiffaljrt  berfdfjmanben  mäljrenb  ber  franjöfifd^en  $err= 
fdjaft  faft  gänjtid),  1811  unb  1812  lamen  gar  leine  ©d^iffe  an, 
audj  gingen  feine  abf  1813  fel)r  menige,  erft  1814,  als  überhaupt 
bie  alte  Crbnung  ber  $>inge  jurüdfe^rte,  fing  aucf)  ber  §anbel 
wieber  an  aufjublüljen  unb  bie  gemeinten  SBege  aufjufudjen. 

Sn  biefem  3a^r  fam  benn  aud),  als  bem  Staak  feine  ©elbft* 

ftänbigfeit  miebergegeben  mar,  unb  bie  meiften  ber  früheren  (Sinrid)* 

tungen   mieber   fjergeftellt   mürben,    ba3  3nftitut    ber  ©flabenfaffe 

toieber  in  ©rinnenmg.    9Jton  mar  balb  barüber  einig,  bafc  fie  im 

©anjen  in  ber  frühem   SSeife   mieberfjergeftellt  merben,  biefelben 

©infünfte   fyaben  unb  in  berfelben  SBeife  bermaltet  merben  muffe, 

tüte  früher,  unb  nur  ba£  fam  jur  SBeratljung,  ob  etma  SKängel  ju 

üerbeffem  feien,  ba  bie  ©elegenljeit,  SSerbcfferungen  einsufüfyren,  nie 

günftiger  fein  fonnte.    2)a  nun  namentlich  in  ben  festen  ber  früf)e* 

reu  Saljre  grofte  Sefdjmerben  unb  in  mehreren  gälten  aud)  Sertüfte 

für  bie  Saffe  barauS  entftanben  maren,  bafc  bie  ©cfytffer  erft  nad) 

S3eenbigung  tljrer  Steifen   unb   ju   ganj   unbeftimmten   Qnttn   ba3 

©flabengefb  bejaht  Ratten,  fo  mürbe  nun,  um  bic  regelmäßige  unb 

tinöerfürste    ©riegung    be§    @flabengetbe£    meljr    ju    fiesem,    bem 

SBafferfdjout  jur  Sßflidjt  gemalt,  nidjt  nur  jcbem   in  unb  außer 


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182 

ber  Oftfee  faljrenben  ©djiffer  bei  ber  äRufterung  unb  ©rtfjeilung 
ber  ®d)iff3rolle  äugteid)  eine  fd)rift(idje  Scredjmmg  über  ba3  t>on 
bemfetben  ju  erfegenbe  ©flaöengelb  einjuljänbigen ,  fonberu  aud) 
bieje  ^Berechnungen  ber  Steige  nad)  in  ein  eigenbä  baju  3U  galten* 
be£  9ied)nung3bud}  einjutragen.  2)as  ®elb  follte  oon  ben  ©djtffern, 
bie  in  ber  Oftfee  fjin  unb  fyer  fahren,  nod)  oor  ber  2tbreife,  bei 
SRetfcn  aber  aufcerfjatb  be$  ©unbeS  öon  bem  ber  2Kannfd)aft  Ijier 
ausbezahlten  Xljeil  ber  ©d)iffsl)euer  ebenfalls  gletd)  bei  ber  Stbreife 
bejaht  werben,  megen  be3  öon  bem  übrigen  Jljeil  ber  ©d)iff3l)euer 
ju  erlegenben  #@flabengelbe£  follte  ber  @d)out  9ied)nung  galten 
unb  bie  (Sinfaffirung  beffetben  nad)  3u^aufe^u^ft  be3  ©c^iffer^ 
ober  be3  ©d)iffe$  öerantaffen.  ^ür  ben  gall,  baft  bie  9tütfte^r  bei 
Slbtauf  be3  SaljreS  nid)t  erfolgt  märe,  mürben  bie  Webereien  t>er= 
pflidjtet,  ba3  bis  jum  3al)re£fd)lu&  jafytbar  gemorbene  ©Haöengelb 
ju  entrichten,  bie  enbtidje  Siquibation  bis  jur  9?üdfef)r  beS  ©djiffetS 
ober  beS  ©djiffeS  öorbel)ältlid).  28äre  baS  ©djiff  t>or  ?lblanf  beS 
3af)reS  verloren  gegangen,  ober  tjätte  ber  ©d)iffer  nad)  feiner  Sin» 
fünft  am  ÖeftimmungSorte  bie  SÖtannfdjaft  abgebanft,  fo  follte  ba£ 
ju  oiel  bejahte  ©flaocngelb  jurüdgegeben  merben,  für  etroa  neu 
engagirte  vJKannfd)aft  aber  follte  ber  ©djiffer  eS  bei  feiner  Siücttctyr 
nad)  gemiffenljafter  Angabe  entrichten. 

2tuf  biefc  SBcife  mürbe  bie  ©ftabenfaffe  mieber  fjergeftellt, 
fdjon  üor  3Jiitte  beS  SafjreS  1814  mürben  bie  abgaben  mieber 
bejaljli.  35ie  Beamten  ber  3"tage  mürben,  mie  früher,  in  2)ienft 
genommen,  unb  auf  ber  Zutage  befanben  fid)  and)  bie  (Mbtaben. 
2)aS  Departement  fanb  balb  Sßeranlaffung,  bie  fdjon  früher  abgege- 
bene, in  ber  9totur  ber  ©ac^e  begrünbete,  ©rflärung  ju  mieberfy ölen, 
bafj  nur  unter  fiübetfifdjer  Öflagge  fatjrenbe  ©djiffer  unb  3)tann 
fdjaft  ©flaoengetb  311  bellen,  aber  and)  nur  biefe  bei  etmmgen 
Ungtüdsfälleu  ein  Siecht  barauf-  Ratten,  burd)  bie  fyiefige  ©flaoen* 
faffe  ranjionitt  ju  merben;  bafj  bann  biefe  lefcteren  aud)  fämmtltd) 
ranjionirt  merben  müßten,  fying  bamit  eng  jufammen. 

$)aft  bie  Söicberfyerftellung  ber  ©flaoeufaffe  feineSroegS  über= 
Püffig  gemefen  mar,  geigte  fid)  balb.  ©d)on  im  3Jiai  1817  erhielt 
man  9iad)rid)t,  baft  Junefifdje  Äaper  ausgelaufen  feien  un\>  bereit* 
ein  olbenburgifdjeS  unb  ein  t)amburgifd)eS  ©djiff,  erftereS  t>on  Ijicr 
belaben  uub  nad)  ßalais   beftimmt,   genommen   Ratten.      SBäljrenb 


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183 

be$  ganjen  Sommert  fdjmärmten  bie  Giraten  auf  bcm  9Keere  Ijerum 
unb  famen  fogar  burd)  bcn  Äanat  in  bie  SWorbfee  bis  an  btc  nor* 
megtfc^cn  Äüften  unb  nahmen  bort  ebenfalls  mehrere  tyanfeatifcfje 
©djtffe  toeg.  Daburd)  entftanb  für  btc  ©flatoenfaffe  bte  unange* 
neunte  SRotfymenbigfeit,  alle  biejenigen  ©d()iffe  ju  berfidjern,  bte  über 
ben  ©unb  ljinauS  gingen,  eine  SluSgabe,  mefefie  bie  ©nna^nten  jum 
größten  Steile  Ijinmegnafyn.  (53  mürben  jefet  für  einen  ©Ziffer 
6000  ??#,  für  einen  ©teuermann  5000  tt$,  für  einen  3iwwtt* 
mann  3000  w/a,  für  einen  ftoä)  2000  m% ,  für  jeben  SKatrofen 
unb  ©d)iff jungen  1500  mfi  üerfidjert,  unb  fo  betrugen  bie  5lffecu* 
ranjprämien  1817  4869  rr$  12  (3,  1818  4582  mfr  8  f*.  S)a 
nun  gar  fein  Äapitalfonb  oorljanben  mar,  unb  alfo  aud)  feine 
3infen  eingenommen  mürben,  fonbern  bie  Sinnaljme  nur  in  ben  an 
ber  3u^a8c  erhobenen  (Selbem  beftanb,  unb  aud)  btefe  nidjt  ganj 
fo  reidjlidj  mar,  afe  früher,  fo  gehörte  ber  Ueberfdjuft  mehrerer 
3al)re  baju,  um  mieber  einen  Soften  belegen  ju  tonnen.  (Srft  1818 
marb  bieg  möglief).  3n  biefem  Satyr  minberte  fid>  aud)  bie  ©efatyr 
bor  Seeräubern  mieber  fo  meit,  bafe  ba3  Departement  am  27.  gebruar 
ben  SBefäjtufe  faffen  fonnte,  tünftig  nur  fold>e  ©djtffe,  bie  füblidj, 
ober  mefttidj  über  Slntmerpen  hinaufgingen,  ju  fcerftdjern.  9£od) 
meiter  IjinauS  ©djiffe  unt)erfid)ert  getyen  ju  taffen,  mürbe  jmar  ge* 
münfdjt,  meit  bie  beftänbigen  SSerfidjerungen  bie  ©nnaljmen  gmtjtid) 
auf  jeljrten,  aber  bie  SSorfteljer  magten  nid)t,  e3  auf  eigne  SBeranfc 
mortlid}feit  ju  tljun,  meit  ein  einiger  UnglttdSfall  ba$  ganje  SBer* 
mögen  ber  Äaffe  ljinmegneljmen  unb  möglicher  SBeife  nod)  einen 
Stecurg  an  bie  ©taatsfaffe  nötfyig  madjen  fonnte.  Unb  eine  grofje 
(Sefatyr  für  ben  SBeftanb  ber  $affe  tag  nod)  in  ben  @tnrid)tungen 
fetbft.  Die  SMjebereten  maren  nämltd}  nidjt  öerpfli^tet,  bie  Steifen, 
meldte  ityre  ©djiffe  matten,  jum  3^ede  ber  SSerfidjerung  anjujei* 
gen,  unb  fo  fonnte  es  feidjt  einmal  gefdjeljen,  baft  aud)  ein  mrner« 
fidjerteä  ©d)iff  genommen  murbc.  ©ie  Verpflichtung  ber  ©flauen» 
faffe,  su  ranjioniren,  beftanb  aud)  bann,  unb  e£  mar  bie  $raÖe/  ob 
öon  ben  Sitjebern  megen  unterlaffener  Slnjeige,  fo  lange  fein  ©efefe 
biefelbe  befahl,  (Srfafe  ju  erlangen  fein  mürbe.  SSon  biefer  SRöglidj* 
feit  mar  aud)  in  früheren  $eiten  fdjon  bie  Siebe  gemefen,  allein  bie 
SBorftefjer  Ratten  fie  baburdf)  ju  bermeiben  gefugt,  baft  fie  ben  Stt* 
lag3fdf(reiber  beauftragten,  auf  bie  Steifen  ber  ©djiffe  Äd)t  ju  tyaben, 


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184 

aud}  bcn  Webereien,  meiere  bic  SBerfidjerungen  felbft  beforgten, 
bic  Auslagen  bofür  üergüteten.  Sefet  aber  fdjien  ba3  nidjt  meljr 
ju  genügen.  Das  Departement  manbte  fid)  baljer  an  ben  ©enat, 
ftellte  bie  Stotljmenbigfeit,  bie  Sietfen  fämmtlidjer  ©djiffe  ju  fennen, 
öor  unb  bat  jugleid)  nm  Sluffteflung  beftimmter  SWormen  in  Sejug 
auf  bte  SBerfidjerungen.  9?ad)bem  nun  ber  Senat  mit  ber  Söürger* 
fd^aft  barüber  t>erl)anbelt  fjatte,  mürbe  burdd  ein  Decret  öom 
14.  SRoüember  1819  ben  Webereien  bei  100  rri£  ©träfe,  aud) 
menn  fein  ©df^aben  entftänbe,  unb  bei  eigner  SBerantmortlidjfeit  für 
aßen  etma  entfteljenben  ©djaben  bie  33erpflid)tung  auferlegt,  t>on 
aßen  Steifen  ifyrer  ©djiffe  in  ben  für  gefäfyrlid)  erachteten  ©egen» 
ben  bem  jebe&naligen  mortfüfyrenben  ©d)ütting&?teltermanne,  aU 
t>erma(tenbem  SJorfte^er  ber  ©flatenfaffe,  Slnjeige  ju  madjen.  Qu* 
gteid)  mürbe  ba3  Departement  ermächtigt,  ba  injmifdjen  aud)  bic 
©efaljr  üor  ben  Äorfaren  ftdj  nodf)  mefyr  geminbert  Ijatte,  ©djiffe, 
meldje  nad)  franjöfifdjen  unb  fpanifdjen  |)äfen  bis  nad)  SJÜbao 
einfdjliefclid}  gingen,  öor  ber  $anb  nid)t  ju  üerfidjern.  Dfficielle, 
auf  Sürfengefafyr  33ejug  Ijabenbe  SWacfyridjten  üerfprad)  ber  ©enat 
mitjutfjeUen,  bamit  baS  Departement  baüon  93erantaffung  nehmen 
fönne,  erforberlidien  gälte  neue  Anträge  ju  ftelten.  Die  SJerorb* 
nung  öom  14.  SRoüember  1819  mürbe  burd)  eine  folgenbe  öom 
3.  äßai  1820  mieberfyolt  unb  etmaS  natyer  beftimmt. 

Dnrdj  biefe  SOia^reget  mürben  bie  ausgaben  bebeutenb  gemin- 
bert, unb  ba  bie  äkrmaltung  in  betreff  ber  ju  belegenben  (Selber 
mit  berfetben  ©orgfatt  ju  SBerfe  ging,  bie  fd)on  früher  jum  ©e> 
beiden  beS  SnftitutS  fo  üiel  beigetragen  tjatte,  in  |>inftd)t  auf  bie 
ber  Safje  gebü^renben  ©inna^men  aber  nod)  biet  forgfättiger  t>er= 
futyr,  fo  fing  nun  baS  Kapital  nad)  unb  nad)  mieber  an,  fid>  ju 
mehren.  äßeljrere  fe^r  jmedmäfcige  SBeränberungen  in  ber  9trt  unb 
SBeife  ber  (Srfjebung  ber  ©eiber  fomie  ber  33ud)fül)rung  mürben 
borgenommen.  2ludf)  mürbe  in  23ejug  auf  bie  ©djiffer,  bie  unter 
Sübeder  flagge  fuhren,  aber  iljre  9tyeber  auSmärtS  Ratten,  beftintmt, 
bafc  fie,  menn  fie  Sftitglieber  ber  Ijieftgen  ©d)iffergefellfd)aft  mären, 
felbft  als  5Rl)eber  angefeljen  merben,  menn  fie  baS  nidjt  mären,  gar 
nid)t  in  93etrad}t  gebogen  merben  folltcn.  3m  3aljre  1825  mar  es 
fdjon  mieber  möglid),  ©elb  aus  ber  ©ftabenfaffe  }u  einem  anbern 
3»ede  ju  toermenben;  eS  mürben  nämlidf)  5000  mfc  für  bie  (5inrid>* 


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185 

tum}  be3  auf  her  93aftion  Sßulbertfyurm  nod}  fteljenben  alten  SBac^fc 
gebäubeS  jur  9Jat)tgation^ff^ufe  üermanbt. 

UebrigenS  bauertc  bic  ®efal)r  öor  Seeräubern  ununterbrochen 
fort,  fyaft  jäfyrlid)  gingen  öon  ben  fyanfeatifdjen  ober  Sübecfifdjen 
Gonfuln  im  9lu3lanbe  SRadjridjten  ein,  bajj  Äaperfc^tffe  auSgerüftet 
mürben,  um  gegen  bic  §anfeaten  ju  freujen.  3m  -Satyre  1827  fanb 
fid)  bie  ©flafcenfaffe  burrf)  bie  bebenflidjen  33erid)te  in  biefer  93e* 
jieljung  üerantafct,  beim  Senate  anjuf ragen,  ob  aud)  eine  anbere 
©renje  ber  SJerftdjerung  aU  Sitbao  beftimmt  merben  foUte;  e£  er* 
folgte  inbefe  bie  Slntmort,  baft  in  93etracf)t  ber  großen  SßrämienauS« 
gaben,  meldjc  häufigere  SBcrfidjernng  nötfjig  madjen  mürbe,  babon 
abgeftanben  merben  folle,  bi£  bie  llmftänbe  ftd)  bringenber  }etgteti. 
@anj  baffelbc  gefdjaf)  mit  bemfelben  ©rfolge  unter  fe^r  äljnlidjen 
93erfyä(tniffen  im  %ai)x  1828.  2tud)  f)atte  bie  Unterlaffung  ber  Skr* 
ficfyerungen  beibe  SJiate  feine  nachteiligen  tSolQtn,  benn  e3  mürbe 
fein  üübecfifdjea  @d)iff  genommen. 

S)ie  4$erl)ältniffe  änberten  fid)  bebeutenb  im  3af)re  183().  3to 
biefem  Saljre  mürbe  s2t(gier  üou  ben  granjofen  erobert,  unb  e$  mar 
mit  jiemtidjer  ©icfyerfyeit  üorauSjufcljen,  bajs  biefe  Eroberung  mürbe 
behauptet  merben,  ba  ©jre  unb  Stttereffe  e§  in  gleichem  ©rabe  $u 
gerieten  fd)tenen.  So  lange  aber  bie  Ofranjofen  Sllgier  befafjen, 
mar  t>on  £uni£  unb  £ripo(i3  and)  nid)t3  ju  beforgen,  unb  mit 
9Äarocco,  bem  einjigen  nod)  ju  fürdjtenben  Staate,  mar  gerabe  im 
gfrütjling  bcffelben  3al)re3  unter  SJermittetung  be3  englifcfyen  SonfulS 
in  Sanger  ein  SBaffenftiUftanb  abgefdjloffen  morben.  ©o  fdjien 
benn  bie  ©flaöenfaffe  iljre  SSeftimmung  erfüllt  ju  f>aben.  2)od} 
änberten  bie  nädtften  3afyre  nod)  nickte  in  iljren  SJerljältniffen;  bie 
erfte  SSeränberung  braute  üietmeljr  bie  neue  ^oßorbnung  bont 
9.  Sloöembcr  1833  fyerbor,  meiere  bie  ©rfyebung  ber  frühem  (Sin* 
unb  9lu3gang3jölle  für  SBaaren,  fomie  fämmtlidjer  SftebenjöHe  unb 
fonftiger  Stccibenjien  einteilte.  SDamit  fiel  aud)  für  bie  ©fta&en« 
faffe  bie  bisher  unter  bem  Sftamen  2lrmengetb  erhobene  Slbgabe  meg, 
unb  e§  blieb  nur  eine  feljr  unbebeutenbe  Slbgabe  öon  benjenigen 
fremben  ©d)iffen,  meiere  nidjt  ba3  bo^ette  Saftgetb  bejahten,  unter 
biefem  Tanten  übrig.*)    3ugfeid)  a&CT  ntadjte  ba3  bamatS  lebhafte 

*)  9hidj  btefe  Abgabe  ift  bei  einer  allgemeinen  Üiegulirung  ber  ©ctjiffafjrtS« 
abgaben  burdj  bie  SSerorbnung  öom  30.  Sfcoöember  1850  aufgehoben. 


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186 

Streben,  bem  §anbet  imb  ber  ©dnffaljrt  jebe  mögliche  (Srleidjte* 
rang  ju  gemäßen,  bie  ©flatoenfaffe,  i^r  kapitai,  if)re  einnähme 
unb  ausgäbe  junt  ©egenftanb  mefyrfadjer  SBünfdfje  unb  Anfielen. 
SBon  ©eiten  be3  ÄommerjcotlegiumS  (einer  bürgerfdjaftlidjen 
beratfyenben  Seljörbe)  würbe  barauf  angetragen,  ba§  ©flaöengetb 
für  Dftfeereifen  aufgeben,  biefeS  fei  eine  um  fo  brüefenbere  Ab- 
gabe, ba  eine  ©efaljr  öor  Seeräubern  in  ber  Cftfee  burdjauS  um 
benfbar  fei,  unb  man  fucfyte  Ijauptfädjlicf}  in  ber  Abneigung  gegen 
biefe  Stbgabe  ben  ©runb,  warum  ein  fortmäljrenber  SDianget  an 
SUiatrofen,  bie  auf  l*übe<fifcf}en  ©Riffen  bienen  wollten,  ju  bemerten 
war.  2)ie  bamate  beftefjenbe  $eratljung3commiffion  in  ^anbete* 
angelegensten  ging  nodf)  weiter  unb  wollte  ba3  ©ffaöengelb  audj 
für  Steifen  nadj  grofebritannifc^en  unb  meftfrangöfifdjen  §äfen  bis 
SBatjomte  einfdjliefelicf}  aufgehoben  wiffen,  inbem  fie  ber  Meinung 
war,  baf$  bie  «Sinfen  be$  fcfyon  ungefähr  100000  mfl  betragenben 
$?apital3,  wenn  audj  nur  auf  einen  geringen  ,8ufcf)uf3  burdj  reget* 
mäßige  (Sinna^men  ju  rennen  fei,  Ijinreidjenb  fein  würben,  bie  Set* 
pflic^tungen  ber  ©Ilaoenfaffe  ju  erfüllen,  wobei  benn  natürlich  biefe 
SJerpffidjtungen  ftd)  aucf)  nur  auf  UnglüdSfäHe  in  benjenigen  ®t» 
genben  erftreefen  tonnten,  für  welche  ©flafcengelb  bejaht  werbe. 
2)a£  Departement  ber  ©fta&enfaffe  felbft,  beffcn  ©utad)ten  geforbert 
würbe,  war  ber  Slnftdjt,  ba§  ber  lefctere  Sßtan,  ba  bei  Annahme 
beffefben  ba$  Kapital  jäl)rttd)  würbe  verringert  werben  muffen,  eine 
Sluflöfung  be3  gangen  SnftitutS  herbeiführen  würbe,  welche  aber  oor 
ber  Sgatib  nod)  nidjt  ratsam  fei,  meinte  aucf},  bie  Abneigung  ber 
SKatrofen,  auf  unfern  ©Riffen  ju  bleiben,  liege  nicfyt  in  ber  &k 
neigung  gegen  ©flabengelb,  fonbern  in  bem  Umftanbe,  bafj  iljncn 
bei  längerem  Verweilen  in  fremben  §äfen  nur  fyalbe  ©age  gegeben 
werbe,  unb  fyauptfädjticf)  in  ber  Jurc^t  oor  ber  3)tilitairpf(id)tigfeit 
9Kit  bem  erftern  Antrage  bagegen,  ba$  ©flaöengelb  für  bie  Oftfee* 
reifen  aufgeben,  ertlärte  ba3  Departement  ftd)  einderftanben;  baljer 
würbe  biefer  aucf)  burdj  9tatfc  unb  SBürgerfdjlufe  gebilligt  unb  baS 
bcäfallfige  beeret  am  14.  5Äai  1834  erlaffen,  nadj  metcfjem  bie 
Slbgabe  fcfjon  feit  bem  1.  Januar  1834  abgerafft  fein  unb  ba* 
feitbem  bejahte  ©elb  gurüderftattet  werben  follte. 

Um  biefelbc  $eit  famen  mehrere  anbere  S8orfcf)lage  in  ^Betreff 
ber  ©ftaöenlaffe  jur  SBertjanbtung.    Die  ©d)iffergefeHfd)aft  wünfäte 


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187 

aus  bem  Kapital  berfelben  ein  SSerpflegungSinftitut  für  alte  ©ee= 
teute  ju  grünben,  bte  33eratf)ungScommiffion  aber  unb  baS  Qfinan}* 
bepartement  münzten  bte  $alfte  ber  jäfjrlicfyen  (Simtaljme  ber 
©flabenfaffe  ju  ben  FraöenauStiefungSarbeiten  oermanbt,  ober,  falls 
bteS  auf  §mbemiffe  friede,  eine  bebeutenbe  ©umme  aus  beut  Kapital 
jelbft  als  Slnlei^e  ju  fjaben.  Sie  ©ftaöenfaffe  erftärte  fid) 
entfdjieben  gegen  bie  beiben  erfteren  33orfd)läge,  als  gegen  bie  93c* 
ftimmung  ifyrer  Kapitalien  üöllig  ftreitenb,  meinte  jebod),  auf  ben 
testen  eingeben  ju  fömten.  tiefer  mürbe  benn  aud)  jum  SWatl)» 
unb  33ürgerfd)lu&  erhoben,  unb  bte  ©fla&enfaffe  licl>  in  golge  beffel* 
ben  52  539  rr$L  14  18  ju  ber  Sin)t,  meldje  fie  bisher  eingebracht 
Ratten,  unb  25  OOO  rn$l  uttöer jinSttd)  für  bie  Frauenarbeiten  an 
mit  ber  93ebingung,  bafe  biefe  fe&tere  Summe  erft  bann  abgetragen 
werbe,  memt  bie  fämmtlidjen  fcerjinSlidjen  Sinteren  jurüc!geja^tt  feien. 
Da  nun  burd)  baS  Sföegfallen  beS  3trmenge(beS  Don  SBaaren 
unb  beS  ©flaüengelbeS  für  Dftfeereifen  bie  @innal)men  ber  ©ffa&en* 
fajje  bebeuteub  verringert  maren,  fo  mufjte  aud)  barauf  93ebad)t  ge* 
nommen  merben,  bie  SluSgaben  $u  üerminbern,  unb  beSljalb  trug 
ber  Senat  bem  Departement  auf,  ein  ®utad)ten  barüber  abjugeben, 
ob  nidjt  eine  Sßermtnberung  ber  SßrämienauSgaben  eintreten  fönne, 
um  barnaef}  ju  ermeffen,  mie  meit  etma  nod)  eine  fernere  SBermin* 
berung  beS  ©ftat>engelbeS  mögtid)  fei.  DaS  Departement  erbat  ftd) 
Ijierauf  pnädjft  bte  ©utadjten  ber  fyanfeatifdjen  3Jiinifter  in  Sonbon 
unb  ^opentyagen  unb  bertrfjtete  auf  ben  ©runb  berfelben  an  bm 
©enat,  ba$  SRansionirungen  nod)  immer  fcorfommen  fönnten,  benn 
3Jtarocco  mürbe  baS  ©ftaöenmadjen  triebt  aufgeben,  unb  Ijauptfädjlid) 
feien  bie  Küfteuräuber  3U  fürdjteu,  meldje  bie  maroccanifcf)e  Dber= 
tjerrfdjaft  nur  bem  9iamen  nad)  anerfannten,  fogar  ©nglanb  l)abe 
nod)  im  3al)re  1834  bie  ÜJiannfdjaft  eines  an  ber  maroccanifdjen 
Äüfte  geftvanbeten  ©djiffeS  ran^iontren  muffen;  eS  mürben  aber 
Slanäionirungen  üübed  tfjeurer  $u  ftefjen  fommen,  als  anbern  ©taa* 
ten,  j.  93.  bem  englifdjen,  fdjott  beSljafb,  weit  £übed  fid)  ber  35er» 
mittetung  frember  ßonfuln  mürbe  bebienen  muffen;  eine  meitere 
öefdjränfung  ber  Slbgabe  beS  ©fta&engelbeS  fei  batjer  bor  ber  £>anb 
nidjt  mol)(  vattrfam.  DiefeS  mürbe  benn  audj  öortäuftg  nod)  in  ber 
^tiefet  beftimmten  SBeife  forterljoben,  bod)  befdjloft  baS  Departement 
batb  barauf  fetbft,  in  golge  eines  iljm  öom  ©enate   mitgeteilten 


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188 

93erid)t3  bc3  englifcfyen  ®eneratconful3  in  Janger  an  bcn  fjanfeati; 
fcfyen  2Rinifter  in  Sottbon,  in  meinem  bic  maroccanifdje  SKarine 
als  unbcbcntenb  bargeftellt  mürbe,  bic  S3erficf}erung3fummen  ju 
ermäßigen  unb  fünftig  für  bcn  ©djiffer  nnr  3000  rn#,  für  bcn 
©teuermann  2000  rrfy  unb  für  jeben  übrigen  SRann  1000  rnfi  ju 
üerficfjern.     2)ie3  gefcfyalj  1835. 

dagegen  ging  e3  auf  eine  anberc  9lrt  ber  Srfparung,  bic  man 
il)m  öorfcfjlug,  jur  $eit  nidjt  ein.  @3  fam  nämlid)  in  anrege, 
eine  anberc  geograpfyifdje  Sinic  ju  beftimmen,  jettfeitS  melier  erft 
toerfidjert  werben  follte.  Sltlein  ba$  Departement  mie3  naefy, 
bafe  bie  big  bafyin  angenommene  Sinie,  meftfidj  unb  füblid)  toon 
2)i(bao,  bie  jmecfmäjngfte  fei,  unb  bafi  auf  leinen  galt  bie  burd) 
(Srmeiterung  biefer  üinie  etwa  erreichte  Qrfparnifj  in  Verljaltntfe 
ju  ber  Vergrößerung  be§  9tifico'$  ftefjen  mürbe,  jumal  ba  burd) 
Verringerung  ber  VerficfyerungSfumme  unb  ^crabfefeuug  ber  Prämien 
fdjon  bebeutenbc  (Srfparungen  eingeführt  feien,  ©er  Senat  ftimmte 
biefen  Slnfidjten  bei  unb  e3  mürbe  Sftidjtö  oeränbert.  Uebrigen§ 
brücfte  bie  ©ftabenfaffe  bei  biefer  ©etegen^eit  frfjon  felbft  bic  £off= 
nung  avß,  bafj  fic  balb  Ijinlängticfie  Kapitalien  befijjen  merbe,  um 
au3  ben  Quinta  berfclben  bei  einem  geringen  ^ufdjuffe  Wc  Vermal* 
tungSfoften  unb  bie  Prämien  beftreiten  ju  fönnen,  in  meinem 
eJallc  fie  einer  völligen  Stuffyebung  beS  ©ffoöengetbeS  nidjt  im 
Sßege  fein  mürbe. 

(Sitten  abermaligen  -Kuweit  für  ©taatöjmede  gemährte  bic  ©fla- 
fcenfaffe  1836.  2)urdj  eine  ungern  öfjnticfye  Sturmflut^  mar  am 
19.  ©eeember  1835  ba3  ÜRorberbollmerf  in  Sra&emünbc  gänältdj 
jerftört  morben,  unb  jur  SBieber^crftcHung  beffelben  mar  eine  bebeu* 
tenbe  ©umme  nöt^ig.  2)urd)  9tatl)*  unb  Vürgerfdjhtfc  murbc  be= 
ftimmt,  fic  üon  ber  ©flaöenfaffc  anjulci^cn,  jeboct)  in  ber  SBeife, 
metd)C  biefc,  um  ju  fcerfyinbem,  ba&  faft  tf)r  gefammteS  Vermögen 
als  Hnleilje  in  §änben  be§  ©taat£  fei,  &orgefd>lagen  Ijatte,  ba& 
jätjrlicf)  3000  rr$L  bis  jur  völligen  Tilgung  surütfbejaljlt  mürben. 
1 7  344  mfi  8  fS  mürben  für  ben  genannten  Qmd  angetie^en. 

1839,  bei  ©elegenfyeit  einer  SRelrifion  ber  SKufterroltc,  mürbe 
Don  ber  Äommiffion  für  §anblung  unb  ©djiffaljrt  beantragt,  ba§ 
aud)  ba3  für  Sttorb-  unb  SBcftfcercifcn  bejahte  ©flatjcngetb  aufge* 
Ijoben  merbe  als  eine  für  bic   9tt>ebereien  brüdenbe  Abgabe,  ba 


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189 

einerfeitS  ba$  Vermögen  ber  ©ftaöenfaffe  groft  genug  fei,  um  bie 
toorfommenben  93erfid)erungen  aus  ber  3^feneinnat)me  beftreiten  ju 
fönnen,  anbrerfeitS  aud)  fcielleidjt  ba%  33eftel)en  ber  Äaffe  überhaupt 
fdjon  überflüfftg  gemorben  fei.  2)a£  Departement,  beffen  ®utad)ten 
junädjft  eiugeforbert  würbe,  erftörte  fidE>  entfdjieben  gegen  eine  2luf* 
Hebung  ber  Saffe,  ba  ityre  immer  anerfannte  9Serpflid)tung,  unter 
fiübedifdjer  flagge  fafjrenbe  ©eeleutc,  menn  fie  oon  Giraten  gefan* 
gen  genommen  mürben,  ju  ranjioniren,  nod)  fortbeftefje,  unb  bie 
9Äöglid)feit,  bafc  ein  foldjer  gall  eintrete,  feineSmegS  in  Slbrebe 
geftellt  merben  fönne.  ^ortmä^renb  maren,  aud)  in  ben  legten 
Sauren  nod),  burd)  SSennittelung  beS  Ijanfeatifdjen  SRinifterS  in 
Sonbon  93eridjte  aus  Sanger  eingegangen,  meldje,  menn  fic  aud)  im 
allgemeinen  beruljtgenb  maren,  eS  bod)  unjmeifetfjaft  matten,  baft 
einmal  mieber  Giraten  auSgerüftet  merben  fönnten.  2)aS  Söcif^ict 
öom  3afjre  1834  jeigte,  bafe  biefer  gatl  mitten  im  ^rieben  möglich 
mar,  nod)  (eidjter  mar  er  möglich  bei  einem  ©eefriege,  g.  95.  jmifdjeu 
gfranfreid)  unb  ©ngtanb.  2)ie  ©eefafyrer  mußten  bann  bie  beftimmte 
©emtf#eit  Ijaben,  bafc  fie  mürben  auSgelöft  merben,  meil  fonft  fein 
itad}  bem  ©üben  oon  (Suropa  beftimmteS  ©d)iff  3D?annfd)aft  erljal* 
ten  mürbe.  (Sin  Kapital  mie  baS  dor^anbene  ju  einem  folgen 
S^ede  nod)  einmal  jufammenjubringen,  mar  unmöglich;  follten  aber 
bie  Mieber  berpflidjtet  merben,  bie  ©idjerljeit  gegen  Giraten  fetbft 
ju  übernehmen,  fo  l)ief$  baS,  bie  fjiefigen  Webereien  Don  ben  füb» 
tilgen  ©emäffem  gerabeju  auSfdjliefcen.  Diefe  ®rünbe  beftimmten 
baS  Departement,  auf  ber  ^Beibehaltung  ber  ©ftaoenfaffe  ju  hefteten, 
dagegen  mar  e3  aKerbingS  ber  3lnfid)t,  bafc  baS  ©ftaoengelb  gänj* 
tidj  aufgehoben  merben  fönne,  ba  baS  ungefähr  130000  m#  be* 
tragenbe  Kapital  ber  Saffe  hinlängliche  3utfen  trage,  um  bie  Slffe* 
curanjprämien  unb  bie  SJermaltungSfoften  ju  beden,  biefe  lefeteren 
aud)  ftd)  burd)  bie  Sluffjebung  beS  ©ftaoengetbeS  felbft  feerminbew 
würben.  3lber  es  fügte  Ijinju,  bafi  eS  bann  burdjauS  notljmenbig 
fei,  baS  Vermögen  ber  Äaffe  niemals  mieber  ju  anbermeitigen 
3meden,  als  toofür  eS  urfprüngtief)  beftimmt  fei,  in  8tnfprud)  ju 
nehmen.  Die  3bee,  bafe  bie  ©flaoenfaffe  mit  ifjren  SBerpflidjtun» 
gen  gegen  bie  ©eefaljrer  fortbefteljen  muffe,  fanb  fomofjt  bei  bem 
©enate  als  bei  ber  SBürgerfdjaft  feolle  Anerkennung,  unb  beSfyatb 
blieben  jmei  anbere  93orfd)lage,  baft  baS  nod)  befteljenbe  Slrmengelb 


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190 

aufgehoben  merbe  unb  baft  bie  ®affe  nur  in  befonberä  gefährlichen 
Säßen  ocrfie^cre,  regelmäßig  aber  bie  ©efaljr  fetbft  laufe,  ofyne  &> 
fotg.  2)enn  ba3  Slrmengelb,  überbieS  für  bie  ©df)iffe,  meiere  e3 
bejahten,  eine  burdjauS  unerhebliche  Abgabe,  öerfdjaffte  ber  ©fta* 
öenfaffe  eine  jmar  unbebeuienbe,  bodf)  fiebere  @innal)me,  bie  tyr  fefyr 
münfdjenämertl)  mar  unb  leidjt  einmal  notljmenbig  merben  fonnte. 
®a3  Sluf^ören  ber  SBerfidjerungen  fefcte  bie  ganje  ©jiftenj  ber 
Äaffe  auf3  ©piel,  ba  befonberS  gefährliche  Umftänbe  fid)  in  Sübed 
nid)t  beurteilen  liefeen  unb  ber  gall  eintreten  .  fonnte ,  bafe 
jmei  ober  mehrere  Schiffe  jugleid)  ranjionirt  merben  müßten.  &u3 
biefen  ©rünben  mürbe  befdjfoffen,  baä  Slrmengelb  fomie  bie  2$er> 
fidjerungen  fortbefteljen  ju  (äffen,  ba$  ©flaöengelb  aber  gänjlidj 
aufgeben. 

1843  ereignete  fid)  ber  feltene  $all,  ba&  ein  ©d)iff  bie  Steife 
Don  SBorbeaus  nad>  Hamburg  in  fed)$  Jagen  öollenbete.  2)cr  ©rief, 
burd)  melden  bie  Stljeberei  oon  biefer  Steife  Äenntnifi  erhielt,  tvax 
aä)t  Jage  unterwegs  unb  tarn  fpäter  in  Sfibed  an,  aU  ba$  ©djiff 
in  Hamburg.  2)ie  burd)  bie  ©erorbmmgen  öon  1819  unb  1820 
öorgefetyriebene  Anzeige  bei  bem  Departement  ber  ©flaoenfaffe  Ijatte 
bafyer  nid)t  rechtzeitig  gemalt  werben  fönnen.  3)ennod)  mürbe  bie 
Styeberei  oon  ber  ©eljörbe  jur  ©rlegung  ber  gefefclicfyen  ©träfe  üon 
100  rrfy  ßrt.  berurtljeilt.  ©ie  legte  ©efdjmcrbc  an  ben  ©enat  ein 
unb  oeranlafete  baburd)  eine  Sieüifion  jener  ©erorbmmgen.  @£ 
mürbe  nun  bie  Sänge  unb  ©reite  be3  Kap  Drtegat  als  @efaljr= 
grenje  angenommen.  ©3  (iegt  an  ber  Storbmeftgrenje  Don  ©panien 
jmifcfjen  bem  43.  unb  44.  ©reitengrabe  unb  gmifdfjen  bem  9.  unb 
10.  ®rab  öftlidjer  Sänge  t>on  $erro,  mäfyrenb  ©ilbao  (f.  oben  ©.  184) 
jmar  ungefähr  unter  bemfetben  ©reitengrabe,  aber  fünf  ©rab  roeiter 
öftlid)  liegt.  ©3  Ratten  fid)  aber  and)  bie  §lnfid)ten  über  bie  Siättv 
tid)feit,  bie  9Äannfd)aften  ber  ©djiffe  burdj  bie  ©flaöenfaffe  t>et* 
fiebern  ju  laffen,  im  Saufe  ber  lefeteu  Safyre.  geänbert.  Wart  ja!) 
eine  mirftidje  ©efafyr  als  faum  nod)  borfyanben  an.  3n  bem  gemife 
l)öd)ft  fettenen  ^yallc  ber  SBegna^me  eines  Sübetfifdjen  ©cfciffeS 
burd)  bie  ©arbareSfen  mürbe  bie  ©flaüenfaffe  im  ©tanbe  fein,  bie 
Sluätöfuug  ber  aßannfdjaft  burd)  ifyre  eigenen  Mittel  gu  bewirten. 
©3  mürbe  bemnad)  befcfyl  offen,  baft  bie  ©erfidjerung  in  ^utunft 
wirfst  mefyr  bie  Siegel  bifben,  jonbevu   nur  auSualjmSmeife  eintreten 


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191 

foHe  unter  Umftänben,  in  bcncn  man  eine  mirftidje  ©efafyr  erbliden 
mö<f)te.  3)a3  mar  ber  Snljalt  etneä  Statt)*  nnb  33ürgerfcf)tuffe$  Dom 
3.  9ttai  1844. 

S)a  nun  ber  ©flat>enfaffe  eine  erfyeblicfye  StuSgabe  abgenommen 
mar,  burfte  man  baran  benfen,  iljr  Vermögen  ju  einem  3^^  i^ 
benufeen,  ber  jmar  iljrer  eigentlichen  93eftimmung  nicfyt  enttyradj, 
aber  boef)  als  mit  berfelben  einigermaßen  oermanbt  angefeljen  mer* 
ben  fonnte.  ©eit  längerer  Qtxt  mar  ein  9Jiangel  an  Seeleuten 
bemerflief)  gemorben.  SnSbefonbere  uerliefeen  fie  fyäufig,  unb  jmar 
gerabe  bie  befien,  im  Sluälanbe  fyeimtidj  bie  Schiffe  unb  festen  bie 
©Ziffer  in  ernfte  Verlegenheit.  Säian  fanb  ben  tjanptfäcfjlidjen 
©runb  biefer  ©rfcfieimmg  in  ber  unübcrminblidjen  Abneigung  ber 
©eeleute  gegen  ben  ÜDtilitairbienft ,  ber  üjnen  t)ier  oblag.  3n 
Sßreufcen  maren  fie  ganj,  in  Hamburg  unb  Söremen  bebingungSmeife 
bat>on  befreit.  Sftedlenburg  traf  1843  äfyntidje  ©inric^tungen. 
äBollte  man  bem  Seifpiel  l)ier  folgen,  fo  mar  allen  SSer^ättniffcn 
nad)  nicf)t3  3lnbere3  mögtidf),  al3  bie  foftfpiefige  SWafcregel  einer 
©teüoertretung.  9tad)  langen  Verätzungen  fam  e3  jur  ©rünbung 
einer  eigenen  ©eeleute*©teltoertretung3faffe,  für  meiere  bann  aud) 
bie  ©flaoenfaffe  in  9lnfprudj  genommen  mürbe.  3)erfetben  mürbe 
auferlegt,  biejenigen  SluSgaben  gu  beefen,  meiere  bie  ©tetfoertre* 
tuugSfaffe  au3  i^ren  übrigen  ©inflüffen,  inäbefonbere  ben  ^Beiträgen 
ber  ©eeleute  felbft,  md)t  ju  beftreiten  &ermod)te.  ©ie  biente  atfo, 
nad)  einem  bamatigen  9lu3bru(f,  menn  nid)t  eben  benfelben  Sßerfo* 
nen,  bod)  ben  Veruf3gen  offen,  an$  bereu  ^Beiträgen  fie  fyauptfädjlid) 
gebilbet  mar,  pm  öo£fauf  öon  ber  2ftititatrf>flid)t,  ba  2o3fauf  auä 
ber  ©flaöerei  nidjt  me^r  erforberlid)  mar.  (Srft  1848  fonnte  bie 
©teltoertretungSfaffe  in  Sßirffamfeit  treten;  ba  1849  bie  ©telfoep 
tretung  überhaupt  aufgehoben  mürbe,  mufjte  fie  i^re  SBirffamfeit 
auf  biejenigen  2Kitglieber  befdjränfen,  bie  fie  fdjon  fyatte,  burfte 
neue  nidjt  mefjr  aufnehmen.  Aber  e$  mar  nur  eine  Unterbrechung. 
'Die  ©telfoertretung  mürbe  balb  mieber  juläffig,  unb  bie  $affe  trat 
mit  etmaS  oeränberten  SBeftimmungen  1854  mieber  in  iljre  oolle 
SBirffamfeit  ein,  bie  bann,  obmoljl  nid)t  lange,  bod)  nod)  etma£ 
länger  gebauert  bat,  al3  bie  SBirffamfeit  ber  ©flaöenfaffe. 

5)ie  enbtic^e  ^luflöfung  ber  ©flaoentaffe  tyängt  mit  ber  f.  g. 
Stblöfunfl  beä  ©unbjolls  jufammen.    $)urd)  einen  nad)  langen  Söer* 


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192 

Ijanbfungen  am  14.  SWärg  1857  in  Kopenhagen  abgefdf)loffeuen  85er 
trag  verpflichtete  ftd)  bte  SRefjrjaljl  ber  (Suropäifdjen  ^Regierungen 
ju  einer  einmaligen  3al)(uug  ö^n  etmaS  über  breifcig  Sttiffionen 
9ieitfj$banftl)alern  an  beu  König  t>on  3)änemarf,  um  bamit  ber 
Qfortbauer  be8  juerft  öon  König  Srid)  bem  Sßommer  drva  im  3af>re 
1425  eingeführten  ©unbgoflä  ein  @nbe  ju  machen.  2)er  Änt^eif 
einer  jeben  Regierung  an  ber  ©efammtfumme  mürbe  nad)  einem 
vereinbarten  SJerljältntfi  beftimmt,  uub  e§  mürbe  einer  jeben  freigefteKt, 
ifyn  entmeber  in  (Siner  ©umme,  ober  in  t)öd)ften8  öierjig  f)atbjäljrlid)en 
£ljeiljal)tungen  Don  gleichem  Setrage  ju  entrichten.  Auf  fcübecf 
fielen  102  996  9fteicl)3banftt)aler  -  193117  n$  8  ©dji!!.,  obeT 
nad}  jefeiger  SBäljrung  231  741  SReid)3marf.  @3  mürbe  befdjloffen, 
bie  ©umme  auf  einmal  ju  bejahten  unb,  ba  eine  red)t  mcfcntüAe 
@rfeid)terung  be3  $anbet3  unb  ber  ©djiffafyrt  bamit  erreicht  mürbe, 
fie  au$  bem  SSermögen  ber  ©ffavenfaffe  ju  nehmen.  Daffelbe 
reifte  baju  au«,  aber  aud}  nidjt  viel  meiter:  ber  übrig  bleibenbe 
SReft  —  etmaS  über  5000  Jljater  —  mar  nid)t  bebeutenb  genug, 
um  ben  ©egenftanb  einer  eignen  SSermaltung  ju  bitben.  2)ie  Stuf« 
löfung  ber  Kaffe  mar  bie  notljmenbige  ^olge  ber  3Raf$regel,  bie 
Ausführung  be3  $8efd)tuffe3  naljm,  ba  t>a%  Vermögen  tljeilS  in 
©runbftücfen,  tljeitö  anbermeitig  angelegt  mar,  aud)  fonft  manche 
Änorbnungen  getroffen  merben  mußten,  einige  Qnt  in  Slnftmid}. 
SDie  unmittelbar  beöorfte^enbe  3a^un9  an  $änemarf  mürbe  mit 
^ülfe  einer  temporairen  Slnleifye  geleiftet,  unb  bie  Sinjiefyung  ber 
Kapitalien  fonnte  bann  aflmätjfid)  gejdjefjen.  @3  mar  felbftoerftänb» 
lid),  bafc  ber  ©taat,  menn  er  ba£  Sßermögen  ber  ©ftaöenfaffe  an 
ftd)  naljm,  and)  in  bie  93erpf(id)tung  berfelben  eintreten  mufcte.  6r 
übernahm  alfo  nid^t  nur  bie  «S^hmg  ber  Kaffe  an  ben  SEBaffer» 
fdjout,  ber  aud)  it)r  ^Beamter  gemefen  mar,  junädjft  für  bie  Seben^ 
bauer  be$  berjeitigen  ^Beamten  unb  unter  bem  Sßorbeljalt,  nad) 
beffen  lobe  anbere  ©inridjtung  ju  treffen,  fonbem  and)  bie  gak 
lung,  meldje  als  3ufd)n&  ön  yc  ©telfoertretungSfaffe  für  ©eeleute 
geleiftet  mar.  3Kit  bem  ©tntritt  ber  allgemeinen  Sßefjrpffidjt  Ijat 
biefe  3a^un9  ein  Snbe  gefunben.  93or  allen  fingen  aber  mar  e* 
nötljig,  feftjufteüen  unb  au$jufpred)en,  bafi  ber  Sübedifdje  ©taat 
für  alle  Reiten  bie  SBerpflidjtung  übernehme,  bie  2Rannfd)aften  ber 
unter  Üübedifdjer  glagge  faljrcnben  ©djiffe,  meldte  in  bie  ©efangen* 


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193 

fdjaft  ber  Sarbareäfen  geraden,  buref}  SluStöfung  ju  befreien.  Son 
einer  SBerfidfjerung  „gegen  Sürfengefaljr"  mürbe  abgeftanben,  unb 
bemgemäfc  bie  ben  ©tf)iff£tf)ebereien  löftige  Sßerorbnung,  meiere  fic 
jur  Shtjeige  ber  ©eereifen  ifyrer  ©djiffe  nad)  unb  bon  ben  meftticf}en 
$äfen  berpfücfitete,  aufcer  Söirfjamfeit  gefe&t. 

S)ie  Umftänbe  fjaben  e3  gefügt,  bafi  ber  9teft  be$  SBermögenS 
ber  ©ttaoenfaffe  nirfjt  ofyne  2Beitere3  in  bie  ©taatSfaffe  hinüber* 
genommen,  foubern  ju  bestimmten  Qmdm  termanbt  mürbe.  Sie 
SKatrigationSfdjule  f>atte  in  ben  Seiträgen,  mefcfje  bie  ©efeüfdjaft 
jur  Seförberung  gemeinnüfciger  Jljätigfeit  if)r  jäljrttcf)  jumanbte, 
nad)  unb  nad)  bie  Mittel  gefunben,  ein  grauenljoferfcfyeS  JeteScop 
unb  ein  $ßafjage*3nftrument  anjufdjaffen,  fonnte  ober  93eibe3  md)t 
eljer  benufcen,  afe  bis  ein  Dbferoattonätljurm  erbaut  mar,  um  bie 
Snftrumente  aufstellen.  2)ie  flRittel  baju  würben  aus  bem  9Ser* 
mögen  ber  ©Haoenfaffe  gemährt.  2)ie  (Srbauung  be3  StfjurmS  ber* 
urfatfjte  einen  Stufmanb  öon  7651  n$  2  ©rfjifl.  Sfocf)  für  btö 
nun  noef)  Uebrige  fanb  fiel)  eine  SSermenbung.  Stuf  bie  Slblöfung 
be3  ©unbjolte  im  Sa^re  1857  folgte  1861  bie  Slbtöfung  be3 
©taber  3otte.  ?lucf)  babei  mar  fiübed  beseitigt.  GS  tjatte  einen 
^Beitrag  ton  8885  Jätern  ju  leiften.  $>a  erbot  fitf)  bie  Sauf« 
mannfcfyaft,  für  biefen  Qrvcd  5000  Später  fyerjugeben,  menn  i^r  afö 
tfKtfmeifer  Srfafc  ber  (efete  SReft  be3  93erotögen$  ber  ©fla&enfaffe 
übertaffen  mürbe.  5)a3  Srbieten  mürbe  angenommen,  unb  narfjbem 
and)  biefe  Angelegenheit  erlebigt  mar,  erfolgte  buref)  eine  93erorb* 
nung  be$  Senate  oom  24.  Suti  1861  bie  Slufföfung  ber  ©tlaoenfaffe. 


Btfär.  b.  ä.  f.  fi.  <&.  IV,  3.  13 


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194 


viii.  cxai.) 

$er  Wafyfyttt  ^llcjanbcr  bon  ©olttocbct 
in   Sage   nnh   ©efdjidjte* 

«on  Dr.  993.  »reljmer. 


von  Den  fämmtlictjen  Sßerföntitfjfeiten,  bte  feit  ©rünbung  unferer 
©tabt  betn  Statte  angehört  l)aben,  ift  feine  fo  fc^r  gefeiert 
roorben,  a($  ber  im  breijeljnten  Safyrfjunbert  tebenbe  ÄIejonbcr 
öon  ©oltroebet.  S5ie  Strömten  finb  üoU  feinet  fiobeS,  unfere  ®e> 
fd)id)tfdjretber  Secfer  unb  $)ee<fe  fcerfünben  äbereinftimmenb  [einen 
SRuljm,  unb  fetbft  im  Solfe  ift  bte  (Erinnerung  an  iljn  nod>  jefct 
(ebenbig. 

Snmietoeit  bie  urfunbttdjen  Uebertteferungen  mit  bem  SBilbe 
fibereinftimmen,  rocfcfjeS  ©age  unb  ©efd)irf)tfrf)reibung  fcon  jenein 
2Ranne  entworfen  tyaben,  ift  bisher  nicfyt  eingefyenb  unterfudjt  roor* 
ben.  (Sin  SScrfurf»  f)ieju  foH  in  ÜRad)ftel)enbem  unternommen  mer* 
ben,  nacf)bem  juöörberft  bargetegt  ift,  meiere  Umbitbungen  bie  ©age, 
bie  fid)  an  feine  ^erföntic^feit  fnüpft,  im  Saufe  ber  Safyrljuubcrte 
erfahren  §at,  unb  meiere  Angaben  berfetben  bisher  üon  ben  @>efc$id)t> 
fdjreibern  aU  beglaubigte  Jfjatfacfjen  angefeljen  finb. 

SHejanber  ©ottmebel  wirb  juerft  beim  ©fyroniften  $5etmar 
ermähnt,     tiefer  berichtet  öon  if>m  jum  3af)re   1249, *)    bajj    er, 


l)  9ty  ber  ttjb  meren  ot  öianbe  be  ftot  unbe  borgljere  Dan  beme  [träte** 
funbe;  bar  ooren  fe  bo  fjen,  unbe  nmnnen  ot  be  ftab.  $o  fe  toeber  quemen 
in  be  traoene,  fe  mürben  untfangljen  mit  groter  öroube.  5)e$  orlogljcS  tua*  xxm 
ber  ftat  toegljene  en  fjooetntan, 

„be  bebberöe  orome  begljen 

to  tornetje  unbe  to  jbtjufte  gfjar  ooroegljcn, 

allejanber  Dan  folttoebel, 

be  mit  finer  manljeit  oorbenebe  ber  eren  febel"  — 
an  beme  rabe  to  fubete,  bar  oc  bo  fin  brober  arnolt  inne  fat.     9Ubu*  feten 
tofamenbc  ttoc  brobere,  bat  oan  rabcS  anbegfjin  bet  an  beffe  ttjb  mjne  f$ate. 


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195 

geübt  im  Jurnieren  unb  SEBaffenfptct,  bic  fiübetfifdjen  Iruppen  bei 
©roberung  ber  ©tabt  ©tralfunb  angeführt  unb  gleichzeitig  mit 
feinem  ©ruber  Slrnotb  bem  Statte  angehört  l)abe,  ein  gatt,  ber 
feit  Anbeginn  ber  ©tabt  nitfjt  borgefommen  fei. 

Sei  bem  iljm  fotgenben  ßljroniften  Äomer  finbet  fic^  feine 
angäbe  barüber,  bafi  SUejanber  Don  ©oltmebet  an  bem  Qfelbjuge 
gegen  ©tralfunb  Jfyeit  genommen  §at,  bagegen  erjä^tt2)  er  öon  i^m, 
ba&  er  im  Saljre  1227  als  Cübecfifctjer  ^Bürgermeister  im  ^elbjuge 
gegen  ft'önig  SSalbemar  ben  Oberbefehl  über  bie  93ürger  geführt 
Ijabe,  bafc  er  bor  ^Beginn  ber  ©djlacfyt  bei  Sorn^öüeb  für  ben  fJaH 
cine§  glüctlicfjen  Ausganges  bie  (Srbauung  eines  StofterS  ju  ©Ijren 
©otteS  unb  ber  ^eiligen  SDtaria  SRagbatena  angelobet  Ijabe,  unb 
bafe,  aU  bie  Sürger  fiegreief)  in  tfyre  ^eimatf}  jurütfgefetyrt  feien, 
bie  nod)  bon  ben  geinben  befejjte  SBurg  bejmungen  unb  bem  93oben 
gleich  gemalt  fei. 

3n  ber  SSanbalia  unb  ©ajonia  be£  Sllbert  Äranj  ift  nur  eine 
furje  ©djifberung  öon  bem  Ueberfatl  ber  Jöurg  unb  bem  ©etöbnifj 
öor  JBeginn  be£  Äam^fe^  enthalten;  bafj  Riebet  Sltejanber  ©ottroebel 
tljätig  gemefen,  mirb  öon  ifpn  nicf)t  ^eröorge^oben.  ©effetben  gefcfjieljt 
auef)  in  ben  Sfjronifen  Don  Stedemann  unb  93onnu£  nidjt  (Srroäl)* 
nung,  bagegen  bemerft  Weimar  $o<J,3)  nadjbem  er  $um  3af)re  1249 
ben  33erid)t  2)etmar3  inljaltlicf)  angegeben  Ijat,  bafj  noef)  ju  feiner 
,8eit  bie  SSerbienfte  beS  Sllejanber  ©oftmebel  aflgemein  befannt  feien. 


*)  $orner$  (Etyromf  bei  Eccart,  corpus  historicum  medii  aevi,  Tom.  II 
pag.  859:  Alexander  namque  de  Soltwedele,  burgimagister  et  caput 
urbis  praedietae,  cum  coneivibus  suis  ad  bellum  properaturus,  votum 
Deo  et  beatae  Mariae  Magdalenae  fecerat  de  communi  consensu  omnium 
civium,  ut,  si  Deus  meritis  sanetae  illius  mulieris,  in  cujus  die  saneta 
constituri  essent,  victoriam  de  inimicis  suis  eis  concederet,  ipsi  mona- 
eterium  novo  ordini  Praedicatorum  in  loco  castri  ad  honorem  Dei, 
beatissimae  genetricis  suae  et  sanetae  Mariae  Magdalenae  aedificare 
vellent.  —  —  —  Cumque  civitatem  Lubicensem  reintrassent  cum  exer- 
citu  suo  et  comitatu  nobilium,  qui  secum  proelium  gesserant,  mox  ad 
repugnandum  castrum  urbis  manum  apposuerunt,  et  capto  eo  statim 
ipmim  dirimentes  solo  aequaverunt. 

3)  ,,©o  forbt  fd)riüen  be  Gronifcn  beibe  ütm  beffem  frige,  o!  oon  bem 
Slfejanber  oan  6oltroebell,  unb  ist  ane  tfjnnöcü  fo  jd)lid)t  ntdjt  tfjo  gegan, 
bcr^alüeu  tyo  munden  tuere,  babt  men  be  ganfce  Ijiftorie  mochte  fjebben,  na 
bemntale  be$  $Uejanber$  gebedjtnifje  bi  iberman  ü  nodj  Imben  in  befjcn  badj." 

13» 


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196 

2Bie  ficf)  big  jum  Aufgange  beg  fedjgjeljnten  3at)rf)unbertg  bie 
©age  im  SBotfgmunbe  geftattet  f)at,  nrirb  erficf)t(i(f}  aug  ber  ßfjromf 
beg  Jfjomag  SRefybein,  ber  öon  1593  big  1610  bem  9iatt)e  ange* 
l)örte.    9iad)bcm  er  berichtet,  bafc  Sübetf  toon  Äaifer  Sfriebrid)  II 
bie  9teid^gfrei^eit  erlangt  fyabe,   bafi  bie  ^Bürger  burd)   l)eimlid)en 
UeberfaH  bie  93urg  genommen  nnb  in  ifyr,  ttrie  er  aug  alten  ®d)rif= 
ten  erfahren  fyabt,  178  Sßerfonen  getöbtet  Ratten,  faljrt  er  fort: 
„Slnberg  roo  finb  icf>  öon  biefem  Raubet  alfo: 
Äöningf  SBolbemarug,  ba  ®r  mm  bieffeit  ber  Oftfcc  Ijerfdjete, 
l>at  er  fid)  audf)  nodf)  meljr  bcfXiffcn,  berfelben  Drtt  ju   feines 
SReicfjg  nu&  ju  fürbern,  nnb  angefangen,  nod)   meljr  ©täte  ju 
bauten,  atji  nemblid)   bie  &tatt  ©tralfunbt  in  Sßommero,  roie 
aud}  9tet>ef  in  S^fflanbt. 

Slber  bie  2)änen  mi^rand^ten  bie  Ueberroinbnng  mit  Unjudjt 
unb  mutwilligen  Sroang,  ölfo  aud)  bafc  bie  be^erfd^eten  Seute 
jum  Slbfat  geredet  unb  genöttiget  würben. 

Unb  tyaben  bie  fcon  Sübecf,  fo  ba  tu>m  9tömifdjen  SReidj  mibt 
fonbertidfjer  greifjeit  begäbet,  barju  bie  medjtigften  unb  gefdjei* 
teften  ju  folgern  Slbfal,  fid)  jum  erften  unbterftanben,  unb  roie 
mang  für  gerotfj  bafür  l)ätt,  foll  fid)g  at^tfo  Ijaben  jugetragen. 

Qu  Sübed  in  ber  3Jiül)lenftraJ3en  ftefjt  ein  £aug  (ifeiger  Qtxt 
in  ber  SHtten  ©onne  genanbt4),  in  meinem  JQavß  ju  ber  3e** 
geroofjnet  SHejanber  öon  ©ottroebet,  ber  fotl  einen  93ruber  §ernt 
Soljann  t>on  ©oltroebel,  fo  ein  9tf)atg{)err  geroefen,  gehabt  fyabcn, 
mibt  meinem  ber  erftgemette  Sltejanber  ofttermatg  Serebung  ge* 
^abt,  unb  a^ffo  gefaget: 

Sßenn  er  feineg  33ruberg  ftette  befleibete,  fo  roölte  er  fic§  befi 
^anbetg  unternehmen,  mann  fonft  feine  intern  roöttten,  unnb  bie 
befdfjroe^rtidie  Saft  ber  Säljnen  t>on  fid)  merffen. 

S)iefe  SRebe  unb  bergeteicfyen  roort  l)at  @r  fo  oft  ernennet, 
bafe  eg  enbtltcf»  für  Stnbtere  Sßerfonen  beg  SRfyatg  gefommen.  S)ü 
l)at  man  (efclid)  ben  Sllejanbrum  befc^trfet,  31jm  bie  SBefd>tt>erbc, 
großen  3JiutmiHen  unb  ©ematt  ber  S)änen  fürgeljaltten  unb 
bartiber,  toa$  ©r  ber  Stlejanber  fid)  Ijabe  öerneljmen  laffen,  bafe 


4)  (Seit  bem  Safjre  1477  füfjrt  bog  £aug  SfJHtylenftra&e  Soljanmg-Oiia^ 
Her  9to.  922  im  Dberftabtbud)  ben  tarnen  „3n  ber  ©onne." 


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197 


motten  ©ie  gerne  t>on  3ljm  and)  l>ören,  uf  maß  9Äittel  unbt 
Sßege  ba$  foldf^e  Sfyre  große  fiaft  fönbte  abgefdjaffet  merben. 

2)rauf  Ijat  (Sr  atfo  geanbtmort:  35ie  ©elegenfjeitt,  baburdf) 
@r£  öolbringen  fönbte,  meljr  ergertidj  anjUjeigen,  ben  ber  §an* 
bei  mürb  fidf}  aller  3)tnge  anfe^en  laffen,  at3  ob  @r  Ijirin  fein 
eigen  S^re  unb  |>ol}eit  fudjte,  unnb  aber,  @r  für  feine  Sßerfon 
müßte  burdf}  feine  anbteren  SBege  jur  gfretyeit  ju  fommen,  unb 
ber  ©adjen  ju  tyetffen,  fintemal  ber  $anbet  groß  unb  baljer  etmaS 
meljr  fein  müßte,  man  eine  gemeine  fd)(ed)te  Sßerfon,  auff  baß  er 
burdf)  Slnfeljen  unb  SRacfjt,  fo  t$m  befolen  werben  müßte,  etmaS 
anrichten  fönbte.  2)rauff  meiter  in  feiner  SRebe  fort  gefahren 
unb  alfo  gefagt,  Sr  muffe  ein  öurgemeifter  biefer  ©tabt  fein, 
unb  Me£,  ba3  @l)r  füroetyme,  mie  ergerlid)  e£  aud)  mefjre,  ba3 
müßte  man  Sljm  nidjt  I)inber(t«f>  fein.  3)arju  mürbe  e3  in 
efelidjen  Sparen  Ijernadj  aller  erft  in3  SBerf  gefteHt  fönnen  mer* 
ben,  ban  @r  Sfym  erftlid)  in  gutem  fdjein  unb  nidjt  mit  ©emalt 
bie  Dänen  öonn  bannen  treiben  möÖte. 

SBie  ficf>  nun  SlHeS  unb  feine  3lnfd)tege  gubt  befunben,  Ijat 
man  feinen  SBruber  t>orgebad)t,  ber  ban  gutmitlig  ben  fR^otftuel 
gereumet,  be3  9il)at3  ertaffen  unb  biefen  ?tlejanbrum  angenom* 
men,  ber  aud)  balb  l)eroad)  sum  Ijöfjeften  93urgemeifterambtt 
ertyöfjet  morben. 

2)iefer  3l(ejanber  ift  ein  finreitfjer  unb  treflidjer  nufcer  SDfljann 
ber  ©tatt  gemefen,  mie  moet  @r  für  biefem  menig  geartet,  nun 
aber  in  furfeer  Qtxt  fo*  fürtrefflig  morben,  baß  aud)  biefer  fd)teu* 
nigen  SJerenberung  falben  fic^i  Sttlc  öermunbert. 

©o  Ijatt  ®r  fid)  aud)  infonberljeit  befleißiget,  baß  @r  nitfjt 
allein  bie  Äönigtidje  9tt)äte,  fonbem  aud)  be$  Königs  große 
©enabe  unbt  greunbtfdjaft  befommen,  unb  oftermats  bei  Sljnen 
luftig  unbt  frölig  gemefen,  unb  ©ie  bei  3^m  aud}  mieberumb. 
SBie  and)  uff  Stjren  3ad)ten  unb  fonften  allen  furjmeiligen 
Sachen,  mor  ju  @r  ban  feine  perföntidje  55aj>ferfeit  moet  ju 
erjeigen  gemuft:  Stlfo  baß  @r  in  bem  SlUcn  bet)  Sebermeljniglid) 
einen  guetten  Stammen  befljam,  unb  beij  bem  Könige  lieb  unb 
angenehm  ma^r,  aber  baburdj  be^  ben  bürgern  ju  Sübecf  nid)t 
wenig  beargmonet  morben,  gteidf)  ob  @r  feinen  SJhtfc  unbt  9il)um 
Ijier  inne  gefudjt  unnb  unnüfclidEj  ber  ©tatt  ©ütter  öerjefyret. 


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198 

Stern  toart  aucf)  oermeinet,  als  t)ette  @r  Söeftallung  bom 
Sönige,  bie  ©tabt  in  weiter  $)tenftbarfeit  ju  bringen. 

2Bie  nun  oft  gemelter  Stlejanber  ben  Unmiüen  gegen  3fym  in 
ber  gonjen  ©emein  fpürete,  Ijat  @r  in  geheim  bie  SJornembften 
oon  ber  ©emein  ju  3^nt  beruften,  3fyre3  getarnten  bürgerlichen 
@ibe3  ©ie  junt  heften  ermahnet,  bon  biefer  ©od^e  ben  Sföber* 
partten  nicf)te£  ju  öermelben,  fonbern  auf  beftimbtten  Stage  anju» 
fa^en  Ijelffen,  roaS  befcfyloffen  roäfyre. 

SRembtid^:  Sr  mölte  mit  beut  ganzen  SRfjatt  3fyrer  Qrreunb 
unbt  SBertoanbten  ben  Äönig  brausen  im  Qfelb  ju  Safte  tauben, 
wart  folcfjeS  tofirb  gefcfyefyen,  föiit  in  ber  ©tatt  ein  Seber  mibt 
ben  fernen  audf)  fröliefy  fein.  3n  biefer  Qfreub  föltten  efclidje 
SRummen  gelten  unbt  aller  $reube  pflegen,  barunbter.e{jtid>e  be§ 
ffi)atö:  unbt  junge  ©ef eilen,  roeldje  fidj  in  Sunffemfteib  ange* 
tfjan,  unb  unter  berfelben  Äleibung  ifjre  ferttige  SEBe^ren,  foltten 
in  ba£  ©ditofc  mibt  ben  3f)ren  fid)  öerfügen,  unb  bafc  ©d}tofc, 
man  fie  ljineinfe{)mett,  mit  ©etoaltt  einbefyattten  unnb  alfo  befefcen, 
ber  ©tatt  Sübed  jum  ©eften. 

SSan  baS  gefdjeljen,  fällten  ©ie  eine  fiübifdje  Qfane  über  bie 
SKauer  heraus  Menden,  barauff  bau  föltten  bie  SBürger  in  ber 
©tatt  atfobafb  mit  gemertter  §anbt  aus  ber  ©tatt  fallen,  unb 
ba  ftdj  ber  Söntg  nur  ettoaS  unterften  mürbe,  biefent  ju  mehren. 

2)^a  biefer  §anbel  bet)  S^nen  ferttig,  fjatt  §err  2tlejanber 
üon  ©alfctoebel  ben  Äönig  mibt  feinem  ganzen  §oefe  l)inau3  tnd 
grüne  fjeltt  ju  einem  fandet  gefobert.  5Der  Äönig  Ijat  Sljm  ba3 
berfprodfjen,  unb  bo  fetbft  l)ie  ju  erf djeinen  angelobet.  Uf  be* 
ftimbtten  Jagf  ift  Me3  brausen  uff  ba«  «Uer^erligfte  unb 
ftafytligfte  zugerichtet  morben,  mibt  aflerljanbt  fd)öne  3e^tten  unb 
lapeceretjen  bejogen,  unb  Alle«  gan3  Äöniglid)  unbt  Qfütftfid) 
beftellet  unb  berorbnet  gemefen.  3)e3  9H)at3  unb  ber  ©tatt 
Wiener  uff  ba«  jirligfte  gefteibet  unb  gepufcet,  8UIe3  bem  ftönige 
ju  fonberlidjeu  (Sljren. 

(Snbttid)  unb  fdjliefclid)  uff  beftimbtten  Jagt  ift  ber  Äönig 
mibt  bem  Surgemeifter  §errn  Sltejanbro  unnb  bem  ganzen 
ffi)at  nebenft  ber  oornembften  SBurgerfdjaft  bis  jur  ©tatt 
IjinauS  geritten,  unb  !)at  man  bafetbften  nickte«  nadjgetaffen, 
loa«  jur  5re^be  gebienet.     Unb  fyat  man  atblja  nadj   (Sffenä 


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199 

gefpietett,  mibt  flauen  unb  ^unffern  getankt  unb  alle  Äurfc* 
roeit  geübet. 

aber  rote  bie  $reub  «m  beften  roaljr,  Ijat  man  au$  ber  SBurgf 
ber  ©tabt  Sübed  genblein  fliegen  gefefyen,  bar  ob  Die  2)äljnen 
jum  tieften  erfcfjroden. 

3fotgenbe3  aber,  ba  man  gefeljen  einen  großen  ©eroaUt  öon 
geruftem  gotd  au3  ber  ©tatt  Ijerju  nafyen,  ift  ber  ftönig  mit  ben 
©einen  uff  bte  Sßferbe  gefallen  unnb  ftd)  barbon  gen  !£raöemunbe 
öerfueget,  unb  inbem  (Sr  roegf  geritten,  jum  93urgemeifter  Igtxxn 
Sllejanbro  gejagt,  bafe  ©r  balb  roieber  fommen  roöttte. 

3)rauff  fjat  Sfjm  ber  SBurgemeifter   geanbtroorttet,  bafj  @r 

rooel  fommen  müctjte,  roan  ®r  roöttte,  aber  bamebenft  ju  roiffen, 

bafc  3f^m  foltte  begegnet  roerben." 

9tadjbem    SRefybein  fobann  über    bie    Lüftungen  be3  ÄönigS 

SBatbemar  unb  bie  ©egenanftalten  ber  fiübeifer  berietet  Ijat,  fd)tl* 

bert  er  bie  ©cf)lad)t  bei  Somljitob  in  folgenber  SBeife: 

„©apitetn  ift  geroefen  £err  Sltejanber  öon  ©alferoebel,  Surge* 
meifter  ju  Süberf,  benebenft  9fi>ofyljo  HE  ©rafen  ju  $olftein, 
ben  SBalbemaruS  öerjaget  Ijatte. 

3)a  nun  im  3lnjuge  bie  ©itmarfdjen  fa^en  bie  ^errli^e  unb 
fdjöne  SBerfammtung  ber  £ubifd)en  mibt  fo  root  geftopljirten  unbt 
jirlidjen  93aniren  baljer  gejogen,  ba  rourben  fie  eingeben!,  unbt 
fam  iljnen  eljben  uff  ber  ©tunbt  ju  gemüte,  bajj  bie  öon  Süberf 
niemals  im  geringften  mtber  fie  nid)t  geljanbelt,  unbt  bafc  fie 
iljnen  in  fünfttgen  Stxttn  rooel  bienen  unb  in  ber  SRoot  rooel 
föntten  ju  ©teror  unb  ju  f)fitffe  fommen.  SSielen  berroegen  öom 
Äönige  ab,  unbt  mifdjten  fid)  unter  bie  ^olfteinfd^en  vaxb  unter 
bie  fiübifcfjen,  roeldjeS  boef)  fein  geringer  ©<$abe  bem  3)änifd)en 
$auffen  braute. 

Unb  fie  fingen  an,  mibt  einanber  ju  ftreiten  uff  SÄarien 
SJtogbalenenS  Sagt  3m  Singang  ber  ©djlad)t  roartt  ju  beiben 
Reiten  lang  unb  Ijartt  gefönten,  Snbttid)  begonbte  bie  ©onne 
ben  5)änen  enbtgegen  ju  fdjeinen,  bafc  fie  ber  ©tanfe  in  bie 
Slugen  ftoef),  bljarum  fie  ntdjt  feljen  fönbten,  atfo  ba%  ber  Äönig 
öon  Denmarf  mibt  feinem  SSolfe  in  bie  3flud)t  gefälagen  unbt 

feine  ganfce  9Kadjt  erleget  roorben. S)iefe^  9lHe3 

ift  fcroar  gefdjef)en  mibt  fonberltdjer  £ttlffe  unb  Se^ftanbt  ©otteS. 


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200 

2>an  ber  Oberfte  §err  SHesanber,  iljr  ban  er  mit  feinen  ©urgent 
unb  ÄriegSleuten  an  bie  ©dfjladjt  getreten,  ift  er  mit  e$lid)en 
ber  ©einigen  uff  bie  Shtie  gefallen,  unb  bem  lieben  ©ott  bifc 
folgenbe  ©lübtte  getljan. 

2)a  ©ott  ber  Sllmedjtige  uff  ben  lagf  in  folgen  großen  unb 
äufcerfien  5löten  feine  §ütffe  geben  unbt  ©nabe  barju  öerteiljen 
mürbe,  bafy  er  mit  feinem  ©eljftanb  fiegen  unb  ba3  gfettt  beljal* 
ten  mürbe,  fotte  biefer  3Boelt^at  nimmermeljr  betj  3ljnen  gu 
Sübedf  nod)  iljren  SRadjfomlingen  öergeffen  merben.  NB.  3m 
Anfang  be£  ©treite  maljr  bie  ©onne  bem  tübifdfjen  Raufen  unbter 
äugen  unb  ganfc  enbtfegen,  atfo  ba$  fie  gteidjfam  gebtenbet 
maren.  2)a  feinbt  fie  abermals  uff  ifjre  Änie  gefaQen  unb  ©ott 
angerufen  3n  beljme  l)at  fid)  eine  bi<f  finftere  SBolfe  für  bie 
©onne  fyer  gesogen,  unb  ber  ©onne  gellen  unb  Mähren  ©<$ein 
ganfc  bebedet. 

§irbon  ^aben  bie  attten  ©atljotifd)en  inn  attten  Sauren  trefftg 

biet  gefabutirt  unb  gefügt,  ba§  e3  bie  ^eilige  SRaria  SKagbatena 

getrau,  bamibt  unb  bafc  fie  iljren  langen  9Äanbtet  für  bie  ©onne 

ausgebreitet." 

Sin  anberen  ©teilen  feiner  Gljronif  bemerlt  Sfteljbein  nodj,  bafj 

Sllejanber  ©ottmebel  in    bem    1249    gegen    3)änemarf    geführten 

Äriege  SapitaneuS  gemefen  fei,  unb  bafc  er  bon  bem  Äaifer  fjrie* 

brief)  II  nad)  ber  ©djtadfjt  bei  SBornljöbeb  fid}  ein  SBappen  erbeten 

Ijabe.    3n  teuerer  SBejieljung  fügt  er  ^inju: 

„@ft  tje  nu  moH  Dörren  ein  mapen  geljatt,  als  nömbticf  bat 

fdjitt  in  ber  mibben  gebeutet  unb  fjatff  geljt,  Ijatff  blau  gemefen, 

fo  gift  im  ber  Äaifer  ein  Ijafoen  f^mar^en  Slbter  in  batt   geele 

tJeHt,  unb  in  bat  btaue  Qfeltt  3  gulben  Sroften,  barum  batt  Ije 

einen  Äöningf  unb  3  Söningfr^fen  afj&ermunnen  Ijebbe.     5>iöer 

Sllejanber  ftarff  Ao.  1291  in  vigilio  Thomae  Apost.  unb  liefet 

begraben  in  9Rarien  Äerdf  unber  bem  &l)ore  unb  uf  bem  ©teine 

ift  fein  maffen  genauen." 

35iefe  (Srjäljlung   be$  9lef)bein   ift   bann   in   bie   Üübecftjrfjen 

©fjronifen   be3   fiebenjdjnten  unb  adjtjetjnten  SaljrljunbertS   über« 

gegangen,  bod)  Ijaben  bie  SSerfaffer  berfelben  bie  ©age  nod)   burdj 

einzelne  «Butfyaten  eigener   (Srfinbung   meiter  auSgefdjmfidt.     ÜRad) 

iljnen  f>at  nämttd)  Stejanber  ©ottmebel,  ber  bor  feiner  ®roäl)lung 


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201 

jum  9tatt)3f)erm  ein  ©cfjmiebegefett  gewefen  fein  fott  ($)etteb 
^retjerS  ßljronif),  bcm  Äöntge  Sßalbemar  nic^t  ein  eigenes  geft 
t>or  bem  Jljore  bereitet,  fonbern  ifjn  eingetaben,  gemeinfam  mit  ben 
^Bürgern  im  benachbarten  fiauerfyotje  ba3  SOiaifcft  ju  feiern.  ?lud} 
bie  9Jacf)ricf)t,  bafc  Stlejranber  ©ottwebet,  aU  iljm  öon  ben  ^Bürgern 
geftattet  warb,  fid)  eine  Söetoljnung  ju  erbitten,  für  feine  SanbSftute, 
bie  5ftärfer,  bie  3oÖfrei^eit  in  Sübecf  erwirft  l)abe,  entftammt  erft 
ber  ßljronif  be$  3)etteb  35ret)er. 

3n  biefer  erweiterten  ©eftatt  t)at  ^ßrofeffor  Dr.  2)eede  jene 
(Sr^äfytung  in  feine  Süberfifd)cn  ©efcfjidjten  nnb  ©agen  aufgenom- 
men. 35ajj  bie  ©age  l)iemit  für  bie  ^fanf*  ifatn  enbtidjen  9lb* 
fdjtuft  gefnnben  tjabe,  burfte  moI)I  erwartet  werben.  3n  neuefter 
3eit  l)at  aber  Dr.  ©dfymebet  in  feinem  iÖuctje:  „2)a3  beutfdje 
SBürgertfjum"  ben  SBerfurfj  gemacht,  ben  gaben  berfelben  nod) 
weiter  auSsufpinnen.  9?acf)bem  er  ba$  §au3,  in  wettern 
Sttejcanber  oon  ©ottmebet  wohnte,  in  feinem  Meuteren  befdjrieben 
(fetbft  bie  ^ßferbeföpfe,  metcfje  ben  ©iebel  jierten,  werben  Ijiebei 
nictjt  öergeffen)  unb  berichtet  t)at,  baft  berfetbe  in  ©aljwebet  gebo* 
ren  unb  einem  bortigen  9Kinifteriatgefrf)terf)te  entfproffen,  alfo  ritten 
liefen  ©tanbe$  gewefen  fei,  fdfjitbert  er,  meift  unter  wörtlicher  %n> 
leljnung  an  bie  $)eecfe'fdje  Srjä^tung,  bie  SSerbienfte,  welche  ficf) 
Sltejanber  Don  ©ottwebet  um  bie  Befreiung  ber  ©tabt  unb  bie 
Söefiegung  ber  2)änen  erworben  tjat.  Mad)  feinen  weiteren  eingaben 
fott  atebann  2ltejanber  ©ottwebet  at§  bie  ©eete  be§  SRatfyeS  unb 
Ijocft&erefjrt  öon  ben  Öürgerrittem  (!)  ber  ©tabt,  bie  auf  bem 
SKarfte  mit  bem  benachbarten  Stbel  Manien  ju  brechen  pflegten, 
alle  biejenigen  flJiaajjregetn  angeorbnet  fyabm,  benen  e§  ju  toerbanfen 
war,  bafc  im  $af)re  1234  ein  öon  $önig  SBatbemar  auf  bie  ©tabt 
oerfudjter  Angriff  abgefdjtagen  warb;  aucf)  fott  er  ba3  ©cfjiff  com» 
manbirt  fjaben,  wetd^e^  in  ber  ©eefd)lacf)t  beim  9ioftoder  lief  ba$ 
bänifcfje  9Ibmiratfdf)iff  enterte,  unb  im  Safyre  1248  aU  güfyrer  ber 
fiübecfifdjen  £$ftottc  bie  bänifrfjen  Äüften  &erf>eert  fyaben.  „Sinem 
dürften  gteitfj,"  fo  fcf)tiefct  ©djmebet  feine  ©djitberung,  „teufte  er 
mit  ftarem  unb  weitftcfytigem  Söticf  bie  ©efdjirfe  be3  großen  ©täbte* 
bunbeä.  93afb  fdjaffte  er  auf  ben  §eer*  unb  ,£mnbel§ftra&en  ben 
^aufteilten  9iul)e  unb  ©idjerljeit,  inbem  er  auSjog,  bie  ©djnaft)* 
f)äf)ne  auf jugreifen  unb  ju  rieten.    33alb  weitte  er  auf  bem  grünen 


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202 

©otfyfonb  unb  pflegte  ju  SBiSty  mit  bett  ©ärgern  SßorbbeutfdjlanbS 
unb  ber  norbifdjen  Steidje  Sinti),  nrie  ba3  beutfdje  33ürgertt)um  mit 
feinen  Slrmen  ben  ganjen  Korben  (SuropaS  umfaffen  unb  feine  gro&e 
futturgefd)id)tticl)e  ©enbung  an  iljm  erfüllen  fönnte.  9?td)t  fünnnern 
iljn  bie  Sknnftüdje  ber  Sßfaffljett,  meldte  ifyn  treffen,  meil  er  auf 
bem  bänifdjen  3uge  Äirdjeneigentljum  Ijat  plünbern  laffen;  md)t 
beirrt  tyn  bie  fetbftfütfjtige  Sßotittf  eines  SBilljetm  öon  $oOanb, 
be3  ©djauenburgerS  unb  be$  $l3fanier&  Urci  unb  ungetrübt  ift 
fein  Äuge.  Qn  Sonbon  am  ©taf)lt)ofe,  roo  fid)  bie  beutfdjen 
Staufleuie  fdjon  feit  brei  Sa^r^unberten  öerfammetn,  mie  ju  Stiga 
nvb  Koögorob,  rooljtn  fie  jefct  beutfdje  ©itte  getragen  Ijaben,  fpridjt 
SHejanber  öon  ©ottwebet  burd}  feine  ©efanbten  ba$  entfdjeibenbe 
SBort.  &ud)  bem  ^errfdjer  ber  Steutfdjen  gegenüber  l)ält  er  fefi 
an  bem,  ma3  er  als  erfpriejjlid)  unb  gebeibtid)  für  fein  Sübed 
erfannt  fyat,  bafj  e3  frei  fei  öon  jeber  fttrfttidjen  Sotmäfjigfeit.  3m 
Sntereffe  ber  SBürgerfdjaft  Ijanbett  er  fräftig  unb  erfolgreich  felbjt 
gegen  bie,  metdje  er  unter  ben  dürften  2)eutfcl)lanb£  als  feine 
angeftammten  Ferren  anfetjen  mufj,  gegen  bie  StaUenftebtifdjen 
äRarfgrafen  Otto  unb  3of)ann  öon  ©ranbenburg.  Äönig  SBit 
tjetm  öon  §ollanb  Ijatte  benfetben  bie  SJogtei  über  Sübeif  t>cr 
tiefen;  Slteianber  öon  ©oltroebet  proteftirte  im  Saljre  1257  fo 
bünbig  bagegen,  bafc  öon  ber  Angelegenheit  fpäter  nid^t  me^t  tue 
9tebe  mar." 

$)af$  Älejanber  ©ottmebet  alten  biefen  fo  öerfdjiebenen  $lnfor* 
berungen  geregt  gemorben  ift,  folt  naef)  ©djtoebefä  93el}auptung 
burd)  bie  öorljanbenen  Duellen  bejeugt  merben.  3)iefe  befunben 
aber  nur,  bafj  berfetbe  in  einem  Sßroceffe  miber  bie  SRarfgrafen  toon 
JBranbenburg  im  auftrage  beS  Status  Berufung  eingelegt  t>at.  ?ülc 
anberen  über  tyn  gemalten  Angaben,  foroeit  fie  nid)t  mit  bem  3«* 
tyatte  ber  im  Obigen  angeführten  Sagen  übereinftimmen,  finb  ^an 
tafiegebitbe  ©d^mebefe,  für  bie  e$  an  jebem  gefiederten  Anwalt 
feljtt,  unb  boc§  ertjebt  er  ben  Änfprudj,  ba$  er  gefdjidjttidje  2>ar* 
ftetlungen  unb  nid&t  oberflächliche  geuilletonartifet  öerfafjt  l)abe,  unb 
bafj  feine  Arbeit,  einen  meit  größeren  t}iftorifd)en  Sßertlj  beftfe«,  afe 
bie  auf  fetbftftänbigen  Ijiftorifäen  gorfdjungen  beru^enben  3Nn* 
fteHungen  SBartljolbS  in  feiner  ©efrf)td)te  ber  beutfdjen  ©t&bte  unb 
beS  beutfdjen  83ürgertljum3. 


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203 

93on  ben  ©efcfjidjtf  Treibern  ftefyen  SBangert5)  unb  Setter,6)  ba 
ifynen  ber  3"*ritt  ju  ben  jcfet  eröffneten  Quellen  ber  älteren 
Süberftfrfien  ©efd)id)te  toerfrfjloffen  mar,  üöllig  unter  bem  ©influffe 
ber  cfyronifalen  Ueberlieferungen.  Qfn  Uebereinftimmung  mit  ben« 
fetben  berieten  fie,  bafj,  als  im  $al)re  1226  baS  SRaifcft  bor  bem 
93urgtf)ore  gefeiert  roarb,  unb  ber  bäniftfye  Statthalter  bemfelben 
beirooljnte,  bie  SBürger  beimlid)  in  bie  SBurg  eingebntngen  finb  unb 
bie  bänifcfye  SBefafcung  aus  berfelben  bertrieben  tjaben;  bafc  ber  Sßlan 
^ieju  üon  Ätejanber  bon  ©oltroebet  ausgegangen  fei,  wirb  öon 
iljnen  nitfjt  befunbet,  berfetbe  fjat  aber  ben  Oberbefehl  über  bie 
Sübetfer  1227  in  ber  ©tfylacfjt  bei  33ornf)öt>eb  unb  1249  in  bem 
Kriege  gegen  ^änemarf  geführt. 

3n  feiner  ©efc^i^te  ber  ©tabt  Öübetf  f)at  bann  ^rofeffor  Dr. 
®eetfe  in  einem  beigefügten  ©jeurfe7)  fiel)  auSfüfyrlirfj  mit  ber  $er* 
fon  beS  ?llejanber  bon  ©oltroebet  befdfjäftigt.  @r  bejeidjnet  bie 
9?ad)ri(f)t,  bafc  berfetbe  bie  |>eereSmadjt  ber  fiübeder  in  ber  ©d)lad)t 
bei  93om^öt)eb  befehligt  fjabe,  als  nid)t  faltbar,  bagegen  erad)tet  er 
bie  Slngabe  25etmarS,  bafe  Jener  bie  fiübetfer  im  bänifcf)en  Kriege 
1249  angeführt  Ijabe  unb  bafe  er  roegen  ber  Ijiebei  errungenen  8Ser= 
btenfte  neben  feinem  ©ruber  Stmolb,  ber  bereits  bem  Statte  ange* 
Ijört  fjabe,  jum  9tatf)Sf)erm  crroäfjlt  fei,  als  genügenb  beglaubigt. 
3m  Uebrigen  finb  feine  Angaben  äujgerft  furj  unb  fragmentarifd), 
autfj  nid)t  geeignet,  öon  ben  3wnilienberf)ältniffen  unb  ber  Stellung, 
bie  Slfejanber  im  Statlje  eingenommen  f)at,  ein  ffareS  85ilb  ju 
fcfjaffen.  @in  fotcfjeS  $u  geroinnen,  foH  in  ber  nadjfolgenben  $>ar* 
ftetlung  tjerfuc^t  roerben. 

SltS  firf)  ju  @nbe  beS  jroölften  unb  im  ^Beginne  beS  breijefjn* 
ten  3af)rf}unbert3  in  ben  beutfrfjen  ©täbten  bie  Familiennamen  ju 
bilben  begannen,  roarb  jur  Seseicfjnung  öon  *ßerfonen,  bie  bon  auS* 
roärtS  eingeroanbert  roaren,  meift  ber  SRame  iljrer  früheren  ^eimatlj 
öcrtpanbt.  SS  unterliegt  bafyer  feinem  Qwttfd,  bafc  bie  Familie, 
ber  Sllejanber  bon  ©oltroebet  angehörte,  urfprünglicf)  in  ©atjroebel 
fefcfjaft  geroefen  ift.    2)afür,  bafj  fie,  roie  ©djroebet  behauptet  Ijat, 

*)  Origines  Lubecenses  cap.  48,  49  in  2öcftpt)alen  monumenta  ine- 
dita.     Xf).  1. 

e)  UmftänMid>e  ®efd)id)te  ber  ©tabt  Sübett.    ty.  1  6.  180. 
7)  ©efdjidjte  ber  ©tabt  Sübecf.    6.  223. 


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204 

htm  ritterlichen  ©tanbe  ber  Surgmänner  angehörte,  feljlt  e$  an 
jebem  9tacl)tt>eife,  bodj  ift  bie  SDiöglidjfeit  tyiefür  nidjt  auägefdtfoffen, 
ba  ju  jener  3ctt  meljrfad)  bem  9tittergefd}led)te  angetyörige  Sftänner 
fid)  in  ben  ©tobten  mebertiefcen,  um  in  iljnen  bürgerliche  ©efdjäfte 
ju  betreiben.  Qu  biefen  gehörte  in  Sübetf  ber  batb  Sodann  3Rönd), 
batb  3tofjann  öon  ^Bremen  benannte  9tatt)3ljerr,  ba  biefer  gmetfefe* 
oljne  einer  bei  Bremen  anfäffigen  ritterlichen  gamitie  entftammte, 
bie  abtt>ed)fe(nb  ben  gamitiennamen  2Köndj  unb  öon  Sremen 
führte,8)  fonrie  griebrid^  3)umme,  ben  ber  Sßapft  ©regor  1232  bei 
öeftätigung  einer  öon  itjm  gegrünbeten  SBifarie  auSbrücflid)  ofe 
9iitter  bejeidjnet  l)at.9) 

3n  ben  furjen  SluSjügen,  bie  ber  ©enior  öon  SJieHe  aus  bem 
feitbem  öerloren  gegangenen  ätteften  Dberftabtbudje  gemacht  tyat, 
merben  mehrere  Sßerfonen  mit  bem  Flamen  ©oltroebel  aufgeführt, 
nämlid)  ^artmig  Don  ©oltroebel,  ber  1227  ein  £au3  öon  ben  &in= 
bern  be3  SBebego  öon  SBittenbord)  taufte,  bann  jum  3al)re  1242 
griebrid),  ^ermann,  SBatter,  ^eribrant  unb  Slrnotb  t)on  ©oltroebet, 
unb  jum  3a^re  1265  SWcotauS  öon  ©ofttnebef.  ©in  Orriebndj 
öon  ©oltmebel  befafs  1250  ein  am  3Rarfte  belegenes  ^pau§. 

9113  SDiitglieber  be3  Sübetfer  StatljeS  roerben  in  ber  alteften 
9tatl)§linie,  bie  bereite  im  brennten  3af)tf)unbert  angelegt  ift  unb 
fid)  öoUftänbtg  nur  in  einer  Stbfdjrift  au?  bem  Slnfange  be3  fünf 
je^nten  3al)rf)unbert3  erhalten  l>at,10)  namfjaft  gemalt  3ol)anne$, 
9lrnolb  unb  Sllejanber  öon  ©ottmebel. 

3)er  erftere  nrirb  in  jroei  Urfunben,  öon  benen  bie  eine11) 
toaljrfäeinltc^  1227,  bie  anbere12)  1230  auSgeftellt  ift,  unter  ben 


8)  Urfunbenbud)  ber  ©tabt  öremen.    %%.  1  9*o.  276,  393  u.  a. 

•)  Urtunbenbudj  be$  93i$tl)Mn3  Sübecf.  $f).  1  6.  72.  $ic  t>ou  mir  in 
biefer  3eitfd>rift  93b.  4  $cft  2  ®.  122  auögefprodjenc  Starmutfyung,  bafc  btt 
©e$eidjnnng  miles  nur  als  ein  &ft  ber  £öfUdjfcit  gu  betrauten  {et,  fdpeint 
mir  je^t  ntdjt  meljr  fjattbar  ftu  fein,  jumal  fein  ©ofjn  griebrid)  Zumute  in 
einer  Sfofeeidntung  be$  älteften  Dberftabtbud)£  1227  bie  e^rcnbcjcic^mmg 
dominus  erhalten  fjat,  toftljrenb  ber  gleichzeitig  in  üjr  ermähnte  ätatl^fpri 
#einridj  Don  33ocffjott  berfelben  entbehrt. 

10)  $on  ber  alten  Driginatyanbfdjrift  beftfct  bie  ©tabtbibliotljcf  $n*i 
Heine  Sßergamentftreifen. 

11)  Urtunbenbudj  ber  (Stabt  Sübecf.    I  6:  53. 
li)  fcafelbft  6.  59. 


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205 

9totf)3ljerrett  aufgeführt,  meldje  als  QtUQtn  bie  $anblung  beglau* 
bigten.  Sn  bcr  Urfunbe  be3  3aljre$  1230,  in  welcher  faft  fömmt» 
lidfje  bamatigc  $RatI}3ljerren  namhaft  gemacht  finb,  nimmt  er  unter 
btefen  bie  borlefcte  ©teile  ein.  ©iefer  Umftanb  ift  mistig  für  bie 
@ntfd)eibung  ber  ^rage,  ob  er  bajumat  bereite  längere  ober  fürjere 
3eit  bem  Statte  angehört  Ijat.  @3  werben  namtief),  wenn  in  einer 
öom  Statte  aufgeteilten  SegtaubigungSafte  —  unb  als  eine  fote^c 
ift  bie  angejogene  Urfunbe  ju  betrauten,  bo  fie  einen  mit  bem 
Sifdjofe  üon  SRafeeburg  abgesoffenen  ©renjöertrag  betrifft  —  bie 
fämmttidjen  SRat^^erren  ober  bod}  eine  größere  3a¥  berfelben 
aufgeführt  werben,  an  erfter  ©teile  ftets  bie  Sürgermeifter,  hierauf 
gewöljnlid)  bie  Äämmereifyerren  unb  fobann  bie  übrigen  SRat^erren 
nad)  iljrem  3)ienftalter  namhaft  gemalt.  3">ar  wirb  in  Sejug  auf 
bie  lejjteren  nid^t  immer  biefe  SReifyefolge  genau  beobachtet,  bod)  fom-- 
men  ftets  nur  unwefenttidje  Abweichungen  öon  berfetben  t>or,  wag 
fic^  öietteidjt  barauS  erflärt,  bafe  neben  ber  9lmt3jeit  bei  ben  unge* 
fäfjr  gleichaltrigen  SDiitgliebern  aud)  SRücffidjt  auf  ben  ordo,18)  bem 
fie  angehört  fyaben,  genommen  warb.  SoljanneS  öon  ©oltwebet 
wirb  alfo  ju  benjenigen  SRämtern  gehört  Ijaben,  bie  1226  nad} 
(Srtangung  ber  SReidjSfreiljeit  in  ben  SRatlj  eingetreten  finb.  ©eftor» 
ben  ift  er  woljt  um  btö  3aljr  1238,  \>a  er  in  ber  alteften  9tatf)& 
linie,  in  wetdjer,  minbeftenS  feit  bem  Saljre  1227,  bie  SRat^^erren 
nidjt  nactj  bem  Saljre  iljrer  (Srmäl}tung,  fonbern  nad)  bem  iljreS 
2obe3  eingetragen  finb,  in  jweiter  ©teile  auf  Sertram  ©talbuc 
folgt,  ber  nod)  im  Saljre  1236  gelebt  fyat.  SDeede  erflart  iljn  in 
feiner  ©efdjidjte  ber  ©tabt  Sfibed  für  ben  Steter  be3  Ätejanber 
©oltwebel,  bodfj  fe^tt  e3  Ijiefür  an  jebem  fidjern  Anwalt. 

9lrnotb  bon  ©oltwebel,  ber  nadj  bem  33eridjte  2)etmar3  bereite 
öor  Sllejanber  jum  9RitgIiebe  be3  SRatljeS  erwählt  fein  foll,  wirb 
in  feiner  uns  erhaltenen  Urfunbe  erwähnt.    3)afc  er  aber  bem  Statte 


1S)  $)er  SRatfj  verfiel  in  brei  fogenannte  ordines.  93ei  feiner  2Balj(  würbe 
jeber  9tatfj$f)err  einem  berfetben  beigeorbnet,  unb  gehörte  biefem,  wenn  nidjt 
au$naf)mdweife  fpäter  eine  $erfefcung  ftattfanb,  für  feine  ßebcnäaeit  an.  $ie« 
fer  ÖJebraudj  lägt  fidj  aflerbingS  erft  für  ba3  trierjefjnte  jgafjr^unbcrt  erweifen, 
er  wirb  aber  unzweifelhaft  bereits  in  ber  frttljeften  Seit  beftanben  Ijaben,  ba 
er  batntt  5ufatnmenl)ängt,  bafj  nad)  altem  <$ebraud)e  ein  jeber  SRattySljerr  nad) 
zweijähriger  &mt3tl)ätigfeit  ein  Shrtjejaljr  genofj. 


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206 

nrirttidj  angehört  Ijat,  ift  nidjt  ju  bejmeifeln,  benn  fein  Warne  nrirb 
in  ber  9iatl)$tinie  aufgeführt,  aud)  mirb  im  Dberftabtbud)e   1288 
unb  1290,  ju  einer  Qtit,  in  ber  au&er  ©eiftlidjen  nur  Kat^erren 
in  iljm  ben  $itel  dominus  empfangen,  ein  Stlejanber  als  filius  do 
mini   Arnoldi   de   Soltwedele   bejeidjnet.14)     25a   fid)   au3   bcn 
Sauren  125315)  unb  125616)  Urfunben  erhalten  Ijaben,  in  benen 
bie   fämmtlidjen  SRatl^erren   als  3eugen  aufgeführt  finb,  unter 
iljnen  aber  ein  Slrnotb  öon  ©ottroebel  nicfyt  öortommt,  fo  Ijat  er  ber* 
jeit  bem  Statte  nod)  nidjt  angehört.     SBann  er  in  ben  folgenben 
3a^ren  in  benfetben  eingetreten  tft,  läfct  fid>  nidjt  feftfteHen;   audj 
ift  nid)t  genau  ju  ermitteln,  wann  er  geftorben  ift.     Dfyne   Ijiefür 
einen  Seroete  ju  erbringen,  nehmen  ©gröber  unb  ©eetfe  an,  baß  ei 
1287  nod)  gelebt  Ijabe;  bem  ift  aber  nid)t  beijupfUdjten,  ba,  aU 
»ifdjof  »urcfyarb  im  3aljre  1277  fammtlidje  3Ritglieber  be*  dtatiß 
unter   Stnfütjrung    itjreS  SRamenS  mit  bem  Sann  belegte,17)   be* 
Ämolb  öon  ©ottroebel  feine  ©rnmfynung  gefdjteljt,  unb  ba   er    in 
ber  SRat^tinie  eine  ©teile  einnimmt,  bie  barauf  fdjliefcen  täfct,  ba| 
er  bereite  um  1270  mit  £obe  abgegangen  ift     ©emoljnt   ^at   er 
in  bem  #aufe  Äönigftrafje  3ac.*Qu.  SRo.  640. 

ffitmaS  ausführlichere  9iad)rid)ten  Robert  fid)  burd)  bie  öon  SfteDe 
gefertigten  SluSjüge  aus  bem  älteften  Dberftabtbudje  über  bie  £eben& 
toerljältniffe  be§  Sllejanber  toon  ©oltroebet  erhalten,  ©ein  SBater  tocx 
meüet^t  ber  im  Obigen  erwähnte  Qfriebrid)  öon  ©oltmebel.  tiefer 
gehörte  nämltd)  ju  ben  angefetjenften  ^Bürgern,  ba  er  nad)  9fteUe« 
Angaben  im  ©tabtbudje  bie  eljrenbe  Sejeidjnung  dominus  führte; l*\ 
<mä)  mar  er  ©igner  eines  am  9ßarfte  belegenen  £aufe3,  unb  toat 
biefeS  fcielleidjt  baffelbe,  meldjeS  fpäter  Slejanber  befafr.  SMefer 
wohnte  nämlid)  in  bem  #aufe  9?o.  270  an  ber  ®de  be$  Sofcl* 
marftö  unb  ber  jefcigen  ©anbftrafje,  btö  nadj   einer  alten,  bantate 

u)  gröber,  topograpljifdje  unb  geneologifc^e  9totijen.    ©.  24. 

,ft)  Urhmbenbud)  ber  ©tabt  Sübecf.    Xf).  1  6.  179. 

,e)  (Ebenbaf.  S.  207,  208.    Urfunbenbudj  be3  ©i$tI)umS  2übtd.   S.  111 

")  Urfnnbenbudj  be3  Si*ttytm8  Sübcd.    ©.  257. 

18)  Äbtoeidjenb  öon  bem  foätcren  ©ebraudj  wirb  um  bie  Witte  bc3  hrei< 
Sehnten  3atjrlmnbert$  im  ©tabtbudj  ber  Xitel  dominus  nirf)t  nur  9tatfe# 
Ferren,  fonbem  audj  angefeljenen  ©firgern  »erliefen;  jo  im  Sa^re  1242  SBc- 
bego  be  SBittenbord),  Albertus  be  fttingenberg,  Subeco  JJrifo,  ©ifribuS  Saat- 
toefle  ic,  bie  jammtlid)  bem  SHatije  nidjt  angehörten. 


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207 


bereits  auSgeftorbenen  ganutte  bett  SRamen  hereditas  Hannover 
führte  unb  ju  jener  3*ü  nod)  am  ÜRarfte  tag.  Sßerljeiratljet  mar 
er  mit  einer  Jodjter  be3  Sltbert  9iufu3,  ber  tooljl  mit  bem  in  ber 
9latlj3ttnie  ermähnten  Slfbert  9tobe  ibentifd)  ift.  9lu3  biefer  (Sfye, 
bie  ju  ©nbe  ber  Diesiger  Saljre  eingegangen  fein  wirb,  lebten  1263 
jmei  Äinber:  ein  ©oljn  Strnolb,  ber  fid),  roie  au£  ber  ifym  beigefügten 
SBemerftmg  scholaris  ju  entnehmen  ift,  tt>of)l  bem  gciftlidjem  ©tanbe 
gemibmet  f)at,  unb  eine  Jodjter,  bie  mit  SUroin  SBitte  öerfjeiratfjet 
mar.  2)iefer  i)at  er  in  jenem  3a^re,  rooljl  bei  ©elegentjeit  iljrer 
SBerefyetidjung,  bie  £ätfte  be3  öon  üjm  berooljnten  §aufe3  abgetre* 
ten.  9lufjerbem  erwähnt  ©enior  öon  SReUe  in  feinen  2übecfifd)en 
©efdjledjtern  nod)  einer  Softer  ©efa;  ba  er  aber  eine  3al)re§jal)l 
nidjt  beigefügt  Ijat,  fo  läfjt  ftd)  über  biefelbe  nichts  Sicheres  er» 
mittein.  Db  bie  «ifarie  be  ©otttoebele,  für  toeld>e  1263  200  9)torf 
auSgefefct  tuaren,19)  öon  Sllejanber  ober  einem  anberen  Sftitgliebe 
ber  gamitie  ©ottroebei  gegrünbet  ift,  läfjt  fid}  nidjt  feftftellen,  ba 
berfelben  in  ber  gfofgejeit  leine  meitere  (Srroäfynung  gefdjiefjt.  ©e« 
fiorben  ift  Sttejanber  im  3at>re  1291,  unb  foll  nad)  SReljbein'ä 
Eingabe  auf  feinem  ©rabftein,  ber  im  Sljore  ber  SKarienfircfye  lag, 
ber  20.  £ecember  aU  SobeStag  öerjeidjnet  getuefen  fein. 

311$  Statten:  roirb  er  juerft  am  19.  9M  1250  aufgeführt.20) 
©r  fann  erft  furj  Dörfer  in  ben  Wati)  eingetreten  fein,  ba  er  in 
einer  am  11.  2ßai  1253 21)  aufgeteilten  Urfunbe  unter  jtoeiunb» 
jnmnjig  9iatl)£t)erren  bie  brittlefete  ©teile  einnimmt,  unb  if>m  in 
einer  Urfunbe  Dom  12.  9Kärj  1256 22)  Don  trierunbjttmnjig  SRatljS* 
Ferren  ad)tjetyn  öorangeljen.  ^jiernad)  fann  mit  ©idjerljeit  behauptet 
roerben,  bafc  ber  33erid)t  Äornerä,  nad)  meinem  Sllejanber  ©ott« 
roebel  bie  üübecftfdjen  Gruppen  1227  in  ber  ©d)lad£}t  bei  öornffitoeb 
angeführt  l)at,  roemt  er  nidjt  t)on  iljm  erfunben  ift,  auf  einer  unbe« 
grünbeten  fagenljaften  Ueberlieferung  beruht,  jumal,  nrie  bereite 
fiappenberg    unb   äBaifc23)    nadjgeroiefen   Ijaben,  bie   fid}   auf  bie 


10)  Urfunbenbud)  be3  SBtetljum*  ßübed.    <S.  168. 
30)  Urtimbenbud)  ber  ©tobt  Sübecf.    Zf).  1  6.  146. 
91)  (Sbenbaf.  @.  179. 
as)  Sbenbaf.  @.  207. 

3S)  Wvfyt)  ber  GJefeflfdjaft  für  ältere  ®efd)id)t$forfd>imfl.     $f>.  6  <S.  585 
ff.  u.  @.  46i  ff. 


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208 

ältcftc  ©efdjidjte  ßübedS  bejietjenben  9tod)rid)ten  jenes  (S&roniften, 
fotoeii  fie  nidjt  auf  angaben  be$  Sljroniften  Weimar  fufcen,  fctbft 
bann,  roenn  er  fid)  für  biefelben  auf  einen  ©emä^rSmann  beruft, 
t>on  t>ome  Ijerein  t>erbäd)tig  finb.  S$  fjat  baljer  audj  $)eede  ftor* 
ner  ju  titet  (ätyre  ermiefen,  wenn  er,  um  tyn  nicfyt  gönjlid^  fallen 
ju  taffen,  bie  9Jiögtid}feit  jugiebt,  bafc  Slejanber  aU  junger  SJtami 
ber  ©djlacfyt  bei  33ornl)ik>eb  beigewohnt  fyabt. 

Äud)  bie  9iad}rid)t  $etmar§,  bafe  Äfejanber  öon  ©olttoebet 
im  3>al)re  1249  an  ber  ©pifce  ber  Sübeder  glotte  geftanben 
l)abe,  crfdjeint  ungtaubroürbig.  3)enn  e3  ift  nidjt  anjuneljmen,  bafj 
einem  jungen  SDtanne,  ber  entroeber  erft  furj  öorljer  in  ben  3iatl) 
eingetreten  ift,  ober  ber  biefem  überall  nod)  nidjt  angehörte,  eine 
fo  mistige  Stellung  übertragen  fein  foHte.  Ueberbiefj  ift  e£  feljr 
jroeifelljaft,  ob  in  jener  Qtxt  bereits  Sübedifdje  Stat^erren  bie 
^Bürger  in  ifyren  kämpfen  angeführt  l)aben,  unb  ob  nid)t  bajumal 
btefeS  Amt  ftetö  einem  auswärtigen  $lbtigen,  ber  fid)  im  Kriege 
anberroartö  bemäljrt  Ijatte,  ober  bem  SJogte  ber  ©tabt  übertragen 
toarb.  ©engtet  uns  bodj  2)etmar,*4)  bafc  in  ben  ßämpfen, 
roetdje  bie  Sübeder  1252  unb  1253  gegen  bie  3)anen  führten, 
£inrif  öan  ffimetborpe,  ber  jur  ©efofgfdjaft  be§  SKarfgrafen  Sodjira  I 
t>on  Sranbenburg  gehörte,2*)  ben  Oberbefehl  Ijatte;  and)  ift  in  ben 
Sßrocefcaften  toiber  ben  öifdjof  SBurdljarb  überliefert,  bajj  im  3a^n 
1301  bie  ßübeder  Bürger  unter  ber  güljrung  be$  bamaligen  SBogte* 
#aljn  bem  bie  ©tobt  mit  einem  Ueberfatt  bebroljenben  ^erjog 
Otto  öon  ©raunfdjroeig  entgegenjogen.  Weimar  Ijat  feine  9tad)ridjt 
erftdjtlid)  nidjt  aus  ber  alten  ©tabe$d)ronif  entlehnt,  fonbern  er 
Ijai  bie  SBerfe  entmeber  anfnityfenb  an  münblidje  Uebertiefenmgen 
felbft  berfafct,  ober  fie  einem  ^etbengebic^t  entnommen,  ba3  bie  @r» 
folge  ber  ßtibeder  in  bem  Äriege  öon  1249  feierte  ober  lebiglidf 
bie  Sßerfon  ÄlejanberS  öon  ©ottmebet  betraf.  2Bar  ein  fotdped 
©ebtdjt  öorf)anben,  fo  wirb  e3  bodj  erft  tauge  nad)  bem  2obe 
SltejanberS  entftanben  fein,  unb  jmar  ju  einer  Qtxt,  at§  eine  genaue 
(Erinnerung  an  bie  ©reigniffe,  metdje  fid)  ju  feinen  fiebjeiten  ju 
trugen,  bem  ©ebäd>tniffe  bereite  entfetymunben  war.    gfür  biefe  91^ 


**)  (Brautoff,  ßübecftföe  C^ronifen.    ty.  1  S.  132. 
»■)  Urfunbenbudj  ber  ©tabt  ßübed.    £$.  1  ©.  169. 


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209 

natjme  fprid)t,  bafc  in  jenen  SSerfen  bie  grofce  Japferfeit  SHejan* 
berö  bei  furnieren  unb  SBaffenfpielen  gerühmt  wirb,  mäljrenb  fdjon 
bajumat  nur  ritterbürtigen  Sßerfonen  bie  Setfjeüigung  an  benfetben 
juftanb,  unb  bafe  er  erft  nadj  sÄrnotb  öon  ©ottroebet  jum  tiiatfä 
Ijerrn  ertoäljtt  fein .  foll,  obgleich  in  SBirfttdjfeit,  nrie  in  Obigem 
nadjgennefen  ift,  ba$  33ert)ättnif3  ein  umgefeljrteS  mar. 

$lad)  bem  %at)it  1256  roirb  Sllejanber  öon  ©olttnebet  erft 
wieber  im  3af)re  12762ti)  unb  bann  1283 27)  als  Beuge  in  auSge* 
ftcUtcn  Urfunben  namhaft  gemalt.  35ie  großen  üürfen  erltären 
fid)  barau*,  bafc  ficf>  ans?  jener  3eit  nur  roenige  Urfunben  ermatten 
fjaben,  in  beneu  SHat^^erren  als  Sangen  aufgeführt  tnerben.  3n 
feinen  testen  2eben$jaf)ren  finbet  fid)  fein  9tome  Ijäufiger,  näm* 
(id)  1286,  1289,  1290  unb  1291. 28)  äöeun  $eede29)  behauptet, 
ba%  feiner  aud)  in  ben  Satiren  1261  unb  1278  ©rroäljnung 
gefdjefje,  fo  fyat  es  nid)t  gelingen  wollen,  bie  Duetten  für  biefe 
Angaben  gu  ermitteln.  &m  16.  SRobember  1277 30)  roirb  Stlejam 
ber  mit  im  fämmtlidjen  anberen  9iatf)3t)erren  unb  einer  großen  3af)l 
ber  angefefyeuften  Jöürger  öon  bem  Siübedifdjen  Sifcfyof  Söurdljarb  in 
ben  Sann  getrau,  meil  bie  öeöölfcrung,  nad)bem  frühere  Streitig- 
feiten  gütlid)  beigelegt  roaren,  feinem  unb  be3  $>omca}rite[3  ©injug 
fid)  tfjätlid)  nriberfefct  Ijattc.  (Srft  am  27.  Oct.  1280  nmrb  ber 
S3ann  bou  bem  ßarbinal  3acob  be  ßolumna  mieber  aufgehoben. 

2lu3  feiner  meljr  aU  öiergigjätjrigen  Slmtejeit  mirb  unä  nur 
öon  einem  ©reignife  berietet,  bei  bem  er  bie  3ntereffeu  feiner 
SSaterftabt  felbftftänbig  vertreten  fyat.  Unterm  25.  9Kär$  1252 
fyattt  ber  beutfdje  Äönig  SBilfjetm  bie  ©tabt  Sübed,  bereu  SRatlj 
tljm  bie  Anerkennung  üerfagt  gu  fjaben  fdjeint,  ben  Süiarfgrafen  Don 
23ranbenburg  übertragen,  um  fie  nad)  Seljnredjt  ju  befifcen,  unb  ben 
93ürgern  gleid)jeitig  befohlen,  biefe  als  ifjre  Ferren  anjuerfennen.31) 
Srofcbem,  baft  ber  päpftlicfye  üegat  £ugo  am  gleichen  Jage32)  bie 

")  Urtunbcnbudj  be$  «iStfmmS  ßübeef.    @.  240. 
aT)  Urhmbenbud)  ber  ©tabt  ßübeef.    %$.  1  6.  411. 
**)  1286  ebenbaf.  6.  452;   1289  @.  488;   1290  6.  499  u.   503;  1291, 
2)*ai  19.  u.  25  ©.  522  u.  523. 

2y)  $ie  attejte  £übecfifd>c  fflatyeltmc.     S.  33  Wo.  267. 
30)  Urfunbenbud)  be«  S3i*Ü)um$  iiübeef.     ©.  256. 
9l)  Urfunbenbud)  ber  6tabt  Sübecf.    %l).  1  @.  167. 
3*)  ebenbaf.  8.  168. 
3tfar.  b.  «.  f.  ü.  ö.  IV,  3.  14 


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210 


Sübeier  aufforberte,  bei  SBermeibung  bcr  (Sjcommumcation  bcr  Sfo 
orbnung  be£  ÄönigS  $o(ge  ju  Ictftcn,  unb  bic  93ifd)öfe  üon  |>a&el' 
berg  unb  Schwerin  ba3  £omca{ritel  in  Sübecf  beauftragten,  im  Srall 
fortgefefeten  2Biberftanbe3  biefefbe  ju  üofljiefjen,33)  fo  weigerte  fid) 
bod)  ber  Siatf)  unter  Berufung  auf  bie  früher  erteilten  faiferfidjen 
Privilegien,  bem  Sefeljle  gofgc  ju  teiften.34)  ßugleic^  roanbte  er 
fid)  an  ben  s$apft  Snnocenj,  ber  unterm  20.  Januar  1254  ber 
©tabt  ba3  ifyr  üon  ben  früheren  töaifern  erteilte  ^ßrimfegium,  nai 
meinem  fie  nidjt  Dom  SReidje  oeräuftert,  nod)  $u  üeljen  ober  $fanb 
gegeben  werben  burfte,  beftätigte  unb  ben  $lbt  gu  9ieinfe(b  bcauf= 
tragte,  barüber  ju  tünchen,  bafc  bem  nadjgefommen  werbe.35)  $\t 
burd)  faljen  fid)  bie  äJtarfgrafen  öon  Sranbenburg  jebod)  nic^t  m> 
anlaßt,  öon  ben  ifjnen  üertietjenen  ?fnfprüd)en  jurütfjutreten;  fie 
fdjeinen  toiednefyr  ifjrerfeit*  in  einen  93roccf$  bor  ben  geiftlidjen  $e= 
körben  eingetreten  ju  fein.  3m  SBerfaufe  beffelben  fyat  bann 
Sltejanber  üon  @o(troebel  aU  Vertreter  be3  sJtatlje3  üor  bem  Dom* 
cajutet,  ben  2)ominifanern  unb  ben  grancisfanern  am  17.  9Rai 
1257  bie  nadjfotgenbe  ©rffärung  abgegeben:36) 

,,3d)  älejanber,  SKatt)$f)err  unb  Sürger  ju  iiübetf,  erneuere 
am  £>imme(faljrt3tage  fd)rift(id)  oor  Sud),  meinen  Ferren,  bem 
^ßräpofituS,  bem  2)efan  unb  Surem  gangen  Gapttet,  fonrie  oor 
allen  anberen  geiftüdjen  .Sperren,  bie  Appellation,  roeldje  am 
Jage  bc3  Zeitigen  Wavbian  unb  l£pimad)u3  Don  ben  Sübedtfdjen 
9iat()*f)erren  für  fid)  unb  bie  gange  i*übedifdje  Sürgerfdjaft  laut 
üerfünbet  ift  wegen  ber  SJedjteoerlefcung,  mit  ber  fie  fid),  iljre 
3rveif)eit  unb  ifjre  Privilegien  unter  bem  ^ormanbe  einer  unjfc 
(affigen  ©efdjmerbe  burd)  bie  erlauchten  ^erren  3ot)ami  unb  Ctto, 
9Karfgrafen  t»on  öranbenburg,  bebrofyt  feljen.  Zugleich  begehrt 
id)  oor  &u&),  ben  anberen  ©eiftüdjen,  ben  Sßrebigermöndjen  unb 
ben  UKinoriten  92amen$  be3  3tatl)e$  unb  ber  gangen  fiüberfifdjen 
Sürgerfdjaft  bie  (Sntfdjeibung  burd)  ben  ^eiligen  ©tutjl  in  Sejug 
auf  jegfidje  $3cfd)U)erbe,  meldje  in  ber  gebauten  ©acbe  bie 
erlaudjten  Ferren  3ol)amie3  unb  Otto,  Sftarfgrafen  von  Sran 

,3)  Urhmbenbud)  ber  ©tabt  Üübccf.     %t).  1  ©.  170. 
34)  ©benbaj.  S.  172. 
36)  (Sbcnbaj.  ©.  189. 
36>  (Sbenbaf.  @.  219. 


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211 

benburg,  fei  e3  fetbft,  fei  e3  burdj  SRidjter,  wenn  fic  fofc^c  öiet* 
leicfjt  erlangen  follten,  gegen  uns,  unfere  fjrei^ett  unb  Sßriöilegien 
ju  unternehmen  öerfurfjen  follten." 
AuS  bem  SSorttaute  biefer  (Srflärung  ergiebt  fid),  baß  eS  fidj 
bei  beren  Abgabe  nur   unt   bie   (SrfüHung    einer   proceffualifdjen 
Qformalität   Ijanbelte,   ber  fid),  bamit   iljr  eine   SBirfung   beigelegt 
werben  fonnte,  nidjt  wie  in  ber  ^efctjeit  ein  Anwalt,  fonbern  ein^ 
SRat^err  unterjie^en  mußte. 

SBenn  Deede,37)  ber  biefe  ^anbtung,  oljne  t>iefür  einen  ®runb 
anzugeben,  in  baS  3aljr  1254  jurücf  toerlegt,  Atejanber  ©ottmebel 
rüfymt,  weit  er  fid)  fo  furdjtloS  unb  feft  geäußert  fjabc,  fo  ift-  er 
tjieju  baburd)  öeranlaßt  worben,  baß  er  iljn  für  benjenigen  9latl)& 
Ijerrn  fjiett,  ber  feit  ber  9Kitte  beS  brennten  SaljrfjunbertS  bie 
Angelegenheiten  ber  ©tabt  geleitet,  mithin  and)  baS  energifdje  33or* 
geljen  berfelben  gegen  bie  öon  ben  9Karfgrafen  erhobenen  Anfprüdje 
öerantaßt  fyat.  $ür  biefe  Annahme  feljtt  e£  aber  in  ben  jafytreidjen 
uns  erhaltenen  Urfunben  nidjt  nur  an  jebem  Anwalt,  fonbern  eS  fann 
an$  ifynen  fogar  ber  StadjmeiS  unternommen  werben,  baß  Aleganber 
Don  Sottwebet  wätjrenb  feiner  langjährigen  Amtsführung  niemals 
ju  ben  angefeljenen  unb  einflußreichen  5Ratl)Sf)erren  gehört  Ijat. 

2Bie  in  fpäteren  Saljrljunberten,  fo  lag  fdjon  bajumat  ben 
93ürgermeiftern,  beren  jmei  öortjanben  waren,  bie  S3eforgung  aller 
wichtigen  ©efrfjäfte  ob,  beun  fie  Ratten  öornefyntid}  bie  fdjmierigen 
S3ert)anblungcn  mit  ben  ©eifttidjen  unb  ben  benachbarten  dürften 
&u  führen.  Sljnen  jur  ©eite  ftanben  bie  Äämmerei^erren,  welche, 
mit  ber  ginanjöermaltung  betraut,  bie  inneren  Angelegenheiten  ber 
Stabt  ju  orbnen  Ratten. 

Sßenngleid)  bei  ber  2Bal)l  ber  JBürgermeifter  unb  dämmeret* 
Ferren  barauf  9tittffid)t  genommen  warb,  baß  bie  ju  jenen  Aemtem 
berufenen  ißerfonen  fdjon  feit  längerer  Qtxt  bem  Stotlje  angehörten, 
fo  mar  bod)  bie  Anciennität  t)iebei  nidjt  allein  befKmmenb;  eS 
imirbe  oietmetjr  bor  Allem  barauf  93ebad)t  genommen,  eine  tüchtige 
unb  bewährte  5ßerfönlid)feit  ju  gewinnen.  SemerfenSmertl)  ift  eS 
nun,  baß  Alejanber  ©oltwebel,  obwofjt  er  länger  als  irgenb  ein 
anberer    bem    SRatfje    angehörte,    weber    baS    Amt    eines    SBürger* 


7)  ©efcf)id)te  ber  Stobt  fiüberf.    @.  92. 

14  • 


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212 


metfterS,  ttodj  ba$  eines  Äämmereiljerm  befteibet  fyat,  unb  ba§ 
iljm  bei  ©efefcung  jener  Stellen  mteberfjolt  jüngere  SKänner  bor* 
gejogen  finb. 

Äl3  er  in  ben  SRatf)  eintrat,  war  bie  angefefjenfte  Sßerföntid): 
feit  beffetben  ber  bamalS  fcfjon  Ijodjbetagte  SBitfyelm  SBitte  (in  ben 
Urfunben  nrirb  er  aud)  Wilhelmus  Wasburgis  unb  Wilhelmus 
Bertholdi  filius  genannt).  2)iefer  erfdjeint,  nadjbem  er  im  Saljre 
1226  am  #ofe  griebricf)3  II  ber  ©tabt  bie  9ieicl)3freif)eit  erroirft 
fjatte,  faft  3a^r  für  3at)r  in  ben  midjtigften  ®efcf)äften  t^ätig. 
SBieberljolt  jum  SJürgermeifter  ernannt,  genofc  er  auty  im  SluSlanbe 
eines  Ijotjen  9lnfeljen3,  unb  wirb  e£  öornefjmUd)  feinem  ©inpuffe 
jujufc^reiben  fein,  bafc  bie  ©tabt  trofe  aller  SBebrangnift  treu  jum 
Äaifer  griebricfc  II  ftanb.  3Wit  if>m  roetfjfelten  in  ber  ©ürger 
meiftermürbe  ^itbemar  unb  £einrid)  oon  Sßittenbordj,  öon  bcm  bie 
alte  SRatfjStinie,  bie  mit  SobeSerfyebungen  fefyr  fargt,  rüljmt,  bafe  er 
ein  SJiann  oon  flugen  SBorten  geroefen  fei.  Stuf  biefe  folgten  in 
jenem  Amte  ^einrirf)  Sßorrabe  unb  ber  gleichzeitig  mit  Älejanber 
©ottroebel  jum  9iat^errn  ernannte  SoljanneS  t>on  SBarbenrif. 

Stile  fpater  borfommcnben  93ürgermeifter  finb  erft  lange  naA 
tfjm  in  ben  SRatlj  eingetreten,  nämlicf)  $einrid)  ©türm  um  1259, 
Sofjann  5Wönct)  um  1263,  95ertram  ©talbuc  um  1266,  9Karqn>arb, 
§i(bemar3  ©otjn,  um  1281  unb  9Hmin  bom  ©tein  um  1284 
$lud}  für  bie  Äämmerei Ferren  fäfct  fid)  ein  äljnlicfjer  9todjroei$  er 
bringen,  bodj  mürbe  foldjeS  l)ier  ju  weit  führen. 

9iiema(3  ift  9Uejanber  ©oltmebel,  foroeit  bie  Urfunben  fo(d)e* 
erfennen  taffen,  mit  au§roärtigen  biplomatifdjen  ©enbungen  betraut 
morben;  aud)  erfcfjeint  er  bei  feiner  einzigen  mistigen  ©erlaub 
lung,  bon  ber  eine  ftunbe  ermatten  ift,  beteiligt.  3m  3afyre  1255 
gehörte  er  nicf>t  ju  ben  SRatfySfjerren ,  meldte  mit  ben  ®rafcn 
Sodann  I  unb  ©erljaTb  I  bon  §olftein  ben  Vertrag  roegen  gemein 
famer  SBefämpfung  be3  $>etleb  öon  SBudfjmalb  vereinbarten;38)  aud) 
mar  er  in  jenem  Safjre  nicfyt  beteiligt  an  ben  ©erfjanbluiigen  mit 
Hamburg  megen  9lbfcf)fuffe3  eines  SünbmffeS.39)  ?lt3  im  3a^re 
1266  bie  angefefyenften  SRatfjSfyerren  bamit  betraut  mürben,  in  §am 


88)  Urtunbenbud)  ber  ©tabt  fiübed.    Z1).  I  @.  197. 
,9)  (Jbenbaf.  <S.  199. 


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213 


bürg  bie  gegen  ben  (trafen  3o^onn  I  öerübte  ©cmaltt^ätigfcit  ju 
rechtfertigen,  befanb  er  ficf)  nidjt  unter  ben  Vertretern  ber  Btabt; 
and)  mirb  er  ntc^t  unter  benen  aufgeführt,  an  meiere  bie  Sabung 
erging.10)  3m  Satire  1269  mürben  bie  Sßerfjanblungen  mit  ben 
•perjögen  ?Ubert  unb  3of)ann  bon  SBraunfdjroeig  wegen  Uebernafyme 
ber  ©cfyirmtoogtei  oljne  feine  SKitroirfung  geführt;41)  audj  an  ber 
©meuerung  berfelben  im  3aljre  1273  Ijat  er  nicf)t  $t)ei(  genom» 
men.42)  Dergleichen  mürben  1281  bie  33erljanbtungen  mit  bem 
©rafen  sJiico(aur  fcon  ©cfjroerin  wegen  ^Befreiung  ber  Sübecfer  bon 
«gott  unb  Ungelb  nicfjt  üon  üjm  geleitet.4*)  2lud)  finbet  fiefj  fein 
9Jame  nicfyt  unter  ben  jefyn  Siatljrljerren,  bie  1283  bie  ©tobt 
tuegen  2lurjal)tung  einer  bem  diafyt  eingeljänbigten,  für  bar  fettige 
fianb  beftimmten  3eljnten  öerpf(icf)teten.44) 

£ieraur  barf  mof>t  afr  unbeftreitbar  gefolgert  werben,  bafe  bar 
9lnfel)en,  melier  Sltejanber  t>on  ©oftmebet  afr  SRatJfyrljerr  genoffen 
fyat,  unb  ba^  Vertrauen,  metdfjer  in  feine  gäfjigfeiten  gefegt  warb, 
nur  ein  geringer  gemefen  ift,  bafe  er  atfo  nicfjt  bie  Sßotitif  ber 
©tabt  geleitet  Ijat,  unb  bafc  bie  großen  ©rfotge,  meiere  bajumat  er« 
jtett  mürben,  nidjt  iljm  jUjufijreiben  finb. 

2Bie  aber  ift  er  nun  ju  erflären,  bafi,  menn  berfetbe  im  SRatlje 
bie  angegebene  untergeorbnete  Stellung  eingenommen  fjat,  bie  ©age 
grabe  iljn  ju  ifyrem  gelben  fidf)  erloren  §at?  3)ier  SRät^fel  ift 
jrpar  nid)t  fidler  ju  löfen,  boeft  (äfet  fid)  menigftenr  eine  3Kut^ 
mafjung  beibringen.  2)ie  früher  öon  mir  aufgehellte  Stnnaljme, 
ba&  \>a^  oon  ifjm  geführte  Sßappen  Ijieffir  ben  Sln^att  gegeben 
Ijabe,  läftt  fiel)  nid)t  aufrecht  erhalten.  SWacf)  Sle^bein'r  9tngabe 
foü  ein,  angeblich  auf  bem  Seic^enftein  angebrachter  2Bap{>enfd)itb 
ber  üänge  naef)  geseilt  gewefen  fein  unb  in  bem  einen  Sfelbe 
einen  falben  2lbler,  in  bem  anbern  brei  Äronen  gezeigt  fjaben. 
2)iefer   35Jappen   ift  aber  barjenige  ber  So^anner  öon  2)omat),45) 


40)  Urhmbenbudj  ber  Stabt  öübeef.    Zt).  I  6.  274. 

u)  Gbenbaf.     ©.  294. 

4i)  (Sbenbaf.    3.  318. 

4*)  (Jbenbof.    8.  381. 

44)  (Sbcnbaf.    6.  410. 

45)  (Siegel  be$  SKtttelalterS.    §eft  7  6.  16. 


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214 


bcr  gleiAjeitig  mit  Sllejanber  ©ottroebet  bcm  Statte  angehörte.46) 
©Tratten  Ijat  fid)  ein  2lbbrucf  beffelben  an  einer  Urhtnbe,  bie  aufcer* 
Ijatb  üübette  auageftellt  ift,  fo  baft  bie  annähme,  er  fyabe  fid)  in 
(Ermangelung  eines  eigenen  ^ßetfcfyafteä  eines  ifym  öon  feinem  6ok 
legen  bargelieljenen  bebient,  au3gefd)loffen  ift.  $)ajs  aber  jroei  jur 
nämlichen  Seit  lebenbe  9tatf)3ljerren,  bie  öerfdjiebenen  tfrmifien  an* 
gehörten,  baffelbe  SBappen  geführt  fyaben,  ift  nid)t  glaubbar.  6$ 
ttrirb  baf)er  aud)  in  biefer  ©ejieljung  bie  3ftittljeilung  SReljbein'S  für 
eine  unbegrünbete  ju  eradjten  fein. 

9luf  eine  anbere  ©pur  leitet  bie  6rjäf)lung  ©etmarS,  nad) 
meiner  SHejanber  öon  ©olttocbct  megen  feiner  ©erbienfte  neben 
feinem  ©ruber  Strnotb  junt  SRatfjSljerat  ermaßt  ift,  roobet  bemertt 
ttrirb,  bafj  biejer  Sali  feit  Ginfefcung  be3  3tatf)3  nidjt  öorgetommen 
fei.  SJefctere  Eingabe  ift  eine  irrige.  Unter  ben  iiaienjeugen,  bie 
im-Saljre  1197  eine  Urfunbe  be3  ®rafen  Stbotp^  III  öon  f>olftein 
über  ben  ©erlauf  be£  Dorfes  ihtgenborf  an  ba3  ©t.  Sofyannte 
flofter,47)  unb  im  3aljre  1200  eine  Urfunbe  be3  SBifc^of^  Iljeobe 
rid)  öon  fiübeef48)  beglaubigen,  roerben  aufgeführt  Lutbertus  et 
frater  ejus  Alswinus,  bie  roatyrfdjeinlid)  mit  ben  1201 4tl)  au£ 
brficf(id)  als  MattjSljerren  bezeichneten  beiben  ^Jerfonen  gleichen 
SRamenS,  unb  mit  ben  in  ber  StatfySlinie  aufgeführten  ßutbertuS 
öam  |mfe  unb  SllfnrinuS  öam  $ufe  ibentifd)  finb.  Ob  bie  in  ber 
SRatfySlinie  neben  einanber  genannten  2lrnolbu3  oan  ^annooer  unb 
SiubotfuS  t>an  |wmtober,  ©ertolbuS  Sßitte  unb  ßubolfuS  SBitte, 
^ermann  oan  bem  ©iffjufen  unb  SßalbemaruS  Dan  bem  Sif^ufen 
©rüber  maren,  täfjt  fid)  nidjt  ermitteln,  dagegen  ftefyt  urtunbliA 
feft,  bafo  ©ottfrieb  &on  SRuffe  ein  ©ruber  beS  Stomas  öon  9hifte 
gemefen  ift,  unb  gleichzeitig  mit  iljm  in  ben  breijnger  3al>ren  be* 
brei3el)nten  ftal)rf)unbert3  bem  9latyz  angehörte.50)  6$  jrfmm 
bafjer  bie  Angabe  2)etmar3,  nad)  melier  Sllejanber  unb  Strnolb 
Don  ©olhoebel  ©ruber  gemefen  finb,  auf  einer  juüerläffigen  lieber 
tieferung  beruht  fru  fyaben.     £iefür  fprirf>t  aud),  ba|  ber  ©oljn  be* 

40)  Urfunbenbud)  bcr  ©tabt  £übecf.    £1}.  I  8.  471. 

47)  ©benbaf.    2l>.  2  @.  1. 

4")  Urfunbenbud)  be*  «tetljum*  üübeef.    8.  25. 

*»)  Urfunbenbud)  bcr  Stabt  üübeef.    £f).  I  ©.  14. 

6fl)  Galenberger  Urfunbenbud).    Slbtl).  5  Wo.  33. 


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215 

erfteren  Strnolb,  tmb  ber  bcS  (enteren  9llejanber  mit  SBornamen 
fyiefe.  2Senn  fjmter  bem  roirfttdjen  ®ad)üerf)alte  jmoiber  Slruolb 
junt  älteren  unb  3llejanber  jum  jüngeren  9tatl)3f)errn  gemacht 
marb,  fo  lag  bie  Skranfaffung  fyieju  crficfytlid)  barin,  baß  Sllejanber 
feinen  Sruber  öiele  Sabre  überlebte,  nnb  befeljalb  erft  lange  nad) 
ifjin  in  bie  3tatf)3linie  eingetragen  roarb.  2lud)  enthält  bie  mofyl 
noef)  jn  iiebjeiten  beS  Sllejanber  üon  ©oltmebel  angefertigte,  unju* 
(affiger  SBeife  £einricf)  bem  Sömen  jngefdjriebene  9iatl)3orbnung51) 
in  ber  ®eftaft,  in  welcher  fic  in  ben  fog.  SBarbonrififcfyen  9ted)t& 
cobej  aufgenommen  marb,  feine  93eftimmnng  barüber,  bafj  93rüber 
nicfyt  gfeid)jcitig  bem  SRatlje  angehören  bürften.  2)iefe  SJorfc^rift 
finbet  ftd)  erft,  erficfytlicf)  als  fpäter  jugefügter  SRacfyfafe,  in  einer 
Ausfertigung,  t>on  ber  fid)  eine  Abfcfjrift  in  ber  Hamburger  £anb* 
fcfjrift  beS  2)etmar  oorfinbet.  2113  btefe,  gleichfalls  unter  bem  93ör= 
geben,  bafc  fie  auf  einer  Slnorbnung  #einrict)S  beS  Sömen  beruhe, 
©eltung  erlangte,  mirb  bie  ©rinnerung  baran,  baji  bie  beiben  93rü= 
ber  ©oltmebel  neben  einanber  im  Statte  gefeffen  l)aben,  nod)  nid^t 
erlogen  gemefen  fein;  fo  entftanb  bann,  um  bie  hieraus  fid^ 
ergebenben  Folgerungen  ju  befeitigen,  bie  3lngabe,  bafe  Sllejanber, 
ben  man  für  ben  jüngeren  Ijiett,  megen  feiner  fjerüorragenben  93er* 
bienfte  in  bem  1249  gegen  2)änemarf  geführten  Äriege,  auSnaljmS* 
meife  neben  feinem  öruber  in  ben  SRatt)  aufgenommen  fei.  %m 
©eginn  beS  fünfzehnten  3al)rImnbertS  mar  bie  Ännbe  öom  Kriege 
beS  3al)reS  1249  bem  ©ebädjtniffe  entfdjrounben;  lebenbig  aber 
mar  bie  (Srinnerung  an  ben  ©ieg  über  bie  2)änen  bei  Sornljööeb, 
ba  jur  Qfeier  biefeS  SageS  ber  Statt)  alljä^rlid)  ©penben  öertfyeilen 
liefe,  unb  bie  9Rönd)e  beS  SBurgflofterS  ein  Qfeftmafjl  oeranftalteten, 
ju  bem  fie  fämmtlitfje  91att)sl)errett  einluben,52)  unb  fo  erttärt  eS 
fid^,  bafe  SllejanberS  äierbtenfte,  ba  fie  gegen  bie  3)änen  errungen 
fein  follten,  auf  jene  ©ctjladjt  übertragen  mürben. 

©oute  eS  gelungen  fein,  in  ber  obigen  5)arfteIIung  ©age  unb 
©efd)icf)te  richtig  oon  einanber  jn  Reiben,  bann  merben  SübecfS 
23emot)ner  allerbingS  barauf  öerjie^ten  muffen,  in  Sllejcanber  üon 
©oltmebel  noef)  fernerhin  einen  nationalen  gelben  ju  beretjren. 


M)  Urfunbenbud)  ber  Gtobt  Sübed.    ZI).  I  @.  5. 
**)  Mb.  $ran$.     Vandalia  lib.  7  cap.  7. 


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216 


ix.   cxiv.) 

2ü&ciftfd)c  Stubenten  auf  bcr  Unberfttät  (Erfurt- 

$on  Dr.  28.  «rctjmcr. 


JVuS  bcr  im  achten  SBanbe  bcr  ©efcfyicfytSquetten  bcr  ^JrotJtnj 
©acfjjen  üeröffentltdjten  SKatrifel  bcr  Uniöcrfität  @rfurt  mäljrenb 
bcr  3af)rc  1342 — 1491  finb  im  SKacf)fo(genben  bic  -Kamen  berjeni: 
gen  Stubenten  au&jejogen  roorben,  bei  benen  Sübed  als  §eimatl)& 
ort  bcjeicfjuct  ift.  Soweit  über  bic  persönlichen  33erl)ältniffe  bcr* 
fetben  unb  ifyre  jpätcre  £eben£ftettung  Slngaben  ju  ermitteln  roaren, 
finb  biefe  bem  betreffenben  sJtamen  beigefügt  morben. 
1392  9iet)nf)arbn3  SBancjom. 

1395  3otyanne3  *ßal. 

SofyanneS  §onefdje  (nötiger  $oüefrf)e).    @r  mar  1422  ©ifar 
an  ber  Stegibienfrrdje  unb  lebte  noef)  1429. 

1396  £inrtcu$   Sßntff.     3m    SJlieberftabtbucf)    gejdjieljt    fetner    im 

Safyre  1403  ate  eines  ©eiftlicfjen  ©rmäljnung. 

1397  |)iuricu$  28eftt)of.     @r  mar  ein  ©ofyn  be3  fiübeder  SBürgcr 

meiftcr$   £>einrid)  Sßeftfyof   unb  marb  fpäter  ^omfterr  in 
üübeef.     Sr  lebte  nod)  1435. 

1398  TOcolauS  be  2)roffaua  Lubicensis  dioecesis.     ©ein  richtiger 

vJ?ame  lautete  matjrfdjeinlid)  2)roffate,  unb  ftammte  er  bann 
au3  OlbeSfoe,  mofelbft  ein  Sürger  biefeS  9lamen3   1395 
als  SHat^ö^err  üorfommt. 
$ot)anne»  Schulte. 
1400  |)enricu3  ihiberot.     (Er  mirb  ein  ©ofyu  be3  Sübecfer  Shmf= 
mannS  |)inrid)  fiuberot  gemefen  fein. 

1403  3of)anne3  2Bagf)en. 

1404  Subertuä  itobif. 


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217 

1407  #enricu3  SBiffe.  @r  t)ie&  mol)(  SQBitte.  @in  SSüar  ber 
3Äarienfird)e ,  bcr  biefen  -Warnen  führte,  fommt  im  9iie* 
berftabtbud)  1414  öor;  er  mar  1419  bereits  üerftorben. 

1409  $enningu3  §et)fe.    @r  marb  SSifar  an  ber  SRarienftrdje  unb 

(ebte  nocf)  1452. 
9Kagifter  3ofyanne3  fwmmo.     @r  warb  Sßrofeffor  ber  Sßf)ito* 

foptjie  in  Seipjig  unb  1418  5Re!tor  ber  bortigen  Uniüerfität. 
3toljanne3  $ad)ebe.     @r  mar  mob(  ein  ©ofyn  beä  angefefjenen 

Sübecfifcfyen  bürgere  SlnbreaS  üon  $ad)ebe. 

1410  $enricu$  SBafleSrobe.   ©einer  gefd)ief)t  1420  a(3  eines  Sübecfi» 

frf)en  ©eifttidjen  Srmäfynung. 
3ofyanne3  äöarenborpp.  (Sr  mar  1424  SSifor  anberSacobifirdje. 

1411  ^etruS  SBittenbord). 
.^inricuS  Sßrunftorp. 

1415  SonrabuS  be  ©tt)ten.     ©r  mirb  ein  ©ofjn  be£  9tatt)£l)erren 

IWicotauS  r>on  ©titen  gemefen  fein. 
1417  SBenebictuä  Salöe.     ©ein  SSater  mar  ber  JHat^err  9tet)ner 

üon  Gafoe. 
1419  .frcnricu*  ©oft. 
1425  $biricu3  ^itger. 

GonrabuS  ,$erte3berd).     Gr  mar  maljrfdjeintid)  ein  ®ot)n  be3 

Sübedifdjen  Kaufmanns  Soljann  $erte$berg. 
142ti  ^otjanneS  £>erfenfe. 

.^enricuy  Shremer  clerieus  Lubicensis  dioccesis. 

1428  SD^ttcüu«  §ol)er. 
<3oljanne$  Sötynfcenbercfjt. 

1429  .§etnricus  SRetctyorft.    Gr  Ijielt  fid>  norf)  gu  Dftern   1431   in 

(Srfurt  auf,  ba  er  bajumal  auf  feine  SmmatrifiilattonS* 
gebühr  eine  9fac&gal)(ung  (eiftete. 

Fniter  «f)htricu3  93efe(er  ordinis  predicatorum  eonventua- 
li.s  Lubecensis.     1)erfelbe  (ebte  noefy  143H. 

£t)bericu3  ©ermer.  Gr  mar  ciu  ©oljn  be3  iRatfy^emt 
Sofyann  ©ermer  unb  marb  fpäter  3)omt)err  in  9ta|eburg. 
3$on  ifyn  jagt  ber  SSatcr  in  feinem  Jeftainente:  Stein  fo 
gljeue  it  £)errn  ®tyberite  mtjnem  ©one  ^omfyerren  to 
9taffebordj  be  52  rtynfcfye  ©ulbeu  qntyt,  be  fye  mt)  fcfyutbid) 
i£,  be  f}e  öerterebe  to  Grfforbe  in  studiis. 


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218 


1430  9iico(au£  I^acfjüume  prepositus  Slesvicensis  ac  scholasti 

cus  ecclesie  Lubicensis. 

1431  Frater   jciermaunuä    Äorner    ordinis    predicatorum.      S» 

ift  bie$  bcr  be!annte  SBerfaffer  ber  iftbecfiftfjen  G^ronü. 
SBäfjrenb  feinet  Stufent^atte^  in  (Erfurt  mirb  er  auf  ber 
bortigen  Uniöerfität  bie  SSürbe  eines  magister  ermorben 
babett. 
Sodann  |>erntrct).  @r  mirb  ein  ©ot)u  be£  angefefycnen  JJü* 
becftfdyen  33ürger3  33ertljolb  .<perntrety  gemefen  fein.  92ac6 
einer  Angabe  be$  Seniors  öou  3Jieüe  ift  er  1445  geftorben. 

1432  ,§enricu$  Düerenferten.     (Sr  marb  ©eiftlicfjer  in  £übecf  unb 

lebte  nod)  1452. 

1433  §ilbebranbu3  Aule. 
143(5  .^inricuS  ©imen^ufen. 

©otfribuS  Äirctjring.  SDerfcIbe  gehörte  unjmeifelljaft  ber 
^ßatricierfamilie  Äerdring  an,  maljrfdjeintidj  mar  er  ein 
©otyn  bc3  SRat^errn  XfjomaS  fterefring. 

3of)anne$  ©tammel.  ®erfetbe  marb  fpäter  Sübecfifdjer  SDom 
fyerr  unb  mar  aU  fold^cr  1469 — 1479  s}Meban  ber  SKarien 
fircfye.  5lu3  feinem  9iadjlaffe  mirb  uoef)  jefct  in  gfotge 
feiner  fefctmiltigen  Verfügung  ein  ©tipcnöium  &on  L  H  48. 
an  einen  ©tubenten  ber  Ideologie  öertfyeilt. 

3ofyannc3  9lgme. 

1437  Stomas  ©tarnet. 
§ermannu3  SJtofler. 

1438  SBotffljarbuS   SBitig.     ©ein   öater  mar   bas   TOitglieb    bee 

neuen  SRatfyev?  Sodann  SBitit.  Sljm  t>ermarf)te  fein  Cnfel 
TOarquarb  Söitig  im  3al)re  1435  für  ben  $oü,  baj$  er 
s$riefter  merben  mürbe,  „tme  fufoerne  fröfe,  bat  men  ein 
tmc  ampullen  Dan  malen  täte." 

1440  9Rarttnu*  Safe. 

1441  ©o£minu3  93ranbeburct. 

1442  $enricn§  ©artoriä. 

^enninguS  JRenteten  canonicus  Lubicensis.  @r  mirb  ein 
Gfrtfel  be§  SRat^errn  Henning  Don  Sienteten  unb  trüber 
be3  SRatl^errn  (Sfjriftian  tmn  SRenteten  gemefen  fein. 

®otfrt)bu£  Sänge  be  ßunenbord)  canonicus  Lubicensis. 


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2W 

1445  Magister  3ol)anne3  üammeSfibe  in  fRoftorf  promotue. 

1447  sJSetru3  Äolman.     @r   mar   ein   ©obn  Don   ^ermann  ®oh 

mann  unb  ©nfel  be$  SRatt)3l)errtt  Sofjann  Äotmann.  @r 
map  1465  SSifar  an  ber  9Jiarienfird)e  nnb  lebte  noefj 
1484.  3n  feinen  Röteren  SebenSjaljren  führte  er  ben 
Jitel  magister. 

1448  ©onrabuS   Sranftibbe    (richtiger    SBramftebe).      @r  mar   ein 

<S>o$n  be3  SRatfyStjerw  Sacob  93ramftebe,  marb  SSüar  an 
ber  Slegibienfircfye  unb  lebte  nod)  1500. 

1453  SofyanneS  2Ket)er.    $)erfelbe  befanb  fiefj  nod)  im  Safyre  1456 

auf  ber  Untoerfitftt,  1468  gefcfyiefyt  feiner,  a(3  eines  Stt* 
beefifdjen  ©eiftfidjen,  ©rmaljnung. 

1454  ©IjerljarbuS  Dan  Settern,    ©ein  SBater  mar  ber  Kaufmann 

$einrid)  Don  SSettljeim,  er  lebte  nod)  1471  at3  ©eifttidjer 
in  Sübecf. 
©berljarbu£  Sßael    Derfetbe  marb  1466  Steftor  ber  Untrer» 
fität  (Srfurt. 

1456  9Kicf)ael  Sänge. 

1457  EfyriftianuS  ©ctyebingen. 

1458  Sofjanne*  Hennef  e.     6r  marb  ©eiftüdjer  in  Sübed. 
9tico(au3  ©amom. 

1459  |>inricu3  Dan  Äafoen.     @r  mar  ein  ©ofyn  be3  Slat^etrn 

äBityelm  Don  Safoen  unb  marb  1472  jum  5Ratt)$f}errn 
ermäfjft. 

StfyeobericuS  ©eorgii.  ©ein  SSater  mirb  ber  ®erid)t3fcf)reiber 
Ifyeobor  ©eorgii  gemefen  fein,  ber  im  Safyre  1450  fein 
in  ber  £?leifcf}(jauerftrafje  sub  *N5  123  belegenes  §au3  ber 
©tabt  (efctmiflig  öermadjt  fyat. 

93ertolbu3  Sßarmbofe.  @r  mar  ein  ©otyn  be8  Sübecftfdien 
5Rünjmeifter3  93ertl)olb  SBarmboerfe. 

«SoljanneS  Sunben  choralis. 

JfyomaS  Suneberf  (richtiger  ihmebord)).  Qn  jener  Qcxt 
fommen  jmei  Sßerfonen  biefeS  tarnen«  in  ifüberf  &or,  Don 
biefen  mar  ber  eine  ©ofyn  bc3  SSertram  Sunebordj,  ber 
anbere  ©ofyn  be3  9iatt)$I}errn  Sodann  II  fiunebordj. 

1460  SernarbuS  (Suberbaci 

SljeoberiaiS  Söulf.    S)erfetbe  befugte  nod)  ju  SDttdjaeliS  1462 


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)ogte— 


220 

bie  Uniüerfität,  ba  er  bamatS  rücfftänbige  3ntmatrifutation3* 
gebühren  nadelte. 

1462  3of)anne3  ©ornoro. 

1463  SttbertuS  2Rafe. 

1465  93ernt)arbu3  SBudjSfinbord)  (richtiger  Soijenborcf)).  @rroar  1479 

SSifar  an  ber  Domftrdje. 
SofjanneS  Sruen  (richtiger  Öruu).     @r   marb  3$ifar  an  ber 

$etrifirrf)e  unb  (ebte  nod)  1498. 
sJftarquarbu3  SBifdjenborj). 

1466  ^auluä  Stift. 
1469  3of)aune3  3JMer. 

1471  Frater  9?ico(au3   33ud)o(t    ordinis   minorum.     3m    Sabre 

1487  roirb  er  als  doctor  unb  custos  be$  fytefigen  5öitno= 

ritenf(ofter3  bejeidjnet. 
3ofyanne3  93eoermann.     @r  mar  1492  magister  unb   Sßifar 

an  ber  Sofobifirdje. 
1478  3of)anne3  ©rammelt  (richtiger  ©rtjmmott).     £erfctbe    roarb 

SKagifter  unb  2)omf)crr  in  öübeef. 

1487  ©aSparuS  SRunge. 

1488  #enricu$  93o(te. 

1490  Soadjim  »itringf. 

@3  (offen  fid)  affo  mäfyrenb  ber  fyunbert  3afyrc  öon  1392  bi~ 

1491  76  üäbetfer  als  ©tubenten  ber  Uniüerfität  Srfurt  nad)tveifen. 
3n  2Birt(id)feit  toirb  ober  iljre  3Ö¥  c^e  öie(  bebeutenbere  geroefen 
fein,  bo  in  ber  SHatritel  bei  einer  fetjr  großen  Qafyi  tum  ©tubenten 
ifyre  SSoterftabt  nicfyt  angegeben  ift.  2)o(5  Srfurt  im  triergefynten 
^aljrljunbert  5U  benjenigen  Uutoerfitäten  gehörte,  meiere  bie  ^übeefer 
öorjug£roeife  anffucfyten,  ergiebt  fief)  barauS,  bofe  ber  SBürgermeifter 
$inricf)  iRapefufoer  in  feinem  1439  errichteten  Jeftament  ©Hpenbien 
für  fotcf)c  ©tubenten  auSgefefct  l)at,  meiere  bie  Uni&erfitäten  ju 
9toftocf  unb  üeipjig,  ©rfurt  unb  Äöln  befugten. 

9Son  Sßerfön(id)teiten,  bie  ntcfjt  in  ßübeef  geboren  finb,  aber 
in  biefer  ©tobt  fpäter  ju  9Jong  unb  ^lufe^en  gelangten,  fyabm  in 
(Srfurt  ftubirt: 

Der  aus  Erfurt  gebürtige  Öübecfifdje  ©tjubifnä  SofyanneS  Oft^ufen 
(feine  Promotion  jum  35oftor  beiber  Siechte  wirb  t>on 
Joh.  Buschius  de  reformatione  uionasteriorum,  —  Leib- 


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221 

nitz  scriptores  Brunsvic.  Tom.  2  @.  830  —  au§füljr(td) 

gejd)itbert)  unb 
1455  £inricu3  93romt3  (richtiger  Skoemfe)  bc  Sunebord)  baccalau- 

reus   Rostock.     2)erfelbe   nmrb    1477   jutn   ßübecftfcfjen 

SRatljSljerrn  erttmtjtt. 
93on  ben  Sßerfonen,  roefdje  toäljrenb  jener  $ett  auf  ber  Uniüer* 
fität  Erfurt  ba3  Slmt   eines   Meftor^   befleibeten,   waren   geborene 
fiäbetfer  ober  ftauben  31t  Sübecf  in  näherer  SBejieljung: 
1430  ju  Dftern  §lrno(b  SSeftfall  be  Subii  in  jure  civili  liceuciatus. 

Sr  mar  ein  ©ot)n  be£  fiübecfifcfjen  SRat^^errn  ^ermann 

SBcftfat    unb    warb    1449    jum    33iftf)of    be3    SBiStljumS 

ßübetf  ermaßt. 
1457  ju  9Kid)aeü£   9lrno(bu3   ©ommernab    (richtiger  ©ommeröat) 

be  93remi3  utriusque  juris  doctor  nee  non  Trajecten- 

sis,  Sverinensis  ae  Lubicensis  ecclesiarum  kathedra- 

lium   canonicus.     3)erfelbe  tvax  bereite   1444  ©efretair 

be3  ßübecfifdjen   9ktl)3   unb   fpäter   bi$    1456   ©tjnbifuS 

beffefben. 
1461    ju    3Jttd)aeU3    SeroniinuS    ©effehnann    sacrac    scripturae 

liceuciatus,  decanus  ecclesiae  Lubicensis. 
1466    ju    Dftern   ®üerl)arbu3    Sßact   be   Subecf,   utriusque   juris 

liceuciatus,   collegii  juristarum  beate   Marie    virginis 

collegiatus. 


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222 


x.  Otv.) 

3ufammeufteUung 
ber  erhaltenen  Eintragungen  in  ba$  ftltcftc  Cberftabtbud), 

»on  Dr.  SB.  ©refjmer. 


u 


acfjbem  Sübecf  fid)  üon  ber  ^errfefjaft  her  2)äuen  befreit  unb 
burd)  eine  9Sertetl)ung  be3  ÄaiferS  $riebrid)  II  im  Saljre  1226  bie 
9fteid)3frcil)eit  erlangt  fyattt,  warb  üon  bem  "Statut  verfügt,  bafc  üon 
feinem  ©djreiber  über  alle  ©efdjäfte,  bie  üor  bem  Statte  öer^an= 
bett  unb  abgefc^toffen  mürben,  namenttid)  aber  über  biejenigen, 
meldje  fid)  auf  Slenberungen  im  ©runbbefifc  bejogen,  in  einem  Ijieju 
beftimmten  SBurfje  genaue  Stuf jeidjnungen  gemalt  mürben.»)  £temit 
roarb  im  Sa^rc  1227  begonnen,  üftoef)  ju  Anfang  be3  üorigen 
3taf)rf)unbert3  maren  bie  fämmtftcfjen  Sucher  unüerfefyrt  ermatten; 
feitbem  ift  ba£  äftefte  berfetben  (eiber  in  Slbgang  gefommen.  3)aß 
biefeS  hierorts  verlegt,  ober  öon  bem  ©gnbifuä  2)ret)er,  mie  fo  ütete 
anbere  mistige  fRec^t^büc^cr  ber  ©tabt,  naef)  auSmärtä  üerfdjenft  fei 
unb  in  einer  bortigen  SBibliot^ef  roieber  auftauchen  merbe,  barf  jefct 
mo!j(  nid)t  mefjr  gehofft  merben.  Um  fo  größeren  SBert^  genrinnen 
baburdj  bie  2lbfd)riften  unb  Stu^üge,  me(dje  ber  um  bie  ©efd)i<f)te 
Sübetfö  f)od)üerbiente  ©enior  öon  SJfefle  au$  jenem  93ud)e  gemalt 
unb  feinen  SBerfen  einverleibt  §at  Diefelben  finben  fid)  feljr  jer 
ftreut  in  ber  üon  ifjrn  1706  üeröffent(id)teu  Notitia  majorum, 
fomie  in  brei  nur  Ijaubfd)rift(id)  überlieferten  SBerfen,  nämlidj  ber 


a)  3)af$  bie  Wufeeidjnungen  bereite  in  ber  älteften  Seit  bem  9tatf)3}dn*ciber 
oblagen,  ergtebt  fid)  au$  bcr  im  9tad)ftefjeitben  v9Jo.  244)  abgebrühten  33eftal> 
lung  be3  $enricuä  be  SBittenborne  üom  gafjre  1270. 


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223 

aaSfüljrttdjen  Schreibung  ber  ©tabt  fiübecfb),  einem  ©udje,  ba% 
ben  Xitel  füfyrt:  Rerum  Lubicensium  tomi  duo,  quorum 
altero  Lubeca  civilis,  altero  Lubeca  religiosa  exhibitur,  unb 
in  ben  „Sübecfifdjen  ©efd)(ed()tern."  33on  ben  Slbfdjriften  finb  nur 
btejenigen,  meiere  in  ben  brei  juerft  ernannten  äBerfen  enthalten 
ftnb,c)  bisher  Don  ben  ©rforfdjcrn  ber  älteren  Sübectifdjen  ©efd)id)te 
bennfct  worben;  bagegen  fjaben  firf)  bie  roeit  gasreicheren,  in  bie 
„ßübeeftfcf)en  ©efd)tedf)ter"  aufgenommenen  bisher  iljrer  SBeacfjtung 
entjogen.  3>tefe  ftnb  in  ben  Don  2ßeIIe  angefertigten  ©efd)lecf)t& 
tafeln  ben  Stauten  ber  einjehien  Sßerfonen  beigefügt,  baljer  befielen 
fie,  mit  einzelnen  wenigen  2lu$naljmen,  nur  aus*  furjen  -Kotigen, 
oft  fogar  nur  aus  ber  Eingabe  einer  3af)re§jat)(.<i)  Jtofcbem  aber 
enthalten  fie,  menigftenS  iljrer  größeren  Qaijl  nad),  mannigfache 
für  bie  ältere  ©efdjidjte  unferer  ©tabt  bearf)ten3roertl)e  Angaben; 
eine  naef)  ben  eingelnen  Sauren  georbnete  3ufatnmenftetlung  &** 
fämmtüdjen  Don  3ReHe  gefertigten  9lu3jüge  bürfte  baljer  ntd)t  un* 
emmnfrf)t  fein.  SDenfelben  finb,  um  bie  ©enufcung  gu  erleichtern, 
eingelne  93emer!ungen  unb  au$fül>r(ict)e  SRegifter  beigefügt  toorben. 


1227. 

1.  Anno  dominice  incarnacionis  1227  Bertramus,  filius 
Conradi  Adesmilt,  emit  botham  a  Theoderico,  nuncio 
ßurgencium,  que  coram  Consulibus  assignata  est  ei. 


b)  $ic  in  berjelben  enthaltene  3>arftel(ung  be3  Süberfifrfjen  SWünjtoefcn^ 
fjat  ber  ©imbifuä  $rener  in  feinen  öermifdjten  Slbtjanblungen,  SReftocf  1756, 
II,  948  ff.  pm  Slbbrucf  gebraut. 

c)  $ic  Qa^l  berjelben  beträgt  44;  e$  finb  in  ber  nadjfolgenben  «Sufammen« 
fteüung  bie  Hummern  1—16,  59,  92,  93-95,  112,  123,  133,  134,  145,  156, 
168,  169,  178—182,  187,  188,  202,  223,  226,  244,  245,  262,  263,  281. 
2$on  biefen  finb  im  Urfunbenbudje  ber  ©tobt  Sübecf  abgebrutft  morben:  123 
(I,  205),  133  (II,  20),  187  (II,  31),  244  (I,  303),  245  (II,  33),  262  (II,  35), 
263  (III,  22),  281  (II,  37),  282  (II,  39).  «ei  ben  in  ben  erften  S^eil  be$ 
UrfunbenbudjS  aufgenommenen  Mufeeidmungen  ift  bemertt,  bafj  fie  Dom  Kantor 
Sdmobel  angefertigt  feien ,  biefer  Ijat  aber  nur  hk  9Keüefd)eu  9lu$$üge 
abgetrieben. 

d)  ©ei  bem  Slbbrucfe  berjelben  finb  bie  toon  bem  Herausgeber  ergänzten 
©orte  burd)  (Einfügung  in  eine  Kammer  bejeidntet. 


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^oogk— ' 


224 


2.  Luderus  et  Helemburgis  suas  ad  invicem  contra- 
diderunt  facultates,  ut  altero  premoriente,  superstes  eas 
quiete  possideat,   nullo  amicorum  iu  ipsis  aliquid  optinente. 

3.  Sifridus  de  Mulne  emit  domum  Godefridi  Rufi, 
ab  heredibus  suis,  que  coram  Consulibus  assignata  est  ei. 

4.  Brotherus  de  Ezzeho  einit  a  filijs  Johannis 
incisoris  linei  panni,  videlicet  Bernardo  et  Johanne, 
tabernam  unam,  que  coram  Consulibus  assignata  est  eLl) 

6.  Thedwardus  juxta  S.  Jacobum  et  uxor  ejus  eme- 
runt  partes  unius  pueri  et  diniidii  pueri,  in  hereditate  eorum. 

6.  Lentfridus  emit  domum  Margarete,  juxta  cimi- 
terium  S.  Jacobi,  a  Menardo,  genere  Margarete. 

7.  Hinricus  Rufus  emit  quartam  partem  domus 
Hodagi,  juxta  sanctum  Petrum. 

8.  Alardus,  juxta  sanctum  Petrum,  resignavit  filio 
suo  Alardo  ea  bona,  que  habuit  juxta  sanctum  Petrum. 

9.  Eilard us  carpentarius  emit  aream  unam  juxta  S. 
Egidium,  ab  uxore  Werneri  carpentarii  de  S.  Petro,  et 
pueris  ejus. 

10.  Domina  Hathewigis,  vidua  Regenardi,  dedit 
marito  suo,  Heidenrico  de  Boizenborch,  si  ipsa  premo- 
ritur,  omnes  facultates  suas.  Si  vero  ipse  premoritur,  dieta 
matrona  de  facultatibus  dicti  H.,  mariti  sui,  G  inarcas 
argenti  percipiet. 

11.  Pueri  Henrici  de  Hervorde,  de  Trappa,  resigna- 
verunt  dimidiam  domum  Dn.  Crathoni,  pro  12  marcis 
denariorum. 

12.  Domina  Ymma  resignavit  filio  suo  Hinrico  omnia 
que  habet  bona.  Sed  si  filius  ejus  H.  premoritur,  predicta  Y  ni  ma 
de  bonis  filii  sui  ejusdem  percipiet  10  marcas  nummorum. 

13.  Item  habet  in  octo  solidis  et  sex  denariis,  dandis 
Wiebeletherecht,  sextam  partem. 

14.  Theodericus  et  Albertus  Rufus  emerunt  duas 
areas,2)  juxta  Travenam,  a  Johanne  de  Wittenberg,  et  Dn 
Offeko  de  Moyzelingc  et  filius  ejus  resignaveraiit  ceu- 
sum  illum,  scilicet  3  solid os,  quem  habuerunt  in  eisdeni 
areis,  coram  Consulibus. 


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15.  Johannes  Respe  dabit  annuatim  Bernhardo  de 
Ullesen3)  12  solidos,  dimidiam  partem  in  festo  Michaelis, 
aliam  partem  in  Pascha. 

16.  Borewinus,4)  Camerarius  civitatis  Lubicensis,  emit 
12  solidos,  quolibet  anno  exhibendos,  a  Joachimo,  eo 
jure,  quod  Wicbelethe  rechte  dicitur,  prope  Travenam.  —  Item 
habet  in  octo  soüdis,  et  sex  denariis,  dandis  Wicbelethe 
rechte,  sextam  partem. 

17.  Henricus  de  Bocholt5)  emit  domum  et  curiam 
et  duas  domus  in  fine  ejusdem  curie  juxta  fossam  pistorum 
sitas  a  domino  Frederico  Dumber,6)  que  coram  consuli- 
bus  assignate  sunt  ei. 

18.  Talis  unitio  inter  fihos  Ludolfi  de  Honovere,7) 
quod  Leverus  et  Olricus  fratres  cedunt  ab  omni  heredi- 
tate,  quam  habent  infra  Lubeke,  Albertus  vero  et  Johan- 
nes fratres  habebunt  omnem  hereditatem,  domum  videhcet 
Honovere8)  cum  omnibus  attinenciis  infra  civitatem. 

.19.  Sigfridus  de  Ponte9)  emit  cum  fratre  suo  Lu- 
dolfo  de  domina  Fredegunde,  vidua  Brunonis,  et  filio 
suo  Johanne,  clerico,  jus,  quod  habent  in  Israelsdorpe. 

20.  Dominus  Helmicus  Albus. 

21.  Esicus  Albus  befafe  einen  Jfyeü  öon  SSraelSborf. 

22.  Hermannus  Albus  de  Bardewic. 

23.  Albertus  de  Bardewic;  Letardus  de  Bardewic; 
Meinardus  de  Bardewic.10) 

24.  Henricus  filius  Richardi  de  Bocholt. 

26.  Domina  Ida,  mater  Henrici  de  Bocholt,  pueros 
filii  sui  legitimos  heredes  instituit,  consentiente  Gertrude 
et  Ottone  pueris  ejus. 

26.  Dominus  Heydenricus  de  Boiceneborg  Dermale 
bei  einer  öorfjabenben  Steife  narf)  ßtotanb  feinet  93ruber3  ©öljnen 
Gerewitus  unb  Hindenricus  feine  ©üter  „si  contigerit,  eum 
de  Livonia  non  redire." 

27.  Meuardus  de  Bremis,  Thedardi  filius;  Rember- 
tus  de  Bremis;  Friderici  de  Bremis  nepos  Rocholfus; 
Marsilius  de  Bremis;  Henricus  de  Bremis.11) 

28.  Thomas  Campsor  unb  ©o!>n  Radolfus;  Johan- 
nes Campsor  unb  ©oljn  Johannes.11) 

3tf#r.  b.  «.  f.  s.  m.  V,  3. 


15 


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OQglc- 


226 


29.  Florenci\i8  8uper  Clinghenberch. 

30.  Volquinus  de  Clinghenberch  öerfaufte  an  Her- 
mannum  de  Goslaria  jtoet  Käufer  supra  Clinghenberch. 

31.  Hermannus  de  Cusvelde  wohnte  in  platea 
Adolphi. 

32.  Henricus   de   Crumesse. 

33.  Theodoricus  Friso;  Luderus  Friso;  Bolwardus 
Friso.11) 

34.  Bertradis,  Jodjter  be3  Arnold  von  Honover, 
(Sljefrau  be$  Marquard  von  Honover,18)  in  jipettcr  (5$e  Der* 
mäl)lt  mit  Henricus  Haes. 

35.  Albertus  de  Lune. 

36.  Gerbertus  de  Luneborch. 

37.  Yrama,  uxor  Eleri  de  Luneborch,  überlief*  bem 
8totl)$ljerm  Bernhard  von  Uelssen  ein  $au$,  ba$  fic  bon  iljter 
©d)n>eftet  domina  Bya  geerbt  Ijatte. 

38.  Godescalcus  de  Monasterio. 

39.  Lambertus  de  Nestwedß. 

40.  Alwinus  Niger,  ©eine  Softer  toax  an  Thedar- 
dus  Veletering  oerljeiratljet.  Gerhardus  Niger,  gener 
Godescalci  Campsoris.  Statt)  SRette'S  Angabe  fotten  biefe 
beiben,  fottrie  Rantvicus,  Wernerus  unb  dominus  Johan- 
nes, bei  beren  SRamen  feine  3atyre3jal)t  oermerft  ift,  ftinber  be£ 
Ethelerus  Niger  geroefen  fein.  3)iefe  Eingabe  fc^etttt  auf  einer 
Snfcription  be3  OberftabtbudjS  ju  berufen. 

41.  Dominus  Henricus  Oleneborch. 

42.  Conradus  de  Osenbrtigge. 

43.  Rothgerus  de  Rostock. 

44.  Marquardus  cum  rupto  oculo. 

45.  Tidericus  de  Santwelle. 

46.  Bernhardus  de  Segeberg  lauft  Septem  jugera 
agrorum. 

47.  Wichardus  de  Septem  fratribus. 

48.  Hartvicus  de  Soltwedele  faufte  ein  £>au3  a  pueris 
Wedegonis  Wittenborch. 

49.  Bartoldus  de  Speculo. 

50.  Domina  Gertrudis  speculatrix. 


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227 

51.  Kunnigundis,  (Sfjefrau  Henrici  specula  facientis, 
legirt  ifjrem  äßcmne  xijx  ©ut. 

52.  Domina  Frederadis  de  Stadis. 

53.  Thetmarus  propre  Travenam. 

54.  Everhardus,  ©ofyn  be$  Johannes  ultra  Travenam. 

55.  Hermannus  Vorrade. 

56.  Henricüs  de  Warendorpe  Derttyeilte  80  SWatf  „inter 
cognatos  suos  in  elemosynas  pauperum  et  ecclesias  distri- 
buendas,  si  eum  de  Jerosolymis  non  contigerit  redire.  Re- 
liquas  facultates  uxor  et  pueri  habebunt." 

57.  Theodoricus  Wrot.18) 

1242. 

58.  Henricüs  de  Brunswic  factus  est  scriptor  civitatis 
Lubicensis. 

59.  Tidericus  Somer  emit  quartam  partem  domus  pro 
8  marcis  argenti. 

60.  Johannes  et  Godofredus  Bilrebeke  fratres. 

61.  Heidenricus,  socer  domini  Hinrici  de  Bocholt5), 
emit  duas  domus  ab  Hinrico  Runesen. 

62.  Gertrudis,  filia  Richardi  de  Bocholt,14)  beten 
erfter  SWann  Godofridus  f)ieJ3,  toax  in  gmeiter  (äfye  mit  Wic- 
baldus  Derljetratljet. 

63.  Dominus  Everhardus  de  Bremis;  dominus  Her- 
mannus de  Bremis. 

64.  Dominus  Meinhardus  de  Bremis. 

65.  Bernhardus  de  Cusvelde;  Hinricus  de  Cus- 
velde;  Vicboldus  de  Cusvelde;  Gerewinus  de  Cus- 
velde; Godeco  de  Cusvelde  et  frater  Johannes;  Wer- 
nerus  de  Cusvelde.11) 

66)  Johannes  de  Deling,15)  ermähnt  als  2übecfifdf)er 
9iatf)3ljerr. 

67)  Dominus  Daniel  de  Deling  foH  mit  einer  $ocf)ter 
be3  Johannes  de  Molendino16)  öerfyeiratfyet  getoefen  fein. 

68)  Theodoricus  de  Heringen,  foH  ein  ©ofyn  be3  5ftattj& 
fjerrn  Gerhardus  van  Heringen17)  gemefen  fein. 

69)  Pueri  domini  Friderici  de  Luneborg. 

15* 


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228 


70.  Dominus  Jordanus  de  Brunsvick. 

71.  Dominus  Johannes  de  Molne18)  (nad)  SWellcSla^etr). 

72.  Hermannus  de  Moria  laufte  „medietatem  taberaae, 
quae  fuerat  domini  Wedegonis  de  Wittenborch.u 

73.  Hinricus  de  Ostinghusen  laufte  öon  Volcekone, 
filio  Todonis  de  Malsow,  ein  $au$. 

74.  Otto  de  Padelucke.     (Signer  beS  ©uteS  Sßabelttgflc. 

75.  Hartwicus  Longus  mar  öerljeiratljet  mit  her  lodjter 
domini  Everhardi  de  Bremis. 

76.  Hinricus  de  Revalia;  Engelbertus  de  Revalia; 
Hinricus.  filius  Nicolai  de  Revalia.11) 

77.  2)ie  SBrüber  dominus  Sifridus  de  Santwelle  unb 
dominus  Wesseling  de  Santwelle  gelten  eine  Stellung  i^rcr 
®fiter,  bei  toeldjer  erfterer  „decem  jugera  extra  portam  molen- 
dinorum,"  teuerer  „duae  domusu  erhielt. 

78.  Fridericus  de  Soltwedele;  Hermannus  de 
Soltwedele;  Wolterus  de  Soltwedele;  Herebrandus 
de  Soltwedele;  Arnoldus  de  Soltwedele.11)* 

79.  Alexander  de  Tremonia; '  dominus  Ttdericus 
de  Tremonia.11) 

80.  311$  Äinber  domini  Vromoldi  »erben  namhaft  gemalt 
Gerhardus,19)  Fromeco,  Johannes,  Lyvo  scholaris,  Lu- 
dolfus,  miles  Christi  in  Lyvonia,  Tidericus,  uxor  Ditmari 
Vlicke20)  unb  uxor  Nicolai  de  quinque  domibus.17) 

81.  Nicolaus  de  quinque  domibus  brachte  ba$  $au$ 
be3  Thomas  de  quinque  domibus  an  ftdj. 

82.  Burchardus  de  Warendorpe,  socius  puerorum 
domini  Beringeri.  ©eine  3raW/  ßüa  domini  Beringeri, 
Ijat  iljm  afö  SKitgift  „dimidiam  doraum"  jugebrad)t. 

83.  Hinricus  de  Warendorpe  lauft  $»ei  $aufer. 

84.  ©ine  Softer  be£  Hinricus  Vorrade22)  mar  ©jefraii 
beS  Tidericus  de  Uelessen. 

85.  Godofridus  de  Hildensem  et  (uxor)  Margaretha 

86.  Dominus  Regenbertus  Hogemann. 

87.  Unio  inter  civitatem  et  Albertum  in  Clingen- 
bergh,  quod  hereditas  illa  in  Clingenberch,  quam  civitas 
requisivit,  sua  erit  et  civitas  de  cetero  non  requiret. 


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229 

88.  Philippus  de  Clingenberch;  Beringerus  de 
Clingenberg. 

89.  Helmwicus  de  Clingenberch  fcerfauft  ein  $au%  auf 
bem  Älittßenbetg. 

90.  Dominus  Luderus  Friso  et  (uxor),  filia  Arnoldi 
Slavi  de  Bremis. 

91.  Volmaru8  de  Honovere  et  (uxor)  Hildegardis. 

1246. 

92.  Lambertus,  gener  Rekenarii,  et  uxor  sua  et 
pueri  sui,  post  mortem  Rekenarii,  ipsam  aream  perpetuo 
tenebunt  libere  et  quiete,  dum  modo  dent  8  solidos  ad  Wichbede. 

1248. 

93.  3)et  SRatlj  öerpadjtet  Tiderico  de  Olden  Lubeke 
uttb  beffen  Stoiber  „insulam  Olden  Lubeke,  cum  suis  atti- 
neneiis,  pratis  et  aliis",  ouf  brei  Sötyre  für  16  SRarf  Pfennige. 

94.  Walburgis,  vidua,  emit  a  filio  suo  piscatore  quar- 
tam  partem  domus,  item  concessit  Jacobo  4  marcas  denario- 
rum  1  solidum  super  aream  apud  domum  suam. 

95.  Notum  sit,  quod  Lutbertus  Bokeler  in  extremis 
positu8  dedit  pueris  suis  bona,  que  estimata  erant  ad  va- 
lorem  centum  marcarum  argenti. 

1249. 

96.  Nicolaus  Wullenpund28)  emit  bona,  que  fuerunt 
G(erhardo)  Pylato  13  videlicet  jugera  extra  vetus  molendi- 
num24)  et  hereditatem  ante  valvam  sitam  infra  civitatem.  Hec 
bona  resignavit  ipsi  dominus  episcopus  Albertus  et  decanus 
F(redericus)etdominu8S(ighebodo)prepositu8,Arn(oldus) 
custos  et  Johannes  scolasticus  ex  parte  tocius  capituli  beati 
Nicolai. 

97.  Domina  Mechtildis  de  Crumesse. 

98.  Conradus  Vundengot  et  pueri  Conradus  et 
Alheidis. 

99.  Domina  Elisabeth  (vidua)  domini  Godescalci  de 
Bardewik25)  et  (pueri  ejus). 

1250. 

100.  Omnibus  hoc  scriptum  visuris  tarn  presentibus, 
quam  futuris  notum  esse  cupimus,  quod  eo  tempore,  cum 


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30gte— - 


230 

domina  Herdeka  filiam  ejus  dedit  Syveconi46)  filio  domini 
Hinriei  de  Bocholte,  amicorum  ejus  accedente  consilio, 
dedit  dominus  Hinricus  de  Bocholte 5)  filio  suo  Syveken 
domum  lapideam,  que  sita  est  apud  domum  domini  Hille- 
mari,  et  ligneum  domum  similiter,  que  sita  est  ex  altera 
parte  curie  domini  Hillemari,  et  quatuor  tabernas  in  foro 
sitas  ergo  domum  domini  Friderici  de  Soltwedele  et  duas 
domos  apud  antiquam  domum  consilii,  in  qua  nunc 
stare  solent  alutarii  (s.  Lore),  et  omnia  predicta  dominus 
Hinricus  de  Bocholte  et  uxor  sua  domina  Alheydis 
et  eorum  pueri  secundum  juris  ordinem  et  justiciam  civita- 
tis resignaverunt  coram  consiho  Lubicensi  filio  suo  Syveken 
et  uxori  sue,  videlicet  filie  domine  Herdeken.  Item  si 
Syveke  mortem  patris  sui  et  cognatonnn  vixerit,  in  suo  esse 
debet  arbitrio,  si  predicta  bona  in  possessionem  refundere 
velit,  an  non,  et  cum  fratribus  et  sororibus  suis  equam  acci- 
pere  porcionem  tocius  hereditatis  et  bonorum.  Igitur  domina 
Herdeka  precavere  cupiens  dissensionem,  que  sepius  oriri 
solet  inter  heredes,  ut  cottidie  videtur,  dedit  filio  suo  Ber- 
tram mo  inante  omnem  cespitalem  hereditatem,  quam  domi- 
nus Bertrammus  Stalbuc26)  habuit,  dum  decederet,  qtie 
sua  fuit,  tali  tarnen  interposita  condicione,  quod  domina 
Herdeka  dedit  Syveken  de  Bocholte  cum  filia  ejus 
300  marcas  argenti,  duas  marcas  nummorum  pro  marca 
argenti,  et  ita  bene  suffecit  Syveken  et  filie  ejus  eo  tempore. 
Unde  domina  Herdeka  cum  bonis  suis,  quod  ei  placet, 
facere  potent,  quam  diu  vivit,  sive  bona  vendere,  sive  dare 
cuiquam  decreverit  et  hoc  post  mortem  ejus  nemo  infringere 
potent  vel  mutare.  Ceterum  cum  domina  Herdeka  de 
bonis  ejus  ordinaverit,  quicquid  ei  placuerit,  cum  eam  mori 
contingit,  si  Syveconi  placuerit,  cum  ejus  heredibus  refun- 
dere debet  bona,  que  ei  domina  Herdeka  dedit  cum  filia 
sua,  et  tum  equa  divisione  cum  heredibus  in  nomine  domini 
partem  accipiat,  que  eum  contingere  potent.  Ne  autem  tum 
racionabilem  donacionem  nostram  et  ordinacionem  quispiam 
in  posterum  violare  vel  mutare  presumat,  presentem  paginam 
hinc  inde  conscriptam  sigillo  Lubicensis  civitatis  in  sufficiens 


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231 

testimonium  fecimus  roborari,  Hujus  rei  tcstes  sunt:  Willel* 
mus  domine  Valburgis,  Hinricus  de  Bocholte,  God. 
de  Nüsse,  Johannes  de  Bardewik,  Hillemarus,  Fride- 
ricus  de  Bardewik,  Johannes  Goldoghe;  Willekinus 
de  Stadhis,29)  Helmericus  de  Ullesen,  Syveko  de 
Bocholte,  Hence  Stalbuc, 28)  Johannes  Volsmer  et 
alii  quam  plures.  Acta  sunt  hec  anno  dominice  incarna- 
cionis  1250. 

101.  Dominus  Fridericus  de  Bardewik29)  camerarius 
civitatis. 

102.  Henneco  de  Bardewik. 

103.  (Vidua)  domini  Richardi  de  Bocholt14)  et  (pueri  ejus). 

104.  Gereco  de  Quinque  domibus. 

105.  Hinricus,  Johannes,  Christina  et  Germodis 
(pueri)  Hinrici  Hogemann. 

106.  Johannes  Clendenst.30) 

107.  Dominus  Godescalcus  de  Luneborch. 

108.  Everhardus  de  Septem  fratribus  et  (uxor)  do- 
mina  Ditburgis. 

109.  Domina  Gertrudis,  soror  domini  Wizeli  de  Sant- 
welle,  öerlauft  genteinfam  mit  ttyrem  ©o!>ne  „8  jugera  extra 
vetus  molendinum"  an  dominum  Nicolaum  Wullenpunt 

110.  Hartwicus  Stange,  (uxor)  Gertrudis,  (pueri) 
Bertramus,  Hinricus,  Conradus  et  Adolfus. 

111.  Rudolf us  Wrot,81)  camerarius. 

1252. 

112.  Sifridus  super  pontem9)  emit  domum  et  sine 
illa  domo  20  solidos  ad  Wicbelethe. 

113.  Fromeco  Vromoldi,  qui  praefuerit  operi  civi- 
tatis, et  uxor  Wildrudis. 

114.  Dominus  Wedekinus  de  Luneborch. 

1253. 

115.  Meinardus  de  Erteneborg. 

116.  (Sine  ©djroejier  be3  Theodoricus  de  Heringen  mar 
afe  Sßittwe  be$  Hinricus  Rufus  in  jrocitcr  Stye  mit  Jacobus 
Albus,  ©ol)n  be3  Wilhelmus  Albus,32)  öcr^cirat^ct. 


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232 

1254. 

117.  Dominus  Hermannus  Molendinarius  foufte 
jugera  sita  in  Molenkamp33)  uttb  bürgte  für  ben  census 
molendini,  ben  domina  Moseke,  relicta  Marquardi  molen- 
dinarii,  fdjufbete. 

118.  Rodolfus  de  Schottorpe. 

119.  Dominus  Fridericus  de  Soltwedele. 

120.  Filia  Willekini  de  Stadis,34)  uxor  Johannis 
Nigri. 

121.  Arnoldus  de  Warendorpe. 

122.  Alfride,  (Sljefrau  bcS  Hinricus  Wullenpund,35) 
$od)ter  bed  dominus  Tidericus  Vorrade.36) 

1255. 

123.  Cum  siligo37)  solvit  unum  solidum,  ponderare  debet 
pulcher  panis  siliginis  6  marcas,  fertone  minus,  ita  lucrantur 
pistores  4  solidos  in  12  modijs  siliginis,  et  ipso  tempore 
debet  ponderare  grossus  panis  9  marcas,  fertone  minus.  Cum 
triticum  solvit  18  denarios,  debent  duo  eunei  ponderare 
5  marcas,  dimidio  fertone  minus,  et  ita  lucrantur  pistores 
4  solidos  in  12  modijs  tritici 

Consules  decreverunt  et  statuerunt,  quod,  quando  modius 
tritici  solvit  16  denarios,  duo  eunei  debent  ponderare  4  mar- 
cas et  dimidiam.  Quando  vero  solvit  18  denarios,  pondera- 
bunt  4  marcas  et  dimidium  fertonem.  Sed  quando  solvit 
20  denarios,  ponderabunt  4  marcas  fertone  minus.  Quando 
22  denarios,  3  marcas  et  alterum  dimidium  fertonem.  Quando 
duos  solidos,  3  marcas  ponderabunt.  Quando  tritricum 
26  denarios  solvit,  3  marcas,  3  lot  minus.  Quando  27  dena- 
rios, 10  fertones  et  dimidium.  Quando  30  denarios,  10  fer- 
tones,  lotone  minus.  Quando  32  denarios,  fertonem  pondera- 
bunt. Quando  modius  siliginis  solidum,  tunc  pulcher  panis 
siligineus  ponderabit  6  marcas.  Quando  131/*  denarios, 
51/*  marcas.  Quando  15  denarios,  5  marcas.  Quando 
16  V*  denarios,  4  marcas  et  dimidiam.  Quando  18  denarios, 
4  marcas.  Quando  20  denarios,  4  marcas  fertone  minus. 
Quando  21  denarios,  31/*   marcas.     Quando  21 V«    denarios. 


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233 


3  marcas  et  fertonem.  Quando  2  solidos,  3  marcas  ponde- 
rabit.  Item,  quando  siligo  solvit  solidum,  grossus  panis  pon- 
derabit  9  marcas.  Quando  13  V«  denarios,  8  marcas  et  fer- 
tonem. Quando  15  denarios,  7  marcas  et  dimidiam.  Quando 
I6V2  denarios,  7  marcas  f ertöne  minus.  Quando  18  dena- 
rios, 6  marcas  ponderabit.  Quando  20  denarios,  5  marcas 
et  fertonem.  Quando  22  7«  denarios,  5  marcas  dimidio  f er- 
töne minus.  Quando  duos  solidos,  3  marcas  et  dimidiam. 
Sic  lucrantur  in  12  modijs,  tarn  tritici,  quam  siliginis,  4  so- 
lidos, de  quibus  sibi  provideant  in  expensis. 

124.  Marquardus  de  Bardewik. 

125.  Dominus  Hinricus  de  Brunswik  befi&t  gemeinfam 
mit  Hinricus  de  Crumesse  5  jugera  agrorum  öor  bem 
#olftentl>or. 

126.  Conradus  van  Buken. 

127.  Marco  de  Dedinghusen,38)  erwähnt  aU  Sübedifcfjer 

128.  Hilleke,  (relicta)  domini  Johannis  de  Deling.15) 

129.  Dominus  Ertmannus  de  Deling. 

130.  Bernhardus  de  Dülmen. 

131.  Dominus  Johannes  Friso. 

132.  Johannes  Friso,  filius  Luderi  Frisonis. 

1256. 

133.  Puer  Rothgeri,  Margareta  nomine,  reeeptus  est 
in  Domo  S.  Spiritus,  cum  19  marcis  denariorum,  tali  con- 
dicione,  si  in  domo  manere  voluerit,  predicte  19  marce  dena- 
riorum remanebunt  in  domo,  et  si  moritur,  similiter.  Si 
vero  puer  de  domo  forsitan  exire  decreverit,  19  marce  dena- 
riorum ei  debent  restitui  de  domo.39) 

1257. 

134.  ©rmäfynt  mirb  ein|mu3  apud  sanetum  dementem. 

135.  Johannes  de  Bremis40)  et  uxor,  filia  domini 
Hermanni  Sweimtm. 

136.  Johannes  de  Clingenberch. 

137.  Dominus  Hermannus  de  Ostinghusen. 


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234 


138.  Riceke  Rapesulver. 

139.  Pueri  domini  Hinrici  Vot.41) 

1258. 

140.  Michaeli  Alexander  f actus  est  notarius  civitatis. 

141.  Dominus  Hinricus  de  Ostinghusen.4*) 

142.  Tidericus  de  Riga. 

143.  Dominus  Godescalcus  de  Verden  (et  gener) 
Everhardus. 

144.  Dominus  Gerevinus  Vot  (et  frater). 

1259. 

145.  Notum  sit  omnibus,  quod  Helmvicus  Albus 
apud  sanctam  Katherinam  habet  de  bonis  pueri  Wich- 
manni,  qui  occisus  fuerat,  40  marcas  argenti,  pro  marca 
argenti  2  marcas  denariorum. 

146.  Vidua  domini  Richardi  de  Bocholte  et 
ejus  pueri. 

147.  Hinricus  de  Calve  (et  filia,  uxor)  Rotgeri  Erpe. 

148.  Dominus  Heidenricus  de  Cusvelde. 

149.  Vromoldus  de  Quinque  domibus,*1)  camerarius 
civitatis. 

150.  Bernhardus  de  Segeberg  übertrögt  feinem  @o1jne 
Johannes  „unum  mansum  extra  vetus  molendinum  et 
omnia  bona  sua  mercatoria  cum  certo  pactu."  9(1$  onberc  @öl)ite 
beS  Bernhard  de  Segeberg  macfyt  2Kette  namhaft  Everhar- 
dus, Gerhardus,  Adolfus  et  Bernhardus. 

151.  Hinricus  Wlome. 

152.  Johannes  Westvale  de  Rostock. 

153.  Dominus  Marsilius  de  Indagine,42)  camerarius. 

154.  Hinricus  de  Wittenborch,43)  camerarius. 

1260. 

155.  Domino  Johanni  Sperling45)  tenetur  solvere 
civitas  400  marcas  denariorum,  item  50  marcas  Engels  pro 
marca  36  solidos  nostre  monete. 

156.  Hermannus  Sweime  emit  28  solidos  et  4  dena- 
rios  in  hereditate,  que  fuerat  Alber ti,  Militis  Christi,  in 
Wichbilde. 


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235 

157.  Tidericus  de  Indagine. 

158.  Dominus  Johannes  de  Parkentin  berfauft  mehrere 
Käufer  an  Nicolaus  Wullenpund.23) 

159.  Tidericus  de  Riga,  (filius)  Tiderici  de  Riga. 

160.  Hinricus  et  Johannes,  (fratres)  de  Rostock. 

161.  Alheidis,  $ocf)ter  be3  Tidericus  Vorrade35)  unb 
Styefrau  be$  Heinrich  Wullenpunt,36)  afe  fic  mit  Ujren  93rü* 
bcm  in  ©treu  geraden,  „cessit  ab  omni  impeticione  heredita- 
tis  et  bonorum  mercatoriorum." 

162.  Titmarus  de  Warendorpe. 

163.  Dominus  Sifridus  de  Bocholte.46) 

164.  Titbernus  de  Potnitze  bcfliebt  firf)  mit  Tidericus 
de  Barde wik  feines  SlnprucfjS  auf  bic  SKä^Ic  jii  ©d)Iutu}> 
„in  favorem  civitatis." 

165.  Hildebrandus  de  Cusvelde;  Jacobus  de  Cus- 
velde;  Rotgerus  de  Cusvelde;  Marquardus  de  Cus- 
velde.11) 

166.  Ludeco  de  Erteneborg. 

167.  Johannes  Crispus.47) 

1261. 

168.  Concesserunt  fratres  de  domo  sancti  spiritus 
30  marcas  denariorum. 

169.  Dominus  Johannes  Passer  concessit  civitati 
quadringentas  marcas  examinati  argenti.  Examinatum 
argentum  adhuc  tenemur  solvere. 

170.  Dominus  Marsilius  de  Indagine.43) 

171.  Dominus  Luderus  Rufus. 

172.  Dominus  Johannes  de  Bremis.40) 

173.  Dominus  Johannes  Wesseler.48) 

174.  Hinricus  de  Wittenborg,44)  SBttrfjermeifter. 

175.  Dominus  Rudolfus  Wrot.31) 

1262. 

176.  Ego  Hinricus  et  ego  Gerhardus  de  Bremis 
fratres  concordavimus  tarn  de  bonis,  que  dicuntur  Torf,  hoc 
est  eigen,  in  libro  civitatis,  quam  de  bonis  feodalibus  extra 
civitatem  et  infra  civitatem.   S)ic  SBereinbarunfl,  bie  unter  U)nen 


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236 

gefrfjloffen  marb,  ging  ba^in,  ba&  Hinricus  feinem  ©ruber  Ger- 
hardus  bie  §ätfte  t>on  SfraeUborf  abtreten  falle  unb  bafi  tynen 
gemeinsam  fcerbteiben  follten  Ruresdorpe  in  terra  Oldenborch, 
brei  Jpäufer  in  ber  §ifcf)ftra&e,  „item  in  descensu  de  apotheca 
Danielis  versus  stell  am  Septem  taberne  sutorie,50)  item 
due  domiis  in  Borchstrate,  que  solvunt  Wicbelde,  item  una 
domus  in  fossa  figulorum,  item  due  taberne,  que  pertinent 
pueris  R.  Wrot  et  annuatim  solvunt  wicbelde." 

177.  Notum  sit,  quod  Hinricus  Steneke51)  emit  a 
fratre  suo  Willekino  et  sorore  sua  Gertrudi  medietatem 
hereditatis. 

178.  De  bonis  BertoltJi  Zworben53)  dedimus  hospitali 
Valkena  20  marcas  denariorum  et  tres  obulos. 

179.  De  predictis  bonis  B.  Zworben  reeeperat  Civitas 
80  marcas  argenti,  et  20  solidos  Lubicensis  monete,  et  tree 
obulos. 

180.  Ex  bonis  Bertoldi  Sworben  erogavit  senatus 
domui  saneti  spiritus  10  marcas  denariorum. 

181.  Lubbertus  de  Fimbria  dedit  ad  quamlibet 
ecclesiam  4  marcas  denariorum  et  ad  domum  saneti  spiritus, 

182.  Notum  sit,  quod  domina  Helemburgis  impigno- 
ravit  domino  Nicoiao,  sacerdoti,  filio  ejus,  domum  sitam 
in  fossa  Tanquardi  pro  18  marcis  nummorum,  tali  con- 
dicione,  cum  domina  ei  restituit  18  marcas  denariorum,  domu* 
ejus  est  soluta. 

183.  Dominus  Godofridus  de  Bilrebeke. 

184.  Dominus  Godescalcus  molendinarius  fyteti  Teilung 
mit  ber  SBittme  be$  Rochus  molendinarii. 

185.  Johannes  de  Nestwede. 

186.  Alwinus  Niger.53) 

1263. 

187.  Post  Pascha  dimissa  est  Dn.  Willekino  de 
Stadis84)  Turris  Travenemunde,  inde  habebit  annuatini 
32  marcas  denariorum,  et  duo  passagia  pro  20  marcis  dena- 
riorum; de  his  dabit  Dn.  Ottoni  2  marcas  denarioruia 
Item  quiequid  ibidem  aeeepit  de  advocatia  infra  60  solide* 


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237 

cedet  ei  medietas,  et  medietas  civitati,  et  quicquid  supra 
60  solidos  erit  vadiatum,  in  potestate  Consulum  est,  quan- 
tum  inde  accipere  velint,  et  quicquid  inde  acceperint,  medie- 
tas erit  civitatis,  et  medietas.  Dn.  Willekini. 

188.  Civitas  recepit  a  domino  Willekino54)  et  a  do- 
mino  Rothengero55)  1  f ertöne  minus  6  marcas  examinati 
argenti. 

189.  Godeco  de  Nüsse  öerfauft  mit  ©onfenS  be3  domi- 
nus Engelbertus  de  Colonia56)  unb  beffen  Äinbcr  ba3  $au% 
feines  SBaierS,  be3  dominus  Gotefridus  de  Nüsse.57) 

190.  Wichbernus  de  Molendino. 

191.  Johannes  van  Mollne,18)  Statten:. 

192.  Tidericus  Rapesulver  (et  filia,  uxor)  domini 
Bernhardi. 

193.  Segebodo  de  Revele;  Godescalcus  deRevele.11) 

194.  Elverus  de  Riga  et  uxor,  Arnoldi  de  Bocholte 
filia  et  Conradi  soror. 

195.  Burchardus  Rufus  befafc  „medietatem  domus 
Vifhusen  et  tres  domos  inferius  sitas." 

196.  Domina  Ode,  (relicta)  Vicboldi  de  Rostock,  et 
(filius  ejus)  Hildebrandus. 

197.  Arneco  de  Soltwedele,  scholaris,  ©ofyt  be3  Alex- 
ander de  Soltwedele. 

198.  Alexander  de  Soltwedele  überlädt  „genero  suo 
domino  Alwino  Albo  medietatem  domus  Honovere." 

?lu&erbem  erttmljnt  SReHe  eine  $ocf)ter  be$  Alexander  de 
Soltwedele  mit  dornen  Gesa. 

199.  Notum  sit,  quod  dominus  Nicolaus  de  Wullen- 
pund88)  recognovit  genero  suo  domino  Bertrammo  Stal- 
buc58)  38  solidos  wichbeldes. 

200.  Hermannus  Niger. 

201.  Dominus  Bernhardus  Vot,  privignus  domini 
C(onradi)  Vundengot. 

1264. 

202.  Civitas  tenetur  solvere  Engelberto  80  marcas 
puri  argenti  Lubicensis,  de  quibus  dabit  ei  Monetarius  noster 
40  marcas  argenti. 


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^oogte^ 


238 

203.  Hinricus  unb  Johannes  de  Crumesse  treten 
eine  area  in  ber  äRüljlenftra&e  an  Gertrudis  de  Santwelle  ab. 

204.  Johannes  de  Osenbrügge. 

205.  Thomas  de  Quinque  domibus  et  (uxor,  filia) 
domini  Johannis  Clendenst,  (soror)  domini  Johannis 
Clendenst.60) 

206.  Hermannus  de  Alen  lauft  ein  #au3  in  ber  Alf* 
ftrajje  bon  Gerwino,  Engelberti  genero. 

207.  Dominus  Johannes  de  Bilrebeke. 

208.  (Filia)  Johannis  Clendenst,  (uxor)  Thomae  de 
Quinque  domibus,  (fratris)  domini  Vromoldi  de  Vif- 
huzen.21) 

209.  Conradus  de  Bocholte. 

210.  Dominus  Letardus  Crispus. 

211.  Godescaicus  de  novo  molendino61)  fauft  Sonbereien 
üon  dominus  Hinricus  Vorrade.22) 

212.  Dominus  Hinricus  Steneco,51)  JRat^err. 

1265. 

213.  Arnoldus  de  Calve. 

214.  Volquinus  de  Colonia. 

215.  Johannes  et  Wulbode  de  Molendino. 

216.  Nicolaus  de  Soltwedele. 

217.  Gerhardus  Pes. 

218.  Dominus  Johannes  de  Bardewik,62)  Statinen. 

1266. 

219.  Hermannus  van  Buken;68)  Volmarua  van 
Buken;  Willekinus  van  Buken.11) 

220.  Marquardus  de  Cusvelde64)  übernimmt  für  Her- 
mannus Vorrade  eine  SBürfjfdjaft  für  500  mfc  Silber. 

221.  Olrikus  de  Darzowe. 

222.  $)ie  SEBittwe  beS  Hinricus  de  Warendorpe  reftgnirtr 
mit  i^ren  ©öljnen  bem  Johannes  van  Luneborg  unb  feinem 
©ruber  ein  ©rbe. 

1267. 

223.  Notum  sit,  quod  Dn.  Conradus  Vorrat,65)  Du 
Johannes  Vriso66)  etc.   promisserunt  communi  manu,  pro 


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239 


Hermanno  Vorrado,  Dn.  Willekino  Grui  —  quingen- 
tas  marcas  argenti67)  —  pro  marca  28  solidos. 

224.  Johannes  Goldoghe68)  louft  tum  Johannes  Mo- 
nachus69)  ba3  ©ut  3$raeUborf. 

225.  Hinrico  Vorrade  refignirten  Hinricus  et  Tide- 
ricus  Vorrade,  pueri  domini  Tiderici  Vorrade,36)  omnem 
hereditatem  in  et  extra  Lubeke  et  certam  domurn  in  Mengestrate. 

1268. 

226.  Domus  Militum  Christi.70) 

227.  Meinhardus  de  Bremis  faufte  „a  Hartwico 
Longo,  genero  domini  Everhardi  de  Bremis,  5  jugera 
agrorum  extra  vetus  molendinum  sita." 

228.  Nicolaus  de  Brucekowe  et  filia  sua  Margareta. 

229.  Conradus  de  Crumesse,  (Signet  bon  20  jugera 
agrorum  t>or  bem  $o(ftentljor,  lauft  öon  ber  ©tobt  eine  SBiefe  t>on 
„4  jugera  versus  Padeluke  apud  Were  Comitis."71) 

230.  Dominus  Luderus  Friso,  juvenis. 

231.  Marquardus  de  Indagine. 

232.  Philippus  de  Clingenbergh. 

233.  Everhardus  de  Heringen. 

234.  Dominus  Thomas  de  Molenstrate;  Willekinus 
de  Molenstrate.11) 

235.  Marquardus  de  Zernekowe  übertäfct  Rodolfo 
molendinario  de  parvo  molendino  apud  siecum  allodium 
fiänbereien,  t>on  benen  er  terram  incultam  auf  (jennffe  Satyre  genießen, 
öon  einem  jugere  eultae  terrae  aber  6  solidos  jagten  follte. 

236.  Domina  Windelheydis  de  Monasterio. 

237.  ®ie  ©tabt  etnrirbt  ba3  ©ut  ^abelügge  mm  Hilde- 
brandus  unb  Hermannus  de  Hallis. 

238.  Gerlacus  Rufus  laufte  quatuor  jugera  agrorum 
unb  fein  ©oljn  Gerlacus  Rufus  duo  jugera. 

239.  Tidemarus  de  Santwelle  faufte  4  jugera  agrorum. 

240.  Gerhardus  de  Segeberge  befa{$  quatuor  jugera 
agrorum. 

241.  Alexander  Soltwedele  et  uxor,  domini  Alberti 
Rufi74)  filia. 


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240 


242.  Johannes  de  Samecowe,  filius  Ludolfi  nostri 
notarii. 

243.  Hinricu8  Albus  befa{$  20  jugera  agrorum  extra 
vetus  molendinum. 

1270. 

244.  Notum  sit,  quod  magister  Hinricus  de  Witten- 
borne  dictus  se  obligavit  civitati  Lubicensi  ad  commanen- 
dum,  ad  faciendum  servicia  possibilia  et  honesta  infra  civita- 
tem  et  extra,  ad  schribendum,  ad  legaciones,  cum  necesse 
fuerit,  in  expensis  civitatis  agendum,  ad  consulendum  in  eau- 
sis  spiritualibus  tempore  oportuno.  Pro  eo  labore  contulit 
ipsi  H[inrico]  civitas  annis  singulis  30  marcas  denarioruni 
dativorum,  ad  tempora  vite  sue.  Insuper  dabuntur  eidem 
nomine  civitatis  annuatim  in  festo  pasche  6  marce  specia- 
liter  ad  vestitum.  Preterea  semper  habebit  istum  librurn,  de 
quo  recipiet  a  qnalibet  materia  inschribendi  tres  nummos. 
Actum  in  domo  consulum  a  consulibus  nomine  civitatis  in 
vigilia  sancte  crucis  exaltacionis. 

245.  Notum  sit,  quod  Conventus  S.  Johannis  acceph 
a  civitate  duos  ortos,  sitos  juxta  novum  molendinuiii.  Ah 
uno  dabunt  singulis  annis  10  solidos,  ab  alio  dabunt  8  soli- 
dos,  quam  diu  placebit  civitati  eis  dimittere. 

246.  Gerhardus  de  Bremis  mar  ©flner  t>on  Sßabelüggt 

247.  Giselerus  de  Brucekowe. 

248.  Hartwicus  et  Johannes  (fratres)   de  Deling.7fi 

249.  Albertus  Friso. 

250.  Johannes  Stripederoc. 

1271. 

251.  Gerhardus  de  Bremis  lauft  bic  eine  ^älftc  Don 
©djönböfen  oon  feiner  ©cfjwefter  Alburga,  bte  folc^c  öon 
iljrem  SWanne  erhalten,  bte  anbere  £älfte  öon  Hinricus  de 
Isernloh.77) 

252.  Domina  Ida,  (reüeta)  Hillemari.78) 

253.  Lutbertus  de  Schottorpe. 

254.  Gerhardus  de  Septem  fratribus. 

255.  Hermannus  Albus  et  (frater)  Johannes. 


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241 


1273. 

256.  Johannes  de  Bilrebeke  emit  domum  lapideam 
in  platea  Brunonis. 

257.  Dominus  Johannes  de  Bremis. 

258.  Arnoldus  de  Cusvelde  rooljttie  in  „platea  Adolfi." 

259.  Arnoldus  et  Nicolaus  (fratres)  Morkerke. 

260.  Godescalcus,  scriptor. 

261.  Doinina  Ida  vidua  domini  Gerhardi  Pedis. 

1275. 

262.  Notum  sit,  quod  Sifridus  de  Bredenvelde  emit 
a  Domo  sancti  Spiritus  Lubeke  5  marcarum  redditus 
ad  annum  diebus  vite  sue,  et  si  mater  sua  eum  supervivet, 
ipsa  recipiet  dictos  redditus,  duobus  annis  post  eum;  tunc 
post  ea  dicti  redditus  ad  Domum  libere  sunt  reversuri.  Item 
ipse  Sifridus  potest  habere  prebendam  in  ipsa  Domo,  ante 
dictos  redditus,  quando  vult,  et  pro  predictis  omnibus  ipse 
dedit  dicte  Domui  60  marcas  denariorum. 

1277. 

263.  Omnibus,  ad  quos  presens  scriptum  pervenerit,  uni- 

versi  consules  Lubicenses  salutem  in  Domino.     Protestamur 

presentibus,  quod  convencionem  fecimus  cum  Johanne  de 

Samekowe,   filio  Ludolfi,  nostro  notario,  talem  videlicet 

ut,  sicut  fecit  actenus,  serviat  nobis  fideliter  in  officio  scrip- 

toris  et  nuncii  omnibus  diebus  vite  sue  in  omnibus,  quibus 

potest.     Pro  quo  nos  dabimus  ei,  quamdiu  vixerit,  quolibet 

anno  sedecim  marcas  denariorum  et  sex  marcas  ad  vestitum 

suum  et  ad  hoc,  quicquid  venerit  de  libro  civitatis,  in  quo 

debita  conschribuntur.     Si  vero  tarn  male  egerit,  vel  tales 

fecerit  excessus,  quod  de  jure  debeat  ab  hoc  beneficio  remo- 

veri,  hoc  tunc  stabit  in  nobis,  utrum  eum  licenciare  velimus 

vel   diucius   retinere.     Preterea,   si  processu   temporis   idem 

Johannes  ad  tantam  debilitatem  vel  senium  aut  oculorum 

obschuritatem  vel  sensuum  turbacionem  pervenerit,  ita  quod 

Uiis  modis  aut  aliis  fiat  ad  serviendum  et  ad  schribendum 

inutilis,  tunc  tantummodo  dabimus  ei,  quamdiu  vixerit,  pre- 

dictas  sedecim  marcas  et  sex  marcas  ad  vestitum  pertinen- 

8tfeft.  b.  ».  f.  8.  0.  IV,  8.  16 


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242 

tes  et  tunc  librum  prefatum  alii,  cuicunque  nobis  placuerit, 
committemus.  Ut  autem  apud  nos  et  nostros  successores, 
premissa  stabilia  permaneant,  presens  scriptum  in  testimo- 
nium  hwic  libro  duximus  inschribenduni.  Actum  anno  Do- 
mini 1277  in  octava  sancti  Andree  apostoli. 

264.  (Pueri)  Hinrici  de  Isernloh,77)  Tidericus, 
Hinricus,  Johannes,  Gerhardus,  N.  N.  uxor  Arnoldi 

265.  Wobbe  (relicta)  Alwini  de  domo79)  et  (filius 
suus)  Tidemannus. 

266.  Lambertus  de  Luneborch;  Nicolaus  de  Lune- 
borch;  Reineco  de  Luneborch.11) 

267.  Hinricus  de  Nestwede80)  fjat  mit  feinem  ©oljnc 
Johannes  unb  mit  Godescalcus  de  Nestwede  bet  ©tobt 
100  Triff,  „puri  argenti"  gerieten,  mofttr  Hildebrandus  de 
Molne81)  unb  Volquinus  de  septem  fratribus82)  fid)  m 
bürgten. 

1278. 

268.  Sifridus  Buk. 

269.  Vidua  domini  Marcolfi  de  Dedinghusen.88) 

270.  Hermannus  Priso  et  (uxor,  filia)  Volquini  de 
septem  fratribus. 82) 

271.  Luderus  de  Holthusen.88) 

272.  Marquardus  de  Kile. 

273.  Christianus  Crispus  et  (soror,  uxor)  Johanni? 
Szernentin;  pueri  Alberti  Crispi  (uxor  Hilleburga). 

274.  Willekinus  Kuro. 

275.  Domina  Arleca  (relicta)  Godofredi  Longl 

276.  Arnoldus  de  Osenbrügge. 

277.  Hinricus  de  Revalia,  SRat^err84). 

278.  Gereco  Stripederoc. 

1279. 

279.  ßernhardus  Morneweg  fd)(iefct  mit  feinen  ®(oubi: 
gern  Hinricus  de  Revalia,84)  Lampertus  Albus  unb  ®t 
noffen  eine  SBereinbatung.  Qu  ben  £eugen  berfelben  gehörten  bic 
3iat^erren  Sifridus  de  Ponte85)  unb  Bertramus  S  talbuc.") 
Der  ©djulbbetrag  beregnete  fid>  auf  961  n#  ©über. 

280.  Ludeco  de  Verden. 


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243 

1280. 

281.  Anno  domini  1280  in  annunciacione  domini  nostri 
in  Quadragesima  civitas  Lubicensis  incepit  uti  sigillo,  quod 
pro  manibus  habet,  quod  schulpserat  magister  Alexander 
incisor  ymaginum  atque  pictor. 

282.  Notum  sit,  quod  Dn.  Adolphus  et  Bernhardus, 
Comites  deDannenberch,  de  Consilio  Lubicensi  vestes  plu- 
ribus  solebant  vicibus  exigere,  dicendo,  quod  ex  parte  patris 
eorum  jus  haberent  ad  easdem,  quas  vestes  eis  dare  Consules 
denegarunt.  Unde  sit  notum  presentibus  et  futuris,  quod 
anno  Domini  1280  Lucie  virginis,  cum  ipsi  Comites  fuissent 
personaliter  in  Civitate  Lub.,  in  presencia  totius  Consilii 
Lubicensis,  et  suorum  Militum,  Dominorum,  Hermanni  de 
Hagenowe,  Echardi  Ribonis,  Tiderici  de  Berge,  Sco- 
teleri,  Johannis  Bintremen,  Alberti,  filii  Eilwardi 
Dargezlawi,  Werneri  de  Doren,  Jeorgii  de  Hidsaker, 
de  dictis  vestibus,  et  omnibus  aliis  causis,  tarn  Consules, 
quam  civitatem  Lubicensem,  sie  liberaliter  et  plane  dimise- 
runt  liberos  et  solutos,  quod  adversus  eos,  et  civitatem,  ipsis 
Comitibus  nullius  cause  materia  remanebit. 

283.  Bernhardus  de  Indagine  befaft  ein  fteinemeS  $au3, 
beffen  Signet  früher  dominus  Tidericus  (de  Indagine)  war. 

284.  Tidericus  de  Luneborch;  Bertramus  de  Lu- 
neborch;  Albertus  de  Luneborch. 

285.  Johannes  de  Bardewic62)  Ijat  gefauft  „a  sorore 
Lucia  et  fratre  suo  Daniele  et  ejus  sorore  et  pueris  et  ab 
sorore  sua  Titburgi  et  ejus  pueris,  quidquid  habuerint  in 
Olden  Löwen." 

286.  Johannes  de  Cusvelde,  Hinricus  de  Cusvelde 
et  soror  Hildegardis. 

287.  Bernardus  Niger  de  Cosfeldia  fauft  mit  feinem 
S3ruber  Hildebrandus  de  Cosfeldia  ein  #au3  auf  beut 
Ätingenberg. 

1281. 

288.  Sifridus86)  et  Gerhardus,87)  filii  domini  Sifridi 
de  Bocholt,46)  emerunt  de  fratribus  clericis  Hinrico88)  et 
Johanne,89)  canonicis  Lubicensibus,  5  bodas. 

16» 


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244 

1282. 

289.  Henneco,  Johannes   et  Albertus  (fratres)  de 
Hattorpe.90) 

290.  Johannes  de  Molendino. 

291.  Wedekinus  de  Revalia.91) 

1283. 

292.  Johannes  de  Oldenborch  etfiliussuus  Johannes. 

293.  Hinricus    et    Dethardus    (fratres)    de    Sprin- 
gitgot. 


Stumcrfungcn. 


1)  9tod)  bcn  oon  3Me  gemalten  Angaben  toarb  ba$  altefte  Dberftabttoid> 
mit  bcn  unter  1 — 4  abgebrueften  3nfcrtj>tionen  eröffnet. 

2)  3)te  beiben  Ijter  ertoäljnten  ©runbftücfe  »erben  in  ber  SftUp  bertSffe* 
grabe  •  gelegen  ijaben ,  unb  biefe  Strafte,  für  toefdje  nodj  1318  ber  9tanie 
vicus  domini  Uffekonis  oorfommt,  nadj  Offeko  de  Moyzelinge  benannt  fein. 

3)  Bernhardus  de  CeUesen  toar  Don  1227—1236  SRatljgijerr. 

4)  Borwin  toirb  in  ben  3aljren  1227—1232  mei)rfad&  oB  dlatififpn 
ernannt 

5)  Henricus  de  Bocholt  toar  üon  1227—1250  SJfttgtieb  be3  9latl>c3. 

6)  Fridericiis  Dumber  toar  1228  Vertreter  SübetfS  bei  ben  Serljanblini' 
gen  mit  bem  dürften  Meteslav  Davidowitech  in  @molen$f  toegen  ftbfdjhiB 
eine«  fcanbetfoertrageS.    Urfunbb.  ber  @tabt  ßübec!  I  ©.  696. 

7)  &u$  ber  alten  8totl)$ftnie  ift  $u  erfefjen,  ba%  Ludolfus  de  Hannover 
ein  SKitglieb  be$  fRatfä  getoefen  ift. 

8)  Die  hereditas  Hannover  tag  an  ber  (Stfe  be3  #ol)lmarItc3  (Jit  270j 
unb  ber  jefrigen  ©anbftrafce  (ja  1006—1010). 

9)  Sifridus  de  Ponte  toar  üon  1227—1259  9Jlitglieb  be$  ffiatfjS. 

10)  Meinardus  de  Bardewic  gehörte  üon  1224—1234  bem  Statine  an. 

11)  Ob  biefe  tarnen  fämmtlidj  in  einer  ftnfcrtytion  ernannt  finb,  tft  <ro$ 
ben  Äufeeidjnungen  9JleÜY$  nic^t  erftdjtlidj. 

12)  Arnoldus  unb  Marquardus  de  Hannover  werben  beibe  in  ber  durften 
fflatpimie  al$  9ftoti)3l)erren  aufgeführt;  ob  ber  julefct  erwähnte  1227  bereu* 
oerftorben  toax,  ift  au$  ber  ftufceidjnung  2ReÜY$  uidjt  beutltrfi  ertennbar. 

13)  Theodoricus  Wrot  toirb  ibenrifd)  fein  mit  bem  in  ber  Slat^lüne 
erneuten,  urfunblfd)  anbertoeitig  nidjt  nadjtoeiSbaren  8totl)$!jerrn  Tidericus 
Wroet. 


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245 


14)  Richardue  de  Bocholt  gehörte  öon  1229—1240  bcm  fRatty  an. 

15)  2>er  9fome  be$  Johannes  de  Deling  ift  in  bcr  SRatljSlinte  be$  $ro» 
feffor  2>eecfe  nur  öerfeljenttid}  auSgelaffen  morben,  er  gefjörte  bem  föatfje  nod) 
im  3aljre  1254  an. 

16)  Johanne«  de  Molendino  mirb  1225  als  DtotljSfjerr  ermäfmt. 

17)  Gerhardus  de  Heringen  mar  öon  1227—1243  ÜRatfjSljerr;  er  mar 
roaljrfdjemlid}  ein  ©oljn  be$  um  1200  lebenben  SRatljSfjerrn  Tidericus  de 
Heringen  unb  ein  Araber  be$  Tidericus  U.  de  Heringen,  mit  bem  er  alä» 
bann  1227  gletdtöeitig  bcm  9iatr)c  angehörte. 

18)  Johannes  de  Molne.  ©ein  9tame  pnbet  fidj  nicr)t  in  ber  alten 
ftatfy&linie. 

19)  Gerhardus  Vromoldi  mar  9totl)$I)err  öon  1249—1253. 

20)  Thidericus  Vlicke  tommt  in  ben  Sauren  1240—1250  aU  föatljfr 
tyerr  tjor. 

21)  Nicolaus  de  quinque  domihus  wirb  ein  SBater  beä  SRatljSijerrn 
Vromoldus  de  Vifhusen  (1257—1292)  gemefen  fein,  unb  lefeterer  ben  Vor- 
namen Vromold  nad)  feinem  mütterlichen  ©rofcoater  erhalten  ljaben. 

22)  Hinricus  Vorrade  gehörte  üon  1238—1264  bem  Watyt  an. 

23)  JN'icolaus  Widlenpund  mar  t>on  1249—1263  9iatl)$f)err. 

24)  3>ie  ältefte  9ftni)le  lag  aufjerljalb  be$  iefcigen  SttüfjlentfjorS. 

25)  Go<lcHcalcus  de  Bardewic  mirb  in  ben  3ol)ren  1224—1240  als 
SRatljSljerr  aufgeführt. 

26)  Bertramus  Stalbuc  mar  t»on  1229—1236  TOtglieb  beö  Diatr)cö. 

27)  2>ic  adjt  juerft  ermähnten  Scugcn  umreit  ba^umal  SDHtglieber  be3  !jHatr)cd. 

28)  Hence  Stalbuc,  ber  mofyl  ein  6ofm  be3  9iat^^erm  Bertramus  Stal- 
buc gemefen  ift,  bat  nad)  ber  Stellung,  bie  iljm  in  ber  alten  SKat^linie  an* 
gemiefen  ift,  $u  @nbe  ber  fündiger  Saln-c  be$  brei^nten  Sa^unber^  bem 
9tatl)e  angehört.  Urfunblid)  gejdn'eljt  feiner  nidjt  (Srmäljnung.  ($r  mirb  Vater 
be3  9iat^t)erm  Bertramus  U  Stalbuc  gemefen  fein. 

29)  Fridericus  de  Bardewic  mar  9iatt)$l)err  üon  1249—1261. 

30)  $>ie  Slnnafjme  2>eetfe'$,  baß  ber  In'er  ermähnte,  in  ber  alten  SRatljS* 
linie  nidjt  aufgeführte  Johannes  Clendenst  ein  9Äitglieb  be£  9iatl)e$  gemefen 
fei,  beruht  auf  einem  Jfrrttyum,  8"  bem  er  baburdj  ücranlaßt  marb,  baß  bem« 
felben  ber  @t)rentttet  dominus  beigelegt  ift. 

31)  Rudolfus  Wrot  mar  Statten:  öon  1230—1261. 

32)  Wilhelmus  AVitte  gehörte  öon  1224—1259  bem  9totf>e  an. 

33)  3)ie  Sage  be3  Molenkamp  fann  nid)t  näfyer  feftgeftellt  merben,  ba 
bef felben  in  feiner  anbem  uns  erhaltenen  9lufaeidmung  Grmäljnung  gefdjiefyt. 

34)  Willekinus  de  Stadis  mirb  üon  1250—1263  aU  9ktf)$f)err  ermähnt. 
3nt  lederen  3aljr  marb  er  nad>  2hi$mci3  ber  unter  Xt  187  abgebrueften 
Sufcriptton  öom  SRatlje  aum  advocatus  in  Jraöemünbc  befteflt.  SBenn  SJtclle 
in  feinen  ©efd)ledjtern  angiebt,  bafi  er  biefe  ©tefle  bereite  1262  betreibet  Ijat, 
fo  fdjeint  Ijier  ein  ©djreibfeljler  öorjuliegcn. 

35)  Hinricus  Wullenpund  mar  öon  1261—1273  9tott)$l)err. 


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246 


86)  Thidericuß  Vorade  war  ffiatfj*$err  oon  1280—1246. 

87)  $ie  abweidjenben  Stefrimmungen,  welche  Me  beiben  ttbfäge  über  baS 
Gfewidjt  be3  bei  einem  beftimmten  Äornpreife  gu  liefemben  9robe£  enthalten, 
laffen  fid}  nur  erflären,  wenn  man  annimmt,  baß  bie  in  beut  erften  %bfö 
aufgenommenen  fiä)  auf  altere  $orfdjriften  bejieljen,  meiere  hn  3o$re  . 
1255  Don  bem  Stotlje  geftnbert  ftnb.  $eranlafst  ift  foldjeS  tuotyl  baburdp,  bat 
bajumal  anbermeitige  Änorbnungen  über  bie  #öl|e  bcS  SKaljfgelbe*  getroffen 
fmb,  benn  ed  warb  bie  9Renge  be$  botn  Bäder  für  ben  ndmli^en  $ret*  *a 
liefemben  9h>ggenbrobe$  erljötjt,  bagegen  bie  be«  2Bei$enbrobe$  t>erringert 

Sowohl  bie  alte  al£  aud)  bie  neue  Drobtage  geljt  Don  ber  Annahme  auf 
bafj  ber  Bäder  an  jeben  jwölf  Steffeln  SBeijen  ober  Woggen,  bie  er  üerbadte, 
für  Befrreitung  ber  ©etrietofoften  unb  at*  <Befd>äft3gewiira  aier  Sdjiflinae 
oerbienen  foüe.  hiermit  ftnb  aber  bie  ©efrhnmungen  über  ba3  SKaaft,  in 
wettern  eingetretene  Differenzen  ber  Äornpreife  auf  ba$  ©ewidjt  bcS  5a  liefem- 
ben $robe£  einwirfen  follten,  nidjt  in  Uebereinfrhnmung  §u  bringen. 

Palcher  panis  r>icg  in  ber  $utgärfprad)e  ©djönroggen.  (£3  warb  au* 
auSgefiebtem  9loggenmet>l  Ijergeftettt.  3n  ber  iefcigen  8«t  füljrt  e3  ben  Scaaes 
ßanbbrob.  Grossus  panis  ift  ba$  gewöhnliche  ©djworabrob.  Sktf  aus  Steigen 
angefertigte  $rob  wirb  ben  tarnen  eunens  baoon  erhalten  traben,  bafj  es  bie 
gform  eine«  3)reied3  Ijatte.  9tod)  bi&  jur  (Shtfütjrung  ber  (Setterbefreilpu 
mußten  bie  Bäder  ein  fote^ed  Brob  als  SJfeifterfrütf  anfertigen.  <£*  marb  ba> 
^umal  3)reitim|>en  genannt,  weil  feine  brei  t&dtn  burdj  t&ülfte  abgeföloftes 
waren. 

38)  Marco  dePcdinghusen  wirb  nod)  1271  als  9tatl)$ljerr  namhaft  gemadß 

39)  3n  einem  Slbbrud  biefer  3nfcription  (fteue  £übedifd>e  Blätter  183? 
@.  181),  ber  üon  *ßrofeffor  3)eede  veranlaßt  ift,  finben  fid)  am  Sdjluffe  beriei 
ben  bie  Sorte:  Actum  coram  consulibus  anno  domini  1256  anfe- 
Michaelis.  3)iejelben  finb  nidjt  oon  Welle  überliefert  unb  berufen  baffer  auf 
einer  (Erfinbung  $eede'3. 

40)  Johannes  de  Bremen  war  9iatl)$l)err  oon  1256—1266. 

41)  Hinricus  Vot,  beffen  Atome  ftd}  in  ber  alten  9totfy3Ume  rädjt  finbet 
gehörte  oon  1229—1236  bem  dlatty  an. 

42)  Hinricus  de  Ostinghusen  muß  gu  ben  angefetjenften  ©urgent  gehört 
tjaben,  ba  er  nadj  einer  1285  auSgeftellten  Befdjeinigung  ber  $romforen  be* 
^eiligen  ©eiftljofoital*  (Urfunbb.  b.  ©tabt  2übed  I  S.  429)  an  erfier  Steik 
unter  benjenigen  Bürgern  genannt  wirb,  weld)e  ®elb  §ur  Stiftung  einer  TOrff 
gefammelt  Ratten. 

43)  Marsilius  de  Indagine  war  SRatljSljerr  üon  1256—1261. 

44)  Hinricus  de  Wittenborch  war  9totlj3l)err  üon  1253—1269. 

45)  Johannes  Passer  (Sperling)  war  Sübetfifdjer  $omljerr. 

46)  Sifridus  de  Bocholt  War  SRatfySljerr  Don  1256—1272. 

47)  Ueber  bie  $erfönlid)feit  be3  Johannes  Crispus  ftnb  nähere  Hngaber 
enthalten  in  ber  Seitfdjrift  für  Sübedi(d>e  ©efdtfdjte  unb  SUtertfjumStaK 
fcfjeil  4  £eft  1  @.  85. 


Digiti 


zedby  G00gk 


247 


48)  Johannes  Wesseler  war  MatfytyiT  tjon  1250—1263. 

49)  Diefe  Snfcrtytion  wirb  üön  Stolle  in  feinen  ßfibetfifdjen  ©efdjledjtern 
aum  Sa^re  1262,  in  (einer  auSfüln-lidjen  ©cfdjidjte  £übec!3  $um  Saljre  1263 
aufgeführt. 

50)  Den  tarnen  Stella  führte  ba$  an  ber  (gefe  beS  ©djüffelbubenS  unb 
ber  gifdrftrafje  sub  Jß  194  belegene  #au£  be$  SRatljSfjerren  Hinricus  Steneco. 
Die  fieben  ©djufterbuben,  wefdje  bie  ÖJebrüber  oon  SBremen  befafjen,  lagen  alfo 
in  ber  Xwiete,  weldje  neben  ber  SBoljnung  beä  SBertmeifterS  ber  9Warienttrdje 
com  weiten  Ärambuben  nad)  bem  Sdjüffelbuben  füfjrt. 

51)  Hinrictiß  Steneco  mar  oon  1259—1301  9RatfjS§err. 

52)  Bertoldus  Zworbe  ift,  tüte  au3  einer  im  Urfunbenbud)  ber  ©tobt  2übtd 
£ljetl  I  ©.  235  abgebrueften  Urfnnbe  erfidjtfid>  ift,  oor  bem  Februar  1261  in 
(£nglanb  oerftorben,  unb  finb  feine  ®üter  bem  SRatfje  überliefert,  bomit  biefer 
bie  t>on  ilmt  lefctwtflig  ausgefegten  SSermädjtniffe  $ur  SfaSaaljlung  bringe.  Den 
^träjen  in  Hamburg  f>at  er  60  #  Pfennige  ljinterlaffen. 

53)  Alwinus  Niger  war  SRatljSIjerr  1257—1280. 

54)  Unter  bem  dominus  Willekinus  wirb  ber  SRatljSfjerr  Willekinus 
de  Stadis  p  ücrftcfjcu  fein. 

55)  Der  fjicr  erwähnte  Rothengerus  wirb  ber  SRatljSljerr  Rothengerus 
de  Koberge  (1256—1288)  fein. 

56)  Engelbertus  de  Colonia  war  t)ün  1263—1271  9tatl)3I)err.  <Scint 
grau  wirb  eine  £od)ter  bc$  Gotefridus  de  Nüsse  gewefen  fein. 

57)  Gotefridus  de  Nüsse  war  SRatljSljerr  oon  1234—1250. 

58)  Bertraiiius  IJ  Stalbuc  war  öon  1263—1286  9totf)$f)err. 

59)  Conradus  Vundengot  laufte  1262  ein  ber  @tabt  gehöriges  @d)tff. 
Urfunbb.  ber  6tabt  Sübecf,  3Tr)eir  I  @.  247. 

60)  Johannes  Clendenst,  beffen  ÜName  in  ber  altern  SRattjSlinic  nic^t 
ermäfmt  Wirb,  war  öon  1284—1287  Sttitglieb  be$  SRatljeS. 

61)  Den  Tanten  novum  inolendinum  führte  bie  am  $ürtertl)or  tvbautt 
SRüljle. 

62)  Johannes  de  Bardewic  war  $Ratf)$l)err  öon  1249—1290. 

63)  QaS  £eftament  be$  Hermann  van  Buken  ift  im  Urfunbenbudj  ber 
©tobt  Sübecf,  Dfjeit  I  ©.  482  abgebrueft. 

64)  Marquardus  de  Cusvelde  war  öon  1263—1292  föatySljerr. 

65)  Conradus  Vorrade  war  SRatfjSfjcrr  öon  1256—1274. 

66)  Johannes  Friso  gehörte  nad)  ber  alten  SRatljälinte  bem  SRatljc  an. 
(gine  Urfunbe,  in  ber  er  als  Btatfy&tjerr  be^eic^net  wirb,  %at  fid)  nidjt  erhalten. 
3)a  er  nad)  ber  ©teile,  bie  tl)m  in  ber  9tatl)$lime  angewiefen  ift,  um  1270 
geftorben  fein  wirb,  fo  barf  woljl  au$  ber  SBeaeidmung  dominus,  bie  ifnn  in 
ber  3nfcription  beä  Dberftabtbudjä  beigelegt  ift,  angenommen  werben,  bafj  er 
1267  $Ratpf>crr  war. 

67)  9tod}  einer  bereits  tion  ©rautoff,  ^iftorif^e  ©Triften,  $f)etl  3  ©.  59 
gemachten  Angabe  muß  für  argenti  gelefen  Werben  angels. 


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zedby  G00gk 


248 


68)  Johannes  Goldoghe  mar  üon  1251—1294  8ftat$3l)ert. 

69)  Johannes  Monachus  mar  Statten:  üon  1263—1287. 

70)  2>a3  ber  ©tabt  gehörige,  bem  beutfdjen  Drbcn  gegen  3af)(ung  einer 
jäf)r(icf)en  Abgabe  üon  üier  ©du'üingen  flur  Venufcung  überlaffenc  £au£  lag 
in  ber  Keinen  Vurgftrafjc  sub  Jit  786  unb  787.  3m  3<üjre  1450  marb  e* 
üon  ber  ©tobt  als  ©peidjer  üermiettyet.  3U  Anfang  be3  fieb$e!jnten  3aljr 
IjunbertS  befanben  fia)  in  il)m  $mei  SBolmungen,  üon  benen  bie  eine  bera 
Dberften,  bie  onbere  bem  ^auptmanne  ber  GJarntfou  jur  Venufcung  angemiejen 
maren.  9113  ba£  alte  unmittelbar  üor  bem  Vurgtljor  belegene  $ocfenljau3  1622 
megen  ber  bamalS  ausgeführten  JJeftungSbauten  abgebrochen  merben  mußte, 
warb  jenes  feauS  ber  Vorftcfjcrfrfjaft  überfaffen.  Von  biefer  marb  eS  als  ein 
9lfyl  für  arme  Scanner  unb  grauen  benufct.  3m  gfügelanbau  mürben  bie 
Äranfen  untergebracht,  im  (Srbgefrfjoffe  befanb  fidj  eine  Sonette,  in  meld^er  alle 
Vierteljahr  üon  bem  *ßrebtger  ber  23urg  baS  Stbenbmafjl  ausgefeilt  murbc 
3)ic  33öben  mürben  jur  Lagerung  üon  ©etreibe  üermanbt.  SBeil  biefclben  ju 
ferner  belaftet  maren,  [türmte  ba$  §au3  am  ^ftngftfonntage  1806  in  fidj  $h- 
fammen.    @3  nmrb  nidjt  mieber  aufgebaut,  fonbem  bcr  <ßlafc  freigelegt. 

71)  3)ie  l)ier  ermähnte  Were  comitis  ift  bk  ßadjSmeljr. 

72)  $a  siecum  allodium  ber  alte  föame  bcr  2)orffdjaft  Voriger!  ift» 
fo  barf  mofjl  angenommen  merben,  baft  bk  ljier  ermähnte  Heine  Sttüljlc  bie 
jefctge  ©trucfmüljle  ift. 

73)  2)a3  ®ut  <ßabelügge  fdjcint  an  bk  GJebrüber  de  HaUis  burdj  <&*• 
gang  üon  Otto  de  Padelucke  gefommen  ju  fein. 

74)  Albertus  Rufus  gehörte  um  1250  bem  9totf)e  an. 

75)  2)er  Notarius  Ludolfus  ift  roo^l  ibentifdj  mit  bem  Ludolfus,  ber  gr 
meinfam  mit  bem  9iatf)3l)erm  Hinricus  Wullenpund  als  Vertreter  ber 
6tabt  an  ben  9fteifter  bcS  beutfdjen  DrbenS  abgefanbt  ift.  Urfunbb.  b.  Stabt 
Sübccf,  Xfjeü  I  ©.  335. 

76)  9lad)  9ReÜYS  Angabe  maren  Ilartwicus  unb  Johannes  de  Deling 
6öfync  beS  9totf>Sf>errn  Johannes  de  Deling. 

77)  Hinricus  de  Isernloh  mar  üon  1258—1282  SRartySljerr. 

78)  Hillemarus  mar  üon  1250—1266  9iatf)Si)err. 

79)  Alwinus  de  Domo  mar  SRatfjSljcrr  üon  1249—1268. 

80)  Hinricus  de  Nestwede  mar  9iatl)Si)crr  üon  1259—1286. 

81)  Hildebrandus  de  Molne  mar  fflatl>Si)err  üon  1275—1285. 

82)  Volquinus  de  septem  fratribus  mar  SftatljSljerr  üon  1271 — 1280. 

83)  Luderus  de  Holthusen  lebte  nod)  1287 ,  ba  in  biefem  3at>re 
Ingeborg,  üermittmetc  iper^ogtn  üon  ©adjfen,  ben  Watt)  erfudjt,  iljm  für  fie 
200  #  Pfennige  au^aube^a^len.  Urfunbenbud)  ber  ©tabt  Sübecf,  X^cii  I 
@.  463. 

84)  Hinricus  de  Revalia  mar  SRatfjSfjerr  üon  1277—1293. 

85)  Sifridus  de  Ponte  mar  9ktljSl)err  üon  1269—1288. 

86)  Sifridus  de  Bocholt  mar  ber  Vater  beS  fpäteren  gleichnamigen 
fRat^errn  (1290—1313). 


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249 


87)  Gerhardus  de  Bocholt  war  9tet$3fjerr  tum  1282—1292. 

88)  Hinricus  de  Bocholt  ift  her  foätere  »ifc^of  öon  ßübecf. 

89)  Johannes  de  Bocholt  ift  ber  foätere  ©ifdjof  öon  ©djteStuig. 

90)  Albertus  de  Hattorpe  ift  tooty  bcr  fpdtcre  SRatfjSljerr  (1299—1316). 

91)  Wedekinus  de  Revalia  mar  9tatf)3f)crr  öon  1299—1309. 


I.    Ort£t>crjcid)nif?. 


1.    $fabf  «£«***. 
Surfen. 

5legibtenHrd)C 9. 

(£atfjarinenfird>e 145. 

(StcmcnStirdje 134. 

Sfacobitirdje 5.  6. 

«ßetrifirdje 7.  8.  9. 

58egtnentyan3. 

Conventus  sancti  Johannis  .     245. 

#eüigeö  Gkiftljotyital  133. 168. 180. 

181.  262. 

9iatljf)att3. 

antiqua  domus,    qua  nunc    stare 

solent  alutarii  ....      100. 

Straften,  $ia*?e  nnb  Jljorc. 

Tlat.  Adolf i    ...     31.  206.  258. 

S8orrf)ftratc 176. 

Plat.  Brunonis 256. 

Glingijenbergij     29.  30.  87.  89.  287. 

gtföftra&e 176. 

Forum 100. 

Fossa  figulorum 176. 

pistorum 17. 

Tanquardi     ....      182. 

SDfcengeftrate 225. 

9#üf)tenftra&e 203. 

Porta  (valva)  Molendinorum  77.  96. 

Molendinum  novum  .     .211.  245. 

parvum .     .     .      235. 

vetus      96.   109.  150. 

227.  243. 


(Bonftige  ©tbäubc. 

Apotheca 176. 

Domus  militum  Christi  .     .  226. 

Stella 176. 

Vifhusen     ....  195. 

Hereditas  Honover      .     .    18.  198. 

Sutoriae  tabernae    ....  176. 

2.  QetUt  ber  $(abt  £ü*t&. 

Werfer  oor  bem  SRüljlentljor  77.  109. 
150.  227.  247. 
Slccf  er  öor  bem  £olftentl)or  125.229.235. 
Slecfcr  üor  bem  #ü£terti)or  211.  245. 
SäraetSbotpe  .    .     19.  21.  176.  224. 

9Menfamp 117. 

DIben  Soften 285. 

Oibcn  üubtle,  insula  ....    93. 
^aMügge       .     .  74.  229.  237.  246. 

<Sö)Uitüp,  9Kityle 164. 

©djönboden 251. 

Siecum  allodium  (SSortocrf)  .  235. 
Xraücmünbc,  passagium  .  .  187. 
turris  ....  187. 
Travena  ....  14.  16.  53.  54. 
Were  comitis 229. 

3.  ^Auswärtige  $rtf4affett. 

SBarbcnrif 22. 

Bremen 90. 

SoSfelb 287. 

Jierosolymae 56. 

Livonia 26.  80. 

ftoftoef       152. 

9hire$borj>e 176. 

Valkena  hospitale     ....  178. 


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250 


II.     $crfottcn*crjcid)uif?. 
A.    $l«4  7ov-  ntib  £ittt«me«. 


Adesmilt,  Bertramus  ....     1. 

—  Conradus 1. 

Adolphus   s.    Dannenberg,   Sege- 
berg, Stange. 

Alardus 8. 

Albertus 87. 

—  episcop.  Lub 96. 

—  mil.  Christi  ....      156. 

—  8.  Bardewik,  Crispus,   Dar- 

gezlawus,  Friso,  Hattorp, 
Honover,  Lune,  Lune- 
borch,  Rufus. 

Alburga  8.  de  Bremis. 

Albus,  Alwinus 198. 

—  EsicuB 21. 

—  Helmicus 20. 

—  Helmvicus    ....      145. 

—  Hermannus  ....      255. 

—  Hinricus 243. 

—  Jacobus 116. 

—  Johannes 255. 

—  Lampertus    ....     279. 

—  Wilhelmus    .     .      100.  116. 

—  de  Bardewik,  Hermannus  22. 
Alen,  Hermannus  de  .  .  206. 
Alexander,  not.  civit. .     .     .      140. 

—  pictor 281. 

—  s.  Tremonia. 
Alfride  s.  Wullenpund. 
Alheydis  s.  Bocholt,  Vundengot, 

Wullenpund. 
Alwinus  s.  Albus,  de  Domo,  Niger. 
Arleca,  relict.  Godofr.  Longi    275. 
Arneco  s.  Soltwedel. 
Arnoldus 264. 

—  custos  Lub.  eccl.   .     .     .96. 

—  8.  Bocholt,  Calve,  Cusveld, 

Honover  ,      Morkerke , 
Osenbrttgge ,       Slavus , 
Soltwedel,  Warendorp. 
Bardewik,  de,  Albertus  .     .     .23. 


Bardewik,  de,  Daniel  ...     285. 

—  Elizabeth 99. 

—  Fridericus      .     .       100.  101 

—  Godescalcus 99. 

—  Henneco 102. 

—  Johannes .     .  100.  218.  285. 

—  Letardus 23. 

—  Lucia 285. 

—  Marquardus  ....     124. 

—  Meinardus 23. 

—  Tidericus       .     .     .     .     164 

—  Titburgis 285. 

Berge,  de,  Tidericus    .     .     .     281 
Beringerus 82. 

—  s.  Clingenbergh. 
Bernhardiis 4 

—       192. 

—  s.  Dannenberg,  Dülmen,  de 

Indagine  ,  Morneweg, 
N  iger,  Segeberg,  Ullesen, 
Vot. 

Bartoldus  s.  de  Speculo,  Zworben 

Bertradis  s.  Honover. 

Bertramus  s.  Adesmilt,  Luneborch, 
Stalbuc,  Stange. 

Bilrebeke,  de,  Godofredus  60.  183. 

—  Johannes      ...    60.  207. 

—  -  .  .  .  .  256. 
Bintremen,  Johannes  .  .  282 
Bocholt,  de,  Alheydis       .     .     10». 

—  Arnoldus 194 

—  Conradus .     .     .       194.  209 

—  Gerhardus     ....     288. 

—  Gertrudis       .     .     .      25.  fö 

—  Hinricus,  canon.  Lub.    285 

—  Hinricus  17.  24.  25.  61.  h» 

—  Ida 25 

—  Johannes,  canon.  Lubic  28* 

—  Otto 25 

—  Richardus    24.  62.  103.  146 

—  Sifridus     .     .  100.  163.  288. 


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zedby  G00gk 


251 


Bocholt,  de,  Sifridus  .    .    .     288. 

—  Syveko  s.  Sifridus. 
Boiceneborg,  de,  Gerewitus      .  26. 

—  Hathewigis 10. 

—  Heidenricus  ...      10.  26. 

—  Hindenricus 26. 

Bokeler,  Lutbertus 95. 

Bolwardus  s.  Friso. 

Borewinus       16. 

Bredenvelde,  de,  Sifridus    .     262. 
Bremis,  de,  Alburga    .     .     .     251. 

—  Everhardus  .       63.  75.  227. 

—  Fridericus 27. 

—  Gerhardus    .  176.  246.  251. 

—  Hermannus 63. 

—  Hinricu8 27. 

—  —  176. 

—  Johannes      .     .      135.  172. 

—  —  ...     257. 

—  Marsilius 27. 

—  Meinhardus 64. 

—  —  ....     227. 

—  Menardus 27. 

—  Rembertuß 27. 

—  Rocholfus 27. 

—  Thedardus 27. 

Brotherus  s.  Ezzeho. 
Brucekowe,  de,  Giselerus  247. 

—  Margareta     ....     228. 

—  Nicolaus 228. 

Brunswik,  de,  Hinricus  .    58.  125. 

—  Jordanus 70. 

Bruno 19. 

Buk,  Sifridus 268. 

Buken,  van,  Conradus    .     .      126. 

—  Hermannus  ....     219. 

—  Volmarus      ....     219. 

—  Willekinus    ....     219. 
Burchardus   s.   Cusvelde,    Rufus, 

Warendorp. 

Bya 37. 

Calve,  de,  Arnoldus    .     .     .     213. 

—  Hinricus 147. 


Campsor  s.  Wesseler. 
Christianus  s.  Orispus. 
Christina  s.  Hogemann. 
Clendenst,  Johannes  106.  205.  208. 

—  —  ...     205. 
Clingenbergh,  de,  Beringerus  .  88. 

—  Helmwicus 89. 

—  Johannes      ....     136. 

—  Philippus 88. 

—  —  ....     232. 

—  Volquinus 30. 

Coesvelde  s.  Cusvelde. 

Colonia,  de,  Engelbertus     .     189. 

—  Volquinus     ....     214. 
Conradus    s.    Adesmilt,    Bocholt, 

Buken,  Crumesse,  Osenbrügge, 
Stange,  Vorrade,  Vundengot. 

Cratho 11. 

Crispus,  Albertus    ....     273. 

—  Christianus  ....     273. 

—  Hilleburga    ....     273. 

—  Johannes      ....     167. 

—  Letardus 210. 

Crumesse,  de,  Conradus .     .     229. 

—  Hinricus 32. 

—  —  ...       125.  203. 

—  Johannes 203. 

—  Mechtildis 97. 

Cusvelde,  de,  Arnoldus  .     .     258. 

—  Bernhardu8 66. 

—  Gerewinus    -    ....  65. 

—  Godeco 66. 

— -    Heidenricus  ....     148. 

—  Hermannus 31. 

—  Hildebrandus    .       166.  287. 

—  Hildegardis  ....     286. 

—  Hinricus 65. 

—  —  286. 

—  Jacobus 165. 

—  Johannes 65. 

—  —  286. 

—  Marquardus  .     .       165.  220. 

—  Rotgerus 165. 

—  Vicboldus 65. 


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252 


Cusvelde,  Wernerus    ....  65. 
Daniel,  apothecarius   ...      176. 

—    s.  Bardewik,  Deling. 
Dannenber£,comes  de,  Adolphus282. 


—  BernharduB  .  . 
Dargezlawiifl,  Albertus 

—  Eilwardus  .  . 
Darzow,  de,  Olricus  . 
Dedinghusen,  de,  Marco 

'  —    vidua   .     . 
Deling,  de,  Daniel 

—  Ertmannus 

—  Hartwicuß 

—  Hilleke     . 

—  Johannes . 


282. 

282. 

282. 

221. 

127. 

269. 

.  67. 

129. 

248. 

128. 
66.  128. 
.     248. 


Dethardus  8.  Springitgot. 
Ditburgis  s.  de  Septem  fratribus  108. 
Domo ,     de ,     Alwini    relicta, 
Wobbe 265. 

—  Tidemannus.  .  .  .  265. 
Doren,  de,  Wernerus  .  .  .  282. 
Dülmen,  de,  Bernhardus  130. 
Dumber,  Fridericus  .  .  .  .17. 
Echardus  b.  Ribo. 

Eilardus  carpentariuH      ...     9. 

Eilwardus  s.  Dargeziawus. 

Elerus  b.  Luneborch. 

ElveniB  s.  Riga. 

Engelbertus    ....      202.  206. 

—  s.  Colon ia,  Revalia. 


Erteneborg,  de,  Ludeco  . 

.      166. 

—    Meinardus    .     .     . 

.      115. 

Ertmannus  s.  Deling. 

Esicus  s.  Albus. 

Ethelerufl  b.  Niger. 

EverbarduB 

.     .  54. 

.      143. 

—     b.    de    Bremis,    Heringen, 

Segeberg ,     de 

Septem 

fratribus. 

EzKeho,  de,  BrotheniB      . 

.     .     4. 

Fimbria,  de,  Lubbertus  . 

.      181. 

Florencius 29. 

Fredegunde 19. 

Frederadis  s.  de  Stadis. 
Fridericus,  decan.  Lubicens.     .  96. 

—  s.    Bardewik,    de    Bremis, 

Dumber,Luneborch,Solt- 
wedel. 
Friso,  Albertus 249. 

—  Bolwardus 33. 

—  Hermannus  ....      270. 

—  Johannes       ....      131. 

—  —     Luderi  filius     .      132. 

—  — 223. 

—  Luderus    .     .       33.  90.  132. 

—  -  230. 

—  TheodoriciiB 33 

Fromeco  s.  Vromoldi. 
Gerbertus  h.  Luneborch. 

Gereco  ß.  de  Quinque  domibns, 
Stripederoc. 

Gerewinus  s.  Cusvelde,  Vot. 

GerewitiiB  s.  Boieeneborch. 

Gerhardus  ß.  Bocholt,  de  Brenxia, 
Heringen  ,  Isemloh  ,  Niger, 
Pylatus,  Segeberg,  de  Septem 
fratribus,  Vot,  Vromoldi. 

Gerlacus  s.  Rufus. 

Germodis  b.  1  logemann. 

Gertrudis 109. 

—  speculatrix 511 

—  8.      Bocholt  ,  %  Santweile  . 

Stange,  Steneco. 

Genvinuß 206 

Gesa  s.  Soltwedel. 
Gißelerus  8.  Brucekowe. 
Godeco  b.  Cusvelde,  Nüsse. 
Godetridus 62 

—  s.     Bilrebeke ,    Uildensem , 

Longus,  Nüsse,  Kufu*. 
GcKleBcalcus,  scriptor  .     .      .      2t*i 

—  de  novo  molendino    .      211 

—  b.  Luneborch,  Molendinariu*. 

de  Monasterio,  Nestwede 
Revale,  Verden,   Weerfer 


Digiti 


zedby  G00gk 


253 


Goldoghe,  Johannes  .  100.  224. 
Goslaria,  de,  Hermannus  .  .  30. 
Grus,  Willekinus    ....     223. 

Haes,  Hinricus 34. 

Hagen  s.  de  Indagine. 

Hagenow,  de,  Hermannus  .     282. 

Hallis,  de,  Hermannus    .     .     237. 

—  Hildebrandus    .    .    .     237. 
Hartwicus  s.  Ueling,  Longus,  Solt- 

wedel,  Stange. 

Hathewigis 10. 

Hattorpe,  de,  Albertus    .    .     289. 

—  Henneco 289. 

—  Johannes 289. 

Heidenricus 61. 

—  s.  Boiceneborg,  Cusveide. 
Helemburgis 2. 

—  182. 

Helmericus  s.  Uelessen. 
Ilelmwicus  s.  Albus,  Clingenbergh. 
Hence  s.  Stalbuc. 

Henneco  s.  Bardewik,  Hattorpe. 
Henricus  s.  Hinricus. 
Herdeka  s.  Stalbuc. 
Herebrandus  s.  Soltwedel. 
Heringen,  de,  Everhardus  .     233. 

—  Gerhardus 68. 

—  Theodoricus  ...   68.  116. 
Ilennannus  s.  Albus,    Albus   de 

Bardewik,  Alen,  de  Bremis,  Bu- 
ken, Cusveld,  Friso,  Goslaria, 
Hagenow,  Hallis,  Molendina- 
rius,  de  Moria,  Niger,  Osting- 
husen,  Pape,  Soltwedel,8weine, 
Vorrade. 

Hervorde,  de,  Hinricus    .    .     .11. 

IIid«acker,  de,  Jeorgius  .     .     282. 

Hildebrandus  s.  Cusveide,  Hallis, 
Molne,  Rostok. 

Hilclegardis  s.  Cusveide,  Honover. 

Ilildensem,  de,  Godofridus .     .  85. 
- —     Margaretha 85. 

Hilleburga  s.  Crispus. 

Hilleke  8.  Deling. 


HillemaruB  ....  100.  252. 
Hillemari  relicta  Jda  .  .  .  252. 
Hinricus 12. 

—  epecula  faciens      .    .    .51. 

—  s.  Albus,  Bocholt,  de  Bre- 

mis, Brunswik,  Calve, 
Crumesse,  Cusveld,  Haes, 
Hervorde  ,  Hogeman  , 
Isernloh  ,  Nestwede  , 
Oleneborch,  Ostinghusen, 
Revalia,  Rostok,  Rufus, 
Runese  ,  Springitgot , 
Stange,  Steneco,  Vorrade, 
Vot,  Warendorp,  Wit- 
tenborch,  WHtenborn, 
Wlome,  Wullenpund. 

Hodagus 7. 

Hogemann,  Christina .    .    .     105. 

—  Germodis      .....    105. 

—  Hinricus 105. 

—  Hinricus  filius  .    .     .     105. 

—  Johannes      ....     105. 

—  4tegenbertus  ....  86. 
Holthusen,  de,  Luderus  .  .  271. 
Honovere,  de,  Albertos  .    .    .18. 

—  Arnoldus 34. 

—  Bertradis 34. 

—  Hildegardis 91. 

—  Johannes 18. 

—  Leverus 18. 

—  Ludolfus 18. 

—  Marquardus 34. 

—  Olricus 18. 

—  Volmarus 91. 

Jacobus 94. 

—  s.  Albus,  Cusveide. 
Jda  s.  Bocholt,  Vot. 
Jeorgius  s.  Hidsaker. 
Indagine,  de,  Bernhard  us  .     .  283. 

—  Marquardus     ....  231. 

—  Marsilius  .     .     .       153.  170. 

—  Tidericus  .    .    .      157.  283. 

Joachimus 16. 

Johannes 4. 


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254 


Johannes,  clericuß 19. 

—  scholasticus  Lubic.    .     .  96. 

—  incisor  linei  panni     .     .    4. 

—  ultra  Travenam    ...  54. 

—  ß.  Albus,  Bardewik,  Bilre- 

bek,Bintremen,  Bocholt, 
de  Bremis,  Clendenet, 
Clingenbergh,  Crispus, 
Crumesse,  Cusvelde,  De- 
ling,  Friso,  Goldoghe, 
Hattorp,  Hogeman,  Ho- 
nover, Isernloh,  Lune- 
borch  ,  de  Molendino , 
Molne,  Monachus,  Nest- 
wede,  Niger,  Oldenborch, 
Osenbrügge,  Parkentin, 
Passer,  Respe,  Rostok, 
Samekow,  Segeberg,  Stri- 
pederoc ,  Szernentin , 
Volsmar,  Vromold,  Wes- 
seler,  Westvale,  Witten- 
borch.  # 

Jordanus  s.  Brunswik. 

Isernloh,  Gerhardus    .    .    .     264. 

—  Hinricus  .    .    .      251.  264. 

—  —    filius  ....     264. 

—  Johannes 264. 

—  Tidericus 264. 

—  fllia 264. 

Kile,  de,  Marquardus.     .    .     272. 
Koberge,  de,  Rotbgerus  .     .      188. 

Kunnigundis 51. 

Knro,  Willekinus    ....     274. 
Lambertuß 92. 

—  s.  Albus,  Luneborch,Nestwede. 
Lebertus  s.  Bardewik. 

Lentfridus 6. 

Letardus  s.  Crispus. 

Leverus  s.  Honover. 

Longus,  Godefridus     .    .     .     275. 

—  Hartwicus     ...    75.  227. 
Lucia  b.  Bardewik. 

Ludbertus   s.    Bokeler,   Fimbria, 
Schottorpe. 


Ludeoo  s.  Erteneborg,  Verden. 
Luderus 2. 

—  s.  Friso,  Holthusen,  Rufus. 
Ludollus  s.  Honover,  de  Ponte, 

Samekow,  Vromoldus. 
Lune,  de,  Albertus      .     .     .    .  35. 
Luneborch,  de,  Albertus 

—  Bertramus 

—  Elerus  .    .     . 

—  Fridericus 

—  Gerbertus 

—  Godescalcus  . 

—  Jobannes 

—  Lambertus     . 

—  Nicolaus   .     . 

—  Reineco    .     . 

—  Tidericus  .     . 

—  Wedekinus    . 

—  Ymma      .     . 
Lyvo  s.  Vromoldi. 
Malsow,  Todo     .     . 

—  Volceko    .     . 
Marco  s.  Dedinghusen 
Margaretha    .     .     . 


284. 
281 
.  37. 
.  69. 
.  36. 
107 
222. 
266. 
266. 
266. 
284 
114. 
.  37 


73 


.    6. 
13& 

—  s.  Brucekow,  Hildensem. 
Marquardus  cum  rupto  oculo     44. 

—  s.  Bardewik,  Cusvelde,  Ho- 

nover, de  Indagine,  Kile. 

Molendinarius ,     Zarne- 

kow. 
Marsilius  8.  de  Bremis,  de  Indagine. 
Mechtildis  s.  Crumesse. 
Meinardus  s.  Bardewik,  Erteneborg 
Meinhardus  s.  de  Bremis. 
Menardus £ 

—  s.  de  Bremis. 
Molendinarius,  Godescalcus  .     1S4 

—  Hermannus  ....       117 

—  Marquardus  ....      117 

—  Moseke 117 

—  Rochus IS* 

—  Rodolfus 335. 

Molendino,  de,  Johanne«     .     .  67 


Digiti 


zedby  G00gk 


255 


Molendino,  de,  Johannes  215.  290. 

—  Wickbernus  ....      190. 

—  Wolbode 215. 

Molenstrate,  de,  Thomas  234. 

—  Wülekinus  ....  234. 
Molne,  de,  Hildebrandus     .     267. 

—  Johannes  ...  71.  191. 
Monachus,  Johannes  .  .  .  224. 
Monasterio,  de,  Godescalcus    .  38. 

—  Windelheydis  .  .  .  236. 
Moris,  de,  Hermannus  .  .  .72. 
Morkerke,  Arnoldus    .     .     .     259. 

—  Nicolaus 259. 

Morneweg,  Bernhardus   .     .     279. 
Moseke  s.  Molendinarius. 
Moyzelinge,  de,  Offeko    .     .     .14. 
Mulne,  de,  Sifridus     ....    3. 
Nestwede,  de,  Godescalcus  .     267. 

—  Hinricus 267. 

—  Johannes.     .    .      185.  267. 

—  Lambertus 39. 

Nicolaus,  sacerdos  ....     182. 

—  Brucekow,  Luneborch,  Mor- 

kerke, de  Quinque  domi- 
bus,  Revalia,  Soltwedel, 


TT  UU.CI1JJUJ1U. 

Niger,  Alwinus  .     . 

.  40. 

—        —          .     . 

186. 

—    Bernardus 

287. 

—     Ethelerus 

.  40. 

—     Gerhardus    .     . 

.  40. 

—    Hermannus  . 

200. 

—    Johannes      .     . 

.  40. 

—        — 

120. 

—    Rantvicus 

.  40. 

—    Wernerus 

.  40. 

Nüsse,  de,  Godeco  .    . 

189. 

—    Godefridus    . 

100.  189. 

Oda  s.  Rostok. 

Offeko  s.  Moyzling. 

Oldenborch,  Johannes     .     .     292. 

—     Johannes  filius      .    .     292. 

Olden  Lubeke,  de,  Tidericus   .  93. 

Oleneborch,  Hinricus  . 

.  41. 

Olricus  s.  Darzow,  Honover. 
Osenbrügge,  de,  Arnoldus   .     276. 

—  Conradus 42. 

—  Johannes      ....     204. 
Ostinghusen,  de,  Hermannus   137. 

—  Hinricus  ....    78.  141. 
Otto 187. 

—  s.  Bocholt,  Padelücke. 
Padelücke,  de,  Otto    ....  74. 
Parken tin,  de,  Johannes      .     168. 
Passer,  Johannes    .    :       155.  169. 
Pes  s.  Vot. 

Philippus  s.  Clingenbergh. 
Ponte,. de,  Ludolfus    ....  19. 

—  Sifridus     ....    19.  112. 

—  —  279. 

Potnitze,  de,  Titbernus  .  .  164. 
Pylatus,  Gerhardus  ....  96. 
Quinque  domibus,  de,  Gereco  104. 

—  Nicolaus   ....     80.  81. 

—  Thomas 81. 

—  —  ...      205.  208. 

—  Vromoldus    .     .      149.  208. 
Radolfus  s.  Wesseler. 
Rantwicus  s.  Niger. 
Rapesulver,  Riceke      .     .    .     138. 

—  Tidericus 192. 

Regenardus 10. 

Regenbertus  s.  Hogemann. 
Reineco  s.  Luneborch. 

Rekenarius 92. 

Rembertus  s.  de  Bremis. 

Respe,  Johannes 15. 

Revalia,  de,  Engelbertus     .    .  76. 

—  Hinricus 76. 

—  —          ...      277.  279. 
— -    Nicolaus 76. 

—  Wedekinus   ....     291. 
Revele,  de,  Godescalcus  .    .     193. 

—  Segebodo       ....     193. 

Ribo,  Echardus 282. 

Riceke  s.  Rapesulver. 
Richardus  s.  Bocholt. 

Riga,  de,  Elverus   ....     194. 


Digiti 


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256 


Riga,  de,  Tidericus 

142.  159. 

Segeberg,  de,  Gerhardus.     .     240. 

—    Tidericue  filius      .     .     159. 

—    Johannes      ....     150. 

Rocholfus  b.  de  Bremis  .     .     .27. 

Segebode  s.  Revele. 

Rochus  8.  Molendinarius. 

Septem  fratribus,  de,  Ditburgis  108. 

Kode  s.  Rufus. 

—    Everhardus  ....     108. 

Rudolfus  s.  Molendinarius,  Schot- 

—    Gerhardus    ....     254. 

torpe. 

—    Volquinus     .     .      267.  270. 

Rostok,  de,  Hildebranduß    .     196. 

—    Wichardus 47. 

—    Hinricus  .... 

160. 

Sifridus  s.  Bocholt,  Bredenvelde, 

—    Johannes .    . 

160. 

Buk,Mulne,  de  Ponte,Santwelle. 

—    Oda      ... 

196. 

Sighebodo,  praepos.  Lubic.       .  96. 

—    Rothgeniß 

.  43. 

Slavus,  Arnoldus 90. 

—    Vicboldus 

196. 

Soevenbroeder  s.  de  Septem  fra- 

Rotbengeniß .     .     . 

188. 

tribus. 

Rothgeniß       .     .     . 

133. 

Soltwedele,  de,  Alexander  197.  196. 

—    b.  Cusvelde,  Erpe,  Koberg, 

241. 

Rostok. 

—     Arneco 197. 

Rudolfus  s.  Wrot. 

—    Arnoldus 78. 

Rufus,  Albertus 16. 

—    Fridericus     .     78.  100.  119. 

—        — 241. 

—    Gesa 198. 

—    Burchhardus     ...      195. 

—    Hartwicus 48. 

—    Gerlacus 238. 

—    Herebrandus      .     .     .     .78. 

—        —        filius   -..     238. 

—    Hermannus 78. 

—    Godefridus 3. 

—    Nicolaus 216. 

—    Hinricus  ....      7.  116. 

—    Wolterus 1K 

—    Luderus 171. 

Somer,  Tidericus 59. 

Runese,  Hinricus 61. 

Speculo,  de,  Bertoldus     .     .     .49. 

Samekowe,  de,  Johannes  242.  263. 

Sperling  s.  Passer. 

—    Ludolfus  .    .     .      242.  263. 

Springitgot,  Dethardus           .      29S. 

Santwelle,  de,  Gertrudis      .     203. 

—    Hinricus 293. 

—    Sifridus 77. 

Stadis,  de,  Frederadis      .     .     .  5i 

—    Tidericus 45. 

.  —    Willekinus  100. 120. 187. 18* 

—    Tidemarus    ....     239. 

Stalbuc,  Bertramus      .     .      .      100. 

—    Wesseling 77. 

—            —              100.  199.  279 

—    Wizelus 109. 

—    Hence  v 100 

Schottorpe,  de,  Lutbertus    .     253. 

—    Herdeka H*>. 

—    Rodolfus 118. 

Stange,  Adolfus HO 

Scotelerus 282. 

—    Bertramus     ....      HO 

Segeberg,  de,  Adolfus     .     .      150. 

—     Conradus       ....      110 

—    Bernbardus  ....       46. 

—     Gertrudis       ....      110 

—        - 150. 

—    Hartwicus     ....      110 

—         —        filius    .     .     .      150. 

—     Hinricus H«i 

—     Everhardus  ....      150. 

Steneco,  Gertrudis  ....      177 

—    Gerhardus 

.     160. 

—    Hinricus  .     .     .       177.  212 

Digiti 


zedby  G00gk 


257 


Steneco,  WillokimiB    ...      177. 
Stripederoc,  Gereco      .     .     .      278. 

—  Johannes       ....      250. 
Syveko  s.  Bocholt. 

Swarte  s.  Niger. 

Sweiine,  Hermann       .       135.  156. 
Szerrentin,  Johannes  .     .     .      273. 
Thedardus    s.   de   Bremi8 ,    Sprin- 
gitgot,  Veletering. 

Thetmarus 53. 

Thedwardus 5. 

TheodorieuH 14. 

—  nunüiiR 1. 

—  s.  Friso,  Hi 'ringen,  Wrot. 
Thetmarus  prope  Travenam     .  53. 
Thomas,  s.  Molenstrate,  de  Quin- 
que dominus,  Wesseler. 

Tidenianmw  8.  de  Domo. 

Tidericus  s.  Bardewik,  Berge,  de 
Indagine ,  Isernloh  ,  Olden 
lubeke ,  Rapesulver ,  Riga, 
»Santwelle,  Homer,  Tremonia, 
Uellessen,  Vorrade,  Vromold. 

Titbernns  8.  Potnitze. 

Titburgis  h.  Bardewik. 

Titmarii8  8.  Santwelle ,  Vlieke, 
Warendorpe. 

Todo  8.  Malsow. 

Tremonia,  de,  Alexander     .     .  79. 

—  Tidericus 79. 

Uellessen,  de,  Bernhardns    15.  37. 

—  Ilelmerieus    ....      100, 

—  Tidericus        84. 

Veletering,  Thedardus      ...  40. 
Verden,  de,  Godescaleus  143. 

—  Ludcco 280- 

Viflinsen  8.  de  Quinque  domibua. 

Vlieke,  TitmaruK 80. 

Voleeko  s.  Malsow. 
Volrnaru8  s.   Buken,  Honovere. 
Volquiuus  s.  (Jlingenbergh,   Oolo- 

iüa,  de  Quinque  domibus. 
Volamar,  Johannes      ...      100. 
Vorrade,  Conradus       .     .     .      223. 

3*fd>t.  b.  8.  f.  ß.  ®.  IV,  3. 


Vorrade,  Hermannus  .     .     .     .55. 

—  —      ....       220.  223. 

—  Hinricus  .     .    84.  211.  225. 

—  —  225. 

—  Tidericus 161. 

—  —  .....     225. 

—  —  filius       .     .      225. 
Vot,  Bernhardus      ....      201. 

—  Gerewinus     ....      144. 

—  Gerhardus     ....     217. 

—  Hinricus 139. 

—  Ida 261. 

Vriso  s.  Friso. 

Vrromoldi,  Fromeco      .     .    80.  113. 

—  Gerhardus 80. 

—  Johannes 80. 

—  Ludolfus 80. 

—  Lyvo 80. 

—  Tidericus 80. 

—  Wildrudis      ....      113. 
Vromoldus 80. 

—  s.  de  Quinque  domibus. 
Vundengot,  Alheydis       .     .     .98. 

—  Conradus 98. 

—  —  ....    98.  201. 

Walburgis 94. 

Warendorpe,  de,  Arnoldus  .      121. 

—  Burchardus 82. 

—  Hinricus 56. 

—  -  83. 

—  Hinrici  vidua    .     .     .      222. 

—  Titmarus 162. 

Wedego  s.  Wittenborch. 
Wedekinus  s.  Luneborch,  Revalia. 
Wernerus,  carpentarius   ...     9. 
Wernerus  8.  Cusveld,  Doren,  Niger. 
Wesseler,  Godescalcus     ...  40. 

—  Johannes 28. 

—  -         filius    .     .    28.  173. 

—  Radolfus 28. 

—  Thomas 28. 

Wesseling  s.  Santwelle. 
Westvale,  Johannes    .     .     .      152. 
Wicboldus       62. 

17 


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vjOO^HC- 


258 


Wicboldus  ß.  Cusvelde,  Rostock. 

Wichmannus 145. 

Wickbernns  s.  de  Molendino. 
Wildrudis  s.  Vroinoldi. 
Wilhebnus  Valburgis  s.  Albus. 
Willekinuß  b.  Buken,  Grün,  Kuro, 

Molenstrate,   de    Stadis,    Ste- 

neko. 
Windelheydiß  s.  de  Monaßterio. 
Witten l>orch,  de,  Hinrieus  154.  174. 

—  Johannes 14. 

—  Wedego  ....  48.  72. 
Wittenborne,  de,  Hinrieus  .  244. 
Wizelus  b.  Santwelle. 

Wlome,  Hinrieus    ....      151. 


Wobbe  s.  de  Domo. 

Wolbode  s.  de  Molendino. 

Wolteros  8.  Soltwedel. 

Wrot,  Rudolf U8  .     .  111.   175.  176 

—  Theodoricus 57. 

Wullenpund,  Alfride   .     .     .      122. 

—  Alheydis 161. 

—  Hinrieus  .     .     .        122.  161. 

—  Nicolaus    96.  10!*.    158.  m. 

Yinma 12. 

—  b.  Luneborch. 

Zernekowe,  de,  MarquartliiR,     235 
Zworben,  Bertholdus  178.  171).  1*> 


B.    SUdfr 

1.    »tfööfe. 

Albertus,  episcop.  Lubic.      .     .  96. 

2.    $oml)errett. 

Arnoldus,  custos  Lubic.  .  .  .  96. 
Bocholte,  de,  Hinrieus,  canon. 

Lubic 2HS. 

—  Johannes,  canon.  Lubic.  288- 
Fridericus,  decan.  Lubic.      .     .  96. 
Grus,  Willekinus,  canon.  Ham- 
burg     223. 

Johannes,  scolast.  Lubic.  .  .  96. 
Otto,  canon.  Lubic.  .  .  .  187. 
Passer,  Johannes,  canon. 

Lubic 155.  169. 

Py  latus,   Gerhard us,  canon. 

Lubic 96. 

Sighebodo,  praepos.  Lubic.       .  96. 

:L     eptiftigc  Gfeiftlidp. 

Johannes,  clericus 19. 

Nicolaus,  saeerdos  ....  182. 
Sol  t  wt  »dele,  de,  A  rneco,  scholaris  1 97 . 

4.    (trafen. 

Dannenberg,  de,  Adolf  us     .      282. 

—  Bernhard  us   ....      282. 


5.    HMigc. 

All>ertU8  fiüus  Eylwardi 

2**2. 

Berge,  de,  Tidericus    .     . 

2$'2 

Bintremen,  Johannes 

2K2 

DargezlawuB,    de,    AlbertuR 

2S2 

•  —     EilwarduB      .... 

»&2 

Doren,  de,  Werner 

2S2 

Hagenow,  de,  Hermannus    . 

2S*2 

lli<lsaker,  de,  Jeorgius     . 

Ätt 

Moyzelinge,  de,  Offeko    . 

.  14 

Padelucke,  de,  Otto     .      .      . 

.  74 

Parkentin,  de,  Johanne» 

l.Vv 

Potuitze,  de,  Tetlevus      .      . 

164 

Ribo,  EcharduB 

i£fr2 

Seotelerus 

2K2 

6.    fifibccfifdje  fflat  Ferren. 

Albus   Wilhelnms  (Valburgis 

fiüus) im.   1K- 

Bardewik,  de,  Fridericus   100.   lul 

—  Johannes.     .   100.   :>1S    2sT> 

—  Gixlescalcus i** 

—  Meinard  us :** 

Bocholte,  de,  Gerhanlus  2^ 

-     Hinrieus    .     17.  25.  61.  K"' 

—  Richardua  62.   lo:V   14* 


Digiti 


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259 


Bocholte,  de,  Sifridus  1. 100. 163. 288. 

—     Sifridus  II 

288. 

Borewinus       

.  16. 

Breinis,  de,  Johannes        135. 

172. 

Clendenst,  Johannes   .     .     . 

205. 

Colon ia,  de,  Kngelbertus 

189. 

Cusvelde,  de,  Marquardus  165.  220. 

Dedinghusen,  de,  Mareo   127. 

269. 

Dcling,  de,  Johannes      .     66. 

128. 

Domo,  de,  Ahvinus      .     .     . 

265. 

Friso,  Johannes       .... 

223. 

Goldoghe,  Joliannes    .       100. 

224. 

IIattor|H»,  de,  Albertus     .     . 

289. 

Heringen,  de,  Gerhardus 

.  68. 

Hillemarus      ....       100. 

252. 

Honovere,  de,  Arnoldns 

.  34. 

—     Ludolius 

.  18. 

—     Marquardus  .... 

.  34. 

Indagine,  de,  Marsilins     153. 

170. 

—     Tideriens  .     .     .       157. 

282. 

Isernloh,  de,   Hinricus      251. 

264. 

Koberge,  de,  Rothengerus   . 

188. 

Molendino,  de,  Johannes     . 

.  67. 

Molne,  de,  Hildebrandns 

267. 

—     Johannes  .     .     .     .71. 

191. 

Nestwede,  Hinrieus      .     .     . 

267. 

Niger,  Alwinns 

186. 

Nüsse,  de,  Godefridns        100. 

189. 

Ponte,  de,  Sifridus  I.   .     .  11). 

112. 

—      II.       .     . 

279. 

Quinque  domibus,   de,    Vro- 

moldus     ....       149. 

208. 

Revalia,  de,  Hinrieus  .       277. 

279. 

—     Wedekinus    .... 

291. 

I infus,  Albertus       .... 

241. 

Septem  fratribus,  de,  Vol- 

<|iiinus      ....       267. 

270. 

Solt wedele,  de,  Alexander 

197.  198. 

241. 

Stadis,  de,  Willekinus  100.  120. 

187. 

Stalbuc,  Bertramus  I.       .     . 

100. 

—             -II.      100.  199. 

279. 

—         Hence 

NX). 

Steneco,  Hinrieus    .     .       177. 

212. 

Uellessen,  de,  Bernhardus    15.  37. 

Vlieke,  Titmarus 80. 

Vorrade,  Conradus      .     .     .      223. 

—  Hinricus    ....    84.  211. 

—  Tidericus 161. 

Vot,  Hinricus 139. 

Vromoldi,  Gerhardus  ...  80. 
Wesseler,  Johannes  .  .  28.  173. 
Wittenborch,  de,  Hinricus  154. 174. 
Wrot,  Rudolfus       .    111.  175.  176. 

—  Theodoricus  .  .  .  .57. 
Wullenpund,  Hinricus       122.  161. 

—  Nicolaus    99.  109.  158.  199. 

7.    »eomte  be£  9totl>*. 

Alexander,  notarius  ...  140. 
Brunswik,  de,  Hinricus,  notarius 

58.  125. 
Godescalcus,  scriptor  (?)  .  260. 
Samecowe,  de,  Johannes,  notarius 

263. 

—  Ludolfus,  notarius  242.  263. 
Theodericus,  nuntius  ....  1. 
Wittenborne,  de,  Hinrieun, 

notarius 244. 


8.  ftattflente,  $anbt»erfer. 


176. 
184. 
117. 
117. 
184. 


Daniel,  apotheearius  .  .  . 
Godescalcus,  molendinarius 
Hermannus,  molendinarius 
Marquardus,  molendinarius 
Rochus,  molendinarius  .  . 
Godescalcus  de  novo  molen- 
dino      

Rodolfus  molendinarius  de 
parvo  molendino  .  . 
Johannes,  incisor  linei  panni 
Eilardus,  earpentarius  .  . 
VVernerus,  earpentarius  .  . 
Alexander,  pictor  et  sculptor 

imaginum 281. 

Hinricus,  specula  faciens     .     .51 
Gertrudis,  speculatrix      ...  50. 

17* 


211. 

235. 
.  4. 
.  9. 
.     9. 


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260 


III.     &ad)     unb   SB  ort  reg  tfter. 


Advocatia  in  Jraüemünbc  187. 

Argentum  examinatum      169.  188. 
Bona  feodalia 176. 

—  niercatoria     .     .       150.  161. 

—  quae  dieuntur  $orf    .      176. 

»robtaje 123. 

93firgfdjaft,  Uebcrnaljme   einer     117. 

220.  223.  267. 
Cespitalis  hereditas  .  .  .  100. 
Civitas:  ©cfääfte  ber  ©tobt  87.  155. 

164.    169.   179.   187.   188.   202. 

237.  245.  267.  282. 
(£oncur£  be3  Bernhard  Morne  wog  279. 
Cuneus  (SBeißbrob)  ....  123. 
Engels  Mark  ...  155.  223. 
©rbüerträge  2.  10.  12.  18.  24.  51. 
77.  100.  161.  176. 
.^eilige  ©eiftfjoSpital,  ttufnctfpnc  in 

ba$ 133.  262. 

tauf  öon  ©runbftucfen  1.  3.  4.  5.  7. 

9.  14.   17.  30.  37.  46.  48.   59. 

61.  72.  73.  83.  89.  94.  96.  109. 

112.    117.    158.    164.   177.    189. 

206.    211.   222.   224.   225.   227. 


229.  237.   238.   239.  251.  256. 
285.  287.  288. 
Lapidea  domua  .     .     .      256.  283. 

Miles  Christi 156. 

' —         —     in  Livonia  .     26.  80. 

Mitgift    .     .     .     82.  100.  198.  199. 

Monetarius  civitatis     .     .    .    20*2 

Notarius    civitatis,    ©efteüung   58 

140.  244.  263. 

Panis  grossus 123. 

—     pulcher 123. 

$ifgerfaln*t  nad)  ^ernfatem  .  56 
fflentenfäufe  .  15.  16.  19.  156.  182. 
Stabtfiegcl,  Anfertigung  .  .  2*1 
Sutoriae  tabernae    ....     W 

Taberna 72.  !<*>. 

Skrlaffung  öon  (Brunbftücfen  1. 3. 4. 14 
$ermäd)tniffe  26.  56.  95. 178.180.1S1 
Skrpadjtung  üon  ßänbereien  93.  235 
^erpfänbung  tion  ©runbftüdcn     H- 

2Bef)rgclb 1& 

2Seid)bifb,  SSetc^bilbredjt  13.  Iß.  92. 
112.  156.  176. 


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261 


xi.  cxvi.) 

2>tc  SUpcüc  i>e3  Ijcütgeti  ^uljanni^ 

«ort  Dr.  SB.  $  remitier. 


-Jm  3afjrc  1175  ober  in  bem  bieferu  büraufgegangenen  Safyrc 
erbauete  ^erjog  .^ciuric^  bei*  üüiue  in  iiübeef  auf  bem  ^ßla^c,  ber  jefet 
ben  Tanten  „großer  ^öau^of"  füljrt,  eine  Stapelte  ju  (Streit  be$  Sbam 
geüften  3i>l)aimi3. ')  Sic  lag  an  ber  norböftücfjen  (Scfe  beffelben, 
ber  auf  ber  $arabe  an  ber  (Srfe  ber  ,<partcngrube  errichteten  ©om« 
fyerrenenrie  gegenüber,2)  nnb  uml)rfd)eiulid)  an  berjenigen  ©teile, 
auf  iuetcf)cr  bei  ber  ©riinbung  ber  Stabt  bie  erfte  ftircfje  errichtet 
mar.  Söegen  be3  faubigen  UntergrunbcS,  ber  bajumal  in  jener 
(Segenb  überall  offen  ju  Sage  trat,  warb  fie  mctftenä  capella 
saneti  Johannis  in  arona  ober  bie  itapelle  be$  ^eiligen  Soljamtte 
auf  bem  ©anbe  genannt. 

3ur  ^efolbung  bes?  an  iljr  angeheilten  ©eiftlidjen  beftimmte 
ber  £>erjog  ben  ein  3al)rl)unbert  fpäter,  unb  jmar  unterm  2.  äftai 
12lK>,  auf  fünfec^n  Viibccfifd)c  2MarI  feftgcfefcten3)  Srtrag  breier  an 
bem  öftlidien  Ufer  ber  siBatcnifc  belegeneu  |jufen  (ba$  früher  9lcfer* 
I)üf,  jefct  Warft)  benannte  Öeljüft),  ben  bon  ifym  auf  jtuei  9Karf 
gefdjäfetcn  $cl)nten  a\\$  bem  3^  ju  DlbeSlue  unb  bie  §ä(fte  be3 
3cl)nten ,  ber  bon  ber  sJ$robtng  SRabefom .  mit  ShtSnafyne  eine£ 
Sßot>petcnl)u3  benannten  SBejirte  auflam;  jugleid)  gemattete  er  feinen 
93aronen  unb  ben  ©rafen  bon  9iorba(bingien,  ber  Kapelle  einen 
weiteren  ®runbbefi|j  bte  ju  fed)3  $ufcn  beijulcgen.4) 

!)  ilrhmbcnb.  b.  33i*ti).  £übecf  6.  1<3. 

*)  (Jbcnbafelbft  ©.  32a. 

*)  ßbenbafelbft  6.  350. 

4)  (Sbenbafelbft  @.  15. 


Digiti 


zedby  G00gle 


__262 

%U  im  Starre  1 197  ®raf  Slbotyl)  III.  t>on  ©cfauenburg  betn  Dom* 
tapitel  mehrere  Dörfer  gefcfyenft  l)atte,  warb  iljm  bafür  üon  biefem 
ba§  93etebnung3red)t  über  bie  gu  einer  Dontpräbenbe  erhobene 
Kapelle  eingeräumt.5)  3n  gotge  fyier&un  ftanb  ifym  unb  feinen  Stedjte 
nacfyfolgcrn  bie  Scfugnifc  ju,  bei  eintretenber  Skfanj  bie  ©teile  nad) 
freieftem  ©rmeffen  ju  befefcen.  Der  ernannte  ©eiftlicfye  tyatte  im  Dom* 
fapitel  ©i|j  unb  Stimme,  bud)  Ijatte  er  feinen  9lnfprucf)  auf  bie  jwm 
Unterhalt  ber  Domherren  aufgefegten  (Sinnafymen  unb  auf  bie  Waben, 
tneltfje  biefe  für  ifyre  ?(ntt»efen^eit  bei  93egräbniffen  unb  für  bie 
$eier  üon  ©ebäd)tnifttagcn  erhielten;6)  augleirf)  nmr  er  öerpflid)tet, 
ben  ,<polfteiner  ©rafen  otyte  JBefolbung  aU  Schreiber  3U  bienen. 

$ur  Serbefferung  ber  sJkäbenbe  fdjenfte  (Mraf  Slbotyl)  im 
3a^re  120Ü7)  einen  an  ber  Draoe  belegenen,  Äroroet  benannten 
SBalb  unb  genehmigte,  baft  auf  feinem  ?lreat  ein  Dorf  angelegt 
merbe,  beffen  Semofyner  nur  bei  fernblieben  ©infällen  jur  Seiftung 
t>on  ÄriegSbienften  berpfüdjtet  fein  foflten.  Die  2lu3übung  ber* 
(#erid)t$bartett  behielt  er  fid)  t>or,  üerfprad)  jebod),  baft  bei  allen 
nidjt  tobegmürbigen  SSerbredjen  bie  tftecbtapflege  an  Ort  unb  Stelle 
ftattfinben  folle.  3m  Saljre  1233  übertntg  fein  ©o^n  (v*raf 
«bolpf)  IV.  bie  ©erirf)t*barfeit  auf  \>a$  Domfapitet.*)  Der 
Domberr  unb  gräfliche  ©tftreiber  ^einrieb,  bem  juerft  bie  grüben  De 
öerlicljen  war,  liefe  ben  SSalb  aushoben  unb  legte  jroet  Dörfer 
an,1*)  bie  ben  Stauten  groft  unb  Hein  $aruifc  erhielten.  9Son  iljrein 
©rtrage  Ijatte  ber  jebe£malige  3n^aber  ber  s$räbenbe  alljä^rli^  eine 
äßarf  ©Über  an  ba£  Dumfapitet  abzuliefern,  uon  melier  iSumrat 
biefem  bie  Äoften  einer,  'anfangs  am  Jage  9Jiariae  SJtagbalenae 
(22.  3uli),  fpäter  am  Sage  be$  Johannes  ante  portam  latinani 
(6.  Wax)  im  JHefectorium  jum  ©cbädjtnifj  be£  (trafen  9lbolpl)  III. 
gehaltenen  9Jta%ett  beftritt.10) 

(Sine  weitere  jäfjrlidje  (Sinnaljme   t>on   jmei  SUiart   bejog    ber 
betreffenbe   ©eiftlidje   ans   ben  ©rträgniffen   ber  ^äi^xt   311   3raw 

b)  Urhmbenb.  b.  ®i*t$.  £übed  ©.  21. 

6)  (Sbenbafelbft  ©.  161. 

7)  (Sbenbafclbft  @.  25  ff. 
*)  (Jbenbafclbft  6.  73. 

9)  (Sbenbafclbft  ©.  76. 

10)  ©benbafclbft  6.  73. 


Digiti 


zedby  G00gk 


263 

münbc.  lieber  ifyre  äSertetyung  tjot  ftd)  eine  Urfunbe  nid)t  ermatten, 
fie  mitji  jebod)  bereite  in  ber  erften  §ä(ftc  beS  brennten  -3al)r* 
^uttbertö  Seitens  ber  f)olftcinifd)cn  (trafen  erfolgt  fein,  ba  bem 
$atl)Sf)crrn  2Sill)elm  Don  Stabe,  ber  1 2(3;>  junt  Äbtoofaten  in 
Jratjemünbe  unb  jum  Vermalter  ber  bortigen  $äl)rc  beftcllt  nmrbe, 
bie  HJerpflidjtnng  auferlegt  warb,  üon  ben  ©tunaljmen,  bic  er  bejog, 
aüjäl)r(id)  jmei  SRart  an  ben  $>oml)errn  Otto  abjufül)ren. ' J) 
®iefe  Summe  warb  uod)  im  3at)re  1321)  bejaht,  beim  als  baumle 
(#raf  ^oljann  III.  oon  £)olftein  gegen  ©rnpfang  üon  1000  w$ 
auf  alle  feine  9tcd)te  an  Jraüemünbe  jum  heften  ber  Stabt  iiübeef 
t»cr$itf>tete,  übernahm  bie  leitete  bie  3al)(ung  ienei*  J^ei  SMar!.12), 
Sann  biefelbe  fpäter  abgelüft  ift,  läfrt  firf)  uidjt  nietjr  feft= 
[teilen,  3um  Empfange  berechtigt  mar  nid)t,  mie  ©rautoffls)  unb 
bie  Herausgeber  bes  ^übetfifetjeu  Urfuubenbud)S14)  annehmen,  baS 
fiiibcdifd)e  Somfapitcl,  fonberu  ber  3ul)abcr  einer  Sompräbeubc, 
benu  es  tyciftt  in  ber  llrhtnbe  innt  1325)  auSbrüdlid): 

Hunt  tameii  ex  pmüeto  v<ctorio  Trauenemunde  sito  due 
rnarcv  denariorum  lubeivn^iiun  pertinentes  ad  quaiidnm 
prebendam  in  ecelesia  Lulxvensi,  a  quodam  canonieo  eius- 
dem  ecclcsie,  ad  quem  hoc  i'aeere  pertinet,  annis  singulis 
subleuande. 

2>aj$  bie  l)ier  ermähnte  3)ompräbenbe  ibenttfd)  ift  mit  berjeni* 
gen,  mcldjc  in  ber  Atapcllc  St.  SotynnniS  errietet  mar,  ergiebt  fid) 
barau«,  boft  ber  3)oml)crr  Otto,  an  metdjen  1203  bic  jroci  -Warf 
ju  bellen  maren,  bamalS  Sd)i*eibcr  ber  fyolfteinifdjen  ©rafeu  unb 
als  foldjer  3nl)abcr  jener  Üßrftbcubc  mar.1*) 

?lls  Öiraf  Oterljarb  oon  A^olfteiu  im  Otoljrc  1211),  mäfjrenb  ber 
bamalige  ^übedifd)c  ^ifdjof  Apcinrid)  öou  $od)l)olb  fid)  in  JHom 
auft)ielt,  bic  jum  Wsttyum  gehörigen  Wüter  überfallen  unb  t>crmüftet 
t)rtttc,  nn\>  fpäter  nad)  längeren  Streitigfeiten  jur  &iftung  einer 
>5ül)ne  ocruitljeilt  mar,  mufste  er  unter  auberu  ifym  auferlegten 
duften  aud)  ba*  Üßatronati'cdjt  jener  ^ßräbcitbc  auf  ben  33ifd)of  oou 

,l)  llrhiubcnb.  b.  6tabt  Sübctf,  l\).  2  6.  31. 
,2)  l£-beubajdbft,  II).  2  6.  1&3. 
,:j)  »crmijdjtc  Scftnftcn,  53b.  1.  6.  .°>20. 
l4)  llrfuitbcnb.  b.  6tabt  «übeef,  II).  2  <S.  :)1.  Vlnmert  2. 
-lÄ)  ilrfunbenb.  b.  93i*tl).  «übeef  ©.  111  u.  127. 


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zedby  G00gk 


264 


Süberf  übertragen,16)  bod)  fdjeint  tiarf)  einer  Angabe,  bie  fieb  in  her 
£ebeu*befd)reibung  be$  $ifd)of$  Reinritt)  finbet,17)  itjm  unb  feinen 
9tad)fo(gern  ba3  Stecht  gewährt  ju  fein,  bie  Stelle  roedfrfeferoctjf 
mit  beut  Sifctyofe  31t  befe^en.  3m  3nl)re  1446  gab  ber  SJifdjof 
9tico(au3  Sadjoro  ba3  s4$atronatred)t  ben  ©rafen  öon  ^olftetn 
jurücf.  Sn  $oIgc  l)ieröon  erhielten  biefc  uidjt  nur  ba3  9hi$ung* 
reef)t  an  ben  Sinfünften  ber  ®örfcr  grofj  unb  Hein  3Jarni^,  foroeit 
fie  nidjt  beut  Sntyaber  ber  s]käbenbe  ju  übertaten  maren,  fonbeni 
and)  ba$  uugefdjmäterte  SBerfcit}ung$rcd)t  jener  Stelle.1*)  Seitbein 
ttmrb  bie  Anteile  aU  ein  $ubel)ör  ber  ^räbenbe  angefeljen. 

3n  if)r  fjat  nad)  bm  eingaben  bc$  Senior  Don  5WcQe  bei 
ÜKagifter  ^ofjann  $ot)tin  eine  3$ifarie  begrünbet  unb  mit  ©infüni 
ten  an?  bem  $>orfe  Trentljorft  auSgcftattet.  ©erfelbe  mar  ^nljabei 
ber  ^räbenbe  unb  ate  fotdjer  gräflicher  ttanjtcr.  3n  biefer  ©gen 
fdjaft  gefd)iet)t  feiner  jnerft  1#50  ©rmäbnung;10)  geftorben  ift  er 
erft  nad)  bem  Safere  1.-578,-0)  unb  mirb  bie  (%ünbung  ber  Filarie 
roofyl  in  feinen  testen  üeben^afjreu  erfolgt  fein. 

Sri  ber  ftapellc  marb  aud)  ein  ber  Wutter  Waria  geroeibter 
Mafanb  abgehalten. a  *)  tiefer  mar  1305  t»on  in  §o(ftein  anf affigen 
Weiftlidmt  gegrünbet,2-)  unb  ift  $iir  3eit  be*  $Mfd)of*  ßberharb 
t>on  ^Utenboru  nad)  Süberf  verlegt  A^ier  gefd)iet)t  feiner  3uerft  im 
3nl)rc  13S5  bei  ber  Stiftung  einer  Filarie  in  ber  SPJarienfircbe 
bnrd)  s$ertoIb  £)oltl)ufeu  Ermahnung;  er  beftanb  nod)  1593.  **) 

$aft  bie  Wnnafyme  öon  s]$rofeffor  'Jeecfe,-*)  bie  Sfapettc  fei  in 
ber  Weftalt  eine*  Drtogon^  erbaut  gemefen,  eine  irrige  ift,  ergiebt 
fid)  au£  ber  ?lbbi(bnng,  me(cbe  fid)  öon  ifyrer  uörblidjen  jj-a^abe 
auf  bem  großen  ^oljfdjnitte  ber  Stabt  Wibecf  t)om  3at)re  löoö 
ermatten   fyat.     SluS   biefer  ift  ju  entnehmen,  bafc  bie  Kapelle  au* 


l*)  ilrfunbenb.  b.  33i*tt).  Sübecf  8.  633  ff. 

,7)  ©benbafelbft  8.  788. 

,8)  3citfcf)rift  be$  herein*  f.  Sübecfifdjc  Wefctfdjte,  1h.  3  £.  28. 

"')  ilrfmtbenb.  ber  6tabt  tfübeef,  21).  2  8.  IHM. 

30)  Sbenbafelbft  2t).  5  8.  583. 

'-")  Gbcnbafelbft,  XI).  6  8.  36«. 

*22)  ilrfimbcitb.  b.  $i*tl).  güberf  8.  710. 

23>  ltrfuitbcttb.  ber  8tabt  Sübccf,  Sf).  6.  8.  307. 

24)  £te  freie  unb  .^onfeftabt  £übecf,  Aufl.  1  8.  26,  fiufl.  4.  8.  32." 


tizedby  G00gk 


_ 


265 


einem  nid)t  fetyr  großen  tnerecfigen  3d)iff  unb  einem  an  bev  SDftfeite  beffet* 
ben  angebauten  oiererfigen  Sljor  beftanben  bat  $a$  8d)iff,  weld)e$ 
feine  ©cttenfapellen  l)attc  unb  an  beiben  Seiten  burd)  jwei  grofce 
fyeuftcr  £id)t  empfing,  warb  burd)  ein  bof)e$  mit  Biegetn  belegtet  2)ad) 
bebedt.  Unterhalb  be3  (enteren  befanb  ftd)  ein  eiufadjer  romanifdjer 
83ogenfrie3,  im  übrigen  entbehrte  bie  au§  ^i^O^tn  aufgeführte  ©ei* 
tenmaub  jebe$  anberweitigen  @chmude£.  ©ine,  wie  e$  fdjeiut,  nur 
am  einer  53rettertoerfd)alung  I)ergeftelltc  ÖKcbelwanb  überragte  nadj 
Often  ben  niebrigeren  6l)ür.  93ei  biefem  fpraug  bie  nörblidje  ©citen* 
iminb  gegen  ben  nmgebenben  s$la{j  weiter  iwr,  aU  bie  ©eitenwanb 
bc$  ©d)iff*.  £a£  fo(die$  crft  burd)  einen  fpätcren  Umbau  bewirft 
fein  wirb,  barf  au$  ber  (Souftruftion  ber  ©eitenwanb  gefd)(offen 
werben,  ba  mehrere  in  biejer  angebrad)te  flehte  öieredige  fycnflcr 
erfid)t(id)  einer  fpätern  itfau^eit  angehören.  3to  ber  £mtterwanb  bes? 
6^or^,  bie  burd)  einen  abgefdjrägten  fpibeu  Wiebel  abgcfdjloffen 
tuarb,  waren  neben  einanber  jwei  grofre  Jycuftcr  angebracht.  £er 
Zugang  jur  .STnpcllc  lag  an  ihrer  weftlidjen  Seite.  $>a  fie  cine$ 
2hurme$  entbehrte,  fo  war  bie  ©lüde  an  ber  öftlidjen  (Siebet wanb 
bc*  ©djiffe*  nad)  aufeen  aufgehängt,  ^sm  Snuern  befanben  fid) 
mehrere  (Srbbcgräbuifje,  t>evfd)icbcnc  ?Utärc  unb  eine  Orgel.  siln 
Äilbergerätl)  würben  lö.-JO  au3  ihr  entnommen  brei  filbern  Her* 
golbete  Äeldje  mit  Seltenen  unb  ein  filberner  sJKüWenftöfeer.aft) 

Wach  ßiuführuug  ber  ^Reformation  warb  ber  (Mottc*bienft  in 
ifyr  eingeftetlt.  Anfangt  wirb  fie  leer  geftaubeu  Ijaben,  fpäter  warb 
fic  öcrmictt)et.  3>er  Ertrag,  ber  Ijierburd)  gewonnen  warb,  war  ein 
feljr  geringer;  in  ber  sJJJitte  be*  fiebenjeljnten  3al)rhunbert$ 
betrug  er  nur  fünf  TOarf  iät)r(id),  bod)  würben  aud)  biefc  üon  ben 
UKietl)em  friele  ivahre  I)inburd)  nid)t  befahlt.  ®ieft  hatte  jur  ftolge, 
ba$  bie  Äapelle,  für  bereu  (Erhaltung  nid)t  me^r  geforgt  würbe, 
gänjlid)  herfiel,  unb  bafe  bem  bamaligeu  s$atrouatherrn,  Jtönig 
tStyriftian  IV.  oou  T>änemarf,  jumal  bie  beiben  Dörfer  Sarnifc 
al*  ficljen  Hergeben  waren,  bie  Jlenntmfo  t>on  ben  ihm  an  berfelben 
^uftehenben  9ied)ten  böllig  t»crloren  ging,  ©rinnert  würbe  er  an  fie 
burd)  einen  üübeder  Bürger,  <£>einrid)  Äöorger.  tiefer,  ber  wä^ 
renb  be$  febwebifdjen  itriege^  aH  g-actor  bc*  ilünigä  thätig  gewefen 

■&)  3cttfd)rift  beä  Vereins  für  Sübecfifdjc  ®efcf)id)te,  2f).  '2  e.  139. 


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zedby  G00gk 


266 

mar,  befafj  gro&e  gforberti ngeu  an  iljn,  bereu  ßrftattung  er  nid)! 
erjtuiugen  fonntc.  £a  er  fetbft  tum  feinen  (Gläubigern  gebrannt 
mürbe,  fo  fudjte  er,  um  roenigftenä  etwas  31t  erlangen,  bei  km 
Könige  banun  nad),  biefer  möge  iljm  bie  tfapeHe.unb  beulte, 
auf  bem  fic  ftanb,  eigentbümlid)  überlaffen.  Üefcterer  zögerte  nicht, 
jener  93itte  jn  cutfpredieu,  jnmal  er  fetbft  a\b$  ber  ftapelk  hin« 
9iu&en  30g.  Unterm  IS.  ^uui  1647  trat  er  fic  an  St*örger  ob, 
ber  bierfür  bie  bisherige  $Mietl)e  tuut  5  rr$L  fernerhin  al*  Olrunb 
bancr  an  ben  i!e^enbefi(5er  bc*  (Sitte*  Starnty  eiitriditcn  jollt3hi 
3Son  ber  gefebebeneu  tlebertraguug  mad)te  ber  Wönig  unterm  26.  Jmri 
1647  bem  Vübetfer  flJatbe  Sliyeige,  imb  eifudjte  tl>n  jugleid),  38imifl 
in  ber  9ln£fibnng  ber  il)iu  ucrltcl>citcit  Wedjte  511  fd)ü^en.-7)  £unt> 
$efrct  tmm  19.  Jyebruar  164s  ertannte  ber  Watl)  bann  Borger 
ate  (Signer  ber  Kapelle  an,  beftimmte  aber,  bafc  er  beu  sJ>(att  mit4 
ba$  auf  bemfelben  511  erriebtenbe  Wcbäube  an  feinen  Jyrembcn  wr 
fanfen  bürfe,  ba$  berfelbe  bem  Üfibccfifdien  ))kd)k  unterworfen  unö 
jur  yeiftung  ber  bürgerlichen  onem  üerpflidjtct  fein  folle.  91^ 
bafb  begann  Söörger  mit  ben  ?lbbrud)^arbeiten;  er  muftte  biefe 
aber  nad)  lur^er  Qdi  mieber  einftcUen,  ba  ber  $ifd)üf  »on  Sübctf 
bie  ilapelle  aU  ©tiftögnt  in  Wnfprud)  nabm,  nnb  bie  *Bered)tiguni| 
be3  &önigd  jum  Verlauf  berfclbcit  beitritt.  Nad)  bem  Sobe  Styri 
ftian*  IV.  manbte  fid)  Borger  an  beffen  9iacftfi>lger  Jyvicbvicb  III.. 
ber  unterm  20.  Februar  1649  bie  ©igentl)iim*übertragung  feine*  Sta- 
ganger*  betätigte,  unb  burd)  Sdjreiben  t»om  19.  3Kärj  ltif>0  ben 
Statt)  aufforberte,  SSörger  nid)t  (äuger  in  ber  Sefifccrgreifung  ju 
Ijinberu.  ®a  bieburd)  ber  (&titfprud)  be*  $ifdjof$  nicht  jn  bejfiti 
gen  mar,  fü  trat  Borger  nunmebr  in  unmittelbare  Untcrljaubliingen 
mit  (efeterem  ein,  unb  errcidjte  bnrdi  baä  ^ugeftäubnift  einer  $<h 
lung  nott  1000  mfc  ^üb.  an  bie  tStructnrfafie  be$  ®ome*,  baf 
bie  ßeffiou  be*  ffönig*  am  4.  3nli  1650  inuu  ^ifdjofe  anertonnt 
mürbe.  -**)  3Me  3lbbrud)*arbeiten  ber  Kapelle,  bereu  (Giebel  nad) 
einer  Angabe  be$  Seniors  ddu  vJJcefle  am  1.  Sngttft  1*>48  etnge 
fallen  mar,  mürben  t>on  SSJörger  nidjt  mieber  aufgenommen,  rntl 
mefyr  beantragte  er  am  1.  SKai  1652  bei  beut  JHatlje,  bafc  biejer 
ifym  bie  itapelle  unb   iljrcit  s$lafc   ablaufen   fülle.     %lad)   längeren 

M)  Siebe  Anlage  1.        *i7)  ©ielje  Anlage  IL        -M)  Sic^e  Anlage  111. 


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zedby  G00gk 


267 


3$erl)anb(ungen,  bie  oon  ben  Nerven  be£  $aul)ofe3,  ©ottljarb  ©römfe 
unb  9Jiattl)aeu£  Siobbe  geführt  mürben,  taut  ein  Vertrag  ju  Staube, 
buref)  ben  fid)  ber  SRatI)  t>crpflid)tete,  an  SBörger  für  Ueberlaffung 
be*  <$ebäubc$  unb  feinet  Sßlafce3  2000  2l)(r.  SpecieS  ju  bejahen; 
üon  biefer  Summe  folltcn  1000  $I)tr.  oon  ber  9lccife  unb  1000  J^lr. 
tum  bev  dämmeret  aufgebracht  werben.  %U  ber  9iatl)  auf  Jlntrag 
ber  iöaut)crren  am  (5.  Suni  1<>52  bie  .ßatylung  ^r  Äaufgelber  an* 
mies,  beftimmte  er  augleid):  „Unb  fönnen  bie  ,f>erren  be$  ?ßla&e3 
fid)  mieber  behielten,  unb  muffen  uerfdiaffeu,  baft  (Sin  (Sljrb.  9tt)at 
eine  freie  ,£>anb  behalten  möge,  mit  beut  *JSlafe  ju  marfjen,  itmfj  er 
wolle,  bietueil  ber  ^ifdjoff  fid)  tuTiiemen  (äffen,  baft  er  mit  Con- 
ditions  mollc  (äffen,  baft  ein  ©ottestymtS  ober  2lnnenl)au$  barauff 
gebaroet  merbe." 

33alb  barauf  mürben  bte  (Mmube  Seiten^  be$  $aul)ofe$ 
abgebrochen  unb  ber  freigelegte  s}>lafr  eingeebnet.  (Sine  Bebauung 
beffelben  ift  woher  bamal£  tiod)  fpäter  in  ?lu$fid)t  genommen. 


Zulage  I. 

SSir  ßfjriftian  ber  SSierbte  oon  Wotte*  gnaben  ju  Dennemarrf, 
9?orroegen,  ber  AUenben  unb  gotljeu  Äoenig,  <$erfcogl)  ju  vSc^Ic^ 
tütgt),  .^olftein,  Stormarn  unb  ber  ®itl)iuarfd)en,  (%af  jii  DIben= 
bürg  unb  ^ellmeuljorft,  1t)ueu  hmbt  Ijicrmitt  gegen  männig(id): 
9Jad)bem  ber  (Sl)rfam$  unfer  Jyaetor  in  üüberf  unb  lieber  getreuer 
/pinrirf)  äöoerger  bei)  oorigem  Slrieg*iuel)jen  narii  feinen  äufjerften 
oermügen  Uufe  unb  ben  tluf;engcn  *u  bienfteu  gemetjfcn,  baräber 
auri)  in  nid)t  geringe  ungelegentyeitt  gerathen,  bafr  tuir  alfo  billigg 
bewogen  $l)m  unb  bm  Seinigen  jitr  fünftiger  mehrerer  anffmuntc- 
rung  bei)  anberen,  alle  Moeniglidie  ©nabc  binmieberumb  31t  Oer* 
fprcdjen  unb  311311  jagen;  2i>eill  er  aber  für  jefco  lein  anber  mittuH 
tHKjufdjfagcn  gemußt,  mormitt  felbige  gegen  ^fyne  311  declariren, 
alfo  bafc  mir  Sljm  obiger  gnäbigften  consideration  etma  bie  alte 
in  ber  Statt  Sübcrf  fteljeube  (Sapelle  jufambt  ben  ^(a£,  fo  Un& 
jrnar  gufteljet,  aber  oon  SBurgermetjftern  unb  9fatft  bafelbft  oon  Un- 
ferntmegen  ju  repariren  unb  mieber  311  bebumen  uirf)t  roill  geftattet 
werben,  meldjeä  mir  hau  ber  oorigen  Ritten  nadjläjfigfeitt  oiellme^r, 


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zedby  G00gk 


2G8 


aU  itjren  miebernnllen,   imputiren    nnb   jnfdjreiben,   ce<liren  unb 
übertrafen   mogten,   fonberlid)   bn    berogeftalt    Unjj    burdjaufo   fein 
nui&  nod)  fyebungl)  jugeroartteu,  aber  im  miebrigen  id)t  nmjj  aufcer 
bent  jure  patronatus  abgebe,  3l)me  aber  unb  feilten  (Srben  anitodj 
bamitt  fönte  gebienet  fein.     äBnn  lutr  nnn  biefev  wegen  notymenbi- 
gen  JBeridjt  eingesogen,  and)  befnnben,  bafj  crmef)ute£  jus  patrona- 
tus fdjmerüd)  betj  fo  behaltenen  nnb  berjätjretcm  werfen  31t  manu- 
teniren  bnb  ju  erhalten,  alfo  Ijabctt  luiv  fotfyancu  feinen  getjorfam 
ftc3  gefudj  gerutjet  nnb  ftatt  getrau.     Seiten   and)   foldje^  fyiemitt 
nnb  in  crafft  bicfcS  für  Unf?,  unsere  Srben  nnb  9tod)fommen  bero 
geftalt  nnb  alfo,  bafj  gebadeter  £)iurid)  SBoerger  nnb  beffen   ©rben 
befagte  Sandte  in  ben  ftattbt,  worein  fie  anje^o  ift,  für  fid)  anlief 
men  nnb  alfj  fein  aigen  gnett  genießen  nnb  gebraudjeu,  bie  Steine 
unb  materialia   and)   feinem  belieben   nad)    jit    auberen    gebamteu 
mieberumb  bermeubeu,  ^n  ^Jfajj  beboumeu    mii>  allevbiitg*    bamitt 
fdjalten  unb  malten  müge  unb  fülle,  alfs   immer   ein   aigeuev   unb 
proprietarius  mit  beut  feinigen  311  tljnen  unb  31t  fdjatten   befuegt, 
morbet)  Jvljn  bau  mcber  bon  Hüft  nod)  llufsereu    nadjfommen   fein 
eiutragl)  ober  tyiuberung  3itgcfüget,   bejouberu  bielmetyr   alle    tjanbt 
bietung  unb  Sdjufe  mieberfafjreu  fofl.     SSerfetjen  Unfj  and)  3U  boljr 
gebad)ter  <£tatt  unb  berofelbigen  je^igen  $ürgermel)fteru  imb  9iatl), 
meill  e*  nun   g(etd)fal)mb  eine  naiurani  privati  fuudi  bod)  mitt 
borbefjölt  gebüljrenber  fret)l)ei  tt  imluciret  nnb  angezogen,  fie  ourfi 
fid)  a(fo  feine*  fuuftigen  praejudicii  uteljr  31t  bejorgen,  fie  werben 
and)  gebad)tcn  Söocrgcr  barein  teilte  fdjerrung,  befonbern  bicllmcbr 
g(eid)   Unjj,   baft   er   feiner  befteu  cuminodhüt  nad)  alle»  für  fid) 
unb  bie  feinigbc  bebumen,  nüften  \\n\>  gebraud)cn  müge,  3bn  forbent 
unbt  betjftänbig  fein,  tueldje*  luiv  bau  ju  crfenneii  geneigt  unb   an 
erbiet(igl).     Stomit  aber  and)  feinem  tertio  fein  jun  getränefet  über 
gefd)tnäl)lertt  werbe,   füll  oorgcbadjter   äöuerger   unb   beffen    Grben 
gleid)fal)inbe  auftatt  einiger  ivco^nitioii  unb  grunbtfyauer  bent  jk«s- 
sessori    Unfrei    $anti^ifd)cn    beneiieii    alfo    pro    tempore    bem 
SöoUgeboruen  Untern  üaubt  Watl)  in  ^n  tfürfteuttnimben,  Stmbt 
mann    311er   ©teiuburg    (Jouvemeurn   311er   ©lucfftatt    unb    lieb« 
getreutuen  .£)crn  Gljriftian  OJraffeu  bon   s^cu^  diittent  iäbrlidi,   fc 
biell  alfo  bie  jefjige  cowluetrix  ober  ©nmo^neriu  beft  alten  ,§au|es 
geben,   roetd)e£   ben   einfommenen   Söerid)t   nad)    etwa    §ünff   && 


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269 

Subefrf)  fein  foll,  bie  bodf)  in  e&lictjen  Sagten  nid^t  emfommcn, 
nacf)  tote  fcoljr  baoon  entrichten  unb  abtragen,  fonften  aber  im 
übrigen  al(e§  frei)  unb  otjn  einige  befcf)merbe  genießen  fonber  alle 
gefäfjrbe.  Uljrfunbtid}  unter  Unferem  Äoeniglidjen  $anbtjeid)en 
unb  ©ecret.  ©eben  auff  Unserem  ©cfyloffc  ju  (Sopenljagen  ben 
18.  Snn^  §ltmo  1647. 

ßljriftian. 

Wniaftt  II. 

Sljriftian  ber  SBierbte  Don  ®otte$  gnabeu  ju  2)ennemartf, 
9to wegen,  ber  SBenben  unb  ©otfyen  ftoenigf),  .£>erfcogI)  ju  ©d)le3= 
wigl),  $ollftein,  ©tormarn  unb  ber  Sittinarjcfjcn,  ©raff  ju  Dlben* 
bürg  unb  SBellmenljorft. 

Unfern  gnäbigften  unub  mollgeneigten  willen  suooljr.  ©{)* 
fanibe  liebe  befoubere.  S3  foll  in  wer  Statt  eine  alte  ßapelt 
ftefjen,  fo  ju  Uufeerm  lefjne  Öarnife,  mormit  pro  tempore  ber 
mollgeborner  Unßer  SKatf),  9tmbtmann  juer  ©teinburgl)  unb  lieber 
getreuer  $err  ßfyriftian  ©raff  fc.  ^ßenfc  9iitter  investirel  unb  be* 
lehnet,  geboret,  meiere  mehren  tfyeilft  ganfc  Herfallen  uunb  nod) 
täglirf)  mcljr  abnemben  foll,  meill  iljr  ttidjt  geftatten  wollet,  baft 
ba3  geriugfte  baran  magl)  repariret  mxb  gebeffert  werben.  $lnn 
ntüffen  wir  jwar  ba^in  oerftcllen,  wie  ifjr  folrfje  Ijinberungl)  mit 
fuglje  511  beraubten;  wcill  aber  nunmel)r  afljutang^  jährige  patienz 
bieferfeitö  mit  baju  gefommen  unb  eben  unter  beffen  bei  jungftem 
©djmebifdjem  ftriegfje  Unjier  Factor,  fonften  ewer  ©tirger,  ^inriefy 
SSorger  Don  Unfcerntmegen  in  nirfjt  geringe  ungelcgentjeit,  wie  euefj 
befanbt  uub  wiffenb,  geraden,  worfür  Söir  tym  woll  gerne  einige 
erftattung  ober  ergefeligfeit  gouneten,  fo  feint  SBir  ratl$  worben 
gebaute  Sapclle  jufambt  beut  Sßlafe,  wie  auef)  ©tein  unub  ffialcf, 
wie  ©ie  ifco  ift,  bemfelben  alfj  einem  privato  unub  ewrem  slKitt* 
burger  }u  eeclhvii  unb  überzuladen,  bamit  alfo  bie  besorge,  fo  iljr 
etwa  wegen  beft  juris  patronatus  Ijaben  mögtet,  tolliret  unb  auff^ 
fle^oben.  Wefinnen  and)  bemuad)  l)icrnüt  gegeutoerltigf  an  euef) 
ßitebigft,  3l)r  wollet  iljm  baran  uid)t  l)iuber(iri),  befonbern  ganjj 
ofyngemeigert  geftatten,  bafy  er  fotfyanc  Sapelle  abbrechen,  bie  ©teine 
imb  materialia  feinem  beften  belieben  uunb  gefallen  nad)  wieberumb 
»erbrausen    unub    ben  ^ßlafe  mit   anbern   moljnungf)   ju   aigenem 


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270 

ßicrbt  emrer  ©tatt  mieberumb  beburoen,  bar  ferner  and)  fcfbtge  für 
firf)  unb  feine  Srben  atfc  fein  atjgentljumb  genießen  mugfye.  Solches 
verfemen  2Bir  Unfc  unb  feint  eud)  unnb  emer  guten  ©tatt  fjintpieber 
mit  be!jarlid)en  Slöniglidjen  gnabcu  moll  gemogen.  ©eben  auf 
Unfjerm  ©cfytofr  3frieberid)3burgt)  ben  20.  3unt)  Slnno  1647. 

Gljufttan. 
Stuf  ber  SRücffeite:     3)en  Sfjrf  ahnten  Unfern  Heben   befonbent 
Sürgermeiftern  unb  SRafytt  ber  ©tabtt  ßübeef. 

«nfogc  III. 

SBon  (9otte3  gnaben  $ann3,  @rmel)ttcr  33ifdjoff  ju  Sübecf,  ©rbe 
ju  Sftormcgeu,  £>erfeog  jn  ©d)(ef$roig,  ,f)offtein,  ©tormarn  unb  ber 
3)itt)marfd)en,  ©rave  gu  ßlbeubnrg  unb  SDellmenljorft.  llfyrfunben 
unb  befeunen  fyiemit  für  Unft,  Uufere  Successoren  am  ©tijftr 
Öubecf  unb  fonft  Sebennäuniglid):  Üftadjbem  Unft  ber  ©brbar 
llnfer  Sieber  befonber  ,§einricf)  SBorgcr,  93nrger  in  Süberf,  unter 
tranig  vorgeseiget,  baft  3-  Mönigf.  sJJiaj.  311  ^ennemaref,  Norwegen 
2c.  Unfer  freunb(id)  geliebter  |jerr  fetter,  ©ruber  unb  ©efatter 
3fym  bie  Verfallene  Capclle  St,  Johannis  in  aivna  geuanb,  bell 
Unfer  ®ombfird)cn  in  Sübccf  gnäbigft  gefd)encfet,  mit  untertäniger 
Sitte,  mir  gerutjeten  megeu  Unfern  baran  fynbenben  33ifdjöflid)en 
inleivsse  fotljane  donation  3?fym  fal)ig  merben  ju  taffen. 

2)af?  mir  alfo  ju  fonberbaljrcn  respoct  ber  Jloenigl.  unb  mit 
SSormiffen  unb  belieben  UnferS  £>crrn  ©ruber«  §erfcog  grieberichen 
ju  ©d)leftmig  .gotftein  nffs  bie  megen  ber  mit  ljod)ftgemeftcr  3br 
ftoenigl.  9ftaj.  altemirenben  Collation  beft  distineten  Canonicats, 
morju  biefe  Gapelle  gemibmet  unb  befeget  morben,  Riebet)  gfeieber 
geftalt  iutereffiret,  bem  SBorbefagtcn  .f)eiurid)  SBorger  gegunuet  unb 
fret)  gegeben,  fief)  nunmehr  ber  Capcllen  anzumaßen,  bie  ©teine 
unb  inaterialien  31t  feinem  ©Ortzeit  311  Verbrauchen,  ben  ^ßlafc  mit 
anberen  mofjnuugcn  miebcrniub  ju  bebamen  ober  fonft  gu  veräußern 
unb  31t  feinem  unb  feiner  törben  befte  311  genießen.  @r  aber  vor 
fyer  frfjulbig  fel)tt  fotte  Unferm  Struetuario  jnr  Struetur  Unter 
$>ombfird)en  bnfefbft  31t  entrichten  unb  3U  bejahen  @iu  taufnrt 
SRarf  ünbifd).  UljrfuuMid)  Unfer  eigenfyaubigen  Unterfrfjrifft  um> 
uffgetruetteu  Surftl.  Sammer  ©iegete.  ©0  gegeben  uff  Unfer 
93ifd)oflid)en  Resident/  gutl)iu  ben  4.  Sulii  Slnno  1050. 

£auf*. 


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271 


xii.   cxvu.) 

(gin  Urteil  über  fiükcf  au$  ber  Witte  be§  fünfzehnten 

3aljrl)ttnbert& 

SWitßCtfjeüt  Don  Staatöardjtüar  Dr.  Söcljrmann. 

Wer  £übecfifd)e  St)ttbicu3  ©imon  93afc  Don  §omburg  öermadjte 
in  feinem  1404  errichteten  Jeftament  feine  SBibliotfyef  feinen  brei 
©djmeftcru  nnb  fügte  bie  33eftimmung  ^tu^u,  bafs  fic  für  300  mfr 
bein  9latf)e  junt  Äauf  angeboten  werben  forte.  2)a  fic  nur  aus 
UWanufcriptcn  beftanb,  mar  bei*  geforberte  SßrciS  gemift  ein  fel)r 
mäßiger.  $>er  Statt)  bat  bei  betn  Sobe  beS  Sfynbicirä,  ber  nod)  in 
bemfetben  Sflfyre  erfolgte,  Don  beut  anerbieten  ©ebraud)  gemacht 
unb  ben  ©djwcftcrn  300  mft  au3be$a1)lt.  (Sinige  ber  SJianufcripte 
roerbeu  nod)  jefct  auf  ber  ©tabtbibliotfjcf  aufbewahrt.  Sie  finb  an 
beut  ifyueu  aufgebrüclten  Slanjlciftempef  (eidjt  ert'ennbar,  unb  and) 
biefer  §at  ein  Stotcrcffc,  inbem  er  hen  einen  ©d)itb  auf  ber  SBruft 
tvagenbeu  ?tbter  jeigt,  atfo  hen  23emcte  giebt,  baft  biefe  ^onu  be£ 
Sübifdjen  2Sappen3  fdiou  bamate  bie  üblidje  war.  Unter  ben 
3Rauufcriptcu  befiubet  fid)  eine  SVtcffantmtung,  bei  bereu  ftüdjtigem 
ÜDurdjbfättern  üor  Jturjcm  ein  S3rief  bemcrf(id)  würbe,  ber  au3 
Öübccf  batirt  ift  unb  baburef)  ?(ufmerffam!cit  erregte.  fieiber  festen 
afle  näheren  pcrföuftcfjcn  iöejicljungen.  9)Jnn  fiel)t  weber,  wer  ben 
3*vief  gefdmeben  l)at,  nod)  an  wen  er  gerid)tct  ift,  fonbern  bleibt 
in  beiben  iöcjteftungeu  auf  Vermittlungen  attgewiefeu.  35er  ©direiber 
triebt  fid)  ate  einen  l)ier  nid)t  jh  Ajmufe  gehörigen,  fonbern  nur 
zeitweilig  fid)  l)ier  anffyalteubeu  ?lrjt  ju  erfennen.  3M  bie  ©üter 
ber  Svme(änbifd)en  Miicbe  erwähnt  werben,  mag  ber  JBricf  uarf) 
33raun£berg  ober  $raueuburg  gerid)tct  fein,  unb  ba  iui eberf eljreubcr 
guriebe  als  SBunfd)  ausgebrochen  wirb,  fdjeint  er  tu  bie  Qe'xt  bc£ 


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272 

ÄriegeS  be3  $)entfdjen  DrbenS  mit  ^ßolen,  atfo  jmiftfien  1453  imb 
14(56  fallen  ju  muffen.  Sljn  in  eine  nod)  frühere  Qtit  ju  fefcen, 
ift  fcfyon  wegen  be£  merfwürbigen  Urtljeite  über  Sübecf  nidjt  roobl 
möglid).  3)iefc$  Urtljett  ift  für  fiel)  fcerftänbtid)  unb,  and)  totnn 
man  toon  einigen  erfidjtücfjen  Uebertreibungen  abfielt  unb  fie  in 
Slbredjnung  bringt,  bodj  fo  merfroürbig,  bafe  ber  SBrief  einen 
9lnfprudj  barauf  fjat,  Ijier  mitgeteilt  ju  werben. 

Der  SBrief  lautet: 

Secundam  omnibus  in  rebus  fortunam  pro  salute.    Vene- 
rabilis  domine  ae  fautor  mi  peculiarissime.    Ex  litteris  quippe 
vestris  mihi  nuperrime  transmissis  omni  ambiguitate  semota 
luculenter   conspicio    vestrum    ac   aliorum    prcclarissiinoruui 
doctorum  erga  nie  immensum  fauorem  amoremque  integerri- 
niuni,  cum  mihi  profecto  non  paruum  ymnio  gründe  nun  ms 
mera  liberalitate  offertis,  quod  plerique  viri   vtique   speetabi 
les,  vti  haut  dubito,  summopere  conantur  adipisci.    Quantas 
igitur  pro  tantis  beneficiis  graciarum  actiones  offerre  teneor. 
ego  ipso  cognosco  vix.     Sane,  vir  speetatissime,  huiusmodi 
generosam    oblationem    mihi    ultro    facta  m    in    presentiaruin 
aeeeptare    congruum    non   existit,   partim    propter    me<licine 
practicam,  cui  operam  do,  que  quidem  mihi  nunc  lric  ae  in 
nostra  equidem  patria  fruetuosior  ei'it,  quam  juris  jiontilieii 
sciencia  eciam  ingentissima,  partiin  quia  nouitates  nostra  de 
patria  dietim  expecto,    quibus  habitis    forsitan    necessarium 
erit,  ut  pa triam  quantocius  reuisitem,  si  priuilegia   ae   bona 
nostre  Warnüensis   ecelesie   debeant   reeuperari.     Sic    itaque 
tarn    propter    bona    ecclesie    quam    propria    de    mea    mora 
aliquo  in  loco  penitus  dubius  existo.     Verumptamen    duleis    j 
amor  patrie  me  sicut  (|uamplurimos  compellit   erebro.      Vir    | 
gilius  nempe  sie  suis  modulatur  earminibus:     „Omnia  vineit    j 
Amor    et    nos    cedamus     Amori."1)      Quam     ob     rem,      vir 
doctissime,    hoc    in   loco   insignitissimo  aliquantisper    niorari 
decreui,  quousque  eunetipotens  de  fönte  sue  innuinere  pietatis 
ymbrem    pacis  super  nos  misericorditer   effundet.      Serit>iti> 
quoque,    vir   amantissime,    vestro    de    bono    aere    optimaque 

l)  Virgil.  Bucolica  10,  69. 


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273 


gente  etc.  Verum  fateor  me  vestre  nove  planctacionis  viri- 
darium,  cui  omnium  rerum  pius  sator  saJubre  det  incremen- 
tum,  nunquam  oculis  conspexisse,  et  idcirco  de  hoc  iudicare 
non  valeo.  Sed  hercle  unum  scio,  ut  hie  locus  egregius  a 
divina  terronaque  imperiali  maiestate  plerisque  dotatus 
68t  muneribus.  Hie  sunt  fluenta  lünpidissima,  aer  Sere- 
nissimus, terra  optima,  nemora  ioeundissima,  pomeria 
florentissima,  edificia  pulcherrima,  platee  f  eeibus  semper  puiv 
gate,  presul  devotissimus,  clerus  diseiplinatus,  beneficia  grassa, 
templa  politissima,  in  quibus  divine  laudes  perpetim  summo 
eultu  peraguntur,  turres  altissime,  que  suis  aureis  fulgoribus 
intuencium  oculis  eminus  choruscant,  cenobia  preclara  omni 
religione  fulgentia,  bibliotece  numero  librorum  ditissime, 
diuini  verbi  pretores  (precones?)  disertissimi,  mercatores  in 
negacionibus  studiosissimi,  cives  omnium  rerum  opulentissimi, 
et,  quod  superest,  politia  reipublice  ornatissima,  civitas  Omni- 
bus defensionibus  munitissima  totaque  gens  apprime  paci- 
fica.  Sed  taceo  de  pulchro  femineo  sexu,  cuius  delectabilis 
intuitus  lassata  ingenia  vires  cogit  recuperare.  Venus  enim 
ac  Dyana  nostras  Lubicenses  in  pulchritudine  antecedunt, 
illas  enim  morum  venustas,  personarum  proceritas,  melliflua 
eloquia,  roseus  lilialisque  aspectus  opulentissime  decorant, 
sagax  quippe  natura  in  earundem  nobili  creacione  penitus 
in  nullo  erravit.  Porro,  ut  summarie  proferam,  quidquid 
boni  et  pulchri  est  hie  splendidius  copiosiusque  quam  in 
ceteris  invenitur  locis,  alter  quoque  paradisus  non  immerito 
poterit  appellari.  Hiis  dictis  sat  est,  ne  videar  calamum 
nimium  protelare.  Demum  aecuratissime  precor,  quatenus 
preclaros  doctos,  videlicet  dominum  Hermannuni  et  Petrum, 
viros  vtique  omni  sciencia  et  probitate  laureatos  mei  ex 
parte  sinceriter  salutetis,  vobisque  omnibus  graciarum  actiones, 
non  quas  debeo,  sed  quas  valeo,  iterum  atque  itenun  devo- 
tissime  impendo.  Valete  dyu  fauste.  Datum  in  civitate  Lubicensi. 
Die  Sübed  betreffenbe  ©teile  tautet  in  beutfcfjer  Ueberfefeung, 
wie  folgt: 

2)a3  ©ne  roeife  idj,  bafc  biefer  t>ortrefffict)e  Ort  öon  ber  gött* 
ticken  unb  öon  ber  Äaiferlicfyen  irbifdjen  Sötajeftät  mit   ben  foft- 
8tf$t.  b.  e.  f.  ß.  ©.  IV,  3.  18 


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274 

barften  ©aben  ausgestattet  ift.  §ier  Ijat  man  bie  ftarftcn  ©emäffer, 
bie  tyeiterfte  fiuft,  ben  beften  93oben,  btc  anmutljigften  $a\ne,  bie 
btütyenbften  ©arten,  fdjöne  ©ebäube,  immer  reinlidje  ©trogen,  einen 
gotteSfürdjtigen  33ifd)of,  moljtgeorbnete  @etftlid)feit,  reiche  Sßfrimben, 
fetyr  fdjöne  fönten,  in  benen  ba3  fiob  ©otteS  in  prätfytigfter  SBeife 
gefungen  mirb,  Ijoije  Stürme,  beren  ©olbglauj  ben  %nfd>auenben 
fdjon  öon  SBeitem  in  bie  äugen  fällt,  fyerrlidje  Slöfter,  btc  jtdj 
burd)  9teligiofität  auSjeidjnen,  reiche  SBibtiot^efen,  berebte  üertüTV 
ber  be$  göttlichen  SßortS.  S)ie  Äaujleute  mibmen  ftd>  tljrem  ®t- 
fdjäfte  mit  ffiifer  unb  ftnb  äufcerft  n>ol)fljabenb.  2)ie  ©tabt  $ai 
eine  fcoräüglidje  SBerfaffung  unb  tft  burd)  ©diufetoetyren  aller  Art 
gefidjert,  bie  Seöötferung  ift  friebliebenb.  3fdj  fdjtoeige  ton  bem 
n>eibtid)en  @efd)le<f)te,  beffen  Änblitf  erfrifdjenb  unb  erquidenb  tuirft 
33enu3  unb  ©iana  mögen  fdjöner  fein,  aber  bie  Sfibifdjen  grauen 
fdjmficft  ein  JReij  ber  Snnturt),  §o^eit  ber  ©eftatt,  flie&enbe  Siebe; 
fie  erfdjeinen  mie  SRofejt  unb  fiitien  unb  bie  tt>eife  SRatur  Ijat  bei 
tyrer  Srfdjaffung  SRidjtS  überfein  ober  öergeffen.  ®urj,  ioa3  e$ 
überhaupt  ©uteS  unb  ©<f)öne$  giebt,  ift  fyier  gtänjenber  unb  in 
größerer  gülle  öorfymben,  a(3  in  anbern  ©tobten,  fo  bafc  man 
fiübetf  mit  Stecht  ein  jmeiteä  SßarabieS  nennen  fann. 

S)er  tateinifdje  Jejt  beS  »riefet  ift  öon  $rof.  833.  SBSattenbadj 
im  Nürnberger  Änjeiger  für  Äunbe  ber  beutf^en  SBorgeit,  3ol)r« 
gang  1873  X5  2,  jum  Slbbrud  gebraut. 


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275 


xiii.  (xvm.) 

SSar  ein  Soljamt  ^otjer  SWttglteb  be3  Sübcrfcr  9totlje0? 

Ston  Dr.  2S.  «reljmer. 


tinter   benjenigen    ^erfonen,    meldje  hqc^   ©ntfejjung    be§    alten 

SRatljeS  im  Satire  1408  in  ben  neuen  SRatl)  ermaßt  finb,  mirb  öon 

©enior  toon  SReHe  in  feinet  „©rünblidjen  9Rad)rid)t  bon  ber  ©tobt 

SübetI,"  ©.  56,  ein  Sodann  £>ot)er  aufgeführt.    SDerfelbe  mirb  audj  in 

bem  begleitenben  Jejte  ber  bon  3Rttbc  herausgegebenen  „©ieget  be$ 

SHittelalterS  au3  ben  «reiben  ber  ©tabt  2übe<f  "  (§eft  10  ©.  57) 

bei  Sefdjreibung  feinet  SBajtyeuS,  ba§  auf  einer  fdjrägredjten  SBinbe 

brei   langhaarige  SKenfdjenföpfe  tragt,    afä   SRitgtieb    be3   neuen 

9?att)e3  beäeid^net.    dagegen  fyat  ©gröber  in  feinen  topograplfifcljen 

unb  genealogif cfyen  SWotijen  behauptet,  bafc  3fo^ann  $ot)er  feit  1402  bem 

alten  SRatlje  angehört  Ijabe.    35iefer  teueren  Änfidjt  fjat  fid)  ©taat3« 

ardji&ar  Dr.  SEßeljrmann  im  SRegifter  jum  fünften  Steile  be§  Sübetfifdjen 

Urfunbenbudjeä   angefd)lofjen.     3)a  in  ben  gleichzeitigen  Quellen 

Sodann    $ot)er    niemals    afe    Sübccfifd^er     Siat^err     genannt 

wirb,  aud)   feines   9ftedfjt§gefd)äfte3  ©rmäljming   gefdjieljt,   bem  er 

ftrf)  in  biefer  (Sigenfdjaft  unter jogen  $at,  fo  beruht  bie  Annahme, 

er  fei  Sübeder  SRat^^err  gemefen,  lebiglid)  barauf,  baf$  iljm,  fo  oft 

fein   9tame    in   ben   Urfunben   aufgeführt  mirb,  ftetS   bie   G$rett> 

bejeidjnung  „$err  (dominus)"  beigelegt  mirb.  3)ie  hierauf  gegrünbete 

©rfjlttfjfolgerung  ift  aber  nidjt  unanfechtbar,  benn  ju  jenen  Qattn 

mürben,  abgefeljen  t>on  Äbligen  unb  ©eiftlirfjen,  ju  benen  Sodann 

^otjer   ntd^t  gehörte,  nid)t  nur  Sübetfifdje   JRat^^erren,  fonbem 

aud)  bie  Sßitglieber  be3  5Ratl)e3  aller   größeren  ©tübte   unb   biefe 

aud)  bann,  menn  fie  iljr  $lmt  niebergelegt  unb  ifjren  SBofjnftfe  öon 

ber  Jpeimatl)  nad)  Sübed  öerlegt  Ratten,  in  ben  2übe<fifd)en  Urfun* 

18* 


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276 

ben  immer  aU  Ferren  bejeidjnet.  Scfetcre^  ift  bisher  tnetfad) 
überfein  morben  unb  fyat  ju  mancherlei  3rrtl)fimern  SJeranlaffung 
gegeben,  namentlich  l>at  fid)  ®eetfe  bei  Aufarbeitung  fetner  diatfß- 
linie  t)ierburtf)  üerleiten  laffen,  3ol)ann  ©eiSmar,  früheren  dlati& 
Ijerrn  in  ©tocfljolm,  unb  §einrict}  bon  Sffenbe,  früheren  Statiß* 
fyerrn  in  SBiSbtj,  irrtf)ümtid)ertpeife  unter  bie  Safy  ber  Sfibccfifdjeu 
Wat^erren  einjuorbnen.  Qn  biefen  auswärtigen,  in  iljrem  fpatern 
Lebensalter  nadj  Sübecf  übergefiebelten  Statuierten  gehört  auc$ 
3oljann  $otjer.  ©erfelbe  ift  nämlid)  ibentifd)  mit  bem  Hamburger 
SRat^^errn  gleiten  SRamenS.  ©8  ergiebt  fttf)  bieS,  ttrie  afebafb 
nadjgemiefen  merben  fott,  au§  mefyrfactjen  ©intragungen  in  bie  l>ie 
figen  ©tabtbüdjer.  $)ie  SBeranlaffung  baju,  bafj  er  feinen  3Bol>nft| 
t)on  Hamburg  nad)  Sübecf  öertegte,  lag  barin,  bafe  er  fid)  ju  (Snbe 
be3  3tol)Te3  1401  mit  ©ertrub,  einer  Jodler  be3  batnate  fdjon  ber» 
ftorbenen  ßübedifdjen  33ogte$  35etlet>  9Rane  unb  ber  SBithoe  beS 
Sübedifdjen  SürgerS  ©erwarb  öon  Sittenborn,  ehte$  ©ol>ne$  bes 
gleichnamigen  SRat^erm,  öerljeiratljete.  2)iefelbe  fd>etnt  jetyr 
mofylljabenb  gemefen  ju  fein,  benn  fie  brachte  ifjrem  Seemann 
auger  einem  anfeJjnlidjen  SBaaröermögen  baä  $au$  SRengftrafec 
aJt.»3K^0,  M  3  als  äRitgift  au.  $urd>  jene  ©je  finb  bie  naefr 
fotgenben,  für  bie  ©ittengefd}id)te  ber  bamatigen  3ci*  n^t  munter« 
effanten  Sintra(jungen  in  baS  -Jtieberftabtbud)  öerantafct  toorbat 
Am  13.  ©ecember  1401 *)  erflärt  $err  Sodann  £oljer,  roobl 
nodj  toor  Stbfd)tu6  ber  @tye,  er  gelobe,  roeber  ©ertrub,  bie  lodjter 
beS  SJettcD  äRane,  nodj  audj  bie  ©üter,  meld)e  er  t>on  il>r  als 
äKitgift  ermatten  Ijabe,  ofyne  ©eneljmigung  tljrer  tJreunbe  aus  ßubed 
ju  entfernen,  aud)  motle  er  i^r  fänfjig  9Rarf  SRente  berfdjreiben, 
bie  fie,  fo  lauge  fie  beibe  lebten,  als  ©pielgelb  gebrauchen  folfe 
tJür  ben  fJaH,  bafj  er  öor  feiner  grau  öerfterben  follte  unb  mit 
it)r  Äinber  gezeugt  Ijabe,  üerfpridjt  er,  i^r  im  IBorauS  100  rn& 
jäl)r(id)er  SRente,  jebe  3Rarf  mit  20  mfi  au^julöfen,  in  £übecfijd>cn 
©runbftüden  auSjufefcen,  iljr  aud)  alle  für  ifyren  Äörper  jugefdjmt* 
tenen  Kleiber  nebft  bereu  ^ubeljör,  fonrie  iljre  fämmtlid)e  fa^renbc 
^)abe,  befte^enb  in  ©efdjmeibe,  Utenfilien  unb  ^au^gerät^,  ju 
^intertaffen,  jugleic^  genehmigt  er,  ba&  i^re  ganje  3Äitgift  ben  mit 


Urhmbe  M  1. 


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zedby  G00gk 


277 


iljr  erzeugten  Äinbern  unb  md}t  feinen  Äinbern  erfter  ®!)e  ju* 
fallen  foße. 

9ln  bemfetben  läge l)  erteilen  $err  3oljann  £oljer,  $err 
Sibemann  3unge,  fiübeefifd^cr  Statten:,  unb  $emrid)  Renner, 
leitete  beibe  als  nädjfte  @rben,  itjre  ©enefynigung  baju,  bafc  ©ertrub, 
bie  Jodjter  be3  $>etleb  äKane,  roenn  fie  oljne  Äinber  fterben  foflte, 
ein  leftament  über  1000  rr$  madjen  bärfe;  ber  erftcre  fotooljl  nrie 
bie  beiben  legieren  geben  fjieju  itjre  .ßuftimmung  in  33ejug  auf  je 
500  w#. 

SWadjbem  fobann  bie  ßtye  gefdjloffen  ift,  erflären  ju  Sßfingften 
1402*)  bie  Ferren  Sibemann  3unge,  Katzen,  unb  Sofyutn 
^o^er,  Söürgcr  ju  ßübed,  öor  bem  iKieberftabtbud):  SBenn 
©ertrub,  bie  ©Ijefrau  bcS  £>errn  3oljann,  tt>a$  ©ott  toerljüten 
möge,  ofync  Äinber  oerfterben  follte,  fo  njoflten  $err  Jibemann 
unb  feine  (Srben  üon  bem  Xljeil  be3  9tad)laffe3  ber  ©ertrub,  ber 
auf  fie  fallen  werbe,  bem  $erm  Sofjann  nnb  feinen  Srben  500  mfi 
austeilen. 

2lm  11.  3nni  1402  finben  fid)  brei  roeitere  (Sintragungen.3) 
3n  ber  erften  bemerft  $m  Sodann  §ot)er,  er  fyabe  feiner  (äfyefrau 
gefcfyentt:  eine  bergolbete  ©pange  mit  einem  Stubin,  mehrere  Meine 
©fangen  unb  SRingc,  brei  bergolbete  ©egalen,  einen  öergolbeten 
unb  einen  filbernen  Ärug,  jmei  $al$bänber,  fed)3  filberne  ©djalen, 
jwei  bergolbete  Sßofale,  alle  feine  filbernen  ßöffel  unb  bie  §älfte 
afieS  feinet  §au$gerätlje3 ,  ben  er  nadj  fiübed  mitgebradjt 
Ijabe,  feien  bie  ©egenftänbe  grofj  ober  Hein.  $)iefe  ©adjen  foße 
fie  gebrauten,  fo  lange  fie  unb  bie  öon  itjm  mit  iljr  erzeugten 
Äinber  lebten.  SBenn  fie  aber,  ot)ne  mit  iljm  ÄHnber  erzeugt  ju 
ijaben,  fterben  foßte,  fo  foflten  alle  jene  ©adjen  an  ifyn  unb  feine 
6rben  jurücffaßen. 

3n  ber  jtoeiten  wx^  brüten  erflärt  fid)  ©ertrub,  bie  (Styefrau 
be£  $erm  Sofyann  $ol>er,  bamit  einoerftanben,  bafe,  roenn  fie  ofjne 
Äinber  berftürbe,  iljr  Wann,  $err  Sodann,  fcon  ben  ©ütern,  meiere 
fie  iijm  in  bie  ffilje  gebraut  Ijabe,  700  mfc  feinen  eigenen  Sinbcrn 
jumenbe,  womit  fid)  aud)  §err  libemann  3unge  einöerftanben  erflärt 
Ijabe.    !gabt  fie  fetbft  aber  mit  if)m  Äinber,  fo  foße  e3  in  itjrem 


')  Urfunbe  JTt  2.        •)  Urtonbe  JG  3.        8)  Urhtnbcn  JG  4,  5  unb  6. 


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278 


SBetieben  fielen,  ob  fic  jene  700  mfL  ben  fönbera  be$  #errn 
3oljann  $oljer  au$  erftcr  @I>e  jumenben  motte.  ?(uc()  menu  fte 
leine  Ätnber  l>abe,  fo  motte  fte  bodj  jene  700  n$L  Qtxt  U)re$  fiebenS 
getrieften,  unb  erft  nad)  ifyrem  £obe  foltten  fte  ben  Äinbern  UjreS 
QfyemamteS  jufaUen;  jugteid)  Derpfttc^tet  fte  fid),  bte  600  ȣ, 
meldte  iljr  3Ratm  iljr  au$  feinen  ©ütern  auSgefefct  fyat,  feinen  fön» 
bero  mieber  ju  erftatten. 

$(u3  biefen  ©intragungeu  ergiebt  fid),  bog  Sofyann  |>ot)er  mo^l 
SU  Snbc  be$  3af}re3  1401  bon  auSroärtö  nad)  fiübed  gejogen  ift, 
unb  baft  t^m  bajumal  bereite  ber  (Styrentitel  „§err"  juftanb.  35aji 
i^m  biefet  nidjt  at$  fiübedifdjer  Matten;  gebührte,  folgt  bauntf, 
bafe  er  1402,  obmoljt  $err  benannt,  bod)  im  ©egenfafc  ju  bem 
9iatlj$t)errn  übemajtn  5unge  einfad)  at3  Üüberfifdjer  kärger 
bejeidjnei  mirb.  Gr  mufc  alfo  in  einer  anbern  ©tobt  int  SRatfc 
gefeffen  Ijaben.  2)iefe  ©tobt  war  Hamburg,  benn  ate  So^ora 
$oijer  am  1.  ©ept  1405  eine  bon  ifjrn  übernommene  SBürgfdjafi 
erneuert,1)  bemerlt  er,  bafc  er  fte  bereite  übernommen  Ijabe,  al$  er 
nod)  Hamburger  ^Bürger  gemefen  fei.  SBeftütigt  toirb  biefe? 
baburdj,  bajj  fett  1377  ein  Sotjanu  £otjer  bem  Hamburger  Äatfc 
angehört  l)at  unb  baft  beffelben  in  biefer  feiner  ©genfdjaft  nach 
1401  nid)t  me^r  (Srtoäljnung  gefd)iet)t,  we^alb  bisher  angenommen 
marb,  bafj  er  1402  geftorben  fei. 

©emoljnt  fyat  er  itt  Süberf  motjl  nidjt,  mte  ©gröber  annimmt, 
in  ber  ©t.  Stmtettftrafje,  fonbern  in  bem  iljm  t>on  feiner  grau  $uge> 
brauten  £aufe,  9Äengftrafee  m*9H>ü.  M  3.  äu3  ber  3eit  feine* 
Ijiefigen  Aufenthalts  befifcen  mir  nur  Äunbe  über  berfdjiebene  oon 
tym  abgefdjtoffene  ©etbgefdjäfte,  auf  meiere  l)ter  ntd)t  metter  ein$* 
geljen  ift,  ba  fie  ofyne  altes  allgemeine  Sntereffe  finb. 

©egen  Snbe  feinet  SebettS  muffen  feine  äJermögenSberljältitifK 
feljr  gemittet  gemefen  fein,  benn  1415  berfaufte  er  ba$  Üjin  oon 
feiner  gfrau  jugebradjte  £au&  $)rei  anbere  it)tn  gehörige  Käufer, 
bon  benen  jroei  in  ber  2)anfmärt3grube  unb  eines  in  ber  $k& ergrübe 
tagen,  tiefe  Albert  ©rote  im  Safyre  1419  megen  einer  iljm  bereit«  feit 
1414  juftefjenben  gorberung  bon  320  ir$  geridjtttd)  berfaufen.  ** 
29.  SWärj  b.  3.  war  feine  ©tjefrau  fogar  genötigt,  für  ifjr  freund 


*)  Urlunbe  Ja  7. 


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279 


fdjafttidj  bargeliefyene  6  mfi  ifjren  Äirdjenftuljt  in  ber  9Karienfirdje 
ju  öerpf änbcn. l)  SBä^rcnb  fic  bei  biefer  ©etegenijeit  nod)  als 
Styefrau  be3  Sodann  £otjer  bejei^net  wirb,  lommt  fie  im  Söegimt 
be3  folgenben  StüjteS  bereite  als  feine  SBittwe  öor.  Sodann  $ot)tx 
ift  alfo  ju  (Snbe  be$  SaljreS  1419  geftorben. 


(Eintragungen  in  toa£  9tieberftabtöitdj. 


1. 

1401  Lucie  virginis.2)  Notum  sit,  quod  dominus  Johan- 
nes Hoyer  presens  apud  istum  librum  recognovit,  quod  ipse 
Ghertrudim,  filiam  Detlevi  Manen,  et  bona  ipsius,  que  cum 
ea  surapsit  in  dotalicium,  nee  vult  nee  debet  extra  istam 
civitatem  Lubicensem  ducere  alibi  cum  ea  commorando, 
nisi  sit  cum  consensu  suorum  amicorum.  Eciam  ipse  vult 
et  debet  eidem  facere  scribi  50  mrc.  reddituum  ad  lusorios 
denarios  omni  anno  Interim,  quod  ipsi  ambo  vixerint.  Si 
ipse  eciam  prius  ea  moreretur,  et  in  simili  pueros  habent 
ab  ipsis  ambobus  genitos,  extunc  vult  et  debet  ei  dare  ante 
omnia  eentum  mrc.  Lub.  reddituum  omni  anno,  quamlibet 
niarcam  pro  20,  intra  civitatem  Lubicensem  et  eciam  ad  hoc 
omnia  vestimenta  sua  ad  corpus  ejus  scissa  et  omnia  ad 
eadem  pertinentia,  eciam  omnia  ejus  fabrilia,  id  est  smyde, 
et  utensilia  sive  suppellectilia.  Item  vult  et  debet  omnia 
alia  bona  cum  ipsa  sumpta  facere  manere  circa  illos  pueros 
ab  ipsis  ambobus  genitos  et  non  penes  suos  primos  pueros. 

2. 

1401  Lucie  virginis.  Notum  sit,  quod  dominus  Johan- 
nes Hoyer,  dominus  Thidemannils  Junge  et  Hinricus  Yermer 
presentes   libro   recognoverunt,   quod  de  ipsorum   voluntate 


*)  Urfunbe  Jß  8. 
*)  $ec.  13. 


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280 


et  consensu  esset,  ut  Ghertrudis,  filia  Detlevi  Manen,  faciat 
unum  vel  plura  testamentum  seu  testamenta,  quociens  vellet, 
et  illud  seu  illa  revocare  et  iterum  aliud  seu  alia  facere,  ai 
tarnen  ipsa  absque  pueris  moreretur,  super  mille  mrc.  Lub., 
de  quibus  dominus  Johannes  predictus  consensit,  quod  sua 
parte  in  quinquentas  mrc,  et  dominus  Tidemannus  et  Hin- 
ricus  j>redicti,  nunc  proximi  heredes  dicte  Ghertrudis,  consen- 
serunt  in  alias  quingentas  mrc.  Si  vero  pueros  haberet, 
tunc  premissa  omnia  nulluni  vigorem  habere  deberent 

3. 

1402  Penthecostes. *)  Notum  sit,  quod  domini  Tide- 
mannus Junghe,  consul,  et  Johannes  Hoyer,  civis  Lubicen- 
sis,  coram  hoc  libro  personahter  constituti  concorditer  recog- 
noverunt,  si  Ghertrudis,  uxor  dicti  domini  Johannis,  quod 
Deus  avertat,  absque  pueris  moreretur,  extunc  ipse  dominus 
Tidemannus  et  sui  heredes  debebunt  ipsi  domino  Johanni 
et  suis  heredibus  de  parte  cadente  super  ipsum  dominum 
Tidemannum  de  bonis  relictis  ejusdem  Ghertrudis  dare 
500  mrc.  Lub.,  et  hoc  si  in  tantum  super  ipsum  eeeiderit; 
si  vero  predicta  mulier  pueros  haberet  de  ipso  domino  Jo- 
hanne, tunc  omnia  predicta  irrita  penitus  et  quita  debebunt 
esse  et  invalida  quoad  dictum  dominum  Tidemannum  et 
suos  heredes  absque  omni  alia  ulteriori  monicione  illarum 
500  mrc.  Lub.  secluso  omni  dolo  malo  verborumque  auxilio. 
Predictus  eciam  dominus  Johamies  debet  habere  plenariam 
potestatem  ex  parte  dicti  domimi  Tidemanni  et  suorurn  here- 
dum,  prout  ipse  dominus  Tidemannus  coram  hoc  libro 
recognovit,  ad  dandum,  inpignerandum  et  vendendum  de 
bonis,  que  simipsit  cum  dicta  sua  uxore,  ad  valorem 
700  mrc.  Lub.,  si  et  in  quantum  tarnen  hoc  fuerit  de  volun- 
tate  ejusdem  uxoris  sue. 

4. 

1402  Barnabe.2)     Notum  sit,  quod  coram  libro  constitu- 
tus   dominus   Johannes   Hoyer   recognovit,  quod  ipse  daret 


l)  9Hat  14.        *)  3um  11. 


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281 

Ghertrudi  uxori  sue  illud  deauratum  span  cum  illo  robbyno 
et  alia  parva  spanne  et  annulos;  item  tres  deauratas  schalen 
et  unam  deauratam  anphorara  et  unam  argenteam  anphoram 
et  illa  duo  colleere  et  6  argenteas  schalen  et  duos  deauratos 
koppe  et  omnia  sua  coclearia  argentea  et  medietatem  omnis 
illius,  quod  ad  civitatem  Lubicensem  portavit  de  suppellecti- 
libus  sive  magnis  sive  parvis  et  qualiacunque  sint,  quibus  frui 
debebit  ad  suam  et  puerorum  ab  ipsis  ambobus  genitorum 
vitam.  Si  vero  ipsa  moreretur  sine  pueris  a  domino  Johanne 
genitis,  tunc  omnia  predicta  econverso  cadere  debent  super 
ipsum  dominum  Johannem  et  suos  proximos  heredes. 

5. 

1402  Barnabe.  Notum  sit,  quod  apud  librum  constituta 
Ghertrudis,  uxor  domini  Johannis  Hoyer,  recognovit,  de 
ipsius  voluntate  et  consensu  esse,  si  ipsa  sine  pueris  more- 
retur, quod  ipse  dominus  Johannes  vir  ejus  daret^  700  mrc. 
Lub.  suis  specialibus  pueris  de  bonis  cum  ea  sumptis,  prout 
in  hoc  dominus  Tidemannus  Junge  consensit  et  scribi  per- 
misit  ad  himc  librum  pro  se  et  suis  heredibus  in  quadam 
scriptum  supra  hoc  ante  pentecostes.  Si  vero  ipsa  ab  eo 
pueros  haberet,  tmic  debet  in  ejus  voluntate  stare,  si  dictas 
700  mrc.  permittere  vult  apud  speciales  pueros  domini  Jo- 
hannis. Si  eciam  non  haberet  pueros,  nichilominus  vult 
dictis  700  mrc.  uti  et  frui  ad  tempus  vite  sue;  qua  mortua 
tunc  cadere  debent  et  mancre  dicte  700  mrc.  penes  pueros 
speciales  ejusdem  domini  Johannis. 

6. 

1402  Barnabe.  Notum  sit,  quod  Ghertrudis,  uxor  do- 
mini Johannis  Hoyer,  coram  libro  constituta  recognovit, 
sibi  bene  constare,  quod  dominus  Johannes  ex  parte  sua 
exposuit  600  mrc.  Lub.  Si  ergo  dominus  Johannes  more- 
retur, tunc  ipsa  coram  libro  isto  arbitrata  est  se  velle  pueris 
specialibus  ipsius  domini  Johannis  dictas  illas  600  mrc. 
restituere,  nam  ipsi  jus  ad  eas  habent, 

a)  dedit  Msc. 


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282 


7. 

1405  Egidii.  Dominus  Johannes  Hoyer  pro  se  et  suis 
heredibus  coram  hoc  libro  expresse  recognovit,  quod  quem 
ad  modura  ipse  et  sui  heredes,  dum  erat  civis  Hamburgen- 
sis,  fidejubendo  promiserunt  domino  Goswino  Clingenberge 
et  suis  heredibus  primo  pro  Ulis  redditibus  Septem  mrc.  Lub. 
pro  centum  et  quinque  mrc.  eorundem  denariorum  a  Mathia 
Wulfhagen  emptorum,  item  pro  illis  redditibus  viginti  mnx 
Lub.  pro  trecentis  mrc.  eorundem  denariorum  ab  eodem 
Mathia  emptorum,  prout  littere  dosuper  confecte  expresse 
dinoscuntur  continere,  sie  illam  fidejussionem  utramque  seeun- 
dum  omnium  earundem  litteranun  continentiam  debebit  et 
vult  ipse  et  sui  heredes  presentes  et  futuri  firmiter  observare. 

8. 

1419  Feria  quarta  ante  judica.  Gheseke,  uxor  domini 
Johannis  Hoyer,  recognovit,  se  et  siios  heredes  teneri  Engel- 
kino Hagelsteyne  et  suis  heredibus  in  6  mrc.  den.  Lub. 
amicabiüter  persolvendis,  et  interim,  quod  ipsa  aut  sui  here- 
des non  solverint  dietas  6  mrc,  tunc  uxor  cjusdem  Engel- 
kini  et  sui  Engelkini  heredes  debebunt  uti  sede  dicte  uxoris 
domini  Johannis  Hoyers  sita  in  ecclesia  beate  virginis;  et 
cum  eciam  solucio  dietarum  6  mrc.  fieri  disponitur,  hoc  debei 
Engelkino  et  suis  heredibus  ad  uiium  annum  ante  predici. 

Delevi  in  presencia  et  ex  jmsit  prefati  Engelkini. 


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283 


xiv.   cxix.) 

^olmnn  9(rttbc3  Scripte 

ükr  bie  Shtfualjme  Äönig  ©^rtfttonS  I.  ttott  $fincmarf 

im  Raffte  1462  unb  bc$  ^erjogs  9UI»redjt  tum  Saufen 

im   ^aljrc    1478    iw   Sftfocf. 

TOtöctlicilt  üüu  ftnton.'pagcborn. 


ÄMe  nadjfolgenben  ©eiterte  über  bie  ?lufnal)me  König  6l)rifttan£  I. 
öon  ®änemarf  im  3af)re  14t52  unb  bc$  §erjog3  3lfbred)t  tum 
©adrfen  im  Sctfyte  1-478  in  Öübecf  tjaben  einen  amtlichen  Eljarafter: 
fie  nmrbcn  t>on  beut  9tat^fetrctär  3Jietfter  Sodann  2lrnbe3,  unb 
jwar  ol)ite  .ßnmfd  im  auftrage  be$  9iatl)e$,  oerfa&t  unb  mit  5tu& 
ttatjme  ber  erften  fürjeren  Delation  über  bie  §lnmefenljeit  König 
©fyriftianä  in  ba3  jefet  fogenannte  älteftc  ©ibebud)  ber  ©tabt,  in 
ba3  rotlje  33ud),  eingetragen.  $ie  3tufjeic^nungen  ftitb  ftid)t  allein 
für  bte  Kenntnift  ber  inneren  SSerljältniffe  ber  ©tabt  öon  tjofjem 
äöertfye,  fie  nehmen  ein  allgemeines  Sntereffe  in  9lnft>rud).  ©te 
üeranjdjautidien,  um  nur  bieä  Ijeitjorjuljeben,  auf  ba3  $)eutltd)fte 
bte  $e|orgnifj,  mit  melier  eine  ©tabt  im  iüJittclaftcr  einen  fürft* 
liefen  33efud)  in  iljren  si)tauent  aufnahm,  unb  geben  ?luffcf)fu&  über 
bie  aufcerorbentlidjeu  $orfid)t£iuafcregeln,  metd)e  bon  hm  ^Bürgern 
für  notfymenbig  erachtet  mürben,  um  bie  ®efat)r,  meiere  au$  ber 
sÄnmefenljeit  cineä  jaljlreidjcn  fürfttidjen  ©efolgcS  für  bie  gmljeit 
unb  ©idjcrljeit  be3  @)emeinroefeu$  ernmd)*,  abjumeuben.  2öa3  in& 
befonbere  bm  23erid)t  über  ben  Slufent^alt  (SljrtftianS  I.  in  Sübecf 
betrifft,  fo  fäfet  berfetbe  auf  baS  ©djärffte  ba£  Süiifctrauen  l)erfcor* 
treten,  n)cld)c$  man  tyier  gegen  ben  König  fyegte.  $)afo  ber  Statt) 
e3  nid)t  magte,  in  feiner  ©efammtljeit  ber  (Sinlabung  beffelben  ju 
einem  2RaI)fe  Stolflc  ju  leiften,  geigt  jur  ©enüge,  meffen  man  fidj 
oon  tfym  berfal),  unb  mirft  ein  l)eUe$  £id;t  auf  bie  SöejieljMtgen  ber 
^onfe  ju  bem  gefürcfyteten  §errfdjer. 


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zedby  G00gk 


284 

3)ie  bciben  in  btö  (Sibebud)  aufgenommenen  33erid)te  fyrt 
6.  ©eerfe  im  l2lrd)iö  für  Staate  unb  Äirdjengefdjidjte  ber  ^erjog^ 
ttjünter  ©djleStuig,  ^olftein  unb  Saucuburg'  3,  ©.  313  ff.  mitgeteilt 
3)cr  $lbbrud  ift  nidjt  frei  öon  gestern,  unb  ift  eine  abermalige 
Veröffentlichung  ber  ^Relationen  um  fo  meljr  gerechtfertigt,  nadjbcra 
id)  im  3aljre  1881  bie  Original^anbf Triften  in  einer  Sabe,  meiere 
ber  ehemaligen  Stämmerei  gehörige  Rapiere  entlieft,  aufgefunbeit 
Ijabe.  35iefelben  befinben  fid)  jefct  im  Ijiefigen  ©taatSardjibe.  3U* 
gleid)  fam  eine  jmeitc,  bisher  nid)t  befannte  Raffung  beS  SBericbteS 
über  ben  93efud)  ft'önig  EljriftianS  in  fiübed  ju  läge.  ©£  ift  bie 
erfte  2lufjeid)nung  über  baS  ©reignift,  meiere  fpäter  burd)  eine  au* 
füf)rlid)ere  2>arftellung  erfefet  mürbe.  $)a  jene  jebod)  berfdjiebeue 
9tad)rid)ten  bietet,  tueldje  biefer  festen,  fo  ift  fie  im  ^olgenben 
unöcrfürjt  an  erfter  ©teile  jnm  Stbbrud  gebracht  morben.  2)ie 
©ebrift  nimmt  jioei  3'otiobtntter  Rapier  ein  unb  ift,  roie  fidj  mit 
©icberljeit  aus  einer  3$ergteid)ung  mit  eigenl)änbigcn  Snfcriptionen 
beS  IfiatljSfcfretärS  Sodann  9lrnbe3  in  ben  9iieberftabtbüd)ern  ergiebt, 
t>on  ber  £>anb  beffelben. 

®a{$  ber  üejjtere  and)  ber  Verfaffer  ber  ausführlicheren,  nur 
in  ber  SReinfcfyrift  öorliegenben  ©arftellung  ift,  wirb  nidjt  ju  be^toci^ 
fein  fein.  $)ie  Ueberfdjrift  beS  in  Oiollettform  aufbema^rten  Sie 
ridjteS,  meldjer  fieben  ©eiten  eines  ^JapierfyefteS  in  ^ufio  öon  tuet 
blättern  füllt,  rüfjrt  fcon  Sotjann  $trnbeS  fjer  unb  ebenfo  bie  3n 
IjaltSangabe  auf  ber  tefcten  ©eite:  'Drbinancie  unbe  fefrefinge  be* 
rabeS  to  Subefe  umme  roofoarb  berfulöen  ftab,  bo  be  bere  foning 
©riftierne  binnen  Rubele  roaS  mit  ber  foninginnen,  mit  beute  jungen 
foninge  unbe  tyx  ©erbe,  greben  to  Dlbenborglj,  anno  62;  unbe  ftept 
gerifteret  in  beute  roben  bofe.'  2)er  Semterl  über  bie  trintTacjung 
beS  93erid)teS  in  baS  rotfje  33nd)  ift  nad)träglid)  mit  jd^roärjcm 
$>inte  i)injugefügt  morben. 

3Son  bem  93erid)te  über  ben  2lufentl)alt  beS  £>ergogS  Sttbretbt 
in  iJübed  ift  und  bagegen  mieberum  baS  9lutogra#)  üon  Johann 
SlrnbeS  erhalten.  $)ie  trielfad)  corrigirte  £>anbfd)rift  bilbet  gleich» 
falls  eine  Üage  üon  öier  golioblätteru  Rapier.  Sluf  ber  legten 
Seite  finbet  fid)  bie  folgenbe  85eäeic^nung:  l$an  ber  merffdjopp 
beS  jungen  fjeren  foningeS  to  2)ennemarfen  unbe  be£  Vertagen 
bod)ter  to  9Jty§en  unbe  o!  t>an  orbinancie  ber  ftab  Rubele,  olfe  \)tt> 


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285 

toge  Sttbredjt  bau  Wt)$tn  Ijiir  roa£  unbc  l)iir  fyoff  Ijeelt  unbe 
ranbe  mtjt  bcme  fpere  boben  upp  beme  langen  fyufe;  unbc  ftet)t 
regifteret  in  bcmc  toben  bofe.' 

9iad)  ber  in  bem  Sibebucf)  enthaltenen  Stbfdjtift  ift  ber  JBericfjt 
mit  einigen  SSeränberungen  bem  SRatlje  ber  ©tabt  Süneburg  übet* 
fanbt  rootben.  3rf)  betmutfje,  bafc  e3  im  3a^te  1487  auf  Anfügen 
SünebutgS  gefdjetyen  ift,  a(3  ®önig  §an§  bon  ©änematf  bem 
tfiattje  feine  9lbftcf)t  ju  erlenncn  gegeben  ^atte,  am  8.  ©ecembet  b.  3. 
in  bet  ©tabt  eine  3ufammenfunft  mit  betriebenen  geifttietyen  unb 
welttidjen  fjütften  ju  Ratten.  SBuftte  man  aud)  in  ßünebutg  fefyt 
wof)(,  meldte  Aufnahme  bem  Könige  ju  bereiten  fei,  immerhin  mufete 
e$  bem  SRatlje  nü^tid)  bünfen,  genaue  Äuttbe  batübet  ju  empfangen, 
roetcfye  mititätifcfye  SBotfeljtungen  ßübetf  einige  Sfafjte  borfjet  bei 
einem  ätyntidjen  Stntafc  getroffen  unb  metdje  @t)ten  e3  feinen  bot* 
nehmen  ©äften  etroiefen  fjatte;  tt>enigften3  etf feinen  bie  SUtorbnun* 
gen,  mettfje  bet  Statt)  bet  ©tabt  Sünebutg  in  ^inbtid  auf  bie  betab* 
rebete,  fpätet  übrigens  tfidgängig  gemalte  unb  nietjt  gehaltene  Sag» 
faljtt  fjat  etgefyen  unb  in  bem  'Liber  inemorialis'  bon  1409 — 1602, 
81.  102  ff.,  f)at  aufjeirfjnen  taffen,  ben  bon  bem  SRatlje  bet  ©tabt 
Sübecf  im  3al)te  1478  gettoffenen  SBetfügungen  butd)au$  nad)gebif« 
bet.  ©ie  $anbfrf)tift,  ein  $eft  bon  ad)t  Sfättetn,  bon  benen  jmei 
unbefd)tieben  finb,  mit  geringen  heften  be3  auf  bem  bottefcten  Statte 
aufgebtüdten  ©ecteteS  bet  ©tabt  Sübecf,  trägt  bie  Stuf f d^rif t :  43lnno 
3)omini  1478  natibitatiä  2Katie  bitginiS  foning  $anfe3  to  ©ernte* 
matten  eetidje  btytaget  mit  fjettogen  Stuftet,  to  ©äffen  rfjutfutften 
k.,  bootet  ftorotin  ßtiftinen  to  ßopenljagen.  ©a3  SDianufftipt, 
bon  meinem  id>  eine  Slbfdjtift  £>etrn  Sßtof.  ©.  ©cfyäfet  in  %ma 
t>erbanfe,  foH  im  gotgenben  mit  Lg  bejeicfinet  roetben,  roäljtenb  idj 
bie  bem  Slbbrud  ju  ©tunbe  gelegten  Otigina(aufjeicf)nungen  L  unb 
bie  in  bem  Sibebud)  enthaltenen  9tbfcf)riften  Li  nenne. 

Stuftet  ben  amtlichen  ^Relationen  befifeen  mit  übet  bie 
in  Siebe  ftefjenben  (Steigniffe  bie  in  bet  fünften  gottfefcung 
t>on  ©etmatä  tübifdjet  ß^tonif  enthaltenen  Setitfjte,1  au3  benen 
bie  ©atfteflung  bet  fpäteten  Sfjtoniften,  namenttief)  bie  Steimat 
Äocfc,  abgeleitet  ift.     ©er  ermähnte,  bie  Safere  1458—1480  um- 


l)  ©rautoff,  fiüb.  (J^ron.  2,  S.  244,  be*.  406. 


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286 

faffenbc  $ljei(  bei*  2)etmar*Sljronif  rüljrt,  wie  fdjon  ©rautoff  au£ 
geführt  fjat,1  fcon  einem  Seitgenoff en  ^er  unj>  \ft  giemftd)  gfeidf 
geitig  mit  ben  erjagten  SBegebenljeiten  niebergefdjrieben  roorben 
Ucber  bie  fürftttdjen  SBefucfye,  roctdje  Sfibccf  in  ben  Sauren  1402 
nnb  1478  Ijatte,  geigt  fidj  ber  93erid)terftatter  genau  unterrichtet, 
©eine  ©djitberung  fyat  fogar  einzelne  Keine  3üge,  wetdje  ben  feljr 
biet  au$füf)rlid)eren  offijieflen  ^ufjeidjnungen  fehlen;  fie  befinbet 
fid)  jcbod)  nirgenb  im  SSMberfprud)  mit  ben  Sefeteren,  bietet  t»iefmebt 
in  93ejug  auf  ben  ?lu$brud  oerfdjiebene  Stnftänge  an  biefefben.  3Ran 
nrirb  fomit  ju  ber  SScrmutljung  geführt,  bafj  eben  ber  SRat^feh-etar 
3of)ann  Strubel,  beffen  £f)ätigfett  gerabe  in  bie  in  Setracfyt  fommenbc 
3eit  fällt,2  ber  SSerfaffer  berjenigen  gortfcfcung  ber  SRatlj£d)romf  ift, 
meiere  firfj  fcor  ben  übrigen  ebenfo  fetyr  burd)  ben  Üteidjtfyum  unb 
bie  3ubcr(äffigfeit  i^rer  9?ad)rid)ten,  wie  burd)  bie  JreffHdjfeit  ber 
2)arfteflung  auäjeidjnet.  Sfft  3oIjann  9Irnbe3  ber  9lutor  berfetben,  fo 
erftärt  fid)  aud)  jugteid)  bie  £f)atfad)e,  baft  bem  Sljroniften  ein  fo 
retd)e$  urfnnblid)e3  ^Material  für  feine  Arbeit  ju  ©ebote  geftanben  fyd. 
@3  ift  f)ier  nid)t  ber  Ort,  bie  aufgeworfene  i$xaQt  jum  Slu£ 
trag  ju  bringen  unb  ju  unterfudjen,  ob  jene  SSermut^ung  ridjtig 
ift.  Sine  SBaljrneljmung,  wetdje  eine  wettere  ©tüfee  für  fie  bietet, 
mag  an  biefer  ©teile  jebod)  nod)  mitgeteilt  werben.  3n  ber 
Driginatyanbfdjrift  ber  Setmar^^ronit  2,  93  t.  173  b,  ftnbet  fi* 
ju  ber  ©rgöfylung,  bafj  ber  JRatlj  ber  ©tabt  Süneburg  im  3abrc 
1467  mit  ©eneljmigung  be3  Jperj'ogS  Otto  auf  afle  in  bie  ©tabt 
geführten  SBaaren  einen  bi3  bat)in  ungebräudjtidjen  3&H  gelegt 
fjabe,  am  SRanbe  öon  3tofyann  Strubel  |>anb  bie  berief) tigenbe,  öon 
©rautoff  unberücffidjtigt  gelaffene  ©emerfung,  bafj  e3  oljne  SBiBen 
be£  $er$og§  gefdjeljen  fei,  unb  bafc  ber  Schere,  nadjbem  beSmegen 
eine   Jagfaljrt   ju   Softer  öütte   gehalten   mar,   ben   QoU  wiebet 

*)  ©rautoff,  Süb.Gfjron.  2,6.  X.  «gl.  ft.  «oppmann,  $anf.®cfö.  «l.2,e.l5H. 

')  3-  $•  warb  im  %cif)vc  1455  511m  Sefrctär  eriuäljlt,  uadjbem  er  bereit« 
Dörfer  längere  3eit  in  ber  Änn^let  tfjätig  geroefen  toar.  fjafl  alle  Eintragun- 
gen beS  9fteberftabtbudj3  bou  1447  (SmnoniS  et  3ube)  Dct.  28  bte  1455 
(cantate)  Sttat  4  finb  Don  il)m  gefdjrtebcn.  3m  ftnljre  1482  (jubtlatc)  Styri!  s& 
toar  er  nid)t  meljr  im  9lmtc:  in  ber  an  biefem  $age  im  9tiebcrftabtbudK 
gemalten  9hifeeid)nung  über  feine  $lu*einanberfetyung  mit  feinen  ©laubigem 
wirb  er  nie  'mefter  3ofyan  9lrnbe$,  Uortibc^  bc5  erfamen  rabe^  to  SJnbffr 
fecretariu^,'  be^eidjnet. 


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287 

abgeftellt  tjabt.1  ferner  f>atte  bcr  9tbf Treiber  in  ber  jum  3af)re 
1474  mitgeteilten  SWotij  über  bte  ^tnri^htttg  be3  ©trafcenräuberS 
ßuboff  Don  ©obenbief  unb  feines  Äned)te$  ^afenbafg  bte  Sßorte 
4#afenbald),  unbe  be  Ijere  f>etlj'  (851.  200  a)  meggelaffen.  ©ie  finb 
mit  rottet  Schrift  am  Staube  nadjgetragen  unb  jmar  augenfdjeinficf) 
oon  bemfetben  ©Treiber,  welcher  bie  in  bem  ©bebud)  enthaltene 
«bförift  be«  93erid)te3  über  bie  «ufnafyne  Äönig  SfjriftianS  I.  in 
ßfiberf  angefertigt  Ijat. 


I. 

De*  fcf)i<finge  unbe  orbinancie  allenen  fjtir  binnen  Subefe   gefjab,»!.  ia. 
bo  be  fyere  foning  l)iir  roa§  anno  62,  fo  Ijiir  naootget.* 

2Bittifb   jii,    batb    int   jar  imfe3  ^eren   1462   ame  aöenbe 

unfer  (eoen  broumen  amumetiacionte  SKarie2  bre  ftunbe  na  mt)b= 

bage  bo  qmam  l)itr  to  Subefe  in  be  ftab  be  irlutfjtigefte  tyocfygeborne 

forfte  unbe  l)ere,  l>ere  (Eriftierne,  ber  rufe  3)ennemarfen,  ©weben 

unbe  SRorroegen,  ber  SBenbe  unbe  ©otten  foningf,  fjertoge  to  ©lefr 

»Kl,  gretoe  to  §otften,  ©tormaren,  Dlbenborgl)  unbe  2)elmenl)orft, 

unbe   braute  mit  giif  jinen  brober,  jüngeren  ©erbe,  grefcen  to 

dbenborgfj  unbe  2)etmenI)orft,  oroume  3)orot^een,  gine  loninginnen, 

mit  erer  be^ber  olbefteu  Jone  gebornen  foninge,  unbe  qmemen   in 

fammetingen,  befdjebetfen  be  bromoe  loninginne  mit  beme  Jone  to 

wagene  öoran  unbe  be  Ijere  foning  unbe  jin  brober  jundjer  ©erb 

to  gerben  bama,  unbe  jobben  tofamenbe  mot  600  peerbe,  mol 

utgeöerbiget  mit  beerben,  fyarnfdie  unbe  mere,  fo  temetif  toa3.   Unbe 

be  rab  to  Subefe  fjabbe  beme  leeren  foninge  getet>be  togefecfyt  unbe 

mit  erer  ftab  anfyangenben  groten  fegete  öorfegetb  gegeben  mit  400 

a)  —  a)  Utodjträglid)  hinzugefügt  L. 

b)  —  b)  9&ad>trä0ltd)  am  SRanbc  hinzugefügt  $att  ber  burdjftridfjenen  SBorte 
*!£o  eneme  ejemplo  unbe  tor  bedjtniffe  tofomeuber  bage  unbe  to  tootoarb 
beffer  guben  ftab  Subefe  i$  to  tuetenbe,  bat'  L. 

h)  «SBttlif  —  mUnat  ift  burdtftrid&en  £. 


*)  3b  wafj  ane  ere*  Ijeten  mitten,  unbe  be  brodjte  ben  tollen  äff,  to  Sune 
betrafen. 

*)  SWärs  24. 


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288 

peerben,  med  gelobe  beme  Ijeren  foninge  mof  warb  geworben  unbe 
be  rab  be$  o!  mol  \oc&  totoreben,  tootool  §e  mcer  ban  400  mit 
jitf  tyabbe  boöen  imteljolbe  be$  geletybebreüeS.  Unbc  be  rab  to 
fiubefe  bebe  eme  grote  ere  an  gebende,  befdjebelfen  an  m^ne,  öiflen 
unbe  anberer  gljabe,  unbe  jineme  jone  enen  roben  tjo^fat1  t*m 
«w.  ib.  ftumele2  mit  gulbenen  blomen,  mit  märten3  geöobert.  Unbe 
befufoe  fyere  loning  mit  ber  loninginnen,  mit  beme  Jone  unbe  beme 
brobere  jüngere  (Sterbe  reben  unbe  boren  bort  na  ber  äBttenaf. 

3tem  u^pe  bat  be  rab  to  fiubefe  ben  Ijeren  loning  mit  alle 
ben  jinen  ere  getetybe  befte  bet  Ijolben  motten,  fo  fdjicfeben  je, 
eeren&  nalomelingen  to  eneme  ejemplo  unbe  tor  bed)tniffe  tofomen 
ber  tiibe  unbe  uppt  bat  beffe  gube  ftab  befte  bet  öorroaret  ble&e, 
eere  »ere  unbe  toadjt  in  nabefcre&ener  mife.a 

lo  metenbe  upp  bat  £olftenbor  troe  rablube,  namlifen  Ijcr 
\  §inrif  Dan  ©titen  unbe  l)er  fyimit  Dan  ^ad^eben.b 

Upp  bat  borgljbor  troe  rablube,  namlifen  Ijer  Sorb  Sollet 
unbe  fyer  Dlrif  6omtlie3.b 

Upp  bat  molenbor  tme  rablube,  nam(iten  Ijer  Soljan  |>frfet 
unbe  l)er  SBri&e  ©ratoerbe3.b 

Mpp  ben  molenbam  troe  olberlube  üan  ben  beeferen,  namltfes 
$an$  öuffouto  unbe  Jibefe  ©ofceman,  mit  24  becferfnedjten  to  jüt 

VLpp  ben  bum^off4  bar  roeren  20  man,  be  Ijabbe  be  rab  bar 
gemietet  Sarto  fc^irfebe  be  bummefter  noi)  10  man  t>an  bea 
murluben  unbe  tymmerluben. 

VLpp  ben  marftat  enen  rabman,  namlifen  ^er  $ermen  $itoelfe, 
mit  beme  marfd)alfe,5  barto  tme  olberlube  öan  ben  frontaleren 
öor  Ijoüeblube,  namlifen  §and  $fynt  unbe  ^tnril  2B%e,  mit  fefttä 
Inerten  utl)  ereme  amptt 

a)  —  a)  Utadjträglidj  hinzugefügt.  Anfang«  l)attc  ber  fcbfafc  folgerte 
gaffung:  'Unbe  uppe  bat  be  rab  to  ßubefe  ben  Ijeren  loning  mit  aüe  facs 
$inen  ere  geleqbe  befte  bet  Ijolben  unbe  ere  ftab  üorwaret  toeten  mochten ,  n 
fd>icfebeu  $e  ere  roere  unbe  toad&t  in  nafcreöener  toife.'  L. 

b)  JJolgt  nadjträgttdj  hinzugefügt  'unbe  barto'  L. 


l)  SRantel.  *)  @ammet.  9)  SRarberfefl. 

4)  3>er  ftäbtifdp  «auljof  liegt  feit  ber  SKitte  be«  breije^nten  Safpfptvteri* 
an  feiner  jefrigen  ©teile. 

8)  $er  2Karfd)alI  ftanb  an  ber  ©pifce  ber  reitenben  Wiener. 


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zedby  G00gk 


289 

Upt>e  bat  raMjufc  boben  ttoe  tabmanne,  namfifen  fjer  §inrif»t.2a. 
Sipperobe  unbc  Ijer  3of)an  bau  SSttfebe,  unbe  barto  ttoe  borgere, 
benebelten  $ixmt  ©remmott  unbe  greberif  8or,  bor  ljobebtube.ft 

Upp  bat  roanbljuft1  be  otbertube  ban  ben  ©ergebarern  bor 
fyobebtube  unbe  barto  Ijunbert  perfonen  ban  en  futbeS. 

Upp  be  ribenbe  loatfjt  be«  nackte«  beer  rabtube,  nantlifen  Ijer 
Slnbrea«  ©eberbe«,  fyer  JBernb  3)arfomoe,  Ijer  Subefe  33ere  unbe  I)er 
^ernten  ©unbe«be!e.ft 

VLpp  be  toatyt  to  böte  be«  nacfjteS  be  ridjtefcriber,  tme  otber* 
(ttbe  tum  ben  fmeben,  mit  namen  $inri!  ©raffe  unbe  S3ernb  ©tot* 
tingf,  mit  befftid)  Inerten  utl)  ereme  ampte. 

3n  bat  erfte  quarter  ber  Irabene,  bat  angeit  bor  beme  mofen* 
bore  unbe  feret  mebber  upp  beme  orbe  in  ber  SDtengenftrate  bii  ber 
cappellen  tegen  ben  biffljufen,2  f)er  Soljan  Qxna,  rabntan,  gfreberif 
Äortfaf,  ^ermen  $ogebobe,  $inrif  ©reberobe  unbe  93ertotb  $Idt, 
borgere,  bot  fyobebtube  unbe  barto  fyunbert  perfonen.     Unbe  legen 

a)  Öolgt  'unbe  barto'  L. 


l)  $a«  ©eruanbljau«,  bie  jefrige  93örfe. 

*)  ®«  ift  ba«  jefctge  Sftarienquartier.  $)ie  bem  3fünff>aufen  gegenüber  belegene 

ftapeüe  tft  bic  f  apeüe,  tueldje  oon  ber  93ürgerfd)aft  jur  @ü!jne  für  ba«  ben 

SJütgliebern  be«  alten  Statte«  gejdjelpne  Unrecht  nadj  üjrer  fKüdfe^r  and  bem 

(£%il  errietet  werben  mu&te  unb  tvetdje  im  Sö^re  1425  gemeint  toarb.     3>a« 

<$ebäube  ift  nod)  bortyanben.   —   lieber  bte  (Sintijeitung  ber  Stabt  in   oier 

Ouorticre  ($erbenbete)  ogl.  ben  Sluffafe  oon  Dr.  6.  SBetjrmann  in  3cttfär-  f. 

£üb.  ®efd>.  3,  ®.  601  ff.   2>te  bafelbft  ermahnte,  au«  bem  <£nbc  be«  fünfaefm« 

ten   ober  bem  anfange  be«  fedföeljnten  Safjrfmnbert«  ftammenbe  öerorbnung 

be«  SRatfje«,  toeldje  in  9iücffidjt  auf  bie  9EtIitäroerfaffung  ber  Stobt  bie  ©reu» 

3en  eine«  jcben  Ouartier«  feftftefltc  unb  jebem  einen  ©djufcpatron  unb  nad) 

bemfclben  tarnen  unb  93anner  erteilte,  Ijat,  tüte  avß  bem  öorliegenben  33c- 

richte  erbeut,  eine  bereit«  gebräuchliche  ©mtljeilung  firjrt     SBann  juerft  bie 

11  nterf Reibung  oon  bier  Cuartieren  üblich  geroorben  ift,  lägt  ftdj  nicr)t  fagen. 

3)ie  ©teuerregifter,  meiere  im  3«^re  1881  unter  Elften  ber  ehemaligen  $äm« 

merei  oufgefunben  tuorben  finb,   reiben  bi«  junt  3fo*)re   1458  prütf.     ®« 

ergiebt  fid),  bafj  bereit«  in  biefem  %af)xt  bie  ©rfyebung  ber  betreffenben  Abgabe 

nati)  Quartieren  gefdjafj.    JJür  jebe«  berfelben  warb  ein  befonbere«  S3ua^  in 

Sdjntalfolto  geführt.    vÄuf  bem  $ergameutumfd)lag  ber  ^efte  ftnben  fic^  reget* 

mäßig  bie  in  bem  oorftel)enben  33erid)te  für  bte  einjelnen  Ouartiere  nac^  i^rer 

räumlichen  iJage  getuäljlten  ^ejeic^nungen. 

3tfc^r.  b.  «.  f.  ß.  ©.  IV,  8.  19 


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290 

in  ber  ©rebcroben»fumt>enie,  be   bo   totö  in  bcn  fd^ottetboben  in 
fiambert  Dan  $ulberen  Ijufj.1 

3n  bat  anbcrc  quarter  bcr  Sxabene,  bat  angcit  boben  in  bcr 
äRengenftrate  tegeu  ber  apotefe  bü  bcmc  gutbcn  jobe  unbe  !crct 
toebber  bii    ber  borgl>,2   Ijer  Sofyan   SBrottng,   rabman,  Spermen 
Stobefer,  Jpinri!  ©onftin,  Jpinrtf  SßarenborW  nnbc  Henning  SDetfyap 
be$,  borgere,  bor  fyobebtube  unbc  barto  Ijunbert  perfouen.     Unbf 
legen  in  ber  jüngeren  fumpenie,  be  bo  ma£  in  ©ertram  Dan  9ten= 
treten  fyufe  in  ber  brebenftraten  boben  ber  beiergroben.3 
©1.2b.         3n  bat  erfte  quarter  ber  SBafeniffe,  bat  angeit  bor  beute  m* 
tenbore  unbe  feret    toebber  in  funte  SoljamtiSftraten,4   Ijer   Sltf 
©reberobe,  rabman,   3Bilt)e(m   ©toringf,   greberi!  Sßenningbuttei, 
$an£  Stufen  unbe  SJertolb   SBarmbofe,  borgere,  bor  fyobeblnte 
unbe  barto  ljunbert  perfonen.     Unbe  legen   in   Ijer   Sorb   ©rtf* 
toolbeS  Ijufe.5 

3n  bat  anbere  quarter  ber  SBafentffe,  bat  angeit  in  firatt 
3tol)anni3ftraten  unbe  feret  [mebber]*  bor  beme  borgljbore,6  bn 
$inri!  (Sbelingf,  rabman,  Rennen  3eber$ufen,  Sßeter  2)roge,  Qlarm 
Dan  halben  unbe  Sßeter  ©ornoutoe,  borgere,  bor  fyobebtube  unbc 
barto  Ijunbert  perfonen.  Unbe  legen  in  ber  foplube  fumpenie  in 
beme  gramen  ortfjufe  upp  ber  papenftraten  boben  ber  bedergro&cn 
tobeljorenbe  Jpinrife  SBerf.7 

Stern  roeren  aKe  feben  oberfjengfjet  unbe  gefloten  be§  itadjte 
betlj  an  ben  baglj  ober  alle  ftraten,  utgeföeben  be  [traten,  bar  fc 
\vad)t  ijenne  riben  moften,  befdjebelifen  langet  be  fomngftrate: 
bamme  bome  na  beme  ftingenberge  bett)  bor  bat  borgfybor  unk 
langes  be  Irabene  unbe  SBafenifje. 

a)  fje^lt  L. 

l)  Se^t  (Bc^üffelbuben  9fr.  186. 

")  <&$  ift  baS  jefctge  SRarien«9ttagbatencn*Duartter.  $ic  ftpot^efe  tffc  & 
ehemalige  SRatfjSapotyefe,  meiere  fid)  in  bem  gegenwärtig  bcr  ^ommmte 
gehörigen  §aufe  befanb.  3>cr  golbene  6ob  warb  im  3al)re  1846  nodj  ** 
SRQrien'Stirdjljofe  öerlegt. 

*)  3efet  S&reiteftrafcc  3ac.-Cl.  9fr.  783. 

4)  (£3  ift  ba$  jefetge  SoljamtiS'OunrHer. 

6)  3eftt  »reiteftraße  %of).-D,.  9fr.  943. 
•)  (£3  ift  bü«  iefefge  Sacobi-Cuarticr. 

7)  Scfet  93reiteftraßc  3ac.'0.  9h.  782. 


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291 


Stern  toeren  be$  nadjteS  in  allen  [traten  bete  groter  luvten 
mit  bernenben  (testen  utgefyanget  Dan  naberen  fyo  naberen,  umme 
to  befeenbe,  bat  M)n  aneöangf1  ojfte  fdjabe  befdjege  in  jeniger 
matlje. 


n. 

Se*  frfjicftnge   unbe  orbinancie,b  atfe  foning  ßriftierne  to  Subefe«i.  u. 
\va%  anno  it.  62.ft 

3nt  jar  1462  14  bagtye  in  be  öaften  bo  fenbe  be  Ijodjborn 
öorfte  Ärifterne,  to  ®enemarfen,  ©roeben  nnb  Stormegfyen  font)nf, 
tyerttoglje  to  ©fefemtyf,  grebc  to  §otften,  ©tormern  unb  to  Dlben* 
boref)  it.,  f^ne^  rabcä  binnen  Subefe,  bty  namen.  be  Ijere  btjffcfyop 
to  Subefe,2  Ä(atoe3  9tanffom  unb  3)etteff  öan  SBofroolbe,  fnapen, 
be  bau  öor  unffem  rabe  morgen  umme  etjn  gfyetetjbe  öor  be  opgfye* 
metben  fyeren  fontjnf,  f^ucn  foen,  be  fontjnfijne  unb  bor  junder 
©Ijerbe  öan  Dtbenbord),  fonen  brober,  mtyt  ben  eren,  bat  fe  moef)* 
kn  retten  bor  unfje  ftaet  unb  bar  benagten  unb  öort  na  ber 
SBtjtenaffe,  bar  öau  öelen  öorften  etjn  baef)  begrepen  toafe,  ben  }e 
backten  mebe  to  Ijofben  :c. 

Dp  melf  merff  unb  gfyetetybe  na  befprafe  be  raet  to  finbefe 
gfyaüen  t>or  etyn  antmorb  unb  tmtborbeben,  bat  fe  ben  ergtycnomben 
fon^nf,  f^ne  fontjngt)nne,  fynen  foen  unb  ftynen  brober  ©Ijerbe 
wölben  belegten  unb  gljetetjben3  in  ere  ftat,  bar  to  btnafyttnbt 
unb  öorb  boer  to  retjffenbe  mtjt  400  perffonen  to  perbe  unb 
nt)d)t  mer. 

Umme  melf  gfyeletybe  be  l)ocf)born  öorfte,  be  Ijere  font)nf,  tom 
anber  maetc  fenbe  in  be  ftat  ben  merbegfycn  Ijer  Sorbe,  erffebtjafen 
to  ©tefetotyf,  mt)t  ener  frebenfftje4  an   ben  rab,   baroppe  \)t  roarff 

a)  —  a)  $on  Soijann  SlrnbeS  nadjträglidj  lfinäugeffigt.    L. 

b)  JJolgt  Don  3ol)ann  SlrnbeS  über  ber  Seite  funaugefügt  'binnen  unbe 
buten  i*ubefe.'    Li. 

l)  «ngriff. 

*)  »ijdjof  Brnolb  (SBeftpfjal). 

3)  GtdjereS  ©eleit  erteilen. 

4)  SSegfaubigungäfrfjretben. 

19* 


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292 

öan  befc  fontjngf)e$  mcg^cn,  bat  tuen  enc  tootbe  tetyben  mt)t  trif*  oftc 
fofeljunbert  to  perben  ebber  barbt).  ©aro^c  be  raeb  na  befprafe 
bebe  em  tuebberfegljen,  bat  fc  ben  Ijcrn  fonrjnf,  fijn  foeti,  fan  »or* 
fttjmten  unb  junefer  ©fjerbe  tootben  letjben,  fo  öorgljefcijreüen  i£,  mt)t 
400  gerben  unb  nt)d)t  mer  unb  toern  of  ntjcljt  tuontüf,  bat  fe  enegfye 
leeren  Ijogljer  pteg^en  to  tetybenbe  zc,  tuentte  ere  Ijere,  be  SRomefdje 
fetyffer  Sarohtö,  toere  in  ertijben  binnen  Subefe  gljeroefen,  bem  je 
befc  g^eroeg^erb  Ijabben  unb  bo&en  futfft>erl)unberfte  nt)d)t  tetj&cn 
tootben,  unb  be  moften  nod)  funber  fjarnfc  in  be  ftat  rtjben;1  albus 
foa  fonben  fe  ben  Ijern  fontynf  nt>rf)t  Ijogljer  tetybe  gljetoen.  Unb 
beben  ben  erffebtyafen,  bat  !)e  bat  gljuetlifen  b\)  ft)nen  ^eren  fontjnf 
brtjngljen  motbe. 

Stent  befj  mt)ttuefen§  bor  mt)tbaften,  namelifen  op  unffer  (et>en 
Dromuen  aöent,2  qmaem   be  fontynf   totynt  to  ©truftorp3  unb  te 
Ijorbe,  um   ftyf  be  rab  unb  be  borgfycr  binnen  ber  ftat  fdjiftebcn, 
atfo  bat  fe  bocfjten  mtyt  ber  ljutpe  Dan  ©l)obe  ere  ftat  to  btm- 
reube.     3)ar  em  an  tnt)3burf)tc4  unb  borfte  ntydjt  in  be  ftat  rt>bcn, 
merb  f)e  fenbe  Dor  ftyf  in  be  ftat  an  ben  raeb  ben  fjeren   btjffdjop 
Dan  Subefe,  SenebictuS  tian  Slnebelbe  unb  2)ettef  ban  Sofrootbe, 
fnapen,  be  nu  ban  meg^en  ereft  fyeren  beft  fontyngljeS  moröen  in  ber 
atberftjmptifeften"  ttrtjfe,  um  bat  ernte  fyeren  an  unffeme  gfjef  dritte 
unb  torebeube6  mtySbucfjte  unb  bormobebe  ft)f  an   un§   jo    anbers 
nt)djt  bau  gfjub  unb  topfte  o!  \o  fo   anberä  ntjdjt  bau   gt)ut   mtjt 
ut\$;  unb  roern  b orber  beg^crenbe,  fo  atfo  \vt)  ben  gt)e(et)be*   bren 
ban  un$  gljegljeben  Ijabben,  be  inljett  mtjt  400  perben  unb   ntydt 
mer  it.,  oft  bar  nu  teeren  btjftedj  ofte  fyunbert  perbe  mer,  bat   wd 
uns   baran   nt)d)t   fielen    teten7    unb    bat  fe    a(    mebe    gljcletjbd 

a)  4en'  fügt  Li  Ijtnau. 

b)  men  Li. 


l)  «gl.  SB.  SRantet«,  tfaifer  ftart*  IV.  fcoftafler  in  Sübetf  üom  30.-3" 
October  1375  ($anf.  ®efd).  81.  3,  ©.  114,  Beiträge  gur  tfüb.<£anj.  @efd».  S.  £*4 

*)  mn  24. 

3)  ©trutfborf  in  £olftein,  2  9tt.  eon  «überf. 

*)  aRififaUeu  cm^fanb. 

5)  QÜergtimpfri^ften. 

°)  Vorbereitungen. 

7)  bafi  tvir  cd  barouf  nid|t  anfommeit  ließen. 


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293 

toeren;  bot  toere  bod)  funber  ardj,  fo  fe  bat  beöefteben  mt)t  groten 
Sorben  :c. 

Stent  barop  na  beträfe  bc  raeb  bebe  oor  et)n  anttoorb  toeb*»i.  ib. 
berfeg^cn,  bat  fc  fjabben  taten  oorflaen1  in  allen  Ijerbergljen  unb 
bebunben  alrebe  in  ber  [tat  öan  befc  Ijeren  fontyngfyeS  öolfe  bt)  ben 
300  perffonen;  albus  nmme  alleä  gruben  netten,  fo  tootben  fe  nod) 
ben  fyeren  fontjnf,  ftjnen  foen,  be  fontjnfgtjnne  unb  junefer  ©ijerbe, 
feiten  brober,  belegten  unb  in  ere  ftat  unb  barboer  gljetetjben  nttyt 
oOO  to  perbe  nttyt  ben  ingljerelenb,*  be  alrebe  in  ber  ftat  toern  :c. 
Unb  feben  t>orb,  bat  toere  toare,  bat  fe  in  ber  ftat  ere  toere  in 
fyufen  unb  op  ben  portten  mt)t  oolfe  to  fyamffdje  beftalt  jobben; 
füll  toere  ntjcfyt  gljefdfjetjn  erme  Ijeren  to  arglje,  nterb  bat  fdjeglje  ent 
to  g^ube  unb  to  groter  feferfjetjt,  toent  tot)  fyabben  enne  gljrote 
gfjemente,  bar  oete  unfturg2  in  toere,  umnte  bcc  to  fhjQenbe  toor 
be$  ttoet  unb  befjoff  unb  ben  Ijeren  fontynf  ntt)t  ben  fenen  be  bet 
to  beftfjermcnbe  unb  ftjn  gfyetetjbe  to  Ijolbenbe,  befo  fef  be  rab  öor* 
fed)t  fyabbe;  baruntnte  toere  futfe  toere  beftalt  unb  gljef giftet  :c. 

2>e3  bo  befc  fyeren  fontjngfyeS  fenbeboben  toern  tooreben,  mer 
fe  beben  ben  raeb,  bat  fe  eres  rabe3  2  perffonen  wotbe(n)d  tnebe= 
fenben  to  ©trufborpp  bt)  ben  Ijeren  fontjnf,  be  ent  of  fulfen  anfc 
toorb  fufoen  feben.     ®at  g^efefjae^  unb  toorb  fo  bullentogljen  ic. 

Stent  op  benfuloen  bad)  oan  bent  rabe  toern  gtyeüogljeb  2 
borgtycrmefter,  2  ut  bent  rabe,  beffe  öer  perfonen  Ijabben  to  fef 
ber  ftat  bener  unb  g^ene  borgfjer,  tofjope  bt)  btyftid)  perben,  be 
reben  bent  tontyngtye  enttegljen  unb  beben  ene  totyllef  onten  :c. 

Stent  barna  untntetrent  bre  uren  qtoam  be  fontynf  in  be 
ftat  ntijt  ben  ftynen  unb  fe  reben  alle  in  erme  ^arnffd^e  in  ere  l)er> 
bergtje.0  $)e  !ont)itlf  lad)  tor  Ijerberglje  in  $t)nricf)  t>an  SSeltemeS 
l)u$  bt)  bent  perbemarfete3  :c. 

Stern  be  rab  be  fcfjenfebe  bent  fontyngtje  unb  be(r)*  fontjngljtyn-- 

a)  ingereben  Li.       h)  men  Li.       c)  bat  Li.       d)  tuotbe  L. 
e)  'unbe'  fügt  Li  ijutftu.         f)  4be'  fügt  Li  lu'nau.         g)  be  L. 


l)  übcrfdjtagen. 
*)  Ungcftüm. 

3)  3c^t  ^ferbemarft  9lr.  958—961.   Wuf  bem  GJrtmbftütfe,  roeldjeS  $u  ber 
Qeit  ben  Konten  'tom  tornet)'  führte,  tag  eljemate  boö  $>eiligen»©cift'#o|>ital. 


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294 

nett  enen  tauen  trotte  tebenbegljer  öt)ffd)e.    ©c  brockte  em  txm  befc 
rabefc  toegben  ber  ftat  ötjfd)mefter. 

Stern  nod)  fenbe  bc  rab  bem  font)ngt)e  e^n  Ijatff  bober1  totjnS 
unb  ber  font)ntgl)t)ttnen  ot  et>n  Ijatff  bober  roijnS.  2)at  brockte  en 
befj  rabeS  f^enfe  *c. 

Stern  nod|  fenbe  be  raeb  bem  jungten  fontyngfje,  fon  namc  t* 
(Sof}an),ft  enen  Ijotyfen  öon  toben  frtymefon*  fturoef  mt)t  martten 
gtyeboberb,  barto  bem  fontynglje  unb  ber  fontjngljtymten  6  berffdje 
taffe.    2)t)t  brogljen  bebt  fcfyafferS,  be  fjuff  tuter3  unb  be  marfoog^et.4 

Stern  junder  Sterbe  fenben  }e  2  ftobefen  matmeftjer5  unb 
6  lounen  mt)tt3. 
»i.2a.  Stern  atfo  be  f)ere  contjntf  umme  bat  gljetetjbe  tyabbe  loeroen 
taten,  jo  tet)b  be  raeb  ere  borgljere  borboben  oppe  bat  ratfyuij, 
barto  be  otberlube  ban  ben  groteften  amtten,  unb  graben  en  to 
tennenbe,  nm  bat  Je  ben  l>eren  lontjnf  fyabben  gljetetjbet  unb  umb 
bat  borljanbett  toafe,  fo  borgfyefdjreben  i§  :c.  Unb  roern  ban  en 
begtjerenbe,  bat  etjn  jutoetif  fjabbe  in  fyme  t)ufe  enen  merafftigljen 
man  unb  toe  mer  ljabbe,  bat  be  o!  berbid}  toeren  bt)  nadjte,  btj 
baglje,  man  men  en  tofebe;  unb  bat  eljn  jutoelif  bleue  in  ferne  fyufc 
unb  teten  be  broutoen  tor  ferfen  gfyaen;c  bat  of  etyn  jumetif  roere 
Ijobefdj  unb  tudjtid)  unb  fturbe  ben  ftjnen,  bat  fe  g§et>n  unftur 
breben,  bar  borbretyt  äff  fomen  modjte  *c.  ©e  graben  en  o!  to 
borftanbe,  bat  fe  bauten  bem  fyeren  fontjnglje  enjegljen  to  rgben, 
fo  roontif  toere,  bat  bar  anberS  nement  mebe  ut  ber  ftat  rebe  nodj 
utgtjengljc,  bau  be  barto  gljebogf)et  mern,  bat  etyn  jumeltf  to 
Ijufe  btebe  zc.  %)at  be  borgljere  fo  gljuettif  to  fof  nemen  unb  mol- 
ben  bem  fo  gtyerne  boen  :c. 

9ht  i3  to  roetenbe,  toat  borfomttycfjegt6  bat,  be  raeb  mt)t  cren 
borgljeren  Ijabben,  barmebe  fe  ere  ftat  brebefaem  bonoarben  na 
bem,  bat  fo  bete  tube  in  erme  Ijarnffdje  in  ere  ftat  qtoemen,  bat  fe 
topften,  begaben  bat  fe  ntjcljt  ene  totjfien,  fo  bat  loot  mogljettt 
Ijabbe  gtjetoefen,  nmre  barto  ntjdjt  gfjebodjt. 

a)  3n  L  ift  für  btc  foätcre  Eintragung  be$  Wamcnä  SRaum  gelaffen. 

b)  fteljlt  Li.  c)  'usibe*  fügt  Li  Ijtn$u. 


l)  1  giiber:    6  Dfjm. 

*)  larmoifin.        ■)  9totl$au$tt>ärter.        4)  3Bar!tbogt.        ■)  SRalbaftcr. 

°)  Sfürforgc. 


Digiti 


zedby  G00gk 


295 

Sn  bat  erfte  wem  gtyeöogfyet  op  bat  $olfienboer ,  op  bat 
molenbor  unb  op  bat  bordjboer  to  juwetifer  ftebc  2  perfonen  ut 
bem  rabe,  barto  cre  fuedjte  unb  8  oft  10  man  werafftidj.  $)e 
Ijeren  unb  erc  bener  Meöen  op  ben  portten  bad)  unb  nad)t,  fo 
langte  alfo  be  fyere  be  fon^nf  l$r  inqwaem  unb  in  ber  [tat  mafc 
unb  webber  utgJjereben'  roafj.  Unb  bewtjtt  bat  IjoöeboK  to  bem 
£>otftenbor  inqwam,  fo  mern  bat  moten*  unb  bordfbor  unb  alle 
anber  Rotten1  g^efloten  mtynt  fo  langte,  bat  etyn  juwelif  fof  in 
ftjnc  fjerbergtye  Ijabbe  g^ebe^ft  unb  utgljebaen. 

Stern  alle  f<$otyortten  meren  toöoroe  üorfeljn  unb  t»erbic^ 
gljemafet,  unb  op  be  torne  meren  buffen  unb  anber  were  g^ebro^t  k. 

Stern  be  flöte  bor  allen  portten  roorben  öoranbert  unb  umme* 
gl)etad}t,  unb  bemalt  be  longnl  in  ber  [tat  majs,  toern  alle  be 
flotele  öan  ben  flenen  portteua  bty  bem  otbeften  borgljermefter,  betyt 
morb  fyetylt,  unb  barna  eneme  juwelif  en  webbergljebaen,  be  fe  to« 
öorne  jobben. 

Stern  bat  fyujferboer  mafe  at  be  ttjt  ober  unber  bem  nt)en 
torne  gljefloten,  unb  op  ben  n^en  torn  wem  gefettet  6  man,  be 
ene  warben.  S)e  mote  worb  of  öorroarb,  bat  men  bar  nemanbe 
bejj  nacktes  mochte  bortaten. 

Stern  be  #jng!)e(en,2  nametyfen  bor  bem  ^olftenbore,  ftont 
l1/*  bad)  bor  ber  tt)t,  er  be  fontynf  qmam,  ftebeS  gtyefloten  mtyt 
ben  Kenen  portten,  unb  man  bar  we  ut  unb  in  wölbe,  tet)t  men  boer 
rtyben  unb  men  naem  in  gljeförrifte,  n>u  bete  befi  font>ngl>e£  botfeS 
l)t}r  inqwam  unb  war  fe  to  fyufe  togfyen  :c. 

Stern  noef)  tvafy  t>an  bem  rabe  gljeorbenerb  unb  gfyebogtyet  in©t. 
juwelif  berbepart  ban  ber  ftat  bor  tjobetlube  et)n  ut  bem  rabe  unb 
4  begfjelife  borgtyer,  bat  wem  20  perffonen,  be  worben  ben  gljeme; 
nen  borgtyeren  gtyenomet  op  bem  rabfyujj,  bo  fe  borfammelt  mern 
:c.  Unb  men  febe  en  barbtj,  werb  fafe  bat  entyd)  oplop  ebber 
gljerucfjte  worbe,  bat  ban  et)n  juwelif  folbe  tt)ben3  in  ftjn  qwartter, 
bar  be  fjobetlube  mtyt  ber  were  tofamene  wem  :c. 
a)  Li  toieber^olt  'meren.' 

l)  (5$  fiitb  bieö  namentlich  bie  saljtrcidjen  „flehten  Pforten/'  weldje  einen 
3)urc^öong  burdj  bie  fjofje  unb  mit  Dielen  Stürmen  befefcte  Sttauer  gewährten, 
meiere  auf  ber  Qnnenfeite  bon  $rabe  unb  Söacfnifc  bie  Stabt  umgab. 

*)  $ie  ginget  finb  bie  bor  ben  Sljorjhringern  belegenen  $fal)ttt>erfe. 

8)  eilen. 


Digiti 


zedby  G00gk 


296 

StlbuS  fo  mern  be  tyoöettube  ut  bcm  erften  qmartter  ber  %w 
öenftbeu  in  bcn  fdjottctboben  in  SambertteS  fyufe  öan  ^ulbern, 
bat  mafe  bo  cne  fumpentje,  unb  Ijabben  bar  to  jt)f  »an  ben  borgten 
unb  ber  borgljer  friedete  Ijunbert  man  to  tyarnffdje. 

Stern  ut  bem  anberen  Derbenbel  bty  ber  Sraöene  be  ^oöettubc 
baraff  roern  to^o^c  in  ber  brebenftrate  boöen  ber  becfergroren 
in  SBerttraem  Dan  SRentteten  fjuffe,  unb  mafc  bo  ber  junefem  hira- 
ptnt)t,  unb  Ijabben  to  fyf  ut  ernte  qtoartter  etyn  ljunbert  man 
to  fyarnfdje. 

Stern  ut  beut  anberen  qmartter  btj  ber  SBafentjffe  be  Ijo&etlube 
tnt)t  fymbert  man  to  Ijarnfc  ut  bemfuben  qtoartter  roeren  tet 
famene  in  $t)nx\t  ®erte§  fjufc  botoeu  ber  beifergrotoen  op  ber  papm 
ftraten  orbe,  unb  mafc  bo  ber  foplube  fumpentye. 

Stern  ut  bem  erften  qmartter  bt)  ber  2Bafent)fje  be  tjoöetlube 
toern  tofamenbe  mt)t  ljunbert  man  to  fyarnfdje  vp  bem  oober 
martete1  in  fjer  $orb  33rcfemolbe3  Ijufe,  bat  ftonb  rooefte. 

Stern  be  olberlube  \>an  ben  Sergtjeroaw  roern  gfyeoogfyet  op  bat 
roantfyufj  unb  fyabben  bar  to  ft)t  bt)  ben  200  man  to  Ijarnffäe 
toan  eren  fcolfc. 

Stein  botoen  op  bat  rabljufe  toeru  gljeoogfyet  2  perfonen  ut  bem 
rabe  unb  tme  borgfycre;  be  Ijabben  to  ft)f  bty  30  man  t>an  bcn 
©ergljertmrn. 

Stein  op  ber  Ijern  marftal  nmft  gfjefcogfyet  öan  bem  rabe  etm 
Dan  ben  ftafljern,  be  marfjc^at!  unb  barto  btjftid)  man  ut  bot 
fdjomaferamttc  mtyt  troen  ban  eren  olberluben. 

Stein  op  bem  molenbam  mafc  gfyeöogfyet  ber  fyeren  fmjffenmeftcr- 
mgt  5  oft  (>  man  to  ft)f  op  ben  bubbentorn,3  bar  to  ben*  gbt 
ftmbe,  bat  op  bem  bamme  toafc,  meren  uoef)  gljebogl)ct  2  olberlube 
Dan  ben  befferS  mt)t  25  man. 

a)  bat  Li. 


l)  gnttermarft  Ijiefc  bamais  ber  [übliche,  atmfdjen  bem  Äo^Imarft  unb  her 
$üjftra&c  belegene  Xfjcil  ber  93reitcnftraf$e. 

*)  Eootämeiftcr. 

8)  (£$  ift  ber  jefct  als  Cfafematte  in  ber  ftatferbaftion  liegenbe  &atfcrt&uim 
melier  jnm  *©d]u)j  be$  ehemals  über  ben  ölten  9Rüf)(enbamm  fiifyrenten  iäiv 
ticken  Einganges  ber  ©tabt  erbaut  tuar. 


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zedby  G00gk 


297 

Stern  op  bem  buljoöe  maf$  gljeüogfjet  bc  bumefter,  bc  fjabbe 
to  ftjf  öon  ben  ttymertuben  unb  Dan  ben  murluben  30  man. 

Stent  be  bregljer  olbertube  mern  tofamenbe  mtyt  fjunbert  man 
üan  ben  bregfyerS  neben  in  ber  beffergro&en  in  etjn  ber  bregfjer* 
ntefter  fyuft.    ©e  rab  be  tenbe  en  gtetoien1  unb  potejfen.2 

Stern  be  tenoraferS  wem  op  bem  terljoöe3  unb  Ijabben  to  ft)f 
30  man  »an  ben  bregfjercn,  be  ben  terfjoff  unb  be  bellertn^4 
mafeben. 

Stern  be  merfmefterS  öan  ben  gt)obe3t)ufen  fyabben  ere  fantoore(r)a  »t.  3a. 
unb  anber  orome  tube  op  ben  tegetljoben5  mt)t  alle   ben,   be   en 
Plegien  to  arbetjbenbe,  bat  fe  be  t)ODe  unb  be  fdjunen  bormarben  *c. 

Stent  fo  roafc  jumetifer  famettyngfjc  eren  Ijoüettubcn  tmn  bem 
rabe  beoofen,  bat  etjn  jumetif  fotbe  bitten,  bar  fye  gljefcfyiffet  mafc 
nacfjt  unb  baef)  alle  be  mtyle,  bat  be  (jere  fontjnf  inqmam  unb  in 
ber  ftat  nmjj,  mtynt  bat  !je  toebber  ut  ber  ftat  mere  gljereben  :c;  at 
roorbc  bar  oppetoep  tmn  branbe,  nodjtant6  fotbe  e^n  jumetif  blt)* 
Den,  bar  Ije  gfyefdjiffet  mafe. 

Unb  beft  maft  in  ben  t)ufen  unb  op  bem  toantfytfe,  bat  fe  to* 
tjope  mern,  beftatt  ourijngfje  unb  ber;  befe  g^aff  men  en  na  mate 
gtjenod).    Qai  betatbe  be  ftat. 

Stern  oppe  bem  roantfyuje,  op  bem  marftat  unb  to  anberen 
enben  barg  beljoff  roafc  meren  buffen  gljetecf)t  op  faren  unb  in 
anber  mtjfe. 

Stern  be  merfmefterS  Dan  ben  gt)obe3ljuferen  ma|  benoten,  bat 
fe  folben  b(t|öen  op  ben  merffjufern  unb  beftellen  ere  torne  mt)t 
machte  unb  taten  nemeube  be  Hoffen  ftaen;  utgfjeuomen  bem  merk 
mefter  to  unffer  le&en  oroumen  maft  be&ofen,  merft  beljoff,  mu  men 
be  ftoffen  ftaen  fotbe,  fo  nagfyefdjreoen  i§,  unb  anberä  nt)rf)t  it. 

Stern  be  fcfi^ltmac^t  toafe  beooten  to  rtjben  tmen  perffonen  ut 

a)  fantöore  L. 


')  Sanken.  *)  @treitäjte. 

*)  $>er  Sljeertjof  lag  auf  bem  redjten  Ufer  ber  Xrabe  in  ber  $äf>e  beS 
jefcigen  ©äumerljaufeS. 

4)  2)er  mittlere  £tjetl  ber  üaftabie. 

*)  $>ie  Biegel^dfe  ber  Ätrdjen  lagen  auf  bem  linfen  Ufer  ber  Xrabc 
beim  ©infiebel. 

a)  bennodj. 


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1 1  Cinnglr 


298 

bem  rabe  be  ene  nad)t  unb  tmen  anbem  ut  bcm  rabc  be  anbem 
nadjt;  bc  tjabben  to  fijf  bcr  ftat  fyobetman,  Ijer  $laroenbortf>  SBueffdjen, 
mtyt  allen  ber  ftat  rijbenbe  Inerten,  barto  be  fnofentjaumer  unb  be 
perbefoper,  fo  bat  fe  Ijabben  toljope  6t)  ben  80  oft  90  gerben. 
£effe  beftatben  oppe  allen  legieren ,  bar  be  raeb  botf  tobope 
beftatt  fyabbe,  be  loeffe  unb  ben  anrop  unb  fe  reben  alle  be  nafytt 
ut  ban  befc  abenbeS  to  negljen  uren  an  mijnt  be§  morgt>en3,  bat  et 
fd)o*n  bad)  maft,  alfo  binnen  ber  ftat  umme  bor  alle  portten 
tangljeft  be  Srabene  unb  tangljeft  be  3Bafent)ffe  unb  befagljen,  bat 
alle  portten  gl>efloten  roeru,  unb  borb  mtybben  tangt)eft  be  ftat,  alfo 
tan!  be  brebenftraten  unb  tauf  be  fomjnfftraten.  Unb  in  allen 
anberen  enben  ber  ftat  mern  oppe  alten  orben  be  tebene  ober  to- 
ted)t  unb  gtjeftoten.  5)ar  bebe  be  bmoemefter  at  (be)ft  flote  to  unb 
bar  roort  ban  ber  ftat  beneren  mtyt  beut  bumemefter  togljebogljet, 
be  bat  beftatben  unb  befagfyen,  bat  bem  f  o  fcfjad),  fo  borgfyefdjreben  i3.  2c. 

3tem  biffen  Ijobetluben  ut  bem  rabe  mafc  bebolen,  oft  entjd> 
oploep  tmebrac&t  ebber  ungfyetnffe  untftoube,  bat  ford)botbid>  unb 
anjftefif  mare,  ban  fotbe  etyn  Dan  ben  tmen  befe  rabeS  fumpan  ebber 
fe  bebe  rtyben  an  ben  merfmefter  to  unffer  leben  broumen  unb  cm 
futben  fegten:  ftaet  be  ff  offen.  SBelf  ban  fo  beftatt  toajj,  bat  bc 
merfmefter  fotbe  opftuten  be  ferfen  unb  uuber  bem  torne  tuben  eqn 
ftet)n  ftodefffen,  bat  men  nomet  be  tefen-floffe,  unb  man  bat  bc 
merfjterS  oppe  bem  torne  Sorben,  fotben  fe  barfutbeft  bc  ftoften 
ftaen;  unb  anberS  ni)d)t  bar  noef)  to  gljenen  anberen  fteben. 
»i.3b.  Stern  be  fd}t)ltma(f)t  to  böte  to  glaube,  fo  bat  gfycroontfif  is, 
mafc  gittertet  atfo:  int  erfte  g^uf  be  rtycfjtefcfyrijber  futben  mebe, 
barto  mern  ban  ben  fmeben  gljebogfyet  2  bau  ereu  ofbertuben  m# 
t)t)fttd)  man  ban  creme  amttc  to  fyamffcfje,  be  gt)^ng^cn  mebe  bc 
nad)t  ober,  bemtjlt  be  Ijere  fontynf  I)t)r  mafj  :c. 

Stein  nod)  mafc  beftalt  oppe  allen  orben  in  ber  ftat  unb  in 
taugten  ftraten  mtjbben  in  ber  ftraten  na  bat  befc  befyoff  map,  bat 
jumetif  borgfjer  utljenf  ene  tudjte,  be  branbe  at  be  nadjt.  Unb  alle, 
be  in  bem  rabe  mem,  beben  berg^etifen  :c. 

Stent  nod)  roafc  beftatt  op  alten  tantmeren,  bat  oppe  ju©6 
tifen  torne  toafc  to  bem,  be  baroppe  monen,  6  meraffttjglje  man; 

a)  geljü  L. 


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zedby  G00gk 


299 

am  to  ©luffop,1  bar  moften  be  bar  roonen  mtjt  beut  Ijo&etman 
oppc  beut  bome  be  fetjngfyelen  unb  ben  torm  fyetyen  machten. 

Stent  norf)  toafe  be  grote  otote  oppe  bcr  üere  toan  ber  f)ant  bt) 
Sfertyelftorpe  gl)eled)t  unb  gljejlotcn2  fo  langte,  bat  be  ^erfd^o^ 
boer  gljetogfjen  roern. 

Stern  be  mtympet  oft  be  banner  be  mafc  bt)  bem  olbeften 
borgl)ermefter.a 

($eb  orbinancie  unb  frfjicfiuge,  a(jc  be  fjerc  toning!  mebber  med)  reeb).b 

Stent  alfo   be  fjere  fontjttl  ut  unffer  ftat  na  ber  3Bt)(3naRe  *<•  **• 
ret)t,  bo  reben  2  borgljcrmefter  unb  2  ut  bem  rabe   tntyt   bcr  ftat 
fued)tett  mtjt  em  borber  meglje3  mijnt  an  be  tatttmere  it. 

Stern  bo  l)e  mebber  Dan  bcr  2öi)l$naf!e  qmaem,  befutoen  oor* 
gtyeuomebcu  ut  beut  rabe  mtjt  bm  benern  unimetrent  mtjt  70  per* 
ben  reben  em  enjegfjen  unb  untfengfjett  cne  g^uetlüen. 

Stent  beffeäfufocu  a&enbeS  fenbe  be  raeb  beut  fontjngfje  unb 
bcr  fontjnhjnnett  2  üate  ©tjnbefeä  bcr$  unb  6  tunne  £>omborgl)er 
ber£,  cnen  tanen  out  leöcnbigljer  trtjffcljc,  barto  tme  fdjone  ftoer, 
be  ftonben  mtjt  t>orc:j  10  mfi  2  jS  Üttb. 

Stent  bep  anberen  bagtjcS  fyabbe  be  fouljnf  ben  raet  to  gljafte, 
nier  bat  \va$  fo  gfjebogljet,  bat  mt)t  em  cten  ntjcfyt  mer  ban  4  bor= 
gljermefter  unb  4  ut  beut  rabe;  be  anberen  fonben  ntjcfjt  fönten. 
SDat  fcfjad)  altu^nend4  unb  itt>cf^t  funber  fafe,  ctt  morb  gfjuetlifett 
gljebaen  :c. 

Stent  in  beji  font)ttgt)e3  tjerbcrglje  fyabbe  be  raet  tme  fjuSbener 
gfyefrfjtffet,  be  ftonben  in  ber  bore,  be  merben  unb  Ijolben  bat  lofc 
gfyeboefte5  butett  bem  tjtife,  beft  bar  öcle  qmam  unb  unftur  bre&en  :c. 

Stent  alfo  be  Ijerc  foutjn!  t>au  l)t)r  ut  ber  ftat  na  bem  lattbe 
to  «§otfteu  ret)b,  bo  rei)b  uetnent  mtjt  em  ut  beut  rabe  öorber  megl)e3  :c. 


h)  4$co  gratttrö'  fügte  bcr  Sdjrcibcr  üon  L\  tyxx^xx. 

b)  —  b)  3n  Li  öon  3o()onn  Wntbeä  hinzugefügt,  feljlt  L. 

l)  edjlutuj),  1  m.  uon  fiübeef. 

*)  $ie  gäfjre  tft  bic  $errcitfäl)re  (@Jobeman£l)ii3).  2>cr  gätyrpratjm  warb 
bie  Sraöc  aufwärts  nadj  3Jrael3borf,  7*  5tt  t?ou  üübeef,  ßebradjt  unb  bort 
angejdiloffen. 

3)  gu^rlo^n.  *)  abfic^tüd^.  5)  Qfefinbet. 


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zedby  G00gk 


300 

III. 

(^e*  orbinancie  mibe  fcfjicfinge  bcr  roerfrf)opp  be3  jungen  foninge* 
unbc  Ijertogen  Sltbrcdjte^  fyertogen  Dan  Soften  :c.,  bo  fye  to 
iJubefe  toa$.)ft 

»i.  ia.  SEBitlif  jü  atfctoeme,  bot  na  ber  borb  Erifti  unfeä  leeren  bufent 
fcerfjunbert  jar  barna  in  beme  adjte  unbe  fobeutigeften  ummetrent 
uufer  (eben  Droumen  bagc  natioitatte1  toeren  to  Äopenfyaüene  to 
beme  Ijaüe  bcr  bittgginge  be$  jungen  t)eren  foninge§  3oljan3,  be 
freef)  to  eneme  eelilen  gentale  juuefroutoen  Äatfyertnen,  etife  bodjter 
be£  irludjtigen  l)odjgebornen  furften  unbe  Ijeren,  fyeren  @rnfte£  Iur= 
furften,  Ijertogen  to  ©afjen,  marggraoen  to  SJtyfccn  unbe  tanbgraoen 
in  Soriugen  :c.,  unbe  to  fulfcmeb  fjabe  roeren  beffe  nofereoenen 
fyereu,  befcfjebelfen  be  Wuchtige  fyodjgeborne  furfte  unbe  Ijere,  fyere 
Sllbrerfjt,  be3  erferefcen  Ijeren  @rnfte3  brober,  fyertoge  to  ©äffen, 
fyere  SKangnuS,  fyertoge  to  üftefetenborgl)  :c,  fjere  3ot)anne£,  cr$e= 
bifföopp  to  Sunben,  Ijeren  £i)(ec  to  9Jier§borg^,  3of)anne3  to 
Strafen,  2llbertu3  to  Subefe,  0(abu3  to  Siojdjübe  unbe  ÄarotuS  to 
Cbenje,  biffcfjoWe,  Sßittjelm  to  §enuenberge,  $inrif  to  ©talberge, 
©unttjer  to  ©roarfeborgl),  SBotterb  to  SKanS&clbe,  Srnft  to  ©tiefen 
unbe  SHff  to  Dlbenborglj,  greben,2  £inrif  oan  ^latoen,  (Srnft  oan 
©cfjonenberge,  |wn3  ban  SBerfinge,  bannertjereu,  $a3per  ban  9?tj£JIeoe, 
$inrif  üan  SBela,  Söobe  üan  Slbetffen,  $tnrif  bau  SDienfebel/1  $a\\* 
ban  Styngttrifd),0  $inrif  Dan  SWcnben/  ©ofce  ban  2Jienben,  $>iberif 
ban  <£>enfdje,  Dtte  bau  ^enfrfie,  ,§inrif  bäumte  Sßfoci),  Liberi!  oan 
©terefc,  93altf)a3ar  ©renfingf,  $an$  Dan  Sttolfee,  |>an$  ban  ©d)oncn= 
bergt),  Ijabemefter,  unbe  ©iberif  bau  ©tyn&c,  3)ubefrf)e  ribbere. 

a)  —  a)  fteljlt  L. 

b)  bemefulüen  Li  Lg. 

c)  4üon  Irote'  fügt  Lg  tnnflii. 

d)  3"  Lg  urfprünglid)  49Wcnfcbel,'  bod)  ift  ba$  3Ä.  meljrfad)  burdjftrtdjen 

e)  Wm  SHanbe  'fflKndnnfc'  Lg. 

f)  Lg  üerbeffert  4@nben.' 

l)  (Sept.  8. 

*)  $cr  $raf  t>on  ftolrnftcin,  tueldjer  fid)  gleichfalls  im  befolge  bcr  'igrin- 
jeffin  ßfjrtfttnc  befanb,  mar  in  SRoftodf,  Wo  pd)  bie  fürfttidje  Braut  mit  iftm 
Begleitung  nac^  ^änemorf  cingcfcfjifft  fyatte,  (t)gf.  ^.  Schäfer,  .'paiifereccffe  pob 
1477—1530, 1,  Nt.  US  u.  149),  er!ran!t  unb  bort  aurüdfgebtieben  (ebb.  1,  Ar.  155). 


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zedby  G00gk 


301  _ 

Stern  atfe  bat  frouroelin  to  Äopenljaben  inbaren  fdjolbe,1  bo 
ranbe  fjertoge  Sllbrecfjt  mn  ©afjcn  fuloen  f c^arp^ 2  bor  beme  n>a= 
gene  unbe  barto  nod)  4  par. 

Stern  fjabbe  bc  brub  tme  gutbene  magene,  bc  roeren  ganfc 
foftetif  utgcrirfjtct  unbe  Ijabben  gefoftct  allenen  to  borgulbenbe 
1500  SRtnfdje  gutbene,  unbe  raor  je  in  be  ftebe  bor,  bar  gingen 
8  ribbere  bii  beme  magene  unbe  7  tetbere3  bor.  ber  brub  in  be 
rege,  alle  mit  borgutbeme  n>ateft  rool  gefeiret.4 

3km  bat  froumelin  brachte  mit  jiif  troe  grebinnen  ban  ©ticken  »f.  ib. 
unbe  30  brouroen  unbe  juncfroumen,  alte  mot  gefmudet  mtjt  fmijbe, 
jamitten  fieberen  unbe  anberen  jiiben  manbe. 

Stern  bat  froumelin  tyabbe  ane  be3  erften  bageS  een  foftel 
gulben  ftucfe,  be3  anberen  bage3  enen  rof  unbe  enenb  borftbof  bor 
be  borft,  alle  betjbe  mit  parten  unbe  ebbelen  ftenen  geftirfet.  ®e 
ro!  \vaä  ganfc  foftclif  unbe  ftepebc  molc  6  eten  acf)terna  uppi  ber 
eerben  unbe  ma£  een  rob  gutben  ftutfe  brofaet. 

Stern  be£  brubben  bageS  na  ber  l&itigginge5  ranbe  Ijertoge 
9Ubert  fulff  fofte  par  graben  unbe  bannerfyeren  utf)  Söhnen  fd)arpp. 

Stern  bofutbeS  raube  Ijertoge  äftangnuS  to  SJiefelnborglj  unbe 
grebc  öotrab  t>an  üDianftbelbe  fcfyarpp  unbe  Ijertoge  2ßangnu3  be  Del. 

Stern  be$  negeften  bage3  bama6  rauben  o!  fetjarpp  be  junge 

a)  roabe  Lg.  b)  ge!)lt  Lg.  c)  4bt)'  fügt  Lg  Ijm$u. 


l)  $ic  ^rin^effiit  (Jljriftine  traf  am  5.  Sept.  in  Äopentyagen  ein.  Wn  ben 
brei  folgenben  lagen  fanben  bie  s#ermäf)lung3fcterlid)feiten  ftatt,  atöbann 
mürben  furniere  gehalten.  $ic  9iadjrid)icn  ber  öorliegenben  ^Relation  über 
ben  einjug  ber  $raut  nnb  über  bic  am  bänifcr)cn  §ofe  öeranftalteten  ritter« 
liefen  Spiele  berufen  oljne  Bwetfcl  auf  ben  SDtfttijeilungen,  tueldje  ber  Bürger» 
metfter  öubefe  t>on  Saunen,  ber  SRatfySIjerr  93runo  93ru3fott>  unb  ber  Sefretär 
3of>ann  33crfenbrugge  ftotyann  StrnbeS  gemacht  ijaben.  $)ie  benannten,  roctdje 
ftdj  tu  ber  Seit  in  Angelegenheiten  beS  ÄontorS  $u  SBergcn  jufammen  mit 
SHat!)<*fenbeboten  toon  Hamburg,  SRoftotf  unb  SBiämar  in  tfopenfjagen  befanben, 
nahmen  auf  ©inlabung  ftönig  (£fjriftian3  an  ben  £od)5eit3feierltd)feiten  tljeil. 
(Steifer,  $M.  1,  ftr.  152  §§  1-8.) 

*)  'Sdjarpp:  mit  fdjarpen  gierten'  im  ®egenfafe  ju  ben  'froneten  fperen,' 
ben  mit  einer  tleinen  Ärone  ober  ftnopf  Derjeljenen  frumpfen  ßanjen. 

3)  3elter. 

4)  mit  golbbur^tmrften  Werfen  gefc^müdt. 

5)  Sept.  9.  6)  Sept.  10. 


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302 

tjere  foning  mit  bcmc  öorbenomeben11  fyeren  SBotrob  öon  Sföanjjoelb 
unbc  bteöen  be^bc  befitten.b 

Stern  befful&ett  bageä  xanben  8  pax  äJtyfcener,  unbe  bar  nmfe 
ntymanb  mebe,  ban  Ijertogc  Albert  üorfcreöen,  greöcn  unbc  bannen 
fyeren;  unbc  Ijcrtoge  Sttbert  ftaf  tcgcn  je  alle  unbc  öct  ttotje  mibe 
fta!  4  mebber  äff.    2)arna  rauben  alle  bage  4  offte  triff  pax. 

3tem  atfc  be  erfcreöcn  tyoff  unbe  toerfcfioW)  ma$  gefyotben, 
retyfebe  be  crfcret>en  l>crcc  Ijertoge  9llberb  to  2Rtjfeen  mit  ben  erbe- 
nomeben  Ijeren,  banner^ereu,  ribberen,  fnapen,  gretrimten,  froutoen 
unbe  junefroutuen  na  ^orfeore/1  barafcer  in  Sutlanbe  na  bentc 
Ijertogeriife  ©lefririif  unbe  lanbe  to  £>olften  unbc  f o  öort  na  ßubefc 1 

Stern  alfe  l)c  roaS  getomen  to  QtQtbcxQt,  fanbc  bc  Ijcrtoge 
cnen  jiner  fecretarien  tonte  rabe  to  fiubefe,  begerenbe  ferifftlif  unbc 
borfegetb  (gctegbc)e  t>or  jiif,  be  sine  unbe  alle,  be  ty  mebebringenbc 
mürbe,  na  innef)olbe  cne3  concepteS,  bat  be  fecretariuS  öan  bcmc 
Ijeren  Ijertogen  mebebradjte,  innc^olbenbe  unber  anberen,  offt  bc  jine 
n>c3  m^beben,  bat  Ije  fuben  baroüer  richten  mochte  unbe  niAt 
be  rab  to  fiubefe. 
»i.2a.  Stern  ante  manbage  bor  ber  eben  bufent  juncfrouiüen  bage* 
qmam  be  Ijertoge  mit  ginen  uorbenomeben  leeren  unbe  brouioen,  mit 
gret)enf  gretnnnen,  bannerljeren,  t>rouroen,  junefroumen  unbe*  ribberen 
unbe  fnapen  fcorbenomet  mit  beten  magenen  unbc  peerben  unbc  mit 
öelen    unbe    mcnnigcrletje    (o^geflagenen    banneren   im   merffifemf 

a)  öorberorben  Lg.  h)  fittenbe  Lg.  c)  Sfefjlt  Lg. 

(1)  Sat$ore  Li  (flataorbe  Lg.  e)  JJetjlt  L. 

f)  'unbc*  fügen  Li  unb  Uj  r)msu.  g)  JJetylt  L\  I4. 


l)  bereit«  am  10.  Sept.  r)attc  ©er^og  SUbrcdjt  burd>  amet  feiner  Stifter 
ben  in  ftopenljagen  antoefenben  tübijdjen  9tatr)$fenbeboten  feine  ftbftdjt  jn 
erfennen  flegeben,  auf  ber  9iücfreifc  Süberf  p  befugen;  auglcidj  fyatte  er  um 
freie«  (Uelett  für  fict)  unb  feine  Stegleiter  gebeten  unb  biefe$  augeftdjert  erbat 
ten.  3n  einem  am  14.  Sept.  abgefanbten  Briefe  matten  bie  (3efanbtes 
tn'eröon  bem  SHatljc  Anzeige  unb  üerbanben  bamit  bie  9Wittt)etlung,  t>a%  ber 
$>er^og  bem  $erner)men  nad)  am  16.  Sept.  Äopenrjagen  Dcrlaffcn  unb  feinen 
Söeg  [über  Äorför]  nadj  SRnborg  unb  toon  bort  bunt)  .ftünen ,  Sctye*wi$ 
(Sübjüttanb)  unb  $olftein  auf  «überf  au  nehmen  merbe.  (Schäfer,  §31 
1,  Wt.  155.) 

")  Der.  19. 


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303 


tote  öo(fe3,a  alle  tuot  ge!jarnffcf)et.b  Unbc  bc  rab  Icct  cn  atte  tyr> 
berge  bord)  eete  Ijufefnedjte  nemeu  to  bufent0  peerben. 

Stern  bar  be&oren  Ijabbe  be  rab  etlife  rübenbe  fnapen  utgefanb 
int  (anb  to  §olften,  umme  to  üortmrenbe,  mo  ftarf  be  fyertoge 
fomcnbe  mürbe.  S)at  nmrb  ben  borgermefteren  roebber  ingebracfyt, 
umme  jiif  (bar)nad  roeten  to  ricf>tenbe. 

Stern  alfe  be  Ijeren  atte  fyabben  Verberge  nemen  taten,  (eet  be 
rab  atte  tjerbergerer  öorboben  unbe  be&olen  ene  bii  ber  ftab  tooninge, 
offt  jemanb  in  eeren  lju&en  to  Ijarnfdje  ginge  bti  nacfjttüben,  bat 
je  bat  ben  fyeren  nppt  ber  roacf)t  offte  ben  borgermefteren  to  fen= 
nenbe  geben  fc^olbcn. 

Stern  ben  fyeren  entegen  to  ribenbe  unbe  je  nrittefomef  fjeten, 
bar  roeren  to  fcfjicfet  tjer*  üubefe  öan  Saunen  borgermefter,  fjer 
33run  3}ruffoutoe  rabman.g 

Stern  alfe  bat  fjeerfcfjDpp  inqmam  ribenbe,  roeren  uppt  beme 
$olftenbore  gefriedet h  Ijeren1  $inrif  Sonftin  unbe  $l)onnt)e$ 
Styman,1  rabmanne,  mit  etfifen  fnecf)ten  na  notrofft,  bat  bor  to 
roarfjtenbe.  ©o  lange  bat  Ijerfdjow  mit  ben  eeren  alle  inne  meren, 
bo  fyeelb  men  alle  bore  to  lanbemarbeä  to  ane  be  flene  porten, 
barbord)  be  lube  utlj  unbe  in  to  latenbe  utbefdjeben  grote  t>or* 
fammetinge. 

Stern  alfe  bat  fyeerfdjoM)  ingefomen  toa§,  toart  of  beftellet, 
bat  begenne,  be  be  flötete  to  ben  groten  boren  tjabben,  bat  fe  in 
egenen  perfonen  be  bore  moften  t)efyen  matten. 

Stent  be  rab  l)abbenk  of  be  borgere  unbe  otberlube  t>an  ben 
ampten  Dorbobet  unbe  en  tjarttifen  beüoten,  je  be  eeren  bitten  ben 
frogen  unbe  bii  jiif  in  eeren  Ijufen  Ijolben  fcfjolben,  offt  men  erer 
befjuff  Ijebbe,  bat  men  benne  barto  tiiben  mod)te,  unbe  beboten  en 
of,  je  ben  eeeren  beben  fdjotben,  tutf)tirf>  unbe  fyooifcf)  to  jtjnbe 
unbe  ntjn  unfture1   to  brtoenbe. 

a)  weife  Li  Lg.  b)  'tueren*  fügt  Lg  Ijinp. 

c)  3"    eine    bei    ber   erften   Sitetierförift   gelaffenc  üücfe    foäter    einge- 
tragen L. 

d)  na  L  Li.  e)  Sefjlt  Lg.  f)  (to'  fügt  Lg  ijinau. 
g)  —  k)  eint  borgermeftcr  unbe  et)n  rabtman  T^g. 

h)  fteljlt  Li  Lg.  i)  —  i)  ttoee  Lg. 

k)  tjabbe  Li  Lg.  1)  befhtre  Li  Lg. 


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304 

Stern*  atfe  be  fyeren  innefomen  meren,  leet  be  rab  ade  merf; 
meftere  üan  alten  fetten  Dor  5ÜI  tonten  unbe  boben  enc  Ijartlifen, 
je  be  ferftljorne  tofjofben  unbe  of  ntjne  ftocfen  f(an  fdjotben,  bau 
allenen  to  unfer  teöen  öroumen,  manner  be  fyereu,  be  be  toadjt  bt 
reben,  bat  Ijeten,  unbe  anber»  nt)ner(et)e  miifc. 
931. 2b.  Stern  be  rab  (eet  ol  feggen  ben  borgeren  unbe  ampten,  offt 
nten  be  ftocfen  flöge  ebber  öur  lojj  mürbe,  bat  benne  ntjmanb  na 
beme  öure,  men  bat  een  tyberman  na  beute  marfebe  mt)th  jiuer 
mereb  tttben  fdjotbe,  mente  bat  öur  fcfyolben  be  bregere  rcbbett, 
alfc  bat  i3  beöofen.  Unbe  be  borgermeftere  unbe  rabmanue  mofoeß 
benne  of  up  beme  marfebe  mefen  unbe  funbergeä  be  olbefte  Borger^ 
mefter,  Ijerc  £inrif  $aftorpl)c  mit  ber  ftab  banneren,  offt  be*  nob 
mürbe,  bat  men  barto  tttben  mochte. 

Stent  be  olbeften  tme  borgermeftere,  f)erend  |>inrif  Äafioifl? 
unbe  Jpinrif  öan  @ttten,d  fyeten  be  furfteu  in  eeren  Verbergen 
mtKefome. 

Stern  in  be3  furften  Verberge  meren  of  gefdjicfet  tme  fyu^bente 
öor  be  bore,  umme  ungebod)1  to  borljubenbe.c 

Stent  to  ber  riibenbe  marfjt  meren  gefriedet  be  I)erenf  Sofym 
2Btcfingl)off,  ^inrtf  Sipperobe,  ^Bertram  öan  9tentl)eten  unbe  2)ibcrif 
Söafeboum/  barto  be  Ijoüebman  mit  ben  ribenben  fnapen,  ptexte 
foperen  unbe  fnafen^oumeren,  mot  gef}arnffcf)et  to  Ijunbert  peerbcn 
Unbe  ellife^  nadjt  reben  i)o  tme  öau  ben  öorbenomeben  rablubeu  mit 
beme  fyupen,  be  ene  nadjt  umme  be  anberen,  unbe  burebe  öeer  nadjt, 
alumme  betl)  an  ben  baglj. 

Stern  to  ber  macf)t  to  üote  toh  beftellenbc,  matt  gefriedet 
mefter1  ^ßetcr  SDiomiit,1  be  ridjtefcrtoer,  barto  be  erfte  nadjt  twt 
olberlube  »an  ben  fmeben,   be   attbere  natfjt  tme    otberlube  bc[r] k 

a)  3n  Lg  gefyt  ber  folgeube  9lbfa(j  biejem  üorauf. 

b)  —  b)  mt)t  fineme  tyaruftfc  unbe  tucre  Li  Jjg. 

c)  -  c)  getyt  Lg.  d)  -  d)  Se^rt  Lg. 

e)  befyobenbe  L\  Lg. 

f )  —  f)  öeer  fyeren  utl)  beme  rabe  Lg. 

g)  cne  itlicfe  Lg.  h)  JJe^tt  Lg.  i)  —  i)  JJc^lt  I4. 
k)  be  L,  üanben  Li  Lg. 


x)  Unfug. 


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306 

frontalere,  be  brubben  nacfyt  troe  otbertube  t>an  ben  fcroberen1 
unbe11  be  beerben  nacfyt  o!  be  otbertube  ber  fmebe;b  barto  alle  nacfyt 
be  roontttfen  toactjt  unbe  barto  jemetif  ampt  öan  eren  fnedfjten, 
fo  bat  erer  alle  nacfjt  ma3  fjunbert  perfonen  to  Ijarnfetje. 

Stent  Sacobc  2RotIenborM)  unbe  3Kidfjete,c  be  be  porten  ptedfjt 
to  beribenbe,  roarb  bebaten,  be  flöte  to  beute  $otftenbore,  borgljbore, 
motenbore  unbe41  Ijujerbore  to  boranberenbe. 

Stent  uppe  beute  motenbore  unbe  borgljbore  uppt  jetoetif  mart 
gefat  een  Dan  ben  ttvtn  tljomemana,  umme  int  betb  to  jeenbe,  to 
btafenbe  unbe  marntynge  to  bonbe,  fo  be3  fdjotbe  jtn  ban  noben. 

Stent  $anfee  Sibbraben  mit  jinen  Inerten  unbe  £t)befen 
Äo})e!ene  marb  beraten,  bat  bonfybor  to  mad)tenbe  mit  bengennen/ 
be  be  ftotete  barto  Ijabben. 

Stern  be  fctjngeten  unbe  bome  Ijett  men  f taten  be3  bage§,  be« 
mtjte  bat  IjeerfdjoW  Ijiir  roa£. 

Stern  Sacobh  SKotlenborpp11  roarb  bebaten,  61  fuedjte  to  jüf  «t.3a. 
to   nemenbe  unbe  bat  motenbor  to  macfjtenbe  mit  bengennen,  be 
be  ftotete  barto  (fjabben.)k 

Stern1  be  ftotete  mürben  upgeantmorbet,  befdfjebetfen  ben  bor* 
germefteren  alfe  Ijer  |>inrtfe  Äaftorppe  tome  borgf)bore,  tjer  ^inrife 
ban  ©tuen  tome  motenbore  unbe  Subele  ban  Saunen  tome 
^otftenbore.1 

Stern  meren  be£  natf)te3  alte  leben  obergefyenget  unbe  geftoten 
betl)  an  ben  bagfy  ober  alte  [traten,  utgefdjebeu  ban  beme  peerbe-- 
marlebe  langet  ben  f(ingf)enbergl),  tauget  be  brebenftraten  na  beme 

a)  geljtt  Li  Lg.  b)  tum  ben  fmeben  Lg. 

c)  —  c)  bcmejennen  Lg.  d)  JJfefjft  Lg. 

e)  —  e)  troeen  bürgeren  mit  eren  fnedjten  Lg. 

f)  bemejennen  Lg. 

g)  'aÜY  fügt  Lg  tjtnau. 

h)  bemegennen,  be  bar  pledjt  to  beribenbe,  Lg. 

i)  52  Li  Lg.  k)  tjebben  L. 

1)  ™  l)  Stern  be  flötete  to  bren  boren  ttmrben  aöergeantroorbet  breen 
borgcrmcfteren,  olfe  beme  erftcn  borgermcfter  tome  bordjbore,  beme  onberen  be 
flötete  to  beme  motenbore,  beme  brubbem  be  flötete  tome  Jpotftenbore.    Lg. 


l)  (Sdjneiber. 
8tfdjr.  b.  «.  f.  ß.  <B.  IV,  3.  20 


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306 

bordjbore,  be  foningftraten  entangf  öor  bata  motenbor  unbcb  fo  öort 
bor  bc  |>apenftratenb  mebber  an  ben  peerbemarfet,  bor  be  madjt 
Ijenne  rceb  be£  nad)te3. 

Stent  meren  be3  nad)te3  in  allen0  ftratcn  bete  groter  luvten 
mt)t  bernenben  lichten  utgefyenget  bau  ljufen  to  ljujen,  umme  to 
bejeenbe,  bat  ntyn  oberbangf1  offte  frfjabe  belege. 

Stern  fjabbe  be  rab  nppt  beme  marfebe  ene  lange  nnbe  mtybe 
ronnebane  umme  mtjt  palen,  brebend  unbe  latten  bormafen  taten, 
mtjt  tmen0  mijben  porten  uppe  beljben  jiiben,  unbe  binnen  mtjt 
ianbt  beftretyen  taten,  batf  men  beqmemelifen  baruppes  tonnen 
mochte. 

Stern  atfe  beffet  borfereben  tjeerfcfjopp  be3  manbageS  tomen 
meren,  qmam  t)ertoge  Sltbert  borbenomet  rob  borbeefet  be3  negeften 
bittjftebageS2  mtjt  ben  jinen  mtjt  groter  merbicfjetyt  u#>e  be  baue 
unbe  raube  fdjarpp  mtjt  beme  greben  ban  3Kan3be(b  unbe  ranbe  ben 
greben  äff.  DI  rauben  beffutben  bage3  bafteh  äJtyfcener  unber  matt 
anberen  alte  fc^arpp. 

Stern  be£  abenbe§  fjcelt  be  fjere  Ijertoge  mit  jinen  Ijercn, 
broumen  unbe  junefrournen  unbe  be  Subefdjen  broumen  unbe 
jüngeren  nact)tbanfe  upp  beme  rabljufe  to  fiubefe.  Unbe  be  Silbe* 
fdjen  broumen  Ijabben  beä  abenbeS  alle  ere  roben  beften  rode  ane 
mit  parten  mot1  gefmuefet  unbe  robe  banfeetfogeten.k 

Stern  be£  mtjbmelenS3  ranben  of  bafte11  9Jtyfeener  alte1  fdjatpp, 
unbe  be£  abenbeS  Ijeett  be  ^ere  aber  nacfytbanfc.  2)o  Ijabben  be 
»i.  sb.  fiubefdfjen  broumen  alte  mitte  rode  befmljbet4  unbe  mitte  banfcel- 
logeten.  Unbe  atfe  be  fyertoge  fad),  bat  be  ßubefdjen  eme  to  eeren 
mit  ane  tjabben,5  gfjingf  fje  funberm  bete  gerudjteS  bau  beme  nadjfc 
banfcen  in  jine  tjerberge  ummetrent  adjte  in  be  ftoden  unbe  qnwwn 

a)  no  beute  Lg.  b)  —  b)  nneberf>oft  Lg.  c)  ben  Li  Lg. 

d)  bereben  Li  Lg.  c)  ben  Lg.  .f)  bar  Lg.  g)  uppc  Lg. 

h)  Dufte  Li  Lg.  i)  golgt  4to'  L. 

k)  jobben  fe  iippc'  fügt  Li  fjinau,  'unbe  Ijabbcn  uppe  robe  banfcelfogclen*  I& 
1)  gel)lt  Lg.  m)  ane  Lg.  n)  rabfmje  Li  Lg. 


l)  Ucbergriff,  ®en>olttf)at.        ')  Dct.  20.        8)  Ort.  21. 

4)  mit  ©cfcfymcibe  befefct. 

5)  %t.  <£.  gBetyrntann,  t>a$  Sübecfifdjc  «Patriziat,   (§a«f.  ©ejdj.   »i.  2. 
©.  116.) 


i 


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zedby  G00gk 


307 

toebber  ribenbc  in  jineme  bullen  tuge  in  bcmc  Ijetme  borbedet,  bar» 
uppe  toe  Ijoge  tuten  mit  eneme  langen  jiiben  flöget,  unbe  jin 
perb  rot)t  borbeefet,  unbt  ranbe  mit  Ijer  So^anne  ban  SKotfce,  rittet, 
uppt  beme  langen  mebbeljufe*  mtjt  fronefen  tjo  fo  briigmobief},  offt 
t)b  uppe  beme  marlebe  toere  geroeft,  unbe  ftaf  Ijer  3»oljan  ban  SÄolfee 
umme  mit  beme  peerbe,  fo  bat  l)e  ben  jabel  rumebe.  Unbe  be  Ijer» 
toge  ranbe  mebberumme  na  beme  nljen  bumete1  unbe  fat  bar  äff 
unbe  banfcebe  borb  mit  ener  grebinnen  unbe  Ijabbe  bor  jiif  2  tor» 
Heien2  unbe  na  jiif  of  troe  torticien.  2)arna  bolgebe  Ijer  Soljan 
t>an  ÜKolfce  of  mit  ener  grebinnen  unbe  bama  anbere0  ^eren,  brou- 
roen  it.,  unbe  be  fjertoge  unbe  Ijer  3oljan  ban  9Kolfce  be  banfeeben 
betjbe  mit  ben  Reimen  borbetfet  in  buÜeme  tuge,  alfe  je  uppt  ben 
peerbend  jeten  fyabben. 

3tem  be£  bonrebagc«3  rauben  ol  bafiee  äRtjfcener  fdfjarW  unbe 
1  pai  mit  fronefen,  unbe  bofulbe§  ranbe  £an$  ban  Slnebelbe  ban 
©oringen  mit  eneme  SBtyfeener  fd^arpp  unbe  bellen  betybe  l^obefcfjen. 

Stern  be  fdfjicfinge  be3  borferebenen  nadjtbanfeeS  roaS  beffe. 

3ntf  erfte  roeren  barto  geftfjitfet  beffe»  naferebenen  Ijeren  be$ 
rabeS:  Subcutan  (Sbingtyufen,  SBrun  33ru3fouroe,  SBolmer  28aren* 
borjty,  |>inrif  23rom3  unbe  ©iberif  $utpp«  umme  to  beftettenbe, 
fo  f)iir  nabolget. 

3nt  erfte  be  troe  nt)en  gemafe  mit  beneftafenen  unbe  fuffen, 
bureS  genorf)  in  betybe  fdjorftene,  tt>a&  unbe  taQicf)tid)(t)h  \ippt  be 
fronen  in  betjben  gemafen  unbe  uppt  beme  langen  Ijufe.4 

a)  rabfmfe  Lg.  b)  öort  Li  Lg.  c)  onberer  Lg. 

d)  beme  peerbe  Lg.  e)  öuftc  Li  Lg. 

f)  43tem'  fügen  Li  unb  Lg  ijin$u. 

g)  —  g)  4  urf)  beme  rabe  Lg.  h)  tattic^Iic^  L. 


')  ^at  nne  buiuetc'  ift  ber  fübtid)e  ZtyW  be$  SRatfjfyaufeS,  in  meinem 
fid)  jefct  bie  ÄriegSftube  befmbet.   2>affelbc  warb  um  ba$  3af)r  1442  öoHenbet. 

*)  28ad)$facfeln.  ■)  Dct.  22. 

4)  l2)at  lange  \)u&  ift  ber  bereit«  im  3a^re  1343  tjoücnbete  mittlere 
2Tr)ctl  be«  9tatf)ljaujc3.  $a  baffelbc  namentlich  als  Jftftraum  für  gef eilige 
gtucefe  biente,  fo  lueö  cä  aud)  'bat  bantjelimä.'  3)en  dornen  'iuebbef)u8'  führte 
e£,  roett  e$  nadj  Sorben  ljin  an  baä  ©emadj  ftiefj,  in  welchem  bie  SEBette 
ifjren  <St&  fjattc. 

20* 


Digiti 


zedby  GoOglO— 


308 

Stent  meren  grote  luvten  mit*  tieften*  genüget  boben  ber 
treten,  tnrifföen  beleben  nt)en  gemafen,  bor  ber  feifefamer,  boben 
ber  groten  ftenen  treppen  unbe  int  borljuft. 

Stern  toeren  fofj  perfonen  üan  bregeren  befteüet  bor  be  nebber= 
ften  bore  be3b  rabfyufeS  unbe  bor  ben  groten  boreb  bü  ber  fcije= 
famer  bor  beme  langen  tjufe,  be  boren  to  nmdjtenbe,  nijmanbe 
uptoftabenbe  ban  bat  Ijeerfdjopp  mit  ben  eeren  unbe  anbere  erfite 
mannet  unbe  broumen,  men  ntyn  tojj  botf  barupp  to  ftabenbe. 
m.  4a.  Stern  toeren  of  torticien  bcftalt  tomec  banfce,  f o  bete  men  bei4 
nob  Ijabbe,  unbe  4  ferfen,  barmebe  men  beme  Ijertogen  be3  nadjte# 
to  ljufc  tudjtebe,  unbe  4  hielte  barto,  be  be  ferfen  brogen. 

Stern  be  fpeetgrebe  fuücffofte  offtc  meer  uppe  beme  langen 
ljufe  tjb  fo  befturebe,  bat  ntjmanb  bar  unfture  breff  unbe  bat  men 
rum  tjabbe  to  banfcenbe  unbe  to  rennenbe. 

Stern  Ijabben  be  erbenomeben  gefdjideben  Ijeren  be3  rabeS  junge 
froumen  unbe  junge  (übe  utt)  betyben  fumpentjen1  na  notrofft  bibben 
taten  to  futfen  nacfjtbanfeen. 

Stern  be$  rabe3  fdfjencfe  fyabbe  beS  rabeS  futberfmtjbe,  otb  unbe 
ntje,  unbe  of  ettife  anberen  futberen  fannen  uppe  bat  uterfte  n^c 
buroete  beljortifen  utbttygen  taten. 

Stern  nmrb  to  ben  nad)tbanfcen  ettife^  abenbeS  gegeben  brtjer* 
telje  confetft,  be3  erfteu  abenbeä  cannef,  fobeben  unbe  corianber,  unbe 
be£  anberen  abenbe§  boranbert. 

Stern  bor  gebrende  roart  gefdjenefet  uppet  frube  9pocra3,e  barna 
otb  mtjn  in  gteje,  ntje  mtjn  ute  futberen  foppen,  SntefeS  beer  utb 
flogen  unbe  £amborger  beer  ute  jiiben2  f)atfftobefen£  frofen5  na 
aller  notrofft.    Sitten  be  SDtyffenfdfjen  branden  nidfjt  bete. 


a)  ffe^It  Li  Lg. 

b)  —  b)  gc^It  Li  Lg. 

c)  to  btm^  Li  Lg. 

d)  bor  Li  Lg. 

e)  L  unb  Li  itnebertyolen  'uppet  frube.' 


')  Die  3irTctgef cllfc^a ft  unb  bic  ftaufleute^ompagnie. 
*)  nfebrigen. 
*)  Hannen. 


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309 

Stern  tmn  (bcme)a  gebende  tor  fofen  befjuff. 

Sntb  erfte  teet  be  rab  beme  furften  jenben  in  jine  Verberge 
be£  manbageä,  atfe  bat  tjeerfdjopp  gefomen  ma£,  cen  leöenbidj  Ijerte, 
4  fdjone  bette  offen,  12  fcfjaw,  een  bat  SmefeS  beer  unbe  V*  taft 
§amborger  beer.  £t)t  brachten  be  betyben  fdjaffere,  be  fyufftuter 
unbe  marfetbogeb. 

Stern  be3  mgbroefenä  janbe  eme  be  rab  enen  tan  but  groter 
fdjoner  biffcfye.    25en  braute  be3  rabeS  bifdjmefter. 

Stern  norf)  gefattb  beme  furften  8  fanne  \v\)n%  otb 
unbe  ntye. 

Stern  btn  greben  etfeme  4  fannen  mt)n§  otb  unbe  nt)e. 

Stent  beme  btffrf^oppe  4  fannen  mt)n3  otb  unbe  ntje. 

Stern  tmen  grebinnen  etfer  4  lannen  mt)n3 
otb  unbe  ntje. 

Sten  ben  banner^eren  etfeme  3  fannen  mt)n3. 

Stern  ben  ribberen  etfeme  2  fannen  mt)n$. 


alte  bage. 


bor  mitlefome 
unbe  tü(f)t  mer. 


9?oct)c  anbere  gefdfjentfc. 

Stern  teet  be  rab  boref)  t>erend  Jonntjeä  $)ijman  unbe  2)tberif 
igutpp*  prefenteren  tor  fninttifen  irfantniffe  umme  be£  barenben 
fopman3  mitten. 

Snt  erfte  beme  fjeren  t)ertogen  tme  fofttife  forden1  bau  märten 
unbe  2  forden  bau  fyermelen,  fo  men  be  fofttifen  Ijebben  fonbe. 

$arnac  tme  be  beften  märten  forden  beme  greben  ban  ©tat« 
berge. 

2)arnae  tme  be  beften  märten  forfeene  beme  greben  Dan  $en»jBt.4b. 
nenberge. 

3)arnae  tme  be  beften  märten  forden6  beme  biffrijoppe  bau 
Söierfcborgf)  unbe  fo  bortf  etfeme  greben  na  grabtate*  tme  märten 

a)  5e^lt  L.  b)  '3tem'  fügt  Lg  $in*u. 

c)  'Stent'  fügen  Li  mtb  Lg  Ijinp. 

d)  —  d)  troe  rabeS  perfonen  Lg. 

e)  —  e)  ftttyt  Lg;  Item'  fügt  Li  ^inju. 

f)  warbt  Li  Lg.  g)  grottate  Li  Lg. 


*)  ^elaröde. 


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zedby  G00gle 


310 

forden,  utgefcfyeben  be  greöe  bcm  ©nrnr^borgl),  toente  be  wa*  be$ 
rabeS  to  Subefc  Mjenb.1 

Stern  bc£  ürQgbage^  na  ber  eloen  bufenb  juncfromoen  bagl)2 
to  bormibbage  ummctrent  acfjte  in  be  ftocfen  reet  be  fjere  2Ubert 
Ijertogc  borbenomet  mit  ben  jinen  roebbcr  nte  Subefe  mit  groter 
fjerttdjetjb  unbe  tootbe  be3  abenbeS  roefen  to  ^metin  mit  ben  9Jtefeln= 
borgefcfjen  furften.  SUbuS  janbe  be  rab  beme  furften  to  merbi^epb 
ere  rabe^fumjmne,  be  emeft  entegen  reben  rocten,  bo  Ije  to  Subefe 
inqroam,  mebe  tuebber  betl)  to  8(ufupp.  2)at  beboten  je  ene  ©obe. 
Unbe  be  obgenannte  (furfte)1*  mit  ben  jinen  roaS  Ijiir  aljoc  unbe 
fdjebe  ol  fod  t>an  l)iir,  bat  ttjmanb  jitf  erer  beffagebe,  men  aüe 
man  gebe,  je  äiif  fjiit  temelilen  unbe  erlifen  geljab  unbe  in  aÜen 
Verbergen  unbe  aQent,  roe£  je  f)iir  fofftcn,  tuof  betalet  Ijabben. 

a)  en  Li  Lg.  b)  fteljlt  L  Li. 

c)  fo  Li  Lg.  d)  o(|o  Li  Lg. 


l)  %ql  6d)äfcr,  ffi.  1,  ftt.  155. 
*)  Dct.  23. 


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zedby  G00gk 


311 


xv-   cxxo 

$er  herein  für  Sü&ccf ifät  @cfd)id)tc  mtb  SHtcrt^um^ftttibc 
knö^renb  ber  Saljre  9Wtd>aelt3  1876  &i$  1884 


cm  bisherigen  ©ebraudje  fotgenb,  fott  bicfer  93anb  mit  einer 
furjen  Ueberfidjt  ber  SSereinSangetegenfyeiten  roetyrenb  ber  legten 
arf)t  Sfafyre  gcfdt>loffen  merben.  @ie  fafet  ben  3?nlja(t  ber  jäf)rfidj 
erftatteten  Seridjte  jufammen  unb  fnüpft  an  bie  93anb  3,.©.  613 
ff.  gegebenen  Sßittfyeitungen  an. 

SSon  bem  jefet  üotlenbeten  feierten  33anbe  ber  geitfdjrift 
erfd)ienen  bie  Reiben  erften  §efte  im  Qtoljre  1881.  35ie  3fertig> 
fteünng  beS  brüten  Ijat  firf)  berjögert,  weit  in  baffetbe  bie  SRcfuttate 
ber  erneuten  Ausgrabungen  auf  ber  ©tätte  9llt*2übe(fS  aufgenommen 
merben  follten. 

5)aS  Urfunbenbud)  ber  ©tabt  Sübecf  roarb  buref)  ben 
«bfdjtufc  ber  93änbe  V  (1401—1417),  V[  (1418— 142f>)  unb  VII*) 
(1427 — 1440)  mefentlidj  geförbert.  liefen  ^ödf>ft  erfreulichen 
Fortgang  unfereS  $auptunterneljmenS  öerbanfen  mir,  wie  bem 
3fteifee  beS  ^Bearbeiters,  ©taatSartfjitmr  Dr.  Sßefjrmann,  fo  and) 
ber  nachhaltigen  Unterfttifcung,  meldje  Sin  ^o^er  ©enat  unb 
bie  ©efellfcfyaft  jur  Seförberung  gemeinnütziger  Jljätigfeit  feit 
1875  burd)  93emiHigung  Don  jäljrlicf)  JC  720.  bem  Sßerfe 
fjaben  ju  2^eil  merben  taffen.  Qu  feiner  Sßeiterfüljrung  l)at  ber 
SSerein  auf  Slnrege  beS  Herausgebers  einen  befonberen  2luSfd)ufc 
eingefefet. 

2>ie  ©iegel  beS  SRittetalterS  ^aben  mit  Verausgabe  beS 
jefjnten  $eftcS  iljren  üortäufigen  9t6fd){uft  finben  muffen.  @S  ift 
bis  jefct  nidjt  gelungen,  einen  ©rfafe  für.  unfern  öerftorbenen  9Kitbe 


*)  5>ie  SRegiftcr  befinben  fidj  unter  ber  treffe. 


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zedby  G00gk 


312 

ju  gewinnen;  audj  erwiefen  fidf)  bte  mit  bem  SBerf  toerfmtyften 
Soften  als  ju  groß,  wenn  nid^t  bte  anbeten  tittcrorifc^cn  Unternelj* 
mungen  beS  SereinS  ungebührlich  öemacfytäffigt  werben  foUten. 

3u  lefeteren  ift  mit  bem  Saljre  1883  ein  neues  Jjinjugetreten: 
bie  monatlid&en  SRttttyeilungen  beS  SBereinS.  2)a  in  bte 
3eitfct)rift  im  Allgemeinen  nur  foldfje  Äuffäfce  Aufnahme  ftnben, 
welche  ben  Änforberungen  ftrenger  l)tftorifct)er  SSSiffcnfc^aft  genügen, 
fo  fann  ein  weiteres  $eft  erft  naef)  längeren  3wtfdf)enräumen  jnr 
Ausgabe  gelangen.  3tudf)  erwirbt  fie  fid)  tyrer  SRatur  naef)  einen 
öerfjaltnifcmäfjig  nur  Meinen  SeferfreiS.  S)ie  SKittljeiluttgen  fotten 
bagegen  namentlich  Sluffäfee  öon  allgemeinerem  Sntereffe,  fowie 
ffirjere  SRitt^eilungen  jur  (tibtf<f>en  ©efc§id}te  bringen,  unb  finb 
öorneljmlicf}  beftimmt,  bem  in  einem  großen  Steile  unferer  93eööt!e* 
rung  regen  Sntereffe  für  bie  t>aterftäbtifcf)e  ©efdjictyte  SRedjnung  ju 
tragen,  baffelbe  ju  förbern  nnb  jtt  beleben.  SSon  btefent  ©eftdjte 
fünfte  aus  f)at  bie  ©efellfdjaft  jur  Seförberung  gemeinnüfeiger 
S^ätigfeit  jur  Verausgabe  ber  SÄittljetlungen  einen  befonberen  jälp 
liefen  Seitrag  bewilligt,  unb  läßt  biefelben  an  alle  tljre  SRitglieber 
öertt)eilen.  B^ßleic^  gewann  ber  SSerein  audj  bie  3Röglid)feit,  bie 
reidje  unb  jum  Jfjeit  fyödjft  bebeutenbe  SSerme^rung,  nietete  bie  mit  ifyn 
in  ©djriftenauStaufcf)  fteljenben  l)iftorifdf)en  Vereine  unb  ©efetlfdjafteit 
feiner  33ibliotl)ef  jumenben,  burdj  eine  regelmäßige  ©abe  nad)  Äräften 
ju  vergelten.  ®r  barf  mit  Qfreuben  conftatiren,  bafe  bie  SRitiljeUungen, 
bereu  fRebaftion  ber  Schriftführer  be^  Vereins,  Dr.  31.  $agebom,  über* 
nommen  l)at,  auswärts  wie  Ijier  eine  günftige  aufnähme  gefunben  Ijaben. 

Auf  Stnrege  beS  Ijiefigen  SBeretnS  ber  fötnftfreunbe  mürbe 
1878  eine  gemeinfame  Eommiffion  auS  9Kitgtiebern  biefeS  Sereiitf 
unb  beS  unfrigen  etngefefet  jur  Prüfung  ber  Qfrage,  ob  bie  früher 
bon  ^ßribaten  unternommenen  Sßubtifationen  über  Ijiefige  Sau»  unb 
Äunftbenfmäler  wieber  aufjune^men,  bejw.  fortjufefcen  feien,  Sftacfr 
bem  bann  bie  Verausgabe  eines  folgen  SBerfeS  befd)toffen  roorben, 
unb  als  ©egenftanb  ber  erfteu  Sieferung  eine  ben  heutigen  9litfor< 
berungen  ber  Äunftgefd)id)tc  entfpredjenbe  33efd)reibung  ber  Qom* 
firdje  ins  3luge  gefaßt  war,  bewilligte  uttfer  SSerein  bie  Raffte  ber 
SSorbereitungSloften  mit  M<  250.  gfir  bie  Bearbeitung  finb  bte 
Ferren  3lrd)iteft  3Künjenberger  unb  Dr.  Jfyeobor  £ad}  gewonnen; 
bie  SluSgabe  beS  SBerfeS  fteljt  unmittelbar  be&or. 


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zedby  G00gk 


313 

3u  bcn  mit  un$  in  ©djriftenauStaujd)  fteljenben  Vereinen  unb 
©efellf haften*)  finb  nacfyfolgenbe  fyinäugefommen: 

64)  2)er  Dtbenburger  fianbeSöerein  für  SUtertljumafunbe,  1876. 

65)  ©er  herein  für  .<penneberger  ©efdjicfyte  unb  3Utert!jum3funbe 
in  ©djmaftatben,  1876. 

66)  ©er  Dber^effiföe  herein  für  üofaIgefd)id)te  ju  ©tefeen,  1879. 

67)  ©er  SJerein  für  Jfjüringifdje  ©efdjicfyte  unb  ?tttertljum$funbe 
ju  Scna,  1880. 

m)  ©er  SBeftyreu|ifd)r  ©efdjidjtSöerein  ju  ©anjig,  1880. 

69)  ©er  herein  für  ©efd)icif)te  ber  ©tabt  SIKeifeen,  1881. 

70)  ©er  herein  für  ©efrf)xc£)te  ber  ©tabt  Nürnberg,  1881. 

71)  Äongt.    SittenfyetS    £iftorie    od)   SlntiquttetS   SWabemien    ju 
©tocfljotm,  1882. 

72)  ©er  öeretn  für  bic  ©efdjidjte  ber  ©tobt  ©oeft,  1882. 

73)  35er  herein  für  bte  @ejrf)id)te  be$  £erjogtf)um3  93erg,  1882. 

74)  ©ie  SRebaftion  ber  3eitfdf>rift  für  bie  ©efdjidjte  unb  2anbe& 
funbe  ber  ^robinj  $ofen,  1883. 

75)  ©ie  f)iftorifd)e  ©efellf  djaft  ju  Utredjt,  1883. 

76)  ©er  9lltertl)um&)erein  ju  SßorntS,  1883. 

77)  ©a3  SRorbifd)C  3Jhtfeum  ju  ©todfjolm,  1883. 

78)  ©ie  geKiner  Htterarifc^e  ©efellfdjaft,  1883. 

79)  ©er  fiafjnfteiner  StltertfjumSoerein  ju  Dbertafjnftein,  1884. 

80)  ©er  SSerein  für   bie  ®ejd)id)te  be3  §erjogtf)um3  Sauenburg 
ju  SKöHn,  1884. 

Unfere  ^ßubtifationen  berfenben  mir  ferner  an  bie  Äönigtidje 
Stfabemie  ber  SBiffenfdjaften  ju  ^Berlin,  bte  Unit>erfität3bibliott)ef 
ju  ßljriftiania  unb  bie  ©tabtbibliotfyef  ju  Söraunfdjtueig,  ba3  ©tabfc 
ardjib  ju  Äöln,  ba3  ©ermanifdje  SWufeum  ju  SRüruberg,  ba$ 
SDiufeum  für  SBölferfunbe  ju  Seidig,  bie  ©etoerbefdjute  ju  Siftrifc, 
baS  Kuratorium  be3  ©eutfcfyeu  9ieid)&  unb  Äönigl.  $reufeifd)en 
©taatSanjetgerS  unb  bie  SRebaftion  ber  3*itfd)rift  $erolb  ju  SBerlin. 

Ausgrabungen  fyabeu  in  bem  3et  träume,  über  melden  Ijier 
berietet  wirb,  mel)rfad)e  ftattgefunben. 

©te  Dom  12.  bis  14.  Sluguft  1878  in  Äiet  abgehaltene 
(Ueneraloerfammlung    ber  ©entfdjen    antfyropofogifdjen    ©ejetlfdjaft 


*)  »gl.  »b.  3  ©.  619. 


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zedby  G00gk 


314 

bot  bcm  SBerein  roitlfommenen  9ln(af$,  bercn  3Ritglieber  junt  33efu<f>e 
unfcrer  ©tabt  unb  ifyrer  Sammlungen,  ber  ©tätte  Don  SUttübed 
unb  beS  Hünengrabes  ju  SBatbljufen,  fomie  jur  Sljeilnaljute  an 
einer  2luSgrabung  in  Sftifeerau  eingulaben.  @inc  au£füf)rfid}e 
$efd)reibung  ber  lefeteren  ift  in  üerfdjiebenen  öffentlichen  Slättern 
gegeben.*)  £ier  mag  nur  furj  ermähnt  fein,  baj$  aufcer  bem  3)unk 
fdjnitt  eines  großen  ©rabeS  am  §egeljo(j  nod)  jtoei  Meine  ©räber 
üon  ben  80  bei  ben  SReiljerSbergen  oorfjanbenen  ®rabljfige(n  gcöff= 
net,  unb  eine  ©teinfefeung  auf  einem  Ijöljeren  $üget  freigelegt  roarb. 
S)ie  ausbeute  beftanb  nur  aus  jerbrodjenen  Urnen  unb  einigen 
Keinen  93roncebrud)ftü<fen.**) 

SSon  einigen  ÜKitgliebern  beS  93ereinS  ift  im  ©ommer  1880 
ein  9Benbenfriebl)of  auf  ber  Stoppel  „untere  S$ofel)öf)l"  beS  i'anb* 
mannet  Ä.  5-  ©tüben  $u  9ieu'3iupperSborf  bei  SßanSborf  unterfudjt, 
wobei  über  jmanjig,  teiber  verbrochene,  Urnen,  faft  alle  ofyne  Cnia= 
mente,  tljeilmeife  mit  Jpenfetn  ober  bod)  ^penfelanfäfcen,  gruppen* 
roeife  in  ©teinfefcungen  aufgefunben  mürben.  2>er  jpärtidje  Snljalt 
ber  Urnen  mar  bem  bom  Sßöterauer  Urnenfriebljof  (t>gl.  95b.  3  ©. 
553  ff.)  äf)n(icf). 

$)ie  Unterfucfyung  beS  fog.  ©tulper  $uf  unfern  35ummerSborf 
an  ber  £rat>e  im  3a^re  1856  fyatte  bie  bort  öermut^eten  SBaurcfte 
nirfjt  ju  Jage  geförbert.***)  ©ine  mieber^olte  33efid)tigung  im 
3a^re  1880  ergab  aber,  bajü  auf  ber  $ö^e  noeb  bie  UmmaQungen 
eines  alten  StingmalleS  ju  erfennen  maren,  obgleich  biefelben  too^l 
fdjon  feit  langer  $eit  ju  Üulturjmecfen  eingeebnet  finb.  SlngefteÜtc 
Nachgrabungen  bajelbft  blieben  erfolglos,  dagegen  fanben  jidj  an 
bem  fteifen  Slb^ang  nad)  ber  Sratoe  in  bem  abbröcfelnben  ©rbretdjc 
2ibfäfle  ber  Bearbeitung  oon  fjeuerftetn  unb  tterfdjiebene  £opf* 
fdfjerben,  nnter  benen  ein  $enfel  mit  Ornament  aus  ber  3cit  ^ 
gefdjltffenen  geuerfteinS. 

©elegentlicfy  ber  in  ben  Safyren  1879  bis  1882  öorgenommfr- 


*)  »gl.  3.  93.  ©djwäbifdjer  Stferfur  oom  22.  Sluguft  1878. 

**)  ^epglidj  beS  1870  bei  ben  Ausgrabungen  ju  9tifcerau  gefnnbenfn 
„rätselhaften  SifcnflerätfjeS"  (ügl.  23b.  3  @.  614),  ift  ju  enuäbnen,  baß 
baffelbe  ein  ^roucefdjaber  ober  Sdjneibemcrfjcug  ift,  bemjenigen  afmltdj,  wcl 
djcS  ftd)  im  3rribertcO'gran$i3ceum  Safel  XVII  gigur  11  abgebübet  pnbet. 

•••)  Sgl.  »b.  1  @.  406. 


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zedby  G00gk 


315 

nett  Srb=  unb  ^Baggerarbeiten  jur  §erfteHung  beS  5)ur<f)fticl}eS  Sftufc 
bufd)*2tlttübecf  unb  jur  fonftigen  Ütegulirung  ber  Sraöe  finb  jaljl» 
reiche  intereffante  gunbe  gemacht,  bie  fomoljl  ber  präljiftorifdfyen 
3ett  als  bem  3Jiitte(a(ter  angehören.  3m  §afen  junädjft  ber 
©tabt  würben  meljrfad)  groftc  eiferne  ©cfyroerter,  ©olcfje  unb  große 
2Reffer  aus  bem  13.  unb  14.  3al)rf}unbert,  meiter  unterhalb  oon 
jenem  2)urcf)fticf)  jmet  motylerljaltene  große  broncene  $atsringe  aus* 
gebaggert.  3n  ber  üftäfye  oon  ©otljmunb  unb  ©iemS  fanben  fid) 
im  9)ioor  mehrere  gut  erhaltene  ©djäbel,  fcfyeinbar  oon  tjoljem 
Slfter,  fotuie  ©erätlje  au$  §irfdj*  unb  SRe^ge^örn.  Unbearbeitete 
©eroeilje  öon  fc^t*  ftarfen  ^irfc^en  unb  ©tendieren  famen  bei 
©tulper  |mf  ju  Sage.  Seim  2)urd)fticf)  öor  ©cfylutup,  im  fog. 
§afer  Ort,  mürben  am  $uf*e  ^r  £öf)e  bie  tiefte  alter  mittelafter* 
lieber  SBoljnungen  mit  öiefem  §auSratf),  unb  im  Stoffe  mittelalter» 
lidje  ©egenftänbe  ausgebaggert;  aixä)  fanben  fid)  am  Ufer  präljifto* 
rifdje  ©teinleite,  SReffer  unb  ©cf)littfci)ul)e  öon  &nod)en. 

Ueber  bie  im  Saljre  1882  erneuerte  planmäßige  2lufgrabung 
ber  ©tätte  öon  SUtlübecf  am  ÄuSfluffe  ber  ©djnmrtau  ift  oben 
(©.  145)  ausführlicher  berichtet. 

£)er  in  bemfelben  Satyre  ausgeführte  Sau  ber  Sübecf*$raöe= 
münber  ©ifenbalju  brachte  öor  SRönnau  in  einem  ©infdjnitte  beS  fteil 
jur  Sraöe  (fog.  ©ie<i)enbucf)t)  abfaflenben  SerrainS,  1,5  m  unter 
ber  Oberflädje,  bie  ©rabfammern  öon  6  bis  8  Seichen  ju  Jage, 
etma  1,8  m  lang  unb  0,5  m  breit.  £)ie  Seiten  lagen  in  ©tein= 
fefcungen  öon  tljeilmeife  unregelmäßig  beljauenen  ©ranitfteinen;  eS 
war  meber  ein  ©oben  noci)  eine  2)ecfe  öorfyanben.  9hir  Sfjeite 
öon  brei  ©fabeln  unb  18  Sein*,  2lrm*  unb  Sacfenfnotfjen  fonnten 
nocf)  gefammelt  merben,  ba  bie  ©rabftätte,  als  ber  SSerein  Äunbe 
öon  if)r  erhielt,  fd)on  jerftört  mar.  3ln  beigaben  mürben  ein  eifer^ 
neS  3Äeffercf)en  in  Seberfdjeibe  mit  tljeilmeife  erhaltenem  ©riff, 
fomie  ein  gut  conferöirter  fdjmaler  ©ct)letfftein  gerettet. 

3n  ber  9iäf)e  öon  Sflitjerau  fanben  fiel)  in  einem  getbmege, 
ber  oon  bem  Söege  öon  ÜRuffe  nad)  Äüljfen  absmetgt,  bie  SRefte  öon 
fünf  öerfd)iebenen,  etma  15  bis  25  m  öon  einanber  entfernt  liegen* 
ben  SBofynftätten.  3febe  berfetben  jeigte  eine  etma  10  ein  ftarle, 
1  m  breite,  buref)  Äoljte  unb  Slfcfye  gefärbte  @^id|t,  in  nnb  neben 
welker  oiete  Heine  Urnenfdjerben  unb  fleine  ©tücfdjen  ftarf  rotl}* 


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zedby  G00gl^ 


316 

gebrannten  SeljmS  oorfamen,  bic  fid)  beuttid}  ate  gebrannter  Scbm- 
benmrf  ber  ©ebäube  fennjeiebneten.  <3ebe  Qfunbftätte  mie3  Sterben 
öon  grofeen,  öon  mittleren  unb  oon  Keinen  Urnen  auf,  bie  auch, 
tfyrer  ©röfce  entfpredjenb,  au£  fe^r  grober,  mittlerer  unb  feiner 
bünner  9Kaffe  bergefteflt  maren.  fjaft  alle  ©gerben  waren  burd)  ben 
©ebrauefy  am^euer  aufeen  ftarf  gerottet  unb  bröcfelig,  mäfjrenb  ftc 
innen  glatt  unb  öon  grauer  garbe  maren.  Sinige  ©rfjerben  ftnb  tief 
fcfytoarj  mit  punftirten  Sinien,  anbere  oon  grauer  garbe,  mit  febräge 
liegenben  ober  idjräge  äufammenlaufenben  geraben  Sinien  oerjiert, 
fo  baJ5  e§  fdjeiut,  al£  ob  tjier  ©gerben  aus  ber  SBenbenjeit  mit 
älteren  jufammen  fcorfornmen,  unb  bie  Slnfiebclung  3fal)tf)unberte 
taug  beftanben  f)at.  ©puren  oon  Söefeftigung  ber  SBo^nftatten  ließen 
ftd)  and)  au3  ber  Sage  ber  (enteren  nidjt  bemerfen. 

3m  fjrii^ia^r  1884  mar  im  $)orfe  Utecfyt  Don  einem  Sßrioat 
mann  ein  Hünengrab  (©teinüfte)  aufgebeeft,  üon  beffen  SJorfyanben* 
fein  ber  SJerein  ju  fpät  Äunbe  erhielt,  um  bie  Spaltung  btefeS 
QfunbeS  ju  ermöglichen.  3)a3  ©rab,  oon  meinem  ein  2Kobeß 
angefertigt  unb  bem  cuttur!jiftorifd)en  SKufeum  einoerleibt  marb, 
ähnelt  bem  1852  ju  35(anfenfee  aufgefunbenen,*)  nur  ftnb  bie 
©teine  roeit  fleiner.  @3  beftanb  au$  oier  Jragfteinen  auf  jeber 
Seite  unb  bier  Secffteinen,  unb  fjatte  einen  3ußang  an  ber  Dftfrite. 
3n  itjm  mürben  ©teinmefjer,  ©gerben  fcon  brei  Urnen  mit  ©oben 
ftücfen  unb  ein  SRanbftücf  gefunben;  lefctereS  ift  mit  fünf  SReifjen  oon 
fdjarf  eingefdjnittenen  parallelen  ©trieben,  beren  Sage  in  ben  unter 
einanber  liegenben  Meißen  abmecf)fett,  unb  mit  fortlaufenben  boppd 
ten  fünften  jmifd)cn  ben  einzelnen  Steigen  oerjiert. 

2)iefer  SJorgang  in  Utedjt  bemeift,  mie  ridjtig  unb  notfytpenbig 
ber  ©d)ritt  be$  33erein3  mar,  im  Sa^re  1882  bie  SJorftänbe  ber 
Sübedifdjen  Sanbgemeinben  aufjuforbern,  auf  eine  Ablieferung  aüer 
jufällig  aufgefunbenen  altertümlichen  ©egenftänbe  an  ba$  SJhifeum 
binjttmirten,  gleichzeitig  (eiber  aber  audj,  oon  meldj  geringem  (Srfolge 
biefer  ©djritt  begleitet  gemefen  ift. 

3n  ber  cutturfjiftorifcben  Sammlung,  meldte  im  Saufe  ber 
Safjre  ben  Statuen  „6ulturIjiftorifrf)e$  SDiufeum"  erhielt,  ttmrbe 
bie  Umorbnung  unb  Sieuaufftellung    1876   beenbet.     Obgleich   bie 


•)  »gl.  »b.  1  ®.  397  ff. 


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Göögtr 


317 

3Kuttergefellfd)aft  ju  bicfcm  93el)ufe  ba3  erftc  Stocfroerf  il)re§  93er» 
fammlung3l)aufe3  nad)  einem  gmerfmäftigen  2lu3bau  bem  SSorftanbe 
be3  9Kufeum§  gänjlid)  übermieS,  moburd)  namentlich  eine  foftema* 
tifdje  Stufftellung  fiel)  burdjfüfjren  tiefe,  fo  ftanb  ber  gemährte  SRaum 
bod)  in  feinem  SBerfjättniffe  ju  ben  SBermetyrungen, x  meiere  bie 
Sammlung  roieberum  ber  Siberatität  fyiefiger  unb  auswärtiger 
©önner  unb  $reunbe  ju  bonlen  fyatte.  Unter  lefeteren  finb  befon« 
berS  unfere  SanbSteute  im  9lu3(anbe  $u  ermähnen,  mit  beren  tljat* 
fräftigem  öciftanb  e3  gelungen  tft,  bie  etl)nograpl)ifd)e  Stbtljeilung 
beS  SöhtfeumS  bebautenb  ju  ermeitern  unb  ju  einem  befonberen  Sin« 
}ieljung3t>unfte  für  ba3  Sßublifum  ju  machen.  Weitere  anfel)nlitf)e 
unb  mertljöolle  Stüde  mürben  tljeite  bei  ben  arbeiten  ber  $rat>en* 
correction  unb  bm  oorermäljnten  Ausgrabungen  unentgeltlich  ermor* 
ben,  tljeils  auf  ber  1879  fyiefelbft  beranftatteten  Aufteilung  älterer 
funftgeroerbtidjer  ©egenftänbe  angefauft,  rooju  bie  greigebigleit  ber 
3KuttergefeUfd)aft  unb  Sßribater  bie  erforberlidjen  ©elbmittel  jur 
Verfügung  ftellte.  S)iefe  erfyeblidje  Sermeljrung  ber  Sammlung 
in  ben  lefeterer  jugemiefenen  Räumen  jmeifentfpredjenb  unterjubrin« 
gen,  machte  grofce  Sdjttrierigfeiten.  Qm  ©emiunung  meiteren 
SßlafceS  mürbe  baljer  eine  SBieberabtrennung  ber  Sammlung  bon 
©typSabgüffen  nad)  ber  Stntife,  beren  SBeauffidjtigung  bem  SSorftanbe 
beS  äRufeumS  1875  übertragen  mar,  1883  burdjgefüljrt ,  inbem 
biefe  Sammlung  nad)  ben  StuSftetlungSräumen  ber  JBurg  hinüber» 
gefdmfft  unb  ber  Obfyut  beS  SBereinS  fcou  Jhmftfreunben  unterteilt 
imtrbe.  2)odj  auä)  biefer  Schritt  mirb  nur  für  furje  «Seit  einige 
Abhülfe  gemäßen.  Srft  menn  baS  jefet  bon  Senat  unb  SBürger* 
fdjaft  befdjtoffene,  unter  SRitmirfung  ber  ®efellf(^aft  jur  JBcförbc» 
rung  gemetnnü&iger  Jljätigteit  ju  erricfytenbe  SÄufeumSgebäube  fertig 
gefteüt  fein  mirb,  mirb  aud)  bie  cutturljiftoriftfie  Sammlung  in  bem* 
felben  eine  iljrem  Umfange  unb  ifyrer  35ebeutung  entfpredjenbe  biet* 
benbe  Stätte  finben,  mo  fie  unter  ber  Eityut  eines  befonberen  Eon* 
ferbatorS  iljre  Aufgabe  ganj  erfüllen  fann. 

3^r  bisheriges  9lmuad)fen  bermetyrte  bie  ©efdjäfte  ber  SBorfteljer 
in  fo  erheblichem  9Raafee,  bafe  beren  3^1  1882  bon  bier  auf  fec^d 
erljöljt  merben  mufcte.  3wt  Söeftreitung  ber  taufenben  Ausgaben 
nrnrb  bon  ber  SWuttergefellf^aft  ber  jäljrlidje  ^Beitrag  bon  1878  ab 
um  500  JC  bergröfeert. 


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zedby  G00gk 


318 

SSBie  baS  SRufeum  fid)  eines  lebhaften ,  ftetS  junefymenbcn 
>8efud)eS  Seitens  ber  JBemofjner  unferer  ©tabt  erfreut,  fo  roirb  iljra 
auä)  öon  auSroärtS  immer  größere  93ead)tung  gefc^enft.  |>ie$u  tyd 
inSbefonbere  bie  83efcf)icfung  üerfcf)iebener  in  ®eutfcf)lanb  fceranftak 
teter  2tuSfteUungen  mit  Ijer&orragenben  Stücfen  ber  Sammlung  bei* 
getragen.  (5:3  feien  l)ier  ermähnt:  bie  ÄunftgeroerbeauSfietlung  $u 
SWündjen  1876,  bie  Ijiefige  2tuSftelIung  älterer  funftgemerbüdjer 
©egenftänbe  1879,  bie  antf)ropologifcf)e  ShiSftellung  ju  Srrlin 
1880  (bie  Soften  ber  SBefdjicfung,  fonrie  ber  ju  biefem  JBe^ufc 
angefertigten  2Robelle  Don  ben  ©teingräbern  ju  SBalbljufen  unb 
SBlanlenfee,  bem  Sßöppenborfer  SRing  unb  ber  ©tätte  oon  Sltlübed 
mürben  burc^  bie  2)iuuificenj  $ol>en  ©enateS  gebeeft),  bie  maritime 
Aufteilung  in  Hamburg  1881  unb  bie  ebenbafelbft  1884  t>txau> 
ftaltete  Aufteilung  aus  ber  grranjofenjeit. 

3n  ber  auf  bem  ßljor  ber  ©t.  Satfyariuenfircfye  befinbtieben 
Abteilung  beS  äRufeumS  Ijatte  fid)  bei  mehreren  Ältarfcfjränlen 
unb  Silbern  bereits  feit  Sauren  ein  Abblättern  beS  Äreibcgrnnbe§ 
bemerfbar  gemalt,  meines  mit  ber  3^*  jene  Äunftmerfe  ööllig  ja 
bernicfyten  bro^te.  S)ie  notfymenbige  Steftaurirung  berfelben  ift  hu 
3tol)te  1882  burd)  ben  JpofbeforationSmaler  SWidjaelJen  ju  SBiäraar 
in  burdjauS  jufriebenfteHenber  SSeife  jur  StuSfütjrung  gelangt. 

3)aS  Museum  Lubecense,  eine  Sammlung  bon  SBübern, 
3eidjnungen  unb  planen,  metd)e  unfere  ©tabt  betreffen,  ift  unter 
ber  ßeitung  eineä  befonberen  SSorftanbeS  ebenfalls  erfreulich  ange* 
madjfen.  SWamentlid)  mar  baS  3lugenmerl  barauf  gerietet,  alte 
Skultdjfeiten  (Jre^engiebel,  portale  u.  bgt),  meldje  ber  june^mc^ 
ben  Sluffüljrung  moberner  Käufer  jum  Opfer  fielen,  ber  Stachelt 
menigftenS  in  getreuen  2lbbilbungen  ju  erhalten. 

Äudj  aufcerljalb  feines  ÄreifeS  fyat  ber  SJerein  eS  fid}  angelegen 
fein  laffen,  auf  Sonferöirung  Don  Slltertljümern  Ijinjumirfen.  Spiegü 
gab  iljm  namentlich  Stnlaft  bie  öon  ber  8?orfteljerfd)aft  ber  3>ob* 
firdje  in  bie  §anb  genommene  Steftaurirung  beS  berühmten  9iorb> 
portalS  jener  Äirdje,  beS  fogenannien  SßarabiefeS,  mobei  ber  ©iebcl 
biefer  SSorfyaüe  —  eins  ber  feltenften  SBerle  in  bem  nörblidjai 
Steile  unfereS  SSaterlanbeS  —  megeu  ju .  beffirdjtenben  ©nfturje* 
abgebrochen  mürbe.  2>er  herein  fonnte  im  (Sinöeweljmen  mit  bc» 
S3erein   ber  Äunftfreunbe   folgen   Slbbrucf)   nidjt   für   gerechtfertigt 


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zedby  G00gk 


319 

erachten,  unb  roanbte  fid),  um  äljntidje  SSorgänge  für  bic  Bufunft 
öermieben  $u  fefjen,  1879  jufammen  mit  bem  (erstgenannten  SSerein 
an  bcn  ©enat  mit  bcm  (Srfudjen,  bic  Stiftung  ljert>orragenber 
S3aubenfmäler  fyiefiger  ©tabt  t>on  ©taatöwegen  ju  übernehmen.  $)ie 
SBieberljerftenung  jene£  ©iebefS  ift  bemnätfjft  übrigens  berart  erfolgt, 
bafj  bie  urfprünglitfien  formen  bollftänbig  wieber  hervortreten. 

SßeuerbingS  Ijat  ber  33erein  fid)  bemüht,  an  competenter  ©teile 
auf  erbeten  ©djufc  einiger  broncener  ©rabplatten  in  fjiefigen 
finden  Ijinjuroirten. 

Unfere  S3ibliotljet  ift  eine  fo  umfangreiche  unb  wertvolle 
©ammlung  fjiftorifcfyer  ©Triften  geworben,  bafc  ber  ©ebaufe,  fie 
aud)  weiteren  Greifen  be3  SßublifumS  juganglid)  ju  machen  unb  ju 
biefem  33el)ufe  mit  ber  ©tabtbibliotljef  ju  toerfdjmeljen,  meljrfad) 
angeregt  unb  befprodjen  worben  ift,  oljne  inbejj  biäfjer  ju  einem 
SBefdjtuffe  in  biefer  Stiftung  .geführt  ju  Ijaben.  3?njwifd>en  ift 
wenigftenS  ein  S3erjeid)nife  iljreS  S3eftanbeS  auf  ber  ©tabtbibtiotfyef 
niebergetegt,  um  bort,  wo  aud)  ber  Ijanfifdje  ®efd)id)t&>erein  unb 
ber  SSerein  für  bie  ßitteratur  ber  @efd)td)te  iljre  33üd|erfammtungen 
aufgeteilt  Ijaben,  einen  Ueberbttd  über  ba£  in  Ijiefigen  öffentlichen 
unb  SSereinSbibliotljefen  borljanbene  SRaterial  auf  biefem  ©ebtete 
ber  SBiffenfdjaft  ju  ermöglichen.  SSon  bem  gleichen  ©efiditsjmnfte 
au3  ift  mit  SSejug  auf  bie  baterftäbtifdje  ©efdjidjte  neuerbingS  bie 
^Bearbeitung  eines  fpejiellen  SatatogS  ber  auf  ber  ©tabtbibKotljef 
öortyanbenen  SJubecenfien  t>om  SSerein  in  SSerbinbung  mit  ber  Ijiefi* 
gen  ©eograpl)ifd)en  ©efettfdjaft  bei  ber  SBibliotfyef&Seljörbe  in  An» 
trag  gebraut,  unb  fjat  ©ewafjr  gefunben. 

(Sine  Stnrege,  biejenigen  Käufer  Ijiefiger  ©tabt,  in  benen 
bebeutenbe  SRänner  geboren  finb  bejw.  gewohnt  ^aben,  mit  enfc 
ft>red)enben  ©ebenftafetn  ju  berfetyen,  warb  1880  &om  SSerein  leb« 
fjaft  ergriffen,  mufcte  jebodj,  wegen  ber  fidj  afäbalb  jeigenben 
©djmterigfeiten  ber  Ausführung,  junädjft  einer  Sommiffion  jur  mei* 
teren  Vorbereitung  tiberwiefen  werben.  2)ie  SSeratljungen  Ijaben 
bteljer  nod)  nidjt  jum  Slbfdjtuffe  gelangen  fönnen. 

©eit  1876  Ijat  ber  SSerein  feine  SKitglieber  ju  regelmäßigen 
SMonatSberfammfungen  wäljrenb  beS  SBinterljatbjaljreS  berufen,  in 
welken  neben  (Srlebigung  ber  gefd)äfttid}en  Angelegenheiten  ga^(> 
reiche  SSorträge  über  ©egenftänbe  ber  baterftäbtifdjen  ©efdjtdjte  aus 


Digiti 


zedby  G00gle- 


320 

allen  3toeigen  berfetben  bie  $age3orbnung  bitbeten,  unb  manebe  an 
btefetben  fidj  anfdjliefcenbe  lebhafte  33eft>redf)ung  ba3  3ntereffe  ber 
Sljeilnefjmer  feffelte.  3)a3  fjodjerfreulidje  Slnroadjfen  ber  SKitglielte 
jaljt  barf  mit  toollem  gug  auf  bieje  2tu3geftaltung  eiltet  frifdjeren 
58erein3leben3  jurürfgefü^rt  werben.  Sie  mannigfachen  93erüljning£ 
punfte,  meiere  jnriftfjen  ben  SBeftrebungen  unfereS  33erein3  unb  be* 
fjiejigen  SBereinS  t>on  Sunftfreunben  ju  Sage  traten,  führten  1878 
ju  einem  engeren  SBerljäftniffe  beiber,  auf  beffen  ©runblage  bie 
2Kitglieber  berechtigt  finb,  bie  SBerfammlungen  gegenfeitig  ju  befugen. 
3m  ßaufe  ber  3^tt  fyat  fiel)  IjierauS  bie  ®epftogenf>eit  gebifbet, 
gegen  @nbe  be3  SSinterfemefterä  gemeinfam  einen  9lbenb  feftlidj  ju 
begeben,  an  meinem  nebelt  ben  grreuben  ber  £afel  aud)  ber  SBiffen* 
fd^aft  unb  Sunft  iljr  t>olle3  SRcc^t  ju  £l)eil  wirb, 

Ueber  bie  ÜDiitgtieber  unfere3  SBereinS  ift  im  ©njetnen  %ol 
genbe§  ju  berieten: 

3)em  Vereine  finb  beigetreten:  1877  Oberlehrer  Dr.  ^J.  fjeit; 
1878  SRe^anmalt  Dr.  Stbatb.  t>on  Sippen,  Kaufmann  £.  \£>arra* 
jr.,  unb  Strdjtteft  %tvb.  9Äünjenberger;  1879  ©cfjulöorfteljer  Dr. 
SBuffeniuS,  Senator  Dr.  Sulenfamp,  Dberbeamter  be£  ©tabt*  unb 
SanbamteS  Dr.  $f).  ©aeberfc,  Kaufmann  $.  6.  £)tto,  Kaufmann 
ßonful  333.  Slug,  »anfbirector  SS.  ©piegeter,  Kaufmann  «.  ©ratt^ 
ftröm,  Kaufmann  @5.  SBranbeS,  Oberlehrer  Dr.  Saettyfe,  Oberlehrer 
Dr.  e.  SurtiuS,  93ud)l)änbler  gerb,  ©rautoff,  *ßfjotograpl)  3-  9Wk 
ring,  ®raf  Ob.  t>on  Sernftorff,  |>auptpaftor  8.  Staute,  Siebaeteur 
S.  ©tuljlmann  unb  üitfjograpf)  |>.  SJiegelmann;  1880  Dberbeamter  be4 
#Wofyefen««mte3  Dr.  SB.  ©äbefe,  Senator  §.  9Kann,  Sauf  mann  5.8. 
©iemfSen,  Sßrofeffor  Dr.  3K.  ^poffmann,  SRe^t^antoalt  Dr.  2.  ©taunau, 
Oberlehrer  3Jtcrtcn^,  Dr.  med.  2fy  (Sfcfjenburg,  Dr.  phil.  Ä.  §ageborn; 
1881  Saufmann  f>.  93el)ren$,  9ied)t3anmalt  Dr.  9K.  3)eif$,  SBautufoector 
91.  ©djmiening,  SBegebaumeifter  8ong--©d)mibt,  Dberbeamter  be3  ©tabt 
unb  SanbamteS  Dr.  ©.  Sßabft,  Dberle^rer  Dr.Süftermamt;  1882  Dba- 
leerer  ©cfjumamt,  Sucfjbrucfereibefifcer  3.  SRaljtgenS,  Oberlehrer  Dr. 
ÜKüHer;  1883  9teatfd}ultet)rer  3.  $od>,  93udf)bru<fereibefiker  <J.  9JaM 
gen3,  äßufifbirector  £.  ©tieljl,  Saufmann  93.  $unaeu$,  Säcfcrmeifkr 
81.  ©tieljl,  Sauf  mann  28.  ©iemfSeu;  1884  £auptlcf)rer  3.  $>.  £. 
©artori,  Dberfeljrer  Dr.  £au3berg,  $)irector  ber  (Shmeftitienföule 
Sßaftor  ^offmaun  unb  Saufmann  $.  flange. 


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321 

SBon  bicfcn  ift  SRebacteur  ©tutytmamt  am  11.  Slprit  1884  t>er» 
ftorben,  unb  finb  megen  SBertegung  it)re§  äBofjnfifceS  nrieber  au3ge= 
fdjieben  9ted)t3anroatt  Dr.  t>on  Sippen,  ©raf  SBcrnftorff  unb  2Bege« 
baumeifter  83ong*©djmibt.  3n  gleicher  SSeranlaffung  toerlor  ber 
Sßcretn  fein  namentlich  um  ba3  cufturl)iftorifd)e  SRufeum  f)ocfyt>er' 
bienteS  SKitgtieb  3°Htnfpector  ©rojj,  mäfyrenb  Dr.  Ä.  3Keier  unb 
Kaufmann  £.  £.  Otto  bie  SJtitgtiebfdjaft  freiwillig  aufgaben. 

Stufeer  bem  9tebacteur  ©tuljtmamt  ftarben  t>on  fyiefigen  SKit* 
gliebern  fecf)§: 

Kaufmann  ^einridi  93eljren3  {enior  (f  21.  SRofc.  1876) 
gehörte  fcfjon  t>or  ©rünbung  be$  jc^igen  93erein3  bem  t>on  ber 
äftuttergefellfdjaft  eingefefeten  3lu$fd)uffe  für  bte  Sammlung  Sübetfi* 
fc^er  Sunftaltertljümer  1851 — 53  an,  unb  Ijat  ber  (enteren  in  iljrer 
(Srtoeiterung  }u  einem  cu(turl)iftorifd)en  Sßufeum  ftet^  ba3  tebt)aftefte 
3fntereffe  jugemanbt. 

3lud>  ber  Don  Stettin  fyier  jugejogene  Sßarticulier  Srranj  2Bik 
Ijetm  Srocf  (f  13.  9iofc.  1877)  bat  Ȋljrenb  ber  brei  3af)re  feiner 
ajiitgttcbfd^aft  bem  9Jiufeum  in  beffen  prä^iftorifc^er  Slbtfyeilung 
feine  befonbere  3^eitna^me  entgegengebracht. 

©einer  beiben  langjährigen  3Kitgtieber  unb  SSorfifcenben 
be$  DberaWeHation£geridjt3ratIje3   Dr.   jur.    ßart    SBit^ctm 
*ßau(i  (geb.  18.  $ec.  1792,   f    18-   3Kärj   1879,   9Kitgüeb   feit 
1837)  unb 

be3  ^Srofefforö  griebrttf)  Sßityetm  9KanteU  (geb.  17.  Sinti 
1816,  f  8.  Snni  1879,  3Kttglieb  feit  1845) 
wirb  ber  SBerein  nie  fcergeffen.  Seiben  ift  t>on  greunbeSljanb  ein 
lttterarifcf)e3  35enfmal  gefefet,  ba3  auä)  ifyre  SSerbienfte  um  unfere 
83eftrebungen  in  toolleS  2itf)t  ftellt,  bem  (Srfteren  in  $eft  2  be3 
gegenwärtigen  Sauber  ber  3^tfc^rift,  bem  fieberen  in  ber  biograpfyi* 
fdjen  ©fijje,  meiere  Dr.  $.  Äoppmann  bem  33ud}e:  „^Beiträge  jur 
Iübifd)*l)anfifcf)en  ©efdjidjte.  9lu3gemäl)lte  fyiftorifcfye  arbeiten  Don 
SBifyetm  SWantete."  Sena  1881,  t>orangefd)icft  l)at.  2Ba3  ber 
Sßerein  für  fein  inneres  ßeben  bor  allem  2Kantel3  banft,  ift  bie 
©Raffung  ber  oben  ermähnten  regelmäßigen  SBintetuerfammlungeu. 

Äunfttjänbler  Karl  ihtbroig  Saibet  (f  22.  3anuar  1880) 
betätigte  fein  lebhaftes  Sntereffe  für  bie  SBereinSjmede  nament(id) 
alä  SKitgtieb  ber  ©ection  für  ba§  Museum  Lubeceuse. 

3tfär.  b.  ».  f.  ß.  ©.  IV,  3.  21 


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zedby  GoOgle 


322 

ßanbridjter  Gart  Sljeobor  *ßauli  (geb.  22.  2)ec  1822,  f 
28.  Sept.  1882,  2Kitgtieb  feit  1849)  befleibete  biete  Saljre  l)in» 
burdj  baS  Amt  eines  ©cl)riftfül)rerS,  unb  Ijat  in  früherer  «Seit  an 
ben  Vorarbeiten  für  bie  Verausgabe  beS  fiübetfifc^en  UrfunbenbudjeS 
regen  Äntljeil  genommen. 

SRodj  fei  beS  Kaufmannes  VartljolomauS  ©eorg  Käufer 
(f  1880  ju  ©djmerin)  eljrenb  gebaut,  toetc^er  and)  nad)  feinem 
SBegjuge  bon  Ijier  bem  Verein,  beffen  langjähriges  SKitglteb  er 
getoefen,  burd)  jal)treicf)e  ©efdjenfe  für  baS  culturfjiftorifdje  SWufemn 
unb  baS  Museum  Lubecense  feine  warme  $lnf)ängttd>teit  tipt* 
fädjtidj  bemiefen  Ijat. 

3u  correSponbirenben  3Ritgfiebern  Ijat  ber  Verein  1876 
ernannt:  Sßrofeffor  Dr.  91b.  $otm  ju  Sßafenno,  Dr.  jur.  X^eobor 
§ad)  ju  2Äünd>en  unb  StegierungS;  unb  VauratI)  Dr.  Shrieg  ju 
Verlin,  brei  frühere  eifrige  SDJitgfiebcr;  1878  Dr.  med.  SruH  ju 
SBiSmar  unb  ^rofeffor  Dr.  phil.  $aut  £aSfe  ju  ftte(;  1881  3ofr 
bemmlter  @ro{$  ju  SDtemmingen;  1882  bie  SRemerförfter  fjr.  Slau- 
biuS  ju  Vefjlenborf  unb  ©.  §offmann  ju  ^Soggcnfcc;  1883  ben 
Kaufmann  $.  ©röffer  auf  ber  »nfet  Saluit;  1884  ©tabtard>i*ar 
Dr.  Ä.  |>öl)lbaum  ju  Köln,  *ßrofeffor  bon  ber  Stopp  ju  ©iefcen 
unb  Sßrofeffor  Dr.  ©djäfer  ju  Jena. 

Von  ben  ©enannten  ftarb  Vauratlj  Dr.  Krieg  am  24.  Januar 
1884.  Äufeerbem  fyat  ber  Verein  toon  feinen  correfponbirenben 
SKitgliebern  burd)  ben  Job  berloren:  am  15.  SKärj  1878  ben 
Dberförfter  a.  ©.  6.  #.  £aug;*)  am  30.  Juni  1878  ben  »rd>it> 
ratlj  ^ßaftor  Dr.  3Jdafd^  gu  ©entern,  toeldjer  ber  Verausgabe  beS 
©iegettoerfeS  treue  Mitarbeit  gemibmet  Ijat  unb  bem  bei  feinem 
50jäl)rigen  ÄmtSjubitäum  am  12.  Dct.  1876  ber  Verein  baS  foeben 
fertig  gefteßte  britte  ^eft  beS  britten  VanbeS  biefer  3ritfdjrift  $atte 
mibmen  bürfen;  enbtid)  am  22.  ©ept.  1883  ben  @elj.  Ärd)iöratb 
Dr.  fiifdj  ju  ©djtoerin,  beffen  gleiche  Jubelfeier  am  16.  Oct.  1877 
bem  Verein  ju  einem  ©lürfmunfc^fc^reiben  Stnlafc  -gab. 

Von  bem  1882  iljm  jugeftanbeneu  Steckte,  audj  ©jrenmttglic* 
ber  ju  ernennen,  l)at  ber  Verein  alsbalb  ©ebraudj  gemalt,  un& 
feine  langjährigen   correSponbirenben  SDiitglieber  ©ei).  SReg.  SRatlj 


•)  «gl.  ®b.  3  S.  614  615. 


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zedby  G00gk 


323 

^Srofcffor  Dr.  ©.  SBaifc  unb  ^rofeffor  Dr.  SB.  2Battenbac§  gu 
^Berlin  aU  bie  erften  in  biefe  Sfyrenlifte  eingetragen.  Sfynen  reifte 
fid)  ber  um  2ühtd$  33erfaffung&  unb  SRccf)t^gefd^ic^tc  fjodjberbieute 
Sßrofeffor  Dr.  g.  gren^borff  in  Oöttingen  an. 

Snnerfyalb  feinet  engeren  Steifet  burfte  ber  SSerein  am  22.  Suli 
1879  ba3  fünfunbjmanjigjäljrige  SlmtSjubiläum  be3  ©taat3ard)it>ar3 
äöeljrmann,  feinet  jmeitötteften  2Ritgliebe3,  fefttid)  begeben.  2Kit 
feinem  aufridjtigften  ©tüdmunfdje  überreizte  er  eine  Keine  2)ru* 
fdjrift  „3?erjeid)ni&  öon  Slbfyanbhtngen  unb  Slotijen  jur  ©efd)id)te 
Sübecfä  au3  tübedifdjen  unb  fyanfif  djen  33(ättern"  unb  toerfammelte 
bie  Mitarbeiter  unb  greunbe   be§  3ubitar3   ju  froher  £afetrunbe. 

9iid)t  ntinberen  Slnt^eit  nahmen  mir  im  9iob.  1881  an  ber 
efjrentmHen  3lu3jeid)uuug,  bie  iljm  öon  ber  Uniberfität  ®öttingen 
burd)  SSerfei^ung  ber  juriftifdjen  2)oftormürbe  honoris  causa 
erliefen  mürbe. 

©nbtid)  feien  nod)  bie  finanziellen  33erf)ättniffe  be3  23erein3 
ermahnt.  @r  ergebt  feine  Beiträge  bqn  feinen  SRitgliebem,  fonbem 
beftreitet  feine  Unfoften  mit  bm  Mitteln,  meiere  ifym  bie  ©efeK* 
fdjaft  jur  SBeförberung  gemeinnütziger  Sljätigfeit  jur  Verfügung 
fteHt,  unb  mit  ben  (Srträgniffen  feiner  litterarifdjen  Unternehmung 
gen,  bie  er  in  ©elbftoerfag  Ijat  (nur  ba3  Urfunbenbud)  ift  einem 
Sßerteger  übergeben).  2)afe  festere  Einnahmequelle  fet)r  fpärli<$ 
fliegt  unb  bie  2lu3gaben  nidjt  im  ©ntfernteften  betft,  ift  eine 
©rfaljrung,  bie  nur  mofjt  mit  ben  meiften  Ijiftorifdjen  Vereinen 
tljeilen.  SSon  ber  äftuttergefellfdjaft  empfing  ber  SJerein  in  ben 
neun  Sauren  1876  bi$  1884  einen  jäfirlidjen  feften  ^Beitrag  öon 
JC  600.,  axtä  meinem,  neben  ben  allgemeinen  SBebürfniffen,  aud) 
bie  ebengebadjten  2tu3gaben  beftritten  werben  mufjten  (ein  burd)  fie 
entftanbeneS  deficit  t>on  JC  500.  mürbe  im  3fafyre  1877  burdj 
eine  au&erorbenttidje  Seminigung  gebedt);  einen  gleiten  Beitrag 
üou  jäfyrfid)  JC  360.  jur  Verausgabe  be3  Urfunbenbud)3,  eine 
©umme  üon  JC  500.  für  ba3  neue  Unternehmen  ber  monatlichen 
SKittljeUungen.  gür  ba$  culturtjiftorifdje  SKufeum  fpejieH  erhielten 
wir  (abgefeljen  öon  ben  Äoften  be£  SluSbaueS  be§  ßofateS) 
JC  7100.,  unb  ju  erneuerter  9lu§forfd)ung  ber  ©tättc-t>on  Stttlübed 
JC  500.  $5er  Oefammtbetrag  biefer  SBeminigungen  beläuft  fid) 
auf    mef)r    ate   JC   17  200.     Steinen  mir  bie  Sei^ütfe  $ol)en 

21* 


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zedby  G00gk 


324 


Senates  jur  Verausgabe  beS  UrfunbenbudjeS  mit  M  3240.,  unb 
ben  ©rtrag  unferer  ^ßublifationen  f)inju,  fo  Ijaben  roäljrenb  ber 
93erid)t3ja!)re  runb  JC  21000.  für  bie  Stotdt  beS  SBereinS  t>cr* 
manbt  werben  fönnen  —  tooljt  eine  bebeutenbe  ©umme,  beren  SBcrcit= 
ftellung  uns  ju  lebhafteren  2)anf  toerpfliditet,  gleidjjettig  aber  bte 
Hoffnung  giebt,  bafc  eS  unferen  emften  SJeftrebungen  aud)  ferner 
an  ber  erforberlitfjen  materiellen  Unterftüfcung  md)t  mangeln  toirb! 


Digiti 


zedby  G00gk 


325 


xvi.  cxxi.) 

©erjeidjnifj  bcr  SDIttglteber 

be3 

Umtos  für  füMifdif  fl&fMüljtr  unH  ^lterttnunshmüre 

9Ki^actig   1884. 


A.    £kfigc  9Küglicber. 

SBürgernteifter  Dr.  jur.  #.  Sty  JBeljn.     1842. 

©taatöardjtüar  Dr.  jur.  S.  5-  SBdjrroann.    1845. 

©tfenbaljnbirector  Ä.  fr  93enba.    1857. 

^Srofeffor  St.  $.  %.  ©artort.     1857. 

Senator  Dr.  jur.  §.  fflug.     1862. 

Senator  Dr.  jur.  SB.  Srefrner.     1866. 

©enatöfecretatr  Dr.  jur.  3-  ®.  (Sfdjenburg.    1866. 

©enatSfecretair  Dr.  jur.  <£.  SB.  @.  #ad).     1868. 

Amtsrichter  Dr.  jur.  2K.  @.  gunf.     1868. 

Cberbeamter  be3  #wotf)efenamte3  Dr.  jur.  fr  3-  2.  3MIer.   1870. 

adcc^Öanwott  Dr.  jur.  Ä.  Sre^mer.     1870. 

9tector  3-  9R.  SB.  »uro».    1870. 

9ted)t3anmatt  Dr.  jur.  @.  fr  geling.     1871. 

^oKjcifecretatr  Dr.  jur.  fr  8L  £act}.     1871.    SBorfifeenbet. 

©ecretatr  ber  ^anbefäfammer  Dr.  jur.  6.  #.  §.  grantf.     1872. 

Sanbmcfler  <E.  3.  fr  «rnbt.     1875. 

$ftotogratf  fr  ?t.  £.  Stnbe.     1875. 

2lmt3ricf}ter  Dr.  jur.  3.  93enba.     1875. 

Oberlehrer  Dr.  phil.  fr  93.  Sföenbnrg.     1875. 

Oberlehrer  Dr.  phil.  81.  <E.  $.  Seit.     1877. 

Kaufmann  S.  S.  £.  £arm3.    1878. 

«rüttelt  fr  $.  «.  aWünsenberger.    1878. 


Digiti 


zedby  G00gle 


326 


©rfmtöorftetier  Dr.  phil.  @.  D.  SBuffentuä.     1879. 

Senator  Dr.  jur.  31.  ®.  ßulenfamp.     1879. 

Dberbeamter  be3  ©tabt*  unb  2anbamte§  Dr.-  jur.  $lj.  ©aeberfc. 

1879. 
ftaufmamt  SB.  ßtug.     1879. 
SBanfbirector  SB.  3R.  21.  ©piegefer.     1879. 
Saufmamt  S.  2t.  SBrattftröm.    1879. 
Kaufmann  3-  S-  ©•  SBrahbeS.     1879. 
Oberleder  Dr.  phil.  2.  #.  93aetb,le.     1879. 
Dberleb,rer  unb  ©tabtbtbltotljefar  Dr.  phil.  6.  GurttuS.     1879. 
SBudjl)änbter  g.  §.  ©rautoff.     1879. 
Sßljotogratf)  3-  #•  fr  SRöbnng.    1879. 
#auöt»mftor  @.  $.  g.  2.  fr  SRonle.     1879. 
£trt)ogta#)  3.  §.  SR.  SBiegetmamt.     1879. 
Dberbeamter  be3  $tn>otb,eIenamte3  Dr.  jur.  SB.  ©abefe.     1880. 
Senator  2fy  3.  $.  2Rann.     1880. 
Kaufmann  G.  21.  ©iemjSen.     1880. 
^rofeffor  Dr.  phil.  fr  SB.  ü)t.  #offmann.     1880. 
9ted)t3ann>att  Dr.  jur.  2.  §.  %i).  ©taunau.    1880. 
Oberlehrer  G.  21.  G\  9Rerten3.     1880. 
3trjt  Dr.  med.  2t.  $b,.  Gfajenburg.     1880. 
Dr.  phil.  2t.  SB.  G.  #ageborn.     1880.    ©äjrtftfüljrer. 
Äaufmann  #.  SBe!)ren8.     1881. 
9ted)t8antoalt  Dr.  jur.  SR. 'SB.  3.  $eif3.     1881. 
SBauinfoector  2t.  G.  ©.  ©djttuening.     1881. 
Dberbeamter  be3  ©tabt<  unb  2anbamte3  Dr.  jur.  ©.  Sßabft.    1881. 
«ßrofeffor  Dr.  phil.  fr  §.  Süftermann.     1881. 
Dberteljrer  fr  G.  ©ctiumann.     1882. 
S3ud)bru(fereibeftfeer  3-  9i.  §•  9tal>tgen3.     1882. 
Dbertet)rer  Dr.  phü.  @.  2.  3.  9ttüuer.     1882. 
«Reatfajutfeljrcr  3-  ©t.  SB.  £oct>.     1883. 
£öucl)bru(feretbefifeer  G.  ©.  2.  fflaljtgenä.     1883. 
SKufifbirector  G.  3-  G$.  ©Het)t.     1883. 
tauf  mann  G.  2t.  gr.  So.  $unaeu3.     1883. 
SBätfermeifter  ®.  2t.  ©tieljt.     1883. 
Kaufmann  SB.  ©temfäen.     1883. 
#aupttel)rer  §.  3).  §.  G\  #.  ©artori.    1884. 


Digiti 


zedby  G00gk 


327 

Oberlehrer  Dr.  phil.  $.  $cm3berg.     1884. 
©djutbirector  ?ßaftor  *ß.  3K.  $offmcmn.     1884. 
Kaufmann  §.  Sänge.     1884. 

B.    ®f)ttu*mt$lxtbtt. 

©ef).  9teg.  Statt)  <ßrof.  Dr.  phil.  @.  SBaife  in  SBerlin.     1882. 
*ßrofeffor  Dr.  phil.  SB.  SBattenbad)  in  93er(in.     1882. 
<ßrofeffor  Dr.  jur.  ®.  grenäborff  tu  ©öttingen.     1882. 

C.     Sorrc£ponbircnbc  SDHtglieber. 

Staatsrat!)  Dr.  phil.  t>on  Sunge  in  28ie3baben.     1849. 

S)trector  a.  2).  Dr.  phil.  3.  Stoffen  in  Hamburg.     1854. 

©tabtarcfjtoar  Dr.  phil.  St  Äoppmann  in  SRofiocf.     1873. 

$rof.  Dr.  phil.  Hb.  £otm  in  Neapel.     187(5. 

Dr.  jur   31.  #.  £f).  £arf),  j.  3.  in  Sübcd.     1876. 

Dr.  med.  (Srull  in  SßiSmar.     1878. 

Sßrofeffor  Dr.  pliil.  $.  §a3fe  in  Siel.     1878. 

Soltinfpector  3.  ©rofS  in  äßemmingen.     1881. 

görfter  @.  .fjoffmanu  in  *ßoggenfee.     1882. 

görfier  fr  Staubig  in  23et)lenborf.     1882. 

Kaufmann  ,§.  ©röffer  auf  Snfuit.     1883. 

©tabtardjitmr  Dr.  phil.  $.  §öt)lbaum  in  ftöln.     1884. 

Sßrofeffor  Dr.  phil.  ©.  greiljerr  Don  ber  Mopp  in  ©iefeen.    1884. 

9ßrofeffor  Dr.  phil.  3).  ©djäfer  in  SBreStau. 


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